Ich habe keinen Schimmer, warum ihr überhaupt Beim Christoph besucht und Einträge wie diesen zumindest anfangt zu lesen (Danke!). Doch ich vermute, dass das Thema “Kochen mit Sicarius” nicht sonderlich weit oben auf euerer Liste der Interessen steht. Ich weiß: Ich soll mich nicht schlechter machen, als ich bin. Aber ich habe bereits das ein oder andere Mal erwähnt, dass ich definitiv nicht der größte Koch vor dem Herrn bin oder gar behaupte einer zu sein. Wir kochen zwar weiterhin fast täglich selbst, aber das ist weit entfernt von irgendwelchen Fünf-Sterne-Menüs. Wobei die, die man so im Fernsehen sieht, würden mich eh nicht satt machen.

Gute Erfahrungen

Nein, nicht schon wieder abschweifen, Sicarius! Wir haben doch noch nicht einmal die Einleitung hinter uns. Ich wollte eigentlich nur darauf hinaus, dass ich zwar kein Experte bin, hilfreichen Kochutensilien gegenüber bin ich jedoch – wie sicherlich alle von uns – nicht abgeneigt. Unsere COSORI Heißluftfritteuse ist beispielsweise mittlerweile fast zu jeder Mahlzeit im Einsatz. Man könnte also durchaus behaupten, dass wir mit ihr vollumfänglich zufrieden sind. Das stimmt jedoch tatsächlich nicht ganz. Es gibt nämlich Tage, da bereuen wir es doch ein bisschen damals nicht zur größeren Ninja Foodi FlexDrawer 10,4 L Heißluftfritteuse* (oder zum COSORI Turbo Tower*) gegriffen zu haben. Nämlich dann, wenn wir sie eigentlich beide gebrauchen könnten. Entsprechend müssen wir vorab planen, wer zu welcher Mahlzeit die COSORI in Beschlag nehmen darf. Aber das Gerät an sich? Weiterhin top!

Das gilt auch für die kleine Feuerpfanne, die ich für meine Steaks und Schnitzel jedes Mal wieder gerne hervorhole. Eine der besten Kücheneinkäufe! Die große ist zwar etwas weniger Einsatz. Das liegt aber nicht an der Qualität, sondern einfach nur an der fehlenden Quantität. Wir müssen aktuell (zum Glück) gar nicht so viel vorkochen.

Ende der Einleitung?!

Und damit kommen wir endlich zum eigentlichen Thema des heutigen Eintrags: Den zwei Neuanschaffungen, die seit Oktober 2025 ihren Dienst in unserer Küche tun.

Sieht aus wie eine klassische Knoblauchpresse

Knoblauchpresse (Gourmet Easy)* – Ich hatte tatsächlich bislang keine Knoblauchpresse. In unseren Haushalt zog entsprechend Lysandas Knoblauchtwister* ein. Wirklich glücklich war ich damit ehrlich gesagt von Anfang an nicht. Man muss den Knoblauch schon ein wenig kleinschneiden, braucht dann trotzdem noch viel Kraft und ihn dann aus dem Ding wieder raus zu kratzen ist ebenfalls mühselig gewesen. Insofern war ich nicht wirklich traurig, als dann mal ein paar der “Zähne” ihren Geist aufgegeben haben und ich nach Ersatz suchen durfte.

Die Wahl fiel dabei auf die verlinkte Gourmet Easy Knoblauchpresse aus drei Gründen:

  • Bekannte Marke – Gourmet Easy sind in Küchenkreisen keine Unbekannten und bieten angeblich gute und langlebige Qualität-
  • Klassische Form aus Edelstahl – Keine komische Twistfunktion, keine fragwürdigen Handdrehpressen und vor allem kein Plastikkram. Ich wollte einfach nur was haltbares, das gut in der Hand liegt und keinen vorherigen Besuch im Fitnessstudio braucht.
  • Kein Schälen notwendig – Das war die eigentliche Funktion, die mich zu dieser Knoblauchpresse hingezogen hat. Endlich kein Schälen mehr? Konnte ich mir gar nicht so wirklich vorstellen, dass das funktioniert. Aber ja: Es funktioniert einwandfrei. Kriege ich dabei vermutlich nur 98% des Knoblauchs aus der Zehe und habe möglicherweise ein paar Mikroreste Schale im Essen? Sicherlich. Sehen/merken tue ich davon nichts und ich verzichte gerne auf eine kleine Menge Knoblauch, wenn ich mir dafür die fünf Minuten Schälen spare.

Von mir eine klare Empfehlung diese Presse. Seit wir sie haben, ist der Knoblauchverbrauch in unserem Haus nachweisbar gestiegen. Ja, der Drücker hat mittlerweile schon ein paar Kratzer. Aber es ist halt ein Gebrauchsgegenstand. Dafür macht sie was sie soll und das Reinigen geht ebenfalls gut von der Hand. Der Großteil der Zehenreste holt man aus der Presse raus, indem man den Stempel rumdreht und als Schaber benutzt. Der Rest geht einfach unter fließendem Wasser.

Bereit zum Stempeln

Fleischzartmacher (Gourmet Easy)* – Ich war noch nie so der Fleischklopfer. Ich verstehe den Sinn und Zweck dahinter, keine Frage. Das Fleisch zart machen, die Muskelfasern auflockern, Sehnen durchtrennen und gleichmäßigeres braten ermöglichen. Mir war das aber irgendwie immer zu blöd so einen Hammer im Haus zu haben und ihn rauszuholen. Als ich auf der Suche nach der Knoblauchpresse dann auf diesen Fleischstecher gestoßen bin, habe ich mir gedacht: Probier’s doch mal aus. Zurückschicken geht ja immer.

