Das Set von Cosi fan tutte

Nachdem wir uns in der letzten Saison hauptsächlich Sinfonie- und Kammerkonzerte im Staatstheater Darmstadt angeschaut haben, haben wir unsere Abo-Karten dieses Jahr mehr für Theatervorstellungen und Opern genutzt – mit bislang durchaus positivem Ergebnis. Wir müssen nächstes Jahr nur genauer darauf achten, ob in der Beschreibung etwas Anderes als „in deutscher Sprache“ steht. Es gibt zwar bei den fremdsprachlichen Sachen immer Übertitel. Doch wie der Name schon sagt, hängen die ÜBER der Bühne. Da wir uns aber (aus den Erfahrungen mit den Konzerten) ziemlich weit vorne im Saal befanden, waren diese für uns nur mit großer Anstrengung (ständig nach oben schauen) lesbar. Nächste Saison also mehr im hinteren Bereich einen Platz kaufen.

In der aktuellen Saison gesehen haben wir bislang die Mozart-Oper Così fan tutte, ossia La scuola degli amanti, Carmen (Oper von Georges Bizet), Evita (Musical von Andrew Lloyd Webbers) und Das Abschiedsdinner (Kammerspiel von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellìere). Und da uns vor allem die letzten beiden richtig gut gefallen haben, will ich euch darüber etwas mehr erzählen:

 

Das Abschiedsdinner – Die Prämisse ist simpel: Pierre und Clotilde stellen fest, dass sie irgendwie viel zu wenig Zeit haben und warum? Weil sie zu viele Freunde haben, mit denen sich treffen. Dabei mögen sie viele dieser Freunde eigentlich gar nicht so wirklich. Die meisten haben irgendwelche nervigen Marotten, die ihnen mittlerweile nur noch auf den Geist gehen. Glücklicherweise hat Pierre mal von etwas gehört, dass sich „Abschiedsdinner“ nennt. Man lädt die Freunde, die man loswerden möchte, zum schönsten Abend ihres Lebens ein (spielt ihre Lieblingsmusik, gibt Wein aus ihrem Geburtsjahr, macht ihr Lieblingsessen, etc.) und meidet sie danach für immer und ewig. Klingt absurd und ist es auch.

Ihr erstes Abschiedsdinner wollen die beiden mit Bea und Antoine machen, denn vor allem Antoine nervt mit seinen ewigen langen Geschichten, seinem fragwürdigen Musikgeschmack und nervigem Gelächter. Leider kommt Antoine nicht nur alleine, sondern er merkt auch relativ schnell, dass er sich auf einem Abschiedsdinner befindet. Was folgt ist eine absurde Eskalation der Ereignisse (unter anderem verlangt Antoine ein psychologisches Rollenspiel mit Rollentausch), denn Antoine will nicht so einfach das Freundschaftsverhältnis aufgeben und verstehen, warum es so weit kommen konnte.

Das Kammerspiel findet auf einem einzigen Set (ein Raum voller Stühle mit Namen der Freunde von Pierre und Clotilde) mit nur drei Schauspielern statt und enthält überraschenderweise mehr nackte Haut (vor allem männlicher Art) als ich bislang von meinen Theaterbesuchen gewohnt war :smile: .

Beim Christoph meint: Nur 75 Minuten dauert die ganze Angelegenheit. Aber 75 Minuten in denen einem definitiv nicht langweilig werden, sondern die sehr lustig und unterhaltsam daherkommen. Schon die Idee hinter dem Abschiedsdinner ist völlig bekloppt. Aber mit Antoine kommt dann ein so überdrehter und überzogener Charakter auf die Bühne, dass er das Publikum sofort vollständig in seinen Bann zieht. Man kann sofort mit Pierre mitfühlen, dem es anfangs sichtlich schwer fällt gute Miene zu Antoines Eskapaden zu machen. Und doch entwickelt sich am Ende alles etwas anders, als man erwarten würde. Von mir gibt es volle 5 von 5 Sics. Klare Empfehlung, wenn das Stück auch bei euch gespielt wird!

 

Evita – Wer hat nicht schon einmal von diesem Musical gehört? Spätestens als 1996 der gleichnamige Film wie eine Bombe einschlug, war es in aller Munde. Selbst ich, der bis vor kurzem weder das Musical noch den Film gesehen hatte, erkannte im Theater die Melodie zu „Don’t Cry for me Argentina“ schon an den ersten Takten. Aber worum geht es überhaupt? Nun, es erzählt die reale Geschichte von Eva Perón, die 1919 in einem Dorf in Agentinnen aufwuchs und es bis zur Präsidentengattin schaffte („hochgeschlafen“ ist hier tatsächlich der korrekte Ausdruck), bevor sie 1952 an Krebs starb. Eine äußerst einflussreiche Frau (obwohl ohne formale Macht), die nicht nur viel in Sachen Frauenbewegung für Argentinien getan hat, sondern bis heute eine Nationalheldin ist.

