Jules will auch nichts von meinen Hämorrhoiden wissen…

Vor sechs Jahren hatte ich euch – ob ihr es wissen wolltet oder nicht – darüber informiert, dass ich eine typische Männerkrankheit habe: ein Hämorrhoidenleiden. Hämorrhoiden oder Hämorriden, wie man sie umgangssprachlich nennt, hat jeder von uns. Es sind Gefäßpolster am Ausgang des Enddarms. Ihre Funktion ist simpel aber wichtig, sie sorgen nämlich zusammen mit den Schließmuskeln dafür, dass der Darmzugang dicht verschlossen wird und das Öffnen und Schließen des Darms nicht unkontrolliert passiert. Eine eher unschöne Sache, wenn das nicht mehr klappt.

Bei manchen Menschen kann es jedoch passieren, dass diese Schwellkörper sich zwar mit Blut vollsaugen, es aber anschließend nicht mehr abfließen kann. Die Gründe sind vielfältig. Schwaches Bindegewebe zum Beispiel oder zu langes Sitzen auf der Toilette bzw. das “gewaltsame” Drücken. Die Folge ist relativ logisch: Je mehr sie sich mit Blut vollsaugen, welches nicht mehr abfließt, desto schwerer werden sie und entsprechend tiefer hängen sie dank der Schwerkraft herunter und schaffen es nicht mehr zurück in die Ausgangsstellung. Im schlimmsten Fall – ein Hämorrhoidenleiden des 4. Grades – hängen sie sogar dauerhaft aus dem After. Keine appetitliche Vorstellung und in dem Zustand hilft auch nur noch eine Operation. Meine waren zum Glück irgendwo im Status 2 oder 3. Also schon etwas schlimmer inkl. hier und da Blut im Stuhl bzw. einem häufigen Gefühl aufs Klo zu müssen obwohl ich schon leer war, aber noch ohne die Notwendigkeit eines operativen Eingriffs zum Beheben.

Gummi im Hintern

Konkret hat mein Proktologe an drei verschiedenen Terminen, jeweils rund 6-8 Wochen auseinander, eine Gummibandligatur durchgeführt. Der Name deutet schon an was hier passiert: Die Hämorrhoiden werden mit einem Gummiring abgeschnürt. Fühlte sich beim ersten Mal extrem unangenehm an. Nicht schmerzhaft, aber als würde jemand einem… nun ja, irgendwas in den Hintern schieben halt. Dauerte 2-3 Stunden bis es wieder im erträglichen Rahmen war. Beim zweiten Mal war es dann schon nicht mehr ganz so schlimm.

Der Gummiring führt dazu, dass das Gewerbe abstirbt. Klingt schlimmer als es tatsächlich ist. Nachdem Verschwinden des anfänglichen Druckgefühls habe ich nichts mehr mitbekommen. Es fällt dann bei einem der nächsten Stuhlgänge einfach mit ins Klo und alles ist wieder gut – angeblich in den meisten Fällen wohl sogar dauerhaft im Gegensatz zur “Verödungstherapie” bei der die Hämorrhoiden mittels eines Wirkstoffs geschrumpft werden.

Das Wundermittel

Flohsamenschalen (gemahlen und ganz)

Wie so oft im Bereich der Gesundheit, hilft es aber auch bei den Hämorrhoiden nicht einfach nur einen Eingriff zu machen und schon hat man für den Rest seines Lebens Ruhe. Behält man seine alten Gewohnheiten bei, erhöht sich selbst bei der Gummibandligatur die Gefahr, dass wieder ein Hämorrhoidenleiden auftritt. Entsprechend habe ich mir mittlerweile angewöhnt nicht mehr so ewig lange Sitzungen auf dem Klo zu veranstalten. Dabei hilft, dass meine Ausscheidungen mittlerweile in einem wesentlich besseren Zustand sind als früher. Das liegt zum einen an meiner geänderten und wesentlich gesünderen Ernährungsweise. Zum anderen an einem kleinen Wundermittelchen, welches mir der Proktologe noch vor der ersten Gummibandligatur zur Verbesserung der Konsistenz meines Kots empfohlen hatte: Flohsamenschalen*.

Wie so oft ist der Name Programm: Es handelt sich dabei um die Hülsen der Samen des Flohkrauts, ein Wegerichgewächs. Den Namen hat die Pflanze, weil die Samen eine ähnliche Form und Farbe wie Flöhe haben (elliptisch, rotbraun). Angebaut wird sie heutzutage wohl hauptsächlich in Indien und Pakistan. Echte Unterschiede zwischen den beiden Varianten sind mir aber nicht bekannt. Wichtiger ist der Reinheitsgrad und ob es sich um ein Bioprodukt handelt. Verfügbar sind sie ganzjährig entweder ganz oder in gemahlener Form und preislich bewegen wir uns bei wirklich guten Produkten bei rund 15€ pro 500g. In der Casa Lysanda bevorzugen wir übrigens die ganze Variante. Mahlen können wir sie zum einen im Bedarfsfall selbst, zum anderen verklumpen gemahlene Flohsamenschalen beim Einrühren in Flüssigkeit schneller als Ganze. Das macht die Verarbeitung etwas herausfordernder. Aber “Verklumpen” ist das richtige Stichwort, denn dahinter verbirgt sich ihre besondere Eigenschaft. Sie sind nämlich ein pflanzliches Quellmittel.

Kotstabilisator

Flohsamenschalen enthalten Fiosine-Schleimpolysaccharide. Das sind Ballaststoffe, die in der Lage sind mehr als das 50-fache an Wasser aufzusaugen. Das bringt so einige Vorteile mit sich. Die wichtigste ist natürlich die im Bezug auf euren Darm. Dadurch, dass die Flohsamenschalen so viel Flüssigkeit aufsaugen und so groß werden, regen sie zuerst die Muskelaktivität im Darm an und anschließend sorgen sie dafür, dass der Entleerungsreflex ausgelöst wird. Bei Durchfall bedeutet das, dass die Flohsamenschalen die Flüssigkeit im Darm aufsaugen und euer Stuhl wieder fest wird. Bei Verstopfung hingegen spielen sie den Stuhlaufweicher und sorgen gleichzeitig durch die zusätzliche Muskelaktivität dafür, dass es wieder vorwärts geht. Zusammengefasst sorgen sie quasi in jeder Konstellation dafür, dass euer Ausschuss eine normalere und bessere Konsistenz hat. Und, wenn es besser flutscht, dann freuen sich darüber auch die Hämorrhoiden. Sie werden dann weniger belastet und die Gefahr eines Leidens wird gesenkt.

Ein Symbolbild

Aber Achtung: Zu viel des Guten ist wie so oft ebenfalls schlecht. Nimmt man zu viele Flohsamenschalen zu sich und/oder zu wenig Wasser dazu, dann können sie Flohsamenschalen selbst zu Verstopfung führen. Also nicht gleich übertreiben. Meist wird empfohlen 10-15g mit ausreichend Flüssigkeit oder zusammen mit einer Mahlzeit zu sich zu nehmen. Aber Achtung: Flohsamenschalen lösen meist nicht das ursprüngliche Problem. Sie helfen nur die Symptome zu beheben. Warum ihr z.B. Durchfall oder Verstopfung habt, müsst ihr trotzdem noch in Erfahrung bringen.

Weitere positive Eigenschaften

Flohsamenschalen können also viel Flüssigkeit binden und sich so größer machen – da kommen einem noch weitere Anwendungsfälle in den Sinn, oder nicht? Beispielsweise als Unterstützer beim Abnehmen. Ein Glas Wasser mit Flohsamenschalen ca. 30 Minuten vor dem Essen und schon ist im Magen nicht mehr ganz so viel Platz. Entsprechend können sie tatsächlich dabei helfen weniger zu sich zu nehmen. Gleichzeitig eignet sich ihre Eigenschaft als Quellmittel hervorragend zum Einsatz in der Low-Carb-Küche. Dort wird ja gerne auf Mehl verzichtet. Hier helfen dann Flohsamenschalen, um trotzdem die notwendige Konsistenz zu erreichen. Wir verwenden sie beispielsweise erfolgreich für Nudeln, im Joghurt oder Pfannkuchen. Je nach dem kann es wichtig sein dabei folgendes zu beachten: Nach dem Hinzugeben der Flohsamenschalen nicht zu lange mit der Weiterverarbeitung warten, sonst wird die Sache sehr schnell sehr dick.

