Sicarius

Das Crowdfunding-Jahr 2018

Psychonauts 2 (Herstellerblid)

Fünf Jahre im Ofen hat Psychonauts 2 nach seiner erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne auf Fig (3,8 Millionen Dollar) gebraucht bis es vorletzte Woche endlich das Licht der Welt erblickt – ach und einen Aufkauf von Double Fine durch Microsoft. Ein Schicksal, dass sie sich übrigens mit zwei Studios teilen, die ebenfalls Crowdfunding-Erfolge hatten: inXile Entertainment (Wasteland 2 & 3) und Obsidian Entertainment (Pillars of Eternity 1 & 2). Ich bin aber immer noch mit Quake beschäftigt (Hauptspiel sowie beide Mission Packs und DotP durch, jetzt noch die neue MachineGames-Episode), deshalb habe ich in das neuste Werk von Tim Schafer & Co. noch nicht reingeschaut. Es sieht aber stark danach aus, als wäre es wesentlich erfolgreicher nicht nur als Teil 1, sondern auch Double Fines Broken Age. Ihr wisst schon, ihr mittlerweile in Vergessenheit geratenes erstes Crowdfunding-Projekt. Und ja, dass Psychonauts 2 direkt seit Tag 1 im Xbox Gamepass enthalten ist hat neben der hohen Qualität des Titels sicherlich dazu beigetragen.

Nur ein Jahr im Ofen hat hingegen Pathfinder: Wrath of the Righteous gebraucht, das letzte Woche auf den Markt kam. Hier scheint das Ergebnis besser zu sein als Pathfinder: Kingmaker im Releasezustand aber die Gesamteuphorie hält sich dennoch in Grenzen. Immer noch zu viele Bugs, eine inkonsistente Geschichte (Charaktere reagieren unlogisch) und scheinbar nicht viel zu sagen (übliches Schwarz/Weiß-Helden-Krams). Aber mal schauen was sich da in den nächsten Monaten noch tut. Teil 1 wurde ja (leider) auch erst mit der Enhanced Edition ein wirklich empfehlenswerter Titel für Isometrische-Party-Rollenspiele-Fans.

Videospiele? Ja, ne…

Eine Kickstarterbox

Mittlerweile unterstütze ich tatsächlich eher selten noch Videospiele auf den gängigen Crowdfunding-Portalen. Das liegt zum einen an meinem Fetisch unbedingt eine physikalische Box haben zu wollen. Die meisten Entwickler haben nämlich richtigerweise erkannt, dass die Dinger nur extrem viel Zeit und Geld kosten (speziell der Versand) und lassen sie stattdessen zugunsten von billigen T-Shirts oder irgendwelchen nutzlosen Pins unter den Tisch fallen. Und wenn doch mal eine angeboten wird, dann zu Preisen wo einem die Ohren schlackern (>250€).

Eine absolut nachvollziehbare Entscheidung (sowohl die Preise als auch das komplette Weglassen). Die Vergangenheit hat schon gezeigt, dass die physikalischen Extras als erstes stillschweigend unter den Tisch fallen, wenn das Geld anfängt knapp zu werden. Dann lieber gleich so ehrlich sein und sich den ganzen Ärger ersparen. Aber das hält mich natürlich ein Stück weit davon ab das Projekt zu unterstützen und treibt mich dazu erst in irgendeinem Sale zuzugreifen – wenn der Titel denn tatsächlich irgendwann erscheint. Die Erfolgsrate ist leider immer noch eher schlecht speziell bei kleinen/neuen Studios mit innovativen Ideen. Ein weiterer Grund meiner Zurückhaltung. Widerspricht natürlich der Crowdfunding-Idee sein Augenmerk eher auf etablierte Schaffer zu richten aber nach bald 10 Jahren Erfahrung mit dem Thema ist die Realität halt leider, dass immer noch viel zu viele den tatsächlichen Aufwand unterschätzen. Nicht nur aber speziell im Bereich der Videospiele. Und trotzdem finden sich immer noch genug, die sich von genügend Buzzwords („Open World Multiplayer Survival Horror Escape RPG“) angezogen das Geld aus der Tasche reißen lassen. Ne, da bleibe ich lieber bei Büchern und Zeitschriften. Da kann nicht ganz so viel in die Hose gehen und man muss normalerweise auch nicht ein halbes Jahrzehnt darauf warten.

Mein Crowdfunding-Jahr 2018

Iron Harvest (Herstellerbild)

Werfen wir nun noch einen Blick zurück und zwar auf das Jahr 2018. Damals habe ich versucht 29 Projekten mein Geld zu geben, bei immerhin 26 hat es geklappt :wink: . Eine Erfolgsquote von fast 90%! Die drei versemmelten waren Rocket Jump: Quake and the Golden Age of First Person Shooters, Starlight 3 und The Hero of Deathtrap Dungeon. Über die beiden letzteren hatte ich mich schon einmal an dieser Stelle ausgelassen. Während Starlight 3 in völliger Verzweiflung sogar Elon Musk um Hilfe bat, zeichnete sich The Hero of Deathtrap Dungeon durch völlige Stille aus. Der Autor David L. Craddock hingegen hat vermutlich schlicht auf das falsche Pferd gesetzt, denn die Kampagne zu seinem Buch lief auf Unbound und es gab so gut wie überhaupt keinen Hype. Aber: Ende gut, alles gut. Das Buch ist trotzdem erschienen. Erst als eBook, mittlerweile sogar in physikalischer Form. Nein, ich habe es noch nicht gelesen. Steht auf meiner ToDo-Liste (wie 10.000 andere Bücher…). Ich nehme weiterhin gerne Spenden im Bereich von >10 Millionen entgegen, damit ich sofort in den Ruhestand wechseln kann!

Von den 26 erfolgreichen Projekten waren zwölf Stück aus der Kategorie „Videospiele“ und davon wiederrum sind zum Verfassungszeitpunkt erst drei Stück tatsächlich erschienen und zwei Stück abgeschlossen (=alle Rewards erhalten). Und selbst das ist eher großzügig, denn die Spiele in der Myst 25th Anniversary Collection gab es ja schon. Sie wurden „nur“ auf modernen Systemen lauffähig gemacht und in eine schicke Box gesteckt (optional mit LED-Screen). Und ja: Ich habe bis heute tatsächlich noch keinen einzigen Titel aus der Reihe gespielt :smile: . Die anderen beiden Werke? Zum einen das Echtzeitstrategiespiel mit ungewöhnlichen Setting von den Bremern bei KING Art namens Iron Harvest. Da kommt Ende Oktober 2021 sogar eine Konsolenversion raus und die Kampagne unterstützt Koop! Der zweite Titel ist das Point ‚n‘ Click-Adventure The Darkside Detective: A Fumble in the Dark, das mich trotz mittlerweile üblichen Pixellook inhaltlich irgendwie angesprochen hat (und glaube ich von den Adventure-Experten von Wadjet Eye Games promotet wurde). Morgen verlässt hingegen Encased die Early-Access-Phase, das gerne als „Sowjetisches Fallout“ bezeichnet wird.

