„Ich atme Freiheit“, „Ich folge dem Glitzer“, „Bärenzeit ist meine Zeit“, „Der nächste Baumstamm ist meiner“ – was klingt wie schlechte Sprüche von Motivationspostern sind in der Realität Mottos, die bei der Nutzung des Züricher Ressourcenmodells (ZRM) entstanden sind. Sie sollen demjenigen, der sie nutzt, über den Rubikon helfen und ihn in eine bestimmte Haltung bringen. Und wie man zu so einem Motto kommt und es verinnerlicht haben wir vorletzte Woche in einem Bildungsurlaub gelernt. Logischerweise kann ich fünf Tage nicht in einen einzigen Eintrag verpacken aber die Grundzüge der Methode will ich euch natürlich nicht vorenthalten.

Die Idee

Die fünf Schritte des ZRM-Prozess

Hinter dem ZRM steckt ein Prozess aus fünf Phasen. In den ersten Teilen geht es darum den Verstand (Rational) mit dem Unterbewusstsein (Emotional) zusammen zu bringen. Ein einfaches Beispiel ist der Satz „Ich möchte mehr Sport treiben“. Ein einfaches Ziel, dem in der Praxis normalerweise nur wenig im Weg steht. Aber doch finden wir im Alltag immer sehr viele Ausreden („keine Zeit“, „zu viel Stress“, „zu anstrengend“ – ich kenne sie alle :wink: ), um eben nicht einmal die zehn Minuten für ein paar Kniebeugen zu investieren. Dafür ist das Unterbewusstsein verantwortlich, dessen Meinung gerne vom Verstand abweicht.

Sobald aber die beiden zusammenarbeiten, dann „flutscht“ es. Im ZRM spricht man dabei vom Überqueren des Rubikon, benannt nach einem berühmten Fluss in Italien. Da stand nämlich 49 v. Chr. ein gewisser Gaius Julius Caesar und haderte mit der Frage, ob er ihn mit seinem Heer überqueren soll oder nicht. Vom römischen Senat hatte er technisch gesehen die Order sein Heer und seine Herrschaftsgebiete (u.a. Gallien) aufzugeben, wenn er für das Konsulat kandidieren wolle. Das passte dem lieben Julius nicht, also sprach er (angeblich) die Worte „alea iacta est“ (die Würfel sind gefallen), überquerte den Rubikon und entfachte so einen Bürgerkrieg. Was total heroisch und super toll klingt, war laut einigen Historikern wohl mitverantwortlich für den Fall des römischen Reiches. Ja, die Schuld wird gerne den Barbaren zugeschoben aber mit seiner Missachtung des Gesetzes legte Caesar wohl den Grundstein für einen Verfall von Innen heraus, der besagten Barbaren ihr Werk überhaupt erst ermöglichte. Doch jetzt genug mit der Geschichtsstunde.

Den Rubikon zu überqueren ist im ZRM quasi die Motivation zu haben endlich zu handeln. Danach geht es darum eine konkrete Planung aufzustellen und… abschließend danach zu handeln.

Der erste Schritt

Bleiben wir bei unserem Wunsch mehr Sport zu treiben. Das ZRM sieht diese Aussage als den „Ich möchte“-Schritt, also das „bewusste Motiv“. Das kommt aber erst in Phase 2 zum Zuge, deswegen gilt es damit erst einmal einen Schritt zurück zu machen und das Unterbewusstsein abzuholen. Sprich auf Basis des Themas „Ich möchte mehr Sport treiben“ sich zu fragen, was ich dabei spüre bzw. welche Bedürfnisse dahinterstecken. Das ZRM arbeitet dabei mit einer speziellen Auswahl an Bildern, die von einer Horde von Studenten der Uni Zürich ausgewählt wurden, weil sie allgmein als positiv angesehen werden. Stichwort Motivationsposter quasi. Ein majestätischer Löwe, ein glückliches Kind, schöne Blumen und derlei Kram.

Positivität ist dabei ganz wichtig, denn das komplette ZRM ist auf Positives ausgelegt. Negatives hat hier keinen Platz. Ist ja auch logisch: Es ist ein Selbstmanagement-System und ihr wollt euch (hoffentlich) aufbauen und nicht niederreißen. Zumindest brauchen wir dazu keine Methode, das machen wir meistens schon von ganz alleine den ganz gut.

Ihr schaut euch also die Auswahl an Bildern an und entscheidet rein nach Bauchgefühl. Welches Bild spricht euch an? Welches zeichnet allein schon beim Anblick ein Grinsen auf euer Gesicht? Das ist dann euer Bild bzw. das Bild mit dem euch euer Unterbewusstsein zu diesem Thema bzw. zu dem was dahinter steht etwas sagen möchte. Wichtig ist nicht weiter darüber nachzudenken. Das Bild zieht euch an? Dann nehmt es.

Die Analyse

Meine Affektbilanz für Schokolade

Jetzt haben wir ein „komisches“ Bild. Super. Blöd nur, dass wir erst einmal keine Ahnung haben warum das Unterbewusstsein genau dieses Bild ausgewählt hat. Also gilt es im nächsten Schritt (am besten zusammen mit anderen, unbeteiligten Personen) einen sogenannten Ideenkorb zu füllen. Ziel ist es positive Aussagen zu dem zu finden, was auf dem Bild sichtbar ist. Zeigt es beispielsweise einen schlafenden Bären könnten so Begriffe fallen wie „genießend“, „flauschig“, „bewusster Einsatz von Energie“, „fühlt sich sicher“ oder „gute Nase“. Die nächste Aufgabe ist dann für jeden Begriff die sogenannte Affektbilanz zu ziehen.

Diese Affektbilanz besteht aus einer Negativen und einer Positiven Skala jeweils von 0 bis 100. Sinn und Zweck dieser Skala ist es das eigene Bauchgefühl einzuordnen. Quasi zu schauen wie stark positiv oder negativ besetzt ein Wort wie „aufmerksam“ ist. Fühlt es sich uneingeschränkt gut an oder ist doch irgendwie ein fader Beigeschmack dabei. Natürlich lässt sich zu allem eine negative Assoziation finden. Aber der Name sagt es ja schon: Es geht um die Wirkung im Affekt und nicht, ob euch 10 Minuten später doch noch einfällt, dass sich hinter „aufmerksam“ auch der nörgelnde Nachbar stehen könnte. Und gesucht werden Begriffe, Ideen, Assoziationen aus dem Ideenkorb, die auf der negativen Seite bei „0“ liegen und auf der positiven Seite mindestens bei „70“ oder höher. Ein gutes Beispiel ist „Schokolade“. Die hat zwar einen hohen Ausschlag auf der Positivseite, es kommen einem aber auch gleich negative Gefühle hoch („Fett werden“).

Erst wenn dieser Schritt abgeschlossen ist, fängt der Verstand kurz an zu arbeiten. In einer Selbstreflexion gilt es zu eruieren, warum das Bild und die dazugehörigen Begriffe so eine positive Wirkung auf mich haben. Aus diesem Paket wird dann ein Wunsch formuliert. Das Ergebnis ist das aus dem ursprünglichen Thema „Ich möchte mehr Sport treiben“ z.B. ein „Ich wünsche mir meine Energie bewusster auch für mich einzusetzen und nicht nur für alle anderen“ wird. So wurde aus dem rationalen Thema das dahinterstehende Bedürfnis extrahiert.

Das Motto

Für den Verstand ist dieser Satz natürlich noch extrem unhandlich und sperrig – und damit kommen wir nun endlich zurück zur Einleitung: Wir müssen unser Motto-Ziel finden. Das funktioniert erneut mit einem Ideenkorb. Auf Basis des Bildes, der dazugehörigen Lieblingsideen und dem formulierten Wunsch versucht die Gruppe assoziierte und positiv klingende Sätze zu bilden. Dabei kommt für den Verstand mehr oder weniger großer Blödsinn raus wie z.B. „Knuddelig und liebevoll gönne ich mir meine kraftvolle Stärke“, „Mein innerer Bär leitet mich“ oder „Ich erschnüffle was mir wichtig ist“. Aber der Verstand hat hier erneut Pause. Stattdessen gilt es auch diese Sätze über die Affektbilanz zu prüfen. Zaubert er mir einer uneingeschränkt ein Lächeln auf die Lippen? Machen mich ein paar an aber passen noch nicht ganz? Wie ist es, wenn ich z.B. dieses Wort tausche oder jenes entferne?

Das Motto-Ziel muss zudem vollständig in eurer Hand liegen (kein „Meine Frau krault mir den Bauch“) und als sogenanntes Annäherungsziel formuliert sein. Das sind positive Ziele, die wir glauben erreichen zu können. Das Gegenteil sind Vermeidungsziele. Die sind eher negativ belegt, weil wir sie für anstrengend halten. Die Folge sind entsprechend große Probleme den inneren Schweinehund (=Rubikon) zu überwinden. Sie helfen uns also überhaupt nicht dabei in eine positive Haltung zu kommen, sondern hindern uns eher noch dran.

