So, da mein Mann aktuell wieder mehr spielt komme ich im Gegenzug dazu wieder mehr zu lesen neben dem anschauen von Onlinekongressen zu diversen Themen. Heute möchte ich euch einen Manga vorstellen, den ich zufällig schon vor längerem bei meiner jüngeren Schwester entdeckt habe. Er sprach mich tatsächlich so sehr an das ich ihn mir auf meine Wunschliste für Geschenke setzte und dann auch von meinem Mann bekommen habe (Yay, guter Sicarius).

Cover von Band 1

Momo – Little Devil von Mayu Sakai ist in Deutschland von 2010-2012 als Mangareihe mit 7 Bänden im Verlag Tokyopop erschienen. In Japan kamen die Bände bereits von 2009-2011 auf den Markt. Kosten pro Band waren mal 6,50€ – mittlerweile schwanken diese aber stark. Die Bände sind neu auch kaum zu bekommen. Dafür gibt es nun eine Neuauflage in drei Sammelbänden (2-3 Bände in einem), die euch pro Stück 9,95€ zurücksetzen. Ich bin allerdings kein Fan dieses Formats (anders als mein Mann…). Diese sind einfach zu dick und damit recht schwer um gut in der Hand zu liegen. Zudem hat man so nicht mal die Hälfte der farbigen Cover der Originalbände. Die Preise sind übrigens heutzutage relativ typisch für Mangas in Deutschland. Die Zeiten des früheren Einheitspreises von 9,95 DM pro Band sind vorbei. Und damit meine ich nicht nur die Umrechnung, sondern insgesamt werden die Preise mittlerweile durchaus unterschiedlich festgelegt.

Die Altersempfehlung für diese Serie liegt bei 13-16 Jahren aber auch mir als 30-Jährige hat das Lesen nach wie vor Spaß gemacht. Jeder Band hat knappe 200 Seiten und bietet neben der Hauptstory insgesamt zwei weitere Kurzgeschichten der Autorin, die überhaupt nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben sowie auf den letzten Seiten Fanarts und diverse Randbemerkungen. Typischerweise werden die Bände in japanischer Art von hinten nach vorne gelesen. Ich persönlich habe damit überhaupt keine Probleme und merke den Unterschied gar nicht mehr. Frei nach dem Motto: Wo ist das Cover und da wird losgelesen. Bei den ersten Mangas in Deutschland war das tatsächlich noch nicht so, die wurden beim Import rumgedreht. Mittlerweile macht sich aber kein Publisher mehr diese Arbeit.

Cover von Band 4

Der Inhalt

In Momo – Little Devil wird die Geschichte von der Highschool-Schülerin Yume Odagiri erzählt. Sie selbst hält sich für nichts Besonderes. Zudem ist ihre familiäre Situation eher schwierig, da ihre Mutter bereits vor Jahren abgehauen ist und ihr Vater sie nun ebenfalls (mal wieder) allein zurückgelassen hat, um den Schuldeneintreibern zu entgehen. Yume begegnet nun an ihrem 16. Geburtstag dem kleinen Mädchen Momo. Das verändert – wie sollte es auch anders sein – ihr Leben von Grund auf. Momo erwählt Yume nämlich zur Repräsentantin der Erde, die ihr sieben Gründe nenne soll, warum die Erde es wert ist nicht zerstört zu werden. Momo selbst bezeichnet sich nämlich als Teufel, der nur deshalb hier ist, weil er genau das vor hat. Einfach nur sieben Gründe runter zu rasseln ist aber nicht die Lösung. Yume soll Momo sieben Mal eine Freude bereiten. Und um die Sache noch ein wenig schwieriger zu gestalten, gibt es auch noch ein Zeitlimit von 2 Jahren – also bis zu Yumes 18. Geburtstags.

Die beiden Hauptcharaktere sind an erster Stelle Yume und dann natürlich Momo. Yume selbst ist ein einfaches Mädchen das sich in der Geschichte immer weiterentwickelt und durchaus zu neuen Erkenntnissen gelangt. Aber auch Momo entwickelt sich stetig weiter und wir erfahren immer mehr über ihre Vergangenheit als Satan. Zudem gibt es durchaus einige weitere Charaktere wie Kanaka (der Sandkastenfreund von Yume) sowie Nanagi und Sanari (Momos Begleiter) – um nur ein paar zu nennen. Auch sie erhalten ausreichend Raum und spielen durchaus entscheidende Rollen nicht nur aber besonders im Finale.

Der Stil

Ein Manga lebt aber nicht nur wie ein gutes Buch von seinen Charakteren, sondern vor allem auch von seinen Bildern, ausgeschriebenen Geräuschen und einer guten Übersetzung. Im Falle von Momo – Little Devil finde ich den Zeichenstil von Mayu Sakai insgesamt sehr gelungen. Ihre Bilder sind sehr fein, detailliert und, anders als bei manchen anderen Autoren, verändert sich der Stil auch bis zum letzten Band nicht. Ihre Werke erinnern an die Manga-Zeichnerin Arina Tanemura (u.a. Kamikaze Kaito Jeanne) was aber durchaus nicht schlecht ist und Vorbilder haben wir schließlich alle. Während ich mir aber bei Fr. Tanemura echt schwer tue noch zu wissen wer nun wer ist, ist bei Sakai die Wiedererkennung der Charaktere kein Problem.

Cover von Band 7

Insgesamt liest sich der Manga flüssig und auch an der Übersetzung gibt es nichts auszusetzen. Zudem wurden bestimmte Ausdrücke berücksichtigt wie das typische „Jawollja“ von Momo. Dafür gibt’s ein Lob an die Übersetzerin Rosa Vollmer.

