Sicarius

Sternenkriege, die Siebte

Eine alte Signatur des Webmasters

Wer es tatsächlich nicht mitbekommen hat: Letzte Woche ist Star Wars: Das Erwachen der Macht in den Kinos gestartet. Der erste neue Star Wars-Film seit 2005 die von den lautstarken Fans verhasste Prequel-Trilogie abgeschlossen wurde und der erste unter der neuen Schirmherrschaft von Disney. Der Hype war groß mit diesem Machwerk und es hat entweder schon (Vorverkaufsrekord mit 57 Millionen Dollar und die ersten zwei Tage mit 250 Millionen Dollar) oder wird noch alle Rekorde brechen (vermutlich erfolgreichster Film aller Zeiten). Gleichzeitig ist schon lange klar, dass es nicht der einzige neue Star Wars-Film bleiben wird. Stattdessen macht Disney einen auf Marvel und hat jetzt schon eine Roadmap, die gefühlt bis 2127 geht und jedes Jahr mindestens einen neuen Film in diesem Franchise verspricht. Hollywood hat sie echt nicht mehr alle. Aber das ist ein anderes Thema.

Die Grundlage

Bevor wir aber nun zu meiner Meinung von Teil 7 kommen, kurz mein Hintergrund: Ich habe nur mal anno 1997 Star Wars: Episode IV: Eine neue Hoffnung in der Special Edition im Kino gesehen und Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung anno 1999 in einer extrem schlechten „im-Kino-abgefilmt“-Qualität auf VHS (wobei diese Fassung, weil extrem dunkel, im Nachhinein betrachtet tatsächlich etwas besser war als das kunterbunte Original). Der Kinogang am Samstagabend war also mein erstes „Live mit dabei“-Erlebnis in Bezug auf Star Wars.

Ansonsten finde ich das Setting grundsätzlich ganz cool. Speziell natürlich die Lichtschwertkämpfe, Darth Vader, AT-ATs und die TIE Fighter (Star Wars: TIE Fighter ist bekanntlich mein absolutes Lieblingsweltraumspiel) bzw. grundsätzlich das Imperium und die dunkle Seite der Macht. Die Rebellen sind hingegen doof und die helle Seite der Macht langweilig. Entsprechendes Material (Bücher und Videospiele) konsumiere ich auch gerne. Die Filme an sich haben mich aber nie so intensiv mitgerissen wie sie es anscheinend bei anderen getan haben. Sie sind ganz nett und unterhaltsam aber nichts, was mich massiv aus dem Stuhl haut oder an dem ich extrem hänge. Da bin ich bei Star Trek eindeutig tiefer drin.

Wie hat mir also unter diesen Voraussetzungen das aktuelle Machwerk gefallen? Nun, so:

Achtung: Der folgende Text ist höchstwahrscheinlich voller Spoiler! Ich nehme da absolut keine Rüchsicht! Also wenn ihr nichts erfahren wollt, dann sofort den Browser schließen und erst am Donnerstag wiederkommen.

Cover

Cover

Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force Awakens, 2015, SciFi-Action, OV in 3D) – Von mir kriegt dieser Film 4von 5 Sics. Ja, ich stimme nicht ganz in die Lobeshymnen ein, die überall sonst so erklingen. Zusammengefasst war mir der Film ein zu großes Déjà Vu und zu viel Fanservice und ein zu kleiner Schritt nach vorne. Das wird sich wohl erst mit Episode VIII ändern, jetzt wo die neuen Charaktere eingeführt und die alten langsam aber sicher ausgemustert werden (zumindest einer bereits permanent). Im Prinzip ist Star Wars: Das Erwachen der Macht eine Neuauflage von Star Wars: Eine neue Hoffnung (selbst das Intro ist ähnlich!). Das ist erst einmal natürlich nicht schlimm aber es ist irgendwie dann doch nicht ganz so cool.