Ein Ideenkorb voller Motto-Ziele

Was das Motto-Ziel jedoch auf keinen Fall muss: Für Außenstehende Sinn ergeben. Es muss für euch passen und es muss euch helfen über den Rubikon zu kommen. Alles andere ist irrelevant. Für uns mag „Ich folge dem Glitzern“ völliger Blödsinn sein, aber wenn der Satz demjenigen hilft seine Ziele zu verwirklichen, was haben wir dann für ein Recht ihm das madig zu machen?

Das Verinnerlichen

Mit der Formulierung des Motto-Ziels ist der Rubikon endlich überquert. Wir haben damit eine positive, innere Haltung gefunden, die uns hilft etwaige Widerstände zu überwinden. Blöd nur, dass wir im Alltag so vergesslich sind. Frisch nach dem Bildungsurlaub denkt man vielleicht noch dran sich den Satz hin und wieder zu sagen. Aber wir wissen alle wie lange sowas nachhält. Deswegen gibt es beim ZRM einen sogenannten Ressourcenpool. Neben dem Bild und dem Motto-Ziel enthält er noch Erinnerungshilfen, Embodiments und soziale Ressourcen.

Erinnerungshilfen sind Dinge, die wir bei uns tragen, sehen oder hören und die wir mit unserem Motto-Ziel in Verbindung bringen. So wie wir es auch aus der Werbung kennen (gelbes M, magenta T, irgendwelche Jingles und so). Bei mir sind das gerne Edelsteine, die ich in der Hosentasche trage. Es kann aber auch der Spitzer auf dem Schreibtisch sein, die Fußmatte vor der Haustür oder der Klingelton, wenn die Schwiegermutter anruft. Je mehr desto besser. Wichtig ist einfach nur: Es muss euch an euer Motto-Ziel erinnern, damit ihr sofort in die gewünschte Haltung kommt.

Hier kommen dann auch die sozialen Ressourcen ins Spiel, die das ZRM in drei Typen einteilt: Stille, eingeweihte und strategische. Die stillen und strategischen Ressourcen wissen nichts von ihrem Glück. Die stille beispielsweise kann ein bärtiger Typ in einer Konferenz sein, der euch so an euren Bären erinnert. Die strategische hingegen bittet ihr beispielsweise darum euch vor Beginn eurer Präsentation eine SMS zu schicken, sie weiß aber nicht warum. Eingeweihte kennen hingegen ganz genau euer Motto und unterstützen euch direkt und bewusst bei euren Vorhaben. Zum Beispiel die Freundin mit der ihr in die Mittagspause verschwindet, wenn euch gerade mal wieder was aus der Balance wirft.

Die Bewegung

Fehlen noch die Embodiments. Das sind Bewegungen, die ihr mit eurem Motto-Ziel verbindet bzw. es damit verinnerlicht. Zwei Varianten gibt es: Einmal die Makroversion, die ihr vermutlich nicht in der Öffentlichkeit zeigt und der Micro-Move, den ihr heimlich oder unauffällig machen könnt. Auch wieder geboren aus einem Ideenkorb, kann man sich die Makroversion quasi als kleinen Tanz vorstellen, der euch in die richtige Stimmung versetzt. Dazu wird das Motto-Ziel in seine Bestandteile zerlegt und geschaut welche Wort/Wortkombinationen durch welche Bewegung symbolisiert werden könnte. „Ich atme Freiheit“ könnte z.B. aus „Hände aufs Herz, tief Durchatmen, großzügige Armbewegung nach außen“ bestehen. Je intensiver und ausladender desto besser – solange es sich gut anfühlt. Der Micro-Move ist hingegen z.B. ein Schulterklopfen oder eine Fußbewegung, die quasi eine Kurzfassung eures Motto-Ziels darstellt.

All das soll dafür sorgen, dass ihr zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort einfach und schnell in eure gewünschte (positive) Haltung schlüpft. Das bedeutet nicht zwingend, dass ihr dann am Ende mehr Sport treibt. Aber es gibt euch die Gelegenheit äußere Einflüsse (bis zu einem gewissen Grad) abzuwerfen und stattdessen zu tun, was euer Verstand und euer Unterbewusstsein gemeinsam entschieden haben. Dank der neuen Haltung seid ihr quasi mit euch im reinen – mit der Folge, dass möglicherweise auch im Außen Veränderungen eintreten. Wir kennen das schließlich alle: Der nach vorne gebeugte, vor sich hin schlurfende Typ strahlt eine ganz andere Aura aus als der aufgerichtete, selbstsichere Typ daneben.

Die Übung

Dass das nicht von einen Tag auf den anderen geht ist auch den Erfindern des ZRM klar. Deshalb sortieren sie den Alltag in A, B und C-Situationen. In A-Situationen ist es einfach in die gewünschte Haltung zu kommen, weil die Widerstände gering sind. Wenn z.B. die Wäsche mal wieder in die Waschmaschine muss. B-Situationen sind hingegen Ereignisse, die wesentlich mehr Überwindung kosten aber dafür planbar sind wie z.B. ein „am Dienstag gehe ich Sport machen“. In C-Situationen werdet ihr hingegen komplett überrumpelt und meist sprachlos zurückgelassen oder reagiert sehr emotional. Sie überfordern euch also.

Solche Situationen lassen sich logischerweise nie komplett vermeiden. Aber es geht darum euren Umgang damit zu verbessern. Damit die nächste, ähnliche C-Situation eben nicht mehr eine C-Situation ist, sondern vielleicht nur noch eine B- oder irgendwann sogar mal eine A-Situation. Und dazu nehmt ihr euren Ressourcenpool plus etwas Selbstreflexion („Warum war das eine C-Situation?“, „Was hinderte mich daran meine Haltung einzunehmen?“) her.

Die Praxis

Screenshot vom ZRM-Onlinetool

Das klingt logischerweise alles viel einfacher als es in der Realität ist. Nur weil man ein Motto-Ziel aufschreibt, sind die damit verbundenen Hindernisse ja nicht automatisch weg. Aber es hilft sicherlich in solchen Situationen diese Hindernisse besser wahr zu nehmen und zu überwinden. Und ja: Mein Motto habe ich trotz eines umfangreichen Ressourcenpools definitiv noch nicht wirklich verinnerlicht. Aber meine eingeweihte Ressource, Lysanda, erinnert mich immerhin regelmäßig daran :smile: . Wird also sicherlich mit der Zeit noch was.

Unterm Strich fand Lysanda den Bildungsurlaub auch interessanter und spannender als ich. Grundsätzlich finde ich die Idee hinter dem ZRM aber definitiv gut. Den inneren Schweinehund kennen wir alle und das System ist das erste mir bekannte, dass tatsächlich versucht mir praktische Hilfsmittel für den Alltag an die Hand zu geben. Andere Methoden setzen irgendwie viel zu sehr auf Selbstreflexion und Selbsterkenntnis und dadurch ggf. eintretende Verhaltensänderungen. Aber den Rubikon konnte ich damit bislang irgendwie noch nicht überqueren. Das ZRM zeigt hingegen, dass deine Haltung deine eigene Entscheidung ist und du dem nicht hilflos ausgeliefert bist. Es zielt dabei auf die Lösung und nicht das Problem ab.

Wenn ihr genaueres zum ZRM wissen wollt, dann ist logischerweise die offizielle Webseite eine gute Anlaufstelle. Die haben sogar ein Online-Tool mit dem ihr Zuhause am Rechner zu einem Motto-Ziel kommen könnt. Aber vorher zumindest ein paar Videos anschauen. Ohne ein paar (besser erklärte) Grundkenntnisse funktioniert das nicht so gut :smile: .

Da haben sich zwei gefunden!

Ich bin mittlerweile seit über vier Jahren mit Lysanda verheiratet. So ganz nachvollziehen kann ich es weiterhin nicht, dass sie es mit mir aushält – beschweren werde ich mich darüber aber natürlich nicht :tongue: . Und nein, vor 10 Jahren hätte ich definitiv nicht gedacht, dass ich diesen Satz mal schreiben würde. Wir sind aber noch nicht über den statistischen Buckel drüber. Die durchschnittliche Ehedauer liegt in Deutschland aktuell bei 14,8 Jahren und die meisten Scheidungen gibt es nach sechs Jahren. Doch das nur am Rande. Ich richte selbstverständlich meine Beziehung nicht an irgendwelchen Statistiken aus. Schon gar nicht an solchen wie „Wieviel Sex ist normal?“, bei denen ich immer froh bin zu sehen, dass bei uns scheinbar die Sache besser läuft :wink: .

Stattdessen will ich darauf zu sprechen kommen, dass sich in vielen Familien über die Jahre das ein oder andere, gemeinsame Ritual und Traditionen in den Alltag einschleicht. Das kann der Gute-Nacht-Kuss vor dem Licht ausmachen sein, das festgelegte Menü an Heiligabend oder der eine Typ von Geschenk zum Geburtstag. Lysanda schaut mich trotzdem immer schräg an, wenn ich von Zuhause erzähle wo es beispielsweise zu Heiligabend immer Lende mit Spätzle gab (die Bockwurst mit Kartoffelsalat-Esser finde ich komisch…) oder Samstagsabends häufig Bratwurst/Steak mit frischen Brötchen bzw. wenn Mama unterwegs war eine Runde KFC. Alles ist möglich und bringt eine gewisse Routine und Vertrautheit ins Leben. Und wir Menschen bevorzugen Gleichmäßigkeit und Bekanntes über allem anderen. Es ist schließlich etwas, auf das man sich verlässlich freuen kann. Es gibt aber auch viele, denen ist das auf Dauer zu langweilig. Aber ewiges Abenteuer gibt es halt nur in den Unterhaltungsmedien und bei Motivationscoaches, die sich irgendwo in der Südsee auf einer Insel filmen lassen. Bitte? Ja, ich finde diese Leute sehr fragwürdig aber egal.