Gleich vorweg: Das Teil ist nicht für kleine Hände geeignet. Es ist relativ klobig und mit seinen 384g nicht gerade leicht. Dafür geht das “Fleischzartmachen” echt gut von der Hand. Man setzt ihn einfach auf das Fleisch und drückt zu – quasi so, als würde man ein Formular abstempeln. Den Rest erledigen die ultrascharfen Klingen aus rostfreiem Stahl. Völlig unkompliziert und man muss es auch nur eine Handvoll Mal pro Fleischstück machen. Das ist sowieso zu empfehlen: Zu oft und ihr habt nur noch Hackfleisch übrig :wink: . Und nein, es besteht keine Gefahr, dass ihr euch verletzt. Die Klingen sind zurückgesetzt und fahren nur aus, wenn ihr auf eine Oberfläche drückt. Solange ihr also eure Hand nicht drunter legt, passiert nichts.

Man muss allerdings sagen, dass die Reinigung per Hand nicht ganz so gut funktioniert. An die mittlere Klingenreihe kommt ihr nur mit einer dünnen Bürste rein. Und der Griff ist nicht dicht. D.h. das Wasser sammelt sich dort oben drin, wenn ihr ihn umdreht. Insofern wäre hier ein klassischer Fleischklopfer sicherlich im Vorteil. Aber in Bezug auf die Lautstärke und den Stärkeansatz hat der Fleischzartmacher eindeutig die Nase vorn.

Das Ergebnis

Und ja, das Ergebnis schmeckt man auch. Vor allem in Kombination mit der COSORI. Da die ja fettfrei arbeitet, wird vor allem Hühnchen tendenziell trockener. Nach dem Einsatz des Fleischzartmachers ist zwar immer noch ein Unterschied zur Pfanne da, aber es ist trotzdem deutlich saftiger als ohne. Insofern ist das Teil mit rund 40€ zwar nicht ganz billig, trotzdem gibt es hier ebenfalls eine klare Empfehlung von mir – auch, wenn ich immer noch gerne vergesse ihn zu benutzen :smile: .

Epilog

Ich find es immer wieder lustig selbst zu erfahren, wie ich jahrelang ganz gut ohne ein Ding auskommen bin und kaum habe ich es mal benutzt, will ich es nicht mehr vermissen. Es bleibt entsprechend spannend, was in Zukunft noch so unseren Haushalt erweitern wird.

Sicarius

Ein Rant

Hinweis: Die ursprüngliche Version des nachfolgenden Texts hatte ich bereits vor einigen Jahren verfasst, aber am Ende dann doch nicht veröffentlicht. Einfach, weil es Meckern ohne echten Mehrwert war. Im Vergleich zu damals ist der Frust zwar geblieben, aber die Formulierungen sind jetzt etwas besser gewählt. :smile:

Maya war auch ein Fan von Fakten

Ich bin nicht grundsätzlich Anti-Wissenschaft oder Anti-Ärzte oder sowas. Im Gegenteil: Ich mag meine Zahlen, Daten, Fakten und es geht mir durchaus auf den Keks, dass es bei den “Alternativen” gefühlt immer nur um Anekdoten von (meist nicht nachprüfbaren) Einzelerfolgen und den eigenen Standpunkt unterstützende Zitatfetzen irgendwelcher Studien geht, die gerne entweder (mitunter bewusst) falsch interpretiert werden, einen völlig falschen Ansatz verfolgten oder einfach nur schlecht durchgeführt wurden. Genauso wenig wie aus meiner Sicht eine Umfrage unter 5.000 Leuten “repräsentativ” für 84 Millionen Einwohner ist, ist halt eine einzige “Studie” mit nur sechs Teilnehmern wirklich aussagekräftig über die Wirkung von irgendetwas. Sie ist höchstens ein Indiz.

Aber da kommen wir genau auf den Punkt: Es ist einfach über “die da drüben” zu schimpfen. Fakt ist: Die Scheiße liegt überall rum und statt sie mal im Sinne des Patienten gemeinsam wegzukehren, wird nur gegenseitig gepoltert. Mein Vertrauen in Wissenschaft und Ärzte ist nämlich nicht verloren gegangen, weil mir irgendein Scharlatan mit Hilfe seiner völlig unübersichtlichen und mit teils absurd paranoidem Wahnsinn vollgestopften PowerPoint-Präsentation ein überteuertes Wundermittel angedreht hat. Es ist verloren gegangen, weil Ärzte, Medizin, Krankenkassen, Pharmaindustrie & Co. scheinbar nur in der Lage sind den ganzen Tag zu jammern und zu schimpfen und uns allen Geld und Zeit aus der Tasche zu ziehen statt sich auf ihr ursprüngliches Kerngeschäft zu konzentrieren: Dem Patienten tatsächlich zu helfen und ihn gesund zu machen/halten. Stattdessen Abfertigung im 15min Takt, Therapie maximal auf Symptomebene, keine Veränderungsbereitschaft bei neuen Erkenntnissen und eine Medikamentenabgabe am Fließband nach dem Motto “machen wir seit 50 Jahren so!”. Mein Vater schluckt beispielsweise pro Tag so viele Tabletten, dass ich mich durchaus frage, ob er jetzt wirklich noch an seinen ursprünglichen Problemen leidet oder nur unter den ganzen Nebenwirkungen?! Die Antwort des Apothekers war darauf übrigens sinngemäß: “Passt scho!” Muss ich ihm notgedrungen glauben, wenn ich mich da nicht selbst einarbeiten will und dafür sind sie ja auch eigentlich da! Aber dieses Urvertrauen in die Engel in Weiß ist halt selbst bei mir mittlerweile stark beschädigt.

