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De Deifi Drei Zwo Punkt Null

Diablo III: Reaper of Souls (Collector's Edition) Promobild

Diablo III: Reaper of Souls (Collector’s Edition) Promobild

Vergangenen Freitag schaffte es das erste (und vermutlich einzige?) Erweiterungspaket zu Diablo III mit dem weiterhin völlig idiotischen Untertitel Reaper of Souls (Was ist an Soul Reaper so verkehrt?!) in die Läden und natürlich landete — trotz meiner bisher äußerst kurzen Spielzeit mit dem Hauptspiel — die Collector’s Edition auch bei mir im Briefkasten. Wobei Blizzard seit World of WarCraft ein absolutes Standardformat für diese hat. Ein Hardcover-Kunstbuch mit mittlerweile zumindest ein paar Zeilen Text, eine Behind-the-Scenes-DVD/Blu-ray, ein Mauspad (WER will sowas heute noch? Pro-Gamer verwenden für ihre Zwecke keine Werbepads), der Soundtrack und ein paar Ingame-Pets, -Avatare oder kosmetischer Kram.

Alles in allem eine solide Packung aber nichts wirklich Berauschendes und wie gesagt seit mittlerweile 9 Jahren immer das Gleiche egal was Blizzard auf den Markt wirft. Das einzige was mich an dem Paket jedes Mal reizt ist die Behind-the-Scenes-Disc auf der unter anderem alle Rendersequenzen in bester Qualität (seit der Umstellung auf Blu-ray sogar noch besser) drauf sind. Das Intro zu World of WarCraft: Wrath of the Lich King ist in fast unkomprimierter Fassung noch 10mal genialer anzuschauen. Mich ärgert es entsprechend heute noch, dass ich die Blizzards Cinematic-DVD (WarCraft III, Diablo II und StarCraft) damals nicht mehr bekommen habe. Heute kriegt man sie nur noch für absolute Wucherpreise. Dabei würde ich so gerne mal Arthas‘ Betrayal so richtig erleben. Aber gut, da bin ich vermutlich relativ alleine. Ich weiß noch als der Cinematic-Trailer und dazu ein Gameplay-Trailer zu StarCraft II: Wings of Liberty rauskamen. Während alle sich am Spiel ergötzen habe ich mir extrem oft angeschaut wie sich Tychus Findlay angezogen hat :smile: .

Aber ich wollte euch heute gar nicht so sehr von meinem Faible für Zwischensequenzen von Blizzard Entertainment erzählen, die immer noch ganz klar die beeindrucktesten in der Branche abliefern. Gefolgt von den Jungs bei Blur Studio. Die machen zwar hauptsächlich Trailer sowie hin und wieder ein Intro. Aber die hauen einen auch jedes Mal wieder aus den Socken. Sowas müsste wirklich endlich mal ins Kino kommen statt dem tausendsten Pixar-Kinderstreifen.

Das Spiel

Ich hab‘ also am Freitag Diablo III: Reaper of Souls reinbekommen und das tatsächlich zum Anlass genommen endlich mal das Spiel durchzuspielen nachdem mit Patch 2.0 ja vieles überarbeitet wurde und dabei auch das Auktionshaus rausflog. Und was soll ich sagen? Vorgestern lag Diablo höchstpersönlich mit dem Gesicht zuerst auf dem Fußboden im Himmel während ich mit meiner Level-45-Zauberin über ihm thronte. Nun fehlt „nur“ noch Akt 5 und Malthael. Hat das Spiel also endlich zu seiner alten Form zurückgefunden dank des Patches und des Addons? Die kurze Antwort: Jein. Schon allein weil ich schon zu Diablo II-Zeiten die Konkurrenz bevorzugte obwohl ich extrem viele Stunden reingesteckt habe (glaub mein höchster Charakter war um die Level 80). Die lange Antwort folgt hingegen in ein paar Stichpunkten:

Die schlechten Seiten

  • Diablo III (Herstellerbild)

    Diablo III (Herstellerbild)

    Der Schwierigkeitsgrad ist fragwürdig. Ich habe ziemlich früh auf „Experte“ hochgeschaltet (mehr ist vor dem erstmaligen Durchspielen leider nicht möglich) und bin erst auf Level 30 das erste Mal gestorben. Davor habe ich nicht einmal Heiltränke gebraucht. Gleichzeitig waren die Bossgegner (inklusive Diablo) zu keiner Zeit irgendeine wirkliche Gefahr für mich und zwar ohne, dass ich mich während der Kämpfe groß bewegt hätte. Problem und die größte Todesursache für mich waren stattdessen die immer mal wieder auftauchenden Elite-Gegner (eine normale Feindgruppe mit speziellen Werten und Fähigkeiten). Da lief mir ab Akt 3 dann doch jedes Mal der Schweiß über die Stirn bis sie tot im Dreck lagen.

