MTG-Booster-Pack-Ausbeute: Teures Papier

Der Spieleherbst ist in vollem Gange. Seit Wochen erscheint Top-Titel nach Top-Titel, der um die Gunst der Spielerschaft buhlt (während ich mich weiterhin ausschließlich mit Grim Dawn beschäftige). Und wie immer, wenn ein Blockbuster auf den anderen folgt, wird dabei auch ein aktueller Trend in der Spielebranche deutlich sichtbar. In diesem Jahr heißt dieser ganz klar „Lootboxen/-crates“.

Das sind Kisten, die der Spieler entweder zufällig im Laufe des Spiels erhält oder sich mit diversen Ressourcen (Echtgeld oder Ingamewährung) in einem Ingameshop kaufen kann. Manchmal ist zusätzlich noch ein Schlüssel (auch wieder gegen Echtgeld oder Ingamewährung) notwendig, um sie zu öffnen. Enthalten ist das Versprechen etwas aus einer Reihe von Skins/Gegenständen/Boostern mit unterschiedlichem Wert zu erhalten. Je begehrter der Skin/Gegenstand/Booster, desto niedriger seine Wahrscheinlichkeit ihn durch das Öffnen so einer Box zu bekommen. Es ist quasi im Kern nichts anderes als beispielsweise die Booster Packs bei Kartenspielen wie Magic: The Gathering oder Pokémon.

Alter Hut

Das Konzept von „Lootcrates“ an sich ist freilich nichts Neues. Im mobilen Bereich kommen sie schon seit den Anfängen vor allem in Free-2-Play-Titeln zum Einsatz. Allein in Dynasty Warrior: Unleashed gibt es beispielsweise Dutzende verschiedene Varianten an Kisten und Schriftrollen für jeden Aspekt des Spiels. Sie enthalten Offiziere, Waffen, Rüstungen, etc. und sind ein zentraler Faktor, um sein Heldenteam verbessern zu können.

Auf dem PC hat vor allem Valve mit ihren Kisten in Counter-Strike, Team Fortress 2 und DOTA 2 bereits so einige Millionen Euro gescheffelt und teilweise sogar einen regelrechten Schwarz- und Glücksspielmarkt erschaffen. Auch EA hat mit Titanfall oder in der Battlefield-Reihe bereits damit fleißig experimentiert. Jetzt kommen Lootboxen aber nicht nur vermehrt im „Mainstream“ an (in Bezug auf PC & Konsolen) – sie erhalten aus Sicht der Spieler zudem ganz neue Dimensionen. Im Speziellen haben Middle-Earth: Shadow of War und Star Wars: Battlefront II in den letzten Wochen die Gemüter erregt obwohl Titel wie Assassin’s Creed: Origins oder Call of Duty: WWII ebenso Lootboxen enthalten.

Die Beispiele

Star Wars: Battlefront II (Herstellerbild)

Grundsätzlich sind sowohl Middle-Earth: Shadow of War als auch Star Wars: Battlefront II laut Kritikern und Spielern sehr gute und empfehlenswerte Titel. Der Spielspaß wird aber wohl in beiden durch Lootcrates geschmälert.

In Middle-Earth: Shadow of War gibt es ein Post-Endgame in dem es darum geht Festungen einzunehmen und zu verteidigen. Um das zu tun, benötigt ihr Orks mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen, die an eurer Seite stehen. Nun könnt ihr entweder hinaus in die Welt gehen und Orks versklaven. Das braucht Zeit, ist mitunter nicht gerade sehr anspruchsvoll und spaßig und es gibt keine Garantie, dass der versklavte Ork auch tatsächlich euren Ansprüchen genügt. Um die Sache abzukürzen, könnt ihr Lootcrates kaufen. Die geben euch genauso wenig eine Garantie, dass ihr genau den richtigen Ork erhaltet. Aber es spart natürlich Zeit im Austausch gegen Geld. Entsprechend der Vorwurf der Spieler: Das Post-Endgame wurde ausschließlich so langatmig gestaltet, damit ihr Geld ausgebt, um es abzukürzen.

Bei Star Wars: Battlefront II enthalten die Lootcrates hingegen Objekte, welche die Balance im Mehrspielermodus verändern. Also nicht nur einfach kosmetische Veränderungen wie Skins oder mal einen Erfahrungspunkteboost wie bspw. in Battlefield 3. Stattdessen merkliche Verbesserungen der Fähigkeiten eures Helden oder Fahrzeugs. Und auch wenn viele Waffen und Helden im normalen Spielverlauf durch schlichtes Aufleveln freigeschaltet werden: Einiges versteckt sich ausschließlich in einer Lootcrate. Der (bislang noch unbewiesene) Vorwurf hier: Pay-2-Win. Wer nicht bezahlt, ist schlechter gestellt als der, der bezahlt. Statt Skill entscheidet der Geldbeutel über Sieg oder Niederlage.

Das Thema

Dynasty Warriors: Unleashed (Herstellerbild)

Die Aussage der Hersteller ist oft, dass alles was in Lootcrates zu finden ist, auch auf normalem Wege zu erspielen ist. Damit ist entweder gemeint, dass ihr keine Lootcrates kaufen müsst oder die Lootcrates mit im Spiel erhaltener Währung kaufbar sind. Das stimmt natürlich, ist aber eigentlich immer mit einer teils extremen Zeitinvestition verbunden. Bei Free-2-Play wie anfangs geschrieben schon lange an der Tagesordnung. Jetzt eben langsam aber sicher Teil von Vollpreistiteln im Allgemeinen und „Games as a Service“ im Speziellen.

Jetzt kann man natürlich lang und breit darüber schimpfen wie böse die Hersteller/Entwickler sind und wie scheiße diese Entwicklung doch ist und wie die ganze Videospielebranche komplett den Bach runter geht dadurch. Auch ich bin absolut kein Fan von Lootcrates und was sie vor allem im Zusammenspiel mit „Games as a Service“ für die Zukunft bedeuten könnten. Im Appstore auf den Smartphone ist es ja schon sichtbar: Die Top-Listen führen Titel an, die vollgepackt sind damit und im Gegenteil inhaltlich wenig mehr zu bieten haben als eine halbwegs süchtig machende Mechanik selbst wenn es nur Powercreep („brauche stärkeres Team, um weiter zu kommen“) ist wie in Dynasty Warriors: Unleashed. Riesige Open-World-Titel wie die Assassin’s Creed-Serie mit ihrem Collectible-Wahn entwickeln sich schon länger in die gleiche Richtung.

Aber was in diesen Diskussionen immer und immer wieder zu kurz kommt (oder in Grund und Boden geschrien wird), ist die einfache Tatsache: Wir alle sind selbst mit schuld an dieser Entwicklung. Die Spiele im Appstore sind ja nicht an erster Stelle, weil Apple sie da positioniert hat. Nein, sie sind dort weil es teils Millionen von Spielern gibt, die sie (für mich oftmals völlig unverständlicherweise) spielen. Selbst Lysanda zeigte keinerlei Mitgefühl (so gemein! :smile: ) als ich meinte, dass ich diesen Trend traurig finde und verwies (zu Recht!) darauf, dass die Hersteller Wirtschaftsunternehmen und keine Almosenfabriken sind.

