League of Legends (ESLtv Screencap)

League of Legends (ESLtv Screencap)

Es dürfte mittlerweile klar sein, dass ich absoluter Fan von eSport-Streams bin. Ich finde es super und überhaupt nicht langweilig den Pros dabei zuzuschauen, wie sie ihre Arbeit machen. Ich fiebere feste mit, freue mich über „sick plays“ und lerne hier und da tatsächlich auch dazu beziehungsweise versuche bestimmte Sachen bewusst zu beachten/zu machen wenn ich dann mal selbst spiele (mit mehr oder weniger Erfolg, versteht sich). Zwar habe ich in keinem Spiel irgendein Team, wo ich jetzt sage: Das sind meine absoluten Favoriten und ich verfolge jeden Schritt, den sie tun. Aber natürlich gibt es in jedem Match jemanden, den ich dann doch lieber gewinnen sehe (meist das bekanntere Team :smile: ). Derzeit schaue ich League of Legends, Counter-Strike: Global Offensive und selbstverständlich Quake Live. Ab und an auch mal eine Runde StarCraft II aber mit DotA 2 kann ich weiterhin überhaupt nichts anfangen und mit Hearthstone erst recht nicht (Magic the Gathering for life!). Doch um die geht es heute gar nicht.

Meine Aufgabe ist es hingegen wie immer euch meine Interessen aufzuzwingen. Schließlich ist das Internet einzig alleine dazu da, andere von eurer Sichtweise zu überzeugen. Und deshalb gebe ich euch heute einen kleinen Guide zur Einführung in die Welt des professionellen Counter-Strike: Global Offensive-Spielens an die Hand. Als nicht, wie ihr selbst zu einem Profi werdet. Wenn ich das wüsste, würde ich jetzt in Schweden in einem Gamerhaus sitzen und trainieren! Nein, ich will euch nur ein paar Grundlagen geben, damit ihr vielleicht auch mal eine Runde zuschaut, ihr daran Gefallen findet und ihr eurerseits die Szene noch bekannter macht! Ihr dachtet doch nicht ernsthaft, ich würde das aus Nächstenliebe tun, oder?!

Das Spiel

Ich gehe zwar stark davon aus, dass jeder, der diese Zeilen liest schon einmal irgendeine Version von Counter-Strike gespielt hat, aber ganz kurz: Counter-Strike begann 1999 als eine Modifikation für Half-Life. Seit 1999 gab es drei relevante Versionen des Spiels: Counter-Strike 1.6, Counter-Strike: Source und Counter-Strike: Global Offensive. Letztere ist die einzig relevante. Zwar hängen noch ein paar Pros in den Vorgängern fest und es gibt sicherlich auch noch vereinzelt Turniere. Die Masse an Spielern findet sich jedoch im neusten Teil wieder.

Counter-Strike: Global Offensive (Herstellerbild)

Counter-Strike: Global Offensive (Herstellerbild)

In Counter-Strike: Global Offensive traten zwei Teams mit je 5 Leuten in verschiedenen Spielmodi gegeneinander an: Die Terroristen gegen die Counter-Terroristen. Einer dieser Spielmodi und der einzige, der professionell gezockt wird, ist das Bombenlegen. Die Terroristen müssen innerhalb von zwei Minuten an einem von zwei Orten eine Bombe ablegen und diese 30 Sekunden lang verteidigen (dann explodiert sie). Die Aufgabe der Counter-Terroristen ist es logischerweise dies zu verhindern. Nach 15 Runden werden die Seiten gewechselt und wer es zuerst schafft 16 Runden zu gewinnen, der hat gewonnen.

Beiden Seiten steht am Anfang einer Runde eine gewisse Menge an Geld zur Verfügung (abhängig davon, ob die Bombe gelegt wurde, ob sie die Runde gewonnen haben, wie viele Leute jemand getötet hat, was in der vorherigen Runde gekauft wurde und so weiter und so fort), um sich mit Waffen (alles reale Schießprügel) und Ausrüstung (Bombenentschärfungskit, Granaten, Kevlarweste, etc.) auszustatten. Allein schon diese Mechanik bringt ein großes Maß an Strategie rein, da ein wichtiger Schritt zum Sieg ist, die Wirtschaft des gegnerischen Teams zu zerstören und sie zum „Ecoen“ zu zwingen. Sprich sie haben so wenig Geld übrig, dass sie sich nicht anständig ausstatten können und ziehen deshalb blank (Standardpistole und maximal 2-3 Granaten), um dann in der nächsten Runde wieder genug Geld zu haben. Das sind dann (normalerweise) relativ einfach zu gewinnende Runden für das andere Team.

Die Karten

In Counter-Strike: Global Offensive stehen euch haufenweise Karten zur Verfügung, auf denen ihr euch austoben könnt. Und zwar auch ohne, dass ihr in den Steam Workshop schaut. Aber zum einen eignen sich nicht wirklich alle, um darauf anständige und ausbalancierte Matches ablaufen zu lassen. Zum anderen kann man jetzt von den Pros auch nicht verlangen 2000 Karten (Übertreibung) zu beherrschen. Deshalb wird in den Ligen und auf den Turnieren aktuell hauptsächlich ein Pool aus den folgenden Karten gebildet:

Die Links führen zu einer Übersicht der Karte, da es sicherlich nicht zuführend wäre, wenn ich sie euch hier mündlich beschreibe. Könntet damit vermutlich sowieso nichts anfangen :smile: .

Turniere und Ligen

Da die eSport-Szene von Counter-Strike: Global Offensive aktuell äußerst lebendig ist, gibt es auch so einige Turniere und Ligen, denen ihr folgen könnt. Die wichtigsten sind aus meiner Sicht in Europa die folgenden. Allerdings wichtig zu beachten: Hauptsprache ist Englisch. Es gibt hier und da auch mal eine russische Übertragung. Aber selbst die Deutsche Meisterschaft fand am Wochenende auf Englisch statt.

  • Logo der Starladder

    Logo der Starladder

    Starladder (Russland; Online und LAN) – Season 12 startet heute mit der Gruppenphase. Es geht um 50.000 Dollar und 16 Teams kämpfen um die Kohle. Übertragen werden die Spiele hauptsächlich auf dem Twitch-Channel >starladder5 .

  • Fragbite Masters (Schweden; Online und LAN) – Season 4 startet nächstes Jahr. Es geht vermutlich wieder um circa 17.000 Euro (160.000 SEK) und bis zu 128 Teams kämpfen um den Preis. Hauptübertragungsort ist der Twitch-Channel FragbiteLive.

  • Dreamhack (Schweden; LAN) – Die Weltmeisterschaft (wenngleich dann doch hauptsächlich nur europäische Teams immer da sind), die zweimal im Jahr stattfindet (Dreamhack Summer und Dreamhack Winter). 16 Teams ringen um 100.000 Dollar und auf Twitch geht es im Juni/Juli 2015 unter DreamhackCS wieder zur Sache.

  • ESL (The eSports League) (Deutschland, Online und LAN) – Die wohl älteste, noch existierende Liga oder eher „Ligen“, denn die ESL bietet einiges an. Darunter auch das Prestigeträchtigste Event, die Intel Extreme Masters. Die sind aber diese Saison ohne Counter-Strike: Global Offensive, was natürlich schade ist. Doch egal um was es gerade geht: Unter ESLtv könnt ihr zuschauen und bekommt sogar hin und wieder sogar einen deutschen Kommentar!

  • FACEIT League (UK; Online) – Wann die nächste Saison startet ist noch nicht bekannt aber es ging das letzte Mal um 50.000 Dollar für 6 Nordamerikanische und 30 europäische Teams. Heimat der Übertragung ist der Twitch-Channel FACEITTV.

