Vor acht Jahren hat sich Rondrer an dieser Stelle geoutet, dass er so seine Probleme mit den alten „Meisterwerken der Spielekultur“ hat und versuchte zu analysieren, warum er sich mit Titeln wie Heroes of Might & Magic 3 oder Deus Ex trotz ehrlicher Versuche schwer tut. Ähnlich geht es mir mit so manchem „Meisterwerk der Literatur“. Da müssen wir nicht einmal zurück bis zur „klassischen“ Literatur. Die scheinbar lt. den „echten“ Buchkennern in Deutschland übrigens nur eine Epoche zwischen 1786 und 1832 beschreibt, in denen aus dieser Sichtweise wohl nur die vier „Großen“ (Goethe, Schiller, Wieland, Herder) nennenswertes geschrieben haben. Für mich verbirgt sich hinter dem Begriff „Klassik“ eher der „Klassiker“ aber gut: Das ist wie in der Kunst. Da versucht man ja auch auf Biegen und Brechen alles in irgendwelche Bewegungen einzuordnen, egal ob es Sinn macht oder nicht.

Ein Regal voller gutem Lesestoff

Natürlich gibt es…nennen wir sie „erfolgreiche, ältere Werke“, die ich super finde. Alice im Wunderland (Lewis Carroll) beispielsweise oder Der gallische Krieg von Gaius Julius Caesar (nein, ich habe es nicht auf Lateinisch gelesen) und – um etwas in die neuere Zeit vorzurücken – Der Ewige Krieg oder Der Wüstenplanet (Frank Herbert). Aber da fängt es schon an: Ich habe grundsätzlich alle Bücher des ursprünglichen Wüstenplanet-Zyklus gerne gelesen aber als echten Klassiker würde ich tatsächlich nur Band 1 bezeichnen. Viel lieber habe ich – und dafür hassen mich alle „echten“ Dune-Fans abgrundtief – Die frühen Chroniken und vor allem Die Legenden von seinem Sohn (zusammen mit Kevin J. Anderson) verschlungen. Da habe ich tatsächlich damals jede Veröffentlichung herbeigesehnt und die über 1.000 Seiten langen Brecher in wenigen Tagen durchgelesen. Und auch wenn ich weiß, dass ich mich damit noch tiefer in die Nesseln setze: Selbst bei einem Der Herr der Ringe würde ich lieber nochmal die Filme anschauen als die langatmigen Erzählungen des lieben Herr J.R.R. Tolkien zu ertragen. Ja, das sage ich als jemand, der selbst das Silmarillion gelesen hat. Schlimmer noch: Das fand ich persönlich sogar interessanter als das eigentlich bedeutendere Hauptwerk des Professors. Über so ein Geschwurbel wie Die Leiden des jungen Werther (Johann Wolfgang v. Goethe) brauchen wir da gar nicht erst zu reden…

Die Überleitung

Diese ganzen hochgelobten Bücher sind sicherlich alles literarische Meisterwerke mit einer unvergleichbaren sprachlichen Virtuosität, die gekonnt tiefgründige Themen bearbeiten und den Leser total mitreißen sowie nicht nur aber besonders die literarische Welt auf Ewig verändert haben. Aber irgendwie scheine ich das nicht so zu schätzen zu wissen. Ich spiele ich ja auch lieber Saints Row als Grand Theft Auto :smile: . Aber ich versuche es natürlich immer mal wieder. Also nicht nur das Spielen von Grand Theft Auto, sondern auch das Lesen besagter Klassiker, egal wie oft ich dabei am Ende auf die Nase falle – womit wir beim heutigen Thema sind:

(Cover)

The War of the Worlds Illustrated (H.G. Wells/Bitmap Books, ca. 35€, 276 Seiten, Englisch) – Der ultimative Klassiker und Prototyp unserer heutigen Vorstellung von Science-Fiction aus dem Jahr 1898. Damals als Fortsetzungsroman erschienen und technisch gesehen in zwei Bücher aufgeteilt (Die Ankunft der Marsianer und Die Welt unter den Marsianern), hat Bitmap Books nun eine Neuauflage des Werks produziert. Neben dem eigentlichen, englischsprachigen Originaltext enthält diese eine kleine Biographie über H.G. Wells und ein paar Seiten über die Nachwirkungen seines berühmtesten Werks. Außerdem wurden Schlüsselszenen vom mexikanischen Illustrator Adam Rufino nachgestellt. Der Kerl hat es prinzipiell echt drauf, wenn ich mir so sein (spielelastiges) Portfolio anschaue aber das was er hier im Auftrag des britischen Verlags produziert hat finde ich durchgängig einfach nur hässlich. Mein Hauptproblem ist glaube ich, dass alle Menschen aussehen wie Zombies und auch sonst alles einen „toten“ Look hat. Passt natürlich ein Stück weit zur Thematik der Erzählung aber mir gefällt dieser Stil nicht. Dazu kommt noch, dass aus meiner Sicht die Szenen mitunter nicht zu dem passen, was im Text nebendran steht. Blöd, dass sie einen großen Teil des hochwertig verarbeiteten, DINA4-Hardcovers ausmachen. Der Rest ist hingegen gefüllt mit sehr groß geschriebenem Text (leider eine Vorliebe von Bitmap Books).

Ja, Der Krieg der Welten ist kein langer Roman. Das Original hat zwar auch 287 Seiten, war aber im Taschenbuchformat. Es wirkt hier nur so, weil z.B. sieben Absätze auf eine DINA4-Seite aufgeblasen wurden. Das mag optisch super aussehen – und mir ist klar, dass das einer Hauptansprüche dieser nicht ganz billigen Neuauflage war – aber so richtig glücklich bin ich damit nicht.

Der eigentliche Inhalt

So viel zur Aufmachung der Neuauflage. Viel wichtiger ist natürlich die Geschichte selbst. Achtung: Ich nehme keine Rücksicht auf Spoiler. Das Ding wurde mittlerweile 13mal verfilmt, es gibt unzählige Hörspiele und Comics dazu und gefühlt jeder referenziert darauf. Ach und es ist über 120 Jahre alt. Also: Wir befinden uns in England irgendwann in den 1890igern. Alles ist super und duber bis eines Nachts ein Meteorit in der Nähe der Kleinstadt Woking in Surrey niedergeht. Dieser Meteorit entpuppt sich als metallischer Zylinder vom Mars aus dem nach einiger Zeit ein Tentakelmonster herauskrabbelt – ein Marsianer. Am Anfang sind die Menschen zwar neugierig aber total unbeeindruckt und überheblich. Marsianer können aufgrund der hohen Gravitation auf der Erde eh nicht überleben und so. Nach und nach fallen noch mehr Zylinder vom Himmel und es kommt buchstäblich Bewegung in die Sache: Die Marsianer bauen die berühmten Tripod-Kampfmaschinen und fangen ausgerüstet mit den riesigen Hitzestrahlern und einer Art lilafarbenen Gasgranaten ihren Eroberungsfeldzug Richtung London an. Das irdische Militär schafft es zwar einen nieder zu strecken, ist aber unterm Strich völlig machtlos gegen die Dinger. Ein Dorf nach dem anderen wird in Schutt und Asche gelegt und London scheint verloren.

