Sicarius

Ein Dreier

Journey (Herstellerbild)

Zu einer Beziehung gehört unter anderem das Bedürfnis Dinge, die man selbst gerne hat, mit dem Partner teilen und gemeinsam erleben zu wollen. Bei mir ist das logischerweise vor allem das Thema „Videospiele“. Und obwohl Lysanda grundsätzlich eine Hardcoregamerin ist (speziell in Tile-Matching-Titeln macht ihr so schnell keiner was vor) und sich zu ihrem Leidwesen gerne in ihre ausgewählten Spiele versteift (egal wie objektiv schlecht sie teilweise eigentlich sind) – etwas gemeinsam zocken oder zumindest zusammen erleben war (und ist) ein schwieriges Thema. Bei Assassin’s Creed Brotherhood und Assassin’s Creed Revelations hat sie mir zwar prinzipiell gerne zugeschaut, weil sie die Geschichte interessant fand. Außerdem hat sie gerne bei den Rätseln geholfen aber das Zwischendrin war verständlicherweise natürlich absolut langweilig für sie.

Journey war hingegen bekanntlich aufgrund meiner fehlenden Impulskontrolle („Geh doch da hin!“) kein Erfolg. Und obwohl ihr Divinity: Original Sin Enhanced Edition grundsätzlich zugesagt hat, kam auch dort mein innerer Kontrollfreak – der zudem sehr ungeduldig zu sein scheint – zu schnell wieder heraus. Dabei hatte sie schon genug mit dem Gamepad zu kämpfen. So sind wir am Ende zwar bis nach Cecil gekommen aber dann haben sich unsere Wege buchstäblich getrennt (sie wollte in der Stadt andere Sachen machen als ich). Die Erkenntnis war damals, dass ich zum einen nicht schon zu viel über ein Spiel wissen darf, da ich sonst in den „Mach‘ das und das, sonst passiert das und das“-Modus verfalle. Zum anderen müsste Lysanda erst einmal 1-2 Stunden alleine spielen, um mit dem Spielprinzip und der Steuerung ins Reine zu kommen. Im Ergebnis haben wir es seitdem nicht mehr wieder versucht. Ich zeige ihr zwar hin und wieder einen Titel, der aus meiner Sicht für sie interessant wäre, versuche sie für „einfache“ Dinge zu überreden (mal ne Runde Sonic & All-Stars Racing Transformed z.B.) und erzähle ihr natürlich auch von meinem Erlebnissen in den virtuellen Welten. Sie möchte dabei übrigens speziell wissen (und zusehen), wenn ich wie in Kingdom Come: Deliverance mit anderen Weibern unanständige Sachen mache (Anm. v. Lysanda: Nur aus rein wissenschaftlichem Interesse versteht sich). Ja, The Witcher 3: Wild Hunt wird sie umhauen, wenn ich denn mal dazu komme :wink: .

Aber als aktiver Spieler bleibt sie dann doch bei ihren Free-2-Play-Smartphone-Spielen wie Cooking Dash oder Best Fiends. Sailor Moon Drops wurde zu ihrem Unmut ja leider Ende März abgeschaltet.

Die Überraschung

HuniePop (Herstellerbild)

Warum erzähle ich euch das alles? Nun, weil wir tatsächlich (dank Azzkickr) endlich ein Spiel gefunden haben, das wir gemeinsam Zocken. „Zusehen wie ich mit virtuellen Weibern rummache“ ist dabei das perfekte Stichwort. Der Titel, der uns endlich zusammengebracht hat, ist nämlich HuniePop. Ziel dieser Dating-Simulation für Erwachsene (=schon in der zensierten Version viel nackte Haut – der Uncut-Patch steht auf der Entwicklerhomepage bereit) ist es mit einem Haufen Klischee-Mädels ins Bett zu steigen (entweder als Mann oder Frau). Also nichts Neues in der Welt der zahllosen, qualitativ eher minderwertigen Hentai-Puzzle-Spiele auf Steam? Doch, denn in HuniePop steckt tatsächlich ein guter und erstaunlich tiefgründiger Titel. Zumindest für dieses Genre. Es ist natürlich am Ende doch kein Mass Effect oder Dragon Age.

Das Grundprinzip ist zweigeteilt: Die eine Hälfte redet ihr mit den Mädels und überhäuft sie mit Geschenken – dazu später mehr. Die andere Hälfte besteht aus einem echt anspruchsvollen Tile-Matching-Spiel, welches das eigentliche Date mit eurer Angebeteten darstellen soll. Ziel ist es hier durch das Tile-Matching eine gewisse Punktzahl zu erreichen, die nach jedem erfolgreichen Date ansteigt. Erschwert wird die Sache dadurch, dass die Mädels unterschiedliche Vorlieben haben. So mag die schüchterne Computerspielerin Nikki (wie gesagt alles Klischeedamen) Talenttoken und wird von Sex-Token abgestoßen (=weniger Punkte für einen Match). Außerdem gibt es noch ein Passionslevel (=grundsätzlich mehr Punkte pro Match), das es gilt hochzutreiben und ihr könnt bis zu sechs Geschenke pro Date – genug Sentimentalität vorausgesetzt – einsetzen, um bestimmte Boni zu aktivieren. Beispielsweiße wandelt der pinke Teddybär alle gebrochenen in normale Herzen um.

Schafft ihr die Punktzahl zu erreichen, gibt es als Belohnung nicht nur Geld, sondern eure Beziehung zur Dame steigt eine Stufe höher. Und das wollt ihr logischerweise erreichen, denn nach vier erfolgreichen Verabredungen ist das nächste Ziel euer Bett :smile: . Außerdem sind die Damen massiv enttäuscht von euch, wenn ihr das Date versiebt. Das will man ja nicht.

Reden?!

HuniePop (Herstellerbild)

Der andere Teil des Spiels ist wie erwähnt das Anbandeln mit den Mädels. Anders als die Pornos suggerieren reicht hier leider nicht „Warum liegt hier Stroh rum?!“ zu sagen. Ihr müsst euch schon etwas mehr anstrengen, um die begehrten Hunies einzusammeln. Die braucht ihr, um euren Charakter hoch zu leveln und damit mehr Punkte im Tile-Matching-Teil machen zu können. Die zweite Währung, Geld, erhaltet ihr hingegen nur nach erfolgreichen Dates (=je schwieriger das Date, desto mehr Geld). Mit dem Geld kauft ihr Geschenke, Essen oder Alkohol. Ja, ihr müsst eure Damen auch versorgen. Sind sie hungrig, reden sie weder mit euch noch gehen sie auf ein Date. Alkohol hilft hingegen den Schwierigkeitsgrad des Tile-Matching-Parts zu reduzieren. Aber echte Männer und Frauen schaffen das freilich ohne.