Caster & Analysten

Einfach nur einem Spiel zuschauen kann Spaß machen, aber viel schöner ist natürlich wenn euch jemand auch erklärt, was denn so auf dem Bildschirm los ist. Entsprechend nachfolgenden ein paar Personen, denen es sich besonders lohnt zuzuhören:

  • Anders und Semmler (Fragbite Live Screencap)

    Anders und Semmler (Fragbite Live Screencap)

    Anders Blume (RoomOnFire) – Ein kleiner Feuerball. Extrem guter Play-by-Play-Caster, der es schafft euch mit seinem sehr aktiven Kommentar-Stil sehr gut ins Geschehen rein zu ziehen.

  • Auguste „Semmler“ Massonnat (RoomOnFire) – Co-Kommentator und der perfekte Ausgleich zu Anders Blume. Wesentlich ruhiger unterwegs und entsprechend mehr für die Analyse zuständig. Ergänzen sich sehr gut die beiden und sind sehr gern gesehene Gäste bei allen Ligen und Turnieren.

  • Daniel „ddk“ Kapadia (FACEITTV) – Kommt aus dem Quake-Bereich (ehemaliger QuakeWorld-Pro) und castet schon einige Jahr. Ist nicht unbedingt der beste Play-by-Play-Caster, hat aber ein gutes Auge fürs Detail und fühlt sich entsprechend vor allem als Analyst am wohlsten, wo er euch das Match in allen Einzelheiten näher bringt.

  • Duncan „Thorin“ Shields (Freier) – Bezeichnet sich selbst als eSports Historiker und ist tatsächlich schon EEEEEWWWWIG dabei. Castet selten tatsächlich und ist mehr für die Analyse nach dem Match zuständig. Hat aber definitiv extrem viel Ahnung von dem was er redet und steht auch ganz klar zu seiner Meinung, was erfrischend ist.

Europäische Pro-Teams

In Europa gibt es vergleichsweise viele professionelle Counter-Strike: Global Offensive-Teams, die ganz oben mitspielen. Darunter tatsächlich auch drei Deutsche: mousesports (schon ewig dabei), Berzerk (ehemals Team ALTERNATE) und PlanetKey Dynamics. Aber auch wenn es Berzerk zur Dreamhack Winter schaffte, viel Wichtiger sind die folgenden:

  • Natus Vincere (Ukraine) – Existent seit 2009 sind sie so ein wenig die bemitleidenswerten Looser, die immer weit kommen aber denen dann doch das letzte Bisschen zum obersten Platz fehlt. Dabei haben sie mit Ladislav „GuardiaN“ Kovács den drittbesten Scharfschützen der Szene.

  • Hellraisers (Russland) – Sie schaffen es noch nicht ganz vorne mitzuspielen, sollte man aber dennoch im Auge behalten. Mit den richtigen Strategien und etwas mehr Teamwork könnten die Jungs ganz schnell für Aufregung sorgen (und haben es hier und da auch schon).

  • Titan (Frankreich) – Kenny „kennyS” Schrub ist der beste Lone-Wolf-Scharfschütze der Szene. Was der alles trifft geht auf keine Kuhhaut. Leider schafft es kein Team so richtig seinen Spielstil zu integrieren. Entsprechend schwankend ist Titan unterwegs. Wenn kennyS trifft, dann gewinnen sie. Trifft er nicht, dann nicht. Entsprechend bewegen sie sich trotz ihrem Potential mittlerweile nur noch im Mittelfeld.

  • Virtus.Pro (Russland) – Der Bär im Logo ist nicht ohne Grund gewählt. Wo Virtus.Pro auftaucht, da wird mächtig aufgeräumt. Derzeit zwar aus meiner Sicht noch die Nummer 4 in Europa, das wird sich aber vermutlich sehr bald ändern. Jedes Turnier scheinen sie eine noch bessere Figur zu machen. Haben übrigens mit Christian „PsYcHo“ Lenz einen deutschen Manager.

  • Logo der Ninjas in Pyjamas

    Logo der Ninjas in Pyjamas

    Ninja in Pyjamas (Schweden) – Die alten Hasen der Szene. Sie sind seit 2000 dabei (natürlich mit wechselndem Lineup) und haben schon so einige Titel mit nach Hause genommen (2012/2013 haben sie 87 Spiele hintereinander gewonnen!). Unterm Strich derzeit die Nummer 3 in Europa. Ein besonderes Auge solltet ihr bei diesem Team übrigens auf auf Christoper „GeT_RiGhT“ Alesund haben. Ein unglaublich begabter Stratege und ein fantastischer Aimer, der aber gerne allein unterwegs ist.

  • Team-LDLC.com (Frankreich) – Die diesjährigen Sieger der Dreamhack Winter und in der aktuellen Aufstellung ganz klar Anwärter auf den Status „Bestes Team Europas“. Einen der fünf herauszupicken ist gar nicht möglich, so gut wie sie aktuell zusammenarbeiten.

  • Fnatic (Schweden) – Die derzeitige Nummer 1 Europas auch nach der Kontroverse und ihrem freiwilligen Ausscheiden im Viertelfinale auf der Dreamhack Winter 2014. In diesem Team gibt es praktisch keinen schlechten Spieler. Herausstechen tun aber Jonatan „Devilwalk“ Lundberg und Jesper „JeSpErW“ Wecksell. Erster ist ein talentierter Coach (spielt nicht mit, sondern steht hinter dem Team und hat den Blick fürs Ganze – quasi so etwas wie der 12. Spieler auf dem Feld), der immer wieder für Überraschungen gut ist. Letzterer ist, der nach kennyS beste Scharfschütze der Szene aber mit dem Unterschied, dass er sich jede Runde eine andere, ungewöhnliche Ecke sucht und auch im Team sehr gute Arbeit leistet.

Wetten

Werbung für die Cartel Collection von RoomOnFire

Werbung für die Cartel Collection-Skins von RoomOnFire

Seit Valve die Waffenskins eingeführt hat, hat sich eine sehr aktive Wettindustrie rund um Counter-Strike: Global Offensive gebildet, die es in anderen Titeln so (noch) nicht gibt (auch nicht bei DotA 2). Der Nachteil dieses Trends ist, dass Onlineturniere massiv mit DDoS-Attacken zu kämpfen haben weil sich haufenweise Vollidioten einbilden damit das Ergebnis zu beeinflussen. In der Realität verschwenden sie nur jedermanns Zeit, weil das Match oft längere Zeit pausiert oder gar vertagt werden muss. Das nervt logischerweise auch als Zuschauer massiv.

Haupttreffpunkt für Wettsüchtige ist die CSGOlounge. Aber auch E-sport bets ist groß im Kommen und bietet sogar Unterstützung für mehr Spiele als nur Counter-Strike: Global Offensive. Ich weise allerdings an dieser Stelle zwingend darauf hin, dass keine der beiden Seiten nach deutschem Recht arbeitet also technisch gesehen bei uns illegal sind. Ich bin also nicht schuld, wenn ihr deswegen Ärger bekommt!

Epilog

Jetzt wisst ihr also Bescheid beziehungsweise ich habe euch genug gelangweilt und ich hoffe, dass ihr vielleicht doch mal in das ein oder andere Match. Besser als Fußball ist es schließlich allemal!

Bis Donnerstag!

PS: Kommenden Montag ist es soweit! Die Bagdadsoftware NOCAs 2014 stehen an! Der Nominierungseintrag ist auch mittlerweile fertig (inklusive mehrfachem drüberlesen) und das Gewinner-Video auch schon im Kasten und auf YouTube versteckt. Schaltet also unbedingt ein!

Letzte Woche ging es rund im Internet. Und damit meine ich nicht die Veröffentlichung der (Teaser-)Trailer zu Jurassic World (Stichwort „Velociraptoren-Bikergang“) und Star Wars: Episode VII – The Force Awakens (Stichwort „Breitschwert-Lichtschwert“). Das ist doch alles totaler Mainstream und die einzige Auswirkung, die beide haben, sind das Recycling uralter Gags in allen möglichen Webcomics. Ernsthaft: Müssen wir echt wieder die gleichen Sachen rausholen wie damals zu Star Wars: Episode I – The Phantom Menace? Fällt euch nichts Neues mehr zum Thema ein?! Zumal George Lucas ja bekanntlich mittlerweile nichts mehr mit dem ganzen Zeug zu tun hat.

