Diese drei Katzen leben zum Glück noch.

Eigentlich wollte ich den heutigen Eintrag mit der Feststellung beginnen, dass in der Casa Lysanda aktuell nicht so viel Spannendes passiert. Deswegen auch der starke Fokus auf Videospiele in den letzten Wochen hier Beim Christoph. Dann kam Lysanda um die Ecke und meint: Laut Facebook liegt eine tote Katze gegenüber der KFZ-Werkstatt am Ortseingang. Also haben wir unsere Utensilien (Tasche, Handtuch, Einweghandschuhe) aus dem Auto geholt, sind losgelaufen und haben sie eingesackt. Anschließend zum nächsten Tierarzt, um den Chip zu prüfen – der leider mal wieder nicht vorhanden war. Tätowierung ebenfalls nicht. Immer Mist sowas.

Was ist daran so schwer, liebe Haustierbesitzer?! Egal ob Hund oder Katz’: Sobald sie im Haus sind sofort chippen lassen und bei TASSO registrieren. Das ist so einfach und kostet max. 50 € (das Chippen, TASSO ist kostenfrei). Ach und, wenn ihr schon beim Tierarzt seid im Falle von Katzen bitte auch gleich kastrieren lassen (ab Woche 12). Rollig sein macht weder Tier noch Mensch Spaß und nein, sie müssen nicht zwingend einmal geworfen haben, um glücklich zu sein. Das ist völliger Blödsinn.

Und kommt mir jetzt bloß nicht mit der Ausrede “aber ich halte sie doch nur in der Wohnung/im Haus, da brauche ich das nicht”! Einmal kurz aus Versehen die Haustür offengelassen und schon ist das Tier von dannen. Das geht schneller als ihr “Pikachu” sagen könnt! Und wenn es mal passiert, seid ihr sicherlich heilfroh, wenn ihr dank des Chips zügig erfahrt, was aus ihm geworden ist bzw. es im besten Fall natürlich umgehend wieder nach Hause zurückgebracht wird. Und ja: Es wäre nicht die erste Katze, die nach so einem Ausflug dann plötzlich mit einem dicken Bauch (=schwanger) zurückkommt. Aber das hatte ich ja schon einmal alles in diesem Eintrag niedergeschrieben. Sollte also für euch nichts Neues sein.

Ich wollte damit nur sagen: Wir hatten am gestrigen Sonntag dann doch plötzlich ein bisschen Action im Haus.

Radikaler Themenwechsel

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Am Donnerstag kam hingegen mal wieder Post aus den amerikanischen Staaten. Der Inhalt: The Making of Nox Archaist. Zur Erinnerung: Nox Archaist ist das erste Computer-Rollenspiel für den Apple II seit über 30 Jahren. Läuft aber dank Emulator auch auf modernen PCs und ist u.a. auf Steam verfügbar (Achtung: Dort erhaltet ihr nur Version 1.1.4 – die aktuelle Fassung 1.1.9 gibt es nur über die Webseite). Es kam Ende 2020 auf den Markt (auf vier doppelseitigen 5,25″-Disketten) – nach einem gescheiterten Kickstarter anno 2017 und einem erfolgreichen dann im Jahr 2019, den ich unterstützt hatte. Neben vielen Features, die man von den damaligen Klassikern wie Ultima V gewohnt ist, bietet das Werk tatsächlich auch einige modernere Annehmlichkeiten (z.B. ein anständiges Inventar mit Hotkeys) und reizt die Möglichkeiten eines Apple II bis aufs Letzte aus.

Entsprechend interessant klang die Idee eines Making-Of-Buchs. Ich kenne zwar die Hardware überhaupt nicht (war komplett vor meiner Zeit) und verstehe entsprechend wie schon bei den Game Engine Black Books in diesen Abschnitten über Assembler Language eher Bahnhof. Aber spannend ist es trotzdem. Im Fall von The Making of Nox Archaist berichtet Mark Lemmert auf rund 230 Seiten woher die Idee kam, wie er Mitstreiter fand, die Inhalte entstanden und eben auch wie viele der vor allem technischen Probleme gelöst wurden. Wie gesagt: Das Spiel holt das letzte Bisschen aus der Hardware heraus. Jedes verfügbare Byte im Speicher wird ausgenutzt und selbst außerhalb der zulässigen Bereiche werden Funktionen versteckt – mit natürlich teilweise unvorhergesehenen Folgen (=Bugs) und der daraus resultierenden, aufwendigen Suchen nach der Ursache. Speziell die Diskettenversion, für die die Apple-Community extra einen neuen Treiber geschrieben hat, machte große Probleme und verzögerte die Auslieferung der schicken und prall gefüllten physischen Packungen an die Backer. Schon krass zu erfahren, wie empfindlich die damaligen Laufwerke waren und wie kompliziert die Leseprozesse.

Nox Archaist (Herstellerbild)

Aber zurück zum Buch: Ich fand es selbst als Laie sehr gut zu lesen und größtenteils verständlich. Es gibt hier und da ein paar Wiederholungen – gefühlt wurden einige Absätze völlig getrennt voneinander geschrieben –, das ist aber nicht weiter schlimm. Ich hätte mir aber tatsächlich noch mehr Inhalt gewünscht. Es werden zwar grob alle Bereiche des Entwicklungszyklus angeschnitten und auch ein paar der Mitstreiter bekommen jeweils ein paar Seiten spendiert, um hier und da einen Einblick in ihren Part zu geben. Dennoch bleibt gefühlt sehr viel auf der Strecke. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich um so ein historisches Ereignis handelt. Es wurde immerhin so viel getan, um eben nicht einfach nur eine Hommage an die damaligen Werke zu basteln, sondern eher ein “Wie hätte die nächste Generation von CRPGs für den Apple II ausgehen?”. Mark Lammert lässt zumindest offen, ob es vielleicht noch ein zweites Buch geben wird. Dann aber mit mehr technischen Details, um quasi die immer noch lebendige Apple-II-Community zu unterstützen und eben die vielen Tricks ausführlicher niederzuschreiben, die angewandt wurden.