Durch eure Gaben an die Damen schaltet ihr hingegen Sachen wie Haarstile oder Geschenke zur Benutzung in den Verabredungen frei und erhöht die Menge an Hunie, die ihr durch Gespräche erhaltet. Erneut gilt: Jede Dame hat ihre ganz eigenen Vorlieben. Zum Glück sind im virtuellen Shop die Sachen entsprechend gekennzeichnet. Ihr müsst euch also nicht zwingend merken, dass Kyanna auf alles scharf ist, was mit Fitness zu tun hat. Die Dialoge sind simpel und bestehen immer aus einer Multiple-Choice-Frage bzw. -Antwort, je nachdem ob ihr das Mädel etwas fragt oder von ihr gefragt werdet. Durch ersteres erfahrt ihr mehr über die Dame (z.B. ihr Gewicht oder ihre Körbchengröße). Letztere sind hingegen entweder gemeine Wissensabfragen (erinnert ihr euch noch dran, was die Frau auf eure Fragen geantwortet hat) oder allgemeine Lebensfragen wie „Magst du Frauen, die sich untenrum rasieren?“, bei denen ihr je nach Persönlichkeit der Dame antworten müsst, um die Hunies einzusacken und nicht nach euren realen Vorlieben. Die Yoga-Lehrerin Beli findet es logischerweise nicht gut, wenn ihr Spiritualität als Blödsinn einstuft. Achtung: Für eine ernstzunehmende Beziehung ist dieses Vorgehen nicht zu empfehlen.

Tagesablauf

HuniePop (Herstellerbild)

Ein weiteres taktische Element kommt dadurch hinzu, dass der Shop im Spiel jeden Tag ein anderes Angebot hat und die Frauen auch ihren eigenen Tagesablauf. Nicht jede könnt ihr zu jeder Uhrzeit in der Woche antreffen. Das ist nicht nur für das entscheidende, letztes Date wichtig (in dieser Welt möchte z.B. niemand nachmittags rammeln), sondern ebenfalls für das Freischalten der unterschiedlichen Outfits. Je nach Tageszeit findet eure Verabredung an einem anderen Ort statt und die Dame hat entsprechend etwas anderes an. Und nein, der Kleiderschrank besteht nicht nur aus freizügigen oder Klischee-erfüllenden Sachen. Die gibt’s zwar, dafür aber auch überraschend viel „normales“. Oder ich kenne einfach die dazugehörigen Fetische nicht – ebenfalls möglich.

Während das mittelfristige Ziel also schlicht ist mit allen ins Bett zu steigen und damit alle vier Bilder für jedes Mädel zu bekommen, ist die Fleißaufgabe alles über alle zu erfahren, ihnen alle zur Verfügung stehenden Geschenke zu geben und die jeweils sechs Haarstile und Outfits freizuschalten.

Beim Christoph meint: Meine Wertung sind ganz klare 5 von 5 Sics, auch wenn wir technisch gesehen noch nicht komplett durch sind (einen der versteckten Charaktere müssen wir noch rumkriegen). Die hohe Wertung kommt logischerweise voll und ganz daher, dass ich es zusammen mit Lysanda spielen kann. Sie kümmert sich um die Tile-Matching-Sequenzen, während ich mehr für das Strategische (wann gehen wir zu wem) und das Reden zuständig bin. Und was zusammen mit meiner Frau spielen zu können macht selbstverständlich noch einmal viel mehr Spaß, als wenn ich es nur alleine machen würde.

Doch selbst wenn ich diesen Punkt außer Acht lasse, ist HuniePop ein überraschend guter und qualitativ hochwertiger Vertreter seines Genres. Er ist tiefgründiger und taktisch anspruchsvoller, als es auf den ersten Blick den Anschein hat und bietet zudem ein gutes Gedächtnistraining (wenn ihr nicht cheatet und nebenbei einen Guide offen habt), das nicht realistischer sein könnte. Okay, Lysanda hat mich noch nicht abgefragt ob ich ihre Körbchengröße noch weiß – für den Kauf von Geschenken ist es aber dann doch wichtig zu wissen :wink: . Wer also kein Problem mit nackten Animemädels in seinem Tile-Matching-Spiel hat, der macht mit einem Kauf aus meiner Sicht absolut nichts verkehrt.

Kingdom Come: Deliverance – A Woman’s Lot (Herstellerbild)

Ich stelle gerade fest, dass wir schon seit drei Monaten nicht mehr über Kingdom Come: Deliverance geredet haben. Und in meiner Freundesliste besitzt das Spiel auch immer noch nur eine Person. Das geht ja gar nicht! Allerdings hatte ich euch ja versprochen, dass es erst einmal keine Einträge mehr zu diesem Meisterwerk geben wird. Ich hatte aber ebenfalls gesagt, dass dieses Versprechen nur bis zur Veröffentlichung des vierten und letzten DLCs gilt. Und siehe da: A Woman’s Lot ist vergangene Woche genauso wie die Royal Edition (Hauptspiel mit allen DLCs) und Patch 1.9 erschienen.

Letzterer behebt nicht nur erneut einen Haufen Bugs (unter anderem so einige unter denen ich leiden musste), es gibt auch wieder ein paar zusätzliche Features und Inhalte. So wurde die Romanze mit Theresa unabhängig vom DLC erweitert, es gibt jetzt Hunde im Spiel (für Henry aber nur mit DLC), wenn es regnet suchen die Bewohner Schutz unter Dächern oder in Häusern (mit Teils amüsanten Ergebnissen), es gibt eine (zufällige) Ego-Perspektive in Dialogen, Performanceverbesserungen und so weiter und so fort. Es ist zwar immer noch bei weitem nicht alles perfekt und das wird es wohl nie sein (rechne nicht mit einem Patch 2.0) aber wer jetzt neu einsteigt dürfte ein relativ problemfreies Spielerlebnis haben.

Kingdom Come: Deliverance – A Woman’s Lot hingegen ist mit 11,99€ der bislang teuerste aber auch gleichzeitig umfangreichste DLC von Warhorse Studios (4-6 Stunden). Ich habe tatsächlich aufgrund des Preises für einige Sekunden mit dem Kauf gezögert. Aber wem soll ich schon was vormachen? Mehr Kingdom Come: Deliverance geht immer. Also habe ich meinen Henry abgestaubt und nun zeigt der Spielzeitzähler 128 Brutto- und 93 Nettospielstunden (vorher 117/85) und ich habe 72/82 Achievements.

