Sicarius

Aufreger der Woche #3

Kingdoms of Amalur: Reckoning (Herstellerbild)

Kingdoms of Amalur: Reckoning (Herstellerbild)

Achtung: Der heutige Eintrag ist mal wieder voller Gemecker und wird nicht jedem gefallen!

Ich bin aktuell mal wieder in einer Art Übergangsphase was Spiele angeht. Ist nichts Neues und kommt regelmäßig mal vor. Ist eine Zeit, in der ich von einem Spiel zum nächsten springe und mich anscheinend nicht „traue“ auf einen Titel festzulegen und ihn einfach mal durchzuziehen. Okay, das stimmt nicht ganz. An Kingdoms of Amalur: Reckoning bin ich durchaus mit dem Vorhaben rangegangen, es endlich mal durchzujagen (aktuell bei 25 von geschätzt 40-55 Stunden inklusive den beiden DLCs). Leider scheint sich das nicht so ganz mit Windows 8.1 zu vertragen und stürzt entsprechend in unregelmäßigen Abständen einfach sang und klanglos ab. Das verdirbt einem logischerweise durchaus die Lust, wenn es mehrmals innerhalb von 10 Minuten passiert (und man den gesamten Dungeon jedes Mal neu beginnen darf). Und nein: Eine Lösung dafür habe ich bislang noch nicht gefunden (sonst würde es mich ja nicht vom Spielen abhalten, duh!). Ich kann nicht einmal ansatzweise den Grund dafür entschlüsseln (wobei es gefühlt am häufigsten in Dialogen passiert). Eine Idee wäre, dass es doch nicht so ganz glücklich damit ist, dass ich es zwanghaft auf Englisch umgestellt habe.

Origin installiert zwar ALLE Sprachpakete für den Titel, lässt euch aber nicht die Wahl welches ihr eigentlich verwenden wollt (= riesige Platzverschwendung!). Stattdessen wird wieder einmal auf die Systemsprache zurückgegriffen. Leider hilft bei diesem EA-Titel auch das Umstellen in der *.ini nichts (der Spracheneintrag wird anscheinend einfach ignoriert). Somit blieb mir nichts anderes übrig als alle anderen Sprachdateien abseits von Englisch zu löschen und vielleicht ist das ein möglicher Grund für die Abstürze. Aber wie gesagt: Sicher bin ich mir nicht. Zumal ich es damals, anno 2012, auch so gemacht habe. An dieser Stelle jedoch noch einmal ein Appell an alle Entwickler dort draußen:

Ewiger Nervfaktor Nr. 1

Wenn ihr alle Sprachen mitliefert oder das Vertriebssystem es anbietet (und die Zeiten, wo nur eine Form der Sprachausgabe auf die CD passte ist seit mindestens 10 Jahren vorbei!), dann gebt zwingend dem Spieler die Möglichkeit sie selbst auszuwählen. Am besten schon bei der Installation, spätestens aber im Optionsmenü. Auf die Systemeinstellungen zurückzugreifen wirkt im ersten Moment natürlich  korrekt und erscheint wie ein Service für den User. Aber es hat schon seinen Grund, warum Steam & Co. bei mir auf Englisch eingestellt sind – eben weil ich priorisiert die englische Fassung spiele. Wenn dann trotzdem ein Spiel meint, nur weil ich so doof bin Windows noch auf Deutsch zu betreiben, mich auf diese Einstellung festzufahren, wird es schneller beiseitegelegt als ihr guggen könnt!

Es ist schon schlimm genug, dass ich mein iPhone deshalb auf Englisch stellen musste und nun mit einer englischsprechenden Deutschen in meinem Navigationsprogramm leben muss (hat natürlich auch keine Einstellungsmöglichkeit). Zwingt mich nicht auch noch dazu mit dem Release von Windows 10 quasi dauerhaft der deutschen Sprache den Rücken zu kehren! Das macht nur unseren Azzkickr traurig! Und wollt ihr Azzkickr wirklich traurig machen? Eben! Also lasst den Blödsinn und kommt endlich in der modernen, globalisierten Welt an, in der wir leben. Bitte? Das ist so leichter zu programmieren? ICH KOMM DIR GLEICH RÜBER!!!11111Elf

So muss das sein!

République (Herstellerbild)

République (Herstellerbild)

Die PC-Version von République war übrigens ursprünglich auch so ein Kandidat, der sich auf die Betriebssystemssprache festgebissen hatte. Aber da lohnte es sich ausnahmsweise mal Backer zu sein. Eine „böse“ Mail 10 Minuten nach dem Starten der 1. Betaversion und siehe da: In der Releaseversion wird nun die Steameinstellung hergenommen und ihr dürft sogar die Sprache selbst auswählen. Der Entwickler bei Camouflaj, der mir auf die Mail geantwortet hatte, war auch äußerst verständnisvoll und hat sofort gesagt „Ja, du hast recht und ich werde dafür kämpfen, dass wir das machen“. Da fällt mir ein, dass ich ihm vielleicht auch noch eine Dankesmail schicken sollte…wenn ihr mich kurz entschuldigt.