  • Das Loot-System macht mir immer noch keinen wirklichen Spaß. Zum einen habe ich das Gefühl, dass weniger Gegenstände fallen gelassen werden. Vor allem zerstörbare Objekte in der Umgebung geben in 99% der Fälle nichts mehr her entsprechend gibt es absolut keinen Anreiz mehr (abseits von ein paar absolut vernachlässigbaren Erfahrungspunkten) irgendetwas kaputt zu machen. Aber auch bei Gegnern findet sich überraschend wenig. Allerdings ist das jetzt nicht unbedingt schlimm. Es macht schließlich auch keinen Spaß ständig zurück ins Dorf zu müssen weil das Inventar schon wieder voll ist mit weißen oder gar grauen Gegenständen. Die wenigen Gegenstände, die ihr tatsächlich zu Gesicht bekommt, sind stattdessen größtenteils blau oder sogar gelb. Zum anderen ist trotzdem immer noch sehr oft nicht wirklich was Brauchbares dabei selbst bei den Bossgegner. Daran ist natürlich ein Stück weit auch das Crafting-System schuld dank dem ich mich selbst sehr gut auf dem aktuellen Stand halten kann. Aber all das führt dazu, dass ich eben nicht gespannt auf den nächsten Drop warte, sondern mich schlicht durch den Level zum nächsten Questziel durchklicke.
  • Das Leveln macht weiterhin nur mäßig Spaß. Ja, es gab in Diablo II faktisch auch nur DIE eine richtige Skillung pro Klasse. Aber dennoch war die Motivation dort ein weiteres Level zu erreichen wesentlich größer weil ich eben dann ein paar Attributspunkte und einen Skillpunkt vergeben durfte. Hier schalte ich alle paar Levels mal eine Rune für die paar Zaubersprüche frei, die ich auch tatsächlich benutze, teste sie und bleibe dann doch meist bei der vorherigen Konfiguration hängen – und das sehr viele Levels hintereinander. Somit ist noch ein weiterer Anreiz weg auf die unzähligen Gegner zu klicken. Und da wir hier von einem Hack ’n‘ Slay reden, wo Loot und Levels DIE Motivatoren sind, was bleibt da noch übrig? Nicht viel.

Die guten Seiten

  • Diablo III: Reaper of Souls (Herstellerbild)

    Diablo III: Reaper of Souls (Herstellerbild)

    Die Geschichte ist dieses Mal wesentlich besser, tiefgründiger und etwas spannender erzählt. In den Vorgängern war da ja nicht viel zu wollen. Hier findet ihr hingegen dauernd mal Audiologs (zufällig und auch nicht alle theoretisch möglichen in einem Durchgang), unterhaltet euch immer mal wieder mit den Leuten in der Heimatbasis und auch sonst ist einfach mehr los und der treibende Faktor nicht nur immer die nächste Rendersequenz. Wobei die natürlich trotzdem zumindest für mich auch weiterhin eine große Rolle spielt. Entsprechend enttäuscht war ich, als Akt 1 endete startete und KEINE kam (die kommt etwas verzögert).

  • Es sieht schick aus und zumindest in den ersten vier Akten sind die Levels relativ übersichtlich und nicht so ein Mist wie die Wüste in Diablo II mit kilometerweitem NICHTS. Zudem wird Erkunden insofern belohnt, als dass es kleinere Bonusdungeons sowie spezielle gescriptete Events gibt. Da wird beispielsweise eine Gruppe von Soldaten von Dämonen angegriffen und ihr sollte die Angriffe für 2 Minuten abhalten. Wirklich nett gemacht und insofern zufällig, als dass ihr in einem Durchgang niemals alle möglichen Events finden werdet. Das erhöht den Wiederspielwert etwas, auch wenn es nur eine begrenzte Anzahl davon gibt.
  • Der Flow stimmt einfach wieder. Es ist trotz all der Probleme wieder sehr einfach sich im Klicken zu verlieren (auch weil die Steuerung wieder absolut flüssig von der Hand geht) und zu sagen: „Ach komm, den nächsten Raum schaust du dir auch noch an“. Zugegeben: Dank des doofen Checkpoint-Systems seid ihr ein Stück weit sowieso dazu gezwungen weiterzuspielen und könnt nicht einfach so mittendrin aufhören (ihr fangt dann das nächste Mal wieder am letzten Checkpoint an). Aber selbst ungeachtet dessen verrinnen die Stunden schneller als einem lieb ist.

