Das Hauptgebäude der Reha-Klink

Der Haupteingang der Reha-Klink in Utersum

Am 8. März 2012 habe ich den wohl erfolgreichsten Eintrag in der Geschichte der Webseite veröffentlicht: Meinen Bericht über meine Reha in Utersum. Seitdem war praktisch kein Monat vergangen, in dem dieser Eintrag nicht die Charts anführte in Sachen Aufrufen. Kein Wunder: Egal welche Kombination von Reha und Utersum man bei der Google-Bildersuche eingibt – mein kleines (damals war noch das alte CMS aktiv) Zimmerfoto taucht sehr weit vorne auf. Mittlerweile werden zwar aufgrund von Facebook-Verlinkungen die Einträge zum Thema Vitamine und Mineralstoffe häufiger aufgerufen aber tot zu kriegen ist mein Reha-Eintrag trotzdem nicht. Und was macht der erfolgreiche Selbstvermarkter in solchen Situationen? Er kramt das Thema wieder hervor!

Das hat aber natürlich einen Grund: Nach etwas mehr als 4 1/2 Jahren war ich die letzten drei Wochen wieder im Reha-Zentrum in Utersum auf der Nordseeinsel Föhr. Ich werde allerdings nicht noch einmal bei den Grundlagen anfangen. Stattdessen geht es mir vor allem darum weitere Details zu bringen, über die Änderungen seit meinem ersten Aufenthalt zu berichten und auf jeden Fall mehr Fotos (dieses Mal MIT Vergrößerung) zu zeigen. Seht diesen Eintrag also eindeutig als Ergänzung und lest bitte zuerst das „Original„, um das Komplettbild zu erhalten. Wir warten selbstverständlich auch auf euch.

/me summt eine lizenzfreie Wartemusik

Ein wilder Sicarius auf Föhr

Ein wilder Sicarius auf Föhr

Die Krankheit und die Beantragung

Die Nordsee mit Wasser

Die Nordsee mit Wasser

Mein mittelschweres Asthma habe ich seit der letzten Reha vollkommen im Griff und ich bin super gut eingestellt was meine Medikamente angeht. Meine Lungenfunktion ist damit im Bereich bzw. teilweise sogar über dem was ein normaler Erwachsener haben sollte. Entsprechend hatte ich nicht erwartet, dass es in dieser Hinsicht hier noch wirklich Verbesserung nach oben geben wird. Aber zum einen weiß man ja nie und zum anderen tut Seeluft immer gut. Da ich aber zusätzlich in den Wochen vor Reha-Antritt sowohl mit einem Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich als auch einem angehenden Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich diagnostiziert wurde, wollte ich die Reha dafür oder besser gesagt dagegen nutzen. Zusätzlich standen das Thema Gewichtsreduktion und mein seelischer Zustand (Stichwort Depressionen) auf dem Antrag mit drauf.

Bei der Beantragung bin ich am Anfang den gleichen Weg gegangen, wie beim letzten Mal: Ich habe bei der Hotline der Deutschen Rentenversicherung Bund angerufen. Anders als vor vier Jahren, hat die Dame an der Hotline mir jedoch die Unterlagen anschließend einfach alle zugeschickt statt mir nur die Nummern zum Download auf der Webseite mitzuteilen. Nachdem ich die Antragsformulare hatte, bin ich zu meiner Lungenärztin und habe sie darum gebeten ihren Befund zu schreiben mit dem Gedanken, dass sie mir den zuschickt und ich dann alles an die DRV Bund weiterleite. Entsprechend überrascht war ich als keine sechs Wochen später plötzlich Post aus Berlin im Briefkasten war mit der Bitte, ich solle doch meinen Antrag nachreichen – sie hätten schon den Befund bekommen und bräuchten keine weiteren. Also Antrag plus Anschreiben (wieder mit Angabe des Wunschterminfensters sowie den Reha-Zentren auf Utersum und Borkum als Wunschkliniken) fix fertig gemacht, abgeschickt und Mitte Juli hatte ich schon meinen Genehmigungsbescheid. Ging alles wieder wesentlich schneller als ich das geplant hatte irgendwie :smile: .

Die Anreise

Das Zimmer für die nächsten Wochen

Das Zimmer für die nächsten Wochen

Ein paar Tage später kam noch die Post von der Utersumer Klinik in der mein voraussichtlicher Antrittstermin drinstand. Da dieser mir allerdings nicht passte (war direkt nach den Flitterwochen) hatte ich zwei Möglichkeiten: Entweder Widerspruch bei der DRV Bund einreichen oder einfach mal bei der Klinik anrufen und nachfragen ob man da nicht was machen könnte. Und siehe da: Die Klinik hatte kein Problem damit. Die Mitarbeiterin fragte schlicht „Sagen sie mir wann sie anreisen wollen.“ und damit war die Sache erledigt. Sehr schön!

Die Anreise selbst Mitte November gestaltete sich genauso problemlos. Ich hatte rechtzeitig meine Fahrkarten und meinen Reiseplan erhalten (dieses Mal gleich mit korrektem Startbahnhof) und die zwei Koffer wurden wieder von Hermes abgeholt. Zwar musste ich eine Terminverschiebung für die Abholung auf Samstag vereinbaren (sie wollten freitags aber ihr kennt ja Paketdienstleister: „Seien sie bitte am besten den ganzen Tag Zuhause und wir kommen dann kurz vor Schluss“) aber das hat wunderbar geklappt (auch das Abholen). Es gab allerdings den Hinweis, dass dadurch auch die Koffer erst einen Tag später in der Klinik sein würden. Entsprechend dicker war mein Handgepäck dieses Mal gepackt. Entsprechend überrascht (und weil die Hermeswebseite was anderes behauptete) war ich, als ich in meinem Zimmer in der Klink ankam und feststellen musste: Die Koffer sind doch schon da. Quasi perfekt gelaufen alles.

Die Klinik

Postkarten, Knabbereien und Hygieneartikel gibt's im hauseigenen Kiosk

Der hauseigene Kiosk

Auf den ersten Blick war die Klinik unverändert (auch die Zimmer sind exakt wie vor vier Jahren) und ich habe mich sofort wieder zu Recht gefunden. Nur im Detail haben sich Änderungen ergeben wie renovierte Stationszimmer, umgezogene Labors oder die Aushänge der Aktivtherapien vom Keller in den ersten Stock. Außerdem wurde die Tischtennisplatte entfernt (gab wohl Probleme mit der Lautstärke im Nebengebäude), die Kegelbahn war die kompletten drei Wochen außer Betrieb und die Lehrküche wird aktuell renoviert. Letzteres ist besonders relevant, da es die alte Lehrküche überhaupt nicht mehr geben wird in dieser Form. Es gab wohl Probleme mit dem Personalaufwand (ja, DRV-Kliniken sind Wirtschaftsunternehmen) und entsprechend werden wohl zukünftig keine richtigen Mittagessen mehr gekocht, sondern nur noch „Snacks“ (Muffins, Salate, etc.). Ist definitiv schade. Hatte ich mich durchaus darauf gefreut nachdem ich das letzte Mal aufgrund meiner damals noch begrenzten Ernährungspalette das Angebot nicht voll genutzt hatte.

Was etwas besser geworden ist, ist tatsächlich der Handyempfang. Man hat doch an einigen Stellen mehr zum einen überhaupt Empfang und zum anderen dann oft sogar LTE. Leider eben nur LTE oder Edge. Meinen UMTS-Stick konnte ich also weiterhin nur im Amrum-Zimmer nutzen und nicht auch in meinem normalen Zimmer. Die normale Internetverbindung in der Klinik ist aber immer noch unter aller Sau, um es deutlich auszudrücken. Die 25 Euro für den vier Wochen lang gültigen WLAN-Zugang solltet ihr euch definitiv sparen. Da ist selbst DSL Light schneller. Klarer Nachteil des besseren LTE-Empfangs sowie dem grundsätzlichen technischen Fortschritt der letzten vier Jahre: Ich hatte mein Datenvolumen sehr schnell verbraucht gehabt. Zurückhaltung ist also das oberste Gebot :smile: .

Die Lage

Leider war der WLAN-Pass nicht die einzige Ausgabe, die ich im Nachhinein bereut habe: Das Geld für den 30 Euro teuren Buspass hätte ich mir ebenso sparen können, denn ich habe ihn definitiv nicht so häufig genutzt wie das letzte Mal. Dafür gab es drei Gründe:

1. Die Busse fahren im Winter immer noch sehr, sehr selten (nicht einmal jede Stunde). Man kann also nicht einfach mal abends zum Essen nach Wyk reinfahren, weil man Angst haben muss nicht mehr heim zu kommen. Entsprechend war sowieso die meiste Zeit Laufen die bessere Alternative.