Beim Christoph meint: Von mir erhält Momo – Little Devil 4 von 5 Sics. Die Zeichnungen und Charaktere sind insgesamt sehr stimmig und die Geschichte durchgehend spannend und es kommt auch zu unerwarteten Wendungen. Yume hat mal mehr mal weniger Mühe Momo eine Freude zu bereiten. Ebenfalls kommt Yumes Leben selbst nicht zu kurz. Besonders der Aspekt mit den Freuden als Gründe, dass die Erde weiter bestehen darf ist sehr interessant und gibt dem Leser viele nachdenklich machende Fragen für sein eigenes Leben mit. Wer von uns achtet z.B. überhaupt noch darauf was einem selbst wirklich Freude bereitet? Nehmen wir das noch wahr oder beschäftigen wir uns nur mit Problemen und den Dingen, die wir nicht haben? Wo liegen überhaupt unserer Prioritäten? Würden wir alles stehen und liegen lassen um die Welt zu retten? Könnten wir das überhaupt? Und dann noch die wohl schwierigste Frage: Wie macht man jemandem überhaupt eine Freude? Muss es immer ein Geschenk sein oder gibt es nicht auch viele andere Möglichkeiten?

Allerdings ist auch hier – wie so häufig in allen Medien – das Finale viel zu kurz. Ich habe die letzten paar Seiten mehrfach durchgesehen und finde das Ende nach wie vor zu sehr angedeutet. Da fiebert man sieben Bände lang mit den Charakteren mit und könnte durchaus einen weiteren Band lesen und dann ein so kurzes Ende. Die zwei Bonusstorys waren ebenfalls eher Mittelmaß. Da hätte mir eine Sidestory oder richtiger Epilog zur Hauptstory oder etwas in der Art doch besser gefallen als zwei aus der Luft gegriffene Kurzgeschichten.

Da mein Mann mich immer mal wieder nötigt auch mal einen Eintrag für euch zu verfassen, mache ich das heute mal – obwohl er technisch gesehen unter meiner Anleitung diese Zeilen tippt. Er kann das einfach viel schneller als ich und ich würde euch sowieso nur die ganze Geschichte verraten :smile: . Aber wer bin ich eigentlich? Nun, ich bin Lysanda L’eau und mit dem Webmaster verheiratet. Ich liebe Katzen, Anime und Mangas sowie Bücher mit starken Frauen als Hauptcharaktere – und genau darum geht es heute. Während euch der Webmaster immer mit Explosionen, Blut und Gedärmen langweilt, stelle ich euch heute mal eine Buch-Trilogie vor, in der es eben nicht nur darum geht (Kämpfe und Tote gibt es da aber auch):

Cover

Das Meer der Seelen (Jodi Meadows; Incarnate-Trilogy; 2012-2014) – Aus religiöser Sicht gibt es verschiedene Ansichten wie es nach dem Tod weitergeht. Während die Christen entweder bis in alle Ewigkeit im Himmel oder in der Hölle schmoren wollen, streben Hindus und Buddhisten der Erleuchtung dank Wiedergeburt entgegen. Aber wie wäre es eigentlich, wenn an der Sache tatsächlich etwas dran wäre und man ständig wiedergeboren werden würde? Und nicht nur einfach wiedergeboren, sondern auch noch mit dem Wissen, was im vorherigen Leben passiert ist? Mit diesen Gedanken spielt Jodi Meadows in ihrer Trilogie Das Meer der Seelen für junge Erwachsene.

Aufgeteilt auf die drei Bücher Nur ein Leben (Incarnate), Nur eine Liebe (Asunder) und Nur eine Nacht (Infinite) mit jeweils knapp 400 Seiten, erlebt ihr die Geschichte von Ana. Sie ist die erste neue Seele in der Welt von Range seit 5.000 Jahren und dürfte eigentlich nicht existieren. In Range gibt es nämlich exakt eine Millionen Menschenseelen, die immer und immer wieder geboren werden. Mal als Mann, mal als Frau und immer mit dem Wissen, was vorher passiert ist. Entsprechend ist Ana nicht nur eine abnormale Erscheinung, für ihre Existenz musste auch eine andere Seele für immer sterben. Das macht sie nicht gerade zu einem Freund der Bewohner und fängt ihr die Bezeichnung als Seelenlose ein.

Der Inhalt

Cover

In Nur ein Leben lernen wir die achtzehnjährige Ana kennen. Sie lebt außerhalb der Hauptstadt bei ihrer Mutter und wird von dieser nicht nur sehr schlecht behandelt, sie macht sich auch nicht die Mühe ihr irgendetwas beizubringen. In einer Welt, wo Menschen mit 5.000 Jahre altem Wissen herumlaufen, definitiv ein eher ungünstiger Ausgangspunkt. Also bringt sich Ana selbst das Lesen und einiges anderes bei und macht sich anschließend auf zur Stadt Heart. Sie möchte mehr darüber erfahren, warum sie existiert, ob sie ebenfalls wiedergeboren wird und warum für sie die Seele Ciana für immer verschwand. Wie so oft, ist dieser Weg nicht ganz so geradeaus, wie es sich anhört. Stattdessen kommt sie uralten Geheimnissen auf die Spur und gerät – wie könnte es anders sein – in Gefahr.

Im zweiten Buch, Nur eine Liebe, nimmt die Angst der Menschen vor ihrem endgültigen Tod aufgrund der Ereignisse weiter zu, was auch Ana als Außenseiterin noch stärker zu spüren bekommt. Dennoch setzt sie ihre Suche nach der Wahrheit fort und entdeckt immer mehr darüber, was eigentlich vor sich geht. Sie erfährt, warum überhaupt immer und immer wieder dieselben Seelen geboren werden und welchen Preis die Wiedergeburt hat. Im dritten Band, Nur eine Nacht, lüftet sie die letzten Geheimnisse mit weitreichenden Folgen für Range.

