Die Siedler II: Die nächste Generation

 

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Es gibt Spiele, die sind noch heute nahezu perfekt, dass man immer noch einen Haufen Spaß dran hat. Die jüngere Generation unter uns kann dies mitunter allerdings nicht nachvollziehen. Schreckt sie doch vor allem vor der Grafik zurück. Eines dieser Spiele ist Die Siedler II: Veni, Vidi, Vici. Es gibt nur sehr wenige Fans der Serie, die nicht mit mir übereinstimmen, wenn ich behaupte, dies wäre immer noch der beste Teil der mittlerweile 5teiligen Serie. Deshalb ist es schade, dass die Jugend ihn nicht mehr anfassen will und mit dem Begriff ‚Die Siedler’ nur das Brettspiel Die Siedler von Catan oder das eher mittelmäßige Die Siedler V: Das Erbe des Königs verbindet. Aber dem wird im September Abhilfe geschaffen, denn BlueByte und Funatics unter der Führung von UbiSoft haben sich zum 10jährigen Geburtstag des Originals etwas Besonderes ausgedacht: Ein Remake des Originals. Der Name dieses Remake ist schlicht Die Siedler II: Die nächste Generation. Natürlich stellt sich die Frage ob es mit dem Original mithalten oder es sogar übertreffen kann? Als alter Siedler-Veteran werde ich nun versuchen euch diese Frage anhand der bislang bekannten Details und der verfügbaren Demo-Version zu beantworten. Allerdings werde ich sehr tief in das Spiel blicken. Veteranen werden sich deshalb vielleicht stellen weise langweilen.

Grundlos Siedeln

Wie im Original wird es eine 10 Missionen lange Kampagne geben. Diese dreht sich um Octavius. Seines Zeichens römischer Feldherr. Seine Mission ist es die neu entdeckte Welt zu erobern. Dazu muss er innerhalb der Missionen ein Portal erreichen, das weiter ins Innere  bis hinein zu einem Land führt, das nur aus Tod und Verderben besteht. Dass dabei zahlreiche Gegner darauf warten, besiegt zu werden, ist selbstverständlich. Somit ist es auch wichtig einen perfekten Wirtschaftskreislauf aufzubauen um die Mittel produzieren zu können, die man für einen Sieg benötigt. Aber das Herzstück des Spiels ist dennoch der Modus ‚Freies Spiel’. Hier werden in der Vollversion zunächst nur 12 verschiedene Karten enthalten sein aber dank des beiliegenden Editors dürfte es relativ schnell Nachschub geben aber dazu später mehr. Wie in einem Multiplayerspiel wird zunächst die Siegbedingung (Endlosspiel, Weltherrschaft, Besiege Spieler Soundso), die Anzahl - kein Gegner ist auch möglich, für diejenigen, die es eher ruhig mögen -, Startposition und Stärke der Mitspieler (bei einem Spiel mit KI), die Teams (falls vorgesehen), die Menge an Rohstoffen bei Spielstart und natürlich die Karte auf der gespielt werden soll, ausgewählt. In der Demoversion ist hier eine Karte fest vorgegeben und es kann nur gegen einen KI-Gegner in einem von 3 verschiedenen Schwierigkeitsgraden angetreten werden.

Zwar ist der Einstellungsbildschirm optisch aufgebohrt aber dennoch finden sich Veteranen sofort zurecht. Den ersten Schock bekommt man nach Ende des Ladevorgangs. Die Siedler II: Die nächste Generation erscheint komplett in 3D. Die Engine wurde extra für dieses Spiel entwickelt und hat keine Ähnlichkeit mit Die Siedler V. Schon jetzt, obwohl noch kein einziger Siedler durch die Gegend wuselt, ist man dazu verleitet einfach nur zu zuschauen. Man kann Stufenlos in das Geschehen reinzoomen und sogar die Nase der herum streifenden Rehe berühren. Die Kamera winkelt sich dabei, je näher man heranzoomt um bis zu 90° ab. Zwar bleibt die Ansicht hierbei immer völlig starr ausgerichtet, allerdings hat man auch jederzeit die Möglichkeit mit einem Rechtsklick, sich vollständig in alle Richtungen an der aktuellen Kameraposition umzusehen. Nach dem Loslassen, kehrt die Ansicht aber wieder zum alten Winkel zurück. Die Entwickler haben hierbei darauf geachtet viele Details in der knuddeligen Landschaft unterzubringen. Es ist einfach nur beruhigend den Rehen (die sehr Bambi ähneln) zu zuschauen, während sie friedlich im Schatten der Bäume grasen oder den Hasen zu folgen wenn sie über die grüne Wiese hoppeln. Die Grafik kann natürlich keinem Half-Life² das Wasser reichen aber sie ist absolut perfekt für ein Aufbau-Spiel wie Die Siedler II: Die nächste Generation. Dies wird spätestens dann deutlich, wenn man sich endlich von den Tieren losreißen konnte und mit dem eigentlichen Spiel beginnt.