2. Während im Frühjahr 2012 zumindest 2-3 Restaurant offen hatten, war im November gefühlt die ganze Insel abgeschlossen. Ist auf der einen Seite verständlich: Die Sommersaison war noch nicht ganz so lange rum und bis zur Wintersaison müssen die Bewohner wieder Energie tanken. Auf der anderen Seite nervt es aber schon gewaltig. Glücklicherweise gibt es auf der Homepage der Insel eine relativ komplette Übersicht der Restaurant und ihrer Öffnungszeiten. Ihr müsst also nicht Angst haben mit dem Bus durch die Gegend zu fahren oder beim Spazierengehen plötzlich vor geschlossenen Toren zu stehen. Die beiden „Restaurant“ (La Rocca und die Zur Kombüse) an der Strandpromenade in Wyk, die ganzjährig von 11 bis Spätabends warme Küche anbieten, kann ich allerdings nur bedingt empfehlen. Hochwertiges Essen ist eindeutig etwas anderes. Andererseits: Besser als Eintopf waren sie trotzdem :smile: .

Der Speiseplan

Der Speiseplan

3. Die geänderte Situation im Speisesaal (plus mein grundsätzlich geändertes Ernährungsverhalten), die dazu führte, dass ich abseits von Samstags (immer noch Eintopf-Tag) keinen Grund mehr hatte Essen zu gehen. Wurde vor vier Jahren das Mittagessen noch komplett ausgegeben, gibt es nun eine Art Buffet.

Das funktioniert so: Grundsätzlich erhaltet ihr Gericht 1. Gericht 2 ist die vegetarische Variante bzw. das Sonderessen. Das wird entweder vom Arzt am Anfang verordnet, ihr könnt dem Küchenpersonal sagen, dass ihr es immer haben wollt oder ihr könnt, wenn euch das Gericht auf dem Essensplan gefällt, euch bis zu einem Tag vorher dafür anmelden. Am gleichen Tag einfach nur die Schlange wechseln wird vom Personal hingegen mit klarer Abweisung bestraft.

Bei Gericht 2 werdet ihr, ihr habt es vermutlich erraten, auch entsprechend noch bedient. Gericht 1 dürft ihr euch hingegen endlich selbst zusammenstellen. Ihr könnt also ein Stück weit selbst entscheiden, ob ihr lieber Nudeln statt Reis zum Fisch wollt und welches Gemüse ihr noch mit drauf packt. Ein Stück weit deshalb, weil die grundsätzliche Zusammenstellung natürlich immer noch vorher festgelegt wird. Es stehen also nicht jeden Tag Nudeln und Reis als Beilage zur Auswahl. Aber ihr seid trotzdem zum einen freier wie ihr euren Teller vollmacht und zum anderen habt ihr nun die Möglichkeit mal einen anständigen Nachschlag zu holen. Letztes Mal bekam ich höchstens nochmal Gemüse aber auf gar keinen Fall mehr Fleisch. Finde ich eine sehr gute Änderung und mir hat es dadurch eindeutig besser geschmeckt die meiste Zeit (Eintopftag…). Der Essensplan folgt weiterhin der Lebensmittelpyramide also zweimal Fisch in der Woche und so Kram.

Übrigens stehen nun feste Essenszeiten auf dem Therapieplan. Daran gehalten haben sich aber vermutlich nur die wenigsten – ich Inklusive. Sobald man mal seine Reha-Truppe gefunden hat, will man ja schließlich immer mit denen zusammen essen.

Abseits davon ist die grundsätzliche Lage der Klinik natürlich immer noch perfekt (Geldautomat fehlt weiterhin). Dieses Mal war die Nordsee sogar anwesend (und es gab Wattwanderungen!). Auch das Wetter hielt nach einer verregneten ersten Woche standhaft durch mit zumindest wenig Regen und ab und zu viel Sonne. Ich könnte also wieder so einige Male meine langen Runden über Strand, Deich und Feldwege ziehen (unter anderem zum immer noch empfehlenswerten Café Stellys Hüüs in Oldsum). Dabei half mir, dass ich gefühlt mittlerweile besser zu Fuß bin. War weit weniger anstrengend beispielsweise die circa acht Kilometer bis Nieblum über den Strand zu laufen. Zugegeben: Sie danach auch wieder zurückzulaufen ohne Mittagessen intus zu haben war dann schon durchaus etwas grenzwertig. Aber unter einem groß angekündigten „Weihnachtsmarkt“ verstehe ich halt durchaus mehr als nur ein Zimmer mit Handarbeitverkaufsständen z.B. eine Würstchenbude.

Die Therapie – Allgemein

Eines meiner vielen Mittagessen

Eines meiner vielen Mittagessen

In Sachen Therapie fällt im Nachgang vor allem auf, dass ich wesentlich mehr Vorträge dieses Mal hatte. Gefühlt kamen Sport- und Bewegungsangebote da etwas zu kurz. Außerdem hatte ich aus unerfindlichen Gründen an den Freitagen und Samstagen immer so gut wie gar keine Termine. Fand ich nicht so gut. Klar: Mehr Zeit für am Strand rumlaufen oder ins freie Training zu gehen (wenn man es darf). Für letzteres stehen mittlerweile zudem Terminvorschläge auf dem Plan. Wie beim Essen, hält sich jedoch keiner so wirklich dran (ja, auch ich nicht). Trotzdem sollte man aus meiner Sicht doch die Therapie so planen, dass der Patient die ganze Woche ausgelastet ist. Außerdem sind mir die Änderungen bei der Aktivtherapie sehr negativ aufgefallen. Zur Erinnerung: Als Ergänzung zum Therapieplan hängen an zentraler Stelle täglich zusätzliche, freiwillige Angebote aus an denen man teilnehmen kann.

Zwar war das grundsätzliche Angebot wieder sehr abwechslungsreich (inklusive ein paar ganz neuen Sachen) aber die Chance zum Beispiel bei meiner geliebten Traumreise mit zu machen standen dieses Mal extrem schlecht (habe es nur einmal geschafft). Warum? Weil die Zettel nur noch an der Pinwand im Flur landen, wenn noch Platz ist. Vorher hängen sie im Zimmer der Therapieplanung, die zum einen nur morgens zwei Stunden offen hat und zum anderen weil sich da dann entsprechend lange Schlangen bilden. Da hatte ich keine Zeit und Lust für. Dann noch der ein oder andere Arschloch-Patient, der einfach seine ganze Clique eingeklebt hat und schon waren die Termine voll. Wenn man dann dahin kommt und der Kurs ist doch nicht voll, weil ein paar der fleissigen Einkleber nicht gekommen sind, dann platzt einem endgültig die Hutschnur. Das lief das letzte Mal eindeutig besser.

Was das Pflichtprogramm anging habe ich natürlich, basierend auf dem letzten Mal, direkt bei der Aufnahme wieder massiv dem Arzt ins Gewissen geredet und klar gesagt was ich möchte bzw. mir erklären lassen, was ich noch haben könnte. Das ist immer ganz wichtig, um am Ende nicht mit einem leeren Plan und verpassten Chancen dazu stehen. Schließlich hat man hier nun einmal die Möglichkeit Sachen kostenfrei auszuprobieren, die man sich Zuhause vielleicht noch nicht getraut hat.

Die Therapie – Im Detail

Einer meiner vielen Therapiepläne

Einer meiner vielen Therapiepläne

Aber gehen wir doch mal im Detail auf die Sachen ein, die ich in den drei Wochen so gemacht habe. Bei Angeboten, die ich schon das letzte Mal hatte, verzichte ich allerdings auf eine genauere Beschreibung. Die findet ihr dann im alten Eintrag.