Dreamhack Winter 2014 (Logo)

Dreamhack Winter 2014 (Logo)

Nein, ich rede selbstverständlich über die Ereignisse in der eSports-Szene rund um Counter-Strike: Global Offensive vor, während und vermutlich jetzt auch noch nach der traditionellen Weltmeisterschaft auf derDreamhack Winter 2014. Übrigens schade, dass es dieses Mal kein Quake Live-Turnier gab. 250.000 amerikanische Dollar standen für 16 Teams auf dem Spiel (100.000 für den Erstplatzierten). Natürlich kein Vergleich zu der Millionen, die Valve mittlerweile bei The International (DOTA 2) jedes Jahr raushaut allein für den Gewinner. Aber trotzdem eine stattliche Summe für die Fünf-Mann-Teams aus Europa und Nordamerika.

Cheateralarm!

Neben dem Preisgeld gibt es aber bei Counter-Strike: Global Offensive seit der Einführung der Weapon Skins auch eine riesige Wettindustrie (wir reden hier nicht von ein 2-3 Euro, sondern von teils vierstelligen Beträgen!). Das führt im „normalen“ Online-Turnier-Alltag dazu, dass Spieler in wichtigen Matches gerne mit DDoS-Attacken (die IP des jeweiligen Spielers wird mit unzähligen Anfragen bombardiert bis der dazugehörige Server in die Knie geht) ausgeschaltet werden wenn es auch nur so aussieht, als würde man sein Geld verlieren. Ein absoluter Scheißdreck, der immer wieder zu massiven Verzögerungen beim Spielablauf führt und einem die Lust am Zuschauen nimmt.

Bei LAN-Turnieren wie der Dreamhack aber glücklicherweise kein großes Problem. Da ist der Backbone gut genug abgesichert. Dafür wird jedoch ganz genau darauf geachtet, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Entsprechend stark waren die Reaktionen der Community als plötzlich die Topspieler Hovik „KQLY“ Tovmassian von Titan, Simon „smn“ Beck von Team Alternate und Gordon „Sf“ Giry von Epsilon durch Valves Anticheat-Software gebannt wurden. Es eine Hexenjagd zu nennen, dürfte noch eine Untertreibung sein, was in der letzten Woche abging. Wie so oft wurde plötzlich davon ausgegangen, dass sich die ganze Welt verschworen hat und eine entsprechende Hetze auf jeden Profi ausgerufen. Es gibt Tage, da hasse ich das Internet.

CS:GO - KQLY Highlight

CS:GO – KQLY Highlight (Quelle: YouTube)

KQLY, smn und Sf hatten allerdings tatsächlich gecheatet und zwar schon seit längerem. Warum es bislang nicht aufgefallen ist? Weil sie keine n00bs sind und nicht einfach einen Aimbot eingesetzt hatten. Nein, die drei gehören definitiv auch ohne automatische Unterstützung mit zur Elite der Szene. Die verwendeten Cheats waren deshalb selbst bei genauerem Hinsehen nicht erkennbar, halfen sie doch nur beim letzten Bisschen. Ein Headshot mehr als sonst beispielsweise. So hatten sie nicht nur einen guten Tag, sondern sehr oft welche.

Wie denn das?!

Natürlich stellt sich die Frage, wie sich sowas bei einem LAN-Event einschleichen kann, wo abseits von Maus, Tastatur und Headset keine eigene Hardware zum Einsatz kommt. Aber Cheater sind bekanntlich schon immer äußerst einfallsreich. Auf dem Bildschirm sichtbar war wie gesagt sowieso nichts in der Millisekunde, in der der Cheat nachbearbeitete (bei League of Legends war es damals ein Pixelfehler am Bildschirmrand, der auftauchte wenn ein Gegner in der Nähe war). Es musste also nur irgendwie die Software auf dem Turnierrechner installiert werden. In diesem Fall war der Cheat Teil einer Trainingsmap im Steam Workshop. Aber auch im internen Speicher der Mäuse oder im Treiber der USB-Headsets wurden schon erfolgreich Cheats versteckt und dann automatisch auf den Rechner gepackt ohne, dass es jemand gemerkt hat.

Wie immer haben die drei Cheater mit ihrem Verhalten natürlich nicht nur sich selbst geschadet (ihre Karriere ist faktisch vorbei). Auch ihre Teams mussten nun drunter leiden, denn Epsilon und Titan hatten sich bereits für Dreamhack Winter 2014 qualifiziert gehabt. Sie wurden aber logischerweise von der Turnierleitung rausgeworfen und eine zusätzliche Qualifizierungsrunde abgehalten. Endgültig ausgestanden ist die Sache aber natürlich trotzdem nicht. Vor allem der Druck auf Valve wächst, endlich mal den Mund aufzumachen und in solchen High-Profile-Sachen auch mal ihre Beweise vorzulegen. Wer weiß, was passiert wäre, wenn beispielsweise KQLY eben nicht von sich aus den Schritt an die Öffentlichkeit gewagt hätte.

Aber wer zu dem Thema mehr von einem echten Experten wissen will, der ist beim erfahrenen Kommentator Duncan „Thorin“ Shields am besten aufgehoben. Er hat bislang zwei Videos dazu gemacht.

Neue Tricks

Der zweite Aufschrei ging dann am Freitagabend durchs Internet. Während alle auf den Star Wars-Teaser warteten, spielten die Schweden von fnatic (bis dato das weltbeste Team und auch der Vorjahressieger) gegen die Franzosen von LDLC im Viertelfinale. Es stand 1:1 im Best-of-3 und die Entscheidung musste auf der Karte de_overpass fallen. LDLC begann auf Seiten der CT und dominierte in der ersten Hälfte das komplette Match. Mit 12:3 wurden die Seiten gewechselt. Vier Runden brauchte LDLC noch für den Sieg. Doch Gerüchte besagten, dass fnatic noch ein Ass in der Hose hätten und als sie endlich an der Reihe waren die Terroristen zu stoppen, holten sie es aus dem Ärmel. Und was für ein Ass sie da hervorzauberten!

CS:GO Overpass Boost

CS:GO Overpass Boost (Quelle: Twitch)

Sie hatten einen bislang unbekannten Boostspot direkt auf dem Spawnpunkt der CT entdeckt (und ihn zwei Monate lang nicht an Valve gemeldet, wie es eigentlich ihre Pflicht gewesen wäre!), der es erlaubte faktisch die gesamte Karte zu überblicken. Es braucht zwar einiges an Arbeit (drei Mann), um ihn nutzen zu können aber er ist trotzdem extrem übermächtig. LDLC wusste überhaupt nicht wie ihnen geschieht. Sie wurden regelrecht abgeschlachtet. Erst wenige Runden vor Schluss (und einem Timeout) kamen sie fnatic endlich auf die Schliche, konnten aber in der restlichen Zeit keine Gegenstrategie entwickeln (zumal der Spieler auf dem Boostspot fast unverwundbar ist, wie sich später herausstellte) und verloren am Ende mit 13:16.

Wer jetzt glaubt, dass damit die Sache erledigt war, der lebt definitiv auf einem anderen Planeten. Die Community entlud ihren ganzen Hass auf fnatic und anschließend auch auf die Turnierverantwortlichen der Dreamhack. Haufenweise Falschinformationen (unter anderem veraltete Turnierregeln, die jemand gefunden hatte und die Behauptung, dass LDLC vom Event vertrieben worden war während fnatic dableiben durfte) wurden über alle Netzwerke verbreitet inklusive dem Vorwurf, dass Dreamhack fnatic nur damit durchkommen hat lassen, weil es ein schwedisches Team ist (Dreamhack findet in Schweden statt). LDLC legte derweil Einspruch gegen das Ergebnis ein und das Adminteam begann wie es sich gehört mit seiner Prüfung.