[5 Minuten später]

So da bin ich wieder. Wenn wir schon beim Thema sind: Ihr solltet in Répulique Remastered unbedingt mal reinschauen, auch wenn ihr die iOS-Version schon kennt. Immer noch ein gelungenes Schleichspielchen mit einem interessanten Twist (indirekte Steuerung), einem starken Hauptcharakter und auch wenn man ihm seine Smartphone-Herkunft anmerkt, sieht es bei weitem nicht so schlecht aus wie beispielsweise Deus Ex: The Fall.

Apropos iPhone: Ganz schlimm sind die Apps, die das englische Betriebssystem erkennen und dann weder in Deutsch noch Englisch starten, sondern auf Französisch. Ja, Gameloft, du bist gemeint! Wie passiert sowas?!

Etwas Entwicklerliebe

Aber wenn wir schon beim Stichwort „Briefe an Entwickler“ sind: Wann habt ihr dem Erfinder eures aktuellen Lieblingsspiel zuletzt gesagt, dass ihr super findet, was er macht? Also abseits davon, dass ihr hoffentlich den jeweiligen Titel zeitnah zum Release und damit zum Vollpreis gekauft habt? Lange her? Dachte ich mir. Geht mir natürlich genauso. Sollteen wir vielleicht mal wieder tun. Und wenn es nur ein Forumposts auf Steam ist. Fühlt sich garantiert auch super an.

In einer Zeit, wo dank des Internets eine kleine vokale Minderheit die Stimmung vorgibt, ist es denke ich massiv an der Zeit für die zufriedene aber schweigende Mehrheit von Spielern mal den Mund aufzumachen und der Hasswelle entgegen zu treten egal wie sehr wir uns dabei selbst zur Zielscheibe machen (wie ich nun mit diesem Eintrag). Und bevor einer dieser GamersGate-Volltrottel reinspringt: Nein, Hass und Kritik sind zwei völlig unterschiedliche Sachen. Hass ist das, was ich euch gegenüber empfinde wenn ihr mal wieder den Mund aufmacht und mit den ewig gleichen fadenscheinigen Argumenten versucht von der Tatsache abzulenken, dass euer vermeintlich nobles Vorhaben „Ethik im Journalismus verbessern“ grandios gescheitert und in einer Wolke aus sex- und rassistischem Verhalten verpufft ist (quasi dahin zurück, wo es mit Zoe Quinn und ihrem rachesüchtigen Ex-Freund angefangen hat). Kritik ist zu sagen, dass ich nicht gut finde was ihr macht, weil ihr damit die gesamte Games-Kultur um 10, wenn nicht sogar 20 Jahre zurückgeworfen habt. Sarkeesians Polemik hin oder her (die Serie heißt nicht umsonst „Feminist Frequency“: Euer Verhalten gibt ihren Worten mehr Gewicht, als ihr sie damit schädigt. Wenn die Gegenreaktion so heftig erfolgt, scheint sie ja schließlich nicht ganz unrecht zu haben. Da könnt ihr noch so oft vereinzelte Beispiele von weiblichen Protagonisten aus den letzten 35 Jahren hervorholen oder die männliche Darstellung in Videospielen als vermeintliches Beispiel für die bereits vorhandene Gleichberechtigung in Videospielen schwingen. Im Gegenteil: Solange ihr eure Meinung nur reaktionsnär und unreflektiert hinausschreit, seid ihr nicht viel besser als sie.

Hasstriade

Die Zukunft der Videospiele laut GamersGate

Die Zukunft der Videospiele laut GamersGate
(Herstellerbild zu Barbie als Prinzessin der Tierinsel)

Das ist aber offensichtlich zu viel Aufwand für Personen, die die (selbstverständlich absolut führenswerte!) Diskussion anscheinend nicht verstanden haben (oder verstehen wollen) und sich stattdessen über Frauen aufregen, die etwas lockerer angezogen auf Twitch streamen (was ja jetzt auch verboten ist) und gleichzeitig Gleichberechtigung fordern. Kann ja nicht sein. Sie würden sich ja nicht so anziehen, wenn sie nicht die sexistischen Kommentare haben wollten! Alles Hypokriten, diese Frauen! Erst wenn sie ihren Körper völlig kurvenneutral in einer Burka verstecken, dann dürfen sie anfangen sich zu beschweren. Aber bitte nur in ihrem stillen Kämmerlein, in das sie sich nach dem Prügeln und Vergewaltigen zurückziehen und in den Schlaf weinen. Ansonsten bestünde ja die Gefahr, dass unser Hobby weiter erwachsener und gesellschaftsfähiger wird und wir es mit einem Menschen teilen müssten, der genauso Spaß dran hat wie wir (oder vielleicht sogar mehr?). Gott bewahre!

