Uplink

 

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Version 1.54

Hacker (die Guten) und Cracker (die Bösen) sind auch heutzutage noch von einem geheimnisvollen Mythos umgeben und werden nicht nur deswegen mit vielen Vorurteilen bedacht. Dies liegt wohl einerseits an der Darstellung dieser Gruppen in den wenigen Filmen die sich mit der Thematik auseinandersetzen  aber andererseits auch an den Spielen welche das Thema bislang eher stiefmütterlich behandelt haben. Zwar gabt es viele Spiele, zumeist ScienceFiction-Rollenspiele wie Deus Ex, in denen man Computer „hacken“ kann, dennoch war es noch nie ein großes Gameplay-Element. Dabei hat die ganze Thematik doch ihren ganz eigenen Reiz, was auch Introversion erkannt hatte. 2001 erschien deshalb ihr Erstlingswerk Uplink.

Job-Angebot

Zu Beginn des Spiels, „connected“ der Spieler zum Uplink Public Access Server und meldet sich dort als ein neuer Agent des Unternehmens an. Uplink Corporation ist eine Underground-Firma,die Aufträge annimmt, die mit Computern zu tun haben und die Grenze der Legalität teils weit überschreiten. Damit ihr allerdings nichts nachgewiesen werden kann, stellt sie den Hackern nur die Hardware, einen anonymen Bankaccount (nein, nicht in der Schweiz) und eine zentrale Anlaufstelle im Internet namens Uplink Internal Services Machine zur Verfügung.

Aufgabe des Spielers ist es nun die Aufträge anzunehmen und zu erfüllen, die bei Uplink Corp. eingehen. Dadurch verdient man nicht nur Geld, um sich bessere Software und Hardware zu kaufen, sondern steigt auch innerhalb der Firma im Rang auf, wodurch  ihr Zugriff auf gefährlichere, aber auch wesentlich lukrativere Aufträge bekommt. Während man zu Beginn zum Beispiel nur damit beauftragt wird ein paar Dateien von einem Server zu löschen, wird es später nötig ganze Netzwerke infiltrieren, um den Wunsch des Kunden zu erfüllen.

Dem Spieler steht allerdings das komplette Internet zu seiner Verfügung. Vorausgesetzt er hat die entsprechende Software, lässt sich fast jeder Server auf irgendeine Weise hacken, auch ohne das man einen speziellen Auftrag dazu hat. So kann er Bankaccounts hacken und sein eigenes Konto etwas aufbessern oder auf den vielen Servern nach versteckten Eastereggs suchen gehen.

Das WWW

Software und Hardware spielen eine zentrale Rolle, damit man als Hacker erfolgreich  sein kann. Was bringt es einem, wenn man den Auftrag hat 120 Gigaquads (die Dateigrößeneinheit von Uplink) zu kopieren, wenn auf dem eigenen Gateway nur mickrige 20gq Speicher zur Verfügung stehen? Genauso bringt es nichts, wenn man sich gerade ewig durch ein Netzwerk vorgearbeitet hat und dann feststellen muss, dass gar nicht die benätigte Software installiert ist, die ich brauche ,um den letzten Server zu hacken. So ist der allererste Schritt, den man tun sollte, sich zur Uplink Internal Services Machine zu verbinden und die paar Kröten, die man auf dem eigenen Konto hat, in erste Software zu investieren. Diese steht meist in diversen Versionen zur Verfügung, wobei eine höhere Versionsnummer teurer ist,  dafür aber auch einen besseren Dienst leistet. So kann Version 1 des „Logdateienlöschers“ zwar Logs löschen,jedoch bleibt eine verdächtige Lücke zurück. In der höchsten Versionsnummer hingegen, schließt er diese Lücke  automatisch nach erfolgreichem Löschen.

Hat man sich nun mit den Standardwerkzeugen eines Hackers eingedeckt, wie mit einem Dateikopierprogramm oder einem „Trace Tracker“, kann man sich aus der Missions Liste den ersten Auftrag ziehen.

Wurde der passende Auftrag gefunden, der den eigenen Fähigkeiten entspricht, kann man noch eine Chatverbindung mit dem Auftragsgeber aufbauen und ihn beispielsweise fragen, wie sicher eigentlich der Zielserver oder ob nicht etwas mehr Geld dafür drin ist. Hat man sich diese Informationen dann geholt, steht die Entscheidung an, ob man diesen Auftrag annimmt oder sich jemand anderen sucht. Nimmt man ihn an, erhält man sofort eine E-Mail mit den Auftragdetails zusammen mit der IP-Adresse des Zielservers.

