The Making of Karateka (Cover)

The Making of
Karateka (Cover)

Es gibt Texte, die machen einen irgendwie wütend. Nein, ich meine nicht den ganzen „GamerGate“-Scheißdreck. Da regt mich zwar auch alles auf aber da schreibe ich sicherlich keinen Eintrag dazu. Das wäre Zeitverschwendung. Nein, aktuell lese ich das erste Buch mit Auszügen aus Jordan Mechners Tagebuch, amerikanischer Spieledesigner und Erfinder von Prince of Persia, namens The Making of Karateka. Darin werden die Jahre 1982-1985 behandelt, sprich seine Anfänge als 17jähriger in Sachen Spieledesign/Programmierung bis hin zur Veröffentlichung seines ersten großen Hits, das Karate-Spiel Karateka für den Apple II.

In The Making of Prince of Persia werden hingegen die Jahre 1985-1993 abdeckt von der ersten Idee für Prince of Persia bis zum Release von Prince of Persia 2: The Shadow and the Flame.

Faule Sau!

Prinzipiell zwei sehr interessante Bücher, die nicht nur tiefe Einblicke in die damalige Spielebranche geben, sondern natürlich auch in Mechners Kopf. Mit was hat er sich so die Zeit vertrieben, welche Medien hat er konsumiert, was hat ihn beeindruckt, was bewegt und mit welchen Problemen hatte er zu kämpfen? Sprich die ausführliche Antwort auf die Frage, wieso sind seine Spiele so, wie sie eben sind. Woher kam die Inspiration, wie sah die ursprüngliche Idee aus, was hat ihn dazu gebracht die Richtung zu ändern, Features rauszuschmeißen und dafür anders einzubauen und all das. Eben all das, was auch unser JakillSlavik braucht um Gemälde zu interpretieren.

Gleichzeitig lerne ich zumindest im ersten Buch jemanden kennen, dem ich am liebsten am laufenden Band eine Ohrfeige verpassen würde, damit er mal in die Gänge kommt. Seitenweise Einträge, in denen er vor sich hin träumt und nix gebacken kriegt. Das ist ungefähr so, als würdet ihr die hintersten Seiten (189-235) hier auf dieser Webseite lesen – nur mit besserer Rechtschreibung und Grammatik. Die bestanden bekanntlich ja auch nur aus „Ich hab kei‘ Zeit weil…“-Einträgen. Ja, natürlich war er erst 17 bis 20 Jahre alt und ein Stück weit halt doch der typische College-Typ und weniger der Proto-Nerd. Er ist raus, hat sich mit Freunden getroffen und den Computer auch einfach mal Computer sein lassen. Alles schön und gut. Aber dann darf ich mich doch nicht ernsthaft hinsetzen und in mein Tagebuch Einträge mit solchen Aussagen hinterlegen:

  • Ich nehme mir fest vor morgen das und das zu machen. Wenn ich mich ranhalte bin ich garantiert rechtzeitig bis da und da fertig.

    Karateka (Quelle: MobyGames)

    Karateka (Quelle: MobyGames)

  • (Wochen später) Ich hab‘ seit dem letzten Eintrag nicht wirklich viel gemacht am Projekt, aber ich hab’s ein paar Freunden/meinen Eltern davon erzählt/den aktuellen Stand gezeigt und die waren absolut begeistert davon. Motiviert es endlich fertig zu stellen bin ich natürlich trotzdem nicht.
  • Ich habe in Zeitschrift xyz von diesem und jedem Spiel gelesen oder es in der Arkade gezockt und jetzt habe ich die genialste Idee des Jahrtausends das und das zu programmieren. Tun werde ich es natürlich nicht.
  • Ich habe gerade den neusten Film gesehen und wieder einmal festgestellt: Filme sind toll. Soll ich nicht doch lieber Regisseur/Drehbuchautor/wasweißichalles werden? Spiele basteln gefällt mir eigentlich doch nicht so gut. Oder doch besser endlich meinen ersten Romane schreiben?
  • Ich hab‘ diese und jene Lesung verpasst, weil ich verschlafen/was anderes zu tun hatte. Die Hausaufgaben mache ich auch nie und sowieso weiß ich garned, ob der Kurs überhaupt das ist, was ich will. Ach und programmiert habe ich auch nix.
  • Ich hab‘ irgendwie keine Lust und musste mich zwingen zu programmieren oder habe es einfach ganz gelassen.
  • Ich habe Computerzeitschrift xyz gelesen und träume davon auch meinen Namen/Spiel darin zu sehen. Wie? Den Blockbuster mal fertig programmieren? Ach das kann ich auch morgen noch.
  • Wenn ich irgendwann mit dem Projekt fertig werde, was natürlich in den nächsten zwei Wochen passiert, dann werde ich garantiert Millionär und muss nie wieder arbeiten.

Wenn ihr jetzt denkt, dass ich maßlos übertreibe, dann empfehle ich euch mal in die offizielle Leseprobe reinzuschauen mit den ersten 28 von 238 Seiten. Das gibt euch schon einen ersten Eindruck davon, was euch im Rest des Buchs so erwartet.

Der Aufreger

Deathbounce

Deathbounce

Warum mich es aufregt sowas zu lesen? Nun, weil ich grundsätzlich Leute hasse, die nur vor sich hin blubbern, nix gebacken kriegen und am Ende dann auch noch meinen Jammern zu müssen. Natürlich ist es einfacher zu sagen „Ich hab‘ eine Idee für ein Buch“ als tatsächlich ein Buch zu schreiben. Aber wer hat am Ende etwas erreicht? Derjenige, der jedem nur davon erzählt hat wie toll er doch ist oder derjenige, der es einfach macht? Die Spitze des Eisbergs sind dann die Personen, die mehr als offensichtlich auch das Talent hätten um etwas zu erreichen wie eben Jordan Mechner. Aber nein, statt sich mal hinzusetzen und was fertig zu machen (Deathbounce hatte er bereits einen Publisher an der Hand, der aber noch ein paar Änderungen wollte – zu viel Arbeit!), wird einfach weitergeträumt und was anderes angefangen. Wie viel hätte der Mann wohl noch erreicht, wenn er drangeblieben wäre und genauso seine Zeitpläne zumindest rudimentär eingehalten hätte (es vergingen teilweise Monate, in denen nix passierte!)?

Natürlich kann man ebenso dagegen argumentieren: Was wäre, wenn er Deathbounce vor 30 Jahren veröffentlicht (2012 hat er es dann doch mal online gestellt) und es tatsächlich ein Hit/kein Hit geworden wäre? Hätte er sich dann überhaupt noch an Karateka gewagt? Da sage ich aber klipp und klar: Dann hätten wir garantiert was anderes Geniales von ihm bekommen. Wie gesagt, der Mann hat(te) definitiv extrem viel Talent und viele innovative Ideen wie man seinem Tagebuch entnehmen kann. Aber er hat halt (fast) nix draus gemacht. Und das finde ich wieder einmal äußerst schade.

Bitte? Das geht uns allen so? Stimmt. Die verpassten Chancen, die wir „damals“ nicht ergriffen haben und denen wir jetzt nachtrauen und die Stunden der Müßigkeit, in denen wir absolut nichts erreicht haben. Sie sind Teil unseres Lebens und machen uns sicherlich auch ein Stück weit zu dem, was wir heute sind. Das entschuldigt trotzdem nicht dafür, dass ihr faul dasitzt, auf YouTube Katzenvideos anschaut und nichts aus eurem Leben macht! Ja, du bist gemeint Christoph!

Beim Christoph meint: Unabhängig davon, dass mich die Person Jordan Mechner hinter den Tagebucheinträgen nervt (allerdings im zweiten Teil bei weitem nicht so stark), kann ich die beiden Bücher trotzdem nur wärmstens empfehlen. Speziell natürlich Teil 2 über Prince of Persia, da das vermutlich mehr Leute kennen als Karateka. Ich würde trotzdem beide lesen, da auch schon bei Karateka die ersten Anzeichen von dem vorhanden sind, was noch kommen wird.

Wie gesagt geben beide äußerst interessante Einblicke in die Welt eines etwas anderen „Bedroom-Developers“ der 80iger, der eben nicht wie Richard Garriott gleich seine erste Firma gegründet hat oder wie John Carmack eine Arbeitsmaschine war, sondern in seiner Stube hockte und irgendwie verdammt viel Glück hatte.