„Early Access“ scheint sowieso das Stichwort der Stunde, denn drei weitere der 12 Titel hängen aktuell in diesem Status (The Waylanders [spanisches Dragon Age], XENONAUTS 2 [Old-School-XCOM], Black Geyser: Couriers of Darkness [Noch ein Iso-Party-RPG]) plus mit Nighthawks (Vampir-Rollenspiel von Wadjet Eye Games) und Soundfall (Crypt of the Necrodancer aber nicht tile-based) noch zwei, die wir als Backer bereits in einer Alpha-Version zocken dürfen. Bleiben drei Stück (Freja and the False Prophecy [hat was von Child of Light], Hazelnut Battle [eine Hommage an The Legend of Zelda], Realms Beyond: Ashes of the Fallen [nochmal Iso-Party-RPG…]), die bislang nur auf dem Papier und in Videos existieren. Aber es sind ja „erst“ drei Jahre vergangen und bei allen Projekten ist weiterhin Bewegung drin. Gut, dass kann man theoretisch von Chris Roberts‘ Squadron 42 ebenfalls behaupten – zumindest kommt da irgendwie alle vier Wochen eine Art Scrum-Sprint-Review-Newsletter, der völlig nutzlos und größtenteils uninteressant ist. Aber darüber reden wir nicht…

Die Nicht-Spiele

Ein Teil der Crowdfunding-Bücher von 2018

Bleiben noch 14 Projekte übrig, die ich 2018 unterstützt habe. Und die Quote dort sieht ganz anders aus als bei den Videospielen. Satte 93% davon sind bereits vollständig abgeschlossen. Nur der liebe Herr Scott Kurtz kriegt es irgendwie überhaupt nicht auf die Reihe die PvP Definitive Edition 20th Anniversary Collection endlich mal fertig zu stellen. Ja, er schafft es ja nicht einmal mit uns Backern anständig zu kommunizieren. Immerhin scheint er nun allen, die es einfordern, das Geld ohne Murren zurück zu erstatten. Und ja, ich überlege tatsächlich auch das Angebot anzunehmen. Schließlich fehlen in der Kollektion schon jetzt wieder drei Jahre an Comics. Da lohnt es sich eher auf die nächste zu warten…

Nene, das machen andere Webcomic-Autoren wesentlich besser. Der deutsche Oliver Knörzer hat beispielsweise für seine Anthology von Sandra and the Woo ab Crowdfunding-Ende bis Lieferung gerade mal ein halbes Jahr gebraucht. So muss das sein. Insgesamt waren es vier Webcomicsammlungen (Vote Dog und The GaMERCaT zu den beiden anderen) die ich unterstützt habe. Der Rest? (Retro-)Spielebücher wie The Legacy of 3dfx, Empires of EVE: Volume II, Hardcore Gaming 101: Japanese Game Obscurities und im Prinzip alles, was Third Edition Books raushaut. Unterm Strich durchweg Qualitätsware und klare Leseempfehlungen. Kein Wunder, da die meisten Sachen von etablierten Verlagen kommen. Bei Through the Moongate, Part I ist jedoch die englische Übersetzung nicht so ganz gelungen – der Autor ist Italiener und hatte nicht verstanden, dass der Übersetzer ihm nur den 1. Entwurf geschickt hatte. Aber gut, passiert und trotzdem interessant zu lesen. Nur schade, dass bei Teil 2 das Stretch Goal für eine Neuübersetzung von Teil 1 nicht erreicht wurde.

Lysanda meinte schon ich sollte doch ebenfalls endlich mal ein Buch schreiben schließlich habe ich doch mittlerweile so viel über bestimmte Themen gelesen, da könnte ich locker eine Zusammenfassung oder so machen. Recht hat sie. Aber ich muss doch die ganzen Spiele spielen und die vielen Bücher lesen und dann ist da auch noch die Faulheit… Äh, wo waren wir? Achja: Die letzten beiden Projekte waren die Musikalben Video Games Live: Level 6 und Matt Greys Reformation 3. Zu denen muss ich aus meiner Sicht nichts weiter sagen als: Anhören!

Zusammenfassung

Nachdem ich 2017 „nur“ zwölf Projekte unterstützt hatte, gab es 2018 wieder mehr interessantes Zeug für mich und die Anzahl hat sich entsprechend mehr als verdoppelt. Ja, im Bereich der Videospiele ist das meiste noch offen aber anders als in den Anfangsjahren 2012-2014 sind die meisten immerhin schon spielbar und machen nicht den Eindruck, dass sie ein absoluter Rohrkrepierer werden. Insofern habe ich (und vermutlich die Entwickler) dazu gelernt :wink: .

Ein Positivbeispiel?

2018 zeigt aber eindeutig meine Wende weg von den Videospielen hin zu den Büchern zum Thema. Neben den oben genannten Gründen liegt das natürlich auch an der Erkenntnis, dass ich faktisch eh nicht dazu komme alles zu spielen. Allerdings ist im Bereich der Bücher das Angebot ebenfalls extrem riesig (vor allem, wenn es um Retro geht) und entsprechend gut muss man filtern. Aber zumindest 2018 hätte ich gesagt habe ich eine gute Wahl getroffen obwohl ich noch nicht alles gelesen habe. Was aber natürlich auch daran liegt, dass ich vor allem die mittlerweile etablierten Verlage wie Bitmap Books oder Third Editions unterstütze. Mal schauen wie lange das anhält. Vor allem dieses Jahr habe ich mich nämlich doch mal hinreißen lassen ein paar (amerikanischen) Self-Publish-Autoren Geld zu geben, die zwar sicherlich das Retro-Wissen aber vermutlich nicht die wirklich gute Schreibe haben.

Das scheint so grundsätzlich ein Problem in dieser Community zu sein egal ob es Bücher oder ewig lange Dokumentarfilme (mehr Mut zum Weglassen!) sind: Inhaltlich top aber Präsentation/Umsetzung zum Haare ausreißen, wenn nicht ein richtiger Publisher mit drinhängt. Bitte? Ich soll’s besser machen? Je mehr ich darüber nachdenke und mir so die Konkurrenz auf dem Büchermarkt anschaue desto eher klingt das nach gar nicht mal so einer schlechten Idee… Kennt jemand einen Verlag, der mir einen ordentlichen Vorschuss geben würde? Nein? Schade. Dann spiel ich halt Quake: Dimension of the Machine weiter.

Unbound ist komplett auf Bücher spezialisiert.

2014 war der „Kickstarter-Hype“ nicht nur bei mir erstmal vorüber und der Realismus kehrte (größtenteils) ein, ich fing‘ auch so langsam an mehr (oder sogar überwiegend) Projekte zu unterstützen die nichts mit Spielen zu tun hatten (von vereinzelten, vorherigen Fehltritten wie die Pebble Watch mal abgesehen). Gleichzeitig entwickelte sich immer Konkurrenz zum Platzhirsch Kickstarter: Fig, IndieGoGo, Unbound, Volume und so weiter und so fort – und da rede ich nur von den projektbezogenen Sachen. Patreon, OnlyFans oder GoFundMe sind noch ganz andere Themen.

Gefühlt gibt es mittlerweile keine Nische mehr, die nicht ihre eigene Seite hat. Aber ganz ehrlich: Ich kann mit denen allen nichts anfangen. Ich unterstütze ein Projekt lieber auf Kickstarter als auf irgendeiner anderen Plattform. Das fängt von fragwürdigen Regeln wie z.B. direktes Einsammeln des Geldes ein (ohne Rücküberweisung, wenn das Projekt scheitert) und geht bis hin zu einfachsten Komfortsachen wie das Interface oder E-Mailbenachrichtigungen. Da habe ich bislang einfach noch nichts Besseres gefunden. Scheint auch nicht nur mir so zu gehen: Die Wahrscheinlichkeit eines Projekterfolgs auf Kickstarter ist definitiv wesentlich höher ist schon allein aufgrund der Masse an potentiellen Unterstützern. Garantiert ist er aber natürlich trotzdem nicht, wie der Blick zurück zeigt:

Das Crowdfunding-Jahr 2016

„Nur“ elf Projekte habe ich 2016 unterstützt, wobei zwei davon identisch sind. Das Horror-Adventure Ghost Theory der Entwickler von Dex hatte es im ersten Anlauf nämlich nicht geschafft sein hochgestecktes Ziel von rund 110.000€ zu erreichen (es kamen nur knapp 20.000€ zusammen). Dreadlocks hat es dann nochmal mit der Hälfte des Budgets versucht (also 55.000€) und hat dieses Ziel knapp übersprungen. Es wäre allerdings besser gewesen, sie hätten keinen zweiten Versuch unternommen. Das Spiel ist nämlich immer noch nicht erschienen. Ihnen ist die Kohle ausgegangen und kein Publisher wurde gefunden. Glaube nicht, dass da noch jemals was passieren wird.

