Overlord: Raising Hell

 

Review

Diskussion - Screenshots

Das Spiel Overlord war Mitte 2007 ein kleiner Überraschungshit. Grund genug für Triumph Studios mit einem kleinen Add-on nachzulegen und die Geschichte rund um den dunklen Herrscher weiterzuführen.

Verraten und Vergessen

Am Ende des Hauptspiels war die Welt in Ordnung. Unter der Führung des Spielers konnte der Overlord sein ursprüngliches Reich zurück unter seine Herrschaft bringen und seine Widersacher auslöschen – zumindest glaubte er dies. Eine kleine Sequenz nach den Credits deutete bereits an, dass eine bestimmte Person nicht ganz so glücklich mit der aktuellen Situation war.

Ausgerechnet der Hofnarr führte ein Ritual durch, welches einem vergessenen Gott den Weg zurück in die Welt ermöglichte. Aus Wut darüber, dass niemand mehr seinen Namen kennt, hat dieser es sich nun auf die Fahne geschrieben den Bewohner des Landes das Leben schwer zu machen indem er sie mit Lügen hinab in sein Reich lockt. Der Overlord kann dies natürlich nicht auf sich sitzen lassen und macht sich nun auf den vergessenen Gott zu stellen und seinen Herrschaftsbereich auf die Hölle auszudehnen.

Unendliche Qualen

Um dies zu bewerkstelligen, gilt es in vier neuen Dungeons den sogenannten Kluftenstein zu bergen, um damit dann den Weg in den fünften Abgrund freizuschalten. Dort wartet dann der vergessene Gott auf den Overlord. Diese Dungeons sind dabei ganz auf die Bewohner der Umgebungen angepasst, in denen sich ihr Zugang befindet. So werden im Abgrund von Eversong, die Elven dazu gezwungen in einem, sich unendlich wiederholenden, Theaterstück immer und immer wieder von Untoten abgeschlachtet zu werden. Im Reich der Zwerge hingegen, machen es sich ein paar sadistische Untote einen Spaß daraus die zwergische Sucht nach Gold auszunutzen und so gemeine Spiele mit ihnen zu treiben.

Wie bereits im Hauptspiel, nutzt hier Triumph Studios wieder sehr gekonnt etablierte Rollenspielklischees und formt daraus nicht nur ansprechende und abwechslungsreiche, sondern auch äußerst witzige Aufgaben für den Overlord. Im Vergleich zum Hauptspiel erfordern diese auch wesentlich mehr Köpfchen. Ein sehr gutes Beispiel ist ein Rätsel im Dungeon der Halblinge:

Nachdem der Overlord den fetten König Melvin im Hauptspiel zum Platzen gebracht hatte, ist dieser in seiner ganz persönlichen Hölle dazu verdammt sich immer und wieder vollzufressen und dann am Ende zu explodieren, nur um kurze Zeit später wieder zu erscheinen und wieder von vorne zu beginnen. Nun versperrt eine Steinwand den Weg des Overlords und was liegt da näher sich die Explosion von Melvin zu Nutze zu machen, um diese einzureißen? Der Weg zum Hebel, der die Bereitstellung des Essens regelt, wird jedoch von aggressiven Kürbissen blockiert. Durch den geschickten Einsatz seiner Minions gilt es also nun erst den Kürbissen den Gar auszumachen und dann die Vergabe des Essens so zu planen, dass Melvin an der richtigen Stelle explodiert. Die aggressiven Kürbisse sind übrigens eine gelungene Anspielung auf die erste Quest des Hauptprogramms.

As you wish, Master!

Das grundlegende Spielprinzip hat sich dennoch nicht wirklich verändert. Es gilt weiterhin vier verschiedene Arten von Goblins zu beschwören und durch indirekte Steuerung deren verschiedene Eigenschaften geschickt einzusetzen. Als neue Gegnertypen stehen diesen neben besagten Kürbissen vor allem verschiedene Arten von Untoten im Weg, während sich der Rest aus bereits bekannten aber dämonisierten Charakteren zusammensetzt. Auch können die Minions nun Dinge verschieben und manuell gesteuert durch die Gegend tragen, was das Spiel auch prompt für einige Rätsel nutzt. Hier macht sich dann auch gleich der größte Kritikpunkt des Hauptspiels wieder bemerkbar: die Steuerung.