Die Forscher

Dieser Vertrauensverlust ist nicht über Nacht passiert. Je mehr Zeit ich jedoch auf dieser Erde verbringe und je mehr Dinge ich auch selbst am eigenen Leib erfahre, desto mehr Punkte fallen mir im täglichen Leben auf. Angefangen bei der ganzen Sache mit den Studien. Ohne Studie geht gar nichts. Schließlich ist das einer der größten Vorwürfe, die die Medizin immer gegen alle anderen ins Feld führt. Das ist auch schön und gut. Nur: Warum wird immer gefordert, dass etwas wissenschaftlich untersucht werden muss, aber gleichzeitig habe ich oft den Eindruck, dass genau diese Untersuchungen dann gar nicht stattfinden? Wenn ich mir meinen Newsfeed so anschaue, gibt es gefühlt für jeden Mist irgendeine Studie (sehr beliebt: Alles was mit Sex und Beziehungen zu tun hat). Gleichzeitig merke ich dabei oft, dass die wirklich für den Alltag relevanten Sachen wenig Beachtung finden. Beispielsweise alles, was mit der Nährstoffzufuhr für unseren Körper zu tun hat. Und mit diesem “Ignorieren” meine ich sowohl die Forscher, die sich das mutmaßlich nicht anschauen, als auch ihre Ergebnisse, wenn es doch mal was zu berichten gibt. Vielleicht versandet auch einfach alles in irgendwelchen Fachmagazinen, die wir nicht lesen oder wegen Bezahlschranken nicht lesen können?

Maya hatte einen Ghostwriter

Aber warum ist das so? Die ehrliche Antwort? Keine Ahnung. Ein paar Faktoren kann ich mir allerdings denken, die einen negativen Einfluss auf das wissenschaftliche Arbeiten haben könnten. Veröffentlichungszwang beispielsweise. Wenn ich jedes Jahr irgendein Papier veröffentlichen muss, um in der akademischen Welt überleben zu können, dann suche ich mir natürlich einfaches Zeugs raus. Ein viel größeres Thema ist die Finanzierung. Schließlich ist Wissenschaft nicht (mehr) kostenlos zu haben. Also wird entweder erforscht, was gerade “hip” ist (Krebs ist da der All-Time-Favorit) oder wofür mir jemand explizit Geld gibt. Und derjenige, der mir die Studie bezahlt, macht das ja nicht zum Spaß, sondern um am Ende damit Kohle zu scheffeln (=Patente). Und ja, das gilt aus meiner Sicht auch für staatliche Institutionen.

Die Zweifel

Wissenschaft zu betreiben ist also in meiner Wahrnehmung heutzutage nicht mehr wirklich neutral möglich. Vor allem, aber nicht nur, weil niemand gerne die Hand beißt, die ihn füttert. Das muss dann nicht einmal gleich böse Absicht sein. Das passiert unterbewusst. Ich muss schließlich jedes Jahr wieder um meine Finanzierung kämpfen. Und wenn das Ergebnis dem Finanzier nicht passt? Dann wird es auch gerne mal geschönt oder unter den Tisch gekehrt.

Auf solche Kritik reagieren viele Menschen allerdings sehr empfindlich. Es wird auf Peer Reviews, Kontrollmechanismen und Reproduzierbarkeit verwiesen, die solche Probleme aufdecken und eliminieren sollen. Die Realität ist jedoch, dass diese Mechanismen nicht immer so funktionieren, wie sie sollten. Ich empfehle dahingehend die neue ARTE-Dokumentation Betrug in der Wissenschaft. Oder vielleicht auch nicht – macht nur depressiv. Auch interessant ist dahingehend das Projekt Unstatistiken des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

Die Realität ist, dass Wissenschaftler auch nur Menschen sind mit allen ihren Stärken und Schwächen und damit das System anfällig ist. Und selbst, wenn die Studie sauber ist: Es können trotzdem die Ergebnisse zurückgehalten oder bewusst falsch interpretiert werden. Das hat die Vergangenheit immer wieder gezeigt. Gerne auch mit Verweis auf irgendwelche Geschäftsgeheimnisse. Ist natürlich verständlich: Ich versuche ebenfalls zu vermeiden Dinge zu veröffentlichen, die mich schlecht aussehen lassen. Deswegen lag der Eintrag ja so lange in der Schublade! :smile:

Die Produzenten

Und wenn wir schon bei Verschwörungen sind: Die eine Seite spricht immer gerne von der “Pharmaverschwörung”, während die andere behauptet, dass das alles Schwachsinn wäre. Es würde schließlich auffallen, wenn da Schmu läuft. Solche Firmen würden doch niemals mit der Gesundheit von Menschen spielen, nur um den eigenen Profit zu steigern. Bei so einer Diskussion fühle ich mich als Gamer gleich wie Zuhause. “Sony ist immer für die Spieler da! Microsoft geht es nur ums Geld!”.

Fakt ist: Es geht allen ums Geld. Biontech & Co. haben den Corona-Impfstoff sicherlich zum Teil entwickelt, weil die einzelnen Mitarbeiter was Gutes für die Menschheit tun wollten. Es wurde vermutlich aber auch viel Energie vom Unternehmen reingesteckt, weil der Markt den Impfstoff dringend haben wollte und sie damit verdammt viel Kohle scheffeln konnten. Das bedeutet nicht, dass am Ende nichts Gutes bei so einer Arbeitsweise rauskommt. Aber ob wirklich die Interessen beider Seiten immer übereinstimmen? Ich weiß es nicht. Als Außenstehender sieht es nämlich gerne so aus, als würde viel Geld in die Behandlung oder das Management von Krankheiten investiert. Und viel weniger in die Vorbeugung. Bestes Beispiel ist da für mich wieder das Thema “Krebs”. Ständig liest man von tollen neuen Heilmitteln/-methoden, die vielleicht irgendwann mal auf den Markt kommen. Doch über Maßnahmen, wie er sich verhindern lässt? Scheint nicht sonderlich interessant zu sein – zumindest für die Medien, die über Studien berichten.

