Lysanda L'eau

Alles Käse oder was?

So viel reduzierter Käse – wer soll das alles essen?!

Wallace & Gromit-Fans wissen: Der Mond besteht aus Käse. Viele verschiedene Arten von Käse sogar. Und ein Roboter benutzt die Käseberge als Skipiste doch das ist ein anderes Thema. Aber nicht nur auf dem Mond gibt es haufenweise Käsesorten, sondern auch hier auf der Erde. Für jeden noch so ungewöhnlichen Geschmack ist etwas dabei und diese Geschmäcker sind wie immer was das Essen angeht extrem individuell. So kannte ich früher nur drei Käsesorten: Gouda, Butterkäse und Brie. Aber die waren alle nicht so meins. Erst als ich Edamer entdeckte, fand ich meinen ersten Lieblingskäse, der mich über viele Jahre als einziger begleiten sollte. Christoph hingegen? Nun, Käse war für ihn lange ein komplettes „Iiihhh bääh“-Thema (wie so vieles, was das Thema Essen angeht). Ich habe ihn immerhin mittlerweile davon überzeugt, dass es tatsächlich von Vorteil sein kann in bestimmten Situationen mal einen „Anfängerkäse“ wie Edamer mit in die Pfanne oder den Backofen zu packen. Bei Käsespätzle z.B. oder Lasagne. Seine Palette darüber hinaus erweitert hat er aber seitdem (noch) nicht.

Seit wir jedoch damit angefangen haben im Supermarkt tegut einzukaufen und dabei ein besonderes Augenmerk auf die stark reduzierte Ware (weil nah am Mindesthaltbarkeitsdatum/Verbrauchsdatum) legen, greife zumindest ich immer häufiger in die Käsetheke nach den Produkten auf denen die -30%-, -50%- oder sogar -75%-Hinweise kleben. Nicht alle davon entpuppen sich logischerweise als ein Hit. Aber dank dieser Schnäppchen konnte ich mein Käseportfolio definitiv stark erweitern. Sogar den einen oder anderen neuen Lieblingskäse fand ich. Da es aber wie erwähnt zig Käsearten gibt, wurde es so langsam aber sicher schwierig den Überblick zu behalten. Und was macht man, wenn man den Überblick verliert? Man fängt eine Tabelle an. Diese umfasst mittlerweile 33 Einträge und natürlich obwohl oder gerade, weil die Geschmäcker verschieden sind, möchte ich euch an meinen Erfahrungen teilhaben lassen. Den Anfang macht der heutige Eintrag.

Allgemeine Erläuterungen

Die reduzierte Ware in der Käsetheke des tegut besteht meist aus einzeln verpackten Teilstücken. Insofern sind wir abhängig davon, was tegut auf den Kassenzettel schreibt – was mitunter nicht ganz so viel ist. Somit fehlen uns beispielsweise in den meisten Fällen die genauen Herstellernamen. Die untenstehende Auflistung ist hingegen rein auf Zeit basierend. Sprich der erste Käse ist der, den ich zuerst probiert hatte als wir angefangen haben mitzuschreiben. Für mich unterscheide ich drei Käsearten: Schnittkäse, Hartkäse (der dann zu Reibekäse wird) und Weichkäse (Schmelzkäse zählen wir hier ebenfalls dazu). Die Fußkäseskala sagt hingegen aus wie stark der Käse aus meiner Sicht riecht (von Fußkäseskala 0 für „gar nicht“ bis zu Fußkäseskala 3 „stinkt durch die Kühlschranktür bis zum anderen Ende der Stadt“). Meine Bewertungsskala geht von Super guter Käse (Super gut) bis Bäh-Käse(Bäh) und die Preise sind hingegen logischerweise zum einen die von tegut und zum anderen zum Zeitpunkt unseres Kaufes und ohne die Reduzierung. Kann sich in der Zwischenzeit geändert haben.

tegut Bio Heubursche Blüten & Kräuter

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Heumilch mit Gewürzblütenmischung
Preis pro kg: 18,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter KäseSchmeckt ähnlich wie Gouda und hat Streifen mit verschiedenen Arten von Kräutern in der Mitte. Diese gehen nicht im Käsegeschmack unter, sondern geben ihm tatsächlich eine spürbar „frische“ Note.
Bio Manchego

Typ: Hartkäse
Grundzutat: Menchega-Schafsmilch
Preis pro kg: 31,47€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Naja-KäseEin ganz milder Hartkäse, der minimal salzig schmeckt. Abseits davon kein wirklich wahrnehmbarer Eigengeschmack aber für einen Käse ohne Geschmack ist er einfach zu teuer.
Bio Fitness Rebell

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 23,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 2
Wertung: Guter KäseHat einen starken Eigenschmack und schmeckt etwas muffig. Es gibt bessere Käse aber er ist soweit okay.
Bio Landana Ziegenkäse

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Ziegenmilch
Preis pro kg: 22,20€
Rinde essbar? Nein (Kunststoffüberzug)
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter KäseIst soweit okay. Hat einen geringen Eigengeschmack und ist leicht salzig.
Saint Albray

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Eine Art Schimmelkäse. Er ist aromatischer als Camembert und fühlt sich auf der Zunge an wie eine Art Mischung aus Camembert und Schmierkäse.

Bio Weißer Walnuss Rebell

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Heumilch und Walnüsse
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Schmeckt wie ein Brie der mit Walnüssen durchzogen ist. Diese sind (logischerweise) nicht sonderlich knusprig aber obwohl der Käse insgesamt keinen starken Eigengeschmack hat, merkt man sie. Unterm Strich wie alle Rebell-Käse okay.

Bio Heublumen Rebell

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Heumilch
Preis pro kg: 18,90€
Rinde essbar? Ja (aus Heublumen)
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Außen sind (essbare) Heublumen als Rinde dran. Ansonsten ein normaler „Rebell“. Leicht muffiger Geruch aber grundsätzlich solide im Geschmack.

Bauernkäse

Typ: Hartkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 9,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Super guter KäseBei dem vergleichsweise geringen Preis und dem unscheinbaren Namen hätte ich echt was anderes erwartet. Der Käse ist wirklich lecker, cremig, salzig und schmeckt wie Käse schmecken sollte. Der perfekte Käse, um damit Nudeln zu überbacken.
Bio Bergblütenkäse

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg:  19,90€
Rinde essbar? Ja (aus Kräutern)
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Naja-Käse

Etwas bitter im Geschmack durch die Kräuter, die aber gleichzeitig eine würzige Note reinbringen.

Délice d’Argental

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 21,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Bäh-Käse

Ist sehr weich und cremig schmeckt aber künstlich und irgendwie muffelig bitter. Hat zudem einen komischen Nachgeschmack. Nein, danke!

Cambozola

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Naja-Käse

Weicher als Camembert und leicht herb im Geschmack. Insgesamt okay aber nicht der Brüller.

Le Gruyère mild

Typ: Hartkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 24,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Nicht nur in der Hand, sondern auch im Mund irgendwie bröckelig. Hat aber einen sehr guten und angenehm, milden Eigengeschmack. Er schmeckt wie Parmesan auf Nudeln schmecken müsste, wenn Parmesan nicht erfunden worden wäre und entsprechend speziell für Nudelauflauf gut geeignet.

Gouda Mittelalt

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 15,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Hat einen guten und an sich angenehm, milden Eigengeschmack. Ich muss mich aber trotz oder vielleicht wegen meiner Vergangenheit mit Gouda erst wieder an diesen Geschmack gewöhnen, bevor ich ihn gut finde. Komisch, ich weiß.

President Brie

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 12,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Er ist schön weich und cremig. Sein Rand ist etwas dicker als bei normalen Brie aber abseits davon ist er eben ein typischer Brie. Sprich er schmeckt nicht sonderlich stark und schon gar nicht wirklich nach Käse.

Bio Bergkäse

Typ: Hartkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 25,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Hat einen angenehm milden Geschmack, ist etwas bröselig und nutze ich gern um Essen zu überbacken.

Géramont mit gerösteten Kürbiskernen

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 11,38€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Die Kürbiskerne sind leider nur ein optischer Gag. Man merkt sie beim Essen nicht. Es ist einfach nur ein normaler Géramont.

