Spore

 

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Nun ist also das neuste Werk von Will Wright im Handel erhältlich und nach der jahrelang aufgebauten Euphorie, erfolgt an allen Ecken und Enden nun die totale Ernüchterung: Spore ist kein Gott geworden - Spore ist nur ein Spiel. Ja, die Wertungen der deutschen Magazine im hohen 70er Bereich sind gerechtfertig. Die Aussage "Spore ist flach und nervig" fasst die Gründe dafür bereits gut zusammen. Aber wie die Entwickler jede Evolutionsphase im Spiel für sich betrachtet haben, schauen wir uns auch einmal die fünf Phasen getrennt an:

Klein aber oho!

Alles beginnt in der Zellphase, nachdem man sich dafür entschieden hat ob man einen Vegetarier oder einen Fleischfresser spielen möchte. Diese Entscheidung ist hier jedoch noch nicht in Stein gemeißelt. Je nachdem wie man sich während der Phase verhält bzw. umbaut, kann aus einem zum Beispiel auch zu einem Allesfresser werden. Die Zellphase ist dabei die kürzeste und übersichtlichste Phase des Spiels.

In einer Draufsicht steuert man seinen kleinen Einzeller durch die Ursuppe, frisst vor sich hin und verteidigt sich gegen andere, meist größere Einzeller. Nicht besonders kompliziert, aber durchaus spaßig. Besonders nett ist, dass im Hintergrund bereits die nächste Stufe immer sichtbar ist. Hat man genug Nahrung zu sich genommen, wird die Figur größer und kommt so stufenweise dem Landgang immer näher. Wird die Kreatur also von irgendeinem Vieh besonders belästigt, kann man sich dann auch an ihr Rächen, denn es wird kein neues Level oder so geladen, sondern die Kamera zoomt einfach ein Stück zusammen mit der Kreatur heraus. Ein wirklich cooler Effekt. Da ist es fast schade, dass die Sache nach allerspätestens 30 Minuten erledigt ist. Wer es in acht Minuten schafft, der erhält sogar ein Achievement.

Nach einem kurzen Überblick mit Hilfe einer Zeitleiste über die Errungenschaften in der vorherigen Phase, geht es nun ab in den Kreatureneditor um aus dem Einzeller eine echte Kreatur zu machen und in die Kreaturenphase einzutreten.

Friss oder stirb!

Hier gilt es DNA Punkte zu verdienen und zusätzliche Teile für den Editor zu finden. Dieser entspricht nun dem, was man bereits aus dem Spore Labor kennt. Nur hat die Auswahl der Teile nun tatsächlichen Einfluss auf das Spielgeschehen. So gibt ein Teil zum Beispiel nur die Fähigkeit "Singen Stufe 3", während ein anderes "Singen Stufe 2 und Leben Stufe 1" gibt.

Das ist insofern wichtig, da das Ziel dieser Phase ist, eine bestimmte Anzahl an anderen Rassen entweder auf seine Seite zu ziehen oder auszurotten (je nach Spielweise). Während das Ausrotten logischerweise durch Kämpfe geschieht, bei denen es gut ist möglichst hochstufige Attacken einzusetzen, muss beim Anfreunden der Gegenüber nachgeahmt werden. Wenn dieser dann anfängt loszutanzen, und die eigene Kreatur kann dies nicht, wird das eben nichts mit dem Freunde werden. Auch wenn die eigene Kreatur nur "Tanzen Stufe 1" kann, der Gegenüber aber mit "Tanzen Stufe 5" losrockt, geht die Sache schief, denn der Freundebalken füllt sich damit nicht schnell genug.

Wurde mit der Rasse dann eine Allianz geschlossen, darf man auch bis zu drei von ihnen (oder bunt gemischt) als Begleiter mitnehmen. Diese helfen dann nicht nur im Kampf, sondern verstärken auch die Wirkung der einzelnen Aktionen, was es ergo einfacher macht andere Rassen auf seine Seite zu ziehen.

Leider ist dies eben alles, was man in dieser Phase macht. Mit dem Blick auf den Rücken der eigenen Kreatur, stapft man ziellos durch die Gegend, sucht nach zusätzlichen Teilen, wird von aggressiven Völkern und epischen Kreaturen getötet, frisst um nicht zu verhungern und führt immer und immer wieder dieses blöde Freundschaftsminispiel aus bis man endlich soweit ist und ein letztes Mal seine Kreatur anpasst bevor sie ab der nächsten Phase anatomisch nicht mehr verändert werden darf: die Stammesphase.