Das eigentliche Thema

Bei uns scheint sich aktuell eine relativ teure, jährliche Tradition zu entwickeln. Und zwar waren wir bereits das dritte Jahr in Folge im August in Frankfurt bei Sport Tiedje. Übrigens ein Laden, den wir uneingeschränkt empfehlen können. Sehr gute (und ehrliche!) Beratung, viele Geräte zum Testen vor Ort und etwas Verhandlungsspielraum was den ein oder anderen Preis betrifft.

Der modifizierte Crosstrainer

Angefangen hat es 2018. Da haben wir dort unseren Crosstrainer gekauft. Die Wahl fiel auf den Life Fitness Crosstrainer X1 Go. Zum einen kannten wir die Marke und das Modell (in etwas teurer) aus unserem Fitnessstudio. Zum anderen war er gerade stark reduziert. Grundsätzlich ein super Gerät mit dem wir absolut zufrieden sind. Nur bei zwei Sachen mussten wir zusätzlich Hand anlegen: Er hat keine Handy/Buchablage und wir trainieren gerne Barfuß. Ersteres haben wir durch den Kauf einer Schwanenhalshalterung behoben. Dabei allerdings darauf achten, dass sie lang genug ist. Da sie sich nur unter dem Display befestigen lässt und ihr entsprechend den Hals drumherum/darüber hinweg biegen müsst, ist die Strecke vergleichsweise lang. Das Problem beim Barfuß trainieren ist hingegen, dass die Hartplastikschalen (inkl. „Antirutscheinkerbungen“) echt unangenehm sind an den blanken Füßen. Hier haben wir als Lösung eine alte Korkplatte (war allein zu glatt) aus unserem Restposten mit einer Teppichfliese verbunden und zurecht geschnitten. Funktioniert super. Müssen sie aber demnächst mal austauschen, weil der Teppich langsam aber sicher durchgelaufen ist.

August 2019 waren wir dann dort mit dem Ziel ein Trampolin zu kaufen. Auf dem Trampolin zu Schwingen hilft den Lymphkreislauf in die Gänge zu bringen. Außerdem macht es einfach Laune rum zuspringen (und ggf. ein paar Übungen zu machen). Keine Ahnung welches menschliche Urbedürfnis dabei befriedigt wird aber gefühlt hat auch jeder Nachbar ein Außentrampolin für die Kinder im Garten stehen :smlie: . Von Sport Tiedje wurden wir zu einem cardiojump Fitnesstrampolin Premium beraten. Das ist soweit ich weiß damals erst neu auf den Markt gekommen und ist preislich in einem bezahlbareren Bereich als die Markenteile von Salta, Kettler & Co. – bei angeblich gleicher Qualität. Auch hier: Wir sind absolut zufrieden. Es ist ein Trampolin, es lässt sich leicht auf- und abbauen, steht trotz einklappbarer Füße absolut stabil und bislang hat es noch keine nennenswerte Abnutzungserscheinungen. Und, besonders wichtig, es gibt für alle Bestandteile Ersatzteile. Schließlich wird irgendwann doch der ein oder andere Gummi seinen Geist aufgeben. Zubehör wie eine Haltestange für intensiveres Sprungtraining haben wir dafür aber nicht geholt.

2020

Ende Juli kam Lysanda dann erneut an und meinte: „Wollen wir uns vielleicht ein Liegefahrrad zulegen?“. Wir hatten zwar schon mein, aus einer Praxisauflösung stammendes, Ergometer im Keller aber das haben wir faktisch nicht benutzt. Der Sattel war äußerst unangenehm, die Griffe komisch und ein Ersatz bei dem alten Ding das Geld irgendwie nicht wert. Und ein Liegefahrrad deshalb, weil es logischerweise nicht ganz so anstrengend ist wie der Crosstrainer und man etwas gechillter trainieren kann – allerdings nur die Beine, die sowieso schon stärksten Muskeln im Körper. Also wieder ab nach Frankfurt und ausgiebig die dortigen Ausstellungsstücke angeschaut. Aber nein: Es steht tatsächlich nun kein neues Liegefahrrad im Keller. Wir wurden vom netten Verkäufer stattdessen umberaten.

Unser beider Ziel ist (leider) immer noch wieder abzunehmen. Trotz massiver – und mittlerweile definitiv dauerhafter Ernährungsumstellung (Low Carb, ~300g Essen pro Mahlzeit und häufig nur zwei Mahlzeiten pro Tag), fast vollständigem Verzicht auf Zucker und regelmäßigem Training fallen die Kilos irgendwie nicht wie gewünscht. Entsprechend meinte der Verkäufer, dass er uns zwar natürlich gerne ein Liegefahrrad andrehen könnte. Er meinte aber gleichzeitig, dass er aus seiner Sicht etwas Besseres für uns hat: Ein Rudergerät. Und ja, er hat uns am Ende erfolgreich davon überzeugt, dass das die sinnvollere Investition in unsere Gesundheit ist als faul auf einem Liegefahrrad unsere Runden zu drehen. So ein Rudergerät ist definitiv ein umfangreiches Ganzkörpertraining – in relativ kurzer Trainingszeit.

Der zweite Einkauf

Ja, wir haben dreckige Füße…

Bevor wir aber zum Rudergerät kommen: Wir haben zusätzlich noch eine Taurus Vibrationsplatte VT5 mitgenommen. Wir hatten die ganze Zeit schon eine geschenkte aber total billige Platte aus dem Supermarkt im Keller stehen. Sie reichte aus, um festzustellen, dass uns die Idee dahinter durchaus gefällt. Aber das kleine, viereckige Ding mit seinen dicken Noppen reichte für unsere Ansprüche einfach nicht aus. Gleichzeitig haben wir im Keller definitiv nicht den Platz für die riesigen Teile aus dem Fitnessstudio. Die Taurus VT5 bildet da den perfekten Kompromiss aus starkem Motor, der einen anständig von Fuß bis Kopf durchrüttelt, Preis und Platzbedarf. Ach und Taurus ist die Eigenmarke von Sport Tiedje. Im Bereich der Vibrationsplatten haben sie gar keine anderen Firmen im Programm :smile: .

Schon allein nur mit leicht angewinkelten Knien (nie durchdrücken!) da drauf zu stehen und sich 10 Minuten (mehr geht am Stück nicht) durchrütteln zu lassen verursacht am Anfang an einigen Stellen Muskelkater. Effektiver wird es aber natürlich, wenn ihr sie mit in euer Training einbaut. Ähnlich wie die EMS-Anzüge quasi. Ne Runde Kniebeugen, Bauchübungen, etc. pp. und schon ist die Sache noch effektiver. Der Verkäufer meinte auch, dass sie Anfangs etwas übermütig dutzende von Liegestützen darauf absolviert und danach tagelang Muskelkater hatten.

Und auch auf die Gefahr wie eine kaputte Schallplatte zu klingen: Auch mit diesem Kauf sind wir absolut zufrieden. Das Ding hat anständig Power unter dem Hintern und kommt entsprechend an alle Stellen dran während das Supermarktding gefühlt höchstens bis zur Hüfte gekommen ist. Die drei verfügbaren Programme rütteln einen anständig und abwechslungsreich in alle Richtungen durch (manueller Betrieb geht auch – inkl. Fernbedienung) und sie ist trotzdem angenehm mobil/handlich, um sie zügig mal aus dem Weg räumen zu können. Und ja: Man hat je nach Übung mächtig Muskelkater danach. Ich persönliche finde sie vor allem super als Trainingsabschluss, um den Körper nochmal so richtig zu entspannen. Diese Aussage mag erstmal keinen Sinn machen, schließlich spreche ich von Muskelkater. Aber die Vibrationen lockern natürlich auch die Muskeln bis in die Tiefe. Ein paar Dehnungsübungen dazu machen und alles ist perfekt :smile: . Lysanda hat hingegen ihr Training (z.B. 100 Kniebeugen) vom Trampolin auf die Vibrationsplatte verlegt und macht die Entspannung auf dem Trampolin.

Das Rudergerät

Das schicke Rudergerät

Kommen wir aber nun endlich zum eigentlichen Thema: Das Rudergerät. Angeblich werden beim Rudern 80% aller Muskelgruppen im Körper in Anspruch genommen und der gesamte Bewegungsapparat genutzt. Es ist somit nicht nur Kraft-, sondern auch Ausdauertraining und ist angeblich aufgrund dieser hohen Beanspruchung ebenfalls ein gutes Mittel zum Abnehmen aufgrund des Kalorienverbrauchs. Und nach den ersten Runden auf diesem Gerät muss ich sagen: Ja, ich würde sagen das stimmt. Man drückt die Bein durch, legt sich nach hinten (=Bauchtraining) und zieht kräftig mit den Armen und das alles in einer fließenden Bewegung bei der man relativ wenig falsch machen kann (Stichwort „falsche Belastung“), wenn man den Ablauf mal verstanden hat. Aber schaut euch dazu am besten Mal ein Video an. Das auf Textbasis zu erklären ist mir zu umständlich :wink: .