Eskalation Stufe 2

Nach einigen Stunden gab es das erste Ergebnis: Die zweite Hälfte des Matches sollte neu gespielt werden. Das passte natürlich fnatic nicht, schließlich würden sie wieder mit 12:3 starten, weshalb sie ihrerseits Wiederspruch gegen die Entscheidung einlegten und LDLC beschuldigten regelwidrige Sachen zu machen. Wieder zogen sich die Admins zurück und stellten tatsächlich fest, dass auch LDLC einen Bug ausgenutzt hatten, der sie an bestimmten Stellen unverwundbar machte (was im Gegensatz zum Boost in den Regeln nicht als erlaubt definitiv war).

Viel zu wenig Kommunikation von Seiten der Turnierverantwortlichen und wieder einige Zeit später kam dann endlich die finale Entscheidung: de_overpass sollte am nächsten Tag komplett von vorne gespielt werden. Fand die Community natürlich auch wieder nicht gut und der Hass nahm über Nacht kein Stück ab. Auch so einige angesehene Persönlichkeiten wie Xavier „zoot“ Dhorne oder Daniel „ddk“ Kapadia ließen sich dabei auf das Niveau der Community herab. Hatte ich definitiv nicht erwartet solche Kurzschluss-Tweets von denen zu lesen. Am Ende entschied sich fnatic dazu freiwillig aus dem Turnier auszuscheiden, um die Gemüter zu beruhigen. LDLC wurde somit zum Gewinner des Viertelfinales gekürt und nahm am Ende auch völlig verdient den Titel mit nach Hause.

Fazit

League of Legends (Herstellebild)

League of Legends (Herstellebild)

Was lernen wir also aus der ganzen Sache? Nun, zum einen natürlich mal wieder, dass manche Leute extrem das Spinnen anfangen. Nicht nur sobald Geld im Spiel ist, sondern auch wenn sie die Gefahr sehen, dass irgendetwas „ihrem“ Hobby schadet. Zum anderen aber auch, dass der eSport leider trotz der großen Geldsummen (bei Valve größtenteils durch die Community gespendet!), die mittlerweile rausgehauen werden und wesentlich höher sind als zur Zeit von Quake & Co., immer noch einen weiten Weg vor sich hat. Es braucht standardisierte Regelwerke für professionelle Turniere und es braucht im Bereich DotA 2 und Counter-Strike: Global Offensive ein Valve, dass sich nicht einfach nur zurücklehnt und im stillen Kämmerlein sein geheimes Ding durchzieht, sondern aktiv Unterstützer spielt. Bei League of Legends sieht die Sache anders aus. Da ist Entwickler Riot Games immer ganz vorne mit dabei (und richtet auch die regelmässigen Turniere selbst aus).

Doch die beiden Skandale und ihre große Wirkung haben auch etwas Gutes an sich. Es zeigt, dass der eSport so langsam ernst genommen wird. Noch nicht so extrem wie in Südkorea, wo der Match-Fixing-Skandal 2010 (ja, schon wieder sind die scheiß Wettbüros schuld) bei StarCraft: BroodWar das gesamte Land erschüttert hat und am Ende Gefängnisstrafen verteilt wurden. Aber wir kommen langsam aber sicher da hin und zwar egal wie sehr so manche Volldeppen nur müde lächeln und sich über den eSport lustig machen. Ich lass‘ euch ja auch (die meiste Zeit) in Ruhe euren doofen Fußball schauen obwohl meiner Meinung nach für 90 Minuten Counter-Strike: Global Offensive mindestens genauso viel, wenn nicht sogar noch mehr Kondition, Geschicklichkeit und strategisches Denken erforderlich sind.

Bis Donnerstag!

PS: Noch sechs Einträge bis zu den Bagdadsoftware NOCAs 2014!

Vor fast genau sechs Jahren habe ich euch an dieser Stelle erzählt gehabt welche Spielzeitschriften ich abonniert habe und warum. Doch die Zeit vergeht. Magazine werden eingestellt, Redaktionen ausgewechselt und, noch viel wichtiger, mein Geschmack verändert sich. Vor allem letzteres hat dazu geführt, dass ich von den fünf genannten Zeitschriften keine einzige heutzutage mehr lese.

Grundsätzlich lässt sich nämlich sagen, dass mich diese Art der Spieleberichterstattung mit ihren Vorschauen und ihren Tests mittlerweile absolut überhaupt nicht mehr interessiert — und zwar sowohl offline als auch online und egal in welcher Form (RockPaperShotgun-Flapsig oder GameStar-ernst). Ich schau mir höchstens bei The Escapist oder Gametrailers ein paar Videos an und blicke hin und wieder Total Biscuit über die Schulter. Das war es aber dann auch schon. Achievement Hunter, Zero Punctuation und wie sie alle heißen konsumiere ich zur Unterhaltung und nicht, um mich ernsthaft über einen Titel zu informieren.

Nur wenn ich mir tatsächlich unsicher bin, also meist bei einem Titel, den ich nicht ganz so gut einschätzen kann oder kenne, dann lese ich selbstverständlich auch mal die Testberichte. Einfach um ein Gefühl dafür zu bekommen und durchaus sogar dann auf Basis dessen eine Kaufentscheidung zu treffen. Aber abseits davon bin ich mittlerweile zu der Sorte von Leser geworden, die höchstens noch die Wertung anschaut.

Total ignorant

Nein, so wirklich rational begründen kann ich das nicht. Ich vermute es ist so eine Mischung aus „alles schon gelesen“ beziehungsweise „nichts mehr Neues für mich, da ich sowieso alle News dazu kenne“, „das Spiel liegt eh am Releasetag bei mir im Briefkasten, egal was irgendwer darüber in einem Test schreibt“, „auf die Meinung dieses und jenen Redakteurs/Magazins gebe ich sowieso nichts“ sowie der schlichten Tatsache, dass mich mittlerweile einfach mehr das Hintergründige (Reportagen, Porträts, Post-Mortems) interessiert. Mir ist natürlich klar, dass es äußerst paradox ist selbst quasi solche Inhalte zu produzieren und dann vehement die Sachen der anderen einfach zu ignorieren. Zumal ein Blick auf das Geschreibsel der Anderen auch einen gewissen Lernfaktor mit sich bringt (was macht der falsch, was macht er richtig, was könnte ich ihm abschauen, etc.). Aber am Ende des Tages stellt sich nun einmal mir genauso wie euch die Frage in was ich meine kostbare (Frei-)Zeit investiere. Und in Sachen Vorschau und Tests lesen ist für mich persönlich die Antwort ganz klar: Zeitverschwendung.

Womit wir wieder beim anfänglichen Thema wären: Wenn ich die Magazine von damals nicht mehr konsumiere, was lese ich denn dann derzeit so an Print-Erzeugnissen? Nun, ganz einfach. Diese hier:

Cover der englischen EDGEEDGE (englisch) – Im Prinzip könnte ich hier einfach wiederholen, was ich damals schon zur deutschen Übersetzung gesagt hatte. Nachdem diese leider sehr schnell wieder von Computec eingestellt wurde, bin ich nämlich zum Kauf der englischen Version übergegangen. Mir gefällt an der EDGE weiterhin fast alles und jedes Mal wenn die Mail kommt „Ihr Abo läuft aus, wollen Sie nicht ihr Abo verlängern?“ überlege ich da gar nicht lange und hau nochmal zwei Jahre drauf. Da wäre zum einen natürlich die immer noch sehr stylische Aufmachung des Hefts mit seiner Einfachheit innen (viel Freiraum für den Text) wie außen (auf manchen Covern ist nicht einmal das Logo der Zeitschrift auf den ersten Blick sichtbar!). Zum anderen aber selbstverständlich auch das äußerst hohe Niveau des Inhalts.