Bio Roccolo

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 23,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Sieht von außen total eklig aus, weil er eine grün-braune Rinde hat. Kommt man jedoch darüber hinweg erwartet einen ein angenehmer Geschmack, der sich von anderen Käsesorten hauptsächlich dadurch unterscheidet, dass er etwas salziger ist.

Chavroux Ziegenkäse

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Ziegenmilch
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Er ist überraschend bröckelig für einen Weichkäse hat im Mund aber eine sehr angenehm cremige Konsistenz. Geschmacklich ist er etwas auf der säuerlichen Seite, was aber für einen cremigen Käse mal was anderes ist. 

Bio Grienkenschmied

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 22,90€
Rinde essbar? Nein (Plastik)
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Etwas bröckelig, was aber auch am Einfrieren liegen könnte. Geschmacklich ist er etwas bitterer als Edamer aber trotzdem angenehm und leicht.

Bio höhlengereifter Käse

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 15,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Bäh-Käse

Etwas bröckelig aber das ist nicht sein Hauptproblem. Schlimmer ist, dass er sehr muffelig, säuerlich, bitter und ja, irgendwie gammelig schmeckt. Riecht nicht nach Fußkäse, schmeckt aber so. Oder anders ausgedrückt: Es fühlt sich auf der Zunge an als hätte man ihn zu lange in der Höhle vergessen.

 

 

Und damit habt ihr meine Meinung zu 20 verschiedenen Käsen aus der tegut-Käsetheke. Okay, sie unterscheiden sich teils nicht so stark. Hat man einen Rebell gegessen, hat man gefühlt alle gegessen. Entsprechend empfänglich bin ich für originellere Ideen wie eben eine Rinde aus Heublüten oder Wallnüssen. Schade, dass sie oft nur optisch gut sind :smile: . Und was ist mit euch? Käsefans? Oder lieber nicht? Was könnt ihr mir ans Herz legen?

Verschiedene Sorten von Aroma-Tropfen

„Künstlich“ ist für viele Ohren ein total böses Wort vor allem, wenn es im Zusammenhang mit Lebensmitteln fällt. Und natürlich: Es gibt viele Erfindungen der modernen Wissenschaft, die für nicht so ganz tolle Dinge genutzt werden. Dazu gehört definitiv auch einiges, was im Bereich der Aromen, Farb- und Zusatzstoffe passiert. Ist das Hackfleisch wirklich noch intensiv rot, weil es gut und frisch ist? Oder einfach nur, weil so viel zusätzlicher Kram reingepumpt wurde, dass es gar nicht mehr grau werden kann? Schlimmstenfalls weiß es nicht einmal mehr der Hersteller des Produkts…

Zumal ich durchaus glaube, dass diese Stoffe langfristig unser Geschmacksverständnis durcheinanderbringen können. Das bekannteste Beispiel dürfte die Vanille sein. Diesen intensiven Geschmack, den die meisten beispielsweise beim Verzehr eines Vanille-Eis erwarten hat mit dem Original eher wenig zu tun. Entsprechend überrascht ist man mitunter, wenn man mal eine echte Schote im Einsatz hat und es irgendwie anders und vor allem dezenter rüberkommt. „Das soll Vanille sein?! Niemals!“ Ich nehme mich davon selbstverständlich nicht aus. Ich gehöre definitiv ebenfalls zu den Banausen, die im direkten Vergleich vermutlich das „Fake“-Vanille-Eis lieber essen würden als das mit den schwarzen Punkten (=echte Vanille).

Andererseits lässt es sich absolut nicht leugnen, dass speziell diese künstlichen Aromastoffe irgendwie extrem praktisch sind. Schon Oma hatte schließlich fürs Kuchenbacken das kleine Fläschchen Vanille im Haushalt (vermutlich von Dr. Oetker). Und auch in der Casa Lysanda pflegen wir einen…ja, fast schon verschwenderischen Umgang mit Aromastoffen. Die Vorteile liegen schließlich auf der Hand: Wenn ich gerade Lust habe auf was Süßes habe kann ich entweder zu einem gekauften Erdbeerjoghurt mit mehr oder weniger viel Zucker greifen oder ich nehme mir einfach eine Schüssel Naturjoghurt und pack ein paar Tropfen Erdbeer-Aroma drauf. Gleicher Geschmack und Konsistenz bei wesentlich weniger Kalorien und null Zucker. Es lassen sich damit quasi Bedürfnisse auf eine Art und Weise stillen, die einen nicht gleich Dick und Fett werden lässt. Die ganze Sache hat aber einen massiven Haken: Wir gaukeln unserem Körper logischerweise damit etwas vor und das kann ein Problem sein.

Mangelernährung

Vermutlich alle Organismen auf diesem Planeten folgen ihren Bedürfnissen. Das ist wichtig fürs Überleben. Wenn ich auf die Toilette muss dann, weil mein Körper etwas loswerden möchte. Und das zeigt er mir dadurch an, dass er in mir das dazugehörige Verlangen erweckt. Wenn ich also Lust auf einen Schokoladenpudding habe, passiert das sicherlich nicht ohne Grund. Vielleicht habe ich gerade Stress und der Pudding soll meine Nerven beruhigen? Ich habe etwas geschafft und suche nun nach einer Belohnung? Oder ist irgendetwas in diesem Pudding drin (ein Mineral, ein Vitamin, eine Aminosäure, etc.) was mein Körper gerade akut braucht? Alles ist möglich. Aber während ich Stress und Belohnung mitunter mit einem Aroma besänftigen kann, schließlich ist es erst einmal eine Kopfsache, gleiche ich mit ein paar synthetischen Verbindungen die nach Schokolade schmecken z.B. keinen Magnesium-Mangel aus. Ich verarsche mich damit nur kurz selbst aber sobald mein Inneres die Täuschung durchschaut hat, tritt das Verlangen wieder hervor – unter Umständen sogar stärker.

Egal ob mit oder ohne künstliche Aromen: In so einer Situation muss ich auch mal innehalten und mich fragen, warum ich gerade dieses Bedürfnis habe. Steckt da vielleicht etwas mehr dahinter? Sucht mein Körper was bestimmtes und er weiß auf die Schnelle eben nur, dass er es z.B. durch den Griff in den Süßigkeitenschrank bekommt obwohl ein anderer Weg gesünder wäre? Das ist logischerweise nicht einfach zu entschlüsseln. Gewohnheiten und die Gesellschaft machen es sogar noch schwieriger. Mir doch egal, dass die Banane tonnenweise Fruchtzucker hat. Sie schmeckt gut, es ist „gesundes“ Obst und ich hab‘ Lust drauf also rein damit, um die Kalium-Zufuhr sicherzustellen!

Und zu guter Letzt bestehen diese Aromen selbstverständlich aus ziemlich synthetischem Kram der mit Hilfe von teils sehr komplizierten chemischen Prozessen gewonnen wird, was ggf. ebenfalls nicht so super ist. Die Wissenschaft ist da ja leider noch nicht so weit mit Langzeitstudien. Beispielsweise sind Süßungsmittel wie Aspartam oder Sucralose enthalten (sollen Krebserregend sein) und der Geschmack kommt selbst bei der Aussage „Natürlicher Aromastoff“ nicht unbedingt aus dem Originallebensmittel. Das Erdbeeraroma hat wahrscheinlich noch nie eine Erdbeere gesehen, sondern wurde durch andere Mittel und Wege erschaffen.

Unsere Laster

Getränkepulver

Brauchen wir den ganzen Zusatzkram? Nein. Sollten wir ihn meiden? Definitiv. Reines Wasser, Sprossen, Beeren und ab und zu ein Stück Mammut und/oder Fisch reichen zum Leben vermutlich aus. Aber irgendwo hat die Evolution das wohl versaut. Selbst unsere Katzen würden sich lieber nur von Leckerlis ernähren. Das soll nicht abwertend gemeint sein. Ein gesunder Lebensstil bedeutet nicht gleichzeitig, dass man kein erfülltes Leben hat. Wir sind aber nun einmal alles Individuen und zumindest aktuell möchten Lysanda und ich unserem Bedürfnis nach Süßem ein Stück weit nachgeben statt uns in vollständigem Verzicht zu üben. Allerdings bestenfalls so, dass es eben nicht komplett auf die Hüfte schlägt. Deshalb greifen wir derzeit auf folgende Konsumgüter zurück:

Myprotein FlavDrops, GymQueen Tasty Drops und Pure Flavour Drops

Bei allen drei Produkten handelt es sich um flüssige Aromatropfen, die in den verschiedensten Geschmacksrichtungen zur Verfügung stehen. Der Unterschied zwischen denen von Myprotein und GymQueen besteht hauptsächlich darin, dass GymQueen einige Sorten wie z.B. Mandarine hat, die es bei Myprotein nicht gibt. Pure Flavour Drops haben hingegen den Vorteil, dass sie kein Süßungsmittel enthalten im Vergleich zu den anderen beiden, die auf Sucralose setzen. Der Vorteil dürfte klar sein: Man kann sie auch dort verwenden, wo es nicht Süß schmecken soll.

