Hattet ihr auch schon einmal das Gefühl, dass die Welt um euch herum nicht echt ist? Dass ihr nur Teil eines Spiels oder anderer Art von virtueller Umgebung seid? Teil der Matrix, wie es vor allem in Verschwörungskreisen so schön heißt – zumindest seit 1999 der gleichnamige Film die Welt eroberte? Euer Tun und Denken von einer fremden Macht gesteuert wird (wahlweise Gott oder Bill Gates)? Ja? Dann seid ihr damit definitiv nicht allein.

Schon seit der Antike gibt es Theorien zum sogenannten Makrokosmos. Fast alle Religionen fußen auf dem Gedanken, dass es “da oben” ein oder mehrere Wesen gibt, die unser Leben beeinflussen. Und entsprechend ist das Thema auch in der Unterhaltungsbranche schon immer präsent. In der Gutenberg-Datenbank findet ihr beispielsweise Stanley G. Weinbaums Pygmalions Brille von 1935. Die Kurzgeschichte ist eine der ersten, die sich mit dem Thema “Virtuelle Realität” beschäftigte.

Heute möchte ich euch dahingehend ein Werk von Daniel Francis Galouyes vorstellen. Obwohl die Wachowskis es übrigens nie explizit als Inspiration für ihren Mehrteiler genannt haben, gibt es doch verdächtig viele Parallelen. Damit meine ich nicht das offensichtliche (eine Welt in einer Welt und die dort lebenden Personen wissen von Nichts), sondern vor allem Kleinigkeiten wie z.B. Telefone in der virtuellen Realität, die für den Übergang einer Person aus der realen Welt dienen.

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Simulacron-3/Welt am Draht* (1964, 233 Seiten) – In einer nicht näher datierten Zukunft wird die Welt gefühlt hauptsächlich von Marktforschern bevölkert. Sie können euch zu jeder Tages- und Nachtzeit und zu jedem Thema befragen und ihr seid gesetzlich gezwungen mitzumachen. Verweigert ihr die Teilnahme an der Umfrage, gibt es eine Geldstrafe. Keine schöne Vorstellung aber es scheint notwendig, damit die Welt funktioniert oder so und alle haben sich damit abgefunden. Okay, nein natürlich nicht. Bei der TEAG (“Test AG”) haben sie unter der Leitung des Forschers Hannon Fuller einen Simulator gebaut – der namensgebende Simulacron-3. In ihm wurde eine virtuelle Stadt erschaffen, bevölkert von mehreren tausend Charakteren, die der echten Welt zum verwechseln ähnlich sieht. Muss sie ja, schließlich möchte man Daten sammeln, um darauf basierend Entscheidungen in der Realität zu treffen. Eine Ablösung für die Marktforscher quasi, die das nicht so dufte finden. Entsprechend setzen sie alles daran die offizielle Inbetriebnahme zu stoppen.

Die Wissenschaftler können die Geschehnisse in der Welt dabei nicht nur an ihren Bildschirm und über Auswertungen verfolgen, sondern auch selbst darin eintauchen. Dies kann auf verschiedene Arten passieren. Die einfachste ist als Zuschauer in einen Körper zu schlüpfen (=man sieht aus den Augen der Person). Die nächste Stufe ist eine empathische Verbindung aufzunehmen (=ihr spürt Gedanken, Gefühle, etc.). Und die radikalste Variante ist es vollständig als Charakter in die Welt einzutauchen (=die Telefonsituation).

Während Fuller ganz der Forscher ist und den Simulator zur Besserung der Menschheit verwenden möchte, hat der Chef der TEAG eher wirtschaftliche Interessen und möchte das Gerät zum Geldscheffeln und Machtausbau ausbeuten. Entsprechend haben sich die beiden in den Haaren bis eines Tages Fuller plötzlich durch einen Unfall stirbt. Die Geschichte beginnt auf der Party anlässlich der Ernennung seines Nachfolgers, Douglas Hall. Dieser trauert um seinen Kollegen und amüsiert sich eher wenig bis plötzlich der Sicherheitschef von TEAG, Morton Lynch, reinstürmt und unbedingt mit ihm reden möchte. Er faselt etwas davon, dass Fuller ermordet wurde, weil er hinter ein großes Geheimnis gekommen ist. Bevor Lynch jedoch Douglas genaueres erzählen kann, verschwindet dieser einfach – und niemand außer Douglas kann sich plötzlich mehr an ihn erinnern. Es ist der Beginn von Halls Reise hinter den Spiegel. Immer mehr Dinge fallen ihm auf, die irgendwie nicht zusammenpassen. Er fängt an die Realität in Frage zu stellen und zu vermuten, dass er selbst Teil eines Simulators ist. Und – es ist nicht wirklich ein Spoiler – natürlich hat er recht. Außerdem bekommt er plötzlich häufiger Kopfschmerzen und Schwindelanfälle. Was sich dahinter verbirgt verrate ich aber nicht :smile: .

Beim Christoph meint: Von mir gibt es 3 von 5 Sics. Ich wollte ursprünglich vier Sics geben aber im letzten Drittel fällt die Qualität massiv ab. Gefühlt wollte der Autor unbedingt die Sache noch dramatischer werden lassen. Im Ergebnis leidet die Erzählung hingegen am plötzlichen Anstieg von abstrusen Szenarien statt einfach zügig zum Ende zu kommen. Unabhängig davon lässt sich die erste Hälfte des Buches unter dem Begriff “Was ist real?” zusammenfassen, während die zweite unter der Überschrift “Was macht das Wissen nicht real zu sein mit einem?” steht.

Als Leser erlebt man Halls stetigen Abstieg in die absolute Paranoia, die darauffolgende verzweifelte Erkenntnis , dass er Recht hatte und abschließend die Hoffnungslosigkeit, dass das Leben offensichtlich keinen Sinn hat. Bis zu besagtem letztem Drittel eine spannende Erzählung. Und zwar auch dann, wenn man den Twist bereits kennt. Das Interessantere ist zu erfahren wie er es herausfindet und damit umgeht. Und in der heutigen Zeit, in der selbst normale Leute mit Begriffen wie “Sheeple” und “Aufwachen” um sich werfen, ist der Roman vermutlich aktueller denn je – nur vermutlich aus den falschem Gründen.

