Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #14

Hier standen mal ganz viele Umzugskartons

Gut ein Jahr ist es nun her, dass wir endlich die Schlüssel für unsere Hütte in die Hand gedrückt bekamen und mit dem Renovieren anfingen. Ja, ich weiß: Wir sind schon wieder alle ein Jahr älter geworden. Echt schlimm und so. Darum geht es mir aber heute (ausnahmsweise) nicht. Und auch der Flur ist seit dem letzten Update nicht fertig geworden (aber dafür tapetenloser!). Gab halt einfach wichtigere Sachen zu erledigen :smile: . Immerhin ist der Keller leerer und aufgeräumter (ebenfalls noch nicht komplett).

Ist allerdings egal, wichtig ist ja nur, ob wir uns zum einen eingelebt haben und zum anderen selbst ein Jahr später noch nicht den Kauf bereuen und die Antwort auf beide Fragen ist: Ja, wir haben uns eingelebt und fühlen uns hier wohl und möchten das Haus definitiv nicht mehr so schnell hergeben – mal abgesehen davon, dass man es aufgrund des Geldwäschegesetztes sowieso erst nach zwei Jahren wieder verkaufen darf. Im Nachhinein betrachtet war es also ganz gut, dass wir das andere Haus im Dorf nicht bekommen hatten – das wäre im Vergleich die schlechtere Wahl gewesen.

Heute will ich nun die Gelegenheit nutzen, euch ein wenig darüber aufzuklären was uns die ganze Sache eigentlich zusätzlich zum Kaufpreis gekostet hat. Natürlich nur ganz grob. Die genauen Zahlen gehen schließlich außer dem Finanzamt niemanden was an.

Kaufnebenkosten

Über die Kaufnebenkosten hatte ich ja bereits ein wenig philosophiert. Man kann diesen dicken Batzen Geld aber nicht oft genug betonen. Wer sich von denen überraschen lässt, hat schnell nicht nur ein kleines, sondern ein ganz großes Problem. Wobei die meisten Makler vermutlich schon sehr genau darauf achten, ob ihr die Kohle dafür auch tatsächlich habt. Die Banken sowieso wenn es um den Kredit geht. Ohne Nachweis darüber, dass wir diesen mittleren fünfstelligen Betrag bereits auf dem Konto hatten, ging schlicht nichts.

Das Schöne an den Kaufnebenkosten ist allerdings, dass ihr die euch im Vorfeld ziemlich genau ausrechnen könnt. Der Gesetzgeber hat da nämlich einen relativ engen Rahmen abgesteckt, was die einzelnen Parteien euch noch abknöpfen können. Und diese drei Parteien sind der Makler (spart ihr euch natürlich, wenn ihr direkt von Privat kauft) mit 5,95% vom Kaufbetrag, das Finanzamt mit 6% (Grunderwerbssteuer) und der Notar mit normalerweise 1,5%-2% (wir lagen bei 1,7%). Im Notarwert sind bereits die Gelder inbegriffen, die ihr der Stadt zahlt für Tätigkeiten wie den Grundbucheintrag (bei uns circa 0,6% für Vormerkung, Eintragung Grundpfandrecht und den eigentlichen Grundbucheintrag am Ende). Sprich, selbst wenn ihr das Haus vollständig über einen Kredit kauft, müsst ihr immer noch mindestens einen Betrag in Höhe von 15% des Kaufbetrags auf der hohen Kante haben, um zum einen überhaupt zum Zug zu kommen und zum anderen nicht auch noch dafür einen Kredit aufnehmen zu müssen.

Handwerker

Kleiner Auszug aus der Tabelle

Mit Hauskauf und den dazugehörigen Kaufnebenkosten ist es aber logischerweise meistens nicht getan. Und das gilt sowohl für den Neubau (eine Küche ist bspw. bei den meisten Reihenhäusern nicht inklusive) als auch den Altbau. Speziell bei letzterem stehen mitunter noch so einige Arbeiten an, bevor es wirklich wohnlich ist. Jetzt hängt es zum Teil vom Geldbeutel und den eigenen Fähigkeiten ab und zum Teil von gesetzlichen Vorgaben, wie ihr mit dieser Situation dann umgeht. Wir haben zwar sehr viel selbst gemacht aber auch wir haben unsere Limits (Expertise, Zeit und natürlich Rechtlich). Also mussten Handwerker her, die zwar wie immer mehr gefunden (und damit mehr gekostet) haben als gedacht. Wir können uns aber nun (hoffentlich?) sicher sein, dass es richtig gemacht wurde und es an den Ecken keine Probleme gibt. Vor allem beim Strom ist eine Abnahme nach VDE gesetzlich vorgeschrieben. Es ist aber ein gutes Gefühl zu wissen, dass nun erst einmal alles passt und nichts anbrennen kann bzw. wenn doch, dass man fünf Jahre Gewährleistung hat.