Der Stil

Jodi Meadows Fantasy-Werk liest sich erfreulich flüssig und kommt ohne die ausschweifenden Landschaftsbeschreibungen eines Wolfgang Hohlbeins daher. Ihr folgt Ana aus der Sicht eines neutralen Beobachters durch die Welt von Heart und erfahrt sehr viel über sie, lernt aber auch die zahlreichen Charaktere kennen, die ihr auf ihrem Weg begegnen. Vor allem ihre Beziehung zu Sam nimmt einiges an Raum ein und könnte teilweise etwas flotter vorankommen. Dafür überschlägt sich die Geschichte in anderen Bereichen mitunter und ein Ereignis jagt das nächste. Zusammen mit den zahlreichen Geheimnissen rund um die Stadt Heart, macht es das schwer die Bücher aus der Hand zu legen.

Die Trilogie fühlt sich mehr wie ein großes Buch an als drei einzelne, was auch daran liegt, dass Fr. Meadows euch nicht für Vergesslich hält. Während andere Autoren die Ereignisse aus dem jeweils vorherigen Band gerne noch einmal äußerst detailliert ausbreiten, beschränkt sie sich auf kurze Erwähnungen in Dialogen zwischen den Charakteren.

Cover

Beim Christoph meint: Von mir erhält Das Meer der Seelen 4 von 5 Sics und die Bücher dürfen ihren Platz im Regal behalten. Ich habe die drei Bücher in drei Wochen buchstäblich verschlungen und dafür auch mal andere Dinge hintenangestellt. Wiedergeburt ist für mich ein spannendes Thema und das war es auch, was mich überhaupt erst zu den Büchern hingezogen hat. Entsprechend interessiert war ich daran zu erfahren wie die Welt von Range funktioniert und wie deren Bewohner damit umgehen. Wird es beispielsweise nicht irgendwann langweilig? Und wie ist es jeden inklusive vermutlich aller seiner intimsten Geheimnisse seit einer Ewigkeit zu kennen?

Aber auch die anderen von der Autorin angesprochenen Aspekte wie Ausgrenzung, falsches Selbstbild und einfach mal Dinge in Frage stellen haben mich zum Nachdenken angeregt. Anas Werdegang von der Ausgestoßenen hin zur alles entscheidenden Figur ist für mich außerdem nachvollziehbar und ich konnte gut mit ihr mitfühlen.

Der fünfte Sic bleibt der Trilogie verwehrt, weil die Beziehung von Ana und Sam trotz des Raums, den sie einnimmt, nicht richtig in die Gänge kommt. Und weil das Ende (wie so oft) für mich nicht vollständig befriedigend war. Die Geschichte ist zwar grundsätzlich abgeschlossen, ich hätte aber dennoch gerne erfahren, wie es nach den tiefgreifenden Veränderungen für Ana weitergeht. Trotz dieser beiden Makel kann ich die Bücher uneingeschränkt empfehlen.

Dass es im Leben des Webmasters derzeit so einige Veränderungen gibt, sollte mittlerweile wohl bekannt sein. Dazu gehört auch, dass er nun langsam aber sicher in die Welt der Anime und Mangas eingeführt wird von seiner neuen Begleitung. Nachdem ich euch das letzte Mal einen Anime vorgestellt hatte, geht es heute also erstmals um Mangas. Das ist technisch gesehen (also lt. Wikipedia) wohl der Begriff für Comics, die ausschließlich aus Japan kommen. Aber in der Realität (wie ihr auch gleich sehen werdet) fallen da auch noch Comics in diesem speziellen Stil aus anderen Ländern darunter. Machen wir also nicht lange rum und unterhalten uns über die ersten zwei Werke, die ich mir zu Gemüte führen durfte:

Die Legenden vom Traumhändler (Cover)

Die Legenden
vom Traumhändler
(Cover)

Die Legenden vom Traumhändler (Jeong-a Lee, 6 Bände, abgeschlossen) – Bei diesem Werk handelt es sich um einen Manhwa, also einem koreanischem Comic. Und von mir erhält die Geschichte von einem stylisch aussehenden Typen (oder Frau – das wird irgendwie nie hundertprozentig klar) mit Zylinderhut und Stock 3 von 5 Sics. Die durchschnittliche Wertung hat mehrere Gründe. Zum einen ging mir das Gejammer der Zeichnerin auf den Geist (jedes Buch enthält ein paar „Behind the Scenes“-Zeilen, die sich gefühlt für alles und jeden entschuldigt und zum anderen anfangs absolut keinen Plan hatte von dem, was sie da eigentlich tut, was am Ende die Sache extrem undurchsichtig machte. Also ich meine damit nicht das Zeichnen. Zwar fand ich den Stil hier und da etwas zu undetailliert und „typisch Japanisch“ (Mädchen mit großen Kulleraugen, die mit abgestumpften Armen wedeln), wenn man so will. Aber die meiste Zeit und vor allem die Darstellungen des Traumhändlers fand ich definitiv schick und imposant. Nein, mein Problem liegt in der übergeordneten Geschichte, um besagten Traumhändler.

Wie der Name schon sagt, verkauft der Traumhändler Träume und zwar den Traum von einem Kind. Aber jedes Kind, das er schenkt, kommt mit einer Bedingung. Wird diese Bedingung nicht erfüllt, holt er sich das Kind wieder und „recycelt“ es. Warum, weshalb, wieso kann ich euch selbst nicht so genau sagen. Anfangs kommt die Geschichte nicht so wirklich in Schwung, weil die Autorin selbst nicht so recht weiß was sie eigentlich vorhat. Und als sie dann einen zusätzlichen Schreiberling anheuert, wird es zwar ein bisschen besser aber das Finale ist trotzdem extrem verworren und komisch.