Ist aber natürlich nicht ohne Kritik, die Frau. Und das Musical geht da einen, finde ich zumindest, interessanten Weg. Es beginnt nämlich mit der Beerdigung von Evita. Der argentinische Student Che ist nicht so sehr darüber begeistert, wie sehr sein Volk dieser Dame nachweint und erzählt nun die Geschichte von Eva Perón – immer mittendrin Che, der wieder und wieder in den Ablauf eingreift und seine (kritischere) Sicht der Dinge abgibt. So bekommt man auf der einen Seite eine halbwegs akkurate Biographie von Eva Perón und gleichzeitig aber auch eine etwas neutralere Einordnung ihrer Taten. Das ändert zwar nichts daran, dass man mit Evita eifrig mitfiebert. Aber es ist ein schöner Kontrast – wenn man ihn bei dem hohen Tempo überhaupt mitbekommt :smile: .

Es ist zwar erst das zweite Musical, dass ich jemals gesehen habe (Nr. 1 war We Will Rock You in Stuttgart) aber es war definitiv äußerst imposant. Vor allem das riesige Set, das sich fließend mit der fetzigen Musik mehrfach verwandelte (ich wusste bislang gar nicht, dass die Bühne des Staatstheaters so viel Hohlraum bietet). Leider konnte ich keine Fotos machen. Gefühlt war immer irgendetwas in Bewegung. Ob es die teilweise dutzenden Statisten waren, die Hauptdarsteller oder eben die Sets, die von den Helfern gedreht, durch die Gegend geschoben oder aus dem Nichts auftauchten. Sehr cool gemacht.

Beim Christoph meint: Ich habe wie gesagt noch nicht die ganz große Musical-Erfahrung aber Evita hat mich definitiv umgehauen. Die Lieder waren größtenteils super (vor allem natürlich die Klassiker auch wenn ich sie bislang noch nie auf Deutsch gehört hatte), das Setdesign großartig und beeindruckend und die Schauspieler haben durchweg gute Arbeit geleistet (Che fand ich persönlich sogar besser als Evita). Vor allem aber hat mir das hohe Tempo wirklich sehr gut gefallen. Ich habe nur daran gemerkt wie schnell die Zeit vorbeigeht, dass mir so langsam der Hintern weh tat (Theatersitze sind einfach Mist). Von mir gibt es hierfür also auch ganz klar 5 von 5 Sics. Als nächstes muss ich mir jetzt unbedingt mal den Film anschauen.

Auch wenn Sailor Moon weiterhin fleißig über den Fernseher turnt (nähern uns dem Ende von Staffel 3): Was Handfestes für echte Männer (und Frauen) muss man ab und zu schon dazwischen einschieben, um nicht endgültig nur noch von sprechenden Katzen, liebestollen Mädchen und unfähigen dunklen Kriegern zu träumen. Obwohl sich durchaus die Frage stellt, ob die nachfolgenden beiden Filme tatsächlich eine so viel bessere Alternative waren…

Birdman (Cover)

Birdman (Cover)

Birdman oder (die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) (2014, Komödie, DV) – Der Film, der anno 2014/2015 mit einer Vielzahl von Auszeichnungen (unter anderem den Oscar für den besten Film) und Lobeshymnen bedacht wurde. In technischer Hinsicht ist der Film auch definitiv richtig cool durch die Illusion eines einzigen, durchgehenden Takes (die Schnitte wurden digital entfernt). Das verstärkt die Hektik der Geschichte und erzeugt gleichzeitig auch einen gesunden Flow, der die wenigen Locations (90% des Films findet in einem Theater statt) gekonnt miteinander verbindet. Inhaltlich muss ich hingegen sagen, fand ich die Geschichte des gefallen Schauspielers Riggan Thomson (Michael Keaton) eher fragwürdig als unterhaltsam oder gar interessant.

Ich denke am besten eignet sich The Wrestler – Ruhm, Liebe, Schmerz als Vergleich, denn beide Filme setzen auf einen Hauptdarsteller (in dem Fall Mickey Rourke) dessen Leben sich im Drehbuch sehr deutlich wiederspiegelt und die dadurch eine Art Befreiung erlebten (sowohl Rourke als auch Keaton sind wieder gefragtere Schauspieler). Keaton war Batman (1989 und 1992), erlangte viel Ruhm durch ihn, konnte aber danach erst einmal nicht so wirklich wieder aus seinem Schatten herausspringen – genauso wie der Charakter im Film, der eindeutig einen Knall hat (sieht und hört Birdman und glaubt Telekinese zu können) und gleichzeitig seine ganze Energie und Hoffnung in ein Theaterstück auf dem Broadway setzt. Sein Gegenspieler ist Mike Shiner (Edward Norton in einer sehr guten Performance), ein erfolgreicher Broadway-Schauspieler, der in seinem Stück in einer Nebenrolle einspringen muss und Riggan mit seiner Art zur Weißglut treibt.