Ghost Theory (Herstellerbild)

Unter den restlichen neun Projekten finden sich drei weitere Spiele. Das eine ist vor kurzem auf den Markt gekommen: Wasteland 3. Sogar die Collector’s Edition flatterte pünktlich ins Haus. Bitte? Ob der Titel gut ist? Keine Ahnung. Als hätte ich Zeit dafür ein Rollenspiel zu zocken :wink: . Aber ja, die Kritiken sind durchweg positiv und es hat sogar einen Koop-Modus! Auf System Shock und Psychonauts 2 müssen wir hingegen noch etwas warten. Nightdive hatte ja mittendrin beim System Shock-Remake den Stecker gezogen, weil sie sich zu sehr vom „Remake“ hin zu einer „Neuinterpretation“ bewegten. Mittlerweile sind sie aber definitiv auf einem sehr guten Weg, wie auch die Alpha-Demo des Introlevels zeigt. Hätte definitiv in einem Desaster enden können das Ganze. Double Fines Werk soll hingegen nächstes Jahr endlich seinen Weg in die Händlerregale finden. Bin sehr gespannt darauf und hoffe, dass es nicht wieder wie Teil 1 als Geheimtipp endet oder schlimmer noch: Wie Broken Age die (überzogenen) Erwartungen nicht erfüllt.

Die Bücherecke

Ansonsten habe ich 2016 einen Haufen Bücher unterstützt. Der französische Verlag Third Editions hat damals in zwei Kampagnen die ersten fünf Übersetzungen aus ihrer umfangreichen Sammlung an Bücher über Spiele finanziert. Darunter Dark Souls und The Legend of Zelda. Mittlerweile läuft der Kickstarter zum glaube ich 15. Buch (The Legend of Final Fantasy IX) und ich bin natürlich wieder mit dabei. Bitmap Books aus England hat 2016 hingegen zwei Projekte aus seiner „A Visual Compendium“-Reihe finanziert. Darunter eine erweiterte Fassung des Buchs über den Commodore 64 und eins über das NES.

Anders als Third Editions scheint der Verlag übrigens mittlerweile nicht mehr so stark auf Crowdfunding zu setzen und scheint sich gut selbst finanzieren zu können. Third Editions begründet das glaube ich damit, dass sie im englischsprachigen Markt trotz ihrer Erfolge immer noch nicht gut genug Fuß gefasst haben und die Publicity dieser Kampagnen noch brauchen. Ist für mich okay. Mir ist es am Ende egal wo ich den guten Lesestoff herkriege, solange ich ihn bekomme :smile: . Tommy Tallarico hatte hingegen 2016 das 5. Video Games Live-Album finanziert und das fünfte Buch des Webcomics Sam & Fuzzy landete ebenfalls in meinem „Warenkorb“.

Alles in allem war 2016 also ein übersichtliches und fast durchweg gutes Jahr was meine Crowdfunding-Unterstützungen anging. Ja, Ghost Theory war ein Reinfall aber der Rest war super bzw. wird höchstwahrscheinlich noch wie versprochen erscheinen. Zumindest ist die Kommunikation im Vergleich zu vielen anderen Projekten bei Nightdive und Double Fine absolut kritiklos. Es geht aber tatsächlich noch besser:

Das Crowdfunding-Jahr 2017

Phoenix Point (Herstellerbild)

Das bislang einzige Jahr, das tatsächlich vollständig abgeschlossen ist. Ja, alle damals u.a. mit meinem Geld finanzierten Projekte wurden mittlerweile veröffentlicht und alle Goodies sind bei mir angekommen. Die Qualität war sogar durchweg hoch! Zwölf Stück habe ich unterstützt und nur eins hat sein Ziel nicht erreicht: Shakes & Fidget – The Adventure. Ist glaube ich auch besser so. Mal wieder so ein deutsches Projekt bei dem ich mich hinreißen habe lassen obwohl ich mit den Comics sehr wenig anfangen kann. Immerhin war KING Art (The Book of Unwritten Tales als Entwickler gesetzt. Entsprechend war zumindest die Aussicht auf einen gelungenen Titel da. Aber nachdem die Kampagne relativ zügig nur noch vor sich hinplätscherte, zog der Publisher (völlig zu Recht) die Reißleine.

Dafür hatten es Phoenix Point (der Strategie-Titel vom X-COM-Erfinder), Pillars of Eternity II: Deadfire und Pathfinder: Kingmaker erfolgreich über die Ziellinie geschafft. Zugegeben: Speziell Pathfinder: Kingmaker hat anschließend noch etwas Reifezeit gebraucht und ist erst seit dem Release der Enhanced Plus Edition eine uneingeschränkte Empfehlung für alle Rollenspielliebhaber. Aber hey: Besser spät als nie und der Erfolg war groß genug, um mit Pathfinder: Wrath of the Righteous einen Nachfolger zu rechtfertigen. An Pillars of Eternity II: Deadfire hat Obsidian ebenfalls noch ein ganzes Jahr weiter gefeilt (Patch-Version 5 ist die finale) – leider ist hier trotz der wohl guten spielerischen Qualität der große Erfolg ausgeblieben. Teil 3 wird’s also vermutlich nicht so schnell geben. Schade, denn die Welt ist richtig cool und interessant. Andererseits: Ich hab‘ Teil 1 eh noch nicht durch. Ja, es ist echt schlimm mit mir, ich weiß. Kaufen, kaufen, kaufen aber nichts anständig zocken…

Nicht-Videospiele

Das mit dem „nicht zocken“ gilt übrigens auch für die zwei Nicht-Videospiele-Spiele des Crowdfunding-Jahres 2017: Warehouse 13: The Board Game und Numenéra 2: Discovery and Destiny. Nachdem Lysanda und mir die Serie so gut gefallen hat und die Idee des Brettspiels super klang, hatte ich meine Kohle in den Ring geworden. Leider hatten wir bis heute keine Zeit es mal zu zocken – wie irgendwie alle Brettspiele in unserem Haushalt ein eher unterspieltes Dasein fristen. Bitte? Irgendwie ist in der Casa Lysanda überhaupt keine Zeit für Nichts? Ja, scheinbar schon. Wir schauen kein Fernsehen, kommen nicht anständig zum Lesen oder Zocken und schaffen es nicht einmal den Öltankraum fertig zu renovieren. Meine Mutter beschwert sich ebenfalls darüber, dass wir sie nicht öfters besuchen. Keine Ahnung wo die ganzen Stunden hinkommen. Während ich diese Zeilen tippe ist es auch schon wieder 15 Uhr und der Sonntag somit so gut wie vorbei…

Die Numenéra-Sammlung wächst…

Bei Numenéra wusste ich immerhin von Anfang an, dass es so passieren wird. Das Tabletop-Produkt von Monte Cook Games habe ich mir tatsächlich vornehmlich einfach nur zum Lesen geholt. Es ist völlig illusorisch, dass ich jemals eine Pen-&-Paper-Gruppe finden werde – schon gar nicht eine, die ein eher unbekanntes, englischsprachiges Produkt spielen wird. Aber da inXiles Torment: Tides of Numenéra ebenfalls in dieser Welt angesiedelt ist, wollte ich halt noch mehr darüber erfahren.

