Call of Duty 4: Modern Warfare

 

Review

Diskussion - Screenshots

Mit Call of Duty 4: Modern Warfare kehrt die renommierte Serie nicht nur zurück auf den PC, sondern lässt auch den zweiten Weltkrieg hinter sich. Zwei Eigenschaften, die schon für sich alleine vielversprechend wirken. Aber der neuste Coup von Infinity Ward hat noch mehr zu bieten.

Diplomacy

Die Welt wird von einem bösen Diktator bedroht, der in den Besitz von Nuklearwaffen gekommen ist. Da gilt es natürlich für die US Armee direkt vor Ort einzugreifen und den Mann vom Thron zu stoßen. Gleichzeitig wird der Britische SAS nach Russland geschickt, um die Herkunft der Waffen herauszufinden. Im Laufe des Spiels schaukelt sich die ganze Angelegenheit  dann immer höher.

Der Spieler übernimmt dabei die meiste Zeit die Kontrolle über Sergeant. „Soap“ MacTavish, einem Mitglied des Britischen SAS. Im ersten Akt schlüpft er aber auch kurz in die Rolle von Sergeant Paul Jackson, einem Angehörigen des United States Marine Corps, um die Ereignisse im betroffenen Land des Mittleren Ostens live mitzuerleben.

Rollercoaster Tycoon

Infinity Ward schafft es dabei den Spieler von der ersten bis zur letzten Sekunde an in Action regelrecht zu ertränken. Während dieser in Ego-Shootermanier durch die Level hetzt, löst er am laufenden Band Scriptereignisse aus. Da der eigene Charakter auch nie wirklich alleine unterwegs ist, entsteht dabei eine starke Atmosphäre und ein intensives „Mittendrin“-Gefühl. Gleichzeitig ist diese starke Konzentration auf vordefinierte Ereignisse aber auch der größte Fluch des Spiels.

Denn Infinity Ward versucht, wie auch schon in Call of Duty 2, den Spieler ständig in Bewegung zu halten und nie wirklich zum Stillstand kommen zu lassen. Dazu nutzen die Entwickler sogenannte „Infinity Respawns“. Im Klartext bedeutet dies, dass der Spieler gegen unendlich viele Gegnermaßen antritt. Gefallene Gegner erscheinen hinter irgendeiner Tür fast sofort wieder und gehen zurück in den Kampf. Dieser Vorgang kann nur abgebrochen werden, indem das nächste Scriptereignis ausgelöst wird. Dies bringt eine gewisse Hektik ins Spiel und soll das Spielerlebnis intensiver machen, in der Praxis ist dieses Konzept jedoch ziemlich nervenzehrend. Der Spieler wird quasi dazu gezwungen im größten Kugelhagel nach vorne zu stoßen, da ein normales bekämpfen nicht möglich ist. Aber auch anderweitig hilft das Spiel der KI etwas unfair auf die Sprünge.

S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl

Am auffälligsten wird dies in einer der besten Missionen des Spiels: der Infiltration von Prypjat, dem kleinen Vorort beim Tschernobylreaktor. Als Teil eines Scharfschützenteams des Britischen SAS ist es dort die Aufgabe eine Zielperson auszuschalten und am Ende mit einem Helikopter zu fliehen. Bis zu diesem Endkampf ist die Mission auch atmosphärisch das Beste, was man bislang in einem Computerspiel erleben durfte. Die minutenlange Verteidigung des Landeplatzes unter dem Riesenrad lässt die gesamte Mission allerdings kurz vor Ende schlagartig in einem schlechten Licht erscheinen.

Die „Infinity Respawns“ sind hier zwar noch zu vertreten, aber das Spiel nutzt noch eine andere Waffe um den Spieler zu zwingen immer in Bewegung zu bleiben: Sobald dieser längere Zeit an einem Ort verharrt, wird er ständig mit dutzenden Granaten eingedeckt. Selbst wenn gerade auf dem Platz kein einziger Gegner sichtbar ist, der diese hätte werfen können. Zusammen mit den viel zu weit auseinanderliegenden Speicherpunkten an dieser Stelle, führt dies zu einer hohen Frustration.