Von den meist sehr interessanten Kolumnen bis hin zu den hervorragenden Reportagen mit Post-Mortems, Studio/Entwickler-Porträts und generell dem Blick auf die Menschen, Tools und Businessseite der Medaille. Hier wird definitiv etwas Besseres geboten in jeder Hinsicht inklusive hochwertigem Papier und jede Ausgabe um die 150 Seiten mit vergleichsweise wenig Werbung und diese dann hauptsächlich für Tools und Entwicklerjobs und weniger für Spiele. Auch die Qualität der Schreibe ist höher als man es vielleicht sonst gewohnt ist, die Autoren werden aber weiterhin nur gesammelt im Impressum angegeben. Ihr wisst also nicht von wem jetzt welcher Text ist. Die Tests überfliege ich allerdings trotzdem meist nur beziehungsweise lese hauptsächlich nur die relativ neu eingeführten Hintergrundartikel (Ein Interview, ein Kommentar, eine Analyse, etc. — alles jeweils eine Seite nach dem Test). Und das alles für gerade mal sechs Euro (fünf britische Pfund) beziehungsweise aktuell bezahle ich sogar nur fünf Euro pro Ausgabe (inklusive Versand und so drin!).

Cover des englischen Game Developer MagazineGames Developer Magazine (englisch) – Das Hardcore-Branchenmagazin von Entwickler für Entwickler (die meisten Texte sind von Branchenleuten). Zumindest war es das mal. Mit der Ausgabe Juni/Juli 2013 wird es nämlich nach 19 Jahren leider eingestellt — sowohl offline als auch die digitale Variante. Geht stattdessen jetzt alles vollständig in Gamasutra über. Die Inhalte gehen also nicht verloren, aber dennoch ist es natürlich wie immer schade so ein Magazin vom Markt verschwinden zu sehen. Das Auszeichnungsmerkmal des Game Developer waren/sind (auf Gamasutra erscheinen sie ja weiterhin) vor allem die umfangreichen und zahlreichen Post Mortems (aktuell unter anderem zu FTL: Faster Than Light und XCOM: Enemy Unknown), die ich auch für meine Porträts immer gerne als Quelle hernehme. Diese sind nicht nur detaillierter als das, was EDGE anbietet, die Artikel stammen auch vom Entwickler selbst. Da kann man noch so viele Interviews führen, das ist einfach eine ganz andere Perspektive. Das bedeutet jetzt aber nicht, dass es Lobeshymnen sind. Ganz im Gegenteil gehen die Jungs schon durchaus kritisch mit sich selbst um.

Der Rest der rund 80 Seiten auf typisch amerikanischen Schlabber-Papier ist gefüllt mit Kommentaren über den Status der Industrie, Berichten über aktuelle Trends und auch Tipps & Tricks zu Entwickler-relevanten Themen. Letztere übersteigen dann aber selbst meine Kompetenz, wenn es wirklich tief in die Technik hineingeht (wie programmiert man am besten das und das etc. oder Vorstellungen von Tools). Selbst der Artikel in der aktuellen Ausgabe „Programmer, interrupted“ ist schon extrem wissenschaftlich. Darin wird analysiert wie es sich vermeiden lässt seine Coding-Sessions unnötig zu unterbrechen inklusive Erklärungen wie das Gehirn funktioniert, die Unterschiede zwischen den einzelnen Erinnerungsarten und was weiß ich noch. Sicherlich ganz interessant, aber ich verstehe da definitiv nur Bahnhof :smile: . Unterm Strich war es aber ganz klar ein sehr informatives Magazin und vor allem eines, bei dem es tatsächlich Sinn hatte es sich quasi als Nachschlagewerk ins Regal zu stellen. Aber immerhin gibt es ja noch zumindest noch online Gamasutra. Muss ich dort eben in Zukunft öfters vorbeisurfen.

Cover der deutschen Making GamesMaking Games (deutsch) – Im Prinzip das deutsche Equivalent zum Game Developer Magazine inklusive dem starken Fokus darauf die Entwickler selbst die Texte schreiben zu lassen. In Sachen Preis (6,90 Euro für 80-90 Seiten) liegt es auch ziemlich gleich auf. Definitiv keine billige Angelegenheit diese Heft, was aber natürlich auch an seinem Nischencharakter liegt. Die Qualität der Themen und Artikel schwankt außerdem ein wenig. In der aktuellen Ausgabe geht es beispielsweise um Let’s Plays, was prinzipiell natürlich aktuell hochinteressant für mich ist. Aber beim Lesen wurde mir dann doch schnell klar, dass das Ganze nicht sehr durchdacht und äußerst oberflächlich ist.

Lag vielleicht auch ein Stück weit an der Qualität der deutschen Let’s-Play-Szene an sich (die auch kräftig mitgemischt hat bei der Erstellung der Artikel), aber trotzdem fand ich beispielsweise das Kickstarter-Thema in der vorherigen Ausgabe wesentlich besser umgesetzt. Und das ist definitiv ein durchgängiges Problem des Magazins. Es fehlt ihm immer noch an der Konsistenz in Sachen Qualität einer EDGE oder eines Game Developer Magazine. Aber vorerst halte ich ihm weiter die Treue. Schon allein, um es zu unterstützen, dass es in Deutschland so ein Heft gibt. Außerdem kommen speziell natürlich deutsche Entwickler zu Wort, die man in den englischen Heften nur selten vorfindet (Yager Development mit Spec Ops: The Line und Crytek mit Crysis — und das war’s dann auch schon wieder).

Cover der englischen Retro GamerRetro Gamer (englisch) – GamersGlobal ist schuld. Bevor die deutsche Ausgabe ins Leben gerufen wurde, kannte ich die englische nicht. Und wäre die deutsche Fassung ein monatliches Heft, hätte ich vielleicht sogar sie abonniert. Aber an einer Übersetzung einer Sammelausgabe der englischen Fassung habe ich dann doch leider kein Interesse und greife lieber zum Original — inklusive dem britischen Blickwinkel auf die Themen.

Für 6,30 Euro (in England 4,99 GBP am Kiosk) gibt’s jeden Monat um die 120 Seiten auf hochwertigem Papier und größerem Format (größer als ein DINA4-Blatt) vollgestopft mit Retro-Themen (logischerweise). Sie berichten zwar auch unter dem Namen „Future Classics“ über mehr oder weniger aktuelle Titel, aber das Hauptaugenmerk liegt definitiv auf Hintergrundberichten und „Tests“ zu den mehr oder weniger bekannten Klassikern und der damit verbundenen Hardware. Dazu gehören natürlich auch ausführliche Interviews mit den Leuten dahinter sowie sehr viel Nostalgie von Seiten der Redakteure („Ich hab‘ das damals so erlebt:“). Letzteres ist ein zweischneidiges Schwert und kann unter Umständen auch nerven im ein oder anderen Artikel (Hör auf der Vergangenheit nachzuweinen!). Das größere Format des Hefts kommt hingegen bei den Screenshots dann voll zur Geltung. Egal wie Pixelig: Es wird sehr oft ganz groß aufgezogen und dominant in den Vordergrund gestellt, was ich persönlich sehr cool finde. Man muss aber dennoch ganz klar sagen: Das Heft ist was das Layout angeht doch sehr stark überladen und hat auch keinen eindeutigen Look. Stattdessen passt es sich sehr stark den Inhalten an. Das ist nicht jedermanns Sache und auch ich finde es stellenweise äußerst unübersichtlich. Unterm Strich hält es mich aber genauso wenig wie die anderen Negativpunkt nicht vom Lesen ab.