Die positive Seite

Natürlich kann man sagen, dass alle sechs Bände genau das sind und es den Reiz ausmacht. Denn die Geschichte des Traumhändlers wird in kurzen Episoden erzählt, die jedes ein Märchen der Gebrüder Grimm oder von Hans Christian Andersen als grundlegendes Thema hat. Grundlegend deshalb, weil sie sich nicht so wirklich an die Vorlage halten, sondern dieser einen Twist verpassen. Und zwar eine meist sehr düstere Wendung (nicht bei allen). Als Fan von American McGee’s Alice also im Prinzip genau mein Ding. Und es gibt auch definitiv ein paar richtig coole Umsetzungen wie beispielsweise die Erzählung von Dornröschen, Spoiler wo der Prinz feststellen muss, dass die Prinzessin nicht schläft, sondern von ihrem Vater aus Eifersucht ermordet wurde Spoiler. Oder besagte Alice aus dem Wunderland, die…sagen wir mal von der roten Königin so einiges gelernt hat. Das sind Episoden, da macht das Lesen Spaß. Aber sobald es wieder zurückgeht zum Traumhändler ist irgendwie die Luft raus und speziell das große Finale hat mir nicht so wirklich gefallen. Auch, weil ich es nicht verstanden habe und es mir erklären lassen musste (machte es nicht viel besser).

Äußerst schade, da Die Legenden vom Traumhändler im Kern eine richtig coole Idee ist. Aber es hapert halt leider doch zu oft an der praktischen Umsetzung, um das Werk uneingeschränkt empfehlen zu können. Sowohl was die Zeichnungen (was aber ein Stück weit dem Genre bedingt ist) als auch was die Geschichten betrifft. Entsprechend eignet es sich sicherlich auch nur bedingt als Einstieg in die Welt der Mangas obwohl der Start mit Dornröschen definitiv gelungen ist.

 

Grimms Manga (Cover)

Grimms Manga
(Cover)

Grimms Manga (Kei Ishiyama, 2 Bände plus 1 Sonderband, abgeschlossen) – Dieses Werk bekommt 4 von 5 Sics. Anders als Die Legenden vom Traumhändler, geht es hier ausschließlich um die Märchen der Gebrüder Grimm. Keine übergeordnete Geschichte, kein Firlefanz Drumherum. Aber genauso wie bei der Konkurrenz bleiben nur wenige Steine auf dem alten und es rutscht hier und da auch wieder etwas weiter ins Düstere ab (allerdings nicht ganz so was eventuelle Morde angeht). Zwar sind nicht alle Geschichten durchgängig auf hohem Niveau, so ist beispielsweise der gestiefelte Kater aus Band 2 mein persönlicher Favorit. Aber der Unterhaltungswert beim Lesen (dieses Mal übrigens wie im Original von hinten nach vorne und rechts nach links!) ist dennoch durchgängig hoch.

Das liegt nicht nur an den Geschichten und ihren interessanten Verdrehungen (was wäre, wenn Hänsel und Gretel die Bösen wären?), sondern auch dem Zeichenstil (wie das meiste im Genre vollständig in schwarz-weiß gehalten), der anders als bei Die Legenden vom Traumhändler durchgängig detailliert (aber nicht hyper-erwachsen) und hochwertig ist. Da kommen die Figuren so richtig schön zur Geltung und geben der Erzählung noch viel mehr Gewicht. Entsprechend viel Spaß hat das Lesen gemacht, der nur dadurch getrübt wurde, dass mir persönlich halt nicht alle Episoden so gut gefallen haben (was aber auch teilweise für die als Vorlage dienenden Märchen gilt). Aus meiner Sicht entsprechend eine klare Kaufempfehlung und von den Mangas, die ich bislang gelesen habe, definitiv mein Liebling.

Mal schauen wie lange er sich auf diesem Platz halten kann…

The Making of Karateka (Cover)

The Making of
Karateka (Cover)

Es gibt Texte, die machen einen irgendwie wütend. Nein, ich meine nicht den ganzen „GamerGate“-Scheißdreck. Da regt mich zwar auch alles auf aber da schreibe ich sicherlich keinen Eintrag dazu. Das wäre Zeitverschwendung. Nein, aktuell lese ich das erste Buch mit Auszügen aus Jordan Mechners Tagebuch, amerikanischer Spieledesigner und Erfinder von Prince of Persia, namens The Making of Karateka. Darin werden die Jahre 1982-1985 behandelt, sprich seine Anfänge als 17jähriger in Sachen Spieledesign/Programmierung bis hin zur Veröffentlichung seines ersten großen Hits, das Karate-Spiel Karateka für den Apple II.

In The Making of Prince of Persia werden hingegen die Jahre 1985-1993 abdeckt von der ersten Idee für Prince of Persia bis zum Release von Prince of Persia 2: The Shadow and the Flame.

Faule Sau!

Prinzipiell zwei sehr interessante Bücher, die nicht nur tiefe Einblicke in die damalige Spielebranche geben, sondern natürlich auch in Mechners Kopf. Mit was hat er sich so die Zeit vertrieben, welche Medien hat er konsumiert, was hat ihn beeindruckt, was bewegt und mit welchen Problemen hatte er zu kämpfen? Sprich die ausführliche Antwort auf die Frage, wieso sind seine Spiele so, wie sie eben sind. Woher kam die Inspiration, wie sah die ursprüngliche Idee aus, was hat ihn dazu gebracht die Richtung zu ändern, Features rauszuschmeißen und dafür anders einzubauen und all das. Eben all das, was auch unser JakillSlavik braucht um Gemälde zu interpretieren.