Maya war wenigstens ehrlich egoistisch

Und selbst, wenn mal ein gutes Medikament rauskommt: Läuft der Patentschutz ab, ist plötzlich kein Interesse mehr da, es weiter zu produzieren. Schließlich wird der Markt jetzt mit Generika überschwemmt und die Marge ist dahin. Blöd ist es dann, wenn deswegen am Ende niemand mehr die Produktion übernimmt und das Medikament Betroffenen dann nicht mehr zur Verfügung steht. 2024 ging beispielsweise das Thema durch die Medien, dass wegen einer verminderten Wirtschaftlichkeit bestimmte Medizinprodukte nicht mehr für Frühchen und Säuglinge verfügbar sind.

Dieser Kreislauf führt zusätzlich dazu, dass der Eindruck entsteht ein Produkt so schnell wie möglich auf den Markt bringen zu müssen. Und anschließend versucht man es möglichst vielen Leuten zu empfehlen. Von außen betrachtet sieht das für mich so aus, als würde fleißig Lobbyismus betrieben, scheinbar nur das absolute Minimum an Studien durchgeführt, der heilige Gral versprochen, Nebenwirkungen bestenfalls ins Kleingedruckte verbannt oder soweit wie rechtlich erlaubt weggelassen, Ärzte explizit für dieses Medikament durch Pharmareisende geschult und dergleichen. Nochmal: Neutral und im Sinne des Patienten sieht für mich anders aus. Wie soll ich da dann noch das Vertrauen in die Objektivität meines Arztes aufrechterhalten? Das kommt halt raus, wenn wirtschaftsorientierte Unternehmen am Machen sind, die alles tun, um ihren Gewinn zu erhöhen.

Geld aus dem Fenster werfen

Theoretisch hat unser Gesundheitssystem ja eine Kontrollinstanz: Die Krankenkassen. Die sollten eigentlich nur bezahlen, was wirklich hilft. Medikamente und Behandlungsmethoden werden erst nach zig Verhandlungen und Prüfungen überhaupt zugelassen. Leider arbeiten die gefühlt ebenfalls eher im Modus “unter allen Umständen am Leben halten” statt “vorbeugend Gesund halten”. Ja, natürlich kann ich einen Präventionskurs buchen und so zweimal im Jahr immer wieder die gleichen, leichten Gymnastikübungen machen. Aber wirklich sinnvolle Vorbeugemaßnahmen, die einen langfristig und nachhaltig helfen? Gibt es nur sehr wenige. Das meiste muss ich selbst bezahlen und dann trotzdem noch meinen Hausarzt beknien, dass er es macht. Gleichzeitig wird in den Medien immer wieder über sehr teure Eingriffe in den Krankenhäusern berichtet, die einfach übernommen werden. Alltägliche Hilfsmittel wie die Brille von Lysanda hingegen? Die werden selten bezahlt.

Es ist mal wieder wie in vielen Bereichen: Wie viel besser würden wir wohl als Menschheit dastehen, wenn alle Beteiligten weniger auf ihren eigenen Interessen achten würden und stattdessen gemeinsam zum Wohle aller arbeiten würden? Im Minimum würde es mein Vertrauen in das System wiederherstellen, wenn ich nicht ständig überlegen müsste, ob mein Gegenüber mir jetzt tatsächlich helfen möchte oder doch andere Interessen dahinterstecken.

Sicarius

Bergbau im Gebiss

38.783,37€. Das ist der Betrag, der unter der Kostenzusammenstellung meines Zahnarztes steht. Wieviel davon meine gesetzliche Krankenkasse übernimmt? 3.981,62€ – 10% also. Bleibt eine Selbstzahlerlücke von 34.801,75€. Wird wohl Zeit für eine Spendenaktion auf GoFundMe

Bei den Zahlen war ich etwas geschockt…

Was’n los?

Okay, machen wir erstmal einen Schritt zurück. Eins meiner gesundheitlichen Probleme heißt Craniomandibulare Dysfunktion. Das wurde 2017 diagnostiziert. Dafür bin ich extra nach Frankfurt am Main zur Zahnarztpraxis eines Professors getingelt und habe gut Geld dagelassen (knapp 4.800€ Eigenanteil in drei Jahren). Anfangs ging es da auch gut vorwärts. Mein Gebiss wurde auf Vordermann gebracht und ich bekam auf Basis eines 3D-Scans eine 24-Stunden-Schiene. Daraus entstand dann ein guter Status Quo. Die Probleme wie Schulter-/Nackenschmerzen sind zwar nicht völlig aus der Welt – auch, weil ich eine faule Sau bin und meine Übungen nicht mache -, aber mir geht es definitiv seitdem besser als vorher ohne Schiene.

Aber der Herr Professor ließ sich relativ zügig nicht mehr in meinen Terminen blicken und die Praxis wurde irgendwann an ein Konsortium verkauft. Damit ging es bergab. Ein unhöflicher Zahnarzt, Termine wo gar kein Zahnarzt da war und sogar ein Termin, wo NIEMAND da war, ohne mir vorher Bescheid zu sagen. Dabei brauchte ich letztes Jahr mal wieder eine neue Schiene und hatte anschließend immer mehr Probleme im Bereich meines unteren Zahnimplantats. Also traf ich die leichte Entscheidung, dass ich ab sofort nicht mehr nach Frankfurt zu dieser unprofessionellen Bude fahre.

