Eigentlich wollte ich heute die gamescom 2016 Revue passieren lassen, die letzte Woche zum 8. Mal in Köln ihre Tore geöffnet hatte. Aber irgendwie war da mal so überhaupt nichts interessantes oder gar Neues los. Scheinbar haben sich mit den Absagen der Pressekonferenzen von Electronic Arts, Sony und Microsoft plötzlich auch alle anderen dagegen entschieden auch nur irgendetwas auf der Messe zu berichten. Selbst von der GDC Europe hat man vergleichsweise wenig gehört. Dabei kann ich mir gar nicht vorstellen, dass es keine interessanten Vorträge da gegeben haben sollte. Sehr komisch.

Aber schauen wir uns wenigstens die paar Neuankündigungen genauer an, die es tatsächlich gab:

Metal Gear Survive

Metal Gear Survive (Herstellerbild)

Metal Gear Survive (Herstellerbild)

Hideo Kojima ist hochkant aus der Firma geflogen und macht nun sein eigenes Ding und endlich kann auch Konami mit der Metal Gear-Marke machen was sie möchten. Neben einer Pachinko-Maschine gehört dazu jetzt auch Metal Gear Survivor, ein – ihr habt es erraten – Multiplayer-Koop-Shooter. Das hat ja schon bei Resident Evil: Operation Raccoon City so gut funktioniert. Zugegeben: Anderer Publisher (Capcom). Aber trotzdem hätte ich mir als Entwickler durchaus so meine Gedanken darübergemacht, warum das dort schon nicht funktioniert hat. Stattdessen also nun ein neuer Metal Gear-Titel, der mehr wie Resident Evil wirkt und kollektives Stöhnen im Internet auslöste.

Auch meine Begeisterung hält sich massiv in Grenzen obwohl ich nicht der größte Metal Gear-Fan bin. Zwar habe ich prinzipiell nichts gegen Multiplayer oder gar Koop in diesem Universum. Aber dann bitte origineller und mehr in Richtung Metal Gear Solid: Ground Zeroes-zusammen-das-Missionsziel-erledigen und nicht stupides „Zombie“-Geballere. Und Metal Gear Survive klingt definitiv mehr nach letzterem. Sehr schade. Aber was will man heutzutage noch von Konami anderes erwarten?

Cities: Skylines – Natural Disasters

Der Erfolg von Cities: Skylines scheint weiterhin ungebrochen – was ich Entwickler Colossal Order und Publisher Paradox Interactive absolut gönne, nur damit wir uns nicht falsch verstehen! – entsprechend wurde nun das mittlerweile dritte Addon für die Städtebausimulation angekündigt. Wie der Name schon sagt, halten nun Naturkatastrophen ihren Einzug ins Spiel. Eigentlich ein wenig verwunderlich, dass die Entwickler damit so lange gewartet haben, da sie in SimCity schließlich schon seit Teil 1 ein wichtiges Spielelement sind.

Ich mochte die Naturkatastrophen allerdings schon damals nicht und habe sie nur auf Kommando genutzt, um kurz vor dem Ausmachen nochmal die Fetzen fliegen zu lassen. Ansonsten reizt mich dieses buchstäblich unberechenbare und zerstörerische Spielelement absolut nicht. Ich möchte ich Ruhe meine perfekte Stadt bauen und nicht alle paar Minuten irgendwelche Stadtteile komplett neu aufbauen müssen. Ich weiß, klingt total langweilig, aber hey: Was erwartet ihr von jemanden, der schon damals bei Die Siedler am liebsten ohne Gegner gespielt hat? Eben.

The Inner World: Der letzte Windmönch

The Inner World 2 (Herstellerbild)

The Inner World 2 (Herstellerbild)

Der Vorgänger konnte bei den Bagdadsoftware NOCAs anno 2013 zwar nur den dritten Platz abräumen. Aber immerhin! Das lustige 2D-Point-&-Click-Adventure versprühte extrem viel Charme und war ein Stück weit auch mal wieder etwas Anderes (etwas eigenwilliger Stil, Hohlwelttheorie). Jetzt wurde also endlich der zweite Teil angekündigt. Warum „endlich“? Weil es unter anderem mit Fördergeldern entwickelt wird und entsprechend ist es schon Ende 2015 bekannt geworden, dass es in Entwicklung ist. Nun aber wie gesagt offiziell und mit echten Infos.