Der Teufelskreis

Overwatch (Herstellerbild)

Hergestellt wird, was der Markt will und Geld bringt. Und der Markt, also wir, fordert zwar auf der einen Seite Titel mit langer Spielzeit vollgestopft mit starken Inhalten (The Witcher 3 wird mit seinen 200 Stunden mit hoher Qualität aktuell immer als Paradebeispiel genannt). Aber bereit dafür (vorab?) zu bezahlen sind wir einfach nicht. Der Preis eines Spiels zum Releasetag hat sich seit zwei Jahrzehnten nicht mehr geändert (und ist durch den Preiskampf unter den Händlern eher noch nach unten gegangen). Die wenigen Versuche mehr zu nehmen (z.B. damals bei Command & Conquer: Tiberian Sun) sind gescheitert. Einzig für die teils absurd teuren Collector’s Editions wird der Geldbeutel aufgemacht (200 Euro für eine schlecht verarbeitete Drachenstatue?!).

Stattdessen gibt es schon vor der Veröffentlichung die ersten Rabatte (kommt bei Steam überhaupt noch irgendetwas ohne 10% bis eine Woche nach Release aus?!) und kurz darauf die ersten Sales (dürfte bei Steam bald wieder losgehen). Mit dem Ergebnis, dass die Spieler dazu erzogen wurden einfach die paar Tage abzuwarten bis zum Kauf. Sie haben sowieso viel zu viel zu zocken, da macht das den Wenigsten was aus. Signifikante Patches nicht nur gegen Bugs, sondern auch mit kostenlosen Inhalten und „Games as a Service“ sind mittlerweile noch mehr Argumente gegen den frühen Kauf – auch wenn dafür gefühlt die „Game of the Year“-Bundles aussterben.

Die Folge ist, dass Publisher und Entwickler andere Wege gehen müssen, um die teils absurden Kosten eines AAA-Titels reinzuholen. Nachdem wir uns an DLCs gewöhnt haben, wird nun eben mit Lootcrates die Mikrotransaktionen-Sau durch die Straßen getrieben. Und auch an die werden wir uns gewöhnen. Gibt ja heute schon Leute, die sie in beispielsweise in Overwatch super duber toll finden weil ach so hübsche Kostüme drin sind. Auf den Smartphones dieser Welt kräht sowieso mittlerweile mehr kein Hahn danach.

Fazit

Monument Valley 2 (Herstellerbild)

Sollen wir also plötzlich wieder alle am Releasetag kaufen und jeden Sale ignorieren, um zur guten alten Zeit zurückzukehren? Nein, natürlich nicht. Der Zug ist abgefahren. Wir müssen uns aber im Klaren darüber sein, dass das was wir durch einen Sale sparen uns mit großer Wahrscheinlichkeit versucht wird hinterher auf andere Art und Weise aus der Tasche zu ziehen. Und wenn wir dann nachgeben, haben „die“ gewonnen und „wir“ verloren. Aber selbst wenn die eine Variante nicht mehr so gut funktioniert (oder etabliert genug ist wie bei den DLCs), dann wird es wieder etwas Neues geben. Man kann versuchen dem zu widerstehen indem man es entweder ignoriert oder zusätzliche Zeit investiert, um hoffentlich das gleiche Ergebnis zu erhalten. Aber nicht erst Star Wars: Battlefront II zeigt, dass dieses „Versprechen“ auch nicht mehr lange Bestand haben wird. Das neuste Patent von Activision zur Werbung für Mikrotransaktionen („kaufe das hier und du wirst deinen Feind in der nächsten Runde besiegen!“) zwischen Multiplayer-Matchen ist da sicherlich nur der Anfang. Die Erfahrung hat außerdem gezeigt, dass es immer genug Menschen („Wale“) gibt, die bereitwillig den Geldbeutel auspacken (siehe Pferderüstung in The Elder Scrolls IV: Oblivion). Gefühlt wollen es vor allem die asiatischen Spieler gar nicht anders. Und solange es solche Leute gibt, solange können die „guten Gamer“ so viel jammern und boykottieren wie sie wollen – es wird sich nichts ändern.

Die Gefahr bei all dem ist wie immer, dass die Qualität und Vielfalt leidet. In einem Einzelspielertitel mit dichter Geschichte lässt sich nun einmal eher weniger eine Lootcrate unterbringen als in einem Multiplayertitel oder überfrachteten Open-World-Kracher. Zumal in sich geschlossene Einzelspielertitel sowieso als „Games as a Service“ eher schlecht funktionieren. Also lieber stupide Pseudo-MMOs wie Destiny auf den Markt schmeißen statt intensive Spielerlebnisse zu finanzieren, die aber am Ende zwar die Kritiker loben aber irgendwie doch die Masse nicht kauft. Oder, um beim Smartphone-Beispiel zu bleiben: Lieber das 100.000ste Free-2-Play-Match-3-Spiel auf den Markt bringen und damit tonnenweise Kohle scheffeln als ein interessantes Werk wie Monument Valley 2 für 5,50 Euro in den Appstore stellen, das am Ende keinen Gewinn bringt.

Vor der Messe, ist nach der Messe heißt es so schön. Vergangene Woche waren es sogar zwei: QuakeCon 2017 und gamescom 2017. Erstere hat allerdings nicht allzu viele Neuigkeiten gebracht. Quake Champions ist in die Early Access-Phase eingetreten (und uns Beta-Tester wieder auf „0“ zurückgesetzt worden) und das Komplettpaket (alle Champions von heute und in Zukunft enthalten) kostet 30 Euro, Brink (2011!) ist überraschend und ab sofort Free-2-Play (ich stehe immer noch zu meiner 9.0/10!), die Veröffentlichungstermine für Skyrim VR, Fallout VR und DOOM VR sind bekanntgegeben worden (könnt ihr selbst googeln) und das war es auch schon neben der ersten Quake Champions-Weltmeisterschaft natürlich.

Kommen wir also lieber gleich zur gamescom 2017, die zumindest ein paar Neuigkeiten zu bieten hatte. Waren zwar nicht ganz so viele wie bei der E3 2017. Aber die ist ja erst rund zwei Monate her. Wie immer gehen die Links hauptsächlich zu den neusten Trailern. Zwar gibt es zu den meisten Sachen auch schon die Möglichkeit sie bei Amazon vorzubestellen aber ihr sollt ja nicht vorbestellen :smile: .

Age of Empires 4 (PC) – Es gab noch nichts zu hören oder zu sehen (Age of Empires: Definitive Edition stand im Vordergrund). Aber Microsoft hat das Flehen der Fans endlich erhört (bzw. den Erfolg von Age of Empires II HD in seinen Kassen gespürt) und mit Relic Entertainment immerhin eines der aktuell wohl erfahrensten Echtzeit-Strategieentwicklerstudios (nach Creative Assembly) beauftragt. Die Chancen für eine fulminante Rückkehr der Serie stehen also tatsächlich ganz gut.