Alles in allem ist dies jedoch nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein, der ansonsten eine sehr intensive Einzelspielerkampagne darstellt. Wenn nach nur rund sechs Spielstunden der Abspann über den Bildschirm flimmert, fühlt man sich wie nach einem guten Actionstreifen: Geschafft, aber doch irgendwie gut.

The Club

Dann ist das Spiel freilich noch lange nicht vorbei. So wird am Ende der Kampagne der Arcarde-Modus freigeschaltet. Dort bringt jeder Abschuss Punkte (je nach Trefferzone mehr oder weniger) und jede Mission muss innerhalb eines Zeitlimits absolviert werden. Am Ende wird der eigene Name dann in einer Internet- Highscoreliste verewigt. Besitzer der deutschen Version werden diesen Modus aber genauso wenig zu Gesicht bekommen, wie die Hinrichtung einiger Zivilisten durch Rebellen im Intro. Die wirkliche Langzeitmotivation birgt aber sowieso der reine Multiplayermodus.

Dieser vermischt Rollenspielelemente mit der üblichen Shootermechanik. So gilt es nicht nur zu Beginn eine Klasse auszuwählen, sondern auch Erfahrungspunkte zu erhalten und im Level aufzusteigen. Dabei wird der Zugang zu neuen Waffen, Upgrades wie Zielfernrohre und sogenannten Perks freigeschaltet. Diese Perks umfassen Dinge, wie verstärke Panzerung oder mehr Munition im Magazin und jede Klasse kann davon drei Stück haben. Damit es aber nicht zu langweilig wird mit den Standardklassen, darf sich der Spieler aus den bereits freigeschalteten Dingen dann auch eine individuelle Klasse zusammenbauen und damit weiter die Ränge bis Level 55 hochsteigen.

Erfahrungspunkte gibt es für das Töten eines Gegners und für das Erfüllen von Zielen, wie dem Einnehmen von Flaggenpunkten. Die Spielmodi umfassen dabei die üblichen Varianten, wie Deathmatch oder Domination. Hinzukommt allerdings noch die Möglichkeit all diese Modi im sogenannten Hardcore-Modus zu spielen. Dort fehlen nicht nur das Fadenkreuz oder andere hilfreiche Dinge, wie eine Minimap, jeder hält auch nur ein paar kleine Treffer aus. Der eigene Recke regeneriert sich allerdings, wie im Einzelspielermodus, nach einigen Sekunden ohne Beschuss von selbst wieder.

Eternal Sonata

Wer nun bereits gefallen am Spiel gefunden hat, wird auch erfreut sein, dass auch die Technik zu überzeugen weiß. Obwohl das Spiel auf den Screenshots so wirkt, als sei die Unreal Engine 3 am Werke, liegt dem Grafikgerüst tatsächlich eine Eigenentwicklung auf Basis der idTech4-Engine zugrunde. Detaillierte Gesichter, wuchtige Explosionen und detaillierte Texturen dominieren dadurch den Bildschirm ohne dabei die eigene Hardware zu stark zu beanspruchen. Zwar ist die eine oder andere unschöne Kante zu entdecken, unter anderem ist dabei auch das Meer in der ersten Mission zu bemängeln, jedoch zündet Infinity Ward insgesamt betrachtet ein Grafikfeuerwerk, das ganz klar in der höheren Klasse mitspielt.

Das gleiche gilt auch für den satten Sound. Besonders wer mit einem guten 5.1-System ausgerüstet ist, wird die Explosionen, das Rattern der Maschinengewehre und die verzerrten Rufe der Kameraden aus dem Funkgerät schnell zu schätzen lernen.

Fazit

Call of Duty 4: Modern Warfare ist ein rundum gelungenes Paket und macht so gut wie alles richtig. Zuerst fesselt mich die Achterbahnfahrt des Einzelspielermodus in den Ledersessel und dann werde ich durch den gelungenen Multiplayermodus gezwungen noch viel mehr Stunden vor dem Rechner zu verbringen. Wer sich im Einzelspielermodus also am linearen Leveldesign nicht stört und gerne ein Stück Freiheit aufgibt um dafür einige intensive Stunden zu verbringen, ist hier definitiv an der richtigen Stelle.[CH]

5/5 Punkte

(Veröffentlicht am 13.03.2008)