Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #14

Hier standen mal ganz viele Umzugskartons

Gut ein Jahr ist es nun her, dass wir endlich die Schlüssel für unsere Hütte in die Hand gedrückt bekamen und mit dem Renovieren anfingen. Ja, ich weiß: Wir sind schon wieder alle ein Jahr älter geworden. Echt schlimm und so. Darum geht es mir aber heute (ausnahmsweise) nicht. Und auch der Flur ist seit dem letzten Update nicht fertig geworden (aber dafür tapetenloser!). Gab halt einfach wichtigere Sachen zu erledigen :smile: . Immerhin ist der Keller leerer und aufgeräumter (ebenfalls noch nicht komplett).

Ist allerdings egal, wichtig ist ja nur, ob wir uns zum einen eingelebt haben und zum anderen selbst ein Jahr später noch nicht den Kauf bereuen und die Antwort auf beide Fragen ist: Ja, wir haben uns eingelebt und fühlen uns hier wohl und möchten das Haus definitiv nicht mehr so schnell hergeben – mal abgesehen davon, dass man es aufgrund des Geldwäschegesetztes sowieso erst nach zwei Jahren wieder verkaufen darf. Im Nachhinein betrachtet war es also ganz gut, dass wir das andere Haus im Dorf nicht bekommen hatten – das wäre im Vergleich die schlechtere Wahl gewesen.

Heute will ich nun die Gelegenheit nutzen, euch ein wenig darüber aufzuklären was uns die ganze Sache eigentlich zusätzlich zum Kaufpreis gekostet hat. Natürlich nur ganz grob. Die genauen Zahlen gehen schließlich außer dem Finanzamt niemanden was an.

Kaufnebenkosten

Über die Kaufnebenkosten hatte ich ja bereits ein wenig philosophiert. Man kann diesen dicken Batzen Geld aber nicht oft genug betonen. Wer sich von denen überraschen lässt, hat schnell nicht nur ein kleines, sondern ein ganz großes Problem. Wobei die meisten Makler vermutlich schon sehr genau darauf achten, ob ihr die Kohle dafür auch tatsächlich habt. Die Banken sowieso wenn es um den Kredit geht. Ohne Nachweis darüber, dass wir diesen mittleren fünfstelligen Betrag bereits auf dem Konto hatten, ging schlicht nichts.

Das Schöne an den Kaufnebenkosten ist allerdings, dass ihr die euch im Vorfeld ziemlich genau ausrechnen könnt. Der Gesetzgeber hat da nämlich einen relativ engen Rahmen abgesteckt, was die einzelnen Parteien euch noch abknöpfen können. Und diese drei Parteien sind der Makler (spart ihr euch natürlich, wenn ihr direkt von Privat kauft) mit 5,95% vom Kaufbetrag, das Finanzamt mit 6% (Grunderwerbssteuer) und der Notar mit normalerweise 1,5%-2% (wir lagen bei 1,7%). Im Notarwert sind bereits die Gelder inbegriffen, die ihr der Stadt zahlt für Tätigkeiten wie den Grundbucheintrag (bei uns circa 0,6% für Vormerkung, Eintragung Grundpfandrecht und den eigentlichen Grundbucheintrag am Ende). Sprich, selbst wenn ihr das Haus vollständig über einen Kredit kauft, müsst ihr immer noch mindestens einen Betrag in Höhe von 15% des Kaufbetrags auf der hohen Kante haben, um zum einen überhaupt zum Zug zu kommen und zum anderen nicht auch noch dafür einen Kredit aufnehmen zu müssen.

Handwerker

Kleiner Auszug aus der Tabelle

Mit Hauskauf und den dazugehörigen Kaufnebenkosten ist es aber logischerweise meistens nicht getan. Und das gilt sowohl für den Neubau (eine Küche ist bspw. bei den meisten Reihenhäusern nicht inklusive) als auch den Altbau. Speziell bei letzterem stehen mitunter noch so einige Arbeiten an, bevor es wirklich wohnlich ist. Jetzt hängt es zum Teil vom Geldbeutel und den eigenen Fähigkeiten ab und zum Teil von gesetzlichen Vorgaben, wie ihr mit dieser Situation dann umgeht. Wir haben zwar sehr viel selbst gemacht aber auch wir haben unsere Limits (Expertise, Zeit und natürlich Rechtlich). Also mussten Handwerker her, die zwar wie immer mehr gefunden (und damit mehr gekostet) haben als gedacht. Wir können uns aber nun (hoffentlich?) sicher sein, dass es richtig gemacht wurde und es an den Ecken keine Probleme gibt. Vor allem beim Strom ist eine Abnahme nach VDE gesetzlich vorgeschrieben. Es ist aber ein gutes Gefühl zu wissen, dass nun erst einmal alles passt und nichts anbrennen kann bzw. wenn doch, dass man fünf Jahre Gewährleistung hat.

Entsprechend hatten wir zuallerst mal die Elektriker da. Zwei Mann (Meister mit Azubi) für neun Tage, die das gesamte Haus auf den Kopf gestellt haben. Sprich jedes Kabel, jeden Schalter, jede Steckdose geprüft und den neuen Stromkasten aufgebaut (es hing bislang noch das Original von 1966 im Keller) plus die paar Sonderwünsche von uns erfüllt. Es war richtig, richtig gut, dass wir mit dem Verputzen noch nicht großartig angefangen hatten. So war es kein Problem, dass auf der Kabelsuche oder beim Wünsche erfüllen auch mal ein Schlitz notwendig war. Andersherum hätten wir wohl ein massives Problem gehabt. Kostenpunkt am Ende der 1 1/2 Wochen? Gut 8.000 Euro (inkl. Material). Da haben auch wir etwas überrascht geschaut :smile: .

Dann hatten wir das Thema der Natursteindusche, die nicht nur total versifft, sondern auch nicht abgedichtet war. Also mussten Fliesenleger und Sanitär her. Letzterer hat zusätzlich noch Unzulänglichkeiten beim Abwassersystem (Minusgefälle) und der Wasserzuleitung (verdreckter Filter, viel zu kleine Rohre, etc.) entdeckt. Das Abwasser haben wir allerdings anschließend selbst neu verlegt sowie einen Teil des Abrisses der Dusche selbstständig erledigt (kaputt machen ist schließlich einfach). Es fielen nur rund 400 Euro für einen Rohrreinigungsnotdienst an (ungefähr die Hälfte für das Lösen der Verstopfung, der Rest für die Kamerafahrt zum guggen wo das Problem lag), weil wir ein Rohrstück ausgelassen hatten beim neu machen.

An der Dusche haben Fliesenleger und Sanitär im Tandem gearbeitet (wegen der Anschlüsse und Armaturen) und allein das Verlegen der Bruchsteinfliesen dauerte gut 11 Stunden. Am Ende kamen wir so auf gut 4.400 Euro für den Fliesenleger und 3.800 Euro für den Sanitär (beides wieder inkl. Material). Also alles in allem stattliche 17.000 Euro, die trotz Eigenanteil alleine für die Handwerker noch einmal oben draufkamen.

Material

Unser (temporärer) Lagerplatz

„Eigenanteil“ ist natürlich ein gutes Stichwort, denn wie gesagt haben wir sehr viel selbst gemacht (und machen immer noch). Vom Tapete runtermachen über Verputzen, Laminat verlegen bis hin zum Streichen und ein paar Fliesen verlegen. War selbstverständlich eine massive Lernerfahrung (da weiß man erst YouTube und die ganzen DIY-Seiten im Netz zu schätzen!) und mag hier und da nicht so perfekt sein, wie es ein Handwerker gemacht hat. Aber es spart selbstverständlich gut Geld – zumindest wenn man nicht seine eigene Zeit in die Waage legt :smile: . Kostenlos ist es aber selbstverständlich nicht. Wir waren von Dezember bis Juni jeden Monat mehrfach in diversen Baumärkten (4x Bauhaus, 10x Hornbach, 29x Toom [liegt um die Ecke] – um genau zu sein) unterwegs (plus ein wenig Amazon, eBay und andere Onlineshops), um all die Sachen beizuschaffen, die man so braucht. Damit sind sowohl die Werkzeuge (Pinsel, Mörteleimer, etc,) als auch die Verbrauchsmittel (Farbe, Putz, etc.) und Bauteile (Korklaminat, Armaturen, etc.) gemeint. Plus noch hier und da Unterstützung von daheim.

Gut 5.000 Euro kamen da noch einmal zusammen obwohl es erst einmal nach gar nicht so viel aussieht. Selten lag an der Baumarktkasse ein Betrag über 100 Euro (5x bei den 43 Baumarktbesuchen). Aber wie heißt es so schön? Auch Kleinvieh macht Mist. Die Gefahr dabei, wenn man keine so detaillierte Buchführung macht wie wir (ich liebe Tabellen!): Man kann ganz schön schnell aus den Augen verlieren was man so ausgibt und wundert sich dann vielleicht, warum nichts mehr am Ende des Monats übrig ist. Und: Es mögen „nur“ 5.000 Euro gewesen sein. Aber dann sind wir mit den Handwerkern und den Kaufnebenkosten schon bei einem hohen fünfstelligen Eurobetrag, der zusätzlich zum Hauspreis anfällt und den man erst einmal haben muss. Wer zusätzlich zum Hauskredit also auch noch einen Renovierungskredit braucht, der sollte sich vermutlich die Sache noch einmal sehr, sehr genau überlegen (machen die Banken auch entsprechend ungern).

