Sicarius

Fünf für die Ohren, Teil 5

Ich mag nicht mehr dazu zu kommen so viele Spiele zu spielen. Aber mein Interesse an Spielesoundtracks hat sich dadurch nicht gemindert. Ich höre sie weiterhin gerne und viel. Und da der letzte Eintrag dieser Art auch schon wieder einige Monate auf dem Buckel hat, wird es mal wieder Zeit euch fünf Empfehlungen aus meiner äußerst umfangreichen Sammlung vorzustellen. Und zwar beschäftigen wir uns heute mit den nachfolgenden Werken:

Crypt Of The Necrodancer (Cover)

Crypt Of The
Necrodancer (Cover)

Crypt of the Necrodancer (2015)

Komponist: Danny Baranowsky (The Binding of Isaac)
Umfang: 01:56:21 (42 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (10 US-Dollar)

Gleich vorweg: Dieser Soundtrack ist ein buchstäblich zweischneidiges Schwert. Die Tracks 28 bis 42 sind Wiederholungen von 15 anderen Liedern des Albums – allerdings mit einem Twist. Der nennt sich „Shopkeeper“ und ist ein Tenorsänger, der stark verzerrt wird. Das klingt so dermaßen schrecklich, dass ich die Stücke schon gar nicht mehr auf den USB-Stick kopiere. Der Rest ist aber glücklicherweise ein gelungenes Electronic-Dance-Album (passend zum Genre des Spiels quasi) vermixt mit einigen Chiptune-Elementen. Nur hier und da werden zur Abwechslung ein paar Rockelemente eingestreut. Das Ergebnis ist unterhaltsam und bringt die Beine in Schwingung.

Persönliches Lieblingslied: Track 02 – Rhythmortis (Lobby) [02:29] (Anhören)

Im Vergleich zum Rest des Albums eher „Lowkey“, wie man so schön sagt, sprich weniger nervenaufreibend und stattdessen eingängig mit einem soliden Grundmotiv. Mir gefällt an diesem Stück besonders der makabre Unterton (aufgrund der Thematik des Spiels), der den ansonsten definitiv eher fröhlichen Sound angenehm verzerrt und zu einem interessanten Hörerlebnis formt.

 

Divnity: Dragon Commander (Cover)

Divnity: Dragon
Commander (Cover)

Divinity: Dragon Commander (2013)

Komponist: Kirill Pokrovsky (Divinity II: Ego Draconis)
Umfang: 00:52:21 (21 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Steam (45 Euro – als Teil der Imperial Edition)

Beim Intro glaubt man zuerst an einen episch-militärischen Fantasy-Orchestersoundtrack geraten zu sein. Wäre ja auch ein Stück weit passend zur Thematik des Spiels. Doch auch wenn es definitiv weitere solche Lieder auf dem Album gibt, weicht Pokrovsky wie gewohnt sehr oft von den eingetretenen Pfaden ab und versucht euch etwas Neues zu bieten. Der Komponist greift dabei sehr oft zu einer interessanten und eher ungewöhnlichen Auswahl an Instrumenten und Musikstilen und erschafft durch ihre Kombination etwas, was man so vermutlich noch nie gehört hat. Für mich sind die klaren Highlights aber die reinen Klavierstücke, in denen Pokrovsky sein musikalisches Können wie schon in den anderen Divinity-Scores besonders gut zur Schau stellt.

Persönliches Lieblingslied: Track 06 – The Board Is Set [02:00] (Anhören)

Schon als klassisches Klavierstück fängt mich dieses Lied sofort ein. Wie so oft, ist das Grundmotiv äußerst simpel und wird nur sanft variiert. Aber nicht nur aufgrund seines vergleichsweise langsamen Tempos geht es mir unter die Haut und erzeugt in mir ein leichtes Gefühl der Anspannung. Auch die leichte Dissonanz trägt ihren Teil dazu bei. So richtig Fahrt nimmt das Stück aber erst auf, wenn nach rund einer Minute die restlichen Instrumente einsetzen und dem Motiv eine spürbare Weite geben ohne großartig an Tempo oder Zusammensetzung etwas zu verändern.

 

Little Inferno (Cover)

Little Inferno (Cover)

Little Inferno (2012)

Komponist: Kyle Gabler (World of Goo)
Umfang: 00:22:56 (22 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Entwicklerwebseite (kostenlos)

Schon World of Goo ist ein Score, der sich trotz seiner düsteren Momente am einfachsten als „nett“ und „schön“ zusammenfassen lässt. Little Inferno ist da nicht viel anders, auch wenn der Grundtenor aller Lieder wesentlich trauriger ist im Vergleich. Nur hier und da lässt der Komponist der Hoffnung etwas Raum und verdrängt die Melancholie ein wenig, die durch den äußerst dezenten Einsatz der wenigen und meist klassischen Instrumente (analoge Gitarre, Xylophon, Trommel) erzeugt wird, nur um euch sogleich wieder einen Dämpfer zu versetzen. Definitiv ein Album, dass sich (wie das Spiel) eher für einen verregneten Tag eignet und je nach Stimmung im Zuhörer völlig andere Gefühle erzeugt. Nur eins ist sicher: Sobald Track 20 aus den Boxen ertönt, dürfte vor Erleichterung selbst beim Härtesten der Härtesten das Herz erweichen und eine Träne die Wange herunterkullern.