Gleichzeitig lerne ich zumindest im ersten Buch jemanden kennen, dem ich am liebsten am laufenden Band eine Ohrfeige verpassen würde, damit er mal in die Gänge kommt. Seitenweise Einträge, in denen er vor sich hin träumt und nix gebacken kriegt. Das ist ungefähr so, als würdet ihr die hintersten Seiten (189-235) hier auf dieser Webseite lesen – nur mit besserer Rechtschreibung und Grammatik. Die bestanden bekanntlich ja auch nur aus „Ich hab kei‘ Zeit weil…“-Einträgen. Ja, natürlich war er erst 17 bis 20 Jahre alt und ein Stück weit halt doch der typische College-Typ und weniger der Proto-Nerd. Er ist raus, hat sich mit Freunden getroffen und den Computer auch einfach mal Computer sein lassen. Alles schön und gut. Aber dann darf ich mich doch nicht ernsthaft hinsetzen und in mein Tagebuch Einträge mit solchen Aussagen hinterlegen:

  • Ich nehme mir fest vor morgen das und das zu machen. Wenn ich mich ranhalte bin ich garantiert rechtzeitig bis da und da fertig.

    MobyGames)">Karateka (Quelle: MobyGames)

    Karateka (Quelle: MobyGames)

  • (Wochen später) Ich hab‘ seit dem letzten Eintrag nicht wirklich viel gemacht am Projekt, aber ich hab’s ein paar Freunden/meinen Eltern davon erzählt/den aktuellen Stand gezeigt und die waren absolut begeistert davon. Motiviert es endlich fertig zu stellen bin ich natürlich trotzdem nicht.
  • Ich habe in Zeitschrift xyz von diesem und jedem Spiel gelesen oder es in der Arkade gezockt und jetzt habe ich die genialste Idee des Jahrtausends das und das zu programmieren. Tun werde ich es natürlich nicht.
  • Ich habe gerade den neusten Film gesehen und wieder einmal festgestellt: Filme sind toll. Soll ich nicht doch lieber Regisseur/Drehbuchautor/wasweißichalles werden? Spiele basteln gefällt mir eigentlich doch nicht so gut. Oder doch besser endlich meinen ersten Romane schreiben?
  • Ich hab‘ diese und jene Lesung verpasst, weil ich verschlafen/was anderes zu tun hatte. Die Hausaufgaben mache ich auch nie und sowieso weiß ich garned, ob der Kurs überhaupt das ist, was ich will. Ach und programmiert habe ich auch nix.
  • Ich hab‘ irgendwie keine Lust und musste mich zwingen zu programmieren oder habe es einfach ganz gelassen.
  • Ich habe Computerzeitschrift xyz gelesen und träume davon auch meinen Namen/Spiel darin zu sehen. Wie? Den Blockbuster mal fertig programmieren? Ach das kann ich auch morgen noch.
  • Wenn ich irgendwann mit dem Projekt fertig werde, was natürlich in den nächsten zwei Wochen passiert, dann werde ich garantiert Millionär und muss nie wieder arbeiten.

Wenn ihr jetzt denkt, dass ich maßlos übertreibe, dann empfehle ich euch mal in die offizielle Leseprobe reinzuschauen mit den ersten 28 von 238 Seiten. Das gibt euch schon einen ersten Eindruck davon, was euch im Rest des Buchs so erwartet.

Der Aufreger

Deathbounce

Deathbounce

Warum mich es aufregt sowas zu lesen? Nun, weil ich grundsätzlich Leute hasse, die nur vor sich hin blubbern, nix gebacken kriegen und am Ende dann auch noch meinen Jammern zu müssen. Natürlich ist es einfacher zu sagen „Ich hab‘ eine Idee für ein Buch“ als tatsächlich ein Buch zu schreiben. Aber wer hat am Ende etwas erreicht? Derjenige, der jedem nur davon erzählt hat wie toll er doch ist oder derjenige, der es einfach macht? Die Spitze des Eisbergs sind dann die Personen, die mehr als offensichtlich auch das Talent hätten um etwas zu erreichen wie eben Jordan Mechner. Aber nein, statt sich mal hinzusetzen und was fertig zu machen (Deathbounce hatte er bereits einen Publisher an der Hand, der aber noch ein paar Änderungen wollte – zu viel Arbeit!), wird einfach weitergeträumt und was anderes angefangen. Wie viel hätte der Mann wohl noch erreicht, wenn er drangeblieben wäre und genauso seine Zeitpläne zumindest rudimentär eingehalten hätte (es vergingen teilweise Monate, in denen nix passierte!)?

Natürlich kann man ebenso dagegen argumentieren: Was wäre, wenn er Deathbounce vor 30 Jahren veröffentlicht (2012 hat er es dann doch mal online gestellt) und es tatsächlich ein Hit/kein Hit geworden wäre? Hätte er sich dann überhaupt noch an Karateka gewagt? Da sage ich aber klipp und klar: Dann hätten wir garantiert was anderes Geniales von ihm bekommen. Wie gesagt, der Mann hat(te) definitiv extrem viel Talent und viele innovative Ideen wie man seinem Tagebuch entnehmen kann. Aber er hat halt (fast) nix draus gemacht. Und das finde ich wieder einmal äußerst schade.

Bitte? Das geht uns allen so? Stimmt. Die verpassten Chancen, die wir „damals“ nicht ergriffen haben und denen wir jetzt nachtrauen und die Stunden der Müßigkeit, in denen wir absolut nichts erreicht haben. Sie sind Teil unseres Lebens und machen uns sicherlich auch ein Stück weit zu dem, was wir heute sind. Das entschuldigt trotzdem nicht dafür, dass ihr faul dasitzt, auf YouTube Katzenvideos anschaut und nichts aus eurem Leben macht! Ja, du bist gemeint Christoph!