Laufende Kosten

Makler & Co. sind bezahlt, die Handwerker aus dem Haus und die Renovierung abgeschlossen – endlich hat das Geldausgeben ein Ende! Nie wieder irgendwelchen Fremden regelmäßig Kohle für nichts und wieder nichts in den Rachen werfen – also außer der Bank bis der Kredit abbezahlt ist! Tja, schön wär’s. Auch beim Haus habt ihr ein paar laufende Kosten:

  • Strom – Braucht jeder und bezahlt ihr auch als Mieter meistens selbst. Wir liegen mit unserer Hütte dieses Jahr mit circa 2.400kWh genau auf dem Wert, den die meisten Stromanbieter für einen Zwei-Personen-Haushalt annehmen. Macht um die 60-70 Euro pro Monat je nach Anbieter.
  • Internet – Ohne Festnetztelefon geht es vielleicht noch (hat ja jeder ein Smartphone) aber Internet (VVDSL 100 versteht sich) muss schon sein. Unseren Preis erwähne ich als Mitarbeiter selbstverständlich nicht :smile: .
  • Rundfunkbeitrag – Das einzige was ich zu diesem Thema sage ist, dass ich nicht grundsätzlich gegen diesen Beitrag bin. Ich bin nur nicht damit einverstanden was damit teilweise alles finanziert wird. 17,50 Euro pro Monat werden hier fällig.
  • Schornsteinfeger – Kann jetzt nur als Besitzer einer Ölheizung sprechen aber die muss zwingend regelmäßig überprüft werden (wie stark verschmutzt sie die Umwelt) und auch der Schornstein selbst benötigt ab und an mal eine Reinigung, damit was durchgeht. Kosten sind logischerweise abhängig vom Umfang der Arbeiten.
  • Heizungswartung – Ich kenne mich mit Öl- und Solarheizungen nur bedingt aus, also muss ab und zu ein Fachmann her. Auch hier sind die Kosten nicht fest.
  • Öltanküberprüfung/-reinigung – Ersteres ist Pflicht und wird vom TÜV gemacht (quasi um zu verhindern, dass ihr einen maroden Tank habt und damit eine Umweltgefährdung seid) und zweiteres macht alle paar Jahre durchaus Sinn (tut der Umwelt und der Heizung gut). Preislich wieder je nach Anbieter unterschiedlich.
  • So muss das aussehen!

    Heizöl – Wer mit Öl heizt, braucht Öl, um damit zu heizen. Entsprechend genau habe ich dieses Jahr die Nachrichten verfolgt, um so einige Euro zu sparen – auch wenn ich trotzdem den Tiefpunkt im August verpasst habe. Meine Informationsquelle heißt Tecson.

  • Wasser-/Abwassergebühr – Wasser ist ganz schön billig im Vergleich zum Strom (um die 20 Euro pro Monat). Da versteht man eigentlich gar nicht, warum immer so viel zum Sparen aufgefordert wird (zumal das sehr schlecht für die öffentlichen Rohrnetzte ist).
  • Niederschlagswassergebühr – Da euer Haus auf seiner Fläche dem Regen den freien Zugang zur Erde verweigert, muss das Regenwasser über die Abwasserkanäle abgeführt werden. Das steckt hinter dieser Abgabe, die entsprechend von der Größe der befestigten und wasserundurchlässigen Fläche eures Grundstücks abhängig ist.
  • Müllgebühren – Wir müssen tatsächlich nur die Restmülltonne bezahlen (und die auch nur pauschal und nicht nach Gewicht). Aber ich bezahle gerne dafür, dass ich meinen Dreck nur vor die Haustür bringen muss und er dann regelmäßig von netten Männern in bunter Kleidung abgeholt wird. Über die Höhe entscheidet vermutlich die Stadt selbst.
  • Grundsteuer – Ihr dachtet, es wäre mit der Grunderwerbssteuer getan? Pah! Das Finanzamt möchte schon regelmäßig an euch verdienen. Wie die sie sich errechnet erklärt zum Beispiel Wikipedia.
  • Wohngebäudeversicherung – Ist technisch gesehen in Deutschland nicht mehr Pflicht aber eine Feuerversicherung ist verpflichtend und die ist da schon enthalten. Außerdem sind noch weitere Risiken wie Sturm oder Leitungswasserschäden abgedeckt und das ist aus meiner Sicht nie verkehrt. Der Keller ist schnell mal vollgelaufen und dann kostet es richtig Geld. Die Kosten hängen natürlich von den Leistungen ab.
  • Hausratversicherung – Keine Pflicht aber die Wohngebäudeversicherung deckt nur das Haus ab und nicht, was sich darin befindet. Und wenn man wie ich allein fünf Regale mit Spielen und Filmen voll hat, dann möchte man da schon etwas Kohle sehen, wenn es jemand klaut oder es irgendwie kaputt geht :smile: . Auch hier hängen die Kosten von der Leistung ab. Am sinnvollsten ist es aber wohl – zumindest wenn ihr nicht die extrem teuren Einzelstücke habt – auf die Quadratmeter Wohnfläche zu gehen statt auf den tatsächlichen Wert im Haus.
  • Privathaftplichtversicherung/Haus- und Grundstückshaftpflichtversicherung – Auch wieder kein Muss aber mit einem eigenen Grundstück kommen noch zusätzliche Pflichten wie zum Beispiel die Räumpflicht dazu. Fällt doch mal einer vor eurem Haus auf die Nase, ist es entsprechend ganz nützlich versichert zu sein. Oder wenn ein Ziegel sich im Sturm löst und den Nachbarshund erschlägt. Kann man sonst kaum bezahlen so hoch wie die Kosten für einen Personenschaden sind. Preis hängt logischerweise auch hier von der Versicherung und der Leistung ab.

Das alles zusammen ist noch einmal ein ordentlicher, vierstelliger Betrag pro Jahr selbst ohne die Heizkosten zu berücksichtigen (5000l Heizöl sind nicht billig). Da noch die monatlichen Tilgungszahlungen für den Kredit oben drauf und man kommt mitunter auch an seine Grenzen, wenn man sich verkalkuliert hat oder unvorhergesehenes Eintritt (Scheidung, Arbeitslosigkeit, Auto und dergleichen). Und man muss sich auch noch um den ganzen Mist selbst kümmern anstatt einfach nur dem Vermieter ein paar Kröten zu überweisen und zu sagen „Hier mach‘ du!“. Hab‘ ich schon erwähnt, dass man nicht einfach mit „Ach, ich kauf‘ mir jetzt einfach mal ein Haus!“ an die Thematik rangehen sollte? :smile:

Fazit

Und damit seid ihr jetzt wieder ein gutes Stück schlauer und besser vorbereitet, solltet ihr mit einem Eigenheim liebäugeln. Kann natürlich am Ende des Tages nur von uns sprechen – vor allem bei einem Neubau sieht die Situation sicherlich noch einmal ganz anders aus. Aber als erste Orientierung hilft es garantiert schon einmal weiter. Uns hat die ganze Sache zwar etwas an die Grenzen gebracht hier und da, denn vor allem Handwerkerkosten lassen sich doch irgendwie schwer einschätzen, entsprechend wäre ein Schicksalsschlag sehr ungünstig gewesen Anfang des Jahres. Aber am Ende des Tages wurden alle Rechnungen  pünktlich bezahlt, kein Konto war im Minus und die Vorräte werden seitdem wieder stetig aufgebaut. Und so muss es sein.

Solltet ihr noch zusätzliche Fragen haben, dann einfach in die Kommentare packen. Ansonsten wünsche ich einen angenehmen Feiertag und wir lesen uns am Montag wieder.

Sicarius

Feliz Navidad!

Und auch in diesem Jahr feiert ein nicht unwesentlicher Teil der Bevölkerung die Tatsache, dass irgendwann vermutlich einmal ein Kind in irgendeinem Stall in irgendeinem Dorf auf die Welt gekommen ist. Unbestätigten Gerüchten zufolge sah dieses „Baby“ so aus:

Ein Christkind?!

Irgendwie ganz schön haarig für so ein kleines Menschenkind. Kenne mich da zwar nicht aus, aber vor allem der finstere Blick passt nicht unbedingt zu etwas, was gemeinhin als „Gottes Sohn“ bezeichnet wird. Andere Quellen sprechen davon, dass auf dem Bild eine gewisse „Jungfrau Maria“ zu sehen ist. Aber auch da vermute ich, dass es sich um eine von diesen ominösen „Fake News“ handelt, vor denen aktuell alle so viel Angst haben. Man kann sich halt echt auf nichts mehr verlassen – außer auf uns, denn wie es die Tradition verlangt:

Beim Christoph wünscht allen Besuchern und Lesern angenehme Feiertage!