Der Inhalt

Kingdom Come: Deliverance – A Woman’s Lot (Herstellerbild)

Wie der Name schon andeutet, stehen in A Woman’s Lot die Frauen im Vordergrund. Technisch gesehen gibt es „nur“ zwei neue Quests aber die haben es in sich. Die eine dreht sich um Johanka, ein junge Frau aus Skalitz, die im Kloster von Sasau Unterschlupf gefunden hat. Ihr Freund Matthias liegt im Fieberwahn und sie bekommt im Schlaf Visionen von der Jungfrau Maria. Wie ihr damit umgeht ist wie immer euch überlassen (vermutlich inkl. der Möglichkeit die komplette Questlinie mit der „falschen“ Antwort bereits zu Beginn abzuwürgen). Aber ohne viel zu spoilern: Die Inquisition kriegt Wind davon und ist nicht ganz davon begeistert was Johanka da treibt. Das große Finale ist eine Gerichtsverhandlung mit verschiedenen Enden je nachdem was ihr so im Verlauf der Quest macht.

In der zweiten Quest schlüpft ihr hingegen in die Rolle von Theresa mit ihrem Hund Tinker an ihrer Seite. Mit ihr erlebt ihr die Tage vor, während und nach dem Angriff durch Sigismund auf Skalitz. Kleine Warnung am Rande: Friede, Freude und Eierkuchen dürft ihr hier logischerweise nicht erwarten. Die Quest dürfte zu den emotional anspruchsvollsten im ganzen Spiel gehören – und das nicht nur, weil ihr eine Frau spielt. Es empfiehlt sich übrigens, anders als ich es gemacht habe, zuerst die Quest von Theresa zu erledigen. Dort kommt nämlich auch Johanka vor und ihr versteht dadurch ein paar Zusammenhänge in ihrer Quest besser.

Am Ende von Theresas „Abenteuer“ gibt es als Belohnung für Henry einen Hund (nein, leider nicht Tinker) und den neuen Skill „Hündeflüsterer“. Dem Hund könnt ihr Befehle erteilen sowie neue beibringen. Er greift Feinde an, findet Sachen für euch (apportiert z.B. getötetes Wild zu euch) und je weniger ihr euch um ihn kümmert, desto weniger hört er auf eure Befehle. Sicherlich ein nettes Feature aber ich als Katzenfan kann damit wenig anfangen :wink: .

Beim Christoph meint: Mit Kingdom Come: Deliverance – A Woman’s Lot ist Warhorse Studios definitiv ein würdiger Abschluss für ihr Meisterwerk gelungen. Waren die anderen DLCs ganz nett aber weder herausragend noch ein Pflichtkauf, machen die Entwickler dieses Mal nicht nur alles richtig, sondern schöpfen zudem aus den Vollen. Herausgekommen sind zwei völlig unterschiedliche Questreihen, die mich als Spieler auf ihre Art und Weise mitreißen und in den Bann ziehen. Unterm Strich hat mir Johankas Geschichte zwar besser gefallen als Thereas, auch weil ihr hier mehr Freiheiten habt und den Ausgang beeinflussen könnt. Aber dennoch bewegen sich beide auf einem sehr hohen Niveau und gehören ganz klar mit zum Besten, was das Spiel zu bieten hat. Und jetzt wartet nicht länger: Kauft endlich das Spiel! Spätestens wenn die Royal Edition im Steam Summer Sale heruntergesetzt ist, gibt es keine Ausreden mehr! Ich für meinen Teil habe Kingdom Come: Deliverance aber tatsächlich jetzt deinstalliert. Die restlichen Achievements reizen mich genau so wenig wie der Hund und irgendwann muss auch mal Schluss sein und das Warten auf Teil 2 beginnen :smile: .

Noch mehr DLC

WATCH_DOGS: Bad Blood (Herstellerbild)

Ich habe mich aber nicht nur mit Kingdom Come: Deliverance beschäftigt. Nein, auch WATCH_DOGS ist irgendwie ganz nach oben auf meiner Playlist gerutscht, weil ich endlich mal Teil 2 spielen möchte. Zwar habe ich die Geschichte von Teil 1 schon seit Juni 2014 durch (innerhalb einer Woche) aber es fehlen mir noch ein paar interessante Nebenmissionen und – viel wichtiger – der DLC Bad Blood. Während es im Hauptspiel nur langsam vorangeht (irgendwie habe ich damals echt fast nichts von den Bonussachen gemacht…), habe ich den DLC mittlerweile durch.

Darin schlüpft ihr in die Rolle des legendären Hackers Raymond „T-Bone“ Kenney, der auch schon im Hauptspiel eine größere Rolle spielte. Die Geschichte setzt dabei fast direkt ans Ende an. Wie Aiden Pierce möchte T-Bone untertauchen und Chicago hinter sich lassen. Bevor er das jedoch schafft, holt ihn seine Vergangenheit in Form von Tobias Frewer wieder ein. Und wie es sich für Protagonisten mit Herz gehört, kann er ihn natürlich nicht einfach alleine lassen. Zehn Missionen erwarten euch, in denen ihr nicht nur mehr über T-Bone, sondern auch ein paar andere Nebencharaktere aus dem Hauptspiel erfahrt. Außerdem natürlich Dutzende neue Nebenaktivitäten wie Autos klauen, Leute ausknocken und so, die sich aber inhaltlich nicht vom bekannten unterscheiden und sich vor allem sehr schnell wiederholen. Und da die dazugehörigen Achievements zudem verbuggt sind, habe ich tatsächlich einfach aufgehört sie zu machen. Reicht, wenn ich sie im Hauptspiel noch erledigen muss.

Beim Christoph meint: Ich finde, dass WATCH_DOGS immer noch ein tolles Spiel ist und völlig zu Unrecht bei Release nieder gemacht wurde. Mir bereitet es nach fünf Jahren immer noch mächtig Laune und ich finde, es hat sich auch grafisch gut gehalten. Und obwohl ich zugegebenermaßen die Hälfte vom Hauptspiel schon vergessen hatte, war es doch ganz nett in Bad Blood ein bisschen mehr über ein paar interessante Charaktere/Gruppierungen wie z.B. die Daves zu erfahren, die in Aidens Geschichte nur am Rande (bspw. in Audiologs) vorkommen. Vor allem aber ist der alte und erfahrene T-Bone wesentlich sympathischer und menschlicher als Robo-Aiden und macht innerhalb der zehn Missionen eine wesentlich glaubwürdigere und stärkere Charakterentwicklung durch als Aiden im gesamten Hauptspiel. Spielerisch erwartet euch hingegen altbekanntes. Insofern ist der DLC für Fans aber ich vermute, die haben ihn schon lange durch. Und alle anderen greifen eh zur Complete Edition für läppische 5 Euro.

NOCH MEHR GESPIELT!