Mittendrin ist unser namenloser aber wissenschaftlich interessierter Erzähler, der die Geschichte vollständig aus seiner persönlichen Sicht wiedergibt und alles um sich herum genau beobachtet. Nachdem er seine Frau bei seinem Bruder abgegeben hat und warum auch immer pflichtbewusst den dafür ausgeliehenen Wagen zurückbringen möchte, stolpert er mitten in die Flüchtlingsbewegung hinein. Er zieht nun gefühlt planlos durchs Land, trifft hier und da temporäre Weggefährten und erlebt ein paar mehr oder weniger grausame Sachen bevor er dann mehrere Tage mit einem psychisch instabilen Vikar in einer Ruine verbringt – direkt in der Nähe eines weiteren Einschlagslochs der Marsianer, die dort fleißig unmenschliche Dinge tun. Abschließend macht er sich auf den Weg nach London. Dort angekommen stellt er fest, dass zwar vieles zerstört aber grundsätzlich alles leergefegt und ruhig ist. In einem Park findet er dann einen toten Marsianer: Sie haben nicht mit den irdischen Bakterien gerechnet und wurden von ihnen dahingerafft. Die Marsianer sind besiegt, er macht sich auf den Weg zurück nach Hause und findet dort seine Frau quietschlebendig wieder. Happy End.

Die Kritik

The War of the Worlds (Herstellerbild des Xbox-360-Arcadetitels)

Das Besondere an Der Krieg der Welten ist wohl der Schreibstil. Anders als traditionelle Romane erwartet den Leser in H.G. Wells Werk eine Art nüchterner Augenzeugenbericht von der Invasion der Marsianer. Es gibt keine Charaktere mit denen wir mitfühlen können/sollen (die meisten Personen haben nicht einmal Namen), keine wirkliche Charakterentwicklung, keinen Aufstieg oder Fall eines Helden. Einfach nur seitenweise subjektive Beobachtungen und Nacherzählungen durch diese unbekannte Person aus Woking. Das ist definitiv mal eine etwas andere Herangehensweise, dürfte aber genau mein Problem mit diesem Buch sein: Es ist heutzutage total langweilig zu lesen.

Es passiert insgesamt zu wenig und wenn mal was passiert, ist es nicht sonderlich spannend erzählt. Die Situation im Flüchtlingsstrom fand ich im Gegenteil sogar eher verwirrend. Ich weiß immer noch nicht genau, wer da jetzt wie gestorben und in welche Richtung der Erzähler zu welchem Zeitpunkt gelaufen ist. Das mag gewollt und authentisch sein. Es ist für mich aber kein guter Roman. Der einzige Höhepunkt sind besagte Tage mit dem instabilen Viker. Da kommen plötzlich Emotionen hoch, da passiert tatsächlich mal was und der Erzähler wird für einen kurzen Moment menschlich.

Gleichzeitig bin ich vermutlich durch jahrelangen SciFi-Konsum zu „versaut“. Ein Tentakelmonster vom Mars lockt mich einfach nicht mehr hinterm Ofen hervor. Und das Finale (eigentlich die komplette zweite Hälfte des zweiten Buchs) war schlicht dämlich. Ja, das ganze Buch soll wohl eine Satire auf die britische Kolonialpolitik sein und es ist genau der Witz, dass die Bakterien als primitivsten aller Lebewesen das Vereinigte Königreich retten. Aber das alles zu wissen, macht das Buch für mich als Leser nicht wirklich besser. Man hätte es trotzdem interessanter erzählen können.

Beim Christoph meint: Von mir gibt’s für The War of the Worlds Illustrated gerade so 2 von 5 Sics wegen dem Vikar-Abschnitt. Grundsätzlich bereue ich es nie meinen Horizont erweitert zu haben. Es ist immer gut auch mal selbst zu erfahren, woher die Inspiration der Medien stammt, die ich heutzutage so konsumiere. Macht es auch leichter die eine oder andere Anspielung zu verstehen. Aber am Ende des Tages ist es für mich – einem fast 36jährigen im Jahr 2020 – kein gutes Buch und schon gar keine Pflichtlektüre. Das fängt mit der Neuauflage an sich an (hässliche Zeichnungen, riesiger Text) und geht bis hin zur Geschichte selbst. Ich kann verstehen, dass es damals der absolut heißeste Scheiß war als Science-Fiction noch was komplett Neues darstellte. Mich hat es aber nicht vom Hocker gehauen. Weder sprachlich noch inhaltlich. Frei nach Rondrer: Die Bücher waren damals wie heute bestimmt nicht schlecht, aber ich muss einfach damit aufhören mir von anderen Leuten ihre Meinung zu den Werken aufdrängen zu lassen und einfach nur das zu lesen, was mir jetzt gerade Spaß macht :smile: .

Meridian 59 (Herstellerbild)

Ich hab‘ grad mal im Archiv gestöbert aber es ist wie ich vermutet hatte: Ich habe tatsächlich noch nie irgendetwas über meine Erfahrungen mit Ultima Online geschrieben. Nur über meine „Abenteuer“ in Meridian 59 gab es mal einen längeren Bericht. Das gibt es übrigens immer noch. Seit 2011 unter der Schirmherrschaft eines neuen Entwicklers und mit dem Untertitel ResurgencE. Außerdem mittlerweile kostenlos und 2012 wurde sogar der Source Code veröffentlicht, was die Update-Frequenz etwas erhöht hat. Es bleibt trotzdem ein leeres und technisch wie spielerisch total veraltetes Spiel bei dem sich irgendwie bei mir kein Spielspaß breit machen will.

Die Konkurrenz

Aber ich wollte heute nicht über Meridian 59 reden. Relevant ist stattdessen, dass ich damals (der Artikel ist von 2008) dann auch mal in Ultima Online reingeschaut hatte. Doch sehr weit gekommen bin ich nicht. Zum einen war die Community wesentlich weniger hilfreich als bei der Konkurrenz (=gar nicht) – vermutlich, weil sie zahlenmäßig selbst heute noch größer ist. Zum anderen bin ich irgendwie eher bereit in alte Einzelspielertitel etwas Energie zu stecken als in ein MMORPG bei dem selbst mit dem „modernen“ 3D-Client die Bedienung unter aller Sau ist. Das war dann vermutlich auch der Grund, warum ich am Ende doch nichts darüber getippt habe. Bin damals mit meinem Nekromanten über die Startregion definitiv nicht hinausgekommen.