Lasst wie immer die Feiertage nicht in Stress ausarten, sondern geht es in Ruhe an. Feiert mit den Menschen und Haustieren, die ihr gerne habt und mögen euch ganz tolle Geschenke erwarten.

Wir lesen uns am Montag wieder!

PS: Wie immer bedeutet der Titel dieses Eintrags „Frohe Weihnachten!“. Dieses Mal habe ich mich – zu Ehren von Lyssi – für Spanisch entschieden.

2016 war wieder kein gutes Jahr für Videospiele im Haushalt des Sicarius. Wenn tatsächlich mal was gezockt wurde, dann hauptsächlich auf meinem iPhone. Entsprechend wenige Spiele habe ich gekauft (hauptsächlich Kairosoft-Spiele) – AAA-Titel abseits von meiner Top 1 sogar keinen einzigen! Somit steht es auch heuer wieder völlig außer Frage eine Verleihung der Bagdadsoftware No-One-Cares-Awards durchzuführen, so schade es auch ist.

Lasst uns aber dennoch gemeinsam ein wenig nicht nur mein, sondern in den Kommentaren genauso euer Spielejahr 2016 Revue passieren. Was haben wir trotz unserer vielen anderen Verpflichtungen geschafft über den kleinen und großen Bildschirm laufen zu lassen?

Rückblick

Wie schon 2015 war es gar nicht so einfach herauszufinden, was ich überhaupt alles dieses Jahr gezockt habe. War irgendwie wesentlich einfacher als ich pauschal alles gekauft und zumindest ein paar Stunden gezockt habe. Aber wie schon erwähnt war es definitiv am häufigsten das iPhone, das mich bei der Stange gehalten hat. Abseits davon habe ich nur ein paar wenige Stündchen am PC verbracht. Die Konsolen waren außer zum Updaten meines Wissens 2016 bei mir überhaupt nicht an und meine beiden Handhelds kamen nur in der Reha zum Einsatz. Somit blieben für meine Top 5 des Jahres nicht viel mehr Titel als die folgenden übrig:

DOOM (2016) Herstellerbild)

1. DOOM (2016; PC, PS4, XONE) – War doch klar, dass das Werk von id Software auf dem ersten Platz stehen wird. Ich hatte es ja schon im August über alles gelobt und daran hat sich nichts geändert. Mehr noch als Wolfenstein: The New Order, schafft es DOOM (2016) die alte Ego-Shooter-Faszination in die Moderne zu bringen. Zumindest in der Einzelspielerkampagne stimmt einfach alles: der Humor (selbst euren Charakter interessiert die Story nicht), das Leveldesign (guter Mix aus grenzenloser Freiheit und zielstrebiger Führung), das Pacing (es ist nie langweilig), die Waffen (endlich mal wieder was mit echtem „Rums“ in der Hand!), die Musik (passt wie die Faust ins Auge eines Imps), die Kämpfe (schnell, hart und blutig) – perfekt! Selbst die „Glory Kills“, die im Vorfeld durchaus etwas kritisch beäugt wurden („nehmen Tempo aus dem Spiel“) funktionieren überraschend gut und sorgen gerade dafür, dass das Tempo jederzeit hoch bleibt in den Kämpfen. So muss ein DOOM in der heutigen Zeit nicht nur aussehen, sondern sich auch spielen. Ja, ids neustes Werk wäre höchstwahrscheinlich der Gewinner für den „Spiel des Jahres“-NOCA geworden – und das absolut verdient!

Mein Schiffchen

2. High Sea Saga (2016; iOS, Android) – Über 100 Stunden habe ich bereits in diesen Kairosoft-Titel versenkt und trotzdem habe ich ihn immer noch nicht durch. Zugegeben: Das ist weniger verwunderlich, als es sich anhört, handelt es sich hierbei doch um ein Free-2-Play-Werk. Ja, davon bringt der japanische Entwickler (leider) mittlerweile immer mehr auf den Markt. Der große Unterschied zu seinen anderen, einmal-bezahlen Werken sind vor allem die „Social Features“ (mit und gegen andere spielen) sowie viel gegrinde wenn ihr kein Geld ausgeben wollt. Entsprechend langsam kommt ihr damit voran (hänge auch aktuell etwas fest) eure Piratenmannschaft und euer Schiff aufzuleveln, um damit dann die Quests auf den einzelnen Inseln zu meistern sowie zwischendurch gegen andere (menschliche wie computergesteuerte) Piraten zu kämpfen und ein paar Leute gefangen nehmen, um sie entweder zu eurer Mannschaft hinzuzufügen oder sie als Untertanen zu gewinnen. Wie immer ist der Weg das Ziel (ja, es gibt ein offizielles Ende) und wie von Kairosoft-Titeln gewohnt, gibt es extrem viel Tiefgang zu entdecken.

Jeden aus eurer Mannschaft (aktuell bei mir 60 Matrosen und 12 Monster) dürft ihr beispielsweise individuell ausstatten in Sachen Spezialfähigkeiten, Beruf (=Klasse) und Bewaffnung und natürlich gilt es erst alles freizuschalten. Die Monster wollen beispielsweise aus Eiern ausgebrütet werden, die ihr durch die Zugabe von Essen (Power-Ups) vor dem Schlüpfen nach euren Wünschen manipuliert. Für die Berufe brauchen eure Matrosen Erfahrung, die sie durch das Benutzen der Geschäfte, Übungsräumen und Dekorationsobjekten auf eurem Schiff sammeln und für die „besseren“ (tatsächlich haben alle Berufe ihre Vor- und Nachteile) muss der kleine Mann sogar erst eine bestimmte Anzahl an anderen Berufen gemeistert haben. Und auch nur so kommt ihr an die verschiedenen Spezialfähigkeiten wie „Alle in der ersten Reihe angreifen“, die durch das Meistern des jeweiligen Berufs dann dem Kompagnon für alle Ewigkeit zur Verfügung stehen. Auf den Inseln baut ihr hingegen Geschäfte nachdem ihr das Bossmonster besiegt habt und erhöht so eure Population (zum Freischalten zusätzlicher Meere) und habt, logischerweise, Zugriff auf noch mehr Sachen.

Ich könnte noch seitenweise weiterschreiben aber wichtig zu wissen ist für euch denke ich nur: Es ist ab und zu etwas nervig, weil ich erst warten muss bis meine Recken stark genug sind – es hält mich aber problemlos und wie erwähnt schon eine halbe Ewigkeit bei Laune und macht sehr viel Spaß.

Angriff!

3. Skyforce Unite! (2016; iOS, Android) – Noch ein Free-2-Play-Titel von Kairosoft. Statt mit Piratenschiffen, seid ihr hier rundenbasiert mit Flugzeugen unterwegs. Im Vergleich zu High Seas Saga ist der Titel etwas geradliniger aber definitiv nicht weniger umfangreich. Nicht nur gibt es dutzende unterschiedliche Flugzeuge (unterteilt in Kategorien wie Bomber, Jäger, Hubschrauber), auch ihre Bewaffnung und ihre Upgrades sind zahlreich und dürfen von euch individuell zusammengestellt werden. Anschließend geht es auf das Spielfeld auf dem ihr euch mit Zahlenkarten bewegt bis ihr auf einen Feind stoßt. Dann gilt es diese zufällig ausgewählten Karten zu nutzen, um entweder anzugreifen, sich zu heilen oder einen Spezialangriff zu fahren. Dass jeder Feind genauso wie ihr verschiedene Stärken und Schwächen hat, dürfte logisch sein. Und so arbeitet ihr euch von Region zu Region (natürlich mit jeweils unterschiedlichen Gegnertypen und damit Herausforderungen an die Ausstattung und Art eurer Flugzeuge) durch bis der finale Boss im Dreck liegt. Auch gegen menschliche Teams könnt ihr antreten, obwohl meine Erfahrung ist, dass die asiatischen Spieler einen immer nur gnadenlos platt machen.

Im Gegensatz zu High Seas Saga bin ich bei Skyforce Unite! tatsächlich schon am offiziellen Ende angekommen und spiele seitdem nur noch sporadisch weiter, um noch bessere Flugzeuge und Upgrades für diese freizuschalten. Zudem fehlen mir noch so einige Feindfotos (damit analysiert ihr sie und erhaltet dann Kampfboni oder zusätzliche Items), schließlich muss man immer abwägen ob man seinen Zug tatsächlich dafür verbraucht ein Foto zu machen oder dadurch eher Gefahr läuft zu sterben. Vor allem in den Eskort-Missionen (ihr könnt auf Wunsch Aufträge annehmen) ist das ein wichtiger Faktor. Bis zu diesem Punkt hat mich der Titel aber trotz der üblichen Free-2-Play-Barrieren sehr stark motiviert und sehr viel Spaß bereitet. Eben wie fast alle Kairosoft-Titel…ich scheine da eindeutig eine gewisse Affinität zu haben für.

