Die Nachfolgersuche ist beendet. Zumindest legt das die Tatsache nahe, dass ich zum Verfassungszeitpunkt schon 26, nein 28, äh…Webmaster, hör endlich auf das Spiel zu spielen und schreib den Eintrag! – 30 Stunden in einen anderen Titel investiert habe:

Cover

Kingdom Come: Deliverance (2018; PC, PS4, XONE) – Das war mal wieder so ein Spiel, bei dem ich länger überlegt habe ob ich es tatsächlich kaufe oder nicht. Schon damals beim Kickstarter (2014) war ich hin- und hergerissen. Auf der einen Seite fand ich die Prämisse sehr reizvoll (historisch korrektes Mittelaltersetting, realistische Kampfsimulation, lebendige Welt). Auf der anderen klang es auch extrem Hardcore (limitiertes Speichersystem, anspruchsvolles Kampfsystem, Hygiene- und Hungersimulation). Nachdem ich in den letzten Wochen aber von YouTube in meiner „Empfohlen“-Liste ein paar Videos serviert bekam, entschloss ich mich doch endlich mal zuzuschlagen.

Der Umweg

Also bestellt, geliefert und losgezockt? Leider nein: In der verschweißten Packung waren keine Product Keys enthalten und auch nicht beim Einlegen der Installations-DVD (machen einige mittlerweile). Nicht weiter wild, da ich bei Amazon bestellt hatte (die Lieferbarkeit an „älteren“ PC-Spielen ist bei OkaySoft leider nicht mehr so gut wie früher). Sie hatten aber keine Kopie mehr zum Austausch auf Lager und keine Keys irgendwo rumliegen. Also einfach Zurückschicken gegen Geld und vielleicht später nochmal kaufen. Onlinehandel kann so schön unkompliziert sein.

Wenn damit die Geschichte zu Ende gewesen wäre, könnte ich euch aber natürlich heute nicht über das Spiel berichten, denn ich musste die Rücksendung doch nicht durchführen. Ab und zu hilft es eben doch auf Twitter zu jammern :smile: . Warhorse Studios wurde auf meinen Tweet aufmerksam (scheinbar werden alle Tweets nach „Kingdom Come“ gescannt), empfahl mir Deep Silver zu kontaktieren und eine Mail mit Rechnungsnachweis später hatte ich Ersatzkeys. Perfekt. Endlich konnte es losgehen.

Aller Anfang…

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Im Jahre 1403 geht es rund in Böhmen. Der alte König Karl IV ist tot und sein erster Sohn Wenzel ist wie so häufig ein absoluter Taugenichts, der lieber mit Weibern rummacht als das Land zu regieren. Also nimmt sein Bruder Sigismund mit Billigung eines Teils des Hochadels die Sache selbst in die Hand und zieht raubend und mordend durch das Land (freie Interpretation seines Tuns). Dabei trifft er auch auf das kleine Bergwerksdorf Skalitz. Dort lebt Heinrich, Sohn des Schmiedes, sein typisches Mittelalterleben. Im Prolog erlebt ihr wie das Dorf zerstört, eure Eltern ermordet und euer Leben vollkommen aus den Bahnen geworfen wird. Also die typische „Jemand will Rache und rettet nebenbei die Welt“-Story?

Tatsächlich ist Heinrich alles andere als ein Held und wird auch von niemanden so gesehen. Im Prinzip ist es nur dem Ruf seines Vaters zu verdanken, dass er überhaupt mehr darf als nur in den Straßen von Rattay zu betteln. Und es geht nicht um die Rettung der Welt, sondern ihr seid einfach Teil dieser unruhigen Zeit und erlebt ein paar Highlights mit. Technisch gesehen würde das alles so oder so passieren (bzw. ist es damals tatsächlich mit der ein oder anderen erzählerischen Freiheit).

Das ist buchstäblich gemeint, denn das Spiel arbeitet nicht durchgängig aber doch oft mit zeitlich getriebenen Quests. Wenn jemand sagt, dass er zu Sonnenaufgang da und dort auf euch wartet, solltet ihr nicht erst 10 Tage lang in der Wildnis und Hasen jagen (=Wildern). Und wenn ein Charakter im Sterben liegt und ihr ihn heilen sollt, ist es nicht zu empfehlen vorher noch eine Runde im Badehaus mit den Mädels abzuhängen. Was nicht heißt, dass ihr das ganze Spiel hindurch getrieben werdet. Aber die Entwickler von Warhorse Studios werfen euch hin und wieder einen Stock zwischen die Beine, um euch daran zu erinnern, dass Kingdom Come: Deliverance versucht realistischer zu sein.

Taktische Kämpfe

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Wie es sich für einen Schmiedesohn im Mittelalter gehört, kann Heinrich weder ein Schwert schwingen noch Lesen und seine Kenntnis der Außenwelt beschränkt sich auf zwei Meter vor dem Dorf. Insofern ist der Questtitel „Renn!“ beim Dorfangriff durchaus ernstgemeint. So habt ihr zwar ein Schwert dabei aber gegen die Kumanen nicht den Hauch einer Chance. Gut, technisch gesehen könnt ihr sie tatsächlich besiegen – sie sind nicht unverwundbar. Aber es ist extrem schwer, weil ihr nichts aushaltet und so gut wie keinen Schaden verursacht (ich habe 10 Spielstunden im Prolog verbracht – unter anderem, weil ich sie töten wollte). Eure Fähigkeiten verbessert ihr dadurch, dass ihr sie benutzt (ähnlich The Elder Scrolls) sowie bei Trainern ein paar Groschen (die damalige Währung) investiert. Was bei Bethesdas Rollenspielserie irgendwie doof ist, passt hier perfekt, weil ihr so mit Heinrich besser werdet. Das Kampfsystem ist nämlich nicht ohne und dürfte die außerhalb von VR-Titeln aktuell realistischste Schwertkampfsimulation auf dem Markt bieten.

Egal ob Axt, Streitkolben, Hellebarde oder die diversen Arten von Schwertern: Stupide auf den Mausbutton hämmern bringt nichts. Damit verbraucht ihr nur eure Ausdauer und gebt eurem Gegner die Chance zum Gegenangriff. Stattdessen gilt es den Feind genau zu beobachten, Schwachstellen zu erkennen, Lücken auszunutzen oder auch einfach mal wegzurennen. Aus fünf Richtungen könnt ihr angreifen sowie Zustechen. Da sich euer Charakter realistisch in die Angriffe hineinlegt, könnt ihr beispielsweise nicht zweimal direkt hinter einander von links unten angreifen. Nein, ein Angriff von links unten heißt, dass euer Schwert rechts oben herauskommt. Euer nächster Hieb sollte entsprechend aus der Richtung kommen, sobald ihr in der Bewegung dort angekommen seid (ähnlich wie in der The Witcher-Reihe). Außerdem lernt ihr im Lauf des Spiels Komboangriffe sowie Schläge abzublocken, Auszuweichen und Anzutäuschen. Das alles macht euch selbst mit besserer Ausrüstung nicht unbesiegbar und jeder einzelne Feind kann euch bis zum Schluss schwer zusetzen (von Gruppen ganz zu schweigen). Aber seid ihr anfangs noch vor jedem Banditen in seinem Stoffhemdchen weggerannt, könnt ihr es später durchaus mit voll ausgestatteten Rittern aufnehmen. Hat quasi etwas von Dark Souls das Ganze. Nur, dass ihr eben nicht die Angriffsmuster eures Gegners einfach auswendig lernt, sondern den Umgang mit eurer Ausrüstung.