Eine Runde Raubbau

Ich war dann mit meinen ganzen akuten Problemen (=Zahnschmerzen beim Essen) bei meiner regulären Zahnärztin. Doch die war ebenfalls ein wenig ratlos. Mein Gebiss ist halt leider durch die vielen Jahre Pflegelosigkeit ziemlich marode. Zähne putzen? Das machen doch nur Babys! Lysanda hat mir anschließend ein paar auf CMD-spezialisierte Praxen in der Umgebung rausgesucht. Und bei einer davon bin ich nun in Behandlung gegangen.

Zuerst mit dem stark entzündenden Zahnfleisch und einer Zahnlücke, in der ständig mein Essen hängen blieb und ich es nicht mehr herausbekam. Anschließend sprach ich das Thema CMD an und war begeistert von der Reaktion. Gut, bei der Aussicht mehrere zehntausend Euro an einem Patienten zu verdienen, wäre ich das vermutlich auch :wink: .

Scherz beiseite: Ich fand und finde gut, dass er mir einen neuen und vor allem potenziell dauerhaften Ansatz auf den Tisch gelegt hat. Fakt ist nämlich, dass mein Gebiss und mein Kiefer durch jahrelanges Knirschen ziemlich hinüber sind. Die Spitzen auf meinen Eckzähnen fehlen schon lange und die rechten Backenzähne habe ich über die Jahre so stark abgearbeitet, dass ich mich demnächst durch den Zahnschmelz gewetzt haben werde. Das wird dann so richtig schmerzhaft.

Die Lösung

Die neue Schiene ist sogar farbig.

Meine alte Schiene half zwar ein Stück weit den weiteren Raubbau an meinen Zähnen zu verhindern und diesen absoluten Tiefpunkt etwas weiter in die Zukunft zu verlagern. Aber obwohl ich sie technisch gesehen 24 Stunden am Tag trage, zog ich sie immer beim Essen aus. Dafür war sie einfach nicht ausgelegt. Und damit, erklärte mir mein neuer Zahnarzt, habe ich im Prinzip die Arbeit des restlichen Tages sofort wieder zerstört.

Der Witz meiner Schiene ist nämlich, dass sie meinen Kiefer in die richtige Position bringen soll. Ohne die Schiene passen die Zahnreihen nicht zusammen und der Körper versucht es ständig zu korrigieren. Das ist ein Grund für das Knirschen (Stress ein anderer), aber auch für die vielen Verspannungen. Wenn ich die Schiene allerdings beim Essen ausziehe – wo ja die meiste Kieferaktivität ist –, kann da nichts Nachhaltiges passieren. Klingt logisch, hat mir aber vorher noch nie jemand erzählt.
Eine Möglichkeit wäre also gewesen eine Schiene herzustellen, die ich tatsächlich den ganzen Tag tragen kann. Allerdings hatte der Zahnarzt noch einen nachhaltigeren Vorschlag, auf den ich mich freudig gestürzt habe. Ja, ich kannte zu diesem Zeitpunkt die Kosten noch nicht. Und zwar will er mein Gebiss wiederaufbauen. Also meine Zähne so gestalten, dass sie zueinander passen und damit den Zweck erfüllen, den gerade die Schiene versucht zu erfüllen.

Die Hauptarbeit werden dabei sogenannte „Veneers“ erledigen. Das sind dünne Keramikschienen, die man auf die Zähne setzt. Man kann sie ein wenig mit Fingernägelverlängerungen vergleichen. Da sie als kosmetische Leistung angesehen werden – man kann sich damit z.B. weißere Zähne machen lassen -, bezahlt sie die gesetzliche Krankenkasse nicht. Und da ich davon 25 Stück brauche, sind wir schon allein damit bei 13.000€ Arbeitseinsatz. Da wundert es nicht, dass auf der Kostenzusammenstellung unterm Strich fast 40.000€ rausfallen. Heftig, aber wenn es mir nachhaltig hilft? Frei nach einer gewissen Kreditkartenwerbung: Unbezahlbar!

Der aktuelle Status

Ich habe selbstverständlich eine Zahnzusatzversicherung. Ganz blöd bin ich dann doch nicht. Allerdings übernimmt mein aktueller Tarif nur 75% der Kosten – wären also immer noch über 8.000€ Eigenanteil. Und zum anderen muss die Versicherung die Rechnung auch bezahlen wollen.

Die echte 24-Stunden-Schiene habe ich mir nämlich direkt anfertigen lassen. Zum einen, damit es nicht noch schlechter wird. Zum anderen aber auch als Simulation, ob die Lösung mit dem Gebissaufbau wirklich helfen würde. Die Antwort nach jetzt einigen Monaten Tragezeit: Ja, das könnte tatsächlich funktionieren. Aber schon hier stellt sich gerade die Versicherung quer, Geld an mich zu überweisen. Die Schiene hat mich nämlich rund 1.400€ gekostet. Die Begründung? Das hast du nur der Schönheit wegen gemacht und es hat keinen medizinischen Zweck!

Zugegeben: Sie hatten für diese Entscheidung nur die Rechnung. Ich hoffe entsprechend, dass die zusätzlichen Unterlagen vom Zahnarzt sie noch vom Gegenteil überzeugen werden. Anschließend schlage ich dann mit der Kostenzusammenstellung für die restliche Behandlung bei ihnen auf. Drückt mir die Daumen, dass am Ende eine positive Rückmeldung kommt. Ihr könnt alternativ aber auch schonmal den Geldbeutel bereithalten :wink: .

