Sicarius

Körpertuning – Eisen

Mehr Pillen als im Altersheim

Mehr Pillen als im Altersheim

5-7 Liter (je nach Geschlecht und Größe) an Blut fließt durch unseren Körper. Wir brauchen es vor allem als Spediteur, obwohl es noch andere Funktionen erfüllt (z.B. Wärmeregulierung). Es bringt die Vitamine, Mineralien und natürlich den Sauerstoff dahin, wo sie gebraucht werden. Warum sich also der weibliche Körper dazu entschieden hat jeden Monat davon so einige Milliliter einfach auszuspülen, wird nur die Evolution wissen. Dieser Ausschuss ist jedoch hauptverantwortlich für einen ganz bestimmten Mangel, der dementsprechend vor allem Frauen plagt: der Eisenmangel (Sideropenie). Aber fangen wir wie immer ganz von vorne an:

Was ist überhaupt Eisen?

Nun, Eisen ist erst einmal ein Metall mit dem man ganz viele tolle Dinge machen kann. Um diese Art von Eisen geht es uns heute jedoch nicht auch wenn es durchaus empfehlenswert ist sich einen Eisenfisch ins Essen zu packen. Wir reden stattdessen von Eisen als Spurenelement, von dem wir im Normallfall 2-4g im Körper haben. 60 Prozent davon hängen an den roten Blutkörperchen als Hämoglobin (=freies Eisen) und 40 Prozent sind unter anderem im Ferritin (=Speichereisen) zu finden, das wiederum beispielsweise in der Leber und der Milz rumhängt.

Selbst herstellen kann unser Körper das Eisen nicht und im Normalfall verlieren wir um die 1mg pro Tag durch diverse Ausschüttungen (Darm, Haut, etc.). Durch Blutverlust (Spende, Periode, Verletzungen, etc.) geht es natürlich noch einmal viel schneller. Problem ist: Haben wir zu wenig Eisen, dann werden auch weniger rote Blutkörperchen gebildet. Haben wir zu wenig rote Blutkörperchen im Blut, dann stehen nicht genug LKWs bereit, um den ganzen tollen Sauerstoff durch die Gegend zu fahren. Dem Sauerstoff ist das zwar egal, der verschwindet beim nächsten Ausatmen wieder nach draußen, aber ihr bekommt dann so hübsche Sachen wie

  • Atemnot, Konzentrations- und Kreislaufprobleme – Es kommt nicht genug Sauerstoff im Gehirn an.
  • Schwächung des Immunsystems – Schlecht durchblutete Schleimhäute lassen mehr Viren und Bakterien in den Körper.
  • Probleme mit Haut, Haaren (bis zu Haarausfall) und Nägeln – Unser Körper fährt ein Sparprogramm und versorgt lieber die Organe statt sich um unser Äußeres zu kümmern.
  • Schlafprobleme – Eisen wird für die Bildung der Hormone Tryptophan und Melatonin gebraucht, die unseren Schlaf regulieren.
  • Dopaminmangel – Um Dopamin zu bilden, brauchen wir Eisen und Dopamin unterstützt beispielsweise unsere Konzentration- und Reaktionsfähigkeit.
  • Schilddrüsenunterfunktion – Auch die Hormone Thyronin und Thyroxin (T3 und T4 im Bluttest) können ohne Eisen nicht gebildet werden. Sie sind für viele regulatorische Vorgänge im Körper zuständig (Temperaturregulation).
  • Übergewicht – Da Eisen bei der Bildung so vieler Hormone wichtig ist, hat ein Mangel massive Auswirkungen auf unseren gesamten Stoffwechsel. Abnehmen ist deshalb mit einem Eisenmangel fast unmöglich.
  • Depressionen – Das Glückshormon Serotonin kann bei Eisenmangel nicht in ausreichender Zahl gebildet werden.

Ihr seht also: Mit einem Eisenmangel ist das Leben nicht mehr ganz so angenehm und man sollte tunlichst vermeiden so tief zu sinken. Auch Krankheiten wie Restless Legs Syndrom (RLS) werden dadurch verstärkt. Leider – und das solltet ihr als fleißige Leser dieser Eintragsserie mittlerweile wissen – ist es im Arztstudium wohl nur ein Randthema.

Der Bluttest

Ein Blutbild mit allen relevanten Werten

Ein Blutbild mit allen relevanten Werten

Euer Eisenwert ist ausschließlich über einen Bluttest ermittelbar. Allerdings ist im kleinen Blutbild nur der Hämoglobinwert enthalten. Weiter oben hatten wir erwähnt, dass dort 60 Prozent des Eisens enthalten ist. Klingt also erst einmal gar nicht so schlecht, oder? Blöd nur, dass euer Körper das Speichereisen (Ferritin) schon komplett leer gekratzt hat, bevor euer Hämoglobinwert im Keller ist. Und diesen Ferritinwert erhaltet ihr nur auf Nachfrage. Außerdem relevant im Bluttest:

  • Eisenwert – Er beschreibt das freie Eisen im Blut.
  • Transferrin – Sorgt dafür, dass das freie Eisen ans Blut gekoppelt wird.
  • CRP-Wert (C-reaktives Protein) – Dieses Eiweiß ist bei Entzündungen vermehrt vorhanden und führt dazu, dass auch eure Eisenwerte erhöht sind.