Beim Christoph meint: Unabhängig davon, dass mich die Person Jordan Mechner hinter den Tagebucheinträgen nervt (allerdings im zweiten Teil bei weitem nicht so stark), kann ich die beiden Bücher trotzdem nur wärmstens empfehlen. Speziell natürlich Teil 2 über Prince of Persia, da das vermutlich mehr Leute kennen als Karateka. Ich würde trotzdem beide lesen, da auch schon bei Karateka die ersten Anzeichen von dem vorhanden sind, was noch kommen wird.

Wie gesagt geben beide äußerst interessante Einblicke in die Welt eines etwas anderen „Bedroom-Developers“ der 80iger, der eben nicht wie Richard Garriott gleich seine erste Firma gegründet hat oder wie John Carmack eine Arbeitsmaschine war, sondern in seiner Stube hockte und irgendwie verdammt viel Glück hatte.

PS: 6.11. ist der Bereitstellungstermin. Eine Woche noch!

Vor fast genau sechs Jahren habe ich euch an dieser Stelle erzählt gehabt welche Spielzeitschriften ich abonniert habe und warum. Doch die Zeit vergeht. Magazine werden eingestellt, Redaktionen ausgewechselt und, noch viel wichtiger, mein Geschmack verändert sich. Vor allem letzteres hat dazu geführt, dass ich von den fünf genannten Zeitschriften keine einzige heutzutage mehr lese.

Grundsätzlich lässt sich nämlich sagen, dass mich diese Art der Spieleberichterstattung mit ihren Vorschauen und ihren Tests mittlerweile absolut überhaupt nicht mehr interessiert — und zwar sowohl offline als auch online und egal in welcher Form (RockPaperShotgun-Flapsig oder GameStar-ernst). Ich schau mir höchstens bei The Escapist oder Gametrailers ein paar Videos an und blicke hin und wieder Total Biscuit über die Schulter. Das war es aber dann auch schon. Achievement Hunter, Zero Punctuation und wie sie alle heißen konsumiere ich zur Unterhaltung und nicht, um mich ernsthaft über einen Titel zu informieren.

Nur wenn ich mir tatsächlich unsicher bin, also meist bei einem Titel, den ich nicht ganz so gut einschätzen kann oder kenne, dann lese ich selbstverständlich auch mal die Testberichte. Einfach um ein Gefühl dafür zu bekommen und durchaus sogar dann auf Basis dessen eine Kaufentscheidung zu treffen. Aber abseits davon bin ich mittlerweile zu der Sorte von Leser geworden, die höchstens noch die Wertung anschaut.

Total ignorant

Nein, so wirklich rational begründen kann ich das nicht. Ich vermute es ist so eine Mischung aus „alles schon gelesen“ beziehungsweise „nichts mehr Neues für mich, da ich sowieso alle News dazu kenne“, „das Spiel liegt eh am Releasetag bei mir im Briefkasten, egal was irgendwer darüber in einem Test schreibt“, „auf die Meinung dieses und jenen Redakteurs/Magazins gebe ich sowieso nichts“ sowie der schlichten Tatsache, dass mich mittlerweile einfach mehr das Hintergründige (Reportagen, Porträts, Post-Mortems) interessiert. Mir ist natürlich klar, dass es äußerst paradox ist selbst quasi solche Inhalte zu produzieren und dann vehement die Sachen der anderen einfach zu ignorieren. Zumal ein Blick auf das Geschreibsel der Anderen auch einen gewissen Lernfaktor mit sich bringt (was macht der falsch, was macht er richtig, was könnte ich ihm abschauen, etc.). Aber am Ende des Tages stellt sich nun einmal mir genauso wie euch die Frage in was ich meine kostbare (Frei-)Zeit investiere. Und in Sachen Vorschau und Tests lesen ist für mich persönlich die Antwort ganz klar: Zeitverschwendung.

Womit wir wieder beim anfänglichen Thema wären: Wenn ich die Magazine von damals nicht mehr konsumiere, was lese ich denn dann derzeit so an Print-Erzeugnissen? Nun, ganz einfach. Diese hier:

Cover der englischen EDGEEDGE (englisch) – Im Prinzip könnte ich hier einfach wiederholen, was ich damals schon zur deutschen Übersetzung gesagt hatte. Nachdem diese leider sehr schnell wieder von Computec eingestellt wurde, bin ich nämlich zum Kauf der englischen Version übergegangen. Mir gefällt an der EDGE weiterhin fast alles und jedes Mal wenn die Mail kommt „Ihr Abo läuft aus, wollen Sie nicht ihr Abo verlängern?“ überlege ich da gar nicht lange und hau nochmal zwei Jahre drauf. Da wäre zum einen natürlich die immer noch sehr stylische Aufmachung des Hefts mit seiner Einfachheit innen (viel Freiraum für den Text) wie außen (auf manchen Covern ist nicht einmal das Logo der Zeitschrift auf den ersten Blick sichtbar!). Zum anderen aber selbstverständlich auch das äußerst hohe Niveau des Inhalts.

