Battlefield 2142

 

Review

Version 1.06

Das EA gerne die eigenen Spieleserien wie eine Kuh melkt, ist ja hinreichend bekannt. Somit war es nur eine Frage der Zeit, bis der neuste Spross der Battlefield-Serie in die Läden kommen würde. Am 19.10.2006, keine eineinhalb Jahre nach Battlefield 2 , war es dann auch soweit und Battlefield 2142 wurde in den Läden gesichtet. Aber ist der neueste Ableger sein Geld wert und lohnt es sich von Battlefield 2 auf den „Nachfolger“ umzusteigen?

Dünn

Die Story des Spiels ist schnell erzählt: Trotz Kyoto-Protokoll kam es 2006 zur befürchteten Klimakatastrophe und eine neue Eiszeit brach an. Während sich das Eis langsam, aber sicher seinen Weg suchte, verbrachte die Menschheit die nächsten 100 Jahre damit eine Lösung für das Problem zu finden. Als aber 2106 immer noch keine Pläne auf dem Tisch lagen und so langsam und die Lebensräume und Rohstoffe auf der Erde knapp wurden, formten sich zwei Supermächte: Europa und die Pan Asian Coalition. Es begann ein globalesWettrüsten, wie es die Welt bislang noch nicht erlebt hatte und es kam zum Krieg.

In der Geschichte schreiben wir das Jahr 2142. Der Krieg tobt seit Jahrzehnten und brachte außer Tod und Verderben neue Technologien wie die mächtigen Titanen, riesige Kampfschiffe, die über dem Schlachtfeld schweben und BattleWalker, übermenschlich große Kampfmaschinen auf zwei Beinen, hervor.

Entlassungen

Von der größten Budgetkürzung seit Battlefield 2 bei der Anzahl der Parteien, sind auch die Klassen betroffen. Es gibt nun nur noch Aufklärer, Sturmsoldat, Ingenieur und Support. Sanitäter, Anti-Tank und SpecOps wurden von der Gehaltsliste gestrichen. Wie im echten Leben, dürfen diese Arbeiten nun die restlichen Kollegen übernehmen. So muss sich der Aufklärer nun als SpecOps verdingen, der Sturmsoldat bekommt den Defibrillator in die Hand gedrückt und der Ingenieur darf den Raketenwerfer einpacken. Allerdings kann, wie auch andere Gegenstände im Spiel, ein neuer Rekrut, diese noch nicht benutzen. Wie im Vorgänger, verdient man sich während den Matches Punkte und Auszeichnungen. Hat man genug Punkte gesammelt, steigt man einen Rang auf und man darf einen Gegenstand freischalten. Pro Klasse gibt es acht Gegenstände und zwei Waffen, die sich freischalten lassen. So kann sich der Aufklärer z.B. für den Weg des SpecOps entscheiden und erhält Sprengstoff und ein Maschinengewehr. Wählt man aber den Weg des Snipers, schaltet man Claymores und eine besseres Scharfschützengewehr frei. Theoretisch wäre es möglich , für alle Klassen alles freizuschalten, jedoch ist dieses Vorgehen sehr zeitintensiv weswegen man sich deshalb zuerst das freischalten sollte, was man auch gleich benutzen will. Allerdings kann man pro Klasse nur zwei Gegenstände mit in die Schlacht nehmen und die Ausrüstung nur nach einem Tod wechseln.

Zusätzlich gibt es mehrere globale Extras, die dauerhaft wirken aber, wie auch alles andere, hintereinander freigeschaltet werden müssen. Darunter befindet sich z.B. ein zusätzliches Pistolenmagazin oder ein Mittel, das längere Sprints ermöglicht. Um den Freischaltvorgang noch schwieriger zu gestalten, gibt es nun auch drei Extras, die nur ein Squad Leader verwenden kann, der ein ausreichend großes Squad befehligt. Hat man z.B. einen Squadmember, kann man für diesen einen Spawn Beacon auslegen, an dem ab sofort bis zum Tod des Squad Leaders die Teammitglieder spawnen können.