Anhand all‘ dieser Werte lässt sich ein Eisenschiefstand feststellen (ein Eisenüberschuss ist genauso schädlich). Die Normwerte weichen zwar je nach Labor und Literatur etwas ab, aber sie sehen grundsätzlich etwa so aus:

  • Der Hämoglobinwert sollte zwischen 11-18 g/dl je nach Geschlecht und Alter liegen.
  • Der Eisenwert sollte bei Männern zwischen 55 und 156 µg/dl und bei Frauen zwischen 33 und 145 µg/dl liegen.
  • Das Ferritin sollte bei Männern 30-300µg/l und bei Frauen bei 10-200µg/l liegen.
  • Der Transferrinwert liegt sowohl bei Männern als auch Frauen bei 200-360 mg/dl.

Da unser Körper die Hämoglobin- und Eisenwerte selbst reguliert, sollten sie im Normalfall im grünen Bereich sein solange ihr noch von eurem Speichereisen zerren könnt. Ein Eisenmangel ist an diesen beiden Werten erst viel zu spät zu erkennen. Wichtiger ist der Ferritinwert, dessen Normwerte aber vor allem bei Frauen viel zu niedrig angesetzt sind und bei mindestens 60 besser 100 µg/l liegen sollte. Sollte der Ferritinwert jedoch im grünen Bereich sein und dafür euer Eisenwert im Keller, dann kommt der Transferrinwert ins Spiel. Ist dieser niedrig, deutet alles auf eine Umwandlungsstörung hin. Euer Körper kann also mit dem ganzen Eisen, dass ihr ihm zuführt, nichts anfangen. Das kommt aber nur sehr selten vor. Häufiger ist da schon der Eisenüberschuss, der zu Herzerkrankungen führen kann sowie das Krebsrisiko erhöht. Die Lösung dafür ist übrigens häufiges Blutabzapfen (=Blutspenden). Ihr müsst also ganz genau darauf achten, wie viel Eisen ihr euch zuführt. Die DGE empfiehlt 10-15mg pro Tag je nach Geschlecht und Alter bzw. 30mg/Tag bei schwangeren Frauen. Damit lässt sich ein normaler Wert tatsächlich ganz gut halten.

Eisenzufuhr

Eisenpillen

Eisenpillen

Stellt sich natürlich noch die Frage, wie ihr diese Menge an Eisen in euch reinbekommt bzw. im Falle eines Mangels diesen beheben könnt. Nun, beim Essen gilt es zu beachten, dass unser Körper tierisches Eisen besser verarbeiten kann als pflanzliches. So sind zwar auf 100g Thymian schicke 123,6mg Eisen enthalten aber es stellt sich zum einen die Frage wer so viel Thymian überhaupt essen kann und zum anderen kann der größte Teil nicht genutzt werden. Besser ist da schon Leber wie zum Beispiel die Schweineleber mit 22,1mg auf 100g. Insbesondere in Kombination mit Vitamin C (fördert die Eisenresorption) wird das richtig gut aufgenommen. Gibt es aber genauso in umgekehrter Form. So sind in Kakaopulver zwar 12,5mg/100g Eisen drin, es enthält aber auch Oxalate, welche wiederrum die Eisenaufnahme hemmen.

Wird vom Arzt tatsächlich ein großer Mangel festgestellt, ist dieser jedoch kaum über die Nahrung zu beheben – und wenn, dann dauert es sehr lang. Entsprechend sind Nahrungsergänzungsmittel nur mittelfristig eine Lösung. Zumal diese wieder mit ihren eigenen Nebenwirkungen zu kämpfen haben (z.B. Verstopfung), daher solltet ihr damit vorsichtig sehen. Lysanda nimmt bspw. täglich eine Pille mit 50mg und hat damit innerhalb von einem Monat ihren Ferritinwert von 40µg/l auf 54µg/l gesteigert. Wem das zu hoch ist bzw. wer Probleme mit dieser Menge hat, der kann auch auf Kräuterblut zurückgreifen. Das wird aufgrund seiner niedrigen Dosierung meist besser vertragen.

Bei einem gravierenden Mangel solltet ihr hingegen über eine Eiseninfusion nachdenken bzw. euren Arzt explizit darauf ansprechen. Vorteil: Der Mangel wird innerhalb von wenigen Sitzungen behoben und ihr bekommt keine Probleme in Bezug auf euren Magen-Darm-Trakt. Nachteil: Die Infusion ist nicht frei von Nebenwirkungen. Genauere Informationen dazu findet ihr in dieser Studie. Es gibt mittlerweile sogar richtige Eisenzentren, die einem bei dem Thema weiterhelfen können oder ihr versucht es bei einem Heilpraktiker.

Ein persönliches Beispiel

Das war jetzt natürlich alles wieder sehr theoretisch. Deshalb noch einmal zurück zu Lysanda. Sie ist nicht nur eine Frau, sondern hat außerdem RLS in der Familie. Ein Krankheitsbild, das noch sehr unbekannt ist. Somit war sie Mitte des Jahres nicht überrascht, als auch bei ihr Symptome auftraten – erst nur zu Zeiten der Periode, dann aber immer häufiger. Nach Internetrecherchen zu den möglichen Ursachen (Hausarzt hat beim Begriff „RLS“ nur wie ein Reh im Scheinwerfer geguggt), stieß sie dann auf das Stichwort „Eisenmangel“. Seitdem nimmt sie, wie oben beschrieben, jeden Abend vor dem Schlafen gehen eine Tablette mit Eisen und eine mit Vitamin C. Und siehe da: Schon zwei Tage später waren die Beine wieder still und sie konnte vernünftig durchschlafen. Ihr allgemeiner Gemütszustand hat sich ebenfalls merklich verbessert. Zudem hat die Neurologin bei der wir zwischenzeitlich waren diesen Zusammenhang ebenfalls bestätigt.

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