Der Fernsehfilm

Simulacron-3 wurde seit seiner Veröffentlichung bereits zweimal verfilmt. Von Josef Rusnak kam 1999 (ein paar Monate nach The Matrix – schlechtes Timing) The Thirteenth Floor* in die Kinos. Er soll wohl nicht wirklich gut sein und zudem stark von der Vorlage abweichen. Habe ihn aber noch nicht selbst gesehen. Dafür aber die deutsche Verfilmung:

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Welt am Draht* (1973, zweiteiliger Fernsehfilm, DV) – Das Multitalent Rainer Werner Fassbinder (Regisseur, Schauspieler, Drehbuchautor, Komponist, etc.) steckt hinter diesem Machwerk und es hat lange gedauert, bevor es wieder zugänglich wurde. Erst 2010 gab es eine Restaurierung und eine damit einhergehende Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray. Davor kam er nur sehr, sehr selten mal im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Grundsätzlich ist die Geschichte sehr nah an der Vorlage und folgt dieser weite Strecken sogar dialog-genau. Zwar wurden die Namen eingedeutscht – so heißt Douglas Hall z.B. im Film Fred Stiller und Hannon Fuller ist jetzt Henry Vollmer. Aber Leser finden sich sofort zu recht. Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto größer werden allerdings die Abweichungen. Die ganze Sache mit den Meinungsforschern kommt zum Beispiel nur am Rande vor, entsprechend fehlen einige Nebenschauplätze aus dem Buch. Außerdem ist die Welt “normaler”. SciFi-Elemente wie Laserwaffen oder fliegende Auto gibt es nicht – dafür aber ein Tastentelefon, welches erst drei Jahre später auf den deutschen Markt kam. Die größte Änderung dürfte aber der Weg zum Finale sein, den wie oben erwähnt der Autor (aus meiner Sicht) unnötig in die Länge gezogen hat. Fassbinder hingegen hat den ganzen Kram einfach rausgelassen. Und das tut dem Film definitiv sehr gut, denn die Geschichte ist nicht sonderlich action-geladen und für heutige Aufmerksamkeitsspannen eher langatmig erzählt. Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren war entsprechend die richtige Entscheidung.

Beim Christoph meint: Von mir gibt es 4 von 5 Sics. Ich habe tatsächlich zuerst den Zweiteiler gesehen und mir dann aus Interesse das Buch geholt. Nachdem ich nun beides erfahren habe, kann ich festhalten: Ich finde Fassbinders Interpretation besser als das Original. Zwar leidet der ein oder andere Erzählstrang darunter, dass die Detailtiefe fehlt (Stichwort Meinungsforscher und das dazugehörige Finale vor dem Sitz der Firma). Aber unterm Strich profitiert die Geschichte sehr davon, dass das ganze “Fett” weggeschnitten wurde (vor allem das erwähnte letzte Drittel des Buches) und stattdessen ganz und gar Halls bzw. Stillers Reise im Mittelpunkt steht.

Ich finde auch genial, wie Fassbinder und sein Team den Film in Szene gesetzt haben. Trotzdem, dass die offensichtlichen SciFi-Elemente der Vorlage fehlen, wirkt das Werk von Anfang an befremdlich und komisch. Passt logischerweise perfekt zum Thema und lässt auch den Zuschauer sich fragen ob das jetzt real ist oder nicht. Das liegt jedoch weniger am Setdesign, welches zwar hier und da etwas abgefahren ist aber insgesamt doch größtenteils zu den 60iger/70iger Jahre passt. Stattdessen ist es eher die schauspielerische Leistung (im positiven Sinn), die teils befremdlich wirkt sowie die Kameraeinstellungen. Lysanda und ich hatten sogar zuerst die Vermutung, dass Stiller in einer Welt voller Roboter lebt, so unwirklich und apathisch kommt die Beförderungsfeier daher. Sehr coole Sache und definitiv ein Film, den ich Cyberpunk-Fans ans Herz legen kann. Erwartet nur wie gesagt keine beeindruckende Kung-Fu-Schlacht. Es ist ein Charakterfilm, kein Actionstreifen.

KONSUMIERT! Die Inflation ist hoch. Die Preise dementsprechend auch. Dem Euro geht es schlecht. Die Gehälter steigen nicht. Und warum? Na, weil ihr nicht KONSUMIERT! Wir brauchen MEHR WACHSTUM. MEHR GELD in den Kassen der Unternehmen und Finanzämter. MEHR ARBEITSZEIT für weniger Bezahlung. Also kramt endlich euer Sparbuch raus und tut etwas für euer Land: KONSUMIERT VIEL UND OHNE VERSTAND! Bitte? Was ihr konsumieren sollt? Mir doch egal. Vermutlich habt ihr schon genug im (anlogen wie digitalen) Regal stehen. Nehmt also einfach irgendwas davon. Ich hingegen hab‘ mich mit den folgenden Unterhaltungsmedien beschäftigt:

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Das Vermächtnis der Spione* (A Legacy of Spies; 2017; 316 Seiten) – Ursprünglich sollte es der letzte Roman aus der Feder von John le Carré werden. Aber der Brexit und seine Angst davor, hatte ihn dann doch noch dazu getrieben mit Federball* 2019 einen weiteren Spionageroman zu veröffentlichen, bevor er Ende 2020 gestorben ist. Mit George Smiley hat der jedoch nichts zu tun. Das Vermächtnis der Spione ist stattdessen der neunte und letzte Band der George Smiley-Reihe. Wirklich zu Wort kommt er allerdings nur auf den letzten paar Seiten. Im Vordergrund steht stattdessen sein langjähriger Begleiter Peter Guillam.

2017 wird der britische Geheimdienst von Christoph Leamas, Karen Gold und Gustav Quinz verklagt. Wem die Namen irgendwie bekannt vorkommen hat Der Spion, der aus der Kälte kam* gelesen. Das Werk von 1963 dreht sich ganz um den britischen Spion Alex Leamas (und ein Buch, das ich extrem gut fand). Der Vorwurf der Kinder, vertreten durch eine NGO: Ohne Rücksicht auf Verluste hätte der Circus ihre Eltern in ihren Dienst gezwungen und im Rahmen der Operation Windfall sinnlos geopfert. Die namentlich Angeklagten? George Smiley und Peter Guillam.

Da Smiley warum auch immer nicht greifbar ist, schnappt sich der Circus Peter und zieht ihm die Daumenschrauben an. Erst wird er verhört und als er schließlich ein Versteck mit altem Beweismaterial verrät, gezwungen die Akten zu wälzen und daraus zu berichten. Immer in der Hoffnung etwas zu finden, was den Circus (und natürlich nur die Firma) aus dem Schneider hilft. Eingebettet in diese Rahmenhandlung erzählt entsprechend entweder Peter was damals vorgeblich geschah (und dem Leser, was ggf. wirklich passierte) oder es werden die damaligen Einsatzberichte und Korrespondenzen 1:1 abgedruckt. Dazwischen gibt es immer mal wieder eine Pause in der Gegenwart in denen Peter rastlos durch London und die Umgebung streift, auf der Suche nach seinen ganz eigenen Antworten.

Es ist also sowohl die Vorgeschichte zu Der Spion, der aus der Kälte kam als auch eine Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der Handlungen, die damals im Namen des Königreichs durchgeführt wurden. Und ja: Es empfiehlt sich dringend zumindest den dritten Band vorher gelesen zu haben. Eigentlich sogar im Minimum Band 3, Band 5 (Dame, König, As, Spion*) und Band 7 (Agent in eigener Sache*). Zum einen werden die Ereignisse aus Band 3 nur rudimentär wiederholt, zum anderen fehlt einem einiges an Bindung zu den Hauptpersonen sowohl aus Band 3 als auch Peter und George selbst. Auf sich alleine gestellt funktioniert Das Vermächtnis der Spione aus meiner Sicht überhaupt nicht.