The Incredible Adventures of Van Helsing: Final Cut (Herstellerbild)

4. The Incredible Adventures of Van Helsing: Final Cut (2015; PC) – Im „Final Cut“ haben die Entwickler von Nerdcore Games alle drei Teile ihrer Hack ’n‘ Slay-Saga in einem einzigen Titel vereinigt. So könnt ihr die ganze Geschichte an einem Stück und ohne Unterbrechung erleben. Es wurde quasi das Beste aller drei Welten zusammengepackt – zumindest je nachdem welchen Fan man fragt (zum Beispiel wurde die Anzahl der Klassen im Vergleich wieder reduziert). Ich hatte bislang nur die Teile 1 und 2 durchgespielt aber da man als Besitzer der Trilogie (halb-)automatisch den „Final Cut“ bekommt, habe ich damit nochmal von vorne begonnen und erlebe damit das grandiose (?) Finale der Serie.

Richtig viel Spaß macht der Ausflug nach Borgovia (nur echt mit Vampiren und Werwölfen) definitiv auch beim zweiten Mal. Es mag vielleicht nicht die technische wie spielerische Klasse eines Diablo II oder Diablo III erreichen aber mit gefällt der Monsterjäger im Vergleich tatsächlich besser. Das liegt vor allem an eurer ständigen Begleiterin Lady Katarina (ein Geist) sowie am Setting (Steampunk). Obwohl die Geschichte durchaus ernst gestaltet ist (soweit „die Welt wird mal wieder vom Bösen bedroht“ ernst sein kann), sind Van Helsing und Lady Katarina eher ein Buddy-Cop-Movie-Team und auch die restliche Spielwelt nimmt sich nicht ganz so voll. Vor allem sie hat öfters einen dummen Spruch auf den Lippen und neckt den armen Monsterjäger, der komischerweise immer mit seinem berühmten Vater verwechselt wird (warum nur?!). Das macht die Sache wesentlich lockerer und amüsanter. Aber auch die eigentliche Spielwelt und deren detaillierte Darstellung gefällt mir zusammen mit der doch großen spielerischen Freiheit (allein der 1. Fähigkeitenbaum von Van Helsing füllt schon mehrere Bildschirme…) sehr gut, bei der ich gar keine zusätzliche Unterscheidung in irgendwelche Klassen vermisse (gab es im ersten Teil anfangs sowieso nicht). Mal abgesehen davon, dass ich es auch in Hack ’n‘ Slay-Titeln lieber habe einem roten Faden (=zahlreiche Quests) folgen zu können statt nur sinnlos auf er Suche nach Loot dahinzumetzeln.

Ich werde beschossen!

5. Overkill (2014; iOS, Android) – Technisch gesehen gehört der Free-2-Play-Titel zu einer Art von Smartphone-Ego-Shootern, die kein „angesehener Gamer“ gut finden dürfte. Stundenlang und völlig stupide Schießbuden-Gegner auf einer 2D-Ebene abknallen, um genug Geld zu sammeln und die nächste Waffe freizuschalten (oder die aktuelle zu verbessern), um damit genau das gleiche weiter zu machen? Wo ist da der Skill, der Anspruch, das Spiel?! Und doch: Auf irgendeine Art und Weise scheint es Spaß zu machen (gibt mittlerweile schon den 3. Teil der Serie) sich der Herausforderung zu stellen alle Gegner einer Welle abzuschießen bevor sie mich platt machen. Woran es liegen könnte?

Nun, zum einen daran, dass es tatsächlich gar nicht so einfach ist die 21 Gegnerwellen (20 normale und eine „Hell Wave“) pro Level zu meistern (gibt noch einen Survival- und Multiplayermodus). Ein gewisser Zufallsfaktor wo die Feinde nach dem Levelneustart auftauchen, die Zusammensetzung dieser Gruppen (Drohnen sind besonders heftig), die Stärken und Schwächen der eigenen Waffe – es gibt tatsächlich viel zu beachten. Da fällt es gar nicht mal so sehr ins Gewicht, dass es nur fünf Level gibt. Bis man die gemeistert hat, dauert es eine Weile – zumal es vor allem in den späteren Levels (Feinde sind weiter weg) sehr darauf ankommt welche Waffe ihr nutzt (nein, Scharfschützengewehre sind nicht pauschal die beste Lösung). Es ist also nicht so, dass ihr einfach nur mit der AK-47 das komplette Spiel bis ans Ende kommt. Gleichzeitig heißt es mitunter zwischen den Wellen mal zu wechseln. Kommen in dieser Welle viele Drohnen? Dann ist der Granatwerfer wohl besser als das MG4, obwohl dessen Munition viel kostet und für die normalen Gegner normalerweise Verschwendung ist. Und zum anderen profitiert Overkill natürlich immens vom „Das nächste Mal schaff ich’s!“-Faktor sowie von der „Ich will auch mal die Minigun-Benutzen“-Faszination. Ich bin entsprechend immer wieder motiviert es zu starten – schließlich fehlen mir nur noch sieben von 18 Schießprügel und ich muss noch zwei Wellen von Level 5 schaffen.

 

Und damit wisst ihr nun nicht nur, was mich dieses Jahr nicht nur am meisten beschäftigt, sondern auch was mir Spaß gemacht hat in Sachen Videospielen. Wir lesen uns dann am Samstag zum traditionellen Weihnachtsgruß wieder und bis dahin freue ich mich darauf in den Kommentaren davon zu lesen, mit welchen Titeln ihr so durch das Spielejahr 2016 gekommen seid.

Es ist weiterhin schwierig zu sagen was ich eigentlich so spiele, denn viel Substantielles ist da weiterhin nicht dabei. Und ja, eine Top 5 des Jahres möchte ich schon noch machen (die Bagdadsoftware NOCAs sind weiterhin völlig unrealistisch) – wenn ich zeitlich dazu komme und mir überhaupt fünf Spiel einfallen. Ist definitiv traurig geworden mit mir in dieser Hinsicht :smile: . Ja, selbst DOOM habe ich immer noch nicht durch. Was aber auch ein Stück weit daran liegt, dass ich natürlich im ersten Durchlauf gleich alle Secrets sammeln will. Da dauert es durchaus ein wenig länger bis ich ein Level fertig habe. Auch während der Reha habe ich tatsächlich weniger gespielt als vor vier Jahren. Erwähnenswert sind deshalb nur die folgenden zwei:

Kurz aber bockschwer

Metal Slug 7 (Herstellerbild)

Zu allererst habe ich mich mal intensiv mit Metal Slug 7 (Metal Slug XX, NDS, PSP, XLA – 2008) auf meinem Nintendo 3DS beschäftigt. So richtig gespielt hatte ich bis dato noch keinen Titel dieser durchaus umfangreichen Serie (Teil 7 ist der aktuell letzte). Man ist zwar auf dem einfachsten von drei Schwierigkeitsgraden ziemlich schnell durch die sieben Level durch (die Story ist dünner als dünn). Aber das ist bekanntlich nicht Sinn dieser Titel. Stattdessen geht es darum die Highscore in die Höhe zu treiben, das Spiel mit jedem der Charaktere mit ihren grundverschiedenen Vor- und Nachteilen auf „Hart“ zu meistern sowie alle Gefangenen in jedem Level zu befreien.

Letzteres ist besonders schwierig, da ihr zwar sterben dürft – ihr habt sowohl ein paar Leben als auch ein paar Continues – aber dadurch die Anzahl der befreiten Gefangenen zurückgesetzt wird. Und sterben werdet ihr viel, denn ihr haltet ausschließlich einen einzigen Treffer aus. Da sind die Bosskämpfe fast schon einfacher als die einzelnen Levelabschnitte in denen euch zahlreiche Soldaten inklusive schwerem Geschütz (Helikopter, Panzer, stationäre Geschütze und dergleichen) das Leben schwermachen. Hektik ist deswegen auch ganz klar mein größter Feind gewesen. So viel passiert mitunter auf dem Bildschirm, dass Auswendiglernen nicht nur eine Tugend, sondern sogar eine Pflicht ist. Wie oft ich aus Versehen zur falschen Waffe gewechselt habe geht auf keine Kuhhaut. Gleichzeitig kommt aber natürlich wie immer in solchen Spielen sehr schnell ein „Jetzt erst recht!“- oder „Noch einmal, dann schaffe ich es!“-Gefühl auf. Zusammen mit dem Drumherum wie dem lustigen Comiclook (allein wie euer kleine Panzer durch die Gegend juggelt ist sooooo putzig) und dem treibenden Soundtrack, ergibt das einen durchaus kurzweiligen Titel.