Zusammengefasst lässt sich festhalten: Ich habe The Making of Nox Archaist offensichtlich zügig verschlungen (obwohl ich das Spiel selbst bislang nur angespielt habe) und kann es nur empfehlen. Mit der Einschränkung versteht sich, dass man sich für solche Hintergrundberichte interessiert. Wer einen Liebesroman sucht, wird damit logischerweise nicht glücklich :wink: .

Mangas und ich… irgendwie immer noch zwei Welten, die da aufeinandertreffen. Ich habe tatsächlich seit den zwei Serien anno 2015 keinen einzigen weiteren gelesen, obwohl unser Haus dank Lysanda “vollgestopft” mit Mangas ist (Anm. v. Lysanda: Es ist nur ein Regal!). Animes hingegen? Ein paar mehr – auch, wenn ich nicht so viel davon berichte.

Zuletzt haben wir uns beispielsweise Tsubasa Chronicle* angeschaut. Die Serie zu dem Manga, auf den Lysanda total abgefahren ist. War auch soweit okay. Etwas langatmig (vor allem sekundenlange Einstellungen in denen gar nichts passiert) aber doch unterhaltsam. Leider gibt es da die Tatsache, dass die letzten Folgen nichts mit dem Manga zu tun haben und die Serie quasi einfach mittendrin endet. Soweit ich das verstanden habe, war der Manga einfach noch nicht weit genug fortgeschritten und der Geldhahn wurde zugedreht. Ein Schicksal, das häufiger eine Anime-Serie ereilt. Gab dann noch von einem anderen Anime-Studio zwei OVAs (Tsubasa: Tokyo Revelations* und Tsubasa Shunraiki), die kostenlos bestimmten Bänden des Mangas beilagen und zumindest ein bisschen die Geschichte fortsetzten. Aber insgesamt bleibt man sehr unbefriedigt zurück und muss entweder damit leben, oder halt den Manga lesen.

Wenn ihr allerdings nun denkt, dass ich die Manga-Trockenphase überwunden habe, indem ich Tsubasa – RESERVoir CHRoNiCLE* verschlang, den muss ich leider enttäuschen. Der steht zusammen mit xxxHOLiC*, dessen Anime-Umsetzung faktisch überhaupt nicht mehr zu bekommen ist auf Deutsch, zwar auf meiner sehr langen ToDo-Liste. Aber ich habe mir stattdessen ein anderes Werk gegönnt:

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Alice in Murderland* (Kaori Yuki, 11 Bände, abgeschlossen) – Veteranen dieser Webseite wissen, dass ich total auf Alice im Wunderland abfahre. Also nicht auf das Original. Das sollte man zwar mal gelesen haben, aber das ultimative literarische Meisterwerk ist es aus meiner Sicht nicht. Mich reizen mehr Interpretationen des Werks – vor allem diejenigen, die es eher von einer dunkleren Seite aus betrachten. American McGee’s Alice ist in der Hinsicht mein absoluter und ungeschlagener Favorit. Insofern dürfte nachvollziehbar sein, warum gerade dieser Manga mich angezogen hat.

Es geht um die Familie Kuonji, bestehend aus neun Geschwister sowie Vater und Mutter. Diese trifft sich einmal im Monat zu einer netten Teeparty. Doch die aktuelle birgt eine Überraschung: Mutter Olga eröffnet den Kindern, dass es Zeit wird ein neues Oberhaupt des Hauses Kuonji zu wählen. Anders als in einer Demokratie jedoch nicht über einen Stimmzettel. Stattdessen haben die Geschwister ein Jahr Zeit sich gegenseitig zu töten. Wer übrig bleibt, wird das neue Oberhaupt. Ein klassisches Battle Royale quasi auf dem Grundstück der Familie. Die vierte Tochter des Hauses ist Stella. Sie hat auf das ganze Morden absolut keinen Bock, sie trägt jedoch wie alle anderen Kinder ein Geheimnis in sich. In ihrem Falle die Larvae namens Bloody Alice. Ja, genau diese Alice – inkl. blonden Haaren und hellblauem Dienstmädchenoutfit. Nicht der Vorlage entsprechend: Eine ungeheuerliche Mordlust und mit Maschinengewehren ausgestattet. Während Stella also eigentlich niemanden töten möchte, hat ihr anderes Ich damit keinerlei Probleme und fängt an aufzuräumen.

Ja, in diesem Manga geht es nicht zimperlich zu. Es sterben viele und das auch mitunter auf sehr brutale Art und Weise. Da ist es schon fast gut, dass ich speziell in den Kampfszenen gerne mal die Orientierung verliere und überhaupt nicht verstehe was eigentlich gerade passiert. Ist für mich aber irgendwie ein grundsätzliches Problem von Mangas. Das Format der Bücher ist sehr klein und damit auch die Panele selbst. Gleichzeitig sind die Zeichnungen sehr detailliert und in schwarz-weiß. Da erkenne ich dann nicht mehr wirklich was da gerade passiert (“wurde der Charakter jetzt gerade getroffen? Und wenn ja, von was? Oder ist das nur der Arm?!”). Lysanda meint dazu “Einfach akzeptieren und drüberlesen” aber doof ist das schon ein bisschen. Bei Alice in Murderland im Speziellen hatte ich deswegen auch Probleme mit dem großen Twist ungefähr in der Mitte der Erzählung. So viele Charaktere in den Panels, die gefühlt alle gleich aussehen und zudem übereinander reden. Diesen Abschnitt musste mir am Ende Lysanda erklären, bevor ich verstanden habe wer jetzt was und wie gemacht hat…

Beim Christoph meint: Von mir bekommt Alice in Murderland solide 3 von 5 Sics. Mit Alice im Wunderland hat es am Ende nur sehr wenig zu tun, wie die Autorin auch selbst zugibt (und sich für die Irreführung entschuldigt). Und die Geschichte wirkt hier und da nicht ganz durchdacht. Beispielsweise werden am Anfang ganz viele Regeln für den Kampf aufgestellt, am Ende scheint es irgendwie völlig egal zu sein. Es kämpft einfach jeder wie er will und wo er will. Aber es ist spannend und actionreich genug, um trotz meiner persönlichen Orientierungsprobleme zum Weiterlesen anzuregen. Wer wird überleben? Wer wird sterben? Und schafft es Stella irgendwie diesen Kreislauf des Mordens zu unterbrechen? Ich könnte es euch verraten, aber das wäre ja ein Spoiler :smile: .