Am meisten nutzen wir die von Myprotein mit eher klassischen Sorten wie Vanille, Himbeere, Erdbeere & Co. ein. Das Ergebnis ist gefühlt etwas intensiver als bei den Konkurrenzprodukten und trifft somit eher das, was wir uns unter dem jeweiligen Geschmack vorstellen. Alle drei lassen sich wunderbar einsetzen, um vor allem Frühstück oder Nachtisch zu verfeinern. Ich pack‘ z.B. ein paar Tropfen morgens in mein Glas Milch während Lysanda sich gerne etwas (ungesüßte) Vanille in den Kaffee tropft. Oder eben besagte Quark/Joghurt-Kreationen, die dabei helfen den Griff zu kalorien-haltigeren Snacks zu unterbinden. Ach und zum Backen sind die Drops natürlich ebenfalls geeignet.

BOLERO Getränkepulver

Früher habe ich hauptsächlich Wasser und Saft aus Glasflaschen sowie zuckerhaltige Erfrischungsgetränke aus PET-Flaschen konsumiert. Als Lysanda in mein Leben trat habe ich dann zumindest bei den Erfrischungsgetränken auf Light-Varianten mit Süßungsmittel (hauptsächlich Aspartam) und ggf. sogar ohne Koffein gewechselt. Aber die kamen immer noch in Plastikflaschen daher und das ist weder praktisch für die Umwelt noch ist das mit den Weichmachern und Mikroplastik so gut für den Körper. Erst vor kurzem hat Coca Cola angefangen zumindest ihre Cola-Varianten ebenfalls in Glasflaschen zu verkaufen. Entsprechend waren wir letztes Jahr auf Coke Zero in 1l Glasflaschen gewechselt. Die sind zwar wesentlich teurer als Billig-Cola-Light aus dem Discounter aber eben keine Plastikflaschen.

Beim Wasser hatte sich das Thema Kistenschleppen Anfang 2018 hingegen in Luft aufgelöst, als wir uns einen SodaStream mit Glasflaschen sowie unsere Osmoseanlage angeschafft hatten. Warum schließlich teure Kisten aus dem Getränkehandel durch die Gegend tragen, wenn man das bessere Wasser Zuhause hat (und viel Geld dafür bezahlt hat) und es bei Bedarf selbst zum Sprudeln bringen kann? Aber nur Wasser trinken ist wie gesagt ab und zu dann doch etwas langweilig. Lysanda hat für sich dahingehend BOLERO Getränkepulver entdeckt. Das sind hochkonzentrierte Getränkepulver, die es in dutzenden von Sorten gibt (nicht alle gut). Die Süße kommt hier erneut u.a. dank Sucralose aber auch Stevia ist enthalten. Lysanda löst ein Päckchen (9g) in 250ml Wasser und kippt dann einen Schuss davon in ihr normales Glas (nochmal 250-300ml Wasser), um es noch weiter zu verdünnen. Kostengünstig, nimmt wenig Platz weg und schmeckt – perfekt für sie. Für mich ist das allerdings nichts. Der Geschmack der Süße – vermutlich ist die Stevia das Problem – gefällt mir einfach nicht. Entweder es ist nicht süß genug oder schlägt um in dieses lakrizartige wofür Stevia bekannt ist. Insofern kamen wir erstmal nicht ganz vom Kistenschleppen weg.

SodaStream Sirup

Eine Ladung Soda Stream Sirup

Doch wir haben endlich auch für mich eine Alternative gefunden: SodaStream Sirups. Die gibt es technisch gesehen schon ewig – es war damals bei unserem Gerät sogar ein Probepack dabei. Der konnte mich aber genauso wenig geschmacklich überzeugen wie die anderen Sorten im Angebot. Die Cola ohne Zucker schmeckt beispielsweise sehr Zitronig und obwohl die Cola Light-Geschmacksrichtung sehr nah an besagte Billig-Cola aus dem Discounter rankommt, ist es trotzdem nicht das Wahre.

Der Clou ist jedoch, dass sie nicht nur ihre eigenen Kreationen vermarkten, sondern seit 2018 einer kleinen Firma namens PepsiCo angehören. Dadurch gibt es nun zusätzlich noch Geschmacksrichtungen wie Pepsi MAX, Miranda, 7UP und Schwip Schwap – und was soll ich sagen? Die schmecken 1:1 wie das Original. Vermutlich, weil es exakt die gleichen Inhaltsstoffe (inkl. Sucralose und Aspartam) sind. Eine Pepsi in der Dose ist ja technisch gesehen ebenfalls nur gefärbtes und geschmacklich angepasstes Wasser.

Damit haben wir nun den heiligen Gral für mich gefunden. Wir nutzen unser gereinigtes und damit (vermutlich) gesünderes Wasser, ich muss keinerlei Kisten mehr schleppen und trotzdem bekommen wir den süßen Geschmack, den wir suchen. Ach und günstiger ist es logischerweise ebenfalls. Für 4,99€ holt man aus einer Flasche Sirup ca. 9 Liter raus (je nachdem wie intensiv ihr es haben wollt). Für eine Kiste (6x1l) legt ihr ohne Pfand hingegen mindestens 9€ auf den Tisch. Nachteil allerdings: Der Sirup kommt in Plastikbehältnissen daher, die entsprechend nach dem Verbrauch in den Müll wandern. Da würde ich mir langfristig ebenfalls einen Umstieg auf Glas wünschen. Auch, wenn es dann etwas teurer sein sollte.

Jetzt müsste es sowas nur noch für Multivitaminsaft geben und wir hätten endgültig alle Getränkekisten aus unserem Haushalt verbannt. Davon trinken wir aber auch nicht so viel.

Eine Dose Vitamin B1

Fast genau ein Jahr ist es her seit wir das letzte Mal über ein Vitamin gesprochen haben?! Wenn das so weiter geht, dann bin ich wohl noch ein paar Jahre mit dieser Serie beschäftigt :wink: . Na dann lasst uns mal ganz schnell die Liste weiter abarbeiten.

Vitamin B1

Wissenschaftlich bekannt unter dem Namen ‚Thiamin“ bzw. früher mal Aneurin findet ihr es vor allem in Kernen (Sonnenblumen, Pinien, etc.), Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten (es sitzt im braunen Keim) oder Schweinefleisch. Spitzenreiter mit 2mg in 100g sind Weizenkeime, es sind aber auch noch gut 0,65mg in 100g Haferflocken enthalten. 100g Schweinfleisch haben hingegen ca. 0,8mg während ihr es im Rindfleisch mit der Lupe suchen müsst (0,18mg/100g). Beim Gemüse sind grüne Erbsen mit rund 0,77mg die Vorreiter. Klingt prinzipiell so, als würde es bei einem Tagesbedarf lt. der DGE von 1-1,2mg bei Erwachsenen es normalerweise keine Probleme damit geben.

Allerdings hat die Nationale Verzehrstudie II 2005/2006 festgestellt, dass gut 21% der Männer und 32% der Frauen in Deutschland diesen Wert trotzdem nicht erreichen. Dabei hat die Studie ausschließlich auf das (durch die Probanden selbst angegebene) Essverhalten geschaut. Der tatsächliche Wert wird also vermutlich höher sein, denn Thiamin gehört mit zu den empfindlichsten und flüchtigsten Vitaminen. Nicht nur ist es wasserlöslich, es reagiert zudem äußerst negativ auf Hitze und sogar Sauerstoff. Gut, dass tun bekanntlich alle der wasserlöslichen Vitamine. Aber bei Thiamin im Speziellen scheint die Verlustrate bereits bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen stark anzusteigen und nach dem Kochen/Braten entsprechend nur noch >50% übrig zu sein.

