Sicarius

Eine Rennfahrerlegende

Seit ziemlich genau 4 Wochen bin ich nun schon in meiner neuen Wohnung und doch war es erst mein erstes vollständiges Wochenende Zuhause. Vorher kam irgendwie immer was anderes dazwischen. Passenderweise kam am Donnerstag auch mein Subwoofer endlich wieder zurück aus Hamburg. Er hatte wieder das gleiche Problem (er „furzte“ unkontrolliert) wie im letzten Jahr nach dem Umzug nach Nürnberg. Irgendwie scheint das Ding lange Transportwege nicht zu verkraften egal wie gut gesichert/verpackt es ist. Immerhin wurde die Reparatur dieses Mal auf Garantie gemacht eben weil es der gleiche Fehler war (Teufel gibt nur auf die eigentlichen Boxen 12 Jahre – Fehler an der Elektronik werden nur 2 Jahre gedeckt).

Leider muss ich ihn am Montag wohl schon wieder einpacken. Kaum hingestellt und angeschlossen fing er mit einem KOMPLETT neuen Problem an (geht geschätzt einmal pro Tag einfach mal aus und braucht dann ein paar Minuten stromlose Ruhe bis er wieder angeht). Werde bei der Hotline entsprechend auch mal fragen ob sie nicht irgendwo ein komplettes Ersatzgerät haben, das sie mir billig verkaufen können. Nervt einfach nur noch. Immerhin hinderte mich dieses Problem aufgrund seiner geringen Häufung nicht daran endlich mal wieder mit anständigem Ton zu spielen. Nichts gegen das Corsair Vengeance 1500 v2 Headset, das leistet sehr gute Arbeit, aber ich bin einfach kein Headset-Typ. Da schwitz ich nur noch schneller und wenn ich schwitz, dann hab‘ ich keinen Bock mehr zum Zocken :smile: . Von daher war ich echt froh wie mein lieber Subbi vor der Tür stand.

Doch bevor wir im nächsten Eintrag endlich mal wieder auf Spiele zu sprechen kommen (Transformers: The Dark Spark), die ich tatsächlich gespielt habe, noch eine Sache:

Senna (Cover)

Senna (Cover)

Senna (2010; Extended Version) – Anders als Le Mans handelt es sich hier um einen vollwertigen Dokumentarfilm. Er unterscheidet sich jedoch in einem interessanten Detail von anderen Dokus: Es gibt keinen Erzähler. Stattdessen werden die Bilder durch damaligen Livekommentar sowie durch Interviews mit Zeitzeugen kommentiert beziehungsweise andersherum: Die Interviews mit Zeitzeugen werden mit passenden Originalaufnahmen unterlegt. Tatsächlich seht ihr in der Kinoversion des Films ausschließlich Originalaufzeichnungen ohne jemals das Gesicht von demjenigen zu sehen, der gerade spricht. In der erweiterten Fassung wurden hingegen ganz klassisch Interview-Segmente mit Leuten vor neutralem Hintergrund eingeschnitten. Das hat natürlich den Nachteil, dass diese Sequenzen aufgrund ihrer natürlich wesentlich höheren technischen Qualität etwas aus dem Rahmen fallen. Aber der massive zusätzliche Informationsgewinn (Kino: 104min, Erweitert: 162min) entschädigt locker dafür.

Es muss aber noch einmal betont werden, dass der Film ausschließlich aus Originalaufnahmen (Fernsehübertragungen, offizielle Auto- und FIA-Aufzeichnungen, Heimaufnahmen, etc.) besteht. Keine Nachstellungen, kein CGI-Kram, pure Realität. Entsprechend faszinierend ist es zu sehen wie viele Kameras schon in den 80iger/90iger Jahren (Senna fuhr von 1984-1994) auf die Formel 1 gerichtet waren und zwar nicht nur auf der Rennstrecke, sondern in den Garagen, in den Boxen und sogar in den Fahrerbesprechungen und jedes Mal in überraschend guter Qualität. Da kann Sky mit seinen popeligen acht Perspektiven (oder sind es mittlerweile mehr?) gar nicht mithalten. Ihr seht hier Ansichten, die es definitiv sonst nirgends zu sehen gibt.

Um was geht es?

