Vor fast genau sechs Jahren habe ich euch an dieser Stelle erzählt gehabt welche Spielzeitschriften ich abonniert habe und warum. Doch die Zeit vergeht. Magazine werden eingestellt, Redaktionen ausgewechselt und, noch viel wichtiger, mein Geschmack verändert sich. Vor allem letzteres hat dazu geführt, dass ich von den fünf genannten Zeitschriften keine einzige heutzutage mehr lese.

Grundsätzlich lässt sich nämlich sagen, dass mich diese Art der Spieleberichterstattung mit ihren Vorschauen und ihren Tests mittlerweile absolut überhaupt nicht mehr interessiert — und zwar sowohl offline als auch online und egal in welcher Form (RockPaperShotgun-Flapsig oder GameStar-ernst). Ich schau mir höchstens bei The Escapist oder Gametrailers ein paar Videos an und blicke hin und wieder Total Biscuit über die Schulter. Das war es aber dann auch schon. Achievement Hunter, Zero Punctuation und wie sie alle heißen konsumiere ich zur Unterhaltung und nicht, um mich ernsthaft über einen Titel zu informieren.

Nur wenn ich mir tatsächlich unsicher bin, also meist bei einem Titel, den ich nicht ganz so gut einschätzen kann oder kenne, dann lese ich selbstverständlich auch mal die Testberichte. Einfach um ein Gefühl dafür zu bekommen und durchaus sogar dann auf Basis dessen eine Kaufentscheidung zu treffen. Aber abseits davon bin ich mittlerweile zu der Sorte von Leser geworden, die höchstens noch die Wertung anschaut.

Total ignorant

Nein, so wirklich rational begründen kann ich das nicht. Ich vermute es ist so eine Mischung aus „alles schon gelesen“ beziehungsweise „nichts mehr Neues für mich, da ich sowieso alle News dazu kenne“, „das Spiel liegt eh am Releasetag bei mir im Briefkasten, egal was irgendwer darüber in einem Test schreibt“, „auf die Meinung dieses und jenen Redakteurs/Magazins gebe ich sowieso nichts“ sowie der schlichten Tatsache, dass mich mittlerweile einfach mehr das Hintergründige (Reportagen, Porträts, Post-Mortems) interessiert. Mir ist natürlich klar, dass es äußerst paradox ist selbst quasi solche Inhalte zu produzieren und dann vehement die Sachen der anderen einfach zu ignorieren. Zumal ein Blick auf das Geschreibsel der Anderen auch einen gewissen Lernfaktor mit sich bringt (was macht der falsch, was macht er richtig, was könnte ich ihm abschauen, etc.). Aber am Ende des Tages stellt sich nun einmal mir genauso wie euch die Frage in was ich meine kostbare (Frei-)Zeit investiere. Und in Sachen Vorschau und Tests lesen ist für mich persönlich die Antwort ganz klar: Zeitverschwendung.

Womit wir wieder beim anfänglichen Thema wären: Wenn ich die Magazine von damals nicht mehr konsumiere, was lese ich denn dann derzeit so an Print-Erzeugnissen? Nun, ganz einfach. Diese hier:

Cover der englischen EDGEEDGE (englisch) – Im Prinzip könnte ich hier einfach wiederholen, was ich damals schon zur deutschen Übersetzung gesagt hatte. Nachdem diese leider sehr schnell wieder von Computec eingestellt wurde, bin ich nämlich zum Kauf der englischen Version übergegangen. Mir gefällt an der EDGE weiterhin fast alles und jedes Mal wenn die Mail kommt „Ihr Abo läuft aus, wollen Sie nicht ihr Abo verlängern?“ überlege ich da gar nicht lange und hau nochmal zwei Jahre drauf. Da wäre zum einen natürlich die immer noch sehr stylische Aufmachung des Hefts mit seiner Einfachheit innen (viel Freiraum für den Text) wie außen (auf manchen Covern ist nicht einmal das Logo der Zeitschrift auf den ersten Blick sichtbar!). Zum anderen aber selbstverständlich auch das äußerst hohe Niveau des Inhalts.

Von den meist sehr interessanten Kolumnen bis hin zu den hervorragenden Reportagen mit Post-Mortems, Studio/Entwickler-Porträts und generell dem Blick auf die Menschen, Tools und Businessseite der Medaille. Hier wird definitiv etwas Besseres geboten in jeder Hinsicht inklusive hochwertigem Papier und jede Ausgabe um die 150 Seiten mit vergleichsweise wenig Werbung und diese dann hauptsächlich für Tools und Entwicklerjobs und weniger für Spiele. Auch die Qualität der Schreibe ist höher als man es vielleicht sonst gewohnt ist, die Autoren werden aber weiterhin nur gesammelt im Impressum angegeben. Ihr wisst also nicht von wem jetzt welcher Text ist. Die Tests überfliege ich allerdings trotzdem meist nur beziehungsweise lese hauptsächlich nur die relativ neu eingeführten Hintergrundartikel (Ein Interview, ein Kommentar, eine Analyse, etc. — alles jeweils eine Seite nach dem Test). Und das alles für gerade mal sechs Euro (fünf britische Pfund) beziehungsweise aktuell bezahle ich sogar nur fünf Euro pro Ausgabe (inklusive Versand und so drin!).

Cover des englischen Game Developer MagazineGames Developer Magazine (englisch) – Das Hardcore-Branchenmagazin von Entwickler für Entwickler (die meisten Texte sind von Branchenleuten). Zumindest war es das mal. Mit der Ausgabe Juni/Juli 2013 wird es nämlich nach 19 Jahren leider eingestellt — sowohl offline als auch die digitale Variante. Geht stattdessen jetzt alles vollständig in Gamasutra über. Die Inhalte gehen also nicht verloren, aber dennoch ist es natürlich wie immer schade so ein Magazin vom Markt verschwinden zu sehen. Das Auszeichnungsmerkmal des Game Developer waren/sind (auf Gamasutra erscheinen sie ja weiterhin) vor allem die umfangreichen und zahlreichen Post Mortems (aktuell unter anderem zu FTL: Faster Than Light und XCOM: Enemy Unknown), die ich auch für meine Porträts immer gerne als Quelle hernehme. Diese sind nicht nur detaillierter als das, was EDGE anbietet, die Artikel stammen auch vom Entwickler selbst. Da kann man noch so viele Interviews führen, das ist einfach eine ganz andere Perspektive. Das bedeutet jetzt aber nicht, dass es Lobeshymnen sind. Ganz im Gegenteil gehen die Jungs schon durchaus kritisch mit sich selbst um.

Der Rest der rund 80 Seiten auf typisch amerikanischen Schlabber-Papier ist gefüllt mit Kommentaren über den Status der Industrie, Berichten über aktuelle Trends und auch Tipps & Tricks zu Entwickler-relevanten Themen. Letztere übersteigen dann aber selbst meine Kompetenz, wenn es wirklich tief in die Technik hineingeht (wie programmiert man am besten das und das etc. oder Vorstellungen von Tools). Selbst der Artikel in der aktuellen Ausgabe „Programmer, interrupted“ ist schon extrem wissenschaftlich. Darin wird analysiert wie es sich vermeiden lässt seine Coding-Sessions unnötig zu unterbrechen inklusive Erklärungen wie das Gehirn funktioniert, die Unterschiede zwischen den einzelnen Erinnerungsarten und was weiß ich noch. Sicherlich ganz interessant, aber ich verstehe da definitiv nur Bahnhof :smile: . Unterm Strich war es aber ganz klar ein sehr informatives Magazin und vor allem eines, bei dem es tatsächlich Sinn hatte es sich quasi als Nachschlagewerk ins Regal zu stellen. Aber immerhin gibt es ja noch zumindest noch online Gamasutra. Muss ich dort eben in Zukunft öfters vorbeisurfen.

Cover der deutschen Making GamesMaking Games (deutsch) – Im Prinzip das deutsche Equivalent zum Game Developer Magazine inklusive dem starken Fokus darauf die Entwickler selbst die Texte schreiben zu lassen. In Sachen Preis (6,90 Euro für 80-90 Seiten) liegt es auch ziemlich gleich auf. Definitiv keine billige Angelegenheit diese Heft, was aber natürlich auch an seinem Nischencharakter liegt. Die Qualität der Themen und Artikel schwankt außerdem ein wenig. In der aktuellen Ausgabe geht es beispielsweise um Let’s Plays, was prinzipiell natürlich aktuell hochinteressant für mich ist. Aber beim Lesen wurde mir dann doch schnell klar, dass das Ganze nicht sehr durchdacht und äußerst oberflächlich ist.

