2023 feiert Steven Spielbergs Blockbuster Jurassic Park seinen 30. Geburtstag. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Michael Crichton, der auch zusammen mit David Koepp das Drehbuch schrieb. Ein immer noch sehr beeindruckendes und (technisch) wegweißendes Werk, auch wenn die Wissenschaft sich mittlerweile Dinosaurier etwas anders vorstellt. Es ist insofern nicht ganz zeitlos aber trotzdem: Die Dinos im Film sind selbst heute noch extrem genial. Ja, wenn man genau hinsieht merkt man, dass der imposante T-Rex sich hier und da etwas mechanisch bewegt und die Computergrafikeffekte noch nicht vollends ausgereift sind (speziell in Bezug auf Schatten und Belichtung). Aber das schadet dem Kinoerlebnis absolut nicht. Sobald die ersten Noten von John Williams‘ Soundtrack durch die Boxen tönt bin ich sofort wieder mittendrin.

Doch wir wollen heute nicht über den Film (und seine eher vergesslichen Nachfolger) reden, sondern über die Buchvorlage. Die lag nämlich zuletzt inklusive der Fortsetzung im englischsprachigen Original auf meinem Nachttisch. Warum auf Englisch? Weil ich den ersten Band bereits vor Jahren auf Deutsch gelesen hatte und mich im stationären Buchhandel (ja, den gab’s vor Corona noch) ein englischsprachiger Doppelpack für wenig Geld anlachte. Sonst nix :smile: .

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Jurassic Park (Michael Crichton, 480 Seiten, Englisch) – InGen unter dem Vorsitz von John Hammond hat es erfolgreich geschafft mit Hilfe von Blut aus in Harz eingeschlossenen Mücken Dinosaurier zu erschaffen. Und da Hammond der Meinung ist, dass selbstlose Wissenschaft nicht zu gebrauchen ist, nutzt er diese bahnbrechende Erfindung auf die kapitalistischste Weise, die man sich denken kann: Er baut auf der Insel Isla Nublar vor der Küste von Costa Rica einen Freizeitpark namens Jurassic Park. Da sich dort jedoch kurz vor der Eröffnung die Unfälle häufen, werden seine Investoren nervös. Also heuert er den Paläontologen Alan Grant und die Paläobotanikerin Ellie Sattler als Berater an und lädt sie für ein Wochenende auf die Insel ein. Quasi, um zu zeigen wie toll und sicher alles ist.

Neben vielen weiteren Charakteren auch auf der Insel: Ian Malcom, ein Chaosforscher („je komplexer das System, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es aus dem Ruder läuft“) der für Hammond eine Studie verfasst hat, Donald Gennaro – ein Anwalt der Investoren -, und Hammonds Enkelkinder Tim und Alexis (der Park ist ja total sicher). Ach und natürlich der egoistische Programmierer Nedry, der vom Konkurrenten Biosyn bestochen wird ein paar Dino-Embryos zu klauen. Der Park hat zwar schon so mit Problemen zu kämpfen aber der zum Diebstahl dazugehörige Computerausfall führt dann endgültig dazu, dass die Hölle losbricht (wie es Ian vorhergesagt hat). Speziell die als extrem intelligent dargestellten Velociraptoren richten ein buchstäbliches Massaker unter den Protagonisten und Arbeitern auf der Insel an. Ian sieht seine Chaostheorie (eine reale Sache, die im Buch ausgiebig vorgestellt wird) bestätigt, Hammond kann all das nicht fassen (Kapitalismuskritik) und Dr. Wu hat eigentlich keine Ahnung was er da tut, machts aber einfach, weil er es kann (Wissenschaftskritik).

Beim Christoph meint: Von mir gibt es für das Werk 4 von 5 Sics. Es ist grundsätzlich ein absolut geniales und äußerst spannend erzähltes Buch. Es passiert viel und bis zu Letzt ist unklar, wer aus der Sache lebend herauskommen wird. Gleichzeitig lernt man auch etwas, denn Michael Crichton hat offensichtlich ausgiebig im Vorfeld recherchiert. Ja, einiges davon ist mittlerweile veraltet, weil es seit 1990 neue Erkenntnisse gab. Aber dafür kann er ja nichts. Speziell natürlich Ians teils seitenlange Erklärungen sind nicht so trocken wie man es erwarten würde. Den fünften Sic muss ich dem Werk aber leider aus einem einfachen Grund verweigern: Es ist tatsächlich zu lang.

Was meine ich damit? Nun, zum einen sind ein paar Szenen dabei (z.B. die Flussfahrt), die irgendwie nicht so recht ins große Ganze passen und gefühlt zu lange dauern ohne, dass wirklich etwas relevantes rauskommt. Zum anderen hat Michael Crichton an der völlig falschen Stelle aufgehört. Das Stichwort hier heißt „Ausflug zum Nest“. Der hatte keinerlei Mehrwert und die Charaktere haben dort nicht einmal das gemacht, was sie angeblich tun wollten. Und sonderlich spannend ist es ebenfalls nicht. Ne, nach diesem Finale war ich tatsächlich etwas genervt. Dennoch: Das Buch ist eine absolute Leseempfehlung. Vor allem, wenn man Fan des Films ist.

 

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The Lost World (Michael Crichton, 432 Seiten, Englisch) – Die einzige Fortsetzung die Michael Crichton jemals geschrieben hat. Fast schon unvorstellbar heutzutage in einer Zeit in der gefühlt jedes Buch sofort mindestens als Trilogie ausgelegt wird (die meistens dann nicht erscheint, weil Teil 1 gefloppt isr). Aber die Fans (und Hollywood: Sie wollten einen zweiten Film) flehten den Autor um eine weitere Geschichte an und er gab nach. Das Ergebnis spielt auf der Vulkaninsel Isla Sorna auch bekannt als „Site B“. Während auf Isla Nublar der Park entstand, wurden auf dieser Insel die Dinosaurier gezüchtet. Und jetzt, sechs Jahre nach dem Park-Desaster, werden von dort aus unerfindlichen Gründen Kadaver an die Küsten von Costa Rica geschwemmt. Die Regierung hat entsprechend große Probleme die Sache weiter zu vertuschen und immer mehr Leute haben ein starkes Interesse daran diese geheimnisvolle Insel zu finden.

Auf der Seite der „Guten“ haben wir Dr. Richard Levine, ein eingebildeter aber reicher Paläontologe, der unter allen Umständen die Insel finden und erkunden möchte ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben. Unterstützt wird er von Doc Thorne, ein ehemaliger Professor, der nun Spezialanfertigungen für Expeditionen baut sowie dessen Angestellter Eddie Carr. Eher unfreiwillig kommt noch der Mathematiker Ian Malcom dazu, der technisch gesehen (Spoiler) den Parkunfall im ersten Buch nicht überlebt hat. Aber Michael Crichton meinte, er käme ohne seine ironische Stimme nicht aus also wurde kurzerhand die Geschichte etwas umgeschrieben. Die letzte Erwachsene im Bunde ist Sarah Harding, eine toughe Zoologin aus Afrika und ehemalige Freundin von Ian. Und natürlich – man kommt ja leider nicht ohne aus – zwei Kinder namens Kelly und Arby, die sich selbst auf die Expedition mit einladen und mehrfach den Tag retten. Die Bösewichter sind hingegen drei Vertreter von Biosyn. Die bereits oben erwähnte Konkurrenzfirma von InGen, die im ersten Buch Nedry damit beauftragten Embryos zu stehlen. Dieses Mal haben sie es auf die Eier in den Dino-Nestern abgesehen.