Persönliches Lieblingslied: Track 20 – Over The Smokestacks, Over The City [01:17] (Anhören)

Nach 20 Minuten voller Traurigkeit, in der jeder Funken Hoffnung im Keim erstickt wurde, endlich die Erlösung. Es geht aufwärts! Eine volle Minute lang. Langsam, zaghaft und mit sehr viel Vorsicht bewegt sich die Musik auf einen Höhepunkt zu – der aber dann doch nicht kommt. Stattdessen endet das Lied abrupt auf eine Art und Weise, die einem ins Herz sticht und fassungslos zurücklässt. Es ist fast so, als wolle der Komponist noch ein letztes Mal klarmachen, dass Fröhlichkeit zumindest auf dieser CD keinen Platz hat.

 

Stealth Inc 2 (Cover)

Stealth Inc 2 (Cover)

Stealth Inc 2: A Game of Clones (2014)

Komponist: Ricky Honmong (Stealth Bastard: Tactical Espionage Arsehole)
Umfang: 02:59:42 (47 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (7 US-Dollar)

Den Soundtrack zu Teil 1 hatte ich euch das letzte Mal ans Herz gelegt. Und er gehört definitiv immer noch zu meinen absoluten Dauerbrennern egal ob im Auto, auf der Arbeit oder daheim. Entsprechend skeptisch stand ich dem Nachfolgewerk gegenüber. Aber nach einigen Durchläufen bin ich auch mit diesem erneut fast vollständig elektronischen Album endlich so richtig warm geworden. Wie beim ersten Teil, ist das Grundmotiv „Schleichen“. Das heißt jedoch nicht, dass alles nur sanft und gemächlich daherkommt. Im Gegenteil sind selbst die langsamen Stücke klanglich hart. Anders als im vorherigen Album sind die Lieder jedoch durchaus etwas atmosphärischer angelegt und geben euch auch mal eine Pause. War im ersten Teil euer Adrenalinspiegel von Anfang bis Ende auf einem Dauerhoch, seid ihr zwar auch hier dauerangespannt aber eben nicht bis zur Zerreißgrenze. Das macht ihn entweder einfacher verdaubar (für „Normalos“) oder etwas gewöhnungsbedürftiger (Für Fans des Originals). Ein gelungenes Album ist es trotzdem.

Persönliches Lieblingslied: Track 05 – Attenz [03:29] (Anhören)

Dieses Lied ist aus meiner Sicht das Äquivalent zu Cut Throat aus dem ersten Album. Langsam, eingängig und ohne besondere Höhepunkte. Dafür aber knallhart (vor allem dank des Basses) und unerbitterlich. Da fühl ich mich definitiv gleich wie ein Agent, der durch feindliches Gebiet schleicht und den Tod hinter jeder Ecke vermutet.

 

There Came An Echo (Cover)

There Came An Echo
(Cover)

There Came An Echo (2015)

Komponist: Big Giant Circles (Extreme Roadtrip 2)
Umfang: 01:13:25 (21 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (7 US-Dollar)

Jimmy Hinson ist den meisten mehr für seine fantastischen Chiptune-Alben Impostor Nostalgia und The Glory Days bekannt. Dass der Herr auch den ein oder anderen Spielesoundtrack produziert hat, geht da ein wenig unter. There Came An Echo unterscheidet sich jedoch massiv von seinen bisherigen Werken und entspricht eher dem, was ich als klassischen Score bezeichne. Zwar greift er auch hier stark auf Elektronik zurück, schließlich reden wir von einem SciFi-Titel, doch es ist definitiv kein Chiptune zu hören. Stattdessen bestimmen Orchester-Elemente und sphärischer Gesang gemixt mit futuristische Tönen und etwas E-Gitarre das abwechslungsreiche und etwas erhabene Klangbild.

Persönliches Lieblingslied: Track 12 – Waiting For Fire [04:00] (Anhören)

Schon das Grundmotiv, so simpel es auch ist, zieht mich tief in dieses sanftere Werk hinein. Es hat etwas Leichtes, ja fast schon Befreiendes an sich. Sobald dann auch noch die zwischen traurig und hoffnungsvoll hin und her schwingende Geige einsetzt, hat es mich endgültig in seinen Bann gezogen. Die Wiederholung des Motivs in den zaghaften Toneinlagen verstärkt zusätzlich das schummrige Gefühl beim Anhören.

 

Ich wünsche wie immer viel Spaß beim Reinhören und freue mich natürlich über eure eigene Meinungen zu den vorgestellten Soundtracks. Musik ist schließlich immer ein äußerst subjektives Erlebnis. Was mir gefällt, kann bei euch Blutungen in den Ohren auslösen (hoffentlich nicht!). Und selbstverständlich bin ich immer offen für Vorschläge, was ich mir auch noch unbedingt anhören sollte!

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2 Kommentare

Soundtrack zu „There came an Echo“ klingt sehr stimmig wie auch das Vorgängerspiel des Entwicklerstudios „Before the Echo“ (ehemals Sequence). Leider sagt mir diese Echtzeitstrategie nicht zu :(

Mit den Stealth-OSTs bin ich bisher nicht warm geworden. Zeit für eine 2. Chance, gelle?
Bei Bandcamp haben zurzeit (oder schon wieder vorbei?) viele Künstler Angebote auf ihre Alben, z. B. Chris Hülsbeck oder Gavin Harrison.

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