Lag vielleicht auch ein Stück weit an der Qualität der deutschen Let’s-Play-Szene an sich (die auch kräftig mitgemischt hat bei der Erstellung der Artikel), aber trotzdem fand ich beispielsweise das Kickstarter-Thema in der vorherigen Ausgabe wesentlich besser umgesetzt. Und das ist definitiv ein durchgängiges Problem des Magazins. Es fehlt ihm immer noch an der Konsistenz in Sachen Qualität einer EDGE oder eines Game Developer Magazine. Aber vorerst halte ich ihm weiter die Treue. Schon allein, um es zu unterstützen, dass es in Deutschland so ein Heft gibt. Außerdem kommen speziell natürlich deutsche Entwickler zu Wort, die man in den englischen Heften nur selten vorfindet (Yager Development mit Spec Ops: The Line und Crytek mit Crysis — und das war’s dann auch schon wieder).

Cover der englischen Retro GamerRetro Gamer (englisch) – GamersGlobal ist schuld. Bevor die deutsche Ausgabe ins Leben gerufen wurde, kannte ich die englische nicht. Und wäre die deutsche Fassung ein monatliches Heft, hätte ich vielleicht sogar sie abonniert. Aber an einer Übersetzung einer Sammelausgabe der englischen Fassung habe ich dann doch leider kein Interesse und greife lieber zum Original — inklusive dem britischen Blickwinkel auf die Themen.

Für 6,30 Euro (in England 4,99 GBP am Kiosk) gibt’s jeden Monat um die 120 Seiten auf hochwertigem Papier und größerem Format (größer als ein DINA4-Blatt) vollgestopft mit Retro-Themen (logischerweise). Sie berichten zwar auch unter dem Namen „Future Classics“ über mehr oder weniger aktuelle Titel, aber das Hauptaugenmerk liegt definitiv auf Hintergrundberichten und „Tests“ zu den mehr oder weniger bekannten Klassikern und der damit verbundenen Hardware. Dazu gehören natürlich auch ausführliche Interviews mit den Leuten dahinter sowie sehr viel Nostalgie von Seiten der Redakteure („Ich hab‘ das damals so erlebt:“). Letzteres ist ein zweischneidiges Schwert und kann unter Umständen auch nerven im ein oder anderen Artikel (Hör auf der Vergangenheit nachzuweinen!). Das größere Format des Hefts kommt hingegen bei den Screenshots dann voll zur Geltung. Egal wie Pixelig: Es wird sehr oft ganz groß aufgezogen und dominant in den Vordergrund gestellt, was ich persönlich sehr cool finde. Man muss aber dennoch ganz klar sagen: Das Heft ist was das Layout angeht doch sehr stark überladen und hat auch keinen eindeutigen Look. Stattdessen passt es sich sehr stark den Inhalten an. Das ist nicht jedermanns Sache und auch ich finde es stellenweise äußerst unübersichtlich. Unterm Strich hält es mich aber genauso wenig wie die anderen Negativpunkt nicht vom Lesen ab.

Cover der englischen EDGERetro (deutsch) – Das Abo läuft nur noch bis Ende Juni. Habe es jetzt doch endlich mal gekündigt. Zu zahlreich sind die inhaltlichen Fehler (angefangen von offensichtlichen Schreibfehlern bis hin zu tatsächlich falschen Fakten), zu Dilettant die Aufmachung und zu oberflächlich die Inhalte. Ja, das Heft stammt von einem kleinen Verlag und wird wohl vor allem von Retrofans mit nicht unbedingt der großen journalistischen Erfahrung produziert. Deshalb habe ich ihm wohl auch so lange die Treue gehalten und über die Probleme hinweggesehen. Aber im Vergleich zur Retro Gamer erwarte ich einfach für 6,95 Euro bei um die 90 Seiten dann doch etwas mehr als nur Großformat und hochwertige Seiten. Zumal das Heft in den letzten Monaten seinem Titel gar nicht mehr richtig gerecht wurde. Was hat zum Beispiel Micky Epic 2: Die Macht der Zwei auf einem Retro-Heft auf dem Cover zu suchen?

Das einzige, was das Heft immer noch etwas von der Konkurrenz abhebt sind die Berichte über die Szene an sich. Meist wird ja nur über die Spiele und so berichtet (wobei die Retro Gamer auch einen Blick auf die Home Brew Jungs wirft). In der Retro wurde auch jedes Mal ein Blick hinter die Kulissen geworfen. Was machen die Retrofans derzeit so (LANs, Museen, Events, etc.) und auch was es so an Neuerungen gibt (neue Hardware-Mods beispielsweise). Das ist ganz interessant. Aber für mich reicht das nicht aus, um die dicken inhaltlichen Probleme zu kaschieren. Und das dickste ist schlicht und einfach, dass das Heft zwar den Namen „Retro“ trägt aber mittlerweile nicht mehr viel Retro drinsteckt.

Cover der deutschen elektrospielerelektrospieler (deutsch) – Das Abo läuft nur noch bis Ende des Jahres (Kündigungszeitpunkt verpasst…). Stammt vom gleichen Verlag wie die Retro und war das absolute Hype-Heft als es 2009 auf den Markt kam. Die Elite-Blogger waren total begeistert (vermutlich, weil ein paar von ihnen Texte dafür verfassen). Der Fokus sollte auf die Ästhetik der Spiele liegen, sprich großformatige und ganzseitige Screenshots sowie auf einer inhaltlich anspruchsvollen Behandlung der Spiele. Sprich das, was Herr Christian Schmidt sich so sehr in seinem Spiegel Online-Kommentar so wünschte. Entsprechend hab‘ ich mir letztes Jahr mal ein Abo gegönnt, um zu schauen was es damit tatsächlich auf sich hat.

Tatsächlich kriege ich für die fünf Euro (ca. 90 Seiten) nichts anderes als eine Hochglanzbroschüre mit Texten, die sich irgendwo zwischen Test- und bemüht pseudo-philosophischen Erlebnisbericht einordnen. Was daran intelligent sein soll, der Slogan des Hefts ist „Das intelligente Games-Magazin“, entzieht sich mir meistens. Hier und da gibt es natürlich schon Lichtblicke je nach Autor, aber da wären wir wieder beim Thema der Konsistenz. Immerhin: Zahlreiche große Bilder mit einem starken Fokus auf Renders und Konzeptzeichnungen gibt es definitiv. Aber für ein Bilderbuch mit Herstellerbildern bezahle ich dann doch nicht unbedingt Geld, wenn es nicht gerade Alice heißt oder einer Collector’s Edition beiliegt. Da schaue ich lieber bei Kotaku und ihrer Fine Art-Ecke vorbei.

Das sind also die fünf Magazine, die ich derzeit noch im Abo habe. Dank meiner Abo-Kündigungen und der Einstellungen des Game Developer Magazines bleiben am Ende des Jahres aber nur noch zwei Heft übrig (EDGE und Retro Gamer). Glaube auch nicht, dass da in nächster Zeit noch was hinzukommen wird.

Nun aber die Frage an euch: Wie sieht es aus? Kriegt ihr noch regelmäßig ein Stück toter Baum geliefert beziehungsweise kauft es am Kiosk, oder habt ihr dem Thema mittlerweile schon komplett abgeschworen?

Am Donnerstag war so ein komischer Typ namens Azzkickr bei mir und hat mich nicht nur dazu genötigt ihm ein paar Spiele zu zeigen, sondern er wollte auch noch ein bisschen selbst spielen. Was für eine absolute Unverfrorenheit! Bin ich etwa eine Videothek oder was?! Und dann kauft er sich die Sachen vermutlich nicht einmal. Solche Leute habsch dodal gefresse! Erst in de Lade komme, stundenlang beraten lassen und dann einfach wieder weggehen. Eine Frechheit sondersgleichen! Immerhin hat er die Einstellungen meiner Soundanlage auf Vordermann gebracht. Ist ja zumindest etwas Wiedergutmachung. :smile: .

Disclaimer: Die folgenden Aussagen in den Klammern sind keine Originalzitate von Azzkickr. Es handelt sich hier um reine und völlig freie Interpretationen seiner Aussagen durch den Webmaster. Bagdadsoftware übernimmt keine Garantie für die Richtigkeit und bittet stattdessen Azzkickr in den Kommentaren seine tatsächliche Meinung zu hinterlassen.