Beim Christoph meint: 4 von 5 Sics. Nachdem ich mich durch Der heimliche Gefährte* ziemlich durchquälen musste, hatte ich bei Das Vermächtnis der Spione wieder mehr Spaß. Das lag weniger an der belanglosen Rahmenhandlung (deswegen keine fünf Sics), sondern mehr am Kern des Buchs: Spionagemissionen gegen die Sowjetunion in den 60igern. John le Carré quasi zurück in seinem Element und dann auch noch als sinnvolle Ergänzung zu einem seiner besten Bücher.

Obwohl ich den grundsätzlichen Ausgang der finalen Mission bereits kannte, trotzdem ein extrem spannendes Leseerlebnis mit einigen überraschenden Wendungen. Und natürlich ist es schön einen letzten, kleinen Einblick ins Leben der noch übrig gebliebenen Protagonisten der Karla-Jahre zu bekommen. Das Ende ist nicht so befriedigend wie ich es mir erhofft hätte (der Prozess ist plötzlich kein Thema mehr). Aber es ist ein würdiger und passender Abschied für zwei Personen, deren Leben ich über so viele Bücher hinweg begleitet habe. Für George Smiley-Fans eine Pflichtlektüre.

 

Spielen statt Lesen

Und wenn wir schon beim Stichwort „Alter Kram neu aufgewärmt” sind: 2007 hatte ich einen kleinen Test zur allerersten Version des Klomanagers (1995, Atari ST) veröffentlicht. Verdammt lange her. Das Remake dazu kam dann anno 2000 auf dem Markt (letztes Update 2006), zu dem ich aber tatsächlich nie was hier auf Beim Christoph geschrieben habe. Stattdessen hatte ich mich nur einer Handvoll von Fans angeschlossen, die auf Der Klomanager 2 gewartet haben. Dahingehend war ich sogar einige Zeit im offiziellen Forum (es existiert noch – inkl. den uralten Beiträgen) aktiv. Ja, die waren damals noch total hip.

Der zweite Teil des Klomanagers ist in der ursprünglich geplanten Version offensichtlich nie erschienen. Auch die deutsche Entwickler-Firma, Anvil-Soft, existiert nur noch auf dem Papier. Die Wege von Matthias Hofmann und Roland Wendt scheinen sich schon vor längerer Zeit getrennt zu haben. Roland hat stattdessen mit PHOBETOR ein neues (quasi Ein-Mann)Studio gegründet – und die Rechte am Klomanager mitgenommen. Nach zwei rundenbasierten Strategiespielen hat er sich anschließend tatsächlich wieder dem Klomanager gewidmet, wie ich vor kurzem überraschend festgestellt habe. Und da das Werk zu dem Zeitpunkt nur 0,99€ kostete (aktuell wieder 4,99€), habe ich natürlich sofort zugeschlagen und mich seit langem mal wieder in die Scheiße gestürzt.

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Klomanager – Hochgewürgt (2021; PC, Mac) – Der Titel ist passender als es vermutlich beabsichtigt war, denn das Erste was einem auffällt ist die extrem schlechte Optik. Zugegeben: Die 2006er Version war jetzt auch nicht das hübscheste auf dem Markt, aber doch irgendwie zeitloser als diese hässlichen Mobiltelefon-Menüs und Gesichter, die scheinbar selbst zu tief ins Klo geschaut haben. Aber gut: Inhalt vor Schönheit. Also, worum geht’s? Nun für Veteranen nichts Neues: Bis zu vier Spieler (oder KI) bekämpfen sich rundenbasiert auf einer Handvoll unterschiedlicher Karten im Klogeschäft. Das Spielziel kann zu Beginn ausgewählt werden und enthält 08/15-Sachen wie „habe nach x Zügen das meiste Geld” oder „Erreiche im Forschungsbereich x die höchste Stufe”. Mit eurem mickrigen Startgehalt kauft ihr euch dann eure erste Parzelle, die je nach Lage ein paar Besonderheiten aufweist. Im Nobelviertel gibt es beispielsweise für verdreckte Toiletten besonders hohe Mali aber dafür sind sie für top-ausgestattete eher bereit mehr zu bezahlen. Im hippen Künstlerviertel finden sie hingegen Graffiti richtig geil und malen euch sogar die Wand kunstvoll an, wenn ihr es nicht wegmacht (=spart Reinigungskosten).

Jede Parzelle besteht aus bis zu sechs Ställen, die ihr abhängig von eurem Geldbeutel nach und nach freischaltet und dann entsprechend mit Toiletten ausstattet. Diese bestehen aus vier Bausteinen: Die Schüssel, der Sitz, die Spülung und das Klopapier. Fangt ihr mit einer billigen Keramikschüssel und einem unbequemen Plastiksitz an, könnt ihr im Laufe des Spiels durch Geldeinsatz bessere Bauteile erforschen bis ihr am Ende einen königlichen Diamantthron mit Ledersitz (inkl. Bierhalter) und Mink-Toilettenpapier dort stehen habt. Anschließend noch den Preis festlegen für jeden Stall und schon heißt es auf die Kundschaft warten, denn nur so kommt Geld in die Kassen. Problem: Kundschaft macht die Toiletten dreckig. Also heißt es zu Beginn der nächsten Runde erst einmal sauber machen – was ebenfalls Geld kostet.

Klomanager – Hochgewürgt (Herstellerbild)

Doch die Konkurrenz schläft logischerweise nicht und will ebenfalls ein Stück vom Scheißhaufen abhaben. Dabei geht es nicht immer gesittet zu. Zwar kann sie genauso wie ihr fleißig verschiedene Arten von Werbung schalten (ihr habt sogar eine Webseite!) und so die Leute anlocken. Aber manchmal reicht das nicht aus. Da ist es dann doch mal an der Zeit die Kollegen vom Gesundheitsamt zu bestechen, um einen unangekündigten Besuch zu veranlassen oder gleich Sabotageakte durchführen, die bestenfalls nur Dreck verursachen, schlimmstenfalls die Ausstattung zerstören (=muss neu gekauft werden). Das wird im späteren Spielverlauf ein ganz schönes Geldgrab. Nicht nur, weil die Bauteile und die Amtsstrafen teurer werden. Auch die KI scheint sich gefühlt komplett gegen euch zu verbünden, sobald ihr aus ihrer Sicht zu viel Erfolg habt. Dazu noch die Einflüsse der Jahreszeiten (gefrorene Toiletten im Winter, Überschwemmungen im Sommer)… ja, man kann sagen: Selbst auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad ist der Titel gegen die KI sauschwer und ich habe in meinen bisher zwei Stunden Spielzeit noch kein Match erfolgreich beenden können.