Pflicht

  • Wirbelsäulentraining – Wie der Name schon sagt, wurden Übungen zur Stärkung der Wirbelsäule gemacht. Nicht nur für die Muskulatur direkt an der Wirbelsäule, sondern auch Dinge zur Stärkung des Drumherum (Stichwort „Stabilisierung“). War durchaus abwechslungsreich und ich habe zumindest nach den ersten Terminen so einige Muskeln gespürt, die ich noch nicht kannte :smile: .
  • Atemtraining (Gruppe) – Dieses Mal musste ich nicht meinem Atem nachfühlen, wenngleich das Ziel gleich war: Zu lernen bewusst zu atmen und ihn in bestimmte Ecken des Körpers bringen. Gefiel mir eindeutig besser und hat mir mehr gebracht würde ich sagen – auch für den Alltag.
  • Hydro-Jet
  • Aqua-Jogging
  • Progressive Muskelrelaxation – Letztes Mal hatte ich noch gesagt, dass Entspannung nichts für mich wäre. Mittlerweile geht das ein wenig besser. Bei dieser Form handelt es sich um Entspannung nach der Jakobsmethode (hinlegen, Muskeln einzeln anspannen und wieder entspannen – dann nachfühlen). Ich hätte stattdessen aber auch autogenes Training oder Qigong machen können.
  • Psychologische Einzelberatung – Natürlich kann hier schon allein wegen der begrenzten Zeit keine richtige Therapie stattfinden (hatte nur zwei Termine) aber zum einen hat es geholfen mal wieder eine komplett neue Perspektive zu hören und zum anderen habe ich durchaus einige Sachen vom Psychologen dahingehend mitbekommen, wie ich Zuhause am besten in dieser Richtung weitermachen sollte. Fand ich entsprechend äußerst hilfreich und es waren zwei sehr angenehme Gespräche.

Freiwillig

  • Ergometertraining
  • MTT Gerätetraining – Dieses Mal mit sechs statt nur vier Geräten.
  • Kraftquellenarbeit – Den Begriff hatte ich vorher noch nie gehört. Im Kern hat es aber schon etwas Spirituelles. Gibt aber unterschiedliche Ausprägungen, welche die Dame hier anbietet. Ich war bei der „Biografiearbeit“, bei der einem das „Leben“ (in Person der Veranstalterin) in drei Runden unterschiedliche Arten von Karten austeilt. Diese werden entweder einfach von einem selbst interpretiert oder erst zu einem Muster („Wandelwinde“) zusammengelegt und dann interpretiert und darüber in der Gruppe gesprochen. War sehr interessant und faszinierend zu sehen, dass die Karten (logischerweise durch das eigene Suggerieren) wahres sprechen und auch noch einen Zusammenhang bildeten. Mehr darüber könnt ihr übrigens auf der Homepage der Verantstalterin erfahren.
  • Rückenfit – Wie der Name schon sagt: 45 Minuten voller Übungen für den Rücken. In der Zeit, wo ich dabei war, haben wir mit dem komischen (und anstrengenden) Schwingstab gearbeitet.
  • Traumreise
  • Zirkeltraining – Nach Runde 2 war ich am Ende und wurde vom Physiotherapeuten wegen viel zu hohem Puls rausgenommen. Waren extrem anstrengend diese 10 Stationen mit den jeweils unterschiedlichen Übungen für die verschiedenen Muskelgruppen. Absolut nichts für mich…

Vorträge/Seminare

  • Ein paar meiner Wandelwindkarten

    Ein paar meiner Wandelwinde-Karten

    Schulungsbuffet – Es wurde vorgestellt nach welchen Vorgaben/Ideen das Essen in der Klinik zusammengestellt wird.

  • Inhalationstechnik – Wie der Name schon sagt, wurde vorgestellt wie die optimale Inhalationstechnik für die verschiedenen Medikamentenarten ist. Eine wichtige Sache, da das Medikament natürlich in die Lunge soll. Bringt nichts, wenn es irgendwo im Mund rumhängt. Aber für mich nichts großartig Neues dabei gewesen. Hatte es ja schon das letzte Mal gelernt.
  • Peak-Flow-Messung – Wie und warum macht man als Asthmatiker/COPDler diese regelmäßigen Messungen und wie interpretiert man sie. Auch nichts Neues für mich.
  • Asthma-Fragestunde – Die Möglichkeit den ärztlichen Direktor mal auszufragen. Habe ich genutzt, um ein paar allgemeine Fragen in Richtung Zukunft zu stellen. Mich interessiert ja vor allem, ob ich bis zu meinem Tod die Medikamente weiter nehmen muss, oder ob es da Forschungen in die Richtung gibt Asthma dauerhaft zu heilen. Die Antworten fielen aber leider eher mager aus.
  • Sport – Vorstellung des Sportkonzepts in der Klinik sowie dem optimalen Trainingsablauf (Trainieren nach Trainingspuls und im mittleren Bereich). War zumindest amüsant gestaltet.
  • Richtig abnehmen – Lief das letzte Mal unter dem Begriff „Gewichtsreduktion” und auch die inhaltlichen Ansätze haben sich im Vergleich etwas zum positiven geändert. Kann ja nun besser mitreden, aufgrund meiner eigenen Ernährungsumstellung. Aber sind immer noch so einige Sachen dabei, wo ich eher kritisch sehe (Stichwort „DGE-Empfehlung“) bzw. Fragen, wo ich nur mit großen Augen angeschaut wurde. War aber trotzdem wieder interessant und hat sicherlich dem ein oder anderen die Augen geöffnet.
  • Medikamentöse Therapie – Welche Medikamente gibt es gegen Asthma und COPD, welche Wirkstoffe sind drin und was machen sie. Sehr informativ, da ich mich damit tatsächlich noch nie so richtig beschäftigt hatte.
  • Das beste Café auf der Insel!

    Das beste Café auf der Insel!

    Stress – Lustigerweise hatte ich vor der Reha einen Bildungsurlaub mit dem Titel „Gesundheit ganzheitlich fördern“ und da ging es auch an einem Tag um das Thema Stress. Entsprechend waren mir ein paar Dinge schon bekannt. Aber in den paar Terminen (war eine Seminar-Reihe) fanden sich durchaus ein paar neue Denkanstöße, die mir im Kopf geblieben sind und die ich auch versuchen will umzusetzen.

  • Von der Reha in den Alltag – Hier ging es darum sicherzustellen, dass die guten Vorsätze aus der Reha tatsächlich eingehalten und umgesetzt werden. Statistisch ist es wohl normalerweise nach 6-8 Wochen vorbei. War gut gemacht von der Dame (viel Gruppenarbeit) und interessant.
  • Konflikte am Arbeitsplatz – Das war eine extrem chaotische Angelegenheit von der ich außer einem dicken Handout gar nichts mitgenommen habe. Der Vortragende war extrem hibbelig, verwirrt und hatte irgendwie kein richtiges Ziel vor Augen. Schade, da das Thema durchaus wichtig für mich gewesen wäre.
  • Informationen zum Schwerbehindertenrecht – Betrifft mich zum Glück nicht, auch wenn ich theoretisch einen Grad der Behinderung für mein Asthma bekommen könnte – wenn nicht meine Lungenfunktion mittlerweile so extrem gut wäre. Trotzdem interessant mal zu erfahren wie das so abläuft.
  • Funktion der Atemorgane – Theoretisch alles Zeugs, was man aus dem Biologieunterricht kennen sollte aber da hatte ich immer gerade so eine vier. Deswegen ganz interessant mal wieder zu hören wie die Lunge aufgebaut ist und was bei meiner Krankheit da unten passiert. Vor allem habe ich endlich gelernt was zum Geier überhaupt COPD ist („Raucherlunge“). Und schon das allein war es wert :smile: .

Dieses Mal nicht gemacht

  • Auch auf der Insel gibt es Regenbögen

    Auch auf der Insel gibt es Regenbögen

    Schwimmen – Mir reicht einmal Wasser am Tag und da vor bzw. nach dem Aqua Jogging auch immer noch Zeit zum freien Schwimmen ist, musste ich nicht noch zusätzlich gehen.

  • Badminton – Waren schlicht keine Mitspieler da (zumindest habe ich keine gefunden).
  • Bogenschießen – War mir das Wetter zu unbeständig für.
  • Frühsport – Ich hatte dieses Mal die Einstellung „Man muss es nicht übertreiben“, dazu gehörte sich diese Gymnastikeinlage zu sparen.
  • Rückenschule – Hatte eigentlich erwartet, dass es wieder so etwas in der Art geben würde aber hatte nichts im Therapieplan drin und auch der Arzt hat nichts Dahingehendes erwähnt. Schade. Rückengerechtes Aufstehen praktiziere ich seit damals auf jeden Fall.
  • Yoga – Wie gesagt: Bäume gibt es im Wald genug, ich muss nicht noch einer sein…

War wie ihr sehen könnt war es wieder ein stattliches Programm aber wie erwähnt aus meiner Sicht definitiv viel weniger Bewegung (so interessant die meisten Vorträge und Seminare auch waren). Vielleicht habe ich da irgendetwas bei der Aufnahme falsch gemacht aber da wünsche ich mir bei einem eventuellen nächsten Mal eindeutig Besserung bzw. ich werde es explizit einfordern. Wurde immerhin nicht zusammengestaucht, dass ich zu viel machen würde :smile: .