Gesehen und gespielt hat er übrigens auf der Xbox 360 SSX („Viel zu viele Buttons AAAAAH.“) Sonic & All-Stars Racing Transformed („Putzig.“), Forza Horizon („Scheiß Amis mit ihren scheiß Karren.“) und Rockstar präsentiert Tischtennis („Ich sitz hier und spiel Tischtennis. Unfassbar.“). Am PC hab‘ ich ihm dann noch Lucius (indiziert, deswegen hier keine Aussage), Choplifter HD („Joa…ist halt ein Spiel, ne?“) und The Binding of Isaac („Ich müsste so langsam mal heim.“) gezeigt, bevor der Tag auch schon wieder rum war und ich vom ganzen Spielen total feddich. Da kam es ganz passend, dass ich ein paar neue Bücher auf dem Nachttisch liegen hatte mit denen ich mich erholen konnte. Wie? Mein Schrank ist sowieso noch voll mit ungelesenen Büchern? Ähm…die sind für Regentage. Außerdem geht es in den neu eingetroffenen toten Bäumen um Videospiele:

Achtung: Alle besprochenen Bücher liegen derzeit nur auf Englisch vor!

Killing is Harmless: A Critical Reading of Spec ops: The LineKilling is Harmless: A Critical Reading of Spec ops: The Line (Brendan Keogh, 2012, $4,99+, 177 Seiten, nur digital erhältlich)„[…]But almost immediately I came across a problem: I want to say more about The Line than I could fit into one or even several essays.[…] I realised it was practically impossible to take any one segment or scene of the game and write about it in a vacuum, separate from the rest of the game.“ — So begründet der Autor seine Entscheidung das Buch zu schreiben. Zu Recht, wie ich finde. Spec Ops: The Line hat so viele Details, so viele Nuancen, so viele mehr oder weniger subtile Andeutungen, die oft erst später im Spiel einen Sinn ergeben und weit über das eigentliche Spiel hinausgehen (Hauptmenü, Soundtrack, Ladebildschirm). Da macht es wenig Sinn sich nur eine Szene herauszupicken und sie zu behandeln. Nach dem Vorwort erwartet euch entsprechend eine Art Walkthrough des Spiels.

Gestützt auf zahlreiche Analysen anderer Redakteure sowie Interviews mit dem Lead Writer Walt Williams, interpretiert Brendan den Titel vom Start im Hauptmenü bis zum Ende auf dem Balkon des Hochhauses (bzw. dem Epilog). Was versteckt oder könnte sich zumindest hinter allem verstecken (der Autor ist sich der Gefahr des Überanalysierens durchaus bewusst und geht auch konkret an den entsprechenden Stellen darauf ein)? Was ist die tiefere Bedeutung der einzelnen Szenen und Szenenbestandteile und den Entscheidungen, die ihr treffen könnt? Was soll der Spieler denken und fühlen? Wo liegt die Kritik am Shooter-Genre im speziellen und der Spielebranche sowie der Gesellschaft im Allgemeinen? Und wo sind die Parallelen zum Buch Heart of Darkness und dem Film Apokalypse Now? Das alles und noch viel mehr gibt es auf den 177 sehr interessant zu lesenden Seiten. Leider enthält das Buch nur sehr vereinzelt Screenshots, was es hier und da etwas schwer macht (speziell für denjenigen, der das Spiel nicht gespielt hat), genau nachzuvollziehen was der Autor jetzt eigentlich gerade auf dem Bildschirm sieht. Das trübt den sehr guten Gesamteindruck aber nur unwesentlich.

Bagdadsoftware meint: Ich hab‘ Spec Ops: The Line zweimal durchgespielt und dachte eigentlich das meiste gesehen zu haben. Aber das Buch hat mir gezeigt, dass das überhaupt nicht stimmt. Vom Stop-Schild am Anfang des Spiels, bei dem man sich eigentlich keine großen Gedanken macht, dem versandeten Werbeplakat, dem man keine Aufmerksamkeit schenkt und den Schaufensterpuppen, die hier und da im Hintergrund erscheinen und erneut die Frage über den Status von Walker in den Raum werfen (Ist er tot? Ist er der Erzähler? Sind es Halluzinationen?) über das Abspielen der lizensierten Lieder deren Texte überraschend gut zur Situation passen oder gar kommendes vorhersagen, die Wahl des Synchronsprechers (Nolan North, unter anderem Drake aus der Uncharted-Serie), und dem grundsätzlichen Aufbau der einzelnen Kapitel hin zu den Gesprächen und Motivationen aller Beteiligten und gar dem Auftauchen der Achievementhinweise (!!) — Wer Spec Ops: The Line wirklich verstehen möchte, der kommt um Killing is Harmless nicht herum und erhält gleichzeitig haufenweise Links auf Texte und Interviews anderer Autoren, um sich noch tiefer in die Materie hineinzusteigern.

Definitiv eine äußerst interessante und absolut empfehlenswerte Lektüre. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass sie für jeden Spec Ops: The Line-Spieler Pflicht sein sollte. Noch mehr als das eigentliche Spiel regt sie zum Nachdenken und Diskutieren an. Ich empfehle allerdings vorher Spec Ops: The Line durchzuspielen. Schon alleine aufgrund der logischerweise unzähligen Spoiler. Und ich muss es jetzt nach der Lektüre auf jeden Fall ein drittes Mal mit noch offeneren Augen durchspielen. Ach und außerdem muss ich immer noch das Reh in dem einen Level erschießen für das Achievement :smile: .

Hardcore Gaming 101 presents: SEGA Arcade Classics Volume 1 SEGA Arcade Classics Volume 1 (Kurt Kalata, 2012, 8,55 [s/w] bzw. 21,39 [Farbe] Euro, 168 Seiten) – Vor fast einem Jahr hatte ich euch an dieser Stelle das erste Buch der Webseite Hardcore Gaming 101 vorgestellt. Ging es damals noch um Adventures, beschäftigt sich das neue Werk mit über 70 Arcade-Titeln von SEGA aus den 80igern und 90igern. Nein, nicht Spielen, die ausschließlich in Spielhallen verfügbar waren. Das Genre ist gemeint. Euch erwarten unter anderem Shinobi, Alex Kidd, OutRun, Space Harrier, Golden Axe inklusive ihrer Nachfolger sowie ein mittellanges und erneut eher vernachlässigbares Interview mit Ryuichi Nishizawa (Wonder Boy).

Das System ist das Gleiche wie in der ersten Veröffentlichung der Seite: Der Autor schreibt im Prinzip einen kleinen Test über das jeweilige Spiel und zieht gleichzeitig aber auch Vergleiche zur damaligen Konkurrenz und setzt es in einen historischen Kontext. Was hat der Titel gut gemacht, warum ist er in Erinnerung geblieben und dergleichen. Dabei hat er aus den Fehlern von The Guide to Classic Graphic Adventures durchaus gelernt. Schon die Verarbeitung ist wesentlich hochwertig. Zwar gibt es das Buch auch weiterhin in einer wesentlich billigeren Schwarz/Weiß-Version bei der man nur wenig auf den Bildern erkennt, ihr könnt aber auch zur Farbfassung greifen in der dieses Mal die Screenshots auch tatsächlich zur Geltung kommen. Auch die Anzahl der Bilder wurde drastisch erhöht. Sogar Vergleichsbilder zwischen den einzelnen Portierungen gibt es hin und wieder anstatt nur einem unübersichtlichen Absatz voll Text.

Inhaltlich erscheint das Buch zudem sauberer. Ihr erinnert euch: Im ersten Machwerk las man mitunter sehr deutlich ein mangelndes Interesse beziehungsweise die Vorurteile des Autoren aus den Texten heraus. Das ist dieses Mal anders, was allerdings durchaus auch an der Spieleauswahl liegen kann. Es werden nun einmal vorwiegend Toptitel aus der „Goldenen Ära“ behandelt. Und da ist der Autor definitiv in seinem Element. Gleichzeitig muss ich allerdings Einschränken, dass ich selbst maximal ein halbes Dutzend der erwähnten Spiele tatsächlich selbst gespielt habe. Entsprechend kann ich nicht beurteilen, inwieweit er doch wieder Mist erzählt.

Bagdadsoftware meint: Ich mag Hardcoregaming101.net. Die dort veröffentlichten Texte unzähliger Autoren geben mir nicht nur Einblicke in Spiele und Serien, die ich mangels Hardware nie gespielt habe. Ich erfahre in den Reports auch immer wieder mal was Neues zu Titeln, die ich dachte bereits in- und auswendig zu kennen. Entsprechend finde ich das zweite gedruckte Werk wieder sehr interessant und informativ. Der Preis für die gedruckte Farbversion ist mit fast 22 Euro natürlich kein Pappenstil, ja fast schon Wucher, vor allem da das wesentlich dickere Buch The Guide To Classic Graphic Adventures genauso viel kostet. Aber wer sich für Retro interessiert und mehr über seine Lieblingstitel oder Anregungen fürs Reinschnuppern sucht, der macht mit dem Kauf erneut nichts falsch.

