Sicarius

Ein Regisseur und seine Filme

Oliver Stone

Oliver Stone am Set von Savages (Universal Pictures)

Oliver Stone ist einer dieser Regisseure, deren beste Zeit gefühlt schon lange hinter ihnen liegt. Statt mit ihren Filmen selbst zu begeistern, stehen sie in letzter Zeit mehr aufgrund ihrer Themenwahl in der Presse. Zugegeben: Stone war schon immer jemand, der sich an Sachen ranmachte, die nicht unbedingt jedem passten. Aber was er in den letzten 10 Jahren so produziert hat, hinterlässt mitunter schon einen faden Beigeschmack.

Da wäre seine unverständliche Faszination mit Fidel Castro, dem er gleich drei Dokumentarfilme (Comandante (2003), Looking for Fidel (2004), Castro in Winter (2012)) spendierte, sein völlig verfrühter und absolut falsch besetzter Film zum 11. September 2011 namens World Trade Center (2006 mit Nicolas Cage), das komische Ding (war das grad Satire, was ich gesehen habe oder ernst gemeint?!) namens W. (2008) über Präsident George Bush Jr. und sein Anbandeln mit dem Venezuelischen Präsidenten auf Lebenszeit Hugo Chávez (Mi Amigo Hugo (2014)) neben so einigen anderen mehr oder weniger fragwürdigen Werken bei denen man sich nicht so wirklich sicher war, ob da grad eine politische Agenda über die Leinwand lief oder nicht.

Er ist aber auch jemand, der definitiv einen etwas ungewöhnlicheren Stil pflegt. Bei ihm stehen Charaktermomente und die dazugehörigen starken Bilder mit einem extremen Blick fürs Detail klar im Vordergrund. Klar gibt es hier und da Explosionen aber er gehört ganz klar mehr zur Scorsese-Schule der Regisseure. Das ist vermutlich mit der größte Grund, warum ich grundsätzlich sehr an seinen Filmen interessiert bin. Und es gehen auch definitiv einige sehr interessante Werke auf sein Konto. So mögen zwar nicht unbedingt immer inhaltlich ganz korrekt sein (viele basieren auf wahren Begebenheiten). Aber selbst dann regen sie zumindest zum Nachdenken an. Was hat er also so halbwegs interessantes gemacht?

  • Salvador (1986) – Absoluter Box-Office-Flop, der aber von Kritikern extrem hochgelobt wurde. Es geht um den erfahrenen aber fiktiven Fotojournalisten Richard Boyle, der über den realen Bürgerkrieg in El Salvador (1979-1992) berichten soll und, wie soll es anders sein, fürchterliches erlebt. Nun will er raus aus dem Land.
  • Platoon

    Platoon (Promobild)

    Platoon (1986) – Wer kennt nicht das berühmte Bild von Willem Dafoe (in einer Glanzrolle), der im Dreck kniet und gen Himmel schreit. Quasi noch so ein brutaler Kriegsfilm, dieses Mal über Vietnam und basierend auf den persönlichen Erfahrungen von Stone im Krieg.

  • Wall Street (1987) – Michael Douglas in einer wenn nicht sogar der besten Rolle seiner Karriere (Falling Down wäre noch ein Kandidat) als rücksichtsloser Investmentbanker. Von vielen falsch verstanden, trotzdem noch ein heute brandaktueller Klassiker. Der Nachfolger (Wallstreet: Geld schläft nicht (2010)) war auch okay hatte aber bei weitem nicht den Einschlag.
  • Geboren am 4. Juli (1989) – Film Nummer Zwei über Vietnam. Allerdings geht es weniger um den Krieg als vielmehr um die Veteranen, die zurückkehren und wie ihr Leben danach aussieht. Für mich der erste Film Stones, wo er so richtig seine „amerikanische Seite“ raushängen ließ. Kam bei selbigen natürlich extrem gut an. Vermutlich auch dank Tom Cruise, der damals noch auf Wolke 7 schwebte was Hollywood anging.
  • The Doors (1991) – Ein Doku-Drama über die gleichnamige Rockband um Jim Morrison (Val Kilmer in einer extrem starken Performance) bei der sich Morrisons Familie (teilweise zu Recht) massiv über die angeblich falsche Darstellung beschwerten. Quasi das erste Mal, wo er so zeigt, dass ihm die Realität zweitrangig ist, sollte sie ihm nicht dramatisch genug sein.
  • JFK (1991) – Ich weiß, ich wiederhole mich so langsam. Aber auch hier wieder ein bekannter Schauspieler, Kevin Costner, in einer absoluten Paraderolle als Anwalt, der die JFK-Verschwörung aufdecken möchte. Das Ergebnis ist ziemlich einseitig und fragwürdig (Stichwort „Schwulenorgie“) aber nichtsdestotrotz einer der am besten Inszenierten und spannendsten Gerichtssaalthriller aller Zeiten.
  • Zwischen Himmel und Hölle (1993) – Der dritte Teil von Stones Vietnam-Trilogie. Dieses Mal darf Tommy Lee Jones dran, der sich in eine junge Vietnamesin verliebt und sie nach Amerika holt. Leider verkraftet Steve, wie die meisten Veteranen, die Rückkehr nicht und alles geht massiv den Bach runter. Definitiv der schwächste der drei weil die Geschichte viel zu dünn ist für einen 2-Stunden-Film. Da können die erneut starken Bilder einfach nicht drüber hinwegtäuschen. Muss man also nicht gesehen haben.
  • Natural Born Killers (Promo-Bild)

