Micro Machines V4

 

Review

Diskussion
 

8 Jahre sind nun seit Micro Machines V3 vergangen und es gibt nur wenige Spieleserien von denen so sehnsüchtig ein Nachfolger erwartet wurde. Es gab zwar diverse Versionen für die Konsolen aber keinen echten Nachfolger. Nun hat sich Codemasters ein Herz gefasst und Version 4 als direkten Erben von V3 veröffentlicht. Aber kann das Spiel tatsächlich an seine legendären Vorgänger anschließen? Fangen wir von vorne an:

Kleine Autos

In Micro Machines steuert man kleine Spielzeugautos durch skurrile Umgebungen. V4 bietet dem Spieler hierbei eine große Auswahl an Umgebungen. Von Billardtischen über einem Rundkurs um ein Waschbecken bis hin zu einer Straßenbaustelle gibt es nichts, was die Minirenner nicht unsicher machen. Von allen Kursen gibt es verschiedene Varianten wie z.B. spiegelverkehrt und bieten diverse Hindernisse. Je nach Thema fallen diese natürlich anders aus. In der Schreinerei sollte man nicht die Kreissäge näher kennen lernen, während der Strand von einer Riesenkrabbe unsicher gemacht wird.

Aber dies sind natürlich nicht die einzigen Gefahren, die den armen Spieler erwarten. Nicht nur dass die, bis zu 3, gegnerischen Wagen einem das Leben durch einen aggressiven Fahrstil schwer machen, es gibt auch diverse Waffen die auf der Strecke verteilt liegen. Diese reichen von einem riesigen Hammer für den Nahkampf bis hin zu einer ziel suchenden Rakete. Die Waffen bringen einen nicht nur aus der Bahn, sondern richten auch verheerenden Schaden an. Dies ist besonders schlimm, da sich der Schaden auf das Fahrverhalten der Wägelchen auswirkt. Selbst ein Spielzeugauto steuert sich mit einem oder mehreren fehlenden Reifen nicht mehr so gut. Zwar kann man nie völlig zerstört werden aber wenn der Lebensbalken nur noch schwarz ist, büßt man soviel Geschwindigkeit ein, dass man sowieso verliert. Abhilfe schaffen hier verschiedene Power-Ups. Neben der normalen Pille, die die Gesundheit des eigenen Fahrzeugs auf 100% zurücksetzt, ist hier vor allem der Ausgleicher besonders fies. Wird dieses Power-Up eingesammelt, werden sofort die Lebensbalken der Wagen aneinander angeglichen. Das freut natürlich denjenigen, der schon mit dem Arsch auf der Fahrbahn hängt und ärgert den, der noch mit voller Energie durch die Gegend fährt.

Trotz des Schadenmodells, ist Micro Machines V4 aber dennoch ein reiner Arcade-Racer und steuert sich auch so. Als Eingabegeräte kann man entweder die Tastatur oder ein Gamepad verwenden – allerdings nur im Multiplayer. Aus unerfindlichen Gründen kann man im Singleplayer nur auf die Tastatur zurückgreifen. Obwohl sich die Autos damit auch super steuern lassen, hoffe ich doch, dass Supersonic sich dazu entschließt noch einen Patch nachzureichen, der auch im SP ein Gamepad erlaubt.

Auto-Party

Zusammen macht das Spiel aber auch wesentlich mehr Spaß. Man kann entweder mit bis zu 4 Spielern vor einem Rechner oder über Netzwerk bzw. Online an den Start gehen. Sollten Mitspieler fehlen können diese, auf Wunsch, durch KI-gesteuerte Fahrzeuge ersetzt werden. Die KI fährt sehr aggressiv und ist deshalb selbst auf ‚Leicht’ kein einfach zu besiegender Geselle. Da das einzige Ziel des Spiels allerdings nur das Freischalten von allen Level und Autos ist und man dies auch im Multiplayer-Modus machen kann, gibt es eigentlich keinen Grund alleine gegen die KI zu fahren. Man erhält, je nach Platzierung und Anzahl der teilgenommenen Fahrzeuge, bis zu 40 Credits. Die einzelnen Level müssen allerdings nicht erkauft werden, sondern werden nach und nach freigeschaltet. Hat man genug Credits beisammen, sind auch automatisch alle Level freigespielt. Schwieriger sind hier schon die Fahrzeuge. Hier entscheidet allein die Platzierung in der Gesamtwertung ob man ein neues erhält oder nicht. Welches man erhält scheint  purer Zufall zu sein. Die 750 verschiedenen Autos sind  zunächst in 25 Fahrzeugklassen unterteilt und dann noch mal in 6 Sets: 3 Standart-, zwei Special- und jeweils ein seltenes Set. Wie die Namen schon andeuten, ist die Wahrscheinlichkeit ein gewöhnliches Auto Freizuspielen viel höher, als die ein seltenes zu erhalten. Aus jeder Fahrzeugklasse kann man sich eines als Favorit festlegen, das bei einem Rennen dann automatisch ausgewählt wird.

Auto-Basar

Natürlich kann man solange spielen bis man alle selbst freigeschaltet hat aber wer es schneller möchte hat zwei Möglichkeiten: Tauschen oder Stehlen.

