Jets ’n‘ Guns Gold

 

Review

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Version 1.222

 

Sidescroller führen heutzutage nur noch ein Schattendasein und finden nur noch selten ihren Weg aus dem Indiebereich in die Läden. Jets 'n' Guns Gold von den Entwicklern bei Rake in Grass hat es geschafft. Aber hat es diese Ehre auch verdient?

Held wider Willen

Zu Beginn ist die Welt noch in Ordnung. Als kleiner Freelance Pilot verdient man sich sein Geld mit kleineren Aufträgen bis dann, wie üblich, das Militär anklopft und zwangsrekrutiert. Bevor der Spieler also weiter drüber nachdenken kann, geht es auch schon um die Zukunft des gesamten Universums. Aber in Jets 'n'  Guns Gold gibt es nicht den direkten Weg zum Obermotz namens Xoxx. Die Reise führt einen vielmehr durch alle Ecken der Galaxie und sogar zurück durch die Zeit. So macht der Held Bekanntschaft mit den Beer ("Resistance is futile. You'll be intoxicated!"), fliegt durch insektenverseuchtes Gebiet und wird sogar unfreiwillig Teil einer "Running Man"-artigen Show. Erzählt wird die Geschichte dabei immer vor und nach einer Mission mithilfe von ansprechenden Comicbildern.

Das Spielprinzip ist jedoch immer das gleiche: Der Level fährt unerbitterlich von links nach rechts und drängt das eigene Schiff dazu, immer in Bewegung zu bleiben. Da dies natürlich absolut langweilig wäre, kommen auch noch gleichzeitig Dutzende von Gegnern auf einen zu. Um diesen Ansturm zu überleben, gilt es immer in Bewegung zu bleiben und aus allen Rohren zu feuern. Allerdings kann auch Dauerfeuer zum Untergang führen, denn das schiffseigene Kühlsystem verträgt nicht unbedingt unendlich viel und die Waffen heizen sich im Dauereinsatz ganz schön auf. Spätestens bei den Bossgegnern, die am Ende vieler Levels auf einen warten, gilt es taktisch klug vorzugehen.

Einkaufen leicht gemacht

Das Geld für diese Waffen erhält man dabei nicht nur für jede absolvierte Mission. Gegner lassen ab und zu Goldbarren fallen und bestimmte Upgrades wie die Bounty Hunter-Lizenz lassen das Konto auch für Abschüsse nach oben steigen. Zwischen den Missionen gibt es dann die Möglichkeit die verdiente Kohle in neue Waffen, Upgrades oder gleich ein komplett neues Schiff zu investieren. Letzteres ist besonders wichtig, da diese auch mehr Waffenslots zur Verfügung haben. Da besonders die verfügbare Anzahl an Waffen unüberschaubar groß ist, gibt es einen kleinen Testlevel zum ausprobieren. Zusätzlich erhält man beim Verkauf immer den vollen und ursprünglichen Gegenwert zurück. So ist absolut unverfängliches  Ausprobieren möglich.

Dies ist auch nötig, denn der Schwierigkeitsgrad ist von Spielbeginn an selbst auf der leichtesten Stufe kein Zuckerschlecken. Selbst erfahrene Sidescroller-Spieler müssen die Zähne zusammenbeißen und sich mit der richtigen Waffen- und Schiffswahl erst Level um Level vorkämpfen. Allerdings läuft das Spiel im Endlosmodus ab. Ist der Endgegner besiegt, beginnt das Spiel einfach wieder von vorne – dieses Mal mit dem gleichen Schiff und der gleichen Ausrüstung wie zu Spielende.

Geheimnis gefunden!

Um die Motivation auch beim zehnten Durchspielen noch hochzuhalten, wird nicht nur im Hintergrund eine detaillierte Highscore geführt, sondern es gilt auch Geheimnisse zu finden. Die meisten davon sind zwar nutzlos und bringen nur etwas Geld.  Aber ab und entdeckt man auch eine neue Waffe oder ein neues Schiff. Es lohnt sich also alles zu zerstören und die Augen aufzuhalten.

Dies ist sowieso immer ratsam. Die Grafik ist zwar nur 2D und geht auch über eine Auflösung von 800x600 nicht hinaus. Dafür ist sie sehr detailliert. Auch die Effekte können sich sehen lassen und verwandeln den Bildschirm in ein wahres Feuerwerk. Auch der fetzige Metal-Soundtrack von der Gruppe Machinae Supremacy macht  nichts falsch. Die treibenden Klänge passen perfekt zum actiongeladenen Spiel und bringen das Blut in Wallung. Amüsant sind versteckte kleine Gags und Andeutungen. Die bereits erwähnten Beer, die eindeutig von den Borg abstammen, sind dabei nur das offensichtlichste Beispiel.

Normal vs. Gold

Im Gegensatz zur normalen Version, die es nur direkt bei Rake in Grass zum Download gibt, bietet die Gold-Version einige interessante Features, die den Kauf  wert sind. Nicht nur ist die Auflösung höher (800x600 zu 640x480), auch die Kampagne wurde um 21 Missionen aufgestockt. Darin befinden sich nicht nur 70 neue Gegnertypen und 16 neue Endgegner, es klingen auch sechs neue Lieder aus den Boxen.

Fazit

Jets 'n' Guns ist der beste Sidescroller, den ich seit Jahren gespielt habe. Die 2D-Grafik mag zwar abschrecken. Aber der Soundtrack, das Effektgewitter und besonders die vielen lustigen Details und Andeutungen auf Filme und andere Phänomene der Popkultur lassen dies schnell wieder vergessen. Der einzige wirkliche Kritikpunkt ist der sehr hohe Schwierigkeitsgrad. Es lohnt sich aber auf jeden Fall die Zähne zusammenzubeißen und sich durch die Gegnermassen zu kämpfen.[CH]

5/5 Punkte

(Veröffentlicht am 18.02.2008)