Und ja, das war’s: Parzellen säubern, forschen, Toiletten ersetzen/verbessern, werben, sich mit dem Gesundheitsamt gut stellen (zu viele Strafen führen zur Schließung der Parzelle) und Sabotageakte durchführen. Man hat schnell alles gesehen, wiederholt dann ständig nur noch die gleichen Schritte und hofft einfach darauf, dass das Geld für die nächste Forschung oder den nächsten Stall/Parzellenkauf reicht. Mehr ist es nicht – und dabei hat man nicht einmal was Schönes zum Anschauen, weil das Spiel schlicht und einfach potthässlich ist.

Beim Christoph meint: Es ist hart aber von mir gibt es für Klomanager – Hochgewürgt nur 1 von 5 Sics. Als ich diesen Absatz angefangen habe, waren es noch zwei Sics aber bei genauerer Überlegung wäre das nicht verdient. Ja, es ist im Kern immer noch der Klomanager mit nur wenigen (aber meist sinnvollen) Neuerungen und für ein paar Runden (vor allem mit menschlichen Spielern) macht es durchaus wieder Laune (hab‘ mir sogar alle Achievements geholt). Aber damals wie heute ist es nichts was langfristig Spaß bringt. Es geht über einen netten Gag nicht wirklich hinaus und hat mit einer richtigen Wirtschaftssimulation nur wenig zu tun.

Im Klomanager Deluxe könnt ihr sogar die Tür zumachen!

Leider hält die neue Version noch weniger bei der Stange. Weil sowohl die 3D-Objekte als auch die Menüs echt scheiße aussehen und sie zudem noch so einige Bugs hat, die teilweise sogar das Weiterspielen verhindern. Außerdem der Schwierigkeitsgrad gegen die KI, der gefühlt abartig hoch ist. In meinem letzten Spiel hatte ich mit meiner Parzelle zwar viel Erfolg (und fast alles erforscht), aber dann begann die KI mir jede Runde haufenweise Saboteure zu schicken und das Gesundheitsamt zu rufen. Die Folgen waren immens hohe Instandhaltungskosten, die ich schlicht nicht mehr reinholen konnte und mich in den Ruin trieben. Spätestens dann geht der letzte Rest von Spielspaß den Abfluss hinunter.

Da es auch nicht so aussieht als würden Roland und seine Kollegen noch weiter an dem Produkt arbeiten, kann ich vom Kauf also nur abraten. Selbst, wenn Klomanager – Hochgewürgt mal wieder auf 0,99€ runtergesetzt wird, solltet ihr stattdessen zum ebenfalls auf Steam verfügbaren Klomanager Deluxe (die 2006er Fassung) greifen. Inhaltlich erwartet euch das fast identische Spiel aber dafür ein schlicht und einfach runderes Spielerlebnis. Und euer Geld landet ebenfalls bei Roland – nur wahrscheinlich etwas weniger, weil sie für diese Fassung damals einen Deal mit einem externen Publisher gemacht hatten.

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Ich “muss” noch ein letztes Mal das Buch Shareware Heroes* erwähnen. Grundsätzlich ein wirklich gelungenes Werk für jeden, der sich für das Thema interessiert. Müsste nur eindeutig länger sein. Die 300 Seiten reichen Autor Richard Moss definitiv nicht aus, was sich wie erwähnt beim Lesen leider sehr bemerkbar macht. Mir geht es heute jedoch um einen Gedanken von Moss, den er in der Koda aufwirft und der mir bislang noch nie so gekommen ist.

Die Shareware-Ären

Aus Sicht des Autors gab es bislang vier Shareware-Zeitalter. Das erste waren die Anfänge der “Anwender-unterstützten Software” in den unterschiedlichsten Ausprägungen aber im Kern vergleichbar mit Systemen wie dem heutigen Patreon. Das Ziel: Eine möglichst große Masse dazu bringen dem Autor Geld zu geben. Es war das dominante Modell bis Apogee Software 1987 die Bühne betrat und das nach ihnen benannte, zweite Zeitalter einläutete.

Die Idee von “The Apogee Model” war es die “Begware” (“Bitte unterstützt mich!”) und “Nagware” (“Bezahl‘ mich endlich!”) hinter sich zu lassen und stattdessen den Spielern mittels “Ich will mehr davon!” zum Kauf zu überreden. Bei Apogee hieß dies, dass sie ihre Spiele gerne in drei Teile teilten. Der erste wurde als Shareware verbreitet wie z.B. die erste Episode von Commander Keen oder Wolfenstein 3D. In sich vollständige Spiele aber wer danach Lust auf mehr hatte, musste in die Tasche greifen. Nicht nur für Apogee ein sehr erfolgreicher Schachzug, der noch bis Ende der 90iger Erfolg hatte (u.a. QUAKE und Duke Nukem 3D anno 1996) und viele Nachahmer fand.

Commander Keen (Herstellerbild)

So weit, so verständlich. Jetzt kommen wir aber so langsam zum interessanten Part. Viele Firmen fanden das Apogee Modell zwar spannend, sie hatten aber keine Lust darauf einen so großen Teil ihrer Spiele zu “verschenken” (Moss bezeichnet es als “Corporate Greed”). Gleichzeitig begann der Siegeszug der CD mit ihrem unfassbar großen Speicherplatz (im Vergleich zur Diskette) und das Internet wurde immer zugänglicher. Gleichzeitig fingen Spielemagazine häufiger an “Covermounts” (=inkludierte Disketten/CDs/DVDs) als Verkaufsargument zu benutzen und die mussten ja irgendwie gefüllt werden. Damit begann das dritte Zeitalter der Shareware: Die Demonstrations-Version, besser bekannt als Demo. Klingt im ersten Moment komisch aber es macht tatsächlich Sinn. Eine Demo ist ein kleiner/begrenzter Teil des Spiels, ist kostenlos und darf frei verbreitet werden. Und wer danach mehr will, muss bezahlen. Also ja, eigentlich nur Shareware mit einem anderen Namen und anderen Kaufmöglichkeiten am Ende.

Weg in die Moderne

Spätestens in den 2010ern hatte die Demo dann warum auch immer vor allem im AAA-Bereich plötzlich ausgedient. Ich gebe der siebten Konsolengeneration (Xbox 360, PlayStation 3) die Schuld ohne dafür irgendwelche Belege griffbereit zu haben, denn zumindest Microsoft bestand schon immer auf Demos auf ihrem Marktplatz. Aber trotzdem verschwand sie irgendwie. Und so richtig zurück ist sie bis heute nicht. Events wie Steam Next Fest mögen zwar einen anderen Eindruck vermitteln, aber das sind zu 90% Indie-Titel und in dem Bereich war die Demo nie wirklich weg. Kein Wunder, schließlich müssen die Jungs und Mädels ohne ein millionen-schweres Marketingbudget auskommen.