Birdman (Fox-Promobild)

Birdman (Fox-Promobild)

Aber während mich The Wrestler wirklich mit Randy Robinson mitfühlen ließ und der Cliffhanger mir tief ins Herz stach, hinterlässt Birdman nur ein fades Gefühl im Mund. Das hat mehrere Gründe: Riggan ist für mich keine sympathische Person, die übernatürlichen Einlagen fand ich völlig deplatziert und komisch und der Film gibt mir irgendwie auch nicht wirklich die Gelegenheit großartig mit ihm mit zu fühlen. Während Randy versucht mit seinem Leben ins Reine zu kommen, interessiert Riggan die ganze Zeit nur sein doofes Stück in der Hoffnung, dass er wieder Relevanz erlangt. Wo da die wunderbare Persiflage auf Schauspieler und Filmbranche sein soll, von der die Kritiker so schwärmen, kann ich als Laie nur erahnen. Für mich ist es eher eine Aneinanderreihung von Eskalationen mit wenig Witz. Unter einer schwarzen Komödie verstehe ich durchaus etwas Anderes zum Beispiel Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben.

Beim Christoph meint: Von mir erhält Birdman gerade so 2 von 5 Sics weil mir die Kinematographie sehr gut gefallen hat (Stichwort One-Take aber auch der Rest). Ansonsten blieben Lysanda und ich mehr mit einem großen Fragezeichen in Form von „Was für einen komischen Kram haben wir da grad geschaut“ zurück. Das muss natürlich nichts Schlechtes sein, siehe beispielsweise Terry Gilliams Brazil. Aber in diesem Fall war es definitiv mehr ein unbefriedigendes Gefühl als ein „Wow war das Strange“-Flash. Interessant? Ja. Gut und empfehlenswert? Aus meiner Sicht nicht. Dann doch lieber The Wrestler.

Beowulf (Cover)

Beowulf (Cover)

Die Legende von Beowulf (Beowulf, 2007, CGI-Fantasyfilm, Director’s Cut, DV) – Ja, dieses Werk hatte ich tatsächlich bis heute nicht gesehen obwohl ich mich durchaus daran erinnern kann, dass es viele Diskussionen um eine nackte Angelina Jolie gab (ist natürlich nicht wirklich ihr Körper – und viel zu sehen gibt es sowieso nicht). Dass sie, um die Dame unterzubringen, die Legende etwas verbiegen – damit kann ich durchaus leben. Die „Sünden der Väter“ sind durchaus ein interessanter (wenn auch kein neuer) Ansatz, um die Geschichte zu erweitern/verändern. Zumal dadurch der zweite Teil des Gedichts einen besseren Zusammenhang zur ersten Hälfte bekommt. Im Original werden Grendel und Grendels Mutter einfach von Beowulf ermordet und es geht ein paar Jahre mit einem Drachen weiter. Und auch an das CGI habe ich mich relativ schnell gewöhnt, obwohl es hier und da definitiv sehr steif wirkt (Der Polarexpress mit Tom Hanks kenne ich nicht – dort soll es im Vergleich aber besser sein).

Beowulf (Paramount-Promobild)

Beowulf (Paramount-Promobild)

Und sehr viel mehr gibt es zu diesem Werk tatsächlich nicht zu sagen. Es ist relativ kurzweilig, die Action ist etwas auf der Slapstick-Seite (Stichwort nackter Beowulf) aber ganz gut gemacht und er hat ein angenehm zügiges Tempo. Gleichzeitig gibt es keine herausragenden schauspielerischen Leistungen, die Geschichte ist genauer betrachtet äußert simpel und der gesamte Film dadurch ziemlich durchschnittlich und eher auf der vergesslichen Seite.

Beim Christoph meint: Hier vergebe ich 3 von 5 Sics, die ohne Wenn und Aber zustande kommen. Es ist ein Film, der mich zwei Stunden solide unterhalten hat und es gleichzeitig schaffte, dass zumindest ich mich etwas genauer über das Original informiert habe (gelesen noch nicht). Für einen netten Popcorn-Filmabend gibt es eindeutig schlechteres (siehe oben) aber natürlich auch besseres.

Und damit gebe ich ab bis Montag!

