Servus zusammen und herzlich Willkommen zum zweiten Teil meiner Artikelreihe zu meinem neuen Rechner. Dieses Mal geht es um die Themen Prozessor, Mainboard, Arbeitsspeicher und Prozessor-Kühler. Auf geht’s!

Prozessor: AMD Ryzen 7 3700X (325€)

AMD Ryzen 7 (Herstellerbild)

Wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt – und ich habe nebenbei erwähnt echt lange nachgedacht – handelt es sich hierbei doch tatsächlich um meinen ersten AMD Prozessor! Soweit ich mich recht erinnere, besaß ich nämlich bislang: Intel i486DX2, Intel Pentium III 500, Intel Core 2 Duo E6600 und eben zuletzt den Intel i5-2500K. Aber selbst, wenn ich doch schon einen AMD mein Eigen habe nennen dürfen: der nun (abermals?) vollzogene Wechsel von Intel zu AMD fiel mir dann doch sehr leicht. Und das will was heißen, denn noch bis vor Kurzem war ich sozusagen Intel-Fanboy, was ob der Qualität der bislang benutzten Intel Produkte – allen voran dem i5-2500K – auch kein Wunder ist.

Aber mein Glaube geriet zuletzt dann doch gehörig ins Wanken. Und damit spiele ich nicht nur auf die – in Sachen Performance beeindruckende – Aufholjagd gegenüber Intel an, die AMD mit ihren Ryzen-Prozessoren hingelegt hat. Die bloße Arbeits- und Spieleleistung waren tatsächlich nur zweitrangig für meine Entscheidung das Lager zu wechseln. Ausschlaggebend war letztlich das Thema Sicherheit. Ich möchte die ganze Diskussion um „Meltdown“, „Spectre“ und die weiteren Sicherheitslücken hier gar nicht im Detail aufdröseln. Aber was – stand heute – wohl sicher zu sein scheint: AMD hat mit erheblich weniger Sicherheitslücken zu kämpfen als Intel. Und dabei ist es mir egal, wie wahrscheinlich oder unwahrscheinlich es ist, dass ein 0815-Privatanwender wie ich Opfer durch einen Angriff werden kann. Ich möchte diese Lücken einfach nicht haben – beziehungsweise: so wenig wie möglich davon – denn ganz frei von Problemen ist ja wie gesagt auch AMD nicht.

Die Power

Aber nun natürlich auch noch ein paar Sätze zur Leistung: Mein Credo ist in der Regel, erst dann CPU und GPU auszutauschen, wenn sie in praktischen Szenarien mindestens doppelt so viel Leistung bringen, wie die aktuell verbauten Pendants. Bereits die Rohdaten stimmten mich dahingehend optimistisch: 8 Kerne statt 4, 16 Threads statt 4, 4.4 Ghz Boost statt 3,7 Ghz. Dazu die Fertigung in 7nmFinFET statt in 32nm. Von den vielen Verbesserungen in der Architektur, die es seit 2011 gegeben hat mal ganz zu schweigen. Ob es letztlich gereicht hat, werdet ihr aber erst im nächsten Teil erfahren. Ich muss ja die Spannung noch etwas aufrechterhalten :smile: .

Durch das oben erwähnte Sicherheitsthema war es mir dann letztlich auch egal, dass Intel in Spielen nach wie vor – jedoch nur noch relativ knapp – die Nase vorn hat. Zumal AMD wiederrum bei (Mehrkern-)Anwendungen punkten kann und zumindest im Volllastbetrieb auch energieeffizienter ist. Ganz zu schweigen davon, dass ich für den vergleichbaren Intel i9-9900K (der ebenfalls 8 Kerne und 16 Threads bietet) etwa 180 Euro mehr auf die Ladentheke hätte legen müssen.

Angenehmes Detail: Durch gleich zwei AMD-Aktionen bekam ich neben Borderlands 3 auch noch einen dreimonatigen Xbox-Game-Pass für den Kauf des Ryzen 3700X geschenkt. Dadurch verstärkte sich der eh schon „preiswerte“ Eindruck des Ryzen 3700X im Vergleich zum Intel i9-9900K noch weiter. Und tatsächlich nutze ich den Game Pass auch schon fleißig: Gears of War 4 und Metro Exodus sind schon durchgezockt und Forza Horizon 4 steht ebenfalls kurz vor der Vollendung. Gears 5 ist zudem bereits heruntergeladen und schon in Lauerstellung. Hat sich also schon gelohnt :smile: .

Und dann gab es aber auch noch einen weiteren Grund, der mich in das AMD-Lager gezogen hat. Und damit kommen wir zur nächsten Komponente, dem Mainboard.

Kurzfassung der essentiellen Vor- und Nachteile
+ hervorragende Anwendungsleistung
+ sehr gute Spieleleistung
+ sehr gute Effizienz unter Last
+ konkurrenzloses Preis- Leistungsverhältnis
0 Intel bei Stromverbrauch im Leerlauf und Teillast etwas besser (wohl primär chipsatzbedingt)
0 Intel bei Spieleleistung im Durchschnitt nach wie vor etwas besser

Mainboard: Gigabyte X570 Aorus Master (370€)

Gigabyte X570 Aorus Master (Herstellerbild)

„370 Euro für ein Mainboard?!“ wird sich jetzt womöglich der ein oder andere denken. Und in der Tat, man muss nicht zwingend so viel Geld ausgeben. Zumindest, wenn es einem um die bloße Leistung des Rechners geht, denn hier unterscheiden sich erfahrungsgemäß die Einsteigermodelle nur im Rahmen der Messungenauigkeit von den Oberklasse- und Luxusmodellen. Die Unterschiede sind allen voran in Sachen Ausstattung und Übertaktungspotential zu suchen. Da mich letzteres nicht (mehr) interessiert, war es also die Ausstattung, die für mich ausschlaggebend war.

Mir war insbesondere wichtig, dass das künftige Mainboard neben reichlich USB 3.2 Gen 2-Anschlüssen auch über möglichst viele m.2-Steckplätze verfügt – natürlich mit zukunftssicherer PCIe 4.0 x4-Anbindung womit auch zwingend der nagelneue X570-Chipsatz erworben werden musste. Letzteres war wie bereits angedeutet dann eben auch noch ein weiteres Argument in das AMD-Lager zu wechseln, da Intel zum jetzigen Zeitpunkt noch kein PCIe 4.0 anbietet.

Darüber hinaus war integriertes WLAN ebenso Pflicht. Gerade dieses Kriterium ließ die Anzahl möglicher Kandidaten im ATX-Formfaktor auf weniger als ein Dutzend schrumpfen. Dadurch, dass ich letztlich auch nur Asus und Gigabyte ernsthaft in Betracht gezogen habe (ein sehr subjektives Kriterium), blieb – ich kürze etwas ab – am Ende des Tages die Wahl zwischen dem Asus ROG Crosshair VIII Hero Wi-Fi und dem Gigabyte X570 Aorus Master.

Der Vergleich

Das Asus bot mit 8xUSB3.2 Gen 2 und 4xUSB3.2 Gen 1 die moderneren externen Anschlüsse (Gigabyte: 4xUSB 3.2 Gen 2, 2x USB 3.2 Gen 1, 4x USB 2.0), das Gigabyte wiederum verfügte über drei m.2-Anschlüsse (alle über PCIe 4.0 x4 angebunden), das Asus hingegen nur über derer zwei. Weitere Unterschiede, vor allem im Bereich Stromversorgung (Mosfets), Kühlkörper und LED-Bling-Bling interessierten mich nicht wirklich, da ich nicht oder nur minimal übertakten werde und wir uns hier bereits in der absoluten Oberklasse bewegen und die Unterschiede abermals nur absoluten Enthusiasten auffallen würden.

Da eine grobe Recherche ergeben hatte, dass es für die klassischen Eingabegeräte wie Maus, Tastatur und Gamepad gar nicht schlecht ist, wenn man diese weiterhin an USB2.0-Anschlüssen anbringt (USB3.0 kann wohl zu Kompatibilitätsproblemen führen) und Asus wohl in letzter Zeit bei seinen Temperatursensoren etwas mogelt, damit diese niedrigere Werte ausgeben als tatsächlich anliegen, fiel – auch wegen dem dritten m.2-Slot – letztlich die Wahl auf das Gigabyte.

Für Asus hätte noch gesprochen, dass deren BIOS wohl in der Regel ausgereifter und optisch auch ansprechender ist. Da ich aber wie gesagt nicht zu dem Enthusiastenkreis gehöre, der auch das allerkleinste Detail einstellen muss, war das für mich nicht entscheidend. Zwar hatte ich tatsächlich anfangs Probleme mit dem Gigabyte BIOS (die Maus wurde nicht erkannt), ein entsprechendes BIOS-Update brachte aber Abhilfe. Darüber hinaus kann ich bislang überhaupt nicht meckern. Das BIOS ist ausreichend hübsch, bietet alle Einstellungen, die ich brauche und hat eine, für meine Zwecke, sehr gute Lüftersteuerung.

Ein Negativpunkt?