Gleichzeitig beginnt das bis heute andauernde, vierte Zeitalter der Shareware: “The Age of Free with an Asterix“, wie es Richard Moss bezeichnet. Ich würde es einfach “Free-2-Play” nennen. Sprich das Spiel ist kostenlos aber es will auf verschiedene Arten und Weisen deinen Geldbeutel leeren. Moss unterscheidet hier verschiedene Varianten von Werbeeinblendungen über Mikrotransaktionen bis hin zu DLC. Aber im Kern geht es weiterhin darum, dass ein Teil des Produkts kostenlos zur Verfügung gestellt wird und man für zusätzliche/weitere Inhalte bezahlen muss.

Die Überraschung

Fortnite (Herstellerbild)

Free-2-Play als “Shareware” zu kategorisieren finde ich einen spannenden Ansatz. Mein erster Gedanke war, das als völliger Blödsinn abzutun. Hauptsächlich wegen dem namensgebenden Grundgedanken “teile die Software mit jedem”. Free-2-Play-Titel kann man heutzutage schließlich nicht mehr wirklich teilen im Sinne von “hier ist die Software, viel Spaß damit”. Sie sind stattdessen meist fest verbunden mit einer Ladenfront wie Steam, Google PlayStore und so weiter. Ich kann also höchstens nur noch Links austauschen. Aber bei genauerer Betrachtung ist das kein wirkliches Gegenargument. Ich empfehle schließlich immer noch meinen Freunden etwas. Nur das Medium ist anders. Und zu sagen, dass so viele Schwergewichte wie Fortnite mit extremen Marketingkampagnen mitmischen und es deshalb nicht in die Shareware-Kategorie fällt passt nicht wirklich. Auch Firmen wie Apogee haben damals nicht nur auf “Mund-zu-Mund”-Propaganda gesetzt. Und ja, Epic Games haben ihre Anfänge auch im Shareware-Bereich gehabt (damals noch als Epic MegaGames).

Also ja, mir fällt tatsächlich kein richtiges Gegenargument ein, warum Free-2-Play nicht eine moderne Art der Shareware sein soll. Die Kernpunkte sind schließlich vorhanden: Ich bekomme ein mehr oder weniger komplett kostenloses Spiel, kann es meinen Freunden weiterempfehlen und darf zur Unterstützung der Entwickler weitere Inhalte egal in welcher Form kaufen. Und besagter Entwickler versucht mich mehr oder weniger stark davon zu überzeugen ihm Geld zu geben. Das war in den 80igern so und hat sich bis heute nicht geändert. Nur der Name ist ein anderer.

Habe ich so noch nie drüber nachgedacht. Diese Erkenntnis macht die Free-2-Play-Praktiken so mancher Firmen logischerweise nicht erträglicher. Aber trotzdem ein interessanter Aspekt der zum Grübeln anregt. Vor allem darüber, was dann vielleicht irgendwann das fünfte Zeitalter der Shareware sein könnte. Ist überhaupt noch ein Schritt nach “komplettes Spiel kostenlos abseits von ein paar Bezahlschranken” möglich? Keine Ahnung. Doch die Geschichte hat gezeigt, dass die Firmen sehr kreativ sein können, wenn es um das Erschließen von neuen Vertriebswegen und dem “Geld aus der Tasche ziehen” geht. Entsprechend steht die nächste Evolutionsstufe vermutlich eher unter dem Begriff “Cloud Gaming” und ich glaube, das kann selbst Richard Moss nicht mehr mit Shareware in Verbindung bringen :smile: .

PS: Shareware mit reduzierten Features wird übrigens “Crippleware” genannt im Unterschied z.B. zu einer 30-Tage-Testversion, bei der die Beschränkungen erst nach Ablauf der Zeit greifen.

(Cover)

Anfang September hatte ich erwähnt, dass ich aktuell das Fachbuch Shareware Heroes: The renegades who redefined gaming at the dawn of the internet* von Richard Moss (u.a. The Secret History of Mac Gaming*) lese.

Wie der Name schon andeutet, geht es um die Sharewareszene die sich nach dem großen Videospielecrash von 1983 entwickelte. Woher kommt der Name (Bob Wallace von Microsoft hat ihn geprägt)? Wer ist der Erfinder (gibt nicht den einen)? Welche Varianten von Shareware gab es über die Jahre (sehr viel mehr als mir bislang bekannt waren)? Wer hat damit wirklich Geld verdient (Anfangs vor allem die Shareware-Compilations-Macher)? Wie stark haben Schwergewichte wie Apogee (Commander Keen), id Software (Wolfenstein 3D) und Epic MegaGames (Duke Nukem 3D) den Markt in den 90igern aufgemischt (massiv)? Was kam danach (Wechsel zurück zum Retailmarkt)? Und noch sehr viel mehr Antworten auf Fragen, die ihr euch vermutlich bislang noch nicht einmal gestellt habt. Sehr interessantes Werk. Leider leidet das Buch streckenweise unter der “Aufzähleritis”. Der Autor möchte (nachvollziehbar) so viele Entwickler zusammen mit ihrer Geschichte wie möglich unterbringen aber hat faktisch dafür einfach keinen Platz (oder nicht allzu viel Neues zu sagen). Also passiert es hin und wieder, dass er zügig hintereinander Namen, Spiel und eine sehr kurze Zusammenfassung bringt. Das ist nett gemeint, bringt aber den Lesefluss durcheinander und hat – zumindest für mich – keinen wirklichen Mehrwert.

Kindheitserinnerungen

(Title Screen)

Der Autor hat mich durch seine Aufzählungen allerdings an einen geliebten Shareware-Titel aus meiner Jugend erinnert (und ihm sogar zwei Seiten spendiert). Ich glaube, ich hatte damals sogar die 25 DM an den deutschen Entwickler geschickt, um die registrierte Version zu erhalten. Weiß aber nicht wo die 3,5″-Diskette mittlerweile ist (vermutlich im Müll). Der Name des Spiels: Crime Fighter von Dr. Peter Steffen. Es handelt sich dabei um ein (inoffizielles) Remake des C64-Titels Mafia. Das ist aus dem Jahre 1986 und stammt ebenfalls aus deutschen Landen (Igelsoft). Ja, die Shareware-Szene hat es mit Copyright und dergleichen damals nicht so genau genommen (auch Thema im Buch).

Mittlerweile ist Crime Fighter keine Shareware mehr, sondern offiziell Freeware sowohl für DOS als auch Windows (Beta-Version). Der Download ist über die offizielle Webseite möglich. Außerdem gibt es eine Umsetzung auf iOS und Android – beide jedoch mit Einschränkungen (z.B. Werbung und keine Speichermöglichkeit) in der kostenlosen Variante. Alles freizuschalten schlägt mit 10€ zu Buche – die ich dem Autor aber gerne für die iOS-Version überwiesen habe, denn der Titel hat mich wieder in seinen Bann gezogen.

Worum geht’?