100g Flohsamenschalen enthalten übrigens:

  • 222kcal
  • 2,3g Eiweiß
  • 12g Kohlenhydrate (davon 0,5g Zucker)
  • 0,7g Fett
  • 79g Ballaststoffe

Noch nicht durch ausreichend Forschung bestätigt ist hingegen, dass Flohsamenschalen zusätzlich noch das Wachstum von darmfreundlicheren Bakterien zu fördern scheinen. Weniger indem sie als Nahrung für diese dienen. Stattdessen würden sie dabei helfen Entzündungen im Magen-Darm-Trakt einzudämmen. Außerdem gibt es die Theorie, dass beim Umbau der Ballaststoffe durch die Dickdarmbakterien hilfreiche Fettsäuren entstehen. Diese sollen dafür sorgen, dass in der Leber die Cholesterin-Synthese verlangsamt wird. Das wiederrum hilft den Cholesterinspiegel im Blut zu senken. Beides aber wie gesagt derzeit hauptsächlich Theorie und noch nicht wissenschaftlich fundiert nachgewiesen.
Bereits bewiesen ist allerdings: Flohsamenschalen sollten nicht trocken gegessen werden (wegen der Verstopfungsgefahr) und auch nicht zu viel die offene Packung durchschütteln. Bei empfindlichen Gemütern kann der Staub nämlich zu allergischen Reaktionen führen.

Epilog

Flohsamenschalen gehören in der Casa Lysanda mittlerweile zur Standardausstattung. Sowohl zum Kochen als auch eben vor allem zur Regulation meines Ausschusses. Stellt sich zum Abschluss noch die Frage, wie es meinen Hämorrhoiden geht. Die Antwort: Denen geht es gut. Ich war 2020 nochmal zur Sicherheit zur Kontrolle beim Proktologen und wurde schon fast zusammengestaucht, was mir eigentlich einfiele vorbei zu kommen. Es sei doch schließlich alles in Ordnung. Scheinbar darf man dort erst hin, wenn man längere Zeit Blut im Stuhl hat. Wieder was gelernt… aber immerhin kam ich mit der Erkenntnis aus dem Termin, dass mein Hinterteil soweit okay ist. Ziel erreicht quasi :smile: .

Zum Abschluss noch zwei in unserem Haushalt mehrfach mit Erfolg erprobte LowCarb-Rezepte:

Pfannkuchen Nudeln
1 Ei oder 2 Eiweiß 2 Eier
2 EL Flohsamenschalen 50g Frischkäse
2 EL Haferkleie 1 EL Flohsamenschalen
Brise Salz 1 EL Haferkleie
1 Kaffeetasse voll Wasser Messerspitze Xanthan oder Guarkernmehl
ggf. noch nach eigenem Geschmack Füllung wie Speck oder Käse dazu Brise Salz
Gut umrühren und dann schnell in die heiße Pfanne (ausreichend Öl rein!) packen. Anschließend bis zum gewünschten Bräunegrad beidseitig braten. Gut umrühren und dann auf einem Backblech gleichmäßig verteilen.
10 Minuten bei 60°C in den Backofen (bis die Ränder anfangen braun zu werden).
Mit einem Pizzaschneider in Streifen schneiden und genießen.
Sicarius

Home Office Studien

Für Forscher ist die Coronapandemie vermutlich das genialste, was jemals passieren konnte. So viele Bereiche des täglichen Lebens mit teils extremen Veränderungen, die sich nun vorzüglich anhand von Millionen Menschen beobachten lassen. Egal ob zwischenmenschliche Beziehungen, körperliche und geistige Gesundheit oder die Arbeitswelt: Gefühlt zu allem und jedem ploppen gerade Studien hoch von Soziologen, Psychologen und was es sonst noch so an *logen gibt. Wahrscheinlich gibt es sogar schon die erste “So hat sich unser Sexleben durch Corona verändert”-Studie.

Das Ergebnis dieser garantiert sehr spannenden Untersuchung konnte ich aber leider nicht finden. Stattdessen ist Lysanda auf zwei Studien gestoßen, die sich mit dem Thema Home Office beschäftigen: Auswirkungen der Corona-Pandemie aus Sicht von Führungskräften und Mitarbeitenden. Da wir ja beide selbst seit bald zwei Jahren im Home Office sitzen und sie sich in ihrem Nebengewerbe mit dem Thema “Arbeitsstress” beschäftigt, klang das ganz interessant.

Die Studien

Auftraggeber beider Studien war Hays, ein Personaldienstleister wie es heutzutage so schön heißt. Ihr Kerngeschäft ist aber schlicht die Personalvermittlung (Headhunting). Insofern ist es naheliegend Studien rund um die Arbeitswelt zu finanzieren. Durchgeführt hat die Studien hingegen das rheingold Institut. Die betreiben im Kern Marktforschung. Sie selber behaupten allerdings mehr zu bieten als nur genau das. Nachprüfen kann ich es nicht. Aber sie haben haufenweise Psychologen im Team, sind schon länger am Markt und zu Corona haben sie ebenfalls schon so einiges veröffentlicht.

Balu schaut ganz genau hin (könnte ja Leckerli geben).

In der ersten Untersuchung mit dem Titel Zwischen Vertrauen und Kontrolle – Auswirkungen der Corona-Pandemie aus Sicht der Führungskräfte geht es – wie der Name schon sagt – um die Chefs. 750 Stück wurden befragt aus Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern. Das Ergebnis ist – zumindest für mich – wenig überraschend. Ein Teil unserer lieben Manager kommt einfach nicht damit klar, dass sie ihre Mitarbeiter nicht mehr ständig auf Schritt und Tritt überwachen können. Für die Untergebenen dieser Art von Vorgesetzten sicherlich eine große Erleichterung. Auch in unserer Firma ging mal das Gerücht um, dass wir ja im Home Office angeblich nur die Eier schaukeln lassen würden und wir deshalb auf irgendeine Art und Weise bestraft gehören (=keine Erfassung von Überstunden mehr). Ist zum Glück nichts draus geworden, aber es ist ein fantastisches Beispiel dafür wie so mancher Manager drauf ist. Mitarbeiter nicht im Blick = die faule Sau macht nix! Die Realität sieht jedoch nicht nur in unserem Umfeld ganz anders aus: Die meisten Leute arbeiten im Home Office viel mehr als im Büro. Aber ich greife vor.

Deshalb hat mich das Studienergebnis mit meinen mittlerweile 20 Jahren Berufserfahrung nicht sonderlich überrascht: Der größte Teil der befragten Führungskräfte versucht auch über die Mitarbeiter im Home Office die volle Kontrolle zu behalten und beschäftigt sich entsprechend statt mit richtiger Führung lieber mit kleinteiligem Management und Überwachung. Immerhin scheint das so gut zu funktionieren, dass wiederum die meisten bereit sind nach Corona nicht zum gewohnten Alltag zurück zu kehren und stattdessen “mobiles Arbeiten” und “Digitalisierung” beibehalten wollen. Ab und zu muss man wohl mit einem Teilgewinn zufrieden sein.

Die Mitarbeiter

Die zweite Studie trägt den Titel Flexibilität braucht Sicherheit – Corona und die Folgen aus Sicht der Mitarbeitenden. 1.000 Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen wurden dazu gefragt und das Ergebnis hat mich tatsächlich überrascht: Die meisten sind zufrieden mit ihrer Führungskraft. Hatte ich nach dem Lesen der obigen Studie anders erwartet.

Unsere Chefin legt gerne mal ein Nickerchen ein.