ANNO 1800 (Herstellerbild)

ANNO 1800 (PC) – Nein, ich habe immer noch keinen Teil der Reihe wirklich signifikant lange gespielt. Ihr wisst doch: Die Siedler for Life! Aber in meinem Herzen ist auch weiterhin Platz für die schicke Grafik, die immense Komplexität der Simulation und den hohen Anspruch der Konkurrentenreihe. Außerdem kommt ja mittlerweile eh alles von Blue Byte :smile: . Was mir nicht ganz so gefällt ist die Tatsache, dass die Entwickler anscheinend keine eigenen Ideen mehr haben (reine Unterstellung meinerseits) und (ähnlich wie bei Might & Magic X: Legacy oder Might & Magic: Heroes VII) die Community stark mit in die Entwicklung einbeziehen wollen. Das kann gut gehen, oder eben nicht. Mal schauen…

Aquanox: Deep Descent (PC) – Ich habe den Kickstarter damals (2015) nicht unterstützt und was jetzt erstmals zu sehen war, bestätigt mich in der Vermutung, dass hier eine typische Nordic Games-Gurke zu entstehen scheint. Also ein Titel mit zu wenig Budget, zu wenig Zeit und gleichzeitig zu hohen Ansprüchen. Der Trailer ist lahm (und nein, nicht nur weil es unter Wasser spielt), die Berichte der Journalisten erschreckend und die angekündigten Features teilweise totaler Blödsinn wie der „Hardcore-Modus“. Immerhin sieht es halbwegs schick aus. Aber ein würdiger Schleichfahrt-Nachfolger? Da bin ich weiterhin EXTREM skeptisch.

Assassin’s Creed Origins (Herstellerbild)

Assassin’s Creed: Origins (PC, PS4, XONE) – Okay, weder eine Neuankündigung noch gab es wirklich signifikant neue Informationen. Aber der Cinematic-Trailer ist (wie bei fast allen Assassin’s Creed-Titeln) wieder richtig gut gemacht. Okay, inhaltlich passiert recht wenig aber dank Leonard Cohens „You Want It Darker“ im Hintergrund (natürlich perfekt mit den Bildern verwoben) gefällt mir das Ding extrem gut. Unbedingt mal anschauen, egal ob euch das Spiel auch nur die Bohne interessiert.

Biomutant (PC, PS4, XONE) – THQ Nordic (ehemals Nordic Games) hatte dieses Mal echt viel zu zeigen, muss ich sagen. Darunter auch diese komplette Neuankündigung, die im Gegensatz zu Aquanox: Deep Descent tatsächlich einen interessanten Eindruck macht. Das liegt natürlich vor allem am Setting: So viele Spiele mit Kung-Fu-Waschbären gibt es jetzt nicht. Schon gar nicht welche, die im Laufe des Spiels noch mutieren (radioaktiver Waschbär quasi). Open-World-Action-RPG klingt wie immer etwas schwammig aber der Trailer und das erste Gameplay sehen nicht nur sehr bunt, sondern durchaus sehr spaßig aus (wenngleich eben wie ein typisches Open-World-Action-Adventure). Und die Idee, ähnlich wie in Bastion, einen Erzähler eure Schritte kommentieren zu lassen könnte auch cool werden. Dass bei Experiment 101 ehemalige Entwickler von Just Cause arbeiten, stimmt mich zusätzlich positiv. Und zumindest der Trailer macht den Eindruck, dass THQ Nordic hier das ganze Geld reingesteckt hat, das bei anderen Projekten zu fehlen scheint.

Gravel (Herstellerbild)

Gravel (PC, PS4, XONE) – Keine Neuankündigung aber mehr Infos und ein genauerer Blick auf das neuste Werk der italienischen (Motorrad)-Rennspielveteranen bei Milestone (Bleifuss, WRC, MotoGP). Technisch mag es nicht zu begeistern, aber spielerisch sieht das arcadige Gameplay wieder sehr gelungen aus und der Fokus weg von einem Open-World-Titel hin zu einem etwas fokussierteren Karrieremodus kann dem Titel auch nur guttun. Für Offroad-Fans wird es garantiert wieder ein Geheimtipp werden, da bin ich mir schon so gut wie sicher.

Jurassic World Evolution (PC, PS4, XONE) – Es ist noch so gut wie nichts über dieses Spiel bekannt. Aber ich sage euch schon jetzt warum es der absolute Knaller wird: Jurassic Park-IP, Dinosaurier, Freizeitparkwirtschaftsimulation, Frontier Developments als Entwickler. Noch Fragen? Nein? Na also. Pflichtkauf!

SpellForce 3 (Herstellerbild)

SpellForce 3 (PC) – Noch ein Titel von THQ Nordic, den ich die ganze Zeit mit Argwohn betrachtet habe zumal es mit Grimlore Games auch noch von einem internen Entwicklerstudio gebastelt wird. Dass die Releaseversion unzählige Bugs haben wird, ist auf jeden Fall gesetzt. Aber immerhin: Der Rest macht mittlerweile (der Release ist im Dezember) dann doch tatsächlich einen guten Eindruck. Grafisch sieht es sowieso sehr gut aus aber mir geht es vor allem um das spielerische, was die Serie überhaupt erst so einzigartig und interessant gemacht hat (der Mix aus Echtzeitstrategie und Rollenspiel). Da scheinen die Entwickler nichts anbrennen zu lassen und im Gegenteil die Komplexität noch weiter zu erhöhen (ob das gut ist, wird sich zeigen). Aber Herausfordernd waren die ersten beiden Teile ja auch schon (vor allem die Addons zu Teil 1). Wenn die Geschichte passt (es spielt vor Teil 1), die mich persönlich natürlich am meisten interessiert (habe sogar die Bücher gelesen) und der Soundtrack genauso reinhaut wie der von Teil 2, dann könnte da doch tatsächlich zumindest ein Geheimtipp draus werden.

Phantom Doctrine (PC) – Was ist besser als Rundentaktik mit Aliens in der Zukunft? Rundentaktik im Kalten Krieg in der Vergangenheit. Das meine ich ernst: XCOM ist schön und gut aber ein Grund, warum damals die erste Ankündigung eines neuen XCOM (ihr wisst schon, der Titel, aus dem dann das mittelmäßige The Bereau: XCOM Declassified wurde) so interessant klang, war das 50iger Jahre-Setting. Mit Phantom Doctrine fallen jetzt zwar die Aliens weg und es geht in die 80iger, aber wenn trotzdem das kultige Spiongefeeling (also weniger Geballere und mehr Schleichaction) rüberkommt, dann bin ich definitiv sehr interessiert an diesem Titel. Die ersten Gameplay-Szenen machen auf jeden Fall schon einmal einen guten Eindruck und gehen in die richtige Richtung.