PS: 6.11. ist der Bereitstellungstermin. Eine Woche noch!

Vor fast genau sechs Jahren habe ich euch an dieser Stelle erzählt gehabt welche Spielzeitschriften ich abonniert habe und warum. Doch die Zeit vergeht. Magazine werden eingestellt, Redaktionen ausgewechselt und, noch viel wichtiger, mein Geschmack verändert sich. Vor allem letzteres hat dazu geführt, dass ich von den fünf genannten Zeitschriften keine einzige heutzutage mehr lese.

Grundsätzlich lässt sich nämlich sagen, dass mich diese Art der Spieleberichterstattung mit ihren Vorschauen und ihren Tests mittlerweile absolut überhaupt nicht mehr interessiert — und zwar sowohl offline als auch online und egal in welcher Form (RockPaperShotgun-Flapsig oder GameStar-ernst). Ich schau mir höchstens bei The Escapist oder Gametrailers ein paar Videos an und blicke hin und wieder Total Biscuit über die Schulter. Das war es aber dann auch schon. Achievement Hunter, Zero Punctuation und wie sie alle heißen konsumiere ich zur Unterhaltung und nicht, um mich ernsthaft über einen Titel zu informieren.

Nur wenn ich mir tatsächlich unsicher bin, also meist bei einem Titel, den ich nicht ganz so gut einschätzen kann oder kenne, dann lese ich selbstverständlich auch mal die Testberichte. Einfach um ein Gefühl dafür zu bekommen und durchaus sogar dann auf Basis dessen eine Kaufentscheidung zu treffen. Aber abseits davon bin ich mittlerweile zu der Sorte von Leser geworden, die höchstens noch die Wertung anschaut.

Total ignorant

Nein, so wirklich rational begründen kann ich das nicht. Ich vermute es ist so eine Mischung aus „alles schon gelesen“ beziehungsweise „nichts mehr Neues für mich, da ich sowieso alle News dazu kenne“, „das Spiel liegt eh am Releasetag bei mir im Briefkasten, egal was irgendwer darüber in einem Test schreibt“, „auf die Meinung dieses und jenen Redakteurs/Magazins gebe ich sowieso nichts“ sowie der schlichten Tatsache, dass mich mittlerweile einfach mehr das Hintergründige (Reportagen, Porträts, Post-Mortems) interessiert. Mir ist natürlich klar, dass es äußerst paradox ist selbst quasi solche Inhalte zu produzieren und dann vehement die Sachen der anderen einfach zu ignorieren. Zumal ein Blick auf das Geschreibsel der Anderen auch einen gewissen Lernfaktor mit sich bringt (was macht der falsch, was macht er richtig, was könnte ich ihm abschauen, etc.). Aber am Ende des Tages stellt sich nun einmal mir genauso wie euch die Frage in was ich meine kostbare (Frei-)Zeit investiere. Und in Sachen Vorschau und Tests lesen ist für mich persönlich die Antwort ganz klar: Zeitverschwendung.

Womit wir wieder beim anfänglichen Thema wären: Wenn ich die Magazine von damals nicht mehr konsumiere, was lese ich denn dann derzeit so an Print-Erzeugnissen? Nun, ganz einfach. Diese hier:

Cover der englischen EDGEEDGE (englisch) – Im Prinzip könnte ich hier einfach wiederholen, was ich damals schon zur deutschen Übersetzung gesagt hatte. Nachdem diese leider sehr schnell wieder von Computec eingestellt wurde, bin ich nämlich zum Kauf der englischen Version übergegangen. Mir gefällt an der EDGE weiterhin fast alles und jedes Mal wenn die Mail kommt „Ihr Abo läuft aus, wollen Sie nicht ihr Abo verlängern?“ überlege ich da gar nicht lange und hau nochmal zwei Jahre drauf. Da wäre zum einen natürlich die immer noch sehr stylische Aufmachung des Hefts mit seiner Einfachheit innen (viel Freiraum für den Text) wie außen (auf manchen Covern ist nicht einmal das Logo der Zeitschrift auf den ersten Blick sichtbar!). Zum anderen aber selbstverständlich auch das äußerst hohe Niveau des Inhalts.

Von den meist sehr interessanten Kolumnen bis hin zu den hervorragenden Reportagen mit Post-Mortems, Studio/Entwickler-Porträts und generell dem Blick auf die Menschen, Tools und Businessseite der Medaille. Hier wird definitiv etwas Besseres geboten in jeder Hinsicht inklusive hochwertigem Papier und jede Ausgabe um die 150 Seiten mit vergleichsweise wenig Werbung und diese dann hauptsächlich für Tools und Entwicklerjobs und weniger für Spiele. Auch die Qualität der Schreibe ist höher als man es vielleicht sonst gewohnt ist, die Autoren werden aber weiterhin nur gesammelt im Impressum angegeben. Ihr wisst also nicht von wem jetzt welcher Text ist. Die Tests überfliege ich allerdings trotzdem meist nur beziehungsweise lese hauptsächlich nur die relativ neu eingeführten Hintergrundartikel (Ein Interview, ein Kommentar, eine Analyse, etc. — alles jeweils eine Seite nach dem Test). Und das alles für gerade mal sechs Euro (fünf britische Pfund) beziehungsweise aktuell bezahle ich sogar nur fünf Euro pro Ausgabe (inklusive Versand und so drin!).

Cover des englischen Game Developer MagazineGames Developer Magazine (englisch) – Das Hardcore-Branchenmagazin von Entwickler für Entwickler (die meisten Texte sind von Branchenleuten). Zumindest war es das mal. Mit der Ausgabe Juni/Juli 2013 wird es nämlich nach 19 Jahren leider eingestellt — sowohl offline als auch die digitale Variante. Geht stattdessen jetzt alles vollständig in Gamasutra über. Die Inhalte gehen also nicht verloren, aber dennoch ist es natürlich wie immer schade so ein Magazin vom Markt verschwinden zu sehen. Das Auszeichnungsmerkmal des Game Developer waren/sind (auf Gamasutra erscheinen sie ja weiterhin) vor allem die umfangreichen und zahlreichen Post Mortems (aktuell unter anderem zu FTL: Faster Than Light und XCOM: Enemy Unknown), die ich auch für meine Porträts immer gerne als Quelle hernehme. Diese sind nicht nur detaillierter als das, was EDGE anbietet, die Artikel stammen auch vom Entwickler selbst. Da kann man noch so viele Interviews führen, das ist einfach eine ganz andere Perspektive. Das bedeutet jetzt aber nicht, dass es Lobeshymnen sind. Ganz im Gegenteil gehen die Jungs schon durchaus kritisch mit sich selbst um.

Der Rest der rund 80 Seiten auf typisch amerikanischen Schlabber-Papier ist gefüllt mit Kommentaren über den Status der Industrie, Berichten über aktuelle Trends und auch Tipps & Tricks zu Entwickler-relevanten Themen. Letztere übersteigen dann aber selbst meine Kompetenz, wenn es wirklich tief in die Technik hineingeht (wie programmiert man am besten das und das etc. oder Vorstellungen von Tools). Selbst der Artikel in der aktuellen Ausgabe „Programmer, interrupted“ ist schon extrem wissenschaftlich. Darin wird analysiert wie es sich vermeiden lässt seine Coding-Sessions unnötig zu unterbrechen inklusive Erklärungen wie das Gehirn funktioniert, die Unterschiede zwischen den einzelnen Erinnerungsarten und was weiß ich noch. Sicherlich ganz interessant, aber ich verstehe da definitiv nur Bahnhof :smile: . Unterm Strich war es aber ganz klar ein sehr informatives Magazin und vor allem eines, bei dem es tatsächlich Sinn hatte es sich quasi als Nachschlagewerk ins Regal zu stellen. Aber immerhin gibt es ja noch zumindest noch online Gamasutra. Muss ich dort eben in Zukunft öfters vorbeisurfen.

Cover der deutschen Making GamesMaking Games (deutsch) – Im Prinzip das deutsche Equivalent zum Game Developer Magazine inklusive dem starken Fokus darauf die Entwickler selbst die Texte schreiben zu lassen. In Sachen Preis (6,90 Euro für 80-90 Seiten) liegt es auch ziemlich gleich auf. Definitiv keine billige Angelegenheit diese Heft, was aber natürlich auch an seinem Nischencharakter liegt. Die Qualität der Themen und Artikel schwankt außerdem ein wenig. In der aktuellen Ausgabe geht es beispielsweise um Let’s Plays, was prinzipiell natürlich aktuell hochinteressant für mich ist. Aber beim Lesen wurde mir dann doch schnell klar, dass das Ganze nicht sehr durchdacht und äußerst oberflächlich ist.