Supercade: A Visual History of the Videogame Age 1971-1984Supercade: A Visual History of the Videogame Age 1971-1984 (Van Burnham, 2001, 29,80 Euro, 448 Seiten) – Das Buch ist bereits vor 12 Jahren erschienen, das macht aber nichts aus. Wie der Name bereits verrät, geht es nämlich um die Zeit von 1971 bis 1984, also dem ersten Videospielezeitalter. In den einzelnen Kapiteln bespricht die Autorin die in diesem Jahr veröffentlichten Systeme sowie die bekanntesten beziehungsweise einflussreichsten Spiele aus dieser Zeit.

Anders als bei im obigen Buch von Hardcore Gaming 101, geht es in Supercade ausschließlich um den historischen Kontext. Zwar werden natürlich die Spiele und Systeme auch soweit beschrieben, dass man weiß um es sich handelt. Es geht aber vor allem darum aufzuzeigen wie sie entstanden sind, was sie einzigartig macht und welche Bedeutung und Auswirkungen hatte. Entsprechend viele O-Töne und Vergleiche finden sich in den gut und verständlich geschriebenen Texten. Das alleine macht das Buch bereits sehr interessant und lesenswert.

Doch im Untertitel des Werks heißt es „Visual History“ und es ist im Fotobuchformat auf hochwertigem Glanzpapier gedruckt. Der Text ist also eigentlich gar nicht so wichtig. Stattdessen sind die absoluten Highlights auf den 448 Seiten die großformatigen und teilweise sogar doppelseitigen Bilder ohne viel Text daneben. Sie zeigen Screenshots aus den Spielen (die trotz der sehr hohen Auflösung absolut scharf sind), Fotos der Hardware, Firmenlogos, sowie Auszüge aus den damaligen Werbekampagnen und geben euch so einen noch buchstäblich beeindruckenden Einblick in die damalige Zeit. „[…]A great deal of what fueled the „golden age“ of videogames in the early eighties was the fact that the aesthetic of games permeated everything all at once — video arcade, movies, fashion, television, technology, music, and media. I imagined a book that captured all of this – a book that reflected the neon-drenched dynamic of the videogames as well as their culture[…]“ schreibt Van Burnham im Vorwort und erfüllt auf den kommenden Seiten ihre hochgesteckten Erwartungen vorbildlich.

Bagdadsoftware meint: Supercade ist ein besonderes, visuelles und absolut empfehlenswertes Erlebnis. Die 30 Euro sind ein fairer Preis für das Gebotene und dessen hohe Qualität. Während ein Buch wie The Ultimate History of Video Gamesy zwar noch tiefgründiger ist und inhaltlich sicherlich noch mehr zu bieten hat, spielt sich dort alles nur im Kopf ab und ich werde als Leser nicht so richtig in diese damalige Zeit hineingezogen. Van Burnhams Werk ist da anders. Es ist ein Buch, bei dem bereits das Blättern Spaß macht und so mein Interesse weckt mehr darüber zu erfahren. Es sind die Bilder, die zum Lesen verleiten. „Was ist das für ein Spiel/System? Was hat es mit dieser Werbung auf sich?“ frage ich mich dann und ehe ich mich versehe habe ich wieder mehr erfahren über die ersten 13 Jahre der Videospielegeschichte. Sehr cool.

Jetzt wisst ihr also, was ich in den letzten vier Tagen so gelesen habe. Ab heute muss ich ja leider wieder Arbeiten (wie viele andere auch). Die drei Wochen Urlaub sind schon wieder rum. Da wird es mit dem Lesen vermutlich erst einmal wieder etwas weniger werden. Dennoch natürlich auch die Frage an euch: Irgendwelche empfehlenswerten Bücher über Spiele im Regal stehen abseits eines Masters of DOOM?

Spiele hier, Spiele da. Immer nur Spiele. Das kann ja nicht angehen. Da muss man was gegen tun, sag‘ ich! Und da ein Extrem nur durch ein anderes Extrem ausgeglichen werden kann (behaupte ich jetzt einfach mal), geht es im heutigen Eintrag gleich um drei Sachen, die überhaupt nichts mit Spielen zu tun haben.

Der Film

Zuerst widmen wir uns einem 46 Jahre alten Film, der sich mal wieder mit einem realen Ereignis aus dem zweiten Weltkrieg beschäftigt. Statt der Schlacht von Pearl Harbor oder dem D-Day, geht es hier jedoch um eine nicht ganz so allgemein bekannte Begebenheit, da sie nicht ganz so immens große Auswirkungen auf den Kriegsverlauf hatte: Die finale Schlacht des deutschen Panzerschiffs Admiral Graf Spee vor dem Rio de la Plata.

Panzerschiff Graf SpeePanzerschiff Graf Spee (Orig.: The Battle of the River Plate, 1956) – Die Admiral Graf Spee war eines von drei Kriegsschiffen, die Deutschland nach der Niederlage im 1. Weltkrieg bauen durfte. Sie wurde 1936 in Dienst gestellt und wurde noch vor Beginn des Krieges in den Südatlantik geschickt. Hitler rechnete fest damit, dass England nach der Invasion von Polen in den Krieg eintreten würde und da England nur über das Meer versorgt werden konnte, wollte er schon frühzeitig dafür sorgen, dass die Nachschubwege lahmgelegt werden würden.

Ein Mittel dafür waren die U-Boote, das zweite die mächtigen Panzerschiffe mit einer Geschwindigkeit und Bewaffnung, die zu diesem Zeitpunkt von keinem anderen seefahrenden Land übertroffen werden konnte. Entsprechend erfolgreich verlief anfänglich die Kaperfahrt nach Kriegsausbruch am 1. September 1939. Insgesamt neun Schiffe mit einer Tonnage von über 50.000 BRT wurden bis Anfang Dezember von ihr versenkt. Der Film beginnt mit dem Untergang der Africa Shell, Schiff Nr. 6, und der Gefangennahme ihres Kapitäns und macht dann einen kleinen Zeitsprung zur finalen Treibstoffbefüllung durch die Altmark. Statt jedoch den Treibstoff zu nutzen, um direkt nach Deutschland zurück zu reisen, fuhr Kapitän Langsdorff nach Südamerika.

Die Schlacht vor dem Rio de la Plata

Natürlich blieb die Graf Spee (im Film dargestellt durch den US-Kreuzer USS Salem), trotz aller Tarnung — sie fuhr unter wechselndem Namen und Beflaggung — dem Gegner nicht verborgen. Dieser wiederrum, zumindest zeigt es so der Film (tatsächlich fand das dargestellte Treffen nie statt, es dient nur dazu den Zuschauer die Sachlage zu erklären), ahnte den nächsten Zug von Langsdorff voraus und legte ihm in der Mündung des Rio de la Plata an der Ostküste Südamerikas eine Falle. Beteiligt waren die HMS Achilles (spielt sich tatsächlich selbst!), die HMS Exeter (dargestellt durch die HMS Jamaica) und die HMS Ajax (dargestellt durch die HMS Sheffield).

Ja, die Seeschlacht wurde tatsächlich nicht nur mit echten Schiffen nachgestellt, sie läuft in den ersten Minuten sogar in Echtzeit so ab, wie in den Protokollen damals festgehalten. Doch leider geht der Film hier dann trotz allem Realismusanspruch nicht weit genug: Die Aufnahmen von den Brücken der Schiffe wurden in den Pinewood Studios in London getätigt. Sie wirken entsprechend deplatziert und teilweise sogar surreal, da ihr immer nur einen Blickwinkel gezeigt bekommt. Geht ja auch nicht anders, schließlich würde man ja sonst merken, dass auf der anderen Seite eben keine Schiffe sind. Vom komischen Gespritzte des Wassers im Hintergrund ganz zu schweigen. Da der Film nicht in Schwarz/Weiß gedreht wurde, fällt dieses Problem noch stärker auf. Nichtsdestotrotz ist die 15-Minütige Schlacht ganz klar der Höhepunkt des Films, obwohl die Spannung nicht durch unzählige Explosionen, sondern vornehmlich durch die Dialoge erzeugt und aufrechterhalten wird.

Einseitig

Bild aus Panzerschiff Graf SpeeSchade nur, dass alles ausschließlich aus Sicht der Alliierten gezeigt wird. Die Deutschen kommen nach Akt 1 nicht mehr wirklich zur Geltung. Dabei war nicht nur die Admiral Graf Spee an sich interessant, sondern auch ihr Kapitän Hans Langsdorff. Seine Darstellung im Film ist nämlich keineswegs übertrieben. Er war wohl auch im wirklichen Leben kein böser Nazi (selbst bei der Beerdigung der Toten nach der Schlacht hat er keinen Hiltergruß gemacht), sondern Gentleman und Seemann, der sowohl seine Mannschaft als auch seine Gefangenen mit gebührendem Respekt behandelte und ihr Wohl über alles stellte. Die überlebenden Besatzungsmitglieder bewundern ihn noch heute.