Entsprechend hatten wir zuallerst mal die Elektriker da. Zwei Mann (Meister mit Azubi) für neun Tage, die das gesamte Haus auf den Kopf gestellt haben. Sprich jedes Kabel, jeden Schalter, jede Steckdose geprüft und den neuen Stromkasten aufgebaut (es hing bislang noch das Original von 1966 im Keller) plus die paar Sonderwünsche von uns erfüllt. Es war richtig, richtig gut, dass wir mit dem Verputzen noch nicht großartig angefangen hatten. So war es kein Problem, dass auf der Kabelsuche oder beim Wünsche erfüllen auch mal ein Schlitz notwendig war. Andersherum hätten wir wohl ein massives Problem gehabt. Kostenpunkt am Ende der 1 1/2 Wochen? Gut 8.000 Euro (inkl. Material). Da haben auch wir etwas überrascht geschaut :smile: .

Dann hatten wir das Thema der Natursteindusche, die nicht nur total versifft, sondern auch nicht abgedichtet war. Also mussten Fliesenleger und Sanitär her. Letzterer hat zusätzlich noch Unzulänglichkeiten beim Abwassersystem (Minusgefälle) und der Wasserzuleitung (verdreckter Filter, viel zu kleine Rohre, etc.) entdeckt. Das Abwasser haben wir allerdings anschließend selbst neu verlegt sowie einen Teil des Abrisses der Dusche selbstständig erledigt (kaputt machen ist schließlich einfach). Es fielen nur rund 400 Euro für einen Rohrreinigungsnotdienst an (ungefähr die Hälfte für das Lösen der Verstopfung, der Rest für die Kamerafahrt zum guggen wo das Problem lag), weil wir ein Rohrstück ausgelassen hatten beim neu machen.

An der Dusche haben Fliesenleger und Sanitär im Tandem gearbeitet (wegen der Anschlüsse und Armaturen) und allein das Verlegen der Bruchsteinfliesen dauerte gut 11 Stunden. Am Ende kamen wir so auf gut 4.400 Euro für den Fliesenleger und 3.800 Euro für den Sanitär (beides wieder inkl. Material). Also alles in allem stattliche 17.000 Euro, die trotz Eigenanteil alleine für die Handwerker noch einmal oben draufkamen.

Material

Unser (temporärer) Lagerplatz

„Eigenanteil“ ist natürlich ein gutes Stichwort, denn wie gesagt haben wir sehr viel selbst gemacht (und machen immer noch). Vom Tapete runtermachen über Verputzen, Laminat verlegen bis hin zum Streichen und ein paar Fliesen verlegen. War selbstverständlich eine massive Lernerfahrung (da weiß man erst YouTube und die ganzen DIY-Seiten im Netz zu schätzen!) und mag hier und da nicht so perfekt sein, wie es ein Handwerker gemacht hat. Aber es spart selbstverständlich gut Geld – zumindest wenn man nicht seine eigene Zeit in die Waage legt :smile: . Kostenlos ist es aber selbstverständlich nicht. Wir waren von Dezember bis Juni jeden Monat mehrfach in diversen Baumärkten (4x Bauhaus, 10x Hornbach, 29x Toom [liegt um die Ecke] – um genau zu sein) unterwegs (plus ein wenig Amazon, eBay und andere Onlineshops), um all die Sachen beizuschaffen, die man so braucht. Damit sind sowohl die Werkzeuge (Pinsel, Mörteleimer, etc,) als auch die Verbrauchsmittel (Farbe, Putz, etc.) und Bauteile (Korklaminat, Armaturen, etc.) gemeint. Plus noch hier und da Unterstützung von daheim.