Insgesamt tatsächlich nur eine Handvoll Charaktere, die vorkommen und die Kinder sind weniger nervig als erwartet. Wie immer läuft am Anfang alles super duber. Alle Parteien kommen irgendwie auf Isla Sorna an, verfolgen zuerst erfolgreich ihre Ziele (Beobachten/Eier stehlen) und sind total begeistert von den verschiedenen Arten von Dinos – also außer Ian, der bekanntlich schon genug Erfahrungen mit T-Rex & Co. gemacht hat. Als die Bösewichter dann aber T-Rex-Eier an sich reißen wollen und die Eltern es nicht so durfte finden, geht die ganze Sache für alle Parteien zügig den Bach runter. Der spannende Kampf ums Überleben beginnt erneut. Ian ist dabei immer noch der Chaosforscher aber die zentralen Themen des Buchs sind eher die Theorien über das Aussterben von Arten und erneut viel Kritik an Wissenschaftlern. Zum einen, weil sie auf Site B wie im Park völlig unwissend viel Blödsinn verzapft haben. Zum anderen von wegen, dass es überhaupt keine objektive Wissenschaft gibt. Sprich sobald ich etwas beobachte, verändere ich es dabei gleichzeitig und bringe das gesamte Ökosystem durcheinander.

Der Roman ist übrigens inspiriert vom gleichnamigen Buch von Arthur Conan Doyle aus dem Jahre 1912. Auch dort geht es um eine längst vergessene Insel auf der noch Dinosaurier leben. Die Gemeinsamkeiten hören damit aber praktisch schon wieder auf.

Beim Christoph meint: Speziell die erste Hälfte des Buchs war ich nicht so gefesselt wie beim Vorgänger. Es passiert einfach zu wenig. Wenn es dann richtig losgeht wird es zwar erneut sehr spannend und der Informationsgehalt ist ebenfalls wieder ziemlich hoch. Aber trotzdem gibt es von mir nur 3 von 5 Sics, denn ich habe es definitiv öfters freiwillig weggelegt als Band 1.

Ian ist logischerweise wieder das Highlight, obwohl er dieses Mal ziemlich wenig zu tun hat. Sarah Harding ist ebenfalls super und ein gutes Frauenvorbild. Der Rest? Eher meh. Levine ist ein Arschloch aber nicht so ein interessantes Arschloch wie es Hammond war und die Bösen sind erneut nur da, um das Chaos in Gang zu bringen und spielen ansonsten keine wirkliche Rolle. Außerdem stört mich ein wenig, dass Crichton fast vollständig auf die Raptoren als Gefahr setzt. Ja, die T-Rexe haben eine zentrale Szene ganz für sich. Aber die schnell lernend Raptoren sind überall – dabei hatten wir das doch schon im Jurassic Park. Insofern: Kann man mal lesen, muss man aber nicht.

 

Buch vs. Film

Jurassic Park (Universal Pictures-Promobild)

Jetzt stellt sich der ein oder andere zum Abschluss noch die übliche Frage: Was ist besser? Die beiden Bücher oder die beiden dazugehörigen Filme? Die langweilige Antwort: Ich persönlich finde diese Frage mittlerweile doof. Man kann aus meiner Sicht beides nicht wirklich miteinander vergleichen. Jedes Format hat seine Vor- und Nachteile und ist auf seine Art und Weise eine Interpretation der Ereignisse. Im Fall von Jurassic Park erfährt man in den Büchern mehr über die Charaktere und lernt mehr Orte (und Dinos) kennen. Dafür haben die Filme beeindruckende Bilder und einen genialen Soundtrack. Gleichzeitig haben beide Werke ihre eigenen Schwächen. Beispielsweise ist das King Kong-Finale von Vergessene Welt: Jurassic Park absolut bekloppt und unpassend. Das Buch ist aber wie erwähnt jetzt auch nicht der Brüller. Unterm Strich unterhalten mich aber beide Werke auf ihre Art und Weise – und das ist das Wichtigste. Und nein, über Jurassic Park III reden wir hier zum Glück nicht. Das ist einfach nur ein schlechter Film :wink: .

Assassin’s Creed Chronicles: India (Herstellerbild)

Irgendwie bin ich was Videospiele angeht weiterhin voll auf dem Ubisoft-Trip. Seit dem damaligen Eintrag habe ich sowohl FarCry 5 (war okay) als auch FarCry: New Dawn (eher meh) erfolgreich mit allen DLCs beendet. Außerdem flimmerte der Abspann zu Assassin’s Creed Chronicles: China über meinen Monitor und jetzt bin ich mit Assassin’s Creed Chronicles: India beschäftigt, vermutlich gefolgt von Assassin’s Creed Chronicles: Russia. Aber zu den Dreien kommt dann in einem der kommenden Einträge mehr.

Da wir aber sowieso schon den ganzen Tag von früh bis spät am Bildschirm sitzen, gönnen wir uns mittlerweile abends auch mal 1-2 Stunden mit Büchern. Unsere Regale quillen nur nicht hoffnungslos über, weil wir entsprechend viele davon haben (14 Stück oder so) und trotzdem kommt ständig was Neues dazu. Allein auf meinem Nachttisch liegen derzeit mehrere Titel. Neu angefangen habe ich beispielsweise Jurassic Park (Michael Crichton). Das habe ich vor Jahren schonmal auf Deutsch gelesen aber den Nachfolger, The Lost World noch nicht. Also dachte ich mir, ich lese beide Bücher mal im englischen Original. Außerdem habe ich mir wie angekündigt Braving Britannia: Volume II geholt und möchte es priorisiert konsumieren. Dann kam aber eine Lieferung aus Amerika mit den letzten beiden Kollektionen des Webcomics Unshelved über das ich an dieser Stelle schon einmal berichtet hatte (und das danach noch auf Farbe geschwenkt ist). Also habe ich davon alle Bände (12) aus dem Schrank geholt und arbeite mich nun durch diese. Ich bin sogar mittlerweile bei den beiden Neuen angekommen.

Nichts Neues also von mir in der Hinsicht. Lysanda hat sich hingegen durch die Tetralogie Die Todesengel von Jim C. Hines (Hugo Award Winner) gelesen und möchte euch heute davon berichten.

Märchen mal anders

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Der Vorteil der Public Domain ist, dass jeder mit dem alten Kram machen kann, was er will. Entsprechend viele Neuinterpretationen vor allem der alten Meister wie der Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersen oder Lewis Carroll gibt es auf dem Markt. Jim C. Hines Erzählungen fallen ebenfalls in diese Kategorie. Im Kern sind es Fortsetzungen in denen die weiblichen Charaktere nach ihren Erlebnissen in den Märchen gemeinsam Abenteuer erleben. Im Verlauf der Bücher erfährt man aber auch die „Wahrheit“ darüber, was damals wirklich passiert ist. Der Buchrücken ist hier ausnahmsweise mal korrekt mit der Aussage „Drei Engel für Charlie meets Fantasy“.