Abseits dieses Programms war ich ansonsten viel laufen und habe mir außerdem bei der Kosmetikerin sowohl eine Fußpflege als auch eine Ganzkörpermassage (ohne Happy End :wink: ) gegönnt. Hatte ich beides noch nie und obwohl es ganz schön war, werde ich es sicherlich nicht regelmäßig daheim fortsetzen. Aber ich wollte es schon immer mal ausprobieren und hier hatte ich nun die Zeit und Gelegenheit dazu.

Das Personal

Der einzige Aufenthaltsraum inklusive Bibliothek

Der Hauptaufenthaltsraum inklusive Bibliothek

Beim Personal hat es in Sachen Ärzten eine massive Änderung gegeben. Wurde ich beim letzten Mal vom ärztlichen Direktor höchstpersönlich aufgenommen und hatte bei den Visiten mit den Chefärzten zu tun, gibt es nun die Stationsärzte. Die sind aus meiner Sicht durchaus arm dran aber das macht es für mich als Patient nicht viel besser. Sie sind fast durchweg ausländischer Abstammung und haben entsprechend so ihre Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Das ist bei einem Arzt eindeutig mehr als suboptimal. Meine Befunde von Zuhause wurden nicht weiter beachtet, ein tiefergehendes Gespräch vor allem über die Hintergründe („Warum ist hier meine Luft plötzlich so viel besser?“) war nicht möglich und auch sonst die Sache sehr anstrengend. Der Kollege kann ja die fachliche Expertise haben – das will ich ihm nicht absprechen und er war auch lieb und nett. Aber wenn man es nicht rüber bekommt, dann ist das ein massives Problem und ich fühle mich allein gelassen. War auch nicht der einzige, der sich darüber beklagte.

Ansonsten war das Personal durch die Bank wieder okay. Vor allem die Kurse mit den ganz jungen Physiotherapeuten, die noch Energie und vor allem Spaß an der Sache haben, waren immer ein Highlight. Anstrengend aber genial. Mit dem Speisesaalpersonal hatte ich erneut nicht viel zu tun, die Damen auf dem Stationszimmer waren nett und hilfreich und auch am Empfang fand ich ein offenes Ohr für meine Sorgen und Nöte. Überraschenderweise hat auch das mit dem Namenswechsel (hatte die Reha ja vor der Heirat beantragt) ganz gut funktioniert und zu weniger Verwirrung geführt als erwartet. Wie ich schon vor vier Jahren schrieb: Ich fühlte mich insgesamt gut aufgehoben.

Fazit

Für mich war die Reha dieses Mal nicht ganz so effektiv wie beim letzten Mal, auch wenn überraschenderweise meine Peak-Flow-Werte sich verdoppelt haben. Da muss ich daheim mal mit meiner Lungenärztin schauen was wir da machen können, um das beizubehalten. Das lag freilich nicht an der Klinik – die ist aus meiner Sicht immer noch eine Empfehlung (und Föhr an sich auch) für Asthmakranke oder gynäkologische Patienten. Da ich aber in den letzten vier Jahren mich massiv verändert habe (Ernährung, sportliche Betätigung, etc.) halten sich die Auswirkungen nun in Grenzen (keine 2kg reines Fett verloren zum Beispiel). Erschwerend kamen die seelischen Belastungen dazu, die mich auch hier nicht so richtig losgelassen haben und entsprechend mir die Erholung verdorben haben.

Das Amrumzimmer - Gute Aussicht, bester Handyempfang

Das Amrumzimmer – Gute Aussicht, bester Handyempfang

Dennoch: Ich hatte immer noch sehr viel mehr Bewegung hier als Zuhause (habe massig Punkte in meiner Fitnessapp gesammelt und liege aktuell sogar vor Lysanda!). Aus den Vorträgen und Seminaren habe ich einiges mitgenommen und Abstand von der Arbeit zu gewinnen ist sowieso nicht das Schlechteste. Auch das Kennenlernen neuer Gesichter ist eine nette Sache für mich als total introvertierten Typen. Ja, ich habe meinen Vorsatz eingehalten und war in der Hinsicht wesentlich aktiver! Völlig überraschend (für mich zumindest) hat das ganz gut funktioniert, keiner hat mich aufgefressen und es war angenehm sich unterhalten zu können. Hoffentlich kann ich diese Erkenntnis auch in den Alltag retten. Letztes Mal war ich die vier Wochen ja fast komplett alleine, dieses Mal hab ich vor allem viel im Aufenthaltsraum mit anderen gepuzzelt :smile: .

Nochmal werde ich aber nicht nach Utersum kommen. Das nächste Mal (sollte es stattfinden) möchte ich stattdessen mal die Kliniken auf Borkum oder Norderney kennenlernen. Ein bisschen Abwechlsung muss sein.

Epilog

Und damit wäre auf acht DINA4-Seiten reinem Text (dank der Bilder sind es noch mehr) aus meiner Sicht alles gesagt, was es zu meinem Reha-Aufenthalt (Kur darf man nicht mehr sagen) aus meiner Sicht zu sagen gibt. Fragen, Anregungen, Lob und Kritik wie immer einfach in die Kommentare packen. Ein paar meiner Mitpatienten habe ich auch die URL hierher mitgegeben. Vielleicht äußern sie sich auch noch einmal zu den genannten Punkten, wenn ihre Sicht der Dinge von meiner abweicht.

In Milch ist viel Calcium

Milch hat viel Calcium

Im Eintrag über die K-Vitamine fiel ein Wort besonders oft: Calcium (gerne auch Kalzium geschrieben oder einfach als Kalk bezeichnet). Ein Mengenelement und Mineralstoff, von dem jeder von euch schon einmal gehört hat und zwar vor allem durch den Satz „Calcium ist gut für die Knochen“ – und er stimmt! 99% der rund 1-1,5kg Calcium im Körper befinden sich in unseren Knochen und Zähnen.

Braucht es unser Körper woanders, löst er es von dort heraus und schafft es über das Blut dorthin wo es benötigt wird. Dafür wird in der Nebenschilddrüse das Parathormon produziert, das den Calciumspiegel im Blut reguliert, indem es ihn bei Bedarf erhöht und die Menge an Phosphat im Blut gleichzeitig reduziert. Damit das Calcium überhaupt in den Knochen gelangt, werden hingegen Vitamin D3 (produziert die entsprechenden Transportcontainer) und Vitamin K2 (aktiviert diese Transportcontainer) gebraucht.

Funktion & Quelle

Der Grund, warum 99% allen Calciums im Körper in den Knochen sitzt ist logisch: Ohne Calcium kein Knochenwachstum und damit auch keine Neubildung (zur Erinnerung: unser Skelett erneuert sich alle sieben Jahre von selbst). Außerdem wirkt es sich auf die Festigkeit und Stabilität der Knochen aus. Die restlichen 1% befinden sich im Blutplasma und helfen unter anderem bei der Aktivierung der Blutgerinnung.

Den mütterlichen Rat euer Calcium nicht zu vernachlässigen, sollte man entsprechend Folge leisten. Um eure Knochen fit zu halten, benötigt ihr nämlich als Erwachsener laut DGE satte 1000mg/Tag und unser Körper kann kein Milligramm davon selbst produzieren! Vor allem Kinder und ältere Menschen benötigen eine stetige Zufuhr – erstere für ein gesundes Wachstum, letztere um den Zerfall zu verlangsamen. Dazu müsst ihr beispielsweise pro Tag einen Liter Milch trinken, denn Calcium steckt vor allem in Milchprodukten. Neben der Milch also auch in Käse, Joghurt, Buttermilch und dergleichen. Aber tatsächlich ist auch in diversen Gemüsesorten wie Kohlrabi, Broccoli und vor allem Grünkohl eine nennenswerte Menge enthalten. Eine ausreichende Zufuhr lässt sich zudem durch Mineralwasser bzw. kalkhaltigem Leitungswasser leicht gewährleisten. Eine kleine Übersicht findet ihr beispielsweise hier.