Wenn man sich die Zahlen allerdings genauer anschaut, finde ich es persönlich gar nicht mehr so positiv wie die Autoren es hinstellen. Zum Beispiel haben nur 57% der Befragten “Ein starkes gegenseitiges Vertrauen zwischen der Führung und ihnen” erlebt. Das ist statistisch natürlich mehr als die Hälfte aber das würde bei uns in der Firma in einer Mitarbeiterumfrage definitiv nicht als positives Ergebnis gewertet werden. Zumal gleichzeitig 48% berichten, dass der Druck gestiegen ist und entweder zu wenig Führung (41%) oder zu viel Kontrolle (36%) vorhanden ist. Lustigerweise wünschen sich 93% das Vertrauen darauf, dass sie selbstständig ihre Arbeit erledigen, was im ersten Moment als Widerspruch zu “zu wenig Führung” erscheint. Aber es ist halt ein Unterschied ob ich weiß was ich zu tun habe und diese Arbeit einfach erledigen darf. Oder keinen Schimmer habe was ich hier eigentlich soll. Da bringt mir dann die ganze Freiheit auch nichts.

Immerhin sind tatsächlich die meisten mit Home Office zufrieden und sogar 64% behaupten von sich produktiver zu sein als vorher. Verwundert mich definitiv nicht. Sehe ich ja an uns. Wir haben zwar nur ca. 20 Minuten (einfach) ins Büro aber trotzdem ist es Zeit, die wir jetzt nicht investieren müssen. Plus natürlich noch die Vorbereitungen mit Tasche packen und so. Da sind wir schnell bei zwei Stunden pro Tag, die wir jetzt zusätzlich für die Arbeit haben. Gleichzeitig kommen wir später aus dem heimatlichen Büro raus. Zum einen, weil eben alle anderen länger machen und entsprechend die E-Mailflut nicht plötzlich nach 15 Uhr drastisch absackt. Zum anderen, weil es zu einfach ist sich festzusetzen. Man muss abends nicht mehr zwingend alles Private erledigen. Die Waschmaschine kann man auch zwischendurch mal anmachen, das Essen am Laptop zu sich nehmen und selbst aufs Klo geht es dank Bluetooth mit den Kollegen in der Telko. Okay, das haben manche auch im Büro gemacht. Aber ihr wisst was ich meine.

Das liebe Home Office

Birgit Langebartels, Diplom-Psychologin bei rheingold, hat dahingehend Ende November ein interessantes Interview mit dem Stern geführt. Ihre Erkenntnisse basieren vermutlich auf der Mitarbeiter-Studie, sind dort aber nicht beschrieben (oder ich hab‘ diesen Teil bisher nicht finden können). Sie spricht ganz klar von der “Home Office-Lüge” und meint die berühmte “Work-Life-Balance”, die wir erhofft hatten so endlich zu erreichen. Schließlich kann man ja jetzt alles parallel machen. Bisschen arbeiten, ne Runde Yoga, arbeiten, Wäsche aufhängen und dergleichen.

Jules ist für eine kleine Arbeitspause.

Stattdessen ist bei vielen das genaue Gegenteil eingetreten: Die Waage ist noch stärker in Richtung “Work” ausgeschlagen. Zum Beispiel, weil wir uns selbst den Druck machen. 20 Minuten lang die Wäsche aufhängen während der Arbeitszeit? Uuuh… da greift sofort das schlechte Gewissen und man hängt lieber noch eine Stunde Arbeit mehr dran, um das auszugleichen. Gleichzeitig fehlt dieser klare Schnitt zwischen “jetzt bin ich auf der Arbeit” und “jetzt bin ich in der Freizeit”. So doof Pendeln für das Gemüt und die Umwelt ist: Es gab einem die Gelegenheit sich auf die Arbeit vorzubereiten bzw. diese aus dem Kopf zu kriegen. Heute fällt man aus dem Bett an den Schreibtisch und legt sofort los. Und ja, ich nehme mich da definitiv nicht davon aus. Da passt ganz gut der Absatz aus Kapitel 9, den ich just in Agent in eigener Sache von John le Carré gelesen habe:

William hatte es sich, sagte er, zur Gewohnheit gemacht, am Freitag, ehe er vom Lager nach Hause fuhr, ein paar Stunden in der Kabine des Lasters zu schlafen, sich dann zu rasieren und eine Tasse Tee mit den Jungens zu trinken, so daß er ausgeruht daheim ankam und nicht nervös und mißgelaunt. Es war ein Trick, den er von den alten Hasen gelernt hatte, sagte er: Nicht direkt heimbrausen, das gibt nur Ärger.

Ein guter Rat von den alten Hasen, wie ich finde. Statt Arbeit und Freizeit auszubalancieren hat Home Office noch mehr dazu geführt, dass wir schlicht und einfach dauernd auf der Arbeit sind. Selbstausbeutung nennt Fr. Langebartels das und spricht von “Long Homid” (angelehnt an Long Covid) mit den entsprechenden Gefahren für Körper und Geist.

Die Home Office-Typen

Natürlich lässt sich das nicht pauschalisieren. Jeder Mensch ist anders und geht auch mit dem Home Office anders um. Unser Chef sagt beispielsweise, dass es ihm prinzipiell egal ist, wann wir arbeiten solange eine angemessene Menge an Arbeit erledigt wird. Sprich weder ist die Mail um 20 Uhr schlimm noch, dass man um 13 Uhr mal nicht im Dienst ist. Fr. Langebartels unterscheidet dahingehend vier Typen des Home Office-Nutzers:

  • Privatiers: Egal ob Arbeit oder Privates. Alle Bedürfnisse müssen erfüllt werden und das am besten sofort. Z.B. wird von anderen Familienmitgliedern die Arbeit nicht mehr gewürdigt. Man ist schließlich zu Hause und somit “verfügbar”. Ständig will also jemand was. Das Ergebnis? Er kommt zu nix.
  • Außendienstler: Er würde am liebsten 24 Stunden am Tag arbeiten und kennt keinen Feierabend. Wenn er es schafft sich mal vom PC zu lösen, denkt er eben über die Arbeit nach. Im Home Office braucht er das aber nicht, weil er jederzeit an den PC zurückkehren kann.
  • Durch-Lässige: Schaffen es tatsächlich halbwegs alles unter einem Hut zu bekommen. Sie verbinden Zuhause und Büro geschickt miteinander. Da kann auch schon mal das Kind durchs Arbeitszimmer laufen ohne, dass es stört.
  • Home-Offiziere: Der Klischee-Beamte. Bucht sich morgens ein, macht pünktlich Mittagspause und auf die Sekunde genau Feierabend. Quasi Arbeit und Freizeit strikt getrennt.

Home Office heißt bei uns: Belagert von Katzen

Lysanda und ich ordnen uns eher dem Typ “Durch-Lässig” zu. Ja, ich stürme zwar morgens an den Laptop aber nachmittags bin ich dann doch eher der, der dafür plädiert endlich mal Schicht im Schacht zu machen. Ich mache zwar meine Arbeit und stehe dahinter. Aber wenn der Laptop zugeklappt ist, ist er zugeklappt. Gleichzeitig haben wir kein Problem damit Untertags auch mal das ein oder andere Privates zu machen. Dann geh‘ ich halt mal zwischendurch eine Stunde Einkaufen. Für was habe ich schließlich sonst Gleitzeit, wenn ich sie nicht nutze? Da habe ich kein schlechtes Gewissen. Die Arbeit erledige ich ja trotzdem. Und die Katzen sind auch den ganzen Tag im Arbeitszimmer :smile: .

Um 20 Uhr lesen wir allerdings keine Mails mehr. Unseres Erachtens gibt es um die Uhrzeit nichts was dazu wichtig genug wäre und die Welt geht auch nicht unter, nur weil eine Antwort erst am nächsten Tag kommt. Außerdem werden wir um die Uhrzeit nicht mehr bezahlt. Und “freies” Arbeiten lässt sich schlicht nicht immer umsetzen. Viele von uns sind schließlich fremd gesteuert. Wenn um 13 Uhr eine Telefonkonferenz ist, dann ist sie um 13 Uhr. Die lässt sich nicht auf 20 Uhr verlegen (zum Glück!). Stattdessen gönnen viele sich nicht einmal mehr die Pausen unterm Tag, die sie sonst im Büro gemacht hätten. Wie oben geschrieben: Mittagessen am Schreibtisch, kein Plausch mit den Kollegen am berühmten Wasserspender und so weiter. Vermutlich sind sogar die Zigarettenpausen kürzer geworden. Man steht ja schließlich jetzt alleine da rum.