Secret of Mana (Herstellerbild)

Secret of Mana (PC, IOS, PS4, PSV, Wii) – Ob sich die Fans immer noch darüber streiten, ob es nun „Mona oder „Mana“ ausgesprochen wird? Egal. Ich habe es, wie so oft mangels Hardware, bis heute nicht gespielt. Aber ich kenne glaube ich abseits von Final Fantasy VII kein Japano-Rollenspiel, dass so extrem in den Himmel gelobt wird. Ob es unbedingt ein 3D-Komplettremake hätte sein müssen, darüber kann man sicherlich streiten. Wenn ich sowieso alles neu baue, hätte man auch einen komplett neuen Teil machen können. Aber es sieht schick aus und spielerisch ist es vermutlich sowieso über jeden Zweifel erhaben – zumindest, wenn man Japano-Rollenspiele und ihre Eigenheiten mag. Ich glaube auf jeden Fall nicht, dass hier ein Rohrkrepierer rauskommen wird.

X4: Foundations (PC) – X: Rebirth war bekanntlich nicht so der Brüller. Ja, man könnte sogar sagen, er war der letzte Scheiß (selbst nach 100 Patches). Schlimmer noch als Teil 3, der immerhin ein paar Fans gewinnen konnte (inklusive mir). Ob es nun der offizielle 4. Teil richten kann? Ich bezweifle es tatsächlich. Warum? Weil die Entwickler schon wieder eine Eier legende Wollmilchsau angekündigt haben statt sich einfach mal auf das Wesentliche zu konzentrieren. Was bringt mir es, wenn ich alle Schiffe im Universum selbst fliegen kann, wenn es keinen Spaß macht? Was bringt mir ein dynamisches Universeum, in dem die KI sich selbstständig ausbreitet und weiterentwickelt, wenn dann doch alles gleich aussehen wird? Was hilft mir es, wenn das Wirtschaftssystem bis zur letzten Schraube simuliert wird aber aufgrund 100.000 Bugs am Ende doch nichts funktioniert? Was bringt mir die geilste Grafik, wenn es selbst auf einem High-End-Rechner ruckeln wird? Ihr seht: Ich habe jede Hoffnung darauf verloren, dass Egosoft in der Lage ist die X-Reihe wieder auf die rechte Bahn zu bringen. Ich lasse mich zwar wie immer gerne vom Gegenteil überzeugen aber ich rate absolut jedem, selbst dem absoluten Hardcorefan, davon ab einen Kauf diesen Titels vor den ersten Tests auch nur in Erwägung zu ziehen.

 

Damit soll es das auch schon wieder von mir zum Thema gamescom 2017 (und QuakeCon 2017) gewesen sein. Wie habt ihr die Messe erlebt? Irgendwelche Überraschungen oder zumindest Highlights oder alles alter, langweiliger Käse?

…und da war sie auch schon wieder vorbei, die Electronic Entertainment Expo 2017. Wobei bei genauerer Betrachtung nach den Pressekonferenzen am Wochenanfang sowieso nicht mehr viel passiert. Danach veröffentlichen alle Webseiten ihre diversen Previews auf Basis der exakt gleichen Demo plus ein paar Interviews und das war es auch schon. Der einzige Lichtblick sind hier und da die unbekannten Indie-Titel, die von irgendeinem Reporter gefunden werden. In diesem Jahr was es nicht wirklich anders. Die einzige echte Neuerung: 15.000 Tickets für Otto-Normal-Spieler wurden verkauft. Das Ergebnis war wohl ein extrem vollgepackter Showfloor (noch mehr als sonst) sowie abnormale Wartezeiten an den Ständen. Andererseits: Wer die gamescom kennt, für den war das wohl nichts Überraschendes.

Aber was ist viel interessanter als das Drumherum? Die Hardware und die Spiele natürlich. Also werfen wir doch mal einen Blick auf das, was so angekündigt und zu sehen war – in keiner bestimmten Reihenfolge (Links gehen hauptsächlich zu den Trailern):

Anthem (Herstellerbild)

Anthem – Daran hat also der Hauptteil von Bioware gearbeitet während die B-Truppe anscheinend Mass Effect: Andromeda versaut hat. Sieht definitiv grafisch sehr gut aus und auch die Hintergrundgeschichte interessiert mich schon jetzt. Auch spielerisch finde ich den Action-betonteren Fokus durchaus schick, auch wenn ich die Kämpfe lieber in First-Person und weniger aus Schulterperspektive bestritten hätte. Was mir nicht gefällt dürfte klar sein: Es soll in Konkurrenz zu Destiny treten und ist damit eines dieser verkappten Pseudo-MMORPGs. Damit bin ich schon wieder raus. Das nächste bitte!

A Way Out – Äußerst interessantes und auch riskantes Konzept (wie schon Brothers: A Tale of Tow Sons einen reinen Zwei-Spieler-Koop-Titel zu machen. Online stelle ich mir das zwar unspielbar vor aber zu zweit auf der Couch mit jemanden der mit der Thematik was anfangen kann (also leider nicht mit Lysanda…) könnte es ein vermutlich eher lineares aber richtig cooles Spielerlebnis werden.

Kingdom Hearts III – Der Trailer ist irgendwie nicht wirklich gut gegmacht (und so mysteriös und unverständlich wie die Serie an sich) aber hey: Es lebt und sieht immer noch sehr gut aus! Muss endlich mal die anderen Teile fertig durchspielen. Warum sind JRPG immer so lang?!

Xbox One X (Herstellerstudie)

Xbox One X – Mehr P0wär!!! Ich persönlich finde den Trend komisch unter dem gleichen Namen einfach ein neueres Modell zu veröffentlichen (vor allem mit so einem bekloppten Zusatz). Aber ob jetzt Xbox One oder Xbox 2018 draufsteht ist am Ende des Tages auch wieder völlig egal. Fakt ist: Die Vorteile einer Konsole gegenüber einem PC schwinden weiter, wenn die Entwickler jetzt auch schon für Konsolentitel quasi zwei Modi einbauen müssen (sollten sie nicht Xbox One X- bzw. PS4 Pro-exklusiv sein). Und ansonsten ist mehr Power unter der Haube immer gut für die weitere Spieleentwicklung egal auf welcher Plattform. Da Microsoft zumindest aktuell auf Cross-Plattform setzt, ist es sogar noch besser für PCler.

Forza 7 – Es ist nicht Forza Horizon 3 also uninteressant :smile: .

Metro Exodus – Die Metro-Spiele waren bislang interessant, weil sie sehr bedrückend, voller Geschichte und quasi vollständig linear waren (und Hardwareanforderung vom Mond hatten). Also nicht ganz das Anti-S.T.A.L.K.E.R. aber fast. Ich habe so ein wenig die Befürchtung, dass mit einer semi-offenen Welt (es sollen nicht-lineare Levels sein) an der Oberfläche davon etwas verloren geht. Ich kann aber nicht bestreiten, dass es trotzdem vor allem grafisch wieder sehr cool aussieht. Dieser dreckige Look vollgepackt mit Details ist echt genial und ich finde es super, dass er es auch an die aufgetaute Oberfläche geschafft hat.