Gleichzeitig ist Ultima Online ähnlich wie EVE Online so ein Titel, dessen Geschichten mich durchaus interessieren und echt spannend sein können. Entsprechend dankbar bin ich darüber, dass es mittlerweile Autoren gibt die dazu ganze Bücher verfassen. Leider meistens nur auf Englisch. Der deutsche Markt besteht aus meiner Perspektive irgendwie nur aus irgendwelchem Retro-Kram von ehemaligen Spiele-Journalisten, die vor der Veröffentlichung dringend einen Lektor gebraucht hätten. Aber ich bin schon wieder gehässig. Sie haben ihre Fans und jeder soll lesen, was er gut findet. Und ich finde eben eher Bücher toll wie zum Beispiel Empires of EVE (kommt demnächst der 2. Band) oder eben:

(Cover)

Braving Britannia (Wes Locher, ca. 20€, 372 Seiten, Englisch) – Der Autor hat 35 Personen interviewt, die speziell im ersten Jahrzehnt von Ultima Online eine mehr oder weniger große Rolle gespielt haben. Darunter ein paar der Entwickler, freiwillige „Mitarbeiter“ (z.B. Noob-Begleiter oder Fanseitenbetreiber), Anführer von einflussreichen Gilden wie den Shadowclan Orcs und natürlich auch alltägliche Spieler wie z.B. den notorischen PVPler Evil M, die durch ihre kleinen und großen Taten ihren Namen in den Analen des Spiels hinterlassen haben.

Statt jedoch einfach nur diese 35 Interviews abzudrucken, erwartet euch ein Fließtext gespickt mit Zitaten. Beginnend mit den eigenen Erfahrungen des Autors mit dem Spiel erfahrt ihr so nicht nur wie die einzelnen Personen Ultima Online erlebt haben, sondern auch wie ihr Handeln das Drumherum beeinflusst hat und über die Entwicklung des Spiels über die Jahre. Das hatte den offensichtlichen Vorteil für Wes Locher, dass er tatsächlich so etwas wie einen roten Faden durch das Buch ziehen konnte. Jedes Unterkapitel, jedes Hauptkapitel baut mehr oder weniger offensichtlich aufeinander auf. Daraus entsteht für den Leser nach und nach ein recht deutliches Bild zumindest von einem Teil der damaligen Community und von der Faszination, die Ultima Online auf diese Leute ausübte. Gleichzeitig fühlt sich das Buch dadurch angenehm rund an. Ja, es gibt sicherlich noch tausende weitere Geschichten, die es sich lohnt zu erzählen. Aber für sich gesehen hat das Werk einen logischen Anfang und ein sinnvolles Ende.

Ultima Online (Herstellerbild)

Beim Christoph meint: Bücher wie Braving Britannia sind vermutlich nur für drei Personengruppen geeignet: Diejenigen, die selbst dabei waren und in Nostalgie schwelgen wollen; Forscher/Historiker, die sie als Quelle nutzen, um mehr über das Thema durch Augenzeugen zu erfahren; Und eben Leute, die nicht live dabei waren aber trotzdem interessant finden, was da so passiert ist. Wenn ihr euch zu einer der drei Kategorien im Allgemeinen zählt und Ultima Online im Speziellen spannend findet, dann ist das Werk von Wes Locher eine klare Empfehlung.

Ich fand es super spannend ein bisschen mehr hinter die Kulissen dieses MMORPG-Klassikers zu blicken und das eben nicht aus der üblichen „Entwickler-Post-Mortem“-Sicht, sondern auf einer wesentlich persönlicheren Ebene. Man kann definitiv herauslesen, dass für diese Personen Ultima Online und die dazugehörige Community etwas ganz Besonderes waren. Und sich dadurch, dass sie sich im und außerhalb des Spiels daran beteiligt haben, mitunter ihr Leben komplett verändert hat. Und wenn das keine coole Sache ist, dann weiß ich auch nicht…

Noch ein Spielebuch

Wesentlich analytischer gehen hingegen die Autoren des nächsten Buches mit ihrem Thema um. Es ist eines der ersten Werke, die der französische Verlag Third Editions dank Kickstarter ins Englische übersetzen konnte. Und – so viel sei schon gesagt – es ist um Längen besser als The Heart of Dead Cells: A Visual Making of, von dem ich extrem enttäuscht war.

(Cover)

BioShock – From Rapture to Columbia (Nicolas Courcier, Mehdi El Kanafi & Raphaël Lucas, ca. 30€, 192 Seiten, Englisch) – Die Analyse-Bücher von Third Editions haben immer eine ähnliche Grundstruktur in der das jeweilige Unterhaltungsmedium (sie schreiben nicht nur über Spiele) behandelt werden: „Entstehung“, „Universum“ und „Entschlüsselung“. Im Abschnitt „Entstehung“ geht es – wie der Name schon sagt – um die Entwicklung. Dazu gehört z.B. auch von welchen anderen Medien sich die Designer haben inspirieren lassen und was gut/schlecht gelaufen ist. Der Abschnitt „Universum“ beschäftigt sich hingegen voll und ganz mit der Geschichte, den Charakteren und der Spielwelt. Allerdings geht es hier mehr um die Vorstellung und eine gewisse Einordnung. Die tatsächliche Analysis der Themen, die Wirkung der selbigen und die Auswirkungen der Titel auf die Kultur sind dann im Abschnitt „Entschlüsselung“ zu finden. Third Editions möchte quasi die Antwort auf die Fragen liefern, warum und wann das Werk entstanden ist, was aus ihm geworden ist und warum es für die Popkultur so wichtig ist.

Ab nach Rapture

Und wie der Name schon sagt, beschäftigt sich dieses Buch mit der BioShock-Trilogie inkl. allen DLCs (gesplittet in Teil 1 & 2 als Einheit und dann BioShock Infinite). Der, aus meiner Sicht eher verstörende, Soundtrack hat sogar ein eigenes Kapitel spendiert bekommen. Anders als bei besagtem The Heart of Dead Cells: A Visual Making of erfährt der Leser trotz nur 192 Seiten allerhand über die jeweiligen Titel. Es ist gefühlt ein Ungleichgewicht zu Gunsten BioShock Infinite vorhanden (deswegen sind vermutlich Teil 1 und 2 in einen Abschnitt gepackt worden). Und auch grundsätzlich könnten wie immer noch wesentlich mehr Informationen enthalten sein. Aber unterm Strich hatte ich doch das Gefühl einen guten Rundumüberblick über die drei Spiele zu erhalten.