Wir haben uns für ein Gerät in der Farbe „Esche Natur“ der Firma WaterRower aus Deutschland entschieden. Dazu gab’s noch die Smartphone-Halterung und eine Packung Chlortabletten. „Hä? Wad? Chlortabletten?!“ – Manchmal bist du schon etwas schwer von Begriff, lieber Besucher. Es sagt doch schon der Name: „WaterRower“. Das Ding ist mit maximal 18l Wasser gefüllt und damit sich darin keine Algen bilden, muss man halt hin und wieder mal eine Chlortablette reinwerfen.

So real!

Überzeugt hat uns die Wasser-Variante im Gegensatz zu den klassischen Systemen, die man so aus dem Fitnessstudio kennt aus mehreren Gründen: Die Holzvariante (gibt’s auch in Edelstahl) sieht extrem schick aus und lässt sich einfach und schnell aufstellen (vorausgesetzt die Decke ist höher als 2,1m – so lang ist das Ding nämlich), um es nach dem Benutzen in die Ecke zu schieben. Nimmt dann ungefähr die Grundfläche eines Stuhls ein. Gleichzeitig ist das Wassergeräusch irgendwie cool und erzeugt das richtige „Ruderfeeling“. Das ist definitiv nicht zu verachten. Es macht den kleinen aber feinen Unterschied zwischen einem reinen Fitnessgerät hin zu einem etwas durchaus entspannendem Training! Und trotzdem ist es im Vergleich zu den anderen Metalldingern leise und angenehm. Außerdem sind die Wassergeräte wohl langlebiger und abseits der Chlortablette völlig Wartungsfrei. Der wichtigste und entscheidendste Vorteil ist aber: Der Wasserwiderstand führt zu einem natürlicherem und damit einem für die Gelenke schonendem Rudern. Die Aussage in manchen Tests, dass ihr vor jedem Training deshalb je nachdem die Wassermenge reduzieren oder erhöhen sollt ist aus meiner Sicht (und lt. Verkäufer) übrigens Schwachsinn. Ja, ihr steuert den Grundwiderstand über die Wassermenge. Aber ich sehe keinen Grund nicht einfach z.B. 17l reinzupacken und das so zu lassen. Zum ständigen rein- und rausholen ist der Tank zum einen nicht ausgestattet, zum anderen steuert ihr am Ende des Tages selbst den Widerstand. Zu anstrengend? Dann eben nicht mit 3,5m/s unterwegs sein, sondern vielleicht nur mit 3m/s.

Von oben

Ich schaffe aktuell übrigens 2km in ca. 15 Minuten – allerdings mit 3-4 Pausen (die erste nach ca. 800m). Das Ding ist nämlich extrem anstrengend (und ich scheinbar immer noch völlig untrainiert) und erfüllt damit eindeutig sein Versprechen. An der Seite ist ein kleiner Computer der euch die Distanz, die Zeit, die Schlagzahl und eben die Geschwindigkeit in verschiedenen Einheiten darstellt. Ein paar Trainingsprogramm gibt es wohl auch aber wir stellen derzeit einfach nur eine Kilometerzahl ein und versuchen die erstmal ohne Pause und mit dem richtigen Bewegungsablauf zu erreichen. Das ist schon anstrengend genug. Spielereien wie man sie von manch anderen Geräten kennt (z.B. ein Angelspiel) gibt es hier nicht aber das brauche ich auch nicht. Nur Barfuß trainieren, das geht hier nicht. Die Halterungen für den Fuß sind wieder aus Hartplastik wie auch die Schnürriemen zum Festzurren der Füße. Das schabt und tut sehr schnell weg. Aber ohne Schuhe Sport zu treiben scheint eh nicht besonders verbreitet zu sein irgendwie…

Der Zusammenbau ging sehr gut von der Hand und dauerte maximal 30 Minuten (16 Schrauben insgesamt). Das Auffüllen ist mit einem Eimer und der beiliegenden Handpumpe ebenfalls kein großes Problem (Wasserschlauch ist natürlich einfacher). Auch die Smartphone-Halterung war simpel und schnell zu montieren und verrichtet gute Dienste. So kann man trainieren und trotzdem dabei z.B. ein Video schauen – vielleicht wie jemand anderes gerade über einen See rudert :smile: . Insofern: Auch mit diesem teuren Einkauf sind wir absolut zufrieden. Es macht Spaß, ist sehr anstrengend und vermutlich ist das Training sogar effektiver als eine Stunde auf dem Crosstrainer oder so. Wir können das Teil bislang uneingeschränkt empfehlen. Bin echt froh, dass uns der Verkäufer umberaten hat.

Epilog

Jetzt müssen nur endlich die Kilos purzeln. Und im August 2021 schauen wir dann mal, was uns Neues einfallen wird. So langsam geht uns nämlich definitiv der Platz im Fitnessbereich aus…

Sicarius

Körpertuning: Kälte

MECOTEC cryo:one Kältekammern (Herstellerbild)

Bevor wir heute zu irgendeinem anderen Thema kommen, muss ich euch endlich von unseren Erfahrungen in der Kryosauna berichten. Das fiel irgendwie bislang hinten runter, weil die Einträge immer länger werden als geplant (so viele Sachen, die mir plötzlich einfallen) und kein sinnvoller Platz mehr für einen weiteren Themenwechsel ist :smile: . Also: Wir waren Anfang des Jahres spaßeshalber vier Mal (technisch gesehen fünf Mal, weil sie einmal während der Behandlung ausgefallen ist) in einer Kryosauna. Es hat in Darmstadt eine neue aufgemacht und es gibt nicht nur ein Kennenlern-Angebot, sondern auch eine Groupon-Aktion. Da dachten wir uns, das können wir für den Preis mal ausprobieren.

Kalt!

Eine Kryosauna ist nicht zu verwechseln mit einer Kältekammer. Kältekammer ist das Ding, in dem „nur“ -110°C herrschen und ihr euch frei bewegen könnt (sogar mit mehreren Personen). Die Kryosauna ist hingegen eine Art Tonne in der ihr euch alleine reinstellt und nur noch der Kopf rausschaut. Beides hat natürlich den gleichen Sinn und Zweck, die Kältekammer ist einfach nur das „Original“ – wobei der Erfinder dieser Therapieform, der Japaner Toshiro Yamauchi, seine Rheumapatienten 1978 sogar bei -175°C dort reingeschickt hat. Das hätten besagte Patienten aber als „unangenehm“ (ach ne?!) empfunden, deswegen geht man heutzutage in der Kältekammer nicht mehr so extrem tief runter. Und natürlich gibt es auch noch die „Bekloppten“ die z.B. Eisbaden oder sogar Eistauchen praktizieren. Gehört in die gleiche Kategorie.

Die Krysoauna ist schlicht die modernere Variante der Kältetherapie, die bei -160°C arbeitet und trotz niedrigerer Temperatur angenehmer wäre als eine Kältekammer. Ich habe den direkten Vergleich nicht, vermute aber es liegt unter anderem daran, dass der Kopf draußen ist. Ich gehe davon aus, dass das durchaus weh tut, wenn der trotz Mütze (Kältekammer hat man Schuhe, Handschuhe, Mundschutz und eine Mütze auf) so extrem abkühlt. Gearbeitet wird – ebenfalls anders als in der Kältekammer – hier mit einem Stickstoffnebel, der in die Kammer geblasen wird und sie ratzfatz runterkühlt. Deswegen ist auch der Kopf draußen, denn den Nebel sollte man nicht sehr intensiv einatmen. Da stirbt man wohl sehr schnell weg (wir Menschen lieben es mit gefährlichen Dingen zu hantieren…). Also erst wird man bewusstlos und dann erstickt man innerlich aufgrund des Sauerstoffmangels. Klingt lustig. Gab‘ entsprechend schon Ideen das in den tollen US of A als „humane“ Hinrichtungsmethode einzuführen. Bei Labortieren ist das hingegen aufgrund des Tierschutzes verboten (wäre die langsamste Tötungsart). Nein, ich verlinke hier jetzt explizit nicht auf die dazugehörige Studie/Handlungsempfehlung der Uni Saarland. Ich finde, es hat keinen Mehrwert seitenweise davon zu lesen wie man am besten eine Laborratte „Tierschutzgerecht“ tötet.