Im ersten Buch, Drei Engel für Armand, geht es um Prinzessin Danielle Whiteshore, geborene de Glas, besser bekannt als Aschenputtel. Als eines Tages ihre Stiefschwester ihren Ehegatten (Prinz Armand) mittels Magie entführt, wird sie mit dem Geheimdienst der Königin bekannt gemacht. Diese stellt ihr Talia (Dornröschen) sowie Schnee (Schneewittchen) an ihre Seite um ihren Sohn zu retten. Im zweiten Band, Die fiese Meerjungfrau geht es hingegen um die namensgebende Meerjungfrau aus Hans Christian Andersens Buch. Anders als im romantisierten Original hat sie sich nämlich nicht für das Glück des Prinzen geopfert, sondern wurde aufgrund von Magie und der Abweisung des Prinzen verrückt. Als dann ein diplomatisches Treffen zwischen Menschen und Meervolk außer Kontrolle gerät liegt es an unseren drei Heldinnen das Leben ihrer Königin zu retten.

Der Titel des dritten Bands, Rotkäppchens Rache, verrät hingegen schon alles: Rotkäppchen (jetzt Roudette) ist zu einer gefürchteten Assassine herangewachsen und hat einen neuen Auftrag bekommen: Dornröschen zu töten. Das kann unser Heldentrio logischerweise nicht zulassen. Der Band erzählt Schwerpunktmäßig die Hintergrundgeschichte von Dornröschen und warum sie jetzt eine niemals schlafende Kämpferin ist, die es mit der Attentäterin Roudette durchaus aufnehmen kann. Natürlich wird auch die Geschichte von Rotkäppchen selbst erzählt. Im bislang letzten Teil, Dämon, Dämon an der Wand kommt der Feind hingegen von innen. Schneewittchen, die Expertin für Spiegelmagie im königlichen Geheimdienst, zerbricht aus Versehen ihren eigenen Spiegel. Das Resultat ist ein freigesetzter Dämon der von Schneewittchen Besitz ergreift, das halbe Schloss inklusive Armand verhext, Jakob (Sohn von Danielle) entführt und loszieht in Schnees Heimatland. Die anderen beiden Prinzessinnen machen sich auf den Weg Schnee, Jakob und alle verhexten zu retten. Insgesamt werden sechs Märchen neu Interpretiert. Das wären Aschenputtel, Schneewittchen, Dornröschen, die kleine Meerjungfrau, Rotkäppchen und die Schneekönigin.

Der Stil

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Die Bücher richten sich aus Lysandas Sicht eher an junge Erwachsene. Sie sind zwar nicht bierernst und der eine oder andere humorvolle Moment kommt durchaus vor. Aber die drei Heldinnen haben in ihrem Leben definitiv schon einiges (durchaus schlimmes) mitgemacht und es wird schnell klar, dass die Märchen eine extrem stilisierte und beschönigende Sicht der Dinge darstellen. Dabei ist schon in den Originalen nicht unbedingt nur Friede, Freude, Eierkuchen. Jim C. Hines Werke zeigen außerdem, dass das Leben nicht mit der Hochzeit und dem obligatorischen „…und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ endet. Das ist durchaus positiv gemeint. Stattdessen erlebt ihr die Entwicklung von jungen Frauen, die nicht nur neben ihrem Prinzen hübsch aussehen, sondern durch die Hürden, die ihnen das Leben in den Weg stellt ihre eigenen Fähigkeiten entdecken und zu nutzen lernen.

Technisch gesehen ist die Erzählung in jedem Buch in sich abgeschlossen. Aber es macht definitiv mehr Spaß, wenn man sie in chronologischer Reihenfolge liest und so zusammen mit den Heldinnen wächst. Leider ist die Wahrscheinlichkeit eines fünften Buchs eher gering. Inhaltlich lässt der Autor zwar Luft für eine oder sogar mehrere Fortsetzungen – schließlich kann sich der königliche Geheimdienst noch mit vielen weiteren Märchenheldinnen auseinandersetzen. Doch der vierte Band ist bereits vor mittlerweile 10 Jahren erschienen.

Lysanda meint: Ein Kennzeichnen für ein gutes Buch ist bei mir immer, dass ich es im Anschluss zurück ins Regal stelle statt es direkt weiter zu verkaufen. Bei Jim C. Hines Tetralogie Die Todesengel habe ich mich etwas schwer getan diese Entscheidung zu treffen aber am Ende ging sie zu Gunsten des Autors aus und ich gebe der Reihe gerade so 4 von 5 Sics. Warum ich den ersten Band damals gekauft habe, weiß ich tatsächlich nicht mehr. Der steht schon länger im Regal als der Webmaster neben mir im Bett schläft. Bereut habe ich es wie ihr seht nicht ihn gekauft zu haben. Mit Verwunderung stellte ich an seinem Ende jedoch fest, dass es kein Einzelband war und ich mir daher kurzfristig noch die restlichen Bände besorgen musste. Eigentlich hatte ich ihn aus dem Schrank genommen, um ein nettes, kurzweiliges und vor allem einzelnes Buch zu lesen nachdem ich zuvor den vielteiligen Manga Tsubasa verschlungen hatte. So kanns gehen…

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Warum ich trotzdem nur knapp vier Sics vergebe obwohl ich die vier Bände in einem Rutsch gelesen habe (abzüglich der ungeplanten Pause zwischen Band 1 und 2)? Vermutlich ist ein Hauptgrund schlicht, weil keine Figur dabei war mit der ich mich richtig identifizieren konnte. Stattdessen war es einfach „nur“ eine unterm Strich nette und unterhaltsame Erzählung. Wie ein Sommerblockbuster quasi – nur mit einer tiefgründigeren Geschichte. Aber das ist völlig okay und trotzdem eine klare Leseempfehlung. Ab und zu darf es auch mal etwas leichtere Kost sein, die einfach nur unterhält. Und starke Frauen, die spannende Abenteuer erleben, sind nie verkehrt. Zudem mag ich grundsätzlich Neuinterpretationen von Märchen solange sie nicht zu gruselig sogar lieber als die Originale. Die sind mir teilweise einfach viel zu „strange“ und haben für mich ein völlig veraltetes Rollenbild inkl. meist gesichtsloser Charaktere.

Ein glücklicher und zufriedener Balu

Das neue Jahr ist da und wie erwartet war der Übergang im Vergleich zu anderen Jahren wesentlich angenehmer. Zwar hat irgendein Nachbar ab 23 Uhr gemeint laute Musik draußen anmachen zu müssen aber um Mitternacht blieb zumindest das Böllern aus. Erst so 0:10 Uhr war dann doch mal was zu hören für eine Viertelstunde oder so. Balu war sich dabei zwar etwas unsicher und verschwand auch für 2-3 Minuten unter den Esstisch, kam aber gleich wieder zurück auf die Couch gedackelt. Absolut kein Vergleich zu den Vorjahren wo er sich selbst im Keller noch in die hinterste Ecke verkrochen hat aus Angst vor dem Trubel vor der Haustür. Dabei ist er sicher in unseren vier Wänden im Gegensatz zu vielen anderen, die draußen unterwegs sind. Ersten Berichten zufolge wurden allerdings trotz reduziertem Geböllere in diesem Jahr allein rund 250 Hunde bei TASSO vermisst gemeldet.