Wilde Tiere stehlen deine Nahrung!

Nun verändert sich der Titel in ein Strategiespiel. Auch die Steuerung wird dementsprechend. Statt einer Kreatur, gibt der Spieler hier bis zu neun Stück Befehle und baut auch eine kleine Basis aus. Das Ziel ist jedoch immer noch das gleiche wie in der Kreaturenphase und ändert sich auch bis zum Spielende im Prinzip nicht mehr: Überzeuge oder vernichte die anderen Rassen.

Dazu rüstet man seine Mannen in der eigenen Basis mit verschiedenen Gerätschaften wie Steinäxten oder Blashörnern aus. Letztere werden auch wieder für das Freundschaftsminispiel gebraucht, welches einem zu diesem Zeitpunkt wirklich tierisch auf die Nerven geht. Durch das Überzeugen oder Vernichten der anderen, erhält man dann anstatt Kreaturenteilen, Zugang zu neuen Technologien und Kleidungsstücken. Anstatt also nun die Form seiner Männchen zu verändern, setzt der Spieler ihnen einfach einen Hut auf und verändert sie so. Ganz nett und da in dieser Phase die Klamotten auch noch Werte haben, auch nützlich, aber nicht einmal ansatzweise so cool wie der Kreatureneditor.

Besonders anspruchsvoll ist die Phase sowieso für halbwegs erfahrene Spieler nicht. Zwar wird das eigene Dorf ab und zu mal angegriffen, oder ein wildes Tier kommt um Nahrung zu stehlen, aber das Achievement "Schließe die Stammesphase innerhalb einer Stunde ab", ist hier schon fast übertrieben einfach zu erhalten. Und es ist auch wirklich gut so, dass man diese Phase schnell hinter sich bringen kann um endlich sein zukünftiges Rathaus im entsprechenden Editor zu bauen und in die Zivilizationsphase zu wechseln.

Diplomatie für Anfänger

Nun geht es darum den ganzen Planeten zu erobern. Basierend darauf, wie man bislang gespielt hat, beginnt man mit einer von drei Arten von Städten. Das wiederum bestimmt unter anderem welche Arten von Fahrzeugen dort gebaut werden können, also ob militärisch, wirtschaftlicher oder religiös. Und neben dem Gebäudeeditor, mit dem Häuser, Fabriken und Lusthöhlen fürs Volk gestaltet werden und dann in die eigenen Städte gesetzt werden können, gibt es damit eben auch Zugriff auf den umfangreichen Fahrzeugeditoren.

Der Spieler hat nun die Wahl die gegnerischen Städte aufzukaufen, was möglich ist sobald genug Handel mit ihnen getrieben wurde, sie dem Erdboden gleich zu machen oder sie so lange mit religiöser Gehirnwäsche zu beschallen, bis sie freiwillig wechseln. Natürlich können auch wieder Allianzen geschlossen werden. Befreundete Rassen greifen, gegen einen kleinen Geldbetrag, dann auch gerne andere Städte an. Geld gibt es entweder durch die eigene, arbeitende Bevölkerung oder durch das Sammeln von Gewürz, dass aus Geysiren, die überall auf der Landkarte verteilt sind, sprudelt.

Diese Phase spielt sich wie ein stark vereinfachtes Civilization und macht besonders durch die Editoren – man kann sogar eine Nationalhymne komponieren! - besonders viel Spaß. Aber auch der taktische Anspruch ist deutlich höher als in der Stammesphase, wenn auch für erfahrene Strategen immer noch viel zu einfach. Zwar ist das Grundprinzip immer noch das Gleiche, aber es gibt eben mehr zu tun ohne gleich richtig in Mikromanagement zu verfallen. Ein Problem, mit dem der letzte und längste Abschnitt des Spiels zu kämpfen hat: die Weltraumphase

In Space No One Can Hear You Scream

Ist der Planet erobert, wird ein Raumschiff gebaut. Aussehen und Teile spielen dabei überhaupt keine Rolle mehr. Hier geht es nur darum, dass es einem selbst gefällt. Einfluss auf den Spielverlauf haben nur wieder die Entscheidungen, die man bis dahin getroffen hat. Abhängig davon gibt es, wie auch schon in den vorherigen Phasen, wieder ein paar Boni, wie die Möglichkeit alle Gebäude auf einem Planeten zu zerstören, wenn man als Wissenschaftler in die Weltraumphase einsteigt.