Assassin’s Creed Origins (Herstellerbilld)

Assassin’s Creed OriginsUnity und Syndicate waren einfach nur noch langatmig, doof und uninspiriert. Entsprechend hat Ubisoft tatsächlich sehr konsequent die Notbremse gezogen und damit der Serie wieder Zeit zum Atmen gegeben. Das hat nicht nur dazu geführt, dass wir Spieler wieder interessierter daran sind, sondern auch offensichtlich zu vielen willkommenen Änderungen zur völlig abgenutzten Formel geführt. Was soll ich sagen? Mich macht das Setting an (Ägypten und Anfangszeit der Assassinen), das Kampfsystem sieht launig aus (Pfeil und Bogen geht sowieso immer) und die Rollenspielelemente könnten etwas mehr Motivation bieten als 1.000.000 Collectibles. Definitiv eins meiner Highlights der diesjährigen E3.

Minecraft Super Duper Graphics Pack – Genau das, was Minecraft gefehlt hat könnte man sarkastisch sagen. Aber tatsächlich hat der Trailer wieder ein bisschen Lust in mir geweckt das Spiel mal wieder zu starten. Zumal sie es durchaus geschafft haben trotz des massiven Grafikupdates den zentralen, blockigen Look zu erhalten. Von daher: Count me in!

DOOM VFR (Herstellerbild)

DOOM VFR – Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass einem dabei nicht schlecht wird. Aber egal: Es sieht richtig cool aus und mehr DOOM geht immer. Wenn ich vielleicht irgendwann mal ein VR-Headset habe, dann steht das auf jeden Fall auf meiner Einkaufsliste weit oben drauf. Fallout 4 VR nicht so sehr…

The Evil Within 2 – Ich habe von dem Trailer nur wenig verstanden, was aber vermutlich daran liegt, dass ich Teil 1 noch nicht durch bin. Der war aber ein erfrischend guter Horrortitel der alten Schule. Wenn Teil 2 (was der Trailer nahelegt) in die gleiche Kerbe schlägt, dann dürfen wir uns wieder auf einen gehörigen Schrecken einstellen.

Wolfenstein II: The New Colossus – Ich kann Wolfenstein: The New Order (und sein Stand-Alone-Addon Wolfenstein: The Old Blood) nicht genug in den Himmel loben. Das Spiel hat es perfekt geschafft die Old-School-Shooter-Romantik in eine moderne Zeit zu bringen und dabei tonnenweise Spaß zu machen. Von Teil 2 will ich einfach nur mehr. Mir ist es fast (aber nur fast) egal, wie die Geschichte von B.J. Blazkowicz weitergeht. Hauptsache wieder schnelle, völlig überzogene und cool inszenierte Kämpfe in bester Ego-Shooter-Manier und wenn ich mir den Trailer so anschaue, dann wird es davon wieder mehr als genug geben.

XCOM 2: War of the Chosen (Herstellerbild)

XCOM 2: War of the Chosen – Anders als XCOM: Enemy Within scheinen die Neuerungen nicht ganz so einschneidend und mehr in Richtung klassisches Addon zu gehen (mehr, mehr und noch mehr). Aber zum einen geht mehr XCOM sowieso immer und zum anderen ist mir „mehr“ auch mehr taktische Möglichkeiten und mehr interessante Herausfordeurngen gemeint. Zumal die „Chosen“ (drei neue feindliche Commander) jetzt nicht nur Einfluss auf das lokale Schlachtfeld haben, sondern auch auf die Globalstrategie. Das könnte lustig (und bockschwer) werden.

Age of Empires: Definitive Edition – Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich wirklich viel Zeit in diesen Titel stecken werde. Hatte glaube ich auch nie das Original durch – nur der Soundtrack ertönt regelmäßig durch meine Boxen (so wie jetzt gerade). Cool ist es aber trotzdem, dass es ihn gibt. Und es gefällt mir auch grafisch eindeutig besser als Blizzards StarCraft Remastered. Außerdem: Wenn Microsoft jetzt plötzlich Age of Empires wieder als kompetente Marke für sich entdeckt – vielleicht steht dann auch mal Age of Empires IV auf dem Produktionsplan?

Skull & Bones – Wir sind uns alle einig, dass die Schiffe der beste und interessanteste Teil von Assassin’s Creed IV: Black Flag waren. Entsprechend bin ich froh, dass es Ubisoft auch kapiert hat und nun einen Titel bringt, in dem es um nichts anderes geht. Auch, weil es ein noch viel zu wenig befahrenes Genregewässer ist. Ja, die Freude wird für mich wieder dadurch etwas gedämpft, dass es sich um einen Onlinetitel handelt. Aber aktuell bin ich noch zu sehr vom Trailer gehypt, um darüber groß zu jammern :smile: .

Beyond Good & Evil 2 – Es ist mir völlig egal ob es am Ende gut oder schlecht wird…ich will es einfach nur endlich spielen können. Teil 1 ist mittlerweile 14 Jahre alt und die Ankündigung von Teil 2 feiert nächstes Jahr auch schon ihren 10. Geburtstag. Echt traurig. Dabei bin ich doch sogar einer der (leider) wenigen, welche die Erstauflage im Regal stehen haben (Releasetagkauf). Es ist zwar etwas schade, dass sie nun doch die Prequel-Richtung zu gehen scheinen und damit der Cliffhanger immer noch nicht aufgelöst wird. Aber Hauptsache ich kann wieder in diese wundervolle, andersartige (man könnte auch sagen, französische) Welt abtauchen! Also bitte, bitte: Nicht noch einmal in der Versenkung verschwinden.

Monster Hunter World (Herstellerbild)

Monster Hunter World – Die Faszination der Monster Hunter-Serie (aus meiner Sicht reines gegrinde) habe ich noch nie verstanden (aber ich habe es versucht!). Deswegen nur eine Erwähnung, weil es erstmals auch für PC kommt und grundsätzlich wieder bombastisch aussieht.

Detroid – Mein Verhältnis zu David Cage als angespannt zu bezeichnen ist leicht untertrieben. Ich bleibe weiterhin dabei, dass er lieber Filme produzieren sollte als das, was er als „Spiele“ bezeichnet. Aber wie immer ist der Trailer an sich sehr beeindruckend (wenngleich nicht mehr ganz so wie damals Heavy Rain: The Casting) und auch die Geschichte, die er erzählen will, interessiert mich durchaus. Aber wenn es am Ende wieder nur ein QTE-Titel wird, dann finde ich das irgendwie doof.

Metroid: Samus Returns – Ich bin nicht der größte Samus-Fan auf Erden. Aber wie so oft finde ich das Universum sehr interessant und wenn ich nun Teil 2 in wesentlich besser erleben kann (Teil 1 war schon sehr anstrengend zu spielen), dann immer her damit. Der Trailer macht einen guten Eindruck und der 3DS als Zielsystem passt für mich perfekt. Also immer her damit!

 

Und damit sind wir durch alle Sachen durch, die mich etwas stärker interessiert haben. Natürlich habe ich das eine oder andere Spiel unter den Tisch fallen lassen wie Metroid Prime 4, Crackdown 3 oder Spider-Man. Aber für die könnt ihr ja in den Kommentaren die Werbetrommel rühren, wenn sie euch (oder andere) total „geflasht“ haben :smile: . Also: Wie habt ihr die E3 erlebt und was fandet ihr gut oder schlecht?