Beim Christoph meint: Wer das Genre der Run’n’Gun-Shoot ‚em ups mag, der wird mit Metal Slug 7 genauso seinen Spaß haben wie mit einem Contra. Die Serie dürfte mittlerweile ziemlich nah an der Perfektion sein. Ich war auf jeden Fall länger unterhalten als ich dachte und hatte ganz klar Spaß dabei, da ich schon auf Mittel absolut kein Land sehe (und vergebe deswegen keine finale Wertung). Ich habe es im Laufe der drei Wochen trotzdem immer mal wieder probiert, bin mitunter auch mal wieder ein Stück weiter gekommen vor dem Scheitern und war dadurch wieder frisch motiviert weiter zu machen. So sollte das sein.

Ein portabler Shooter

Resistance: Burning Skies (Herstellerbild)

Neben dem Nintendo 3DS hatte ich selbstverständlich auch meine PlayStation Vita dabei. Darauf lief nicht nur Uncharted: Golden Abyss (noch nicht durch), sondern vor allem Resistance: Burning Skies (PSV, 2012). Da habe ich zwar die Hauptserie noch nicht durch (Teil 3 fehlt noch) aber der Vita-Titel ist sowieso ein Spin-off der während dem ersten Teil spielt. Während sich Nathan Hale also in Großbritannien vergnügt, sind wir hier in New York unterwegs. Die Geschichte rund um den Feuerwehrmann Tom Riley, der wie so oft nur zufällig zum Kämpfer wird und eigentlich ausschließlich seine Familie schützen will, ist also kein Muss und füllt ausschließlich ein paar zusätzliche Details vor allem in Bezug auf die Chimera aus. Sie ist auch ganz gut gemacht und hält bei der Stange. Nervig ist nur, dass ihr die jeweilige, stilistisch einfach gehaltene, Introsequenz eines Levels jedes Mal wieder komplett anschauen müsst (obwohl ihr es schon gespielt habt und anschließend an einem Checkpoint im Level startet!), wenn ihr das Spiel beendet und neu startet.

Das Spielprinzip ist hingegen exakt das Gleiche wie auf der PlayStation 3 – nur etwas limitierter sowohl in Sachen Technik (das Original war ja schon nicht besonders hübsch) als auch beim Gameplay (stark lineare Level mit übersichtlichen Set-Pieces). Mit allerlei Schießprügel bewaffnet (alle aus der Hauptserie bekannt), die ihr im Laufe des Spiels mit Verbesserungen versehen dürft (aber immer nur zwei davon auf einer Waffe gleichzeitig aktiv), kämpft ihr euch in der Ego-Perspektive durch die verschiedenen Areale und bekämpft fleißig kleine und große Vertreter der Chimera inklusive regelmäßigen und imposanten Bosskämpfen.

Übersichtlich

Der Anspruch ist dabei selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad eher überschaubar, schließlich mussten die Entwickler berücksichtigen, dass es mit dem Zielen trotz zwei Sticks nicht ganz so schnell und genau geht wie auf der Konsole. Letzteres macht sich speziell im finalen Bosskampf bemerkbar, wo ihr auf bestimmte Punkte zielen müsst. Aber selbst da habe ich maximal ein halbes Dutzend Anläufe gebraucht, bis ich es geschafft hatte.

Resistance: Burning Skies (Herstellerbild)

Die Schwierigkeit entsteht quasi mehr durch eure Probleme mit der Steuerung und weniger durch eure Gegner, die vergleichsweise wenig treffen und auch teilweise sehr vorhersehbare Angriffsmuster haben. Das ist besonders bei den fliegenden Chimera auffällig, die ihre 3-4 vorgegebenen Punkte in Reihenfolge anfliegen. Entsprechend hinter die Deckung gehen, einen der Punkte mit dem Scharfschützengewehr anpeilen und warten. Nach gut sechs Stunden Spielzeit lag dann der letzte Feind schon im Dreck und ich hatte meine allererste Platinum-Trophäe (sammele alle Trophäen im Spiel). Kurz und knackig quasi, denn gelangweilt habe ich mich zu keinem Zeitpunkt und ich wusste auch immer wo es als nächstes hingeht. Für die Zeit danach gibt es zwar einen Mehrspielermodus und ich hatte auch tatsächlich ein paar Runden Spaß damit. Aber sowas ist mir auf einem Handheld zum einen viel zu anstrengend und zum anderen hat man ja nicht immer Internet zur Hand.

Beim Christoph meint: Shooter gibt es auf der PlayStation Vita nicht ganz so viele und für Fans der Serie ist der Titel durchaus interessant. Aber mehr als solide 3 von 5 Sics kann ich Resistance: Burning Skies dann doch nicht mit gutem Gewissen geben. Ich habe ihn hauptsächlich gekauft und gespielt, weil mich die Serie und die dazugehörige Geschichte interessiert und unter dieser Prämisse hatte ich auch meinen Spaß. Aber abgesehen davon bietet er spielerisch absoluten Shooter-Durchschnitt und die Grafik ist selbst für 2012er Verhältnisse potthässlich. Somit ist es alles nur kein Pflichtkauf.

Und damit gebe ich ab bis Montag!

Das Hauptgebäude der Reha-Klink

Der Haupteingang der Reha-Klink in Utersum

Am 8. März 2012 habe ich den wohl erfolgreichsten Eintrag in der Geschichte der Webseite veröffentlicht: Meinen Bericht über meine Reha in Utersum. Seitdem war praktisch kein Monat vergangen, in dem dieser Eintrag nicht die Charts anführte in Sachen Aufrufen. Kein Wunder: Egal welche Kombination von Reha und Utersum man bei der Google-Bildersuche eingibt – mein kleines (damals war noch das alte CMS aktiv) Zimmerfoto taucht sehr weit vorne auf. Mittlerweile werden zwar aufgrund von Facebook-Verlinkungen die Einträge zum Thema Vitamine und Mineralstoffe häufiger aufgerufen aber tot zu kriegen ist mein Reha-Eintrag trotzdem nicht. Und was macht der erfolgreiche Selbstvermarkter in solchen Situationen? Er kramt das Thema wieder hervor!

Das hat aber natürlich einen Grund: Nach etwas mehr als 4 1/2 Jahren war ich die letzten drei Wochen wieder im Reha-Zentrum in Utersum auf der Nordseeinsel Föhr. Ich werde allerdings nicht noch einmal bei den Grundlagen anfangen. Stattdessen geht es mir vor allem darum weitere Details zu bringen, über die Änderungen seit meinem ersten Aufenthalt zu berichten und auf jeden Fall mehr Fotos (dieses Mal MIT Vergrößerung) zu zeigen. Seht diesen Eintrag also eindeutig als Ergänzung und lest bitte zuerst das „Original„, um das Komplettbild zu erhalten. Wir warten selbstverständlich auch auf euch.

/me summt eine lizenzfreie Wartemusik

Ein wilder Sicarius auf Föhr

Ein wilder Sicarius auf Föhr

Die Krankheit und die Beantragung

Die Nordsee mit Wasser

Die Nordsee mit Wasser

Mein mittelschweres Asthma habe ich seit der letzten Reha vollkommen im Griff und ich bin super gut eingestellt was meine Medikamente angeht. Meine Lungenfunktion ist damit im Bereich bzw. teilweise sogar über dem was ein normaler Erwachsener haben sollte. Entsprechend hatte ich nicht erwartet, dass es in dieser Hinsicht hier noch wirklich Verbesserung nach oben geben wird. Aber zum einen weiß man ja nie und zum anderen tut Seeluft immer gut. Da ich aber zusätzlich in den Wochen vor Reha-Antritt sowohl mit einem Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich als auch einem angehenden Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich diagnostiziert wurde, wollte ich die Reha dafür oder besser gesagt dagegen nutzen. Zusätzlich standen das Thema Gewichtsreduktion und mein seelischer Zustand (Stichwort Depressionen) auf dem Antrag mit drauf.

Bei der Beantragung bin ich am Anfang den gleichen Weg gegangen, wie beim letzten Mal: Ich habe bei der Hotline der Deutschen Rentenversicherung Bund angerufen. Anders als vor vier Jahren, hat die Dame an der Hotline mir jedoch die Unterlagen anschließend einfach alle zugeschickt statt mir nur die Nummern zum Download auf der Webseite mitzuteilen. Nachdem ich die Antragsformulare hatte, bin ich zu meiner Lungenärztin und habe sie darum gebeten ihren Befund zu schreiben mit dem Gedanken, dass sie mir den zuschickt und ich dann alles an die DRV Bund weiterleite. Entsprechend überrascht war ich als keine sechs Wochen später plötzlich Post aus Berlin im Briefkasten war mit der Bitte, ich solle doch meinen Antrag nachreichen – sie hätten schon den Befund bekommen und bräuchten keine weiteren. Also Antrag plus Anschreiben (wieder mit Angabe des Wunschterminfensters sowie den Reha-Zentren auf Utersum und Borkum als Wunschkliniken) fix fertig gemacht, abgeschickt und Mitte Juli hatte ich schon meinen Genehmigungsbescheid. Ging alles wieder wesentlich schneller als ich das geplant hatte irgendwie :smile: .

