Race Driver: GRID

 

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Die kurze Fassung: Das Rennspiel des Jahres 2008! Die lange Fassung: Obwohl ich letztes Jahr Colin McRae: DiRT zum Rennspiel des Jahres gewählt habe, gab es doch einige Punkte an diesem Titel, die mir nicht wirklich gefallen hatten. Darunter fiel besonders die thematisch bedingt äußerst braune Grafik mit ihrem unendlichen Hardwarehunger. Aber auch generell ist Offroad nicht unbedingt mein liebstes Ding. Jetzt steht jedoch nicht nur ein leistungsstärkerer PC in meinem Zimmer, sondern GRID merzt auch meine wenigen Kritikpunkte an DiRT aus und legt die Messlatte für zukünftige Rennspiele wieder einmal höher.

Zwei Dinge fallen einem dabei sofort besonders ins Auge: Zum einen ist dort die absolut geniale Grafik. Zwar wird das Spiel immer noch von der DiRT-Engine betrieben aber da sich nun alles auf Rennstrecken, in Städten oder an Berghängen abspielt, ist wesentlich mehr Abwechslung und Farbe geboten. Da kommen die hochauflösenden Texturen, die Partikel- und Lichteffekte und besonders die detaillierten Auto- und Fahrermodelle wesentlich besser zur Geltung - einen entsprechenden PC vorausgesetzt. Aber bei all der Schönheit gibt es dennoch zwei Dinge, die nicht unbedingt sein müssten. Während es weniger stört, dass die 3D-Zuschauer doch sehr niedrig aufgelöst sind, fällt es sehr unangenehm auf, dass die Darstellung in den Rückspiegeln schlechter aussieht als in einem beliebigen Rennspiel vor fünf Jahren. Hier gibt es auch keinerlei Einstellungsmöglichkeiten um die Qualität zu verbessern was die Rückspiegel nicht nur hässlich sondern auch absolut sinnlos macht und den Spieler dazu zwingt den umständlichen und gefährlichen Weg über die "Zurückschauen"-Taste zu gehen.

Das ist aber tatsächlich Gemecker auf hohem Niveau, denn besonders die Cockpitperspektive mit ihren detailgetreuen und voll funktionsfähigen Anzeigen ist ein richtiger Augenschmaus. Wenn sich dann noch während des Rennens die Windschutzscheibe immer dreckiger wird oder das detaillierte Schadensmodell diese zerreißt sind die hässlichen Rückspiegel schon wieder vergessen.

Die zweite Sache sind die stylishen Menüs, Ladebildschirme und Einleitungssequenzen. Zwar bot bereits DiRT schicke 3D-Menüs und Statistikanzeigen während der Ladebildschirme, aber es war dennoch eine eher schlichte Weiß/Rote-Angelegenheit als ein optische ansprechendes Meisterwerk. GRID geht nun den logischen nächsten Schritt und verpackt alles in eigene Level. So ist das Menü auf die Garage aufgesetzt und fährt nach einer Auswahl mit einer ansprechenden Kamerafahrt in die jeweilige Ecke der Garage. Sogar die Rennauswahl ist nicht mehr eine langweilige 2D-Pyramide, sondern besteht aus mehreren 3D-Kisten die in der Luft schweben. Auch in den Ladebildschirmen sehen die voll ausgeleuchteten 3D-Buchstaben so gut aus, dass die kurzen Ladezeiten schon fast schade sind. Das Beste sind aber definitiv die Einleitungssequenzen in denen in Spielgrafik ein Trackingshot durch 3D-Buchstaben und die Autoreihen der Startaufstellung fährt und dabei die Ziele des nächsten Rennens anschaulich und einfach „cool" präsentiert. Auch die sehr gute Sprachausgabe kommt hier besonders zum tragen.

Aber nicht nur der visuelle Aspekt des Spiels weiß zu begeistern, auch spielerisch hat der Titel einiges zu bieten. Besonders die Abwechslung ist, wie schon in DiRT, wieder groß geschrieben. Destruction Derbies, Drift-Rennen, normale Rennen und noch vieles mehr warten auf den Spieler. Dazu dutzende verschiedene Autoklassen von langweiligen Tuningcars ,mit denen man durch die Straßen von Japan fährt, über dicke amerikanische Muscle Cars und Edelkarossen wie eine Dodge Viper, die der Spieler unter anderem für Bergrennen braucht, bis hin zu Formel 3000-Autos mit denen über den Nürburgring gedonnert wird und man die Wartezeit auf Codemasters Formel 1-Titel verkürzt. Dabei steuert sich jede Wagenklasse selbstverständlich vollkommen unterschiedlich und je nach Einstellung wirklich realistisch. Da kommt dank des Lenkrads und der fast perfekten Kopfkamera ein sehr gutes Mittendringefühl auf.

Codemasters hat sich jedoch nur auf die Rennen konzentriert weshalb das Drumherum für manche etwas zu kurz kommt. Neben der nicht vorhandenen Möglichkeit irgendeine Schraube an den Fahrzeugen zu verändern, fallen besonders die eingeschränkten Bemalungsmöglichkeiten für die eigenen Autos negativ auf. Statt freier Gestaltungsmöglichkeiten gibt es nur eine etwas größere Auswahl an vorgefertigten Designs und Farben. Dass diese dann auch noch für alle Autos gelten und der Spieler nicht für jede Wagenklasse etwas anderes festlegen kann, verschlimmert die Sache.

Abschließend ist noch ein besonderes, innovatives Feature des Spiels erwähnenswert und zwar die Flashbacks. Wie mit dem Sand der Zeit in der Prince of Persia-Serie, ist es nun möglich die Zeit ein wenig zurückzudrehen. Wer also doof in eine Kurve gefahren ist oder gerade die Wand geküsst hat, darf 5-10 Sekunden zurückspulen und es noch einmal versuchen. Aber keine Angst, die Anzahl der verfügbaren Flashbacks ist vom Realismusgrad abhängig und selbst auf der leichtesten Stufe kann man nicht andauernd ungestört ins Kiesbett fahren. Das Spiel belohnt einen auch dafür, wenn man es sich schwerer macht und den Schwierigkeitsgrad zum Beispiel durch das Deaktivieren von Fahrhilfen erhöht. Es ist aber äußerst angenehm nicht bei jedem kleinen Fahrfehler gleich das ganze Rennen neu starten zu müssen.

Alles in allem führt also absolut kein Weg an GRID vorbei. Wer ein Lenkrad oder zumindest ein Gamepad und einen halbwegs leistungsstarken PC sein eigenen nennt muss bei diesem Titel einfach zuschlagen, da gibt es kein "wenn" und kein "aber". Freunde von zünftigen Mehrspielerduellen sollten sich jedoch noch etwas zurückhalten, da dieser derzeit quasi unspielbar ist und von Lags und anderen Bugs geplagt wird.[CH]

(Veröffentlicht am 02.06.2008)