38.783,37€. Das ist der Betrag, der unter der Kostenzusammenstellung meines Zahnarztes steht. Wieviel davon meine gesetzliche Krankenkasse übernimmt? 3.981,62€ – 10% also. Bleibt eine Selbstzahlerlücke von 34.801,75€. Wird wohl Zeit für eine Spendenaktion auf GoFundMe…
Was’n los?
Okay, machen wir erstmal einen Schritt zurück. Eins meiner gesundheitlichen Probleme heißt Craniomandibulare Dysfunktion. Das wurde 2017 diagnostiziert. Dafür bin ich extra nach Frankfurt am Main zur Zahnarztpraxis eines Professors getingelt und habe gut Geld dagelassen (knapp 4.800€ Eigenanteil in drei Jahren). Anfangs ging es da auch gut vorwärts. Mein Gebiss wurde auf Vordermann gebracht und ich bekam auf Basis eines 3D-Scans eine 24-Stunden-Schiene. Daraus entstand dann ein guter Status Quo. Die Probleme wie Schulter-/Nackenschmerzen sind zwar nicht völlig aus der Welt – auch, weil ich eine faule Sau bin und meine Übungen nicht mache -, aber mir geht es definitiv seitdem besser als vorher ohne Schiene.
Aber der Herr Professor ließ sich relativ zügig nicht mehr in meinen Terminen blicken und die Praxis wurde irgendwann an ein Konsortium verkauft. Damit ging es bergab. Ein unhöflicher Zahnarzt, Termine wo gar kein Zahnarzt da war und sogar ein Termin, wo NIEMAND da war, ohne mir vorher Bescheid zu sagen. Dabei brauchte ich letztes Jahr mal wieder eine neue Schiene und hatte anschließend immer mehr Probleme im Bereich meines unteren Zahnimplantats. Also traf ich die leichte Entscheidung, dass ich ab sofort nicht mehr nach Frankfurt zu dieser unprofessionellen Bude fahre.
Eine Runde Raubbau
Ich war dann mit meinen ganzen akuten Problemen (=Zahnschmerzen beim Essen) bei meiner regulären Zahnärztin. Doch die war ebenfalls ein wenig ratlos. Mein Gebiss ist halt leider durch die vielen Jahre Pflegelosigkeit ziemlich marode. Zähne putzen? Das machen doch nur Babys! Lysanda hat mir anschließend ein paar auf CMD-spezialisierte Praxen in der Umgebung rausgesucht. Und bei einer davon bin ich nun in Behandlung gegangen.
Zuerst mit dem stark entzündenden Zahnfleisch und einer Zahnlücke, in der ständig mein Essen hängen blieb und ich es nicht mehr herausbekam. Anschließend sprach ich das Thema CMD an und war begeistert von der Reaktion. Gut, bei der Aussicht mehrere zehntausend Euro an einem Patienten zu verdienen, wäre ich das vermutlich auch
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Scherz beiseite: Ich fand und finde gut, dass er mir einen neuen und vor allem potenziell dauerhaften Ansatz auf den Tisch gelegt hat. Fakt ist nämlich, dass mein Gebiss und mein Kiefer durch jahrelanges Knirschen ziemlich hinüber sind. Die Spitzen auf meinen Eckzähnen fehlen schon lange und die rechten Backenzähne habe ich über die Jahre so stark abgearbeitet, dass ich mich demnächst durch den Zahnschmelz gewetzt haben werde. Das wird dann so richtig schmerzhaft.
Die Lösung
Meine alte Schiene half zwar ein Stück weit den weiteren Raubbau an meinen Zähnen zu verhindern und diesen absoluten Tiefpunkt etwas weiter in die Zukunft zu verlagern. Aber obwohl ich sie technisch gesehen 24 Stunden am Tag trage, zog ich sie immer beim Essen aus. Dafür war sie einfach nicht ausgelegt. Und damit, erklärte mir mein neuer Zahnarzt, habe ich im Prinzip die Arbeit des restlichen Tages sofort wieder zerstört.
Der Witz meiner Schiene ist nämlich, dass sie meinen Kiefer in die richtige Position bringen soll. Ohne die Schiene passen die Zahnreihen nicht zusammen und der Körper versucht es ständig zu korrigieren. Das ist ein Grund für das Knirschen (Stress ein anderer), aber auch für die vielen Verspannungen. Wenn ich die Schiene allerdings beim Essen ausziehe – wo ja die meiste Kieferaktivität ist –, kann da nichts Nachhaltiges passieren. Klingt logisch, hat mir aber vorher noch nie jemand erzählt.
Eine Möglichkeit wäre also gewesen eine Schiene herzustellen, die ich tatsächlich den ganzen Tag tragen kann. Allerdings hatte der Zahnarzt noch einen nachhaltigeren Vorschlag, auf den ich mich freudig gestürzt habe. Ja, ich kannte zu diesem Zeitpunkt die Kosten noch nicht. Und zwar will er mein Gebiss wiederaufbauen. Also meine Zähne so gestalten, dass sie zueinander passen und damit den Zweck erfüllen, den gerade die Schiene versucht zu erfüllen.
Die Hauptarbeit werden dabei sogenannte „Veneers“ erledigen. Das sind dünne Keramikschienen, die man auf die Zähne setzt. Man kann sie ein wenig mit Fingernägelverlängerungen vergleichen. Da sie als kosmetische Leistung angesehen werden – man kann sich damit z.B. weißere Zähne machen lassen -, bezahlt sie die gesetzliche Krankenkasse nicht. Und da ich davon 25 Stück brauche, sind wir schon allein damit bei 13.000€ Arbeitseinsatz. Da wundert es nicht, dass auf der Kostenzusammenstellung unterm Strich fast 40.000€ rausfallen. Heftig, aber wenn es mir nachhaltig hilft? Frei nach einer gewissen Kreditkartenwerbung: Unbezahlbar!
Der aktuelle Status
Ich habe selbstverständlich eine Zahnzusatzversicherung. Ganz blöd bin ich dann doch nicht. Allerdings übernimmt mein aktueller Tarif nur 75% der Kosten – wären also immer noch über 8.000€ Eigenanteil. Und zum anderen muss die Versicherung die Rechnung auch bezahlen wollen.
Die echte 24-Stunden-Schiene habe ich mir nämlich direkt anfertigen lassen. Zum einen, damit es nicht noch schlechter wird. Zum anderen aber auch als Simulation, ob die Lösung mit dem Gebissaufbau wirklich helfen würde. Die Antwort nach jetzt einigen Monaten Tragezeit: Ja, das könnte tatsächlich funktionieren. Aber schon hier stellt sich gerade die Versicherung quer, Geld an mich zu überweisen. Die Schiene hat mich nämlich rund 1.400€ gekostet. Die Begründung? Das hast du nur der Schönheit wegen gemacht und es hat keinen medizinischen Zweck!
Zugegeben: Sie hatten für diese Entscheidung nur die Rechnung. Ich hoffe entsprechend, dass die zusätzlichen Unterlagen vom Zahnarzt sie noch vom Gegenteil überzeugen werden. Anschließend schlage ich dann mit der Kostenzusammenstellung für die restliche Behandlung bei ihnen auf. Drückt mir die Daumen, dass am Ende eine positive Rückmeldung kommt. Ihr könnt alternativ aber auch schonmal den Geldbeutel bereithalten
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