Dazu kommt, dass es sich auch in unserem Körper nicht lange hält. Die Halbwertszeit beträgt ca. zwei Wochen und der Körper speichert nur ca. 25-30mg in diversen Organen (Leber, Niere, Muskeln, etc.). Es muss also häufig was nachkommen. Und selbst die 30mg können mitunter schneller weg sein als geplant, denn Thiamin hat noch ein paar weitere Feinde. Sushi-Liebhaber müssen beispielsweise aufpassen, denn zum Beispiel steckt in einigen rohen Fischsorten das Enzym Thiaminase. Wie der lateinische Name schon andeutet, mag es Thiamin nicht besonders und baut es einfach rigoros ab. Das gilt ebenfalls für die Sulfite (Konservierungsstoffe der Gruppen E220-E228), die beispielsweise in Kartoffel-Chips oder sogar Wein zum Einsatz kommen. Entsprechend ist es wenig verwunderlich, dass doch so viele Deutsche nicht genug davon im täglichen Leben bekommen. Um dem entgegen zu wirken werden in einigen Ländern Lebensmittel künstlich um Vitamin B1 ergänzt. Bei Mehl z.B. in 71 Ländern. Und nein, Deutschland gehört nicht dazu.

Was macht’s?

Bevor wir aber darauf eingehen können, was für Probleme ein Vitamin-B1-Mangel verursacht, sollten wir erstmal klären wofür es gut ist. Tatsächlich hat unser Körper für Thiamin selbst keinerlei Verwendung. Im Darm wird es stattdessen zuerst mit Hilfe des Enzyms Thiaminpyrophosphokinase umgewandelt. Das macht aus dem Thiamin das Coenzym Thiaminpyrophosphat/Thiamindiphosphat. Anschließend kommen sogenannte Thiamintransporter zum Einsatz. Ja, manchmal ist die Wissenschaft nicht sonderlich einfallsreich. Das sind Proteine in den Zellmembranen, die das Thiamin nehmen und, wie der Name schon sagt, dahin transportieren wo es hingehört. Und ja: Es macht tatsächlich nichts anderes. Scheint also durchaus wichtig zu sein, dass der Thiamin-Kreislauf funktioniert.

In weißem Reis ist kein Thiamin mehr enthalten.

Kein Wunder, denn Thiamin wird benötigt, um die Nährstoffe aus unserem Essen in Energie umzuwandeln. Speziell Kohlenhydrate und Eiweiße hat es im Auge und hilft dabei sie in eine vom Körper verwendbare Form umzuwandeln. Gleichzeitig ist es ein sogenannter ‚Phosphatspender“. Dieser hilft bei der Reizweiterleitung im Nervensystem.

Die negativen Seiten

Im Endzustand führt ein längerer Vitamin-B1-Mangel beispielsweise zu ‚Beri-Beri“ oder auch ‚Schafsgang“ genannt. Diese Krankheit gibt es in den zwei Varianten ‚feucht“ und ‚trocken“ und kommt vor allem in Ländern mit einseitiger oder mit viel weißem Reis geprägter Ernährung vor. Der Unterschied liegt darin, wo eure Probleme entstehen. So ist bei der trockenen Beri-Beri eher das Nervensystem betroffen mit so lustigen Sachen wie (Phantom-)Schmerzen, Muskelschwäche, Gehstörungen und dergleichen. Bei der feuchten hat hingegen euer Kreislauf seine Probleme: Atembeschwerden, Leistungsschwäche, Wassereinlagerungen im Gewebe. Es wird sogar vermutet, dass Thiamin-Mangel aufgrund von Problemen u.a. bei der Sauerstoffverwertung nicht nur eine Folge von Alzheimer ist, sondern mit zu den Verursachern gehört. Bevor es aber soweit ist, habt ihr mit Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels, Anämie (Blutarmut), Müdigkeit/Reizbarkeit, schwache Muskulatur, Kopfschmerzen und ähnlich spaßigen Dingen im Zusammenhang mit Energie und Nerven zu kämpfen. Es ist zudem wohl nachgewiesen, dass ein Vitamin-B1-Mangel euch beispielswiese eher zu einem Alkoholiker werden lässt, da die Verhaltenskontrolle eingeschränkt ist.

Umgekehrt gibt es jedoch keine echte Gefahr einer Überdosis (müsstet schon extrem große Mengen zu euch nehmen). Gebt ihr eurem Körper mehr als er braucht, wird es im Darm einfach ignoriert und wie alle wasserlöslichen Vitamine über den Urin ausgeschieden. Die einzigen negativen Aspekte sind also höchstens, dass eure Niere ein bisschen mehr zu arbeiten hat in dem Moment. Bekommt ihr Thiamin allerdings gespritzt, kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Das sollte aber bei den wenigsten notwendig sein.

Wie feststellen?

Am einfachsten ist es immer sich seine Ernährung anzuschauen, um eine erste Indikation für einen möglichen Mangel zu bekommen. Also esse ich überhaupt in der Woche genügend Nahrungsmittel, die Thiamin enthalten, oder nicht? Lt. der Verzehrstudie nimmt zwar durchschnittlich jeder Vierte zu wenig zu sich aber, wenn ihr jeden Tag ein Schweineschnitzel verdrückt oder euer Haferflockenmüsli esst, ist eine Unterversorgung doch eher unwahrscheinlich. Im Labor wird Vitamin B1 hingegen im Vollblut oder im Urin bestimmt. Vollblut ist nicht 100% aussagekräftig, da wie oben erwähnt nur ein Teil des Thiamins dort ist. Aber es scheint trotzdem als Indikation auszureichen.

Bei einem Urin-Test wird hingegen oben eine vorgegebene Menge eingekippt und dann geschaut, was davon unten rauskommt. Bei wenig Thiamin im Urin habt ihr quasi einen Mangel, weil die Speicher aufgefüllt werden. Ist viel Thiamin im Urin wird erst einmal von einer guten Versorgung ausgegangen (=Speicher voll). Kommt allerdings fast alles wieder heraus, könntet ihr auch an einer Thiamin-responsiblen, megaloblästären Anämie leiden. Bei dieser Krankheit funktionierten die Thiamintransporter nicht. Sprich das ganze Thiamin wird einfach wieder ausgeschieden. Gewisse Formen von Diabetes oder Schwerhörigkeit sind die dazugehörigen Symptome. Wird diese Anämie nicht rechtzeitig erkannt, sterbt ihr einfach aufgrund des Energiemangels weg. Die Wahrscheinlichkeit diese Krankheit zu haben ist aber offensichtlich eher gering (<1:1.000.000).

Fazit

Vollkornweizennudeln

Zu sagen, dass Vitamin B1 ein sehr wichtiges Vitamin ist, wäre redundant. Ihr solltet mittlerweile wissen, dass alle Vitamine wichtig sind :smile: . Aber ich glaube, dass es in unserer industriellen Gesellschaft eine immer größere Bedeutung bekommen wird. Speziell, dass Konservierungsstoffe es zerstören finde ich äußerst fatal und trägt sicherlich zusammen mit seiner Empfindlichkeit und unserem allgemeinen Hang zur einseitigen Ernährung/Diäten dazu bei, dass doch vergleichsweise viele nicht genug davon aufnehmen. Die Folgen scheinen extrem zu sein, da mit dem Nerven- und dem Energiesystem zwei absolute Schwergewichte von Thiamin abhängig sind, die uns am Leben halten.

Gleichzeitig ist es aber denke ich auch relativ einfach dagegen zu steuern im Vergleich zu anderen Vitaminen. Der Trend geht mittlerweile ja grundsätzlich zu Vollkornprodukten und die DGE-Empfehlung von 1 bis 1,2mg lässt sich mit so einer Portion relativ einfach erreichen. Lysanda und ich supplementieren es zwar trotzdem (alle paar Tage 1 Tablette mit 100mg), weil wir das aufgrund unserer Stoffwechselprobleme mit dem gesamten B-Komplex machen. Aber selbst da stelle ich mir nach der Recherche für diesen Eintrag mittlerweile die Frage, ob die Dosis auf einen Schlag nicht eigentlich zu hoch ist und mein Körper einen Großteil davon einfach wieder auswirft. Zumal zumindest ich definitiv sehr viel Schweinefleisch verdrücke (heute Mittag z.B. ein paar Bratwürstchen).