Obwohl ich ganz klar ein Faible für Bücher über Videospiele und ihre Macher habe: Ich lese natürlich auch ab und zu mal gerne was „Normaleres”. Ganz aktuell die Werke des britischen Autors und ehemaligen MI5/MI6-Mitarbeiters John le Carré um den Geheimagenten George Smiley. Ihr erinnert euch vielleicht noch, dass mir die BBC-Miniserien mit Sir Alec Guinness von 1979 bzw. 1982 sehr gut gefallen hatten. Der Film von 2011 war nicht ganz so super. Er war aber tatsächlich jetzt der Auslöser, dass ich mir endlich mal die neun Bücher geholt und angefangen habe sie zu lesen.

Ich hatte das Werk von Tomas Alfredson vor kurzem nochmal mit Lysanda geschaut und musste feststellen, dass ich irgendwie 2013 etwas zu gutmütig zu ihm war. Beim erneuten Genuss war er tatsächlich ziemlich langweilig und ganz und gar nicht spannend oder empfehlenswert. Aber gut: Wir werden alle älter und weiser :smile: . Im Anschluss hatte ich auf jeden Fall große Lust endlich mal die Vorlage zu lesen und da ich bekanntlich keine halben Sachen mache, fing ich ganz vorne an. Der Film und die Serie basieren nämlich auf dem fünften (von neun) George-Smiley-Büchern.

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Schatten von gestern (Call for the Dead; 1961; 222 Seiten) – Der erste Band und die Geburtsstunde von George Smiley. Passenderweise eingeleitet mit einem Lebenslauf, der seinen Lebensweg bis zum Beginn der eigentlichen Geschichte nachvollzieht. Ein kleiner, weniger ansehnlicher Mann, dessen Schneider ihn offensichtlich ausnutzt (seine Klamotten sind ihm zu groß). Er hat in Oxford studiert und ist ein Liebhaber eher unbekannter deutscher Poeten aus dem 17. Jahrhundert. Wie auch immer schaffte er es eine absolute Schönheit anzulachen. Die Ehe hielt jedoch nur kurz. Sie verließ ihn für einen berühmten Rennfahrer. Schon 1928 landet er beim britischen Geheimdienst und macht sich speziell im Krieg einen Namen.

Mittlerweile ist der zweite Weltkrieg ein paar Jahre her. Stattdessen tobt der Kalte Krieg und wie überall in der westlichen Welt hat man auch in England Angst vor den Russen/Kommunisten. Das Buch beginnt mit dem Selbstmord des MI6-Agenten Samuel Fennan. Smiley hatte ihn ein paar Tage zuvor einer Unterredung unterzogen, weil er aufgrund eines anonymen Briefs verdächtig wurde ein Doppelagent zu sein. Fennans Frau und sein Abschiedsbrief erwecken den Eindruck, dass es dieses Verhör war, was ihn über die Klippe springen ließ. Also wird Smiley auf Geheiß der Obrigkeit vom Dienst entlassen und die Geschichte ist zu Ende. War ein sehr kurzes Buch…

Nein, natürlich nicht. Wir wissen doch alle, dass in den besten Krimis der gute Polizist/Detektiv/was auch immer erst einmal von den lahmen/korrupten Beamten hintergangen wird und er erst auf sich gestellt anfängt den Fall zu lösen. Es beginnt die Suche nach der Wahrheit. Hat sich Fennan tatsächlich umgebracht, wegen Smileys Verhör oder steckt doch mehr dahinter?

Beim Christoph meint: Ein fulminanter Einstieg in die Saga. Volle 5 von 5 Sics und eine klare Leseempfehlung. Der Start mit dem Lebenslauf mag einem zuerst etwas komisch vorkommen, legt aber die Grundlage für ein äußerst spannendes Katz- und Mausspiel bei dem bis zum Schluss unklar ist wer gewinnt (=überlebt) und verliert (=stirbt) – inkl. einer Art Cliffhanger, der erst in Band 3 aufgelöst wird. Smiley ist ein äußerst komischer aber auf seine Art extrem intelligenter Kauz, der nicht immer alles richtig macht und auch vorbildlich nicht alleine arbeitet – also ganz und gar nicht dem James-Bond-Klischee entspricht. Aber das macht ihn so liebenswert. Le Carré erweckt ihn mit seiner für heutige Verhältnisse vielleicht etwas Altmodischen aber für diese Zeit absolut passenden Schreibe perfekt zum Leben und lässt mich als Leser von Anfang bis Ende mit ihm mitfiebern.

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Ein Mord erster Klasse (A Murder of Quality; 1962; 186 Seiten) – Smiley hat es am Ende des 1. Bands abgelehnt in den Dienst seiner Majestät zurückzukehren. Stattdessen „genießt” er den frühen Ruhestand wie man es so als englischer Gentleman halt tut. Eines Tages kommt die Herausgeberin der kleinen Zeitschrift „Christliche Stimme”, Ailsa Brimley, auf ihn zu. Er kennt sie noch aus dem Krieg. Sie hat einen verstörenden Brief erhalten in dem die langjährige Leserin Stella Rode ihren Verdacht äußert, dass ihr Mann sie umbringen möchte. Ihr Ehemann ist Lehrer am Elite-College Carne, sie „nur” ein einfaches Mädchen vom Lande.

Und tatsächlich: Bevor es Smiley nach Carne schafft ist Ailsa bereits tot. Brutal zusammengeschlagen im Wintergarten ihres Hauses mit einem Stück Koax-Kabel, das ihr Mann als Anschauungsmaterial im Unterricht verwendet hat. Da braucht es keinen Smiley, um den Fall zu lösen. Es war eindeutig nicht der Gärtner, sondern der karrieresüchtige Ehemann, der sich von seiner so gar nicht in die Carne-Gesellschaft passende Frau zurückgehalten sah. Aber wer so denkt, hat vermutlich noch nie in seinem Leben einen Krimi konsumiert. Bis die Wahrheit ans Licht kommt hat Smiley stattdessen so einiges an Detektivarbeit zu leisten, was bei einer eingeschworenen Gesellschaft, wie es die Lehrer von Carne ist, nicht ganz so einfach ist.