Der andere Kram

Ansonsten gab es 2017 noch die Crowdfunding-Kampagne zur genialen Dokumentation über Star Trek: Deep Space Nine, das zweite Album mit fantastischen C64-Remixen von Matt Gray, die sechste Comic-Sammlung von Questionable Content, zwei Bücher zum Thema SEGA Dreamcast und Final Fantasy VII des britischen Verlags Read-only Memory und die nächste Ausgabe der Visual Companion-Reihe von Bitmap Books – dieses Mal zum SNES. Das zu Final Fantasy VII habe ich immerhin mittlerweile gelesen! :wink: .

Unterm Strich war 2017 also in mehrfacher Hinsicht ein gutes Crowdfunding-Jahr: Alle Projekt sind erfolgreich abgeschlossen und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Ja, nicht alle Spiele und Bücher sind durchweg perfekt geworden aber die Qualität ist dennoch auf einem hohen Niveau. Definitiv alles Kampagnen die ich wieder unterstützen würde bzw. auch schon habe wie z.B. das dritte Album von Matt Grey oder die nächste Erweiterung für Numenéra von Monte Cook Games.

Epilog

So viel also zu meinen Crowdfunding-Jahren 2016 und 2017. Insgesamt „nur“ 23 Projekte unterstützt aber damit vermutlich immer noch mehr als die meisten Leser insgesamt seit dem Kickstarter-Hype. Richtig so: Ich bin wie immer kein gutes Vorbild. Freue mich natürlich trotzdem immer wieder darüber, wenn ich dabei helfen konnte eine Idee in die Tat umzusetzen und am Ende ein gutes Produkt rauskommt, das andere ebenfalls mögen. Kann mir freilich nichts davon kaufen, dass mein Name irgendwo in den Credits auftaucht und hätte ich das Werk später erstanden wäre es mitunter sogar billiger gewesen (allerdings nicht immer!). Aber hey: Jeder hat seine Hobbies :smile: .

Und so viel sei schon einmal gesagt: Seit 2018 steigt die Anzahl der unterstützten Projekte wieder stark an. Aber das könnt ihr ja auch selbst selbst sehen.

Drei abgeschlossene Crowdfunding-Projekte

Zur Erinnerung: 2012 und 2013 hatte ich insgesamt 103 Crowdfunding-Projekte (damals noch ausschließlich auf Kickstarter) unterstützt. 22 davon waren nicht erfolgreich, 58 wurden in der Zwischenzeit tatsächlich komplett abgeschlossen (alle Rewards wurden ausgeliefert) und die restlichen 23 sind in diversen Stadien von „könnte vielleicht noch was kommen“ bis „Geld zum Fenster rausgeworfen“ versackt.

Ganz schön viel (Geld) aber das waren eben die euphorischen Anfangsjahre in denen speziell im Videospielebereich nicht nur viele ihr Glück versuchten, sondern auch die Bereitschaft von Leuten wir mir offensichtlich noch Größer war etwas in den Topf zu schmeißen. Als dann allerdings die ersten Projekte sich verschoben, im Nichts verschwanden oder das Ergebnis nicht die (meist viel zu hohen) Erwartungen erfüllte, machte sich Ernüchterung breit. Die Konsequenz: In den Jahren 2014-2015 habe ich insgesamt nur 28 Projekten mein hart verdientes Geld zugestanden. Zugegeben: Das war die Zeit in der sich meine Lebenssituation anfing stark zu verändern. Erst der Wechsel nach Nürnberg Ende 2013, dann die drastische Reduzierung meines Spielekonsums und der Umzug nach Darmstadt in 2014 und dann 2015 die ganze Sache mit Lysanda. Da blieb nicht viel Platz für Crowdfunding – schon gar nicht für Videospiele. Trotzdem: Ich habe nach den Erfahrungen in 2012/2013 definitiv auch angefangen genauer darauf zu achten, wem ich mein Geld in den Rachen werfe. Mit Erfolg? Schauen wir es uns die beiden Jahre doch mal genauer an.

Das Crowdfunding-Jahr 2014

„Nur“ elf Projekten habe ich 2014 für würdig genug gesehen mein Geld anzunehmen und davon war tatsächlich nur eine einzige Kampagne nicht erfolgreich: Outcast Reboot HD. Erschienen ist der Titel 2017 dann trotzdem als Outcast – Second Contact. Insofern also ein Happy End für die Entwickler. Unter den restlichen zehn Projekten waren hingegen nur drei Videospiele: Hover (eine Hommage an Jet Set Radio), Bear Simulator (eine The Elder Scrolls V: Skyrim/Simulator-Genre-Parodie) und The Book of Unwritten Tales 2 (Point & Click-Adventure aus deutschen Landen). Und ja: Alle drei sind tatsächlich erschienen. Abgeschlossen ist aber nur die Kampagne von King Art Games, bei den anderen zweien fehlende technisch gesehen noch die physikalischen Rewards.

Hover (Herstellerbild)

Bei Bear Simulator werden die vermutlich nie kommen. Der Entwickler war völlig überfordert vom Erfolg seines eigenen Kickstarters und leidet€ eindeutig unter einem geringen Selbstwertgefühl, wenn man so die jammervollen Updates in schlechtem Englisch verfolgt hat. Hat auch schon seit Jahren keinen Mucks mehr von sich gegeben. Ein Wunder, dass am Ende (2016) überhaupt etwas spielbares veröffentlicht wurde. Und nein: der Gag ist keine 15 Euro wert. Wirklich nicht. Da gibt es sehr viele bessere Spiele im Allgemeinen und Parodien im speziellen, die ihr erleben solltet. Hover hingegen ist sein Geld zwar wert, wenn ihr mal wieder als Rebell auf Rollerskates durch eine neongetränkte Stadt rasen wollt, aber es war schon ein langer Kampf, damit ich überhaupt meinen Key bekomme. Die physikalischen Extras sind hingegen bis heute nicht eingetroffen und das, obwohl z.B. Limited Run Games sogar eine Charge Boxen für die breite Masse hergestellt hat! Echt eine Sauerei. Aber gut, so ist das halt mit Crowdfunding. „You win some, you lose some“. Es ist ein Glückspiel und keine Vorbestellung.

Die Nicht-Videospiele von 2014

Ansonsten ist von 2014 nur noch das offizielle Kompendium zu Quest for Infamy offen. Keine Ahnung woran es da scheitert. Ja, gesundheitliche Probleme und so aber es sind ja nicht alle Entwickler dort alt und krank. Die Bücher sind fertig, gedruckt und wohl zum Teil sogar verschickt worden aber ich war bei dieser ersten Ladung offensichtlich nicht dabei. Große Hoffnungen, dass da noch was kommt, habe ich hier ebenfalls nicht mehr – ebenso für die physikalischen Extras für das Spiel selbst (auch hier: angeblich alle schon seit Jahren im Lagerhaus).

Die restlichen sieben Crowdfunding-Projekte teilen sich auf in drei Bücher, zwei (Spiele-)Musikalben und zwei Filme. Diese sind komplett abgeschlossen und bis auf Lazer Team von hervorragender Qualität. Darunter die genialen C64-Remixe von Matt Grey (das 3. Album entsteht derzeit) und das super interessante A History of the Great Empires of EVE Online von Andrew Groen (das zweite Buch kommt im Herbst). Wer der englischen Sprache mächtig ist und auch nur einen Funken Interesse an EVE Online hat, sollte sich dieses Buch unbedingt zulegen. Aber am besten noch ein paar Tage auf die runderneuerte zweite Auflage warten und dann beide Bücher kaufen.