Das Speichersystem

„Ach, dann speichere ich halt vor jedem Kampf und probiere solange bis ich es schaffe“ – Ja, ne so einfach macht es euch Kingdom Come: Deliverance nicht. Das Thema „Speichern“ wurde zwar durch einige Patches entschärft – so gibt es bspw. nun ein Speichern beim Beenden und es wird häufiger bei Quests ein Spielstand angelegt – aber ganz ohne bleibt es immer noch nicht. Wenn ihr speichern wollt, müsst ihr entweder einen bestimmten, relativ raren und teuren Schnaps trinken (der euch allerdings zu einem Alkoholiker werden lassen kann, wenn ihr zu oft hintereinander speichert) oder in bestimmten Betten schlafen (nicht in allen!). Ansonsten gibt es abseits der automatischen Speicherpunkte keine Möglichkeit. Das bedeutet, dass ihr bei einem tödlichen Fehler durchaus mal ein paar Spielstunden verlieren könnt.

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Die Auswirkungen sind eindeutig: Nicht nur will wohl überlegt sein, ob ihr euch in den nächsten Kampf begebt. Auch „alltägliche“ Sachen, die wir aus anderen Rollenspielen gewohnt sind, macht man nicht einfach mal so. Das komplette Haus vor den Augen des Besitzers ausrauben? Leute auf offener Straße bestehlen? Nachts durch die Gegend schleichen und fremde Truhen öffnen? Wehrlose NPCs umbringen, um ihre Sachen zu klauen? Das Spiel erlaubt euch prinzipiell alles. Aber werdet ihr erwischt, hat das massive Konsequenzen. Das fängt damit an, dass die Leute euch gegenüber misstrauisch werden (es gibt ein Reputationssystem) und bspw. die Händler die Preise erhöhen und geht über empfindliche Geldstrafen bis hin zu Gefängnisaufenthalte oder einer Runde am Galgen abhängen. Wenn man nicht einfach „F5“ drücken kann und man stattdessen durch ein Neuladen aufgrund einer unvorsichtigen Handlung viel Spielzeit verliert, denkt man entsprechend lange und gut darüber nach. Und man achtet vor allem genauer darauf, welche Routine das jeweilige Ziel hat, denn ja: Kingdom Come: Deliverance hat einen echten Tag- und Nachtwechsel mit entsprechenden Auswirkungen auf alle NPCs im Spiel. Euer Questgeber steht nicht an seinem bekannten Ort? Nun, es ist schon 19 Uhr – wahrscheinlich sitzt er jetzt in der Taverne. Ihr wollt eine Truhe knacken? Dann vielleicht nachts um 24 Uhr, wenn alle schlafen und nicht so aufmerksam sind. Und auch eure Ausrüstung spielt eine große Rolle. Schleichen in der rasselnden Kettenhemdrüstung ist keine wirklich leise Angelegenheit. Und wenn ihr euch wie ein Dieb anzieht, dürft ihr euch nicht wundern, wenn die Wachen einen in euch sehen.

Zumal die erwähnten Tätigkeiten zu Beginn ebenfalls nicht so einfach sind. Lesen könnt ihr wie gesagt überhaupt nicht und müsst es nicht nur erst lernen, sondern auch noch trainieren. Entsprechend könnt ihr euch zwar in Alchemie probieren aber wenn man keine Rezepte lesen kann, sollte man das Ergebnis aus dem dazugehörigen (sehr detaillierten) Minispiel vielleicht nicht trinken. Die Schlösserknacken- und Taschendiebstahl-Minispiele muss man ebenfalls erst meistern (wobei es auch hier durch Patches bereits Entschärfungen gab). Und wenn etwas schief geht, ist nicht einfach nur ein Dietrich weg – mitunter werdet ihr gleich von einer Wache verfolgt. Am Schwierigsten ist der Umgang mit Pfeil und Bogen. Hier schlägt der Realismus Vollendens zu: Keine Zielhilfe (nicht einmal ein Punkt in der Mitte des Bildschirms) und die ersten paar Level trifft Heinrich nicht einmal ein Scheunentor, weil er keine Kraft in den Armen hat. Und vergisst man seinen Armschutz anzuziehen, verletzt man sich (wie in der Realität!) gerne mal seinen Unterarm. Erst ab Level 5 im Umgang mit dem Bogen wird es etwas einfacher – mit der Betonung auf „etwas“.

Selbst ist der Schmiedesohn?

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Abseits von Alchemie gibt es übrigens kein Crafting-System. Eure gesamte Ausrüstung müsst ihr entweder kaufen oder finden. Dafür gibt es ein detailliertes Verschleißsystem – inkl. grafischer Darstellung. Eurem Helm sieht man durchaus an, dass ihr öfters mal einen auf den Deckel bekommen habt und er schützt euch entsprechend nicht mehr ganz so gut. Und noch besser: Die NPCs reagieren sogar darauf. Ward ihr ein paar Tage in der Wildnis, eure Kleidung ist verdreckt und verbeult, bekommt ihr mitunter einen entsprechenden Spruch zu hören. Gleichzeitig werden eure Charakterwerte wie Charisma niedriger, weil ihr stinkt wie ein Wildschwein und ihr habt mitunter Nachteile in den Gesprächen mit Charakteren und Verhandlungen (noch ein Minispiel) mit den Händlern. Regelmäßig Waschen von Haut und Kleidung sowie eben das Reparieren eurer Sachen (könnt ihr erlenen oder gegen Bezahlung machen lassen) ist wie das Schlafen und Essen ein wichtiger Bestandteil eurer Spieleroutine. Ja, ihr müsst schlafen und essen. Tut ihr das nicht, müsst ihr mit Sichteinschränkungen (eure Augen fallen zu, wenn euer Magen knurrt verschwimmt die Sicht) und/oder reduzierten Charakterwerten leben. Das geht sogar soweit, dass ihr an einem Tag nicht unendlich viele Bücher lesen könnt. Stattdessen sagt Heinrich irgendwann „Ich kann mich nicht mehr konzentrieren“. Ach und hatte ich schon erwähnt, dass das Essen in eurem Rucksack mit der Zeit schlecht wird? Nein? Dann wisst ihr es jetzt.