Deus Ex Go war jeden Cent wert!

Es ist ja nichts Neues, dass es im Mobile Gaming-Bereich den ein oder anderen fragwürdigen Trend gibt – oder zumindest Dinge, die ich als Spieleveteran überhaupt nicht verstehe. Das hängt sicherlich viel mit den Bezahlmodellen zusammen. Free-2-Play, Freemium und wie der ganze Mist alles heißt ist der defacto Standard auf den mobilen Plattformen. Da gibt es leider nichts mehr dran zu rütteln. Nur noch selten gibt es Titel für die man nur einmal einen fairen Betrag bezahlt und dann stundenlang seinen Spaß hat. Stattdessen kostenlos herunterladen und dann entweder haufenweise Lebenszeit und Datenvolument verschwenden durch Warten und Werbung guggen oder eben tief in die Tasche greifen (bevorzugt mittlerweile gleich als monatliches Abo). Dass darunter der Inhalt massiv leidet, dürfte nicht weiter verwundern. Bei der Stange halten heißt nun einmal die Devise. Mit Spaß hat das aus meiner Sicht alles nichts mehr zu tun (ich spreche aus Erfahrung…) und ich verstehe auch oft nicht, warum man damit so viel Zeit verbringt.

Wobei ich natürlich einschränkend dazu sagen muss, dass ich keinen Schimmer habe ob wirklich alle Titel so erfolgreich sind wie es auf mich wirkt. Es kann durchaus sein, dass durch diese ganzen „du kriegst was, wenn du die App installierst“-Sachen nur der Eindruck von Reichweite entsteht. Andererseits: Wenn „Spiele“ wie Mobile Strike oder Forge of Empires so extrem viel Geld in ihre aggressive Werbung stecken können, dann muss dabei am Ende auch ein großer Haufen Kohle dafür abfallen.

Fragewürdige Entwicklungen

Cooking Dash ist ein gutes Spiel, leidet aber unter F2P

Bei einem Titel wie Cooking Dash, Magic the Gathering: Puzzle Quest oder den 10.000 verschiedenen Match-3-Variationen kann ich ja zumindest anfänglich die Faszination noch nachvollziehen, auch wenn aus meiner Sicht irgendwann doch mal die Luft raus sein müsste. Wenn ich den Changelogs der Updates lese, dass es nun 1.100 Levels gibt, frage ich mich durchaus ernsthaft wer sich damit wirklich so lange aus echter Freude heraus beschäftigt. Aber mittlerweile sind Genre entstanden, wo auch ich nur noch mit einem großen Fragezeichen dastehe und die Intelligenz der Menschheit in Frage stelle.

Dabei war schon das Geschrei im Internet groß als 2012 Dear Esther auf den Markt kam und über Nacht das Genre der „Walking Simulator“ aus der Taufe hob. Ihr wisst schon: Die Art von Spiele, die wenig typische Spielinhalte haben und sich stattdessen darauf konzentrieren euch eine Welt zum Erkunden vorzusetzen, um darin eine spannende Geschichte zu erzählen. Mit „Gaming“ hätte das nichts zu tun, meinten viele (und tun es teilweise auch immer noch – Stichwort Firewatch-Refundkontroverse). Ich frage mich mittlerweile, was diese Leute zu Vertretern der neuartigen Genre „Casino/Arcade Games“, „Clicker Games“ und „Idle Games“ sagen.

Casino/Arcade Games

Coin Dozer ist pure Langeweile

Zugegeben: Bei den Casino Games im Ganzen sind natürlich auch Sachen wie Poker oder Black Jack enthalten, die tatsächlich so etwas wie Mehrwert und Langzeitspaß bieten können. Aber was auf den mobilen Plattformen zu sprießen scheint sind eher Dinge wie die einarmigen Banditen. Ihr wisst schon: Früher habt ihr an einem Hebel gezogen, heute wird nur noch auf einen Knopf gedrückt, drei Walzen fangen an sich zu drehen, ihr drückt wieder den Knopf und das Ding hält an. Werden bestenfalls drei gleiche Symbole auf allen Walzen angezeigt gewinnt ihr. Anschließend geht es wieder von vorne los.

Das ist schon in der Realität extrem bescheuert aber als App, wo man nicht einmal die geringe Chance hat Geld zu gewinnen (sondern es nur für extra Spins ausgeben kann)? Wer lädt sich so etwas herunter und investiert auch noch seine hart erarbeiteten Euros darin?! Die Vertreter der Arcade Games sind da nicht viel besser. Coin Dozer (Münzen und Preise liegen auf einer Rampe, ihr werft zusätzliches Geld rein und hofft, dass durch den zusätzliche Platzverbrauch vorne Sachen runterfallen) oder Greifer-Apps sind gefühlt der totale Renner aber wo liegt darin bitte der Sinn? Die Dinger sind doch schon in der Realität totale Zeitverschwendung. Wer will das auch noch unterwegs haben, geschweige denn dafür Geld ausgeben?!

Clicker Games

Die nächste Stufe auf meiner persönlichen Beklopptheitsskala sind die Clicker Games. Meines Wissens war es der Cookie Clicker, der damit erstmals so richtig Erfolg hatte. Was aber am PC (gefühlt) mehr aus Ironie gespielt wurde, hat sich auf den mobilen Plattformen mittlerweile zu einem richtigen Markt entwickelt. Clicker Heroes, AdVenture Capitalist, Sakura Clicker und Tabs to Riches sind nur vier Beispiele eines schier unerschöpflichen Vorrats an stupiden „Tipp“-Titeln, die euch versuchen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

AdVenture Capitalist
heißt Tippen bis der Arzt kommt

Anders kann man es nicht beschreiben. Schließlich geht es um buchstäblich nichts. Ihr tippt auf den Bildschirm, bekommt dadurch irgendeine Währung oder Erfahrungspunkte oder sonst was und schaltet damit neue Sachen frei, um wieder Motivation zum Tippen zu bekommen. Mehr ist es nicht. Wem macht so etwas Spaß?! Da kann ich plötzlich die Leute verstehen, die Spiele als stupide Zeitverschwendung ansehen. Leider geht es ja immer noch schlimmer.

Idle Games

Das allerneuste auf dem mobilen Markt sind die „Idle Games“. Wie er Name schon sagt, spielen sie sich quasi von selbst und sind die nächste Evolutionsstufe der Clicker Games. Ihr habt zwar, oftmals ähnlich wie bei den Clicker Games, durch stupides Tippen die Möglichkeit minimal einzugreifen. Aber in der Hauptsache habt ihr einfach das Smartphone irgendwo rumliegen, das Spiel offen und es spielt sich von selbst. Natürlich behaupten sie auf Reddit & Co., dass ein Titel wie Endless Frontier selbstverständlich noch irgendwelche taktische Tiefe hat und man es mitnichten einfach nur offen lassen kann, um seine Armeen sich automatisch hochleveln zu lassen. Und bis zu einem gewissen Grad haben sie wahrscheinlich auch recht.

