Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #4

Mal wieder ein unnötiges Symbolbild

Mal wieder ein unnötiges Symbolbild

Macht zu Lebtagen einen Erbvertrag mit allen Beteiligten. Ich sag’s euch! Ich hätte es selbst nicht geglaubt, aber das erspart im Todesfall so unglaublich viel Ärger, wenn bereits hieb und stichfest und auch im Sinne der/des Verstorbenen aufgeteilt wurde. Selbst ein Testament ist aus meiner Sicht nicht so gut im Vergleich, weil immer noch anfechtbar (siehe unzählige Gerichtsstreitigkeiten – überraschend viele davon geführt von wohltätigen Organisationen!). Beim Erbvertrag kann keiner mehr Streiten, weil ja alle schon unterschrieben haben. Ansonsten geht es unter Umständen so aus wie bei unserem Haus, das nach drei Jahre Prozessieren – angestrebt durch den zweiten Partner – von den Kindern zwangsverkauft werden musste, um ihn auszubezahlen. Da kommt Freude auf, sag‘ ich euch.

Der erste Schuldige

Passenderweise hatte besagter Partner aus zweiter Ehe auch noch Nießbrauchrecht (uneingeschränktes Wohnrecht) im Haus und konnte den eventuellen Tag des Zwangsauszugs entsprecht in Ruhe erwarten. Nachteil für uns: Es wurde sich mehrere Jahre lang nicht mehr um das Haus gekümmert. Natürlich war das teilweise schon bei den Besichtigungen sicht- und entsprechend planbar, aber erst jetzt nach der Schlüsselübergabe ist der volle Umfang der Vernachlässigung deutlich geworden. Die zwei heftigsten Ergebnisse? Zum einen, dass der Öltank (Öl- und Solarkombination) mindestens schon mehrere Monate 100% leer und somit das Haus extrem runtergekühlt war. Unsere erste Maßnahme? Diesen so schnell wie möglich wieder zu füllen und das Haus wieder warm zu bekommen. Zum Glück war der Winter mild, somit ist nichts Schlimmes passiert und auch die Heizung hat nichts abbekommen (der besagte Partner war zumindest so schlau sie komplett abzuschalten, wenn er schon bevorzugte aus Hass im Kalten zu sitzen).

Zum anderen muss die begehbare Dusche inklusive Boden (war nicht versiegelt!) und Rückwand komplett rausgerissen und eine neue eingebaut werden. Dass das nicht einfach mal mit 20 Euro erledigt ist, dürfte klar sein. Aber auch die Armaturen im restlichen Bad sind so gut wie alle fällig und müssen komplett ersetzt werden (TOOM-Baumarkt-Material), weil schwarz oder verrostet. Da kommt so richtig Freude auf. Immerhin hat sich der Sanitär-Handwerker schon für heute angekündigt und der Fliesenleger kurz danach. Es besteht also die Hoffnung, dass das alles bis zum Einzug Ende des Monats erledigt ist.

Der zweite Schuldige

Soll das so grün sein?!

Soll das so grün sein?!

Und dann war die verstorbene Partei auch noch eine Bastlernatur, die entsprechend viel selbst im Haus gemacht hat. Das ist erst einmal nichts grundsätzlich Schlimmes. So gibt es deswegen Sachen wie einen Wäscheschacht in den Keller oder eine Hausstaubsaugeranlage. Aber die Person hat dies gerne getan komplett ohne sich dabei an Regel und Vorgaben zu halten – oder wusste es schlicht nicht besser. Nächste Woche muss deswegen der Elektriker kommen und die komplette Verkabelung überprüfen und teilweise vermutlich neu verlegen, damit der Stromkasten offiziell abgenommen werden kann (wichtig für die Versicherung). Wir haben sogar eine Lampe, zu der es keinen Schalter gibt! Man muss die Birne immer rein- und rausdrehen. Dürfte auch eine Arbeit sein, die eine gute Woche und entsprechend viel Geld verschlingt. Immerhin: So kann ich gleich an die wichtigsten Stellen LAN-Kabel mit verlegen.

Wir sind hingegen seit der Übergabe dabei seine Sünden an den Wänden wegzumachen. Sprich alle schief und komisch an die Wand gemachten Tapeten (das ehemalige Schlafzimmer hatte vier unterschiedliche Wände!) und Styroporplatten (an den Außenwänden) restlos entfernen und anschließend Wiederaufbau betreiben. Also Tiefengrund drauf, Löcher spachteln, Feinputz an die Wände und dann noch Farbe drauf (wir mögen Tapete nicht besonders). Und in einem Zimmer müssen zusätzlich noch Boden (nicht richtig festgemachter Linoleum auf Uralt-Fliesen) und Decke (Regibsplatten extrem schlecht mit Raufasertapete überklebt) komplett neu machen. Dabei hatten wir durchaus die Hoffnung gehabt nach den Besichtigungen, dass das meiste Zeug hätte bleiben können (sah auf den ersten Blick okay aus). Aber wenn zwischen den Tapetenbahnen teils zentimeterbreite Abstände sind, dann ist das logischerweise absolut nicht vertretbar.