Beim Christoph meint: Mit Agenten und Russen hat Ein Mord erster Klasse überhaupt nichts zu tun. Smiley ist einfach nur dabei, weil Le Carré eine ausgearbeitete Figur zur Verfügung hatte. Stattdessen erwartet euch ein klassischer Krimi, der das Genre nicht unbedingt neu erfindet. Der Autor hält sich größtenteils auf den bekannten Pfaden der typischen Leserablenkungen. Wir wissen natürlich alle, dass es am Ende anders kommt als erwartet und die eindeutigen Indizien gegen den Ehemann vermutlich nicht das sind, was sie scheinen.

Von mir gibt’s für den Roman 4 von 5 Sics. Die Geschichte ist erneut spannend und voller Wendungen sowohl für die Charaktere als auch die Leser trotz oder gerade, weil Le Carré einem das ein oder andere offensichtliche Ablenkungsmanöver hinwirft auf das selbst ein Blinder nicht hereinfallen würde. Aber natürlich hatte ich nach dem Agententhriller im ersten Band etwas anderes erwartet als einen „klassischen” Krimi. Das an sich wäre kein Problem aber gleichzeitig haben mich das Setting (ein Elite-College) und die dazugehörigen Akteure (hochnäsige Lehrer) nicht ganz so in den Bann gezogen. Verschlungen habe ich es trotzdem. Insofern… :wink:

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Der Spion, der aus der Kälte kam (The Spy Who Came In from the Cold; 1963; 276 Seiten) – Es geht zurück zum Kalten Krieg – falls ihr es nicht schon anhand des Titels erraten habt. Allerdings hat der Roman sowas von überhaupt nichts mit George Smiley zu tun. Ja, er wird hier und da auf komische Art und Weise in eher unpassenden Nebensätzen erwähnt (so in der Art übernatürlicher Drahtzieher). Aber faktisch kommt er nicht darin vor. Das mag das Marketing extrem irreführend machen aber hat zum Glück keine negativen Auswirkungen auf die Qualität der erzählten Geschichte.

Es geht um den Lenker Alex Leamas. Zuständig für Ostdeutschland hat er in den vergangenen Monaten alle seine Agenten verloren. Sein Gegenspieler ist Hans-Dieter Mundt, einer der Drahtzieher aus dem ersten Buch (der erwähnte Cliffhanger) und ein hochrangiger Spion der Sowjetunion. Die Geschichte beginnt mit dem Tod des letzten Agenten an einem Grenzübergang von Ost nach West. Leamas wird nach London zurückbeordert und in den Innendienst gesteckt. Dort gefällt es ihm aber sowas von überhaupt nicht. Es geht rapide bergab mit ihm (wird Alkoholiker, lässt sich gehen, etc.) und er beendet in Ungnade gefallen seinen Dienst. Anschließend gerät er ins Visier der Ostdeutschen und wird zum Überläufer. Spoiler Tatsächlich ist Leamas aber immer noch für ihre Majestät unterwegs. Sein Überlaufen ist nur eine Farce, um an Mundt heranzukommen.

Beim Christoph meint: Le Carré schreibt im Vorwort meiner Ausgabe, dass er den Erfolg dieses Romans ein Stück falsch findet. Aus seiner Sicht hat er eine völlig fiktive Agentengeschichte geschrieben, die überhaupt nichts mit seiner eigenen Realität beim Geheimdienst zu tun hatte. Stattdessen waren die Kritiker alle begeistert und hielten sie für die absolute Wahrheit (schließlich war Le Carré ja auch Agent). Schnell wurde versucht die Charaktere und Situationen im Buch mit echten Vorkommnissen der damaligen Zeit über ein zu bringen. Und natürlich hat man viele Parallelen gefunden. Aber auch wenn es Le Carré stört, spricht das gerade für sein Werk. Es erfüllt die Leserfantasien. So stellt man sich das Agentenleben als Normalbürger vor, der sowas nur aus Unterhaltungsmedien kennt.

Das Ergebnis ist ein vielleicht nicht akkurates Abbild der Zeit aber dafür ein extrem spannender Agententhriller. Zuerst die Frage, ob Leamas tatsächlich zum Überläufer wird und dann, ob er die zahlreichen Verhöre meistern und sein Ziel Mundt endgültig auszuschalten erreichen wird. Das Finale ist der helle Wahnsinn und überhaupt nicht das, was ich erwartet hätte. Entsprechend gibt es von mir wieder volle 5 von 5 Sics. Statt mit viel Action, hält einen Der Spion, der aus der Kälte kam mit psychologischen Spielchen bei der Stange. Jede Sekunde fiebert man mit und will wissen, wie es weitergeht. Ein wirklich geniales Werk und im direkten Vergleich sogar nochmal besser als Schatten von gestern.

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Krieg im Spiegel (The Looking Glass War; 1965; 319 Seiten) – Le Carré Reaktion auf die Kritiken des Vorgängerbands – mit entsprechendem Ergebnis. Statt Fiktion jetzt Geheimdienstrealität (mit erfundenen Figuren natürlich). Englische Kritiker und Leser fanden es überhaupt nicht gut. Nur ausländische Geheimdienste freuten sich, weil es ihre Sicht auf den britischen Geheimdienst ziemlich genau wiedergab.

Im Vergleich zu Band 3 kommt George Smiley wieder etwas öfter vor, bleibt aber dennoch eine nutzlose Randfigur, die besserwisserisch nervig daherkommt. Keine Ahnung warum. Sowieso wird der „Circus” (MI6) als ignorant und „sich für was besser haltendes” dargestellt. Die Hauptfiguren arbeiten stattdessen bei einem anderen Arm des britischen Geheimdienstes, der sich um militärische Ziele kümmert. Und ein solches soll sich gerade in Ostdeutschland aufgetan haben: Eine geheime russische Raketenbasis in Kalkstadt. Der Kurier mit den dazugehörigen Luftaufnahmen wurde (vermutlich) ermordet. Nun gilt es auf anderem Wege herauszufinden, ob an den Gerüchten was dran ist.