Cryomed One (Herstellerbild)

Manchmal ist das Internet definitiv mehr Fluch als Segen. Ich hör‘ entsprechend jetzt mal auf zu dem Thema zu recherchieren, okay? Da wird man nur Depressiv bei. „Lysanda? Warum haben wir uns das nochmal mit der Kryosauna freiwillig angetan?! Bitte? Wegen der Gesundheit? Wenn ich Tod bin, brauche ich keine Gesundheit mehr. Klingt eher so als wollten wir es dem Bestatter einfacher machen, weil wir schneller steif sind und er uns so besser tragen kann…“

Die Anwendung

Wir sind offensichtlich nicht weggestorben, deswegen kann ich davon berichten wie es war. Vor Ort hat uns eine Cryomed One erwartet aber die Dinger gibt es wohl mittlerweile von vielen Herstellern. Also bis auf die Unterhose nackig gemacht (sonst frieren gewisse Teile weg), Socken, Wollschuhe und auf Wunsch Handschuhe anziehen und dann geht es für maximal drei Minuten ins eisige Stickstoffgebläse bei -160°C. Etwas Bewegung hilft, dass es sich nicht ganz so extrem anfühlt aber am Ende des Tages hängt es definitiv von der Tagesform ab. Eine Anwendung war es durchaus angenehm und zum Aushalten, ein andermal konnten die drei Minuten nicht schnell genug vorbeigehen, weil einem alles (buchstäblich) abfriert. Und das war’s. Danach ein bisschen (buchstäblich) chillen, anziehen und fertig. So schnell kann eine Therapie gehen. Nichts Weltbewegendes. Bleibt entsprechend nur noch die Frage: Hat es was gebracht? Schließlich schwören doch vor allem Profisportler angeblich total drauf (Warum müssen es immer Profisportler sein, kann man nicht auch mit einem Otto-Normalo Werbung machen?!). Für uns ehrlich gesagt nicht. Ja, es hat danach vor allem in den Beinen wollig gekribbelt und die Durchblutung wurde definitiv angeregt. Aber z.B. meine ewige Schulter-Nacken-Verspannung hat es nicht einmal kurzzeitig gelindert. Vielleicht waren vier Sitzung verteilt auf zwei Monate schlicht zu wenig für sowas Chronisches.

Die Idee hinter der Kälte ist, dass sie den Stoffwechsel und den Kreislauf anregt. Man versetzt den Körper quasi in Sterbensangst und er dreht dadurch voll auf. Das soll die Immunabwehr stärken und eine Runde Endorphin freisetzen, da diese schmerzlindernd wirken und für gute Laune sorgen (der Körper will ja überleben). Am Ende habt ihr 600 bis 700kcal verbrannt, euer Gewebe wurde besser durchblutet und damit mit mehr Sauerstoff versorgt und angeblich haufenweise Schadstoffe zerstört. Außerdem soll es Muskelverspannungen lösen, das Hautbild verbessern (z.B. bei Akne) und eben Schmerzen lindern. Ist sicherlich alles grundsätzlich richtig – Kältetherapie ist schließlich nichts Neues und wurde schon in vielen Varianten wissenschaftlich untersucht. Nur wie gesagt: Bei uns haben wir keinen Unterschied gemerkt. Es war mal ganz nett es ausprobiert zu haben und vielleicht gehen wir im Sommer nochmal hin (soll ja heuer wieder sehr heiß werden). Aber von den tollen Versprechungen, die auf den ganzen Internetseiten gemacht werden, haben weder Lysanda noch ich irgendetwas gespürt – weder kurz- noch langfristig.

Radikaler Themenwechsel

Ein süßes Kellerfenster

Und was war sonst so? Nun, vergangene Woche hat es der Sachverständige vom TÜV endlich geschafft zu erscheinen. Er ist einmal lustlos durch den leeren Öltankraum, dann in den Heizungraum gegangen (dort auch nicht wirklich was angeschaut) und hat dann das Datum von der Abbaubescheinigung von Laudon in seinen Rechner getippt. Das war’s. Hat keine fünf Minuten gedauert, wird aber um die 120€ kosten – genau wusste er es nicht. „Dafür bin ich nicht zuständig“ waren seine exakten Worte. Ja, ne. Und darauf musste ich jetzt neun Wochen warten? Wahnsinn. Die Bescheinigung kommt dann im Laufe der Woche sowohl bei uns als auch beim Umweltamt an. Anschließend ist der Öltank offiziell nicht mehr existent. Bin allerdings gespannt, ob der TÜV das in seiner Datenbank ebenfalls korrekt vermerkt. Wir hatten nämlich einen Servicevertrag abgeschlossen für die regelmäßige Prüfung (gab Rabatt). Ich würde ja erwarten, dass der mit der Außerbetriebnahme automatisch nichtig ist. Sicher bin ich mir bei dem Verein aber absolut nicht.

Tags darauf (hat wunderbar gepasst), kam dann der Fensterbauer vorbildlich mit Mund-Nasen-Schutz und hat das kleine Kellerfenster im Tankraum gegen ein neues von Weru ersetzt. Das alte Metallding ging nicht mehr richtig zu und bot auch keinen Sichtschutz (wollen ja u.a. ein Bad reinbauen). Da das Rohr vom Klo direkt davor verläuft, machte es keinen Sinn ein Doppelfenster oder sowas zu nehmen. Geht eh nicht auf ohne vorher das Rohr abzubauen. Stattdessen ist auf der linken Seite nur eine Milchglasscheibe. Öffnen lässt sich somit ausschließlich die rechte Hälfte. Die wiederrum ist vergleichsweise klein und das Fenster darin entsprechend winzig. Der Monteur meinte zu mir, dass er so eine kleine Luke noch nie montiert hätte. Aber hey: Ging halt nicht anders und ein bisschen Licht ist besser als gar keins. Und komplett geschlossen wollten wir auch nicht haben. Ab und zu macht es halt Sinn ein Fenster öffnen zu können – egal wie klein. Blöderweise hat es dadurch – es ist faktisch eine komplette Sonderanfertigung – ungefähr genauso viel gekostet wie das wesentlich größere Fenster im Freizeitraum (ca. 750€).

Und damit ist das Projekt „Neuanschluss“ nun wirklich komplett abgeschlossen. Stattdessen wurde quasi umgehend das Projekt „Renovierung Öltankraum“ gestartet. Handwerker kommen uns dieses Jahr aber höchstens noch ungeplant ins Haus (hoffentlich nicht). Stattdessen legen wir jetzt mal wieder selbst los. Die ganzen eingemauerten Metalldinger von der Decke klopfen, Löcher verschließen, überall streichen, Strom verlegen, einen Türrahmen einbauen, etc. pp. Wird mal wieder ein paar Wochenenden verschlingen aber so ist das halt mit einem Eigenheim. Gibt immer was zu tun :smile: .

Laut einer Studie der Uni Stuttgart landeten 2015 6,7 Millionen Tonnen an Lebensmitteln im Abfall – durchschnittlich 85,2kg pro Person. Insgesamt (mit Industrie, Landwirtschaft und so) waren es wohl sogar rund 12,7 Millionen, die einfach so weggeworfen werden. Das ist echt heftig. Die Gründe sind Vielzählig. Ein Faktor ist, dass anscheinend viele Leute auch spätabends noch volle Regale im Supermarkt erwarten. Keine Ahnung, ob das wirklich stimmt (hier in der Umgebung ist zumindest im Obst- und Gemüseregal durchaus Mut zur Leere vorhanden). Ein weiterer, dass viele sich den Einkaufswagen bis oben hin vollpacken und dann gar nicht mit dem Essen hinterherkommen. Oder die „Einheitsgrößen“ von Gerichten in Gaststätten, die man sich aus Scham nicht für später einpacken läßt.

Der Datumsstempel

Verbrauchsdatum

Der wohl größte Grund – zumindest sehen Lysanda und ich das so -, ist aber wohl das Missverständnis rund um das Datum auf der Packung. Das gibt es in zwei Varianten. Das einfachste ist das „Verbrauchsdatum“. Das kommt bei leicht verderblichen Produkten wie z.B. Hackfleisch zum Einsatz und muss tatsächlich beachtet werden. Darüber hinaus kann es der Gesundheit schaden. Das andere heißt auf Hochdeutsch „Mindesthaltbarkeitsdatum“ (MHD), hat sich scheinbar im Volksmund aber als „Ablaufdatum“ etabliert. Wie der Name schon sagt, ist es eine Gewährleistung des Herstellers, dass das Produkt sich unter Einhaltung der Lagerungsempfehlungen bis dahin hält (speziell der Geschmack). Es bedeutet nicht, dass es nach diesem Datum plötzlich ungenießbar ist und direkt in den Müll muss. Sonst wäre es ja ein „Verbrauchsdatum“. Wie heißt es so schön im Beamtendeutsch? Es ist auch nach diesem Tag noch verkehrsfähig.

Mindeshaltbarkeitsdatum

Gleichzeitig bedeutet es nicht unbedingt, dass das Zeug nicht schon vorher mal anfängt zu schimmeln oder so. Es sind nun einmal Lebensmittel – da steckt das Wort „Leben“ schon im Namen :smile: . Wir haben aber beispielsweise (ungeöffneten) Joghurt im Kühlschrank, der ist mehrere Monate über dem MHD und trotzdem sieht er nicht nur noch einwandfrei aus, wir essen ihn nach und nach weg ohne eine Lebensmittelvergiftung zu bekommen. Was soll da überhaupt schlecht werden? Es ist Joghurt und guter Joghurt sollte schon eigene Bakterien mitbringen. Solang da nichts zusätzlich reinkommt, passiert dem nichts. Die Schokolade wird hingegen vielleicht etwas grau und schmeckt nicht mehr aber essbar ist sie selbst Jahre später noch. Von den ganzen Tütensuppen und ähnlichem Kram gar nicht erst zu reden. Die Überleben den nächsten Weltkrieg! Und im Zweifel frieren wir die Sachen auch einfach mal ein. Also nicht, um die Keime abzutöten (funktioniert eh nicht), sondern um es später wieder rauszuholen und umgehend zu verzehren.