Fazit

Divinity: Original Sin (Herstellerbild)

Divinity: Original Sin (Herstellerbild)

Ich kann jetzt nicht wirklich behaupten, dass ich tatsächlich echten Spaß während dem Spielen hatte. Es war denk ich vor allem der Flow, der mich am Spielen hielt (plus die Hintergrundgeschichte). Die starken Änderungen, die Blizzard durchgeführt hat, haben entsprechend in dieser Hinsicht tatsächlich ihre Wirkung erzielt – zumindest was die Kampagne angeht. Ich glaube weiterhin nicht, dass ich es weiterspielen werde sobald der Soul Reaper im Dreck liegt. Die Paragorn-Levels interessieren mich nicht die Bohne und der Adventure-Modus (ihr habt Zugang zu allen Levels und müsst darin bestimmte Aufgaben erfüllen) klingt zwar ein bisschen interessant, erscheint mir aber jetzt auch nichts was mich irgendwie längere Zeit bei der Stange halten könnte. Sobald die Geschichte erzählt ist, braucht es am Ende des Tages doch das Leveln und das Looten, um weiter zu Motivieren und das ist selbst mit Diablo III: Reaper of Souls meiner Meinung nach weiterhin nicht der Fall. Da spiele ich dann doch lieber so etwas wie Divinity: Original Sin, das wesentlich mehr Fleisch auf den Knochen hat.

Und damit wäre von meiner Seite eigentlich alles zum Blizzard-Werk gesagt auch wenn ich die eigentlich neuen Inhalte in Akt 5 noch nicht gesehen habe. Es ist insoweit besser geworden, dass ich es jetzt endlich mal durchgespielt habe. Aber die Zeiten von Diablo und Diablo II sind für mich einfach vorbei. Was (Action-)Rollenspiele angeht bin ich da dann doch einfach mittlerweile etwas anspruchsvoller geworden (mit Sacred find der Wandel an). Vielleicht dann bei Teil 4 wenn dieser 2026 auf den Markt kommt.

Bis Montag!

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4 Kommentare

Mich hat Diablo bereits bei teil zwei verloren. Im Grunde ist es immer dasselbe – und irgendwann hatte ich einfach genug. Es kommt einfach kein Spaß mehr auf, obwohl ich nachvollziehen kann, warum es so viele Leute spielen.

Weiß nicht, aber haben sie es vielleicht Reaper of Souls genannt, weil Soul Reaper vom Klang her recht nah an Soul Reaver ist? Oder geht das am Ende nur mir so? ^^

Ich hab jedenfalls momentan auch viel Spaß an D3, allerdings auf der 360. Hoffentlich kommt da noch das Addon für… *daumen drück*

Kann durchaus ein Faktor sein. Aber ich denke die Antwort ist vermutlich eher, dass sich der Begriff „Reaper of Souls“ einfacher schützen lässt als ein „Soul Reaper“ was ja durchaus ein etwas gängigerer, gleichzeitig stark religösbesezter alternativer Begriff für den Grim Reaper ist.

Und „Reaper of Souls“ klingt natürlich wesentlich geschwollener als „Soul Reaper“. Das ist in so einem Setting natürlich nicht ganz unwichtig :wink: .

An „Soul Reaver“ musste ich auch denken, JoG, da bist du schon einmal nicht alleine.

Zu Christophs Eintrag kommt mir nur ein Wort in den Sinn: Ernüchterung.
Die vergangene Woche habe ich mich ein wenig anfixen lassen, sodass ich kurz davor stand das Spiel zu kaufen und im MP zu spielen. Auch die Durchschnittswertungen, die ich dieses Mal tatsächlich zur Orientierung hergenommen habe, weil ich wissen wollte, was sich im Vergleich zum Hauptspiel verbessert hat, sind ja mehr als vielversprechend. Beim GamersGlobal Test… naja lassen wir den mit dem überaus umstrittenen Ergebnis außen vor, hätte ich auch gerne auf das Amazon Angebot geklickt und gekauft. Doch dein Eintrag lässt mich da noch einmal darüber Reflektieren und die Meinungskästen mit einer anderen Note lesen. Und dann erinnere ich mich wieder wie sehr ich mich über Diablo III geärgert habe. Halte ich mir vor Augen, dass es nur eine einzige Änderung gibt, welche mich tatsächlich positiv überzeugt (Crafting) hat, dann bleibt mir zusammenfassend nur ein Satz von dir zu zitieren:
„Und da wir hier von einem Hack ‘n’ Slay reden, wo Loot und Levels DIE Motivatoren sind, was bleibt da noch übrig? Nicht viel.“

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