Die Raketenbasis dient aber lediglich als Aufhänger für Le Carré auf mehr als 300 Seiten eine sicherlich realistische aber völlig langweilige Geschichte rund um eine veraltete Truppe zu erzählen, die sich verzweifelt an ihre glorreichen Kriegszeiten klammert. Es geht um Spesen, Ressourcenverteilung, kaputte Ehen, komische Führungspersönlichkeiten, Ämterneid und das Training eines nun in England lebenden Polen, der zu Kriegszeiten bereits für den englischen Geheimdienst gearbeitet hatte. Die Aufgabe: Ihn fit dafür zu machen über die Grenze zu gehen und diese Raketenbasis zu bestätigen oder auch nicht. Und ums gleich zu verraten: Der Übertritt findet fünf Kapitel vor Ende des Buchs statt (insgesamt 23) und wird entsprechend schneller abgehandelt als ein Besuch auf dem Klo. Der Großteil der Erzählung sind wir stattdessen in einem Haus in Oxford in dem der Pole Leiser das Training erhält. Welche Methoden werden angewandt, wie wird er manipuliert, wie macht er sich und derlei Kram.

Beim Christoph meint: 1 von 5 Sics… Ja, ich stimme den damaligen Kritikern zu. Das Buch mag zwar höchst realistisch sein und zeigen, wie der britische Geheimdienst (und vermutlich viele andere) in den 50igern/60igern funktioniert hat. Aber ein guter Roman/Krimi/Thriller sieht definitiv anders aus. Keiner der Charaktere ist auch nur ansatzweise interessant und das ganze Drumherum ist mir sowas von völlig egal. Was interessiert mich wie schwer es ist der Witwe eines Agenten vom Schatzamt eine Pension zukommen zu lassen? Was bringt es mir zu wissen, dass der Nahkampftrainer 10 Schilling für seine Arbeit bekommen hat? Dass der Geheimdienst in einem heruntergekommenen Haus untergebracht ist? Und wie viele Autos jetzt die eine Klitsche zur Verfügung hat und die andere nicht?!

Dazu kommt noch, dass der Aufbau des Buchs häufig miserabel ist. Keine Ahnung ob das an der deutschen Übersetzung und dem dazugehörigen Layout liegt aber da wird fröhlich innerhalb eines Kapitels zwischen Orten und Personen hin- und hergesprungen und zwar oft ohne erkennbaren Zusammenhang und teilweise direkt im nächsten Satz – also ohne irgendeinen offensichtlichen Abstand. Als Leser bin ich dann erstmal total verwirrt wie das jetzt eigentlich mit dem vorherigen Satz zusammenpasst bis ich merke, dass sich hier ja zwei völlig andere Personen unterhalten. Gerne wird das mit Szenen aus dem Circus gemacht wo sich Control und George Smiley miteinander total verschwörerisch unterhalten (passt überhaupt nicht zum im 1. Band etablierten Charakter). Ne, Finger weg von diesem Werk. Mag sein, dass John le Carré damit seine persönliche Erfüllung fand aber das hätte er lieber als Fachbuch oder so niederschreiben sollen.

 

Und damit sind wir am Ende des heutigen Eintrags angekommen. Als nächstes liegt nun endlich Band 5, Dame, As, König, Spion, auf meinem Nachttisch. Mal schauen ob die Jagd nach Karla in schriftlicher Form ähnlich oder sogar noch spannender ist als auf dem Bildschirm. Ich werde euch sicherlich berichten. Was ich jetzt schon sagen kann: Ich habe es definitiv nicht bereut die ersten drei Bände vorher zu lesen. Speziell Schatten von gestern und Der Spion, der aus der Kälte kam sind wirklich erstklassig und ich hoffe, dass Le Carré auf dieser Grundlage im fünften Band aufbaut. Über Band 4 sprechen wir einfach nicht weiter.

PS: Alle vier Bände wurden verfilmt. Am berühmtesten ist wie die Vorlage Der Spion, der aus der Kälte kam mit Richard Burton von 1965, der sogar zwei Oscars erhielt. Muss ich mir wohl jetzt auch alle mal anschauen.

2023 feiert Steven Spielbergs Blockbuster Jurassic Park seinen 30. Geburtstag. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Michael Crichton, der auch zusammen mit David Koepp das Drehbuch schrieb. Ein immer noch sehr beeindruckendes und (technisch) wegweißendes Werk, auch wenn die Wissenschaft sich mittlerweile Dinosaurier etwas anders vorstellt. Es ist insofern nicht ganz zeitlos aber trotzdem: Die Dinos im Film sind selbst heute noch extrem genial. Ja, wenn man genau hinsieht merkt man, dass der imposante T-Rex sich hier und da etwas mechanisch bewegt und die Computergrafikeffekte noch nicht vollends ausgereift sind (speziell in Bezug auf Schatten und Belichtung). Aber das schadet dem Kinoerlebnis absolut nicht. Sobald die ersten Noten von John Williams’ Soundtrack durch die Boxen tönt bin ich sofort wieder mittendrin.

Doch wir wollen heute nicht über den Film (und seine eher vergesslichen Nachfolger) reden, sondern über die Buchvorlage. Die lag nämlich zuletzt inklusive der Fortsetzung im englischsprachigen Original auf meinem Nachttisch. Warum auf Englisch? Weil ich den ersten Band bereits vor Jahren auf Deutsch gelesen hatte und mich im stationären Buchhandel (ja, den gab’s vor Corona noch) ein englischsprachiger Doppelpack für wenig Geld anlachte. Sonst nix :smile: .

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Jurassic Park (Michael Crichton, 480 Seiten, Englisch) – InGen unter dem Vorsitz von John Hammond hat es erfolgreich geschafft mit Hilfe von Blut aus in Harz eingeschlossenen Mücken Dinosaurier zu erschaffen. Und da Hammond der Meinung ist, dass selbstlose Wissenschaft nicht zu gebrauchen ist, nutzt er diese bahnbrechende Erfindung auf die kapitalistischste Weise, die man sich denken kann: Er baut auf der Insel Isla Nublar vor der Küste von Costa Rica einen Freizeitpark namens Jurassic Park. Da sich dort jedoch kurz vor der Eröffnung die Unfälle häufen, werden seine Investoren nervös. Also heuert er den Paläontologen Alan Grant und die Paläobotanikerin Ellie Sattler als Berater an und lädt sie für ein Wochenende auf die Insel ein. Quasi, um zu zeigen wie toll und sicher alles ist.