Wir hatten uns für diese Sorte Vitamin B1 mit 100mg entschieden, weil sie günstig ist und keine unnötigen Zusatzstoffe enthält. Wir werden aber jetzt definitiv mal drüber nachdenken, ob es vielleicht nicht Sinn macht eher auf eine halbe Tablette zu wechseln und diese häufiger zu nehmen. Statt quasi einem Überschuss alle paar Tage lieber eine konstante Lieferung. Hörst sich zumindest im ersten Moment logisch an. Mal schauen. Einen Test haben wir jedoch noch nicht machen lassen. Wir wissen also derzeit unseren Vitamin-B1-Stand (noch) nicht.

„Ich atme Freiheit“, „Ich folge dem Glitzer“, „Bärenzeit ist meine Zeit“, „Der nächste Baumstamm ist meiner“ – was klingt wie schlechte Sprüche von Motivationspostern sind in der Realität Mottos, die bei der Nutzung des Züricher Ressourcenmodells (ZRM) entstanden sind. Sie sollen demjenigen, der sie nutzt, über den Rubikon helfen und ihn in eine bestimmte Haltung bringen. Und wie man zu so einem Motto kommt und es verinnerlicht haben wir vorletzte Woche in einem Bildungsurlaub gelernt. Logischerweise kann ich fünf Tage nicht in einen einzigen Eintrag verpacken aber die Grundzüge der Methode will ich euch natürlich nicht vorenthalten.

Die Idee

Die fünf Schritte des ZRM-Prozess

Hinter dem ZRM steckt ein Prozess aus fünf Phasen. In den ersten Teilen geht es darum den Verstand (Rational) mit dem Unterbewusstsein (Emotional) zusammen zu bringen. Ein einfaches Beispiel ist der Satz „Ich möchte mehr Sport treiben“. Ein einfaches Ziel, dem in der Praxis normalerweise nur wenig im Weg steht. Aber doch finden wir im Alltag immer sehr viele Ausreden („keine Zeit“, „zu viel Stress“, „zu anstrengend“ – ich kenne sie alle :wink: ), um eben nicht einmal die zehn Minuten für ein paar Kniebeugen zu investieren. Dafür ist das Unterbewusstsein verantwortlich, dessen Meinung gerne vom Verstand abweicht.

Sobald aber die beiden zusammenarbeiten, dann „flutscht“ es. Im ZRM spricht man dabei vom Überqueren des Rubikon, benannt nach einem berühmten Fluss in Italien. Da stand nämlich 49 v. Chr. ein gewisser Gaius Julius Caesar und haderte mit der Frage, ob er ihn mit seinem Heer überqueren soll oder nicht. Vom römischen Senat hatte er technisch gesehen die Order sein Heer und seine Herrschaftsgebiete (u.a. Gallien) aufzugeben, wenn er für das Konsulat kandidieren wolle. Das passte dem lieben Julius nicht, also sprach er (angeblich) die Worte „alea iacta est“ (die Würfel sind gefallen), überquerte den Rubikon und entfachte so einen Bürgerkrieg. Was total heroisch und super toll klingt, war laut einigen Historikern wohl mitverantwortlich für den Fall des römischen Reiches. Ja, die Schuld wird gerne den Barbaren zugeschoben aber mit seiner Missachtung des Gesetzes legte Caesar wohl den Grundstein für einen Verfall von Innen heraus, der besagten Barbaren ihr Werk überhaupt erst ermöglichte. Doch jetzt genug mit der Geschichtsstunde.

Den Rubikon zu überqueren ist im ZRM quasi die Motivation zu haben endlich zu handeln. Danach geht es darum eine konkrete Planung aufzustellen und… abschließend danach zu handeln.

Der erste Schritt

Bleiben wir bei unserem Wunsch mehr Sport zu treiben. Das ZRM sieht diese Aussage als den „Ich möchte“-Schritt, also das „bewusste Motiv“. Das kommt aber erst in Phase 2 zum Zuge, deswegen gilt es damit erst einmal einen Schritt zurück zu machen und das Unterbewusstsein abzuholen. Sprich auf Basis des Themas „Ich möchte mehr Sport treiben“ sich zu fragen, was ich dabei spüre bzw. welche Bedürfnisse dahinterstecken. Das ZRM arbeitet dabei mit einer speziellen Auswahl an Bildern, die von einer Horde von Studenten der Uni Zürich ausgewählt wurden, weil sie allgmein als positiv angesehen werden. Stichwort Motivationsposter quasi. Ein majestätischer Löwe, ein glückliches Kind, schöne Blumen und derlei Kram.

Positivität ist dabei ganz wichtig, denn das komplette ZRM ist auf Positives ausgelegt. Negatives hat hier keinen Platz. Ist ja auch logisch: Es ist ein Selbstmanagement-System und ihr wollt euch (hoffentlich) aufbauen und nicht niederreißen. Zumindest brauchen wir dazu keine Methode, das machen wir meistens schon von ganz alleine den ganz gut.

Ihr schaut euch also die Auswahl an Bildern an und entscheidet rein nach Bauchgefühl. Welches Bild spricht euch an? Welches zeichnet allein schon beim Anblick ein Grinsen auf euer Gesicht? Das ist dann euer Bild bzw. das Bild mit dem euch euer Unterbewusstsein zu diesem Thema bzw. zu dem was dahinter steht etwas sagen möchte. Wichtig ist nicht weiter darüber nachzudenken. Das Bild zieht euch an? Dann nehmt es.

Die Analyse

Meine Affektbilanz für Schokolade

Jetzt haben wir ein „komisches“ Bild. Super. Blöd nur, dass wir erst einmal keine Ahnung haben warum das Unterbewusstsein genau dieses Bild ausgewählt hat. Also gilt es im nächsten Schritt (am besten zusammen mit anderen, unbeteiligten Personen) einen sogenannten Ideenkorb zu füllen. Ziel ist es positive Aussagen zu dem zu finden, was auf dem Bild sichtbar ist. Zeigt es beispielsweise einen schlafenden Bären könnten so Begriffe fallen wie „genießend“, „flauschig“, „bewusster Einsatz von Energie“, „fühlt sich sicher“ oder „gute Nase“. Die nächste Aufgabe ist dann für jeden Begriff die sogenannte Affektbilanz zu ziehen.

Diese Affektbilanz besteht aus einer Negativen und einer Positiven Skala jeweils von 0 bis 100. Sinn und Zweck dieser Skala ist es das eigene Bauchgefühl einzuordnen. Quasi zu schauen wie stark positiv oder negativ besetzt ein Wort wie „aufmerksam“ ist. Fühlt es sich uneingeschränkt gut an oder ist doch irgendwie ein fader Beigeschmack dabei. Natürlich lässt sich zu allem eine negative Assoziation finden. Aber der Name sagt es ja schon: Es geht um die Wirkung im Affekt und nicht, ob euch 10 Minuten später doch noch einfällt, dass sich hinter „aufmerksam“ auch der nörgelnde Nachbar stehen könnte. Und gesucht werden Begriffe, Ideen, Assoziationen aus dem Ideenkorb, die auf der negativen Seite bei „0“ liegen und auf der positiven Seite mindestens bei „70“ oder höher. Ein gutes Beispiel ist „Schokolade“. Die hat zwar einen hohen Ausschlag auf der Positivseite, es kommen einem aber auch gleich negative Gefühle hoch („Fett werden“).

Erst wenn dieser Schritt abgeschlossen ist, fängt der Verstand kurz an zu arbeiten. In einer Selbstreflexion gilt es zu eruieren, warum das Bild und die dazugehörigen Begriffe so eine positive Wirkung auf mich haben. Aus diesem Paket wird dann ein Wunsch formuliert. Das Ergebnis ist das aus dem ursprünglichen Thema „Ich möchte mehr Sport treiben“ z.B. ein „Ich wünsche mir meine Energie bewusster auch für mich einzusetzen und nicht nur für alle anderen“ wird. So wurde aus dem rationalen Thema das dahinterstehende Bedürfnis extrahiert.