Baumärkte

Klingt nicht nur nach viel zu tun, ist es auch. Kein Wunder also, dass wir in den letzten Wochen auch viel Zeit (und Geld) in Baumärkten verbrachten haben. Der Vorbesitzer scheint selbst, wie erwähnt, ein absoluter TOOM-Fan gewesen zu sein. Wir sind es nicht. Klar, für Kleinigkeiten (Mundschutz, Spachteln, und sowas) und Sachen, die eh jeder hat (Knauf Rotband Haftputzgibs, Tiefengrund und so Zeugs), kann man da ruhig hin. Ist auch in der Nähe des Hauses. Aber die Beratung ist unterirdisch („Ey ich hab‘ grad echt kein Bock auf dich aber das Management sagt, ich muss mich trotzdem mit dir unterhalten“-Service) und die Qualität vieler Produkte auch. Zudem ist die Eigenmarke trotz niedriger Qualität sogar teurer! Immerhin sind die Servicekräfte so ehrlich und sagen einem das sogar und verweisen stattdessen auf das bessere und oft billigere Produkt.

Bauhaus und vor allem Hornbach (wenn es um Beratung klar zu empfehlen) geht, sind da eindeutig andere Kaliber wie ich schon jetzt sagen muss. Da fühlt man sich besser aufgehoben. Ach und natürlich viel im Internet recherchieren, Videos schauen und selbstverständlich die jeweiligen Eltern mit den ganzen Fragen von wegen „Wie machen wir das jetzt?!“ nerven. Dafür sind sie ja da, oder etwa nicht? :smile: . Hin und wieder lohnt sich, trotz der eventuell etwas höheren Preise, auch der Besuch eines Fachhandels wie Prosol (Farben). Unseren Kork-Boden haben wir ebenfalls bei einem Innenausstatter geholt statt ihn im Internet zu bestellen. Die haben dann doch unter Umständen noch einmal einen Ticken mehr Spezialwissen als die Kollegen im Baumarkt.

Epilog

Also ich will ja lieber Lilablassblau!

Also ich will ja lieber Lilablassblau!

Viel Neuland quasi, das wir derzeit betreten und unzählige neue Fragen auf die wir eine Antwort finden müssen: „Können wir den beschissenen Styorporkleber an der Wand lassen oder müssen wir ihn zwingend entfernen was nur absolut mühselig und in tagelanger Kleinarbeit mit der Spachtel geht?“, „Wie kann jemand eine Regibsplatte falsch rum an die Wand montieren?!“, „Ist dieses Violett Violett genug für die Wand?“ „Nehmen wir als Kontrastfarbe Violettgrau oder doch eher Violettblau? Und in welcher Abstufung?“, „Verlängern wir das eine Stromkabel und schneiden das andere ab oder hängen wir einfach zwei Lampen auf, um genug Licht im Raum zu haben?“, „Wie bringe ich eigentlich Putz so an die Wand, dass er nicht gleich wieder abfällt und auch noch schön glatt ist?“ und so weiter und so fort.

Bei allem müssen wir im Hinterkopf behalten, dass am 30. Januar der Umzug stattfindet. Daran führt kein Weg vorbei. Bis dahin müssen wir zwingend mit allem soweit fertig sein. Wir sind aber guter Dinge, dass wir das auch hinbekommen. Wir kommen glücklicherweise ganz gut mit voran. Trotzdem bin ich extrem froh, dass die ganzen Formalien so hingehauen haben und wir schon Mitte Dezember Übergabe machen konnten und nicht erst wie im Kaufvertrag festgelegt im Januar.

Und jetzt entschuldigt mich: Ich muss erschöpft ins Bett fallen. Bis Montag!

Print Friendly, PDF & Email
Tweet about this on TwitterShare on FacebookEmail this to someone

4 Kommentare

Schön wärs…der Sani hat heute morgen im Keller noch so ein paar Sachen gefunden (Abwassergefälle stimmt ned, Hauptzähler vom Wasser fehlt [Stadtwerke wissen aktuella auch nicht wo er ist], Filter ist dicht und falschrum montiert, etc.). Das werden noch spassige vier Wochen :smile: .

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

:smile: :sad: :wink: :tongue: :-x :roll: mehr »
*