Es klingt hart und ich weiß, dass ich mir damit absolut keine Freunde mache aber die ganze Sache ist schlicht und einfach Mist und sollte endlich aufhören! Treffen mit Freunden/Familie/Verwandtschaft und eine gute Zeit haben okay, aber bitte ohne Knaller. Es ist schlecht für die Umwelt, schlecht für den Geldbeutel, schlecht für die Tiere und offensichtlich auch für die Gesundheit des einen oder anderen Menschen, wenn man sich so die Nachrichten anschaut. Wenn jemand unbedingt die bösen Geister vertreiben will (was ich stark bezweifle), daher kommt nämlich dieser Brauch, dann lieber laute Musik anmachen und/oder grölend durch die Straßen laufen. Von mir aus zusätzlich wie die Germanen noch ein Wagenrad anzünden und den Hang hinunterrollen lassen, wenn damit kein Flächenbrand ausgelöst wird. Ein paar öffentliche Feuerwerke gerne. Aber bei Privathaushalten sind wir definitiv die Spaßbremse und für ein dauerhaftes Abschaffen dieser „Tradition“. Und wer nun meint, dass ihm dadurch der ganze Spaß am Leben verboten wird, sollte vielleicht mal die böller-freie Zeit nutzen, um ein wenig über sein Leben nachzudenken…  Wem hingegen sein Geld schwer in der Tasche liegt, sollte lieber irgendeine “Spenden statt Böllern“-Aktion unterstützen.

Ja, mich macht das Thema äußerst aggressiv! Aber nun genug davon.

Unser Abend

Unser Glücksglas

Wir haben Silvester 2020 zusammen mit den Katzen auf der Couch verbracht. Total unspektakulär, ich weiß. Wir sind einfach nicht die geselligsten Leute und das ist völlig okay, nur falls irgendjemand meint dem widersprechen zu müssen. So ab 22:30 bis 0:30 Uhr lief Sailor Moon über den Bildschirm (noch 12 Folgen…), davor haben wir uns mit unserem Glücksglas beschäftigt. Mit diesem Glas haben wir im Januar 2020 angefangen. Das Glas funktioniert so: Ihr setzt euch jeden Tag hin und schreibt eine positive Sache auf, die an diesem Tag passiert ist/die euch gefreut hat. Anschließend werft ihr den Zettel ins Glas. Am Ende des Jahres schüttet ihr das Glas dann aus, lest die Zettel nochmal durch und erinnert euch zurück an diese Momente. Hintergrund dieser Spielerei ist es zu lernen positiver zu denken bzw. Positivem mehr Bedeutung zuzumessen. Wir Menschen sehen ja leider grundsätzlich erstmal das Negative und das ist es was uns am besten in Erinnerung bleibt. Mit dem Glücksglas soll dieser Kreislauf ein wenig durchbrochen werden indem ihr bewusst an die schönen Seiten des Lebens denkt.

Wir haben es allerdings nicht täglich befüllt, sondern nur einmal die Woche. Das war zumindest für mich schon schwer genug. Auch, weil ich eher dazu neige die kleinen Dinge zu ignorieren und „signifikante“ Ereignisse suche, die positiv waren oder über die ich mich gefreut habe. Das ist logischerweise der falsche Ansatz. Nicht jede Woche passiert schließlich etwas weltbewegendes. Wäre vermutlich sowieso ganz schön stressig. Stattdessen stehen auf den Zetteln meist eher banale Dinge wie ein nettes Gespräch mit dem Partner, ein schönes Essen, etwas Lustiges was die Katzen gemacht haben oder eine Aufgabe, die mir Freude gemacht hat (Stichwort „Excelliste mit 98.000 Zeilen geschafft“). Wiederholungen oder zumindest gleichlautende Sachen sind da mitunter garantiert. So war das Frühjahr nicht nur hier Beim Christoph dominiert von der Tiefbaumaßnahme – im Glas fanden sich ebenfalls einige Zettel mit Bezug darauf. Aber warum auch nicht? Jeder Fortschritt in der jeweiligen Woche hat mich nun einmal gefreut und war eine positive Sache. Entsprechend waren die Kriterien fürs Glücksglas erfüllt. Und was spricht dagegen sich mehrfach über etwas zu freuen? Dank des Glases hatten Lysanda und ich an Silvester nicht nur die grundsätzliche Gelegenheit unser Jahr gemeinsam positiv Revue passieren zu lassen, sondern auch noch die entsprechenden Stichpunkte dazu. Definitiv eine super Sache, die wir 2021 fortsetzen. Die Zettel von 2020 haben wir übrigens nicht weggeworfen, sondern ins Archiv gepackt, um vielleicht in fünf oder zehn Jahren nochmal drauf zu schauen.

Was zu lesen

Nun ist es aber genug von 2020 im Allgemeinen und Silvester im Speziellen. Lassen wir stattdessen mal wieder Lysanda zu Wort kommen und euch zur Abwechslung zwei (abgeschlossene) Mange-Serien vorstellen. Das hatten wir schon länger nicht mehr. Beide haben nicht nur mit CLAMP das gleiche Autorenteam gemeinsam, sie sind auch in Deutschland restlos ausverkauft und nur noch zu Wucherpreisen erhältlich. Aber solltet ihr sie mal irgendwie für einen guten Preis finden, sie sind sie eine klare Leseempfehlung:

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Magic Knight Rayearth (CLAMP, 6 Bände, abgeschlossen) – Die Geschichte ist in zwei Teile aufgeteilt. In Band 1-3 geht es um die japanischen Schülerinnen (was auch sonst?) Hikaru, Umi und Fuu, die unfreiwillig nach Cephiro transportiert werden. Ihr Schicksal verlangt es von ihnen zu den titelgebenden Magic Knights mit magischen Kräften zu werden und Cephiro zu retten. Dafür müssen sie Prinzessin Emeraude befreien, die in die Fänge des Priesters Zagato geraten ist. Mit an ihrer Seite ist das Fabelwesen Mokona, der typische Comic-Relief-Sidekick.

Nach dem Ende ihres ersten Abenteuers kehren die drei Mädels in den Bänden 4-6 auf eigenen Wunsch zurück nach Cephiro. Erneut steht die Welt vor dem Untergang, dieses Mal aufgrund von Invasoren aus den Welten Othsam, Chizetha und Faleng. Viele neue Charaktere mit eigenen Wünschen und Zielen kommen dazu, die nicht einfach nur auftauchen um gleich wieder zu gehen. Es klingt wie eine 08/15-Heldengeschichte, ist es aber nicht. Das liegt vor allem daran, dass beide Trilogien jeweils ein überraschendes Ende haben.

Beim Christoph meint: Von mir gibt es für den Manga 5 von 5 Sics. Ich habe ihn vor langer Zeit bei einer Klassenfahrt in Koblenz entdeckt. Es war der zweite Manga, den ich jemals gelesen und gekauft habe (Sailor Moon war – wie sollte es anders sein – der Erste). Mittlerweile habe ich ihn sogar schon zweimal verschenkt, weil ich ihn so super finde. Mir gefällt vor allem, dass die Geschichte zum Nachdenken anregt, dabei noch ungewöhnlich (Stichwort „zweidimensionale Quelle“) und lustig ist. Und nein, Mokona ist nicht der einzige Grund zum Lachen. CLAMP hat stattdessen eine gute Balance aus ernsten Themen und netten Pointen geschafft. Nicht unerwähnt lassen möchte ich den sehr detaillierten und trotzdem dynamischen Zeichenstil, der mich sogar dazu brachte die offiziellen Artbooks zu kaufen.

Zusammengefasst kann ich also nur sagen: Auch, wenn der Manga sich an eine jüngere Leserschaft (Mädchen ab 12 Jahren) richtet, lese ich ihn immer noch gerne. Anscheinend bin ich nicht die Einzige, die ihn gut findet, denn er wurde allein in Deutschland schon mehrfach neu aufgelegt und ist trotzdem ständig ausverkauft. Schade, dass es den dazugehörigen Anime nicht einmal mit deutschen Untertiteln gibt.