Der Klappmodus

Nach den guten Erfahrungen mit dem Laufband von Toputure*, haben wir nicht lange überlegt und uns auch den klappbaren Heimtrainer* geholt, den sie gerade frisch auf den Markt gebracht haben. Okay, das Laufband ist mittlerweile nicht mehr im Haus. Es hatte ein paar Monate später den Geist aufgegeben. Aber der Support war super und wir haben eine volle Rückerstattung bekommen. Insofern sind wir Toputure nicht feindlich gesinnt :wink: . Anschließend haben wir es durch eins von unserem “Stammunternehmen” Fitshop (der neue Name von Sport Tiedje) ersetzt. Nach einer Analyse zusammen mit meinem Schwiegervater stellte sich übrigens heraus, dass der Motor warum auch immer einen an der Klatsche hatte – entsprechend nichts, was wir ohne hohe Kosten selbst reparieren konnten.

Das Gerät

Zurück zum Heimtrainer: Das “Klappbar” war dabei ein wichtiges Entscheidungskriterium. Wir nutzen ihn nämlich wie das Laufband vor allem beim Fernsehen. Da ist es ganz praktisch, dass sich das Fahrrad zusammenklappen lässt und dann nur noch eine Grundfläche von ca. 55x55cm einnimmt. So lässt es sich gut neben einem Regal bis zum nächsten Gebrauch lagern. Die in der vorderen Querstange integrierten Räder erleichtern zudem den Transport. Apropos Fernsehen: Hier erwartete uns die nächste Überraschung, denn das Gerät ist im Betrieb echt flüsterleise. Ich dachte zuerst Sicarius wäre faul und würde nicht in die Pedale treten, weil ich gar nichts hinter mir gehört habe. Zudem kann man es gut hinter der Couch positionieren, da es so hoch ist, dass man locker bei der Benutzung selbst über eine hohe Lehne drüber schauen kann. Mittelfristig wollen wir allerdings tatsächlich unser “riesige Couch”-Konzept überdenken. Eben genau, um solche geänderten Lebensbedingungen wie mehr Fitnessgeräte im Wohnzimmer unterzubringen. Wir werden beizeiten berichten :smile: .

Das Fahrrad kommt gut verpackt in einem großen Karton und muss noch zusammengebaut werden. Das ging grundsätzlich gut von der Hand, hat aber am Ende doch knapp eine Stunde gebraucht. Auch, weil die Anleitung an der ein oder anderen Stelle etwas deutlicher sein könnte bzw. auf den Bildern nicht alles so gut zu erkennen ist. Beispielsweise welche Querstange jetzt eigentlich für vorne (die mit den Aufklebern und Rädern) und welche für hinten ist. Auch der fehlende Hinweis, dass die Rückenlehne vor dem Anbau an den Sattelträger aufgeklappt werden musste, führte zu doppelter Arbeit. Aber: Es ist alles an Werkzeug dabei, was man für den Aufbau braucht und die Schrauben sind größtenteils bereits an Ort und Stelle. Also kein lästiges Zusammensuchen, sondern abschrauben und später wieder mit dem jeweiligen Bauteil befestigen. Fertig.

Der Hometrainer hat drei Winkeleinstellungen um mittels eines Dreh-/Ziehknopfs zwischen aufrechtem/Wettkampf- und Liegemodus sowie Verstauen zu wechseln. Der relativ große Sattel kann hingegen nach dem Entfernen einer Schraube in sieben Höhenstufen eingestellt werden. Für mich (1,54m) konnte ich zügig eine bequeme Stellung finden. Sicarius (1,86m) jedoch hat den Eindruck, dass er selbst in der weitesten und höchsten Position seine Beine nicht ganz so weit beim Treten ausstrecken kann, wie er es von einem normalen Fahrrad gewohnt ist. Das hält ihn aber nicht vom Trainieren ab und kann auch einfach daran liegen, dass es ein Hometrainer ist. Laut Anleitung sollen die Beine auch nicht ganz durchgestreckt werden, sondern leicht angewinkelt sein.

Der kleine am Lenkrad befestigte Computer bietet die wichtigsten Anzeigen wie Geschwindigkeit, Entfernung und Puls. Leider sind keine Batterien im Lieferumfang enthalten. Also unbedingt zwei AAA zur Hand haben! Die Verbindung mit der FitShow-App über Bluetooth klappte ebenfalls ohne Probleme. Ein Handyhalter ist praktischerweise integriert, er ist aber nur für Handys ohne dicke Hülle geeignet. Außerdem gibt es Bänder für Arm- und Beintraining, die haben wir aber ehrlich gesagt bislang nur mal getestet.

Alles in allem für den Preis von 300 € ein super Gerät, das wir definitiv empfehlen können. Hat während so einigen Folgen Star Trek (sind bei Lower Decks angekommen) bereits Sicarius in Bewegung gehalten während ich auf dem Laufband… laufe.

Öffentliche Bücherboxen sind schon was echt Praktisches. Ja, die Leute stellen mitunter auch viel Mist rein. Reiseführer oder Gesetzestexte von vor 20 Jahren, Fachbücher zu Windows ME und sowas. Aber grundsätzlich sind sie mittlerweile eine angenehme Institution, in der man einfach mal zwanglos stöbern kann und dabei das ein oder andere Buch findet, was man vielleicht sonst nicht entdeckt/gelesen hätte. Kostet schließlich nichts es einfach mitzunehmen und wenn es nicht gut genug für einen dauerhaften Platz im Regal ist, geht es halt wieder zurück. Entsprechend haben wir bereits so einiges mitgenommen – aber zugebenermaßen noch nicht jedes davon gelesen. In der Casa Lysanda befinden sich definitiv zu viele Unterhaltungsmedien verschiedenster Art :smile: .