Mineralwasser enthält auch Calcium

Mineralwasser enthält auch Calcium

Neben-Faktoren

Den ganzen Tag Milch trinken reicht aber dann doch nicht, um den Calciumhaushalt auf gutem Niveau zu halten – mal abgesehen davon, dass es grundsätzlich nicht so gut ist so viel Milch zu sich zu nehmen. Nein, es gibt auch hier notwendige Mitspieler sowie Gegenspieler:

Mitspieler

Sind diese Mitspieler nicht in ausreichender Menge vorhanden – bei Magnesium spricht man beispielsweise von einem 2:1-Verhältnis -, dann funktioniert der gesamte Kreislauf nur eingeschränkt oder gar nicht mehr.

Gegenspieler

  • Phosphat (z.B. in Softdrinks enthalten) – Erhöht den Abbau von Calcium aus den Knochen.
  • Oxalsäure (z.B. in Spinat enthalten) – Verringert im Darm die Aufnahme von Calcium.
  • Kochsalz – Erhöht die Ausscheidung von Calcium.

Es macht wenig Sinn einen dieser Gegenspieler gleichzeitig zu einem Glas Milch zu konsumieren. Stattdessen besser die Aufnahme über den Tag verteilen – quasi morgens das Glas Milch und erst mittags die Cola.

Mangel

Normalerweise sollte der Anteil von Calcium im Blutserum zwischen 2,20mmol/l und 2,65mmol/l liegen (bei Kindern etwas höher). Wie beim Magnesium gilt jedoch: Der Körper holt sich alles aus den Knochen heraus was er kann bevor der Blutwert schlechter wird. Er ist entsprechend mehr ein Indikator dafür, ob die Nebenschilddrüse gut arbeitet und weniger, ob ihr schon in einem Calcium-Mangel steckt. Ein Mangel wird stattdessen mehr durch seine Symptome erkannt: Bei einem kurzfristigen Mangel könnt ihr schmerzhafte Muskelkrämpfe bekommen und reagiert emotional heftiger („Launisch“). Langfristig führt ein Mangel hingegen zum Beispiel zu Osteoporose (Muskelschwund), Rachitits, Muskelschwäche oder grauem Star.

Eierschalen könnt ihr auch Essen

Eierschalen könnt ihr auch Essen

Der Griff zu Nahrungsergänzungsmitteln ist bei Calcium allerdings tatsächlich nicht zu empfehlen, da die Versorgung über die Nahrung völlig ausreichend ist und die Co-Faktoren (siehe oben) stark mitberücksichtigt werden müssen. Erst wenn diese im grünen Bereich sind und trotzdem immer noch ein Mangel besteht, dann könnt ihr mit dem Verzehr von abgekochten und gemahlenen Eierschalen (hat jeder) oder Urkorallen (hier liegt bereits ein 2:1 Verhältnis von Magnesium und Calcium vor) etwas nachhelfen. Von Pillen aber am besten die Finger lassen, auch wenn eine Überdosierung im Normallfall nicht möglich ist. Wie so oft sortiert der Körper es einfach über den Stuhl aus. Nur bei einer Überfunktion der Nebenschilddrüse lagert sich das Calcium im Blut ab und kann die Arterien verstopfen (=Schlaganfall).

Wir selbst nehmen entsprechend auch kein zusätzliches Calcium, da wie erwähnt eine ausreichende Versorgung über eine achtsame Ernährung völlig ausreichend ist und bei Problemen eher andere Faktoren als Calcium eine Rolle spielen.

Mehr Pillen als im Altersheim

Mehr Pillen als im Altersheim

5-7 Liter (je nach Geschlecht und Größe) an Blut fließt durch unseren Körper. Wir brauchen es vor allem als Spediteur, obwohl es noch andere Funktionen erfüllt (z.B. Wärmeregulierung). Es bringt die Vitamine, Mineralien und natürlich den Sauerstoff dahin, wo sie gebraucht werden. Warum sich also der weibliche Körper dazu entschieden hat jeden Monat davon so einige Milliliter einfach auszuspülen, wird nur die Evolution wissen. Dieser Ausschuss ist jedoch hauptverantwortlich für einen ganz bestimmten Mangel, der dementsprechend vor allem Frauen plagt: der Eisenmangel (Sideropenie). Aber fangen wir wie immer ganz von vorne an:

Was ist überhaupt Eisen?

Nun, Eisen ist erst einmal ein Metall mit dem man ganz viele tolle Dinge machen kann. Um diese Art von Eisen geht es uns heute jedoch nicht auch wenn es durchaus empfehlenswert ist sich einen Eisenfisch ins Essen zu packen. Wir reden stattdessen von Eisen als Spurenelement, von dem wir im Normallfall 2-4g im Körper haben. 60 Prozent davon hängen an den roten Blutkörperchen als Hämoglobin (=freies Eisen) und 40 Prozent sind unter anderem im Ferritin (=Speichereisen) zu finden, das wiederum beispielsweise in der Leber und der Milz rumhängt.

Selbst herstellen kann unser Körper das Eisen nicht und im Normalfall verlieren wir um die 1mg pro Tag durch diverse Ausschüttungen (Darm, Haut, etc.). Durch Blutverlust (Spende, Periode, Verletzungen, etc.) geht es natürlich noch einmal viel schneller. Problem ist: Haben wir zu wenig Eisen, dann werden auch weniger rote Blutkörperchen gebildet. Haben wir zu wenig rote Blutkörperchen im Blut, dann stehen nicht genug LKWs bereit, um den ganzen tollen Sauerstoff durch die Gegend zu fahren. Dem Sauerstoff ist das zwar egal, der verschwindet beim nächsten Ausatmen wieder nach draußen, aber ihr bekommt dann so hübsche Sachen wie

  • Atemnot, Konzentrations- und Kreislaufprobleme – Es kommt nicht genug Sauerstoff im Gehirn an.
  • Schwächung des Immunsystems – Schlecht durchblutete Schleimhäute lassen mehr Viren und Bakterien in den Körper.
  • Probleme mit Haut, Haaren (bis zu Haarausfall) und Nägeln – Unser Körper fährt ein Sparprogramm und versorgt lieber die Organe statt sich um unser Äußeres zu kümmern.
  • Schlafprobleme – Eisen wird für die Bildung der Hormone Tryptophan und Melatonin gebraucht, die unseren Schlaf regulieren.
  • Dopaminmangel – Um Dopamin zu bilden, brauchen wir Eisen und Dopamin unterstützt beispielsweise unsere Konzentration- und Reaktionsfähigkeit.
  • Schilddrüsenunterfunktion – Auch die Hormone Thyronin und Thyroxin (T3 und T4 im Bluttest) können ohne Eisen nicht gebildet werden. Sie sind für viele regulatorische Vorgänge im Körper zuständig (Temperaturregulation).
  • Übergewicht – Da Eisen bei der Bildung so vieler Hormone wichtig ist, hat ein Mangel massive Auswirkungen auf unseren gesamten Stoffwechsel. Abnehmen ist deshalb mit einem Eisenmangel fast unmöglich.
  • Depressionen – Das Glückshormon Serotonin kann bei Eisenmangel nicht in ausreichender Zahl gebildet werden.

Ihr seht also: Mit einem Eisenmangel ist das Leben nicht mehr ganz so angenehm und man sollte tunlichst vermeiden so tief zu sinken. Auch Krankheiten wie Restless Legs Syndrom (RLS) werden dadurch verstärkt. Leider – und das solltet ihr als fleißige Leser dieser Eintragsserie mittlerweile wissen – ist es im Arztstudium wohl nur ein Randthema.

Der Bluttest

Ein Blutbild mit allen relevanten Werten

Ein Blutbild mit allen relevanten Werten

Euer Eisenwert ist ausschließlich über einen Bluttest ermittelbar. Allerdings ist im kleinen Blutbild nur der Hämoglobinwert enthalten. Weiter oben hatten wir erwähnt, dass dort 60 Prozent des Eisens enthalten ist. Klingt also erst einmal gar nicht so schlecht, oder? Blöd nur, dass euer Körper das Speichereisen (Ferritin) schon komplett leer gekratzt hat, bevor euer Hämoglobinwert im Keller ist. Und diesen Ferritinwert erhaltet ihr nur auf Nachfrage. Außerdem relevant im Bluttest:

  • Eisenwert – Er beschreibt das freie Eisen im Blut.
  • Transferrin – Sorgt dafür, dass das freie Eisen ans Blut gekoppelt wird.
  • CRP-Wert (C-reaktives Protein) – Dieses Eiweiß ist bei Entzündungen vermehrt vorhanden und führt dazu, dass auch eure Eisenwerte erhöht sind.