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Tsubasa – RESERVoir CHRoNiCLE (CLAMP, 28 Bände, abgeschlossen) – Ich habe nicht umsonst zuerst Magic Knight Rayearth erwähnt, denn einige Charaktere daraus kommen ebenfalls in Tsubasa vor. Und nicht nur das: CLAMP hat sich bei insgesamt 17 ihrer Manga-Serien wie Clover, RG Vega oder xxxHOLIC bedient, um das Universum von Tsubasa auszuschmücken. Es ist quasi ein riesiges Manga-Crossover. Wobei das doch nicht ganz stimmt, denn es handelt sich im Falle der Charaktere um neue Inkarnationen. Sie haben weder die gleichen Fähigkeiten noch dieselben Eigenschaften. Es sind also nicht tatsächlich die aus den anderen Serien, sie sehen nur so aus.

Stellt sich natürlich die Frage, wie das funktioniert. Ganz einfach: In Tsubasa geht es um Dimensionsreisen. Die Hauptfiguren sind Sakura, die Prinzessin des Clow-Königreichs und Shaolan. Er ist ihr langjähriger Freund und ein Archäologe, der mehr oder weniger offensichtlich etwas zu verbergen hat. Bei einem Besuch von Sakura bei Shaolan werden ihr von einer bösen Macht die Erinnerungen geklaut. Und da Shaolan logischerweise ein netter Typ ist, versucht er ihr dabei zu helfen sie wieder zu erlangen. Hier kommt dann Yuko Ichihara ins Spiel – die Hexe der Dimensionen. Sie sagt ihm, dass er Sakuras Erinnerungen in verschiedenen Dimensionen einsammeln muss, um sie zu retten. Sie haben dort die Form von Federn angenommen. Die Hexe hilft ihm durch diese Dimensionen zu reisen aber nur unter der Bedingung, dass er ihr das Wertvollste in seinem Besitz gibt. Shaolan denkt nicht lange darüber nach und macht sich zusammen mit dem Schwertkämpfer Kurogane, dem Magier Fye de Flourite und der (anfangs) bewusstlosen Prinzessin auf den Weg. Im Laufe der 28 Bände bereist er anschließend zahlreiche andere Welten auf der Suche nach den Federn.

2014, fünf Jahre nach dem Ende von Tsubasa – RESERVoir CHRoNiCLE, erschien eine Nachfolge-Serie mit drei Bänden unter dem Titel Tsubasa World Chronicle – Niraikanai. Sie setzt direkt ans Ende an und stellt erneut Shaolan in den Mittelpunkt, der dieses Mal die namensgebende Welt Niraikanai retten muss.

Die komplette Serie

Beim Christoph meint: Beide Mangas bekommen von mir jeweils 4 von 5 Sics. Das kommt überraschend, da ich nach dem Kauf quasi nicht mehr geschlafen habe, weil ich ihn einfach nicht weglegen konnte. Einzige Begründung für den fehlenden Sic: Das Ende ist doof und total gemein nach 28 Bänden voller Spannung. Und selbst mit der Fortsetzung wird kein besserer Abschluss nachgeliefert. Eigentlich fehlen hier noch weitere Bände, die aber vermutlich nicht erscheinen werden. Zudem hätte ich mir vereinzelt einen längeren Aufenthalt in der ein oder anderen Welt gewünscht, die einfach total interessant war.

Ansonsten konnte ich die ganze Zeit mit den Charakteren mitfiebern trotz der ein oder anderen Komplexität durch die Dimensionsreisen. Ich wollte ständig wissen wie es weitergeht und „gemeinerweise“ (weil so total spannend) klärt sich erst am Schluss beispielsweise auf, warum der Manga so heißt wie er heißt. Die verschiedenen Geschichten der einzelnen Charaktere werden detailliert abgehandelt und alles fügt sich am Ende zusammen. Laut Verlag ist der Manga für Leser ab 12 Jahren geeignet, das finde ich persönlich aber etwas früh. Dafür gibt es zu viele Details und Zusammenhänge, die man sich über die ganzen Bände hinweg merken muss. Selbst ich werde ihn auf jeden Fall nochmal lesen. Nicht nur, weil er mir so gut gefallen hat, sondern eben auch, weil mir sicherlich das eine oder andere Detail entgangen ist.

2020 neigt sich mit großen Schritten dem Ende zu. Nächste Woche steht sogar schon der Jahresrückblick an. Ja, technisch gesehen dauert das Jahr dann noch weitere vier Tage und es folgt sogar noch ein Katzenmoment. Die 11 Wörter werden in der Eintragsstatistik aber bereits eingerechnet sein und sonstige Überraschungen erwarte ich keine, die Einfluss auf den Text haben werden. Ich hab‘ einfach vor ein paar Jahren entschieden, dass der Jahresrückblick nicht mehr der erste richtige, sondern der letzte Eintrag des Jahres sein wird. Lebt damit :tongue: .

Kommen wir heute stattdessen noch einmal zu einer Top-Liste. Videospiele waren zwar bereits letzte Woche unser Thema aber Beim Christoph ist ja mittlerweile so viel mehr als nur eine Seite über Videospiele (glaube ich zumindest). Lasst uns also mal über den Tellerrand lunzen, was denn 2020 noch so für mich von Interesse war. Erneut gilt: Ich betrachte nur die „Nutzung“ in 2020. Es muss nicht zwingend aus diesem Jahr stammen. Man muss sich ja nicht künstlich limitieren, nur um „Hip“ zu sein.

Das In-Extremo-Konzert in Gothic

Bestes Album: In Extremo – Kompass zur Sonne
Die deutsche Mittelalter-Rockband In Extremo habe ich wie vermutlich viele Spieler anno 2001 erstmals kennen und lieben gelernt. Zur Erinnerung: Damals hatten sie im alten Lager in Gothic einen virtuellen Auftritt. Allerdings war gleichzeitig auch das im gleichen Jahr veröffentlichte Album Sünder ohne Zügel das letzte von ihnen, welches aus meiner Sicht gute Lieder enthielt (mit Ausnahme des genialen Duetts Horizont von Mein Rasend Herz) und entsprechend hoch und runter durch die Boxen lief – bis jetzt. Mit Kompass zur Sonne haben die Jungs aber zumindest bei mir seit langem mal wieder den richtigen Nerv getroffen. Den genauen Grund kann ich euch nicht wirklich, schließlich hat sich der grundsätzliche Sound der Band über die Jahre nicht wirklich groß verändert. Es passt einfach.

Bester Baumarkt: Hornbach
Unsere Go-To-Baumärkte in Darmstadt sind Hornbach und Bauhaus. Beide haben grundsätzlich ihre eigenen Vor- und Nachteile. So gibt es unser begehrtes Plexiglas beispielsweise nur im Bauhaus während gefühlt die Beratung in der Schraubenabteilung im Hornbach wesentlich besser ist. Dieses Jahr waren wir jedoch definitiv häufiger im Hornbach. Zum einen, weil wir nicht so viel Plexiglas gebraucht haben (und es irgendwie dank der Pandemie eh dauernd ausverkauft war) und zum anderen, weil es die Fliegennetze von Windhager nur dort gab‘ (inkl. kostenlosem Versand bei Onlinebestellung). Was bleibt mir also anderes übrig als ihn zum besten Baumarkt des Jahres zu machen? :tongue:

Bester Film: John Wick: Kapitel 3
Unterm Strich war der dritte Teil nicht der ganz große Hammer wie die Vorgänger. Vermutlich, weil einfach viel zu viel los ist. Verständlich, da ja die ganze Stadt hinter Wick her ist aber trotzdem wie gesagt gefühlt etwas zu viel des Guten. Ich meckere aber definitiv auf einem extrem hohen Niveau. Für mich ist die Trilogie das Beste, was im Action-Genre in den letzten Jahren auf den Markt gekommen ist. Zumindest kann ich mich an sonst nichts ähnlich Bemerkenswertes erinnern. Reeves ist Wick und Stahelski setzt ihn perfekt (und wahnsinnig realitätsgetreu) in Szene. Es sind zudem die einzigen Filme, die Lysanda und ich seit Beginn unserer Beziehung bereits mehrfach geschaut haben. Wenn das bei dem Überangebot in unseren Regalen kein Kompliment ist, dann weiß ich auch nicht. Ich bin extrem gespannt auf Teil 4 und 5, die sie anscheinend gleichzeitig drehen wollen.