Cover der englischen EDGERetro (deutsch) – Das Abo läuft nur noch bis Ende Juni. Habe es jetzt doch endlich mal gekündigt. Zu zahlreich sind die inhaltlichen Fehler (angefangen von offensichtlichen Schreibfehlern bis hin zu tatsächlich falschen Fakten), zu Dilettant die Aufmachung und zu oberflächlich die Inhalte. Ja, das Heft stammt von einem kleinen Verlag und wird wohl vor allem von Retrofans mit nicht unbedingt der großen journalistischen Erfahrung produziert. Deshalb habe ich ihm wohl auch so lange die Treue gehalten und über die Probleme hinweggesehen. Aber im Vergleich zur Retro Gamer erwarte ich einfach für 6,95 Euro bei um die 90 Seiten dann doch etwas mehr als nur Großformat und hochwertige Seiten. Zumal das Heft in den letzten Monaten seinem Titel gar nicht mehr richtig gerecht wurde. Was hat zum Beispiel Micky Epic 2: Die Macht der Zwei auf einem Retro-Heft auf dem Cover zu suchen?

Das einzige, was das Heft immer noch etwas von der Konkurrenz abhebt sind die Berichte über die Szene an sich. Meist wird ja nur über die Spiele und so berichtet (wobei die Retro Gamer auch einen Blick auf die Home Brew Jungs wirft). In der Retro wurde auch jedes Mal ein Blick hinter die Kulissen geworfen. Was machen die Retrofans derzeit so (LANs, Museen, Events, etc.) und auch was es so an Neuerungen gibt (neue Hardware-Mods beispielsweise). Das ist ganz interessant. Aber für mich reicht das nicht aus, um die dicken inhaltlichen Probleme zu kaschieren. Und das dickste ist schlicht und einfach, dass das Heft zwar den Namen „Retro“ trägt aber mittlerweile nicht mehr viel Retro drinsteckt.

Cover der deutschen elektrospielerelektrospieler (deutsch) – Das Abo läuft nur noch bis Ende des Jahres (Kündigungszeitpunkt verpasst…). Stammt vom gleichen Verlag wie die Retro und war das absolute Hype-Heft als es 2009 auf den Markt kam. Die Elite-Blogger waren total begeistert (vermutlich, weil ein paar von ihnen Texte dafür verfassen). Der Fokus sollte auf die Ästhetik der Spiele liegen, sprich großformatige und ganzseitige Screenshots sowie auf einer inhaltlich anspruchsvollen Behandlung der Spiele. Sprich das, was Herr Christian Schmidt sich so sehr in seinem Spiegel Online-Kommentar so wünschte. Entsprechend hab‘ ich mir letztes Jahr mal ein Abo gegönnt, um zu schauen was es damit tatsächlich auf sich hat.

Tatsächlich kriege ich für die fünf Euro (ca. 90 Seiten) nichts anderes als eine Hochglanzbroschüre mit Texten, die sich irgendwo zwischen Test- und bemüht pseudo-philosophischen Erlebnisbericht einordnen. Was daran intelligent sein soll, der Slogan des Hefts ist „Das intelligente Games-Magazin“, entzieht sich mir meistens. Hier und da gibt es natürlich schon Lichtblicke je nach Autor, aber da wären wir wieder beim Thema der Konsistenz. Immerhin: Zahlreiche große Bilder mit einem starken Fokus auf Renders und Konzeptzeichnungen gibt es definitiv. Aber für ein Bilderbuch mit Herstellerbildern bezahle ich dann doch nicht unbedingt Geld, wenn es nicht gerade Alice heißt oder einer Collector’s Edition beiliegt. Da schaue ich lieber bei Kotaku und ihrer Fine Art-Ecke vorbei.

Das sind also die fünf Magazine, die ich derzeit noch im Abo habe. Dank meiner Abo-Kündigungen und der Einstellungen des Game Developer Magazines bleiben am Ende des Jahres aber nur noch zwei Heft übrig (EDGE und Retro Gamer). Glaube auch nicht, dass da in nächster Zeit noch was hinzukommen wird.

Nun aber die Frage an euch: Wie sieht es aus? Kriegt ihr noch regelmäßig ein Stück toter Baum geliefert beziehungsweise kauft es am Kiosk, oder habt ihr dem Thema mittlerweile schon komplett abgeschworen?

Ihr habt es sicherlich mitbekommen: Christian Schmidt, langjähriger Spieletester und bis Juni stellvertretender Chefredakteur der GameStar, hat sich in einer Kolumne bei Spiegel Online (Link führt zur Langfassung bei Kaliban) die Seele vom Leib geschrieben. Viele haben darauf mittlerweile mehr oder weniger besonnen reagiert und auch ich habe selbstverständlich eine Meinung zu dieser Angelegenheit — sowohl aus Leser- als auch Redakteurssicht, auch wenn ich erst zweieinhalb Jahre Teil dieses Metiers bin. Doch darauf werde ich erst in einem anderen Eintrag eingehen. Oder vielleicht sogar im kommenden Podcast? Wer weiß. Diese Entscheidung müssen die Gäste der Laberecke 2011 treffen :smile: .

Richten wir stattdessen mal wieder unseren Blick gen GamersGlobal. Dort sind am Wochenende zwei Texte von mir online gegangen:

 Syndicate Syndicate: Reboot enthüllt // Es wird ein Ego-Shooter – Eigentlich hat ja die Deus Ex-Serie von Syndicate (1993) geklaut und nicht umgekehrt, wenn man es so sagen möchte. Aber natürlich kommt es jetzt so kurz nach der Veröffentlichung von Deus Ex: Human Revolution ganz anders rüber. Und ganz ehrlich: Die bisherigen Screenshots erinnern schon sehr stark an den Konkurrenten. Auf die inhaltlichen Parallelen gehe ich da gar nicht erst weiter ein. Der Zeitpunkt für die Ankündigung, auch wenn sie offiziell erst nächste Woche erfolgt, ist da ein wenig schlecht gewählt wie ich finde.

Reboot eines Klassikers

Die Reaktionen der Leser auf die Nachricht, dass der Reboot der Serie ein Ego-Shooter wird, waren vorhersehbar. Viel Geschimpfe ist in den wahsinnig vielen Kommentaren zu lesen (wir waren in Deutschland die Ersten mit der Neuigkeit). Auch ich bin ganz klar enttäuscht. Neben der X-COM-Reihe hat mich in diesem Bereich nur noch Syndicate angemacht, auch wenn letzteres auf Echtzeit- statt Rundentaktik setzte. Ich fand es immer sehr cool mit dem Überzeuger durch die Auftragsgebiete zu laufen und eine immer größer werdende Menschenmenge hinter mir herlaufen zu lassen. Außerdem hatten wir ja schon im Eintrag zu Deus Ex: Human Revolution festgestellt, dass ich gerne den indirekten Weg nehme und das Überzeugen erlaubte es entsprechend auch viele Missionen zu beenden, ohne abseits des eigentlichen Ziels jemanden zu töten. Zudem macht mich auch einfach das Cyberpunk-Setting an. Definitiv ein Titel, den ich auch heute noch gerne hervorhole und uneingeschränkt empfehlen kann. Klar, die Bedienung ist nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit und selbstverständlich könnte auch die Grafik ein kleines Update vertragen. Aber es sind die inneren Werte, die zählen und die stimmen auch heute noch.

Doch zurück zum Reboot: Ich bin weniger darüber enttäuscht, dass es kein Taktikspiel wird, sondern mehr darüber, dass ihnen nichts anderes als ein Shooter eingefallen ist. Ab und zu hat man schon das Gefühl, als wäre es das einzige Genre da draußen. Aber gut: Mal abwarten was daraus wird. Vielleicht steckt doch noch mehr dahinter, als die Beschreibung hergibt. Und Koop für vier Spieler mit Missionen aus dem Original? Bin ich sofort dabei! Kaufen und spielen werde ich es mit ziemlicher Sicherheit so oder so. Ich kenne da ja nichts. Außerdem traue ich Starbreeze Studios durchaus ein sehr gutes Spiel zu. The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay, Enclave und The Darkness sind alles spielenswerte Titel und Project Red Lime, so der Arbeitstitel des neuen Syndicate, ist auch schon sehr lange in Entwicklung. Da ist die Chance hoch, dass sich da doch ein paar Leute mal ausführlich Gedanken darüber gemacht haben.