Anhand all‘ dieser Werte lässt sich ein Eisenschiefstand feststellen (ein Eisenüberschuss ist genauso schädlich). Die Normwerte weichen zwar je nach Labor und Literatur etwas ab, aber sie sehen grundsätzlich etwa so aus:

  • Der Hämoglobinwert sollte zwischen 11-18 g/dl je nach Geschlecht und Alter liegen.
  • Der Eisenwert sollte bei Männern zwischen 55 und 156 µg/dl und bei Frauen zwischen 33 und 145 µg/dl liegen.
  • Das Ferritin sollte bei Männern 30-300µg/l und bei Frauen bei 10-200µg/l liegen.
  • Der Transferrinwert liegt sowohl bei Männern als auch Frauen bei 200-360 mg/dl.

Da unser Körper die Hämoglobin- und Eisenwerte selbst reguliert, sollten sie im Normalfall im grünen Bereich sein solange ihr noch von eurem Speichereisen zerren könnt. Ein Eisenmangel ist an diesen beiden Werten erst viel zu spät zu erkennen. Wichtiger ist der Ferritinwert, dessen Normwerte aber vor allem bei Frauen viel zu niedrig angesetzt sind und bei mindestens 60 besser 100 µg/l liegen sollte. Sollte der Ferritinwert jedoch im grünen Bereich sein und dafür euer Eisenwert im Keller, dann kommt der Transferrinwert ins Spiel. Ist dieser niedrig, deutet alles auf eine Umwandlungsstörung hin. Euer Körper kann also mit dem ganzen Eisen, dass ihr ihm zuführt, nichts anfangen. Das kommt aber nur sehr selten vor. Häufiger ist da schon der Eisenüberschuss, der zu Herzerkrankungen führen kann sowie das Krebsrisiko erhöht. Die Lösung dafür ist übrigens häufiges Blutabzapfen (=Blutspenden). Ihr müsst also ganz genau darauf achten, wie viel Eisen ihr euch zuführt. Die DGE empfiehlt 10-15mg pro Tag je nach Geschlecht und Alter bzw. 30mg/Tag bei schwangeren Frauen. Damit lässt sich ein normaler Wert tatsächlich ganz gut halten.

Eisenzufuhr

Eisenpillen

Eisenpillen

Stellt sich natürlich noch die Frage, wie ihr diese Menge an Eisen in euch reinbekommt bzw. im Falle eines Mangels diesen beheben könnt. Nun, beim Essen gilt es zu beachten, dass unser Körper tierisches Eisen besser verarbeiten kann als pflanzliches. So sind zwar auf 100g Thymian schicke 123,6mg Eisen enthalten aber es stellt sich zum einen die Frage wer so viel Thymian überhaupt essen kann und zum anderen kann der größte Teil nicht genutzt werden. Besser ist da schon Leber wie zum Beispiel die Schweineleber mit 22,1mg auf 100g. Insbesondere in Kombination mit Vitamin C (fördert die Eisenresorption) wird das richtig gut aufgenommen. Gibt es aber genauso in umgekehrter Form. So sind in Kakaopulver zwar 12,5mg/100g Eisen drin, es enthält aber auch Oxalate, welche wiederrum die Eisenaufnahme hemmen.

Wird vom Arzt tatsächlich ein großer Mangel festgestellt, ist dieser jedoch kaum über die Nahrung zu beheben – und wenn, dann dauert es sehr lang. Entsprechend sind Nahrungsergänzungsmittel nur mittelfristig eine Lösung. Zumal diese wieder mit ihren eigenen Nebenwirkungen zu kämpfen haben (z.B. Verstopfung), daher solltet ihr damit vorsichtig sehen. Lysanda nimmt bspw. täglich eine Pille mit 50mg und hat damit innerhalb von einem Monat ihren Ferritinwert von 40µg/l auf 54µg/l gesteigert. Wem das zu hoch ist bzw. wer Probleme mit dieser Menge hat, der kann auch auf Kräuterblut zurückgreifen. Das wird aufgrund seiner niedrigen Dosierung meist besser vertragen.

Bei einem gravierenden Mangel solltet ihr hingegen über eine Eiseninfusion nachdenken bzw. euren Arzt explizit darauf ansprechen. Vorteil: Der Mangel wird innerhalb von wenigen Sitzungen behoben und ihr bekommt keine Probleme in Bezug auf euren Magen-Darm-Trakt. Nachteil: Die Infusion ist nicht frei von Nebenwirkungen. Genauere Informationen dazu findet ihr in dieser Studie. Es gibt mittlerweile sogar richtige Eisenzentren, die einem bei dem Thema weiterhelfen können oder ihr versucht es bei einem Heilpraktiker.

Ein persönliches Beispiel

Das war jetzt natürlich alles wieder sehr theoretisch. Deshalb noch einmal zurück zu Lysanda. Sie ist nicht nur eine Frau, sondern hat außerdem RLS in der Familie. Ein Krankheitsbild, das noch sehr unbekannt ist. Somit war sie Mitte des Jahres nicht überrascht, als auch bei ihr Symptome auftraten – erst nur zu Zeiten der Periode, dann aber immer häufiger. Nach Internetrecherchen zu den möglichen Ursachen (Hausarzt hat beim Begriff „RLS“ nur wie ein Reh im Scheinwerfer geguggt), stieß sie dann auf das Stichwort „Eisenmangel“. Seitdem nimmt sie, wie oben beschrieben, jeden Abend vor dem Schlafen gehen eine Tablette mit Eisen und eine mit Vitamin C. Und siehe da: Schon zwei Tage später waren die Beine wieder still und sie konnte vernünftig durchschlafen. Ihr allgemeiner Gemütszustand hat sich ebenfalls merklich verbessert. Zudem hat die Neurologin bei der wir zwischenzeitlich waren diesen Zusammenhang ebenfalls bestätigt.

Mehr Pillen als im Altersheim

Mehr Pillen als im Altersheim

Letzte Woche hatten wir kurz über die wichtige Rolle des Vitamin K2 im Zusammenspiel mit dem Vitamin D3 berichtet. Der perfekte Zeitpunkt also uns dem nach Vitamin C wohl bekanntesten Vitamin zu widmen. Jedes Kind weiß schließlich, dass es viel Sonne tanken sollte. Und das zu recht: Vitamin D spielt in unserem Körper eine immens wichtige Rolle und das nicht nur auf physischer, sondern auch auf psychologischer Ebene (Stichwort Winterdepression). Allein mit der Liste an Wehwehchen, die durch einen zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel (es muss noch nicht einmal offiziell als Mangel eingestuft worden sein!), würde mehrere Seiten füllen. Und doch wissen erschreckend wenige tatsächlich über dieses Vitamin Bescheid. Darunter nicht nur der Otto-Normalbürger, sondern leider auch viel zu viele Ärzte, die sich stattdessen auf den Normwerten des Labors ausruhen.

Wenn jemand von Vitamin D spricht, dann meint er damit übrigens immer Vitamin D3. Das ist das einzig natürliche der D-Vitamine und die Variante, die unser Körper selbst produzieren kann. D1, D2, D4 und D5 werden rein künstlich hergestellt und sind weniger effektiv als ihr Bruder. Sie dienen hauptsächlich der Pharmaindustrie um Geld zu scheffeln, da etwas Natürliches nicht patentiert werden kann. Also nicht davon täuschen lassen, wenn euch jemand Vitamin D2 als „veganes Vitamin D“ verkaufen will: Es taugt im Vergleich zu D3 viel zu wenig.

Woher kommt es?

Vitamin D3 ist für uns Menschen (und alle Tiere) extrem wichtig, deshalb kann es unser Körper wie erwähnt selbst produzieren – und das theoretisch in ausreichender Menge. Diese Produktion funktioniert aber leider nicht einfach so, denn unsere Haut braucht dazu etwas Motivation in Form von einer (ganz) großen Portion Sonne bzw. genauer UVB-Strahlen. Das ist auch die nachhaltigere Variante der Vitamin-D3-Produktion. Was ist also der übliche Rat? Einfach jeden Tag für eine Viertelstunde in die Sonne gehen und schwupps es ist genug Vitamin D3 vorhanden. Klingt einfach, oder?