Und was soll ich sagen? Es sieht wieder nach einem schicken Geheimtipp für Adventure-Fans aus. Studio Fizbin setzt eindeutig auf die Stärken des Vorgängers und versucht gar nicht so sehr das Rad neu zu erfinden. Stattdessen geht es zurück nach Asposien und ihr schlüpft erneut in die Rollen von Robert, Laura und der Taube Hack. Ich erwarte viel Witz, viel Charme und vor allem gute Rätselunterhaltung. Unbedingt im Auge behalten würde ich sagen und zwar nicht nur, weil es ein Titel aus deutschen Landen ist!

Der Rest

Und das waren sie auch schon, die großen Neuankündigungen der Messe. Klar, gab es noch das ein oder andere unwichtige Detail – wobei ich die Nosulus Rift (Furz-Emulation für South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe) definitiv für eine amüsante Idee halte. Leider ist sie nur ein Marketing-Gag und wird sicherlich nicht ihren Weg in eine Collector’s Edition oder sowas finden. Aber insgesamt war die Messe dieses Jahr wirklich irgendwie absolut unspektakulär. Vielleicht nächstes Jahr wieder.

Und damit gebe ich ab bis Montag!

Alle Jahre wieder kommt das Christkind…ach ne, die Electronic Entertainment Expo in Los Angeles. Gefühlt immer noch die wichtigste Spielemesse der Welt trotz extremer Konkurrenz durch gefühlt 10.000 verschiedene Penny Arcade Expos und die Gamescom, luden wieder so einige Industriegrößen letzte Woche ein. Und auch, wenn die Überraschungen nicht ganz so dicht gepackt waren wie letztes Jahr (wir erinnern uns an die Sony-PK mit The Last Guardian, Shenmue III und Final Fantasy VII Remake): Ein bisschen was Interessantes war schon dabei.

EA

Mass Effect: Andromeda (Herstellerbild)

Mass Effect: Andromeda (Herstellerbild)

Ja, der Trailer zu FIFA 17 mit seiner Solokampagne hat auch mich aufhorchen lassen und hätte vor zwei Jahren sicherlich das Spiel auf meine Vorbestellliste gehoben. Aber ansonsten gab es doch überraschend wenig Überraschendes von Electronic Arts irgendwie. Vor allem, dass von Mass Effect Andromeda nicht mehr kam, macht mich durchaus stutzig. Der Titel soll schließlich m 1. Quartal 2017 auf den Markt kommen. Da müsste doch die Marketingkampagne so langsam losgehen? Naja, was es zu sehen gab, machte immerhin Lust auf mehr. Das gilt auch für die Schnippsel aus den noch unangekündigten Star Wars-Titel von Respawn, Visceral und DICE/Motive. EA lässt die Lizenz definitiv nicht im Archiv schlummern und bislang, das muss man ganz klar sagen, kam da durchaus gutes dabei raus. Ja, auch der Free-2-Play-Mobiletitel Star Wars: Galaxy of Heroes ist qualitativ hochwertig!

Und Titanfall 2? Nun, ich bin zum einen wirklich glücklich, dass EA der Serie noch eine zweite Chance gibt. Teil 1 versank ja leider sehr schnell in der Versenkung (auf dem PC noch schneller als auf der Konsole). Dass es dieses Mal eine richtige Einzelspielerkampagne geben wird, stimmt mich zusätzlich froh. Das Gezeigte machte entsprechend viel Laune auf mehr.

EA Originals (Unterstützung von Indie-Entwicklern) bin ich auch positiv gegenüber eingestellt obwohl sich das halbe Internet gerade wieder auskotzt. Zur Erinnerung: Ein Entwickler von Rocket League meinte auf die Pressemitteilung „EA sucht das nächste Rocket League„, dass sie dem Publisher das Spiel anno 2011 angeboten hätten, er es damals aber nicht gewollt hätte. In welchem Zustand der Titel damals war (es hatte eine sehr lange Testphase mit viel Feintuning) und, dass der Vorgänger sich überhaupt nicht gut verkauft hat, lässt der Designer natürlich offen. Von daher – finde zumindest ich – kann man EA hier erst einmal keinen Vorwurf machen. Höchstens, dass sie vielleicht ihre Pressemitteilung etwas anders hätten formulieren sollen. Unabhängig davon bin ich auf jeden Fall gespannt, was da langfristig nun rauskommt.

