Sicarius

Eine häufige Frage

Ein einfallsreiches Symbolbild

Ein einfallsreiches Symbolbild

„Das geht doch alles viel zu schnell!“ ist ein Satz, den ich seit Anfang 2015 besonders oft von den unterschiedlichsten Personen zu hören bekomme. Egal ob es das erste Mal zusammen die Nacht verbringen, Urlaub machen, Zusammenziehen, Haus kaufen oder jetzt das Heiraten ist: Viele sind der Meinung, dass das Tempo in unserer Beziehung zu hoch wäre. „Ihr kennt euch doch noch gar nicht richtig. Das kann also nur die Hose gehen!“ ist der Vorwurf dahinter – zumindest interpretiere ich das so. Aber stimmt das wirklich? Gibt es eine Abhängigkeit zwischen glücklicher und langer Beziehung und wie schnell die erste Katze/Hund/Kind da ist?

Die Antwort

Wir alle kennen sicherlich genug Beispiele der unterschiedlichsten Sorte zu dem Thema. Von den „Liebe auf den ersten Blick“-Paaren, deren erste Verabredung vor dem Traualtar stattfand (nur leicht übertrieben) und die selbst nach 40 Jahren noch glücklich und zufrieden zusammen leben. Und von denen, die erst einmal 10 schöne Jahre in einer „nichteheliche“ Lebensgemeinschaft verbrachten, heirateten und kein Jahr später doch wieder geschieden sind. Schlimmer noch: Es gibt nicht nur diese Anekdoten, sondern auch wissenschaftliche Studien zu dem Thema. Das Ergebnis ist identisch: Wie lange man vor der Hochzeit zusammenlebt hat keine signifikanten Auswirkungen auf die Dauer der Ehe.

Ja, statistisch gesehen heiraten die meisten heutzutage erst nach fünf Jahren in einer Beziehung (und sie ziehen nach drei Jahren erst zusammen). Aber mit dem Durchschnitt ist das ja immer so eine Sache. Die wenigsten werden sagen „So, wir müssen jetzt heiraten – laut statistischem Bundesamt ist jetzt der beste Augenblick“. Gut, bei dem ein oder anderen gibt es andere gesellschaftliche Zwänge (Schwangerschaft, Religion, etc.) die eine Heirat zu einem bestimmten Zeitpunkt verlangen. Aber wie gut diese Art von Ehe hält und vor allem wie glücklich die Paare dann wirklich sind? Keine Ahnung. Ich habe zumindest keine Statistik oder Studie darüber gefunden.

Gefühle

Dafür habe ich eine andere Studie gefunden. Darin wird die Aussage getroffen, dass unser Bauchgefühl uns schon sehr genau sagt, wie es am Ende ausgehen wird. Also wenn man Unterbewusst schon am Anfang eine negative Haltung zum Partner hat, dann wird sich da auch in den meisten Fällen nichts dran ändern in den nächsten vier Jahren. Da kann man noch so viel Hoffen, dass der andere endlich lernt die Socken nicht im Flur zu verteilen. Ist das Gefühl erst einmal da, gräbt es sich weiter ein.

Dieser Zeitraum von vier Jahren ist wohl auch der entschiedenste. Also wer diese Hürde nimmt, hat statistisch eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass die Ehe länger hält. Warum? Weil dann die Schmetterlinge im Bauch endgültig den Abflug machen und nur noch die Realität übrig bleibt. Früher hat man wohl vom „verflixten siebten Jahr“ gesprochen. Aber zumindest biologisch gesehen ist diese Behauptung vermutlich ziemlicher Blödsinn. Und mit der Realität wird aus dem „Ach, eigentlich ist es ja ganz lustig, dass er seine Socken überall verliert“ ein „Er lässt immer noch überall seinen Scheiß liegen obwohl er genau weiß, dass ich es hasse!“.

Veränderungen

Und genau dieser Gedanke „Ach, er/sie wird sich schon noch ändern“ ist denke ich äußerst fatal. Eine Studie konnte ich auf Anhieb zwar nicht finden aber die Anekdoten und Lebensweisheiten sagen aus, dass es äußerst unwahrscheinlich ist – zumindest wenn der andere nicht gewillt ist etwas an sich zu ändern. Wenn die Socken im Flur rumfliegen und es auch nach mehreren (liebevollen) Hinweisen immer noch tun, dann bleibt einem aus meiner Sicht nur übrig sich damit zu arrangieren oder eben einen Schlussstrich zu ziehen. Immer wieder draufdrücken und gewaltsam (egal ob physisch oder psychisch) eine Veränderung herbeirufen zu wollen führt selten zum Erfolg und öfters zum genauen Gegenteil. Und nein, weder Lysandas noch meine Socken liegen im Flur rum. Das war nur ein komisches Beispiel. Wer seine Socken im Haus verteilt, der hätte bei mir sowieso keine Chance :smile: .

In diesen Bauch passen viele Gefühle

In diesen Bauch passen viele Gefühle

Aber ich denke die letzten paar Absätze haben deutlich gemacht, worauf ich hinaus will: Die Aussage „Das geht doch alles viel zu schnell!“ ist zum einen nur ein vorgeschobener Grund (es sollte die Angst dahinter ausgesprochen werden) und zum anderen faktisch falsch. Es geht immer so schnell, wie es die Beteiligten für richtig halten. Dass einen die eigenen, anfänglichen Gefühle dabei auch mal hinters Licht führen und man langfristig dann doch feststellt die falsche Entscheidung getroffen zu haben gehört sicherlich dazu. Wichtig ist nur, dass man ehrlich zu sich selbst und seinem Partner ist und gemeinsam versucht eventuell auftretende Probleme zu lösen. Oder eben, wenn einer wirklich keinerlei Einsicht zeigt, die Sache beenden. Zumindest das Standesamt interessiert sich nicht dafür, wie oft ihr schon verheiratet ward oder wie viele Beziehungen euch schon in die Brüche gegangen sind.

Fazit

Stellt sich abschließend natürlich noch die Frage wie ich das sehe: Nun, ich wurde nie von Lysanda gedrängt. Im Gegenteil, die „großen Dinger“ wurden sogar von mir angestoßen (ich habe „Zusammenziehen“ ins Spiel gebracht, ich habe sie gefragt ob sie heiraten will, etc.). Freilich sehe ich ebenso wie Ausstehende, dass es Schlag auf Schlag geht und bin durchaus etwas von mir selbst überrascht. 2015 war wirklich relativ zügig rum.

Aber stürze ich mich deshalb gleich ins Verderben? Habe ich gar irgendeine Art von Panik von wegen „erster Partner = alles richtig machen = sofort für die Ewigkeit behalten“, die mich dazu zwingt alle Schritte besser gestern als morgen durch zu gehen? Mein Bauchgefühl ist ein eindeutiges „Nein, das ist schon alles goldrichtig!“. Und auch wenn ich es sonst eher weniger tue (siehe Thema Psychotherapie), hier höre ich tatsächlich mal darauf.

In diesem Sinne: Bis Montag!

PS: Silicon ist Teufelszeug!

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