Doch ein Buch haben sowohl Lysanda (sogar 2mal!) und ich mittlerweile gelesen. Eingepackt habe ich es nur aufgrund des Titels:

Das Buch inkl. Bonus-Balu

Muss ich mich aufgeben, um von Dir geliebt zu werden?* (Jordan & Margaret Paul: Do I have to give up me to be loved by you?; 2000) – Das englische Original ist sogar schon 1983 erschienen, doch dieses psychologische Fachbuch hat tatsächlich kein bisschen an Aktualität verloren. Das Autorenpaar war damals in der Sexualtherapie tätig und stellte fest, dass die Beziehungen ihrer Klienten nach der vermeintlich erfolgreichen Therapie zügig wieder schlechter wurden. Es war quasi wie bei einer Diät. Man versuchte zwanghaft eine Veränderung zu erzwingen. Das klappt mitunter auch einige Zeit. Aber früher oder später fallen die meisten wieder ins alte Verhaltensmuster zurück. Oder wie sie es im Buch ausdrücken:

“Die Veränderungen beeinflussten die Qualität der Beziehung kaum. Die emotionale Distanz zwischen den Partnern blieb bestehen. (Paul & Paul, 2000, S. 10)

Entsprechend versuchten die beiden herauszufinden, woran das lag. Schon allein, weil auch ihre eigene Beziehung darunter litt. Warum funktionierte der klassische Gedanke nicht, dass man einfach nur genug Willenskraft braucht, um etwas zu verändern? Und als sie die Antwort darauf hatten, entwickelten sie daraus die “Intention Therapy” oder auf Deutsch “Absichtstherapie”.

Ich muss mich schützen!

Der Grundgedanke ist, dass die meisten Probleme dadurch entstehen, dass wir versuchen uns zu schützen. Also aufgrund unserer Schutzmechanismen. Ein einfaches Beispiel: Ich habe Angst davor, dass mein Partner mich verlässt. Meine inneren Schutzmechanismen versuchen deshalb ihm meine Unzulänglichkeiten nicht zu zeigen. Dabei ist es egal ob diese real sind oder ich mir diese nur einbilde. Durch dieses Verhalten schaffe ich jedoch eine Lücke/Distanz zwischen mir und meinem Partner. Er soll mich ja nicht so sehen, wie ich wirklich bin. Das allerdings führt erst recht dazu, dass er sich einsam, ausgeschlossen oder nicht gesehen fühlt. Und dann verlässt er mich deswegen. Was will er schließlich in einer Beziehung, wo es keine Nähe gibt?

Außer der Bereitschaft zu lernen dient jedes andere Verhalten in einem Konflikt dem eigenen Schutz. (Paul & Paul, 2000, S. 24)

Und dieses Verhalten zeigt sich in drei Formen: Da gibt es die Anpassung also, dass ich versuche den Konflikt schlicht zu vermeiden. Da bin ich zugegebenermaßen sehr geübt drin. Und am einfachsten vermeide ich den Konflikt, indem ich meinem Gegenüber einfach zustimme. Der typische Mitläufer quasi. Das Gegenteil ist der Versuch die Kontrolle zu gewinnen. Der andere MUSS umgestimmt werden. Es gibt keine Alternative. Und als drittes die Gleichgültigkeit. Der Konflikt wird also schlicht ignoriert.

Erkenntnis gewinnen

Die bekannteste/lauteste Form eines Konflikts ist sicherlich der Streit. Ein klassischer Machtkampf, um die Kontrolle zu gewinnen. Denn wenn ich die Kontrolle habe, bin ich geschützt. Aber gelernt habe ich dadurch nichts. Nehmen wir die Situation, dass euer Partner den Müll rausbringen soll. Er wollte es machen, hat es aber bis jetzt nicht getan. Nun geht ihr hin und sagt ihm, dass der Müll noch nicht rausgebracht worden ist. Der Vermeider würde jetzt einfach den Müll rausbringen. Der Gleichgültige würde euch vielleicht einfach nur ignorieren. Und bei einem Machtkampf würdet ihr euch jetzt streiten darüber, warum nicht du, sondern er den Müll rausbringen muss.

Optimal wäre es, wenn ihr in dieser Situation anfangen würdet zu erforschen, was das eigentliche Problem ist – also die dahinter liegende Absicht zu finden. Vielleicht mag der Partner es gar nicht den Müll rauszubringen. Möglicherweise wegen eines Vorfalls in seiner Kindheit. Oder er ist heute so fertig mit der Welt, dass er keine Kraft mehr dazu hat. Es geht quasi darum euer Gegenüber besser kennen zu lernen und gleichzeitig auch sich selbst. An einem Konflikt sind schließlich in der Regel beide beteiligt. Die eigenen Schutzmechanismen lösen nämlich gleichzeitig die des anderen aus. Warum ist es mir beispielsweise wichtig, dass er den Müll rausbringt? Ich könnte es ja einfach selber machen. Vielleicht, weil ich Angst habe im Dunkeln rauszugehen?

Fast alle Barrieren entstehen durch die Art und Weise, wie Menschen mit Konflikten umgehen. (Paul & Paul, 2000, S. 20)

Zwischen Einsicht und Umsetzung

Unsere Schutzmechanismen (Symbolbild)

Aber was mache ich jetzt mit dem, was ich beim Erforschen gefunden habe? Häufig hilft es ja schon, wenn man erkannt hat, warum etwas ist wie es ist. Warum ich in einer gewissen Situation so reagiere und immer wieder in alte Muster zurückfalle. Ich kann also mit dieser Information erstmal arbeiten und schauen, ob sich dadurch etwas verändern lässt. Ich könnte mich im Alltag selber beobachten und nach und nach versuchen die entsprechende Situation zu verändern und anders zu reagieren als bisher. Quasi mein System Mensch umzuerziehen, aus dem erzwungenen Verhalten herauszugehen und neue Möglichkeiten zu erschließen. Weil das Verhalten, das hier zu Tage kommt, habe ich mir ja nicht ausgesucht, sondern wird von meinen Schutzmechanismen erzeugt.