Wohlwollend könnte man Crime Fighter als Grand Theft Auto vier Jahre vor Grand Theft Auto bezeichnen. Aber da lehnt man sich schon sehr weit aus dem Fenster :wink: . In einer unbenannten, deutschen Stadt herrscht die Anarchie. Niemand ist sicher vor der Gewalt. Bandenkriege werden ausgetragen und die Polizei ist machtlos bzw. Bestechungsgeldern gegenüber nicht abgeneigt. Ihr seid einer von bis zu vier (Hot-Seat-Multiplayer inkl. Bandenkriegen) frisch aus dem Gefängnis entlassenen Kriminellen. Euer Ziel: Euch an die Spitze der Unterwelt hochzuarbeiten (=eine vorher festgelegte Punktzahl erreichen).

Ich hab’ schon ein dickes Auto und einen Haufen Kohle.

Eure Laufbahn startet mit der Charaktergenerierung: Stärke, Intelligenz, Brutalität, (Lebens-)Energie und das Startkapital werden durch mehrere Mausklicks erzeugt und anschließend beginnt eure Reise – als Fußgänger vor dem Polizeipräsidium. Nur mit euren Fäusten bewaffnet und mit dem bisschen Startgeld in der Tasche steht euch nun die gesamte 2D-Stadt offen und ihr könnt tun und lassen, was ihr wollt – solange ihr mit den eventuellen Konsequenzen leben könnt. Also entweder, dass eure Aktion einfach nur nicht erfolgreich war oder ihr schlimmstenfalls für ein paar Monate im Knast landet.

Je nach Fortbewegungsmittel habt ihr pro Monat (=eine Runde) eine begrenzte Anzahl an Schritten zur Verfügung. Sowohl das Bewegen auf der Karte als auch die Interaktion mit Gebäuden kosten euch Schritte. Wenn ihr alleine zockt, hat das keine großen Auswirkungen. Im Mehrspielermodus kommt nach Verbrauch aller eurer Schritte hingegen der nächste dran. Gebäude gibt es z.B. Banken, Autohändler, Kaufhäuser, Waffenhändler, Flughafen, (U-)Bahnhöfe, normale Wohnhäuser, Kinderspielplätze und dergleichen. Ist eine vergleichsweise übersichtliche Liste, weshalb es von fast allem in der Stadt mehrere Ableger gibt. Auf der Stadtkarte selbst gibt es abseits von zufälligen Polizeikontrollen aber ansonsten nichts zu tun. Stattdessen sucht ihr euch euer nächstes Ziel aus, lauft/fahrt dort hin und interagiert dann mit dem jeweiligen Ort.

Interaktive Welt

Die Bank

Abhängig des besuchten Gebäudes gibt es verschiedene Möglichkeiten was ihr tun könnt. In der Bank z.B. dürfen wir einen klassischen Überfall durchzuführen, versuchen nachts (nur schriftlich, gibt keinen echten Tag-/Nachtwechsel) den Safe zu knacken (ein Minispiel) oder den Chef der Bank erpressen, wenn wir entsprechendes Material im Koffer haben. Beim Autohändler können wir hingegen ein Auto kaufen oder klauen (=mehr Schritte pro Monat zur Verfügung) oder ebenfalls den Besitzer erpressen. Und am Kinderspielplatz? Nun, da gilt es entweder den Eltern die Handtaschen durchzuwühlen oder ein Kind zu entführen und dafür dann Lösegeld zu verlangen oder es… politisch völlig unkorrekt im nächsten Pub als billige Arbeitskraft zu verkaufen. Hey, schaut nicht so komisch. Wir spielen schließlich den Bösewicht! Alle Aktionen sind mit einem Zufallsfaktor versehen. Ob ihr also erfolgreich etwas aus der Handtasche stehlt und wie wertvoll ist, hängt alles von einem unsichtbaren Würfelwurf ab, der nur ein wenig von euren Fähigkeiten beeinflusst wird. Selbst ein Charakter mit 99 Intelligenz (der Höchstwert) wird entsprechend hin und wieder versagen.

Für jedes erfolgreich durchgeführte Verbrechen gibt es einen Punkt. Je mehr Punkte ihr habt, desto höher steigt ihr im Rang auf. Das erlaubt es euch weitere Aktionen durchzuführen – so lacht euch der Ladenbesitzer am Anfang nur aus, wenn ihr versucht Schutzgeld zu erpressen – und sogar Mitglieder für eure Bande anzuheuern (die ihr dann trainieren und ausstatten müsst). Die sind besonders in den Kämpfen wichtig, denn wie erwähnt seid ihr nicht alleine in der Stadt. Es gibt andere Bandenmitglieder, die Polizei, krawallige Omas und aggressive Gärtner denen es gar nicht gefällt, was ihr so treibt. Bei einem Zusammentreffen wechselt das Spiel auf einen simplen gestalteten Kampfbildschirm mit euch auf der linken und den Feinden auf der rechten Seite. Abhängig von der jeweiligen Bewaffnung muss sich anschließend jeder erst in Reichweite bewegen, bevor fleißig solange geschossen wird, bis entweder ein (nicht sichtbares) Rundenlimit abgelaufen ist oder eine Seite keine Mannen mehr zur Verfügung hat. Nicht wirklich kompliziert aber selbst als hochleveliger Charakter mit der besten Waffe aufgrund des Zufallsfaktors nicht einfach.

Ein Kampf

Der Großteil der anderen durch Aktionen ausgelösten Minispiele versetzt euch hingegen in simple aber nicht zufallsgenerierte 2D-Labyrinthen mit verschiedenen Aufgaben. Um die Elektronik aus dem Kaufhaus zu stehlen, müsst ihr die Geräte beispielsweise unter Zeitdruck auf einen bestimmten Platz schieben. Den Koffer am Flughafenzoll schmuggelt ihr hingegen ins Flugzeug, indem ihr euch unbemerkt an den Wachen vorbeischleicht. Und der Postzug kommt nur zum Stehen, wenn genug Kisten auf den Gleisen stehen. Die meiste Zeit verbringt ihr aber tatsächlich auf dem Stadtbildschirm, bewegt euch von Gebäude zu Gebäude und führt relativ schnell die immer gleichen Aktionen aus.

Fazit

Also nein, den Vergleich zu Grand Theft Auto hält Crime Fighter absolut nicht stand. Ja, wir sind ein Krimineller in der frei begehbaren Stadt und können ein paar böse Dinge tun. Das war es aber auch schon an Gemeinsamkeiten. Wobei im Einzelspielermodus es tatsächlich die beste Methode ist einfach für 99 Monate einer legalen Arbeit nachzugehen, um einen Haufen Geld zu verdienen. Aber von der Action und Brutalität selbst des ersten Teils von Rockstars Erfolgsserie ist Crime Fighter sehr weit entfernt. Und seine fast schon 30 Jahre sieht und spürt man dem Titel mehr als deutlich an. Zumal selbst 1993 schon wesentlich hübscheres und tiefgründigeres auf dem Markt zu haben war.

Einen Postzug zu überfallen bedeutet Kisten zu schieben.