Beim Lesen eher negativ aufgefallen ist mir, dass die Autoren scheinbar etwas mit ihrem Pop-Kultur-Wissen angeben wollten. Teilweise rattern sie definitiv zu viele Vergleiche zu anderen Werken herunter, obwohl einer bereits gereicht hätte. Außerdem ist wie immer bei solchen Werden natürlich ohne Bestätigung durch Ken Levine oder einen anderen Verantwortlichen das ein oder andere speziell im Analyse-Kapitel reine Spekulation auf Seiten der Autoren. Es regt dennoch zum Nachdenken an. Nicht nur darüber was die Entwickler mit BioShock sagen wollten, sondern auch über die Art und Weise wie sie es im Spiel versucht haben rüber zu bringen. Jetzt nach dem Lesen des Buchs ist quasi für mich der perfekte Zeitpunkt mal die Remastered-Fassungen zu spielen. Plus BioShock Infinite, das ich bis heute nicht durch habe wegen meinen damaligen Performanceproblemen.

BioShock Remastered (Herstellerbild)

Am meisten vermisst habe ich hingegen tatsächlich ein paar Bilder. Ja, die Analyse-Bücher von Third Editions bestehen vollständig nur aus Text. Als Begründung geben sie an, dass sie sich nicht mit dem Copyright-Thema herumschlagen wollen. Gleichzeitig macht es natürlich selbst bei einem Schwarz-Weiß-Druck die Produktion billiger. Für den Leser ist es allerdings dadurch hier und da mitunter schwer das Beschriebene nachzuvollziehen. Vor allem, wenn man den Titel schon länger nicht mehr gespielt und entsprechend nicht mehr direkt vor Augen hat.

Beim Christoph meint: Vieles was in BioShock – From Rapture to Columbia steht hat man sicherlich schon woanders im Internet gesehen/gelesen – ggf. sogar ausführlicher. Damit meine ich, dass die Autoren das Rad aus meiner Sicht nicht neu erfinden. Wie auch. Speziell die BioShock-Serie wurde bereits zu Tode analysiert und auch die Entwickler haben in diversen Post-Mortems, Interviews und GDC-Talks bereits ausführlich über ihr Werk referiert. Insofern bleibt der Mehrwert des Buchs für alle, die sich schon so tief mit der Serie beschäftigt haben eher überschaubar.

Trotzdem bin ich Fan davon mir sowas auch zusammengefasst in den Schrank stellen zu können. Anders als bei The Heart of Dead Cells: A Visual Making of vermitteln die Autoren den Eindruck, dass sie wissen wovon sie reden und es ist trotz dem ein oder anderen übertriebenen Vergleich angenehm zu lesen und gespickt mit vielen interessanten Informationen. Meine Hauptkritikpunkte sind wie oben erwähnt vor allem die fehlenden Bilder und, dass die ersten beiden BioShock-Teile gefühlt etwas zu kurz kommen. Aber wer mehr über die Serie und ihre Motive erfahren will und noch nicht alles darüber verschlungen hat, den erwartet ein unterm Strich gut gemachtes und lesenswertes Buch.

The Divison (Herstellerbild)

118 Stunden zeigt der Spielzeitzähler mittlerweile für The Division und ich muss sagen: Ich bin kurz davor das mit den letzten vier Schilden einfach sein zu lassen. So fehlen mir noch vier exotische Waffen, die einfach nicht droppen wollen und von den drei notwendigen High-End-Sets habe ich sogar noch kein einziges vollständig. Und obwohl es im Spiel theoretisch 5.335 Commedations-Punkte (Mini-Achievements) zu verdienen gibt, fehlen mir immer noch 600 bis zum Ziel von 3.000 für das Schild. Das einzige Schild, welches tatsächlich in Reichweite ist, ist das wofür ich den Survival-Modus mindestens fünf Stunden lang spielen muss.

Es macht sich halt doch sehr stark bemerkbar, dass ich zum einen keine richtige Gruppe zum Zocken habe, um z.B. die Missionsherausforderungen zu meistern („Schaffe Mission X in einer Gruppe auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad ohne zu sterben“). Und zum anderen die Spielerzahl grundsätzlich nicht mehr ganz so hoch ist, um es zumindest mit „Randoms“ zu versuchen. So bleibt mir nur das Farmen der stupiden Sachen wie „töte 10.000 Gegner vom Typ X“ oder „schaffe X Missionen“ und das hört sich nicht nur langwierig an, es ist es logischerweise auch. Luxusprobleme – ich weiß :smile: .

Und sonst?

Immerhin ist Mr. Subwoofer vergangenen Mittwoch erfolgreich und funktionsfähig aus Berlin zurückgekehrt. Trotz der guten Qualität des Teufel CAGE ist es definitiv sehr angenehm endlich mal wieder ohne Kopfhörer vorm Rechner sitzen und Musik hören zu können (aktuell das Album Simple Forms von The Naked and Famous). Den Karton mit dem Teufel den Subwoofer zurückgeschickt hat, werde ich mir dieses Mal logischerweise aufheben. Allerdings sichert sich Teufel erneut ab: Es liegt ein Zettel darin, der darauf hinweist, dass zwar der Außenkarton für mehrfachen Versand geeignet ist. Für die gespritzten (Styropor?)Ecken geben sie aber keinerlei Garantie. Sprich: Schick ich Subbi mit genau der Verpackung nochmal nach Berlin und er kommt wieder beschädigt an, wird DHL erneut behaupten, dass es nicht richtig verpackt wurde. Hoffen wir einfach, dass er dieses Mal wieder länger durchhält und es dann adäquaten und bezahlbaren Ersatz gibt.

Und wenn wir schon am munteren Labern sind: Der Freizeitraum im Keller ist prinzipiell fertig. Alle Renovierungsarbeiten sind abgeschlossen und die Möbel und Fitnessgeräte stehen dort, wo sie hinsollen. Am Freitag haben wir auch das erste Mal dort unten trainiert (Fitnessstudio lief am 5.9. aus). Doch Details und Fotos gibt es erst in einem der kommenden Einträge. Aktuell sieht es noch etwas aus wie auf einem Schlachtfeld (überall Werkzeug), die Dekoration fehlt und eingeräumt ist ebenfalls noch nichts in die Schränke und Regale. Lysanda muss erst noch den Rauchgeruch endgültig aus den Möbeln der Nachbarn rausbekommen.