Die Kunst ist es zum einen unsere Augen und Nase zu benutzen. Unser Körper ist durchaus darauf ausgerichtet ungenießbares Essen zu erkennen. Sonst wären wir vermutlich schon in der Steinzeit am verrotteten Säbelzahntigerfleisch verendet. Zum anderen aber eben auch ein wenig Verstand mitzubringen. Sprich nicht zu viel zu kaufen und wenn man doch zu viel hat, es auf diversen Wegen haltbarer zu machen. So manches lässt sich zudem durch die Nutzung von Backofen, Mikrowelle oder Toaster wieder etwas auffrischen. Trockene Brötchen sind da ein gutes Beispiel. In Wasser getunkt, anschließend ein paar Minuten in den Backofen und schon ist es wieder fluffig.

Ein Überangebot

Der magische Aufkleber

Seit die Supermärkte (löblicherweise) damit angefangen haben Produkte, die sich dem MHD nähern, herunterzusetzen (im tegut z.B. erst 30, dann 50 und zum Schluss 75%) haben wir unser Einkaufsverhalten drastisch verändert. Es wird gekauft, was laut Einkaufszettel zwingend notwendig ist und darüber hinaus halten wir fleißig Ausschau nach den roten Aufklebern. Und selbst da selektieren wir mittlerweile stark (die 30% bleiben meist liegen), weil das Angebot so groß und unsere Kühltruhe dauervoll ist. Fördert übrigens auch das Probieren von neuen Sachen. Lysanda hat so z.B. den ein oder anderen Käse für sich entdeckt, den sie zum vollen Preis nie gekauft hätte. Speziell an der Fleischtheke kriegt man an manchen Tagen echt absolute Schnäppchen. Die Bioschweinelende mit dem 75%-Aufkleber? Da dürft ihr aber glauben, dass ich da alles mitnehme, was sie da haben bei einem Normalpreis von mitunter 35€ das Kilo. Die zwei Kilo Bratwürste oder Putenschnitzel sowieso. Das wird bei uns nicht alt oder friert halt mal ein bisschen in der Kühltruhe vor sich hin, bevor es auf den Teller kommt.

Über diese Schnäppchenjagd mag der eine oder andere die Nase rümpfen. Ihr müsst euch aber über eines im Klaren sein: Was nicht verkauft wird, landet einfach im Müll – so will es das Gesetz. Und solange das in unserer Gesellschaft gefördert wird, habe ich definitiv kein schlechtes Gewissen dabei meinen Geldbeutel zu schonen. Mal ganz abgesehen davon, dass wir alle auf den nächsten Steam Sale warten. Ist nicht anders, schadet nur der Umwelt weniger.

Die Retter

Das Überangebot an nicht verkaufter Ware führt aber nicht nur zu heruntergesetzter Ware in den Regalen. Es gibt auch viele Vereine, die sich auf die Rettung von Lebensmitteln spezialisiert haben. Die Tafel dürfte wohl die bekannteste Organisation in Deutschland sein. Sie holen von den Supermärkten und Geschäften die Ware ab, die zum Wegwerfen vorgesehen ist und verschenken sie. Im Falle der Tafel ausschließlich an Bedürftige. Hier bei uns gibt es hingegen seit 2017 den Verein Essen für alle.

Deren Konzept steckt schon im Namen: Nicht nur die Bedürftigen dürfen sich hier kostenlose Lebensmittel abholen, sondern alle, die das möchten (gerne gegen eine Spende). Schließlich geht es darum möglichst viel vor der Tonne zu retten. Dazu stehen die größtenteils ehrenamtlichen Helfer mehrmals pro Woche in verschiedenen Ortsteilen abends mit ihrem Marktstand und verteilen die Lebensmittel. Die erste halbe Stunde ist reserviert für die Bedürftigen, danach dürfen dann alle ran. Und ja, obwohl die Schlange hier im Ort teilweise bis um das nächste Haus geht: Es kriegt definitiv jeder mehr als genug. Auch wir stellen uns mittlerweile mit an. Diese Woche haben wir vier volle Tüten mit nach Hause gebracht. Von Brot und Brötchen über Eier und Aufschnitt bis hin zu Salat, Kartoffeln, Paprika und Bananen war alles dabei. Speziell Obst und Gemüse gibt es da immer haufenweise – größtenteils sogar in Bioqualität (demeter). Da braucht man echt nichts mehr im Laden zu kaufen und hat gleichzeitig ein gutes Gefühl ein bisschen gegen die Verschwendung getan zu haben.

Der Vorwerk-Entsafter

Jetzt höre ich schon den ein oder anderen rufen: „Wenn keiner mehr was im Laden kauft, ist klar, dass alles weggeworfen wird!!!!“. Bezweifle ich. Zum einen wird viel zu viel produziert, was mitunter gar keiner haben will und trotzdem im Regal stehen muss. Da ist es kein Wunder, dass am Ende so viel übrigbleibt. Zum anderen möchten die Leute speziell bei Obst und Gemüse gefühlt immer nur die perfekteste Ware. Aber nur, weil die Banane schon wegen schlechter Lagerung etwas schwarz ist, ist sie noch nicht schlecht. Bananen werden nämlich auch außen schwarz, wenn es ihnen zu kalt ist und ist dann trotzdem noch innen super. Und wenn sie wirklich Überreif ist, dann kann man z.B. noch prima einen Smoothie draus machen.

Die Neuanschaffung

Und damit kommen wir nach über 1.000 Wörtern endlich zum eigentlichen Thema des heutigen Eintrags: Unsere neuste Anschaffung. Nein, es ist kein Hightech-Mixer für Smoothies. Da reicht auch ein Pürierstab. Ihr seid aber nah dran. Es ist ein Entsafter oder wie es Neudeutsch heißt „Slow Juicer“. Wir hatten bereits seit einigen Monaten einen uralten Vorwerk Zentrifugal-Entsafter MOD Ve 2 Type 1 (300W) aus einer Haushaltsaufgabe in Benutzung. Da Lysanda aber aufgrund Essen für alle immer mehr Kram zum Entsaften hat (Sellerie, Karotten, Fenchel, etc.), zeigten sich doch langsam aber sicher die vielen Limitationen des Geräts:

  • Er holt nicht sehr viel Flüssigkeit aus dem Obst und Gemüse raus.
  • Man muss ihn zu zweit bedienen (sonst rüttelt er davon),
  • Man muss Angst haben, dass er aufgrund der Zentrifugalkraft einem um die Ohren fliegt (ein Metallbügel ist alles, was den Deckel draufhält) .
  • Die Lautstärke dürfte die einer Flugzeugturbine in nichts nachstehen.
  • Die Reinigung ist vergleichsweise aufwendig.

Also haben wir uns entschieden ins Portemonnaie zu greifen und uns was Anständiges zu holen. Die Wahl fiel am Ende auf den Omega EUJ 707 von Sana. Warum? Nun, er war eine der Empfehlungen in den einschlägigen Saft-Trinker-Facebook-Gruppen, ist mit 400€ im mittleren Preissegment angesiedelt und hat einen guten Funktionsumfang. Die teuersten Dinger, die Angel Juicer, fangen übrigens erst bei 1.200€ an. Kein Wunder, dass der Slogan von den Dingern „Der Rolls Royce unter den Slow Juicern“ ist.

Der Grund

Der Sana Omega EUJ 707

Bevor wir aber zum Gerät selbst kommen, stellt sich natürlich die Frage: Warum entsaften und nicht einfach essen/kochen/backen? Die einfache Antwort: Habt ihr schonmal jeden Tag ein halbes Kilo Salat gegessen oder eine ganze Selleriestaude? Das macht definitiv keinen Spaß. Gleichzeitig soll man Obst und Gemüse am besten Roh essen, weil noch mehr Nährstoffe darin enthalten sind als nach dem kochen. Das Entsaften vereint quasi die Vorteile aus „Roh“ mit „viel davon zu sich nehmen können“ und verbindet es mit einer leichten und schnellen Verdaulichkeit weil es bereits flüssig = Saft ist.

Gleichzeitig lassen sich – wenn man möchte – die ausgedrückten Reste trotzdem weiterverwenden. Ein häufiges Beispiel ist die Gemüsesuppe. Lysanda macht sich hingegen so eine Art Gemüsefrikadellen. Einfach ein Ei (oder Eiweißpulver) dran, würzen, zusammenklatschen und mit etwas Öl in die Pfanne hauen. Je nach Grundmaterial hat man zwar ein paar Fasern zwischen den Zähnen hängen, schmeckt aber grundsätzlich sehr gut.