Von den meist sehr interessanten Kolumnen bis hin zu den hervorragenden Reportagen mit Post-Mortems, Studio/Entwickler-Porträts und generell dem Blick auf die Menschen, Tools und Businessseite der Medaille. Hier wird definitiv etwas Besseres geboten in jeder Hinsicht inklusive hochwertigem Papier und jede Ausgabe um die 150 Seiten mit vergleichsweise wenig Werbung und diese dann hauptsächlich für Tools und Entwicklerjobs und weniger für Spiele. Auch die Qualität der Schreibe ist höher als man es vielleicht sonst gewohnt ist, die Autoren werden aber weiterhin nur gesammelt im Impressum angegeben. Ihr wisst also nicht von wem jetzt welcher Text ist. Die Tests überfliege ich allerdings trotzdem meist nur beziehungsweise lese hauptsächlich nur die relativ neu eingeführten Hintergrundartikel (Ein Interview, ein Kommentar, eine Analyse, etc. — alles jeweils eine Seite nach dem Test). Und das alles für gerade mal sechs Euro (fünf britische Pfund) beziehungsweise aktuell bezahle ich sogar nur fünf Euro pro Ausgabe (inklusive Versand und so drin!).

Cover des englischen Game Developer MagazineGames Developer Magazine (englisch) – Das Hardcore-Branchenmagazin von Entwickler für Entwickler (die meisten Texte sind von Branchenleuten). Zumindest war es das mal. Mit der Ausgabe Juni/Juli 2013 wird es nämlich nach 19 Jahren leider eingestellt — sowohl offline als auch die digitale Variante. Geht stattdessen jetzt alles vollständig in Gamasutra über. Die Inhalte gehen also nicht verloren, aber dennoch ist es natürlich wie immer schade so ein Magazin vom Markt verschwinden zu sehen. Das Auszeichnungsmerkmal des Game Developer waren/sind (auf Gamasutra erscheinen sie ja weiterhin) vor allem die umfangreichen und zahlreichen Post Mortems (aktuell unter anderem zu FTL: Faster Than Light und XCOM: Enemy Unknown), die ich auch für meine Porträts immer gerne als Quelle hernehme. Diese sind nicht nur detaillierter als das, was EDGE anbietet, die Artikel stammen auch vom Entwickler selbst. Da kann man noch so viele Interviews führen, das ist einfach eine ganz andere Perspektive. Das bedeutet jetzt aber nicht, dass es Lobeshymnen sind. Ganz im Gegenteil gehen die Jungs schon durchaus kritisch mit sich selbst um.

Der Rest der rund 80 Seiten auf typisch amerikanischen Schlabber-Papier ist gefüllt mit Kommentaren über den Status der Industrie, Berichten über aktuelle Trends und auch Tipps & Tricks zu Entwickler-relevanten Themen. Letztere übersteigen dann aber selbst meine Kompetenz, wenn es wirklich tief in die Technik hineingeht (wie programmiert man am besten das und das etc. oder Vorstellungen von Tools). Selbst der Artikel in der aktuellen Ausgabe „Programmer, interrupted“ ist schon extrem wissenschaftlich. Darin wird analysiert wie es sich vermeiden lässt seine Coding-Sessions unnötig zu unterbrechen inklusive Erklärungen wie das Gehirn funktioniert, die Unterschiede zwischen den einzelnen Erinnerungsarten und was weiß ich noch. Sicherlich ganz interessant, aber ich verstehe da definitiv nur Bahnhof :smile: . Unterm Strich war es aber ganz klar ein sehr informatives Magazin und vor allem eines, bei dem es tatsächlich Sinn hatte es sich quasi als Nachschlagewerk ins Regal zu stellen. Aber immerhin gibt es ja noch zumindest noch online Gamasutra. Muss ich dort eben in Zukunft öfters vorbeisurfen.

Cover der deutschen Making GamesMaking Games (deutsch) – Im Prinzip das deutsche Equivalent zum Game Developer Magazine inklusive dem starken Fokus darauf die Entwickler selbst die Texte schreiben zu lassen. In Sachen Preis (6,90 Euro für 80-90 Seiten) liegt es auch ziemlich gleich auf. Definitiv keine billige Angelegenheit diese Heft, was aber natürlich auch an seinem Nischencharakter liegt. Die Qualität der Themen und Artikel schwankt außerdem ein wenig. In der aktuellen Ausgabe geht es beispielsweise um Let’s Plays, was prinzipiell natürlich aktuell hochinteressant für mich ist. Aber beim Lesen wurde mir dann doch schnell klar, dass das Ganze nicht sehr durchdacht und äußerst oberflächlich ist.

Lag vielleicht auch ein Stück weit an der Qualität der deutschen Let’s-Play-Szene an sich (die auch kräftig mitgemischt hat bei der Erstellung der Artikel), aber trotzdem fand ich beispielsweise das Kickstarter-Thema in der vorherigen Ausgabe wesentlich besser umgesetzt. Und das ist definitiv ein durchgängiges Problem des Magazins. Es fehlt ihm immer noch an der Konsistenz in Sachen Qualität einer EDGE oder eines Game Developer Magazine. Aber vorerst halte ich ihm weiter die Treue. Schon allein, um es zu unterstützen, dass es in Deutschland so ein Heft gibt. Außerdem kommen speziell natürlich deutsche Entwickler zu Wort, die man in den englischen Heften nur selten vorfindet (Yager Development mit Spec Ops: The Line und Crytek mit Crysis — und das war’s dann auch schon wieder).

Cover der englischen Retro GamerRetro Gamer (englisch) – GamersGlobal ist schuld. Bevor die deutsche Ausgabe ins Leben gerufen wurde, kannte ich die englische nicht. Und wäre die deutsche Fassung ein monatliches Heft, hätte ich vielleicht sogar sie abonniert. Aber an einer Übersetzung einer Sammelausgabe der englischen Fassung habe ich dann doch leider kein Interesse und greife lieber zum Original — inklusive dem britischen Blickwinkel auf die Themen.