Und sonst noch?

Der alte Feuerungsmanager unserer Ölheizung.

In Sachen Tiefbau sind wir hingegen mittlerweile soweit, dass das Entwässerungsgesuch bei den Stadtwerken eingereicht werden konnte. Hat doch etwas länger gedauert vom Ingenieur die Unterlagen erstellen zu lassen (und dadurch ca. 400 Euro mehr gekostet) als erwartet aber dafür sollte es keine großen Probleme geben und wir in 2-3 Wochen die Freigabe haben. Danach kann es dann endlich losgehen – mit der zeitlichen Planung der Maßnahme. Ja, bis der Bagger kommt wird noch ein paar Wochen dauern. Muss ja alles koordiniert werden (Zuwasser darf anfangen) :smile: .

Netterweise hat uns jetzt die Ölheizung auch nochmal kurz vor ihrem Lebensende gut 120 Euro an ungeplanten Kosten verursacht. Keine Ahnung warum aber irgendwie scheinen Sachen, die man plant abzulösen, immer plötzlich kaputt zu gehen. Hatte ich in Bezug auf meine PC-Hardware schon häufiger beobachtet. Egal: Der Feuerungsmangager hatte den Geist aufgegeben. Er empfing zwar noch das Signal, dass er loslegen soll aber die Zündung kam nicht. Somit blieb der Brenner aus und die Heizung kalt. Vermutlich ist er schon länger hinüber aber dank der Solarheizung merken wir sowas logischerweise erst, wenn draußen nicht mehr genug Sonne ist, um das Wasser im Puffer warm zu machen. Das war nun quasi der Fall. Aber das Ersatzteil war zügig da und der Einbau kein großer Akt (drei Schrauben). Jetzt wird’s wieder warm.

Lesestoff

Nachdem nun die erste DINA4-Seite in Word voll mit Text ist, kommen wir nun zum eigentlichen Thema des heutigen Eintrags: Ich lese weiter fleißig Bücher. Ja, der Fernseher bleibt im Hause Lysanda aktuell sehr häufig aus (noch 42 Folgen Sailor Moon und 1 Film). Stattdessen lesen wir viel. Zum einen, um unseren Snackkonsum am Abend zu reduzieren. Zum anderen aber auch einfach, weil unsere Regale voll sind. Und da ich sonst nichts zu erzählen habe (spiele ja nur The Division), belästige ich euch eben mit einem weiteren Bericht zu einem Buch von meinem Nachtschrank:

(Cover)

Hints & Tips for Videogame Pioneers (2016, Englisch) – Andrew Hewson ist einer der Pioniere auf dem britischen Spielemarkts und sogar Mitbegründer der ELSPA – quasi von 1989 bis 2003 die britische Version der USK. 1984 hat er mehr zufällig als tatsächlich geplant mit Hewson Consultants einen Spielepublisher eröffnet – mit großem Erfolg. Hewson schaffte es sich einen sehr guten Ruf zu erarbeiten und so die besten britischen Programmierer anzulocken, die über ihn ihre Spiele veröffentlicht haben wollten. Darunter Titel von denen ich bisher nie gehört hatte wie Uridium, Pilot, Technician Ted oder Exolon. Ja, irgendwie weiß ich über die Spieleindustrie der 80iger echt wenig…

Hewson Consultants existierte bis 1991 ihm eine große deutsche Ladenkette plötzlich einen Abnahmevertrag kündigte. Der dadurch entstandene Einnahmeneinbruch zwang ihn zur Insolvenz. Anschließend gründete er mit 21st Century Entertainment einen weiteren Spielepublisher, der sich neben der Neuvermarktung der Hewson-Consultants-Bibliothek voll und ganz auf Pinball-Spiele konzentrierte (Pinball Dreams, Pinball Illussions, etc.) und damit zumindest bis 1998 erfolgreich war, dann aber in finanzielle Schwierigkeiten gerit und anno 2000 endgültig geschlossen wurde. Nach einer längeren Pause hat er mittlerweile mit seinem Sohn Rob Huey Games gegründet und hilft erneut Indie-Titeln auf den Markt.

Der Inhalt

Der Titel des Buchs ist eine Anlehnung an Hints and Tips for the ZX Spectrum, Hewsons erstem Buch und der Entstehungsgrund für Hewson Consultants. Nach der Veröffentlichung schickten ihm Hobbyprogrammierer einfach ungefragt ihre Spiele und er sah das Potential darin. Im Buch selbst erwarten euch jedoch weniger Hinweise und Tipps für Videospielepioniere als vielmehr eine Autobiographie über Andrew Hewson und seine beiden Firmen. Beginnend mit einer umfangreichen Historie zu seinem Familienstammbaum berichtet er auf den knapp 250 Seiten über seine Anfänge, den damaligen Zustand der britischen Spieleindustrie und reflektiert über die Entscheidungen, die er getroffen hat. Dazu gibt es viele Hintergrundinformationen über die Entstehung der zahlreichen Spiele, die seine Firmen über die Jahre veröffentlicht hat. Dazwischen kommen immer mal wieder die Entwickler selbst zu Wort und dürfen ihre Sicht der Dinge darlegen. Das hilft den logischerweise etwas einseitigen Blickwinkel etwas zu vergrößern. Zumal – und das rechne ich Andrew Hewson stark an – darüber auch kritische Aussagen über ihn und seine Arbeit ins Buch kommen.

Leider flacht der Detailgrad mit zunehmender Seitenzahl stark ab. So wird die Zeit von 1991 bis 2000 auf nur 40 Seiten abgehandelt – sehr viele davon gefüllt mit O-Tönen von DICE (ja, das Battelfield-Studio), den Machern von Pinball Dreams. Und selbst davor merkt man Hewson an, dass er entweder nichts mehr zu erzählen hat oder will. Vermutlich eher letzteres, da man im Intro erfährt, dass ihn sein Sohn faktisch dazu zwingen musste das Buch zu schreiben. Er gibt offen zu, dass er eigentlich keine Lust dazu hatte und sich mehr gequält hat als mit Freude seine Lebensgeschichte nieder zu schreiben. Das ist äußerst schade und natürlich leidet die Qualität des Werks darunter merklich. Ich bin mir sicher, dass noch mindestens 50, wenn nicht sogar 100 Seiten mit interessanten Fakten hätten gefüllt werden können. So fliegt man über die Jahre und die Spiele nur so drüber und die nicht weniger spannende Zeit Ende der 80iger (u.a. Nintendos Einschlag auf dem britischen Markt) kommt nicht richtig zur Geltung.

