Sicarius

Die dunkle Seite von Darksiders

Darksiders 2 (Herstellerbild)

Darksiders 2 (Herstellerbild)

Anfang der Woche freute sich gefühlt das ganze Internet über eine beiläufige Bemerkung von Joe Madureira, ehemals Creative Director bei Vigil Games und verantwortlich für die Darksiders-Serie. Er erwähnte auf Facebook, dass die Serie nicht tot wäre und der aktuelle Lizenzinhaber Nordic Games ein großes Interesse daran hätte die Reihe fortzusetzen. Warum sollten sie auch nicht? Sie haben die IP ja nicht für so viel Geld gekauft, um sie im Keller verstauben zu lassen. Das macht vielleicht ein EA, aber ein so kleiner Publisher kann sich das nicht leisten. Zur Erinnerung: Nach dem Ende von THQ ersteigerte die schwedische Firma unter anderem die Rechte zu Darksiders, Red Faction und MX vs. ATV. Nordic Games war dann auch relativ schnell bei der Sache und sagte: Ja, keine Angst. Darksiders 3 ist in der Mache, aber wir suchen noch nach dem richtigen Entwickler.

Klingt im ersten Moment natürlich super. Teil 1 habe ich in der Zwischenzeit endlich durchgespielt, in Teil 2 mal wieder reingeschaut und ich finde beide Titel auch gelungen. Sonst hätte ich sie ja nicht beide im jeweiligen Releasejahr für einen NOCA nominiert und Teil 2 ihn sogar gewinnen lassen. Es gibt nur einen Haken: Nordic Games beziehungsweise genauer gesagt Nordic Games GmbH. Und nein, das hat nichts damit zu tun, dass ich den dortigen PR Manager nicht unbedingt für die sympathischste Person halte.

Die Hintergründe

Es scheinen schon wieder alle vergessen zu haben, aber hinter dem Namen Nordic Games GmbH steckt nichts anderes als die Überreste der JoWooD Entertainment AG, die 2011 endlich das Zeitliche segnete. Ihr erinnert euch doch hoffentlich noch an diese österreichische Firma, die vor einem Jahrzehnt begann sich zu einem regelrechten Sauhaufen zu entwickeln.

We S!ng: Robbie Williams (Herstellerbild)

We S!ng: Robbie Williams (Herstellerbild)

Zwar veröffentlichte die Nordic Games Group (eigentlich eine Retailkette wie Gamestop) schon ab 2008 unter dem Label Nordic Games Publishing Spiele. Die waren jedoch vernachlässigbar. Der einzige halbwegs erfolgreiche Titel war der Singstar-Knockoff WeS!ng für die Wii. Erst mit dem Aufkauf und dem darauffolgenden Zusammenschluss von JoWooD und Nordics Publishing-Sparte stiegen sie so richtig ins Geschäft ein. Das Ergebnis ist wie bislang wie erwartet: JoWooD macht unter neuem Namen da weiter, wo sie nach der verdienten Insolvenz aufgehört haben.

Die Erfolgsbilanz

Und genau das ist der Grund, warum ich keine großen Hoffnungen in ein Darksiders 3 setze. Was seit 2011 von den Österreichern auf den Markt geworfen wurde, war abseits der reinen Publishing-Aktivitäten (die PC-Version von Alan Wake kam unter anderem über sie in den stationären Handel) höchstens mittelmäßiger und größtenteils aufgewärmter Kram:

  • Dungeon Lords MMXII – Das RPG, das JoWooD schon mehrmals neu veröffentlicht hatte weil die ursprüngliche Releaseversion wie so oft bei JoWooD einfach in einer Alpha-Version auf den Markt geschmissen wurde und entsprechend in einem unterirdischen Zustand war.
  • Painkiller: Recurring Evil – Ein als eigenständiges Spiel verkaufter und nur als Download erhältlicher DLC mit fünf Levels auf Mod-Niveau und auf Basis der Engine des zehn Jahre alten Originalspiels
  • Painkiller: Hell & Damnation – Eine HD-Auflage alten ersten Teils, auch wenn der Herr PR-Manager immer steif und fest behauptete, dass würde nicht stimmen weil doch die Geschichte nach Teil 1 spielt. Als würde es etwas an der Tatsache ändern, dass man 99% der Zeit in den 1:1 übernommenen Levels des Originals unterwegs ist.
  • SpellForce 2: Demons of the Past (Herstellerbild)

    SpellForce 2: Demons of the Past (Herstellerbild)

    SpellForce 2: Demons of the Past – Noch ein Addon für ein 8 Jahre altes Spiel, wenngleich dieses Mal zumindest halbwegs solide und der Versuch die Schäden durch SpellForce 2: Faith in Destiny wieder gut zu machen. Letzteres wurde noch von JoWooD gebastelt, aber aufgrund der Insolvenz wie auch das grottige ArcaniA: Fall of Setarrif erst unter Nordic Games veröffentlicht.

  • The Raven – Bot über die drei Episoden hinweg eine interessante und gut erzählte Geschichte, aber spielerisch wie technisch war es einfach kein gutes Adventure.
  • Mystery Series: A Vampire Tale – Ein Wimmelbild-Adventure. Habe ich keine Meinung zu, weil nie gespielt. Aber es wurde von Quantic Lab in einem halben Jahr entwickelt. Eine auf Quality Assurance spezialisierte Firma. Man kann entsprechend davon ausgehen, dass es zumindest Bugfrei war :smile: .

Die Erkenntnis

Ihr versteht hoffentlich worauf ich hinaus will: Wenn Nordic Games unter diesen Voraussetzungen etwas faselt von wegen „Wir müssen erst einmal jemanden Geeignetes finden“, dann möchte der Unternehmensvertreter zwar den Eindruck erwecken, dass ihm etwas an der Qualität des Titels liegt (schließlich redet er ja angeblich sogar mit ehemaligen Mitarbeitern von Vigil Games!). Ich als alter Hase, der weiß wo Nordic Games herkommt, lese hieraus hingegen die Aussage: „Wir haben noch keinen Dummen gefunden, der auf unsere schlechten Konditionen eingeht“.

Klingt hart und vielleicht werde ich auch eines Besseren belehrt, was mich selbstverständlich freuen würde. Aber aktuell sehe ich hinter der Nordic Games GmbH zu viel der alten JoWooD Entertainment AG hervorscheinen, was nicht nur meine Erwartungshaltung in den Boden sinken lässt, sondern mich auch klare Worte an euch, liebe Käufer, finden lässt: Kauft auf gar keinen Fall irgendeinen von Nordic Games selbst entwickelten Titel, bevor ihr nicht mehrere Tests und Usermeinungen aus unterschiedlichen Quellen dazu gelesen habt! Ihr werdet auf die Nase fallen, glaubt’s mir.

Bis Montag!

PS: Nordic Games verkauft jetzt sogar Early Access Versionen von Spielen als Boxed Version. Prämiere ist am 20. Juni mit Planetary Annihilation.

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