Sicarius

Ode an Peugeot

Hochzeitsauto!

Hochzeitsauto!

Ich hatte es ja schon nebenbei erwähnt: Auch von meinem geliebten Peugeot 307 musste ich mich mittlerweile trennen. Gestern alles an den zukünftigen Besitzer übergeben. Ursprünglich wollte ich ihn noch durch den TÜV bringen und dann im Laufe des Jahres verscherbeln. Aber wie immer kam alles anders als geplant. Dürfte auch verständlich sein angesichts der Tatsache, dass ich bestenfalls nochmal 400, schlimmstenfalls 1.000 Euro hätte investieren müssen, um noch durch besagte HU/AU zu kommen. Da habe ich mich lieber dazu entschieden die Reißleine zu ziehen. Zumal es mit dieser erneuten Investition natürlich das Thema nicht beendet wäre. Die Reparaturen werden bekanntlich eher mehr als weniger. Und trotzdem hätte ich auf dem Gebrauchtmarkt allerhöchstens noch 1.500 Euro bekommen. So habe ich mich dazu entschieden diesen ganzen Ärger und Aufwand gar nicht erst zu betreiben und mich mit ein paar Hunderten zufrieden zu geben. Zumal ich ihn weiterhin in guten Händen weiß.

Ist natürlich wie immer traurig und schwer so einen langen Begleiter zu verlieren. Andererseits muss ich ehrlich zugeben, dass ich es eindeutig zu lange mit der Karre ausgehalten habe. Allerspätestens 2014, als die Werkstattrechnungen so richtig anfingen sich zu stapeln (2.200 Euro insgesamt), hätte ich abstoßen sollen. Eher noch ein wenig früher (würde sagen maximal nach dem 10. Geburtstag). Aber wie heißt es so schön: Hinterher ist man immer schlauer.

Eine Lebensgeschichte

14 Jahre ist das Auto nun alt (feierte wie unser Azzkickr Anfang März seinen Geburtstag). Gekauft hatte ich ihn im Februar 2006, also vor gut zehn Jahren. Schon damals viel zu viel Geld bezahlt dafür (11.200 Euro – ja, der Händler ist nicht einmal 200 Euro runtergegangen). Mein Verhandlungsgeschick war damals nicht das Beste oder besser gesagt: Nicht vorhanden. Aber immerhin: Bekommen habe ich ein, wie erwähnt, vier Jahre altes Auto aus der Golf-Klasse mit rund 80.000km drauf. Ja, der Vorbesitzer ist quasi in weniger Zeit mehr damit gefahren als ich (es hat jetzt ca. 185.000 drauf). Es wurde aber vom ihm gut behandelt und auch ich habe ihn immer vorbildlich gehegt und gepflegt (regelmäßige Wartung und Reinigung).

So ganz konnte er bei mir sein Potential (es handelt sich um einen Peugeot 307 mit Sportausstattung) allerdings nie ausleben. Theoretisch liegt seine Höchstgeschwindigkeit bei 205km/h. Aber die Zeiten des Turbo-Christophs waren anno 2006 so langsam vorbei. 150km/h war anfangs mein Limit, mittlerweile fahre ich sogar nur noch mit maximal 130 auf der Autobahn entlang. Ich weiß, totaler Lahmarsch. Muss man unbedingt sofort überholen – wenn ich denn überhaupt mal auf die Autobahn gekommen bin. Die meiste Zeit bin ich ja nur zur Arbeit getuckert, also ein bisschen Landstr. Und Stadtverkehr (meine Durchschnittsgeschwindigkeit lag lange bei 45km/h). Seine 100KW (um die 135PS) habe ich aber immer zu schätzen gewusst. Da kommt man einfach wesentlich besser von der Stelle mit so viel Power unter der Haube. Nachteil: Er hat durchaus gut geschluckt, der Kleine. Mein Durchschnittsverbrauch lag bei 9l/100km.

Viel Platz, viel Komfort

Dramatisches Gif!

Dramatisches Gif! (Unbedingt Anklicken!)

Ich habe ihn definitiv gemocht den kleinen aber doch irgendwie großen Fünftürer. Wenn ich mir da im Vergleich Lysandas Chevrolet Spark anschaue, war der Peugeot 307 schon fast eine Limousine. Wie viele Kästen Bier in den Kofferraum passten, kann ich zwar nicht sagen. Aber vier Kästen Wasser und ein Kasten Cola konnte man da auf jeden Fall problemlos verstauen. Die Ledersitze und die Klimaautomatik waren auch ganz nett, wenngleich ich mit zunehmendem Gewicht zwischendurch ein wenig Platzangst im Fahrersitz hatte. Aber dafür konnte das Auto natürlich nichts. Das lag logischerweise alleine an mir. Und Beinfreiheit war für alle Beteiligten auch genug vorhanden.

Bis 2014 war er außerdem was die Werkstattrechnungen anging sehr genügsam. Die ersten paar Jahre gingen bei der ersten Kälte zwar buchstäblich die Lichter aus (zumindest die der Blinker), aber nachdem ich endlich mal etwas mehr Geld in Birnen investiert hatte, war die Sache erledigt. Eher ein Dauerkandidat war der Auspuff, den ich schon früh und im Laufe der zehn Jahre glaube ich dreimal reparieren lassen musste (Rost am Übergang von Endtopf zum Kat-Rohr). In Eckental ist er mir sogar einmal komplett abgefallen. Zum Glück hatte ich schon einen Termin für die Werkstatt angesetzt. Die haben dann einfach den ADAC gerufen und mich kostenlos abschleppen lassen.

Schöne Erinnerungen

Da lange Zeit vergleichsweise wenig am Auto war, hatte ich schon ein wenig die Hoffnung, dass ich ihn noch ein paar Jährchen fahren könnte. Äußerlich macht er auch immer noch einen Top-Eindruck. Deswegen habe ich vermutlich 2014 noch bereitwillig so viel Kohle in ihn reingesteckt. Aber es zeigt sich wieder einmal: Ein Auto wird nicht mit der Zeit besser, sondern schlechter. Und nein, ich glaube nicht, dass ein Peugeot 307 mal zu einem begehrten Oldtimer wird. Es war jetzt einfach Zeit für ihn weiterzuziehen und das muss ich akzeptieren.

Immerhin hat er mir zehn Jahre lang sehr gute Dienste erwiesen und was will man von einem Verbrauchsgegenstand sonst erwarten? Eben. Ja, ich weiß. Manche sehen das etwas anderes. Aber bei aller Liebe, die ich zu der Karre hatte: Am Ende des Tages war mir nur wichtig, dass sie fährt und, dass der Weg zum Ziel halbwegs angenehm war. Insofern: Danke, lieber Peugeot 307, dass du mir ein guter Untersatz warst. Möge dich auch dein neuer Herr so lieb haben wie ich.

Ich begnüge mich nun stattdessen erst einmal mit besagtem Chevrolet Spark. Ein Auto, für das ich tatsächlich ein wenig zu groß bin. Ja, man könnte fast von einem Frauenauto sprechen :smile: .

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