Gut 5.000 Euro kamen da noch einmal zusammen obwohl es erst einmal nach gar nicht so viel aussieht. Selten lag an der Baumarktkasse ein Betrag über 100 Euro (5x bei den 43 Baumarktbesuchen). Aber wie heißt es so schön? Auch Kleinvieh macht Mist. Die Gefahr dabei, wenn man keine so detaillierte Buchführung macht wie wir (ich liebe Tabellen!): Man kann ganz schön schnell aus den Augen verlieren was man so ausgibt und wundert sich dann vielleicht, warum nichts mehr am Ende des Monats übrig ist. Und: Es mögen „nur“ 5.000 Euro gewesen sein. Aber dann sind wir mit den Handwerkern und den Kaufnebenkosten schon bei einem hohen fünfstelligen Eurobetrag, der zusätzlich zum Hauspreis anfällt und den man erst einmal haben muss. Wer zusätzlich zum Hauskredit also auch noch einen Renovierungskredit braucht, der sollte sich vermutlich die Sache noch einmal sehr, sehr genau überlegen (machen die Banken auch entsprechend ungern).

Laufende Kosten

Makler & Co. sind bezahlt, die Handwerker aus dem Haus und die Renovierung abgeschlossen – endlich hat das Geldausgeben ein Ende! Nie wieder irgendwelchen Fremden regelmäßig Kohle für nichts und wieder nichts in den Rachen werfen – also außer der Bank bis der Kredit abbezahlt ist! Tja, schön wär’s. Auch beim Haus habt ihr ein paar laufende Kosten:

  • Strom – Braucht jeder und bezahlt ihr auch als Mieter meistens selbst. Wir liegen mit unserer Hütte dieses Jahr mit circa 2.400kWh genau auf dem Wert, den die meisten Stromanbieter für einen Zwei-Personen-Haushalt annehmen. Macht um die 60-70 Euro pro Monat je nach Anbieter.
  • Internet – Ohne Festnetztelefon geht es vielleicht noch (hat ja jeder ein Smartphone) aber Internet (VVDSL 100 versteht sich) muss schon sein. Unseren Preis erwähne ich als Mitarbeiter selbstverständlich nicht :smile: .
  • Rundfunkbeitrag – Das einzige was ich zu diesem Thema sage ist, dass ich nicht grundsätzlich gegen diesen Beitrag bin. Ich bin nur nicht damit einverstanden was damit teilweise alles finanziert wird. 17,50 Euro pro Monat werden hier fällig.
  • Schornsteinfeger – Kann jetzt nur als Besitzer einer Ölheizung sprechen aber die muss zwingend regelmäßig überprüft werden (wie stark verschmutzt sie die Umwelt) und auch der Schornstein selbst benötigt ab und an mal eine Reinigung, damit was durchgeht. Kosten sind logischerweise abhängig vom Umfang der Arbeiten.
  • Heizungswartung – Ich kenne mich mit Öl- und Solarheizungen nur bedingt aus, also muss ab und zu ein Fachmann her. Auch hier sind die Kosten nicht fest.
  • Öltanküberprüfung/-reinigung – Ersteres ist Pflicht und wird vom TÜV gemacht (quasi um zu verhindern, dass ihr einen maroden Tank habt und damit eine Umweltgefährdung seid) und zweiteres macht alle paar Jahre durchaus Sinn (tut der Umwelt und der Heizung gut). Preislich wieder je nach Anbieter unterschiedlich.
  • So muss das aussehen!

    Heizöl – Wer mit Öl heizt, braucht Öl, um damit zu heizen. Entsprechend genau habe ich dieses Jahr die Nachrichten verfolgt, um so einige Euro zu sparen – auch wenn ich trotzdem den Tiefpunkt im August verpasst habe. Meine Informationsquelle heißt Tecson.