SIGIL (Herstellerbild)

Und dann gibt es noch einen dritten DLC, den ich aber erst angefangen habe: SIGIL. Ja, nach langer Wartezeit aufgrund von Problemen bei der Produktion der physischen Extras ist John Romeros inoffizielle fünfte Episode für DOOM endlich erschienen. Meine Beast Box (ja, ich habe selbstverständlich zugegriffen) wurde zwar noch nicht verschickt (zumindest habe ich noch keine Mail erhalten) aber zocken kann ich natürlich trotzdem schon.

2016 hatte Romero bereits die Welt mit Remakes von Level 4 und Level 8 der ersten Episode beglückt. Hintergrund war, dass Level 8 anders als der Rest von Episode nicht von Romero, sondern Sandy Petersen gebaut wurde. Das wollte er hiermit beheben. Und bei Level 4 hat damals Tom Hall mit rumgefuscht. Also hat er es auch nochmal komplett neu gemacht. Episode 1 ist quasi nun vollständig von John Romero designt worden und zwar so, wie er es sich damals vorgestellt hatte.

Die Rückkehr des Meisters

Nach diesen „Trockenübungen“ folgte nun eine komplette Megawad (8 Level plus ein Secretlevel), die direkt an das Ende von Episode 4 anknüpft. Veteranen werden freilich gleich einwerfen: „Aber am Ende von Episode 4 teleportiert Doomguy doch auf die Erde und DOOM II beginnt?!“ und haben natürlich recht. Romero hat nachträglich die Geschichte etwas umgeschrieben. Jetzt sorgt der Ziegendämon Baphomet mit dem namensgebenden Siegel dafür, dass der finale Teleporter euch nicht zur Erde bringt, sondern noch tiefer hinab in die Hölle zieht. Erst wenn ihr den Weg dort herausgefunden habt, geht es dann mit DOOM II weiter. Übrigens für mich unverständlich, warum es für viele Journalisten so schwer scheint diese doch sehr simple Geschichte korrekt widerzugeben. Was man da teilweise für einen Stuss liest…

Inhaltlich ist es DOOM in Reinform. Kein moderner Schnickschnack, keine neuen Assets wie Waffen oder Gegner (nur ein neuer Soundtrack) und stattdessen einfach nur Level Design ala John Romero in Reinform. Dazu gehört ein knackiger Schwierigkeitsgrad (soll ja eine Steigerung zur sowieso schon sehr bösen vierten Episode sein) mit zumindest auf Ultra-Violence wenig Munition und dafür umso mehr Dämonen (inkl. haufenweise Cyberdemons!), immer größere werdende Karten voller Secrets und haufenweise satanische Symbolik (wir sind schließlich tief in der Hölle). Nach den ersten fünf Levels kann ich festhalten: Romero hat es definitiv immer noch drauf und auch ich habe DOOM nicht verlernt. Bin sofort wieder drin gewesen und habe meinen Spaß. Wenn ihr also irgendwo noch eine DOOM.wad rumliegen habt (ja, die aus der DOOM 3: BFG Edition geht ebenfalls), dann unbedingt reinschauen!

Ich geh‘ dann mal weiterzocken.

Sicarius

10 Jahre Blockkunst

Ein Blick auf unser Hauptquartier von Rondrers Leuchtturm aus.

Am Donnerstag wird Minecraft 10 Jahre alt. 30 Millionen Mal wurde in der Zeit allein die Java Edition (also das Original) verkauft. Mit allen anderen Versionen für diverse Plattformen sind es wahrscheinlich Verkäufe im dreistelligen Millionenbereich. Wahnsinn. Rondrer und ich waren ab 2010 dabei – sogar mit unserem eigenen Multiplayer-Server. Die im Eintrag beschriebene Welt existiert allerdings meines Wissens nicht mehr, wenn Rondrer nicht zufällig noch irgendwo eine Kopie aufgehoben hat. Wenn nicht, ist es nicht weiter schlimm. Da waren wir eher noch in der Experimentierphase und das Ergebnis im Nachhinein betrachtet nicht ganz so toll :smile: .

Die Nachfolgewelt gibt es hingegen noch, wenn auch nicht mehr als Mehrspielerserver. Rondrer zockt schon lange nicht mehr aber er hat damals vor dem Abschalten des Servers eine offline spielbare Kopie gemacht, die seitdem auf meinem Rechner lebt. Und ja, obwohl die Zeit des täglichen Minecraft-Zockens schon lange vorbei ist: Ich schau tatsächlich immer mal wieder rein. Bisschen „Housekeeping“ machen (irgendwie sammeln sich im Kuhstall immer die Schafe und Hühner…) und das eine oder andere neue bauen quasi.

Meist wird der Reiz getriggert, wenn ich zufällig mal wieder ein Video gesehen habe. Ganz aktuell z.B. die Punch-A-Chunk Challenge bei LoadingReadyRun (ja, die kanadische Comedy-Truppe gibt es immer noch!). Bei der Challenge geht es darum wer als erstes einen kompletten Chunk (16×16 Blocks) nur mit Hilfe der Ressourcen in seinem Chunk komplett leer räumt. Ja, ich habe mir tatsächlich die kompletten sechs Stunden angeschaut (über mehrere Tage verteilt) :smile: . Aber nein, die Challenge in gleicher Form wiederholen wollte ich jetzt nicht. Der Gedanke ein 16×16 großes Loch in die Landschaft zu buddeln hingegen schon, weshalb ich mal wieder Minecraft gestartet habe.

Das zerstörerische Update

Die Chinesen haben einfach über Nacht eine Mauer gebaut…

Auch bei mir war der letzte Start des Spiels wohl schon länger her, denn er musste die Welt von 1.11 (Dezember 2016) auf die neuste Version 1.14 (23. April 2019) heben. Das war in der Vergangenheit nie ein großes Problem…dieses Mal scheinbar schon. Nicht nur haben alle Nether-Portale die Verbindung zum Nether verloren (und ich muss sie zwingend aus der realen Welt wieder anmachen, sonst lande ich falsch) – er hat irgendwie in bestehenden Gebieten die Chunks teilweise neu generiert. Das hat auf der einen Seite positive Effekte – so ist hinter unserem Hauptquartier jetzt ein Schneegebiet und entsprechend der Wasserfall eingefroren. Auf der anderen Seite hat es unser umfangreiches Bahn- und Wegesystem stark in Mitleidenschaft gezogen. Als ich das erste Mal wieder mit der Lore in Richtung Festung (wir hatten eine von diesen unterirdischen Komplexen gefunden) war, fand ich mich plötzlich in Lava wieder und konnte mich nur gerade so retten. Auf dem Weg in der Wüste hingegen hat das Spiel einfach mal so einen riesigen Berg hingepflanzt. Sieht total dämlich aus, weil es einfach nur ein Streifen in der Landschaft ist mit senkrecht abfallenden Klippen.

