Sicarius

Tagebuch eines angehenden Hausherrn #1

Vor zwei Wochen hatte ich erwähnt, dass ich dabei bin mir den „Traum vom Eigenheim“ zu erfüllen. Explizit in Klammern gesetzt, weil ich mir durchaus bewusst bin, dass ihn zum einen nicht jeder hat und ich es zum anderen sogar fatal finde wie sehr diese Thematik idealisiert wird. Ein Haus bauen oder kaufen mag ganz schnell passiert sein, wenn es nach den Maklern geht, die einem am liebsten sofort die Unterschrift setzen lassen wollen. Aber ob das wirklich sinnvoll ist, darüber denken oftmals die Leute nicht so wirklich nach. Wohin das führt hat man ja bei der Weltwirtschaftskrise 2008 gesehen. Die ist vor allem auch dadurch entstanden, dass haufenweise Kredite an Leute vergeben wurden, die sie sich eigentlich nicht leisten können (und dann damit bei den Banken gespielt wurde).

Entsprechend begann unsere aktuelle Reise ins Land der Hausbesitzer folgendermaßen. Vorab aber noch ein

Sieht so ein vertrauenswürdiges Gesicht aus?

Eine vertrauenswürdige
Person

Disclaimer: Dies ist meine erste Erfahrung dieser Art und ich behaupte definitiv nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Mir geht es ausschließlich darum euch davon zu erzählen, was wir getan (egal ob richtig oder falsch) und welche Erfahrungen wir dabei gemacht haben!

1) So einige intensive und absolut offene Gespräche zwischen meiner Begleiterin und mir. Sprich die üblichen Fragen einer Beziehung genauestens erörtern:

Wollen wir das wirklich beide? Klingt banal aber ich denke, es dürfte jedem klar sein, dass es einen großen Unterschied zwischen Zusammenziehen und Eigentum erwerben gibt. Letzteres ist keine einfache und vor allem keine nicht ganz so zügig rückgängig machbare Entscheidung. Da müssen somit beide dahinter stehen. Und ich sage ganz ehrlich: Mir war das am Anfang als es zum Thema wurde auch nicht so ganz geheuer. Ich habe mich dann aber mal ausführlich damit befasst und bin am Ende dann doch ins andere Lager gerutscht :smile: .

Sehen wir überhaupt die Chance, dass das mit uns dauerhaft/langfristig funktioniert? Natürlich ist hier der erste Reflex sofort zu sagen „Ja, natürlich wird das mit uns bis in alle Ewigkeit halten – wir sind doch schließlich total verliebt!“. Aber wer das ohne Nachzudenken sagt, sollte aus meiner Sicht noch abwarten bis er wieder etwas realistischer an die Sache rangehen kann. Wir haben hingegen versucht uns ausführlich gegenseitig abzuklopfen und beispielsweise offen und ehrlich geschaut welche Charaktereigenschaften des jeweils anderen ggf. langfristig zu Problemen führen könnten wenn dann doch mal die „Hach, wir lieben uns sooooo sehr und könnten bis zur Rente gemeinsam im Bett liegen“-Phase endgültig vorbei ist. Das ich rülpse wie ein Urvieh mag ja jetzt noch süß und witzig sein. Aber auf Dauer könnte das durchaus ein Beziehungstöter werden. Das war aber natürlich jetzt nur ein Beispiel. Ich röhre eigentlich mehr wie ein Hirsch :smile: .

Macht es zu diesem Zeitpunkt überhaupt Sinn? Gut, das ist jetzt nicht nur mit der Beziehung zu tun, sondern auch mit den Rahmenbedingungen. Aber wie ich schon im anderen Eintrag schrieb, konnten wir für uns festhalten, dass das aktuell ziemlich perfekt passt. Die Zinsen sind im Keller (1,6% bis 2% je nach Kreditinstitut und Modalitäten), wir sind im besten Alter (selbst wenn wir den Kredit nicht Vorzeitig abbezahlt kriegen, hätten wir noch so einige schuldenfreie Jahre anschließend), haben einen ziemlich sicheren Job (das Magenta T wird so schnell nicht den Bach runter gehen) und verdienen sehr gut dort.