Bleibt noch ein letztes Wort zum Thema „Chipsatzkühler“ zu sagen. Dieser stand ja heftig in der Diskussion, da befürchtet wurde, dass er sehr laut sein würde. In dieser Hinsicht kann ich durchaus Entwarnung geben. Seit den jüngsten BIOS-Versionen lässt sich ein Balanced- und Silent-Modus auswählen. Und spätestens im letzteren ist der Kühler dann nicht mehr aus meinem Gehäuse herauszuhören. Wenn der Lüfter aber aufdreht – was er jedoch bislang nur standardmäßig einmal beim Hochfahren des Rechners macht – dann wird er elendig laut. Mehr Details zu Temperaturen und Lautstärke dann im dritten Teil.

Kurzfassung der essentiellen Vor- und Nachteile
+ herausragende Ausstattung und Anschlussvielfalt
+ sehr gute Kühlung und Stromversorgung
+ sehr schöne Optik, zweifache LED-Beleuchtung
0 BIOS stabil und umfangreich, aber sicher nicht Klassenbester
0 Chipsatzkühler nötig und in „Performance-Modus“ auch sehr laut

Arbeitsspeicher: G.Skill Trident Z Neo, 2x8GB, DDR4-3600, CL 16-16-16-36 (170€)

G.Skill Trident Z Neo (Herstellerbild)

Wohl keine Komponente eines Rechners schafft es, mich so nervös zu machen, wie der Arbeitsspeicher. Warum? Nun, da wäre zum einen mein persönliches Trauma, dass ich mir beim vorletzten Computer eingehandelt habe: in einem unaufmerksamen Moment habe ich – mit entsprechendem Druck – versucht, den damaligen RAM verkehrt herum in den Mainboard-Slot hineinzudrücken. Die Folge: nicht nur der Speicherriegel, auch das Mainboard waren hinüber. Natürlich war das damit kein Garantiefall womit mir letztlich Mehrkosten von ca. 500 Euro entstanden. Aber ok, selbst dran schuld. (Anm. d. Red.: Gewisse, namentlich nicht näher benannte Webmaster haben das auch schon geschafft)

Zum anderen ist da die Sache mit der Kompatibilität. Natürlich: es gibt die entsprechenden QVLs (qualified vendor lists). Nur stehen dort häufig nicht alle unterstützten Produkte drauf. Insbesondere kommt es vor, dass nagelneue RAM-Module nicht geführt werden. So auch dieses Mal: streng genommen wird von meinem Arbeitsspeicher lediglich das 32-GB-Kit geführt (und dann auch noch mit fehlerhaften Daten). Nun ist es zwar sehr wahrscheinlich, dass auch das kleinere Kit funktioniert, wenn auch das große Kit unterstützt wird. Aber garantiert wird es eben nicht.

Und dann ist da noch die Sache mit den schwankenden Preisen: bislang hatte ich immer ein Händchen dafür, just dann einen neuen Rechner kaufen zu müssen, wenn die Preise für Arbeitsspeicher sich auf einem Allzeithoch befanden.

Aber ok, ich bin erfreut, berichten zu können, dass dieses Mal der RAM richtig eingebaut wurde, vom Mainboard anstandslos erkannt wurde und die Preise ausnahmsweise auch eher im Keller waren. Alles also sehr gut. Bleibt zu erklären, weshalb ich mich ausgerechnet für diese Riegel entschieden habe.

Das Rationale

Fangen wir damit an, dass ich 16GB für einen Standard-Gamer wie mich aktuell und wohl auch noch in den nächsten Jahren für absolut ausreichend halte. Ich habe vor dem Kauf einige Tests gemacht und mir die RAM-Auslastung meiner vorherigen 8GB angeschaut. Ergebnis: ich habe nicht einmal diese 8GB ausgereizt. Und wie erwähnt unterstützt mein Mainboard auch die 32-GB-Bestückung mit meinem Arbeitsspeicher. Ich hätte also die Möglichkeit hier noch unproblematisch nachzurüsten.

Für 3600Mhz habe ich mich deswegen entschieden, weil das bei den Ryzen3000-Prozessoren bzw. dem X570-Chipsatz der „Sweet-Spot“ zu sein scheint. Ich zitiere hier mal Computerbase:

„In aller Kürze: Bis zu einem Takt von DDR4-3600 arbeiten die internen Teiler mit 1:1:1 (MEMCLK = UCLK = FCLK). Darüber hinaus verweilt das IF bei 1.800 MHz und das UCLK wird gegenüber dem MEMCLK halbiert, was eine „Straflatenz“ nach sich zieht.“

Darüber hinaus kommt es – wenn man wirklich das letzte Quäntchen Leistung haben will – eher auf die Timings und auch Sub-Timings an. Und das ist eben auch der Grund, weshalb ich mich für die, dann doch recht teuren CL16-16-16-36-Riegel entschieden habe. Die Variante mit CL16-19-19-39 hätte ganze 50 Euro weniger gekostet. Wobei ich hinzufügen muss, dass diese günstigere Variante nicht über die, in der Community hochgelobten und stets empfohlenen „Samsung B-Dies“ verfügt, denen man eine besonders hohe Wertigkeit und auch Übertaktbarkeit nachsagt.

Ach und meine Riegel verfügen über eine LED-Beleuchtung. Und wo ich beim Gehäuse noch die Meinung vertrete, dass dieses nicht blinken und leuchten soll, muss ich gestehen, dass ich von der RAM-Beleuchtung echt angetan bin. Liegt auch daran, dass die G.Skill Trident Z Neo’s über eine der besten Beleuchtungen verfügen. Ist wirklich sehr hübsch anzuschauen und in der Tat den Aufpreis wert (wenn man, wie ich, eine Glastür im Gehäuse hat).

Kurzfassung der essentiellen Vor- und Nachteile
+ mit 3600Mhz im „Sweet-Spot“ für die Ryzen-CPU
+ Samsung B-Dies, also sehr hohe Wertigkeit und Übertaktbarkeit
+ grandiose LED-Beleuchtung, programmierbar
0 16GB aktuell und mittelfristig noch ausreichend, langfristig aber wohl Aufrüstung auf 32GB nötig
– hoher Aufpreis für LED-Beleuchtung, die Samsung B-Dies und die niedrigen Sub-Timings

Prozessorkühler: Scythe Fuma 2 (50€)

Scythe Fuma 2 (Herstellerbild)

Es ist ja durchaus löblich, dass AMD ab Werk seine Prozessoren mit Kühler ausliefert. Und der „Wraith Prism“ scheint auch echt nicht schlecht zu sein. Aber im Vergleich mit den Produkten von Drittherstellern ziehen diese Standardvarianten eben häufig doch deutlich den Kürzeren. Ich habe anfangs durchaus darüber nachgedacht, dem „Wraith Prism“ wenigstens mal eine Chance zu geben. Immerhin übertakte ich ja wie gesagt nicht. Aber der Gedanke an den nötigen Zeitaufwand, einen Prozessorkühler wieder zu demontieren und den neuen zu montieren, hat mich dann doch dazu bewogen, es gleich mit einem besseren Kühler anzugehen. Meine Wahl fiel dabei – wie schon zuletzt – auf die Firma Scythe und deren Modell Fuma 2.

Die Begründung kann ich kurzhalten: der Kühler erreicht zwar nicht die absoluten Spitzenwerte der – allerdings auch immens schweren und riesigen – Referenzkühler (z.B. Noctua NH-D15), kommt diesen aber verdammt nahe. Er ist dabei aber wie bereits erwähnt kleiner, leichter, günstiger und verfügt – was mir besonders wichtig war – über ein sehr einfaches Montagesystem. Wie die genauen Temperaturwerte aussehen und wie laut oder leise sich die Lüfter verhalten, erfahrt ihr im nächsten Artikel. Ich kann jedoch schon einmal spoilern, dass ich bislang sehr zufrieden bin.

Kurzfassung der essentiellen Vor- und Nachteile
+ einfaches Montagesystem
+ sehr gute Leistung bei Kühlung und Lautstärke
+ dennoch nicht so riesig wie die absoluten Referenzkühler
+ mit 50 Euro „preiswert“
0 es geht noch kühler, noch leiser – aber dann eben auch schwerer und größer

Und damit wären wir für heute am Ende. Im nächsten und letzten Teil geht es dann noch um die Themen Grafikkarte, Datenspeicher, Soundkarte sowie Benchmarks und erste Eindrücke des Systems.
Bis dahin!

ECOVACS Robotics DEEBOT OZMO 930

Nein, heute gibt es noch nicht den nächsten Teil zu Azzkickrs neuster Daddelkiste. Total gemein, ich weiß. Schließlich wird es in Teil 3 erst so richtig interessant u.a. mit seinem Prozessor. Spoiler: Er hat weniger Kerne als ich von unserem Hardware-Experten erwartet hätte! *setzt einen enttäuschten Blick auf* Aber ich muss euch doch endlich mal von unserem neusten Familienmitglied berichten. Wir nennen es liebevoll ChuChu, sein bürgerlicher Name ist jedoch „ECOVACS Robotics DEEBOT OZMO 930„. Ja, wir haben uns einen Saug- und Wischroboter angeschafft.