Aber gut – alles nichts, was sich nicht reparieren ließe. Ich muss nur jeweils wieder den Anschluss finden. Vorteil ist natürlich, dass neue Sachen wie zusätzliche Blöcke nun auch etwas näher zur Basis verfügbar sind und man nicht erst über alle bereits generierten Chunks hinweg laufen muss, bevor das neue Zeug aus den Patches 1.12 bis 1.14 verfügbar ist.

Unsere Welt

Ich hab‘ jetzt seitdem Rondrer aufgehört hat zu Spielen nicht ganz sooo signifikante Sachen gemacht (hauptsächlich unterirdisch neue Bahnlinien gebuddelt) aber nach fast sieben Jahren kann man dann doch mal ein paar Bilder von den Fortschritten zeigen, die Rondrer und ich vor allem 2013 so gemacht haben.

Ganz oben könnt ihr schon sehen, wie das aktuelle Hauptquartier aussieht. Auf der linken Seite ist die Schaf- und Tierfarm. Kann sein, dass mittlerweile ein paar mehr Wollfarben zur Verfügung stehen und sie eigentlich erweitert werden müsste, aber prinzipiell sind hier Schafe mit jeder damals vorhandenen Farbe vorhanden. In der Tierfarm sind hingegen Schweine, Kühe und Hühner zu finden. Rechts neben der Tierfarm unser Hafen (jetzt mit großem Eingangstor) sowie ein Wach./Aussichtsturm. Auf der rechten Seite seht ihr hingegen unsere megacoole Lavalampe und daneben Rondrers ausgefeilte Weizenerntemaschine. Das Anpflanzen muss man zwar noch selbst machen aber dann genügt ein Knopfdruck und per Wassertransport landet alles in einem Loch. Echt genial. Im Hintergrund ist auf der linken Seite das Feuer hingegen unsere Beschwörungsplattform: Ein Pentagram aus Nethersteinen. Und rechts befindet sich eindeutig der Eingang zur Church of the Creeper

Huldigt dem Crepper, dem Zerstörer der Welten!

Die Hoffnung ist, dass wir sie so besänftigen und sie nicht alles kaputt machen. Bislang hat es nur bedingt geholfen. Aber man darf den Glauben ja nicht verlieren :smile: .

Ein schicker Leuchtturm und illegale Massentierhaltung.

Hier seht ihr auch mal den Blick in die andere Richtung. Die Holzbrücke zum Leuchtturm und den Leuchtturm selbst. Hat Rondrer glaube ich fast komplett selbst gebaut. Sowas kann der Mann. Muss man ihm lassen. Die unterirdische Baumfarm ist ebenfalls von ihm von der ich jetzt aber keinen Screenshot gemacht habe (man sieht halt nur Bäume).

Unser Bahnhof war schneller fertig und billiger als Stuttgart 21!

Auf diesem Bild seht ihr eine Hälfte unseres Meisterwerks: Der Bahnhof. Acht Gleise über die ihr 16 Ziele erreichen könnt hat er mittlerweile. Gut – noch nicht alle Gleise führen schon irgendwo hin. Ein paar sind noch Sackgassen. Aber wir haben z.B. eine Lore in unsere Westernstadt, eine Lore zu einem Sprungturm, einige Loren in fremde Länder und natürlich auch klassischerweise in irgendwelche Minen. Die beeindruckendste dürfte die sein, an der Rondrer zu Letzt gearbeitet hat. Hier seht ihr die Lobby:

Die Lobby von Rondrers Mine

Hier ein Blick vom Sprungturm hinunter:

Die Sicht vom Sprungturm (definitiv mehr als 10m!)

Wir haben selbstverständlich vorbildlich das Schwimmbecken abgesteckt und ein (amerikanisches) Bademeisterhäuschen daneben gebaut. Es gibt sogar einen Bademeister (ein graues Schaf), der ist aber gerade auf der anderen Seite des Bildes. Im Hintergrund sieht man auch die Westernstadt sowie Rondrers Haus der vielen Fallen. Was das ist? Sagt doch der Name. Ein Haus voller Druckplatten und Falltüren.

Ein Blick auf den Saloon und die Turmuhr in der Westernstadt

Neben dem Saloon und besagter Uhr gibt es in unserer Westernstadt aktuell einen Sheriff, einen Schmied, einen Gemischtwarenhandel und eine riesige Scheune – also wirklich riesig (seht ihr im Sprungturmbild). Keine Ahnung ob wir uns da damals verrechnet hatten oder es einfach die Konsequenz einer Blockbauweise ist. Ist aber auch egal: Wir haben sie fertig gebaut und mit Pferden vollgestopft.

Der Bahnhof der Westernstadt

Das ist, wie ihr unschwer erkennen könnt, der dazugehörige Bahnhof. Komplett stilecht gestaltet inkl. Wasserturm (rechts). So muss das sein.

Und das war jetzt logischerweise nur ein kleiner Ausschnitt von dem, was Rondrer und ich so über die Jahre gebastelt haben. Bin ich immer noch stolz drauf muss ich sagen und ich komme immer wieder gerne in diese Welt zurück, um immer mal wieder ein bisschen weiter dran zu werkeln. Als nächstes wie gesagt vielleicht ein riesiges Loch in das dann die ganzen Monster fallen. Solche Projekte haben freilich mit Rondrer um einiges mehr Spaß gemacht (vor allem weil er immer die coolsten Ideen hatte) aber wir sind halt einfach heutzutage alle zu beschäftigt und Lysanda kriege ich glaube ich nicht dazu Minecraft zu spielen :smile: . Also werkele ich zumindest allein ein bisschen weiter. Minecraft ist schließlich ein ziemlich zeitloses Spiel (sieht man ja auch an den vielen Let’s Playern, die mittlerweile schon bei Folge >1000 angekommen sind) und ich rechne fest damit es auch 2029 noch auf dem Rechner zu haben.

Bis Montag!

DOOM (2016 – Herstellerbild)

Endlich habe ich DOOM (2016) durch. Anders als bei Mirror’s Edge Catalyst ist dieses „endlich“ aber absolut nicht negativ besetzt. Stattdessen drückt es mehr meine Überraschung darüber aus, dass es doch so lange gedauert hat. Schließlich habe ich anno 2016 vergleichsweise früh zugegriffen (für meine heutigen Verhältnisse…) und von mir als ultimativen id-Fan™ hättet ihr sicherlich anderes erwartet. Ich geh‘ kurz in die Ecke und mich schämen.

/me steht in der Ecke und schämt sich

So zufrieden? Nicht? Egal. Besser spät als nie. Die finale Wertung dürfte auf jeden Fall nicht überraschend kommen. Von mir gibt es satte und kompromisslose 5 von 5 Sics. Auch wenn ich fast drei Jahre gebraucht habe es endlich zu beenden, lag das definitiv nicht am Spiel, sondern nur an meinen Prioritäten :smile: .