Zusammen mit den normalen Auszeichnungen, deren Anzahl auch aufgestockt wurde, motiviert es nun wesentlich mehr den nächsten Rang zu erreichen. Dies geht auch nun wesentlich schneller vonstatten als in Battlefield 2. Um es Gelegenheitsspielern zusätzlich zu erleichtern, den Hardcoregamern auf den Fersen zu bleiben, gibt es jetzt auch ein Abwesenheits-Bonussystem. Wie in World of WarCraft, wenn der eigene Charakter ausgeloggt in einer Gaststätte stand und dann eine Zeit lang die doppelte Menge an Erfahrungspunkten erhält, bekommt man jetzt in Battlefield 2142 einen, nicht unerheblichen, Punktebonus wenn man einige Tage nicht mehr gespielt hat.

Same ol’, Same ol’

Spielerisch fühlt sich Battlefield 2142 immer noch sehr nach Battlefield 2 an. So gibt es bei den Waffen und Fahrzeugen viele Anleihen zu den Vorgänger-Titeln, so ist der Buggy auch immer noch „nur“ ein Buggy der eben für das SciFi-Universum optisch etwas aufgepeppt wurde. Zusätzlich gibt es aber z.B. mit dem BattleWalker eine echte Neuerung und eine sehr schlagkräftige Waffe, der man ungern begegnet. Zusätzlich können alle Fahrzeuge, bis auf den Buggy, nun auf ein temporäres Schild zurückgreifen. Der Buggy hingegen hat einen Booster, der ihn noch schneller über das Schlachtfeld fegen lässt. Flugzeuge wurden dafür ersatzlos gestrichen und die Hubschraubersteuerung hat auch einige Änderungen erfahren, an die man sich erst gewöhnen muss. Vor allem Landungen mit dem Angriffshubschrauber gestalten sich etwas schwieriger, da dieser die Möglichkeit hat, in der Luft zu schweben. Wenn man den Landevorgang nun falsch anpackt und zu früh zu wenig Geschwindigkeit hat, hängt man in der Luft und kommt nicht weiter runter. Hier hilft dann nur noch ein neuer Anlauf.

Den Spielerwaffen geht es ähnlich. Vor allem die Standardwaffe, die Assaultrifle, ist etwas stärker und dank des Zielfernrohrs auch präziser geworden. Dies ermöglicht es nun auch Anfängern etwas einfacher ein paar Frags zu machen und löst den Spieler von dem Zwang unbedingt die nächste Waffe freizuschalten. Wichtiger ist es nun die richtige Ausrüstung vor Kampfbeginn anzulegen. Vor allem zu Beginn passiert es oft, dass man auf dem Schlachtfeld über einem toten Kollegen steht und man feststellt: „Mist, ich habe ja meinen Defibrillator gar nicht eingepackt.“. Dafür sind Messerkills nun wesentlich lukrativer, da man bei einem erfolgreichen Kill das Dogtag des Gegners erhält. Dies ist dann auf der Statistikseite mitsamt dem Namen des Gedemütigten für alle einsehbar.

Spiel’s noch einmal, Sam!

Am Spielmodus Conquest hat sich hingegen nichts verändert. Weiterhin versuchen die zwei Parteien die Flaggenpunkte auf der Karte einzunehmen und zu halten um den gegnerischen Ticketcounter nach unten zu treiben. Neu und wesentlich interessanter ist hingegen der neue Titan-Modus. Dort schweben über dem Schlachtfeld zwei dieser riesigen „Flugzeuge“, deren Schilde zu Beginn noch aktiv sind. Auf der Karte sind nun statt Flaggenpunkte, Raketensilos verteilt. Diese müssen die Teams einnehmen und so umprogrammieren, dass sie den gegnerischen Titan beschießen. Hält der Beschuss lange genug an, werden die Schilde zerstört und man kann mithilfe von Truppentransportern oder Hubschraubern den gegnerischen Titanen infiltrieren. Zwar schießen die Raketen weiterhin auf die Hülle und irgendwann wird er dadurch auch völlig zerstört, schneller geht es allerdings wenn man den Reaktorkern in die Luft sprengt. Dazu müssen aber zuerst vier Zugangskonsolen zerstört werden, damit man Zutritt zum Herzen des Schiffs erhält. Da dort oben enge Korridore statt weite Landschaften vorherrschen, entbrennt um jede Konsole ein harter Stellungskampf, da die Verteidiger sich sehr gut in den Gängen einigeln können.