Der Name ist natürlich nicht ganz zufällig gewählt. „ChuuChuu“ ist die japanische Lautmalerei für einen Kuss oder das Geräusch beim Aufsaugen von Flüssigkeiten. Und es ist zudem der Name eines Monsters (ein „Humanoides Mückenwesen“) aus dem Sailor V-Manga, welches den Menschen per Blutspende die Energie stehlen möchte. Nein, ich habe keine Ahnung warum im Sailor-Moon-Universum immer alle Energie klauen wollen. Red Bull gibt es doch schon seit 1987. Ich weiß aber, dass Lysanda ein absolutes Sailor Moon-Fangirl ist. Also gab’s da keine langen Diskussionen :wink: .

Hintergrund

Ein Saug- und Wischroboter also. Meines Wissens unser erstes Internet-of-Things-Gerät im Haushalt. Braucht man sowas? Absolut nicht. Saugen und Wischen kann man auch manuell oder eine Putzfrau bezahlen. In einem Haushalt mit fünf Katzen, in dem zudem die Dame des Hauses gerne barfüßig durch die Gegend läuft, heißt das aber leider praktisch jeden Tag saugen und mindestens einmal die Woche wischen. Bitte? Nein, Lysandas Füße werden nur immer so dreckig – war nicht so gemeint, dass sie den Boden verschmutzt durchs herumlaufen. So oft habe ich logischerweise nie gereinigt, weil ich dazu schlicht keinen Bock hatte (Sorry, Mama!). Und da andere Katzenbesitzer ebenfalls so sehr von den kleinen Brummern schwärmen, keimte auch in uns schon länger der Wunsch so ein Ding anzuschaffen. Und warum nur einen Saugroboter holen, wenn es mittlerweile preislich vertretbare Varianten mit beiden Funktionen gibt? Eben.

Meine Erfahrungen in dem Bereich waren jedoch quasi nicht vorhanden. Vom Pionier auf dem Gebiet, dem Roomba von iRobot, haben wir zwar alle schon einmal gehört. Aber zum einen haben die keine Kombigeräte und zum anderen sind die preislich in vollkommen anderen Sphären unterwegs als ich es unserem Geldbeutel zumuten wollte. Stattdessen habe ich getan, was man als fähiger Konsument halt so macht: Im Internet Testberichte und Meinungen gesucht, gelesen und in einen Kontext gesetzt. Und da stach der ECOVACS Robotics DEEBOT OZMO 930 als rundum gutes Gerät für seine Preis- und Funktionsklasse (Saug- und Wischroboter für um die 500-600€) heraus.

Warum die Wahl nicht auf das neue Modell der Reihe fiel, den 950? Ganz einfach: 210€. Durch den Release des 950, ist der Preis des 930 von 600€ auf 380€ gesunken. Und die aus meiner Sicht überschaubaren Unterschiede (u.a. kann sich der 950 mehrere Stockwerke merken und hat eine längere Akkulaufzeit) waren mir den Aufpreis absolut nicht wert. Er muss bei uns nur das Erdgeschoss bearbeiten und dafür reicht die Akkuleistung locker aus. Aber dazu gleich mehr. Ach und die 20 Euro Aufpreis nur dafür, dass er weiß statt schwarz ist haben wir uns natürlich ebenfalls gespart.

Der Roboter

ChuChu von unten

Für unser Geld haben wir einem 4,6kg schweren, 35,4cm breiten und 10,2cm hohen schwarzen Kreis bekommen. Ein nicht gerade kleines Ding und ja, mit 10cm Höhe gehört er wohl auch zu den etwas größeren Vertretern seiner Art. Bei uns gibt es aber keine relevanten Stellen an die er deshalb nicht rankommt. Problematischer sind da schon Ecken, schließlich ist er rund und vorsichtig. Das passt nicht ganz zusammen, wie wir schon im Kindergarten gelernt haben. Wer also glaubt, dass er nach der Anschaffung eines Robos nie wieder saugen/wischen muss, den darf ich an dieser Stelle sofort enttäuschen. Auch die Wischkraft ist nicht sonderlich groß. Hartnäckige Flecken bekommt er nicht weg, da er einfach nur in seinem Tempo einmal drüberfährt. Doch ich greife schon wieder vor.

Nach der Lieferung gilt es erst einmal den Kleinen zusammenzubauen. Er ist nämlich erfreulich modular aufgebaut. Alle reinigenden Teile lassen sich ohne viel Aufwand an- und abbauen (und somit gut saubermachen) und es gibt Ersatzteile dafür (es ist sogar für alles bis auf die Bürste gleich Ersatz mit dabei!). Konkret befindet sich am Hinterteil der Wasserbehälter (250ml) an dem ihr ein Mikrofasertuch befestigt für die Nassreinigung. Dann gibt es eine Bürste in der Mitte vor dem Einsaugloch und zwei sich drehende Wedel an der Front. Diese schleudern den Dreck in Richtung Robomund. Unter einer Klappe auf der Oberseite befindet sich hingegen der Staubbehälter (470ml) mit gleich zwei Filterstufen dran (gut für Allergiker) und ein kleines Multitool zur Unterstützung bei der Reinigung. Außerdem verstecken sich hier der Ein- und Ausschalter, der Resetknopf und ein sogenannter „Upgrade Port“.

Wichtig: Ist der Wasserbehälter gesteckt, ist der Roboter automatisch im Saug- und Wischmodus (der Sauger ist logischerweise vor und nicht hinter dem Wischtuch). Wollt ihr nur saugen, müsst ihr den Behälter abziehen. Die Bürste empfiehlt sich hingegen zu entfernen, wenn ihr z.B. viele Haare oder sowas herumliegen habt, die sich darin verheddern könnten. Hatten wir bislang aber kein Problem damit. Allerdings haben wir bekanntlich derzeit auch keine Maine Coons :smile: .

Habt ihr den kleinen zusammengebaut, gilt es noch einen Platz für die Ladestation zu finden. Die ist sein Dreh- und Angelpunkt, muss also jederzeit zugänglich sein und ausreichend Platz (1m in der Front, 50cm zu beiden Seiten) vorhanden sein, damit er andocken kann. Dann den DEEBOT draufgesetzt und los geht’s!

Die (zensierte) Hauptansicht

Die Einrichtung

Sobald man den OZMO 930 auf die Ladestation gesetzt und angeschaltet hat, kann er direkt loslegen. Ein Druck auf den einzigen (von außen sichtbaren) Button mit der Aufschrift „Auto“ und er beginnt mit seiner Arbeit. Auf seinem Rücken hat der Roboter einen kleinen Bruder, der die Umgebung scannt. Dabei wird eine interne Karte erstellt und ein entsprechender Reinigungswegs festgelegt (im Idealfall in gerade Linie nach vorne, wenden, in gerade Linie ein wenig versetzt wieder zurück, etc.) – ECOVACS nennt das Smart Navi 3.0-Technologie. Solange ihr ihn oder die Ladestation nicht im Betrieb versetzt, weiß er also immer wo er gerade ist, was er schon gemacht hat und findet selbstständig wieder zum Ausgangspunkt zurück. Ach und er weiß natürlich auch wo Hindernisse sind und versucht sie entsprechend zu umgehen. Klappt nicht immer z.B. bei Stuhlbeinen aber er ist grundsätzlich sehr vorsichtig was das Tempo in der Nähe von Hindernissen angeht und dank seiner flexiblen Stoßstange mit eingebautem Infrarot-Anti-Kollisionssensor kann ihm auch nichts passieren. Zusätzlich hat er unten an der Front einen Satz Sensoren. Die erkennen zum einen, ob er sich gerade in den Abgrund stürzen möchte (=Treppe) und verhindern das. Zum anderen erkennen sie die Art des Bodens. Im Wischmodus sieht er so quasi Teppiche und umfährt sie, statt nass drüber zu fahren.

Der OZMO 930 macht also prinzipiell bereits ohne Zugang zu eurem WLAN seine Arbeit und funktioniert. Aber damit verzichtet ihr logischerweise auf einige Zusatzfunktionen, die das Gerät bietet und den ganzen IoT-Kram. Also heißt es auf einem Smartphone eurer Wahl die dazugehörige App ECOVACS Home herunterladen. Es gilt zuerst den Roboter ins WLAN zu bringen und dann mit eurem Smartphone zu verknüpfen. Dabei ist zu beachten, dass der OZMO 930 nur 2,4Ghz-WLAN kann. Wer also Zuhause nur mit 5 Ghz unterwegs ist, muss wohl oder übel doch noch die zweite Frequenz aktivieren. App öffnen, Robo-Art auswählen, WLAN-Passwort eintippen und los geht’s – also zumindest ist der Robo dann im WLAN und fängt wohl schon fleißig an mit der ECOVACS-Cloud zu kommunizieren in der auch die Karte abgespeichert wird. Unter anderem prüft er ob eine neue Firmwareversion vorhanden ist. Im zweiten Schritt drückt ihr den Resetknopf und ihr müsst euch mit der in diesem Moment eigens generierten SSID eures Roboters verbinden. Nach ein bisschen Wartezeit in der eine Anzeige auf 100% hochzählt, ist es geschafft. Das ist quasi die eigentliche Konfiguration und Verbindung mit der App. Und das war’s. Das Smartphone wechselt automatisch in euer Standard-WLAN zurück, der Roboter sagt „Hallo“ (ja, er kann sprechen – in mehreren Dutzend Sprachen) und es kann losgehen.