Ein absolutes und fast perfektes Meisterwerk

Es war ein langer Weg für id zu DOOM (2016) aber das Ergebnis ist schlichtweg fantastisch. Ja, beim genaueren Hinsehen rennt und springt ihr „nur“ von einer Arena zur nächsten Arena und wartet darauf, dass die nächste Welle Monster hereinteleportiert wird. Aber wenn sich die Kämpfe so gut anfühlen wie hier, dann wäre alles andere absolut fatal. Die Waffen haben mächtig Rums, das Arsenal ist umfangreich, die alternativen Feuermodi gehen überraschend schnell ins Blut über, die Glory Kills helfen das Tempo hoch zu halten und Mick Gordons Soundtrack ist zwar tatsächlich nichts, was ich mir außerhalb des Spiels lange anhören kann (etwas zu hart und disharmonisch). Aber für die Action ist er so dermaßen passend und genial – das muss man selbst erlebt haben, um es zu verstehen.

DOOM (2016 – Herstellerbild)

Grafisch ist der Titel trotz seiner begrenzten Farbpalette (Industriegrau oder höllisch rot) ebenfalls beeindruckend anzuschauen und besonders mit Vulkan-API sehr performant (kann ich ja dank meines Rechnerupgrades endlich nutzen). Das optisch Beeindruckende kommt aber vermutlich sehr viel auch durch das größtenteils gelungene Leveldesign. Es ist zwar nicht ganz so extrem Labyrinthartig wie im Original aber die Levels sind trotzdem angenehm groß und mit vielen Ecken zum Erkunden und Geheimnisse finden.

Der Schandfleck?

Wenn ich etwas an der Einzelspielerkampagne zu bemängeln habe, dann höchstens, dass die Geschichte nach dem fulminanten Einstieg etwas zu stark abflacht. Die Aufzug-Sequenz ist so unglaublich genial wie sie kurz ist und dürfte eins der besten Intros aller Zeiten sein. Pure Emotionen ausgedrückt ohne, dass überhaupt ein Gesicht zu sehen ist. Wahnsinn.

Aber diese Momente, in denen der Doom Slayer seine „Fuck You!!“-Attitüde außerhalb der Kämpfe zur Schau stellt, sind sehr wenige wenn auch immer sehr coole Situationen. Vor allem im letzten Drittel des Spiels verfallen die Entwickler jedoch wieder in den „Stiller Protagonist macht, was man ihm sagt“-Modus. Und zu allem Überfluss können weder der finale Bosskampf noch das Ende wirklich überzeugen.

Abseits der eher geringen Herausforderung der Bosskämpfe (trotz Ultra-Violence-Schwierigkeitsgrad) im Allgemeinen dürfte ein Grund sein, dass trotz der vielen sammelbaren Datenlogs und den eingestreuten Flashback-Hologrammen irgendwie keiner der Hauptcharaktere für mich auf die eine interessante Ebene steigt. Doomguy tötet alles und jeden aber seine Motivation ist einzig und allein, dass er Dämonen hasst – mehr nicht. Das funktioniert für ihn sehr gut und macht ihn auch ein Stück weit sympathisch. Ich als Spieler möchte aber doch ein bisschen mehr haben, wenn die Entwickler schon versuchen so zu tun, als gäbe es hier eine tiefgründige Mythologie hinter allem. Leider interessiert mich speziell Olivia Pierce nicht die Bohne und Samuel Hayden hat nur eine coole Bass-Stimme. Nicht ganz Sinn der Sache würde ich sagen. Das muss zwingend mit DOOM Eternal besser werden. Andererseits hat es mich logischerweise nicht so sehr gestört, dass ich aufgehört hätte zu spielen :smile: . Am Ende des Tages hat DOOM (2016) trotzdem ein paar richtig geile Momente wie besagtes Intro oder der Einstieg in den Cyberdemon-Kampf.

Gemeinsam statt Einsam

DOOM (2016 – Herstellerbild)

Zu 100% fertig habe ich die Einzelspielerkampagne noch nicht. Hier und da habe ich wohl ein Datalog übersehen und ein paar Waffen wollen noch gemeistert werden (die letzte Upgradestufe jeder Waffenmodifikation ist immer eine Challenge wie z.B. töte 10 mal 4 Gegner gleichzeitig). Das habe ich mir durchaus vorgenommen noch alles zu erledigen. Aber gleichzeitig habe ich nun auch meine Fühler stärker in den Mehrspielermodus ausgestreckt. Anno 2016 hatte ich ihn als Halo-Klon abgetan und ja, prinzipiell hat sich daran nichts geändert. Doch die Entwickler haben in der Zeit einige Sachen verbessert und vor allem wichtige Modi wie z.B. Deathmatch ergänzt. Zwar wird mich der Mehrspieler trotzdem nicht stundenlang bei der Stange halten – dafür habe ich noch zu viele Einzelspielertitel zum Zocken – aber für ein paar Matches zwischendurch macht es auf jeden Fall Laune und fühlt sich glücklicherweise ganz anders an als Quake Champions trotz vieler ähnlicher Elemente (z.B. Progressionssystem, Customizing des Charakters, etc.).

Somit bleibt mir zum Abschluss des heutigen Eintrags nur noch einmal zu sagen: Wenn ihr es noch nicht getan habt und auch nur einen Funken Interesse an Ego-Shootern habt, dann MÜSST ihr DOOM (2016) spielen. Ich lasse da keine Ausrede abseits einer ausgeprägten Dämonophobie gelten. Und selbst da könnte man ids Werk eher als Therapie ansehen :wink: . Ich für meinen Teil bin absolut heiß auf DOOM Eternal. Mal schauen was die E3 2019 und/oder die QuakeCon 2019 in dieser Hinsicht bringen werden.

Sicarius

Enttäuschendes Parkour

Mirror’s Edge (Herstellerbild)

2008 war ein Wahnsinnsjahr für Electronic Arts – sowohl im positiven (viele neue IPs…) wie im negativen Sinne (…die sich nicht immer so gut verkauften wie erhofft). Es war das Jahr in dem sie sich seit langem mal wieder etwas getraut haben. Ja, technisch gesehen fiel die Entscheidung schon ein paar Jahre vorher aber ihr wisst schon :smile: . In dem Jahr brachte EA unter anderem (!) Army of Two, Burnout Paradise, Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3 (das beste Command & Conquer, egal was die Command & Conquer: Generals-Fans behaupten!), Crysis Warhead (das bessere Crysis), Rock Band 2, Nascar 09 (der leider bislang letzte Teil der Reihe), Battlefield: Bad Company (ich will endlich Teil 3!), Dead Space (ich will endlich Teil 3 wieder vergessen!) und Spore auf den Markt aber über letztes redet glaube ich keiner mehr… Ach und ein kleiner aber feiner Titel namens Mirror’s Edge.