Beim Christoph meint: Von mir gibt es magere 2 von 5 Sics. Trotz des irreführenden Titels ist das Buch prinzipiell sehr interessant und man erfährt theoretisch einiges über die Entstehung des britischen Spielemarkts und den ersten Blockbustern. Es leidet aber einfach zu stark darunter, dass der Autor keinen Bock hatte wirklich seine Geschichte zu erzählen. Das führt nicht nur dazu, dass ich selbst als Leser schon nach dem Vorwort keinen Bock mehr habe. Warum soll ich schließlich einem Autor meine wertvolle Zeit schenken, der selbst zugibt einfach nur was hingeklatscht zu haben? Viel schlimmer ist aber wie gesagt, dass dadurch nach den ersten Kapiteln die Jahre nur so verfliegen und viele spannende Details, die so jemand liefern könnte, der tatsächlich live dabei war gefühlt nicht zur Sprache kommen. Und so super es auch ist die Entwicklersicht zu erfahren: Sehr böse ausgedrückt sind diese Textboxen nur dazu da den Umfang des Buchs zu erweitern. Und dann hätte ich mir zudem den ein oder anderen Screenshot zu den besprochenen Titeln gewünscht. Nach dem Lesen blieb ich entsprechend enttäuscht zurück. Zumal das Werk definitiv sehr viel Potential gezeigt hat. Es ist grundsätzlich gut strukturiert, Hewson hat eine gute Schreibe und es gibt die Lichtblicke hier und da, wo er viel und leidenschaftlich erzählt. Es bringt aber nichts, wenn am Ende des Tages dann doch die Hälfte des Inhalts fehlt. Somit bleibt mir als Empfehlung nur: Wenn man es für wenig Geld in der Ramschkiste findet, kann man es mitnehmen. Eine absolute Leseempfehlung ist es aber nicht. Wer sich hingegen ernsthaft für die Thematik interessiert ist mit Werken wie Britsoft: An Oral History oder A Gremlin in the Works wesentlich besser bedient.

Lysanda und ihre lahmen Frauenbücher…nene, sowas würde ich nie konsumieren. Bei mir stehen selbstverständlich nur Werke von und für echte Männer im Regal *stellt sich dezent vor seine Comic-Sammlung und die Avalon-Bücher von Marion Zimmer Bradley*. Und eins davon habe ich frisch gelesen:

(Cover)

Game Engine Black Book: Wolfenstein 3D v2.1 (2019, Englisch) – Fabien Sanglard, geboren in Frankreich und mittlerweile bei Google beschäftigt, veröffentlicht auf seiner Webseite seit mittlerweile über 11 Jahren Code Reviews – nicht nur aber vor allem zu den Werken von id Software, da der Source Code dank John Carmarcks Hacker-Ethik schon seit Jahren frei verfügbar ist.

In seinen Code Reviews analysiert er – nun, den Code der die Spiele antreibt und erläutert wie die Programmierer die Action auf den Bildschirm gebracht haben. Im Falle von Wolfenstein 3D hieß das z.B. einen 386 mit DOS mit all den dazugehörigen Limitationen (z.B. nur 640KB konventionellem RAM) dazu zu bringen eine perspektivisch halbwegs korrekte 3D-Welt per Raycasting (wesentlich simpler als Raytracing) zu erzeugen, die am Ende nicht nur mit einstelligen Frames pro Sekunde dargestellt wird. Die älteren unter uns erinnern sich sicherlich noch gut an die Zeiten in denen wir uns mit CONFIG.SYS, AUTOEXEC.BAT, HIMEM.SYS (XMS) und EMM386.EXE (EMS) rumschlagen mussten, um Spiele wie Wing Commander: Privateer oder eben auch Wolfenstein 3D zum Laufen zu bringen.

Das Buch

2017 hat Fabien dann aus seiner Analyse des Source Codes von Wolfenstein 3D ein 315 Seiten langes Buch gebastelt. Darin enthalten ist nicht nur besagte Analyse, in der er anhand vieler Diagramme, Formeln, Ablaufzeichnungen, Screenshots aus einer modifizierten Wolf3D-Engine und Beispiele aus dem Code (in Assembler und Borland C geschrieben) genau erläutert wie alles funktioniert vom Startbildschirm bis zum Soundoutput. Sie kommt erst in Kapitel 4. In Kapitel 2 geht es stattdessen erst einmal darum überhaupt zu verstehen, wie die damalige Situation war. Sprich eine detaillierte Erklärung wie so ein 386 in Sachen CPU, RAM, VGA, Sound, etc. eigentlich funktioniert. Anschließend erfährt der Leser in Kapitel 3 mit welchen Tools id Software Wolfenstein 3D entwickelt hat und welche Dateien überhaupt Teil des Source Codes sind. Er schafft quasi eine Basis, um das Verständnis des Hauptteils des Buchs – das Code Review – zu verbessern.

Verteilt durch das ganze Buch sind Zitate nicht nur aber vor allem von John Carmack. In ihnen wird passend zum aktuellen Abschnitt entweder eine Anekdote zum Besten gegeben oder eine Begründung, warum die beschriebene Funktion so ist wie sie ist.

Beim Christoph meint: Sagen wir wie es ist: Ich habe von Software-Programmierung nur eine absolut rudimentäre Ahnung. Vor Jahrzehnten mal ein bisschen in QBasic rumgemacht und dann in der Berufsschule (auch schon wieder 18 Jahre her) nicht sehr viel mehr mit Microsoft Visual Basic 6.0. Während ich mir also die Funktion der Codeschnipsel mit Borland C zumindest noch grob zusammenreimen kann, verstehe ich die Auszüge in Assemblersprache überhaupt nicht. Das ist nur ein Wust aus wenigen Buchstaben („asm mov cl,bl; asm rep stosw; asm add di,dx; asm dex bh; asm jnz toploop“ Wad?!). Zu behaupten, dass ich das ganze Buch bis ins letzte Detail verstanden habe wäre also eine dreiste Lüge.

Und doch fand ich es extrem interessant zu lesen. So war ich zwar im Detail überfordert (der Abschnitt über Raycasting war echt hefitg für mich als Mathe-N00b) aber es ist aus meiner Sicht trotzdem kein Hardcore-Programmierbuch. Stattdessen schafft es Fabien die meiste Zeit die wichtigsten Informationen auch für nur zumindest Computer-affine verständlich und anschaulich rüber zu bringen. So weiß ich z.B. endlich, was XMS und EMS überhaupt bedeuten oder was eigentlich bei der Kalibrierung eines Joysticks passiert. Und natürlich ist es krass zu erfahren mit welchen Krücken, Tricks und genialen Ideen nicht nur id Software damals arbeiten musste, um selbst einen einzigen Pixel auf den Bildschirm zu bringen.