Bester Baumarkt in der anderen Fahrtrichtung: Globus Baumarkt
Darmstadt hat zwar bereits eine vergleichsweise große Auswahl an Baumärkten, aber in der anderen Himmelsrichtung Richtung Rüsselsheim gibt es selbstverständlich auch noch welche. Darunter einen nahegelegenen toom, in den wir aber nur in wirklichen Notfällen gehen (schlechte Beratung, kleines Sortiment, mäßige Preise) sowie etwas weiter weg einen riesigen Globus inkl. Baumarkt. Kommen wir nicht sehr oft hin, da wir selten in diese Richtung fahren. Aber als wir dieses Jahr mal wieder da waren, waren wir erneut begeistert. Hat doch so einiges im Angebot speziell was Farben angeht, was die Konkurrenz nicht zu bieten hat. Und ja, für Immobilienbesitzer sind Baumärkte echte Highlights. Deswegen gleich zwei Erwähnungen im selben Eintrag :smile: .

Beste Serie: Keine
2020 war kein Fernsehjahr bei uns. Was ich zwar grundsätzlich positiv finde aber wir haben es nicht einmal geschafft nach vier Jahren endlich mal Sailor Moon zu beenden (zum Verfassungszeitpunkt noch 18 Folgen). Entsprechend ist es wenig überraschend, dass wir überhaupt keine einzige Serie neu angefangen geschweige denn fertig geschaut haben. Ich weiß nicht, wie andere das schaffen mit den ständigen Neuveröffentlichungen mit zu halten. Ja, auch die neuen Star Trek-Serien kenne ich immer noch nicht. Ich geh‘ mich ja schon in die Ecke stellen und schämen…

Ist sie nicht hübsch?!

Beste Katze: Maya
Lysanda ist schon ganz gespannt darauf zu erfahren, wie ich diese Wahl begründe. Schließlich ist Maya immer noch unser Problemkind. Sie rotzt weiterhin fleißig alles voll und treibt extrem viel Schabernack. Immerhin macht sie nicht mehr auf die Couch und die Tierarztkosten für sie waren 2020 übersichtlich. Sie hatte sich nur mal einen Magen-Darm-Virus eingefangen und vor ein paar Wochen scheint sie beim nächtlichen Toben etwas unsanft gelandet zu sein (Kralle abgebrochen und kleine Hämatom in der Schulter). Aber ich weiche vom Thema ab: Selbstverständlich sind alle unsere Kind…äh Katzen toll. Maya steht hier nur stellvertretend für alle anderen. Und, weil sie eine extrem hübsche und vornehme Katze ist. Ach und, weil sie mittlerweile so toll „Miau“ sagt und nett um Leckerlis fragt. Vielleicht auch, weil sie mir nicht wie Jules oder Balu ständig auf die Pelle rückt und gestreichelt werden will während Pichu meist gar nicht angefasst werden möchte. Sie mag mich außerdem wesentlich mehr als Lyssi. Aber wie gesagt: Ich habe alle unsere Vierbeiner lieb.

Bester Haushalts-Einkauf: Leifheit Zubehör-Set Pegasus
„Bitte? Ein Ding für 7 Euro ist euer absolutes Highlight?!“ Selbstverständlich! Das sind doch die besten Sachen: Billig und doch extrem nützlich im Alltag. Und ich möchte definitiv dieses Zubehör für unseren Leifheit-Wäscheständer nicht mehr missen. Ja, es sind technisch gesehen bereits zwei davon dabei. Aber zwei mehr machen zumindest bei uns einen extremen Unterschied. Ich hab‘ einfach viel zu viele Stofftaschentücher und wenn ich die alle auf die Leine – vielleicht sogar mit Wäscheklammern – ziehen müsste, würde ich bekloppt werden. In den Pegasus klemme ich sie einfach rein und kann sie mit einem leichten Zug nach dem Trocknen schnell und einfach wieder runterholen. Einfach ein geiles Teil.

Bester Videospielesoundtrack: The Executioner
Das dazugehörige Spiel hat mich leider massiv enttäuscht. Gab‘ auch seit dieser Zeit kein weiteres Update für den Titel und von Akt 2 ist ebenfalls noch keine Spur in Sicht. Der Soundtrack von Ivan Dinges und Alexey Ozhgibesov hat mich jedoch umgehauen und erklingt bis heute sehr häufig aus meinen Boxen (jetzt gerade wieder). Speziell das Hauptthema, Sweet Torture, berührt mich bis tief hinab in meine Seele. Schon, wenn bei Sekunde 10 das zweite Mal der tiefe Ton aus dem Klavier ertönt (direkt ganz am Anfang kommt er noch nicht zur Geltung), läuft mir jedes Mal eine Gänsehaut über meine Arme. Der Klang der Laute, die gezielt eingesetzten Klaviertöne und der verstörende „Kindergesang“ – ein extrem verstörender, depressiver und doch auf seine Art und Weise wahnsinnig faszinierender Track. Echt schade, dass es insgesamt nur sechs Lieder (ca. 19 Minuten) auf dem Album gibt. Hätte sehr gerne noch mehr von den beiden gehört. Aber vielleicht kommt ja irgendwann Akt 2 und damit zusätzliche Musik.

Bestes Buch: Braving Britannia
Trotz der drastischen Reduzierung unseres Fernsehkonsums habe ich es auch 2020 wieder nicht geschafft so viel zu lesen, wie ich gerne möchte. Viel zu viele neue Bücher kamen natürlich trotzdem dazu. Gefühlt unterstütze ich auf Kickstarter schließlich aktuell nichts anderes… Aber gut: Von den Büchern, die ich gelesen habe, gefiel mir das Werk von Wes Locher über die Community von Ultima Online definitiv am besten. Wie ich schon im April schrieb: Ich finde es immer spannend mehr über die Hintergründe eines Spiels und seine Entwicklung zu erfahren. Meist erfolgt es jedoch in Form eines Sach- und Fachbuchs mit wenig Gefühl und Menschlichkeit. Bei diesem Werk ist es anders. Hier zeichnet der Autor stattdessen anhand der persönlichen Geschichten von Leuten, die live dabei waren ein Bild des Spiels. Gibt sogar seit Oktober einen zweiten Band, wie ich bei der Recherche gerade herausgefunden habe. Muss ich gleich mal kaufen.