Das Spiel war nicht perfekt, keine Frage. Vor allem der Zwang hier und da kämpfen zu müssen war doof. Aber es hat mir und vielen anderen sehr viel Freude bereitet. Das lag an zwei Dingen: Es sah trotz oder gerade wegen seines Hangs zum Minimalismus fantastisch aus und es schaffte einen genialen Flow aufzubauen. Ja, es war nicht sonderlich lang oder anspruchsvoll aber in gefühlt einem einzigen Bewegungsablauf über die Dächer parkouren oder durch die Kanalisation zu turnen war einfach einzigartig. Übrigens DAS Level was mir immer einfällt, wenn ich an Mirror’s Edge denke. Die Optik und das Gameplay in der Kanalisation sind einfach herausragend. Doch ich schweife ab.

Bereits 2009 kündigte EA trotz Verkaufszahlen, welche die Erwartungen nicht wirklich erfüllt hatten, einen zweiten Teil an – der nie das Licht der Welt erblickte. Stattdessen musste sich die Videospielgemeinde bis 2016 gedulden (nach einer erneuten Ankündigung im Jahr 2013), bis der Open-World-Reboot namens Mirror’s Edge Catalyst auf den Markt kam. Der Erfolgt hielt sich in Grenzen, um es zaghaft auszudrücken. Und genau diesen Titel habe ich in den letzten Wochen endlich mal durchgespielt. Spoiler: Meine Begeisterung hält sich ebenfalls in Grenzen.

(Cover)

Mirror’s Edge Catalyst (2016; PC, PS4, XONE) – Ihr schlüpft in die Rolle der Faith Connors, die gerade frisch aus dem Gefängnis entlassen wird. Weshalb sie dort war und warum sie bei einem Verbrecher namens Dogen Schulden hat? Ihr werdet es im Spiel selbst nicht erfahren. Electronic Arts war damals sehr auf dem „Cross-Mediale-Erlebnisse“-Trip und verlangte im Falle von Mirror’s Edge Catalyst, dass ihr zusätzlich noch die sechsteilige Comicbuch-Reihe von Dark Horse Comics namens Mirror’s Edge Exordium lest. Ich hab’s nicht getan. Aber gut:

Wir befinden uns in der Zukunft in einer Stadt namens Glass innerhalb der Nation von Cascadia. Der defacto Herrscher der Stadt ist Gabriel Kruger mit seiner Firma Kruger Security. Diese Firma stellt auch einen Chip her, der jedem Menschen eingepflanzt wird und ihm Zugang zum Internet gewährt, um es ganz grob auszudrücken. Aber natürlich gibt es Leute, die sich dagegen wehren so einen Chip zu tragen. Dazu gehören die Runner, die auf den Dächern der Stadt leben und wie der Name schon sagt ihren Lebensunterhalt damit verdienen quasi analog Nachrichten zu transportieren (also nicht ganz wie in Vernetzt – Johnny Mnemonic). Und Faith ist so eine Runner – angeblich sogar eine ganz gute. Ihre Eltern wurden damals von KrugerSec ermordet, weshalb sie logischerweise noch eine Rechnung offen hat. Also macht sie nach dem Gefängnisaufenthalt dort weiter, wo sie aufgehört hat: Sie schließt sich wieder der Truppe von Noah (vermutlich auch aus dem Comic bekannt?) an und versucht gleichzeitig die Schuld bei Dogen zu tilgen – und am Ende steht wie so oft das Schicksal der gesamten Mensch…äh Stadt auf dem Spiel.

Die Geschichte wird hauptsächlich im Spiel erzählt. Zwischensequenzen gibt es nur sehr wenige, die schicken Anime-Sequenzen des Vorgängers sind sogar komplett passé. Stattdessen versuchen die Entwickler löblicherweise euch einfach die nächste Aufgabe zu geben und die Turnerei auf den Dächern nur wenig zu unterbrechen. Leider leidet darunter die Erzählung, denn weil keiner der Charaktere so wirklich Zeit im Spiel zur Geltung zu kommen, baut man als Spieler auch keine richtige Verbindung zu ihnen auf. Das nimmt die Spannung und Tragik raus und selbst Faith’s Konflikt kommt durch die klischeebehafteten Flashbacks (ja, sie hat Alpträume) nicht wirklich gut rüber. Es fühlt sich alles ein wenig an, als hätte man irgendeinen Vorgänger verpasst und ist stattdessen in media res ins Spiel gekommen. Ach und das Ende ist zwar philosophisch interessant aber aus Spielersicht total unbefriedigend – vor allem weil die Wahrscheinlichkeit auf einen dritten Teil basierend auf dieser Variante der Spielwelt sehr gering ist.

Eine offene Welt…

Mirror’s Edge Catalyst (Herstellerbild)

Doch nicht nur die Geschichte ist im Vergleich zu Mirror’s Edge verändert worden – auch am Gameplay hat EA DICE gedreht. Der wichtigste Punkt: Statt linearer Levels steht euch nun eine riesige Spielwelt zur Verfügung in der ihr euch am Ende komplett frei bewegen könnt. Aufgeteilt in Stadtteile, die nach und nach durch Fortschritte in der Hauptgeschichte freigeschaltet werden, gibt es viel zu sehen und viel zu tun. Darunter beispielsweise zufällig generierte und endlos widerkehrende Liefermissionen, einen großen Haufen fest definierter Rennen und abwechslungsreiche Nebenmissionen (von „Renne von hier nach dort“ bis hin zu „Klettere von da nach dort“ :wink: ) sowie mehr Sachen zum Einsammeln als Sand in der Sahara. Plus eine leichte Mehrspielerkomponente, denn jeder kann selbst eigene Rennstrecken definieren oder an weit abgelegenen bzw. schwer erreichbaren Punkten seine virtuelle Flagge stecken, die dann bei anderen sichtbar werden und als Herausforderung für denjenigen dienen.

Klingt theoretisch nach dem perfekten Rezept für unendlich langen Spielspaß. Eine offene Spielwelt mit viel zu tun durch die ihr kunstvoll hindurchrasen könnt – wer will das nicht? Die meisten Fähigkeiten von Faith wie z.B. die Möglichkeit sanft zu landen oder auf Knopfdruck eine 180°-Drehung zu machen schaltet ihr sogar relativ zügig frei, müsst also nicht erst lange warten bis ihr wirklich trickreich durch die Gegend parkouren dürft. Selbst das neue Kampfsystem ist soweit okay und funktioniert erstaunlich gut ohne gleichzeitig den Spielfluss zu stark zu unterbrechen. Komplett ohne wäre mir aber weiterhin lieber gewesen.