Hacking for Beginners

Nun liegt das weitere Vorgehen völlig in der Hand des Spielers. Dieser muss nur einen Weg finden den Auftrag zu erledigen, ohne dabei erwischt zu werden, denn die Besitzer des Servers haben natürlich Sicherheitssysteme am Werkeln. Während die einen nur durch ein Passwort geschützt werden, haben andere Systeme ein mehrstufiges Sicherheitssystem mit Spracherkennung und anderen Spielereien, wie Firewalls oder Proxies. Zusätzlich werden beim ersten Anzeichen eines Hacks sofort ein aktiver und ein passiver Trace im Hintergrund gestartet. Während der aktive Trace schnell ist, hat dieser den Nachteil, dass der Hacker sich mithilfe des Trace Trackers einklinken kann und so sieht wie weit dieser fortgeschritten ist. Der passive Trace dauert hingegen etwas länger, dafür läuft er nicht sichtbar im Hintergrund ab und führt bei unachtsamen Hackern schnell zu einem Game Over, obwohl schon mehrere Ingame-Spielstunden vergangen sind.

Wurde man erwischt, ist das Spiel automatisch vorbei und da es keine offizielle Möglichkeit zum Speichern gibt, sollte man es tunlichst vermeiden, dass dies passiert. Im späteren Spielverlauf gibt es zwar noch diverse Möglichkeiten, dass frühe Ende abzuwenden, aber trotzdem muss man hochkonzentriert bei der Sache sein, denn schon ein übersehenes Log kann das Ende bedeuten.

Um an zusätzliche Serveradressen zu kommen, die den Weg des aktiven Trace verlängern können, gibt es die Firma InterNIC. Diese stellt ein Onlineverzeichnis von Firmenservern aller Art bereit, die ganz einfach ins eigene Adressbuch übernommen werden können. Diese erscheinen dann auf einer Weltkarte auf der dann genau die Route zum Zielserver geplant wird.

Nach einem Klick auf „Connect“ findet man sich dann auf dem Zielserver wieder und beginnt den Hackvorgang. Nach dem erfolgreichen Einloggen, ist es dann an der Zeit seinen Auftrag ausführen oder andere Spielereien zu erledigen. Für Sadisten ist hier vor allem interessant das Zielsystem über die Console abstürzen zu lassen. Je nach Art von Aufträgen die man annimmt und wie man sich auf den gehackten Servern verhält, bekommt man von der Hacking-Community ein Neuromancer-Rating verpasst. Dies drückt die moralische Einstellung des Hackers aus, also ob er eher ein egoistischer Soziopath oder ein freundlicher Geselle ist, der der Gesellschaft keinen Schaden zufügt. Nach erfolgreicher Erledigung antwortet man dann dem Auftraggeber – wieder mit einer E-Mail – der dann überprüft, ob man wirklich alles nach seinen Wünschen erledigt hat und dann das vereinbarte Geld überweist.

Hardware

Dies kann man dann wieder in neue und bessere Software investieren oder investiert es in ein neues Gateway oder nur neue Hardware.

Ein Gateway hat nur eine bestimmte Anzahl an CPU- und Speicherplätzen zur Verfügung und kann auch nur bestimmte Hardware handeln. Um bessere und mehr Hardware unterbringen zu können, muss deshalb in ein teureres Gateway investiert werden. Die Hardware wirkt sich dabei immer direkt auf den Hackingvorgang aus. Investiert man in eine neue und schnellere CPU, läuft die Software wesentlich schneller und mehrere laufende Programme, beeinträchtigen sich nicht mehr so stark. Die CPU-Auslastung der einzelnen Programme kann dabei über Schieberegler am oberen Bildschirmrang jederzeit verändert werden. Soll der Passwort Breaker z.B. schneller arbeiten, weißt man ihm dafür mehr Kapazität zu allerdings mit einbußen für die anderen Programme.

Hat man so einige Monate erfolgreich als Hacker verbracht, beginnt irgendwann plötzlich die Story des Spiels. Diese dreht sich um zwei Firmen, von der eine einen tödlichen Virus namens Revelation programmiert hat, der droht das ganze Internet auszulöschen, während die andere dies zu verhindern sucht. Der Spieler ist nun mittendrin und muss sich für eine Seite entscheiden. Je nach Seite fallen die folgenden Aufträge und vor allem das Ende des Spiels völlig unterschiedlich aus. Zwar kann man auch ein Endlosspiel spielen, aber da sich nach erreichen des höchsten Status, die Aufträge doch immer gleich bleiben, fehlt hier auf Dauer doch die Langzeitmotivation, wenn man bereits die beste Hardware und Software hat obwohl es noch unzählige Sachen gibt, die man machen kann wie z.B. an der Börse mitmischen.