Bethesda

Quake Champions (Trailer Screencap)

Quake Champions (Trailer Screencap)

Bethesda ließ sofort den großen Knaller los – also zumindest für mich. Alle anderen haben sich vermutlich mehr bei The Elder Scrolls V: Skyrim – Special Edition in die Hose gemacht. Immerhin gibt es die für alle kostenlos, die das alte Hauptspiel mit allen DLCs schon haben. Nein, mir liegt natürlich mehr id Software am Herzen und entsprechend klopfte mir schon das Herz als er in den DOS-Prompt „Quake“ eintippte.

Und was soll ich sagen? Quake Champions ist zwar ein dämlicher Name (wie ist dann der Titel des Champions des Spiels?) und die Aussage, dass es unterschiedliche Klassen geben wird lässt mich auch etwas vorsichtig sein. Aber unterm Strich bin ich sowas von angefixt. Quake III Arena und mittlerweile Quake Live sind bekanntlich absolute Dauerbrenner bei mir. Entsprechend viele Hoffnungen setze ich in den neusten Teil. Ja, er wird sicherlich etwas anders werden, aber trotzdem erwarte in der Essenz einen erstklassigen, skill-basierten Arena-Shooter. Zur QuakeCon 2016 werden wir mehr erfahren. Übrigens: Dass passenderweise parallel auch Unreal Tournament in Entwicklung ist, versetzt mich sofort wieder ins Jahr 1999. QUAKE FOR LIVE!!.

Von Prey bin ich hingegen ganz klar enttäuscht. Was damals als Prey 2 angekündigt worden war, passte zwar auch nicht so recht ins Bild eines Nachfolgers, klang aber zumindest hoch interessant. Die neue Fassung interessiert mich hingegen nur, weil sie von den Arkane Studios kommt (wenn auch „nur“ von der amerikanischen Niederlassung). Das liegt aber definitiv ausschließlich am Namen. Jeder andere und ich würde hier andere Worte verwenden. Ist ja nicht so, als würde mich nach diesem komischen Trailer nicht auch interessieren was es mit dem ständigen Neustart dieses einen Tages auf sich hat.

Sony

God of War (Herstellerbild)

God of War (Herstellerbild)

Wenn sie jetzt bei jedem Themenwechsel anfangen wieder die Zahl weg zu lassen, dann werde ich ganz schön stinksauer. Abseits des Titels, macht God of War aber einen sehr guten Ersteindruck. Zum einen weil mir das Setting einfach viel mehr zusagt (nordische Götter) und zum anderen weil die Essenz (action-geladene Kämpfe gegen riesige Bossgegner) offensichtlich erhalten geblieben ist. Gut, die Sache mit dem Sohn wird sich zeigen, ob das wirklich so gut funktioniert und nicht den Spielfluss unterbricht. Ich bin aber durchaus zuversichtlich.
Crash Bandicoot Remastered klingt auch äußerst interessant. Nicht nur, weil ich das Original nie gespielt habe. Nein, auch weil Ratchet & Clank (2016) ein richtig gutes Remake geworden ist. Wenn Crash Bandicoot die gleiche Sorgfalt erhält, dann steht uns ein weiteres Plattformer-Highlight ins Haus. Aber bitte gleichzeitig auch die Originalspiele endlich mal auf neueren Konsolen zur Verfügung stellen, okay?

Ansonsten hat mich tatsächlich nicht allzu viel von Sony interessiert. Ja, bei der Ankündigung von Death Stranding haben sich wieder alle in die Hose gemacht. Aber Hideo Kojima muss durchaus noch zeigen, dass er mit seiner neu gewonnen Freiheit auch richtig umgehen kann. Außerdem kann ich mit Norman Reedus relativ wenig anfangen. Im Gegenteil nervt mich seine Fratze aktuell, weil sie ständig in der Werbung von diversen Handy-Survival-Spielen vorkommt. Resident Evil 7 hingegen ist halt Resident Evil 7. Da die Demo ziemlich nichtssagend ist und Teil 6 ein absoluter Reinfall war, bin ich auch hier mehr im „Abwarten“-Modus. Über Resident Evil: Revelations 3 wäre ich begeisterter gewesen.

Microsoft

Forza Horizon 3 (Herstellerbild)

Forza Horizon 3 (Herstellerbild)

Nicht nur mehr Spiele für Windows 10, sondern auch noch Cross-Plattform-Buy (kauft es auf der einen, habt es automatisch auf der anderen)? Man könnte fast meinen, Microsoft meint es dieses Mal tatsächlich ernst mit dem Thema „Unified Gaming Plattform“. Am Ende des Tages reden wir aber natürlich immer noch von Microsoft. Dem Betrieb, der jahrelang faktisch dem PC den Rücken zugekehrt hat. Da müssen den großspurigen Worten erst noch so einige großspurige Taten folgen, bevor Games for Windows Live aus dem Gedächtnis der Spieler getilgt ist.