Vereinsamung

Alleine rumstehen ist auch ein guter Punkt: Auf der einen Seite ist man zwar mehr und länger auf der Arbeit aber die sozialen Kontakte fehlen trotzdem. Es ist einfach etwas ganz anderes, ob ich mit meinen Kollegen in einer Telefonkonferenz hocke oder eben mal 15 Minuten in der Kaffeeküche plausche. Die wenigsten werden einfach mal zum Quatschen anrufen. Selbst, wenn sie im Büro keine Hemmungen hätten mit der Kaffeetasse am Bürotisch zu stehen. Ich als eher introvertierter Mensch habe damit zwar kein Problem – ich bin schon vorher nicht in die Kaffeeküche gegangen. Aber es ist für die geistige Gesundheit vieler definitiv nicht dienlich, dass sie den ganzen Tag nur in ihrem Kämmerlein hocken. Wie sagt Fr. Langebartels im Interview? Manchmal brauche ich den Kollegen, der wieder zu laut telefoniert, und sei es nur, um mich über ihn aufzuregen. Wo sie Recht hat, hat sie Recht.

Pichu lässt die Arbeit immer warten.

All das läuft aber am Ende des Tages immer und immer wieder auf das gleiche hinaus: Fehlende Selbstfürsorge. Ich brauche kein Ventil für meine negativen Emotionen. Ich muss “einfach nur” lernen damit umzugehen. Ich sollte das schlechte Gewissen darüber abwerfen, dass ich mir auch im Home Office mal fünf Minuten gönne etwas anderes/nichts zu tun während der Arbeitszeit oder mal früher Feierabend zu machen. Den Ausgleich schaffen und eben nicht 24 Stunden am Tag nur für meinen Arbeitgeber da zu sein. Das verstößt nicht nur gegen das Arbeitszeitgesetz, es ist auch schlicht und einfach nicht gut für die Gesundheit. Natürlich kann man auch Kompromisse suchen. Wie z.B. eine TelKo mit Handy und Headset zu machen und dabei eine Runde spazieren zu gehen (also ein “Geh-Spräch”) oder ein gemeinsames Mittagessen mit dem Team per Videokonferenz bei dem gezielt nicht über die Arbeit gesprochen wird.

Ich habe hier neben mir ein Schild hängen mit dem Satz Die Arbeit kann warten, dein Leben nicht!. Und auch, wenn es Tage gibt wo es mir schwerfällt: Ich versuche mich daran zu halten. Ist natürlich für den ein oder anderen einfacher gesagt als getan. Vor allem, wenn man einen Kontrollfreak als Vorgesetzten hat, der genau prüft ob man zwei oder drei Minuten auf der Toilette war. Aber selbst dann bringt es nichts sich für die Arbeit aufzuopfern. Früher oder später geht man daran nur zu Grunde. Also lieber die Konsequenzen früher ziehen und noch etwas vom Leben haben.

So viel reduzierter Käse – wer soll den alles essen?!

2021 war für mich ganz klar das Jahr des Käse. Wie ich im ersten Eintrag geschrieben hatte, bestand bisher meine Palette ausschließlich aus Edamer. Mittlerweile ist es einige Monate her, dass überhaupt ein Edamer mein Haus von Innen gesehen hat. Stattdessen habe ich so viele neue Variationen entdeckt – und dabei auch mehr über meinen eigenen Geschmack gelernt. Dass ich Pfeffer nicht ausstehen kann (und entsprechende Käsesorten meide) war mir bekannt. Aber meine starke Abneigung gegen “bitter”, “herb” und “muffig” habe ich glaube ich erst jetzt so richtig entdeckt. Mit stinkendem Käse habe ich im Gegensatz zu meinem Mann allerdings kein Problem. Selbst, wenn ich den Käse auf der Skala nur auf Fußkäseskala 1 einsortiere, rümpft der mitunter schon die Nase. Bei Fußkäseskala 3 fällt er beinahe tot um. Sehr empfindliches Kerlchen aber so isst er mir wenigstens den Käse nicht weg.

Womit ich hingegen ein Problem habe sind Käseverpackungen. Was da teilweise an Unmengen an Papier, Plastik und Kram um und zwischen dem Käse liegt, geht auf keine Kuhhaut. Am seltsamsten sind Aufkleber auf der Rinde. Was soll das bitte? Als würde man die noch erkennen, wenn der Käse mal geschnitten ist. Einen musste ich vor dem Verzehr erstmal abwaschen, da von der Rinde überall was rumklebte. Was ein absoluter Mist. Hat da eigentlich schon jemand drüber nachgedacht. Was heißt denn “Kunststoffüberzug”? Richtig, Plastik. Und wer isst die Rinde, nachdem ich sie weggeschnitten habe? Irgendwelche Tiere vielleicht, die das dann wieder in der Umwelt verteilen. Ergo: Mehr Mikroplastik. Aber genug gemeckert. Kommen wir nun zum nächsten Schwung an Käsesorten, die meinen Gaumen in den letzten Monaten streifen durften.

Allgemeine Erläuterungen

Die reduzierte Ware in der Käsetheke des tegut besteht meist aus einzeln verpackten Teilstücken. Insofern sind wir abhängig davon, was tegut auf den Kassenzettel schreibt – was mitunter nicht ganz so viel ist. Somit fehlen uns beispielsweise in den meisten Fällen die genauen Herstellernamen. Für mich unterscheide ich drei Käsearten: Schnittkäse, Hartkäse (der dann zu Reibekäse wird) und Weichkäse (Schmelzkäse zählen wir hier ebenfalls dazu). Die Fußkäseskala sagt hingegen aus wie stark der Käse aus meiner Sicht riecht (von Fußkäseskala 0 für “gar nicht” bis zu Fußkäseskala 3 “stinkt durch die Kühlschranktür bis zum anderen Ende der Stadt”). Meine Bewertungsskala geht von Super guter Käse (Super gut) bis Bäh-Käse(Bäh) und die Preise sind hingegen logischerweise zum einen die von tegut und zum anderen zum Zeitpunkt unseres Kaufes und ohne die Reduzierung. Kann sich in der Zwischenzeit geändert haben. Wo keine Preise stehen, haben wir sie schlicht vergessen aufzuschreiben. Die Reihenfolge ist hingegen die, in der ich den jeweiligen Käse probiert habe.

Bebris D’Argent

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Schafsmilch
Preis pro kg: 22,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Wie Brie aber viel cremiger und mit mehr Geschmack.

Bio Brennnesselkäse

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 21,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Bewegt sich geschmacklich irgendwo zwischen Edamer und Gouda. Sieht aufgrund der Brennnesseln hübsch aus, man schmeckt sie aber überhaupt nicht.

President La Brique Ziegenkäse

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Ziegenmilch
Preis pro kg: 16,60€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Etwas herber im Geschmack als normaler Brie, dafür eine etwas weichere Konsistenz. Insgesamt okay aber nicht spektakulär.

Bio Steinsalzkäse

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 24,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 2
Wertung: Naja-Käse

Trotz des Namens erscheint er mir nicht salziger als andere Käsesorten. Dafür schmeckt er irgendwie säuerlich muffig. Nicht so meins.

Bio Berg Rebell

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Heumilch
Preis pro kg: 17,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Irgendwie ziemlich bröselig und trocken. Ansonsten aber völlig okay – wie irgendwie alle Rebell-Käse.

Vacherousse d’Argental

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 21,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Sehr weich, sehr cremig, sehr lecker. Hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Camembert aber so viel besser und cremiger.

Bio Rübli Rebell

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Heumilch
Preis pro kg: 23,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Aufgrund des enthaltenen Karottensaftkonzentrats eine schöne orangene Farbe. Schmeckt aber absolut nicht nach Karotte, sondern hat den üblichen leichten Käsegeschmack eines Rebell-Käse.

Bio Brie Tegut

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: ?€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Naja-Käse

Gefühlt die Hälfte davon bleibt im Papier hängen, der Rest schmeckt einfach nur bitter. Und mit Bitter habe ich es einfach nicht.