Nun, wenn es tatsächlich so wäre, würde ich nicht hier sitzen und diesen Eintrag schreiben. Tatsächlich gibt es so einige zusätzliche Faktoren zu beachten:

Immer nur am Strand liegen?

Nur am Strand liegen ist auch nicht so gut.

  • Sonnenstand – Im Oktober bis März ist der Winkel hier in Deutschland zu flach, entsprechend kommen nur sehr wenig UVB-Strahlen an. Deshalb werdet ihr in diesen Monaten auch nur sehr schwer braun :smile: .
  • Warnungen vor Krebsrisiko – Zuviel in der Sonne baden soll das Krebsrisiko erhöhen.
  • Sonnencreme – Sonnenbrand ist doof aber wer sich einschmiert, blockt auch die UVB-Strahlen ab. Das ist besonders ungünstig, da ein hoher Vitamin-D3-Spiegel das Sonnenbrandrisiko senkt und zusätzlich gegen Sonnenallergie hilft.
  • Der Alltag – Wir halten uns die meiste Zeit in Räumen auf und die UVB-Strahlen werden durch eine tolle Erfindung der Neuzeit neutralisiert: Das Glasfenster.
  • Kleidung – Wir laufen nicht den ganzen Tag im Bikini herum. Selbst wenn wir mal in der Sonne sind, ist nicht genug Hautfläche für die Massenproduktion verfügbar.

Natürlich nehmen wir Vitamin D3 genauso durch die Nahrung auf aber zum einen ist es tierischen Produkten enthalten (weil die es genauso selbst produzieren). Zum anderen ist die enthaltene Menge im Vergleich zum Bedarf sehr gering. Nur Lebertran kann da wirklich mithalten aber wer will davon schon 300ml trinken, um seine Mindestdosis zu bekommen? Vom Auffüllen des Vitamin-D3-Spiegels ganz zu schweigen.

Wofür das Ganze?

Bevor wir jedoch darauf eingehen, wie ihr euren Vitamin-D3-Spiegel auf ein vernünftiges Level bringt, stellt sich freilich die Frage, was dieses Vitamin uns genau bringt. Ein paar Punkte hatte ich ja bereits angerissen aber gehen wir doch mal genauer darauf ein. Vorab sollte man allerdings wissen, dass es sich bei diesem Vitamin um ein sogenanntes Prohormon handelt. Es bildet also eine Vorstufe zu einem Hormon (Calcitriol), dass unser Körper an so gut wie allen Stellen braucht. Zum Beispiel führt ein chronischer Vitamin-D3-Mangel bewiesenermaßen zu Rachitis (Störung des Knochenstoffwechsels), Multiple Sklerose, Hypertonie (Bluthochdruck) und Osteoporose (Knochenschwund) sowie zu einem erhöhten Krebsrisiko. Darüber hinaus gibt es viele weitere Symptome, die auf einen Mangel hinweisen können:

Müde und Antriebslos (Symbolbild)

Müde und Antriebslos (Symbolbild)

  • (Winter-)Depressionen
  • Erschöpfung
  • Antriebslosigkeit
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Sonnenallergie
  • Muskelschwäche
  • Herzkreislaufstörung
  • Störungen des Immunsystems (Allergien)
  • Prämenstruelles Syndrom

Wie Anfangs erwähnt, würde eine komplette Liste den Rahmen sprengen. Aber die Auflistung zeigt sicherlich schon, wie weitreichend die Wirkung von Vitamin D3 ist und doch entsteht es nur im Sommer. Warum? Weil unsere steinzeitlichen Vorfahren – so wird zumindest vermutet – im Winter nicht genug Nährstoffe zur Verfügung hatten und entsprechend unser Körper nur auf Sparflamme laufen konnte. Im Sommer war dies ganz anders: Es war warm und es gab genug zu essen. Diesen Unterschied macht unser Körper am unterschiedlichen Vitamin-D3-Spiegel fest. Es konnte schließlich auch im Winter mal in der Höhle warm oder die Jäger erfolgreich sein. Heutzutage benötigen wir diese Unterscheidung natürlich nicht mehr, denn wir haben normalerweise das ganze Jahr genug zu essen und eine Heizung. Wir können also das ganze Jahr über Vitamin D3 gebrauchen.

Aufputschmaßnahmen

Halten wir noch einmal fest: Wir kriegen auf der einen Seite nicht genug Vitamin D3 durch die Sonne (Schätzungen sprechen von 90% der Bevölkerung) und zum anderen führt selbst ein leichter Mangel schon zu allerlei nicht ganz so lustigen Problemen. Was macht man also dagegen? Vermutlich erst einmal zum Arzt gehen. Doch wie ich oben schon erwähnt hatte, sind die meisten nicht besonders firm was Vitamin D3 angehet. Das führt dazu, dass erst einmal nur abgetan wird („Winterdepression – ist normal und hat jeder“), nur die Symptome behandelt werden („Eine Packung Kopfschmerztabletten gefällig?“) oder – wenn endlich mal ein Bluttest gemacht wird -, aufgrund der niedrigen Labornormwerte kein Mangel festgestellt wird. Was nicht heißt, dass es bei einem festgestellten Mangel so viel besser wird. Ärzte haben so viel Angst vor Vitamin D3, dass ihr maximal eine Dosis von 20.000 IE/IU (internationale Einheiten/international units) oder 500 µg pro Woche verschrieben bekommt (kleinere Dosen gibt es ohne Rezept) und zwar pauschal egal wie alt, groß, dick oder was auch immer ihr seid. Zum Vergleich: Wir nehmen 10.000 IE täglich ein, um unseren Level zu halten. In der Auffüllphase war ich sogar zehn Tage lang bei 90.000 IE pro Tag! Wenn ich das einem Arzt erzähle würde er vor Schreck tot umfallen.

Der Vitamin-D3-Rechner

Der Vitamin-D3-Rechner

Und damit sind wir schon beim Stichwort: Wie kommt ihr auf einen guten Wert? Nun, zu aller erst gibt es die Auffüllphase. Die fängt damit an, dass ihr zwei Wochen vor der ersten Einnahme von Vitamin D3 euren Magnesiumhaushalt auf Vordermann bringt, denn das Vitamin D3 will das Magnesium bevorzugt in die Knochen bringen und erzeugt dadurch einen Mangel an anderen Stellen, wenn nicht genügend Magnesium im Körper ist. Wie das mit dem Magnesium funktioniert, habe ich euch schon erzählt. Damit hört ihr auch nicht mehr auf, könnt es aber durchaus mit der Zeit etwas reduzieren (nur noch alle zwei Tage ein Fußbad zum Beispiel – einfach auf euren Körper hören). Nach den zwei Wochen nehmt ihr dann für ein paar Tage eine sehr hohe Dosis Vitamin D3. Damit füllt ihr quasi euren Speicher auf. Wie hoch diese Dosis genau ist, wie lange ihr sie nehmen müsst und wie viel ihr danach jeden Tag braucht, dafür gibt es beispielsweise hier einen praktischen Rechner. Der funktioniert so:

  • Euer aktuelles Gewicht eintragen
  • Euren jetzigen Vitamin-D3-Wert eintragen (wenn ihr ihn nicht wisst einfach 10ng/ml nehmen)
  • Euren Ziel-Wert für Vitamin-D3 eingeben (70-100ng/ml ist ein guter Wert – also am besten 80 für die Berechnung nehmen)
  • Blutspiegelerhöhung auf 140 stehen lassen
  • Verlustrate pro Tag (wie viel Vitamin D3 verbraucht ihr pro Tag – chronisch kranke oder Raucher sollten hier auf 1,5 setzen, alle anderen können ihn auf 0,83 lassen)
  • Auffülldauer (wie lange wollt ihr euch zum Auffüllen Zeit lassen – Standard sind 10 Tage)

Der Rechner spukt euch außerdem nach einem Klick auf „Vitamin K“ aus, wie viel Vitamin K2 für euch gut ist. Und keine falsche Angst: Eine Überdosierung von Vitamin D3 und K2 ist nur schwer beziehungsweise streitet man sich sogar darüber, ob es überhaupt möglich sei.