Ab und zu braucht man auch mal eine Pause von Sailor Moon auch wenn ich zugeben muss, dass die Serie definitiv zum Ende der 1. Staffel hin massiv an Fahrt aufgenommen hat. Plötzlich kommt eine Folge mit Cliffhanger nach der anderen. Da will man natürlich unbedingt weiterschauen (zum Verfassungszeitpunkt sind wir bei Folge 38 von 46). Dennoch blieb genug Zeit für die folgenden zwei Blu-rays:

Zoomania (Cover)

Zoomania (Cover)

Zoomania (Zootopia, 2016, 3D-Animationsfilm, DV) – So viele Animationsfilme, wie ich im letzten Jahr geschaut habe, habe ich gefühlt mein ganzes Leben nicht gesehen. Ich weiß, ist schon ein schweres Schicksal so eine Beziehung mit einer Frau, die auch mal was Anderes sehen will als nur Mord und Todschlag :smile: . Andererseits fällt mir auch jetzt erst auf, wie viele von den Dingern in kürzester Zeit ins Kino kommen – und da rede ich nur von Disney und Pixar-Werken.

Aber egal – dieses Mal also ein Hase mit viel Ehrgeiz, der vom Feld in die Utopie…äh…Großstadt zieht, um dort ihren Traum zu verwirklichen (Polizistin werden). Anfangs als Quotenhase zur Politesse verdonnert (ja, der ganze Film ist wie immer mit einer starken „Message“ versehen), trifft sie auf den Fuchs Nick Wilde der von dem ganzen Friede, Freude, Eierkuchengedöhns in der Stadt (Raubtiere und Beutetiere leben friedlich zusammen) nicht ganz so viel hält und einfach sein Ding durchzieht (billige Trickbetrügereien). Judy Hopps (so heißt unser Hase) wird dann ganz schnell in einen Entführungsplot verwickelt, zieht Nick Wilde mit hinein und reißt dabei fast die ganze Stadt in den Untergang bevor sie sich dann doch wieder fängt und es zum Happy End kommt (Stadt gerettet, Bösewichte hinter Gittern, Fuchs vorbildliches Mitglied der Gesellschaft, Hase ohne Vorurteile, etc.).

Hier 08/15-Überschrift einfügen

Zoomania (Disney-Promobild)

Zoomania (Disney-Promobild)

Im Prinzip könnte ich meine bisherigen Rezensionen von anderen 3D-Animationsfilmen einfach 1 zu 1 hier rein kopieren. Zum Beispiel, dass die lustigste Szene (Führerscheinstelle) mal wieder (fast) komplett im Trailer enthalten war. Oder, dass die knapp 2 Stunden trotzdem durchaus unterhaltsam waren und es neben den üblichen Pop-Culture-Anspielungen (zum Beispiel Der Pate mal wieder – dieses Mal als Spitzmaus) auch noch ein paar andere mehr oder weniger lustige Gags gab. Im Kern ist es aber erneut die irgendwie immer gleiche Geschichte vom kleinen Mann mit einem Traum, der zum Held wird wie man sie von Disney & Co. immer und immer wieder serviert bekommt. Nur der politische Hintergrund unterscheidet sich jedes Mal – hier nun das Thema Integration und Toleranz.

Ja, mir ist durchaus klar, dass es sich am Ende des Tages um Filme für Kinder handelt und die sind schon damit zufrieden, dass ein süßer Hoppelhase auf der Leinwand herumtollt und lustige Sachen macht. Insofern hat der Film durchaus sein Ziel erreicht und bietet nicht nur für die Kleinen, sondern auch für ihre großen Begleiter eindeutig solide Unterhaltung wie man sie, so muss man es leider sagen, mittlerweile gewohnt ist.

Insgesamt dennoch knapp 4 von 5 Sics für Zoomania weil die Faultiere in der Führerscheinstelle wirklich extrem lustig sind. Um die Wertung allerdings in einen besseren Kontext zu bringen: Im Vergleich fand ich Alles steht Kopf aber tatsächlich origineller (wenngleich er zum Ende hin etwas abflacht).

Ant-Man (Cover)

Ant-Man (Cover)

Ant-Man (2015, SciFi-Action, DV) – Dass nicht alle Marvel-Filme der absolute Hit sein werden, war spätestens seit Iron Man 2 klar (wobei ich ihn persönlich nicht ganz so schlimm finde wie gefühlt die meisten Fans). Aber Ant-Man ist eindeutig der „normalste“ Superhelden-Film aus der zweiten Phase. Ist zwar keine Kunst, wenn man berücksichtigt welche Bloche fünf andere absoluten Blockbuster dazu zählen. Aber es ist entsprechend nicht verwunderlich, dass er nicht in so hohen Tönen gelobt wird wie die anderen.