Le Rustique

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 21,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Etwas muffiger im Geschmack als normaler Camembert aber immerhin schön cremig und weich. Insgesamt also okay.

Kathis Kürbisknacker

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 27,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Naja-Käse

Riecht wie er schmeckt: Nach so gut wie nichts. Kein gutes Zeichen für einen Käse. Immerhin sind die Kürbiskerne ganz nett sowohl was die Optik angeht als auch das Knacken beim Essen. Trotzdem: Bleibt beim nächsten Mal im Regal liegen.

Caprice des Dieux

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Im Inneren viel weicher als Camembert und hat entsprechend zumindest für mich eine angenehmere Konsistenz. Der Geschmack ist hingegen ziemlich ähnlich, leider ist er etwas muffig im Abgang.

Rambol Nuss

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Optisch definitiv eine coole Sache mit den Walnüssen. Geschmacklich? Merkt man die Nüsse so gut wie nicht. Stattdessen erscheint er eher wie Schmierkäse ohne die richtige Konsistenz dafür zu haben. Immerhin ist er angenehm zu kauen und die Walnüsse schön knackig. Und Action im Mund finde ich immer super.

Bio Taleggio

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 26,99€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Bäh-Käse

Ach du heiliger Bimbam! Der schmeckt als wäre er in Alkohol getränkt, was er aber lt. Wikipedia nicht sein sollte. Würde ich nicht einmal zum Kochen verwenden, weil ich das absolut nicht mag. Außerdem ist er ziemlich feucht und klebrig. Erschwerend kam noch hinzu, dass zumindest bei meinem Einkauf überall Papier auf die Rinde geklebt war und auf der vierten Alufolie. Das war aufgrund der rötlichen Färbung des Käses nicht gut zu sehen und entsprechend schwer herunter zu bekommen. Das Ding kommt mir nicht mehr ins Haus.

Irischer Cheddar

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 12,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Für einen Schnittkäse hat er eine erfreulich cremige Konsistenz und ist im Geschmack leicht süßlich. Unterm Strich absolut okay.

Bio Landkorb Bockshornklee

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 16,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Schmeckt aufgrund des Bockshornklees leicht nussig (wobei ja alles entweder blumig, nussig oder nach Hühnchen schmeckt…). Ansonsten aber ein ganz normaler und angenehmer Schnittkäse ohne weitere Besonderheiten.

Bio Monsieur Jean Bernard Käse

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 22,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Der Käse ist so cremig, dass er sich aus der Rinde drücken lässt. Geschmacklich aber ein typischer Camembert. Vielleicht etwas milder, aber das dürfte rein von der Tagesform abhängig sein.

Alta Badia

Typ: Hartkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 24,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Es steht zwar Hartkäse drauf aber gefühlt ist er nicht härter als Schnittkäse. Hat insgesamt einen angenehmen Geschmack mit einer etwas bitteren Note.

Emmentaler

Typ: Hartkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 17,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Naja-Käse

Schmeckt sehr herb und ist nicht besonders salzig, aber mir insgesamt etwas zu trocken (Hartkäse halt). Brauche ich nicht noch einmal.

Pavé d’Affinois

Typ: Weichläse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 25,30€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Bäh-Käse

Eine Art Camembert in Würfelform. Leider absolut nicht mein Geschmack. Sehr herb und sehr bitter. Der bleibt selbst mit 75%-Aufkleber im Regal liegen.

Französischer Raclette

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 6,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Ich würde ihn als den “politisch korrekten” Käse bezeichnen. Solide aber total langweilig. Keine guten oder schlechten Merkmale, sondern einfach nur Käse.

Der Hüttenthaler

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 25,70€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Naja-Käse

Irgendwie bitter im Nachgeschmack und wir haben ja schon festgestellt, dass das nicht so mein Ding ist.

Kellergeist

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: ?€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Naja-Käse

Ein herber Geschmack wie dieser ist für meinen Gaumen keine Wohltat. Kann man essen, muss man aber nicht.

Mai Gouda

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Maimilch
Preis pro kg: 7,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Super guter Käse

Ein richtig leckerer Käse ohne, dass ich es genauer beschreiben könnte wieso. Er hat einfach einen super angenehmen Geschmack.

Bio Bärlauch Rebell

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Heumilch
Preis pro kg: 22,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Es sind nur 0,2% Bärlauch enthalten, was ihm einen leichten aber nicht unangenehmen Geschmack gibt. Ansonsten wieder ein normaler Rebell und von denen bin ich mittlerweile ein absoluter Fan muss ich sagen.

Rougette Landkäse

Typ: Weichläse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Super guter Käse

Der beste Camembert, den ich bislang gegessen habe. Unglaublich lecker und cremig im Mund. Will mehr haben!!!!111

Ziegenkäse

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Ziegenmilch
Preis pro kg: 23,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Ja, die Auszeichnung bei tegut war nicht wirklich hilfreich. Keine Ahnung von wem dieser Ziegenkäse ist. Ist ja nicht so, als gäbe es nicht hunderte von Varianten. Insofern hilft euch mein Eindruck vermutlich nicht wirklich weiter. Aber der Vollständigkeit halber: Dieser Ziegenkäse hatte einen sehr milden Geschmack und eine feine, säuerliche Note. Kann man definitiv essen.

Berthaut Epoisses

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 31,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 3
Wertung: Bäh-Käse

Sieht aus wie ein ziemlich alter Camembert, der Geruch verstößt gegen die Genfer Konvention und geschmacklich ist er auch das aller Letzte. Hinzu kommt noch, dass er sehr viel Verpackung dabei hat. Vermutlich, um den Geruch im Laden zu unterdrücken. Er war in eine Holzbox gelegt, dann in eine Plastiktüte eingepackt, an der Schnittkante war ebenfalls nochmal Plastik und untendrunter nochmal etwas Papier/Plastik. Was für eine Umweltverschmutzung für so ein Stück ekligen Käse…

Bio Landana Möhrenkäse

Typ: Schnittkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 19,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Hat aufgrund der Möhren eine leicht süßliche Note aber ansonsten ein 08/15-Schnittkäse. Nervig ist, dass er einen Kunststoffüberzug hat. Da musste ich extrem viel wegschneiden bis der blöde Plastikgeschmack endlich weg war.

Munster

Typ: Weichkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 21,90€
Rinde essbar? Ja
Fußkäseskala: Fußkäseskala 1
Wertung: Guter Käse

Die Verpackung redet von einem sehr intensiven Geschmack. Eine Versprechung, die aus meiner Sicht nicht eingehalten wird. Tatsächlich halte ich ihn für einen ziemlich durchschnittlichen Käse, der außen etwas klebrig ist. Lecker, aber keine erwähnenswerte oder gar außergewöhnliche Note.

Swizzrocker

Typ: Hartkäse
Grundzutat: Kuhmilch
Preis pro kg: 22,90€
Rinde essbar? Nein
Fußkäseskala: Fußkäseskala 0
Wertung: Guter Käse

Sehr bröslige Angelegenheit und der Geschmack eher durchschnittlich aus meiner Sicht. Ich würde es als “angenehmer als Parmesan” bezeichnen aber ansonsten weder was besonderes noch auffälliges an diesem Stück.

 

Und damit kennt ihr nun meine Meinung zu 30 weiteren Käsesorten. Das ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. Zum Verfassungszeitpunkt umfasst unsere Liste immer noch 25 bereits beschriebene Sorten – mit ungezählten Weiteren, die noch im Gefrierschrank darauf warten verzehrt zu werden. Aber von denen erzähle ich euch dann ein andermal.

Man soll über das schreiben was man kennt heißt es immer so schön. Aktuell wäre das mein allgemeines Unwohlsein im Bauchbereich. Woher das kommt? Nun, sagen wir es mal so: Ich hatte vorhin das unabdingbare Verlangen mir unsere Toilettenschüssel mal etwas genauer anzuschauen und aus dem Mund heraus mit Inhalten zu füllen. …und an dieser Stelle musste ich für eine gewisse Zeit das Tippen unterbrechen, um nochmal zügig die sanitären Einrichtungen unseres Hauses aufzusuchen und meine Seele dem Abfluss zu übergeben. Man würde ja erwarten, dass da nichts mehr geht, wenn einmal alles raus ist. Aber der menschliche Körper ist bekanntlich ein absolutes Wunderwerk der Technik und nimmt es sich im Zweifel von anders her. Aus der Galle zum Beispiel.