Und sonst? Forza Horizon 3 sieht selbstverständlich wieder genial aus auch wenn dieses ganze „Jetzt hast du die Kontrolle über das Festival“ im ersten Moment vom eigentlichen abzulenken scheint (dem in coolen Karren durch schicke Grafik fahren). Die Ankündigung von Dead Rising 4 hat mich ebenso sehr erfreut, obwohl ich ja laut Serienfans einer dieser „Casual-Volltrottel“ bin weil ich Teil 3 bislang am besten fand. Ich hab’s halt nicht so mit Zeitlimits. Von daher wird Spannend sein zu sehen, welche Gruppe von Fans die Entwickler dieses Mal ansprechen wollen. Vermutlich mehr die des ersten Teils aufgrund der Rückkehr des alten Hauptcharakters. Aber wer weiß.

Ansonsten ließen mich auf der Microsoft-PK noch Scalebound von Platinum Games und State of Decay 2 etwas aufhorchen. Letzteres hauptsächlich, weil Teil 1 ganz nett war. Wobei zwischenzeitlich natürlich der Markt mit Zombie-Survival-Spielen massiv überschwemmt ist. Ersteres hingegen nicht nur, weil ein Drache eine wichtige Rolle spiel, sondern auch weil das Konzept wohl schon seit der Studiogründung vor 10 Jahren in der Schublade liegt. Da könnte also viel Hirnschmalz drinstecken. Ach und bislang haben die Jungs und Mädels sehr viele coole Action-Titel abgeliefert. Entsprechend viel Vertrauen habe ich in sie.

Fazit

Und damit hätten wir die wichtigsten Punkte abgehandelt. Ja, Ubisoft und Nintendo habe ich ausgelassen. Beide hatten zwar durchaus interessante Spiele zu bieten aber die Informationsdichte hielt sich für meinen Geschmack doch arg in Grenzen. Alles in allem war ich in diesem Jahr aber tatsächlich wieder etwas interessierter an der E3 (dank den Ereignissen bei der 2015er Ausgabe) und wurde unterm Strich denke ich nicht enttäuscht.

Mein einziger Negativpunkt ist der starke VR-Fokus gewesen (vor allem bei Sony). Gefühlt überall und von allen möglichen IPs kommen jetzt VR-Ableger, die aber bislang nur viel Spektakel aber wenig Inhalt zu bieten scheinen. Ich weiß: Das mit dem Herumlaufen ist noch so eine Sache, deshalb lieber den Spieler festnageln. Das macht kurzzeitig sicherlich Laune aber ein substantielles Spielerlebnis scheint das für mich nicht zu sein. Bin aber selbstverständlich gespannt, wie sich die Sache entwickelt.

Stellt sich abschließend natürlich wie immer noch die Frage, wie ihr das seht. Wie habt ihr die E3 2016 erlebt und was waren eure Highlights?

Unfassbar aber wahr: ICQ existiert immer noch und hat Anfang des Jahres mit (vergleichsweise) großem Tamtam die 10. Version veröffentlicht. Total neu, total überarbeitet, total relevant wieder – zumindest ist das die Hoffnung von Besitzer Mail.ru. Aber wie sieht die Wirklichkeit aus? Welche Mittel und Wege nutzt ihr, um euch „Instant“ mit euren Freunden und Kollegen zu unterhalten? Und sind es auf dem Handy andere Apps als am Rechner?

Die Nachricht, dass Electronic Arts dieses Jahr keinen Stand auf der E3 haben wird, schlug ein wie eine Bombe. Kein Wunder: EAs Präsenz war immer eine der größten in Los Angeles. Entsprechend viel Platz gilt es nun für die Organisatoren zu füllen. Das bedeutet aber nicht, dass EA zur E3 nichts zeigen würde. Stattdessen gehen sie, wie immer mehr Entwickler und Publisher, ihren eigenen Weg und veranstalten ihre eigenen Events. Der Vorteil für sie ist klar: Es kostet weniger, sie haben mehr Kontrolle und mehr Augen sind ausschließlich auf sie gerichtet. Aber wie seht ihr das: Findet ihr es super, dass es immer mehr „Hausmessen“ gibt oder findet ihr ein Spektakel wie die gamescom oder die E3, in der ihr in einer Woche komplett erschlagen werdet mit Neuigkeiten einfach cooler?