Das Gerät

Der Sana Omega EUJ 707 ist ein horizontaler Entsafter. Sprich ihr gebt euer Zeug zwar oben rein, die Schnecke (sieht aus wie ein großer, schwarzer Dildo…) läuft aber von links nach rechts. Bei den vertikalen drückt das Gerät stattdessen von oben nach unten. Die Unterschiede bestehen wohl hauptsächlich darin, wie viel Platz sie jeweils wegnehmen (vertikale sind logischerweise höher, horizontale breiter) und mit welcher Art von Obst und Gemüse sie besser zurechtkommen. So kommen vertikale Entsafter wohl schlechter mit langfasrigen Sachen wie Sellerie oder Gräsern zurecht. Horizontale Entsafter hingegen haben mit weichem Zeug wie Beeren zu kämpfen. Es entsteht ein Rückstau im Einfüllschacht.

Karotten-Fenchel-Saft

Im Fall des Omega EUJ 707 ist das aber kein großes Problem, denn er kommt mit mehreren Aufsätzen daher. Ein feines Sieb für besagte Gräser, langfaseriges Pressgut und ein grobes Sieb für besagte Beeren und weiches Obst. Außerdem kann der „kleine“ nicht nur entsaften, sondern auch zerkleinern, pürieren und mahlen. Entsprechende Aufsätze sind mit in der Packung enthalten. So könnt ihr verschiedene Nudelvarianten herstellen, Kaffeebohnen mahlen, Hafer-/Mandel-/irgendwelche Nussmilch produzieren und sogar Eis machen – alles mit einer Geschwindigkeit von 63-75 Umdrehungen pro Minute. Die Idee ist nämlich, dass beim sogenannten schonenden Entsaften mehr Vitalstoffe im Saft erhalten bleiben als bei der „spritz und weg“-Variante. Ob das stimmt? Keine Ahnung. Fakt ist: Er holt definitiv schon mit einem Durchgang mehr aus dem Sellerie raus als der Vorwerk. Und anders als beim Vorwerk kann man die Reste auch noch 2-3mal von der Auffangbox zurück in den Einfüllschacht kippen, um noch mehr Saft herauszuholen. Da wird aus der viertel Tasse Selleriesaft mit dem Vorwerk gleich mal eine dreiviertel oder gar volle Tasse mit dem Sana.

Dank seiner einfachen Zerlegbarkeit und simplen Bauteile ist die Reinigung außerdem ein Klacks. Also trotzdem nervig, weil man es wirklich nach jedem Vorgang machen sollte, aber es geht schnell und gut von der Hand. Wir können das Ding entsprechend nur empfehlen. Ja, es ist nicht ganz billig. Aber es kann dafür auch noch mehr als nur Entsaften – ein wichtiger Vorteil, da er mit seinen 32x19x42cm durchaus etwas Platz wegnimmt -, hat viel Zubehör dabei, ist sehr einfach zu bedienen und sieht echt schick aus. Die Resultate z.B. beim Entsaften oder Kaffee mahlen waren bislang ebenfalls super.

Mein Twitter-Account

Bevor wir zum heutigen Thema kommen ein bisschen „Housekeeping“: Wie ihr sicherlich schon bemerkt habt, ist die „Tweets“-Box auf der rechten Seite verschwunden. Meine Überlegungen dahingehend hatte ich ja schon im Jahresrückblick 2019 geäußert. Die Tage bin ich nun endlich zur Tat geschritten und habe das dazugehörige Plugin entfernt. Und damit es nicht ganz so leer da drüben aussieht, werden nun statt den letzten fünf die letzten 15 Kommentare angezeigt.

Hintergrund der Maßnahme ist schlicht und einfach, dass ich meinen Twitter-Account schon lange nicht mehr wirklich aktiv nutze. Text von mir gibt es nur noch sporadisch und ansonsten hauptsächlich alle Jubeljahre mal einen Retweet von einem aus meiner Sicht interessanten Artikel oder sowas. Quasi wenig Aktivität, die selbst für meine Handvoll Follower nur bedingt interessant/nützlich ist – für die Webseitenbesucher entsprechend noch weniger. Also weg damit! Bin einfach weiterhin nicht der Social-Media-Typ (ja, besitze immer noch keinen Facebook-, Instragram-, Mastodon-, TikTok-, oder was auch immer aktuell total „in“ ist-Account!).

Positiver Nebeneffekt der Abschaffung: Beim Surfen auf BeimChristoph werden nun ohne eure Aufforderung (z.B. Klick auf ein YouTube-Video) keinerlei externe Inhalte mehr geladen, was nicht nur eure Sicherheit erhöht, sondern natürlich auch die Ladezeiten etwas verbessert. Letzteres ist sowieso noch so eine Baustelle an die ich mal ran muss. In den „Wie schnell lädt die Webseite“-Tests schlägt sich BeimChristoph schon seit Jahren absolut beschissen mit fast 2 Sekunden bis zum vollständigen Seitenaufbau…

Nun aber genug davon. Kommen wir zum eigentlichen Thema:

Vitamine

Eine Sammlung Vitamine

Ich hatte es am Anfang des Eintrags über das Vitamin A schon erwähnt: Der Begriff „Vitamin“ wird als Trivialname bezeichnet, denn er ist irreführend. Erfunden hatte ihn der Biochemiker Casimir Funk und es ist eine Zusammensetzung aus den lateinischen Wörtern „vita“ (Leben) und „amin“ (stickstoffhaltig). Da sich der Herr Funk jedoch in seiner Grundthese irrte (viele „Vitamine“ sind gar keine Amine), verwendet in der Wissenschaft offiziell wohl keiner mehr den Begriff „Vitamin“ für irgendwelche chemische Verbindungen. Da man diese teils ewig langen Bezeichnungen wie „Cholecalciferol“ aber keinem normalen Menschen beibringen kann, wurde als Zugeständnis an Hr. Funk quasi akzeptiert (bzw. vermutlich durch „normale“ Menschen entschieden), dass bestimmte Verbindungen eben zusätzlich Begriff wie „Vitamin D“ oder „Vitamin B1“ tragen – mit den entsprechenden Auswirkungen, dass viele einfach zusätzliche Vitamine erfinden.

Unter diesem Problem leidet besonders der Vitamin-B-Komplex, der wie der Name schon sagt aus den B-Vitaminen besteht. Allein Wikipedia listet 20 Einträge die mit „Vitamin B“ beginnen – der Großteil davon totaler Murks. Offiziell als Teil des Vitamin-B-Komplex anerkannt sind entsprechend aktuell „nur“ diese acht Stück: B1, B2, B3, B5, B6, B7, B9 und B12. Lustigerweise haben die technisch gesehen alle nichts miteinander zu tun. Es sind jeweils völlig verschiedene Substanzen, deren einzige Gemeinsamkeit es ist wasserlöslich zu sein. Aber gut: Man hat sich halt entschieden, dass die alle weiterhin als Trivialname „Vitamin B“ haben. Vermutlich, weil mit 26 Buchstaben das Alphabet auch nicht gerade ergiebig ist was die Möglichkeiten der Namensvergebung angeht :smile: .

Und genau diese acht Verbindungen stehen noch auf meiner ToDo-Liste. Also lasst uns endlich mit dem Abarbeiten anfangen:

Vitamin B3

Vorsicht: Es wird kompliziert. Hinter dem Trivialnamen „Vitamin B3“ verbirgt sich wissenschaftlich gesehen Niacin. Niacin hingegen ist eine Kombination aus Nicotinsäure und der Aminosäure Nicotinamid. Aber nur weil B3 draufsteht, bekommt ihr nicht unbedingt Niacin. Im Handel wird nämlich gefühlt oft kein Unterschied gemacht, ob ihr jetzt Niacin, reine Nicotinsäure (seltener) oder reines Nicotinamid angedreht bekommt, wenn ihr nach Vitamin B3 fragt. Häufig ist es nur Nicotinamid, denn der Vorteil der Aminosäure gegenüber der Nicotinsäure bzw. Niacin als Ganzes ist das Fehlen des „Flush“ sowie ein paar anderer Nebenwirkungen. Am Ende des Tages ist das aber Augenwischerei, denn Fakt ist: Der Körper braucht am Ende Niacin – also beide Stoffe. Aber aufgrund der Namensvielfalt und der – teils gleichwertigen Verwendung in den Quellen – gebe ich ganz ehrlich keine Garantie, dass ich die drei Namen in den nachfolgenden Abschnitten immer korrekt verwende.

Als Flush oder Erröten wird das plötzliche Ausdehnen der Blutgefäße bezeichnet. Die Folge davon ist, dass mehr Blut in die Haut gelangt und man zum einen rot wird und es zum anderen anfängt zu kribbeln und zu jucken. Es steigt die Körpertemperatur ein klein bisschen an (um weniger als ein Grad Celcius) und man fühlt sich entsprechend warm. Soweit ich es in Erfahrung bringen konnte, scheiden sich trotz einiger Studien zum Thema Nicotinsäure wie immer die Geister, ob dieser Flush jetzt irgendwelche Vorteile oder Nachteile hat – oder gar nichts bringt. Die Hauptaussage der Befürworter des Flushs ist, dass selbst die feinsten Kapillare geweitet und mit viel Blut durchgepustet werden. Dieser Punkt ist auch wissenschaftlich unstrittig. Bezweifelt wird die Aussage, dass dadurch die darin eingelagerten Toxine gelöst und entsprechend für die anderen Teilen des Körpers zur Zerstörung freigegeben werden. Die Idee ist, dass normalerweise Histamin von den belasteten Zellen ausgesondert wird, um quasi die Putztruppe des Körpers zu rufen. Aber wenn die Zelle schon zu stark belastet ist, wird sie inaktiv und kann das nicht mehr. Dadurch, dass sie aber dank des Flushs durchgespült wird, könnte sie endlich wieder um Hilfe rufen.