Neben vielen weiteren Charakteren auch auf der Insel: Ian Malcom, ein Chaosforscher (“je komplexer das System, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es aus dem Ruder läuft“) der für Hammond eine Studie verfasst hat, Donald Gennaro – ein Anwalt der Investoren -, und Hammonds Enkelkinder Tim und Alexis (der Park ist ja total sicher). Ach und natürlich der egoistische Programmierer Nedry, der vom Konkurrenten Biosyn bestochen wird ein paar Dino-Embryos zu klauen. Der Park hat zwar schon so mit Problemen zu kämpfen aber der zum Diebstahl dazugehörige Computerausfall führt dann endgültig dazu, dass die Hölle losbricht (wie es Ian vorhergesagt hat). Speziell die als extrem intelligent dargestellten Velociraptoren richten ein buchstäbliches Massaker unter den Protagonisten und Arbeitern auf der Insel an. Ian sieht seine Chaostheorie (eine reale Sache, die im Buch ausgiebig vorgestellt wird) bestätigt, Hammond kann all das nicht fassen (Kapitalismuskritik) und Dr. Wu hat eigentlich keine Ahnung was er da tut, machts aber einfach, weil er es kann (Wissenschaftskritik).

Beim Christoph meint: Von mir gibt es für das Werk 4 von 5 Sics. Es ist grundsätzlich ein absolut geniales und äußerst spannend erzähltes Buch. Es passiert viel und bis zu Letzt ist unklar, wer aus der Sache lebend herauskommen wird. Gleichzeitig lernt man auch etwas, denn Michael Crichton hat offensichtlich ausgiebig im Vorfeld recherchiert. Ja, einiges davon ist mittlerweile veraltet, weil es seit 1990 neue Erkenntnisse gab. Aber dafür kann er ja nichts. Speziell natürlich Ians teils seitenlange Erklärungen sind nicht so trocken wie man es erwarten würde. Den fünften Sic muss ich dem Werk aber leider aus einem einfachen Grund verweigern: Es ist tatsächlich zu lang.

Was meine ich damit? Nun, zum einen sind ein paar Szenen dabei (z.B. die Flussfahrt), die irgendwie nicht so recht ins große Ganze passen und gefühlt zu lange dauern ohne, dass wirklich etwas relevantes rauskommt. Zum anderen hat Michael Crichton an der völlig falschen Stelle aufgehört. Das Stichwort hier heißt “Ausflug zum Nest“. Der hatte keinerlei Mehrwert und die Charaktere haben dort nicht einmal das gemacht, was sie angeblich tun wollten. Und sonderlich spannend ist es ebenfalls nicht. Ne, nach diesem Finale war ich tatsächlich etwas genervt. Dennoch: Das Buch ist eine absolute Leseempfehlung. Vor allem, wenn man Fan des Films ist.

 

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The Lost World (Michael Crichton, 432 Seiten, Englisch) – Die einzige Fortsetzung die Michael Crichton jemals geschrieben hat. Fast schon unvorstellbar heutzutage in einer Zeit in der gefühlt jedes Buch sofort mindestens als Trilogie ausgelegt wird (die meistens dann nicht erscheint, weil Teil 1 gefloppt isr). Aber die Fans (und Hollywood: Sie wollten einen zweiten Film) flehten den Autor um eine weitere Geschichte an und er gab nach. Das Ergebnis spielt auf der Vulkaninsel Isla Sorna auch bekannt als “Site B“. Während auf Isla Nublar der Park entstand, wurden auf dieser Insel die Dinosaurier gezüchtet. Und jetzt, sechs Jahre nach dem Park-Desaster, werden von dort aus unerfindlichen Gründen Kadaver an die Küsten von Costa Rica geschwemmt. Die Regierung hat entsprechend große Probleme die Sache weiter zu vertuschen und immer mehr Leute haben ein starkes Interesse daran diese geheimnisvolle Insel zu finden.

Auf der Seite der “Guten“ haben wir Dr. Richard Levine, ein eingebildeter aber reicher Paläontologe, der unter allen Umständen die Insel finden und erkunden möchte ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben. Unterstützt wird er von Doc Thorne, ein ehemaliger Professor, der nun Spezialanfertigungen für Expeditionen baut sowie dessen Angestellter Eddie Carr. Eher unfreiwillig kommt noch der Mathematiker Ian Malcom dazu, der technisch gesehen (Spoiler) den Parkunfall im ersten Buch nicht überlebt hat. Aber Michael Crichton meinte, er käme ohne seine ironische Stimme nicht aus also wurde kurzerhand die Geschichte etwas umgeschrieben. Die letzte Erwachsene im Bunde ist Sarah Harding, eine toughe Zoologin aus Afrika und ehemalige Freundin von Ian. Und natürlich – man kommt ja leider nicht ohne aus – zwei Kinder namens Kelly und Arby, die sich selbst auf die Expedition mit einladen und mehrfach den Tag retten. Die Bösewichter sind hingegen drei Vertreter von Biosyn. Die bereits oben erwähnte Konkurrenzfirma von InGen, die im ersten Buch Nedry damit beauftragten Embryos zu stehlen. Dieses Mal haben sie es auf die Eier in den Dino-Nestern abgesehen.

Insgesamt tatsächlich nur eine Handvoll Charaktere, die vorkommen und die Kinder sind weniger nervig als erwartet. Wie immer läuft am Anfang alles super duber. Alle Parteien kommen irgendwie auf Isla Sorna an, verfolgen zuerst erfolgreich ihre Ziele (Beobachten/Eier stehlen) und sind total begeistert von den verschiedenen Arten von Dinos – also außer Ian, der bekanntlich schon genug Erfahrungen mit T-Rex & Co. gemacht hat. Als die Bösewichter dann aber T-Rex-Eier an sich reißen wollen und die Eltern es nicht so durfte finden, geht die ganze Sache für alle Parteien zügig den Bach runter. Der spannende Kampf ums Überleben beginnt erneut. Ian ist dabei immer noch der Chaosforscher aber die zentralen Themen des Buchs sind eher die Theorien über das Aussterben von Arten und erneut viel Kritik an Wissenschaftlern. Zum einen, weil sie auf Site B wie im Park völlig unwissend viel Blödsinn verzapft haben. Zum anderen von wegen, dass es überhaupt keine objektive Wissenschaft gibt. Sprich sobald ich etwas beobachte, verändere ich es dabei gleichzeitig und bringe das gesamte Ökosystem durcheinander.