Ich fand es hingegen tatsächlich mal wieder erholsam, dass nicht die ganze Welt am Abgrund steht und auch die Riege der Charaktere sehr übersichtlich ist. Das macht ihn zu einem wesentlich einfacher zu verdauenden Actionfilm. Mal abgesehen davon, dass man ausnahmsweise mal nicht alle vorherigen Marvel-Filme gesehen haben muss, um ihn zu verstehen. Außerdem spielt Michael Douglas eine wichtige Hauptrolle – und das finde ich immer gut. Ich mag den Kerl :smile: .

Kleine Männer

Ant-Man (Disney-Promobild)

Ant-Man (Disney-Promobild)

Die Geschichte ist wie gesagt eher übersichtlich. Im Prinzip ist es ein einziger Heist-Movie. Scott Lang (Paul Rudd) hat die Reputation ein toller Einbrecher zu sein (obwohl er für seinen tollen Coup im Gefängnis landete?) und wird deshalb von Hank Pym (Michael Douglas) angeheuert den in Entwicklung befindlichen Schrumpfanzug und alle dazugehörigen Daten zu zerstören. Der stammt von seinem ehemaligen Schüler und wird bei seiner ehemaligen Firma entwickelt. Hank hatte sich jahrelang geweigert seine Schrumpfformel herauszurücken, weil er Angst hatte, dass sie für böse Zwecke eingesetzt wird – zu Recht wie man sieht. Natürlich hat Hank auch so einen Anzug Zuhause und macht Scott damit zum Ant-Man. Fertig.

Der Rest des Films sind Trainingsmontagen, das Zusammenrotten einer Gruppe von unfähigen Kriminellen und der Einbruch in die Firma an sich. Nichts Besonderes aber doch irgendwie alles auf einem hohen Niveau (Schauspielerisch und Technisch sowieso) und erfrischend viel Humor.

Ich fand mich entsprechend sehr gut unterhalten von den zwei Stunden Film und kann guten Gewissens 4 von 5 Sics vergeben. Zwar gab es wie immer die eine oder andere Logiklücke. Aber das tat dem Spaß insgesamt keinen großen Abbruch. Im Gegenteil bin ich wirklich gespannt wie Marvel den Ant-Man in die restliche Avengers-Riege integriert.

Und damit gebe ich ab bis Montag!

Sicarius

Biblische Filme

Gerade in der heutigen Zeit, in der „Bingewatching“ total in Mode gekommen ist, sind Cliffhanger ein absolutes Ärgernis. Da hat man eine Staffel der Serie an einem Tag verschlungen und muss dann Monate warten, um zu erfahren wie es weitergeht. Und mittlerweile sind es nicht nur Serien, sondern sogar Filme, die den Zuschauer unbefriedigt zurücklassen. Dabei sind die doch genauso anfällig wie Spiele. Wird Teil 1 ein Flop, dann wird Teil 2 garantiert nicht mehr erscheinen und die wenigen Fans stehen im Regen.

Ganz so schlimm ist es bei unserem heutigen Thema zwar nicht – irgendwann wird Evangelion: Final oder Evangelion: 3.0+1.0 (wie auch immer er am Ende heißen wird) sicherlich erscheinen – aber es nervt trotzdem gewaltig, dass es nicht einmal ein Veröffentlichungsdatum dafür gibt. Und nein, den Manga zu lesen oder die Anime-Serie bzw. die andere Filmreihe zu schauen hilft herzlich wenigen, da es sich bei den Rebuild of Evangelion-Filmen explizit um eine Neuinterpretation der Kultreihe Neon Genesis Evangelion handelt. Im ersten Film kam Lysanda zwar noch halbwegs gut mit aber spätestens ab dem zweiten wurden die Unterschiede im Vergleich zum Manga/Anime immer und immer größer.

Die Geschichte

Evangelion: 1.11 - You Are (Not) Alone (Promobild)

Evangelion: 1.11 – You Are (Not) Alone (Promobild)

Aber fangen wir vorne an: Wovon rede ich überhaupt? Nun von den drei Anime-Filmen Evangelion: 1.11 – You Are (Not) Alone. (2007), Evangelion: 2.22 – You Can (Not) Advance. (2009) und Evangelion: 3.33 – You Can (Not) Redo. (2012), die ich mir irgendwann vor unserem Umzug mit Lysanda zusammen angeschaut habe (sie kannte den Manga aber nicht diese Filme). In ihnen folgt ihr der Geschichte des 14 Jahre alten Shinji Ikari, der in Neo-Tokyo 3 lebt und eines Tages in das Hauptquartier der geheimen UN-Organisation NERV gebracht wird. Der dortige Chef: Sein Vater. Der will, dass Shinji die Evangelion Einheit 1 (EVA-01) steuert, um den Angriff der Engel abzuwehren (die Geschichte beginnt mit Engel Nr. 4).