Hört sich jetzt alles ziemlich nervig an. In der Praxis ist es aber (mittlerweile) nicht so schlimm. Zum schnellen Waschen findet man immer mal wieder einen Wassertrog rumstehen, Essen gibt es selbst in der Wildnis häufig zu finden (in Camps über offenem Feuer) und Heinrich kommt vergleichsweise lange ohne ein Bett aus bzw. ein Spieltag ist angenehm lang. Es ist aber natürlich eine Umgewöhnung, wenn man ansonsten nur die typische Rollenspiel-Kost gewohnt ist. Auch das Reisen durch die 16km² große Spielwelt ist nicht so einfach, wie man es gewohnt ist. Zwar bietet Kingdom Come: Deliverance eine Art Schnellreisefunktion für bereits entdeckte Hauptstädte (also nicht zu jedem Ort). Aber es ist kein „wir teleportieren dich einfach da hin“, sondern euer Charakter reist auf der wunderschön gestalteten Altertums-Weltkarte in beschleunigter Zeit dort hin – mit entsprechenden Einflüssen auf eure Gesundheit sowie der Gefahr von Zufallsbegegnungen mit bspw. einem Banditenhinterhalt (vor allem wenn ihr nachts unterwegs seid).

Die Technik

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Grafisch und soundtechnisch ist Kingdom Come: Deliverance eine Augen- und Hörweide. Regen lässt Pfützen auf den Straßen entstehen, so wunderschöne und realistische Sonnenaufgänge habe ich noch in keinem Spiel gesehen und einfach nur mal im Wald stehen und den Geräuschen lauschen ersetzt fast den echten Spaziergang – auch, weil die Entwickler sehr viel Liebe zum Detail eingebracht haben inkl. dem exakten Nachbau echter Sehenswürdigkeiten. Die Power der CryEngine wird wirklich voll ausgenutzt. Nur die Charakteranimationen lassen zu wünschen übrig und leiden unter dem Üblichen „Was soll ich nur im Dialog mit meinen Händen machen?!“-Problem, das man z.B. aus Risen kennt. Allerdings braucht man für dieses Spielerlebnis eine entsprechende Power unter dem Schreibtisch. Selbst nach meinem Upgrade muss ich viele Details (vor allem Weitsicht) stark reduzieren, um durchschnittlich bei spielbaren 30 und 45fps zu landen (je nachdem ob es regnet oder nicht). Gleichzeitig hat der Titel trotz zahlreicher Patches immer noch mit vielen technischen Problemen zu kämpfen.

Das schlimmste und auffälligste ist das Nachladen der Texturen (das RAGE-Problem). Das Spiel kommt schlicht nicht damit hinterher. Kommt ihr beispielsweise in eine Stadt galoppiert, dauert es durchaus 1-2 Minuten bis tatsächlich alle Texturen voll geladen wurden. Vorher müsst ihr mit dem bekannten Matsch leben. Abstürze hatte ich hingegen zwar noch keine, werden aber in den Foren immer noch bemängelt. Dafür viele Glitches wie ein Heinrich, der beim Reiten über seinem Pferd schwebt oder Charaktere, deren Arme durch sie selbst gehen und solche Kleinigkeiten. Außerdem kann es passieren, dass ihr an Objekten hängen bleibt z.B. wenn ihr volle Lotte mit dem Pferd gegen einen niedrigen Balken reitet. Normalerweise solltet ihr dann entweder abgeworfen werden oder einfach hindurchreiten. Manchmal bleibt ihr aber auch einfach nur drinstecken und könnt nichts mehr machen als den letzten Spielstand wieder laden. Verbuggte Quests und Plotstopper werden ebenso in den Foren erwähnt. In der Hinsicht hatte ich bislang aber Glück.

Beim Christoph meint: Trotz mittlerweile schon vier DINA4-Seiten Text habe ich wirklich nur an der Oberfläche gekratzt. Ich habe wie erwähnt bereits 30 reale Stunden investiert und trotzdem erst ein Bruchteil des Spiels gesehen und erlebt. Warhorse Studios haben es sich für ihr Erstlingswerk nicht einfach gemacht und quasi bereits ein Lebenswerk geschaffen. Und zumindest in der aktuellen Version 1.7.2 muss ich ganz klar sagen: Das Ergebnis ist einfach nur ein herausragender Open-World-Titel. Ja, es hat seine Fehler und Problemchen. Das darf man nicht verheimlichen und ist vor allem aufgrund des Speichersystems besonders ärgerlich (eine Quest wiederhole ich gleich zum vierten Mal).

Kingdom Come: Deliverance (Herstellerbild)

Aber die hat The Elder Scrolls V: Skyrim trotz gefühlt 2.000 Re-Re-Re-Releases auch immer noch und anders als bei der Konkurrenz stimmt einfach das Gesamtpaket. Wenn ich meine Faszination mit einem Wort zusammenfassen müsste, dann wäre es Gothic 2018. Es fehlen zwar die fantastischen Elemente wie Drachen oder Magie. Aber im Kern fühlt es sich genauso wie damals an: Eine wirklich lebendige, offene Welt voller glaubwürdiger und nicht glattgeschliffener Charaktere, die einen echten Tagesablauf abseits von „ich laufe von A nach B und zurück“ haben und ein Hauptcharakter, der als Taugenichts startet und selbst von einem Scavenger getötet wird und nach und nach mit dem Spieler spürbar besser wird. Und Kingdom Come: Deliverance setzt eben wie es sich für einen modernen Titel gehört noch sehr viele Schippen sowohl in technischer als auch spielerischer Hinsicht obendrauf.

Ja, es ist definitiv ungewohnt und eine echte Herausforderung an vielen Stellen schon allein, weil es kein richtiges Tutorial für viele Aspekte des Titels gibt. Aber es macht zumindest mir richtig viel Spaß. Trotz der mehrfachen Wiederholungen vor allem am Anfang (am Ende habe ich alle Kumanen besiegt!) vergingen die 30 Stunden wie im Fluge und ich bin absolut heiß darauf wieder weiterspielen zu können sobald ich diese Zeilen fertig getippst habe. Insofern kann es nur allen ans Herz legen, die auf der Suche nach einem anspruchsvolleren Rollenspiel mit vielen Möglichkeiten sind und nichts gegen das realistische Mittelaltersetting haben. Lasst euch auf jeden Fall nicht von den „Hardcore“-Elementen abschrecken. Es liest sich schlimmer als es tatsächlich ist.

Und nun entschuldigt mich: Henry (so heißt er auf Englisch) wartet.