Der Roman ist übrigens inspiriert vom gleichnamigen Buch von Arthur Conan Doyle aus dem Jahre 1912. Auch dort geht es um eine längst vergessene Insel auf der noch Dinosaurier leben. Die Gemeinsamkeiten hören damit aber praktisch schon wieder auf.

Beim Christoph meint: Speziell die erste Hälfte des Buchs war ich nicht so gefesselt wie beim Vorgänger. Es passiert einfach zu wenig. Wenn es dann richtig losgeht wird es zwar erneut sehr spannend und der Informationsgehalt ist ebenfalls wieder ziemlich hoch. Aber trotzdem gibt es von mir nur 3 von 5 Sics, denn ich habe es definitiv öfters freiwillig weggelegt als Band 1.

Ian ist logischerweise wieder das Highlight, obwohl er dieses Mal ziemlich wenig zu tun hat. Sarah Harding ist ebenfalls super und ein gutes Frauenvorbild. Der Rest? Eher meh. Levine ist ein Arschloch aber nicht so ein interessantes Arschloch wie es Hammond war und die Bösen sind erneut nur da, um das Chaos in Gang zu bringen und spielen ansonsten keine wirkliche Rolle. Außerdem stört mich ein wenig, dass Crichton fast vollständig auf die Raptoren als Gefahr setzt. Ja, die T-Rexe haben eine zentrale Szene ganz für sich. Aber die schnell lernend Raptoren sind überall – dabei hatten wir das doch schon im Jurassic Park. Insofern: Kann man mal lesen, muss man aber nicht.

 

Buch vs. Film

Jurassic Park (Universal Pictures-Promobild)

Jetzt stellt sich der ein oder andere zum Abschluss noch die übliche Frage: Was ist besser? Die beiden Bücher oder die beiden dazugehörigen Filme? Die langweilige Antwort: Ich persönlich finde diese Frage mittlerweile doof. Man kann aus meiner Sicht beides nicht wirklich miteinander vergleichen. Jedes Format hat seine Vor- und Nachteile und ist auf seine Art und Weise eine Interpretation der Ereignisse. Im Fall von Jurassic Park erfährt man in den Büchern mehr über die Charaktere und lernt mehr Orte (und Dinos) kennen. Dafür haben die Filme beeindruckende Bilder und einen genialen Soundtrack. Gleichzeitig haben beide Werke ihre eigenen Schwächen. Beispielsweise ist das King Kong-Finale von Vergessene Welt: Jurassic Park absolut bekloppt und unpassend. Das Buch ist aber wie erwähnt jetzt auch nicht der Brüller. Unterm Strich unterhalten mich aber beide Werke auf ihre Art und Weise – und das ist das Wichtigste. Und nein, über Jurassic Park III reden wir hier zum Glück nicht. Das ist einfach nur ein schlechter Film :wink: .

Assassin’s Creed Chronicles: India (Herstellerbild)

Irgendwie bin ich was Videospiele angeht weiterhin voll auf dem Ubisoft-Trip. Seit dem damaligen Eintrag habe ich sowohl FarCry 5 (war okay) als auch FarCry: New Dawn (eher meh) erfolgreich mit allen DLCs beendet. Außerdem flimmerte der Abspann zu Assassin’s Creed Chronicles: China über meinen Monitor und jetzt bin ich mit Assassin’s Creed Chronicles: India beschäftigt, vermutlich gefolgt von Assassin’s Creed Chronicles: Russia. Aber zu den Dreien kommt dann in einem der kommenden Einträge mehr.

Da wir aber sowieso schon den ganzen Tag von früh bis spät am Bildschirm sitzen, gönnen wir uns mittlerweile abends auch mal 1-2 Stunden mit Büchern. Unsere Regale quillen nur nicht hoffnungslos über, weil wir entsprechend viele davon haben (14 Stück oder so) und trotzdem kommt ständig was Neues dazu. Allein auf meinem Nachttisch liegen derzeit mehrere Titel. Neu angefangen habe ich beispielsweise Jurassic Park (Michael Crichton). Das habe ich vor Jahren schonmal auf Deutsch gelesen aber den Nachfolger, The Lost World noch nicht. Also dachte ich mir, ich lese beide Bücher mal im englischen Original. Außerdem habe ich mir wie angekündigt Braving Britannia: Volume II geholt und möchte es priorisiert konsumieren. Dann kam aber eine Lieferung aus Amerika mit den letzten beiden Kollektionen des Webcomics Unshelved über das ich an dieser Stelle schon einmal berichtet hatte (und das danach noch auf Farbe geschwenkt ist). Also habe ich davon alle Bände (12) aus dem Schrank geholt und arbeite mich nun durch diese. Ich bin sogar mittlerweile bei den beiden Neuen angekommen.

Nichts Neues also von mir in der Hinsicht. Lysanda hat sich hingegen durch die Tetralogie Die Todesengel von Jim C. Hines (Hugo Award Winner) gelesen und möchte euch heute davon berichten.

Märchen mal anders

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Der Vorteil der Public Domain ist, dass jeder mit dem alten Kram machen kann, was er will. Entsprechend viele Neuinterpretationen vor allem der alten Meister wie der Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersen oder Lewis Carroll gibt es auf dem Markt. Jim C. Hines Erzählungen fallen ebenfalls in diese Kategorie. Im Kern sind es Fortsetzungen in denen die weiblichen Charaktere nach ihren Erlebnissen in den Märchen gemeinsam Abenteuer erleben. Im Verlauf der Bücher erfährt man aber auch die “Wahrheit” darüber, was damals wirklich passiert ist. Der Buchrücken ist hier ausnahmsweise mal korrekt mit der Aussage “Drei Engel für Charlie meets Fantasy”.