Der Übeltäter

Natürlich erspare ich euch an dieser Stelle die genauen Details. Der eigentliche Grund meines Unwohlseins und des dazugehörigen Bedürfnisses den Verdauungsvorgang meines Frühstücks zu verkürzen dürfte jedoch eine kleine Kapsel gewesen sein. Diese Kapsel enthielt 25mg Zink Bisglycinat. Und wie ich immer in den Gesundheitseinträgen schreibe: Was unser Körper nicht will, versucht er schnellstmöglich wieder loszuwerden (Erbrechen, Durchfall, etc.). Und in meinem Fall wollte er wohl heute Morgen keine so hohe Dosis Zink verarbeiten. Vermutlich, weil ich jetzt schon längere Zeit keines mehr genommen hatte.

Was ist das?

Bevor ich euch aber erkläre, warum ich überhaupt Zink nehmen wollte, sollten wir erst einmal darüber sprechen was es überhaupt ist. Die Antwort ist ganz einfach: Eines der essentiellen Spurenelemente für unseren Körper, die er nicht selbst herstellen kann. Und wie es sich für etwas essentielles gehört, kommt es an so einigen Stellen zum Einsatz. Allen voran mal wieder beim Stoffwechsel (Zucker, Fett und Eiweiß) aber auch beim Zellwachstum, im Immunsystem und – für jedes Lebewesen ganz wichtig – bei der Fortpflanzung, denn viele unserer Hormone sind auf Zink angewiesen. Es gab 2005 sogar eine amerikanische Studie, die nachgewiesen hat, dass die doppelte Dosis an Zink pro Tag (20mg) die geistige Leistungsfähigkeit von Kindern verbesserte.

Die DGE empfiehlt entsprechend für einen Erwachsenen abhängig von seiner restlichen Ernährung täglich 11 bis 16mg (Mann) bzw. 7-10mg (Frau). Der Unterschied ergibt sich allerdings nicht nur aus dem Gesichtspunkt “Wie viel Zink ist in meiner Ernährung enthalten?”, sondern auch aus dem Zusammenspiel von Zink mit anderen Inhaltsstoffen. Der wichtigste Faktor ist hier die sogenannte Bioverfügbarkeit. Die drückt aus wie gut der Körper einen Stoff verarbeiten kann. Je höher diese ist, desto mehr könnt ihr aufnehmen. Deswegen habe ich eine Kapsel mit “Zink Bisglycinat” genommen und nicht mit reinem Zink. Die Aminosäure Glycin soll dabei helfen, dass das Zink noch besser vom Darm verarbeitet und in den Körper eingeschleust werden kann.

Und genau diese Absorptionsrate ist auch für die DGE-Empfehlung entscheidend wegen einer Substanz namens Phytat.

Hilfreich und doch nicht hilfreich

Um es ganz simpel auszudrücken: Pflanzen speichern Phosphor. Und das wiederrum brauchen sie für allerlei Prozesse – darunter den Keimvorgang. Und damit die Pflanze das Phosphor (sowie weitere Mineralstoffe) überhaupt für die Keimung speichern kann, braucht sie das Phytat. Vor allem (Vollkorn-)Getreide, Hülsenfrüchte und Ölsaaten sind total begeistert von Phytat und enthalten entsprechend viel. Leider hat diese positive Eigenschaft des Phytat Dinge zu speichern einen großen Nachteil: Es macht keinen großen Unterschied zwischen dem was es speichert und was nicht. Lt. DGE kann die Bioverfügbarkeit von Zink bei einer sehr hohen Phytatzufuhr um bis zu 45% sinken, weil es das Zink speichert und es wieder hinten rauskommt statt es wie vorgesehen im Darm abzugeben. Ergo: Wer mehr Vollkorn isst, muss mehr Zink zu sich nehmen, weil weniger im Körper ankommt – also theoretisch.

Hasst ihr es nicht auch, dass es irgendwie immer irgendwelche Ausnahmen gibt? Nein? Okay… naja, auf jeden Fall ist in Vollkornprodukten grundsätzlich Zink enthalten. Die Folge ist, dass z.B. in einem Vollkornbrot zwar viel Phytat drin ist aber gleichzeitig auch eine Menge Zink (1,5mg Zink/100g). So hebt sich in dem Fall das Problem ein Stück weit gegenseitig auf und ihr lauft nicht Gefahr in einen Zinkmangel zu rutschen. Positiv reagiert Zink übrigens u.a. auf besagtes Glycin oder Vitamin C. Da geht die Bioverfügbarkeit durch die Decke.

Nicht nur zum Wodka-Saufen geeignet!

Ein weiterer Punkt, den es bei Zink zu beachten gibt, ist die Balance der einzelnen Spurenelemente im Körper. Speziell Eisen und Kupfer müssen mit Zink im Gleichgewicht sein. Habt ihr davon zu viel, rutscht ihr mitunter trotz ansonsten hervorragender Ernährung in einen Zinkmangel ab. Vor allem bei Kupfer geht das recht fix. Zum Beispiel aufgrund von Leitungswasser aus Kupferrohren oder die Genießer von alkoholischen Getränken unter uns, die gerne am Wochenende einen echten Moscow Mule (grob gesagt Wodka und Ginger Ale aus einem Kupferbecher) runterkippen. Zugegeben: Wir haben so einen Kupferbecher auch Zuhause – trinken aber nur ab und zu etwas Leitungswasser daraus, um unseren Kupfervorrat aufzufüllen. Umgekehrt verringert zu viel Zink im Blut die Aufnahme von Kupfer und behindert damit den Eisenstoffwechsel. Es gilt also wie immer: Die Kontraindikatoren im Blick behalten und nicht nur eine Sache zuführen. Das führt nur an anderer Stelle zu einer Imbalance.

Mangelerscheinungen

Die Wahrscheinlichkeit ist tatsächlich relativ hoch, dass viele von euch unbewusst schon einmal einen Zinkmangel hatten. So sind eingerissene Mundwinkel ein ziemlich eindeutiges Zeichen dafür (kenne ich von Zuhause und bei mir selbst tatsächlich zu genüge). Auch Aphten (schmerzhafte weiße Flecken auf der Mundschleimhaut) deuten darauf hin. Dazu kommen die üblichen Verdächtigen bei einem Mineralienmangel wie schlechte Wundheilung, hohe Krankheitsanfälligkeit, Haarausfall/brüchige Nägel – und eine reduzierte Libido. Vielleicht hat euer Partner also gar keine Kopfschmerzen, sondern grad einen leichten Zinkmangel? Wer weiß :smile. .

Ein Labornachweis ist jedoch wieder einmal schwierig, denn eine Blutuntersuchung zeigt euch nur wie es in diesem einen Moment in euch aussah. Hattet ihr vorher eine Portion Käse zum Frühstück, ist euer Wert vermutlich im grünen Bereich obwohl ihr den Rest des Tages möglicherweise einen Mangel habt. Die offizielle “Empfehlung” ist dahingehend, dem Arzt seine Symptome zu schildern und zu hoffen, dass er erfolgreich daraus einen Zinkmangel ableitet. Als Belohnung für die erfolgreiche Diagnose gibt es eine Runde Zinktabletten.