Zu Tun gibt es hier sehr viel. Es gilt Planeten zu erforschen, bewohnbar zu machen, Missionen zu erfüllen, Geld zu verdienen, sich mit anderen Rassen verbünden oder sie auszurotten und ultimativ ins Zentrum der Galaxie vorzudringen, wo das Spielende wartet (auf Wunsch geht es dann endlos weiter). Das Problem an all dem ist, dass es keine Automatikfunktionen gibt.

So produzieren alle Kolonien, die der Spieler gegründet hat Spice. Aber statt dieses automatisch zu seinem Bestand hinzuzufügen, muss der Spieler mit seinem Raumschiff ins System zum jeweiligen Planeten fliegen und es persönlich abholen. Das nervt unwahrscheinlich. Auch die Missionen sind abwechslungsarm und sind meist "Flieg zu diesem Planeten und bring uns diese Spezies zurück" oder ähnliche Kurrieraufgaben. Besonders schlimm an den Missionen ist, dass man erst einmal Sternensystem nach Sternensystem absuchen darf, bis man herausgefunden hat wo man überhaupt hin soll. In der Missionsbeschreibung steht immer nur der Name des Planets, der des Sternensystems und die relativ kryptische Angabe "2 Parsec entfernt vom roten Stern". Schön – und wo zum Geier ist dieser rote Stern?

Sehr umständlich ist auch, dass nicht direkt ein entferntes Sternensystem als Reiseroute ausgewählt werden darf. Je nach Stärke des eigenen Antriebs und nach Lage des Systems im 3D-Universum darf man erst einmal per Hand von Sternensystem zu Sternensystem klicken. Automatisch und auf einer eigenen Route fliegt es nicht dorthin. Das ist besonders ärgerlich, wenn man in eine Sackgasse geflogen ist. Da die Planeten auch über und untereinander angeordnet sind, passiert es gerne mal, dass man einfach nicht auf die entsprechende Ebene kommt und wieder einen Teil des Weges zurückfliegen muss um anders abzubiegen.

Allein im Universum

Dafür werden die Planeten von vielen unterschiedlichen Kreaturen bevölkert. Hat der Spieler einen Account bei der Sporepedia, gibt es quasi unmöglich viel Auswahl auf die man während der Kreaturen- bis zur Weltraumphase treffen kann. Bevorzugt behandelt das Spiel beim einfügen dabei Kreationen von Leuten, die auf der eigenen Freundsliste stehen. Das ist insofern nett, da dieser dann auch eine Meldung bekommt, wenn ich mit seiner Kreation interagiere. Hat jemand zum Beispiel meinen Munzipaltos in seinem Spiel den Krieg erklärt, bekommt ich das mitgeteilt.

Einen richtigen Mehrspielermodus ersetzt dies zwar alles nicht, aber die Kreativität der Spieler wird definitiv sehr gefördert.

Fazit

Abschließend bleibt also ein ungenaues Gefühl zurück. Die Editoren sind durchweg genial, die Sporepedia mehr als nur ein interessanter Ansatz und es macht schon sehr, sehr viel Spaß. Aber das Gameplay blieb bei der Entwicklung größtenteils auf der Strecke. Dabei ist es nicht einmal ganz so schlimm, dass es nicht wirklich tief ist, aber besonders die Weltraumphase fängt, trotz der theoretisch vielen Möglichkeiten schon sehr früh an sehr zu Nerven. Mehr Komfort und weniger Micromanagement an einigen Stellen, hätte hier bereits Wunder gewirkt. So treiben eigentlich nur die sehr lange Liste an Achievements und eben der Spaß daran die originellen Spielerkreationen zu finden und mit ihnen ein wenig zu interagieren an. Richtige Langzeitmotivation, und auch das Verlangen noch einmal eine neue Rasse durch das Spiel zu führen, kommt da nicht auf. Lieber gleich den Editor starten und damit loslegen.[CH]

(Veröffentlicht am 11.09.2008)