Doch das hat alles nicht viel genützt. Zwar konnten die Alliierten die Graf Spee bei Rio de la Plate nicht versenken und diese ins neutrale Montevideo fliehen. Aber das Land gab dem Kapitän nur 72 Stunden, um die nötigsten Reparaturen durchzuführen und dann wieder auf die hohe See zu verschwinden. Dort warteten die Engländer auf ihn. Theoretisch hätte die Flucht wohl gelingen können, aber die Briten verbreiteten absichtlich unverschlüsselt, dass sich noch wesentlich mehr Schiffe in der Zwischenzeit eingefunden hätten. So blieb Langsdorff keine andere Wahl als dafür zu sorgen, dass das Schiff nicht in feindliche Hände fällt. Er ließ den größten Teil der Crew in Montevideo vom Schiff gehen und die wichtigsten Bauteile zerstören, fuhr zum Ende der Deadline aus dem Hafen, schlich sich zusammen mit der übrigen Mannschaft von Bord und versenkte das Schiff dank mehrerer strategisch platzierter Sprengladungen.

Das Schiff liegt bis heute im nur acht Meter tiefen Wasser und wird seit 2004 Stück für Stück abgebaut, da es den Schiffsverkehr behindert. Langsdorff beging hingegen kurze Zeit später Selbstmord. Ob auf Befehl oder aus anderen Gründen ist nicht genau bekannt und dieser Abschnitt wird auch im Film nicht gezeigt. Er endet mit einem letzten Dialog zwischen dem Kapitän der Africa Shell und Langsdorff. Aber auch dieser dritte Akt ist spannend gestaltet und vermittelt sehr gut, wie der Verhandlungspoker zwischen allen Beteiligten abgelaufen ist und welches Großereignis die Ankunft der Graf Spee im Hafen für die Stadt war.

Die Technik

Positiv zu erwähnen ist auch noch, dass die Blu-Ray-Fassung komplett restauriert worden ist und wirklich sehr gut aussieht. Satte Farben, scharfe Bilder und für so einen alten Film vergleichsweise wenige Artefakte dominieren das Bild. Leider wurde diese Sorgfalt nicht auch auf den Ton übertragen. Der wurde anscheinend überhaupt nicht angefasst und ist entsprechend stark verrauscht und dumpf, was vor allem in den Gefechtsszenen das Verständnis erschwert.

Bagdadsoftware meint: An die Qualität eines Der längste Tag, Das Boot oder Tora! Tora! Tora! kommt Panzerschiff Graf Spee nicht ganz heran. Dafür ist die Sicht der Dinge dann doch zu Einseitig und stören die Studioaufnahmen zwischendrin zu sehr das Gesamtbild.

Dennoch merkt man denke ich daran, dass ich vornehmlich die Geschichte des Schiffs wiedergegeben habe, dass der Film wie viele aus dieser Zeit ein richtig guter und vor allem authentischer Kriegsfilm ist, der keine Seite unrealistisch weit hervorhebt, sondern sich soweit wie möglich an die Fakten hält — und dabei trotzdem sehr spannend ist. Diese Art von Dokudrama gibt es heutzutage aus mir unbekannten Gründen einfach nicht mehr. Entweder es wird nur eine richtige Dokumentation oder es ist patriotischer Mist ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Abläufe.

Wer sich für die Geschichte der Admiral Graf Spee oder allgemein für diese Art von Kriegsfilm interessiert und mit dem gemächlicheren Tempo solch älterer Produktionen kein Problem hat, der muss sich diese 2 Stunden entsprechend unbedingt anschauen. Allen anderen bleibt wohl nur die Filmumsetzung des gleichnamigen Brettspiels Battleship, wenn sie eine effektreiche Seeschlacht sehen wollen.

4 von 5 Sics

Das Buch

Ich hab‘ aber in letzter Zeit nicht nur ein paar Filme geschaut (und viele Spiel gespielt), sondern auch meinen Nachttisch mal wieder etwas abgearbeitet. Darauf lag auch ein Buch, das mich schon länger stark interessiert hat. Zahlreiche andere, halb angefangene Bücher verhinderten aber bislang, dass ich mich ihm widmete. Ich würde aber diese Zeilen natürlich nicht schreiben, wenn ich es nicht doch mittlerweile geschafft hätte es durchzulesen. Hier entsprechend der Erfahrungsbericht:

JPodJPod (Douglas Coupland, 2006) – In seinem Review bezeichnete der englische Guardian das Buch als das „Microserfs der Google Generation”. Und tatsächlich finden sich viele Parallelen zwischen JPod und Couplands Werk von 1995, in dem die Hauptrolle eine Gruppe von Microsoft-Entwicklern spielt. Dieses Mal geht es jedoch um das Leben einer Handvoll von Spieleentwicklern, die bei einer fiktiven Firma an einem Skateboard-Spiel namens „BoardX“ arbeiten und sich ein eigenes Büro teilen. Und da alle Beteiligten einen Nachnamen beginnend mit dem Buchstaben „J“ haben, heißt dieses Büro „JPod“.

Verwirrend, komisch, anders

Wie es sich für einen Roman von Douglas Coupland gehört, hört sich die Prämisse im ersten Moment normaler an, als sie tatsächlich ist. Allein die Szenen im JPod werden mit Fortschreiten der Handlung immer absurder und zeichnen das Bild einer fremdgesteuerten Gruppe von Leuten, die zwangsweise miteinander auskommen muss und sich mit allerlei Blödsinn von der Tatsache ablenkt, dass ihre Anwesenheit in der Firma vollkommen unwichtig ist und das obere Management völlig blödsinnige Entscheidungen trifft. Da werden Liebesbriefe an Ronald McDonald verfasst, seitenweise Zahlenreihen ausgedruckt, in denen man ohne Suchfunktion die eine Abweichung gefunden werden soll und eine Umarmungsmaschine für autistische Entwickler gebaut.

Und an allem darf man als Leser live teilhaben. Egal ob es Spammails, Wörterlisten, E-Mails oder besagte Zahlenreihen sind: Alles ist, wie schon bei Microserf, auch tatsächlich auf den 576 Seiten abgedruckt, um dem Leser das Gefühl zu geben selbst Teil des JPods zu sein. Dazwischen erwarten einen mit Pop-Culture-Referenzen durchzogene, mitunter sehr satirische Dialoge sowie die eigentliche Geschichte.

Keine Komödie

Die Geschehnisse innerhalb des JPods sind nur die Spitze des Eisbergs. Was speziell der als zentraler Hauptcharakter agierende Ethan Jarlewski so im Laufe der Zeit erlebt, ist eine Verrücktheit nach der anderen. Dabei ist er noch der Normalste aller Charaktere. Bestes Beispiel ist John Doe, ein vollkommen durchschnittlicher Typ und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Als Kind von lesbischen Eltern das Opfer einer abnormalen Erziehung, versucht er die ersten Jahre seines Lebens dadurch zu kompensieren, dass er in allen seinem Tun es dem amerikanischen Durchschnitt nachmacht.

Cover von MicroserfsTrotz der schrägen Situationen und Charaktere, driftet das Buch jedoch zu keinem Zeitpunkt in eine Komödie ab. Coupland gibt die Geschichte mit einem absolut ernsten Gesicht und tut so, als wäre die ganze Sache ganz normal. Da geht es selbst nach einem Mord im eigenen Elternhaus nur um die Frage, wie man am besten die Leichte wegschafft. Aber was will man von einer Familie erwarten, wo der mit dem eigenen Bruder befreundete chinesische Sklavenhändler der beste Kumpel ist, den man haben kann. Das Ganze geht soweit, dass sogar Douglas Coupland selbst eine wichtige Rolle im weiteren Verlauf der Geschichte übernimmt — vom Hauptcharakter als arrogantes Arschloch dargestellt.

Bagdadsoftware meint: Douglas Coupland hat schon immer seinen ganz eigenen, sehr experimentellen und teils auch sehr verwirrenden Stil. Doch so Abstrus seine Werke auch sind, sie spiegeln in gewisser Weise doch immer die Gedankenwelt eines bestimmten Typus von Leuten wider. Egal ob es Generation X, Generation A, Software-Entwickler oder eben Spieleentwickler sind, irgendwie hat man am Ende doch das Gefühl mehr über sie zu wissen.