Ein guter Zink- und Proteinlieferant: Fleisch

Aber ich will ja nicht alles schwarzmalen: Einen dauerhaften Zinkmangel dürften tatsächlich die wenigsten haben. Da läuft dann vermutlich an anderer Stelle im Körper noch etwas komplett falsch. Gibt wenige Lebensmittel, in denen nicht zumindest etwas Zink enthalten ist. Der erwähnte Käse kann auf 100g bis zu 4mg enthalten. Rindfleisch hat mitunter 4,4mg/100g. “Umbringen” könnt ihr euch hingegen mit Austern. Je nachdem wo die gefischt wurden gibt es eine Ladung in Höhe von sagenhaften 160mg/100g. Am wenigsten ist in Gemüse (bis zu 1mg/100g), Milchprodukten (bis zu 0,5mg/100g), Geflügel (1mg/100g) und Obst (bis zu 0,5mg/100g) drin. Je nachdem welche Sorte ihr verspeist. Natürlich ist das wie oben erwähnt eher der theoretische Maximalwert. Aber dennoch: Es ist doch vergleichsweise einfach auf seine Tagesdosis zu kommen. Vor allem als Käseliebhaber oder Fleischesser. Gibt auch Zinksalben oder Zahnpasta mit Zink, die euch in der Hinsicht das Leben schwer machen können. Die empfohlene Höchstdosis pro Tag liegt lt. der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit übrigens bei 25mg.

Mein Problem

Stellt sich nun die Frage, warum ich heute Morgen versucht habe eine Kapsel mit 25mg elementarem Zink zu nehmen. Nun, weil ich es in der Vergangenheit schon gebraucht habe. Ich habe einige Zeit tatsächlich täglich eine Kapsel (plus etwas Vitamin C) zu mir genommen, um meine Depressionen in den Griff zu bekommen. Ja, richtig gelesen. Trotz einem guten Vitamin-D-Spiegel war ich immer noch nicht so richtig in der Reihe und hatte weiterhin teils echt schlechte Episoden. Das änderte sich tatsächlich erst, als ich anfing regelmäßig Zink zu nehmen. Plötzlich ging es mir durchgängig gut solange ich die Zink-Kapsel am Abend nicht vergaß. Die schwarzen Gedanken blieben dort wo sie hingehörten: Irgendwo ganz hinten im Kopf verschlossen in einem Safe.

Dann kam unsere Ernährungsumstellung (so wenig Kohlenhydrate wie möglich und wenn doch, dann Vollkorn) und ich habe den Zinkkonsum langsam runtergefahren auf ein paar Kapsel pro Monat. Hatte auch wunderbar funktioniert. Der böse Mann im Kopf kehrte nicht zurück – bis ich vor ein paar Wochen doch wieder anfing vereinzelt sehr schlechte Tage zu haben. Also entschied ich mich dazu mal wieder eine Zink-Kapsel zu nehmen. Offensichtlich ein Fehler – zumindest in der hohen Dosierung und nüchtern, was mein Magen nicht vertragen hat :smile: . Die Lösung? Den Kapselinhalt in ein Glas Wasser auflösen und das über den Tag verteilt trinken. Das ist verträglicher und entspricht eher der normalen Aufnahme von Zink über die Nahrung.

In diesem Sinne: Mir geht’s nach dem zweiten Erbrechen definitiv viel besser, werde mich aber glaube ich jetzt trotzdem nochmal ein bisschen hinlegen.

Sicarius

Körpertuning: Nudeln

Eine Ladung Soda Stream Sirup

Dank der aktuell noch geltenden Lockerungen kamen auch Lysanda und ich in letzter Zeit ein bisschen mehr aus dem Haus bzw. aus unserem Ort raus. So konnten wir beispielsweise nach fast einem Jahr Pause mal wieder unseren Katzenstammtisch stattfinden lassen. Sprich: Restaurantbesuche. Bislang war mein Getränk der Wahl, wenn wir auswärts gegessen haben, eine Sprite bzw. ähnliche Alternativen der Konkurrenz. Pappsüßes Zeug voller Zucker quasi. Aber ab und zu kann man es sich ja gönnen – redet man sich ein und bleibt dann sicherheitshalber eine Woche sehr weit von der Waage entfernt :wink: .

Was ich allerdings nun feststellen musste: Mir schmeckt der Kram überhaupt nicht mehr. Selbst als ich dann mal Lysandas Cola Light versuchte war da wenig Begeisterung dabei. Ich scheine echt vollkommen versaut worden zu sein durch unsere mittlerweile vollständige Umstellung auf Filterwasser und Sirup. Kann natürlich nun auch einfach eine vollständige Abhängigkeit von Aspartam oder Sucralose sein und eine dazugehörige Geschmacksveränderung aber wie Azz unter dem verlinkten Eintrag schon feststellte: “Es ist und bleibt “ein Kreuz” mit der Süße…”. Werde ich wohl in Zukunft nur noch Wasser trinken, wenn wir unterwegs sind. Schmeckt zwar mitunter ebenfalls nicht so gut aber zumindest (noch) nicht so schlimm wie scheinbar mittlerweile die Limonaden-Produkte der beiden großen Hersteller.

Schon eine krasse Sache. Gut: Die Unterschiede der einzelnen Mineralwasserhersteller konnte ich bereits früher schmecken und hatte dementsprechend bevorzugte Sorten. Aber, dass die Latte nochmal ein Stück höher gelegt werden kann finde ich durchaus beeindruckend – oder vielleicht erschreckend? Wie “schlecht” muss schließlich das uns servierte Wasser sein, wenn mein Körper mittlerweile so negativ reagiert, nur weil er “vermeintlich besseres” Wasser Zuhause bekommt? Aber um noch einmal Azzs Kommentar als Vorlage zu nehmen: Die Wahrheit hat vermutlich auch viel mit antrainiertem Verhalten zu tun. Hier den üblichen Satz über Menschen und Gewohnheitstiere einfügen. Wenn man es dann mal schafft aus diesem Trott auszubrechen entdeckt man mitunter völlig neue Welten. Ob die jedoch wirklich besser oder zumindest gesünder sind als die alte? Das ist nicht immer so eindeutig.

Mein Heiligtum

Meine Limonaden-Sucht ist freilich nicht mein einziges Laster, das ich seit Jahrzenten mit mir rumtrage. Ein weiteres ist meine Liebe zu Pasta. Zu meinen Hochzeiten habe ich fast jeden Tag einen gut gefüllten Teller Nudeln mit Maggi Delikatess Sauce zu Braten drüber als meine Tagesmahlzeit verspeist. Nein, kein Gemüse oder Fleisch dazu. Wirklich einfach nur ein riesiger Teller voll Hartweizennudeln verschiedener Sorten – allerdings bevorzugt die von 3 Glocken. Ja, es ist für normale Nudelesser möglicherweise unvorstellbar aber nur, weil es sich um Spiralnudeln handelt, schmecken die von Hersteller zu Hersteller tatsächlich nicht gleich gut. Von den Unterschieden beim Kochen der jeweiligen Nudelsorten brauchen wir erst gar nicht reden. Ich gebe offen zu, was die perfekte Nudel angeht bin ich ein hochnäsiger Besserwisser :smile: .

Vollkornweizennudeln

Jetzt ist so ein Teller voller Hartweizennudeln nicht unbedingt das Beste für die eigene Gesundheit. Also nicht nur wegen der Menge, sondern auch, weil es Nudeln aus weißem Mehl sind. Und das gilt nicht gerade als das gesündeste Mehl da draußen. Dementsprechend hat Lysanda im ersten Anlauf versucht neben der Reduzierung meiner Mengen mich zumindest auf Vollkornprodukte umzuschulen. Etwas, was meine Frau Mama in 30 Jahren nicht geschafft hatte.

Vollkorn ist Vollkorn, oder?

Ohne es groß in die Länge zu ziehen: Lysanda hat es tatsächlich geschafft mich in den meisten Fällen auf Vollkornprodukte um zu beraten. Nur Maultaschen und Tortellini, da haben wir noch nichts gefunden. Grundsätzlich ist die Suche nach solchen Produkten auch relativ einfach, denn es ist gesetzlich geregelt. Beispielsweise dürfen sich Backwaren erst bei einem Anteil von 90% Vollkornmehl/Vollkornschrot überhaupt als Vollkorn bezeichnen. Und Vollkornmehl wird ebenfalls erst erzeugt, wenn der sogenannte Ausmahlungsgrad in der Mühle bei min. 98% liegt. Sprich aus 100kg Getreide werden 98kg Mehl und damit ist quasi wie der Name schon sagt fast alles vom Korn tatsächlich enthalten. Deswegen gibt es anders als bei normalem Mehl auch keine Typen-Bezeichnung mit auf der Verpackung. Die besagen übrigens wie hoch der Mineralstoffanteil bei 100g ist. Ein Mehl vom Typ 1370 hat z.B. 1.370mg Mineralstoffe. Je niedriger der Anteil, desto “weißer” das Mehl quasi.