Im ersten Buch, Drei Engel für Armand, geht es um Prinzessin Danielle Whiteshore, geborene de Glas, besser bekannt als Aschenputtel. Als eines Tages ihre Stiefschwester ihren Ehegatten (Prinz Armand) mittels Magie entführt, wird sie mit dem Geheimdienst der Königin bekannt gemacht. Diese stellt ihr Talia (Dornröschen) sowie Schnee (Schneewittchen) an ihre Seite um ihren Sohn zu retten. Im zweiten Band, Die fiese Meerjungfrau geht es hingegen um die namensgebende Meerjungfrau aus Hans Christian Andersens Buch. Anders als im romantisierten Original hat sie sich nämlich nicht für das Glück des Prinzen geopfert, sondern wurde aufgrund von Magie und der Abweisung des Prinzen verrückt. Als dann ein diplomatisches Treffen zwischen Menschen und Meervolk außer Kontrolle gerät liegt es an unseren drei Heldinnen das Leben ihrer Königin zu retten.

Der Titel des dritten Bands, Rotkäppchens Rache, verrät hingegen schon alles: Rotkäppchen (jetzt Roudette) ist zu einer gefürchteten Assassine herangewachsen und hat einen neuen Auftrag bekommen: Dornröschen zu töten. Das kann unser Heldentrio logischerweise nicht zulassen. Der Band erzählt Schwerpunktmäßig die Hintergrundgeschichte von Dornröschen und warum sie jetzt eine niemals schlafende Kämpferin ist, die es mit der Attentäterin Roudette durchaus aufnehmen kann. Natürlich wird auch die Geschichte von Rotkäppchen selbst erzählt. Im bislang letzten Teil, Dämon, Dämon an der Wand kommt der Feind hingegen von innen. Schneewittchen, die Expertin für Spiegelmagie im königlichen Geheimdienst, zerbricht aus Versehen ihren eigenen Spiegel. Das Resultat ist ein freigesetzter Dämon der von Schneewittchen Besitz ergreift, das halbe Schloss inklusive Armand verhext, Jakob (Sohn von Danielle) entführt und loszieht in Schnees Heimatland. Die anderen beiden Prinzessinnen machen sich auf den Weg Schnee, Jakob und alle verhexten zu retten. Insgesamt werden sechs Märchen neu Interpretiert. Das wären Aschenputtel, Schneewittchen, Dornröschen, die kleine Meerjungfrau, Rotkäppchen und die Schneekönigin.

Der Stil

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Die Bücher richten sich aus Lysandas Sicht eher an junge Erwachsene. Sie sind zwar nicht bierernst und der eine oder andere humorvolle Moment kommt durchaus vor. Aber die drei Heldinnen haben in ihrem Leben definitiv schon einiges (durchaus schlimmes) mitgemacht und es wird schnell klar, dass die Märchen eine extrem stilisierte und beschönigende Sicht der Dinge darstellen. Dabei ist schon in den Originalen nicht unbedingt nur Friede, Freude, Eierkuchen. Jim C. Hines Werke zeigen außerdem, dass das Leben nicht mit der Hochzeit und dem obligatorischen “…und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage” endet. Das ist durchaus positiv gemeint. Stattdessen erlebt ihr die Entwicklung von jungen Frauen, die nicht nur neben ihrem Prinzen hübsch aussehen, sondern durch die Hürden, die ihnen das Leben in den Weg stellt ihre eigenen Fähigkeiten entdecken und zu nutzen lernen.

Technisch gesehen ist die Erzählung in jedem Buch in sich abgeschlossen. Aber es macht definitiv mehr Spaß, wenn man sie in chronologischer Reihenfolge liest und so zusammen mit den Heldinnen wächst. Leider ist die Wahrscheinlichkeit eines fünften Buchs eher gering. Inhaltlich lässt der Autor zwar Luft für eine oder sogar mehrere Fortsetzungen – schließlich kann sich der königliche Geheimdienst noch mit vielen weiteren Märchenheldinnen auseinandersetzen. Doch der vierte Band ist bereits vor mittlerweile 10 Jahren erschienen.

Lysanda meint: Ein Kennzeichnen für ein gutes Buch ist bei mir immer, dass ich es im Anschluss zurück ins Regal stelle statt es direkt weiter zu verkaufen. Bei Jim C. Hines Tetralogie Die Todesengel habe ich mich etwas schwer getan diese Entscheidung zu treffen aber am Ende ging sie zu Gunsten des Autors aus und ich gebe der Reihe gerade so 4 von 5 Sics. Warum ich den ersten Band damals gekauft habe, weiß ich tatsächlich nicht mehr. Der steht schon länger im Regal als der Webmaster neben mir im Bett schläft. Bereut habe ich es wie ihr seht nicht ihn gekauft zu haben. Mit Verwunderung stellte ich an seinem Ende jedoch fest, dass es kein Einzelband war und ich mir daher kurzfristig noch die restlichen Bände besorgen musste. Eigentlich hatte ich ihn aus dem Schrank genommen, um ein nettes, kurzweiliges und vor allem einzelnes Buch zu lesen nachdem ich zuvor den vielteiligen Manga Tsubasa verschlungen hatte. So kanns gehen…

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Warum ich trotzdem nur knapp vier Sics vergebe obwohl ich die vier Bände in einem Rutsch gelesen habe (abzüglich der ungeplanten Pause zwischen Band 1 und 2)? Vermutlich ist ein Hauptgrund schlicht, weil keine Figur dabei war mit der ich mich richtig identifizieren konnte. Stattdessen war es einfach “nur” eine unterm Strich nette und unterhaltsame Erzählung. Wie ein Sommerblockbuster quasi – nur mit einer tiefgründigeren Geschichte. Aber das ist völlig okay und trotzdem eine klare Leseempfehlung. Ab und zu darf es auch mal etwas leichtere Kost sein, die einfach nur unterhält. Und starke Frauen, die spannende Abenteuer erleben, sind nie verkehrt. Zudem mag ich grundsätzlich Neuinterpretationen von Märchen solange sie nicht zu gruselig sogar lieber als die Originale. Die sind mir teilweise einfach viel zu “strange” und haben für mich ein völlig veraltetes Rollenbild inkl. meist gesichtsloser Charaktere.

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