Die Anreise

Das Zimmer für die nächsten Wochen

Das Zimmer für die nächsten Wochen

Ein paar Tage später kam noch die Post von der Utersumer Klinik in der mein voraussichtlicher Antrittstermin drinstand. Da dieser mir allerdings nicht passte (war direkt nach den Flitterwochen) hatte ich zwei Möglichkeiten: Entweder Widerspruch bei der DRV Bund einreichen oder einfach mal bei der Klinik anrufen und nachfragen ob man da nicht was machen könnte. Und siehe da: Die Klinik hatte kein Problem damit. Die Mitarbeiterin fragte schlicht „Sagen sie mir wann sie anreisen wollen.“ und damit war die Sache erledigt. Sehr schön!

Die Anreise selbst Mitte November gestaltete sich genauso problemlos. Ich hatte rechtzeitig meine Fahrkarten und meinen Reiseplan erhalten (dieses Mal gleich mit korrektem Startbahnhof) und die zwei Koffer wurden wieder von Hermes abgeholt. Zwar musste ich eine Terminverschiebung für die Abholung auf Samstag vereinbaren (sie wollten freitags aber ihr kennt ja Paketdienstleister: „Seien sie bitte am besten den ganzen Tag Zuhause und wir kommen dann kurz vor Schluss“) aber das hat wunderbar geklappt (auch das Abholen). Es gab allerdings den Hinweis, dass dadurch auch die Koffer erst einen Tag später in der Klinik sein würden. Entsprechend dicker war mein Handgepäck dieses Mal gepackt. Entsprechend überrascht (und weil die Hermeswebseite was anderes behauptete) war ich, als ich in meinem Zimmer in der Klink ankam und feststellen musste: Die Koffer sind doch schon da. Quasi perfekt gelaufen alles.

Die Klinik

Postkarten, Knabbereien und Hygieneartikel gibt's im hauseigenen Kiosk

Der hauseigene Kiosk

Auf den ersten Blick war die Klinik unverändert (auch die Zimmer sind exakt wie vor vier Jahren) und ich habe mich sofort wieder zu Recht gefunden. Nur im Detail haben sich Änderungen ergeben wie renovierte Stationszimmer, umgezogene Labors oder die Aushänge der Aktivtherapien vom Keller in den ersten Stock. Außerdem wurde die Tischtennisplatte entfernt (gab wohl Probleme mit der Lautstärke im Nebengebäude), die Kegelbahn war die kompletten drei Wochen außer Betrieb und die Lehrküche wird aktuell renoviert. Letzteres ist besonders relevant, da es die alte Lehrküche überhaupt nicht mehr geben wird in dieser Form. Es gab wohl Probleme mit dem Personalaufwand (ja, DRV-Kliniken sind Wirtschaftsunternehmen) und entsprechend werden wohl zukünftig keine richtigen Mittagessen mehr gekocht, sondern nur noch „Snacks“ (Muffins, Salate, etc.). Ist definitiv schade. Hatte ich mich durchaus darauf gefreut nachdem ich das letzte Mal aufgrund meiner damals noch begrenzten Ernährungspalette das Angebot nicht voll genutzt hatte.

Was etwas besser geworden ist, ist tatsächlich der Handyempfang. Man hat doch an einigen Stellen mehr zum einen überhaupt Empfang und zum anderen dann oft sogar LTE. Leider eben nur LTE oder Edge. Meinen UMTS-Stick konnte ich also weiterhin nur im Amrum-Zimmer nutzen und nicht auch in meinem normalen Zimmer. Die normale Internetverbindung in der Klinik ist aber immer noch unter aller Sau, um es deutlich auszudrücken. Die 25 Euro für den vier Wochen lang gültigen WLAN-Zugang solltet ihr euch definitiv sparen. Da ist selbst DSL Light schneller. Klarer Nachteil des besseren LTE-Empfangs sowie dem grundsätzlichen technischen Fortschritt der letzten vier Jahre: Ich hatte mein Datenvolumen sehr schnell verbraucht gehabt. Zurückhaltung ist also das oberste Gebot :smile: .

Die Lage

Leider war der WLAN-Pass nicht die einzige Ausgabe, die ich im Nachhinein bereut habe: Das Geld für den 30 Euro teuren Buspass hätte ich mir ebenso sparen können, denn ich habe ihn definitiv nicht so häufig genutzt wie das letzte Mal. Dafür gab es drei Gründe:

1. Die Busse fahren im Winter immer noch sehr, sehr selten (nicht einmal jede Stunde). Man kann also nicht einfach mal abends zum Essen nach Wyk reinfahren, weil man Angst haben muss nicht mehr heim zu kommen. Entsprechend war sowieso die meiste Zeit Laufen die bessere Alternative.

2. Während im Frühjahr 2012 zumindest 2-3 Restaurant offen hatten, war im November gefühlt die ganze Insel abgeschlossen. Ist auf der einen Seite verständlich: Die Sommersaison war noch nicht ganz so lange rum und bis zur Wintersaison müssen die Bewohner wieder Energie tanken. Auf der anderen Seite nervt es aber schon gewaltig. Glücklicherweise gibt es auf der Homepage der Insel eine relativ komplette Übersicht der Restaurant und ihrer Öffnungszeiten. Ihr müsst also nicht Angst haben mit dem Bus durch die Gegend zu fahren oder beim Spazierengehen plötzlich vor geschlossenen Toren zu stehen. Die beiden „Restaurant“ (La Rocca und die Zur Kombüse) an der Strandpromenade in Wyk, die ganzjährig von 11 bis Spätabends warme Küche anbieten, kann ich allerdings nur bedingt empfehlen. Hochwertiges Essen ist eindeutig etwas anderes. Andererseits: Besser als Eintopf waren sie trotzdem :smile: .

Der Speiseplan

Der Speiseplan

3. Die geänderte Situation im Speisesaal (plus mein grundsätzlich geändertes Ernährungsverhalten), die dazu führte, dass ich abseits von Samstags (immer noch Eintopf-Tag) keinen Grund mehr hatte Essen zu gehen. Wurde vor vier Jahren das Mittagessen noch komplett ausgegeben, gibt es nun eine Art Buffet.

Das funktioniert so: Grundsätzlich erhaltet ihr Gericht 1. Gericht 2 ist die vegetarische Variante bzw. das Sonderessen. Das wird entweder vom Arzt am Anfang verordnet, ihr könnt dem Küchenpersonal sagen, dass ihr es immer haben wollt oder ihr könnt, wenn euch das Gericht auf dem Essensplan gefällt, euch bis zu einem Tag vorher dafür anmelden. Am gleichen Tag einfach nur die Schlange wechseln wird vom Personal hingegen mit klarer Abweisung bestraft.

Bei Gericht 2 werdet ihr, ihr habt es vermutlich erraten, auch entsprechend noch bedient. Gericht 1 dürft ihr euch hingegen endlich selbst zusammenstellen. Ihr könnt also ein Stück weit selbst entscheiden, ob ihr lieber Nudeln statt Reis zum Fisch wollt und welches Gemüse ihr noch mit drauf packt. Ein Stück weit deshalb, weil die grundsätzliche Zusammenstellung natürlich immer noch vorher festgelegt wird. Es stehen also nicht jeden Tag Nudeln und Reis als Beilage zur Auswahl. Aber ihr seid trotzdem zum einen freier wie ihr euren Teller vollmacht und zum anderen habt ihr nun die Möglichkeit mal einen anständigen Nachschlag zu holen. Letztes Mal bekam ich höchstens nochmal Gemüse aber auf gar keinen Fall mehr Fleisch. Finde ich eine sehr gute Änderung und mir hat es dadurch eindeutig besser geschmeckt die meiste Zeit (Eintopftag…). Der Essensplan folgt weiterhin der Lebensmittelpyramide also zweimal Fisch in der Woche und so Kram.

Übrigens stehen nun feste Essenszeiten auf dem Therapieplan. Daran gehalten haben sich aber vermutlich nur die wenigsten – ich Inklusive. Sobald man mal seine Reha-Truppe gefunden hat, will man ja schließlich immer mit denen zusammen essen.

Abseits davon ist die grundsätzliche Lage der Klinik natürlich immer noch perfekt (Geldautomat fehlt weiterhin). Dieses Mal war die Nordsee sogar anwesend (und es gab Wattwanderungen!). Auch das Wetter hielt nach einer verregneten ersten Woche standhaft durch mit zumindest wenig Regen und ab und zu viel Sonne. Ich könnte also wieder so einige Male meine langen Runden über Strand, Deich und Feldwege ziehen (unter anderem zum immer noch empfehlenswerten Café Stellys Hüüs in Oldsum). Dabei half mir, dass ich gefühlt mittlerweile besser zu Fuß bin. War weit weniger anstrengend beispielsweise die circa acht Kilometer bis Nieblum über den Strand zu laufen. Zugegeben: Sie danach auch wieder zurückzulaufen ohne Mittagessen intus zu haben war dann schon durchaus etwas grenzwertig. Aber unter einem groß angekündigten „Weihnachtsmarkt“ verstehe ich halt durchaus mehr als nur ein Zimmer mit Handarbeitverkaufsständen z.B. eine Würstchenbude.

