Sicarius

Christophs Aufreger der Woche

Es ist schon ein wenig komisch wie viele mehr oder weniger detaillierte Vor-Ankündigungen beziehungsweise „in Erinnerungsrufungen“ bereits für die E3 gemacht wurden (und noch werden), die in rund 1 1/2 Wochen mal wieder in Los Angeles stattfindet. Man könnte meinen, mancher Publisher hätte (sicherlich berechtigte) Angst in der Welle an E3-Nachrichten unter zu gehen. Aber ob eine Welle von Vor-Ankündigungen wirklich so viel besser ist? Bei Halo 5: Guardians konnte man vielleicht noch argumentieren, dass Microsoft die Karte so früh zückte, um die Aufmerksamkeit ein wenig weg vom „Xbox One ohne Kinect“-Thema zu lenken.

Hitman 6 Artwork

Hitman 6 Artwork

Aber alleine gestern der erste, völlig nichtssagende Hinweis auf Hitman 6 (müsste mal Hitman Absolution weiterspielen) sowie Bethesdas Ankündigung des zumindest optisch interessanten Team Fortress 2-Klons Battlecry vom gleichnamigen Studio. Ach und The Evil Within hat Bethesda auch gleich noch ein paar Journalisten gezeigt, um euch das Survival-Horror-Abenteuer wieder in euer Gedächtnis zu rufen. Soll ja schließlich schon am 21. Oktober 2014 für alle relevanten Plattformen (also nicht WiiU) erscheinen. Ich finde allerdings, dass sie es mit dem „Beim Spielen werdet ihr euch in die Hose machen“-Marketing ein wenig übertreiben. Zumal der Titel bei mir bislang nicht einmal einen annähernd so subtilen Eindruck macht wie beispielsweise Outlast. Aber Konkurrenz für Resident Evil ist immer gut. Deswegen: Her damit!

Nicht von DICE

Am Dienstag kam außerdem die Enthüllung von Battlefield: Hardline, das ich irgendwie noch nicht so ganz einschätzen kann trotz dem geleakten Gameplay-Trailer. Prinzipiell klingt es schon sehr interessant was Visceral Games (Dead Space) in Zusammenarbeit mit Ghost Games (Need for Speed Rivals) da vorhaben. Vom Ansatz her wirkt es wie ein Mix aus klassischem Battlefield, viel PayDay 2 und eine Prise Counter-Strike: Global Offensive oben drauf. Das könnte sicherlich lustig werden.

Ich frage mich aber schon ein wenig, ob sie sich mit dem „Battlefield“ im Namen wirklich einen so großen Gefallen getan haben. Mit dem Namen verbinde ich seit Battlefield 1942 langatmige Multiplayer-Action auf riesigen Karten – quasi das absolute Kontrastprogramm zu Call of Duty. Die Verbindung zu rasanten Verfolgungsjagden in mehr oder weniger engen Gasse und ein stärkerer Storyfokus (auch wenn Battlefield: Bad Company und sein Nachfolger gelungen waren) will sich da aktuell noch nicht so wirklich einfügen. Mal schauen was EA noch so dazu erzählt.

Sony „Steampunk“?

The Order: 1886 (Herstellerbild)

The Order: 1886 (Herstellerbild)

Schon letzte Woche groß in den Medien war Sonys PlayStation-4-Killertitel (oder so ähnlich) The Order: 1886, das mittlerweile auf 2015 verschoben wurde. Ihr wisst schon, der Shooter, der auf der E3 2013 mit einem völlig uninformativen Rendertrailer angekündigt wurde. Mittlerweile ist etwas mehr darüber bekannt.

