Sicarius

Vorbestellungen, Source Codes und virtuelle Werbeplattformen

The Incredible Adventures of Van Helsing II (Herstellerbild)

The Incredible Adventures of Van Helsing II (Herstellerbild)

„Besser spät als nie“ heißt ein bekanntes Sprichwort. Aber wenn ich erst Aufmerksamkeit erhalte, wenn ich auf Twitter meinen Frust rauslasse (allerdings direkt an den Entwickler und nicht in der normalen Timeline), dann ist das trotzdem kein wirklich guter Kundenservice. Immerhin war mein Problem mit der Vorbestellung von The Incredible Adventures of Van Helsing II dann tatsächlich in weniger als 24 Stunden gelöst. Und das nachdem ich schon zwei Wochen lang vergeblich versucht hatte per Mail (die angeblich nie ankamen) mit Neocore Games zu kommunizieren und bereits bei PayPal den Käuferschutz und damit die Rückgängigmachung der Transaktion beauftragt hatte.

Hintergrund: Ich hatte am selben Tag vorbestellt, wo die Ankündigung dazu kam. Aber da war anscheinend das Shop-System von Neocore im Eimer. Zwar ging die PayPal-Transaktion durch, aber die Zurückleitung zum Händler funktionierte nicht. Entsprechend gab es auch keine Bestätigung über den Kauf (und kein Beta-Key). Also schrieb ich den Van Helsing-Support an. Der konnte mir aber nur das Problem schildern, mir aber nicht weiterhelfen und verwies mich an eine zweite E-Mail-Adresse bei der nun eben zwei Wochen lang meine Mails anscheinend nicht ankamen. Wenn ich mir so das offizielle Forum anschaue, bin ich mit dem Problem aber auch ganz klar nicht der einzige. Doof.

Themawechsel

Microsoft Word for Windows 1.1a (Herstellerbild)

Microsoft Word for Windows 1.1a (Herstellerbild)

Doch genug von meinen privaten Problemen. Beschäftigen wir uns lieber mit DER Nachricht des gestrigen Tages: Microsoft hat den Source Code für MS-DOS 1.1 (1982), MS-DOS 2.0 (1983) und Word for Windows 1.1a (1989) veröffentlicht! Wahnsinn. Historisch natürlich definitiv eine bedeutende Sache und eine feine Sache für alle, die so etwas interessiert. Aber als ich nach dem Aufstehen auf dem Smartphone in die Mailbox schaute klang das alles wesentlich spektakulärer. Zugegeben: The Register ist mehr die BILD unter den Computerwebseiten. Aber wenn ich die Überschrift „It’s True! Microsoft releases OS-Source-Code.“ im Header des Newsletters lese, dann erwarte ich durchaus etwas anderes als 30 Jahre altes Zeug ohne große aktuelle Bedeutung. Die tatsächliche Artikelüberschrift „As WinXP death looms, Microsoft releases ist operating system SOURCE CODE for free“ ist auch nicht viel besser und schürt erneut Erwartungen, welche die Fakten nicht erfüllen können. Wenn da so etwas steht, dann sollte dahinter mindestens Windows 2000 oder so versteckt sein aber doch nicht die erste und zweite Version von MS-DOS. Nene du, man kann sich auf das Internet einfach nicht mehr verlassen.

Bitte? Das war gar nicht die große Nachricht des gestrigen Tages? Wenn nicht das, was denn sonst? Ach die Sache mit Facebook. Die haben für krasse 2,3 Milliarden US-Dollar (400 Millionen in bar, 1,6 Milliarden für Aktien und 300 Millionen als Belohnung für Meilensteine) Oculus gekauft. Ihr wisst schon, John Carmack und die anderen Jungs und Mädels, die gerade an der Oculus Rift basteln. Dabei hat Facebook doch erst vor einem Monat 16 Milliarden US-Dollar für das mobile n00b-ICQ WhatsApp ausgegeben. Andererseits: Die 16 Milliarden hatten sie ja Mitte 2012 schon am Tag des Börsengangs von daher sind das für das 104 Milliarden US-Dollar schwere Unternehmen (Jahresumsatz 2013: 7,87 Milliarden davon 523 Millionen US-Dollar Gewinn) alles Peanuts.

Auswirkungen?