Natürlich muss auch der eigene Titan gegen die gegnerischen Angriffe verteidigt werden. Dazu stehen ihm sechs Geschütze bereit. Vier davon zielen auf den Boden und die anderen zwei sind für die Verteidigung gegen Lufteinheiten. Diese sind hauptsächlich interessant, wenn die Commander ihre Titanen nah zusammengeführt haben. Da benötigt man dann schon einen geübten Piloten um noch lebend aus dem Hangar zu entkommen, trotz Schild.

Allerdings sind auch trotz mehrer Patches die Kämpfe um die Titanen noch nicht völlig bugfrei. Zwar wurde das Problem des Lags gelöst indem man den Commandern die Kontrolle entzog sobald die Schilde unten sind aber trotzdem gibt es noch einige Stellen wo man nach dem Tod hindurch fällt und somit keine Chance für den Teamkameraden Widerbelebungsmaßnahmen zu ergreifen. Alles in allem ist der Titan-Modus aber trotz dieser noch bestehenden Probleme eine willkommene Abwechslung zum Conquest-Modus. Für beide Modi gilt weiterhin, dass die Karten je nach Spielerzahl eine unterschiedliche Größe haben, wobei das Limit immer noch bei 64 Spielern liegt.

Techtelmechtel

Technisch hat sich seit Battlefield 2 nichts getan. Das Spiel hat nun ein etwas „sauberes“ Aussehen, bedingt durch die Thematik, aber wer neue grafische Effekte oder höher aufgelöste Texturen erwartet, wird enttäuscht werden. Trotz der alten Engine, sieht das Spiel aber natürlich immer noch gut aus und die neuen Umgebungen, teilweise mit viel Schnee, ersetzen gekonnt das urbane Wüstenszenario. Battlefield Vietnam bietet allerdings immer noch die schönsten Landschaften.

Mit der gleichen Engine wurden auch dieselben Probleme aus dem Vorgänger übernommen. So kann es z.B. auch in Battlefield 2142 passieren, dass man trotz ausreichender Punktzahl keinen Rang aufsteigt. Auch der Serverbrowser hat seine Kinderkrankheiten noch immer nicht verloren und hat vor allem mit den Filter- und Sortierfunktionen echte Probleme.

Über den Sound kann man sich nicht beschweren, die kurzen Musikstücke die beim Laden ertönen sind wieder gelungen und führen das mittlerweile lieb gewonne Battlefield-Thema ansprechend weiter. Auch im Spiel selbst sind der Kampflärm auf gewohnt hohem Niveau und die Stimmen der Soldaten gut gewählt. Allerdings sprechen nun alle Parteien normales Englisch, womit das nette Detail der Originalsprachen aus den Vorgängern nun leider verschwunden ist.

Das Problem der dynamischen Werbung im Spiel, wurde von mir in einem separaten Eintrag behandelt, weshalb ich hier nur darauf hinweise, dass dieses Feature von EA eingebaut wurde. Man wird auf der Packung allerdings nicht darauf hingewiesen, der Zettel liegt nur lose in der DVD-Hülle. Außerdem war zum Testzeitpunkt das System noch nicht aktiv und an den Werbetafeln hingen noch fiktive aber zum Szenario passende Plakate.

Fazit

Battlefield 2142 ist kein wirklich neues Spiel. Der Begriff „Mod“ ist durchaus berechtigt und man kann sich über diese Politik auch aufregen. Während die Schritte von Battlefield 1942 über Battlefield Vietnam (was auch als Vollpreis-Add-on beschimpft wurde) bis hin zu Battlefield 2 immer sehr groß waren, wird man bei Battlefield 2142 das Gefühl nicht los, eigentlich nur ein futuristisches Battlefield 2 zu spielen. Dennoch finde ich, dass die Änderungen – schon alleine der Titanmodus – durchaus den Kaufpreis rechtfertigen. Man sollte aber für das Setting etwas übrig haben. Die „Desert Combat“-Fraktion ist weiterhin besser bei Battlefield 2 aufgehoben. Battlefield 2142 ist auch nicht wirklich eine echte Konkurrenz zum Vorgänger, da es dort keine große SciFi-Mod gibt. Es ist also auch für noch aktive Battlefield 2-Spieler durchaus interessant einen Blick auf Battlefield 2142 zu werfen. [CH]

4/5 Punkte

(Veröffentlicht am 19.12.2006)