Kartoffelernte 2007

 

Review

(Gag)
Diskussion

Die Kartoffelernte -Serie wird schon seit Jahrhunderten gespielt aber dennoch gerät sie immer weiter in Vergessenheit. Im Gegensatz zu Titeln wie Pong oder Space Invaders ist ihr leider bis heute der Kultstatus verwehrt geblieben. Dennoch hat der Titel eine große Fangemeinde, die sich jedes Jahr wieder an einer neuen Version erfreut. Werfen wir also einen Blick auf Kartoffelernte 2007. Als Testversion stand uns allerdings nur die spezialisierte Fassung Grumbern ausmache Null-siwe – Hutzelgrundedischn zur Verfügung. Der Test lässt sich aus diesem Grund nur in Teilen auf die unzähligen anderen Fassungen des Titels übertragen.

Revenge of the Grumbern

Das erste Stück fährt man durch ein Dorf.Die Hintergrundgeschichte gewinnt keinen Nobelpreis und ist mehr Mittel zum Zweck. Im Jahre 2007 haben Aliens Eier in langen Reihen in den Äckern verbuddelt. Die Alieneier werden auch „Kartoffeln“ oder „Grumbern“ genannt und gelten als Delikatesse unter der Bevölkerung, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt geerntet werden. Aufgabe der Spieler ist es nun, diese Eier zu entfernen, bevor die kleinen Aliens schlüpfen.

The five stages of Grumbern

Das letzte Stück zum Acker.Das Spiel hält sich nicht lange mit einem Hauptmenü oder überhaupt irgendwelchen Einstellungen auf und wirft den Spieler direkt ins Geschehen. Er wird direkt vor die Wahl gestellt ob er in der ersten Fahrmission am Steuer oder auf dem Beifahrersitz Platz nehmen möchte. Das erste Ziel ist aber unabhängig davon, immer das Erreichen des Kartoffelackers in einem Stück. Im zweiten und längsten Teil des Spiels, geht es darum die bereits freigelegten Kartoffeln vom Acker zuerst in Eimer bzw. Körbe zu befördern und dann in Säcke zu verpacken. Danach gilt es diese Säcke auf das bereitgestellte Fahrzeug zu laden, unbeschädigt ins Lager zurückzufahren und dann noch die Säcke im Keller auszuleeren. Alle Phasen werden dabei in der Egoperspektive absolviert um dem hohen Realismusanspruch gerecht zu werden. Das gesamte Spiel läuft in Echtzeit ab und richtet sich auf die tatsächliche Zeit aus.

Pick the Grumbern up!

Und wieder eine Kartoffel erfolgreich aufgenommen.Das gesamte Gameplay ist einfach und man hat es eigentlich sofort verstanden, dennoch gibt es noch genug Ausbaumöglichkeiten um auch erfahrene Spieler zu meistern. Natürlich besteht der Hauptteil des Spiels nur daraus die Kartoffeln in die Hand zu nehmen und in einen Behälter zu werfen aber dennoch kann man hier einige Variationen einbauen indem man z.B. den Behälter weiter Weg stellt. Außerdem gibt es drei Kategorien von Kartoffeln, die ordnungsgemäß sortiert werden wollen, sonst gibt es Punkteabzuge.

Move like a Grumbern

Realistische Darstellung und minimales HUD.Die Steuerung ist dabei sehr intuitiv und erfordert keinerlei Eingabegeräte. Alles funktioniert per Gedanken. Der Spieler muss also nur daran denken mit welchem Arm er die Kartoffel aufheben möchte und der Rest passiert quasi wie von alleine. Da die Spielfigur ein echter Teil der Welt ist (wie in Dark Messiah), lässt sich jeder einzelne Muskel vollkommen realistisch bewegen. Man sollte allerdings aufpassen, denn es sind auch Verletzungen vorgesehen und je schwerer diese ausfällt, desto wahrscheinlicher ist es, dass es Game Over heißt. Man bekommt aber vom Programm in jeder Situation sehr detailliertes Feedback um früh genug vorbeugen zu können. Das Spiel erfordert also kompletten Körpereinsatz und trägt zur allgemeinen Ertüchtigung mehr bei als Wii Fit.

Two Grumbern are better than one

Ein gefüllter Sack Kartoffeln.Obwohl der Titel auch alleine spielbar ist, entfaltet sich der richtige Spielspaß erst ab zwei Mitspielern. Die Anzahl der Mitspieler ist dabei theoretisch nach oben offen, praktisch ist es aber (je nach Größe des Ackers) ab einer bestimmten Zahl an Spielern nicht mehr möglich sich auf dem Feld zu bewegen, da die Kollisionsabfrage verhindert, dass man durch andere Spieler hindurchgehen kann. Zusätzlich hat die Zahl der Mitstreiter auch massive Auswirkungen auf die Spielzeit. Während man zu dritt für alle Stationen gut sechs Stunden beschäftigt ist, dürfte man alleine mindestens die doppelte Anzahl brauchen.

„Look, a realistic Grumbern!“

Das Kartoffelfeld nach der ErnteDie technische Seite des Spiels steht über allem, was bislang für Konsolen und PC jemals veröffentlicht wurde. Die Grafik ist phänomenal und stellt mit absoluter Leichtigkeit alle Effekte von Bump Mapping bis hin zu HDRR absolut realitätsnah nach und bietet je nach Wetter eine riesige Weitsicht. Genauso verhält es mit dem Sound, der ein Surroundsound-Gefühl aufkommen lässt, dass selbst mit einem 7.1-System unmöglich erscheint. Und um das alles noch vollkommen zu toppen, steht auch die Physiksimulation den anderen Aspekten in nichts nach und gibt dem Gesamtwerk den letzten Schliff, damit es absolut nicht mehr von der Realität zu unterscheiden ist. Das Beste daran ist aber, dass dies alles sogar ohne PC oder Konsole mit ausreichend hohen Frameraten läuft. Die minimalen Systemvoraussetzungen sind zwei Beine, ein Arm und ein Auge. Wir empfehlen allerdings stattdessen zwei Beine, zwei Arme und zwei Augen auch wenn es theoretisch sogar möglich ist das Spiel völlig blind zu spielen.

Fazit

Eine enorme Weitsicht.Kartoffelernte 2007 ist, wie seine Vorgänger, der helle Wahnsinn. Schon allein die technischen Features mitsamt dem hohen Realismusgrad hauen einen aus den Latschen und übertreffen alles bisher da gewesene. Umso mehr verwundert es mich, dass nur noch so wenige Leute diesen Titel anfassen. Natürlich hat das Spiel seine Defizite und Einschränkungen aber dennoch meckere ich hier auf einem Niveau, dass nicht einmal ein Crysis, World of Conflict oder Pro Evolution Soccer erreichen kann. Ich kann also nur jedem empfehlen, den lokalen Bauern (die einzige Bezugsquelle) zu besuchen und sich schon einmal Kartoffelernte 2008 vorzubestellen (die 2007er-Version ist mittlerweile wohl so gut wie ausverkauft). [CH]

 

Wertung: 10/5 Punkte

(Veröffentlicht am 08.09.2007)