Die Sicherheit

Bevor wir genauer auf die App und die Funktionen eingehen, ein Wort zum Thema Sicherheit. Ich habe dazu tatsächlich nur einen einzigen, kurzen Artikel gefunden, der sich mit einem ECOVACS-Produkt beschäftigt. Das finde ich erschreckend! Keine der Dutzenden Testseiten für Saugroboter scheint sich damit zu befassen. Der Artikel ist hingegen auch schon wieder über zwei Jahre alt und bezieht sich entsprechend nicht nur auf ein wesentlich älteres Modell, sondern zudem auf eine ältere Soft- und Firmwareversion. Andererseits: Wir kennen ja leider die Bereitwilligkeit von Firmen sich mit ihren Sicherheitslücken zu beschäftigen. Insofern befürchte ich, dass kein einziges der von ihm genannten Probleme behoben wurde.

Die Verbrauchsanzeige

Sicher ist auf jeden Fall, dass die Karte eurer Wohnung (im Falle des OZMO 930 immerhin nur eine Etage) über einen Jabber-Service irgendwo nach Hintertupfingen geschickt und dort gespeichert wird. Während die Verbindung der App mit dem Server zumindest über eine damals wohl schlecht konfigurierte HTTPS-Abfrage lief, kommunizierte der Roboter nur per HTTP mit diesem Server. Dort musste er sich zwar einloggen, aber die Zugangsdaten sind anscheinend schlicht die Seriennummer des Geräts. Dürfte nicht sonderlich schwer sein da eine gültige per Bruteforce zu finden und dann den dazugehörigen Roboter auszulesen. Schlimmer noch: die Firmware-Updates lagen unverschlüsselt rum. Und soweit ich feststellen konnte, ist das vom Roboter bereitgestellte WLAN zur Konfiguration komplett ungeschützt. Ja, das Netz taucht erst im Konfigurationsmodus auf. Aber anders als im Artikel beschrieben scheint dafür nach der ersten Verknüpfung mit der App kein physikalischer Knopfdruck mehr notwendig, um die SSID sichtbar zu machen. Das ging einfach über die App als der Robo mal die Verbindung verloren hatte.

Die Nachteile von IoT

Was könnte also passieren? Nun, zum einen könnte jemand in den Besitz des Grundrisses der von ChuChu befahrenen Etage kommen. Da sind zwar keinerlei zusätzliche Informationen enthalten (es ist nur ein 2D-Radarbild), den Nutzen für z.B. einen Einbrecher halte ich entsprechend für gering, aber schön ist es natürlich trotzdem nicht. Schlimmer ist vermutlich, dass er theoretisch den Roboter als Backdoor in euer WLAN nutzen könnte. Soweit ich das verstanden habe, könnte der Angreifer über eine modifizierte App sich mit dem Roboter verbinden und dann im schlimmsten Fall direkt die Zugangsdaten auslesen, weil sie vermutlich unverschlüsselt dort rumliegen. Er ist aber dann zumindest schonmal im WLAN drin und könnte sich dann von dort vorarbeiten.

Wie gesagt: Ich habe keine Ahnung ob diese Probleme mit der aktuellen Generation noch vorhanden sind. Ich bin zu doof dafür das selbst herauszufinden und im Netz habe ich nichts gefunden. Ich würde aber mal vom Schlimmsten ausgehen. Was ist also mein Tipp? Ehrlich gesagt „Kein IoT-Gerät“ anschaffen. Das scheint leider immer noch die beste Variante bis Kunden und Firmen endlich mal lernen, dass das alles scheiße ist. Zumindest aber würde ich den Roboter nur ins Gast-WLAN stecken und diesem möglichst minimale Rechte erteilen. Das stört ihn nicht und da kann im Zweifel der digitale Einbrecher nicht ganz so viel Schaden anrichten (hoffe ich zumindest). Aber vielleicht hat unser IT-Experte Rondrer da ja noch was in den Kommentaren zu sagen.

Die App-Funktionen

Die Ladestation ist klein, man braucht aber viel Platz davor und daneben.

Nun gut: Roboter und App sind verbunden. Was kann die nun Tolles? Die Hauptansicht besteht aus der (beim ersten Aktivieren noch nicht vorhandenen) Karte, dem aktuellen Roboterstatus (inkl. Ladestand), etwas Statistik und den vier Kontrollbuttons. Viel tun könnt ihr aber eh noch nicht, da ihr den DEEBOT erst einmal im Automodus losschicken und seine Arbeit machen lassen müsst. Erst wenn er einmal von alleine die komplette Umgebung abgefahren hat (natürlich inkl. Reinigung) und selbstständig zur Ladestation zurückgefahren ist, ist die Karte für ihn vollständig, wird abgespeichert und die weiteren Funktionen werden freigeschaltet. Zuerst teilt der Roboter nach mir unbekannten Kriterien (vermutlich definiert er bestimmte Arten von Engstellen als Türen) die Karte in separate Bereiche ein, die ihr leider auch nicht anpassen könnt. So ist für ihn unser Wohn- und Esszimmer ein einziger Bereich, während der Flur in zwei geteilt wurde. Sinn und Zweck dieser Funktion ist, dass ihr den Roboter auf Wunsch einen oder mehrerer dieser Bereiche reinigen lassen könnt statt komplett alles abzufahren.

Gleichzeitig gibt es die Möglichkeit temporäre, benutzerdefinierte Bereiche festzulegen. Habt ihr also gerade beim Essen Dreck unter dem Tisch verursacht, macht ihr ein Kästchen um diesen Bereich und schon legt er los. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit ihm „virtuelle Grenzen“ zu setzen. Es ist zum Beispiel äußerst unpraktisch, wenn er versucht den Futterplatz der Katzen zu reinigen. Also einfach in der Kartenverwaltung vor diesem Bereich eine Linie gezogen und schon meidet ChuChu diese Ecke. Sehr praktisch!

Alles was man braucht

In den Einstellungen könnt ihr hingegen in vier Stufen festlegen, wie viel Wasser er beim Wischen verbrauchen soll, könnt Reinigungen planen sowie die letzten Protokolle einsehen (wann hat er wieviele m² in wieviel Zeit gemacht). Außerdem gibt es eine Anzeige zur Verbrauchsmaterialnutzung, die aber einfach nur die Betriebsstunden berücksichtigt und somit keine echte Aussage über den Zustand trifft. Man sieht zudem die installierte Firmwareversion (mit Updatemöglichkeit), kann die Sprachfunktion an- und ausschalten sowie die Art der Sprache ändern und hat Zugriff auf eine Karte der WLAN-Abdeckung in den einzelnen Bereichen der Karte. Und wenn einem der DEEBOT mal abhandengekommen ist, gibt es einen Button „DEEBOT Suchen“, der dazu führt, dass sich der kleine lautstark bemerkbar macht.

Der Staubbehälter nach zwei Teilreinigungen

Alles in allem habe ich in der App an Funktionen bislang nur eine Sache vermisst: Eine Füllstandsanzeige für den Wasserbehälter. Getestet habe ich es zwar noch nicht, aber gefühlt interessiert es ChuChu nicht ob Wasser im Behälter ist oder nicht. Ist der Wasserbehälter gesteckt, ist er einfach im Wischmodus. Ein wenig doof aber zumindest in unserem Einsatzfall nicht ganz so schlimm. Der zweite Negativpunkt ist hingegen, dass es mit meinen dicken Wurstfingern mitunter nicht ganz so einfach ist die virtuellen Grenzen zu setzen bzw. einen benutzerdefinierten Reinigungbereich festzulegen. Aber so ist das halt mit Touch-Bedienung. Insofern bin ich mit der App unter dem Strich absolut zufrieden. Schon allein, weil es irgendwie extrem entspannend ist ChuChu auf der virtuellen Karte (wird live aktualisiert) bei seiner Arbeit zuzuschauen.

Die Praxis

So viel zum Drumherum. Kommen wir endlich zur wichtigsten Frage: Wie macht er sich in der Praxis? Die kurze Antwort: Sehr gut. Laut Statistik hat er bei uns bislang in 22 Reinigungsvorgängen 257m² in knapp 6 Stunden gereinigt. Für eine komplette Reinigung der frei zugänglichen Bereiche der gesamten Etage (vier Zimmer plus Flur ohne Arbeitszimmer, weil da zu viele Kabel rumliegen) braucht er eine Stunde (43m²). Türschwellen machen ihm keine Probleme (er kann wohl bis 1,6cm überwinden) und die Lautstärke von ChuChu gibt ECOVACS mit 65dB an. Das ist weniger als ein normaler Staubsauger und definitiv noch angenehm. Auch die Katzen haben im Gegensatz zu unserem normalen Hausstaubsauger mit ihm kein Problem. Im Gegenteil hat ihn Maya sogar bereits adoptiert. Sie läuft ihm nach und stupst ihn an, wenn er gerade mal eine Denkpause macht oder an einem Stuhlbein scheitert. Anders als die Katzenvideos im Internet es einen glauben machen wollen, hat sich aber noch niemand draufgesetzt und ist mitgefahren.