Eine Packung Niacin (angeblich)

Bei irgendwelchen Giften, die sich angeblich im Körper einlagern und die man nur mit Wundermitteln entfernen kann, steht die Alternativmedizin mit der klinischen Medizin gefühlt eh immer auf dem Kriegsfuß. Insofern stehe ich als Laie ehrlich gesagt auch nur da und bin keinen Deut schlauer. Von der reinen Logik her macht es zumindest halbwegs Sinn :smile: . Der Körper gewöhnt sich übrigens sehr zügig daran. Reichen am Anfang schon um die 200mg Nicotinsäure, um einen Flush zu bekommen, können es am nächsten Tag schon 500mg sein, bevor ihr irgendetwas merkt.

Wofür?

Jetzt habe ich schon eine der Nebenwirkungen von Nicotinsäure beschrieben, bevor ich überhaupt erklärt habe wozu Vitamin B3 überhaupt da ist: Niacin befindet sich in allen lebenden Zellen und wird in der Leber gespeichert. Nicotinsäure ist einer der Bausteine unter anderem der Coenzyme NAD und NADP, die extrem wichtig sind für den Ab- und Aufbau von Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten. Auch bei der Umwandlung von Cholesterin ist es ganz vorne mit dabei. So senkt es das LDL-Colesterin und erhöht stattdessen HDL-Cholesterin. Das wird irgendwann mal ein eigener Eintrag werden aber in kurz: LDL wird als schlechtes und HDL als gutes Cholesterin bezeichnet. Tatsächlich braucht unser Körper aber beides und das Verhältnis (wie viel LDL im Vergleich zu HDL) ist wichtiger als die totale Menge egal ob von LDL oder HDL.

Nicotinamid hingegen hilft bei der Regeneration. Darunter der Haut oder angeblich sogar der DNA. Im Gehirn hingegen unterstützt es beim Aufbau sogenannter Neuotransmitter wie Serotonin, die für die Funktion der Nerven benötigt werden. Entsprechend gibt es Tierversuche bei denen Nicotinamid als Verhinderer/Verbesserer von Alzheimer getestet wird. Außerdem erhöht es die Reaktionsfähigkeit des Immunsystems.

Ein Wundermittel?!

Klingt auf dem Papier so, als sollte man möglichst viel Vitamin B3 in sich reinstopfen. Die Vorteile sprechen schließlich für sich: Hilft beim Abnehmen/Gewicht halten, macht den Cholesterinhaushalt besser und verhindert Demenz! Ja ne, das lasst ihr mal lieber bleiben. Die Grenze zur Überdosis liegt bei Vitamin B3 vergleichsweise niedrig (ab 1,5-3g pro Tag). „Aber Sicarius, es ist doch wasserlöslich! Spült der Körper das nicht einfach aus?“ Auf gewisse Art und Weise schon, denn ihr kriegt Durchfall und das Kotzen sowie bei dauerhaft hoher Einnahme im schlimmsten Fall wohl auch eine Runde Gelbsucht (Leberschaden). Davor kann im Falle von Nicotinsäure euer Kreislauf stark absacken (wegen dem Flush), es kommt zu einer erhöhten Harnsäurebildung im Blut und ihr habt angeblich ein erhöhtes Diabetesrisiko. Kein Wunder, dass die DGE für Erwachsene nur 11-16mg Niacin pro Tag empfiehlt. Da kommt ihr nicht einmal in die Nähe eines Flushs.

Wie die DGE auf diese Rechnung kommt? Nun, der Nicotinsäure-Bedarf des Körpers hängt vom Gesamtenergiebedarf des Körpers ab. Logisch: Es hilft ja beim Stoffwechselprozess und spielt Metzger für Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate. Durchschnittlich 6,6mg Niacin werden gebraucht, um die Energie von 1.000 Kilokalorien zu erzeugen. Und wenn man nun einen Energiebedarfsrechner dagegenhält, kommt man meist so bei 2.000-3.000 kcal raus. Somit ist man mit 16mg tatsächlich gut dabei. Folgende Frage, die ich jedoch nicht beantwortet bekommen habe bei meinen Recherchen: Ist das jetzt nur der Bedarf für den Stoffwechselprozess oder wird damit auch der Nicotinamid-Bedarf gedeckt? Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit redet davon, dass 10mg/Tag an Nicotinsäure und 900mg/Tag Nicotinamid nicht überschritten werden sollten. Da wäre ich mit 16mg Niacin dann doch etwas weit weg von in Sachen Nicotinamid. Allerdings liegt laut DGE die tatsächlich zugeführte Menge an Niacin-Äquivalenten (Niacin oder Tryptophan in 60facher Menge) sowieso zwischen 25 und 30mg. Insofern…

Woher?

Grundsätzlich kann unser Körper Niacin selbst herstellen. Das passiert in der Leber und die braucht dazu vor allem Tryptophan. Man geht davon aus, dass 60mg Tryptophan zu 1mg Niacin werden. Weitere Co-Faktoren für diesen Stoffwechsel sind jedoch Vitamin B2 und B6. Also ohne die, gibt es trotz genug Tryptophan kein Niacin. Aber sowohl Nicotinsäure, Nikotinamid als auch Tryptophan kommen in vielen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln in vergleichsweisen hohen Mengen vor. Speziell Fisch mit z.B. 8,5mg/100g Thunfisch oder Pilze wie 6,5g/100g Pfifferlinge sind genauso wie Innereien (Hühnerleber hat 11,6mg/100g) oder das gute alte Schweineschnitzel (4,3mg/100g) gute Lieferanten. In Naturreis sind hingegen 5,2mg/100g und in weißen Bohnen immerhin noch 2,1mg/100g.

Haferkleie enthält auch B3

Entsprechend selten ist ein echter Vitamin-B3-Mangel und damit die Notwendigkeit zur Substitution mit Nahrungsergänzungsmitteln in Deutschland ohne zusätzliche Gründe wie z.B. Alkoholismus, Magersucht oder grundsätzlich eine entsprechende Stoffwechselstörung. Ein größeres Problem ist es in ärmeren Ländern mit einseitiger Ernährung wo beispielsweise viel Mais und Maisprodukte gegessen werden. Da ist zwar Niacin drin, das kann aber vom Magen-Darm-Trakt nur sehr schlecht verarbeitet werden. Die schwerste Version einer Vitamin-B3 Hypovitaminose wird als Pellagra bezeichnet. Ansonsten gibt es noch Hautveränderungen wie Dermatitis oder Schuppen, Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, Appetitlosigkeit, Depressionen und noch viele weitere, lustige Dinge.

Anders als die anderen wasserlöslichen Vitamine ist B3 auch etwas unempfindlicher gegenüber Hitze, Licht und Sauerstoff. Ihr habt es also zwar trotzdem im Kochwasser aber es wird nicht gleich im Backofen/Mikrowelle zerstört.

Fazit

Versteht ihr jetzt, warum ich die B-Vitamine schon so lange vor mir herschiebe? Es ist echt kompliziert bei der Gruppe. Und nein, es wird bei den anderen B-Vitaminen nicht viel besser. Nach meiner ganzen Recherche zu Vitamin B3 muss ich ganz klar sagen, dass ich total verwirrt bin. Es scheint mir als würde nicht nur der Trivialname, sondern auch der Begriff „Niacin“ zu oft völlig falsch und widersprüchlich verwendet werden. Mein abschließendes Verständnis – soweit mich keiner in den Kommentaren vom Gegenteil überzeugt – ist: Nicotinsäure und Nicotinamid haben zwei völlig unterschiedliche Rollen im Körper (die Säure im Stoffwechsel und das Amid für Haut und Nerven) und werden beide gebraucht. Sie haben nur so viel miteinander gemein, dass sie halt beide eine ähnliche Struktur haben (Nicotinamid hat statt einem OH ein NH2) und die Leber sie aus Tryptophan bilden kann. Aber sie unter einem Namen zusammen zu fassen macht für mich mittlerweile irgendwie absolut keinen Sinn mehr.

Aber gut: Wie handhabe ich es? Ich nehme seit einiger Zeit etwas Vitamin B3 täglich zusätzlich, da ich einen Jod-Mangel habe und das dort ein Co-Faktor ist. Anfangs hatte ich nur Nicotinamid als Teil eines Vitamin-B-Komplexes. Den habe ich aber zu Gunsten der Einzelzufuhr der Vitamine aufgegeben und bin im Falle von Vitamin B3 nun (angeblich?) auf Niacin umgestiegen. Hatte auch tatsächlich 2-3mal einen Flush. Aber ansonsten ehrlich gesagt noch keine anderen positiven oder negativen Auswirkungen gespürt. Insofern schauen wir mal, wie lange ich das noch beibehalte.

Nächste Seite »