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2) Anschließend haben wir zusammen einen ausführlichen Blick in die Zukunft geworfen. Dazu gehörte es vor allem die vielen Horrorszenarien durchspielen. Was passiert, wenn wir doch mal arbeitslos werden? Was ist, wenn die Beziehung in die Brüche geht? Und so weiter und so fort. Daraus ergibt sich nämlich die extrem wichtige Frage:

Welche Vorkehrungen können und sollten wir treffen? Die genauen Details gehen euch an dieser Stelle natürlich nichts an. Aber allgemein gesprochen sind die zwei wohl wichtigsten Punkte aus meiner Sicht, dass zum einen der Kredit im Zweifel auch von einer Person bedient werden kann bzw. bestenfalls sogar bereits nur auf eine Person läuft (und der andere zahlt dann beispielsweise seinen Anteil auf ein separates Konto, um damit zum Beispiel dann größere gemeinsame Anschaffungen oder Urlaube zu finanzieren). Und zum anderen zwingend in einem Privatvertrag alles soweit schriftlich festgehalten und geregelt wird. Dann kann die Beziehung noch so böse enden: Wenn das Schwarz auf Weiß auf einem Blatt Papier steht auf dem beide unterschrieben haben, dann ist das Thema gegessen und man schläft vermutlich auch wesentlich ruhiger.

3) War das geklärt, galt es ausführlich unsere aktuelle Finanzsituation zu prüfen. Wie gesagt, soll einer alleine den Kredit bedienen können. Das ist dann aber natürlich mehr als die aktuelle monatliche Miete (es sei denn, man will 70 Jahre einen Kredit an der Backe haben – übertrieben gesagt). Es galt quasi das vorhandene Eigenkapital zu prüfen (und ein eventueller Einsatz davon dann entsprechend im Privatvertrag festzuhalten wie er vom anderen ausgeglichen werden würde), den Lebensstandard (sprich die Ausgaben) anzuschauen, zu sehen was an laufenden Kosten abseits des Kredits bei einem Haus noch dazu kommen würden (Versicherungen, Steuern und Gebühren – sind gar nicht mal so wenige! Und dann natürlich noch Strom, Wasser und Heizung.) sowie prüfen was beim Zusammenziehen wegfallen/zusammengefasst und damit von beiden getragen werden würde (Hausrat, Rechtsschutz, Telefon, Strom und so weiter).

Oder in kurz: Das Limit für den Kredit finden. Sowohl was seine Höhe als auch die Höhe der Rate betrifft. Nur weil die Bank sagt „Wir geben dir 500.000 Euro“, muss das nicht unbedingt das Beste für einen persönlich sein.

Ach und natürlich sollte man in diesem Stadium auch prüfen, was eigentlich so die Marktsituation ist. Also was kostet eine Hütte so ungefähr im Zielgebiet und was brauche ich dann in Sachen Kredit (zum Kaufpreis kommen noch Grunderwerbssteuer [ca. 5%] und Notar-/Grundbucheintragungsgebühren [ca. 1,7%]  sowie ggf. Maklerkosten [ca. 2,8%]). In Darmstadt selbst ist es logischerweise 10mal teurer als in der Umgebung und in Gunzenbach mindestens 100mal billiger (leichte Übertreibung).

Bei der KFW gibt es geförderte aber limitierte Darlehen

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4) Nachdem wir ungefähr wussten, was wir uns leisten können bzw. was wir ungefähr an Geld brauchen würden, haben wir mal ein paar Angebote eingeholt in Sachen Kredit. Einfach um zu schauen, was würden uns die Banken tatsächlich geben und wie sehen so die Kosten und Bedingungen aus. Dabei habe ich unter anderem gelernt, dass man nicht nur auf den Zinssatz schauen sollte (nicht vergessen: Es gibt einen Sollzinssatz und einen effektiven Zinssatz! Letzterer ist höher und enthält auch die Gebühren, die bei so einem Kredit anfallen und ist somit der Realistischere!), sondern auch so Sachen wie Sondertilgung (ihr dürft abseits der Raten in einem Jahr einfach so zum Beispiel 10% des Gesamtbetrages zurückzahlen, wenn ihr das Geld verfügbar habt) oder die Anlaufzeit.

