Sicarius

Fünf für die Ohren, Teil 3

Über ein Jahr ist es schon wieder her, dass ich euch fünf empfehlenswerte Scores zu Videospielen aus meiner umfangreichen Kollektion vorgestellt habe. Angesichts von mittlerweile über 750 Alben natürlich eine extrem lange Zeit, auch wenn ich bei den NOCAs immer ein paar erwähne. Erwartet jedoch genau aus diesem Grund keine Musikempfehlungen aus dem Jahr 2014. Erst müssen die NOCAs vergeben werden, dann kann ich das, was übrig bleibt gesondert erwähnen :smile: . Stattdessen habe ich mich einfach mal wieder wahllos ins Meer gestürzt und für euch diese fünf gelungenen Alben rausgefischt. Da ist sicherlich wieder irgendetwas für euch dabei. Wie immer gilt: Meine Aussagen beziehen sich logischerweise nur auf die Version des Soundtracks, die ich besitze. Die kann von der unter der Bezugsquelle verlinkten abweichen.

ANNO 2070 Eco

ANNO 2070 Eco

ANNO 2070 Tycoon

ANNO 2070 Tycoon

ANNO 2070 (Eco & Tycoon)

Komponist: Dynamedion (The Elder Scrolls Online, Darksiders: Wrath of War)
Umfang: 02:17:02 (64 Lieder auf 2 CDs)
Mögliche Bezugsquelle: Amazon (9,99 Euro; 80 Tracks auf 3 CDs – enthält zusätzlich Lieder aus dem Addon)

Spielerisch mögen sich die beiden Fraktionen Eco und Tycoon nicht großartig unterscheiden. Die beiden CDs tun es aber auf jeden Fall. Während euch bei „Eco“ eher sanfte, sphärische (dank des Chors) und klassische Orchesterklänge erwarten, geht es bei „Tycoon“ eindeutig sehr industriell zu, wenngleich beide auch viel mit elektronischen Klängen arbeiten. Dabei werden Gedanken an Frank Klepackis Monsterwerk Universe At War wach mit seinen drei CDs, die untereinander völlig andersgeartete Stile boten. So extrem weit geht Dynamedion dann zwar doch nicht. Die Unterschiede sind jedoch definitiv hörbar zwischen den einlullenden Tönen der Baumkuschler und der, dank E-Gitarre und Trommeln, wesentlich härteren Gangart (auch der Chorgesang nimmt an Schärfe zu) der Konzerne.

Persönliches Lieblingslied: Eco – Track 29 – What A Glorious View (Anhören)

Wer hat da Two Steps From Hell gesagt? Nun, tatsächlich erinnert dieses Stück sobald die Geigen einsetzen frappierend an so manches Stück vom Album „Skyworld“ aus dem Trailerhaus. Doch wie heißt es so schön? Lieber gut kopiert als schlecht selbst gemacht und „What A Glorious View“ ist definitiv kein schlechtes Stück. Das langsame Erstarken der Musik hin zum abschließenden Höhepunkt mit dem Einsetzen des Chors ab der Hälfte führt zu einer angenehmer Gänsehaut bevor das Album mit der Ballade „God Smiles“ dann sein Ende findet.

 

Battlefield: Bad Company

Battlefield: Bad Company

Battlefield: Bad Company

Komponist: Mikael Karlsson (Battlefield: Bad Company 2)
Umfang: 00:20:51 (14 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Amazon (6,99 Euro; nur eine EP mit Variationen der vier Hauptlieder)

Militärmusik mal anders. So lässt sich dieser Score wohl am besten zusammenfassen. Mikael Karlsson geht definitiv etwas andere Wege auf diesem Album indem er Trommeln, Kontrabass, Cello und Violinen in fast allen Stücken und in den unterschiedlichsten Tempi den Vorrang gibt und dadurch ein durchweg äußerst dramatisches und Adrenalin-förderndes Hörerlebnis schafft. Aber auch die „normalen“ Lieder, in denen klassisches Orchester zum Einsatz kommt und die noch am ehesten an Battlefield 1942 erinnern können sich hören lassen und fügen sich passend in das leider relativ kurze Gesamtwerk ein. Veteranen werden außerdem zu schätzen wissen wie gekonnt Karlsson mit dem Battlefield-Motiv spielt und es immer und immer wieder an unerwarteten Stellen ertönen lässt.