Das Motto

Für den Verstand ist dieser Satz natürlich noch extrem unhandlich und sperrig – und damit kommen wir nun endlich zurück zur Einleitung: Wir müssen unser Motto-Ziel finden. Das funktioniert erneut mit einem Ideenkorb. Auf Basis des Bildes, der dazugehörigen Lieblingsideen und dem formulierten Wunsch versucht die Gruppe assoziierte und positiv klingende Sätze zu bilden. Dabei kommt für den Verstand mehr oder weniger großer Blödsinn raus wie z.B. „Knuddelig und liebevoll gönne ich mir meine kraftvolle Stärke“, „Mein innerer Bär leitet mich“ oder „Ich erschnüffle was mir wichtig ist“. Aber der Verstand hat hier erneut Pause. Stattdessen gilt es auch diese Sätze über die Affektbilanz zu prüfen. Zaubert er mir einer uneingeschränkt ein Lächeln auf die Lippen? Machen mich ein paar an aber passen noch nicht ganz? Wie ist es, wenn ich z.B. dieses Wort tausche oder jenes entferne?

Das Motto-Ziel muss zudem vollständig in eurer Hand liegen (kein „Meine Frau krault mir den Bauch“) und als sogenanntes Annäherungsziel formuliert sein. Das sind positive Ziele, die wir glauben erreichen zu können. Das Gegenteil sind Vermeidungsziele. Die sind eher negativ belegt, weil wir sie für anstrengend halten. Die Folge sind entsprechend große Probleme den inneren Schweinehund (=Rubikon) zu überwinden. Sie helfen uns also überhaupt nicht dabei in eine positive Haltung zu kommen, sondern hindern uns eher noch dran.

Ein Ideenkorb voller Motto-Ziele

Was das Motto-Ziel jedoch auf keinen Fall muss: Für Außenstehende Sinn ergeben. Es muss für euch passen und es muss euch helfen über den Rubikon zu kommen. Alles andere ist irrelevant. Für uns mag „Ich folge dem Glitzern“ völliger Blödsinn sein, aber wenn der Satz demjenigen hilft seine Ziele zu verwirklichen, was haben wir dann für ein Recht ihm das madig zu machen?

Das Verinnerlichen

Mit der Formulierung des Motto-Ziels ist der Rubikon endlich überquert. Wir haben damit eine positive, innere Haltung gefunden, die uns hilft etwaige Widerstände zu überwinden. Blöd nur, dass wir im Alltag so vergesslich sind. Frisch nach dem Bildungsurlaub denkt man vielleicht noch dran sich den Satz hin und wieder zu sagen. Aber wir wissen alle wie lange sowas nachhält. Deswegen gibt es beim ZRM einen sogenannten Ressourcenpool. Neben dem Bild und dem Motto-Ziel enthält er noch Erinnerungshilfen, Embodiments und soziale Ressourcen.

Erinnerungshilfen sind Dinge, die wir bei uns tragen, sehen oder hören und die wir mit unserem Motto-Ziel in Verbindung bringen. So wie wir es auch aus der Werbung kennen (gelbes M, magenta T, irgendwelche Jingles und so). Bei mir sind das gerne Edelsteine, die ich in der Hosentasche trage. Es kann aber auch der Spitzer auf dem Schreibtisch sein, die Fußmatte vor der Haustür oder der Klingelton, wenn die Schwiegermutter anruft. Je mehr desto besser. Wichtig ist einfach nur: Es muss euch an euer Motto-Ziel erinnern, damit ihr sofort in die gewünschte Haltung kommt.

Hier kommen dann auch die sozialen Ressourcen ins Spiel, die das ZRM in drei Typen einteilt: Stille, eingeweihte und strategische. Die stillen und strategischen Ressourcen wissen nichts von ihrem Glück. Die stille beispielsweise kann ein bärtiger Typ in einer Konferenz sein, der euch so an euren Bären erinnert. Die strategische hingegen bittet ihr beispielsweise darum euch vor Beginn eurer Präsentation eine SMS zu schicken, sie weiß aber nicht warum. Eingeweihte kennen hingegen ganz genau euer Motto und unterstützen euch direkt und bewusst bei euren Vorhaben. Zum Beispiel die Freundin mit der ihr in die Mittagspause verschwindet, wenn euch gerade mal wieder was aus der Balance wirft.

Die Bewegung

Fehlen noch die Embodiments. Das sind Bewegungen, die ihr mit eurem Motto-Ziel verbindet bzw. es damit verinnerlicht. Zwei Varianten gibt es: Einmal die Makroversion, die ihr vermutlich nicht in der Öffentlichkeit zeigt und der Micro-Move, den ihr heimlich oder unauffällig machen könnt. Auch wieder geboren aus einem Ideenkorb, kann man sich die Makroversion quasi als kleinen Tanz vorstellen, der euch in die richtige Stimmung versetzt. Dazu wird das Motto-Ziel in seine Bestandteile zerlegt und geschaut welche Wort/Wortkombinationen durch welche Bewegung symbolisiert werden könnte. „Ich atme Freiheit“ könnte z.B. aus „Hände aufs Herz, tief Durchatmen, großzügige Armbewegung nach außen“ bestehen. Je intensiver und ausladender desto besser – solange es sich gut anfühlt. Der Micro-Move ist hingegen z.B. ein Schulterklopfen oder eine Fußbewegung, die quasi eine Kurzfassung eures Motto-Ziels darstellt.

All das soll dafür sorgen, dass ihr zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort einfach und schnell in eure gewünschte (positive) Haltung schlüpft. Das bedeutet nicht zwingend, dass ihr dann am Ende mehr Sport treibt. Aber es gibt euch die Gelegenheit äußere Einflüsse (bis zu einem gewissen Grad) abzuwerfen und stattdessen zu tun, was euer Verstand und euer Unterbewusstsein gemeinsam entschieden haben. Dank der neuen Haltung seid ihr quasi mit euch im reinen – mit der Folge, dass möglicherweise auch im Außen Veränderungen eintreten. Wir kennen das schließlich alle: Der nach vorne gebeugte, vor sich hin schlurfende Typ strahlt eine ganz andere Aura aus als der aufgerichtete, selbstsichere Typ daneben.

Die Übung

Dass das nicht von einen Tag auf den anderen geht ist auch den Erfindern des ZRM klar. Deshalb sortieren sie den Alltag in A, B und C-Situationen. In A-Situationen ist es einfach in die gewünschte Haltung zu kommen, weil die Widerstände gering sind. Wenn z.B. die Wäsche mal wieder in die Waschmaschine muss. B-Situationen sind hingegen Ereignisse, die wesentlich mehr Überwindung kosten aber dafür planbar sind wie z.B. ein „am Dienstag gehe ich Sport machen“. In C-Situationen werdet ihr hingegen komplett überrumpelt und meist sprachlos zurückgelassen oder reagiert sehr emotional. Sie überfordern euch also.

Solche Situationen lassen sich logischerweise nie komplett vermeiden. Aber es geht darum euren Umgang damit zu verbessern. Damit die nächste, ähnliche C-Situation eben nicht mehr eine C-Situation ist, sondern vielleicht nur noch eine B- oder irgendwann sogar mal eine A-Situation. Und dazu nehmt ihr euren Ressourcenpool plus etwas Selbstreflexion („Warum war das eine C-Situation?“, „Was hinderte mich daran meine Haltung einzunehmen?“) her.

Die Praxis

Screenshot vom ZRM-Onlinetool

Das klingt logischerweise alles viel einfacher als es in der Realität ist. Nur weil man ein Motto-Ziel aufschreibt, sind die damit verbundenen Hindernisse ja nicht automatisch weg. Aber es hilft sicherlich in solchen Situationen diese Hindernisse besser wahr zu nehmen und zu überwinden. Und ja: Mein Motto habe ich trotz eines umfangreichen Ressourcenpools definitiv noch nicht wirklich verinnerlicht. Aber meine eingeweihte Ressource, Lysanda, erinnert mich immerhin regelmäßig daran :smile: . Wird also sicherlich mit der Zeit noch was.

Unterm Strich fand Lysanda den Bildungsurlaub auch interessanter und spannender als ich. Grundsätzlich finde ich die Idee hinter dem ZRM aber definitiv gut. Den inneren Schweinehund kennen wir alle und das System ist das erste mir bekannte, dass tatsächlich versucht mir praktische Hilfsmittel für den Alltag an die Hand zu geben. Andere Methoden setzen irgendwie viel zu sehr auf Selbstreflexion und Selbsterkenntnis und dadurch ggf. eintretende Verhaltensänderungen. Aber den Rubikon konnte ich damit bislang irgendwie noch nicht überqueren. Das ZRM zeigt hingegen, dass deine Haltung deine eigene Entscheidung ist und du dem nicht hilflos ausgeliefert bist. Es zielt dabei auf die Lösung und nicht das Problem ab.