Schaffe, Schaffe, Häusle Baue

Spätestens jetzt übernehmen die Veteranen die Oberhand und die Neulinge verzweifeln. Selbst die Demo bietet zwar ein Tutorial aber wenn dies in der Vollversion nicht noch detaillierter wird, dann stehen letztere erst mal relativ Dumm da. Aber vor 10 Jahren hatten wir ja auch nur das Handbuch und unseren Verstand, also denke ich, dass man nach ein bisschen Einarbeitung auch den Dreh raus hat. Veteranen können hingegen sofort loslegen. Blue Byte hat nicht nur das Gameplay fast 1:1 aus dem Original übernommen, sondern auch alle wichtigen Hotkeys sind wieder mit von der Partie. Wie weiter oben bereits gesagt, ist es zum erreichen des Gesamtziels nötig eine funktionierende Wirtschaft aufzubauen. Es gibt immer noch die altbekannten Waren, die am Ende alle der Produktion von Soldaten dienen. Es gibt hierbei verschiedene Kreisläufe, die alle miteinander zusammenhängen. So muss man z.B. mithilfe eines Bauernhofs Getreide anbauen und ernten. Dies wird dann in einer Mühle zu Mehl verarbeitet und dann mithilfe von Wasser, das mit einem Brunnenhäuschen gewonnen wird, beim Bäcker zu Brot verarbeitet. Dieses Brot wird dann zu einer Mine weiter geschickt in der z.B. Eisenerz gefördert wird. Nachdem die Bergarbeiter dann das Brot verspeist haben, fördern sie zum Lohn das Erz. Dieses wird dann zusammen mit Kohle zur Eisenschmelze geliefert. Dort wird dann aus dem Erz reiner Stahl. Dieser wiederum wird zur Schmiede geliefert (diese benötigt auch Kohle) und zu einem Schwert verarbeitet. Mithilfe dieses Schwertes kann dann ein weiterer Soldat rekrutiert werden (Bier und ein Schild werden natürlich auch nocht benötigt). Dies ist nur ein kleines Beispiel, denn der Stahl könnte z.B. auch an die Schlosserei geliefert werden, in der Werkzeuge gefertigt werden. Alle Gebäude mussten natürlich zu Beginn aus Holz und Stein erst gebaut werden.

Hier ist es natürlich wichtig, die Wege zwischen den einzelnen Produktionsstätten so kurz wie möglich zu halten. Wege? Genau. Sie sind zurück. Mit Die Siedler III dem Budget zum Opfer gefallen, kehren nun die wahren Stars zurück. Wie damals, ist der Weg zum Sieg der Weg selbst. Wenn man ein perfektes Wegesystem aufgebaut hat, in dem jede Produktionsstätte so kurz wie möglich von der nächsten entfernt ist und dadurch auch die Waren schneller an ihr Ziel kommen, hat man schon so gut wie gewonnen. Darin liegt auch die wirkliche Challenge des Spiels. Jeder Weg beginnt als brauner Feldweg. Je eine Fahne am Anfang und am Ende. Je nachdem wie lang der Weg ist, passen noch mehr Fahnen zwischen rein. Allerdings muss man dies mit bedacht tun, da es durchaus sein kann, dass das Setzen einer Fahne dazu führt, dass ein Bauplatz abhanden kommt oder kleiner wird. Wenn eine bestimmte Anzahl an Waren in einer bestimmten Zeit über diesen Weg laufen, wird er automatisch zu einer Pflasterstraße und bekommt, sofern vorhanden, einen Esel dazu. Dadurch kann nicht nur die doppelte Menge an Waren in der gleichen Zeit transportiert werden, man sieht auch genau wo die Hauptverkehrsadern liegen. Dies ist vor allem wichtig um überlastete Knotenpunkte zu entdecken, denn an einer Fahne können nur bis zu 5 Waren gleichzeitig liegen. Hier gilt es schon früh Umleitungen mit einzuplanen. Obwohl die automatische Wegeverlegung in den 10 Jahren richtig gut dazu gelernt hat, ist sie immer noch nicht wirklich perfekt und man sollte doch bevorzugt an wichtigen Punkten selbst Hand anlegen.