Letzteres kann besonders wichtig sein. Nur weil ich einen Kredit unterschrieben habt, müsst ihr nicht von Tag 1 an zahlen. Das ist erst einmal nur eine Zusicherung, dass ihr das Geld haben dürft. Stattdessen gibt es eine Frist innerhalb ihr den gesamten Kredit abgerufen haben müsst. Meist so 6 bis 12 Monate je nach Bank. In der Zeit könnt ihr auch nur immer Teile vom Geld rausholen und fangt dann auch nur an für diesen Teil Zinsen zu zahlen. Das ist insofern relevant, weil vor allem ein Neubau ja etwas länger dauert und die Zahlungen in Etappen erfolgen. Die erste wenn der Rohbau steht und die letzte wenn das Haus fertig ist. Dazwischen liegen natürlich einige Monate. Entsprechend praktisch ist es, wenn die Anlaufzeit des Kredits die komplette Bauphase überdeckt und man so nach und nach das Geld rausholen kann.

Ausnahme: Man findet irgendwo eine Bank, die euch für das Geld mehr Zinsen gibt, wenn ihr es anlegt, als ihr selbst Zahlen müsst. Aber das ist logischerweise eher unwahrscheinlich (Tagesgeldzsinen sind derzeit bei 0,6 bis 1,1%).

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5) Nachdem wir das alles geklärt und wir uns ein letztes Mal versichert hatten, dass wir es tatsächlich wollen und es uns leisten können, ging es über zur Frage:

Wie können wir das Thema sinnvoll angehen? Einen Plan zu haben ist nie verkehrt, auch wenn dieser Plan vielleicht den ersten Feindkontakt nicht überlebt. Dazu gehört sich ausführlich Gedanken darüber zu machen, wonach man eigentlich sucht. Uns sind zum Beispiel zwei getrennte Arbeitszimmer sowie die Möglichkeit Haustiere zu halten extrem wichtig. Letzteres mag bei einer Haussuche komisch klingen. Schließlich sind wir ja dann die Hausbesitzer und können entscheiden ob wir Katzen halten oder nicht. Das gilt aber leider nur für Wohnungskatzen. Sobald ihr den Vierbeinern auch Freigang gewähren wollt, sieht die Sache schon anders aus. Da fängt es mit der Lokation an (ein Haus an der Autobahn wäre dann ungünstig) und hört mit den Rechten der Nachbarn auf (Wohnpark mit Wohneigentümergesellschaft beispielsweise, wo die anderen Eigentümer ein Mitspracherecht haben). Außerdem sollte es logischerweise nicht zu weit von der Arbeit weg sein und der Preis unter dem eigenen Limit liegen.

Aber auch wie lange man sucht beziehungsweise wie die weitere Wunschablauf aussieht sollte man sich schon einmal ein wenig zurechtlegen. Das ist natürlich nicht in Stein gemeißelt. Aber zu sagen „Okay, ich kann damit leben wenn es noch bis Frühjahr 2016 dauert“ ist sicherlich nicht verkehrt, um sich bei der Suche nicht zu verfahren. Gleichzeitig ist es dann auch sinnvoll für die Zeit dazwischen einen Plan aufzustellen. Sie hat beispielweise ihre Wohnung gekündigt und zieht dann im Herbst bei mir ein, um schon anzufangen zusätzliches Geld zu sparen. Dazu natürlich die Fragen „Was müssen wir bis wann geklärt haben? Was bis wann eingekauft falls es vor Ort noch fehlt? Was brauchen wir nicht mehr und können wir verscherbeln/verschenken?“ und so weiter und so fort. Wobei man die logischerweise erst so richtig beantworten kann, wenn das Objekt feststeht und die Unterschrift schon fast unter dem Kaufvertrag ist.

Erst nachdem wir mit all dem ganzen Zeugs durch waren (natürlich stark Parallelisiert), haben wir mit der eigentlichen Suche so richtig begonnen. Dazu dann aber mehr in der nächsten Folge dieser Eintragsserie. Ich hatte ja schon erwähnt, dass wir schon einmal kurz vor einer Unterschrift waren (Neubau) und es uns dann doch noch anders überlegt haben. Heute Abend steht nun wieder ein Termin an, wo vielleicht der Hammer fällt (Bestandshaus), wenn wir nicht erneut in letzter Sekunde etwas finden, was uns nicht passt.

PS: Passend zum Stichwort „schauen, dass der alte Kram endlich rauskommt und gar nicht erst mit umziehen muss“, habe ich mal 20 Artikel (so viel könnt ihr im Monat kostenlos reinsetzen) zum Verkauf bei eBay eingestellt. Der RAM ist zwar schon weg (hatte den Sofort-Kaufpreis viel zu niedrig angesetzt), aber alles andere ist logischerweise zum Verfassungszeitpunkt noch verfügbar.

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