Der Bluttest

Habt ihr fleißig aufgefüllt und nehmt nun täglich eure Dosis Vitamin D3, K2 und Magnesium, könnt ihr nach vier Monaten mal zum Arzt gehen und einen Bluttest machen lassen. Erst dann hat sich der sogenannte Fließwert eingestellt, d.h. euer Speicher bleibt nun konstant auf diesem Wert. Euer Hausarzt macht diesen Test leider nur sehr ungern und lässt ihn euch auch noch gerne selbst bezahlen. Im Notfall, wenn der Arzt gar nicht will, gibt es Testsets für zu Hause zu kaufen oder ihr geht direkt zu einem freien Labor. Wichtig: Vor der Blutabnahme KEINE Nahrungsergänzungsmittel nehmen, erst danach. Ansonsten wird der Wert extrem hoch und damit nichtssagend sein.

Vitamin D3 10.000 IU

Vitamin D3 10.000 IU

Um besser zu verstehen, was die Blutwerte bedeuten, eignen sich die folgenden Richtwerte. Sie wurden auf dem Internationalen Vitamin D Kongress in Berlin definiert:

  • 30-50ng/ml (=75-125nmol/l) sind ausreichend
  • 50-70ng/ml (=125-175nmol/l) ist eine befriedigende Menge
  • 70-100ng/ml (=175-250nmol/l) solltet ihr haben
  • >200ng/ml (=500nmol/l) gilt als toxisch (es gibt aber auch Menschen, die diesen Wert erreicht haben und keine Probleme haben)

Zum Vergleich: Der normale Hausarzt sieht meistens einen Wert von 30ng/ml bereits als gut an, da er in der Norm liegt.

Weiterführende Informationen

Um am Ende mal eine persönliche Note reinzubringen: Ich nehme jetzt seit April fleißig meine Pillchen und kann definitiv so einige Verbesserungen feststellen. Ich werde schneller braun, kriege nur nach langer Zeit in der Sonne einen Sonnenbrand (und dann nur einen leichten), meine Depressionen sind besser geworden und auch grundsätzlich fühle ich mich in meiner Haut irgendwie wohler. Aber ihr müsst mir ja nichts glauben, deshalb hier noch ein paar weiterführende Links zum Thema:

Gesund in sieben Tagen von Dr. Raimund von Helden (Ratgeber eines Arztes, der viele Erfolge mit Vitamin-D3-Therapien hat)
Vitamin D – die alternative Gruppe (Facebook-Gruppe mit vielen Erfahrungsberichten sowie tiefergehenden Informationen)
Hochdosiert von Jeff T. Bowles (Selbstexperiment mit einer extrem hohen Dosis Vitamin D3)

Mehr Pillen als im Altersheim

Mehr Pillen als im Altersheim

In der letzten Folge hatten wir mit dem Magnesium ein Mineral behandelt, das wohl zu den bekanntesten Nahrungsergänzungsmitteln gehört, die man so kennt und das häufig genommen wird. Heute widmen wir uns – quasi als Kontrastprogramm – einer weniger bekannten aber nicht weniger wichtigen Gruppe von Vitaminen, den K-Vitaminen. Davon gibt es drei Stück:

Vitamine K1 & K3

Das unbekannteste K-Vitamin ist das K3, Menadion genannt. Warum es so unbekannt ist bzw. selten erwähnt wird ist ganz einfach: Es ist je nach Dosierung giftig für Menschen. Entsprechend wird der Einsatz dieses synthetisch hergestellten Vitamins – es ist also auch noch unnatürlich – bei Menschen komplett vermieden. Zumal es auf deren Blutgerinnungsfähigkeit laut diverser Studien keinerlei Einfluss hat. Nur im Haustierfutter ist es offiziell erlaubt, da hier wohl der gewünschte, positive Effekt auf die Blutgerinnung gegeben ist.

Für uns Menschen gibt es in der Hinsicht hingegen das Vitamin K1 (Phyllochinon). Haben wir davon zu wenig, gibt es Blutgerinnungsstörungen. Auch bei der Synthese diverser anderer Proteine zum Beispiel in der Niere oder Bindegewebe ist es wichtig. Unser Körper kann es nicht selbst herstellen aber ein Mangel kommt trotzdem nur relativ selten vor. Ausschließlich bei Neugeborenen (in der Muttermilch ist keines drin) ist es ein häufigeres Thema. Alle anderen erhalten mehr als genug K1 durch normales Essen. So reichen schon 25g Rosenkohl oder 3 Eier aus, um den täglichen Bedarf zu decken. Nahrungsergänzungsmittel sind hier also nicht notwendig.

Vitamin K2 – Der Weckdienst

Das Wichtigste der drei K-Vitamine ist das K2. Das produziert der Körper in der Darmflora zwar selbst, deckt damit aber nur circa die Hälfte des tatsächlichen Bedarfs obwohl vor allem die Knochen (und damit auch das Blut) extrem darauf angewiesen sind. K2 sorgt nämlich dafür, dass das Calcium aus unserem Blut in die Knochen gelangt indem es die entsprechenden Proteine aktiviert. Haben wir zu wenig K2, haben die Transportunternehmen zu wenig Mitarbeiter im Dienst und es kann nicht das komplette Calcium verschoben werden. Das ist dann so gelangweilt, dass es sich als Ablagerungen in den Adern bequem macht.

Eine Dose K2

Eine Dose K2

Wohin das führt, dürfte klar sein: Die Adern verstopfen (Arteriosklerose) und Schlimmstenfalls erleidet ihr einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Außerdem, was vor allem die Älteren unter uns kennen, kann Osteoporose entstehen – der Knochenschwund. Letzteres ist durchaus logisch, wenn man bedenkt, dass sich unser Skelette ungefähr alle sieben Jahre komplett erneuert und dazu viel Calcium benötigt. Ich kann schließlich kein stabiles Haus bauen, wenn mir die Hälfte aller Steine fehlt. Eine tiefergehende Erklärung für dieses ganze Zusammenwirken gibt es übrigens bei ZeitenSchrift.

Vitamin K2 – Der Wunderwirker

Leider lässt sich ein K2-Mangel nur sehr spät feststellen, da es wie erwähnt nur für den Knochenaufbau wichtig ist und der Körper gerade noch so viel produziert, dass er lebensfähig ist. Das heißt, ihr merkt es mitunter erst nach besagten sieben Jahren am Knochenschwund. Das Tolle an K2 ist allerdings: Dadurch, dass sich das Skelett regelmäßig regeneriert, könnt ihr nach Feststellung des Mangels euren K2-Vorrat aufstocken. Dadurch können die bis dahin angefallenen Ablagerungen teilweise reduziert werden, das Calcium kommt wieder besser in die Knochen und diese werden bis zu einem gewissen Grad wiederaufgebaut. Aber soweit sollte man es besser gar nicht kommen lassen. Was also tun?

Nun, abseits der vom Körper produzierten Menge, erhalten wir unser K2 vor allem durch tierische Produkte wie Fleisch und Käse. Somit haben vor allem Vegetarier und Veganer eher mit einem Mangel zu kämpfen als durchschnittliche Fleischesser. Es empfiehlt sich aber dennoch die Aufnahme von K2 durch Nahrungsergänzungsmittel zu erhöhen (wir nehmen täglich eine 1 Pille Goldman Vitamin K2 200µg), da die Fallzahlen zeigen, dass immer mehr Menschen vor allem unter starkem Knochenschwund leiden – Frauen mehr als Männer durch das Fehlen von Östrogen nach den Wechseljahren. Entsprechend wird durch eine normale Ernährung der tägliche Bedarf eben nicht gedeckt. Das gilt sowohl für die sehr niedrige Empfehlung von läppischen 60-70µg der DGE als auch die tatsächlich notwendigen 200-500µg. Erleichternd kommt hier dazu, dass unser Körper mit einer höheren Menge von K2 gut umgehen kann. Sprich was zu viel ist, wird einfach ausgeschieden. Es entstehen somit durch die Aufnahme von K2 keine Nachteile.

Und wenn ihr parallel noch hochdosiert Vitamin D3 zu euch nehmt, dann kommt ihr um K2 quasi endgültig nicht mehr vorbei. Da ist eine ausreichende Dosis K2 immens wichtig, denn durch Vitamin D3 wird das Protein Osteocalcin (transportiert das Calcium in die Knochen) produziert. Ist nicht genug K2 vorhanden, ist von diesem Protein zwar viel im Körper vorhanden, er kann es aber nicht aufwecken und zur Arbeit schicken. Sprich für den gesamten Kreislauf der Knochenregeneration muss vor allem genug D3, K2 und Calcium vorhanden sein. Zu Vitamin D3 und Calcium erzähle ich euch aber ein anderes Mal mehr.

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