Bäuerle 

Ein durchdachtes Wegesystem ist auch wichtig, weil man nicht überall jedes Gebäude hinsetzen kann. Es gibt 3 Unterscheidungen: eine kleine Hütte, ein Haus und eine Festung. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Der Bauernhof braucht am meisten Platz. Nicht nur das Gebäude selbst, auch Drumherum wird Platz gebraucht, damit der Bauer Felder anlegen kann. Die Mühle und die Bäckerei sind normale Häuser. Der Brunnen hingegen ist als Hütte eingestuft. Die Minen sind eine gesonderte Kategorie. Allerdings spricht natürlich nichts dagegen eine Hütte auf dem Platz einer Festung zu errichten. Im Bezug auf das Militär finden wir hier auch eine Neuerung zum Ur-Siedler: Gebäude-Upgrades.

Man hat nun die Möglichkeit, wenn der Platz ausreicht, eine simple Baracke in mehreren Stufen bis hoch zur Festung auszubauen. Der Materialverbrauch entspricht natürlich dem nächsthöheren Gebäudetyp. Dies ist vor allem sinnvoll wenn man auf die Grenze des Gegners stößt und man bislang nur eine billige Baracken oder Wachtürme an der eigenen Grenze stehen hat. Da man in der näheren Umgebung ja kein weiteres Militärgebäude errichten kann, hat man nun eben die Möglichkeit das Gebäude selbst aufzurüsten. Ansonsten ist weiterhin alles beim alten: Die Soldaten wollen weiterhin mit Goldmünzen bezahlt werden, damit sie bis zum General aufsteigen. Und es ist auch immer noch möglich die Goldzufuhr zu einer Baracke stoppen bzw. die kompletten Insassen, ohne Gebietsverlust auslagern. Reißt man hingegen ein Gebäude ab, bekommt man nun ein wenig Material zurück (gilt für alle Gebäude).

Als Gegner dienen weiterhin die Nubier, Asiaten und Römer – die Wikinger wurden leider gestrichen -, die sich nur im Aussehen der liebevoll gestalten Gebäude und Siedler voneinander unterscheiden. Hier muss ich nochmals kurz auf die Detailverliebtheit der Entwickler eingehen. Schon im Original konnte man z.B. beim Bäcker durchs Fenster schauen und sehen wie er arbeitete. In der 3. Dimension wird das Ganze natürlich nun um wesentlich mehr Details erweitert. Allerdings passieren manche Dinge noch immer sehr abrupt. Z.B. hackt der Holzfäller kurz auf einen Baum ein und schwups ist der Baum weg und liegt der Stamm dort. Ob Blue Byte dies bis zur Vollversion noch ändert, ist unklar. Hoffentlich beheben werden sie die ganzen Clipping- und Logikfehler, die man in der Demo noch vorfinden konnte. Dies reicht vom Esel der mitten im Siedler steht (obwohl dies schon im Original so war und eigentlich ganz witzig aussieht) bis hin zu wirklich komischen Dingen wie einen Eselzüchter der auf die Straße läuft und so tut als er würde er einen Esel aus seinem Stall streicheln. Dies sind aber nur kleine Details, die den Spielspaß auf keinen Fall trüben, lebt doch das Spiel von solch lustigen Dingen wie den Idle-Animationen der Träger auf den Wegen. Da wird, wie damals, die Zeitung aufgeschlagen oder eine Pirouette auf dem Kopf gedreht wenn gerade keine Waren transportiert werden müssen.