Über ein Jahr ist es mittlerweile her, dass ich euch vom Beginn meiner Behandlung gegen CMD (Craniomandibulare Dysfunktion) erzählt habe. Zeit für ein Update würde ich sagen. Bitte? Interessiert keinen? *seufz* Warum müsst ihr immer so böse zu mir sein, liebe imaginären Besucher?! Dann gibt es halt nur ein Fehlersuchbild:

Fehlersuchbild mit Balu

14 Fehler sind es insgesamt. Wer sie alle findet kann stolz auf sich sein, erhält aber sonst keinen Preis. Die Auflösung gibt es irgendwann in den Kommentaren. Zufrieden? Nein? Na dann eben doch meine CMD:

Über 4.000 Euro hat mich die Sache bislang gekostet und es ist noch kein Ende in Sicht. Rund die Hälfte musste ich selbst zahlen, weil ich vor der Diagnose leider die Zahnzusatzversicherung gewechselt hatte und nun noch in den „wir bezahlen nur bis zu einem gewissen Betrag pro Jahr“-Phase bin (geht vier Jahre lang). Aber die Hälfte ist immerhin nur die Hälfte und nicht alles. Die größten Beträge waren das Auswechseln einer meiner Implantatskronen sowie natürlich die CMD-Schiene selbst (war allerdings billiger als im Kostenvoranschlag angegeben).

Die Krone auf meinem 2. (von 2) Implantat hat mich schon immer gestört und zu Problemen geführt. Entsprechend hat sich der ganze Aufwand schon allein dafür gelohnt. Der Hr. Prof. Dr. Winzen war der erste Zahnarzt, der gesehen hat, dass nicht mein Putz- oder Essverhalten für meine ständigen Probleme (=entzündetes Zahnfleisch) dafür verantwortlich ist, sondern die Krone einfach nicht passte. Einem anderen Zahnarzt ein Fehlverhalten nachzuweisen ist natürlich quasi unmöglich, weshalb ich auf den Kosten sitzen geblieben bin. Aber immerhin renne ich jetzt nicht mehr ständig zum Onkel Doc, weil mein Zahnfleisch schon wieder um den Zahn herum blutet. Zusätzlich wurden am Ende drei Füllungen ersetzt und eine korrigiert. Ob das eine spürbare Auswirkung hatte kann ich nicht sagen, aber ein korrektes Bissbild ist eben eine Grundvoraussetzung für eine gute CMD-Schiene.

Die Schiene

Meine aktuelle CMD-Schiene

Kurze Wiederholung: Ziel der CMD-Schiene ist anders als bei der 08/15-Krankenkassenschiene nicht nur der Schutz meiner Zähne, sondern dem Kiefer zu erlauben sich in die richtige Position zu bringen. Erst dann kann sich mein Körper entspannen, die Schmerzen hören auf und man kann darüber nachdenken das Bissbild nochmal so anzupassen, dass keine Schiene mehr notwendig ist. Nach einem Jahr sind wir nun soweit, dass meine Kontrolltermine auf 8 statt 4 Wochen hochgesetzt werden konnten. Bei diesen Terminen wird geschaut ob das Bissbild der Schiene korrekt ist und ggf. nachgeschliffen. Am Anfang musste da jedes Mal sehr viel gemacht werden, mittlerweile sind es nur noch minimale Anpassungen. Sprich die Schiene sitzt nun perfekt in meinem Mund.

Zusätzlich scheinen wir nun auch die korrekte Materialstärke für mich gefunden zu haben. Zwar habe ich es schon wieder geschafft mit einem meiner oberen Backenzähne ein Loch zu produzieren (ich scheine vor allem nachts sehr stark zuzubeißen) und es wird vermutlich nächstes Jahr ein Ersatz fällig. Aber sie hat trotzdem bislang über ein halbes Jahr gehalten und zeigt trotz Loch keine Anzeichen von Instabilität. Die erste Schiene hatte ich schon nach einem Monat kaputt, die zweite hat nicht viel länger gehalten. Zum Glück wurden mir die jeweils auf Kulanz ersetzt – musste also nicht erneut tief in die Tasche greifen.

Das Ergebnis

Jetzt fragt ihr euch natürlich, was es gebracht hat. Die Antwort: Viel. Ja, der Anfang war ungewohnt und teilweise sogar schmerzhaft. So wurde es nach dem Nachschleifen mitunter erst einmal wieder schlimmer mit den morgendlichen Schulterschmerzen. An solchen Tagen war ich echt froh zumindest zeitweise manuelle Physiotherapie zu bekommen (von auf CMD spezialisierten Therapeuten). Zeitweise deshalb, weil eine zahnärztliche Heilmittelverordnung zwar 10 Termine umfasst (im Gegensatz zu den üblichen 6) aber ansonsten den gleichen Regeln unterworfen ist: Nur drei Verordnungen, dann 12 Wochen ab letztem Behandlungstermin Pause. Gleichzeitig sind dem Physiotherapiezentrum auf unserem Firmengelände wo ich meine Behandlungen bekommen habe mittlerweile alle CMD-Therapeuten weggelaufen. Ob es an mir lag?

Aber ich brauche es zum Glück nicht mehr zwingend. Ja, mein oberer Rücken ist immer noch mehr oder weniger stark verspannt je nach Tagesform (viel Stress = viel Kauen nachts = mehr Verspannung morgens) woran ich natürlich im Fitnessstudio versuche zu arbeiten. Die extremen Schmerzen am Morgen sind jedoch weg. Und ich hoffe natürlich, dass es mit fortwährender Zeit noch besser wird. Mittlerweile trage ich die Schiene 24 Stunden am Tag und ziehe sie nur zum Putzen und zum Essen aus. Theoretisch kann man damit zwar essen aber ich habe festgestellt, dass sie danach total dreckig ist und eine Grundreinigung braucht. Da das nicht immer möglich ist ziehe ich sie halt aus. Nicht unbedingt Problemfreier, da ich gerne vergesse sie wieder anzuziehen und dann wie ein aufgescheuchtes Huhn meine Schiene suche (sie war schließlich verdammt teuer). Aber noch habe ich sie nicht verloren…noch :smile:

Vorläufiges Fazit

Die eingesetzte CMD-Schiene

Ich bin echt froh, dass mein Osteopath damals die Schiene ins Gespräch gebracht hat als Problemursache. Sonst würde ich vermutlich immer noch von Orthopäde zu Orthopäde tingeln und mit Einlagen oder sonst einem Mist arbeiten müssen, der mir nichts bringen würde. Zwar sind nicht alle Probleme weg (mein Tinnitus kommt z.B. wie erwartet nicht von den Zähnen). Aber mein Hauptthema waren und sind die schmerzhaften Rückenverspannungen und die sind schon massiv zurückgegangen. Insofern bin ich gespannt, was sich da 2019 noch tun wird.