Bear Simulator (Herstellerbild)

Stellt sich abschließend noch die Frage, ob ich von den zehn erfolgreichen Projekten aus dem Jahre 2014 welche bereue? Tatsächlich ja. Bear Simulator war zwar kein totaler Reinfall (es ist erschienen und spielbar) und war nicht ansatzweise so teuer wie die OUYA, aber wie gesagt: Der Gag war es am Ende trotzdem nicht wert und ohne physische Box habe ich nicht einmal was fürs Regal. Den ersten Film aus dem Hause Rooster Teeth, Lazer Team hätte ich im Nachhinein betrachtet ebenfalls sein lassen sollen. Das war zu einer Zeit wo ich noch viel von denen geschaut und mich entsprechend habe mitreißen lassen. Aber es ist kein gutes und vor allem nur bedingt lustiges Werk – wie vieles, was Rooster Teeth mittlerweile produziert. Vermutlich bin ich einfach zu alt geworden für diese Art von amerikanischem Humor.

Das Crowdfunding-Jahr 2015

2015 durften 16 Projekte von meiner Kreditkarte abbuchen. Und nicht nur waren alle Kampagnen erfolgreich: Es ist auch mittlerweile fast alles veröffentlicht worden! „Fast“ deshalb, weil die Entwickler bei Infamous Quest gleich drei Point & Click-Adventure mit einer Kampagne finanziert haben und bislang erst The Order of the Throne – The King’s Challenge auf den Markt gekommen ist. Das verkauft sich aber wie schon Quest for Infamy eher schlecht. Die Zielgruppe für Retro-Adventures wie sie Sierra in den 90igern hergestellt hat ist scheinbar doch nicht so groß wie erwartet. Die beiden anderen sind aber wohl grundsätzlich noch in Entwicklung. Also gebe ich ihnen noch ein paar Jährchen Zeit. Immerhin bleibt die Grafik zeitlos :smile: . Bei Underworld Ascendant (der nicht ganz so gelungene Dungeon Crawler) und Bloodstained: Ritual of the Night (das definitiv gelungene Castlevania-das-nicht-so-heißen-darf-weil-die-Rechte-bei-Konami-liegen) fehlen hingegen noch Teile der physikalischen Extras. Bin aber in beiden Fällen guter Dinge, dass die noch kommen.

Shadowrun: Hongkong (Herstellerbild)

Von den 16 Projekten anno 2015 waren satte elf Stück Videospiele. Kein Vergleich zu 2014 quasi. Darunter absolut empfehlenswerte Werke wie Divinity: Original Sin 2, BATTLETECH und Shadowrun: Hong Kong. Bei den restlichen fünf handelte es sich hingegen um Bücher bzw. Comic-Kollektionen. Darunter drei Bücher zu Retro-Themen wie z.B. The Bitmap Brothers: Universe, die Comic-Sammlung von CTRL+ALT+DELETE und eine gedruckte Ausgabe des auf seine besondere Art und Weise absolut geniale Chief O’Brien at Work (nicht einmal ansatzweise von CBS unterstützt aber zumindest geduldet). Der Humor ist nicht unbedingt jedermanns Sache aber wer Star Trek: The Next Generation-Fan ist sollte zumindest mal auf der Webseite vorbeischauen und ein bisschen lesen :smile: .

Das Fazit für 2015

Unterm Strich gibt es zu 2015 tatsächlich nicht viel zu sagen. Die Erfolgs- und Abschlussrate ist sehr gut und auch die Qualität war durchweg hoch. Der einzige Totalausfall bei den Videospielen ist vermutlich Into the Stars. Das Ergebnis ist zwar spielbar, sieht gut aus, macht grundsätzlich Spaß und zeigt massiv Potential. Es fehlen aber die Inhalte. Die Entwickler hatten – wie so oft bei Crowdfunding-Kampagnen – ihre Ambitionen zu hochgesteckt. Entsprechend waren die Verkäufe nicht gut genug, um einen längeren Support nach Release zu gewährleisten. Ist halt so. Nicht jeder kann wie No Man’s Sky sein und noch Jahrelang weiter an seinem Traumprojekt arbeiten.

Die Neuauflagen alter Rollenspielklassiker namens The Bard’s Tale IV und Underworld Ascendant sind hingegen zwar nicht die erwarteten Mega-Blockbuster geworden (The Bard’s Tale IV ist dank des Director’s Cut mittlerweile wesentlich besser) aber das werden aus meiner Sicht sowieso die wenigsten Crowdfunding-Projekte (Divinity: Original Sin 2 ist die regelbestätigende Ausnahme). Ach und Shenmue III war auch ein 2015er Kickstarter. Aber da war von Anfang an klar, was da als Ergebnis rauskommen würde. Insofern darf sich da keiner beschweren. Es ist Shenmue – nicht mehr und nicht weniger :wink: .

Die Zwerge (Herstellerbild)

Die anderen von mir 2015 unterstützten Videospiele? Die Zwerge (King Art Games’ dritter Kickstarter) und Yooka-Laylee. Ersteres ist ein solider Rollenspiel-Strategiemix, der aber vermutlich ausschließlich für deutschsprachige Fans der Markus Heitz-Buch-Serie eine Empfehlung ist (bin ich zum Glück einer) und zweiteres war ein guter Versuch die alten Plattformer-Tage wiederzubeleben (leider zu gut in Bezug auf überholtes und nerviges Spieldesign). Das volle Potential haben die Entwickler aber erst mit Yooka-Laylee and the Impossible Lair ausgeschöpft.

Epilog

Nach dem übertriebenen Hype in 2012/2013 mit entsprechend hoher Griff-ins-Klo-Rate hat 2014 und 2015 gezeigt, dass das Crowdfunding-Konzept grundsätzlich funktionieren kann – wenn alle besonnen damit umgehen. Selbstüberschätzung auf Seiten der Initiatoren des Projekts und falsche Erwartungshaltungen auf Seiten der Backer sind damals wie heute ein großes Problem. Das gilt logischerweise nicht nur für den Bereich der Videospiele. Im direkten Vergleich waren – zumindest für mich – die beiden Jahren 2014/2015 ganz klar erfolgreicherer trotz oder gerade wegen der geringeren Menge an unterstützten Projekten.

Jetzt müsste ich nur mal die Zeit haben diese ganzen von mir unterstützen Spiele auch mal intensiv zu zocken und die Bücher zu lesen. Nur die Musik, die habe ich schon (mehrfach) gehört. Kann ich dafür auch mal eine Crowdfunding-Kampagne starten? Stelle mir das so vor:

Titel: Finanziert meinen vorzeitigen Ruhestand, damit ich genug Zeit habe meine diversen Backlogs abzubauen!