Für 6,30 Euro (in England 4,99 GBP am Kiosk) gibt’s jeden Monat um die 120 Seiten auf hochwertigem Papier und größerem Format (größer als ein DINA4-Blatt) vollgestopft mit Retro-Themen (logischerweise). Sie berichten zwar auch unter dem Namen „Future Classics“ über mehr oder weniger aktuelle Titel, aber das Hauptaugenmerk liegt definitiv auf Hintergrundberichten und „Tests“ zu den mehr oder weniger bekannten Klassikern und der damit verbundenen Hardware. Dazu gehören natürlich auch ausführliche Interviews mit den Leuten dahinter sowie sehr viel Nostalgie von Seiten der Redakteure („Ich hab‘ das damals so erlebt:“). Letzteres ist ein zweischneidiges Schwert und kann unter Umständen auch nerven im ein oder anderen Artikel (Hör auf der Vergangenheit nachzuweinen!). Das größere Format des Hefts kommt hingegen bei den Screenshots dann voll zur Geltung. Egal wie Pixelig: Es wird sehr oft ganz groß aufgezogen und dominant in den Vordergrund gestellt, was ich persönlich sehr cool finde. Man muss aber dennoch ganz klar sagen: Das Heft ist was das Layout angeht doch sehr stark überladen und hat auch keinen eindeutigen Look. Stattdessen passt es sich sehr stark den Inhalten an. Das ist nicht jedermanns Sache und auch ich finde es stellenweise äußerst unübersichtlich. Unterm Strich hält es mich aber genauso wenig wie die anderen Negativpunkt nicht vom Lesen ab.

Cover der englischen EDGERetro (deutsch) – Das Abo läuft nur noch bis Ende Juni. Habe es jetzt doch endlich mal gekündigt. Zu zahlreich sind die inhaltlichen Fehler (angefangen von offensichtlichen Schreibfehlern bis hin zu tatsächlich falschen Fakten), zu Dilettant die Aufmachung und zu oberflächlich die Inhalte. Ja, das Heft stammt von einem kleinen Verlag und wird wohl vor allem von Retrofans mit nicht unbedingt der großen journalistischen Erfahrung produziert. Deshalb habe ich ihm wohl auch so lange die Treue gehalten und über die Probleme hinweggesehen. Aber im Vergleich zur Retro Gamer erwarte ich einfach für 6,95 Euro bei um die 90 Seiten dann doch etwas mehr als nur Großformat und hochwertige Seiten. Zumal das Heft in den letzten Monaten seinem Titel gar nicht mehr richtig gerecht wurde. Was hat zum Beispiel Micky Epic 2: Die Macht der Zwei auf einem Retro-Heft auf dem Cover zu suchen?

Das einzige, was das Heft immer noch etwas von der Konkurrenz abhebt sind die Berichte über die Szene an sich. Meist wird ja nur über die Spiele und so berichtet (wobei die Retro Gamer auch einen Blick auf die Home Brew Jungs wirft). In der Retro wurde auch jedes Mal ein Blick hinter die Kulissen geworfen. Was machen die Retrofans derzeit so (LANs, Museen, Events, etc.) und auch was es so an Neuerungen gibt (neue Hardware-Mods beispielsweise). Das ist ganz interessant. Aber für mich reicht das nicht aus, um die dicken inhaltlichen Probleme zu kaschieren. Und das dickste ist schlicht und einfach, dass das Heft zwar den Namen „Retro“ trägt aber mittlerweile nicht mehr viel Retro drinsteckt.

Cover der deutschen elektrospielerelektrospieler (deutsch) – Das Abo läuft nur noch bis Ende des Jahres (Kündigungszeitpunkt verpasst…). Stammt vom gleichen Verlag wie die Retro und war das absolute Hype-Heft als es 2009 auf den Markt kam. Die Elite-Blogger waren total begeistert (vermutlich, weil ein paar von ihnen Texte dafür verfassen). Der Fokus sollte auf die Ästhetik der Spiele liegen, sprich großformatige und ganzseitige Screenshots sowie auf einer inhaltlich anspruchsvollen Behandlung der Spiele. Sprich das, was Herr Christian Schmidt sich so sehr in seinem Spiegel Online-Kommentar so wünschte. Entsprechend hab‘ ich mir letztes Jahr mal ein Abo gegönnt, um zu schauen was es damit tatsächlich auf sich hat.

Tatsächlich kriege ich für die fünf Euro (ca. 90 Seiten) nichts anderes als eine Hochglanzbroschüre mit Texten, die sich irgendwo zwischen Test- und bemüht pseudo-philosophischen Erlebnisbericht einordnen. Was daran intelligent sein soll, der Slogan des Hefts ist „Das intelligente Games-Magazin“, entzieht sich mir meistens. Hier und da gibt es natürlich schon Lichtblicke je nach Autor, aber da wären wir wieder beim Thema der Konsistenz. Immerhin: Zahlreiche große Bilder mit einem starken Fokus auf Renders und Konzeptzeichnungen gibt es definitiv. Aber für ein Bilderbuch mit Herstellerbildern bezahle ich dann doch nicht unbedingt Geld, wenn es nicht gerade Alice heißt oder einer Collector’s Edition beiliegt. Da schaue ich lieber bei Kotaku und ihrer Fine Art-Ecke vorbei.

Das sind also die fünf Magazine, die ich derzeit noch im Abo habe. Dank meiner Abo-Kündigungen und der Einstellungen des Game Developer Magazines bleiben am Ende des Jahres aber nur noch zwei Heft übrig (EDGE und Retro Gamer). Glaube auch nicht, dass da in nächster Zeit noch was hinzukommen wird.

Nun aber die Frage an euch: Wie sieht es aus? Kriegt ihr noch regelmäßig ein Stück toter Baum geliefert beziehungsweise kauft es am Kiosk, oder habt ihr dem Thema mittlerweile schon komplett abgeschworen?

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