Während sich das Spiel grundsätzlich gut mit Tastatur (für den Overlord) und Maus (für die Minions) steuern lässt, ist besonders in Situationen, in denen der Overlord indirekt irgendwelche Sachen durch die Gegend bewegen muss, die Maus stark. In der Standardbelegung gilt es in solchen Situationen sowohl die linke als auch die rechte Maustaste gedrückt zu halten und dann die Maus in die gewünschte Richtung zu bewegen.  Allerdings ist nie wirklich klar in welche Richtung man sie bewegen muss, weshalb das Zielen mehr zu einem frustrierten Glücksspiel mutiert, als wirklich intuitiv vonstatten zu gehen. Hier ist definitiv das Gamepad mit zwei Analogsticks der Maus-Tastatur-Kombination überlegen. Im Test war zusätzlich auch noch ein Bug zu beobachten, in der sich die linke oder rechte Maustaste fest fror – also die Aktion auch nach dem loslassen noch weiter ausgeführt wurde. Dies lies sich zwar durch den erneuten Druck der Taste beheben, kann jedoch speziell im Kampf gegen den Endgegner schnell zu einem „Game Over“ führen.

Noch mehr Neues

Die weiteren Neuerungen, die das Add-on mitbringt, sind eher Standardkost. So gibt es einen neuen Schwierigkeitsgrad und neue Challenges in der Turm eigenen Arena. Auch gibt es neue Formen für die Schmiede zu finden, mit denen sich einzigartige Waffen und Rüstungen schmieden lassen. Zwar sehen diese wesentlich besser aus als die bisherigen Sachen und bieten jeweils ein spezielles Feature wie die Chance, dass der Gegner auf den Boden fällt, aber insgesamt sind sie nur ein nettes Gimmick und werden nicht wirklich benötigt.

Viel interessanter sind da die acht neuen Multiplayer-Karten und die Einführung eines Splitscreen-Modus, der allerdings mit Patch 1.4 mittlerweile auch für das Hauptspiel verfügbar ist.

Die technische Seite

In technischer Hinsicht hat sich gegenüber dem Hauptspiel nichts getan, was jedoch nicht negativ zu sehen ist. Die Grafik ist immer noch ansehnlich und bietet viele nette Effekte. Besonders die Minions sind immer noch liebevoll animiert und sehen mit den neuen Gegenständen fast noch schräger aus als zuvor. Die neuen Umgebungen wirken aber durch die noch größere Liebe zum Detail teilweise wesentlich ansehnlicher. Dabei bleiben die Hardwareanforderungen auf dem Niveau  des Hauptprogramms und sind weiterhin sehr moderat.

Auch am Sound gibt es nicht auszusetzen, auch wenn es weiterhin keine Hintergrundmusik gibt. Die Synchronisation ist, zumindest in der englischen Sprachausgabe, gleichermaßen ohne Makel und stimmig.

Was noch?

In Deutschland steht die ungeschnittene und mehrsprachige PC-Version des Add-ons mit dem Hauptspiel gebündelt im Laden. Wer hingegen nur das Add-on möchte, muss dies Online bei einschlägigen Games-on-Demand beziehen. Xbox 360-Besitzer bekommen das Add-on ausschließlich vom Xbox Live Marketplace.

Ansonsten integriert sich das Add-on in das Hauptspiel. Hinab in die Abgründe kann der Overlord aber erst steigen, nachdem der Endgegner des Hauptspiels das Zeitliche gesegnet hat. Wer also sein altes Profil nicht aufgehoben hat, muss nun noch einmal von vorne beginnen.

Fazit

Alles in allem ist Raising Hell tatsächlich besser als das Hauptspiel. Besonders die anspruchsvolleren und abwechslungsreicheren Rätsel sind einfach gelungener. Aber trotz des soliden Gameplays und der netten Geschichte, lebt auch das Add-on am meisten von den tiefschwarzen und zahlreichen Gags und Gemeinheiten. Das Triumph Studios dabei auch noch auf einige lustige Angelegenheiten aus dem Hauptspiel aufbaut, ist ein nicht zu verachtender Aspekt, der noch einmal für extra Lacher sorgt. Besitzer von Overlord müssen einfach zuschlagen und wer bislang gezögert hat, sollte nun zumindest beim Komplettpaket zugreifen. Abschließend hoffe ich inständig, dass es einen zweiten Teil geben wird. Zwar ist die Geschichte, wie im Hauptspiel, eigentlich abgeschlossen, dem ungeachtet wird natürlich auch dieses Mal wieder ein Hintertürchen offen gelassen.[CH]

5/5 Punkte

(Veröffentlicht am 21.04.2008)