Die Evangelion sind riesige Mechs, die nach einer Katastrophe namens „Second Impact“ speziell für den Kampf gegen die Engel gebaut wurden, um die dritte Katastrophe zu verhindern (der „First Impact“ soll wohl die Auslöschung der Dinosaurier gewesen sein). Nur bestimmte Länder dürfen diese EVAs überhaupt haben und der Pilot wird genau auf diesen einen EVA ausgesucht. Theoretisch kann ein EVA zwar auch mal von jemand anderen übernommen werden, aber das wohl nur unter extremen Schwierigkeiten. Die Engel sind hingegen ungefähr genauso große Monster, die einfach plötzlich auftauchen und als Ziel das NERV-Hauptquartier haben. Warum? Weil da angeblich der Schlüssel zum Starten des besagten „Third Impact“ verborgen liegt. Klingt alles stark nach Pacific Rim? Ja, da seid ihr vermutlich nicht die einzigen. Allerdings ist der Manga/die Serie von 1995 – also wenn jemand was abgeschaut hat, dann Hr. Del Toro. Macht aber nichts.

Diese Gefechte zwischen den EVAs und den Engeln, so imposant und wichtig für den weiteren Verlauf der Geschichte sie auch sind, bilden aber nur einen ganz kleinen Teil der Handlung. Viel wichtiger ist das, was mit Shinji passiert, der nur äußerst widerwillig überhaupt in EVA-01 einsteigt. Daran ändert sich auch im Verlauf der Filme nicht viel. Das Verhältnis zu seinem Vater als zerrüttet zu bezeichnen, ist noch harmlos und die „Gefühle“ seines EVA machen Shinji zusätzlich zu schaffen. Das Hauptproblem ist aber wohl die äußerst schüchterne Rei. Sie ist so etwas wie die Ziehtochter von Shinjis Vater und steuert EVA-00. Und wie soll es auch anders sein, entwickelt Shinji Gefühle für sie. Wohin das führt? Nun, alles weitere wären massive Spoiler, die ich euch an dieser Stelle natürlich nicht verraten möchte. Außerdem fehlt ja sowieso noch der vierte Film. Das Finale kenne ich entsprechend auch noch nicht :smile: .

Der Ansatz

Evangelion: 3.33 - You Can (Not) Redo. (Promobild)

Evangelion: 3.33 – You Can (Not) Redo. (Promobild)

Mit den Rebuild of Evangelion-Filmen verfolgen die Autoren zwei Dinge: Zum einen soll der Anima/Manga dank (damals) aktuellster 3D CG in neuem Glanz erstrahlen. Und das tut er definitiv. Alle drei Filme sehen extrem gut aus, die Animationen sind butterweich und es gibt nicht wie in so manch anderem Anime diesen stilistischen Bruch zwischen 2D- und 3D-Objekten, weil eben 100% des Werks im Computer entstanden sind. Vor allem natürlich in den Kämpfen kommt das so richtig gut zur Geltung.

Zum anderen – und deswegen handelt es sich bei den vier Filmen auch um eine Reinterpretation der Geschichte – sollen sie zugänglicher sein für alle, die Neon Genesis Evangelion bislang noch nicht kennen. Ob das so wirklich gelungen ist, wage ich nicht zu beurteilen. Verwirrend finde ich sie immer noch extrem und anders als bei Ghost in the Shell kann mich auch Lysanda nicht vollständig aufklären, weil die Abweichungen zum Manga eben extrem groß sind (es gibt nicht nur neue Szenen, sondern auch neue Charaktere und Handlungsorte). Allerdings, und das ist wohl das Wichtigste, wollte ich trotz oder gerade deswegen sofort den nächsten Film weiterschauen (sind alle drei jeweils so um die 100 Minuten lang). Umso verärgerter war ich über den dritten Film, der schon inhaltlich extrem komisch ist (er spielt 14 Jahre nach Teil 2) und dann eben auch noch mit einem massiven Cliffhanger endet. Das kann man doch nicht machen!

Beim Christoph meint: Von mir erhält Evangelion: 1.11 – You Are (Not) Alone. 4 von 5 Sics, Evangelion: 2.22 – You Can (Not) Advance. 4 von 5 Sics und Evangelion: 3.33 – You Can (Not) Redo. 3 von 5 Sics. Ja, der letzte Film hat mich extrem verärgert. Zum einen wegen dem Ende und zum anderen weil ich ihn von allen dreien am verworrensten fand. Die 96 Minuten waren einfach plötzlich rum und ich blieb vollkommen unbefriedigt zurück. Dennoch: Wer auch nur einen Hauch von Interesse an Anime hat (und mit großen Robotern keine Probleme hat), dem kann ich Rebuild of Evangelion nur ans Herz legen. So intensiv bei der Sache war ich bislang noch bei keinem Anime. Zugegeben: Die Menge habe ich jetzt noch nicht gesehen, aber für mich sind die drei derzeit ganz klar auf Platz 1.