Warum übrigens selbst beim Einsatz von Vollkorn gerne noch weißes Mehl (meist Typ 550) dazu gekippt wird? Wegen der Verarbeitung. Der Keimling im Vollkorn ist sehr fetthaltig und das ist angeblich schlecht für die Maschinen – und die Haltbarkeit. Während Mehl vom Typ 405 vermutlich die nächste Apokalypse überlebt, wenn es geschützt gelagert wird, hält Vollkornmehl nur 4-6 Wochen bis es ranzig ist. Ein weiterer “Nachteil” von Vollkornprodukten: Sie sehen nicht so “schön” aus. Durch die ganzen Mineral- und Ballaststoffe ist die Farbe teils tiefbraun oder grau je nachdem welche Getreidesorte. Ach und sie sind selbst nach etwas längerer Kochzeit noch bissfester. Für Kaufaule ist das mitunter ein Hindernis. Und ja: Speziell die Konsistenz war für mich lange Zeit ein Grund, warum ich Vollkornnudeln aus dem Weg gegangen bin.

Es gibt allerdings auch bei Vollkorn noch eine zweite Variante: Gekeimtes Vollkorn. Normalerweise wird Getreide nach der Ernte getrocknet und dann zu Mehl verarbeitet. Weicht man die Körner stattdessen in Wasser ein und lässt sie ein paar Tage stehen, setzt der Fortpflanzungsmechanismus der Pflanze ein und sie beginnt zu keimen. In diesem Zustand kann man sie dann ebenfalls trocknen und weiterverarbeiten. Die Idee dahinter: Im gekeimten Zustand ist das Korn buchstäblich bereits aufgebrochen. Es hat ein Stoffwechselprozess inkl. der Bildung der dazugehörigen Enzyme stattgefunden. Dadurch verändert sich die Nährstoffzusammensetzung des Korns. Im Ergebnis ist es löslicher und damit angeblich leichter für unseren Körper zu verarbeiten. Ob das wirklich stimmt ist so ein Thema. Wie immer, wenn es heißt “ist leichter bekömmlich”: Es scheint noch niemand einen Weg gefunden zu haben das mal nachzuweisen/richtig zu erforschen. Zumindest sind uns keine dahingehenden Studien bekannt. Da ist man beim Thema “Urgetreide” etwas weiter. Das sind vor-industrielle Getreidesorten, die wohl ebenfalls bekömmlicher und Nährstoffreicher für uns Menschen sind. Aber empfindlicher im Anbau.

Die Mehlalternativen

Konjak-Nudeln in der Spaghetti-Variante

Auf dem Mehlmarkt gibt es noch viel mehr Dinge aus denen sich Nudeln (und andere Produkte) formen lassen. Es muss nicht immer Getreide sein. Hanf, Linsen, Reis, Mais, Konjak, Kichererbsen, Leinsamen, Soja – die Auswahl ist so riesig, dass ist der helle Wahnsinn. Und ja, da ist viel Gutes und vor allem kohlenhydratarmes dabei. Müsst nur aufpassen: Vor allem bei den Alternativmehlen kann es passieren, dass zwar auf der Packung “Hanf” steht aber die Rückseite nur einen kleinen Anteil davon ausweist und der Rest erneut mit weißem Mehl aufgefüllt wurde. Es gilt wie überall: Augen auf beim Einkauf.

Durch unser Haus sind bereits diverse Nudelsorten aus verschiedenen Mehlen gewandert. Aktuell ist beispielsweise eine große Packung aus roten Linsen (90%, Rest Leinsamenmehl) im Schrank. Da wir auch sehr auf Kohlenhydrate achten, hatten wir uns sogar mal eine gewisse Zeit mit Konjak-Nudeln eingedeckt. Leider sind die nicht so gut was die Verarbeitung angeht. Knusprig braten geht z.B. gar nicht und trotz ausgiebigem Abspülen liegen sie uns nachts irgendwie ab einer gewissen Menge schwer im Magen. Entsprechend ist meine Begeisterung sie nochmal zu verzehren praktisch bei null. Das gilt auch für die meisten Nudeln aus Alternativmehlen. Finde schon Roggen und Dinkel teilweise nicht so der Brüller aber Kichererbsen und Linsen? Danke, nein. Nur die Hanfnudeln – die waren gut. Woran das wohl liegt? 4:20 Gut, dass ich Lysanda habe, die isst die alle.

Unser Weg

Lysanda hat mich also zuerst auf Vollkorn umberaten und dann mit kleinen Erfolgen versucht mich mit Alternativmehlen zufrieden zu stellen. Ende gut, alles gut? Nicht ganz. Lysanda wollte schon länger mal selbst probieren Nudeln zu machen bis uns dann mal vor einiger Zeit eingefallen ist, dass unser Entsafter nicht nur entsaften und Kaffee mahlen kann, sondern tatsächlich auch als Nudelmaschine fungiert. Dementsprechend haben wir angefangen einfach frische Vollkornnudeln selbst zu produzieren. Ja, wir haben sogar einen 25kg-Sack Bio-Weizen gekauft und jetzt im Keller stehen.

Sprich wir mahlen mit unserer Küchenmaschine Bosch MUM4427 und deren Mixer-Aufsatz den Weizen zu Mehl. Wir haben es zwar auch mit dem Entsafter, unserem Pürierstab und der Kaffeemühle probiert aber mit Entsafter/Pürierstab wurde das Mehl nicht fein genug und mit der Kaffeemühle war es zu viel Aufwand. Die hat nicht genug Power dahinter. Entsprechend musste man jedes Mal das feine Mehl raussieben und nochmal einen Durchgang machen. Gibt für die Küchenmaschine technisch gesehen sogar ein eigenes Kegelmahlwerk. Vielleicht holen wir uns das irgendwann mal (kostet so viel wie die ganze Maschine).

Das dann mit einem Ausmahlungsgrad von 99.9% (ein bisschen was bleibt immer in der Maschine zurück) frisch gemahlene Vollkornmehl verarbeiten wir direkt zu Nudeln. Das Rezept ist extrem simpel: Pro 100g Mehl ein Ei dazu und etwas Salz. Da Vollkornmehl stark saugt außerdem nach Gefühl etwas (Oliven-)Öl. Aber Vorsicht: Der Teig darf weder zu fest noch zu feucht sein. Ist er zu fest, macht ihr euch ggf. die Nudelmaschine kaputt. Der Knall war extrem laut als der Deckel vorne am Entsafter sich unsanft durch seine Befestigung gedrückt hat. Zum Glück nichts kaputt gegangen. Schafft es die Maschine, zerbröseln die zu trockenen Nudeln aber dann ggf. direkt in eurer Hand. Ist der Teig hingegen zu feucht, dann kleben die Nudeln zu stark aneinander, ihr habt nur noch einen Klumpen und hättet euch die Arbeit mit der Maschine sparen können :smile: .

Was wir bei unseren Tests gelernt haben: Anders als das was so in den gängigen Anleitungen steht niemals den Teig eine Stunde ruhen lassen und schon gar nicht im Kühlschrank. Das hat nur zu Desaster geführt. Mittlerweile haben wir es aber ganz gut raus. Ist der Teig dann durch den Entsafter durch geht es direkt ins heiße Wasser. 10 Minuten später haben wir ein wohlschmeckendes Ergebnis (und einen eingesauten Entsafter – bloß nicht antrocknen lassen!). Geht tatsächlich ziemlich fix das Ganze.

PS: Wir hatten auch mal ein gutes Rezept für LowCarb-Nudeln aus dem Backofen im Internet gefunden: 2 Eier, 50g Frischkäse, jeweils 1 EL Flohsamenschalen und Haferkleie, dann eine Messerspitze Xanthan oder Guarkernmehl und etwas Salz dazu. Mixen und auf einem Blech verteilen, dann 10 Minuten bei 60°C in den Backofen. Mit einem Pizzaschneider in Streifen schneiden und genießen.

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