Das ändert aber nichts daran, dass es total dämlich ist. Entweder ich möchte ein Spiel spielen, oder eben nicht. Ich brauche doch meinen Akku nicht von etwas leersaugen zu lassen, wovon ich überhaupt nichts habe. Außer ein paar bunte Bildchen mit großen Zahlen für die ich keinerlei Herausforderung meistern musste gibt es hier doch überhaupt nichts. Bei den Clicker Games muss ich wenigstens noch aktiv auf den Bildschirm tippen und habe somit zumindest eine minimale Aktivität. Aber bei den Idle Games (bislang übrigens hauptsächlich Rollenspiele)? Da ist nicht einmal das notwendig.

Fazit

Ich weiß nicht, ob ich ein alter Sack geworden bin, der die heutige Jugend nicht mehr versteht. Aber ich finde die aktuellen Entwicklungen mehr als traurig. Ja, mobiles Spielen auf einem Smartphone muss andere Bedingungen erfüllen als ein Konsolen/PC- oder gar ein Handheldtitel. Aber ein wenig Anspruch möchte ich als Spieler doch trotzdem haben, oder nicht? Es kann doch nicht nur darum gehen irgendwelche Zahlen unendlich hoch nach oben zu treiben (ein Ende hat schließlich so gut wie kein Free-2-Play-Titel) und dadurch Sachen freizuschalten?

Ja, technisch gesehen ist ein Diablo III auch nichts Anderes. Aber da gibt es dann doch noch mehr Drumherum und vor allem mehr für mich als Spieler zu tun als einfach nur das Spiel laufen zu lassen. Ist unsere Gesellschaft mittlerweile so schnelllebig und der Durst nach dem schnellen Fix so groß geworden, dass wir nicht einmal mehr Zeit haben das absolute Minimum in einen Titel zu investieren? Bitte sagt mir, dass ich mich irre!

Sicarius

Eine alternative Messe

Es ist tatsächlich schon wieder ein paar Tage her, seit ich das letzte Mal auf einer Messe war. Die gamescom 2012 genauer gesagt, damals noch mit GamersGlobal. Glaub‘ ganz normal würde ich auf diese Messe auch nie wieder gehen. War einfach zu angenehm im Business Bereich :smile: . Dafür waren Lysanda und ich am Samstag im Congress Center Düsseldorf (CCD) beim 34. Deutschen Heilpraktikertag. Ja, soweit ist es mittlerweile schon mit mir gekommen, dass ich mir eine europäische Fachmesse für komplementäre und alternative Medizin antue.

War aber tatsächlich ganz interessant (und wie immer bei Messen: Ertragsreich). Die Messe war zweigeteilt. Ein zentraler Fokus war das volle Programm in den neun Konferenzräumen mit jeweils anderen Themenbereichen aufgeteilt in 45 Minuten lange Vorträge. So wurde beispielsweise fleißig über Frauenprobleme philosophiert und Teile der traditionellen chinesischen Medizin vorgestellt. Wir haben uns allerdings drei Vorträge zum Thema „Magen-Darm“ angehört:

Darmflora und Atmungssystem

Zum Glück gab es zu allen Vorträgen Handouts.

Im ersten Vortrag referierte die unterfränkische Heilpraktikerin Lisa Rauth über den Zusammenhang zwischen einer unausgeglichenen Darm-Mikrobiota (der neue Begriff für „Darmflora“) und bestimmten Krankheiten/Allergien. Die Kernaussage war, dass wir sowieso schon nur noch vergleichsweise wenige Keime (400-700 statt >1000) in uns haben und wir diese noch weiter durch Antibiotika reduzieren. Dürfte keine Neuigkeit für die meisten sein, dass wir immer mehr Antibiotika selbst für Kleinigkeiten verschrieben bekommen (im Prinzip bei jeder Erkältung wie ich selbst bestätigen kann). Dass damit nicht nur die bösen Bakterien, sondern quasi jedes Mal die Darmflora um 10% reduziert wird klingt logisch. Da jedoch 70-80% aller Immunglobuline im Darm gebildet werden, wird dadurch auch das Immunsystem massiv geschädigt (wo nix is, kann nix in den restlichen Körper verteilt werden). Die Folge ist speziell bei Kindern und Jugendlichen ein erhöhtes Risiko an den unterschiedlichsten Allergien und Krankheiten zu leiden – unter anderem eben Asthma. Nicht nur, wenn sie schon früh Antibiotika kriegen, sondern auch wenn die Mutter bereits vorbelastet ist und sie quasi ihr schlechtes Immunsystem weitergibt.

Der amerikanische Professor Martin J. Blaser hat das wohl ausführlich sowohl an Mäusen als auch Menschen erforscht (und das dazugehörige „Panikbuch“ Antibiotika Overkill geschrieben). Natürlich ging es am Ende auch darum Werbung für bestimmte Produkte (die ich an dieser Stelle nicht erwähne) inklusive Therapieplan zu machen, die dabei helfen sollen die Darmflora nach einer oder mehreren Antibiosen (so nennt sich wohl eine Antibiotika-Behandlung) wieder zu reparieren.

Beim Christoph meint: Ich fand die Überschrift ein bisschen irreführend, weil sie auf die Atmungssysteme nur grob eingegangen ist. Inhaltlich war bis auf die Produktwerbung aber durchaus einiges interessantes und vor allem logisches dabei. Wenn ich so drüber nachdenke, wie oft ich eigentlich unnötig Antibiotika genommen habe (bei einer normalen Erkältung braucht die kein Mensch), nur weil es mir der Hausarzt verschrieben hat, ist dies durchaus zumindest eine mögliche Erklärung für meine aktuellen Probleme (mal schauen was die Darmspiegelung Ende Mai sagt). Mein Asthma würde ich jetzt zwar nach diesem kurzen Vortrag noch nicht einfach darauf schieben (im Kern handelt es sich hier ja um eine Überreaktion des Immunsystems, die zu einer Dauerentzündung in der Lunge führt). Aber auch hier: Es ist ein interessanter Ansatz mit dem man sich mal mehr beschäftigen kann.

Moderne Säure-Basen-Regulation für eine gestresste Gesellschaft

Das wichtigste Werbegeschenk: Doktor Ente!

Der zweite Vortrag beschäftigte sich mit dem gefühlten Lieblingsthema von Naturheilkundlern: Der Übersäuerung unseres Körpers. Im Kern geht es darum, dass unser Körper im Idealfall einen pH-Wert von 7,4 im Blut hat (7,0 heißt völlig neutral). Nur so ist gewährleistet, dass alle physiologischen Regelmechanismen funktionieren. Läuft der zu sehr aus dem Ruder, gibt es einen Aufenthalt im Krankenhaus oder schlimmstenfalls sogar auf dem Friedhof. Reguliert wird das Ganze hauptsächlich von der Lunge, der Niere, der Leber und der Haut (Schwitzen). Die verarbeiten den ganzen Mist und schaffen ihn nach draußen. Essen wir aber zu viel Säure, dann sind die Organe mit der Regulation des pH-Wertes der verschiedenen Körperbereiche überfordert und im schlimmsten Falle bricht das ganze System zusammen.