Die Katzen überwachen ChuChu bei der Arbeit

Die Qualität der Reinigung selbst ist absolut okay. Wie oben erwähnt schafft er es nicht hartnäckige Flecken (z.B. getrocknetes Mäuseblut) zu entfernen, er kommt in keine Ecken rein und umgeht Hindernisse (auch Katzen) im Zweifel eher großzügig. Aber die grobe Arbeit auf den großen Fliesen- und Laminat-Flächen (Stichwort Laufwege, Küche, Esstisch) meistert er sehr gut und sammelt einiges auf, was ansonsten an Lysandas Füßen hängen bleiben würde. Ist also ein spürbarer Unterschied. Teppiche haben wir zwar auch ein paar kleinere, die stehen aber immer voll oder ich nehm‘ sie weg. Entsprechend haben wir da noch keine Erfahrung. Bei einer Betriebszeit laut Hersteller von 110min, hatten wir zudem noch nicht die Situation, dass er Zwischendurch mal Nachtanken gehen musste. Somit sind wir absolut zufrieden mit dem Kleinen. Wichtig ist nur: Der Reinigungsbereich muss frei sein von Kabeln, Bändern, niedrigen Kartons und ähnlichem Krimskrams sein, den man vor allem als Katzenbesitzer gerne mal herumliegen hat. Da verheddern sich ansonsten die Bürsten oder er zieht was mit durch die Gegend. Ach und Katzenkotze sollte man ebenfalls vorher wegmachen – nur so als Tipp :smile: . Daher darf ChuChu auch niemals in unserer Abwesenheit fahren.

Übrigens: Das Wischtuch ist ein 08/15-Mikrofasertuch, welches sich wie ein normaler Lappen einfach in der Waschmaschine waschen lässt. Auch ein Grund für die Wahl des ECOVACS Robotics DEEBOT OZMO 930, da viele andere Hersteller auf verschwenderische Einmal-Tücher setzen.

Fazit

Abseits der oben erwähnten Sicherheitsaspekte mit denen leider vermutlich jeder Saug- und Wischroboter zu kämpfen hat, können wir unseren kleinen ChuChu absolut nur empfehlen. Ja, er ersetzt das manuelle Putzen/die Putzhilfe nicht vollständig. Aber zumindest in unserem Haushalt mit zwei Erwachsenen und fünf Katzen macht es einen saumässigen *wink* Unterschied, wenn er regelmäßig seine Runden dreht. Vor allem die Möglichkeit ihn einfach spontan mal loszuschicken, weil ich mal wieder die Aminosäuren auf dem Boden verteilt habe statt sie in mein Glas zu schütten, ist echt praktisch. Somit passen Preis, Funktionalität und Ergebnis für mich als bislang unerfahrener Roboterbesitzer absolut zusammen.

Na dann mal herzlich Willkommen zum ersten Teil meiner kleinen Artikelreihe!

Kurz zur Struktur der nachfolgenden Ausführungen: das alles dient nicht dazu mein Schreibbedürfnis zu stillen – welches ich im Gegensatz zum Webmaster nämlich gar nicht besitze. Stattdessen möchte ich euch eine kleine Kaufempfehlung liefern. Deshalb werde ich zu jeder Komponente einerseits meine rein subjektiven Kaufgründe darlegen aber andererseits auch abschließend die größten Vor- und ggf. auch Nachteile des jeweils verbauten Stücks Hardware zusammenfassen. Los geht’s.

Gehäuse: Fractal Design Define S2 Tempered Glass Blackout (120 Euro)

Fractal Design Define S2 Tempered Glass Blackout (Herstellerbild)

Das Gehäuse erachte ich traditionell als eine der wichtigsten Komponenten an einem Computer. Während für viele das Gehäuse einfach nur der Kasten ist, in welchem sich die vermeintlich wichtigeren und aufregenderen Bauteile befinden, wird in meinen Augen mit der Gehäusewahl im schlimmsten Fall bereits die Weiche dafür gestellt, ob man mit dem späteren finalen System (und beim Zusammenbau desselbigen) Probleme haben wird, oder eben nicht.

Aber beginnen möchte ich erstmal mit der Frage nach der Optik. Ich persönlich habe es gerne schlicht und elegant und glücklicherweise gibt es auf dem Markt mittlerweile auch mehrere hochwertige Gehäuse, die diesen optischen Anspruch erfüllen. Bis vor einigen Jahren schien mir dies, zumindest meinem subjektiven Eindruck nach, noch ganz anders zu sein. Die Gehäusehersteller überboten sich regelrecht mit absurden, in meinen Augen unfassbar hässlichen Gehäuseformen. Gerne kombiniert auch mit Mesh-Einsätzen und möglichst viel LED-Bling-Bling. Aber ok, Geschmack ist ja bekanntlich relativ.

Ich habe mich letztlich für das Fractal Design Define S2 Tempered Glass Blackout entschieden. Es bietet eine einfache, rechteckige Form, eine schöne, geschlossene Aluminiumfront und eine edle, abgedunkelte Glastür. Es macht sich somit sehr gut im Wohnzimmer und wirkt nicht – wie so viele andere Gehäuse – wie ein abgefahrener, billig blinkender Plastik-Fremdkörper.

Luftig leise

Darüber hinaus lege ich bei Gehäusen sehr viel Wert auf Platz und ein gutes Kabelmanagement. Beides bietet das S2. Insbesondere im Vergleich zu seinem ungleich berühmteren Bruder, dem Define R5. Denn im Gegensatz zu letzterem bietet das S2 keine Laufwerkskäfige mehr hinter der Frontblende. Es fehlt also die Möglichkeit, optische Laufwerke zu montieren. Ein Preis, den ich jedoch gerne bereit bin zu zahlen. Denn einerseits nutze ich seit Jahren eh keine optischen Medien und 3.5″ Festplatten mehr (wobei man letztere weiterhin hinter dem Mainboard-Blech verbauen kann), andererseits schätze ich die „cleane“ Optik und den Freiraum beim Einbau der Hardware. Ganz abgesehen davon, dass die angesaugte Luft der beiden vorderen Gehäuselüfter letztlich auch besser zu den verbauten Komponenten gelangen kann.

Stichwort Lüfter: die insgesamt drei verbauten Lüfter sind allesamt schön leise und frei von Nebengeräuschen. Sicherlich von Vorteil ist auch die rückseitig verbaute Dämmmatte. Inwiefern sich die Glastür negativ auf den Geräuschpegel auswirkt (im Vergleich zu einer gedämmten Aluminiumtür) kann ich natürlich nicht einschätzen. Auch ist die Oberseite des Gehäuses nicht ganz geschlossen, weil hier grundsätzlich die Möglichkeit besteht, Radiatoren oder weitere Lüfter zu installieren. Generell bietet das Gehäuse noch eine Vielzahl weiterer Funktionen, die ich aber allesamt nicht benötige, da ich auf ein möglichst einfaches, luftgekühltes System setze. Ebenfalls von mir ungenutzt bleibt die werkseitig verbaute Lüftersteuerung des Gehäuses. Eigentlich eine sehr feine Sache, die aber aufgrund meiner a) überschaubaren Anzahl von verbauten Lüftern und b) der ausreichend guten Mainboard-Lüftersteuerung in meinem persönlichen Fall unnötig ist.

Noch mehr Luxus

Bleibt letztlich nur noch zu erwähnen, dass ich nun endlich auch Front USB3 bzw. USB3.1 habe. Um ganz genau zu sein und der dämlichen, neuesten Typbezeichnung folgend habe ich an Frontanschlüssen nun 2x USB 3.2 Gen 1 und 1x USB3.2 Gen 2 Typ C. Alles klar?! :smile:

Das war tatsächlich auch der entscheidende Grund dafür, weshalb ich mein „altes“ Corsair-Big-Tower Gehäuse nicht weiterverwendet habe. Ich war es einfach leid, jedes Mal hinter den Rechner krabbeln zu müssen, wenn ich mal meine externe USB3.0-Festplatte anschließend wollte.

Denn einen Vorteil hatte das riesige Corsair-Gehäuse dann doch im Vergleich zum Fractal-Pendat: aufgrund der schieren Größe und der immensen Freiräume nicht nur rechts, sondern auch ober- und unterhalb des Mainboards, war die Verkabelung desselbigen noch ein ganzes Stück einfacher. Beim Fractal musste ich mich gerade mit dem oben platzierten CPU-Stromanschluss sowie den unten platzierten Anschlüssen echt ziemlich verbiegen, bis die Kabel fest im Sockel saßen. Aber ok, das ist nun wirklich jammern auf sehr hohem Niveau.