So ist Kylo Ren einfach kein Darth Vader. Und das nicht nur, weil er kein anständiges Lichtschwert besitzt. Auch sein Stimmmodulator ist gefühlt schlimmer als Bane und Batman zusammen. Und seine Ausstrahlung ist so dermaßen uncool. Das geht mehr in Richtung eines Jammerlappens wie Anakin Skywalkers als eines Darth Vaders. Und kommt mir jetzt bitte nicht damit, dass das ja Sinn der Sache ist und er ja das Niveau seines Großvaters erst noch erreichen muss. Es macht ihn trotzdem nicht zu einem guten Bösewicht. Genausowenig wie die neue Superwaffe wirklich interessant ist. Sie ist zwar mächtiger als der Todesstern (kann mehrere Planeten gleichzeitig zerstören), aber doch irgendwie wieder das Gleiche und auch The First Order unterscheidet sich nur im Namen vom Imperium. Das gilt natürlich auch für die Rebellen, die jetzt Widerstand heißen. Finn ist als ehemaliger Stormtrooper mit Gewissen ein interessanter Ansatz aber er kommt meiner Meinung nach nicht so wirklich zur Geltung. Und Rey ist ein Stück weit Luke in Besser weil sie nicht groß rum heult (erst gegen Ende, wenn es um Gefühle geht), sondern von Anfang an was draufhat. Oder um es vielleicht besser auszudrücken: Es ist zwar alles da, was Star Wars zu Star Wars macht aber es sind wenige neue Ansätze mit drin. Man kann so viel über George Lucas jammern – das hat er zumindest mit der Prequel-Trilogie versucht.

Gleichzeitig hat es mich tatsächlich ein Stück weit auch genervt, dass der Film mal wieder so ausgelegt ist, dass man zwingend den Rest der Trilogie auch schauen muss. Ja, Star Wars: Das Imperium schlägt zurück endete auch auf einer offenen Note. Aber hier sind so viele Fäden offen, dass es schon fast keinen Spaß mehr macht.

Die guten Seiten

Star Wars: Das Erwachen der Macht (Promobild von LucasFilm)

Star Wars: Das Erwachen der Macht (LucasFilm-Promobild)

Aber ich will natürlich nicht nur meckern. Es ist ja nicht so, als hätte ich mich die 135 Minuten gelangweilt. Es waren durchaus zwei unterhaltsame und vor allem actionreiche Stunden mit nur ein paar Stellen, wo ich mich wirklich etwas gelangweilt habe oder etwas total doof fand (deswegen der eine Sic Abzug). Speziell der neue Roboterkumpane BB-8 ist genial und gefällt mir viel besser als R2-D2. Gut, BB-8 kann sich auch aufgrund seiner Bauform (ein Fußball mit Kopf) wesentlich mehr bewegen als unser alter Freund. Das hilft ihm sich auch ohne Übersetzung durch Menschen in der Nähe auszudrücken und Sympathien mit dem Publikum aufzubauen. Aber es hat halt ganz gut funktioniert und auch der Humor hat gestimmt.

Außerdem ist der Film visuell eine Augenweide und zwar eine Augenweide, die SciFi-untypisch eben nicht auf Hochglanz getrimmt ist. Stattdessen kommt sofort Star Wars-Feeling auf, egal ob es die tiefschwarzen TIE Fighter oder die verdreckten X-Wing sind. Vom zerstörten Star Destroyer in der Wüste gar nicht erst zu reden. Zwar wirkten die Kampfszenen mitunter schon etwas wie direkte Aufnahmen aus Star Wars: Battlefront (von der Machart, nicht von der CGI-Qualität – wobei die mittlerweile gar nicht mehr weit auseinanderliegt). Aber es hat trotzdem Spaß gemacht und auch der Ansatz, dass quasi fast gar nicht im Weltraum, sondern vor allem auf normaler Flughöhe gekämpft wird, ist ein erfrischend anders und macht Laune. Die 1-2 Lichtschwertkämpfe waren, thematisch bedingt (Luke ist weiterhin der letzte Jedi), nicht ganz so beeindruckend. Aber das ist tatsächlich okay, weil es passte. Es ging trotz all der Action (der Film ist durchaus zügig unterwegs) halt doch vor allem um die Charaktere – egal ob alt oder neu – und weniger um das ganze Drumherum. Und das hat trotz allem Fanservice (Han Solo spielt selbstverständlich eine große Rolle) halbwegs gut funktioniert alles.

Beim Christoph meint: Star Wars-Fans werden einen Nerdgasmus haben und den Film mindestens 200mal anschauen oder so bzw. haben es vermutlich schon. Er ist definitiv das, was sie haben wollten würde ich sagen. Und auch allen anderen kann ich bei grundsätzlichem Interesse an der Serie oder dem Genre das Anschauen empfehlen, da es unter Strich ein guter Actionfilm ist. Den immens hohen Erwartungen wird er zwar meiner Meinung nach nicht gerecht, weil er sich aus Angst dann doch zu sehr nur in der Sicherheitszone bewegt. Aber J. J. Abrams hat hier definitiv etwas weit Besseres abgeliefert als beim Reboot von Star Trek und ich bin tatsächlich darauf gespannt wie es nun weitergeht.

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