Doch auch dieses Werk löst bei mir absolut keine Begeisterungsstürme aus. Im Gegenteil: War ich am Konzept hinter dem Rendertrailer noch ein Stück weit interessiert, erinnern mich die jetzt veröffentlichten Spielszenen viel zu stark an Killzone oder, schlimmer noch, Resistance: Fall of Man (ich war froh, als ich das Ding durch hatte!) mit einer Prise Dishonored (wobei schon jetzt deutlich ist, dass das Spiel bei dem Vergleich nicht mithalten kann). Ja, es sieht halbwegs schick aus soweit sich das aufgrund der stockdusteren Spielwelt überhaupt beurteilen lässt. Aber lineares und stark gescriptetes Geballere vom Schlage eines Gears of War nur statt in der Zukunft in einer alternativen Vergangenheit? Was soll mich daran begeistern, so gut ich die Gears of War-Reihe auch finde? Sein Ziel hat der Gameplay-Auszug bei mir auf jeden Fall verfehlt.

Auf welchem Planeten sind wir?

Bei der aktuellen Vorstellung von The Order: 1886 hat zudem Game Director Dana Jan den Fehler begangen und den Mund aufgemacht. Er hat sich quasi sofort einen Platz auf meiner Liste der Entwickler gesichert, die am besten den Schnabel halten sollten (neben beispielsweise einem Gabe Newell oder Cevat Yerli) mit seinen Aussagen von wegen nur mit 30 Frames pro Sekunde ist unsere Vision des Spiels möglich (und gibt gleichzeitig selbst zu Spiele mit 60 Frames zu mögen) und seinem fragwürdigen Geblubber zum Thema Was uns „Next-Gen“ alles Tolles erlaubt, die nicht nur mal wieder zeigen wie Ignorant manche gegenüber den Fähigkeiten eines 08/15-PCs sind, sondern auch erneut deutlich machen, dass versucht wird die technischen Mängel der aktuellen Konsolengeneration zu kaschieren indem man behauptet, dass dank der „immens großen Leistung“ jetzt erst so richtig realistische Charaktere mit echten Emotionen und dergleichen möglich wären.

Beyond: Two Souls (Herstellerbild)

Beyond: Two Souls (Herstellerbild)

Das ging früher alles gar nicht sagt er. Da hat der RAM nicht ausgereicht, da war die CPU zu langsam und was weiß ich noch alles. Natürlich: The Last of Us, Beyond: Two Souls, L.A. Noir und die komplette Final Fantasy XIII-Trilogie (neben ganz vielem anderen Beispielen) gab’s zwar. Von der CryEngine fange ich erst gar nicht an zu reden und schon gar nicht hole ich die alten Interviews zu beispielsweise einem Heavenly Sword oder Heavy Rain hervor, in denen genau das Gleiche zur Last Gen gesagt wurde. Die ganzen Titel waren laut ihm auch ganz nett und haben den Grundstein gelegt, aber natürlich trotzdem vollkommen technisch limitiert und überhaupt nicht vergleichbar mit dem, was wir jetzt leisten können. Alter Schwede, was für ein absoluter Blödsinn nicht nur angesichts der gezeigten Szenen. Mir ist klar, dass wir hier von einem Sony-Entwicklerstudio reden und er entsprechend ein Stück weit natürlich die PS4 schönreden muss. Trotzdem konnte ich beim Lesen nicht aufhören mit dem Kopf zu schütteln.

Epilog

Ja, die drei Artikel auf Kotaku zu The Order: 1886 haben mich wirklich aufgeregt. Gebe ich offen zu. Solch völlig ignorantes/engstirniges Geblubber macht mich aggressiv (und, dass der jeweilige Journalist da nicht kritisch dazwischen geht noch zusätzlich), auch oder gerade wenn dahinter vornehmlich Marketing-Kalkül steckt. Ich bin zwar auch nicht frei von jedweder Polemik und Schönrederei. Aber ich versuche trotzdem immer ein Hintertürchen für die Gegenseite offen zu lassen.

Jetzt aber genug zu diesem Thema. Wir sehen uns am Montag wieder. Dann hoffentlich wie angekündigt mit einer Folge Christoph spielt zu WATCH_DOGS. Momentan habe ich mit einem nicht erreichbaren UPlay-Server zu kämpfen. Vielleicht kommt also doch zuerst das Video zu Tropico 5. Schauen wir mal. Bis dahin wünsche ich einen angenehmen Feiertag.

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