Schicke Kunst by Lysanda L’eau

Bestes Katzenklappendesign: Lysanda L‘eau
Unsere lieben Katzen haben es dieses Jahr irgendwie geschafft die äußere Katzenklappe explodieren zu lassen. Ich fand‘ sie eines Tages in zwei Teile zerbrochen wieder. Keine Ahnung was da passiert ist (ist nicht im Blickfeld der Kamera). Wir mussten also Ersatz beischaffen. Leider haben wir nirgends eine Klappe mit den exakten Maßen gefunden. Entweder sie waren kleiner oder größer. So blieb uns am Ende nur übrig mit Hilfe eines beschichteten (=wegen Witterung) Bretts einen Adapter zu bauen. Und statt dieses Brett passend zuzuschneiden, kam Lysandas kreative Ader auf die Idee es zu bemalen bzw. genauer gesagt zu bepunkten. Das Ergebnis sieht extrem genial aus, wenn ich das so sagen darf und ist garantiert einzigartig. Die Katzen wissen es aber glaube ich nicht zu schätzen :smile: .

Beste Schreibware: Neuland No.One Outliner
Ich helfe zwar schon lange nicht mehr bei Frau Mama im Laden mit und war entsprechend auch ewig nicht mehr auf der Paperworld in Frankfurt am Main. Neue Schreibwarenprodukte finde ich aber trotzdem weiterhin sehr interessant und ich weiß einen guten Stift definitiv zu schätzen. Leider habe ich überhaupt keine Verwendung dafür, da ich so gut wie nie male oder schreibe. Glücklicherweise sieht das bei Lysanda anders aus. Entsprechend kommt doch hin und wieder mal was Neues ins Haus. Und dieses Jahr haben wir die Firma neuland im Allgemeinen und ihre Stifte im Speziellen entdeckt. Aus deren Sortiment besonders gefallen hat mir der nachfüllbare, permanente Konturenmarker „Outliner“ mit Pinselspitze. Der produziert nicht nur ein schön kräftiges und durchgängiges Schwarz auf dem Papier, es macht auch richtig Spaß es zu tun. Ich würde das Gefühl als „luftig leicht” beschreiben. Richtig geniale Sache. Allerdings nicht für kleine Hände geeignet (relativ dick das Ding) und die Gefahr damit herumzusauen ist extrem hoch.

Bester Partner: Lysanda L’eau
Bitte? Aber es stimmt doch! Also zumindest für mich. Eure Einschätzung wird davon höchstwahrscheinlich abweichen. Das ist auch besser so! Mehr als vier Jahre sind wir nun schon verheiratet und auch, wenn es wie in jeder Beziehung seine Höhen und Tiefen gab, gibt und geben wird: Ich würde es wieder tun. Es war die beste Entscheidung, die ich je in meinem Leben getroffen habe! Irgendwann bekommt ihr die Dame vielleicht auch mal zu Gesicht. Mal schauen :wink: .

 

Bevor ich jedoch noch eine Putzfrau rufen muss, um den ganzen Schleim hier weg zu machen, beenden wir lieber den heutigen Eintrag. Kommende Woche folgt wie eingangs erwähnt der „echte“ Jahresrückblick 2020 und bis dahin (und darüber hinaus) dürft ihr gerne eure persönlichen Konsum-Highlights in die Kommentare packen.

Vor acht Jahren hat sich Rondrer an dieser Stelle geoutet, dass er so seine Probleme mit den alten „Meisterwerken der Spielekultur“ hat und versuchte zu analysieren, warum er sich mit Titeln wie Heroes of Might & Magic 3 oder Deus Ex trotz ehrlicher Versuche schwer tut. Ähnlich geht es mir mit so manchem „Meisterwerk der Literatur“. Da müssen wir nicht einmal zurück bis zur „klassischen“ Literatur. Die scheinbar lt. den „echten“ Buchkennern in Deutschland übrigens nur eine Epoche zwischen 1786 und 1832 beschreibt, in denen aus dieser Sichtweise wohl nur die vier „Großen“ (Goethe, Schiller, Wieland, Herder) nennenswertes geschrieben haben. Für mich verbirgt sich hinter dem Begriff „Klassik“ eher der „Klassiker“ aber gut: Das ist wie in der Kunst. Da versucht man ja auch auf Biegen und Brechen alles in irgendwelche Bewegungen einzuordnen, egal ob es Sinn macht oder nicht.

Ein Regal voller gutem Lesestoff

Natürlich gibt es…nennen wir sie „erfolgreiche, ältere Werke“, die ich super finde. Alice im Wunderland (Lewis Carroll) beispielsweise oder Der gallische Krieg von Gaius Julius Caesar (nein, ich habe es nicht auf Lateinisch gelesen) und – um etwas in die neuere Zeit vorzurücken – Der Ewige Krieg oder Der Wüstenplanet (Frank Herbert). Aber da fängt es schon an: Ich habe grundsätzlich alle Bücher des ursprünglichen Wüstenplanet-Zyklus gerne gelesen aber als echten Klassiker würde ich tatsächlich nur Band 1 bezeichnen. Viel lieber habe ich – und dafür hassen mich alle „echten“ Dune-Fans abgrundtief – Die frühen Chroniken und vor allem Die Legenden von seinem Sohn (zusammen mit Kevin J. Anderson) verschlungen. Da habe ich tatsächlich damals jede Veröffentlichung herbeigesehnt und die über 1.000 Seiten langen Brecher in wenigen Tagen durchgelesen. Und auch wenn ich weiß, dass ich mich damit noch tiefer in die Nesseln setze: Selbst bei einem Der Herr der Ringe würde ich lieber nochmal die Filme anschauen als die langatmigen Erzählungen des lieben Herr J.R.R. Tolkien zu ertragen. Ja, das sage ich als jemand, der selbst das Silmarillion gelesen hat. Schlimmer noch: Das fand ich persönlich sogar interessanter als das eigentlich bedeutendere Hauptwerk des Professors. Über so ein Geschwurbel wie Die Leiden des jungen Werther (Johann Wolfgang v. Goethe) brauchen wir da gar nicht erst zu reden…

Die Überleitung

Diese ganzen hochgelobten Bücher sind sicherlich alles literarische Meisterwerke mit einer unvergleichbaren sprachlichen Virtuosität, die gekonnt tiefgründige Themen bearbeiten und den Leser total mitreißen sowie nicht nur aber besonders die literarische Welt auf Ewig verändert haben. Aber irgendwie scheine ich das nicht so zu schätzen zu wissen. Ich spiele ich ja auch lieber Saints Row als Grand Theft Auto :smile: . Aber ich versuche es natürlich immer mal wieder. Also nicht nur das Spielen von Grand Theft Auto, sondern auch das Lesen besagter Klassiker, egal wie oft ich dabei am Ende auf die Nase falle – womit wir beim heutigen Thema sind:

(Cover)

The War of the Worlds Illustrated (H.G. Wells/Bitmap Books, ca. 35€, 276 Seiten, Englisch) – Der ultimative Klassiker und Prototyp unserer heutigen Vorstellung von Science-Fiction aus dem Jahr 1898. Damals als Fortsetzungsroman erschienen und technisch gesehen in zwei Bücher aufgeteilt (Die Ankunft der Marsianer und Die Welt unter den Marsianern), hat Bitmap Books nun eine Neuauflage des Werks produziert. Neben dem eigentlichen, englischsprachigen Originaltext enthält diese eine kleine Biographie über H.G. Wells und ein paar Seiten über die Nachwirkungen seines berühmtesten Werks. Außerdem wurden Schlüsselszenen vom mexikanischen Illustrator Adam Rufino nachgestellt. Der Kerl hat es prinzipiell echt drauf, wenn ich mir so sein (spielelastiges) Portfolio anschaue aber das was er hier im Auftrag des britischen Verlags produziert hat finde ich durchgängig einfach nur hässlich. Mein Hauptproblem ist glaube ich, dass alle Menschen aussehen wie Zombies und auch sonst alles einen „toten“ Look hat. Passt natürlich ein Stück weit zur Thematik der Erzählung aber mir gefällt dieser Stil nicht. Dazu kommt noch, dass aus meiner Sicht die Szenen mitunter nicht zu dem passen, was im Text nebendran steht. Blöd, dass sie einen großen Teil des hochwertig verarbeiteten, DINA4-Hardcovers ausmachen. Der Rest ist hingegen gefüllt mit sehr groß geschriebenem Text (leider eine Vorliebe von Bitmap Books).