Das ist nämlich das größte Problem von Crime Fighter: Es wird vergleichsweise schnell langweilig. Es gibt nur 18 unterschiedliche Orte mit vielen ähnlichen Interaktionsmöglichkeiten und nur eine Handvoll unterschiedlicher Labyrinthe – von den taktisch wenig anspruchsvollen Kämpfen gar nicht erst zu reden. Entsprechend hat der Spieler schon weit vor Erreichen der (variablen) Maximalpunktzahl alles gesehen und gemacht, was der Titel hergibt. Im Mehrspielermodus dürfte es etwas länger Spaß machen aufgrund der paar zusätzlichen Interaktionsmöglichkeiten und immerhin bekommt man nach dem Respawn nicht gleich wieder eine Atombombe von einem anderen Spieler auf den Kopf geworfen (GTA Online ist völlig bekloppt…). Aber trotzdem kein Titel für lange Abende.

Dennoch: Bis zu diesem Zeitpunkt (1-2 Spielstunden) hat Crime Fighter durchaus seinen Charme, das möchte ich definitiv positiv erwähnen. Es macht auch heute noch grundsätzlich Laune. Ich halte aber vermutlich ausschließlich nur aus Nostalgiegründen über den “alles gesehen, alles gemacht”-Punkt länger durch, weil ich halt in den 90igern live dabei war und zumindest ein paar schöne Erinnerungen daran habe. Insofern empfehle ich euch dann doch lieber die ersten beiden Grand Theft Auto-Titel, wenn es etwas in 2D sein soll. Die haben selbst heute noch viel mehr zu bieten, gibt es aber leider bislang nicht offiziell für Smartphones. Bleibt wohl doch nur Crime Fighter :smile: .

Vor fast genau einem Jahr habe ich euch an dieser Stelle vier Werke des britischen Autors John le Carré vorgestellt. Genauer gesagt die ersten vier “George Smiley”-Bücher. Insgesamt gibt es allerdings neun Stück, die entweder von Carré oder seinem Publisher als Teil dieser Serie angesehen werden (weil es mitunter gezwungen wirkt). Mittlerweile habe ich die nächsten vier Bände gelesen und möchte euch meine Meinung selbstverständlich nicht vorenthalten :smile: .

Stellt sich vielleicht vorab die Frage, warum es mit dem Lesen so lange gebraucht hat. Okay, sie sind etwas umfangreicher als die vorherigen Bücher. Aber 100 Seiten mehr sollten jetzt nicht unbedingt dazu führen, dass ich dafür wesentlich mehr Wochen brauche. Nein, die Antwort ist schlicht und einfach, dass die Werke nicht durchweg gelungen sind. Doch lest selbst:

(Cover)

Dame, König, As, Spion* (Tinker Tailor Solider Spy; 1974; 416 Seiten) – John le Carré wohl bekanntestes Werk und Auftakt der sogenannten Karla-Trilogie. Benannt nach dem furchteinflößenden Agenten Karla beim KGB, der schon einer halben Ewigkeit den britischen Geheimdienst vorführt. Im ersten Band spielt er aber noch eine untergeordnete Rolle und wird nur als die ständige Gefahr im Hintergrund dargestellt. Stattdessen steht die Enttarnung seines Doppelagenten im Fokus, den er ins obere Management des Circus eingeschleust hat. Smiley, nach einer misslungenen Operation zu Beginn des Buches eigentlich aus dem Geheimdienst entlassen, wird damit beauftragt diesen Maulwurf auszuräuchern. Das ist Auftakt zu einer intensiven und spannenden Detektivarbeit bei der Smiley sehr viele Hürden überspringen muss, um den Übeltäter zu identifizieren und zur Strecke zu bringen.

Beim Christoph meint: Von mir gibt es 4 von 5 Sics. Das ist, was ich von John le Carré erwartet hatte. Das Werk ist ein vorzüglicher Agententhriller mit vielen spannenden Momenten, interessanten Wendungen und einem George Smiley in absoluter Höchstform. Als Leser fiebere ich intensiv mit und stehe bei fast jeder Seite unter Strom. Abstriche von der Bestnote gibt es hauptsächlich, weil aus meiner Sicht das ein oder andere etwas zu sehr in die Länge gezogen ist. Speziell die Nebengeschichte rund um Jim Prideaux, einem ehemaligen Agenten. Ich verstehen, warum sie notwendig ist (Twist) aber so wirklich begeistert hat mich sein zurückgezogenes Lehrerleben nicht. Dennoch: Ganz klare Leseempfehlung. Und wer keinen Bock zum lesen hat, der greift zur BBC-Serie, die ist auch gut.

(Cover)

Eine Art Held* (The Honourable Schoolboy; 1977; 608 Seiten) – John le Carré hat eine Asienreise gemacht und daraus ist dieses Buch entstanden. Nach der Enttarnung des Maulwurfs ist der britische Geheimdienst am Boden und braucht dringend Erfolge. Das Ziel: Eine Geldwäsche-Operation der Russen in Hongkong in der Hoffnung eine Angriffslücke in Karlas Geschäften zu finden. Der Agent: Jerry Westerby, ein Frauenheld, der sich als Journalist tarnt. Nicht wirklich mit dabei: George Smiley, der wieder nur hin und wieder als fragwürdige Figur im Hintergrund auftritt. Stattdessen ist der Fokus voll und ganz auf Westerby, der sich in Asien auf die Suche nach den Russen und ihren Verbündeten macht. Relativ schnell fällt der Verdacht auf einen gewissen Drake Ko, ein reicher Geschäftsmann. Blöd nur, dass die Amerikaner ebenfalls ein Auge auf ihn geworfen haben. Es beginnt entsprechend ein Rennen um die Zeit. Wer schafft es den großen Fisch an Land zu ziehen und davon zu profitieren, ohne ihn zu verschrecken? Ja, Zusammenarbeit von Geheimdiensten war damals wie heute nicht so der Hit…

Beim Christoph meint: 3 von 5 Sics und zwar nicht nur, weil Smiley so gut wie nicht drin vorkommt. Nein, auch die Geschichte an sich finde ich nicht so prickelnd. Westerbys Reisen durch Asien mit fragwürdigen Stationen (Fahrt durch ein Kriegsgebiet, Besuch eines korrupten Gouverneurs und so Kram), sein pseudo-philosophisches Geschwafel dabei in dem er sein bisheriges Leben reflektiert zusammen mit den (vermutlich absichtlich) nutzlos und nervig dargestellten Journalisten-Freunden – es hat mich nicht wirklich angemacht und war stattdessen über weite Teile einfach nur langweilig. Erst gegen Ende, wenn klar wird wer Ko ist und besagtes Rennen um den Zugriff losgeht, nimmt die Sache an Fahrt auf und wird wieder richtig spannend und interessant. Entschädigt halt leider nur bedingt für die restlichen 500 Seiten…

Ich gehe davon aus, dass die Darstellung im Buch relativ realistisch ist und zu der Zeit passt aber wie ich schon zu Krieg im Spiegel* geschrieben hatte: Ein guter Roman/Krimi/Thriller sieht für mich anders aus. Realismus sollte nicht vor einer gut und spannend erzählten Geschichte stehen. Da sind meine Erwartungshaltungen einfach andere. Und die werden hier von John le Carré nur auf ein paar Seiten erfüllt. Stattdessen lese ich von Charakteren, die zwar durchaus dreidimensional sind aber für die ich abseits von “Gott, geht der mir auf den Keks” keine wirklichen Gefühle aufgebaut bekomme. Was bin ich froh, dass der Autor schon während der Recherche für dieses Buch selbst festgestellt hat, dass er doch keinen Bock hat die Jagd auf Karla über eine “zweistellige Anzahl an Büchern” zu verteilen.