Lag vielleicht auch ein Stück weit an der Qualität der deutschen Let’s-Play-Szene an sich (die auch kräftig mitgemischt hat bei der Erstellung der Artikel), aber trotzdem fand ich beispielsweise das Kickstarter-Thema in der vorherigen Ausgabe wesentlich besser umgesetzt. Und das ist definitiv ein durchgängiges Problem des Magazins. Es fehlt ihm immer noch an der Konsistenz in Sachen Qualität einer EDGE oder eines Game Developer Magazine. Aber vorerst halte ich ihm weiter die Treue. Schon allein, um es zu unterstützen, dass es in Deutschland so ein Heft gibt. Außerdem kommen speziell natürlich deutsche Entwickler zu Wort, die man in den englischen Heften nur selten vorfindet (Yager Development mit Spec Ops: The Line und Crytek mit Crysis — und das war’s dann auch schon wieder).

Cover der englischen Retro GamerRetro Gamer (englisch) – GamersGlobal ist schuld. Bevor die deutsche Ausgabe ins Leben gerufen wurde, kannte ich die englische nicht. Und wäre die deutsche Fassung ein monatliches Heft, hätte ich vielleicht sogar sie abonniert. Aber an einer Übersetzung einer Sammelausgabe der englischen Fassung habe ich dann doch leider kein Interesse und greife lieber zum Original — inklusive dem britischen Blickwinkel auf die Themen.

Für 6,30 Euro (in England 4,99 GBP am Kiosk) gibt’s jeden Monat um die 120 Seiten auf hochwertigem Papier und größerem Format (größer als ein DINA4-Blatt) vollgestopft mit Retro-Themen (logischerweise). Sie berichten zwar auch unter dem Namen „Future Classics“ über mehr oder weniger aktuelle Titel, aber das Hauptaugenmerk liegt definitiv auf Hintergrundberichten und „Tests“ zu den mehr oder weniger bekannten Klassikern und der damit verbundenen Hardware. Dazu gehören natürlich auch ausführliche Interviews mit den Leuten dahinter sowie sehr viel Nostalgie von Seiten der Redakteure („Ich hab‘ das damals so erlebt:“). Letzteres ist ein zweischneidiges Schwert und kann unter Umständen auch nerven im ein oder anderen Artikel (Hör auf der Vergangenheit nachzuweinen!). Das größere Format des Hefts kommt hingegen bei den Screenshots dann voll zur Geltung. Egal wie Pixelig: Es wird sehr oft ganz groß aufgezogen und dominant in den Vordergrund gestellt, was ich persönlich sehr cool finde. Man muss aber dennoch ganz klar sagen: Das Heft ist was das Layout angeht doch sehr stark überladen und hat auch keinen eindeutigen Look. Stattdessen passt es sich sehr stark den Inhalten an. Das ist nicht jedermanns Sache und auch ich finde es stellenweise äußerst unübersichtlich. Unterm Strich hält es mich aber genauso wenig wie die anderen Negativpunkt nicht vom Lesen ab.

Cover der englischen EDGERetro (deutsch) – Das Abo läuft nur noch bis Ende Juni. Habe es jetzt doch endlich mal gekündigt. Zu zahlreich sind die inhaltlichen Fehler (angefangen von offensichtlichen Schreibfehlern bis hin zu tatsächlich falschen Fakten), zu Dilettant die Aufmachung und zu oberflächlich die Inhalte. Ja, das Heft stammt von einem kleinen Verlag und wird wohl vor allem von Retrofans mit nicht unbedingt der großen journalistischen Erfahrung produziert. Deshalb habe ich ihm wohl auch so lange die Treue gehalten und über die Probleme hinweggesehen. Aber im Vergleich zur Retro Gamer erwarte ich einfach für 6,95 Euro bei um die 90 Seiten dann doch etwas mehr als nur Großformat und hochwertige Seiten. Zumal das Heft in den letzten Monaten seinem Titel gar nicht mehr richtig gerecht wurde. Was hat zum Beispiel Micky Epic 2: Die Macht der Zwei auf einem Retro-Heft auf dem Cover zu suchen?

Das einzige, was das Heft immer noch etwas von der Konkurrenz abhebt sind die Berichte über die Szene an sich. Meist wird ja nur über die Spiele und so berichtet (wobei die Retro Gamer auch einen Blick auf die Home Brew Jungs wirft). In der Retro wurde auch jedes Mal ein Blick hinter die Kulissen geworfen. Was machen die Retrofans derzeit so (LANs, Museen, Events, etc.) und auch was es so an Neuerungen gibt (neue Hardware-Mods beispielsweise). Das ist ganz interessant. Aber für mich reicht das nicht aus, um die dicken inhaltlichen Probleme zu kaschieren. Und das dickste ist schlicht und einfach, dass das Heft zwar den Namen „Retro“ trägt aber mittlerweile nicht mehr viel Retro drinsteckt.

Cover der deutschen elektrospielerelektrospieler (deutsch) – Das Abo läuft nur noch bis Ende des Jahres (Kündigungszeitpunkt verpasst…). Stammt vom gleichen Verlag wie die Retro und war das absolute Hype-Heft als es 2009 auf den Markt kam. Die Elite-Blogger waren total begeistert (vermutlich, weil ein paar von ihnen Texte dafür verfassen). Der Fokus sollte auf die Ästhetik der Spiele liegen, sprich großformatige und ganzseitige Screenshots sowie auf einer inhaltlich anspruchsvollen Behandlung der Spiele. Sprich das, was Herr Christian Schmidt sich so sehr in seinem Spiegel Online-Kommentar so wünschte. Entsprechend hab‘ ich mir letztes Jahr mal ein Abo gegönnt, um zu schauen was es damit tatsächlich auf sich hat.

Tatsächlich kriege ich für die fünf Euro (ca. 90 Seiten) nichts anderes als eine Hochglanzbroschüre mit Texten, die sich irgendwo zwischen Test- und bemüht pseudo-philosophischen Erlebnisbericht einordnen. Was daran intelligent sein soll, der Slogan des Hefts ist „Das intelligente Games-Magazin“, entzieht sich mir meistens. Hier und da gibt es natürlich schon Lichtblicke je nach Autor, aber da wären wir wieder beim Thema der Konsistenz. Immerhin: Zahlreiche große Bilder mit einem starken Fokus auf Renders und Konzeptzeichnungen gibt es definitiv. Aber für ein Bilderbuch mit Herstellerbildern bezahle ich dann doch nicht unbedingt Geld, wenn es nicht gerade Alice heißt oder einer Collector’s Edition beiliegt. Da schaue ich lieber bei Kotaku und ihrer Fine Art-Ecke vorbei.

Das sind also die fünf Magazine, die ich derzeit noch im Abo habe. Dank meiner Abo-Kündigungen und der Einstellungen des Game Developer Magazines bleiben am Ende des Jahres aber nur noch zwei Heft übrig (EDGE und Retro Gamer). Glaube auch nicht, dass da in nächster Zeit noch was hinzukommen wird.

Nun aber die Frage an euch: Wie sieht es aus? Kriegt ihr noch regelmäßig ein Stück toter Baum geliefert beziehungsweise kauft es am Kiosk, oder habt ihr dem Thema mittlerweile schon komplett abgeschworen?

Am Donnerstag war so ein komischer Typ namens Azzkickr bei mir und hat mich nicht nur dazu genötigt ihm ein paar Spiele zu zeigen, sondern er wollte auch noch ein bisschen selbst spielen. Was für eine absolute Unverfrorenheit! Bin ich etwa eine Videothek oder was?! Und dann kauft er sich die Sachen vermutlich nicht einmal. Solche Leute habsch dodal gefresse! Erst in de Lade komme, stundenlang beraten lassen und dann einfach wieder weggehen. Eine Frechheit sondersgleichen! Immerhin hat er die Einstellungen meiner Soundanlage auf Vordermann gebracht. Ist ja zumindest etwas Wiedergutmachung. :smile: .