Belohnungen:

  • 5€ – Du erfährst vor allen anderen was ich vielleicht unter Umständen als nächstes zocke/lese/höre (keine Garantie auf tatsächliche Umsetzung)
  • 10€ – Dein Name auf einer versteckten Unterseite von Beim Christoph
  • 50€ – 7-Tage-Early-Access-Zugriff auf den Link zum nächsten Eintrag (keine Garantie, dass er bereits geschrieben wurde)
  • 100€ – Zugriff auf eine Umfrage was ich als nächstes angehen sollte (keine Garantie, dass ich mich daran halte)
  • 500€ – Wenn ich ein Buch fertiggelesen habe und es nicht behalten möchte, wird es unter euch verlost (exkl. Versandkosten)
  • 1.000€ – Du darfst mir einmalig beim Abarbeiten eines Titels aus dem Backlogs still zuschauen (Anreise- und Übernachtungskosten nicht enthalten)
  • 5.000€ – 10 Minuten eine unserer Katze streicheln (Anreise- und Übernachtungskosten nicht enthalten)
  • 10.000€ – Du darfst mir beim Spielen eines Spiels aus dem Backlog zuschauen, dabei eine Katze streicheln und dich mit mir unterhalten (Anreise- und Übernachtungskosten nicht enthalten)

Bitte? Das lassen wir mal lieber? Och, ihr seid totale Spaßbremsen…

So viele Kickstarter-finanzierte Bücher (alle von Third Editions)

Crowdfunding ist eine Kunst, keine Frage. Und ich behaupte auch nicht, nur weil ich bald 200 Projekte unterstützt habe, dass ich in irgendeiner Art und Weise mit einer eigenen Kampagne eine Erfolgsgarantie hätte. Mal abgesehen davon, dass ich keinerlei Idee für eine Kampagne hätte :smile: . Aber in den Herbstkampagnen sind mir mal wieder ein paar Sachen aufgefallen, wo ich mich jedes Mal wieder Frage: Was soll das? Eine Crowdfunding-Kampagne ist schließlich kein Selbstläufer, sondern eine Hype-Maschine, die gehegt und gepflegt werden will, um erfolgreich zu sein. Okay, Letzteres stimmt leider nicht immer. Auch schlecht geführte Kampagnen schaffen es leider viel zu oft (meist grad so) über die Ziellinie. Aber worum geht es mir?

Die äußeren Faktoren

Es gibt Kampagnen, die haben es besonders schwer. Das kann viele Gründe haben. Das fängt mit dem Produkt an sich an. Zu ungewöhnlich, zu ungewohnt und schon wirft keiner Geld in den Topf. Ein weiterer ist die gewählte Crowdfundingplattform. So sind unter anderem Volume, Unbound oder selbst Fig noch keine so massiv bekannten Plattformen wie Kickstarter. Sprich weniger Leute stoßen zufällig auf die Kampagne und von denen halten sich zudem einige zurück, weil die Plattform komische Regeln hat (Unbound zieht z.B. den Betrag direkt ein und zahlt ihn nicht mehr aus, selbst wenn die Kampagne nicht erfolgreich ist) oder eben, weil sie noch zu unbekannt (=wenig Vertrauen) ist.

Auch die Journalisten halten sich mittlerweile – völlig zu Recht! – stark zurück so viel und so überschwänglich über Crowdfunding-Projekte zu berichten wie es 2012/2013 noch passiert ist. Nicht nur würde man den ganzen Tag nichts anderes mehr tun. Wenn am Ende eine Gurke rauskommt oder die Macher mit dem Geld davongerannt sind, wird den Magazinen ein wenig die Mitschuld gegeben als Teil der Hypemaschine. Da muss eine schon eine Demo vorliegen, die einen umhaut, um noch jemanden zum Schreiben zu animieren. Finde ich aber wie gesagt absolut gerechtfertigt und ist auch für die Backer (Unterstützer) eine super Sache, wenn es schon was zum Anfassen gibt (im Falle von Videospielen). Für den Kampagnen-Initiator macht es das aber natürlich schwer seine Zielgruppe zu erreichen, wenn er nur seine eigenen Kanäle hat.

Und damit sind wir beim eigentlichen Thema: Die Kommunikation während der Crowdfunding-Kampagne mit den aktuellen und potentiellen Unterstützern.

Keine Kommunikation

The Hero of Deathtrap Dungeon (Herstellerbild)

The Hero of Deathtrap Dungeon ist ein schwieriger Pitch. Videospielern ist Deathtrap Dungeon vielleicht grad noch so als ein Eidos-Titel aus dem Jahre 1998 bekannt – und selbst das vermutlich nur schwammig. Trotz leicht bekleideter Heldin (man konnte auch als Held spielen aber wer hat das schon gemacht), die sich durch einen Ära-typischen 3D-Dungeon kämpfen musste, kam es weder bei Kritikern noch Käufern gut an (ich hab‘ glaube ich nur die Demo gespielt). Das Original, eine Reihe von „Adventure Gamebooks“ (Mix aus „Wähl dein Abenteuer“ und „Solo-Pen & Paper-Rollenspiel“) aus dem Jahre 1984, werden entsprechend noch weniger unter euch kennen. Sentinet Play wollte aber nun genau das über Fig finanzieren. Also ein Adventure Gamebook in Digital.

Ich fand es zusammen mit 893 anderen ganz spannend. Aber bei einem Ziel von 200.000 US-Dollar war das zu wenig. Ein Grund für das Versagen der Kampagne ist aus meiner Sicht die fehlende Kommunikation. Ganze acht Updates wurden während der Laufzeit nur veröffentlicht. Und diese sind dann auch noch alle Belanglos und ohne Gefühl (=hingeklatscht). So lockt man keinen vor dem Ofen hervor. Das hat mehr wie „ach, wir stellen da mal eine Kampagne ein – kann ja nicht schaden“ gewirkt als ein echtes „Gebt uns euer Geld! YEAH!“. Dass da weder eine Community entsteht, die für ordentliche Mund-zu-Mund-Propaganda sorgt noch irgendwelche Presseberichterstattung stattfindet, dürfte klar sein.

Und sowas passiert tatsächlich öfters als man glauben mag – selbst bei erfahrenen „Crowdfundern“. Das neuste Buch von Read-Only Memory, Japansoft: An Oral History, wurde auf Volume überhaupt nicht begleitet. Die Kampagne, wenn man sie so überhaupt nennen mag, fand allein auf Twitter statt. Da ist es eigentlich schon erstaunlich, dass das Ziel nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen wurde. Zeigt aber wiederrum, wie wichtig eine gute Community ist. Wenn ROM nicht schon zig herausragende Bücher herausgebracht hätte (die meisten über Kickstarter-Kampagnen finanziert), wäre die Sache sicherlich anders ausgegangen. Ich habe es auch nur deswegen unterstützt.

Lektion 1: Nicht einfach nur die Crowdfunding-Kampagne starten und sich zurücklehnen, sondern diese aktiv begleiten.

Automatisierte Kommunikation

Encased (Herstellerbild)

Aktiv begleiten bedeutet aber nicht einfach nur ein festgelegtes Programm abspulen und/oder die Unterstützer mit Updates erschlagen (wir kriegen jedes Mal eine Mail!). Für das isometrische Rollenspiel Encased (ein Mix aus Fallout und S.T.A.L.K.E.R.) wurden während der 30-tägigen Kampagne 27 Updates veröffentlicht. Die meisten davon eindeutig vorab vorbereitet. Ja, es ist schön mehr über die Inhalte des Spiels zu erfahren und dabei sich nicht nur auf das Gameplay zu konzentrieren, sondern auch die Spielwelt oder die Geschichte zu behandeln. Aber es war für mich einfach zu viel und das hauptsächlich, weil ich das Gefühl hatte es wird einfach nur ein Update-Plan abgespult. Von wegen „Tag 3 bringen wir den Text über die Geschichte des Helden“. Das macht die Sache genauso unpersönlich wie die Kampagnen, in denen überhaupt keine Kommunikation stattfindet.

Es muss einen Plan geben, keine Frage. Und man sollte Inhalte vorbereitet haben, um die Unterstützer bei der Stange zu halten. Aber man muss auch spontan sein und auf das reagieren, was gerade passiert. Nein, nicht nur den nächsten Meilenstein wie „50% funded!“ feiern. Das ist doch ebenso nur ein vorgefertigter Eintrag. Sondern auf die Berichterstattung und Kommentare eingehen. Die Updates ein Stück weit daran anpassen, was die Leute lesen wollen oder dazu animiert was in den Topf zu werfen. Ein Update über die Gestaltung der Weltkarte ist nett und freut vielleicht die Typen von RPG Codex aber von denen gibt es doch eh kein Geld. Die wollen gefühlt nur weiter ihre Rollenspiele aus den 70igern spielen.