Stats

Aber was wäre all das Knuddelige ohne die knallharte Wirtschaftssimulation im Hintergrund? Nichts. Deswegen sind auch die umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten und Statistiken zurückgekehrt. Obwohl die Hauptmenü-Leiste selbst für Veteranen etwas für Verwirrung sorgt, verstecken sich hinter den Buttons doch immer noch dieselben Fenster – nur grafisch moderner. Es wird weiterhin die Produktivität der einzelnen Gebäude auf Wunsch eingeblendet. Man kann immer noch bestimmen, welche Waren beim Transport eine hohe Priorität haben oder welches Gebäude bei der Belieferung bevorzugt wird. Oder man legt fest wie die Verteilung der Truppen im Reich ist. Apropos Truppen. Das Kampfsystem kehrt auch wieder zurück. Wie damals kämpft man auch in der nächsten Generation Mann gegen Mann. Der Spieler hat hier nur insofern Einfluss, das er bestimmt mit wie vielen Leuten das gegnerische Gebäude angegriffen wird und ob mehr starke oder mehr schwache Einheiten losgeschickt werden sollen. Der Rest wird dem Zufall überlassen. Dem Zufall? Nur fast. Im Gegensatz zum Original scheint es bislang so, als könnte man nicht mehr vor einem Kampf einfach abspeichern und bei einem Misserfolg neu laden und auf einen anderen Ausgang hoffen. Der Rechner scheint den Ausgang schon früh festzulegen und die Kämpfe laufen auch nach dem Laden wieder so ab wie vorher, sofern man keinen Parameter daran ändert (also z.B. noch mehr Truppen hin schickt). Ob dies wirklich so ist, wird aber erst die Vollversion zeigen und würde auch zu tief in die Spielmechanik gehen.

Wenn der Gegner tot, ist muss das Spiel, dank des Endlosmodus, noch lange nicht vorbei sein. Wem es aber nicht liegt nur in Ruhe zu siedeln und seine Wirtschaft perfekt auszubauen, der wird wohl schon bald alle Karten durchgespielt haben. Und hier kommt der Editor ins Spiel. Dieser wird es einem erlauben, wie damals der aus dem Addon Die Siedler II: Mission CD, selbstständig alle Parameter festzulegen und die Karte sehr einfach nach seinen Wünschen zu gestalten. Besitzer der Originalversion und auch des Addons können sich allerdings über ein sehr interessantes Feature freuen: der Editor wird Karten aus dem Originalspiel (und dem Addon) einlesen und umwandeln können. Also kann man auch seine lieb gewonnen Maps im Remake spielen. Ein sehr großer Pluspunkt für selbiges.

Und auch wenn im Hintergrund nicht die Original-Siedlerklänge erklingen, passt die Musik dennoch zum knuddeligen Ambiente und lullt einen sofort ein. Multiplayermässig wird man mit bis zu 6 Spielern sowohl im LAN als auch Online zocken können. Die Rückkehr des Splitscreenmodus mit 2 Mäusen an einem Rechner ist allerdings sehr unwahrscheinlich.

Fazit

Die Siedler II: Die nächste Generation könnte das schaffen, was viele Remakes vor ihm versucht haben. Nämlich die Klasse seines Vorbilds erreichen und das Spiel so zu verändern, dass es tatsächlich besser ist, als das Original. Natürlich wissen wir ja aus der ‚Han shot first’-Diskussion, das so etwas nicht immer positiv ist aber die kleinen Veränderungen, die man schon in der Demo ausgiebig testen konnte, ergänzen das Spiel tatsächlich sinnvoll, ohne es zu überladen. Blue Byte & Funatics haben die richtige Entscheidung getroffen, als sie sich dazu entschlossen, das Urspiel unverändert zu übernehmen und nur eine zeitgemäße Oberfläche drüber zu werfen. Man hat schon damals den Siedlern stundenlang in SVGA zugeschaut und jetzt mit der detaillierten 3D-Grafik, wird dies nicht anders werden. Ich jedenfalls, habe schon viele Stunden mit der Demo verbracht und ich bin mir jetzt schon sicher, dass es noch viele mehr mit der Vollversion werden. Die Entwickler können in der kurzen Zeit absolut nichts mehr falsch machen, selbst wenn die kleinen Fehler, grafischer Art, noch enthalten sind, wird Die Siedler II: Die nächste Generation vielleicht kein Blockbuster im klassischen Sinne aber auf jeden Fall das beste Remake aller Zeiten. Hoffen wir, dass die junge Generation die Chance nutzt um ein typisch deutsches Spiel kennen zu lernen und UbiSoft gezeigt wird, das es nicht immer nur  Echtzeitstrategie sein muss. [CH]

(Veröffentlicht 22.07.2006)