Doch ich habe natürlich keine Ahnung. Dadurch, dass ich dies hier schreibe, oute ich mich selbstverständlich als einer dieser verkappten Social Justice Warriors/White Knights, die das nur sagen, um mit besagten Frauen ins Bett springen zu können. Ich sehe mich auch ganz klar für das beste Beispiel dafür, wie wunderbar diese Taktik funktioniert. So als 30jähriger Single, der mit seiner rechten Hand verheiratet ist und mit Damen wie Carla Brown und Melanie Walsh (ja, das sind „leider“ tatsächlich reale Personen :smile: ) eine überraschend teure Fernbeziehung führt. Warum wollen die nur immer meine Kreditkartennummer wissen, bevor ich mit ihnen Skypen darf?! Ach egal. Wird schon passen. Freundinnen sind teuer sagt das Klischee.

Bitte? Das war dem GamersGater jetzt aber echt zu polemisch? Der ist doch gar nicht so und darum ginge es ja auch gar nicht, sagt er. Pech gehabt. Du hast dich mit deinen Aussagen und deinen Hashtags ganz von selbst in diese Ecke manövriert. Ich könnte natürlich nur für dich eine Dose Mitleid aufmachen, aber die Herstellerfirma hat wegen dir und deinen Kollegen gerade Lieferschwierigkeiten und mein Vorrat ist leider alle. Musst du also nun damit Leben. Könntest natürlich auch dein Verhalten ändern und etwas mehr Weitblick zeigen oder zumindest einen anderen Hashtag suchen, um deine noblen Ansichten zu vertreten. Aber das ist ja anstrengender als 140 Zeichen auf Twitter hinzuscheißen, sich danach so richtig toll zu fühlen es allen gezeigt zu haben und bei jeder Kritik wieder loszubellen.

ARGH!

Symbolbild des Kampfes (Herstellerbild von Hotline Miami 2)

Symbolbild ohne offensichtlichen Zusammenhang
(Herstellerbild zu Hotline Miami 2)

Jetzt sind wir gerade massiv vom Thema abgeschweift und werden nach dieser Keule auch heute nicht mehr zurückkehren. Aber mir geht die Sache mittlerweile so dermaßen auf den Geist, das lässt sich gar nicht in Worte fassen. Wenn ich Twitter aufmache und schon wieder ein Lernunfähiger seinen Mund in einer Art und Weise aufmacht, bei der ich im Anschluss am liebsten vorbeifahren und ihnen eine runterhauen würde, dann nervt das. Zum Glück ist Gewalt keine Lösung (und die Benzinpreise trotz niedrigem Ölpreis immer noch zu hoch für solche Späße).

Das heißt natürlich nicht, dass die Anti-GamersGate-Seite komplett frei von jeder Schuld ist. Wo scharf geschossen wird, wird auch scharf zurückgeschossen. Aber um (natürlich vollkommen bewusst) ein Beispiel aus der Zeit der Hexenjagd zu nehmen: Anti-GamersGate ist die Gans auf der einen Seite der Waage, GamersGate die hübsche Jungfrau auf der anderen. Der Unterschied ist nur, dass damals die Jungfrau anschließend qualvoll auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Bei GamersGate sind wir bei diesem Schritt leider noch nicht angekommen. Aber er wird kommen. Da bin ich mir sicher. Ansonsten würde es nämlich zeigen, dass PEGIDA doch Recht hat. Und das wäre traurig, um mal kurz politisch zu werden und den Kreis zurück zur Burka zu ziehen.

Also beruhigt euch vielleicht alle mal wieder und versteht endlich, dass die Feministen nicht euer Hobby zerstören wollen und diskutiert sachlich über das Thema statt immer nur die Person anzugreifen, die es euch vor die Nase setzt. Danke. Ihr kennt doch sicherlich auch das Sprichwort: Meinen Freunden bin ich nah, meinen Feinden näher. Und aktuell sind wir weiter voneinander entfernt als die Gräben in der französischen Erde im ersten Weltkrieg.

Epilog

Hach, wie schön waren noch die Zeiten, als der schlimmste Feind für unser Hobby noch Jack Thompson oder Günther Beckstein hieß. Da haben wir unser liebstes Hobby noch gemeinsam verteidigt statt es jetzt aus falschem Stolz oder so gemeinsam von innen heraus die damals geleistete Arbeit wieder komplett zu zerstören.

Dabei ist die Frage nach der Ethik im Journalismus bekanntlich eine, die weiterhin definitiv gestellt gehört. In einer Zeit, wo Journalisten extrem schlecht bezahlt werden und ein Spielemagazin (Eurogamer) nicht nur eine, sondern gleich zwei Gaming-Conventions abhält (EGX und EGX Rezzed) und nun sogar als Publisher für Indietitel auftritt, ist das so aktuell wie nie. Und nein, dass diese Sachen offiziell vom Mutterkonzern Gamers Network produziert werden, macht die Sache nicht besser – es wird nur geschickter verschleiert. Siehe auch meinen Eintrag von 2012 (!).

Ich wünsche eine angenehme Woche!

Print Friendly, PDF & Email
Tweet about this on TwitterShare on FacebookEmail this to someone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

:smile: :sad: :wink: :tongue: :-x :roll: mehr »
*