Disclaimer: Die folgenden Aussagen in den Klammern sind keine Originalzitate von Azzkickr. Es handelt sich hier um reine und völlig freie Interpretationen seiner Aussagen durch den Webmaster. Bagdadsoftware übernimmt keine Garantie für die Richtigkeit und bittet stattdessen Azzkickr in den Kommentaren seine tatsächliche Meinung zu hinterlassen.

Gesehen und gespielt hat er übrigens auf der Xbox 360 SSX („Viel zu viele Buttons AAAAAH.“) Sonic & All-Stars Racing Transformed („Putzig.“), Forza Horizon („Scheiß Amis mit ihren scheiß Karren.“) und Rockstar präsentiert Tischtennis („Ich sitz hier und spiel Tischtennis. Unfassbar.“). Am PC hab‘ ich ihm dann noch Lucius (indiziert, deswegen hier keine Aussage), Choplifter HD („Joa…ist halt ein Spiel, ne?“) und The Binding of Isaac („Ich müsste so langsam mal heim.“) gezeigt, bevor der Tag auch schon wieder rum war und ich vom ganzen Spielen total feddich. Da kam es ganz passend, dass ich ein paar neue Bücher auf dem Nachttisch liegen hatte mit denen ich mich erholen konnte. Wie? Mein Schrank ist sowieso noch voll mit ungelesenen Büchern? Ähm…die sind für Regentage. Außerdem geht es in den neu eingetroffenen toten Bäumen um Videospiele:

Achtung: Alle besprochenen Bücher liegen derzeit nur auf Englisch vor!

Killing is Harmless: A Critical Reading of Spec ops: The LineKilling is Harmless: A Critical Reading of Spec ops: The Line (Brendan Keogh, 2012, $4,99+, 177 Seiten, nur digital erhältlich)„[…]But almost immediately I came across a problem: I want to say more about The Line than I could fit into one or even several essays.[…] I realised it was practically impossible to take any one segment or scene of the game and write about it in a vacuum, separate from the rest of the game.“ — So begründet der Autor seine Entscheidung das Buch zu schreiben. Zu Recht, wie ich finde. Spec Ops: The Line hat so viele Details, so viele Nuancen, so viele mehr oder weniger subtile Andeutungen, die oft erst später im Spiel einen Sinn ergeben und weit über das eigentliche Spiel hinausgehen (Hauptmenü, Soundtrack, Ladebildschirm). Da macht es wenig Sinn sich nur eine Szene herauszupicken und sie zu behandeln. Nach dem Vorwort erwartet euch entsprechend eine Art Walkthrough des Spiels.

Gestützt auf zahlreiche Analysen anderer Redakteure sowie Interviews mit dem Lead Writer Walt Williams, interpretiert Brendan den Titel vom Start im Hauptmenü bis zum Ende auf dem Balkon des Hochhauses (bzw. dem Epilog). Was versteckt oder könnte sich zumindest hinter allem verstecken (der Autor ist sich der Gefahr des Überanalysierens durchaus bewusst und geht auch konkret an den entsprechenden Stellen darauf ein)? Was ist die tiefere Bedeutung der einzelnen Szenen und Szenenbestandteile und den Entscheidungen, die ihr treffen könnt? Was soll der Spieler denken und fühlen? Wo liegt die Kritik am Shooter-Genre im speziellen und der Spielebranche sowie der Gesellschaft im Allgemeinen? Und wo sind die Parallelen zum Buch Heart of Darkness und dem Film Apokalypse Now? Das alles und noch viel mehr gibt es auf den 177 sehr interessant zu lesenden Seiten. Leider enthält das Buch nur sehr vereinzelt Screenshots, was es hier und da etwas schwer macht (speziell für denjenigen, der das Spiel nicht gespielt hat), genau nachzuvollziehen was der Autor jetzt eigentlich gerade auf dem Bildschirm sieht. Das trübt den sehr guten Gesamteindruck aber nur unwesentlich.

Bagdadsoftware meint: Ich hab‘ Spec Ops: The Line zweimal durchgespielt und dachte eigentlich das meiste gesehen zu haben. Aber das Buch hat mir gezeigt, dass das überhaupt nicht stimmt. Vom Stop-Schild am Anfang des Spiels, bei dem man sich eigentlich keine großen Gedanken macht, dem versandeten Werbeplakat, dem man keine Aufmerksamkeit schenkt und den Schaufensterpuppen, die hier und da im Hintergrund erscheinen und erneut die Frage über den Status von Walker in den Raum werfen (Ist er tot? Ist er der Erzähler? Sind es Halluzinationen?) über das Abspielen der lizensierten Lieder deren Texte überraschend gut zur Situation passen oder gar kommendes vorhersagen, die Wahl des Synchronsprechers (Nolan North, unter anderem Drake aus der Uncharted-Serie), und dem grundsätzlichen Aufbau der einzelnen Kapitel hin zu den Gesprächen und Motivationen aller Beteiligten und gar dem Auftauchen der Achievementhinweise (!!) — Wer Spec Ops: The Line wirklich verstehen möchte, der kommt um Killing is Harmless nicht herum und erhält gleichzeitig haufenweise Links auf Texte und Interviews anderer Autoren, um sich noch tiefer in die Materie hineinzusteigern.

Definitiv eine äußerst interessante und absolut empfehlenswerte Lektüre. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass sie für jeden Spec Ops: The Line-Spieler Pflicht sein sollte. Noch mehr als das eigentliche Spiel regt sie zum Nachdenken und Diskutieren an. Ich empfehle allerdings vorher Spec Ops: The Line durchzuspielen. Schon alleine aufgrund der logischerweise unzähligen Spoiler. Und ich muss es jetzt nach der Lektüre auf jeden Fall ein drittes Mal mit noch offeneren Augen durchspielen. Ach und außerdem muss ich immer noch das Reh in dem einen Level erschießen für das Achievement :smile: .

Hardcore Gaming 101 presents: SEGA Arcade Classics Volume 1 SEGA Arcade Classics Volume 1 (Kurt Kalata, 2012, 8,55 [s/w] bzw. 21,39 [Farbe] Euro, 168 Seiten) – Vor fast einem Jahr hatte ich euch an dieser Stelle das erste Buch der Webseite Hardcore Gaming 101 vorgestellt. Ging es damals noch um Adventures, beschäftigt sich das neue Werk mit über 70 Arcade-Titeln von SEGA aus den 80igern und 90igern. Nein, nicht Spielen, die ausschließlich in Spielhallen verfügbar waren. Das Genre ist gemeint. Euch erwarten unter anderem Shinobi, Alex Kidd, OutRun, Space Harrier, Golden Axe inklusive ihrer Nachfolger sowie ein mittellanges und erneut eher vernachlässigbares Interview mit Ryuichi Nishizawa (Wonder Boy).

Das System ist das Gleiche wie in der ersten Veröffentlichung der Seite: Der Autor schreibt im Prinzip einen kleinen Test über das jeweilige Spiel und zieht gleichzeitig aber auch Vergleiche zur damaligen Konkurrenz und setzt es in einen historischen Kontext. Was hat der Titel gut gemacht, warum ist er in Erinnerung geblieben und dergleichen. Dabei hat er aus den Fehlern von The Guide to Classic Graphic Adventures durchaus gelernt. Schon die Verarbeitung ist wesentlich hochwertig. Zwar gibt es das Buch auch weiterhin in einer wesentlich billigeren Schwarz/Weiß-Version bei der man nur wenig auf den Bildern erkennt, ihr könnt aber auch zur Farbfassung greifen in der dieses Mal die Screenshots auch tatsächlich zur Geltung kommen. Auch die Anzahl der Bilder wurde drastisch erhöht. Sogar Vergleichsbilder zwischen den einzelnen Portierungen gibt es hin und wieder anstatt nur einem unübersichtlichen Absatz voll Text.

Inhaltlich erscheint das Buch zudem sauberer. Ihr erinnert euch: Im ersten Machwerk las man mitunter sehr deutlich ein mangelndes Interesse beziehungsweise die Vorurteile des Autoren aus den Texten heraus. Das ist dieses Mal anders, was allerdings durchaus auch an der Spieleauswahl liegen kann. Es werden nun einmal vorwiegend Toptitel aus der „Goldenen Ära“ behandelt. Und da ist der Autor definitiv in seinem Element. Gleichzeitig muss ich allerdings Einschränken, dass ich selbst maximal ein halbes Dutzend der erwähnten Spiele tatsächlich selbst gespielt habe. Entsprechend kann ich nicht beurteilen, inwieweit er doch wieder Mist erzählt.