Persönliches Lieblingslied: Track 02 – Battlefield Theme (Anhören)

Die beste Interpretation von Joel Erikssons Thema (Battlefield 1942), die es gibt. Punkt. Da braucht ihr erst gar nicht das Diskutieren anzufangen. Da kann der Elektronik-Müll bei Teil 3 und 4 nicht einmal Ansatzweise mithalten. Der Einsatz des Kontrabass passt wie die Faust aufs Auge zum treibenden Grundmotiv und die dominanten Violinen unterstützen perfekt die dadurch erzeugte Dramatik. Hier wird nicht lange gefackelt, sondern sofort Tatsachen geschaffen.

 

Die Sims 3

Die Sims 3

Die Sims 3

Komponist: Steve Jablonsky (Gears of War, Prince of Persia: The Forgotten Sands)
Umfang: 00:49:57 (17 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Amazon (9,89 Euro)

Die Scores zu den Die Sims-Spielen sind schon immer, thematisch bedingt, eher Feel-Good-Hörerlebnisse. Hier dürft ihr keine große Dramatik oder Epik erwarten, sondern einfach nur ein schönes und beruhigendes Hörerlebnis. Waren es im ersten Teil noch Jerry Martins fantastische Klavier- und Jazz-Klänge (Ernsthaft: Wer Build 1 noch nie gehört hat, hat was verpasst!), orientiert sich Jablonsky mehr an Mark Mothersbaugh Kreationen für Teil 2. Eine größere Vielfalt an Instrumenten und ein paar seichte Choreinlagen (nein, nicht in Simlisch aber trotzdem Kauderwelsch) hier und da geben seinen Werken im Vergleich ein etwas größeres Gefühl von Breite ohne ihnen aber dieses Stück Fröhlichkeit und Freiheit zu nehmen, das man von so einem Werk erwartet. Denkt an einen leichtherzigen Film wie der Klassiker Singin‘ in the Rain. Der lässt euch genauso wie dieser Score am Ende irgendwie zufriedener und ausgeglichener zurück (solltet ihr nicht irgendein Emo oder Gothic sein, der jedwede positiven Emotionen nicht verarbeiten kann :smile: ) ohne euch zu langweilen.

Persönliches Lieblingslied: Track 01 – The Sims Theme [01:57] (Anhören)

Dieses Lied könnte ich mir genauso auch in einem SimCity-Titel vorstellen. Ich muss sofort nach den ersten, temporeichen Klängen an die Montage einer geschäftigen Stadt bei sonnigem Wetter denken in der sich Menschen und Autos geschäftig hin- und herbewegen und wir uns in einer Kamerafahrt von der Straße in Geschäfte/Büros und wieder hinausfliegen. Oder besser noch: Wir folgen Jemanden quasi so SitCom-Intro-mässig auf seinem Weg durch eine Großstadt bei sonnigem Wetter. Zooms auf Fahrradkuriere, fröhlich grüßende Menschen, die ihrem Tagewerk nachgehen, Geschäfte, die geöffnet werden und so weiter und so fort bis er dann im ersten Set der heutigen Folge ankommt. Und mir gefällt dieses Filmchen in meinem Kopf bei jedem Anhören wieder richtig gut.

 

Electronic Super Joy

Electronic Super Joy

Electronic Super Joy (Part I & II)

Komponist: enV
Umfang: 01:06:41 (22 Lieder auf 2 CDs)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (Part I) und Bandcamp (Part II) (je 4 US-Dollar)

Das Spiel habe ich schon lange wieder beiseite gelegt und auf dem Papier bietet auch der Score absolut nichts, was mich normalerweise „an macht“ (um bei der Thematik des Spiels zu bleiben). Entsprechend schwer tue ich mich tatsächlich ihn zu beschreiben denn ich kenne mich in diesen Genres der elektronischen Musik überhaupt nicht aus. Ist es Techno? Ist es Dubstep? Ist es House? Ich habe nicht die leiseste Ahnung. Von den verschiedenen Untergenres (ist Trance ein Untergenre von Techno oder schon wieder sein eigenes Genre?) will ich erst gar nicht Anfangen. Wahrscheinlich ist es irgendwo ein Mainstream-Mix aus allem bei dem jeder „echte“ Fan nur mit der Nase rümpft (icezolation hat es schon getan :smile: ). Mich hat das Werk jedoch extrem in seinen Bann gezogen. Die (aus meiner Sicht) durchweg harten Beats bringen das Blut so stark in Wallung, dass ich gar nicht umherkomme auch meinen Körper in Bewegung zu setzen. Gleichzeitig ist es eben nicht das (aus meiner Sicht) immer gleiche monotone „bummbumm“ was ich sonst so mit dieser Art von Musik assoziiere. Stattdessen sind die Lieder allesamt abwechslungsreich und sehr unterschiedlich gestaltet und zwar selbst der als „Generic Techno“ titulierte Track 9 auf CD 1.