Im Vergleich zu Microserfs, muss JPod jedoch ganz klar Federn lassen. Statt des nervigen Ego-Trips, hätte Coupland lieber den anderen Charakteren noch mehr Leben einhauchen sollen. Sie alle bleiben das gesamte Buch hinweg irgendwie auf der Stelle stehen und entwickeln sich nicht wirklich weiter. Dadurch wird wiederrum das Gefühl verstärkt, dass es dem Buch an einem roten Faden fehlt. Natürlich gibt es eine zentrale Geschichte, die sich von vorne nach hinten durchzieht. Doch es sind sehr viele Brüche drin, was auch mit an den vielen sinnlosen Unterbrechungen mit den erwähnten, seitenweise langen Abdrucken irgendwelcher Dokumente zusammenhängt.

Was bleibt ist zwar nicht Couplands schwächstes Werk (das ist aus meiner Sicht Generation X), ein Microserfs 2.0 ist es jedoch auch nicht geworden. Wer Couplands Stil mag, der wird auch mit JPod ein Stück weit glücklich. Alle anderen sollten entweder ganz die Finger davon lassen oder zuerst Microserfs lesen und schauen, ob ihnen überhaupt gefällt, was der Herr so von sich gibt. Es ist definitiv eine gewöhnungsbedürftige Schreibe.

3 von 5 Sics

Übrigens gab es auf CBS Television auch Anfang 2008 eine äußerst kurzlebige Fernsehserie mit dem Titel jPod (kleines „J“). Nach 13 Folgen und einem äußerst fiesen Cliffhanger war aber auch schon wieder Schluss. Selbst gesehen habe ich sie zwar noch nicht, aber sie wurde von Kritikern hochgelobt und der Tod kam — wie so oft, bei solchen Serien — durch eine Verlegung der Sendezeit auf Freitagnacht. Eine Zeit, zu der die Einschaltquoten immer gering sind. Es gab danach auch wie bei Firefly & Co. einen Fanprotest, aber bewirkt hat er nichts.

Das Album

Jetzt hatten wir etwas zum Anschauen, etwas zum Lesen, fehlt noch etwas zum Hören. Passenderweise ist vor kurzem das neuste Album einer meiner Lieblingsbands erschienen, das ich mittlerweile schon mindestens 10mal rauf- und runtergehört habe. Aber ist es wirklich so gut?

The Offspring - Days Go ByDays Go By (The Offspring, 2012) – Vor bald vier Jahren habe ich euch an dieser Stelle im Rahmen meines Fernstudiums das achte Album der Punkrockband vorgestellt. Seit einer Woche ist nun Album Nr. 9 im Handel erhältlich. Es trägt den Titel „Days Go By“ und umfasst erneut 12 Lieder mit einer Gesamtspielzeit von knapp 43 Minuten. Aber lohnt sich das Anhören überhaupt?

Hart rein, sanft raus

Wie schon bei Rise And Fall, Rage And Grace, verzichten auch dieses Mal wieder die Kalifornier darauf euch gleich von Beginn an zu erschrecken. Stattdessen erwarten euch zwei klassische Songs, die durch und durch dem gewohnten Offspring-Sound entsprechend. Speziell Secrets From The Underground, welches sich mehr als offensichtlich mit den Occupy-Protesten beschäftigt, ist Punk Rock vom feinsten und ein Track, der einem sofort ins Blut übergeht. So könnte es gerne weitergehen.

Stattdessen aber fängt nun der eher experimentelle Teil des Albums an und das hohe Tempo wird stark gedrosselt. So klingt die Single Days Go By eher nach einem seichten Rocksong als nach Offspring und Curising Calfornia (Bumpin‘ In My Truck) ist ein sinnloser Party-Track, der wohl an „Pretty Fly (For A White Guy)“ erinnern soll, aber dessen Qualität nicht erreicht. Genauso wenig wie OC Guns, das zweite von drei „Spaß“-Liedern auf der Platte.

Zum Glück geht es nach diesen Durchhängern zum Ende hin wieder aufwärts. Auch wenn es fragwürdig ist, dass die Band den Track Dirty Magic vom Album Ignition recycelt (allerdings neu eingespielt). Seine Wirkung verfehlt er genauso wenig wie Slim Pickens Does The Right Thing And Rides The Bomb To Hell, dem gelungenen Abschluss der CD, der wieder ganz klar die Stärken der Truppe in den hervorhebt.

Bagdadsoftware meint: The Offspring ruht sich definitiv nicht auf ihren vergangenen Erfolgen aus und versucht stattdessen sich immer wieder musikalisch weiterzuentwickeln, ohne aber die langjährigen Fans zu verschrecken. Anders als bei Rise And Fall, Rage And Grace, ist ihnen das mit Days Go By aber nicht ganz so gut gelungen. Speziell die mittelmäßigen „Fun“-Lieder vermiesen einem den Hörgenuss, auch wenn der ein oder andere diese Lieder spätestens seit Americana als Teil des musikalischen Stils der Band ansieht.

Das ist schade, da die reinen Punkrock-Lieder, allen voran das bereits erwähnte Secrets From The Underground, wieder einmal deutlich machen, dass die 28 Jahre alte Band noch lange nicht zum alten Eisen gehört und es immer noch drauf hat. Unterm Strich bleibt ein Album, dessen Kauf für Fans Pflicht ist, aber bei dem man das ein oder andere Lied in der Mitte leider beim wiederholten Anhören einfach überspringen wird.

4 von 5 Sics

Und damit habe ich meine Mindestanzahl an Wörtern für heute erreicht, überschritten und völlig in den Boden gestampft. Bleibt nur noch zu sagen: Bis Donnerstag!

Sicarius

Lesespaß

Dieser Eintrag wurde am 3. März 2012 verfasst.

Jetzt bin ich seit fast vier Wochen auf Kur, hatte extra drei dicke Bücher mitgebracht und was hab‘ ich gelesen? So gut wie nix! Dabei gab es viele, die mir im Vorfeld gesagt haben, dass ich mich hier auf der Kur nur langweilen würde. Da sieht man mal wieder, wie gut man von sich selbst auf andere schließen kann. Nämlich gar nicht. Aber das Thema hatten wir ja schon. Wie gut, dass ich auf diese Leute wie immer nicht gehört habe und stattdessen wie gewohnt offen an sich Sache heran gegangen bin :smile: .

Aber auch wenn ich nicht ganz so viel gelesen habe, will ich euch heute trotzdem ein Buch vorstellen. Das liegt nämlich schon etwas länger auf meinem Nachttisch (sowohl hier, als auch Zuhause) und gehört zu der Art von Büchern, die man auch schon nach der Hälfte der 772 Seiten rezensieren kann:

The Guide to Classic Graphic AdventuresThe Guide to Classic Graphic Adventures – Wie man dem Namen entnehmen kann, handelt es sich um ein englischsprachiges Buch über klassische Grafikadventures, auch wenn hier und da auch ein Textadventure (beispielsweise die erste Zork-Trilogie) besprochen wird, um einen Kontext herzustellen. Es ist jedoch kein „Erst kam A mit diesen und jenen Features und als dann Designer C die tolle Idee hatte die Features G und H zu bauen, ging es über in die Ära J“. Stattdessen erwartet euch mehr ein Lexikon, in dem mehr als 300 der mehr oder wenige einflussreichen Grafikadventures von damals bis heute (der aktuellste Titel im Buch ist Gemini Rue) behandelt werden.

Der Fokus liegt jedoch ganz klar auf der goldenen Ära der Grafikadventures, sprich 1984 bis 2000. Unterteilt ist das Werk größtenteils nach Entwicklerstudios, angefangen bei Sierra über Studios wie Lucas Arts, Legend Entertainment, Westwood, MicroProse oder Pendulo Studios bis hin zu Microids. Danach folgen ein paar zusammenhängende Titel wie die Discworld-Spiele oder die Myst-Serie, bevor am Ende noch ein paar einzelne Spiele behandelt werden, darunter Toonstruck, A Vampyre Story oder auch der Blue Byte-Klassiker Chewy: Escape From F5. Jedes Studio und auch jede größere Serie werden außerdem mit einem längeren Vorwort bedacht, um zusätzliche Hintergründe zu liefern. Und wenn es gar „obskure“ Versionen gab — betrifft vor allem japanische Ports des jeweiligen Titels –, dann geht er auch darauf noch ein.

Die Texte

Durch seinen klar gestaffelten Aufbau funktioniert das Buch entsprechend sowohl als Nachschlagewerk, wenn man mal was schnell wissen will, als auch als en Titel, den man von vorne nach hinten durchlesen kann, um die ultimative Adventure-Dröhnung zu erhalten. Letztere Variante bevorzuge ich :smile: . Zwar gibt es hier und da redundante Informationen, weil eben jeder Bericht auch für sich selbst stehen soll. Es hält sich jedoch absolut im Rahmen.