Späße mit der Angst

Wie von Introversion mittlerweile gewohnt, bietet auch das Erstlingswerk einige nette Gags und Schockmomente. So gaukelt einem das System u.a. beim Anmelden vor, man würde mit dem eigenen Computer zum Gateway connecten. Um die Verwirrung komplett zu machen, kann man sich auch intern ein IRC-Programm kaufen, welches dann zum realen IRC-Server (irc.uplinkcorp.net:6667) von Uplink eine Verbindung aufnimmt. Zusätzlich wurden die Firmen alle nach real existierenden benannt. So kann man es endlich Activision heimzahlen, das Quake Wars auf nächstes Jahr verschoben wurde. Die hohe Modbarkeit von Uplink erlaubt es außerdem selbst neue Server hinzuzufügen oder seinen Freundeskreis in die Global Criminal Database einzubauen.

Techtelmechtel

Grafisch präsentiert sich Uplink sehr spartanisch, was aber zur Atmosphäre passt. Man arbeitet die gesamte Zeit in einer Konsolenartigen Umgebung mit simplen Grafiken und viel Handarbeit. Zwar kann man für viele Dinge auf die Maus zurückgreifen. aber wenn auf einem Server in der Console Eingaben erforderlich sind, muss auf die Tastatur zurückgegriffen werden und wer keine Unix- oder zumindest DOS-Kenntnisse hat, wird dort auch schnell verloren sein, da Befehle wie "cd usr" erforderlich sind.

Die Musik ist sehr ruhig und dank ihrer elektronischen Herkunft passend zum Thema. Auch die restlichen, eher spärlichen Geräusche passen ins Spiel und verursachen mitunter Gänsehaut. Vor allem das Piepsen des Trace Trackers, bringt das Blut in Wallung.

Trotz seines hohen Alters von bald sechs Jahren, arbeitet aber auch heute noch ein freier Mitarbeiter an Patches mit neuen Features. Der Patch auf 1.54 vom 17.11.06 fügte z.B. die Möglichkeit ein, seinen Agenten frühzeitig und auf eigenen Wunsch in den Ruhestand zu schicken. Gute Englisch-Kenntnisse sind allerdings Vorraussetzung für das Spiel, da es keine deutsche Übersetzung gibt. Zusätzlich ist es auch nur noch direkt bei Introversion (mit Verpackung und CD) oder über Steam (reiner Download) beziehbar.

Fazit
Uplink hat nicht nur ein faszinierendes Thema als Grundlage, sondern setzt dieses auch erschreckend realitätsnah um. Natürlich kann man nach dem Spielen von Uplink im realen Leben keine Server hacken, allerdings bekommt man durchaus ein Gefühl dafür, wie sich ein echter Hacker fühlen muss – und das erschreckende daran ist, dass es sich gut anfühlt. Diese Spannung während man an einem Hack arbeitet, ist unvergleichbar und zeigt die seltsame Faszination hinter dem Mythos des Hackers. Durch die vielen Anspielungen auf Filme wie Sneakers oder generell die reale Welt, sowie auf das zweite Werk von Introversion (Stichwort: Darwinia Reasearch Server) und die vielen versteckten Eastereggs auf den unzähligen Servern, verbringt man gerne mehrere Stunden eingeloggt auf dem Gateway – immer in der Angst erwischt zu werden.

Wer also wenig Skrupel sowie die nötige Geduld und die Nerven für einen langwierigen Netzwerkhack hat, sollte sich zumindest die neuste Demo (die es, wie das Spiel, auch für Linux und Mac gibt) einmal ganz genau anschauen. Eine klare Empfehlung für alle kann man nicht aussprechen, da Uplink in kein bekanntes Genre gepresst werden kann und so jeder für sich eine individuelle Entscheidung treffen muss. Ich hatte, habe und werde auf jeden Fall auch noch längere Zeit mit diesem gelungen Werk verbringen und mich in den Tiefen des fiktiven Internets verlieren, um auch den letzten Server erfolgreich mit dem Befehl „shutdown“ ins virtuelle Nirwana zu befördern. [CH]

5/5 Punkte

(Veröffentlicht am 23.12.2006)