Das Paradebeispiel ist für mich mein allerster unterstützter Kickstarter, The Order of the Stick Reprint Drive. Ja, das waren auch drei Dutzend Updates in 30 Tagen aber man hat Rich Burlew angemerkt, dass er vom Erfolg überwältigt war und er aktiv zusammen mit seiner Community die Kampagne vorangetrieben hat. Die Belohnung waren 1,2 Millionen US-Dollar (von angepeilten 60.000 US-Dollar). Und ja, dass mehr an Geld hat teilweise zu Verschiebungen geführt aber nur bei den Bonussachen. Das eigentliche Ziel wurde pünktlich und wie erwartet erfüllt.

Lektion 2: Lebendige Updates. Nicht nur den Plan abspulen, sondern zeigen, dass man aktiv mit dabei ist.

Verzweifelte Kommunikation

Starflight 3: Universe (Herstellerbild)

Die letzte Kategorie sind Kampagnen bei denen ich immer kurz davor bin meine Unterstützung doch wieder zu entziehen. Die, die nur schwerlich auf ihr Ziel zusteuern und die Wahrscheinlichkeit, dass sie es erreichen mit jedem Tag sinkt. Teilweise schleppen sie sich tatsächlich noch über die Ziellinie aber das ist im Ergebnis oft auch nur bedingt gut (weil die Kalkulation zu knapp war). Häufiger schaffen sie es aber nicht. Dann wird entweder mehr oder weniger früh die Reißleine gezogen oder die Kampagne siecht bis zum bitteren Ende vor sich hin. Das Problem dabei ist, dass manche dann zu einer ziemlich weinerlichen/nervigen/verzweifelten Kommunikation übergehen oder Kurzschlusshandlungen vollziehen. Da schäme ich mich mitunter, dass mein Name bei den Unterstützern steht. Starflight 3: Universe hat am Ende sogar ein Elon Munsk-Bundle angeboten und ihn angeschrieben, in der Hoffnung, dass er sie noch über die Ziellinie trägt. Es hat zum Glück nicht gereicht. Andere bitten ihre bereits vorhandenen Unterstützer nochmal Geld drauf zu legen von wegen „Wenn jeder von euch nochmal einen Euro reinpackt, dann schaffen wir es!!!!“ oder „Schreibt doch nochmal alle eure Freunde an!“. Ja, ne lass mal.

Manchmal werden dann sogar plötzlich Strech Goals nach unten korrigiert, um mehr Leute anzulocken. Vor allem Umsetzungen für andere Plattformen wie PS4 und Switch, die sicherlich einen Haufen Geld kosten aber bei den Leuten gut ankommen. Wenn in so einem Fall die Kampagne doch noch erfolgreich ist, könnt ihr euch an einer Hand abzählen wie das mit diesen Umsetzungen ausgehen wird, wenn eigentlich zu wenig Geld dafür eingenommen wurde. Vor allem da schon für das eigentliche Hauptspiel meist die Finanzen nicht korrekt ausrechnet wurde.

Lektion 3: Wenn das Ziel nicht erreicht wird, wird es nicht erreicht. Lebe damit und nimm es wie ein Mann/Frau/Divers.

Epilog

So viel erst einmal dazu. Gibt zum Thema „Kommunikaiton“ sicherlich noch viel, viel mehr zu sagen aber heute lagen mir diese Sachen auf dem Herzen, weil sie mich wirklich besonders aufgeregt haben in den letzten Wochen. Bitte? Ich beschäftige mich viel zu viel mit Crowdfunding? Möglich :smile: . Es werden darüber schließlich durchaus viele nette Produkte finanziert, die wir anders vielleicht gar nicht oder nur in anderer Form erhalten würden. Und mehr Geld für den eigentlichen Hersteller statt für den Zwischenhändler bin ich sowieso grundsätzlich ein Fan von. Obwohl ein Publisher durchaus seine Vorteile hat (z.B. überambitionierte Projekte zur Realität zurückführen). Vielleicht regt mich das deswegen so sehr auf, wenn mal wieder bei einer Kampagne aus meiner Sicht totaler Blödsinn verzapft wird. Ich möchte ja schließlich, dass der Ersteller Erfolg hat und ich ein tolles Produkt bekomme.

Müsste wahrscheinlich mal ein Buch mit Tipps fürs Crowdfunding schreiben – natürlich über einen Kickstarter finanziert. Wäre schließlich die beste Werbung. Nun aber genug davon, denn wir lesen uns schon heute Abend wieder mit dem traditionellen Weihnachtsgruß!

Sicarius

Das Crowdfunding-Jahr 2013

Eine aufklappbare Papphülle

Vergangene Woche ist endlich die mehr als enttäuschende „Box“ von Dreamfall Chapters eingetroffen und damit ein weiterer Kickstarter mehr oder weniger erfolgreich beendet worden. Ja, das Spiel ist für Fans der Serie (=ich) absolut zu empfehlen aber die physischen Goodies (eben nur die Box) entsprechen mal so absolut gar nicht dem wofür ich und viele andere durchaus ein paar schöne Euros in die Kasse geworfen hatten (u.a. physische Versionen einiger Kurzgeschichten). Naja, immerhin kam überhaupt noch was zum Anfassen. Wir hatten ja bereit bei meinem Rückblick auf das Crowdfunding-Jahr 2012 Mitte Januar festgestellt, dass das so einige leider vergessen (vermutlich, weil schon lange das Geld ausgegangen ist).

Und da die Kickstarter-Kampagne von Dreamfall Chapters im Jahr 2013 abgehalten wurde, ist das doch ein perfekter Zeitpunkt auch mal darauf zurückzublicken. Ein Jahr, was ich aus irgendeinem Grund mit vielen schlechten Kampagnen verbinde, aber ist es tatsächlich so?

Die nackten Zahlen

2013 habe ich 45 Kampagnen (darunter 37 Videospiele) unterstützt. Das waren schon 13 weniger als 2012 (58) und trotzdem waren erneut 22% (2012 waren es 20%) davon gar nicht erst erfolgreich. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit, denn zumindest zwei Stück haben es erneut versucht und es dann geschafft (zählen also – wenn ich sie erneut unterstützt habe – zu den restlichen 35). Und weitere zwei weitere haben auf andere Art und Weise ihre Entwicklung finanziert bekommen und sind mittlerweile auf dem Markt. Darunter Next Car Game von Bugbear, dass als Wreckfest zumindest für PC vor Kurzem endlich veröffentlicht wurde.

Von den 35 erfolgreichen Kampagnen sind fünf Jahre später 24 Stück bereits abgeschlossen (Produkt ist erschienen und ich habe alle versprochenen Goodies). Mit 68% erneut eine überraschend gute Quote. Und nur bei drei Kampagnen (Road Redemption und Shroud of the Avatar: Forsaken Virtues sowie eine Sketch-Serie) ist das digitale Produkt schon erschienen aber es fehlen noch die physischen Goodies. Bleiben nach Adam Riese (der eigentlich „Ries“ hieß) acht Stück übrig.