  • Wasser-/Abwassergebühr – Wasser ist ganz schön billig im Vergleich zum Strom (um die 20 Euro pro Monat). Da versteht man eigentlich gar nicht, warum immer so viel zum Sparen aufgefordert wird (zumal das sehr schlecht für die öffentlichen Rohrnetzte ist).
  • Niederschlagswassergebühr – Da euer Haus auf seiner Fläche dem Regen den freien Zugang zur Erde verweigert, muss das Regenwasser über die Abwasserkanäle abgeführt werden. Das steckt hinter dieser Abgabe, die entsprechend von der Größe der befestigten und wasserundurchlässigen Fläche eures Grundstücks abhängig ist.
  • Müllgebühren – Wir müssen tatsächlich nur die Restmülltonne bezahlen (und die auch nur pauschal und nicht nach Gewicht). Aber ich bezahle gerne dafür, dass ich meinen Dreck nur vor die Haustür bringen muss und er dann regelmäßig von netten Männern in bunter Kleidung abgeholt wird. Über die Höhe entscheidet vermutlich die Stadt selbst.
  • Grundsteuer – Ihr dachtet, es wäre mit der Grunderwerbssteuer getan? Pah! Das Finanzamt möchte schon regelmäßig an euch verdienen. Wie die sie sich errechnet erklärt zum Beispiel Wikipedia.
  • Wohngebäudeversicherung – Ist technisch gesehen in Deutschland nicht mehr Pflicht aber eine Feuerversicherung ist verpflichtend und die ist da schon enthalten. Außerdem sind noch weitere Risiken wie Sturm oder Leitungswasserschäden abgedeckt und das ist aus meiner Sicht nie verkehrt. Der Keller ist schnell mal vollgelaufen und dann kostet es richtig Geld. Die Kosten hängen natürlich von den Leistungen ab.
  • Hausratversicherung – Keine Pflicht aber die Wohngebäudeversicherung deckt nur das Haus ab und nicht, was sich darin befindet. Und wenn man wie ich allein fünf Regale mit Spielen und Filmen voll hat, dann möchte man da schon etwas Kohle sehen, wenn es jemand klaut oder es irgendwie kaputt geht :smile: . Auch hier hängen die Kosten von der Leistung ab. Am sinnvollsten ist es aber wohl – zumindest wenn ihr nicht die extrem teuren Einzelstücke habt – auf die Quadratmeter Wohnfläche zu gehen statt auf den tatsächlichen Wert im Haus.
  • Privathaftplichtversicherung/Haus- und Grundstückshaftpflichtversicherung – Auch wieder kein Muss aber mit einem eigenen Grundstück kommen noch zusätzliche Pflichten wie zum Beispiel die Räumpflicht dazu. Fällt doch mal einer vor eurem Haus auf die Nase, ist es entsprechend ganz nützlich versichert zu sein. Oder wenn ein Ziegel sich im Sturm löst und den Nachbarshund erschlägt. Kann man sonst kaum bezahlen so hoch wie die Kosten für einen Personenschaden sind. Preis hängt logischerweise auch hier von der Versicherung und der Leistung ab.

Das alles zusammen ist noch einmal ein ordentlicher, vierstelliger Betrag pro Jahr selbst ohne die Heizkosten zu berücksichtigen (5000l Heizöl sind nicht billig). Da noch die monatlichen Tilgungszahlungen für den Kredit oben drauf und man kommt mitunter auch an seine Grenzen, wenn man sich verkalkuliert hat oder unvorhergesehenes Eintritt (Scheidung, Arbeitslosigkeit, Auto und dergleichen). Und man muss sich auch noch um den ganzen Mist selbst kümmern anstatt einfach nur dem Vermieter ein paar Kröten zu überweisen und zu sagen „Hier mach‘ du!“. Hab‘ ich schon erwähnt, dass man nicht einfach mit „Ach, ich kauf‘ mir jetzt einfach mal ein Haus!“ an die Thematik rangehen sollte? :smile:

Fazit

Und damit seid ihr jetzt wieder ein gutes Stück schlauer und besser vorbereitet, solltet ihr mit einem Eigenheim liebäugeln. Kann natürlich am Ende des Tages nur von uns sprechen – vor allem bei einem Neubau sieht die Situation sicherlich noch einmal ganz anders aus. Aber als erste Orientierung hilft es garantiert schon einmal weiter. Uns hat die ganze Sache zwar etwas an die Grenzen gebracht hier und da, denn vor allem Handwerkerkosten lassen sich doch irgendwie schwer einschätzen, entsprechend wäre ein Schicksalsschlag sehr ungünstig gewesen Anfang des Jahres. Aber am Ende des Tages wurden alle Rechnungen  pünktlich bezahlt, kein Konto war im Minus und die Vorräte werden seitdem wieder stetig aufgebaut. Und so muss es sein.

Solltet ihr noch zusätzliche Fragen haben, dann einfach in die Kommentare packen. Ansonsten wünsche ich einen angenehmen Feiertag und wir lesen uns am Montag wieder.

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