Bagdadsoftware meint: Ich mag Hardcoregaming101.net. Die dort veröffentlichten Texte unzähliger Autoren geben mir nicht nur Einblicke in Spiele und Serien, die ich mangels Hardware nie gespielt habe. Ich erfahre in den Reports auch immer wieder mal was Neues zu Titeln, die ich dachte bereits in- und auswendig zu kennen. Entsprechend finde ich das zweite gedruckte Werk wieder sehr interessant und informativ. Der Preis für die gedruckte Farbversion ist mit fast 22 Euro natürlich kein Pappenstil, ja fast schon Wucher, vor allem da das wesentlich dickere Buch The Guide To Classic Graphic Adventures genauso viel kostet. Aber wer sich für Retro interessiert und mehr über seine Lieblingstitel oder Anregungen fürs Reinschnuppern sucht, der macht mit dem Kauf erneut nichts falsch.

Supercade: A Visual History of the Videogame Age 1971-1984Supercade: A Visual History of the Videogame Age 1971-1984 (Van Burnham, 2001, 29,80 Euro, 448 Seiten) – Das Buch ist bereits vor 12 Jahren erschienen, das macht aber nichts aus. Wie der Name bereits verrät, geht es nämlich um die Zeit von 1971 bis 1984, also dem ersten Videospielezeitalter. In den einzelnen Kapiteln bespricht die Autorin die in diesem Jahr veröffentlichten Systeme sowie die bekanntesten beziehungsweise einflussreichsten Spiele aus dieser Zeit.

Anders als bei im obigen Buch von Hardcore Gaming 101, geht es in Supercade ausschließlich um den historischen Kontext. Zwar werden natürlich die Spiele und Systeme auch soweit beschrieben, dass man weiß um es sich handelt. Es geht aber vor allem darum aufzuzeigen wie sie entstanden sind, was sie einzigartig macht und welche Bedeutung und Auswirkungen hatte. Entsprechend viele O-Töne und Vergleiche finden sich in den gut und verständlich geschriebenen Texten. Das alleine macht das Buch bereits sehr interessant und lesenswert.

Doch im Untertitel des Werks heißt es „Visual History“ und es ist im Fotobuchformat auf hochwertigem Glanzpapier gedruckt. Der Text ist also eigentlich gar nicht so wichtig. Stattdessen sind die absoluten Highlights auf den 448 Seiten die großformatigen und teilweise sogar doppelseitigen Bilder ohne viel Text daneben. Sie zeigen Screenshots aus den Spielen (die trotz der sehr hohen Auflösung absolut scharf sind), Fotos der Hardware, Firmenlogos, sowie Auszüge aus den damaligen Werbekampagnen und geben euch so einen noch buchstäblich beeindruckenden Einblick in die damalige Zeit. „[…]A great deal of what fueled the „golden age“ of videogames in the early eighties was the fact that the aesthetic of games permeated everything all at once — video arcade, movies, fashion, television, technology, music, and media. I imagined a book that captured all of this – a book that reflected the neon-drenched dynamic of the videogames as well as their culture[…]“ schreibt Van Burnham im Vorwort und erfüllt auf den kommenden Seiten ihre hochgesteckten Erwartungen vorbildlich.

Bagdadsoftware meint: Supercade ist ein besonderes, visuelles und absolut empfehlenswertes Erlebnis. Die 30 Euro sind ein fairer Preis für das Gebotene und dessen hohe Qualität. Während ein Buch wie The Ultimate History of Video Gamesy zwar noch tiefgründiger ist und inhaltlich sicherlich noch mehr zu bieten hat, spielt sich dort alles nur im Kopf ab und ich werde als Leser nicht so richtig in diese damalige Zeit hineingezogen. Van Burnhams Werk ist da anders. Es ist ein Buch, bei dem bereits das Blättern Spaß macht und so mein Interesse weckt mehr darüber zu erfahren. Es sind die Bilder, die zum Lesen verleiten. „Was ist das für ein Spiel/System? Was hat es mit dieser Werbung auf sich?“ frage ich mich dann und ehe ich mich versehe habe ich wieder mehr erfahren über die ersten 13 Jahre der Videospielegeschichte. Sehr cool.

Jetzt wisst ihr also, was ich in den letzten vier Tagen so gelesen habe. Ab heute muss ich ja leider wieder Arbeiten (wie viele andere auch). Die drei Wochen Urlaub sind schon wieder rum. Da wird es mit dem Lesen vermutlich erst einmal wieder etwas weniger werden. Dennoch natürlich auch die Frage an euch: Irgendwelche empfehlenswerten Bücher über Spiele im Regal stehen abseits eines Masters of DOOM?

Spiele hier, Spiele da. Immer nur Spiele. Das kann ja nicht angehen. Da muss man was gegen tun, sag‘ ich! Und da ein Extrem nur durch ein anderes Extrem ausgeglichen werden kann (behaupte ich jetzt einfach mal), geht es im heutigen Eintrag gleich um drei Sachen, die überhaupt nichts mit Spielen zu tun haben.

Der Film

Zuerst widmen wir uns einem 46 Jahre alten Film, der sich mal wieder mit einem realen Ereignis aus dem zweiten Weltkrieg beschäftigt. Statt der Schlacht von Pearl Harbor oder dem D-Day, geht es hier jedoch um eine nicht ganz so allgemein bekannte Begebenheit, da sie nicht ganz so immens große Auswirkungen auf den Kriegsverlauf hatte: Die finale Schlacht des deutschen Panzerschiffs Admiral Graf Spee vor dem Rio de la Plata.

Panzerschiff Graf SpeePanzerschiff Graf Spee (Orig.: The Battle of the River Plate, 1956) – Die Admiral Graf Spee war eines von drei Kriegsschiffen, die Deutschland nach der Niederlage im 1. Weltkrieg bauen durfte. Sie wurde 1936 in Dienst gestellt und wurde noch vor Beginn des Krieges in den Südatlantik geschickt. Hitler rechnete fest damit, dass England nach der Invasion von Polen in den Krieg eintreten würde und da England nur über das Meer versorgt werden konnte, wollte er schon frühzeitig dafür sorgen, dass die Nachschubwege lahmgelegt werden würden.

Ein Mittel dafür waren die U-Boote, das zweite die mächtigen Panzerschiffe mit einer Geschwindigkeit und Bewaffnung, die zu diesem Zeitpunkt von keinem anderen seefahrenden Land übertroffen werden konnte. Entsprechend erfolgreich verlief anfänglich die Kaperfahrt nach Kriegsausbruch am 1. September 1939. Insgesamt neun Schiffe mit einer Tonnage von über 50.000 BRT wurden bis Anfang Dezember von ihr versenkt. Der Film beginnt mit dem Untergang der Africa Shell, Schiff Nr. 6, und der Gefangennahme ihres Kapitäns und macht dann einen kleinen Zeitsprung zur finalen Treibstoffbefüllung durch die Altmark. Statt jedoch den Treibstoff zu nutzen, um direkt nach Deutschland zurück zu reisen, fuhr Kapitän Langsdorff nach Südamerika.

Die Schlacht vor dem Rio de la Plata

Natürlich blieb die Graf Spee (im Film dargestellt durch den US-Kreuzer USS Salem), trotz aller Tarnung — sie fuhr unter wechselndem Namen und Beflaggung — dem Gegner nicht verborgen. Dieser wiederrum, zumindest zeigt es so der Film (tatsächlich fand das dargestellte Treffen nie statt, es dient nur dazu den Zuschauer die Sachlage zu erklären), ahnte den nächsten Zug von Langsdorff voraus und legte ihm in der Mündung des Rio de la Plata an der Ostküste Südamerikas eine Falle. Beteiligt waren die HMS Achilles (spielt sich tatsächlich selbst!), die HMS Exeter (dargestellt durch die HMS Jamaica) und die HMS Ajax (dargestellt durch die HMS Sheffield).