Nach nun drei Wochen Erfahrung kann ich das Fractal Design Define S2 nur ausdrücklich weiterempfehlen, sofern man auf schlichte, aber edle Gehäuse steht und keine optischen Laufwerke mehr benötigt. Es ist hervorragend verarbeitet, bietet reichlich Platz (auch für die rückseitig verlegbaren Kabel) und ist sehr leise. Unnötig zu erwähnen, dass auch diverse Testberichte das ganz ähnlich sehen.

Kurzfassung der essentiellen Vor- und Nachteile
+ Edel
+ Glasfenster
+ Front-USB3.2 Gen 2
+ leise Gehäuselüfter
+ Lüftersteuerung ab Werk
0 etwas fummelige Verkabelung durch wenig Platz ober- und unterhalb des Mainboards

Netzteil: be quiet! Straight Power 11 650W (100 Euro)

be quiet! Straight Power 11 650W (Herstellerbild)

Kommen wir nun zu einem der am wenigsten attraktiven Themen an einem Rechner: dem Netzteil. Wenn man die nötige Leidenschaft und das entsprechende technische Know-How mitbringt, könnte man sicherlich an dieser Stelle seitenweise über solche Dinge wie Schutzschaltungen, Spannungen (und den dazugehörigen Schwankungen) und Effizienz in verschiedenen Lastbereichen philosophieren. Nur: mir fehlen eben dieses Interesse und Wissen. Für mich wichtig: neben einer grundsätzlich guten Qualität (hier verlasse ich mich blind auf Testberichte), einer ordentlichen Effizienz (hier verlasse ich mich blind auf das „Effizienz-Siegel“) muss die Watt-Zahl passen und es muss vollmodular sein.

Bezüglich der Qualität ist es erfreulich, zu berichten, dass man ab der Oberklasse eigentlich nichts grundlegend verkehrt machen kann, sofern man sich an einen der bekannten Hersteller hält. Ob nun, wie in meinem Fall bequiet! oder Produkte von z.B. Seasonic: die Unterschiede sind meinem Wissensstand nach marginal und interessieren wohl nur die oben angesprochenen Enthusiasten, die dann auch sicher über weitaus komplexere Systeme verfügen.

Zu viel Power?

Da das von mir auserwählte Netzteil sowohl über die gewünschte volle Modularität als auch über ein sehr ordentliches „80 Plus Gold-Siegel“ verfügt, bleibt letztlich nur die Frage nach der Watt-Zahl. Und hier habe ich mich zwar bewusst, aber vermutlich unnötiger Weise für das 650 Watt-Modell entschieden.

„Vermutlich unnötig“ deswegen, weil in meiner aktuellen Konfiguration – die euch ja an dieser Stelle noch nicht bekannt ist – definitiv auch das kleinere 550 Watt Pendant gereicht hätte. Dass ich mich dennoch für die „stärkere“ Variante entschieden habe, lag letztlich daran, dass ich einen Puffer für mögliche zukünftige Komponenten haben wollte, wohl wissend, dass der Trend ja eher hin zu besserer Energieeffizienz geht. Dennoch: wer weiß, welche Grafikkarten-Monster uns in Zukunft erwarten, wenn die nächste Konsolengeneration erschienen ist und sich 4K (oder höher) endgültig durchgesetzt haben. Von solchen Nischenthemen wie VR mal ganz abgesehen.

Modular aber unflexibel

Einen letzten Punkt möchte ich aber doch noch ansprechen. Denn hier hätte ich mich tatsächlich etwas besser informieren können. Habe ich im Abschnitt zum Gehäuse noch über die etwas fummelige Installation der Stromkabel ausgelassen, habe ich zwischenzeitlich erfahren, dass dieser Stress mit anderen Kabeln ggf. vermeidbar gewesen wäre. Es gibt nämlich mitnichten nur die recht starren, in Gänze ummantelten Standard-Kabel, wie sie eben auch von bequiet! verwendet werden, sondern auch deutlich flexiblere Ausführungen, die sich durch eine Einzelummantelung auszeichnen. Sicherlich haben auch diese Kabel wiederum spezifische Nachteile, die in entsprechenden Foren vermutlich leidenschaftlich diskutiert werden. Aber die Aussicht auf einen angenehmeren und komfortableren Zusammenbau lässt mich zumindest neugierig werden. Eine erste, grobe Recherche hat aber wie zu erwarten gesalzene Preise ergeben. So kostet ein Kabelset von Corsair bereits 90 Euro – ohne das eigentliche Netzteil. Wie auch immer: hier werde ich mich – sofern es überhaupt soweit kommt – beim nächsten Rechner etwas besser informieren.

Kurzfassung der essentiellen Vor- und Nachteile:
+ volle Modularität (= keine unnötigen Kabel im Gehäuse)
+ 80 Plus-Gold-Siegel (= sehr gute Effizienz von bis zu 93%)
+ durch zahlreiche Testberichte bestätigte, sehr gute Qualität
0 mit 650W für meine aktuellen und ggf. auch zukünftigen Komponenten überdimensioniert
– sehr starre Kabel, die beim Einbau zu einigen Verrenkungen zwingen

 

Und das war es auch schon mit dem ersten Teil. Im nächsten wird es dann vermutlich etwas spannender, wenn wir zu den Themen Prozessor, Mainboard und Arbeitsspeicher kommen. Bis dahin können gerne über die Kommentarfunktion Fragen an mich gerichtet werden.

29. Januar 2011.

Hachja. Ist es denn tatsächlich schon wieder so lange her? Bin ich tatsächlich schon so alt geworden? Gefühlt sind erst einige Wochen, vielleicht Monate vergangen. Aber nunja, die Zeit vergeht. Und sie vergeht – natürlich – gefühlt immer schneller. Es war also der damalige 29.01.11, an welchem ich den ersten Teil (RAM und Maus!) meines damaligen Rechners orderte, gefolgt von weiteren Bestellungen in den Wochen darauf (immer auf den preisgünstigsten Moment wartend!).

Irgendwann, ich meine gegen Ende März 2011, war er dann zusammengebaut: der damalige Monster-PC. Primär bestehend aus einem Intel Core i5 2500K, einer 64GB-SSD von Crucial (Sensation!) und … nunja… ich kann mich tatsächlich nicht mehr an die Grafikkarte erinnern! Aber ein Blick in das Artikel-Archiv von beimchristoph.de hilft: einer EVGA 560GTX FPB. Der Blick ins Archiv verrät im Übrigen auch, dass der Rechner entgegen meiner Erinnerung aufgrund von Lieferschwierigkeiten einzelner Komponenten erst Ende April 2011 zusammengebaut war. Aber naja, Details.

Immer noch gut!

Palit 980GTX Ti (Herstellerbild)

Auf jeden Fall steht er hier immer noch, der Rechner. „Hier“ ist zwar nicht mehr das „hier“ von damals – er steht jetzt nicht nur rechts statt links neben mir, sondern auch in einem Ort 150km entfernt vom damaligen Ort. Aber er steht noch. Und er tut eigentlich immer noch, was er soll. Ok, das „was er soll“ besteht leider aktuell hauptsächlich nur noch aus „im Internet surfen“ und „Musik abspielen“. Aber wenn ich doch mal ein Spiel einlege, ist die Leistung praktisch immer sehr zufriedenstellend. Ok, ich darf auch nicht verheimlichen, dass ich o.g. EVGA-560GTX irgendwann mal durch eine Palit 980GTX Ti ersetzt habe. Aber dass insbesondere der 2500K nach achteinhalb Jahren (!) immer noch schnurrt wie ein Kätzchen und praktisch alles meistert, was ich benötige, ist schon eine Erwähnung wert. Da hat es sich damals tatsächlich um ein absolutes Ausnahmeprodukt gehandelt. Gleichzeitig ist es aber natürlich auch ein trauriger Beleg dafür, dass insbesondere die Spieleentwicklung seit vielen Jahren stagniert.

Verheimlichen möchte ich aber nicht, dass es auch Verluste gegeben hat in diesen achteinhalb Jahren: einer der beiden 4GB-Speicherriegel und die Creative-Soundkarte sind mir abgeraucht. Wobei ich mir bis heute nicht ganz sicher bin, ob es nicht doch an Ausfallerscheinungen des Mainboards lag. Während ich jedoch seither auf die Soundkarte gänzlich verzichtet habe und bis zuletzt einfach auf den Onboard-Sound meines Mainboards gewechselt bin, war ich nach dem RAM-Verlust letztlich „nur“ ein halbes Jahr mit 4GB unterwegs. Dieses Experiment, mit einem einzigen 4GB-Riegel durch den Alltag zu kommen, hat sich dann doch als zu nervig herausgestellt, so dass ich einen zweiten, gebrauchten 4GB-Riegel nachbestellt habe. Zu oft geriet mein PC ins Stocken, zu oft starteten einige Spiele überhaupt nicht mehr.