Sicarius

Ein Spiel für die Ewigkeit

EverQuest (Herstellerbild)

EverQuest (Herstellerbild)

„Games as a Service“ ist aus meiner Sicht das aktuelle Motto der Spielebranche. Dahinter verbirgt sich der Ansatz einen Titel nicht einfach nach 6-12 Monaten fallen zu lassen (oder noch früher), sondern stetig weiter mit neuen Inhalten zu versorgen. Quasi ähnlich wie man es schon lange von einem MMO kennt: Regelmäßig kleinere Updates und ab und zu ein größeres (kostenpflichtiges) Add-on. EverQuest (1999) hat beispielsweise bislang 21 Erweiterungspacks erhalten und die Zahl an veröffentlichten Updates lässt sich vermutlich nicht einmal mehr in 32bit ausgeben.

Der ökonomische Gedanke hinter diesem Trend ist eindeutig: Warum jedes Jahr ein komplett neues Spiel entwickeln, wenn ich mit wesentlich weniger Einsatz den aktuellen Titel noch 2-3 Jahre länger am Leben halten kann. DLCs waren da erst der Anfang, um die Spielerschaft davon abzuhalten direkt wieder zum nächsten Spiel zu wechseln, wenn das aktuelle nach wenigen Monaten schon wieder zu langweilig wurde. Dank (zumindest aus Publisher/Entwickler-Sicht) 24/7 vorhandener und unlimitierter Internetverbindung lässt sich schlimmstenfalls sogar das komplette Spiel austauschen. Da sind die vielen „Enhanced Editions“ die mittlerweile auf den Markt kommen noch ein Witz im Vergleich zu dem, was vor allem im Indie-Bereich so läuft.

Extreme Makeover

Hero Siege (Herstellerbild)

Hero Siege (Herstellerbild)

Hero Siege ist vom Grundprinzip her zwar immer noch ein Endless-Roguelike Survivaldingsbums (schwierig zu beschreiben) aber mit der Version, die ich euch vor zwei Jahren vorstellte, hat es nur noch extrem wenig gemeinsam. Und das nicht nur in spielerischer, sondern auch technischer Hinsicht. Und den Spielern gefällt es: Als der Entwickler im Steamforum fragte, ob er weiter am Titel arbeiten oder sich an ein neues Projekt setzen soll, stimmte die Mehrheit für Hero Siege und gegen einen neuen Titel. Warum auch nicht? Der Großteil der neuen Inhalte ist für alle kostenlos und ein DLC kostet garantiert weniger als etwas komplett Neues. Zumal es keine Garantie gibt, dass das Neue einem überhaupt Spaß macht. Bei Smartphone-Apps ist die Sache übrigens gefühlt sogar noch schlimmer. Da lädt man Unschuldig ein Update herunter und schon wurde das komplette Spiel über den Haufen geworfen.

Insofern eindeutig eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Die Spieler haben mehr und länger von ihrem Lieblingsspiel und sparen dabei auch noch Geld. Zumal bei der heutigen Schwemme an Neuveröffentlichungen (man wird mittlerweile praktisch ganzjährig erschlagen) das Argument „Wenn alle nur noch Services anbieten, gibt’s gar keine neuen Titel mehr“ wenig Bedeutung hat. Auch deshalb, weil sich natürlich nicht jedes Genre/Spiel dafür eignet. Ja, The Witcher III: Wild Hunt hat 15+ DLC erhalten. Aber bei einem Solospiel ist dann doch irgendwann das Limit für die große Masse an Spielern erreicht. Mods erhöhen zwar auch hier die Lebenszeit noch einmal ein gutes Stück, aber darauf lässt sich auch der Großteil nicht ein. Bei einem Mehrspieler-Titel wie Star Wars: Battlefront sieht die Sache schon anders aus. Da lässt sich die Halbwertszeit definitiv stark erhöhen wenn eine kritische Masse an Spielern anfangs erreicht wurde. Und von einem Sportspiel brauchen wir erst gar nicht reden. Eine Version und jedes Jahr zur neuen Saison einen kostenpflichtigen DLC mit dem neuen Kader und die Spieler wären für einige Jahre glücklich selbst wenn es keine grafischen/spielerischen Verbesserungen als Update gäbe.