Woher die ganze Säure kommt? Nun hauptsächlich natürlich durch unsere sehr fleisch- (Harnsäure) und zuckerlastige (Essigsäure) Ernährung. Aber auch Stress (Salzsäure) und Rauchen (Nikotinsäure) helfen nicht gerade. Die Folge ist eine Liste an Problemen, die diesen Eintrag sprengen würde aber unter anderem stehen darauf Kopfschmerzen, Osteoporose und innere Unruhe. Also die Ernährung komplett umstellen und sich nur noch durch den Wald fressen? Tatsächlich nein, was mich etwas überraschte. Natürlich war die Grundaussage von Angelika Wagner-Bertram, dass man 80% basische Lebensmittel wie Gemüse essen soll und nur 20% Säurebildner. Aber sie hat ebenso erklärt, dass man diese Imbalance durchaus ausgleichen kann. Wer ein 200g Steak isst, muss einfach nur 400g Blumenkohl essen und schon hat man einen „Potential Renal Acid Load“ (PRAL) von circa 0 – also neutral.

Mag im ersten Moment nach viel klingen aber Lysanda und ich haben unsere Mittagsernährung tatsächlich schon seit Monaten (ohne es zu wissen) so ausgerichtet. Sie zwar mehr als ich (100-150g Fleisch auf 300g Gemüse) aber ich bin halt auch ein Weichei, der seine Kohlenhydrate nicht missen mag :smile: . Man kann die Menge also durchaus verdrücken und ist anschließend satt.

Beim Christoph meint: Von allen Vorträgen vermutlich der, bei dem ich grundsätzlich am meisten verstanden habe. Ganz so überzeugt bin ich von diesem Säuren-Basen-Zeugs zwar immer noch nicht (müssen wir uns noch weiter einlesen) aber eine gewisse Logik kann ich durchaus nachvollziehen. Das Glas reines Leitungswasser (pH-Wert von 7) ist zum Beispiel das Schlechteste, was man zum Essen trinken kann. Die Magensäure hat bei der Verdauung nämlich einen pH-Wert von 2-4. Deshalb heißt es auch gerne, man soll beim Essen gar nichts flüssiges zu sich nehmen um die Magensäure nicht zu sehr abzuschwächen (ca. 30 Minuten Abstand). So könnte z.B. Sodbrennen durch diese Maßnahme vermieden werden, da dieses häufig durch zu wenig Magensäure entsteht.

Therapie von Magen-Darm-Erkrankungen auf Basis labormedizinischer Parameter

Probepackungen von NEMs gab es auch.

Der absolute Hardcore-Vortrag zum Abschluss des Heilpraktikertags. Der Vortragende, Manfred Tuppek, ist alteingesessener Heilpraktiker (seit 1981) und Leiter der medizinisch wissenschaftlichen Abteilung des BIO-LABOR und ihm ging es vor allem um das Reizdarmsyndrom und dessen Therapie. Dahingehend hat er natürlich erst einmal erklärt, was so die häufigsten Ursachen für das Problem sind (Nahrungsmittelunverträglichkeiten, genetische Veranlagung, Emotionen, etc.). So habe ich zum Beispiel gelernt, dass in 33% eine Fructoseintoleranz vorliegt. Eine Intoleranz unterscheidet sich von einer Allergie übrigens dadurch, dass bei einer Allergie schon im Moment nach wenigen Sekunden Symptome entstehen und bei einer Intoleranz kleinere Mengen gar kein Problem sind. Anschließend hat er anhand von echten Beispielen aus seinem Labor gezeigt, auf welche Werte man besonders achten sollte, um die genaue Krankheit und die Ursache dafür zu analysieren. Neben der Bestimmung der einzelnen Immunglobuline im Blutserum, gehört da wohl vor allem die Pilzdiagnostik im Stuhl mit dazu. Vor allem der Candida-Hefepilz hat wohl gar nichts im Darm verloren und macht massive Probleme, wenn das Immunsystem sowieso schon geschwächt ist. Zum Abschluss hat er anhand von ein paar ausgewählten Produkten erklärt, wie man die Sachen in den Griff kriegen kann.

Beim Christoph meint: Natürlich ging es auch ihm am Ende des Tages vor allem darum sein Labor und die dazugehörigen Produkte zu bewerben. Und inhaltlich ist definitiv einiges über mich drüber geflogen, weil er wirklich tief in die Thematik reinging. Von E. coli hab‘ ich ja schon einmal gehört und Immunglobuline sind mir mittlerweile genauso ein Begriff aber so Sachen wie Alpha 1-Antitrypson und DAO? Nie gehört :smile: . Immerhin habe ich gelernt, wie man bestimmte Nahrungsmittelintoleranzen ganz einfach selbst testen kann. Zum Beispiel einen halben Liter Fruchtsaft nüchtern auf Ex trinken. Müsst ihr nach 30 Minuten dringend auf der Toilette explorieren, dann habt ihr eine Fructoseintoleranz – ansonsten nicht.

Die Ausstellung

Kulis! Haufenweise Kulis!

Der zweite Teil des Heilpraktikertags war eine Messehalle (allerdings nicht annährend so groß wie bei der gamescom) voll mit Austellern. Da war wirklich alles dabei. Von Praxissoftware und allerlei Gerätschaften wie Bioresonanz, Laserakupunktur und Globulienergetisierer – der Bioscan war auch da aber man musste einen Termin haben – über Nahrungsergänzungsmittel und Fachbücher hin zu Versandapotheken und Weiterbildungsanbietern. Zwar fehlten ein paar Anbieter, die wir schon kannten wie beispielsweise der sehr empfehlenswerte Onlinehändler Vitamin Express. Aber es war dennoch sehr informativ mal einen noch größeren Überblick zu erhalten, was es so auf dem Markt gibt. Hier und da konnte man sogar Probepäckchen einsacken (die T-Shirts der Heilpraktikermesse), was vor allem bei Produkten interessant ist, die ansonsten einfach nur abartig teuer sind. Da können wir jetzt schön vergleichen, ob es der Aufpreis tatsächlich wert ist oder das billigere Präparat es auch tut (vermutlich letzteres). Außerdem konnten wir haufenweise Kulis, Post-Its und Blöcke abstauben. Durchaus nützlicher als das 10.000 Schlüsselband :smile: . Teilweise gab es auch mal was zum Probieren wie Stutenmolke, Brottrunk, energetisiertes Wasser, bei Vollmond abgefülltes Wasser oder verschiedene fermentierte Vitamindrinks (igitt).

Gekostet hat uns der Tag zusammen 60 Euro sowie fünf Stunden Fahrt (500km für Hin- und Rückfahrt). Sicherlich nichts, was wir jedes Jahr machen werden (anders als bei Spielen ändert sich da ja dann doch nicht so viel) und schon gar nicht etwas, was jeder von euch machen sollte. Aber wir haben die Investition nicht bereut. Es war unterm Strich durchaus eine interessante und informative Erfahrung. Jetzt heißt es für uns erst einmal alles verarbeiten (eine ganze Tasche voller Infomaterial).

Bis Montag!

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