Senna (Promobild)

Senna (Promobild)

Jetzt bin ich aber natürlich bereits in die vollen gegangen ohne euch zu sagen um was es in Senna überhaupt geht: Nun, wie ihr sicherlich vermuten könnt geht es um die Karriere des Brasilianers Ayrton Senna, einer Legende der Formel 1 (3 Weltmeisterschaften und 41 Siege in 161 Rennen, 81 mal auf dem Treppchen und 65 mal auf der Pole Position) und zwar ausschließlich darum.

Der Film beginnt mit seinem Debüt in der Königsklasse 1984 bei Toleman und endet mit Aufnahmen von seiner Beerdigung nach seinem tödlichen Unfall 1994 beim Rennen von Imola im Auto von Williams. Privates wird nur hin und wieder am Rande erwähnt. Stattdessen steht mehr seine Fehde mit dem Franzosen Alain Prost (noch so eine Legende) im Vordergrund, der bei McLaren (1988-1993) anfangs sein Teamkollege war und dann zu Williams wechselte. Eine Rivalität, die wohl damals massiv die Aufmerksamkeit der Medien anzog und die Kassen klingeln ließ weil vor allem Senna sehr aggressiv auf der Strecke vorging (sowohl Prost als auch Senna gewannen ihre Weltermeisterschaft 1989 respektive 1990 weil sie sich gegenseitig im Grand Prix von Japan aus dem Rennen warfen). Also nix von wegen Teamorder, sondern „ich überhol dich hier und jetzt egal ob du mir Platz machst“. Wobei sich die beiden wohl nach Prosts unfreiwilligem Aussetzen 1992 (er hatte sich zu viel über sein Auto bei Ferrari beschwert also haben sie ihn kurzerhand rausgeworfen) anfingen zu vertragen. Das würde laut Prost im Film aber nicht gut genug rüberkommen. Was für die Kinofassung definitiv stimmt. In der erweiterten Version kommt es unter anderem dank der Interviews mit ihm wesentlich deutlicher rüber.

Das Desasterwochenden

Trotz oder gerade wegen seiner aggressiven Fahrweise und seiner dazugehörigen Anzahl an Crashes war Senna aber wohl auch einer, der sich stark um die Sicherheit auf der Strecke Sorgen machte und ständig für (sinnvolle) Verbesserungen plädierte. Er war es sogar, der am Renntag in Imola morgens die Fahrervereinigung GPD wieder ins Leben rief, quasi eine Art Gewerkschaft für Formel-1-Fahrer. Hat ihm natürlich am Ende nicht viel geholfen als er mit 200 km/h in Imola in eine Betonwand krachte, ihn sein rechter Vorderreifen am Kopf traf und ein Gestänge von der Aufhängung sich in seinen Helm bohrte. Grund für diesen Unfall war wohl, dass die Lenkstange seines Wagens sich an einer Schweißnaht in Luft aufgelöst hatte und der Wagen somit unkontrollierbar geworden war. Aber 100% sicher ist sich wohl niemand, da die Blackbox bei der Auswertung angeblich unlesbar war. Klar ist, dass an seinem Schädel nicht mehr viel ganz war, er aber ansonsten keine weiteren nennenswerten Verletzungen hatte. Selbst das Auto sah noch überraschend vollständig aus in Anbetracht der Wucht mit der er in den Aufnahmen in die Wand kracht. Das sah extrem heftig aus. Allerdings nicht ganz so heftig wie der Unfall ein paar Wochen zuvor wo er buchstäblich abhebt, in einen Reifenstapel fliegt, durch den Aufprall sich sein Auto in der Luft auf den Kopf dreht und er so mit dem Kopf zuerst im Kies landet. Wäre das eine Betonschikane gewesen, dann wäre er vermutlich schon damals nicht mehr aufgestanden. Alter Schwede. So viel man auch heutzutage über die Formel 1 jammern kann: Sowas passiert heutzutage zum Glück nicht mehr.

