Sicarius

Märchenträume

Dass es im Leben des Webmasters derzeit so einige Veränderungen gibt, sollte mittlerweile wohl bekannt sein. Dazu gehört auch, dass er nun langsam aber sicher in die Welt der Anime und Mangas eingeführt wird von seiner neuen Begleitung. Nachdem ich euch das letzte Mal einen Anime vorgestellt hatte, geht es heute also erstmals um Mangas. Das ist technisch gesehen (also lt. Wikipedia) wohl der Begriff für Comics, die ausschließlich aus Japan kommen. Aber in der Realität (wie ihr auch gleich sehen werdet) fallen da auch noch Comics in diesem speziellen Stil aus anderen Ländern darunter. Machen wir also nicht lange rum und unterhalten uns über die ersten zwei Werke, die ich mir zu Gemüte führen durfte:

Die Legenden vom Traumhändler (Cover)

Die Legenden
vom Traumhändler
(Cover)

Die Legenden vom Traumhändler (Jeong-a Lee, 6 Bände, abgeschlossen) – Bei diesem Werk handelt es sich um einen Manhwa, also einem koreanischem Comic. Und von mir erhält die Geschichte von einem stylisch aussehenden Typen (oder Frau – das wird irgendwie nie hundertprozentig klar) mit Zylinderhut und Stock 3 von 5 Sics. Die durchschnittliche Wertung hat mehrere Gründe. Zum einen ging mir das Gejammer der Zeichnerin auf den Geist (jedes Buch enthält ein paar „Behind the Scenes“-Zeilen, die sich gefühlt für alles und jeden entschuldigt und zum anderen anfangs absolut keinen Plan hatte von dem, was sie da eigentlich tut, was am Ende die Sache extrem undurchsichtig machte. Also ich meine damit nicht das Zeichnen. Zwar fand ich den Stil hier und da etwas zu undetailliert und „typisch Japanisch“ (Mädchen mit großen Kulleraugen, die mit abgestumpften Armen wedeln), wenn man so will. Aber die meiste Zeit und vor allem die Darstellungen des Traumhändlers fand ich definitiv schick und imposant. Nein, mein Problem liegt in der übergeordneten Geschichte, um besagten Traumhändler.

Wie der Name schon sagt, verkauft der Traumhändler Träume und zwar den Traum von einem Kind. Aber jedes Kind, das er schenkt, kommt mit einer Bedingung. Wird diese Bedingung nicht erfüllt, holt er sich das Kind wieder und „recycelt“ es. Warum, weshalb, wieso kann ich euch selbst nicht so genau sagen. Anfangs kommt die Geschichte nicht so wirklich in Schwung, weil die Autorin selbst nicht so recht weiß was sie eigentlich vorhat. Und als sie dann einen zusätzlichen Schreiberling anheuert, wird es zwar ein bisschen besser aber das Finale ist trotzdem extrem verworren und komisch.

Die positive Seite

Natürlich kann man sagen, dass alle sechs Bände genau das sind und es den Reiz ausmacht. Denn die Geschichte des Traumhändlers wird in kurzen Episoden erzählt, die jedes ein Märchen der Gebrüder Grimm oder von Hans Christian Andersen als grundlegendes Thema hat. Grundlegend deshalb, weil sie sich nicht so wirklich an die Vorlage halten, sondern dieser einen Twist verpassen. Und zwar eine meist sehr düstere Wendung (nicht bei allen). Als Fan von American McGee’s Alice also im Prinzip genau mein Ding. Und es gibt auch definitiv ein paar richtig coole Umsetzungen wie beispielsweise die Erzählung von Dornröschen, Spoiler wo der Prinz feststellen muss, dass die Prinzessin nicht schläft, sondern von ihrem Vater aus Eifersucht ermordet wurde Spoiler. Oder besagte Alice aus dem Wunderland, die…sagen wir mal von der roten Königin so einiges gelernt hat. Das sind Episoden, da macht das Lesen Spaß. Aber sobald es wieder zurückgeht zum Traumhändler ist irgendwie die Luft raus und speziell das große Finale hat mir nicht so wirklich gefallen. Auch, weil ich es nicht verstanden habe und es mir erklären lassen musste (machte es nicht viel besser).

Äußerst schade, da Die Legenden vom Traumhändler im Kern eine richtig coole Idee ist. Aber es hapert halt leider doch zu oft an der praktischen Umsetzung, um das Werk uneingeschränkt empfehlen zu können. Sowohl was die Zeichnungen (was aber ein Stück weit dem Genre bedingt ist) als auch was die Geschichten betrifft. Entsprechend eignet es sich sicherlich auch nur bedingt als Einstieg in die Welt der Mangas obwohl der Start mit Dornröschen definitiv gelungen ist.

 

Grimms Manga (Cover)

Grimms Manga
(Cover)

Grimms Manga (Kei Ishiyama, 2 Bände plus 1 Sonderband, abgeschlossen) – Dieses Werk bekommt 4 von 5 Sics. Anders als Die Legenden vom Traumhändler, geht es hier ausschließlich um die Märchen der Gebrüder Grimm. Keine übergeordnete Geschichte, kein Firlefanz Drumherum. Aber genauso wie bei der Konkurrenz bleiben nur wenige Steine auf dem alten und es rutscht hier und da auch wieder etwas weiter ins Düstere ab (allerdings nicht ganz so was eventuelle Morde angeht). Zwar sind nicht alle Geschichten durchgängig auf hohem Niveau, so ist beispielsweise der gestiefelte Kater aus Band 2 mein persönlicher Favorit. Aber der Unterhaltungswert beim Lesen (dieses Mal übrigens wie im Original von hinten nach vorne und rechts nach links!) ist dennoch durchgängig hoch.

Das liegt nicht nur an den Geschichten und ihren interessanten Verdrehungen (was wäre, wenn Hänsel und Gretel die Bösen wären?), sondern auch dem Zeichenstil (wie das meiste im Genre vollständig in schwarz-weiß gehalten), der anders als bei Die Legenden vom Traumhändler durchgängig detailliert (aber nicht hyper-erwachsen) und hochwertig ist. Da kommen die Figuren so richtig schön zur Geltung und geben der Erzählung noch viel mehr Gewicht. Entsprechend viel Spaß hat das Lesen gemacht, der nur dadurch getrübt wurde, dass mir persönlich halt nicht alle Episoden so gut gefallen haben (was aber auch teilweise für die als Vorlage dienenden Märchen gilt). Aus meiner Sicht entsprechend eine klare Kaufempfehlung und von den Mangas, die ich bislang gelesen habe, definitiv mein Liebling.

Mal schauen wie lange er sich auf diesem Platz halten kann…

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