Spielbar

Lacuna Passage (Herstellerbild)

Bei allen acht Produkten handelt es sich um Videospiele und immerhin vier Stück kann ich bereits in einer Alpha-, Beta- oder Early-Access-Variante spielen. Das heißt natürlich nichts, schließlich ist Nekro am Ende nicht veröffentlicht worden. Aber immerhin drei davon zeigen auch weiterhin mehr oder weniger sichtbare Aktivität. Ja, mit dem Status-Updates für die Backer auf Kickstarter & Co. veröffentlichen haben es irgendwie viele Entwickler nicht. Stattdessen wird in Foren oder Kommentaren über den Status informiert was dann wieder kein Schwein mitbekommt. Wie gut das bei der Community ankommt, dürfte klar sein. Aber immerhin sieht man was, wenn man danach sucht und für die Mars-Überlebenssimulation Lacuna Passage erscheinen gefühlt sogar wöchentlich Updates mit Features und Bugfixes auf Steam.

Das kann man über das mit RPG Maker produzierte JRPG You Are Not The Hero leider nicht sagen. Seit über einem Jahr herrscht schon Totenstille (obwohl er weiter über Steam abkassiert durch neue Verkäufe) und angeblich hat er mit dem Kickstarter-Geld seiner Frau die Hochzeit ihrer Träume geschenkt statt es ins Spiel zu investieren. Ob das wirklich stimmt kann ich nicht nachvollziehen. Aber, dass ein RPG Maker-Spiel nach fünf Jahren Entwicklungszeit immer noch nicht auf dem Markt ist…nun, das spricht durchaus Bände. Ganz gebe ich die Hoffnung noch nicht auf, dass zumindest das Spiel noch erscheint. Aber die Goodies kann man wohl vergessen.

Nicht spielbar

Hero-U: Rogue to Redemption (Herstellerbild)

Und die restlichen vier? Nun, zwei Stück befinden sich tatsächlich immer noch in der Entwicklung und halten die Backer relativ regelmäßig auf dem Laufenden. Wie gesagt: Die meisten Leute hinter den Kickstartern aus der Anfangszeit haben vollkommen überschätzt wie viel Geld sie eigentlich am Ende tatsächlich auf dem Konto haben, was eine Spieleentwicklung kostet und wie lang sie dauert und wie viel die physischen Goodies verschlingen. Entsprechend ist es wenig verwunderlich, dass so einiges im „Slow-Burner“-Modus unterwegs ist (meist nur noch 1-2 Entwickler, die nach Feierabend arbeiten). Aber was lange währt, wird unter Umständen zumindest halbwegs okay :smile: . So ist letzte Woche auch endlich Hero-U: Rogue to Redemption (ein Kickstarter aus 2012) veröffentlicht worden, der geistige Nachfolger der Quest of Glory-Reihe aus den Sierra-Tagen. Und was man so liest, soll er gar nicht mal so schlecht sein.

Persönlich ist mir tatsächlich egal, wie lange es dauert (komme ja eh nicht zum Spielen oder Lesen). Da sind andere Backer etwas ungeduldiger. Für mich ist es viel wichtiger auf dem Laufenden gehalten zu werden. Und wenn es die 20. Ausrede ist – hauptsache regelmäßige Lebenszeichen und irgendeine Art von Fortschritt und nicht einfach plötzlich vom Erdboden verschwinden so wie Pelican13, die bis Ende 2015 sehr kommunikativ waren und echte Fortschritte zu ihrem Titel The 90’s Arcade Racer gezeigt hatten. Seitdem gab es aber kein einziges offizielles Wort mehr zum Thema. Stattdessen kam irgendwann durch Backer-Recherche heraus, dass die Entwickler das komplette Ding an den Publisher Nicalis verkauft haben. Aber auch die haben bis heute damit absolut gar nichts angefangen. Okay, auf der Ankündigungsseite wurde wohl letztes Jahr das Spiel in 90s Super GP umbenannt und die Nintendo Switch als Plattform ergänzt. Aber Veröffentlichungsdatum oder irgendeine Reaktion von Nicals gegenüber den Backern? Pustekuchen.

Das deutsche Desaster

Villagers (Herstellerbild)

Und dann wäre da noch Days of Dawn. Projekte, die zwei  Crowdfunding-Anläufe brauchen stehen selten in einem guten Licht. Das wird hier wieder bestätigt, denn die zweite Kampagne war zwar erfolgreich aber geholfen hat es trotzdem nicht. Das Spiel ist, soweit ich das verstehe, allerhöchstens noch in der persönlichen Freizeit des Studiobesitzers in Entwicklung, weil das Geld fehlt. Aber zu Bumblebees Ehrenrettung darf ich natürlich nicht verschweigen, dass sie in unregelmäßigen Abständen mal ein Update schreiben und allen Backer, die es wollten, ihre in der Zwischenzeit erschienen Titel Villagers (ein schlechter Siedler/Anno-Klon) und In Vitra (ein schlechtes JRPG) geschenkt haben. Ja, die Werke sind nicht der Brüller aber im Nachhinein betrachtet wäre das Days of Dawn vermutlich ebenso wenig geworden. Insofern immerhin nicht ganz ohne Gegenleistung Geld in den Sand gesetzt.

Aus der Sache habe ich übrigens gelernt nie mehr dem Hype um deutsche Crowdfunding-Projekte zu folgen, den vor allem bestimmte (haarige) Spielejournalisten der älteren Generation betreiben. Nur auf die Nase gefallen bislang. Dann lieber weiterhin auf meinen Bauch hören und nur Studios wie King Art unterstützen. Die wissen wenigstens was sie tun, liefern Gutes pünktlich ab und hatten übrigens mit Battle Worlds: Kronos tatsächlich 2013 auch ihre erste (von mittlerweile vier erfolgreichen) Crowdfunding-Kampagnen.

Fazit

Obduction (Herstellerbild)

Warum habe ich also mein Crowdfunding-Jahr 2013 so schlecht in Erinnerung? Keine Ahnung ehrlich gesagt. Vermutlich liegt es daran, dass viele hochkarätige Namen ihr Glück versuchten und massiv gescheitert sind (=die Kampagne war nicht erfolgreich). Dadurch hatte ich aber logischerweise kein Geld verloren. Freilich sind auch bei den 24 bereits abgeschlossenen Projekten wie schon 2012 einige dabei, bei denen das Ergebnis sein Geld nicht wert war aber im Vergleich waren es ungefähr genauso viel. Genauer gesagt waren es The Cyanide & Happiness Show (da habe ich mich von Rondrer reinreiten lassen – ist doch nur bedingt mein Humor), Monochroma (einfach kein gutes Spiel), Alice: Otherlands (als absoluter American McGee’s Alice-Fan hatte ich wesentlich mehr erwartet als zwei grottenschlechte Kurzfilme) sowie Mighty No. 9 (schon die Kommunikation nach dem Kickstarter war eine absolute Katastrophe).

Aber man soll einen Artikel ja nicht auf einer negativen Note enden lassen. Stattdessen möchte ich an das erinnern, was unter anderem mein (durchaus nicht gerade geringer) Einsatz anno 2013 für Erfolge gebracht hat. Darunter Titel wie Elite: Dangerous, Divinity: Original Sin, Obduction, Satellite Reign, Torment: Tides of Numenera und Jagged Alliance: Flashback, die einer altbekannten Spieleserie direkt oder zumindest im Geiste (weil die Lizenz fehlte) neues Leben einhauchten. Mit dem zusätzlichen Ergebnis, dass Studios wie Larian Studios, King Art, Obsidian Entertainment oder Frontier Development neue Lebenskraft erhalten haben und es ihnen vielleicht sogar mittlerweile besser geht als früher.

Insofern bleibt festzuhalten: Wenn es funktioniert, dann ist Crowdfunding eine wunderbare Sache. Blöd nur, dass die Ausfallrate so hoch ist :smile: .

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