Das Alles hat natürlich für mich keinerlei praktischen Nutzen aber hey: Cool zu wissen ist es trotzdem. Wer also grundsätzlich an so etwas interessiert ist: Unbedingt reinschauen. Netterweise (die ausgedruckte Variante ist mit knapp 50 Euro nicht ganz billig) gibt es beide Game Engine Black Books (das zweite ist zu DOOM) auf seiner Homepage kostenlos zum Download. Die Einstiegshürde ist also sehr gering.

 

Letzte Woche kamen aber nicht nur die Game Engine Black Book-Bücher rein – auch eine IndieGoGo-Kampagne wurde endlich erfolgreich abgeschlossen:

(Cover)

What We Left Behind: Looking Back at Star Trek: Deep Space Nine (2019, EV) – Es ist schade aber Star Trek: Deep Space Nine hat irgendwie bis heute nicht die Anerkennung ähnlich wie Star Trek: The Original Series oder Star Trek: The Next Generation erhalten. Kein Wunder, dass wir nie einen Kinofilm bekommen haben. Konnte man auch daran sehen, dass die Lizenzinhaber zum 25. Jubiläum im vergangenen Jahr exakt gar nichts gemacht haben (soweit ich das mitbekommen habe). Immerhin gab es sieben Staffeln und ein zufriedenstellendes Finale. Vermutlich würde die Serie heute direkt nach der ersten Staffel abgesetzt werden…

Naja, egal. Ich fand und finde, dass Star Trek: Deep Space Nine eine fantastische Serie ist und sinnvoll das Star Trek-Universum über die fast schon langweilig blankgeputzte Föderation hinaus erweitert hat. Entsprechend habe ich (und 9.256 andere) nicht lange überlegt als Ira Steven Behr (einer der bekanntesten Showrunner von DS9) 2017 Geld für eine Dokumentation anlässlich zum 25. Geburtstag gesammelt hat. Und mit einem Jahr Verspätung ist sie nun zumindest in den Händen der Unterstützer.

Der Inhalt

Legen wir gleich mal die harten Fakten auf den Tisch: Auf der „Haben“-Seite stehen als aller erstes 20 Minuten Star Trek: Deep Space Nine in HD. Anders als TOS und TNG, nutzte DS9 bereits sehr intensiv CGI, weshalb die Serie genauso wie Star Trek: Voyager bis heute nicht das HD-„Treatment“ erhalten hat. Es ist Paramount schlicht zu teuer und zu aufwendig. Das letzte Stretch Goal der Crowdfunding-Kamapgne war aber genau das: Ein HD-Remaster der in der Dokumentation verwendeten Szenen inkl. der dafür notwendigen Überarbeitung der Original-CGI-Assets (darunter natürlich die Defiant). So gut sah DS9 noch nie aus.

Zweiter Punkt auf der Haben-Seite: Ein Teil der Dokumentation besteht aus Aufnahmen aus dem „Writers Room“. Ira Steven Behr hat einen Teil der Originalautoren der Serie für einen Tag in einen Raum gesperrt und sie damit beauftragt die erste Folge für die – leider nur fiktive – achte Staffel zu schreiben. Das Ergebnis bekommt der Zuschauer in animierter Form zu sehen aber natürlich stark zusammengekürzt. Es ist also leider nicht als Bonus eine 45 Minuten lange Folge enthalten. Auch deshalb nicht, weil die Schreiberlinge natürlich in nur einem Tag nicht komplett fertig wurden.

Und der dritte große Pluspunkt? Natürlich das Herz der Dokumentation: Die zahlreichen Interviews mit den Schauspielern und der Crew, die fleißig Geschichten und Anekdoten zur Serie von sich geben. Dass da viele Emotionen hochkommen, dürfte klar sein :wink: . Allerdings hat die Sache zwei Haken:

Das Negative

What We Left Behind (What We Left Behind Productions Promobild)

Avery Brooks, Captain Benjamin Sisko himself, hat am Projekt nicht teilgenommen. Von ihm gibt es entsprechend nur Ausschnitte aus ganz alten Interviews zu sehen. Immerhin wird dieser Umstand dem Zuschauer nicht verheimlicht. Im Gegenteil ist die Dokumentation nicht nur hier sehr offen und ehrlich. Auch die Gestaltung der Interviews ist nicht so stringent, wie man es sonst gewohnt ist. Stattdessen bekommt man wirklich das Gefühl, dass es einfach nur ein Gespräch unter Freunden über vergangene Zeiten ist mit entsprechenden Unterbrechungen und Themenwechseln. Schon allein deshalb ist sie um längen besser und informativer als alles was auf dem DVD-Release enthalten ist.

Noch schlimmer als das Fehlen von Avery Brooks ist aber ganz klar, dass die Dokumentation nur 116 Minuten lang ist. Ursprünglich waren sogar nur 60 Minuten geplant. Zum Glück ist daraus nichts geworden. Für eine Serie, die sowohl von offizieller als auch von Seiten der Fans keine wirklich große Beachtung erhalten hat, sind selbst knapp zwei Stunden schlichtweg zu wenig. So viel bleibt unausgesprochen, viel zu wenig beleuchtet und zu sehr wünschte ich mir am Ende, dass es nicht schon vorbei wäre. Ich hoffe entsprechend, dass da in den Bonus Features noch so einiges schlummert.

Beim Christoph meint: Speziell Azzkickr und Maverick haben hiermit den Befehl sich die Dokumentation anzuschauen, sobald sie auch für Normalsterbliche außerhalb von Amerika verfügbar ist. An eine deutsche Synchronisation glaube ich zwar nicht, aber deutsche Untertitel gibt es jetzt schon. Von mir aus können wir mit meiner Blu-ray einen Filmabend machen oder so :smile: . Aber das Werk ist ein absolutes Must-See für Fans und bekommt von mir gnadenlose 5 von 5 Sics. Zu 90% ,weil es mir beim Anschauen warm ums Herz wurde und zu 10%, weil es eine gut gemacht Dokumentation ist, die Star Trek: Deep Space Nine gebührend feiert. Mehr gibt es dazu aus meiner Sicht nicht zu sagen. Höchstens, dass ich jetzt unglaubliche Lust habe mal wieder Star Trek: Deep Space Nine von Anfang an zu schauen. Wird langsam Zeit, dass ich meinen Star-Trek-Marathon mit Lysanda beginne (sie kennt nur ein paar einzelne Folgen hauptsächlich von Star Trek: Voyager.

