Darkstar One

 

Review

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2003 schaffte es Freelancer das Genre der Weltraum-Shooter wieder der breiten Masse zugänglich zu machen auch wenn der große Spieleboom ausblieb. Nun schreiben wir das Jahr 2006 und Ascaron startet mit Darkstar One den nächsten großen Versuch an die Erfolge von Klassikern wie Elite und Wing Commander: Privateer anzuknüpfen.

Tragische Geschichte

Man spielt Kayron Jarvis, der bei einer geheimen Mission unter mysteriösen Umständen seinen Vater verlor. Als die Geschichte beginnt hat Kayron gerade seine Ausbildung abgeschlossen und sein Boss übergibt ihm die letzte Hinterlassenschaft seines Vaters: die Darkstar One. In den folgenden Spielstunden wird Kayron versuchen das Rätsel um das Schiff und den Tod seines Vaters zu lösen und die Galaxie vor einer viel größeren Bedrohung zu beschützen.

Im Gegensatz zu anderen Genrevertretern in denen man seine Hartverdienten Credits in größere, imposantere und verflucht teure Schiffe investieren kann, fliegt man in Darkstar One nur das Namensgebende Schiff. Dafür hat es besondere Eigenschaften: Mithilfe von Artefakten, die sich in Asteroiden innerhalb der 330 zu entdeckenden Sternensystemen verstecken, kann man die Darkstar One aufrüsten. Hat man genug Artefakte für ein Upgrade gesammelt, darf man einen Punkt entweder auf den Bereich Rumpf, Flügel oder Triebwerke verteilen. Dadurch verbessern sich die grundlegenden Eigenschaften des Raumers auf Dauer. Wenn man z.B. den Rumpf ausbaut, hält das Schiff mehr aus und außerdem ist es nun möglich ein automatisches Geschütz einzubauen. Natürlich gewinnt man dadurch noch keinen Raumkampf. Durch den Ausbau erhält man auch die Möglichkeit mehr oder bessere Waffen, Raketen, Energiesysteme etc. einzubauen. Die Werften auf den einzelnen Stationen haben hier ein sehr umfangreiches Angebot. Da das Reparieren des Raumschiffs keinen Cent kostet und automatisch beim Andocken an eine Handelsstation geschieht, liegt dort der einzige Grund, wofür man überhaupt Credits verdient.

Shooter oder Rollenspiel?

Als einziges, bekanntes Schiff besitzt die Darkstar One außerdem einen Plasmawerfer, den man nach jedem Schiffsupgrade auch verbessern darf. Er erlaubt es, ähnlich wie in einem Rollenspiel, z.B. die Defensiv-Werte des Gegners zu senken oder die eigene Angriffsstärke für eine kurze Zeit zu erhöhen. Aber natürlich hat das Levelen und Aufrüsten auch seinen Sinn: Im Weltall warten jede Menge Gegner darauf vom Spieler auseinander genommen zu werden. Es ist ebenso möglich sich selbst Feinde zu machen, indem man z.B. immer nur Händler angreift und die Beute dann auf den Handelstationen verkauft. Folglich mag einen zwar die Polizei nicht mehr und auch der Ruf bei den Händlern wird schnell schlecht, aber dafür lassen einen nun die Piraten in Ruhe und man kann deren geheime Stationen anfliegen.

Die Darkstar One steuert sich dabei wahlweise mit Maus/Tastatur oder mit dem Joystick. Erfreulicherweise ist die Joysticksteuerung, obwohl das Spiel voll auf Maus ausgelegt ist, sehr gut gelungen. Zwar gibt es einige Bedienelemente im virtuellen Cockpit, die man trotzdem mit der Maus ansprechen muss, wie beispielsweise die Targetliste, aber nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ist auch dies kein Hindernis mehr. Je nach dem welches Eingabegerät bevorzugt wird, fühlt man sich dann wie bei Wing Commander oder Freelancer.

Wurde die Steuerung auf die eigenen Vorlieben angepasst, geht es auch schon ab ins weite All. Nach den einführenden Trainingsmissionen, in denen man in die Steuerung eingewiesen wird, lässt einen das Spiel fast völlige Freiheit. Es ist nun möglich nach Lust und Laune die Systeme zu erkunden, z.B. Artefakte sammeln, der Hauptmission folgen, an den Handelsstationen Aufträge anzunehmen, Handel betreiben oder seinen Ruf bei einzelnen Fraktionen verbessern. Die Aufträge die einem am Terminal angeboten werden, beeinflussen auch den Ruf bei einer Fraktion und lassen dabei die Kasse kräftig klingeln. Die einzelnen Aufträge unterscheiden sich mitunter gewaltig, haben aber meist zur Folge dass mindestens ein gegnerisches Raumschiff pulverisiert wird.