Die Therapie – Allgemein

Eines meiner vielen Mittagessen

Eines meiner vielen Mittagessen

In Sachen Therapie fällt im Nachgang vor allem auf, dass ich wesentlich mehr Vorträge dieses Mal hatte. Gefühlt kamen Sport- und Bewegungsangebote da etwas zu kurz. Außerdem hatte ich aus unerfindlichen Gründen an den Freitagen und Samstagen immer so gut wie gar keine Termine. Fand ich nicht so gut. Klar: Mehr Zeit für am Strand rumlaufen oder ins freie Training zu gehen (wenn man es darf). Für letzteres stehen mittlerweile zudem Terminvorschläge auf dem Plan. Wie beim Essen, hält sich jedoch keiner so wirklich dran (ja, auch ich nicht). Trotzdem sollte man aus meiner Sicht doch die Therapie so planen, dass der Patient die ganze Woche ausgelastet ist. Außerdem sind mir die Änderungen bei der Aktivtherapie sehr negativ aufgefallen. Zur Erinnerung: Als Ergänzung zum Therapieplan hängen an zentraler Stelle täglich zusätzliche, freiwillige Angebote aus an denen man teilnehmen kann.

Zwar war das grundsätzliche Angebot wieder sehr abwechslungsreich (inklusive ein paar ganz neuen Sachen) aber die Chance zum Beispiel bei meiner geliebten Traumreise mit zu machen standen dieses Mal extrem schlecht (habe es nur einmal geschafft). Warum? Weil die Zettel nur noch an der Pinwand im Flur landen, wenn noch Platz ist. Vorher hängen sie im Zimmer der Therapieplanung, die zum einen nur morgens zwei Stunden offen hat und zum anderen weil sich da dann entsprechend lange Schlangen bilden. Da hatte ich keine Zeit und Lust für. Dann noch der ein oder andere Arschloch-Patient, der einfach seine ganze Clique eingeklebt hat und schon waren die Termine voll. Wenn man dann dahin kommt und der Kurs ist doch nicht voll, weil ein paar der fleissigen Einkleber nicht gekommen sind, dann platzt einem endgültig die Hutschnur. Das lief das letzte Mal eindeutig besser.

Was das Pflichtprogramm anging habe ich natürlich, basierend auf dem letzten Mal, direkt bei der Aufnahme wieder massiv dem Arzt ins Gewissen geredet und klar gesagt was ich möchte bzw. mir erklären lassen, was ich noch haben könnte. Das ist immer ganz wichtig, um am Ende nicht mit einem leeren Plan und verpassten Chancen dazu stehen. Schließlich hat man hier nun einmal die Möglichkeit Sachen kostenfrei auszuprobieren, die man sich Zuhause vielleicht noch nicht getraut hat.

Die Therapie – Im Detail

Einer meiner vielen Therapiepläne

Einer meiner vielen Therapiepläne

Aber gehen wir doch mal im Detail auf die Sachen ein, die ich in den drei Wochen so gemacht habe. Bei Angeboten, die ich schon das letzte Mal hatte, verzichte ich allerdings auf eine genauere Beschreibung. Die findet ihr dann im alten Eintrag.

Pflicht

  • Wirbelsäulentraining – Wie der Name schon sagt, wurden Übungen zur Stärkung der Wirbelsäule gemacht. Nicht nur für die Muskulatur direkt an der Wirbelsäule, sondern auch Dinge zur Stärkung des Drumherum (Stichwort „Stabilisierung“). War durchaus abwechslungsreich und ich habe zumindest nach den ersten Terminen so einige Muskeln gespürt, die ich noch nicht kannte :smile: .
  • Atemtraining (Gruppe) – Dieses Mal musste ich nicht meinem Atem nachfühlen, wenngleich das Ziel gleich war: Zu lernen bewusst zu atmen und ihn in bestimmte Ecken des Körpers bringen. Gefiel mir eindeutig besser und hat mir mehr gebracht würde ich sagen – auch für den Alltag.
  • Hydro-Jet
  • Aqua-Jogging
  • Progressive Muskelrelaxation – Letztes Mal hatte ich noch gesagt, dass Entspannung nichts für mich wäre. Mittlerweile geht das ein wenig besser. Bei dieser Form handelt es sich um Entspannung nach der Jakobsmethode (hinlegen, Muskeln einzeln anspannen und wieder entspannen – dann nachfühlen). Ich hätte stattdessen aber auch autogenes Training oder Qigong machen können.
  • Psychologische Einzelberatung – Natürlich kann hier schon allein wegen der begrenzten Zeit keine richtige Therapie stattfinden (hatte nur zwei Termine) aber zum einen hat es geholfen mal wieder eine komplett neue Perspektive zu hören und zum anderen habe ich durchaus einige Sachen vom Psychologen dahingehend mitbekommen, wie ich Zuhause am besten in dieser Richtung weitermachen sollte. Fand ich entsprechend äußerst hilfreich und es waren zwei sehr angenehme Gespräche.

Freiwillig

  • Ergometertraining
  • MTT Gerätetraining – Dieses Mal mit sechs statt nur vier Geräten.
  • Kraftquellenarbeit – Den Begriff hatte ich vorher noch nie gehört. Im Kern hat es aber schon etwas Spirituelles. Gibt aber unterschiedliche Ausprägungen, welche die Dame hier anbietet. Ich war bei der „Biografiearbeit“, bei der einem das „Leben“ (in Person der Veranstalterin) in drei Runden unterschiedliche Arten von Karten austeilt. Diese werden entweder einfach von einem selbst interpretiert oder erst zu einem Muster („Wandelwinde“) zusammengelegt und dann interpretiert und darüber in der Gruppe gesprochen. War sehr interessant und faszinierend zu sehen, dass die Karten (logischerweise durch das eigene Suggerieren) wahres sprechen und auch noch einen Zusammenhang bildeten. Mehr darüber könnt ihr übrigens auf der Homepage der Verantstalterin erfahren.
  • Rückenfit – Wie der Name schon sagt: 45 Minuten voller Übungen für den Rücken. In der Zeit, wo ich dabei war, haben wir mit dem komischen (und anstrengenden) Schwingstab gearbeitet.
  • Traumreise
  • Zirkeltraining – Nach Runde 2 war ich am Ende und wurde vom Physiotherapeuten wegen viel zu hohem Puls rausgenommen. Waren extrem anstrengend diese 10 Stationen mit den jeweils unterschiedlichen Übungen für die verschiedenen Muskelgruppen. Absolut nichts für mich…

Vorträge/Seminare

  • Ein paar meiner Wandelwindkarten

    Ein paar meiner Wandelwinde-Karten

    Schulungsbuffet – Es wurde vorgestellt nach welchen Vorgaben/Ideen das Essen in der Klinik zusammengestellt wird.

  • Inhalationstechnik – Wie der Name schon sagt, wurde vorgestellt wie die optimale Inhalationstechnik für die verschiedenen Medikamentenarten ist. Eine wichtige Sache, da das Medikament natürlich in die Lunge soll. Bringt nichts, wenn es irgendwo im Mund rumhängt. Aber für mich nichts großartig Neues dabei gewesen. Hatte es ja schon das letzte Mal gelernt.
  • Peak-Flow-Messung – Wie und warum macht man als Asthmatiker/COPDler diese regelmäßigen Messungen und wie interpretiert man sie. Auch nichts Neues für mich.
  • Asthma-Fragestunde – Die Möglichkeit den ärztlichen Direktor mal auszufragen. Habe ich genutzt, um ein paar allgemeine Fragen in Richtung Zukunft zu stellen. Mich interessiert ja vor allem, ob ich bis zu meinem Tod die Medikamente weiter nehmen muss, oder ob es da Forschungen in die Richtung gibt Asthma dauerhaft zu heilen. Die Antworten fielen aber leider eher mager aus.
  • Sport – Vorstellung des Sportkonzepts in der Klinik sowie dem optimalen Trainingsablauf (Trainieren nach Trainingspuls und im mittleren Bereich). War zumindest amüsant gestaltet.
  • Richtig abnehmen – Lief das letzte Mal unter dem Begriff „Gewichtsreduktion” und auch die inhaltlichen Ansätze haben sich im Vergleich etwas zum positiven geändert. Kann ja nun besser mitreden, aufgrund meiner eigenen Ernährungsumstellung. Aber sind immer noch so einige Sachen dabei, wo ich eher kritisch sehe (Stichwort „DGE-Empfehlung“) bzw. Fragen, wo ich nur mit großen Augen angeschaut wurde. War aber trotzdem wieder interessant und hat sicherlich dem ein oder anderen die Augen geöffnet.
  • Medikamentöse Therapie – Welche Medikamente gibt es gegen Asthma und COPD, welche Wirkstoffe sind drin und was machen sie. Sehr informativ, da ich mich damit tatsächlich noch nie so richtig beschäftigt hatte.
  • Das beste Café auf der Insel!