Oculus Rift (Herstellerkonzept)

Oculus Rift (Herstellerkonzept)

Selbstverständlich ist es noch viel zu früh, um konkrete Aussagen darüber treffen zu können was nun aus der Rift wird. Zumal die Entwicklung im Gaming-Bereich schon zu weit fortgeschritten ist, als dass Facebook da groß was kaputt machen könnte. Im Gegenteil könnte die massive Geldspritze da sogar massiv von Vorteil sein. Entsprechendes schreibt auch Zuckerberg selbst in seinem Kommentar zur Ankündigung. Und ich bin mir auch sicher, dass er es prinzipiell auch ehrlich meint, wenn er sagt, dass er sich die Rift als Plattform für völlig neue Arten von Erfahrungen vorstellt. Das Endziel von Virtual Reality ist schon immer das Holodeck und seine Ideen für die Rift gehen in diese Richtung.

Leider reden wir bei all der Tagträumerei immer noch von Herrn Zuckerberg und Facebook. Einem Unternehmen, das es noch weniger als Google mit der Privatsphäre der Nutzer so genau nimmt und ja sogar am meisten verdient, wenn es diese missachtet und stattdessen vom gemeinsamen Kollektiv träumt in dem alle ihr Leben vollständig mit jedem anderen teilen und Facebook diese Infos dann gezielt vermarkten kann. Darum geht es schließlich am Ende des Tages: Profitmaximierung unter allen Umständen. Das war schon vor dem Börsengang so und ist nun, wo tausende kurzfristig denkende Anleger ihre jährliche Dividende haben wollen nur noch schlimmer geworden. Entsprechend ist Skepsis definitiv angebracht, wenngleich Notchs Reaktion (kein Minecraft für Oculus Rift mehr) vielleicht etwas überzogen war. Ich hätte mich trotzdem wohler gefühlt wenn die Nachricht gelautet hätte „PornHub kauft Oculus“. Da wüsste ich wenigstens was uns erwartet :smile: .

Epilog

Aktuell ist das aber natürlich trotzdem erst einmal nur Schwarzmalerei. Wir wissen nicht was Facebook genau vorhat und wann sie ihren Plan in die Tat umsetzen. Veränderungen brauchen bekanntlich Zeit und sind auch nicht sofort erkennbar. Die Auswirkungen des Aufkaufs durch Bethesda wurden bei id Software für uns außenstehende ja auch erst ein paar Jahre später wirklich sichtbar. Entsprechend kommt auch einfach die Frage dazu, wie die Welt von morgen tatsächlich aussehen wird. Die Jugend von heute kennt es schließlich gar nicht anders. Seit sie ein Smartphone im Alter von 3 Jahren von ihren Eltern gekauft bekommen haben, schreien sie ja schon ihr gesamtes Leben in die weite Welt hinaus (leichte Übertreibung). Von daher wäre es nicht weiter verwunderlich, wenn es in 30 Jahren tatsächlich keine Hemmungen mehr gibt und nur noch wir alten Säcke im Hover-Schaukelstuhl auf unserer virtuellen Terrasse im Altersheim sitzen und was von „früher war alles besser“ jammern während alle anderen fröhlich in der Matrix miteinander kommunizieren und sich gegenseitig die neusten Fotos von ihrem Proteinshake schicken.

Hach ja…in Star Trek sah die Zukunft doch irgendwie ansprechender aus.

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2 Kommentare

„Zwar ging die PayPal-Transaktion durch, aber die Zurückleitung zum Händler funktionierte nicht.“

Das hatte ich bei meinem letzten Einkauf bei Cyberport auch.
Besonders doof war, dass ich für verhältnismäßig viel Geld den Express-Lieferservice dazu gekauft hatte. Durch das nicht eingetroffene Geld beim Händler, hätte ich mir die Zusatz-Gebühr auch gleich sparen können… :(
Zumal ich von Anfang an eigentlich mit Kreditkarte bezahlen wollte, aber aus „Sicherheitsgründen und um KK-Missbrauch vorzubeugen“ blabla durfte ich nicht an eine andere Adresse schicken lassen, als an meine Heimatadresse, OBWOHL ich Sicherheitscode, Online-Pass und Handy-Pin zur Verifizierung bei der Kaufabwicklung abgeben musste.
Dann kam die Kaufbestätigung, aber kein Paket und dann wurde mir PayPal aufgequatscht und dann ist eben passiert, was ich oben geschildert habe. Echt ärgerlich.