Der Webmaster hat letzte Woche viel über die aktuelle Mission in The Division geflucht (Anm. d. Redaktion: Die Befreiung von Grand Central Station ist halt absolut bockschwer!), die er einfach nicht schafft und hat euch entsprechend nichts Neues zu erzählen. Also muss mal wieder ich ran, eure (Anm. d. Redaktion: liebe und nette) Lysanda, und ihn einen Eintrag in meinem Namen tippen lassen. Ja, er muss selbstverständlich trotzdem Arbeiten. Wo kämen wir denn sonst hin?! Und da ich euch zwar viel über Best Fiends und Cooking Dash erzählen könnte, ihr aber schon so genug zockt, stelle ich euch mal wieder ein paar Bücher vor. Genauer gesagt die Touched-Trilogie (im Original Sense Thieves-Trilogie) von Corrine Jackson.

Touched – Der Preis der Unsterblichkeit

(Cover)

Remy ist ein besonderes Mädchen, denn sie ist eine Heilerin. Allein durch ihre Berührung kann sie selbst schwerste Wunden schließen und sogar Krebs bekämpfen. Doch die Heilung hat einen Preis: Nicht nur wird ihr abhängig von der Schwere der Verletzung bei der Heilung Energie entzogen, sie übernimmt dabei die Krankheit und muss sich anschließend selbst heilen. Das bedeutet, wenn sie z.B. einen Knochenbruch in Ordnung bringt, bekommt sie selbst einen und muss versuchen sich mit ihrer verbleibenden Energie dann ebenfalls zu heilen. Je nach Art der Verletzung also keine ganz einfache und schon gar nicht ungefährliche Sache.
Doch am Anfang des Buches sind schwere Krankheiten noch nicht das Thema. Stattdessen ist sie gefangen als 17-jährige in einer Familie, in der ihre Mutter und sie von ihrem Stiefvater misshandelt werden. Sie heilt also vor allem blaue Flecken, Verbrennungen und dergleichen bis eines Tages ihr Stiefvater wieder einmal zu weit geht und sie ins Krankenhaus kommt. Dort besucht sie ihr leiblicher Vater, der sie mit zu seiner Familie nimmt und ihr so einen Neustart ermöglicht. Dabei lernt sie Asher Blackwell kennen, der sich wundert, warum sie keine Angst vor ihm hat.

Sie erfährt, dass es nicht nur noch mehr von ihrer Sorte gibt, sondern die Heilerinnen sich im Krieg mit den Beschützern befinden. Personen, die – wie der Name schon sagt – eigentlich die Aufgabe haben die Heilerinnen vor Schaden zu bewahren. Das Verhältnis zwischen beiden Gruppen hat sich jedoch schon vor Generationen zum Schlechten gewandelt. Es kam zum Krieg und die Beschützer entdeckten, dass sie durch die beim Tod einer Heilerin freigesetzten Energie unsterblich werden – mit dem Nachteil, dass sie viele ihrer Sinne verlieren. Sie könne nicht mehr riechen, nicht mehr schmecken und werden emotionslos. Nur wenn sie einer anderen Heilerin die Energie entziehen, können sie für kurze Zeit (bis die Heilerin an Kraftverlust stirbt) zu ihrem alten „ich“ zurückkehren. Und natürlich sind Asher und seine ganze Familie Beschützer.

Touched – Die Schatten der Vergangenheit

Im zweiten Buch nimmt Remy Kontakt zu ihrem Großvater Franc auf. Während ihre Mutter nicht gut auf ihn zu sprechen ist, möchte Remy mehr über den Mann erfahren und folgt ihm in sein Dorf voller Heiler. Doch hinter der schönen Fassade umgeben von vermeintlich gleichgesinnten Heilerinnen versteckt sich – wie sollte es auch anders sein – ein düsteres Geheimnis und schon bald muss Remy nicht nur um ihr eigenes Leben fürchten.

Touched – Die Macht der ewigen Lieben

Nachdem der Großvater auf freundliche Art und Weise nicht das bekommen hat, was er möchte, entführt er kurzerhand Remys Vater und versucht so Remy zu sich zu zwingen. Dabei verletzt er ihre Stiefmutter so schwer, dass sie ins Koma fällt. Remy möchte zwar ihren Vater retten, hat ihm jedoch nichts entgegen zu setzen. Also begibt sie sich zusammen mit ihren Freunden auf die Flucht quer durch das Land – verfolgt von den Beschützern und den Schergen ihres Großvaters.

(Cover)

Beim Christoph meint: Von mir gibt es für die Trilogie 3 von 5 Sics und keinen Platz im Regal. Auch wenn die deutsche Hardcover-Version schön anzuschauen ist, nehmen sie für ihre jeweils nur rund 400 Seiten einfach zu viel Platz weg. Daran merkt man schon, dass es sich um Teenie-Romane handelt, die für eine jüngere Zielgruppe konzipiert sind, die noch eine etwas größere Schriftart benötigt. Und wenn wir schon bei der Aufmachung sind: Die Rückentexte sind inhaltlich teilweise nicht richtig außerdem stören mich Bücher mit Umschlägen ehrlich gesagt von Natur aus. Umschläge sind doch zum kaputt gehen konzipiert oder welcher Sinn wird mit ihnen bitte verfolgt? Ganz nett hingegen ist das integrierte Lesezeichen.
Inhaltlich hat mich tatsächlich der fehlende Sex gestört. Die Figuren hatten zwar ganz klar ihre physiologischen Gründe dafür, aber da die Autorin so viel Wert auf die Beziehung zwischen Remy und Asher legt, war es schon anstrengend zu lesen wie sie Kapitelweise gewollt aber nicht gekonnt haben. Kann man jetzt auch wieder mit „Ist halt ein Teenie-Roman“ abtun, aber für mich definitiv genauso nervig wie die vielen unnötigen Längen in der Erzählung. Die drei Bücher hätte man gut auf zwei zusammenkürzen können und trotzdem nichts Wichtiges verloren. So durchlaufen bspw. mehrere Personen hintereinander persönliche Krisen, die aber die eigentliche Geschichte nur begrenzt weiterbringen.

Mein größtes Problem mit Touched ist allerdings, dass ich mich einfach nicht mir Remy oder einem anderen Charakter wirklich identifizieren konnte. Speziell Remy ging mir mit ihren ewig vielen Schuldgefühlen sehr auf die Nerven. Dafür habe ich schon zu viel Lebenserfahrung und halte nichts von Selbstvorwürfen. Als Jugendroman ist die Serie bestimmt ganz nett aber meiner Altersgruppe kann ich es nicht mehr ans Herz legen.

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