    Das beste Café auf der Insel!

    Stress – Lustigerweise hatte ich vor der Reha einen Bildungsurlaub mit dem Titel „Gesundheit ganzheitlich fördern“ und da ging es auch an einem Tag um das Thema Stress. Entsprechend waren mir ein paar Dinge schon bekannt. Aber in den paar Terminen (war eine Seminar-Reihe) fanden sich durchaus ein paar neue Denkanstöße, die mir im Kopf geblieben sind und die ich auch versuchen will umzusetzen.

  • Von der Reha in den Alltag – Hier ging es darum sicherzustellen, dass die guten Vorsätze aus der Reha tatsächlich eingehalten und umgesetzt werden. Statistisch ist es wohl normalerweise nach 6-8 Wochen vorbei. War gut gemacht von der Dame (viel Gruppenarbeit) und interessant.
  • Konflikte am Arbeitsplatz – Das war eine extrem chaotische Angelegenheit von der ich außer einem dicken Handout gar nichts mitgenommen habe. Der Vortragende war extrem hibbelig, verwirrt und hatte irgendwie kein richtiges Ziel vor Augen. Schade, da das Thema durchaus wichtig für mich gewesen wäre.
  • Informationen zum Schwerbehindertenrecht – Betrifft mich zum Glück nicht, auch wenn ich theoretisch einen Grad der Behinderung für mein Asthma bekommen könnte – wenn nicht meine Lungenfunktion mittlerweile so extrem gut wäre. Trotzdem interessant mal zu erfahren wie das so abläuft.
  • Funktion der Atemorgane – Theoretisch alles Zeugs, was man aus dem Biologieunterricht kennen sollte aber da hatte ich immer gerade so eine vier. Deswegen ganz interessant mal wieder zu hören wie die Lunge aufgebaut ist und was bei meiner Krankheit da unten passiert. Vor allem habe ich endlich gelernt was zum Geier überhaupt COPD ist („Raucherlunge“). Und schon das allein war es wert :smile: .

Dieses Mal nicht gemacht

  • Auch auf der Insel gibt es Regenbögen

    Auch auf der Insel gibt es Regenbögen

    Schwimmen – Mir reicht einmal Wasser am Tag und da vor bzw. nach dem Aqua Jogging auch immer noch Zeit zum freien Schwimmen ist, musste ich nicht noch zusätzlich gehen.

  • Badminton – Waren schlicht keine Mitspieler da (zumindest habe ich keine gefunden).
  • Bogenschießen – War mir das Wetter zu unbeständig für.
  • Frühsport – Ich hatte dieses Mal die Einstellung „Man muss es nicht übertreiben“, dazu gehörte sich diese Gymnastikeinlage zu sparen.
  • Rückenschule – Hatte eigentlich erwartet, dass es wieder so etwas in der Art geben würde aber hatte nichts im Therapieplan drin und auch der Arzt hat nichts Dahingehendes erwähnt. Schade. Rückengerechtes Aufstehen praktiziere ich seit damals auf jeden Fall.
  • Yoga – Wie gesagt: Bäume gibt es im Wald genug, ich muss nicht noch einer sein…

War wie ihr sehen könnt war es wieder ein stattliches Programm aber wie erwähnt aus meiner Sicht definitiv viel weniger Bewegung (so interessant die meisten Vorträge und Seminare auch waren). Vielleicht habe ich da irgendetwas bei der Aufnahme falsch gemacht aber da wünsche ich mir bei einem eventuellen nächsten Mal eindeutig Besserung bzw. ich werde es explizit einfordern. Wurde immerhin nicht zusammengestaucht, dass ich zu viel machen würde :smile: .

Abseits dieses Programms war ich ansonsten viel laufen und habe mir außerdem bei der Kosmetikerin sowohl eine Fußpflege als auch eine Ganzkörpermassage (ohne Happy End :wink: ) gegönnt. Hatte ich beides noch nie und obwohl es ganz schön war, werde ich es sicherlich nicht regelmäßig daheim fortsetzen. Aber ich wollte es schon immer mal ausprobieren und hier hatte ich nun die Zeit und Gelegenheit dazu.

Das Personal

Der einzige Aufenthaltsraum inklusive Bibliothek

Der Hauptaufenthaltsraum inklusive Bibliothek

Beim Personal hat es in Sachen Ärzten eine massive Änderung gegeben. Wurde ich beim letzten Mal vom ärztlichen Direktor höchstpersönlich aufgenommen und hatte bei den Visiten mit den Chefärzten zu tun, gibt es nun die Stationsärzte. Die sind aus meiner Sicht durchaus arm dran aber das macht es für mich als Patient nicht viel besser. Sie sind fast durchweg ausländischer Abstammung und haben entsprechend so ihre Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Das ist bei einem Arzt eindeutig mehr als suboptimal. Meine Befunde von Zuhause wurden nicht weiter beachtet, ein tiefergehendes Gespräch vor allem über die Hintergründe („Warum ist hier meine Luft plötzlich so viel besser?“) war nicht möglich und auch sonst die Sache sehr anstrengend. Der Kollege kann ja die fachliche Expertise haben – das will ich ihm nicht absprechen und er war auch lieb und nett. Aber wenn man es nicht rüber bekommt, dann ist das ein massives Problem und ich fühle mich allein gelassen. War auch nicht der einzige, der sich darüber beklagte.

Ansonsten war das Personal durch die Bank wieder okay. Vor allem die Kurse mit den ganz jungen Physiotherapeuten, die noch Energie und vor allem Spaß an der Sache haben, waren immer ein Highlight. Anstrengend aber genial. Mit dem Speisesaalpersonal hatte ich erneut nicht viel zu tun, die Damen auf dem Stationszimmer waren nett und hilfreich und auch am Empfang fand ich ein offenes Ohr für meine Sorgen und Nöte. Überraschenderweise hat auch das mit dem Namenswechsel (hatte die Reha ja vor der Heirat beantragt) ganz gut funktioniert und zu weniger Verwirrung geführt als erwartet. Wie ich schon vor vier Jahren schrieb: Ich fühlte mich insgesamt gut aufgehoben.

Fazit

Für mich war die Reha dieses Mal nicht ganz so effektiv wie beim letzten Mal, auch wenn überraschenderweise meine Peak-Flow-Werte sich verdoppelt haben. Da muss ich daheim mal mit meiner Lungenärztin schauen was wir da machen können, um das beizubehalten. Das lag freilich nicht an der Klinik – die ist aus meiner Sicht immer noch eine Empfehlung (und Föhr an sich auch) für Asthmakranke oder gynäkologische Patienten. Da ich aber in den letzten vier Jahren mich massiv verändert habe (Ernährung, sportliche Betätigung, etc.) halten sich die Auswirkungen nun in Grenzen (keine 2kg reines Fett verloren zum Beispiel). Erschwerend kamen die seelischen Belastungen dazu, die mich auch hier nicht so richtig losgelassen haben und entsprechend mir die Erholung verdorben haben.

Das Amrumzimmer - Gute Aussicht, bester Handyempfang

Das Amrumzimmer – Gute Aussicht, bester Handyempfang

Dennoch: Ich hatte immer noch sehr viel mehr Bewegung hier als Zuhause (habe massig Punkte in meiner Fitnessapp gesammelt und liege aktuell sogar vor Lysanda!). Aus den Vorträgen und Seminaren habe ich einiges mitgenommen und Abstand von der Arbeit zu gewinnen ist sowieso nicht das Schlechteste. Auch das Kennenlernen neuer Gesichter ist eine nette Sache für mich als total introvertierten Typen. Ja, ich habe meinen Vorsatz eingehalten und war in der Hinsicht wesentlich aktiver! Völlig überraschend (für mich zumindest) hat das ganz gut funktioniert, keiner hat mich aufgefressen und es war angenehm sich unterhalten zu können. Hoffentlich kann ich diese Erkenntnis auch in den Alltag retten. Letztes Mal war ich die vier Wochen ja fast komplett alleine, dieses Mal hab ich vor allem viel im Aufenthaltsraum mit anderen gepuzzelt :smile: .

Nochmal werde ich aber nicht nach Utersum kommen. Das nächste Mal (sollte es stattfinden) möchte ich stattdessen mal die Kliniken auf Borkum oder Norderney kennenlernen. Ein bisschen Abwechlsung muss sein.

Epilog

Und damit wäre auf acht DINA4-Seiten reinem Text (dank der Bilder sind es noch mehr) aus meiner Sicht alles gesagt, was es zu meinem Reha-Aufenthalt (Kur darf man nicht mehr sagen) aus meiner Sicht zu sagen gibt. Fragen, Anregungen, Lob und Kritik wie immer einfach in die Kommentare packen. Ein paar meiner Mitpatienten habe ich auch die URL hierher mitgegeben. Vielleicht äußern sie sich auch noch einmal zu den genannten Punkten, wenn ihre Sicht der Dinge von meiner abweicht.