Persönliches Lieblingslied: Part I – Track 03 – This Sound [03:49] (Anhören)

Der (aus meiner Sicht) härteste der 22 Tracks auf beiden CDs. Ein extrem schwerer Bass und ein eingängiges und simples Klangmotiv (es sind im Prinzip wirklich immer nur die gleichen acht Beats) führen nach dem kurzen Einstieg sofort zu knapp 4 Minuten langem Extrem-Headbangen nur unterbrochen vom einen oder anderen (genretypischen?) Drop, das mich als Hörer völlig ausgepowert zurücklässt obwohl wir uns erst am Anfang des Albums befinden aber gleichzeitig auch in die richtige Stimmung für das restliche Hörerlebnis versetzt.

 

Journey: TransfigurationJourney: Transfiguration

Komponist: Austin Wintory (Monaco: What’s Yours Is Mine, flOw)
Umfang: 00:27:40 (6 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (4 US-Dollar)

Schon der eigentliche Score zu Journey ist ein angenehmes und eher sanfteres Hörerlebnis, das aber nicht den Fehler begeht in langweiliges Hintergrundgeblubber zu versinken und durchaus einige Höhepunkte zu bieten hat. Transfiguration geht nun einen Schritt weiter. Wintory nahm sich die sechs wichtigsten Lieder seines Hauptwerks her und setzte sie für Klavier um. Das Ergebnis ist ähnlich wie bei den Piano Collections von Final Fantasy und Kingdom Hearts ein gelungenes Klassikkonzert welches abwechslungsreich und fast perfekt zusammenhängend arrangiert ist und anders als die Konkurrenz vor allem aufgrund der Kürze gar nicht erst in die Versuchung kommt irgendwelche unnützen Füller einbauen zu müssen. Stattdessen hält euch Wintory die vollen 30 Minuten problemlos mit seinem Fingerspiel bei der Stange.

Persönliches Lieblingslied: Track 04 – Final Confluence [02:14] (Anhören)

Wintory bewegt sich von der ersten Sekunde an auf klassischer Weise einem massiven Höhepunkt zu, der auch relativ zügig erreicht wird – das Lied ist eines der kürzesten des Albums. Das Klavierspiel wird facettenreicher und schneller und bremst dann plötzlich wieder ab. Keine sanfte Zurückführung. Nein, ein quasi abrupter Tempi-Wechsel zum krassen Gegensatz und einer Tendenz in der zweiten Hälfte noch langsamer, noch leiser zu werden und so zu einem perfekten Übergang in die Apotheosis zu werden.

 

Ich wünsche viel Spaß beim Reinhören! Wie immer freue ich mich sowohl über eure Meinung zu den gewählten Alben als auch über Hörtipps eurerseits. Also nicht lange zögern und in die Tasten greifen! Wer weiß: Vielleicht entdecke ich auch noch einen absoluten Geheimtipp.

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Ein Kommentar

Um also direkt beim BF BC Main Theme einzusteigen: Scheinbar muss da wirklich nur eine Violine halbwegs vernünftige Arbeit machen und schon hat es dich gewonnen. Gut, das Problem kenne ich aber. Wenn bei einem Akustik-Gitarren-Solo kurz über’s Griffbrett gefahren wird, bin ich auch direkt dem Stück verfallen. Ich persönlich habe aber diese Interpretation vom BF1942 Thema immer weggedrückt, weil sie mir gar nicht gefallen hat. Das Maß zwischen der Melodie und dem Rest wirkt auf mich unpassend. Außerdem wünsche ich mir zwei Dreh-Regler, die auch von der Lautstärke her die Hauptstimme und die Begleitung mehr voneinander absetzen.

Wenn ich mir nun das BF4 Geschrubbe anhöre und mir BF3 noch einmal durch den Kopf gehen lasse (was ich mir als Ausreißer ja noch gefallen habe lassen), ist es einerseits ja nur eine logische Weiterentwicklung, andererseits aber auch eine Entwicklung auf die ich verzichten kann. Wie Fabian Sigismund bereits in einem seiner Reviews zu BF4 gesagt hat, wird irgendwann das gute alte Thema (also in Teilen BF5 bis BF7) nur noch ein langes elektronisches Furzgeräusch sein. Ich glaube er wird mit seiner Einschätzung Recht behalten.

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