Sicarius

Schon wieder EA

Offizielles EA-Access-Logo

Offizielles EA-Access-Logo

Die große Neuigkeit der letzten Woche war die Ankündigung von Electronic Arts ab sofort eine Art Spieleflatrate namens EA Access anzubieten – vorerst allerdings nur auf der Xbox One. Für 3,99 Euro pro Monat oder 25 Euro pro Jahr bekommt ihr „dauerhaften“ (vermutlich bis zum Ende eures Abos) Zugriff auf eine Auswahl von EA-Spielen, die über die Zeit sicherlich noch ausgebaut wird (das Spieleangebot ist auf der Xbox One ja generell noch nicht so groß). Aktuell stehen nur Battlefield 4, Madden 25, Fifa 15 und Peggle 2 zur Verfügung. Also kein Titanfall und alle vier Spiele kommen ohne DLCs daher. Gleichzeitig bekommen EA-Access-Nutzer 10% Rabatt auf alle Einkäufe bei EA (DLC oder Vollpreistitel) und dürfen ausgewählte EA-Titel (aktuell Madden 15, NFL 15, NHL 15, FIFA 15, NBA Live 15 und Dragon Age: Inquisition) kostenlos und fünf Tage vor Release ausprobieren, sprich eine Art bezahlte Demo.

Im Kern finde ich diese Idee tatsächlich gut. Für den „normalen“ Spieler ist das Angebot zwar aktuell noch ziemlich uninteressant aufgrund der Spieleauswahl. Aber die wird sicherlich mit der Zeit noch besser werden. Gleichzeitig sehe ich hier jedoch ganz viel Potential für Fans der unzähligen Sportspiele des Publishers, die jedes Jahr neu auf den Markt geworfen werden. Statt jedes Jahr die neuste Version kaufen, einfach für 25 Euro Zugriff auf die wichtigsten des letzten Jahres inklusiv der Chance zumindest in die aktuelle Version reinzuschnuppern? Perfekt. Oder gehen wir noch einen Schritt weiter: Ich will mit ein paar Kumpels einfach mal was zocken, was ich aber normalerweise nicht zur Hand habe. Ein-Monats-Abo abgeschlossen und quasi für die Leihgebühr eines Films sofortigen Zugriff auf mehrere Spiele und das für einen ganzen Monat. Danach einfach auslaufen lassen und erst bei nächsten Bedarf wieder aktivieren. Zwar nicht unbedingt der komfortabelste Games-on-Demand-Service aber es gibt sicher schlimmeres und/oder teureres (GameFly…).

Die Folge

FIFA 15 (Herstellerbild)

FIFA 15 (Herstellerbild)

Natürlich macht EA das Ganze nicht ohne Hintergedanken. Zum einen holen sie damit noch mehr aus ihren alten Schinken raus (vor allem über die DLC-Verkäufe!). Zum anderen besteht die reale Chance dank der sonst nicht verfügbaren Demo vielleicht doch noch die eine oder andere Mark äh Euro abzugreifen. Wenn ich FIFA 15 anzocke und finde es total geil, dann ist die Chance natürlich größer, dass ich mir es dann auch tatsächlich kaufe als wenn ich einfach nur einen Test lese. Zumal dieser Einkauf garantiert nur einen Button-Druck entfernt liegt.

Gleichzeitig tritt EA mit diesem Angebot aber auch ab sofort in Konkurrenz zu Angeboten wie Sonys PlayStation Plus und Microsofts Xbox Live Gold-Programm. Beide Programme sind im ersten Schritt die digitale Fortsetzung der Vollversion auf der Heft-DVD. Hat Sony die besseren Vollversionen oder Microsoft? Anders als die klassische Vollversion, welche hauptsächlich mitgeholfen hat den Printmarkt zu zerstören und ansonsten keinen großen Mehrwert hatte, gibt es allerdings hier auch für den Publisher das Potential durch DLC oder zumindest zusätzliche Werbung („Dieser Titel ist diesen Monat kostenlos. Der hier aus unserem Portfolio wäre sicherlich auch interessant für dich!“) eine Zweitvermarktung durchzuführen. Also ein Win-Win für beides Seiten.

Das Problem

Assassin's Creed Unity (Herstellerbild)

Assassin’s Creed Unity (Herstellerbild)

EA nimmt nun den Zwischenhändler raus, was vermutlich der Hauptgrund dafür sein wird, warum Sony ziemlich aggressiv verlauten hat lassen, dass sie dieses Angebot überhaupt nicht gut finden und aus ihrer Sicht im Prinzip der Spieler verarscht wird (was absolut gelogen ist, siehe oben). Natürlich haben sie ihr Worte mit etwas mehr Bedacht gewählt. Aber wir wissen alle, was gemeint war und Rob Fahey bringt es in seinem Artikel bei GamesIndustry auch sehr gut auf dem Punkt: Sony fürchtet eine Verwässerung ihres PlayStation Plus-Angebots. Denn statt damit werben zu können, dass sie jeden Monat kostenlose Spiele inklusive den dicksten Blockbustern aller Publisher veröffentlichen, müssen sie nun ein Sternchen dransetzen mit dem Vermerk „*außer EA“. Oder schlimmer noch: „*außer EA, Activision, UbiSoft, SquareEnix, Capcom, etc.“, denn wir sind uns sicherlich einig, dass wenn EA mit dem Programm Erfolg hat auch die anderen großen im Business sich ein Stück vom Kuchen abschneiden wollen und ihre ganz eigene Flatrate rausbringen. Was ist schließlich besser als so ein Abo, um den Spieler an seine Firma zu binden? Bitte? Gute Spiele veröffentlichen? HA!