Ja, die Seeschlacht wurde tatsächlich nicht nur mit echten Schiffen nachgestellt, sie läuft in den ersten Minuten sogar in Echtzeit so ab, wie in den Protokollen damals festgehalten. Doch leider geht der Film hier dann trotz allem Realismusanspruch nicht weit genug: Die Aufnahmen von den Brücken der Schiffe wurden in den Pinewood Studios in London getätigt. Sie wirken entsprechend deplatziert und teilweise sogar surreal, da ihr immer nur einen Blickwinkel gezeigt bekommt. Geht ja auch nicht anders, schließlich würde man ja sonst merken, dass auf der anderen Seite eben keine Schiffe sind. Vom komischen Gespritzte des Wassers im Hintergrund ganz zu schweigen. Da der Film nicht in Schwarz/Weiß gedreht wurde, fällt dieses Problem noch stärker auf. Nichtsdestotrotz ist die 15-Minütige Schlacht ganz klar der Höhepunkt des Films, obwohl die Spannung nicht durch unzählige Explosionen, sondern vornehmlich durch die Dialoge erzeugt und aufrechterhalten wird.

Einseitig

Bild aus Panzerschiff Graf SpeeSchade nur, dass alles ausschließlich aus Sicht der Alliierten gezeigt wird. Die Deutschen kommen nach Akt 1 nicht mehr wirklich zur Geltung. Dabei war nicht nur die Admiral Graf Spee an sich interessant, sondern auch ihr Kapitän Hans Langsdorff. Seine Darstellung im Film ist nämlich keineswegs übertrieben. Er war wohl auch im wirklichen Leben kein böser Nazi (selbst bei der Beerdigung der Toten nach der Schlacht hat er keinen Hiltergruß gemacht), sondern Gentleman und Seemann, der sowohl seine Mannschaft als auch seine Gefangenen mit gebührendem Respekt behandelte und ihr Wohl über alles stellte. Die überlebenden Besatzungsmitglieder bewundern ihn noch heute.

Doch das hat alles nicht viel genützt. Zwar konnten die Alliierten die Graf Spee bei Rio de la Plate nicht versenken und diese ins neutrale Montevideo fliehen. Aber das Land gab dem Kapitän nur 72 Stunden, um die nötigsten Reparaturen durchzuführen und dann wieder auf die hohe See zu verschwinden. Dort warteten die Engländer auf ihn. Theoretisch hätte die Flucht wohl gelingen können, aber die Briten verbreiteten absichtlich unverschlüsselt, dass sich noch wesentlich mehr Schiffe in der Zwischenzeit eingefunden hätten. So blieb Langsdorff keine andere Wahl als dafür zu sorgen, dass das Schiff nicht in feindliche Hände fällt. Er ließ den größten Teil der Crew in Montevideo vom Schiff gehen und die wichtigsten Bauteile zerstören, fuhr zum Ende der Deadline aus dem Hafen, schlich sich zusammen mit der übrigen Mannschaft von Bord und versenkte das Schiff dank mehrerer strategisch platzierter Sprengladungen.

Das Schiff liegt bis heute im nur acht Meter tiefen Wasser und wird seit 2004 Stück für Stück abgebaut, da es den Schiffsverkehr behindert. Langsdorff beging hingegen kurze Zeit später Selbstmord. Ob auf Befehl oder aus anderen Gründen ist nicht genau bekannt und dieser Abschnitt wird auch im Film nicht gezeigt. Er endet mit einem letzten Dialog zwischen dem Kapitän der Africa Shell und Langsdorff. Aber auch dieser dritte Akt ist spannend gestaltet und vermittelt sehr gut, wie der Verhandlungspoker zwischen allen Beteiligten abgelaufen ist und welches Großereignis die Ankunft der Graf Spee im Hafen für die Stadt war.

Die Technik

Positiv zu erwähnen ist auch noch, dass die Blu-Ray-Fassung komplett restauriert worden ist und wirklich sehr gut aussieht. Satte Farben, scharfe Bilder und für so einen alten Film vergleichsweise wenige Artefakte dominieren das Bild. Leider wurde diese Sorgfalt nicht auch auf den Ton übertragen. Der wurde anscheinend überhaupt nicht angefasst und ist entsprechend stark verrauscht und dumpf, was vor allem in den Gefechtsszenen das Verständnis erschwert.

Bagdadsoftware meint: An die Qualität eines Der längste Tag, Das Boot oder Tora! Tora! Tora! kommt Panzerschiff Graf Spee nicht ganz heran. Dafür ist die Sicht der Dinge dann doch zu Einseitig und stören die Studioaufnahmen zwischendrin zu sehr das Gesamtbild.

Dennoch merkt man denke ich daran, dass ich vornehmlich die Geschichte des Schiffs wiedergegeben habe, dass der Film wie viele aus dieser Zeit ein richtig guter und vor allem authentischer Kriegsfilm ist, der keine Seite unrealistisch weit hervorhebt, sondern sich soweit wie möglich an die Fakten hält — und dabei trotzdem sehr spannend ist. Diese Art von Dokudrama gibt es heutzutage aus mir unbekannten Gründen einfach nicht mehr. Entweder es wird nur eine richtige Dokumentation oder es ist patriotischer Mist ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Abläufe.

Wer sich für die Geschichte der Admiral Graf Spee oder allgemein für diese Art von Kriegsfilm interessiert und mit dem gemächlicheren Tempo solch älterer Produktionen kein Problem hat, der muss sich diese 2 Stunden entsprechend unbedingt anschauen. Allen anderen bleibt wohl nur die Filmumsetzung des gleichnamigen Brettspiels Battleship, wenn sie eine effektreiche Seeschlacht sehen wollen.

4 von 5 Sics

Das Buch

Ich hab‘ aber in letzter Zeit nicht nur ein paar Filme geschaut (und viele Spiel gespielt), sondern auch meinen Nachttisch mal wieder etwas abgearbeitet. Darauf lag auch ein Buch, das mich schon länger stark interessiert hat. Zahlreiche andere, halb angefangene Bücher verhinderten aber bislang, dass ich mich ihm widmete. Ich würde aber diese Zeilen natürlich nicht schreiben, wenn ich es nicht doch mittlerweile geschafft hätte es durchzulesen. Hier entsprechend der Erfahrungsbericht:

JPodJPod (Douglas Coupland, 2006) – In seinem Review bezeichnete der englische Guardian das Buch als das „Microserfs der Google Generation”. Und tatsächlich finden sich viele Parallelen zwischen JPod und Couplands Werk von 1995, in dem die Hauptrolle eine Gruppe von Microsoft-Entwicklern spielt. Dieses Mal geht es jedoch um das Leben einer Handvoll von Spieleentwicklern, die bei einer fiktiven Firma an einem Skateboard-Spiel namens „BoardX“ arbeiten und sich ein eigenes Büro teilen. Und da alle Beteiligten einen Nachnamen beginnend mit dem Buchstaben „J“ haben, heißt dieses Büro „JPod“.

Verwirrend, komisch, anders

Wie es sich für einen Roman von Douglas Coupland gehört, hört sich die Prämisse im ersten Moment normaler an, als sie tatsächlich ist. Allein die Szenen im JPod werden mit Fortschreiten der Handlung immer absurder und zeichnen das Bild einer fremdgesteuerten Gruppe von Leuten, die zwangsweise miteinander auskommen muss und sich mit allerlei Blödsinn von der Tatsache ablenkt, dass ihre Anwesenheit in der Firma vollkommen unwichtig ist und das obere Management völlig blödsinnige Entscheidungen trifft. Da werden Liebesbriefe an Ronald McDonald verfasst, seitenweise Zahlenreihen ausgedruckt, in denen man ohne Suchfunktion die eine Abweichung gefunden werden soll und eine Umarmungsmaschine für autistische Entwickler gebaut.

Und an allem darf man als Leser live teilhaben. Egal ob es Spammails, Wörterlisten, E-Mails oder besagte Zahlenreihen sind: Alles ist, wie schon bei Microserf, auch tatsächlich auf den 576 Seiten abgedruckt, um dem Leser das Gefühl zu geben selbst Teil des JPods zu sein. Dazwischen erwarten einen mit Pop-Culture-Referenzen durchzogene, mitunter sehr satirische Dialoge sowie die eigentliche Geschichte.

Keine Komödie

Die Geschehnisse innerhalb des JPods sind nur die Spitze des Eisbergs. Was speziell der als zentraler Hauptcharakter agierende Ethan Jarlewski so im Laufe der Zeit erlebt, ist eine Verrücktheit nach der anderen. Dabei ist er noch der Normalste aller Charaktere. Bestes Beispiel ist John Doe, ein vollkommen durchschnittlicher Typ und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Als Kind von lesbischen Eltern das Opfer einer abnormalen Erziehung, versucht er die ersten Jahre seines Lebens dadurch zu kompensieren, dass er in allen seinem Tun es dem amerikanischen Durchschnitt nachmacht.