Eine alte Signatur des Webmasters

Wer es tatsächlich nicht mitbekommen hat: Letzte Woche ist Star Wars: Das Erwachen der Macht in den Kinos gestartet. Der erste neue Star Wars-Film seit 2005 die von den lautstarken Fans verhasste Prequel-Trilogie abgeschlossen wurde und der erste unter der neuen Schirmherrschaft von Disney. Der Hype war groß mit diesem Machwerk und es hat entweder schon (Vorverkaufsrekord mit 57 Millionen Dollar und die ersten zwei Tage mit 250 Millionen Dollar) oder wird noch alle Rekorde brechen (vermutlich erfolgreichster Film aller Zeiten). Gleichzeitig ist schon lange klar, dass es nicht der einzige neue Star Wars-Film bleiben wird. Stattdessen macht Disney einen auf Marvel und hat jetzt schon eine Roadmap, die gefühlt bis 2127 geht und jedes Jahr mindestens einen neuen Film in diesem Franchise verspricht. Hollywood hat sie echt nicht mehr alle. Aber das ist ein anderes Thema.

Die Grundlage

Bevor wir aber nun zu meiner Meinung von Teil 7 kommen, kurz mein Hintergrund: Ich habe nur mal anno 1997 Star Wars: Episode IV: Eine neue Hoffnung in der Special Edition im Kino gesehen und Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung anno 1999 in einer extrem schlechten „im-Kino-abgefilmt“-Qualität auf VHS (wobei diese Fassung, weil extrem dunkel, im Nachhinein betrachtet tatsächlich etwas besser war als das kunterbunte Original). Der Kinogang am Samstagabend war also mein erstes „Live mit dabei“-Erlebnis in Bezug auf Star Wars.

Ansonsten finde ich das Setting grundsätzlich ganz cool. Speziell natürlich die Lichtschwertkämpfe, Darth Vader, AT-ATs und die TIE Fighter (Star Wars: TIE Fighter ist bekanntlich mein absolutes Lieblingsweltraumspiel) bzw. grundsätzlich das Imperium und die dunkle Seite der Macht. Die Rebellen sind hingegen doof und die helle Seite der Macht langweilig. Entsprechendes Material (Bücher und Videospiele) konsumiere ich auch gerne. Die Filme an sich haben mich aber nie so intensiv mitgerissen wie sie es anscheinend bei anderen getan haben. Sie sind ganz nett und unterhaltsam aber nichts, was mich massiv aus dem Stuhl haut oder an dem ich extrem hänge. Da bin ich bei Star Trek eindeutig tiefer drin.

Wie hat mir also unter diesen Voraussetzungen das aktuelle Machwerk gefallen? Nun, so:

Achtung: Der folgende Text ist höchstwahrscheinlich voller Spoiler! Ich nehme da absolut keine Rüchsicht! Also wenn ihr nichts erfahren wollt, dann sofort den Browser schließen und erst am Donnerstag wiederkommen.

Cover

Cover

Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force Awakens, 2015, SciFi-Action, OV in 3D) – Von mir kriegt dieser Film 4von 5 Sics. Ja, ich stimme nicht ganz in die Lobeshymnen ein, die überall sonst so erklingen. Zusammengefasst war mir der Film ein zu großes Déjà Vu und zu viel Fanservice und ein zu kleiner Schritt nach vorne. Das wird sich wohl erst mit Episode VIII ändern, jetzt wo die neuen Charaktere eingeführt und die alten langsam aber sicher ausgemustert werden (zumindest einer bereits permanent). Im Prinzip ist Star Wars: Das Erwachen der Macht eine Neuauflage von Star Wars: Eine neue Hoffnung (selbst das Intro ist ähnlich!). Das ist erst einmal natürlich nicht schlimm aber es ist irgendwie dann doch nicht ganz so cool.