Wer die Hardcoregaming101.net kennt, der weiß auch bereits was ihn in Sachen Text im Buch erwartet. Einige sind sogar auf der Webseite bereits vorhanden und wurden für das Lexikon nur korrigiert und entweder erweitert oder teilweise sogar etwas gekürzt. Je nach Spiel, erwarten euch halb- bis mehrseitige Artikel, die man durchaus ein wenig mit einem Test vergleichen kann. Der Autor, Kurt Kalata, erklärt euch, um was es geht, wie es sich spielt und wie es aussieht. Dabei bewertet er auch relativ objektiv alle Aspekte des jeweiligen Titels. Sprich wie gut ist die Story, wie gelungen die Rätsel, wie abstoßend die Grafik (sowohl aus damaliger, als auch aus heutiger Sicht). Er versucht aber auch immer das Spiel in einen Kontext zu bringen. Bevorzugt im Vergleich zu den anderen Titeln des jeweiligen Entwicklers. Dadurch erhaltet ihr einen guten Überblick darüber, wie sich die jeweilige Firma über die Zeit weiterentwickelt hat. Aber natürlich schaut er sich auch an, was sonst so damals im Genre Gang und Gebe war und lobt und kritisiert entsprechend. Das macht die Sache noch einmal interessanter.

Kleine Problemecken

Ein paar Punkte gibt es an The Guide To Classic Graphic Adventures aber auch zu kritisieren. Es handelt sich hier um ein Softcover-Buch im B5-Format, sprich es ist nicht ganz so hoch und breit wie ein A4-Blatt. Da es „nur“ 772 Seiten hat, ist es gerade noch zu handhaben, wobei das Lesen ohne Unterlage sehr schnell sehr anstrengend wird. Seiten zurückzuschlagen ist nicht zu empfehlen, denn zum einen ist das Buch einfach zu dick dafür und zum anderen ist die Bindung sehr empfindlich. Allein durch das freie Halten und das dadurch auf den Buchrücken drückende Gewicht, löst sich das Buch von der Mitte aus zügig in seine Bestandteile auf, wie ich leider auch schon selbst feststellen musste. Hinzukommt, dass die Schrift zwar sowohl von der Größe als auch des etwas dunkleren Weiß sehr gut zu lesen ist, aber der größte Teil der Screenshots und Covermotive praktisch völlig unkenntlich ist. Mir ist klar, dass eine Farbkopie wesentlich teurer gewesen wäre, aber zumindest hätte man sich beim Papier und der Auswahl der Screenshots dann etwas mehr Gedanken machen sollen. In der aktuellen Form jedoch verschwenden die Bilder eigentlich nur Platz und bieten keinen echten Mehrwert, weil man schlicht nichts darauf erkennen kann.

Mein zweiter Kritikpunkt sind die Interviews mit Größen wie Al Lowe oder Bob Bates. Ihnen merkt man deutlich an, dass sie per E-Mail geführt wurden und vom Autor keine weiteren Rückfragen kamen. Da werden Fragen gestellt, auf die der gegenüber entweder gar nicht oder ausschweifend antwortet und dann kommt schon das nächste Thema. Teilweise führt das sogar soweit, dass der Interviewte Sätze wie „wie ich gerade schon erwähnt hatte“ von sich gibt — ein absolutes No-Go! Ganz ehrlich: Da hätte man den Platz lieber für noch mehr Spiele hernehmen sollen oder die Gewichtung bei einigen Titeln anzupassen.

Das ist nämlich hin und wieder auch ein Problem, vor allem bei den etwas aktuelleren Spielen. Da merkt man dem Autoren deutlich an, dass sie ihn scheinbar überhaupt nicht interessiert haben. Mir persönlich stößt da vor allem das Kapitel über die Star Trek-Adventures böse auf, da ich hier sowohl das Franchise als auch die behandelten Spiele sehr gut kenne. Und wenn ich da einen Satz lese wie „[…]it’s based on Star Trek: Deep Space Nine, which even as a TV series is far less interesting than either of the series that preceded it.[…]”, dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Zumal er es nicht einmal für nötig hält, es geht um das grottenschlechte Star Trek: Deep Space Nine – Harbinger, den Titel halbwegs anständig zu besprechen. Und solche Beispiele gibt es neben einigen Rechtschreibfehlern und verschluckten Wörtern leider einige. Je besser man die Spiele selbst kennt, desto mehr fallen sie einem vermutlich auf. Was aber nicht bedeutet, dass jetzt das ganze Buch nur Müll ist. Bei extremen Aussagen solltet ihr nur etwas differenzierter an die Sache herangehen als der Autor.

Bagdadsoftware meint: Wer sich auch nur ein bisschen für die Entwicklung des Adventure-Genres interessiert, der kommt um dieses englischsprachige Kompendium nicht herum. Der Autor hat zwar seine kleinen Eigenheiten, aber informativ und vor allem äußerst interessant ist es trotzdem. Ich für meinen Teil habe schon sehr viel gelernt und vor allem so einige Spiele(-serien) entdeckt, die ich mir jetzt unbedingt auch mal selbst anschauen muss. Noch konnte ich mich dem Gang auf eBay (Abandonware mag eine rechtliche Grauzone sein, ich unterstütze diese Seiten trotzdem nicht) aber verwehren :smile: .

Leseproben und eine Liste mit allen Spielen, die im Buch behandelt werden, findet ihr direkt bei Hardcoregaming101.net. Erhältlich ist das Werk bei Amazon für derzeit 21,10 Euro. Bei der Größe und dem Umfang meiner Meinung nach ein fairer Preis. Die Kindle-Variante schlägt hingegen mit 7,89 Euro zu buche. Als Kindle-Käufer habt ihr sogar den großen Vorteil, dass sie im Gegensatz zur Printversion farbig ist. Da sieht man definitiv mehr auf den vielen Screenshots.

Und egal ob ihr euch jetzt das Buch holt oder nicht: Die Seite Hardcoregaming101.net ist immer einen Besuch wert!

Ich geh‘ dann mal wieder eine Runde Badminton spielen beziehungsweise schwitzen. Der eine Kollege hier, mit dem ich unter anderem immer spiele, der ist ganz schön auf Zack. Und das, obwohl ich ihn mindestens auf 55+ schätze! Hoffentlich bin ich in dem Alter auch noch so fit.

Sicarius

Comics, die Zweite

Wie die Zeit vergeht. Ich hatte nicht erwartet, dass der erste Eintrag über Comics schon wieder neun Monate her ist. So kann man sich irren. Da wird es auf jeden Fall mal Zeit für den zweiten Eintrag dieser Art. Zwar lese ich relativ wenige Comics online, aber kaufe mir sehr gerne die gedruckte Version.

Wie ich dann auf neue Sachen stoße, wenn ich sie vorher gar nicht gelesen habe? Gut, dass du fragst, lieber Besucher! Es ist eigentlich ganz einfach: Nicht jedes Onlinecomic hat seinen eigenen Shop. Wenn also eines meiner frequentierten Comics mal wieder eine gedruckte Sammlung rausbringt, lande ich meist irgendwo, wo es auch noch andere Sachen zu kaufen gibt. Und da die Versandkosten aus Amerika immer so schweinisch hoch sind, schaue ich mich dann natürlich ausführlich um und blicke bereitwillig über den Tellerrand, damit sich die Bestellung auch wirklich lohnt.

Einschränkung

Ich gebe offen zu, dass ich dabei das ein oder andere Mal durchaus ziemlich ins Klo gegriffen habe. The Adventures of Dr. McNinja ist zum Beispiel eines dieser alternativen Comics, die das negative Klischee absolut erfüllen. Verwirrende Handlung, schlechte Zeichnungen und idiotische Charaktere haben dazu geführt, dass ich mitten im Buch aufgehört habe zu lesen. Aber solche Fehlkäufe sind zum Glück noch in der Minderheit. Stattdessen habe ich unter anderem folgende Perlen entdeckt:

UnshelvedUnshelved – Ein Comic, das in einer Bibliothek spielt. Klingt wahnsinnig spannend, ich weiß. Und die Zielgruppe sind auch vornehmlich Bibliothekare. Dennoch kann man auch als Normalsterblicher Gefallen an den Abenteuern von Dewey und seinen Arbeitskollegen finden — zumindest, wenn ihr in irgendeiner Form schon einmal selbst mit Kunden zu tun hattet.