Aber das ist tatsächlich ein gutes Stichwort, denn ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und prophezeie die Spiele-Serien-spezifische Flatrate. In einer Zeit, wo quasi jedes Jahr von jeder halbwegs „wichtigen“ Spielereihe ein Nachfolger erscheint, die perfekte Möglichkeit den Kunden noch besser an sich zu binden. Für 35 Euro im Jahr Zugriff auf alle Call of Duty, FIFA, Madden, Battlefield oder Assassin’s Creed mit Kleinst-Rabatt auf die DLC und die jeweils neuste Version inklusive der Möglichkeit immer jeweils automatisiert den neusten Ableger zu kaufen und herunterzuladen? Da braucht man GameStop & Co. keine Pre-Order-Boni mehr in den Hintern zu schieben, um sein Spiel unter die Leute zu bringen. Und auch wenn wir „Hardcore-Gamer“ wieder rumheulen würden: Für die breite Masse, die sehr oft sehr stark eben auf ihre Lieblingsserie versteift ist, wäre das aus meiner Sicht definitiv ein äußerst reizvolles Angebot. Von daher bin ich EA Access gegenüber tatsächlich nicht per se abgeneigt und erwarte stattdessen mit Spannung wie sich die Sache nun entwickelt beziehungsweise vor allem erst einmal, wie sie angenommen wird.

Epilog

Unter diesen Voraussetzungen könnte Sony natürlich ihr PS Plus-Angebot komplett einstampfen. Oder will hier wirklich jemand ernsthaft behaupten, dass er PS Plus nur wegen den tollen Indie-Titeln nutzt, die es da immer gibt? Schreibt eure Meinung in die Kommentare. Vor allem will ich aber natürlich von euch wissen, wie ihr die Idee von EA Access findet und ob (die richtige Spieleauswahl vorausgesetzt), es interessant für euch ist/wäre.

Ich verabschiede mich derweil bis Donnerstag. Wenn alles klappt, dann erwartet euch an diesem Tag seit langem mal wieder eine neue Folge Christoph spielt. Thema? Sacred 3.

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Ein Kommentar

Ich stehe dem Ganzen etwas weniger positiv als der Webmaster gegenüber, aber auch bei Weitem nicht so negativ, wie derzeit mal wieder überall herumgejammert wird. Deine ganzen Ausführungen hier, halte ich auch für schlüssig, doch meine Einstellung zu begründen ist genauso einfach:

Ich vergleiche das kommende Angebot am Besten mit dem Angebot auf Origin und das ist immer noch überschaubar. Natürlich muss ich das Zugeständnis machen, dass EA als größerer Publisher schon ein ansehnliches Portfolio hat. Doch das nutzt mir überhaupt nichts, wenn es sich dabei nur um Fortsetzungen bekannter Spielreihen und um Fortsetzungen von Fortsetzungen handelt. Hier und da noch eine Neuauflage, des gleichen Sims-Prinzips äh Spielprinzips. Fertig. Da kann man jetzt natürlich von halten, was man will, aber sonderlich breit ist EA nicht aufgestellt. Das obligatorisch jährlich erscheinende Battlefield ist ein gutes Beispiel. Natürlich bleibt bis nach Release abzuwarten, aber das kommende Hardline scheint derzeit weder die eingefleischten Battlefield Fans von ihrem alten Favoriten, die CoD-Spieler von ihrem eBenis, noch die Action-Interessierten Taktik-Shooter Spieler von ihrem Payday2 wegzulocken. Und hier reden wir sogar erstmal nur von Informationsaufnahme.
Hinzu kommt der EA Sports Sektor, der für mich persönlich komplett uninteressant ist. Zusammen mit der fehlenden Schnittmenge „Konsole“, sehe ich dann selbst in der Theorie kaum einen Mehrwert für mich. Auch die ganzen Gelegenheitsspiele (Wimmelbilder und Co.) dürften für uns Hardcore Gamer kaum ins Gewicht fallen, so sehr uns manche davon auch gefallen. Will ich hingegen beispielsweise ein Titanfall (ja, ich weiß, derzeit nicht dabei…), dann kaufe ich mir das. Mit der Zeit sogar samt DLCs oder von Anfang an als Paket. Preis-Reduzierungen gibt es ja bei den einschlägigen EA-Marken sowieso nur selten, weshalb das sinnvoll ist.
Der Demo-Aspekt deiner Argumentation war mir im ersten Moment tatsächlich eine Überlegung wert, aber ich glaube, ich würde die Spiele dann lieber dauerhaft haben und zur Not zurückgeben wollen. Durch die „Spielspaß-Garantie“ und das GameTime System bin ich nun so verwöhnt, dass ich glaube, dass man mit so einem Modell auch auf der XBox One besser bedient wäre. Da meine letzten Informationen zu der Konsole und ihren Funktionen noch von Februar diesen Jahres stammen, weiß ich natürlich nicht, ob es das jetzt so auch schon auf dem Gerät gab. Aber wie dem auch sei: Betrachte ich diese „Entleihmöglichkeit“ und das Rückgabe-Recht eines digitalen Gutes, sehe ich den wirtschaftlichen Vorteil für den Konsumenten definitiv hier.

(Kurzer Exkurs:
Ich bin erstaunt, wie reibungslos mittlerweile Alles auf Origin klappt und wie hübsch sich es entwickelt. Nun gut, der Shop und die Suchfunktion ist teilweise noch umständlich, aber wenigstens ziemlich hübsch entworfen. Kostenlose Spiele, Zeitangebote und Rückgabe (etc.) sind natürlich Werbemittel, aber bei mir kommt dieses Verhalten von EA wie geplant sehr gut an. Insgesamt hat man sehr viel in diesem Jahr mit einem aktiven Origin Account erzielen können, ohne auch nur einen Cent ausgeben zu müssen.)

Auf’s Sacred 3 freue ich mich. :)

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