    Natural Born Killers (Promobild)

    Natural Born Killers (1994) – Ein Film, an dem sich die Geister scheiden allerdings vermutlich aus unterschiedlichen Gründen. Speziell die Gewaltdarstellung hat damals für viel Aufregung gesorgt. Ich selbst kann auch relativ wenig mit der Geschichte über ein Amokläuferpäärchen auf Drogentrip anfangen obwohl das ursprüngliche Drehbuch von Quentin Tarantino stammt (vielleicht hätte doch lieber er selbst es drehen sollen). Für mich ist der Mix aus Flashbacks mit sinnlosem Gemorde einfach nicht wirklich ansprechend. Dann lieber Bonnie and Clyde (1967).

  • Nixon (1995) – Am Anfang des Films steht, dass es sich hier um eine „Interpretation“ der Ereignisse handelt vor allem basierend auf Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen. Im Zentrum steht Nixon wie er seine berühmten Tonbandaufzeichnungen aufnimmt. In Flashbacks wird dann in die entsprechende Zeit zurückgesprungen und das jeweilige Event gezeigt. Von allen seinen Präsidentenfilmen wohl der, der am nächsten an der Realität ist und Anthony Hopkins als Nixon ist, auch hier wieder, einfach die perfekte Besetzung.
  • U-Turn – Kein Weg zurück (1997) – Jennifer Lopez hat mal auf Schauspielerin gemacht. Erinnert ihr euch noch? Vermutlich nicht. Auch U-Turn wird daran wenig ändern. Es geht um einen abgefuckten Typen namens Bobby (Sean Penn), der ein paar Gangstern 13.000 US-Dollar schuldet. Leider geht seine Karre auf dem Weg zu ihnen in einer Kleinstadt kaputt. Er übergibt sie einem schäbigen Mechaniker, der von ihm immer mehr Geld will und trifft auf Lopez, die im Film verheiratet ist aber davon weiß Bobby nichts. Am Ende bringen sich irgendwie alle gegenseitig um. Ein ziemlich vergessliches Werk.
  • Any Given Sunday (Promobild)

    Any Given Sunday (Promobild)

    An jedem verdammten Sonntag (1999) – Es gibt viele Rollen Al Pacinos, die sich als Kandidat für die beste seiner Karriere anbieten. Egal ob es Michael Corleone in The Godfather II ist, Tony Montana in Scarface, Lieutenant Vincent Hanna in Heat — die Auswahl ist groß. Für mich ist es aber seine Darstellung des Coachs Tony D‘Amato in Oliver Stones Drama über ein (fiktives) American-Football-Team. Das muss man definitiv gesehen haben. Aber auch abseits von Pacino hat der Film viel zu bieten, gibt er doch einen interessanten Blick auf diesen professionellen Sport und zwar aus allen relevanten Blickwinkeln (Wettbüros, Trainer, Spieler, Vereine, etc.) ohne dabei großartig zu predigen und mit eindrucksvoller Bildgewalt. Aus meiner Sicht ein absoluter Pflichtfilm.