Cover von MicroserfsTrotz der schrägen Situationen und Charaktere, driftet das Buch jedoch zu keinem Zeitpunkt in eine Komödie ab. Coupland gibt die Geschichte mit einem absolut ernsten Gesicht und tut so, als wäre die ganze Sache ganz normal. Da geht es selbst nach einem Mord im eigenen Elternhaus nur um die Frage, wie man am besten die Leichte wegschafft. Aber was will man von einer Familie erwarten, wo der mit dem eigenen Bruder befreundete chinesische Sklavenhändler der beste Kumpel ist, den man haben kann. Das Ganze geht soweit, dass sogar Douglas Coupland selbst eine wichtige Rolle im weiteren Verlauf der Geschichte übernimmt — vom Hauptcharakter als arrogantes Arschloch dargestellt.

Bagdadsoftware meint: Douglas Coupland hat schon immer seinen ganz eigenen, sehr experimentellen und teils auch sehr verwirrenden Stil. Doch so Abstrus seine Werke auch sind, sie spiegeln in gewisser Weise doch immer die Gedankenwelt eines bestimmten Typus von Leuten wider. Egal ob es Generation X, Generation A, Software-Entwickler oder eben Spieleentwickler sind, irgendwie hat man am Ende doch das Gefühl mehr über sie zu wissen.

Im Vergleich zu Microserfs, muss JPod jedoch ganz klar Federn lassen. Statt des nervigen Ego-Trips, hätte Coupland lieber den anderen Charakteren noch mehr Leben einhauchen sollen. Sie alle bleiben das gesamte Buch hinweg irgendwie auf der Stelle stehen und entwickeln sich nicht wirklich weiter. Dadurch wird wiederrum das Gefühl verstärkt, dass es dem Buch an einem roten Faden fehlt. Natürlich gibt es eine zentrale Geschichte, die sich von vorne nach hinten durchzieht. Doch es sind sehr viele Brüche drin, was auch mit an den vielen sinnlosen Unterbrechungen mit den erwähnten, seitenweise langen Abdrucken irgendwelcher Dokumente zusammenhängt.

Was bleibt ist zwar nicht Couplands schwächstes Werk (das ist aus meiner Sicht Generation X), ein Microserfs 2.0 ist es jedoch auch nicht geworden. Wer Couplands Stil mag, der wird auch mit JPod ein Stück weit glücklich. Alle anderen sollten entweder ganz die Finger davon lassen oder zuerst Microserfs lesen und schauen, ob ihnen überhaupt gefällt, was der Herr so von sich gibt. Es ist definitiv eine gewöhnungsbedürftige Schreibe.

3 von 5 Sics

Übrigens gab es auf CBS Television auch Anfang 2008 eine äußerst kurzlebige Fernsehserie mit dem Titel jPod (kleines „J“). Nach 13 Folgen und einem äußerst fiesen Cliffhanger war aber auch schon wieder Schluss. Selbst gesehen habe ich sie zwar noch nicht, aber sie wurde von Kritikern hochgelobt und der Tod kam — wie so oft, bei solchen Serien — durch eine Verlegung der Sendezeit auf Freitagnacht. Eine Zeit, zu der die Einschaltquoten immer gering sind. Es gab danach auch wie bei Firefly & Co. einen Fanprotest, aber bewirkt hat er nichts.

Das Album

Jetzt hatten wir etwas zum Anschauen, etwas zum Lesen, fehlt noch etwas zum Hören. Passenderweise ist vor kurzem das neuste Album einer meiner Lieblingsbands erschienen, das ich mittlerweile schon mindestens 10mal rauf- und runtergehört habe. Aber ist es wirklich so gut?

The Offspring - Days Go ByDays Go By (The Offspring, 2012) – Vor bald vier Jahren habe ich euch an dieser Stelle im Rahmen meines Fernstudiums das achte Album der Punkrockband vorgestellt. Seit einer Woche ist nun Album Nr. 9 im Handel erhältlich. Es trägt den Titel „Days Go By“ und umfasst erneut 12 Lieder mit einer Gesamtspielzeit von knapp 43 Minuten. Aber lohnt sich das Anhören überhaupt?

Hart rein, sanft raus

Wie schon bei Rise And Fall, Rage And Grace, verzichten auch dieses Mal wieder die Kalifornier darauf euch gleich von Beginn an zu erschrecken. Stattdessen erwarten euch zwei klassische Songs, die durch und durch dem gewohnten Offspring-Sound entsprechend. Speziell Secrets From The Underground, welches sich mehr als offensichtlich mit den Occupy-Protesten beschäftigt, ist Punk Rock vom feinsten und ein Track, der einem sofort ins Blut übergeht. So könnte es gerne weitergehen.

Stattdessen aber fängt nun der eher experimentelle Teil des Albums an und das hohe Tempo wird stark gedrosselt. So klingt die Single Days Go By eher nach einem seichten Rocksong als nach Offspring und Curising Calfornia (Bumpin‘ In My Truck) ist ein sinnloser Party-Track, der wohl an „Pretty Fly (For A White Guy)“ erinnern soll, aber dessen Qualität nicht erreicht. Genauso wenig wie OC Guns, das zweite von drei „Spaß“-Liedern auf der Platte.

Zum Glück geht es nach diesen Durchhängern zum Ende hin wieder aufwärts. Auch wenn es fragwürdig ist, dass die Band den Track Dirty Magic vom Album Ignition recycelt (allerdings neu eingespielt). Seine Wirkung verfehlt er genauso wenig wie Slim Pickens Does The Right Thing And Rides The Bomb To Hell, dem gelungenen Abschluss der CD, der wieder ganz klar die Stärken der Truppe in den hervorhebt.

Bagdadsoftware meint: The Offspring ruht sich definitiv nicht auf ihren vergangenen Erfolgen aus und versucht stattdessen sich immer wieder musikalisch weiterzuentwickeln, ohne aber die langjährigen Fans zu verschrecken. Anders als bei Rise And Fall, Rage And Grace, ist ihnen das mit Days Go By aber nicht ganz so gut gelungen. Speziell die mittelmäßigen „Fun“-Lieder vermiesen einem den Hörgenuss, auch wenn der ein oder andere diese Lieder spätestens seit Americana als Teil des musikalischen Stils der Band ansieht.

Das ist schade, da die reinen Punkrock-Lieder, allen voran das bereits erwähnte Secrets From The Underground, wieder einmal deutlich machen, dass die 28 Jahre alte Band noch lange nicht zum alten Eisen gehört und es immer noch drauf hat. Unterm Strich bleibt ein Album, dessen Kauf für Fans Pflicht ist, aber bei dem man das ein oder andere Lied in der Mitte leider beim wiederholten Anhören einfach überspringen wird.

4 von 5 Sics

Und damit habe ich meine Mindestanzahl an Wörtern für heute erreicht, überschritten und völlig in den Boden gestampft. Bleibt nur noch zu sagen: Bis Donnerstag!

Sicarius

Lesespaß

Dieser Eintrag wurde am 3. März 2012 verfasst.

Jetzt bin ich seit fast vier Wochen auf Kur, hatte extra drei dicke Bücher mitgebracht und was hab‘ ich gelesen? So gut wie nix! Dabei gab es viele, die mir im Vorfeld gesagt haben, dass ich mich hier auf der Kur nur langweilen würde. Da sieht man mal wieder, wie gut man von sich selbst auf andere schließen kann. Nämlich gar nicht. Aber das Thema hatten wir ja schon. Wie gut, dass ich auf diese Leute wie immer nicht gehört habe und stattdessen wie gewohnt offen an sich Sache heran gegangen bin :smile: .