Was nicht heißt, dass es keine negativen Punkte an meiner Behandlung gibt. So möchte ich an dieser Stelle durchaus erwähnen, dass mir der Hr. Prof. Dr. praktisch seit den (teuren) Sitzungen am Anfang nicht mehr gesehen hat. Das ist nicht bös gegen meine behandelte Zahnärztin gemeint, die macht ihre Sache soweit sie es kann gut aber in der Hinsicht scheint es eben doch nur eine 08/15-Zahnarztpraxis zu sein in der der Chef nur den „wichtigsten“ (=zahlungskräftigsten) Kunden vorbehalten ist. Auch die „Gesamtbetrachtung des Körpers“, die er in seinem Vortrag so sehr betont hat vermisse ich bis heute. So hieß es eigentlich (wie bei der ersten Zahnärztin, bei der ich wegen CMD war) ich müsste zwingend vor dem Vermessen für die Schiene zur Physio gehen, damit ich total entspannt und locker bin. Das müsste dann auch direkt im Haus passieren, da schon die Erschütterungen beim Autofahren wieder alles kaputt machen könnten. Am Ende hat es keiner mehr angesprochen. Ich bin ganz normal hin, wurde vermessen und bin wieder raus. Auch die Informationspolitik zur weiteren Behandlung (was soll ich eigentlich an Verbesserung merken, testen wir es vielleicht mal in der Praxis, etc. pp.) ist trotz expliziter Nachfragen unterirdisch. Ja, man könnte es manchmal als „Planlos“ bezeichnen. Dabei soll ich doch geheilt werden, damit ich nie wieder zu ihnen kommen muss…

Aber gut: Mir geht es trotz dieser organisatorischen Widrigkeiten körperlich besser als vor einem Jahr. Und das ist bekanntlcih das Wichtigste. Nächste Woche habe ich meinen nächsten Termin. Mal schauen was da rauskommt.

PS: Azzkickr hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass mein Name im neusten Spieleveteranen-Podcast (#132) gefallen ist. Im Abschnitt über Die Siedler 7 wird kurz mein Test und der Wechsel meines Nachnamens thematisiert. Fand ich amüsant. Meine Meinung ist übrigens weiterhin: Die Siedler 7 ist der beste Serienteil seit Die Siedler II: Veni, Vidi, Vici. Und das liegt nicht nur am fantastischen Soundtrack.

Sicarius

Eine überlastete Branche

Red Dead Redemption 2 (Herstellerbild)

Übernächste Woche (6. Dezember) finden die diesjährigen Game Awards statt (Red Dead Redemption 2 ist wie erwartet quasi überall nominiert). Ihr wisst schon: Die Oscars der Spielebranche. Erfunden und produziert von Geoff Keighley, der aus meiner Sicht noch nie ein echter Spielejournalist war aber mittlerweile auf jeden Fall seine Berufung als Showproduzent in der Spielebranche gefunden hat. Ja, wir reden von Dorito-Gate-Geoff Keighley.

Ich persönlich halte weder von den Game Awards noch von den Oscars irgendwas. Oder irgendeiner anderen, von einer Jury aus angeblichen „Experten“ bestimmten Veranstaltung im Unterhaltungsmedienbereich (der Deutsche Computerspielepreis wird von Jahr zu Jahr lächerlicher). Hauptsächlich, weil sie selten meinen eigenen Geschmack treffen und oftmals mehr wie „Ich schau mir die Verkaufszahlen an und nominiere auf Basis dessen“ wirken. Das einzig Interessante an den Game Awards ist, dass Keighley dank seiner extrem guten Beziehungen es schafft Neuankündigungen bzw. zumindest neue Trailer aus den Entwicklerteams heraus zu kitzeln. Bitte? Ich sei voreingenommen bei dem ganzen Thema? Quark. Nur weil die Bagdadsoftware No-One-Cares-Awards die beste und bedeutendste Awards-Show aller Zeiten war, bin ich doch nicht gleich befangen. Also bitte.

Mein Problem

Aber wie komme ich eigentlich auf die Games Awards, wenn mich deren Ergebnis sowieso nicht interessiert? Nun, weil Geoff Keighley am Sonntag in meiner Twitter-Timeline auftauchte. Einige Entwickler hatten diesen Tweet von ihm geteilt:

I want to share my appreciation with all the game developers and our team that’s working through the US Thanksgiving weekend to prepare for #TheGameAwardsWe have so many surprises in store for you on December 6. It’s going to be a good one.
 

Death Stranding (Herstellerbild)

Ich hatte dazu tatsächlich eine Antwort geschrieben, aber sie dann doch wieder gelöscht. Ich weiß, ich bin ein Feigling. Man soll jedoch den Onlinemob nicht unnötig auf sich aufmerksam machen. Er hat die Angewohnheit komische Dinge zu tun. Deswegen erzähle ich nur euch, was meine erste Reaktion auf diesen Tweet war:

Bitte was? Für eine Zeremonie, die du erfunden und für wichtig erklärt und für die du ein Jahr Vorbereitungszeit hast, lässt du die Leute an einem Wochenende Überzeit schuften (vermutlich auch noch unbezahlt)? Und das in Amerika an einem speziellen Wochenende dessen Termin Jahre vor deiner Show festgelegt wurde?! Ist das wirklich notwendig?
 

Ja, mich hat dieser Tweet wirklich aufgeregt. Bin aber scheinbar der einzige, denn unter dem Tweet haben hauptsächlich die ganzen Death Stranding-Fanboys gefragt ob es wieder einen neuen Trailer geben wird. Ach und der eine oder andere hat Keighley für seine die tolle Arbeit gelobt, die er macht. Er würde im Alleingang quasi die Spieleindustrie retten oder sowas. Keine Ahnung, ich hab’s nur überflogen.

Crunch, crunch, crunch

Ich verstehe einfach nicht, warum vor allem die kreativen Branchen so unglaublich unfähig sind auf sich selbst zu achten. Überall liest man immer nur „es ist mein Traumjob“, „es macht unglaublich viel Spaß“, „das muss so sein“ und was weiß ich noch alles. Müssen die alle erst mit 40 im Schaukelstuhl vor sich hinwippen, bevor man merkt, dass es so nicht weitergeht? Zumal wir hier von einem Luxusprodukt reden. Einem Werk zur Unterhaltung. Es ist also alles nur nicht lebenswichtig (bei Ärzten ist das ja noch ein viel schlimmeres Thema). Und mir kann außerdem keiner erzählen, dass dadurch das Endprodukt wirklich besser wird. Oder ist hier jemand unter uns, der tatsächlich erst nach 14 Stunden auf den Beinen seine besten Ergebnisse liefert?

Wenn ich dann lese, dass sie bei Rockstar Games bei der Entwicklung von Red Dead Redemption 2 oftmals wochenlang 60+ Stunden gearbeitet haben, bin ich schon fast überrascht, dass überhaupt ein halbwegs funktionierendes Produkt dabei rausgekommen ist. Als ich mal mehrere Wochen lang sechs Tage die Woche gearbeitet habe, hat das zwar währenddessen halbwegs funktioniert (zumindest glaube ich produktiv gewesen zu sein und Qualität abgeliefert zu haben). Aber ich war anschließend vollkommen fix und fertig (körperlich und geistig). Und da reden wir nur vom gesetzlichen Limit mit 48 Stunden.