Wenn ihr genaueres zum ZRM wissen wollt, dann ist logischerweise die offizielle Webseite eine gute Anlaufstelle. Die haben sogar ein Online-Tool mit dem ihr Zuhause am Rechner zu einem Motto-Ziel kommen könnt. Aber vorher zumindest ein paar Videos anschauen. Ohne ein paar (besser erklärte) Grundkenntnisse funktioniert das nicht so gut :smile: .

Da haben sich zwei gefunden!

Ich bin mittlerweile seit über vier Jahren mit Lysanda verheiratet. So ganz nachvollziehen kann ich es weiterhin nicht, dass sie es mit mir aushält – beschweren werde ich mich darüber aber natürlich nicht :tongue: . Und nein, vor 10 Jahren hätte ich definitiv nicht gedacht, dass ich diesen Satz mal schreiben würde. Wir sind aber noch nicht über den statistischen Buckel drüber. Die durchschnittliche Ehedauer liegt in Deutschland aktuell bei 14,8 Jahren und die meisten Scheidungen gibt es nach sechs Jahren. Doch das nur am Rande. Ich richte selbstverständlich meine Beziehung nicht an irgendwelchen Statistiken aus. Schon gar nicht an solchen wie „Wieviel Sex ist normal?“, bei denen ich immer froh bin zu sehen, dass bei uns scheinbar die Sache besser läuft :wink: .

Stattdessen will ich darauf zu sprechen kommen, dass sich in vielen Familien über die Jahre das ein oder andere, gemeinsame Ritual und Traditionen in den Alltag einschleicht. Das kann der Gute-Nacht-Kuss vor dem Licht ausmachen sein, das festgelegte Menü an Heiligabend oder der eine Typ von Geschenk zum Geburtstag. Lysanda schaut mich trotzdem immer schräg an, wenn ich von Zuhause erzähle wo es beispielsweise zu Heiligabend immer Lende mit Spätzle gab (die Bockwurst mit Kartoffelsalat-Esser finde ich komisch…) oder Samstagsabends häufig Bratwurst/Steak mit frischen Brötchen bzw. wenn Mama unterwegs war eine Runde KFC. Alles ist möglich und bringt eine gewisse Routine und Vertrautheit ins Leben. Und wir Menschen bevorzugen Gleichmäßigkeit und Bekanntes über allem anderen. Es ist schließlich etwas, auf das man sich verlässlich freuen kann. Es gibt aber auch viele, denen ist das auf Dauer zu langweilig. Aber ewiges Abenteuer gibt es halt nur in den Unterhaltungsmedien und bei Motivationscoaches, die sich irgendwo in der Südsee auf einer Insel filmen lassen. Bitte? Ja, ich finde diese Leute sehr fragwürdig aber egal.

Das eigentliche Thema

Bei uns scheint sich aktuell eine relativ teure, jährliche Tradition zu entwickeln. Und zwar waren wir bereits das dritte Jahr in Folge im August in Frankfurt bei Sport Tiedje. Übrigens ein Laden, den wir uneingeschränkt empfehlen können. Sehr gute (und ehrliche!) Beratung, viele Geräte zum Testen vor Ort und etwas Verhandlungsspielraum was den ein oder anderen Preis betrifft.

Der modifizierte Crosstrainer

Angefangen hat es 2018. Da haben wir dort unseren Crosstrainer gekauft. Die Wahl fiel auf den Life Fitness Crosstrainer X1 Go. Zum einen kannten wir die Marke und das Modell (in etwas teurer) aus unserem Fitnessstudio. Zum anderen war er gerade stark reduziert. Grundsätzlich ein super Gerät mit dem wir absolut zufrieden sind. Nur bei zwei Sachen mussten wir zusätzlich Hand anlegen: Er hat keine Handy/Buchablage und wir trainieren gerne Barfuß. Ersteres haben wir durch den Kauf einer Schwanenhalshalterung behoben. Dabei allerdings darauf achten, dass sie lang genug ist. Da sie sich nur unter dem Display befestigen lässt und ihr entsprechend den Hals drumherum/darüber hinweg biegen müsst, ist die Strecke vergleichsweise lang. Das Problem beim Barfuß trainieren ist hingegen, dass die Hartplastikschalen (inkl. „Antirutscheinkerbungen“) echt unangenehm sind an den blanken Füßen. Hier haben wir als Lösung eine alte Korkplatte (war allein zu glatt) aus unserem Restposten mit einer Teppichfliese verbunden und zurecht geschnitten. Funktioniert super. Müssen sie aber demnächst mal austauschen, weil der Teppich langsam aber sicher durchgelaufen ist.

August 2019 waren wir dann dort mit dem Ziel ein Trampolin zu kaufen. Auf dem Trampolin zu Schwingen hilft den Lymphkreislauf in die Gänge zu bringen. Außerdem macht es einfach Laune rum zuspringen (und ggf. ein paar Übungen zu machen). Keine Ahnung welches menschliche Urbedürfnis dabei befriedigt wird aber gefühlt hat auch jeder Nachbar ein Außentrampolin für die Kinder im Garten stehen :smlie: . Von Sport Tiedje wurden wir zu einem cardiojump Fitnesstrampolin Premium beraten. Das ist soweit ich weiß damals erst neu auf den Markt gekommen und ist preislich in einem bezahlbareren Bereich als die Markenteile von Salta, Kettler & Co. – bei angeblich gleicher Qualität. Auch hier: Wir sind absolut zufrieden. Es ist ein Trampolin, es lässt sich leicht auf- und abbauen, steht trotz einklappbarer Füße absolut stabil und bislang hat es noch keine nennenswerte Abnutzungserscheinungen. Und, besonders wichtig, es gibt für alle Bestandteile Ersatzteile. Schließlich wird irgendwann doch der ein oder andere Gummi seinen Geist aufgeben. Zubehör wie eine Haltestange für intensiveres Sprungtraining haben wir dafür aber nicht geholt.

2020

Ende Juli kam Lysanda dann erneut an und meinte: „Wollen wir uns vielleicht ein Liegefahrrad zulegen?“. Wir hatten zwar schon mein, aus einer Praxisauflösung stammendes, Ergometer im Keller aber das haben wir faktisch nicht benutzt. Der Sattel war äußerst unangenehm, die Griffe komisch und ein Ersatz bei dem alten Ding das Geld irgendwie nicht wert. Und ein Liegefahrrad deshalb, weil es logischerweise nicht ganz so anstrengend ist wie der Crosstrainer und man etwas gechillter trainieren kann – allerdings nur die Beine, die sowieso schon stärksten Muskeln im Körper. Also wieder ab nach Frankfurt und ausgiebig die dortigen Ausstellungsstücke angeschaut. Aber nein: Es steht tatsächlich nun kein neues Liegefahrrad im Keller. Wir wurden vom netten Verkäufer stattdessen umberaten.

Unser beider Ziel ist (leider) immer noch wieder abzunehmen. Trotz massiver – und mittlerweile definitiv dauerhafter Ernährungsumstellung (Low Carb, ~300g Essen pro Mahlzeit und häufig nur zwei Mahlzeiten pro Tag), fast vollständigem Verzicht auf Zucker und regelmäßigem Training fallen die Kilos irgendwie nicht wie gewünscht. Entsprechend meinte der Verkäufer, dass er uns zwar natürlich gerne ein Liegefahrrad andrehen könnte. Er meinte aber gleichzeitig, dass er aus seiner Sicht etwas Besseres für uns hat: Ein Rudergerät. Und ja, er hat uns am Ende erfolgreich davon überzeugt, dass das die sinnvollere Investition in unsere Gesundheit ist als faul auf einem Liegefahrrad unsere Runden zu drehen. So ein Rudergerät ist definitiv ein umfangreiches Ganzkörpertraining – in relativ kurzer Trainingszeit.