Aber auch wenn ich nicht ganz so viel gelesen habe, will ich euch heute trotzdem ein Buch vorstellen. Das liegt nämlich schon etwas länger auf meinem Nachttisch (sowohl hier, als auch Zuhause) und gehört zu der Art von Büchern, die man auch schon nach der Hälfte der 772 Seiten rezensieren kann:

The Guide to Classic Graphic AdventuresThe Guide to Classic Graphic Adventures – Wie man dem Namen entnehmen kann, handelt es sich um ein englischsprachiges Buch über klassische Grafikadventures, auch wenn hier und da auch ein Textadventure (beispielsweise die erste Zork-Trilogie) besprochen wird, um einen Kontext herzustellen. Es ist jedoch kein „Erst kam A mit diesen und jenen Features und als dann Designer C die tolle Idee hatte die Features G und H zu bauen, ging es über in die Ära J“. Stattdessen erwartet euch mehr ein Lexikon, in dem mehr als 300 der mehr oder wenige einflussreichen Grafikadventures von damals bis heute (der aktuellste Titel im Buch ist Gemini Rue) behandelt werden.

Der Fokus liegt jedoch ganz klar auf der goldenen Ära der Grafikadventures, sprich 1984 bis 2000. Unterteilt ist das Werk größtenteils nach Entwicklerstudios, angefangen bei Sierra über Studios wie Lucas Arts, Legend Entertainment, Westwood, MicroProse oder Pendulo Studios bis hin zu Microids. Danach folgen ein paar zusammenhängende Titel wie die Discworld-Spiele oder die Myst-Serie, bevor am Ende noch ein paar einzelne Spiele behandelt werden, darunter Toonstruck, A Vampyre Story oder auch der Blue Byte-Klassiker Chewy: Escape From F5. Jedes Studio und auch jede größere Serie werden außerdem mit einem längeren Vorwort bedacht, um zusätzliche Hintergründe zu liefern. Und wenn es gar „obskure“ Versionen gab — betrifft vor allem japanische Ports des jeweiligen Titels –, dann geht er auch darauf noch ein.

Die Texte

Durch seinen klar gestaffelten Aufbau funktioniert das Buch entsprechend sowohl als Nachschlagewerk, wenn man mal was schnell wissen will, als auch als en Titel, den man von vorne nach hinten durchlesen kann, um die ultimative Adventure-Dröhnung zu erhalten. Letztere Variante bevorzuge ich :smile: . Zwar gibt es hier und da redundante Informationen, weil eben jeder Bericht auch für sich selbst stehen soll. Es hält sich jedoch absolut im Rahmen.

Wer die Hardcoregaming101.net kennt, der weiß auch bereits was ihn in Sachen Text im Buch erwartet. Einige sind sogar auf der Webseite bereits vorhanden und wurden für das Lexikon nur korrigiert und entweder erweitert oder teilweise sogar etwas gekürzt. Je nach Spiel, erwarten euch halb- bis mehrseitige Artikel, die man durchaus ein wenig mit einem Test vergleichen kann. Der Autor, Kurt Kalata, erklärt euch, um was es geht, wie es sich spielt und wie es aussieht. Dabei bewertet er auch relativ objektiv alle Aspekte des jeweiligen Titels. Sprich wie gut ist die Story, wie gelungen die Rätsel, wie abstoßend die Grafik (sowohl aus damaliger, als auch aus heutiger Sicht). Er versucht aber auch immer das Spiel in einen Kontext zu bringen. Bevorzugt im Vergleich zu den anderen Titeln des jeweiligen Entwicklers. Dadurch erhaltet ihr einen guten Überblick darüber, wie sich die jeweilige Firma über die Zeit weiterentwickelt hat. Aber natürlich schaut er sich auch an, was sonst so damals im Genre Gang und Gebe war und lobt und kritisiert entsprechend. Das macht die Sache noch einmal interessanter.

Kleine Problemecken

Ein paar Punkte gibt es an The Guide To Classic Graphic Adventures aber auch zu kritisieren. Es handelt sich hier um ein Softcover-Buch im B5-Format, sprich es ist nicht ganz so hoch und breit wie ein A4-Blatt. Da es „nur“ 772 Seiten hat, ist es gerade noch zu handhaben, wobei das Lesen ohne Unterlage sehr schnell sehr anstrengend wird. Seiten zurückzuschlagen ist nicht zu empfehlen, denn zum einen ist das Buch einfach zu dick dafür und zum anderen ist die Bindung sehr empfindlich. Allein durch das freie Halten und das dadurch auf den Buchrücken drückende Gewicht, löst sich das Buch von der Mitte aus zügig in seine Bestandteile auf, wie ich leider auch schon selbst feststellen musste. Hinzukommt, dass die Schrift zwar sowohl von der Größe als auch des etwas dunkleren Weiß sehr gut zu lesen ist, aber der größte Teil der Screenshots und Covermotive praktisch völlig unkenntlich ist. Mir ist klar, dass eine Farbkopie wesentlich teurer gewesen wäre, aber zumindest hätte man sich beim Papier und der Auswahl der Screenshots dann etwas mehr Gedanken machen sollen. In der aktuellen Form jedoch verschwenden die Bilder eigentlich nur Platz und bieten keinen echten Mehrwert, weil man schlicht nichts darauf erkennen kann.

Mein zweiter Kritikpunkt sind die Interviews mit Größen wie Al Lowe oder Bob Bates. Ihnen merkt man deutlich an, dass sie per E-Mail geführt wurden und vom Autor keine weiteren Rückfragen kamen. Da werden Fragen gestellt, auf die der gegenüber entweder gar nicht oder ausschweifend antwortet und dann kommt schon das nächste Thema. Teilweise führt das sogar soweit, dass der Interviewte Sätze wie „wie ich gerade schon erwähnt hatte“ von sich gibt — ein absolutes No-Go! Ganz ehrlich: Da hätte man den Platz lieber für noch mehr Spiele hernehmen sollen oder die Gewichtung bei einigen Titeln anzupassen.

Das ist nämlich hin und wieder auch ein Problem, vor allem bei den etwas aktuelleren Spielen. Da merkt man dem Autoren deutlich an, dass sie ihn scheinbar überhaupt nicht interessiert haben. Mir persönlich stößt da vor allem das Kapitel über die Star Trek-Adventures böse auf, da ich hier sowohl das Franchise als auch die behandelten Spiele sehr gut kenne. Und wenn ich da einen Satz lese wie „[…]it’s based on Star Trek: Deep Space Nine, which even as a TV series is far less interesting than either of the series that preceded it.[…]”, dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Zumal er es nicht einmal für nötig hält, es geht um das grottenschlechte Star Trek: Deep Space Nine – Harbinger, den Titel halbwegs anständig zu besprechen. Und solche Beispiele gibt es neben einigen Rechtschreibfehlern und verschluckten Wörtern leider einige. Je besser man die Spiele selbst kennt, desto mehr fallen sie einem vermutlich auf. Was aber nicht bedeutet, dass jetzt das ganze Buch nur Müll ist. Bei extremen Aussagen solltet ihr nur etwas differenzierter an die Sache herangehen als der Autor.

Bagdadsoftware meint: Wer sich auch nur ein bisschen für die Entwicklung des Adventure-Genres interessiert, der kommt um dieses englischsprachige Kompendium nicht herum. Der Autor hat zwar seine kleinen Eigenheiten, aber informativ und vor allem äußerst interessant ist es trotzdem. Ich für meinen Teil habe schon sehr viel gelernt und vor allem so einige Spiele(-serien) entdeckt, die ich mir jetzt unbedingt auch mal selbst anschauen muss. Noch konnte ich mich dem Gang auf eBay (Abandonware mag eine rechtliche Grauzone sein, ich unterstütze diese Seiten trotzdem nicht) aber verwehren :smile: .

Leseproben und eine Liste mit allen Spielen, die im Buch behandelt werden, findet ihr direkt bei Hardcoregaming101.net. Erhältlich ist das Werk bei Amazon für derzeit 21,10 Euro. Bei der Größe und dem Umfang meiner Meinung nach ein fairer Preis. Die Kindle-Variante schlägt hingegen mit 7,89 Euro zu buche. Als Kindle-Käufer habt ihr sogar den großen Vorteil, dass sie im Gegensatz zur Printversion farbig ist. Da sieht man definitiv mehr auf den vielen Screenshots.

Und egal ob ihr euch jetzt das Buch holt oder nicht: Die Seite Hardcoregaming101.net ist immer einen Besuch wert!

Ich geh‘ dann mal wieder eine Runde Badminton spielen beziehungsweise schwitzen. Der eine Kollege hier, mit dem ich unter anderem immer spiele, der ist ganz schön auf Zack. Und das, obwohl ich ihn mindestens auf 55+ schätze! Hoffentlich bin ich in dem Alter auch noch so fit.

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