Senna (Promobild)

Senna (Promobild)

Aber Sennas Tod mit 34 Jahren war nur die letzte Tragödie an diesem extremen Wochenende in Imola. Im Training hatte es schon Rubens Barrichello massiv erwischt, der sich dabei einen Arm und seine Nase brach. Im Qualifying passierte dann noch etwas viel schlimmeres und zwar genau eine Kurve vor der, in der Senna dann 24 Stunden später tödlich verunglücken sollte: Der Österreicher Roland Ratzenberger (auch 34), in seinem dritten Qualifying in der Formel Eins überhaupt, verliert die Kontrolle über seinen Wagen, knallt mit 300 km/h in die Schikane und war sofort tot (von seinem Auto war nur noch das massiv eingedrückte Grundchassis über!). Das erste Todesopfer in der Formel 1 seit 1982 (Riccardo Paletti). Normalerweise hätte deshalb das Rennen wohl eigentlich gar nicht stattfinden dürfen (in Italien muss bei einem Tod ein Sportevent sofort abgesagt werden) aber aufgrund von Schummeleien durch die Rennleitung wurde der Eindrucke erweckt, als wäre Ratzenberger erst im Krankenhaus gestorben und nicht auf der Rennstrecke. Also wurde am nächsten Tag gestartet und prompt knallte es schon wieder. JJ Lethos Auto war beim Start abgesoffen und Pedro Lamy krachte ihm voll rein. Fünf Safety-Car-Runden später wurde der Verkehr wieder freigegeben und Senna war vor Schumacher in Führung (der aber extrem viel Druck machte). Zwei Runden später war Senna nicht mehr.

Zwar wurde auch er noch auf der Strecke behandelt und anschließend in ein Krankenhaus geflogen aber auch hier scheint wohl wieder nicht alles mit rechten Dingen vonstattengegangen zu sein. So wurde er zwar technisch gesehen wiederbelebt und durch Maschinen noch am Leben erhalten aber dann vier Stunden später doch nachträglich zum Crashzeitpunkt für Hinrtot erklärt. Da muss man sich schon die Frage stellen wie viele Millionen Sponsorengelder ein Menschenleben wert ist, wenn ZWEIMAL im gleichen Event so ein Bockmist gemacht wird nur um den Zirkus am Laufen zu halten. Zur Verantwortung wurde natürlich keiner gezogen soweit ich das Lesen konnte (im Film wird darauf nicht weiter eingegangen). Nur ein Chefmechaniker bei Williams wurde 2007 wegen Mord verurteilt aber da war die Sache schon lange verjährt und er musste die Haft nicht antreten.

Bagdadsoftware meint: 5 von 5 Sics gibt es von mir für diesen Dokumentarfilm. Ich habe mit der Formel 1 noch nie viel am Hut gehabt und seit Schumachers Abgang habe ich meines Wissens auch kein einziges Rennen mehr gesehen. Dennoch hat mich das Werk die fast drei Stunden nicht nur voll in seinen Bann gezogen, sondern im Anschluss direkt auf eine lange Reise durch das Land namens Wikipedia geschickt. Vor allem natürlich um mehr über den fatalen Crash zu erfahren aber auch Senna, Prost und die FIA-Regularien interessierten mich plötzlich massiv. Dabei bin ich auf faktisch keine Unstimmigkeiten (abseits von Prosts Protest über seine Darstellung gegen Ende des Films) mit Senna gestoßen, nur auf alternative Deutungen der Situation — ja, leider auch ein paar Trottel, die behaupten Senna hätte Selbstmord begangen. Wie bescheuert muss man sein, um so etwas in die Welt zu setzen?! Und dann landet das “ der Vollständigkeit halber“ auch noch auf Wikipedia. Und das ist ja auch ein Auszeichnungsmerkmal für einen gelungen Dokumentarfilm, wenn er es schafft tatsächlich einfach nur die Realität wiederzugeben.

Somit kann ich abschließend nur eine klare Empfehlung für Senna aussprechen für alle, die dieses Thema auch nur ein bisschen interessiert. Es ist ein extrem gut gemachtes Werk nicht nur über eine interessante Persönlichkeit (inklusive so einigen Parallelen zu Schumacher und damit meine ich nicht ihre Kart-Vergangenheit) und ihr spannendes Leben, sondern auch über eine Zeit in der die Sicherheit der Fahrer plötzlich keine allzu große Rolle mehr spielte (die GPD war 1982 aufgelöst worden) und stattdessen die Formel 1 begann die „Elektronikmonstern“ von heute zu erfinden.

Bis Donnerstag!

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