  • Alexander (2004) – Colin Farrell in der Rolle von Alexander dem Großen. Okay, vergesst diesen Film gleich wieder. Nix gegen ihn, aber für die Darstellung einer solch historisch wichtigen Figur taugt er nicht. Angelina Jolies nackter Hintern kann da zwar ein wenig drüber hinwegtäuschen aber was Historien-Schinken angeht, ist Alexander einfach nur schlecht. Im Detail sicherlich besser als das „Wer will Brad Pitts Penis sehen?“-Werk namens Troja, aber trotzdem nichts was man gesehen haben muss. Gebt euch lieber sowas wie Ben-Hur (1959), Die zehn Gebote (1956), oder Sparatacus (1960), wenn ihr sehen wollt, wie man es richtig und nicht weniger eindrucksvoll macht.
  • Savages (Promobild)

    Savages (Promobild)

    Savages (2012) – Stein des Anstoßes für diesen Eintrag und definitiv Stone in alter, bekannter Form. Im Film folgt ihr Chon (eine Art BWL-Student) und Ben (Kriegsveteran), die ins Canabis-Business einsteigen und immensen Erfolg haben. Natürlich bleibt der Erfolg nicht unbeachtet: Ein mexikanisches Kartell will ein Stück vom Kuchen abhaben. Chon und Ben finden das nicht lustig, also entführt das Kartell kurzerhand ihre Freundin O. Das finden wiederrum Chon und Ben nicht so gut und versuchen sie schnellstmöglich wieder zurück zu bekommen. Es entsteht ein spannendes Katz- und Mausspiel bei dem lange nicht klar ist, wer am Ende tatsächlich überleben wird und eigentlich alle nur verlieren können (inklusive einem wirklich überraschenden Twist am Ende). O, die Erzählerin, sagt entsprechend auch am Anfang „Nur weil ich euch diese Geschichte erzähle, bedeutet das nicht, dass ich mich nicht gerade mit einem Stein am Fuß am Grund des Meeres befinde“.

    Salma Hayek als die einsame Chefin vom Drogenkartell, John Travolta in seiner Standardrolle als schmieriger Typ auf Seiten der amerikanischen Drogenbehörde (das hat er immer noch drauf) und Benicio del Toro als verdammt sadistischer Killer des Kartells machen genauso wie die drei Hauptdarsteller eine extrem gute Figur. Zusammen mit der erneut etwas ungewöhnlicheren Darstellung und Erzählstruktur ist es zwar ein äußerst brutales Werk (was aber wahrscheinlich noch harmlos im Vergleich zur Realität des Drogenkriegs in Südamerika ist) aber eben wieder eines mit sehr guten Charakteren, von denen die meisten sich eben nicht einfach nur in schwarz und weiß aufteilen lassen. Klare Empfehlung von mir.

Und damit habt ihr wieder ein bisschen mehr Futter auf eurer „Werde ich vielleicht irgendwann mal anschauen“-Liste.

Bis Montag!

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7 Kommentare

Der Liste kann man sich guten Gewissens anschließen. „Der Nachfolger (Wallstreet: Geld schläft nicht (2010)) war auch okay hatte aber bei weitem nicht den Einschlag.“ – gehe ich auch mit, aber vor allem fand ich gut, wie sehr der Film die aktuelle Thematik aufgezeichnet hat. Natürlich war es ein Film, aber mit den Stilmitteln wurden die Leute der Weltbank perfekt aufgezeichnet. Da fällt mir ein, dass ich irgendwann die DVD-Fassung nachholen möchte, weil da angeblich die geschnittenen Szenen mit Donald Trump dabei sind.

Ich meine hier einmal zu Wallstreet 2 schon etwas ausführlicher geschrieben und von „der große Crash“ gelesen zu haben, aber fand nach intensiver Suche beide Beiträge nicht.

Habe mir jetzt die vollständige Fassung angeschaut und bin richtig „gedrived“ von dem Film. Aufgrund der Aktualität, den immer noch präsenten Auswirkungen und der Darstellung ist dieser Film ein Meisterwerk. Viele wunderschöne Parabeln (das Wort „Hypotheken“ fällt erst nach 48 Minuten, „Immobilienhandel“ fällt erst beim Rausverkauf), viele direkte Faktennennungen (Am Ende alle Crashs im Wertpapier-Handel) und nicht zuletzt die Einfachheit mit der alles dargestellt wird.

Da ich leider zuerst House of Cards gesehen habe, musste ich ein wenig Kichern als Kevin Spacey den ehrlichen Banker gespielt und obendrein vom zusammenfallenden Kartenhaus berichtet hat.

Ja, das war ein Kommentar und es war in meiner Erinnerung mehr, als das was ich da oben sehe. Aber ich finde es leider nicht. *sfz* Muss wohl Einbildung gewesen sein…

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