Die Nebenwirkungen

The Walking Dead: The Final Season (Herstellerbild)

Gleichzeitig macht man damit ja nicht nur sich selbst und sein Leben (und das seiner Familie) kaputt. Nein, man macht es auch für die Kollegen. Die trauen sich dann ebenso wenig früher heim zu gehen, was es der Firmenleitung noch einfach macht sowas zu erwarten. Wehren? Kann man vergessen. Vor der Tür stehen hunderte Deppen, die allein für die Chance in ihrem „Traumjob“ zu arbeiten sich ausbeuten lassen. Ja, ich gebe offen zu, dass ich das ebenfalls erst lernen musste. Im Elternhaus hieß es schließlich immer „Arbeit, Arbeit, Arbeit oder du bist nichts wert“ und ich wurde immer schief angeschaut, wenn ich mal einen Tag Urlaub genommen habe. Aber ich habe mittlerweile nicht umsonst neben meinem Hauptrechner ein Schild hängen: „Die Arbeit kann warten, dein Leben nicht!“.

Und als Konsument kann ich durchaus noch sechs Monate oder länger auf den nächsten Blockbuster warten. Ich hab‘ sowieso schon viel zu viel zu zocken/schauen/lesen. Klar, denken da einige anders drüber (siehe die ganzen Kommentare zur Schließung von Telltale, die nur Angst um den Abschluss von The Walking Dead: The Final Season hatten). Aber denen ist sowieso nicht mehr zu helfen. Sollte der Firma hingegen in der Zwischenzeit das Geld ausgeht, weil sie nicht gut genug geplant haben, dann lernen die Verantwortlichen hoffentlich für das nächste Mal daraus. Und um den Kreis zu schließen: Ob die Games Awards jetzt am 6. Dezember oder erst am 12. Dezember stattfinden ist völlig egal solange es entsprechend frühzeitig so geplant wird. Dass man eine millionenschwere Marketingkampagne nicht einfach so zwei Tage vorher über den Haufen werfen kann, nur weil jemand mehr Zeit braucht, ist mir durchaus bewusst.

Und damit gebe ich ab bis Montag!

Ein Pichu auf Lückensuche

Ein Pichu auf Lückensuche

Sehr geehrte Nutzerinnen und Nutzer,

Einen Monat ist es nun her, dass wir in den Wirkbetrieb unserer Hardware „Sicherer Katzengarten“ gestartet sind. Seitdem lief der Grundbetrieb auch ganz gut. Ein paar Sicherheitslücken wurden zwar von den probierfreudigen Anwendern unter ihnen gefunden. Diese haben wir jedoch durch zeitnahe Zwischenreleases hoffentlich nun erfolgreich gepatcht. Ein Problem sind noch die gemeldeten Buffer-Overflows, deren Ursache wir noch nicht mit Sicherheit identifizieren konnten wodurch eine Fehlerbehebung nur schleppend vorangeht. Und wie immer haben wir die Bereitschaft unserer Nutzer unterschätzt etwas Neues zu probieren. Anbei erhalten Sie detaillierte Informationen über den Hardwarestand, denn Transparenz ist uns ein hohes Gut!

Sicherheitslücken

An dieser Stelle einen besonderen Dank an unsere fleißigen Bug-Melder Maya und Pichu, die uns in den vergangenen Wochen mehrere hoch-kritische Sicherheitslücken gemeldet haben. Vor allem Pichu wird nicht müde auf Unzulänglichkeiten im Design hinzuweisen.

Maya war am ersten Tag direkt in der Lage über einen Terrassenpfosten auf das Hauptdach des Hauses zu gelangen. Nur über gutes Zureden und die Aussicht einen bislang unbekannten Teil des Hauses kennen zu lernen (Dachboden), ließ sie sich dazu überreden durch das Dachfenster wieder hinein in sichere Gefilde zu begeben. Die Lücke wurde anschließend mit einer Plexiglas-Platte oberhalb des Pfostens verschlossen. Weitere Tests von User Maya bestätigen uns, dass unser Code an dieser Stelle nun ausbruchssicher ist.

Während uns Userin Maya direkt zeigte, wo die Lücke war, ist User Pichu nicht so kommunikativ. Wir mussten stattdessen langwierige Überwachungsmaßnahmen einleiten und ihn in flagranti erwischen, bevor wir das Problem analysieren konnten. Die erste Lücke erkannten wir an der Garagenwand. Pichu schaffte es tatsächlich sich am Zaun festzuhalten und von dort direkt auf das Garagendach zu springen. Ein erster Hotfix mit einer zusätzlichen, kleinen Plexiglas-Platte brachte nicht die erwünschte Lösung, weshalb wir uns entschieden im relevanten Feld die vorhandene Platte gegen eine komplett neue auszutauschen mit einer Höhe von über einem Meter statt nur 50cm. Dieser Bugfix brachte auch die erhoffte Wirkung.

Eine Platte am Pfosten

User Pichu fand jedoch zügig eine weitere Lücke im System. So war es ihm möglich vom Terrassenabschluss direkt auf das Garagendach zu springen. Er nutzt dazu die Plexiglas-Platten über dem Gartentor als Sprunghilfe. Ein Hotfix ihn vom Springen abzuhalten, indem wir einen Joghurtdeckel als Hindernis auf der Platte befestigten, war nicht erfolgreich. Der erste Bugfix, das Installieren einer Plexiglas-Platte direkt in der Flugbahn, brachte nicht das gewünschte Ergebnis – im Gegenteil wurde diese durch die Sprungkraft des Anwenders völlig zerstört. Der zweite Bugfix – eine größere und dickere Platte an der gleichen Stelle – scheint nun aber Wirkung zu zeigen, denn der Anwender entschied sich nach einer weiteren Lücke Ausschau zu halten. Gefunden hat er sie tatsächlich wieder an der Garagenwand. Anstatt sich am Zaun festzuhalten, nutzte er nun die hervorstehenden Schraubenköpfe plus Krallen im Putz der Garagenwand, um weiterhin zu flüchten. Diese Lücke funktioniert allerdings nur bei trockenem Wetter. Wir haben dafür am Wochenende einen Hotfix eingespielt (eine Plexiglas-Platte quer oben am Garagendach) und müssen nun beobachten, ob dies das Problem behebt.

Wir halten Sie auf dem Laufenden und bitten Sie uns eventuell weitere Sicherheitslücken umgehend zu melden, denn Ihre Sicherheit ist unser höchstes Gut!

Schnittstelle

Wir möchten Sie noch einmal darauf hinweisen, dass wir bereits seit Jahren eine Schnittstelle zwischen Esszimmer und Terrasse anbieten. Um unbefugte Zugriffe zu unterbinden, ist diese mit einem Chipleser ausgestattet. Sie müssen also nur den Chip davorhalten und anschließend das Tor aufmachen. Dem IT-Department ist bewusst, dass es sich aufgrund des zweiten Tors um einen etwas dunklen Gang handelt und der Chipleser beim Erkennen eines gültigen Chips ein lautes „Klack“-Geräusch von sich gibt. Wir können Ihnen jedoch versichern, dass Ihnen beim Betreten und Verlassen nichts passieren wird und Sie stattdessen nach Freigabe in unserer Firewall auf diese Art und Weise jederzeit von draußen nach drinnen wechseln können. Eine Funktion, die bereits viele unserer Anwender zu schätzen wissen. Entsprechend würden wir Sie, Userin Maya, darum bitten endlich das Tutorial durchzuarbeiten und in Zukunft eine selbstständige Arbeitsweise an den Tag zu legen. Uns ist es aufgrund von Budgetbegrenzungen leider nicht möglich einen Terrassentüröffner-Posten auszuschreiben. Danke!