Warhammer 40.000: Space MarineTest zu Warhammer 40.000: Space Marine – Von Bagdadsoftware gibt es nach reiflichen Überlegungen 3 von 5 Sics. Es ist kein abgrundtief schlechtes Spiel geworden. Im Gegenteil hat es durchaus seine positiven Seiten. Der Mehrspielermodus beispielsweise macht wirklich Laune, auch wenn es einfach an Modi und Karten fehlt. Außerdem hat mich die Atmosphäre des Spiels mächtig beeindruckt. Egal ob beim Leveldesign, dem Grafikstil, den Soundeffekten oder dem Soundtrack — alles schreit nach Warhammer 40.000 und zieht euch dank der gut inszenierten Hintergrundgeschichte vorbildlich in das Universum hinein.

Repetitives Gameplay

Aber auch wenn ich ausgesprochener Fan von schlichteren Spielen wie Serious Sam oder Painkiller bin: Die Kämpfe in Warhammer 40.000: Space Marine sind schlicht ermüdend langweilig. Ich konnte das Spiel für den Test tatsächlich nicht am Stück spielen. Ich musste immer mal wieder eine Pause einlegen, weil es mir so total auf den Keks ging schon wieder gegen die ewig gleichen Horden aus Orks anzutreten und sie buchstäblich tot zu klicken. Erst spät wechselt das Feindbild auf die immer gleichen Horden aus Chaos-Truppen. Super, Relic! Das nenne ich Abwechslung…

Ich weiß, es soll absichtlich ein simplerer Konsolenshooter sein — ihre Worte, nicht meine –, aber die Entwickler verschenken viel zu viel Potential dadurch. Die guten Ansätze sind schließlich da. Die Abschnitte mit dem Jetpack beispielsweise fand ich super und die Kämpfe erträglicher gemacht. Und auch die wenigen Bosskämpfe, so stupide sie vom Ablauf her sind, waren eine willkommene Ablenkung. Das zeigt mir deutlich, dass ein Shooter im Warhammer-40.000-Universum funktionieren kann und kein elendiger Flop wie Warhammer 40.000: Fire Warrior dabei rauskommen muss. Die Entwickler haben ihrer Zielgruppe aber anscheinend nicht mehr zugetraut. Vielleicht dann, falls er kommt, in Teil 2.

Bagdadsoftware meint: Wenn euch das Spiel wirklich interessiert, dann empfehle ich euch die Demo zu spielen. Wenn ihr aber da schon feststellt, dass es euch auf Dauer zu blöd ist, dann lasst die Finger davon. Solltet ihr hingegen Spaß damit haben, dann kann die Vollversion in Maßen für euch durchaus einen Blick wert sein. Und Warhammer-Fans sollten es sich auf jeden Fall mal anschauen. Wie gesagt: Die Atmosphäre ist wirklich fantastisch.

Übrigens: Die Kommentare unter dem Test finde ich mal wieder amüsant. Sonst beschwert sich immer jeder ich würde zu hoch bewerten, dieses Mal ist es genau andersrum. Ich kann es einfach niemandem Recht machen :wink: .

Oh man, was tut mir der Rücken weh. Man sollte halt ab und an doch auf die Warnungen im Handbuch der Spiele hören und immer mal wieder eine Pause einlegen. Stattdessen habe ich die letzten fünf, mächtig anspruchsvollen Spielstunden von Kartoffelernte 2011 – Hutzelgrund Edition am Stück durchgezockt und bezahle nun die Zeche dafür. Absolut nicht zu empfehlen!

Aber gut, ich hatte ja versprochen, dass wir auf dieses Thema nicht mehr näher eingehen werden. Kommen wir also sogleich zur Hauptsache des heutigen Eintrags: Massig Werbung für meine neusten Artikel drüben bei GamersGlobal. Nach der gamescom erst einmal etwas erholen? Pustekuchen! Die Weihnachtszeit steht schließlich bevor. Bereitet euch also mal wieder auf einen äußerst umfangreichen Eintrag vor.

DOOMDoom 1 & 2 nicht mehr indiziert – Dies ist vermutlich meine am meisten aufgerufene News seit der Entstehung von GamersGlobal. Es ist aber auch eine Hammerneuigkeit mit der absolut gar keiner gerechnet hatte (wie schon damals bei der USK-Freigabe von Gears of War 3). Vermutlich sogar ZeniMax nicht, obwohl sie den Antrag gestellt hatten. Aber irgendeiner muss ja den Anfang machen und der positive Ausgang des Verfahrens hat hoffentlich eine anhaltende Wirkung auf die Branche. Ich hoffe sehr, dass nun auch andere Publisher folgen und Klassiker wie Duke Nukem 3D oder Heretic frühzeitig eine zweite Chance und einen Re-release in Deutschland bescheren.

Hintergründe

Bei Filmen ist diese Praxis ja schon länger gang und gäbe. Wobei es vermutlich da schon immer naheliegender war eine Neuveröffentlichung zu bringen. Laserdisc, DVD, Blu-ray — immer wieder willkommene Gründe dem doofen Kunden (=ich, der sich unter anderem Der Herr der Ringe noch einmal geholt hat und auch bei Star Wars noch einmal zuschlägt) das gleiche Produkt immer wieder unterzujubeln. Da versucht man es natürlich eher mal einen Titel wie Terminator (wobei hier bereits die 25-Jahre-Regelung griff, er wurde nämlich schon am 1. Oktober 1985 indiziert) oder Die totale Erinnerung – Total Recall (mit Erfolg) vom Index zu schaffen.

Bei Videospielen dachten sich vermutlich viele bislang, dass kein Deutscher auf die Idee käme für ein Ultima IV: Quest of the Avatar noch einmal Geld auszugeben. Spätestens seit Good Old Games sollte allerdings klar sein, dass es durchaus einen Markt dafür gibt — sogar einen sehr großen. Wundert mich auch nicht weiter. Ich habe zwar viele Klassiker im Original, aber wenn ich die Wahl habe zwischen ewig herum machen, um das Spiel wieder zum Laufen zu bekommen oder einfach noch einmal einen 10er ausgeben und dafür sofort loslegen, dann gehe auch ich bereitwillige den komfortableren Weg.

Vielleicht hat auch ein wenig geholfen, dass die USK und die BPjM sich deutlich verändert haben in den letzten Jahren und die Publisher entsprechend nicht mehr mit einem „Das hat doch eh keinen Wert!“ an die Sache herangehen, sondern bereitwilliger geworden sind das Geld zu investieren und es zu versuchen.

Gnadenlose Ausnutzung

Aber egal welche Gründe es hatte, dass ZeniMax den Antrag eingereicht hat: Sie haben es getan, hatten Erfolg und haben damit eine bislang einmalige Situation nicht nur für die Branche, sondern auch die deutsche Presse geschaffen. Während die internationalen Magazine ihr Pulver für Doom schon vor Jahren verschossen haben, können wir die Vorlage gnadenlos ausnutzen, um endlich einige (Retro-)Features zum Thema zu bringen. Das Interesse von Seiten der User ist eindeutig da, denn in Erinnerungen schwelgen mag schließlich jeder gerne. Und wer wäre bei GamersGlobal besser dafür geeignet sich darum zu kümmern, als ich, der bekannte id-Fanboy :smile::

Doom (First15) mit Hintergrundinfos – Ihr glaubt gar nicht wie viel Aufwand in diesem kurzen Video steckt. Nur mit der Tastatur einen Shooter zu steuern ist gar nicht mehr so einfach, wenn man es schon mindestens 13 Jahre nicht mehr gemacht hat. Und egal was die Kommentatoren sagen: Der größte Teil der Spieler nutzte 1993 den rudimentären Maussupport nicht und WASD war damals auch noch kein Standard. Es kam für mich also absolut nicht in die Frage etwas anderes als das Default-Layout zu verwenden.