Ja, Der Krieg der Welten ist kein langer Roman. Das Original hat zwar auch 287 Seiten, war aber im Taschenbuchformat. Es wirkt hier nur so, weil z.B. sieben Absätze auf eine DINA4-Seite aufgeblasen wurden. Das mag optisch super aussehen – und mir ist klar, dass das einer Hauptansprüche dieser nicht ganz billigen Neuauflage war – aber so richtig glücklich bin ich damit nicht.

Der eigentliche Inhalt

So viel zur Aufmachung der Neuauflage. Viel wichtiger ist natürlich die Geschichte selbst. Achtung: Ich nehme keine Rücksicht auf Spoiler. Das Ding wurde mittlerweile 13mal verfilmt, es gibt unzählige Hörspiele und Comics dazu und gefühlt jeder referenziert darauf. Ach und es ist über 120 Jahre alt. Also: Wir befinden uns in England irgendwann in den 1890igern. Alles ist super und duber bis eines Nachts ein Meteorit in der Nähe der Kleinstadt Woking in Surrey niedergeht. Dieser Meteorit entpuppt sich als metallischer Zylinder vom Mars aus dem nach einiger Zeit ein Tentakelmonster herauskrabbelt – ein Marsianer. Am Anfang sind die Menschen zwar neugierig aber total unbeeindruckt und überheblich. Marsianer können aufgrund der hohen Gravitation auf der Erde eh nicht überleben und so. Nach und nach fallen noch mehr Zylinder vom Himmel und es kommt buchstäblich Bewegung in die Sache: Die Marsianer bauen die berühmten Tripod-Kampfmaschinen und fangen ausgerüstet mit den riesigen Hitzestrahlern und einer Art lilafarbenen Gasgranaten ihren Eroberungsfeldzug Richtung London an. Das irdische Militär schafft es zwar einen nieder zu strecken, ist aber unterm Strich völlig machtlos gegen die Dinger. Ein Dorf nach dem anderen wird in Schutt und Asche gelegt und London scheint verloren.

Mittendrin ist unser namenloser aber wissenschaftlich interessierter Erzähler, der die Geschichte vollständig aus seiner persönlichen Sicht wiedergibt und alles um sich herum genau beobachtet. Nachdem er seine Frau bei seinem Bruder abgegeben hat und warum auch immer pflichtbewusst den dafür ausgeliehenen Wagen zurückbringen möchte, stolpert er mitten in die Flüchtlingsbewegung hinein. Er zieht nun gefühlt planlos durchs Land, trifft hier und da temporäre Weggefährten und erlebt ein paar mehr oder weniger grausame Sachen bevor er dann mehrere Tage mit einem psychisch instabilen Vikar in einer Ruine verbringt – direkt in der Nähe eines weiteren Einschlagslochs der Marsianer, die dort fleißig unmenschliche Dinge tun. Abschließend macht er sich auf den Weg nach London. Dort angekommen stellt er fest, dass zwar vieles zerstört aber grundsätzlich alles leergefegt und ruhig ist. In einem Park findet er dann einen toten Marsianer: Sie haben nicht mit den irdischen Bakterien gerechnet und wurden von ihnen dahingerafft. Die Marsianer sind besiegt, er macht sich auf den Weg zurück nach Hause und findet dort seine Frau quietschlebendig wieder. Happy End.

Die Kritik

The War of the Worlds (Herstellerbild des Xbox-360-Arcadetitels)

Das Besondere an Der Krieg der Welten ist wohl der Schreibstil. Anders als traditionelle Romane erwartet den Leser in H.G. Wells Werk eine Art nüchterner Augenzeugenbericht von der Invasion der Marsianer. Es gibt keine Charaktere mit denen wir mitfühlen können/sollen (die meisten Personen haben nicht einmal Namen), keine wirkliche Charakterentwicklung, keinen Aufstieg oder Fall eines Helden. Einfach nur seitenweise subjektive Beobachtungen und Nacherzählungen durch diese unbekannte Person aus Woking. Das ist definitiv mal eine etwas andere Herangehensweise, dürfte aber genau mein Problem mit diesem Buch sein: Es ist heutzutage total langweilig zu lesen.

Es passiert insgesamt zu wenig und wenn mal was passiert, ist es nicht sonderlich spannend erzählt. Die Situation im Flüchtlingsstrom fand ich im Gegenteil sogar eher verwirrend. Ich weiß immer noch nicht genau, wer da jetzt wie gestorben und in welche Richtung der Erzähler zu welchem Zeitpunkt gelaufen ist. Das mag gewollt und authentisch sein. Es ist für mich aber kein guter Roman. Der einzige Höhepunkt sind besagte Tage mit dem instabilen Viker. Da kommen plötzlich Emotionen hoch, da passiert tatsächlich mal was und der Erzähler wird für einen kurzen Moment menschlich.

Gleichzeitig bin ich vermutlich durch jahrelangen SciFi-Konsum zu „versaut“. Ein Tentakelmonster vom Mars lockt mich einfach nicht mehr hinterm Ofen hervor. Und das Finale (eigentlich die komplette zweite Hälfte des zweiten Buchs) war schlicht dämlich. Ja, das ganze Buch soll wohl eine Satire auf die britische Kolonialpolitik sein und es ist genau der Witz, dass die Bakterien als primitivsten aller Lebewesen das Vereinigte Königreich retten. Aber das alles zu wissen, macht das Buch für mich als Leser nicht wirklich besser. Man hätte es trotzdem interessanter erzählen können.

Beim Christoph meint: Von mir gibt’s für The War of the Worlds Illustrated gerade so 2 von 5 Sics wegen dem Vikar-Abschnitt. Grundsätzlich bereue ich es nie meinen Horizont erweitert zu haben. Es ist immer gut auch mal selbst zu erfahren, woher die Inspiration der Medien stammt, die ich heutzutage so konsumiere. Macht es auch leichter die eine oder andere Anspielung zu verstehen. Aber am Ende des Tages ist es für mich – einem fast 36jährigen im Jahr 2020 – kein gutes Buch und schon gar keine Pflichtlektüre. Das fängt mit der Neuauflage an sich an (hässliche Zeichnungen, riesiger Text) und geht bis hin zur Geschichte selbst. Ich kann verstehen, dass es damals der absolut heißeste Scheiß war als Science-Fiction noch was komplett Neues darstellte. Mich hat es aber nicht vom Hocker gehauen. Weder sprachlich noch inhaltlich. Frei nach Rondrer: Die Bücher waren damals wie heute bestimmt nicht schlecht, aber ich muss einfach damit aufhören mir von anderen Leuten ihre Meinung zu den Werken aufdrängen zu lassen und einfach nur das zu lesen, was mir jetzt gerade Spaß macht :smile: .

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