Katzenklos im Wohnzimmer

Im Zusammenhang mit der Schnittstelle ist uns außerdem zu Ohren gekommen, dass einige Anwender eine illegale Beschleunigungsfunktion einsetzen, um andere User zügiger durch die Katzenklappe zu schicken. Das IT-Department bittet darum davon abzusehen, den Anwendern auf den Hintern zu hauen, wenn sie gerade durch die Klappe nach draußen gehen wollen. Und das Schnuffeln an besagtem Hintern während sich ein Anwender in dieser hilflosen Position befindet wird von HR ebenso wenig gerne gesehen. Wir bitten um Beachtung, denn kollegiale Zusammenarbeit ist ein flüchtiges Gut!

Buffer-Overflow

Uns ist bewusst, dass vor allem den älteren Nutzern unter Ihnen es nicht gefällt Ihre bestehende Arbeitsweise zu ändern. Es wäre dennoch wünschenswert, wenn Sie davon absehen würden außerhalb der ausgewiesenen „Kackzonen“ Ihr Geschäft zu verrichten. Aufgrund von Wildpieslern mussten wir bereits ein paar Schuhe des Webmasters, eine Einkaufstasche und ein halbes Dutzend Kartons entsorgen sowie eine Jeanshose, eine weitere Einkaufstasche und eine Sporttasche waschen. Von den Kackhaufen und Pissflecken im Keller gar nicht erst zu reden.

Riesengroße Rohre

Als Zugeständnis des Unwillens speziell von User Balu sein Geschäft im Garten zu verrichten, haben wir mittlerweile vier Katzenklos aufgestellt (zwei im Kellerflur, zwei im Esszimmer). Wir weisen jedoch darauf hin, dass es sich hierbei nur um eine rein temporäre Lösung handelt. Unser Ziel ist es weiterhin die Katzenklos im Haus ganz abzuschaffen. Sie sollen Ihr Geschäft in den bereitgestellten Toiletten im Garten oder zumindest im Gras verrichten. Wir hoffen hier zeitnah eine gemeinschaftlich tragbare Lösung zu finden, denn ein geruchsneutrales Haus ist ein erstrebenswertes Gut!

Versionsvorschau

Zum Abschluss unseres heutigen Newsletters möchten wir Ihnen noch kurz einen Ausblick auf die kommenden Neuerungen in der Hardware „Sicherer Katzengarten“ geben: Vermutlich im Frühjahr werden die restlichen Abwasserrohre (DN250) am Zaun befestigt. Die Rohre liegen zwar bereits herum und ein Teilstück wurde testweise montiert. Zur Eingewöhnung unserer Nutzer wollen wir mit der endgültigen Befestigung aber noch ein wenig warten. Ziel dieser Maßnahme ist es Ihnen einen spielerischen Ausgleich zu bieten. So werden Sie sich gegenseitig durch die Rohre jagen, einfach nur so durch sie hindurchflitzen oder sich darin zur Ruhe legen können. Sie erhalten von uns selbstverständlich einen Hinweis, sobald der WBA-Termin feststeht, denn ein guter Informationsfluss ist ein nützliches Gut!

Mit freundlichen Grüßen

Ihr IT-Department

„Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch“ besagt ein altes Sprichwort. Nein, heute geht es nicht schon wieder um unsere geliebten Haustiere (Pichu schafft es immer noch auszubrechen…), sondern um Videospiele. Lysanda hat am Wochenende nämlich ein Seminar besucht und ich war entsprechend allein Zuhause (mit den Katzen). Und ihr wisst, was das heißt: Zocken bis zum Umfallen! Okay, so viel war’s jetzt doch wieder nicht aber ich habe mir auf jeden Fall seit langem mal wieder ein richtig faules Wochenende vor dem Computer gegönnt. Und was habe ich gezockt? Nun, diese drei mehr oder weniger alten Schinken:

Destiny 2 (Herstellerbild)

Destiny 2 (2017; PC, XONE, PS4) – „Einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul“ aber was soll ich denn sonst tun? Ich schreibe halt nun einmal ab und zu und hin und wieder über Spiele… Teil 1 ging zwar nicht an mir vorbei, aber ich wollte es nie für die „alten“ Konsolen kaufen, deswegen steht es nicht im Regal. Und da ich Teil 1 nicht habe, wollte ich bislang auch Teil 2 nicht kaufen. Hatte ich schon erwähnt, dass mein Videospielekaufverhalten auf andere mitunter etwas seltsam wirkt? Ja? Okay. Nun hat es Activision wegen schlechter Verkaufszahlen der DLCs verschenkt und ich konnte mal reinschauen.

Das Ergebnis? Die erste Stunde hat mich nicht vom Hocker gehauen. Ja, es war theoretisch ein bombastischer Einstieg: Die Rendersequenzen sehen richtig genial aus (aber nicht ganz auf Blizzard-Niveau), Nathan Fillion als Sprecher von Cayde-6 (neben vieler weiterer Prominenz) geht sowieso immer und ihr werdet sofort ins Geschehen geworfen, wodurch die Engine sogleich ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen kann. Und ja: Theoretisch sieht das Spiel wirklich hübsch aus. Praktisch muss ich aber sagen, dass mir alles viel zu steril wirkt obwohl ihr am Anfang in einer zerstörten Stadt unterwegs seid. Nein, das liegt nicht am SciFi-Setting, sondern ist das (zumindest mir) bekannte The Elder Scrolls-Problem. Spielerisch fühlte ich mich hingegen an Hellgate: London (was übrigens nächste Woche sein Comeback als reiner Solo-Titel feiert) erinnert – was nur bedingt positiv gemeint ist.

Die Schießereien gehen zwar gut von der Hand (wird ja überall über den Klee gelobt) aber die Einstiegswaffen hören und fühlen sich mal wieder nach nichts an und allein schon deshalb kommt bei mir kein richtiger Spaß auf die Masse an gleichförmigen Gegnern niederzumähen. Als ich dann auch noch einem Plotstopper begegnete (in der ersten Mission! Der Flieger, der mich abholen sollte war zwar da, nahm mich aber nicht mit.) – ja, ich hatte gerade ein Déjà Vu (Stichwort Red Dead Redemption) -, war das bisschen übriggebliebene Luft sofort raus. Zwar half ein Neustart am letzten Checkpoint und ich habe die Mission dann selbstverständlich beendet bevor ich das Spiel schloss. Aber ein echter Reiz zum Weiterspielen ist derzeit nicht vorhanden. Und das sage ich – um es noch einmal zu Betonen – nach nur einer Stunde Spielzeit mit der Tutorialmission!