Der Nachkauf bzw. die Inbetriebnahme des zweiten Riegels hat – natürlich – nicht im ersten Anlauf funktioniert. Wenn ich mich recht erinnere, hat es drei oder gar vier Bestellungen gebraucht, bis ich einen Riegel gefunden hatte, der mit meinem Mainboard und zu dem anderen originalen RAM-Riegel kompatibel war. Neu war es sowieso unmöglich, den identischen Riegel zu bestellen, zumal dieser ja ursprünglich auch Teil eines 2x4GB-Kits war. Aber auch der Plan, über Ebay gebrauchte, (zumindest) oberflächlich identische Riegel nachzukaufen scheiterte mehrmals. Gleicher Hersteller, gleicher Takt, gleiche Timings. All das war kein Garant für Kompatibilität. Naja, am Ende hat es dann funktioniert.

Kleiner Abschweifer

Creative X-Fi Extreme Music (Herstellerbild)

Ich möchte bei dieser Gelegenheit auch noch einen Satz zum Thema „Onboard-Sound vs. Native Soundkarte“ verlieren, da die Foren diesbezüglich ja vollgestopft mit leidenschaftlichen Diskussionen sind. In meinen Ohren war jedenfalls ein deutlicher (!) Unterschied zu erkennen. Und ich möchte behaupten, dass das jedem, der nicht ganz taub ist, ebenfalls aufgefallen wäre. Ganz egal ob Klarheit, Volumen, Details oder auch nur Lautstärke: die Creative-Soundkarte war in jeglicher Hinsicht deutlich der Realtek-onboard-Variante überlegen. Ich höre täglich mehrere Stunden Musik über meinen PC und freue mich daher jetzt schon wieder wahnsinnig darauf, dass im nächsten PC – Vorsicht Spoiler! – wieder eine native Soundkarte verbaut sein wird. Solange man die Daten nicht digital abgreift, erachte ich daher eine native Soundkarte weiterhin als unverzichtbar.

Ok, aber nun zurück zum eigentlichen Thema. Im Endeffekt habe ich also während dieser achteinhalb Jahre lediglich eine neue GPU und einen Ersatz-RAM-Riegel nachgekauft. Der Rest läuft und läuft und läuft.

Die Rückkehr

Und dennoch lest ihr hier diese Zeilen, die nichts anderes bezwecken, als die Vorstellung meines nächsten Rechners einzuleiten. Geplant sind aktuell drei Artikel. Der erste dreht sich um das Gehäuse und das Netzteil. Der zweite Artikel handelt von Mainboard, Prozessor, Kühler und Arbeitsspeicher. Und der letzte behandelt schließlich die Themen Grafikkarte, Soundkarte und Datenspeicher – garniert mit einigen kurzen Leistungsvergleichen sowie einer Schilderung meiner ersten Erfahrungen, z.B. zu den Themen Lautstärke und Temperaturen. Und hoffentlich werde ich nichts zu Abstürzen, Defekten oder Instabilitäten zu berichten haben. Aber wer weiß…

Es ist also wieder so weit. Vielleicht zum letzten Mal: der Azzkickr packt doch nochmal den Schraubenzieher aus, greift zum Entladen an den Heizkörper und bastelt sich einen neuen, viel zu teuren und für seine mittlerweile sehr überschaubaren Ansprüche viel zu leistungsfähigen PC. Aber die Leidenschaft schlägt die Vernunft.

Seid also dabei. Demnächst an dieser Stelle. :smile:

Gewaltfreie Kommunikation (Cover)

Vorletzte Woche war es wieder soweit: Bildungsurlaub! Heuer verschlug es mich nicht nur erneut an die Volkshochschule Darmstadt, es war sogar die gleiche Dozentin und im Kern das gleiche Thema wie 2018 (sowie der gleiche Schulungsraum :smile: ). Ich hatte mich direkt angemeldet nachdem sie letztes Jahr dafür Werbung gemacht hatte. Damals hieß der Kurs Erfolgreich und gelassen in Beruf und Alltag – Stressbewältigung und Kommunikation und hatte – wie der Name schon andeutet – einen zusätzlichen Fokus auf das Thema Stress. Dieses Jahr fand er hingegen unter dem Begriff Kraft durch Klarheit statt. Selbstanalyse war hier das zusätzliche Stichwort zum Hauptthema. Die Links führen übrigens zu den Angeboten im kommenden Jahr bei der VHS.

Das Hauptthema beider Bildungsurlaube ist jedoch die Vermittlung des Konzepts der gewaltfreien Kommunikation (GFK) nach Dr. Marshall B. Rosenberg (ein 2015 verstorbener, amerikanischer Psychologe). Ich muss an dieser Stelle allerdings darauf hinweisen, dass dieser Name ein wenig in der Kritik steht, da man mit dem Begriff „Gewalt“ quasi dem anderen unterstellt einen anzugreifen. Ich persönlich finde das tatsächlich gar nicht so von der Wahrheit entfernt in vielen Situationen (Stichwort Mobbing). Die Dozentin beispielsweise spricht aber lieber von wertschätzender Kommunikation. Es gibt aber auch den Begriff der „durchsetzungsstarken Kommunikation“ dafür.

Doch egal wie man es nennt: Die Methodik dahinter bleibt natürlich immer gleich. Und da ich die durchaus spannend und interessant finde – sonst hätte ich nicht gleich zwei Bildungsurlaube zum Thema gemacht -, möchte ich versuchen sie euch heute ein wenig vorzustellen. Die Betonung liegt dabei eindeutig auf „wenig“, denn nur weil ich zwei Kurse besucht habe bin ich noch weit davon entfernt ein Experte zu sein. Schlimmer noch: Im Alltag kann ich sie noch gar nicht anwenden, dazu fehlt mir noch viel Übung. Seht den heutigen Eintrag also mehr als Einstieg in die Materie.

Die Grundlagen

Iss den Teller auf, sonst darfst du nicht zum Spielen! oder Wenn du das machst, wird Mama traurig. – Diese oder ähnliche Sätzen kennen viele unter uns aus ihrer Kindheit. Kein Wunder, dass wir im Erwachsenenleben in der Kommunikation ebenfalls sehr konfrontativ unterwegs sind. Wir haben es ja nicht anders gelernt. Stattdessen dominieren Mach‘ was ich will und zwar sofort! und Du bist schuld daran, dass es mir schlecht geht! unseren Sprachgebrauch. Problem dabei ist – und das weiß jeder -, dass uns das selten wirklich weiterbringt. Ja, einer der Dialogpartner fühlt sich als Gewinner, weil er dem anderen seinen Willen aufgezwungen hat. Aber tatsächlich sind beide nur Verlierer.

Natürlich ist es äußerst angenehm und praktisch sich von aller Schuld freisprechen zu können. Mit diesem Konzept hausiert schließlich speziell die katholische Kirche bereits seit Jahrtausenden und verdient immer noch verdammt viel Geld damit. Warum soll ich auch etwas an meinem Leben ändern, wenn ich einfach jemand anderen die Verantwortungen für meine Problemen geben kann? Die Bedürfnisse des anderen? Will ich unbedingt befriedigen, damit er mich gern hat. Wie es mir dabei geht ist doch egal.

Rosenberg fand das nicht gut und „erfand“ deshalb Anfang der 70iger die GFK. Sein Ziel: Die Verbesserung des zwischenmenschlichen Miteinanders durch echten empathischen Kontakt. Statt uns durch Sprache zu trennen (auch als Wolfssprache bezeichnet), sollten wir lieber wieder verbindend (Giraffensprache) reden. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir uns am Ende alle in den Armen liegen und uns lieb‘ haben sollen. Mit Rosenbergs Methodik seid ihr immer noch ergebnisorientiert unterwegs aber – und das ist das Wichtige – gleichzeitig lösungsoffen. Oder besser ausgedrückt: Ich will mit Dir eine Lösung finden, mit der es uns beiden gut geht. Man soll sie quasi nicht strategisch verwenden, um den gegenüber zu manipulieren, sondern auf Augenhöhe einen produktiven Dialog miteinander führen.

Übrigens ein weiterer Punkt aus Sicht der Kritiker gegen diese Methode, da eben genau das (GFK als Machtinstrument) vor allem in der Wirtschaft sehr häufig zu passieren scheint. Das ist natürlich unschön aber eine Gabel kann ich auch entweder zum Essen oder als Waffe missbrauchen. Insofern ist das für mich ein eher schwaches Gegenargument.

Die Funktionsweise

Der Giraffentanz

Auf dem ersten Blick ist die Umsetzung der Methode relativ simpel. Rosenberg spricht von einem Giraffentanz, der sich auf zwei Seiten mit jeweils vier Schritten aufteilt. Die eine Seite ist das „Ich“ (Aufrichtigkeit) und die andere das „Du“ (Empathie). Die vier Schritte sind hingegen die Wahrnehmung/Beobachtung, das Gefühl, das Bedürfnis und abschließend die Bitte/der Dank.

Ihr macht also zuerst eine objektive (!) Beobachtung, drückt aus wie ihr euch deshalb fühlt, warum ihr so fühlt und macht zum Schluss einen Vorschlag wie die Lösung aussehen könnte. Erhaltet ihr Widerspruch, gebt ihr das so als erneut komplett objektive Beobachtung wieder, versucht zu verstehen wie sich der andere fühlt und warum und versucht seinen Wunsch auszuformulieren.