Die wichtigsten Charaktere

Dewey ist ein fauler Hund. Besser lässt es sich nicht beschreiben. Wenn es einen Weg gibt die Arbeit nicht zu erledigen, dann wird er ihn finden und ausnutzen. Und wenn jemand etwas von ihm will, dann ist er sich auch nicht für einen dummen Spruch zu schade, um den Bittsteller abzuwimmeln. Tamara hingegen ist das, was man landläufig als Hippie bezeichnen würde. Eine kinderfreundliche Veganerin, die immer nur das Gute im Leben sieht. Das krasse Gegenstück? Die verbitterte Colleen. Sie war schon eine Bibliothekarin, da haben alle anderen noch in die Windeln gemacht. Computer, Internet und all der Kram sind Teufelszeug. Das einzig Wahre sind die alten Papierkarten. Mel hingegen ist die Cheffin. Sie hat einen Bürokatalogfetish, mag Statistiken und was sonst noch einen Manager so anmacht. Merv spielt hingegen die Rolle des ungestümen Teenagers, der allen auf die Nerven geht, mehr von Computern versteht als alle anderen zusammen und Bücher höchstens als Fußunterlage benutzt. Unterstützt werden sie durch drei, vier weitere wiederkehrende und nicht minder schräge Figuren. Darunter ein Anwalt, der aus Protest gegen die Obrigkeit nackt seine liberale Zeitung liest.

Oder kurz gesagt: Unshelved handelt von einer äußerst ungewöhnlichen Gruppe von Leuten, die zum Wohl der Allgemeinheit jeden Tag zusammenarbeiten muss und ständig ihrem ärgsten Feind gegenübersteht: dem gemeinen Bibliotheksbesucher, der dämliche Fragen stellt, ungestüm auftritt, von Computern nichts versteht und auch sonst jedwedes Klischee erfüllt, um den Hauptfiguren die nötige Steilvorlage für den nächsten Gag zu liefern. Zwar gibt es öfters mal kleine, meist 5-6 Strips lange Geschichten, aber größtenteils ist es doch eher ein One-Gag-A-Strip-Comic mit etwas Charakterentwicklung zwischendurch — was es aber nicht schlechter macht. Zumal die Charaktere sich glaubwürdiger verhalten und entwickeln als in so manch anderem Webcomic *hust* CAD *hust*. Ach und um Bücher geht es auch ab und zu. Aber die Witze verstehe ich größtenteils leider nicht :wink: . Trotzdem kann ich es euch nur empfehlen mal reinzuschauen.

Das Comic gibt es seit neun Jahren und anders als viele Webcomics, hat es sich dem Sprung zur Farbe bislang verweigert. Auch der Stil an sich ist eher simpel mit wenig Hintergründen und eher einfach gezeichneten Figuren. Ich würde allerdings nicht so weit gehen und sagen, dass es schlecht aussieht, eher „klassisch“.

Looking For GroupLooking For Group – Das Comic startete als World of WarCraft-Parodie, auch wenn mittlerweile andere Fantasy-Berühmtheiten wie Dungeons & Dragons, Everquest oder Der Herr der Ringe als Inspirationsquellen herhalten durften und das Comic weder in Azeroth spielt noch irgendwelche offensichtliche Hinweise auf seine Herkunft gibt. Außerdem wurde es relativ schnell ernster. Zwar gibt es natürlich immer noch die Gags am Rande, doch das eigentliche Schicksal der Gruppe und das Land Egarion ist schon länger in den Vordergrund gerückt. Einseitige Gags gab es nur die ersten paar Strips. Seitdem läuft wie bei The Order of the Stick das eigentliche Abenteuer.

Die Charaktere

Die namensgebende Gruppe besteht aus dem Blutelfen Cale’Anon Vatay, der lieber an Blümchen riecht, als zu kämpfen. Passend dazu hat er mit Sooba auch noch eine schwarze Wildkatze als Begleiter dabei. Der zweite in der Gruppe ist der mordlüsternde und untote Hexenmeister Richard, der keinen Hehl daraus macht, dass er am liebsten alles anzünden würde, was ihm vor die Nase läuft. Dann wäre da noch die taffe Ork-Priesterin Benn‘Joon, die als stereotypisch starke Frau mit flotten Sprüchen dient, der Taurenkrieger Krunch Bloodrage, der zu Beginn für einige Kuhwitze missbraucht wird und Pella, die Zwergenkriegerin, die selten für Slapstickeinlagen missbraucht wird.

Obwohl Cale’Anon Vatay die eigentliche Hauptfigur ist, ist mein persönlicher Lieblingscharakter ganz klar Richard. Es war auch gar nicht so schwer für ihn, sich einen Weg in mein Herz zu bahnen, weil er ganz klar als Comic Relief angelegt ist. Meist gehört ihm das letzte Worte in einem Strip. Auch deshalb, weil er so herrlich unbekümmert ist, wenn er mal wieder ein halbes Dorf abbrennt und daran jetzt nichts Schlimmes findet. Es gibt einen Strip, den ich aber leider nicht auf Anhieb im Onlinearchiv finde, da habe ich nach dem Lesen buchstäblich geroflt. Das hab‘ ich schon lange nicht mehr beim Lesen eines Comics getan. Hier werden übrigens wieder starke Parallelen zu The Order of the Stick und den dortigen Charakter Belgar Bitterleaf, einen extrem mordlustigen Halbling, sichtbar.

Der Stil

Zeichnerisch sieht Looking For Group weniger wie ein Webcomic aus, sondern eher wie ein richtiger Comic. Detaillierte Hintergründe, stark ausgearbeitete Charaktere und ein ansprechender Gebrauch von Schatteneffekten helfen dabei das im Grunde ziemlich bunte und unwirkliche Erlebnis ernster und damit die Geschichte glaubwürdiger zu machen. Am besten sieht das Werk tatsächlich in den gedruckten Büchern aus, wo alle Farben schön kräftig und unverfälscht sind. Der sehr schöne Zeichenstil war es auch, der mich überhaupt dazu getrieben hat mir das Werk mal anzuschauen. Dass dann auch noch der Inhalt spannend und lustig ist, auch wenn ich The Order of the Stick derzeit noch vorziehe, freut mich umso mehr.

Am meisten Freude werden vermutlich World of WarCraft-Kenner mit Looking For Group haben. Aber auch Fantasyliebhaber können sich nach den ersten Strips sicherlich ohne weiteres in die ungewöhnliche Gruppe verlieben. Tierliebhaber müssen jedoch draußen bleiben. Schon auf der ersten Seite wird auf brutalste Art und Weise ein Kannichen ermordert :smile: .

Hijinks EnsueHijinks Ensue – Der Untertitel dieses Machwerks lautet „A Geek Comic by Joel Watson“ und ein Geek-Comic ist es definitiv. LOST, Star Trek, Joss Wheadon, Doctor Who, Battlestar Galactica, Firefly, Apple George Lucas, Star wars, Harry Potter, Batman und was sonst noch so alles in Sachen Filme, Serien, Comics und vereinzelt auch Videospielen Relevanz hat wird auf unterschiedlichste Art und Weise parodiert. Diese Fokussierung ist gleichzeitig Fluch und Segen dieses Comics.

Fluch deshalb, weil derjenige, der nicht auf der Höhe der Zeit ist bei diesen Themen, 99% der Gags nicht verstehen wird. Als ich Buch 1 angefangen habe, wo es sofort mit LOST-Witzen losgeht, habe ich ehrlich gesagt auch nur ein Viertel verstanden, weil die Serie bis heute noch nicht gesehen habe. Außerdem hat der Autor durchaus eine leichte arrogante Art, was aber vermutlich bei solchen Themen ganz normal ist. Aber auch hier muss ich einschränken: Ganz so schlimm wie bei anderen Comics *hust* GU Comics *hust*, es ist dann doch wieder nicht :smile: .

Die positiven Seiten

Und der Segen? Nun, ich bezeichne es gerne als das Penny Arcade für Nicht-Spieler. Während sich Tycho und Gabe voll auf Videospiele und Pen & Paper-Rollenspiele konzentrieren und das dortige Tagesgeschehen kommentieren, macht Joel Watson das gleiche in Grün nur eben für das oben genannte Zeug. Selbst der Zeichenstil und die Schriftart erinnern mich an die Hochzeiten von Penny Arcade, als Gabe noch Spaß an seiner Arbeit hatte und nicht einfach nur unproportionierte Männchen mit komischen Armen und Fingern hingeschmiert hat. Joel legt hingegen schon immer sehr viel Wert auf kräftige Linien und viele Details, was mir persönlich sehr gut gefällt. Ach und statt zwei Hauptpersonen, sind es hier drei. Aber erneut basieren sie grob auf realen Personen.

Wer also in Sachen Popkultur immer relativ aktuell ist, der darf sich Hijinks Ensue schlicht nicht entgehen lassen. Wenn man sie versteht, dann zündet ein Großteil der Gags wirklich gut.

Und damit wäre dieser Eintrag auch schon wieder am Ende angelangt. Abschließend kann ich nur noch einmal empfehlen mal einen Blick auf die drei Werke zu werfen, falls ihr sie noch nicht kennt. Ich habe den Kauf definitiv nicht bereut und warte bei allen drei sehnsüchtig auf die nächsten gebundenen Ausgaben.

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