Aber trotz all der Versuche vorab, bei denen ich immer viel früher gestorben bin, habe ich in der finalen Version immer noch die eine oder andere Sache falsch gemacht und beispielsweise völlig das Strafen vergessen. Wobei ich „ALT + Richtungstaste“ nach wie vor für ein total umständliches System halte :smile: . Spaß hat es trotzdem gemacht. DOOM und auch DOOM II waren, sind und werden immer sehr gute Spiele bleiben — auch ohne dass man die Nostalgiebrille aufsetzen muss.

Ungeschickte Überleitung

Das First15-Video wird, wenn es nach mir geht, nicht der einzige Beitrag zu diesem Thema bleiben. Neben Deus Ex: Human Revolition, bei dem das Ende immer näher rückt, lässt mich derzeit aber auch das Tagesgeschäft nicht wirklich los. Nächste Woche steht beispielsweise schon wieder der nächste Test an: Warhammer 40.000: Space Marine. Ich weiß, es erscheint offiziell eigentlich morgen schon. Aber das Testmuster ist zum Verfassungszeitpunkt immer noch nicht da. Meist kein gutes Zeichen was die Qualität eines Titels betrifft. Ich rate deshalb an dieser Stelle ein wenig zur Vorsicht, falls ihr ernsthaft über den Kauf nachdenkt. Und in den letzten zehn Tagen sind auch schon wieder drei weitere Artikel von mir erschienen:

Tropico 4Test zu Tropico 4 – Von Bagdadsoftware gibt es, wie vor zwei Jahren für den Vorgänger, 4 von 5 Sics. Zwar ist der neue Teil spielerisch klar besser als der Vorgänger und sieht auch grafisch immer noch sehr gut aus, obwohl Teil 3 stellenweise tatsächlich mehr drauf hatte. Aber für die vollen 5 Sics wie bei Die Siedler 7 sind mir immer noch zu viele Ungereimtheiten drin.

Meine persönlichen Hauptkritikpunkte sind die stark schwankende Spielbalance, der viel zu geringe Wuselfaktor und die KI der Bauarbeiter. Mir geht es so dermaßen auf den Keks, wenn ich tatsächlich mehrere Spieljahre einfach vorspulen muss, nur weil die Hupen trotz veränderten Prioritäten das eine Gebäude nicht bauen, auf das ich so dringend warte. Und bei der Spielbalance ist das Problem, dass einzelne Wirtschaftszweige selbst in Missionen mit abgeschwächtem Handel das gesamte Spiel dominieren. Das ist zwar ein Stück weit realistisch, Öl ist nun einmal eines der lukrativsten Geschäfte auf Erden, aber wer das einmal raus hat macht in der Kampagne trotz wechselnder Aufgabenstellungen erst einmal nichts anders als zu versuchen diese Wirtschafszweige aufzubauen und sich danach erst um das eigentliche Missionsziel zu kümmern. Da geht doch der Spielspaß ein Stück weit verloren.

Trotz dieser und den weiteren, im Test erwähnten Mängel habe ich aber wie schon mit Teil 3 sehr viel Spaß mit dem Titel. Er spielt sich einfach sehr stark anders als die Die Siedler-, SimCity– oder die Anno-Reihe und legt viel mehr Wert auf den Wirtschaftssimulationsaspekt als die Konkurrenz ohne das man gleich ertränkt wird vor Möglichkeiten. Und die Neuerungen, die die Entwickler mit Teil 4 eingeführt haben, sind durch die Bank sinnvoll und motivieren noch stärker weiter zu machen. Speziell natürlich die kleinen und großen Aufgaben, die immer mal wieder aufpoppen. Endlosspiel hin oder her, ab und zu freut man sich dann doch über klare, kurzfristige Ziele. Die Karibik-Musik und das Setting im Allgemeinen tun ihr übriges, um mich an den Bildschirm zu fesseln.

Bagdadsoftware meint: Wer Aufbauspiele mag und ein paar Abstriche in Sachen Grafik und Spielkomfort verkraften kann, der sollte sich das Spiel unbedingt anschauen. Und auch Besitzer von Teil 3 finde ich, sollten Tropico 4 zumindest eine Chance geben anstatt gleich drauf rumzuhacken.

Two Worlds II: Pirates of the Flying FortressAngetestet zu Two Worlds II: Pirates of the Flying Fortress – Ich gebe hiermit zu, dass ich Two Worlds II noch nicht durchgespielt habe. Es gab 2010 einfach zu viele gute Rollenspiele und ich hatte auch noch mit den Resten (Divinity II: Eco Draconis) von 2009 zu kämpfen. Aber irgendwann werde ich auch dazu kommen, denn es definitiv ein sehr gutes und ein sehr umfangreiches Action-Rollenspiel mit einer Grafikpracht, die selbst Azzkickr überzeugen sollte.

Wer also das Hauptspiel schon durch hat, der darf sich sehr auf das Addon freuen. Schon alleine deshalb, weil es eben seit langem mal wieder ein richtiges Addon statt eines uninspirierten DLCs ist, der nicht viel am eigentlichen Spiel verändert oder gar verbessert. Was ich gesehen habe, machte auf jeden Fall schon einen sehr guten Eindruck und verspricht ein klein wenig mehr zu werden, als nur mehr vom Gleichen. Und wer bislang auch noch keine Zeit für den Titel hatte, dem empfehle ich die Velvet Game of the Year Edition, die am 18. Oktober erscheint und sowohl Hauptspiel als auch Addon für derzeit 48,99 Euro enthält.

Grotesque Tactics 2: Dungeons & DonutsAngetestet zu Grotesque Tactics 2: Dungeons & Donuts – Zweimal hatte ich mir die Präsentation auf der gamescom angeschaut und dann habe ich als glaube ich einziger Redakteur in Deutschland auch noch die sehr unfertige Demo zum selbst Anspielen erhalten. So muss das sein und wird von mir auch entsprechend mit einem ausführlichen Artikel belohnt! Und einen potentiellen Podcast-Gast habe ich auch dabei aufgegabelt — das nur so am Rande :wink: .

Der Titel selbst wird sicherlich wieder ein Geheimtipp werden für alle, die den Humor der Entwickler mögen und mit dem sanften Schwierigkeitsgrad keine Probleme haben. Spielerisch versuchen die Entwickler zwar schon den Anspruch zu steigern, aber es kommt an die Größen der beiden Genre einfach nicht heran. Ist aber auch gar kein Problem, weil das gar nicht der Anspruch von Silent Dreams ist und es auch erneut gleich zum Budgetpreis in den Handel kommt (ohne jedwede Form von DRM!). Mich persönlich stört zwar tatsächlich die überarbeitete Grafik — die grellen Farben des Vorgängers passten meiner Meinung nach besser zum restlichen, humoristischen Stil des Spiels –, aber das wird mich jetzt nicht vom Kauf abhalten. Ja, ich weiß — es braucht schon generell sehr viel, um mich vom Kauf eines neuen Spiels abzuhalten, aber ihr wisst doch was ich meine :smile: .

Das Wichtige bei Grotesque Tactics war schon in Teil 1 der Humor und der hat mir in der Vorschauversion schon wieder sehr gut gefallen und mich einige Male zum Schmunzeln gebracht. Klar, es sind teilweise schon sehr flache Witze und Kalauer dabei. Aber drüber lachen kann man trotzdem und so viele Spiele, die sich selbst nicht zu ernst nehmen, gleichzeitig auch noch das eigene Genre so offen auf die Schippe nehmen und tatsächlich halbwegs gut sind gibt es nicht. Mir fallen außerhalb von Adventure-Spielen sogar auf Anhieb nur Duke Nukem Forever (2011), die LEGO-Spiele und The Bard’s Tale (2004) ein. Vermutlich gab es aber schon noch ein paar mehr in den letzten Jahren, die mir nur gerade entfallen sind. Helft mir da doch einfach in den Kommentaren auf die Sprünge.

Und damit wären wir am Ende des heutigen Werbeeintrags angelangt. Allen, die bis zum Ende durchgehalten haben, wünsche ich eine angenehme Woche!

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