Abwechslung pur

Die Spanne reicht hierbei vom simplen „Flieg dorthin und töte alles was dir im Weg steht’ über Geleitschutzaufträge bis hin zu handfesten Kopfgeldjagden. Vor allem Letztere sind sehr anspruchsvoll. Im Gegensatz zu den normalen KI-Kollegen haben die Bosse die stärkeren Schiffe und das bessere Hirn. Im späteren Spielverlauf verschmerzt man bei diesen Duellen fast den fehlenden Multiplayer-Modus. Die normalen KI-Kollegen sind auch nicht ganz dumm. Jede Rasse hat ihre eigenen Eigenschaften, so lassen die Raptoren gerne Minen fallen wenn man ihnen im Rücken hängt. Die Libellen hingegen fliegen, als hätten sie Hummeln im Antrieb und weichen immer wieder ruckartig aus dem Fadenkreuz. Egal auf wen man trifft, für jeden Abschuss gibt es automatisch Credits auf das eigene Konto.

Wer es lieber ruhiger mag kann sich als Händler und/oder Schmuggler seine Credits verdienen. Hier haben die Entwickler von Ascaron einen so genannten Code Reuse gemacht und eine vereinfachte Form des Handelsystems aus Port Royale 2 eingebaut. Wird in einem System eine bestimmte Ware knapp, symbolisiert durch vier rot-grüne Balken neben der Ware, steigt logischerweise auch der Preis. Wenn man sich nun als Pirat verdingt und dafür sorgt das kein Händler mehr an die Station andocken kann, erzeugt man künstlich eine Verknappung auf dem Stützpunkt weil sie nicht mehr beliefert wird. So ist es möglich dem Preis etwas unter die Arme zu greifen. Wer es lieber risikoreicher mag, der kann in bestimmten System Waren kaufen, die in anderen verboten sind und versuchen diese an der Polizei vorbeizuschleusen. Wehe dem, der den Funkspruch erhält „Warten Sie bitte bis wir sie gescannt haben.“ während er Drogen an Bord hat!

Menüs, Menüs, Menüs

Einen Minuspunkt in Sachen Atmosphäre gegenüber den Genrekollegen wie Freelancer ist allerdings der Stationsaufenthalt. Hier befindet man sich nur in einer Art Vorraum und die einzelnen Abteilungen Werft, Händler, etc., sind nur in Menüs vertreten. Ein eigens erstellter Hintergrund fehlt hier, was den Aufenthalt auf den Handelstationen etwas zur Routine verkommen lässt. Im All hingegen verschießt Ascaron ein buntes Grafikfeuerwerk. Dies mag vielleicht gestandenen X³:Reunion-Fans missfallen, die mehr auf Realismus stehen, aber das ist Geschmackssache. In technischer Hinsicht braucht sich Darkstar One jedenfalls nicht hinter der Konkurrenz zu verstecken.

Viel los im Weltraum

Überall fliegen haufenweise Partikel, Asteroiden und Raumschiffteile rum, es gibt voluminöse Nebel die sich durch die Systeme ziehen, die Schiffe sind allesamt liebevoll und detailliert gestaltet und überall ist etwas los. Auch wenn die einzelnen Systeme doch immer wieder gleich aufgebaut sind (die Dame am Stationsempfang scheint sehr viele Zwillingsschwestern zu besitzen), ist die Umgebung zumindest farblich unterschiedlich gestaltet. Die restliche Präsentation ist ebenfalls hervorragend gelungen. Neben den 50 Minuten aufwendig gerenderten Zwischensequenzen und 90 Minuten dynamischen Soundtrack, gibt es außerdem insgesamt 18 Stunden Sprachausgabe mit 30 unterschiedlichen Sprechern, die alle ihren Job sehr gut und professionell machen. Die minimalen Ladezeiten, die Komfortfunktionen wie die Zeitbeschleunigung innerhalb eines Systems und die hervorragende Unterstützung eines 7.1 Systems tun das Übrige, um eine klare Kaufempfehlung aussprechen zu können.[CH]

4/5 Punkte

(Als Probeartikel für die Bewerbung bei der PC Action verwendet und am 26.05.2006 veröffentlicht)