Der zweite Einkauf

Ja, wir haben dreckige Füße…

Bevor wir aber zum Rudergerät kommen: Wir haben zusätzlich noch eine Taurus Vibrationsplatte VT5 mitgenommen. Wir hatten die ganze Zeit schon eine geschenkte aber total billige Platte aus dem Supermarkt im Keller stehen. Sie reichte aus, um festzustellen, dass uns die Idee dahinter durchaus gefällt. Aber das kleine, viereckige Ding mit seinen dicken Noppen reichte für unsere Ansprüche einfach nicht aus. Gleichzeitig haben wir im Keller definitiv nicht den Platz für die riesigen Teile aus dem Fitnessstudio. Die Taurus VT5 bildet da den perfekten Kompromiss aus starkem Motor, der einen anständig von Fuß bis Kopf durchrüttelt, Preis und Platzbedarf. Ach und Taurus ist die Eigenmarke von Sport Tiedje. Im Bereich der Vibrationsplatten haben sie gar keine anderen Firmen im Programm :smile: .

Schon allein nur mit leicht angewinkelten Knien (nie durchdrücken!) da drauf zu stehen und sich 10 Minuten (mehr geht am Stück nicht) durchrütteln zu lassen verursacht am Anfang an einigen Stellen Muskelkater. Effektiver wird es aber natürlich, wenn ihr sie mit in euer Training einbaut. Ähnlich wie die EMS-Anzüge quasi. Ne Runde Kniebeugen, Bauchübungen, etc. pp. und schon ist die Sache noch effektiver. Der Verkäufer meinte auch, dass sie Anfangs etwas übermütig dutzende von Liegestützen darauf absolviert und danach tagelang Muskelkater hatten.

Und auch auf die Gefahr wie eine kaputte Schallplatte zu klingen: Auch mit diesem Kauf sind wir absolut zufrieden. Das Ding hat anständig Power unter dem Hintern und kommt entsprechend an alle Stellen dran während das Supermarktding gefühlt höchstens bis zur Hüfte gekommen ist. Die drei verfügbaren Programme rütteln einen anständig und abwechslungsreich in alle Richtungen durch (manueller Betrieb geht auch – inkl. Fernbedienung) und sie ist trotzdem angenehm mobil/handlich, um sie zügig mal aus dem Weg räumen zu können. Und ja: Man hat je nach Übung mächtig Muskelkater danach. Ich persönliche finde sie vor allem super als Trainingsabschluss, um den Körper nochmal so richtig zu entspannen. Diese Aussage mag erstmal keinen Sinn machen, schließlich spreche ich von Muskelkater. Aber die Vibrationen lockern natürlich auch die Muskeln bis in die Tiefe. Ein paar Dehnungsübungen dazu machen und alles ist perfekt :smile: . Lysanda hat hingegen ihr Training (z.B. 100 Kniebeugen) vom Trampolin auf die Vibrationsplatte verlegt und macht die Entspannung auf dem Trampolin.

Das Rudergerät

Das schicke Rudergerät

Kommen wir aber nun endlich zum eigentlichen Thema: Das Rudergerät. Angeblich werden beim Rudern 80% aller Muskelgruppen im Körper in Anspruch genommen und der gesamte Bewegungsapparat genutzt. Es ist somit nicht nur Kraft-, sondern auch Ausdauertraining und ist angeblich aufgrund dieser hohen Beanspruchung ebenfalls ein gutes Mittel zum Abnehmen aufgrund des Kalorienverbrauchs. Und nach den ersten Runden auf diesem Gerät muss ich sagen: Ja, ich würde sagen das stimmt. Man drückt die Bein durch, legt sich nach hinten (=Bauchtraining) und zieht kräftig mit den Armen und das alles in einer fließenden Bewegung bei der man relativ wenig falsch machen kann (Stichwort „falsche Belastung“), wenn man den Ablauf mal verstanden hat. Aber schaut euch dazu am besten Mal ein Video an. Das auf Textbasis zu erklären ist mir zu umständlich :wink: .

Wir haben uns für ein Gerät in der Farbe „Esche Natur“ der Firma WaterRower aus Deutschland entschieden. Dazu gab’s noch die Smartphone-Halterung und eine Packung Chlortabletten. „Hä? Wad? Chlortabletten?!“ – Manchmal bist du schon etwas schwer von Begriff, lieber Besucher. Es sagt doch schon der Name: „WaterRower“. Das Ding ist mit maximal 18l Wasser gefüllt und damit sich darin keine Algen bilden, muss man halt hin und wieder mal eine Chlortablette reinwerfen.

So real!

Überzeugt hat uns die Wasser-Variante im Gegensatz zu den klassischen Systemen, die man so aus dem Fitnessstudio kennt aus mehreren Gründen: Die Holzvariante (gibt’s auch in Edelstahl) sieht extrem schick aus und lässt sich einfach und schnell aufstellen (vorausgesetzt die Decke ist höher als 2,1m – so lang ist das Ding nämlich), um es nach dem Benutzen in die Ecke zu schieben. Nimmt dann ungefähr die Grundfläche eines Stuhls ein. Gleichzeitig ist das Wassergeräusch irgendwie cool und erzeugt das richtige „Ruderfeeling“. Das ist definitiv nicht zu verachten. Es macht den kleinen aber feinen Unterschied zwischen einem reinen Fitnessgerät hin zu einem etwas durchaus entspannendem Training! Und trotzdem ist es im Vergleich zu den anderen Metalldingern leise und angenehm. Außerdem sind die Wassergeräte wohl langlebiger und abseits der Chlortablette völlig Wartungsfrei. Der wichtigste und entscheidendste Vorteil ist aber: Der Wasserwiderstand führt zu einem natürlicherem und damit einem für die Gelenke schonendem Rudern. Die Aussage in manchen Tests, dass ihr vor jedem Training deshalb je nachdem die Wassermenge reduzieren oder erhöhen sollt ist aus meiner Sicht (und lt. Verkäufer) übrigens Schwachsinn. Ja, ihr steuert den Grundwiderstand über die Wassermenge. Aber ich sehe keinen Grund nicht einfach z.B. 17l reinzupacken und das so zu lassen. Zum ständigen rein- und rausholen ist der Tank zum einen nicht ausgestattet, zum anderen steuert ihr am Ende des Tages selbst den Widerstand. Zu anstrengend? Dann eben nicht mit 3,5m/s unterwegs sein, sondern vielleicht nur mit 3m/s.

Von oben

Ich schaffe aktuell übrigens 2km in ca. 15 Minuten – allerdings mit 3-4 Pausen (die erste nach ca. 800m). Das Ding ist nämlich extrem anstrengend (und ich scheinbar immer noch völlig untrainiert) und erfüllt damit eindeutig sein Versprechen. An der Seite ist ein kleiner Computer der euch die Distanz, die Zeit, die Schlagzahl und eben die Geschwindigkeit in verschiedenen Einheiten darstellt. Ein paar Trainingsprogramm gibt es wohl auch aber wir stellen derzeit einfach nur eine Kilometerzahl ein und versuchen die erstmal ohne Pause und mit dem richtigen Bewegungsablauf zu erreichen. Das ist schon anstrengend genug. Spielereien wie man sie von manch anderen Geräten kennt (z.B. ein Angelspiel) gibt es hier nicht aber das brauche ich auch nicht. Nur Barfuß trainieren, das geht hier nicht. Die Halterungen für den Fuß sind wieder aus Hartplastik wie auch die Schnürriemen zum Festzurren der Füße. Das schabt und tut sehr schnell weg. Aber ohne Schuhe Sport zu treiben scheint eh nicht besonders verbreitet zu sein irgendwie…

Der Zusammenbau ging sehr gut von der Hand und dauerte maximal 30 Minuten (16 Schrauben insgesamt). Das Auffüllen ist mit einem Eimer und der beiliegenden Handpumpe ebenfalls kein großes Problem (Wasserschlauch ist natürlich einfacher). Auch die Smartphone-Halterung war simpel und schnell zu montieren und verrichtet gute Dienste. So kann man trainieren und trotzdem dabei z.B. ein Video schauen – vielleicht wie jemand anderes gerade über einen See rudert :smile: . Insofern: Auch mit diesem teuren Einkauf sind wir absolut zufrieden. Es macht Spaß, ist sehr anstrengend und vermutlich ist das Training sogar effektiver als eine Stunde auf dem Crosstrainer oder so. Wir können das Teil bislang uneingeschränkt empfehlen. Bin echt froh, dass uns der Verkäufer umberaten hat.

Epilog

Jetzt müssen nur endlich die Kilos purzeln. Und im August 2021 schauen wir dann mal, was uns Neues einfallen wird. So langsam geht uns nämlich definitiv der Platz im Fitnessbereich aus…

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