Beim Erforschen müssen übrigens nicht beide Partner mitmachen. Ihr könnt genauso nur euren eigenen Anteil erforschen. Da euch euer Partner aber (hoffentlich) am besten kennt, ist es nicht ideal es allein zu tun. Außerdem ist es meist schwierig einen ehrlichen Blick auf sich selbst zu werfen. Auch hier sind mitunter Schutzmechanismen am Werk, die das verhindern. Und im Worst Case sind dahinter NOCH mehr Barrieren. Denkt an eine Matrjoschka. Im Buch erzählen die Autoren beispielsweise von einem Mann, der am Ende zwölf Gründe fand, warum er nicht mit seiner Familie Ski fahren wollte.

Unsere Gesellschaft macht es uns ebenfalls nicht leicht, indem sie immer nur auf das Ergebnis schaut und nicht auf den Prozess. Wie der Müll schlussendlich rausgekommen ist, ist egal. Hauptsache er ist draußen. Wie sich die Beteiligten dabei fühlten oder welche Konflikte dabei auftraten, ist uninteressant. Die Beziehung wächst dabei aber nicht, weil die Konflikte erhalten bleiben. Damit diese zu einer lt. den Autoren “mitwachsenden Beziehung” werden kann, müsste man aber die Schutzmechanismen erforschen und zu bearbeiten. Das ist häufig wichtiger als das Problem selbst anzugehen. Denn wenn die Barriere weg ist, gibt es möglicherweise gar keins mehr.

Neugier, offen fürs Lernen ist die natürliche Absicht. […] Schutzmechanismen hingegen sind Strategien, die wir entwickelt haben, um Situation zu bewältigen, die uns Angst machen. (Paul & Paul, 2000, S. 22)

Für was bin ich der Chef?

Ein Kind möchte von Geburt an lernen. Es ist frei etwas auszuprobieren, unabhängig von Erfolg oder Versagen. Als Erwachsene verstecken wir uns hingegen hinter unseren Schutzmechanismen – egal ob bewusst oder unbewusst. Bei der Absichtstherapie geht es darum Freiheit zurückzugewinnen. Und darum sollten sich die Partner gegenseitig ermutigen zu erforschen, um sich und den anderen besser kennen zu lernen.

Aber was ist, wenn meinem Partner nicht gefällt, was er jetzt kennen lernt? Damit sind wir wieder am Anfang: Die Angst vor Zurückweisung. Das ist für viele die größte Angst – nicht nur in einer partnerschaftlichen Beziehung, sondern in jeder. Um jedoch einander näher zu kommen, muss ich meine Schutzmechanismen/Sicherheit aufgeben. Nur so wird – wie es die Autoren nennen – liebende Nähe möglich. Ich übernehme in dem Sinne die Verantwortung für meine Wünsche. Ich gebe sie dabei nicht auf, sondern erforsche warum sie nicht erfüllt werden. Denn wer frei tun kann, was er möchte, ist nicht verantwortungslos. Er übernimmt stattdessen die Verantwortung für seine Gefühle. Wie wir auf jemanden reagieren, ist nämlich immer unser eigenes Problem. Dafür kann der andere nichts. Umgekehrt sind wir aber auch nicht für sein Glück oder Unglück verantwortlich.

Wenn wir einmal glauben für die Gefühle des anderen verantwortlich zu sein, leben wir in einem Gefängnis aus Vorwürfen und Schuld, ohne zu sehen, dass Freiheit, geboren aus der Verantwortung für unsere Entscheidungen für uns möglich ist. (Paul & Paul, 2000, S. 219)

Epilog

Liebende Nähe (Symbolbild)

Wie ihr seht, hat Lysanda und mich das Buch sehr beschäftigt. Für Lysanda waren die Grundprinzipien zwar nichts Neues, aber es haben sich für sie Zusammenhänge nochmal besser erklärt. Und sie darin bestätigt, was sie denkt. Ich hatte es hingegen eingepackt, weil ich mich im Titel wiedergefunden habe. Ich bin definitiv einer, der sich zum vermeintlichen Wohle der Partnerschaft lieber aufgibt. Entsprechend hat mir Muss ich mich aufgeben, um von Dir geliebt zu werden?* zwar nicht unbedingt aus der Seele gesprochen, wie es immer heißt. Aber es hat definitiv einen Nerv getroffen und mir neue Denkanstöße gegeben. Im Grunde ist es mir nämlich auch klar, dass es absolut nicht gut für mich (und meine privaten wie beruflichen Beziehungen) ist, wenn ich mich immer nur zurücknehme. Mein Spielebacklog wird dadurch schließlich auch nicht kleiner :wink: .

An dieser Stelle also eine klare Leseempfehlung für das Werk, wenn ihr es noch irgendwo finden könnt. Obwohl es eigentlich ein Fachbuch ist, ist es tatsächlich relativ einfach zu lesen. Vermutlich deshalb, weil immer wieder das ganze Anhand von Anekdoten erzählt wird und weniger wissenschaftliche Zusammenhänge oder sowas. Und jetzt entlasse ich euch noch mit diesem Gedanken der Autoren:

Alle größeren Systeme – politischer, religiöser, erzieherischer oder familiärer Art – arbeiten mit Angst und Schuld, um Herrschaft, Kontrolle oder Lernen zu erzwingen. (Paul & Paul, 2000, S. 255)

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