Die Umsetzung ist allerdings extrem schwierig. Das fängt schon mit der objektiven Beobachtung an. Die Dozentin sprach hier immer von der Kamera. Eine Beobachtung ist nur, was sie sehen kann. Sie kann z.B. sehen, dass Hr. Maus um 09:10 ins Büro gekommen ist. Sie kann nicht sehen, dass er zu spät gekommen ist.

  • Wolfssprache: Hr. Maus, sie sind zu spät!
  • Giraffensprache: Hr. Maus, es ist 09:10. Unser Meeting war für 09:00 Uhr angesetzt.

Durch die Objektivität schafft ihr zum einen unbestreitbare Fakten von denen der gegenüber sich erst einmal nicht angegriffen fühlen kann – es sind ja Tatsachen. Ist tatsächlich gar nicht so einfach eine neutrale Sicht einzunehmen. Wir sind da sehr schnell darin direkt in die Beobachtung irgendwelche Vorwürfe unterzubringen. Anschließend vermittelt ihr wie es euch damit geht und warum.

  • Wolfssprache: Sie haben mich im Stich gelassen. Ich musste die Präsentation alleine machen!
  • Giraffensprache: Ich bin ärgerlich, weil mir Zuverlässigkeit wichtig ist.

Das ist der wohl schwierigste Teil der GFK. Ich habe in 90% der Fälle keine Ahnung wie ich mich tatsächlich fühle und schon gar nicht welches tiefere Bedürfnis sich dahinter verbirgt. Stattdessen verfallen wir hier dann irgendwie automatisch in den Schuldzuweisungsmodus. Rosenberg spricht hier von Pseudogefühlen wie z.B. „niedergemacht“, „ignoriert“, „enttäuscht“ oder „fallengelassen“ statt echten Gefühlen („aufgeregt, wütend, ärgerlich, optimistisch, sauer, etc.). Der Unterschied ist, dass Gefühle von innen also von uns kommen. Bei Pseudogefühlen ist immer der andere Schuld an unserem Gefühl: „Ich fühle mich ignoriert von dir!“ oder „Ich bin enttäuscht von dir!“ im Gegensatz zu „Ich bin aufgewühlt.“ oder „Ich bin sauer.“.

Das Gleiche gilt im Prinzip für die Bedürfnisse. Sie sind unabhängig von einer anderen Person, einer Zeit oder einem Ort und können auf verschiedene Art erfüllt werden. Also statt „Ich kann nur mit dir glücklich sein“ einfach „Ich möchte glücklich sein“. Und nur damit kein falscher Eindruck entsteht: Die GFK ist nicht nur für negative Situationen gedacht. Auch in positiven Situationen möchte Rosenberg, dass wir wertschätzend miteinander kommunizieren. Lob ist für ihn z.B. eine Form der trennenden Sprache, weil es aus seiner Sicht nur von einer erhöhten Position nach unten gegeben werden kann. Die Teilnehmer beider Kurse waren darüber geteilter Meinung :smile: . Außerdem ist noch wichtig zu beachten, dass nicht die Beobachtung ein Gefühl auslöst, sondern euer Bedürfnis. Also nicht „Weil du das gemacht hast, bin ich jetzt…“, sondern „Du hast das gemacht. Ich fühle mich doof, weil es mir um was anderes geht.“.

Pseudogefühle

Der letzte Schritt ist dann die Bitte oder der Dank. Im Fall der Bitte ist wichtig, dass diese möglichst konkret sein muss und nur mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden kann. Und es soll natürlich nicht wie eine Forderung klingen.

  • Wolfssprache: Hr. Maus, sehen Sie gefälligst zu, dass Sie das nächste Mal pünktlich sind oder Sie sind gefeuert.
  • Giraffensprache: Ich bitte Sie, Hr. Maus, bei unserem nächsten Meeting am kommenden Montag pünktlich um 9 Uhr da zu sein. Können Sie das sicherstellen?

Klingt im ersten Moment relativ umständlich und gestelzt. Deshalb muss man das wirklich erst einmal intensiv üben, bevor man damit in die Realität kann. Dann lernt man auch je nach Situation bestimmte Schritte zu überspringen (inkl. z.B. vom Ich-Gefühl direkt in die Du-Beobachtung zu wechseln). Aber es funktioniert prinzipiell. Selbst im Übungssetting fühlt man sich gleich ganz anders, wenn man auf diese Art und Weise angesprochen wird. Der Grund ist klar: Dadurch, dass man dem Gegenüber Verständnis entgegenbringt und ihn quasi abholt, kommt man aus der Eskalationsspirale heraus. Rosenberg sagte dazu, dass bei der trennenden Sprache nicht die Erwachsenen miteinander reden, sondern die Kinder innendrin. Und durch seine Methode kommt man wieder dahin zurück als Erwachsene zu kommunizieren.

Ein weiteres Beispiel

Situation: Ihr steht beim Bäcker in der Schlange und jemand drängelt sich vor.

  • Wolfssprache: Ey, Sie eingebildetes Arschloch. Stellen Sie sich gefälligst wie alle anderen hinten an!
  • Giraffensprache: Ich sehe, dass sie sich vor mich stellen [Beobachtung]. Ich bin irritiert [Gefühl], weil es mir um Fairness [Bedürfnis] geht. Ich habe es auch eilig und warte schon einige Zeit. Ich bitte Sie sich wie alle anderen hinten anzustellen [Bitte].

Darauf würde dann natürlich der Gegenüber antworten. Er sagt z.B. „Ich habe es eilig!“. Darauf könnte man dann antworten:

  • Wolfssprache: Ich hab’s auch eilig, du Vollhonk. Seh‘ zu, dass du nach hinten kommst!

Oder ihm nach Rosenberg ein bisschen Empathie geben:

  • Giraffensprache: Sie sagen, dass sie es eilig haben [Beobachtung]. Sind Sie unter Druck [Gefühl], weil Sie pünktlich [Bedürfnis] auf der Arbeit sein wollen? Möchten Sie, dass ich Sie vorlasse [Bitte]?

Natürlich würde er jetzt sagen „Ja!“ und dann kann man das entweder akzeptieren oder wieder in die Ich-Schleife gehen und z.B. ausdrücken, dass wir in der Schlange es hier alle eilig haben oder als Kompromiss anbieten ihn hinter sich zu lassen.

Die Erkenntnisse

Das war jetzt logischerweise ein extrem oberflächlicher Abriss über die GFK. Selbst nach zwei mal fünf Tagen Bildungsurlaub weiß noch nicht alles, was dazugehört. Vom aktiven Umsetzen ganz zu schweigen. Aber selbst, wenn man es am Ende nicht nutzt, gibt es doch ein paar grundlegende Erkenntnisse daraus, die ich gar nicht so verkehrt finde. Darunter folgende:

  • Unser Gefühl zeigt an, ob ein Bedürfnis erfüllt ist oder nicht.
  • Wir sind selbst für unsere Gefühle verantwortlich (Eigenverantwortung). Dass du dich angegriffen „fühlst“ (=Pseudogefühl) liegt nicht an deinem Gegenüber, sondern an dir selbst (Spiegel/Resonanz). Er bringt es nur hervor.
  • Meine eigenen Bedürfnisse sind genauso wichtig wie die anderer Menschen (Selbstwert/Selbstakzeptanz).
  • Ich habe immer die Wahl. Ich kann und darf wählen.
  • Empathie bedeutet sich auf Augenhöhe zu begegnen.
  • Bei Empathie geht es nicht darum etwas zu tun (z.B. Ratschläge geben, trösten, analysieren, etc.), sondern um das da sein (Mitgefühl, Verständnis, aktiv zuhören, etc.).

Übung zum Thema Beobachtung

Ich glaube, dass wir Menschen nicht wirklich gut darin sind zu verstehen was in uns innen drin passiert. Damit umgehen können wir erst recht nicht. Vielleicht haben wir sogar Angst davor und verschließen uns deshalb davor. Wie gesagt: Es ist einfacher die Schuld bei jemanden anderen zu suchen als sich mit uns selbst zu beschäftigen. Aber am Ende des Tages – und das ist keine Erkenntnis nur aus der GFK – müssen wir uns selbst um unser Wohl kümmern. Das nimmt uns niemand ab. Unser Glück hängt nicht von jemand anderem ab. Wir „produzieren“ unsere Gefühle schließlich selbst. Entsprechend fand ich nicht nur die beiden Bildungsurlaube sehr interessant, sondern möchte auch weiter versuchen die Methode in die Praxis umzusetzen. Und dazu gehört zuerst meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse kennen zu lernen und zu akzeptieren, dass sie da sind. Im „Mich selbst niedermachen“ bin ich schließlich immer noch sehr gut :smile: .

Und wenn ihr euch jetzt tiefer in die Thematik einlesen wollt: Ihr müsst nicht gleich einen Kurs dafür besuchen (obwohl es hilft mit echten Personen üben zu können), es gibt auch ein ins deutsche übersetztes Buch von Hr. Rosenberg dazu.

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