Bei der Gelegenheit von mir also die Warnung:
Wollt ihr schnell mal eine Bestellung von Cyberport haben… schaut woanders. Das ist jetzt von zwei Einkäufen, das zweite Mal, dass etwas bei der Kaufabwicklung überhaupt nicht rund lief und bei der Anzahl an Online-Transaktionen, die ich sonst tätige, ist das kein guter Vergleichswert. Es ist zwar mehr als begrüßenswert, dass sich um meine KK-Sicherheit so viel gesorgt wird, aber wenn ich erst fünf erfolgreiche Käufe mit der KK dort durchgeführt haben muss, bevor ich an meine Freundin oder Bekannte etwas schicken kann und sie meine Bestellungen dann immer stornieren und per PayPal erneut durchführen lassen, was dann AUCH NICHT funktioniert dann beißt sich da der Hund in den Schwanz. Übrigens stehe ich jetzt nach den beiden gekauften und mittlerweile eingetroffenen Artikeln immer noch bei 0/5.

zu OR:
Mich interessiert das überhaupt nicht. Ich brauche bislang kein VR, ich bin so zufrieden. Es ist ein nettes Gimmick, aber ansonsten naja… Zum x-ten Mal mache ich mich unbeliebt, wenn ich das Holo-Deck ignoriere. Was soll man zu der Geschichte auch groß sagen? Ich versuche es mal.
Facebook wird immer „Der Böse“ bleiben, wie „damals“ beim Whatsapp Deal. Und was ist das Ende vom Lied? Das Internet bölkt rum, die reguläre Presse entdeckt das Thema neu für sich und freut sich total, die Leute vergessen das drei Tage später, die Nutzerzahlen steigen – trotzdem. Warum? Die Leute denken viel Geld dahinter schafft zwangsläufig ein gutes Produkt und Sicherheit. Und was wird genau werden? Das werden wir erst in Jahren sehen, was facebook damit macht. Ich persönlich störe mich nach wie vor nicht daran, dass fb whatsapp gekauft hat. Viele kleine Feinheiten sind hinzugekommen, wie das Verbergen das Online-Status, Unterteilen in eigenen erstellten Listen und diverse Sicherheitsupdates. Gerade Ersteres schafft mehr Sicherheit als Blockieren oder Löschen, wenn man will, dass wirklich kein unbekannter Normalsterblicher den eigenen Status ungewollt abfragt. Dass im Hintergrund die Facebook–Profiling-Maschine mitliest und dadurch viele Geheimdienste (ob erlaubt oder heimlich) alles nochmal einzeln filtern, will ich nicht unter den Teppich kehren. Man muss sich von Anfang an darüber bewusst sein, wenn man diese Dienste nutzt oder allgemein ins Internet geht…
Auf der anderen Seite dann Notch und das Kickstarter Thema, was ich trotz meines Supports für diverse Projekte weiterhin skeptisch begutachte. Letzten Endes muss man es doch auf die Menschen herunterbrechen und mit denen ist es doch so, dass jeder Backer zwar liest was kommen soll, aber jeder auch zu einem Punkt auf der Liste seine eigene Vorstellung hat. Und ich lese viel zu oft, dass sich an Kleinigkeiten aufgehalten wird, die dann bei einem normalen Projekt Entscheidungen des Entwicklers/Publishers sind und so nun einmal hingenommen werden müssen. Wer jemals in einer Entscheidungssituation war, weiß, dass man es niemals jedem Recht machen kann. Vor allem nicht im Detail. Da spricht man von einer Verbesserung der Arbeitssituation und jeder denkt etwas anderes.

Natürlich fühlt sich der Aufkauf von OR ganz anders an, wenn man wie Notch jetzt 10.000$ reingesteckt hat, als wenn nur zu den 5-10$ Schreihälsen gehört… und natürlich kann ich da auch verstehen, dass man da Kapital in ein Produkt steckt, den Wert also an einer Idee steigert, die mittlerweile jemand anderem gehört. Und ich weiß, dass es um seine Mitwirkung geht, dieses Minecraft Light da auf die OR zu bringen. Die Gründe seit dem Kauf nicht mehr mit OR mitzuarbeiten habe ich ebenfalls mitgelesen. Betrachtet man notchs Gedanken, wirkt das rational. Schreibt man nur eine Headline: FB kauft OR, Notch: kein MC mehr für OR, dann wirkt das kindisch. Durchblättert man seine Argumentation möchte man an seiner Stelle auch kein MC Light mehr für OR bringen und versteht, warum er sich auch als Backer verprellt fühlt.

Ich hab aus unerfindlichen Gründen erst „cyberpirates“ gelesen (vor dem neuen JuSchG mein Nr.1 Händler für ab 18 Filme). :smile: Cyperport kenne ich hingegen nicht. Vielleicht mal aus Versehen auf der Webseite gewesen aber nie bestellt und nach deinem Bericht wohl auch in Zukunft nicht.

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