(Cover)

Agent in eigener Sache* (Smiley’s People; 1979; 448 Seiten) – Der fulminante Abschluss der Karla-Trilogie mit George Smiley endlich wieder als Hauptcharakter. In England wird ein britischer Agent ermordet und das Innenministerium will es unter den Tisch kehren. Leider macht es den Fehler Smiley (Geheimagent im Ruhestand) mit dieser Aufgabe zu betreuen, der überhaupt keine Lust darauf hat Handlanger von irgendwelchen Politikern zu sein und stattdessen anfängt eigenständige Ermittlungen aufzunehmen. Okay, stimmt nicht ganz. Er nimmt die Ermittlungen auf, weil er ehemaliger Führer des getöteten Agenten war und dieser ihm vor seinem Tod unbedingt etwas mitteilen wollte in Bezug auf unseren lieben Karla.

Mit dem wenigen was Wladimir, so der Name des Agenten, ihm überlassen hat beginnt Smiley die Spur zurückzuverfolgen. Dabei stößt er auf eine alte Russin in Paris, einen verdächtigen Agenten in Norddeutschland und eine Spur in Österreich. Am Ende erwartet den Leser ein fulminantes Finale an der Berliner Mauer. Wie es sich nun einmal für einen Agentenroman gehört, der zur Zeit des Kalten Krieges spielt :smile: .

Beim Christoph meint: Ein absolutes Meisterwerk. Die Jagd nach Karla ist an Spannung nicht zu überbieten und mehr als ein würdiger Abschluss von George Smileys Reise. Volle 5 von 5 Sics von mir. Definitiv ein Buch, das ich ungern zur Seite gelegt habe. Ich wollte stattdessen immer wissen, wie es jetzt weiter geht. Welche neue Spur ergibt sich? Was verbirgt sich hinter der neusten Wendung? Das alles erzählt mit einer Handvoll interessanten und glaubwürdigen Charakteren, mit denen ich tatsächlich mitfühle und die die Geschichte vorantreiben statt nur da zu sein, weil es der Realismus erfordert. Allen voran natürlich Detektiv Smiley und sein Partner Guillam, die wir jetzt schon über einige Bücher hinweg intensiv kennengelernt haben. Und das Ende ist einfach nur famos und passt wie der Deckel auf den Topf, aber ich werde euch natürlich an dieser Stelle nichts verraten.

(Cover)

Der heimliche Gefährte* (The Secret Pilgrim; 1990; 400 Seiten) – Smiley ist im Ruhestand aber man muss natürlich trotzdem so tun, als würde das Buch mit ihm zu tun haben. Also erfindet man fix einen Charakter namens Ned, der gerade am Ende seiner Laufbahn als Agentenausbilder steht. Dieser lauscht einer Rede von George Smiley an seine Abschlussklasse und nutzt die dadurch entstehenden Trigger, um über sein Leben und seine Missionen als Agent zu reminiszieren. Oder auf Deutsch: Das Buch ist im Prinzip eine Ansammlung von Kurzgeschichten, die lose durch den Charakter Ned und Smileys Rede zusammengehalten werden. Ihr erfahrt von seiner ersten Mission, von seinem fleißigen Fremdgehen und eben von ein paar mehr oder weniger eindrucksvollen Einsätzen. Ein Teil des Buches erlebt ihr sogar die Geschichte eines komplett anderen Charakters. Ned erzählt euch die Geschichte davon, wie ihm der andere Agent seine Geschichte erzählt hat und lest dann von den Erlebnissen des Agenten. Bitte hier einen Vergleich mit Inception* einfügen.

Beim Christoph meint: 2 von 5 Sics. Tatsächlich ist es der spannende Abschnitt gegen Ende des Buchs in dem der andere Agent über seine Mission in Korea und dem Zusammentreffen mit den Roten Khmer berichtet, der das Werk vor dem Totalabsturz rettet. Der Rest? Nun, Ned ist ein unsympathischer, unfähiger und gleichzeitig weinerlicher Depp mit dem ich absolut überhaupt nichts anfangen kann. Da war selbst Westerby in Band 6 um Längen besser und der ging mir schon häufig auf den Geist. Und wenn ich mit dem Hauptcharakter nichts anfangen kann, ist das nur bedingt gut. Dazu kommt, dass es eben gefühlt nur eine Ansammlung von mittelmäßigen Kurzgeschichten ist, die von einer mehr als dünnen Erzählung zusammengehalten wird. Es wirkt mitunter sehr stark als hätte John le Carré nicht gewusst, wie er jetzt eine Überleitung zur nächsten Geschichte hinbekommt so komisch sind die Sachen von Smiley, durch die Ned getriggert wird. Danke nein.

 

Es lag also an Band 6 und Band 8, warum ich ein Jahr gebraucht habe für die vier Bände. Die sind das klare Gegenteil von “so spannend, dass ich es gar nicht weglegen kann”. Keine Charaktere mit denen ich wirklich mitfühle, wenige mitreißende Momente, stattdessen seitenweise Belanglosigkeiten. Und Band 6 hat mich sogar noch mehr aufgeregt, weil er als Teil der Karla-Geschichte gilt. Dabei hat so gut wie nichts von dem, was dort passiert, wirklich relevante Auswirkungen auf Band 7 oder legt großartig Grundlagen dafür. Außerdem stört mich grundsätzlich, wenn zwar George Smiley draufsteht er aber einfach nur eine komische Randfigur ist mit wenig bis gar keinem Mehrwert. Bei Der Spion, der aus der Kälte kam*, in dem Smiley ebenfalls nur in Nebensätzen auftrat, bekam ich immerhin noch einen extrem guten Agententhriller zu lesen. Aber in den beiden Werken? Eh…

Mal schauen was der bislang letzte Band, Das Vermächtnis der Spione*, zu bieten hat. Inhaltlich geht es wieder um eine Rückblende aber immerhin zu einer Zeit in der Smiley noch aktiv war (1967 in Berlin). Vielleicht bekomme ich als Leser entsprechend wieder das, warum ich eigentlich hier bin: Einen spannenden Spionage-Roman mit einem tollen Hauptcharakter. Ich werde euch berichten, wenn ich es durchhabe – ob ihr es wollt, oder nicht :tongue: . Jetzt habe ich allerdings erstmal Shareware Heroes* von Richard Moss begonnen, um den schlechten Geschmack etwas aus dem Mund zu bekommen. Da hatte ich 2020 die Crowdfunding-Kampagne unterstützt.

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