…die mich überfordert

Blöd nur, dass das grundlegende Spielprinzip schlichtweg in diesem großen Stil nicht funktioniert. Ich habe am Ende elf Spielstunden für alle Missionen (Haupt und Neben) gebraucht und war echt froh endlich durch zu sein. Das erste Problem ist, dass die Spielwelt einfach zu riesig ist. Es kann kein Flow entstehen, wenn ich alle paar Sekunden erst einmal auf die Karte schauen oder ein Rennen mehrfach allein schon deshalb starten muss, um zu wissen wie der Weg geht. Ja, es gibt natürlich wieder die (optionale) „Runner’s Vision“, die nicht nur das nächste Parkourobjekt knallrot markiert, sondern per Linie einen möglichen Weg (nicht den schnellsten!) zeigt. Aber in der Hitze des Gefechts geht trotzdem schnell mal die Orientierung verloren und man weiß nicht mehr wo man ist und wo es lang geht oder man steht vor allem an den Häuserübergängen plötzlich in einer Sackgasse. Was gefühlt auch ein Stück weit daran liegt, dass es irgendwie keine richtigen und eindeutigen Landschaftsmerkmale gibt. Es sieht aus Faiths Blickwinkel innerhalb eines Stadteils alles gleich aus.

Mirror’s Edge Catalyst (Herstellerbild)

Jetzt könnte man sagen, dass das mit der Orientierung mit der Zeit kommt und es erst einmal wichtig ist, dass das Herumrennen an sich Spaß macht. Und ja, am Anfang sind sie wieder da, die Stärken von Mirror’s Edge. Aber ist man erst einmal wieder drin und versucht etwas mehr zu tun als nur geradeaus zu rennen und über Hindernisse zu springen, fallen einem sehr schnell die Unzulänglichkeiten auf. Und die sind nicht nur unverständlich, sondern teilweise tödlich und damit trotz überschaubarer Ladezeiten und fairen Checkpoints unglaublich nervig. Warum kann ich beispielsweise eine Wand hochrennen aber während ich dann an ihr herunter rutsche nicht auf den Balken nebendran springen – oder zumindest nach ihm greifen? Warum muss ich in einem exakten 45°-Winkel an die Wand laufen, damit das Spiel kapiert, dass ich einen Wallrun durchführen möchte? Warum ist ein Wallrun nach oben faktisch immer Glücksache? Warum macht das Spiel einen Wallrun, wenn ich einfach nur hochspringen wollte und schickt mich dadurch in den Tod? Und so weiter und so fort. Dafür, dass das Bewegungssystem theoretisch so viele Möglichkeiten bietet, fühlte ich mich in der Praxis extrem eingeschränkt. Das mag sicherlich auch ein bisschen an meinen persönlichen Fähigkeiten liegen, wenn ich mir das ein oder andere YouTube-Video anschaue. Aber trotzdem: Ich bin sehr oft gestorben, nur weil das Spiel entweder gar nicht oder nicht korrekt auf meine Eingaben reagiert hat. Und die spielerische Freiheit wird durchaus stark eingegrenzt, wenn ich bestimmte, eigentlich offensichtliche Pfade nicht bestreiten kann, nur weil es vom Entwickler scheinbar nicht vorgesehen war. Dadurch wird aus dem eigentlich coolen „Mmmh, wie könnte ich da hochkommen?“-Moment schnell ein unbefriedigendes „Okay, wie soll ich da hochkommen?“.

Entsprechend ist Mirror’s Edge Catalyst dann am besten, wenn es sich selbst einschränkt und beispielsweise in den Missionen zurückkehrt zur Linearität des Vorgängers. Dann kann das bekannte Spielprinzip erneut überzeugen und es kommt ein gewisser Flow auf. Auch wenn man in einem Rennen mal grundsätzlich verstanden hat wo es hingeht macht es erneut Spaß durch fortwährende Optimierung noch das letzte Zehntel heraus zu kitzeln. In der offenen Spielwelt selbst hingegen…nicht so wirklich.

Der Rest

Mirror’s Edge Catalyst (Herstellerbild)

Bei Grafik, Musik und Sound gibt es von meiner Seite nichts zu meckern. Mirror’s Edge Catalyst behält den minimalistischen Stil mit seinen starken Farben des Vorgängers bei. Genau hinschauen sollte man zwar nicht, da sich der Detailgrad in Grenzen hält aber das ist vernachlässigbar, schließlich rennt man die meiste Zeit an allem und jedem vorbei :smile: . Was sich die Entwickler allerdings dabei gedacht haben euch auf eine externe Webseite zu schicken, um euer Runner-Logo (erneut in den Spielen anderer sichtbar) zu ändern statt es direkt im Spiel anzubieten weiß ich nicht. Zumal der einzige Hinweis darauf ein Text auf dem Ladebildschirm ist. Eine Google-Suche hat mir gezeigt, dass ich nicht der einzige bin, der das überlesen hat. Zusätzliche Elemente wie Hintergründe oder Formen dafür erhaltet ihr durch das Freischalten von Achievements. Andererseits gibt es sowieso nicht viele Werbeflächen zum Hacken auf denen ihr es platzieren könnt und selbst bei denen ist es mir nicht wirklich aufgefallen. Sie sind schließlich eher an schlecht erreichbaren Stellen platziert (soll ja eine Herausforderung sein) und damit im normalen Spielalltag nicht sehr häufig im Blickfeld.

Beim Christoph meint: Ich habe lange überlegt was ich mit Mirror’s Edge Catalyst mache. Am Ende gibt es von mir sehr knappe 3 von 5 Sics. Den dritten Sic gibt es, weil ein Teil meiner Kritik eher subjektiver Natur ist. Aber eine echte Empfehlung kann ich trotzdem nicht aussprechen. Mich hat das Spiel wirklich frustriert. Auch deshalb, weil die guten Ideen sichtbar sind und ich es lieben wollte. Aber gute Ideen allein reichen halt nicht aus. Stattdessen gibt es eine belanglose 08/15-Geschichte mit Charakteren, die mir völlig egal sind und ein Spielprinzip das im Vorgänger (fast) einwandfrei funktioniert hat aber hier an allen Ecken und Enden mir nur seine Unzulänglichkeit zu spüren gibt. Aus meiner Sicht trägt die Hauptschuld daran die offene Spielwelt, die mehr Möglichkeiten suggeriert als sie tatsächlich bietet. Ein Problem, das Assassin’s Creed natürlich auch hat aber in einem Mirror’s Edge-Titel noch stärker negativ auffällt.

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