Beim Tauschen, wie der Name schon sagt, kann man mit einem anderen Spieler Autos aus der eigenen Sammlung, die einem vielleicht nicht so gefallen, gegen Autos aus der Sammlung des Gegenübers tauschen. Die andere Möglichkeit hat sich Supersonic hingegen von Need For Speed: Most Wanted abgeschaut. Wählt man den Menüpunkt ‚Gegen Einsatz spielen’, darf sich der Gewinner des Rennens ein beliebiges Auto aus dem Arsenal eines beliebigen Gegners aussuchen. Letztere Variante ist natürlich sehr ärgerlich für den Verlierer. Das Sammeln der Fahrzeuge macht auch Sinn, weil Sie verschiedene Eigenschaften bieten. Formel Eins-Flitzer fahren nun mal schneller als ein billiger Bus. Dafür nimmt der Bus die Kurven besser als schneller Flitzer.

Fiese Autofahrer

Um die Fahrt im Multiplayer-Modus für die Überlebenden noch zusätzlich zu erschweren, haben die bereits ausgeschiedenen Fahrer Zugriff auf eine Spezialwaffe. Diese sind je Levelthema unterschiedlich. Während man im Frisörsalon die Möglichkeit bekommt die anderen Fahrer mit einem Fön von der Piste zu pusten, wirft man am Billardtisch mit Dartpfeilen um sich.

Die Umgebungen sind hierbei liebevoll gestaltet und passen zu den einzelnen Grundthemen. Da liegen umgekippte Bunsenbrenner, Schulbücher uvm. im Chemieklassenraum herum, während am Strand Eistüten und Bälle den Weg erschweren. Die Übersicht ist dabei immer voll gegeben wobei man die Möglichkeit hat zwischen der alten Topdown-Perspektive aus dem Ur-Micro Machines, der klassischen Kamera aus Micro Machines V3 und einer dynamisch dem Streckenverlauf folgenden Kamera. Die Grafik an sich ist allerdings sehr detailarm. Obwohl Supersonic mit der verbesserten Version von Mashed (Fully Loaded) schon letztes Jahr gezeigt hat, wie gut die Renderware-Engine aussehen kann, kommt dies in Micro Machines V4 nicht wirklich rüber. Es gibt zwar die üblichen Effekte wie Spiegelungen und Explosionen aber wenn man die Gesamtdarstellung betrachtet, ist alles doch sehr einfarbig. Soundtechnisch erwartet den Spieler auch kein Höhenflug. Hier bietet das Spiel nur minimale Untermalung in Form von Waffensounds und dem Gebrumme der Wagen.

Als zusätzlicher Bonus liegt dem Spiel auch noch ein Streckeneditor bei, was sich im ersten Moment toll anhört, führt nach dem Ausführen zu Ernüchterung. Es werden einem nur rudimentäre Möglichkeiten geboten. Nachdem am Anfang den Namen und das Grundthema der Strecke ausgewählt wurden, bekommt man eine fertige Umgebung vorgelegt. Hier kann nun anhand von Wegpunkten den Streckenverlauf festlegt und an vorgegeben Plätzen Power-Ups gelegt werden. Zwar ist so schon nach 5 Minuten ein Level fertig, das halbwegs professionell wirkt aber für Profis bietet das Tool absolut zu wenig Möglichkeiten und die Strecken wiederholen sich auch entsprechend schnell.

Fazit

Sagen wir es gleich wie es ist: Micro Machines V4 enttäuscht auf ganzer Linie. Nicht nur Mad Tracks hat vor kurzem gezeigt, wie es richtig geht – nein auch schon, das vor zwei Jahren erschienene Mashed: Drive to Survive und die aufpolierte Version Mashed: Fully Loaded, die übrigens nie offiziell für den PC erschien, aus dem selben Hause, zeigen wie es wesentlich besser geht. Das Mashed: Fully Loaded nun endlich in einer PC-Version als Beilage der GameStar 08/2006 erhältlich ist, hilft Micro Machines V4 auch nicht wirklich weiter. Das Spiel macht im Vergleich zur Konkurrenz so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann. Es bietet im Vergleich zu Mad Tracks viel zu wenig Abwechslung und sieht im Vergleich zu Mashed viel schlechter aus. Auch der rettende Anker „Streckeneditor“ ist ein purer Witz. Die einzigen positiven Punkte sind die sehr vielen verfügbaren Level, die riesengroße Anzahl an verschiedenen Autos und die Möglichkeit alles zusammen mit Freunden Freizuspielen. Keine Frage: Micro Machines V4 setzt die Serie konsequent fort und ist innerhalb der Serie auch ein riesiger Fortschritt, der auch vor allem mit Freunden sehr viel Spaß macht. Wenn man aber die Alternativen betrachtet und den Preis zu dem sie zu haben sind, bietet einem Micro Machines V4 wesentlich weniger als wenn man sich Mashed: Fully Loaded und Mad Tracks holt und kostet mehr. Micro Machines V4 sollten sich wirklich nur die kaufen die entweder die zwei genannten schon bis zum vergasen gespielt haben oder der Sammelsucht verfallen und irgendwann alle 750 Autos in der Garage geparkt sehen wollen. [CH]

3/5 Punkte

(Veröffentlicht am 21.07.2006)