Warhammer: End Times – Vermintide (Herstellerbild)

Warhammer: End Times – Vermintide (2015; PC, XONE, PS4) – Left 4 Dead im Warhammer-Universum. Statt gegen Zombies in Städten, wird gegen Ratten (= Skaven) in einer Mittelalterumgebung gekämpft. Mehr bräuchte ich tatsächlich gar nicht dazu zu sagen. Wem das Genre zusagt, kann zugreifen. Es gibt allerdings die Einschränkung, dass seit dem Release von Teil 2 sich die Server von Teil 1 etwas gelichtet haben (obwohl ich tatsächlich ein volles Team menschlicher Spieler auf Anhieb gefunden habe). Aber das wäre ja langweilig, wenn ich euch nur damit stehen lasse, denn es gibt durchaus ein paar Sachen, die für Warhammer: End Times – Vermintide sprechen im Vergleich zu Left 4 Dead & Co.:

Für mich ist es zu allererst natürlich das Setting und die Geschichte, die wie der Name schon sagt während der „Endzeit“ im Warhammer-Universum angesiedelt und nach meinem Verständnis Kanon ist. Das Level- und Charakterdesign versprüht dabei von vorne bis hinten nicht nur das dunkle „Warhammer“-Setting, sondern auch das wirklich bedrückende Gefühl in einer Stadt unterwegs zu sein, die dem Untergang nah ist. Was natürlich durch die sehr schicke Grafik unterstützt wird. So intensiv hat man die Skaven noch nie erlebt und es ist absolut kein Vergleich zum…ja, zur aus meiner Sicht einfach mehr Gameplay-fokussierten Konkurrenz. Was nicht heißt, dass es hier Abstriche gibt: Fünf völlig unterschiedliche Charaktere und ein extrem umfangreiches Loot- und Craftingsystem inkl. einem rudimentären Questsystem (jede Mission hat Nebenaufgaben) erwarten euch. Da geht selbst in der Grundversion mit ihren 13 Levels so schnell nicht die Abwechslung verloren. Sieben weitere gibt es als DLC, die euch außerhalb von Ubersreik unterwegs sein lassen. Im Gegensatz zu Destiny 2 hat mir hier die erste Stunde (zwei Levels auf „Easy“) gute Laune bereitet.

 

So viel also zu den Ultrakurzeindrücken zu diesen beiden Titeln. Die Nummer 3 habe ich hingegen am Wochenende angefangen und sogleich durchgespielt:

Evoland (Herstellerbild)

Evoland (2013; PC, OSX, Linux, iOS, Android) – Die ursprüngliche Idee für diesen Titel entstand beim 24. Ludum Dare (und war der Gewinner) und ist unter dem Titel Evoland Classic auf der Homepage des Entwicklers immer noch spielbar. Also einfach mal reinschauen!

Das Prinzip ist recht simpel: Das Spiel entführt euch auf eine kurze Zeitreise (ungefähr 6 Stunden inkl. allen Achievements) durch die Welt der frühen Action-Rollenspiele wie Final Fantasy, The Legend of Zelda oder auch Diablo. Angefangen mit Gameboy-Grafik ohne Sound, sammelt ihr nach und nach neue Gameplay-Features bis ihr euch in 3D mit HD-Sound in Echtzeit durch die Gegnerhorden metzelt. Alles natürlich mit einem großen Augenzwinkern versehen. Vor allem Final Fantasy VII war eine große Inspirationsquelle für die Entwickler. Hatte ich schon erwähnt, dass euer Held im Standard Clink und seine Gefährtin Kaeris heißt? Nein? Dann lasse ich das mal so stehen :smile: . Mich hat aber vor allem die Diablo-Passage zum Schmunzeln angeregt.

Abseits dieser interessanten Prämisse und der amüsanten Umsetzung, erwartet euch aber nicht viel substantieller Inhalt. Die meiste Zeit verbringt ihr mit Laufen und Kämpfen. Gekämpft wird auf zwei Arten: Es gibt eine Weltkarte, auf der ihr Final Fantasy-typische Rundenkämpfe absolviert und die einzelnen Gebiete, in denen ihr dann in The Legend of Zelda-Manier in Echtzeit zuschlagen dürft. Gestorben bin ich nur ein paar Mal bei den Bosskämpfen, ansonsten waren die Zufallskämpfe ausschließlich durch ihre Masse nervig. Da es kein echtes Level-Up-System gibt, hatten sie auch keinen Mehrwert und haben nur die Spielzeit unnötig verlängert.

Einstreut sind hier und da einfache Rätsel, die am interessantesten sind, wenn sie mit der Perspektive spielen. In der 2D-Ansicht stoßt ihr beispielsweise auf einen Block, der unüberwindbar scheint. Nachdem ihr in die 3D-Ansicht wechselt, könnt ihr einfach drübersteigen. Das Umschalten geschieht durch Kristalle, die in der Spielwelt verteilt sind. Neben diesen kleinen Highlights ist der Rest des Spiels aber eine rein lineare Angelegenheit ohne viel Tiefgang sowohl was das Gameplay als auch die Geschichte angeht. Habt ihr es einmal durch, gibt es keinen wirklich Grund es noch einmal zu spielen.

Evoland (Herstellerbild)

Beim Christoph meint: Objektiv betrachtet kann ich dem Titel nur 3 von 5 Sics geben. Es ist eine wirklich nette Idee aber unterm Strich fehlt die Herausforderung. Am meisten schadet dem Titel aber seine Länge. Obwohl es an sich ziemlich kurz ist, dauert es doch irgendwie zu lange an aufgrund der zahlreichen Zufallskämpfen. Natürlich könnte man argumentieren, dass das in den großen Vorbildern genauso ist. Aber eine gute Parodie zeichnet sich selten dadurch aus, dass sie einfach die Fehler des parodierten wiederholt. Aber ich habe es trotzdem gerne durchgespielt. Ja, die Gags sind eher oberflächlicher Natur aber man kann darüber trotzdem schmunzeln und man möchte entsprechend wissen, was die Entwickler noch so zu bieten haben. Und für kleines Geld – mehr kostet Evoland nicht – ist das aus meiner Sicht auch okay. Ich kann ich es entsprechend jedem ans Herz legen, der zumindest rudimentäre Kenntnisse der wichtigsten Rollenspielserien der 90iger hat. Vor allem hat es wesentlich mehr Substanz als beispielsweise DLC Quest. Ich bin nun gespannt darauf, was Evoland 2 da noch draufpacken kann. Es ist auf jeden Fall eine umfangreichere Angelegenheit (drei- bis vierfache Spielzeit laut HowLongToBeat.com).

 

Und damit wisst ihr, womit ich mir am Wochenende hauptsächlich die Zeit vertrieben habe. Bis Montag!

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