So ist Kylo Ren einfach kein Darth Vader. Und das nicht nur, weil er kein anständiges Lichtschwert besitzt. Auch sein Stimmmodulator ist gefühlt schlimmer als Bane und Batman zusammen. Und seine Ausstrahlung ist so dermaßen uncool. Das geht mehr in Richtung eines Jammerlappens wie Anakin Skywalkers als eines Darth Vaders. Und kommt mir jetzt bitte nicht damit, dass das ja Sinn der Sache ist und er ja das Niveau seines Großvaters erst noch erreichen muss. Es macht ihn trotzdem nicht zu einem guten Bösewicht. Genausowenig wie die neue Superwaffe wirklich interessant ist. Sie ist zwar mächtiger als der Todesstern (kann mehrere Planeten gleichzeitig zerstören), aber doch irgendwie wieder das Gleiche und auch The First Order unterscheidet sich nur im Namen vom Imperium. Das gilt natürlich auch für die Rebellen, die jetzt Widerstand heißen. Finn ist als ehemaliger Stormtrooper mit Gewissen ein interessanter Ansatz aber er kommt meiner Meinung nach nicht so wirklich zur Geltung. Und Rey ist ein Stück weit Luke in Besser weil sie nicht groß rum heult (erst gegen Ende, wenn es um Gefühle geht), sondern von Anfang an was draufhat. Oder um es vielleicht besser auszudrücken: Es ist zwar alles da, was Star Wars zu Star Wars macht aber es sind wenige neue Ansätze mit drin. Man kann so viel über George Lucas jammern – das hat er zumindest mit der Prequel-Trilogie versucht.

Gleichzeitig hat es mich tatsächlich ein Stück weit auch genervt, dass der Film mal wieder so ausgelegt ist, dass man zwingend den Rest der Trilogie auch schauen muss. Ja, Star Wars: Das Imperium schlägt zurück endete auch auf einer offenen Note. Aber hier sind so viele Fäden offen, dass es schon fast keinen Spaß mehr macht.

Die guten Seiten

Star Wars: Das Erwachen der Macht (Promobild von LucasFilm)

Star Wars: Das Erwachen der Macht (LucasFilm-Promobild)

Aber ich will natürlich nicht nur meckern. Es ist ja nicht so, als hätte ich mich die 135 Minuten gelangweilt. Es waren durchaus zwei unterhaltsame und vor allem actionreiche Stunden mit nur ein paar Stellen, wo ich mich wirklich etwas gelangweilt habe oder etwas total doof fand (deswegen der eine Sic Abzug). Speziell der neue Roboterkumpane BB-8 ist genial und gefällt mir viel besser als R2-D2. Gut, BB-8 kann sich auch aufgrund seiner Bauform (ein Fußball mit Kopf) wesentlich mehr bewegen als unser alter Freund. Das hilft ihm sich auch ohne Übersetzung durch Menschen in der Nähe auszudrücken und Sympathien mit dem Publikum aufzubauen. Aber es hat halt ganz gut funktioniert und auch der Humor hat gestimmt.

Außerdem ist der Film visuell eine Augenweide und zwar eine Augenweide, die SciFi-untypisch eben nicht auf Hochglanz getrimmt ist. Stattdessen kommt sofort Star Wars-Feeling auf, egal ob es die tiefschwarzen TIE Fighter oder die verdreckten X-Wing sind. Vom zerstörten Star Destroyer in der Wüste gar nicht erst zu reden. Zwar wirkten die Kampfszenen mitunter schon etwas wie direkte Aufnahmen aus Star Wars: Battlefront (von der Machart, nicht von der CGI-Qualität – wobei die mittlerweile gar nicht mehr weit auseinanderliegt). Aber es hat trotzdem Spaß gemacht und auch der Ansatz, dass quasi fast gar nicht im Weltraum, sondern vor allem auf normaler Flughöhe gekämpft wird, ist ein erfrischend anders und macht Laune. Die 1-2 Lichtschwertkämpfe waren, thematisch bedingt (Luke ist weiterhin der letzte Jedi), nicht ganz so beeindruckend. Aber das ist tatsächlich okay, weil es passte. Es ging trotz all der Action (der Film ist durchaus zügig unterwegs) halt doch vor allem um die Charaktere – egal ob alt oder neu – und weniger um das ganze Drumherum. Und das hat trotz allem Fanservice (Han Solo spielt selbstverständlich eine große Rolle) halbwegs gut funktioniert alles.

Beim Christoph meint: Star Wars-Fans werden einen Nerdgasmus haben und den Film mindestens 200mal anschauen oder so bzw. haben es vermutlich schon. Er ist definitiv das, was sie haben wollten würde ich sagen. Und auch allen anderen kann ich bei grundsätzlichem Interesse an der Serie oder dem Genre das Anschauen empfehlen, da es unter Strich ein guter Actionfilm ist. Den immens hohen Erwartungen wird er zwar meiner Meinung nach nicht gerecht, weil er sich aus Angst dann doch zu sehr nur in der Sicherheitszone bewegt. Aber J. J. Abrams hat hier definitiv etwas weit Besseres abgeliefert als beim Reboot von Star Trek und ich bin tatsächlich darauf gespannt wie es nun weitergeht.

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