Das Problem

World of WarCraft (Herstellerbild)

World of WarCraft: Warlords of Draenor (Herstellerbild)

Der eine oder andere wird sich sicherlich schon die Frage gestellt haben, wie ich auf das Thema komme bzw. warum ich es überhaupt zum Thema mache. Wie ich schon geschrieben habe kann der Versuch einem Titel eine längere Lebenszeit zu geben erst einmal nicht schaden. Insofern bedarf es doch gar keiner Diskussion. Eine Fraktion hat aber ein massives Problem mit dieser Entwicklung: Die Spielejournalisten. Betraf es früher nur MMOs, die sowieso nach spätestens zwei Monaten aus dem Bewusstsein der Spielermasse verschwunden sind (Ausnahmen namens World of WarCraft bestätigen die Regel), gilt es heute eigentlich sehr viele Titel auch langfristig im Blick zu haben und eine entsprechend zyklische Berichterstattung durchzuführen. Aber darauf sind die meisten Redaktionen weiterhin nicht eingestellt. Der Test am Releasetag und vielleicht noch ein Guide und schon ist das Thema für alle Zeiten erledigt. Dass die Informationen schlimmstenfalls schon beim nächsten Patch völlig veraltet sind, wird weiterhin nur äußerst selten oder nur halbherzig berücksichtigt.

Das Ergebnis ist eine Momentaufnahme, die zwar am Releasetag den Käufer informiert. Aber wenn dieser sechs Monate später auf den Test stößt (was bei langlebigen Titeln ja zwangsläufig der Fall ist), dann erhält er womöglich ein völlig falsches Bild (sowohl im positiven als auch negativen Sinne). Da wäre es fast besser einen Test mit einem Verfallsdatum zu versehen und dann komplett aus dem Netz zu nehmen oder zumindest genau hinzuschreiben welche Version man behandelt hat. Und ja, da sehe ich auch mich in der Pflicht. Denn auf das Thema bin ich gekomme, als ich mal wieder im Archiv gestöbert habe und feststellen musste, dass vor allem bei meinen Angespielt-Berichten zu iPhone-Apps doch so einiges nicht mehr ganz so stimmt. Doch zurück zu den anderen.

Schwerer Wandel

Ich kann ja durchaus verstehen, dass noch kein Magazin wirklich soweit ist. Das würde ja voraussetzen, dass Kollegen das Spiel im Blick behalten oder sich zumindest eine Erinnerung in den Kalender setzen mal wieder reinzuschauen. Das ist im aktuellen Klima absolut unrealistisch und funktioniert mitunter selbst bei einem World of WarCraft-Add-on nicht, wo ja doch noch sehr viele Spieler ein Interesse dran haben. Außerdem ist es selbstverständlich nicht ganz so einfach abzuwägen, ob sich ein erneuter Bericht oder gar Test überhaupt lohnt (der Entwickler behauptet zwar, dass die KI signifikant verbessert wurde aber ob das stimmt?). Entsprechend sind es vor allem die High-Profile-Titel, die wenn überhaupt noch einmal überprüft werden. Hin und wieder vielleicht auch noch einer, den der jeweilige Redakteur auch noch privat spielt. Aber Titel, die im ersten Anlauf versagten und sich zwischendurch massiv verbessert haben? Vergesst es. Das Spielerinteresse ist vermeintlich schon wieder woanders und damit auch der Blick der Redaktion.

Wenn die Branche aber immer mehr in Richtung „Games as a Service“ geht, dann muss sich an dieser Einstellung was ändern. Da reicht es auch nicht was Kotaku macht, wo immerhin eine kleine Handvoll Titel mittlerweile sechs bis zwölf Monate später eine neue Betrachtung erfahren – wenn auch nur mit im Vergleich zum Test massiv reduzierter Zeitinvestition. Da muss man wirklich hergehen und entweder das komplette System „Test“ überdenken und in eine etwas flexiblere/fließender Form der Berichterstattung übergehen (quasi das Spiel nach Release längere Zeit begleiten) oder zumindest die Sache mit den Nachtests wesentlich konsequenter und regelmäßiger durchführen. Das wäre nicht nur fairer dem Entwickler gegenüber (er wird nicht ewig abgestraft obwohl die Kritikpunkte gar nicht mehr stimmen), sondern auch dem Spieler. Der kann zum einen besser einschätzen kann wie sehr sich der Hersteller um sein Spiel kümmert und zum anderen sieht ob die NoGos behoben wurden, die ihn bislang vom Kauf abhielten.

Nächste Seite »