Der Ewige Krieg (Gesamtausgabe)

Was ist schöner als ein Buch zu lesen? Drei Stück hintereinander natürlich! Und was eignet sich da besser als Der Ewige Krieg in der Gesamtausgabe vom Mantikore Verlag. Irgendwie vergleichsweise schwierig an diese Version von Joe Haldemans SciFi-Klassiker heranzukommen. Dabei würde man erwarten, dass sie den Markt damit überschwemmen würden. Schließlich ist es quasi die deutsche „Director’s Cut“-Version.

Enthalten sind neben der ursprünglichen Version von Der ewige Krieg (Haldeman musste 1974 den mittleren Teil zusammenkürzen) auch die direkte Fortsetzung Am Ende des Krieges von 1999 sowie Der ewige Friede von 1997. Das hat zwar nichts mit den beiden anderen Büchern zu tun, passt aber thematisch halbwegs dazu. Alle drei Bücher wurden für diese Veröffentlichung komplett neu durch Verena Hacker übersetzt. Zusätzlich enthält das 800 Seiten starke Hardcover-Gebinde ein Vorwort von Joe Haldeman und ein Interview mit ihm. Und das alles für 29,95 Euro. Da kann man sich definitiv nicht beschweren. Aber viel wichtiger als die Aufmachung ist natürlich der Inhalt.

Der Ewige Krieg (The Forever War, 1974)

In seinem erfolgreichsten Roman verarbeitet Joe Haldeman seine traumatischen Erfahrungen im Vietnamkrieg. Aber anstatt die Handlung einfach in diesen Krieg zu verlegen, spielt das Ganze in der „Zukunft“. In Anführungszeichen deshalb, weil in der Originalfassung die Handlung im Jahr 1997 beginnt. Da war Haldemann dann doch etwas zu optimistisch, dass wir bis dahin bereits den Weltraum kolonisiert haben. Erst in der Neuauflage wurde der Start ins etwas realistischere Jahr 2297 verlegt.

Die Hauptfigur ist William Mandella, der aufgrund eines neuen Wehrpflichtgesetzes in die Armee eingezogen wird. Nach der Entdeckung von Kollapsarsprüngen begegnet die Menschheit schon bald einer fremden Rasse, die sie Taurier taufen. Und was macht Mensch, wenn er etwas fremden begegnet? Es angreifen und ihm den Krieg erklären, was sonst. Kollapsarsprünge erlauben es in Überlichtgeschwindigkeit zwischen zwei kollabierten Sternen hin- und her zu zu reisen, was die notwendige Zeit entsprechend um ein Vielfaches reduziert. Aber wie hat schon Einstein gesagt? Zeit ist relativ. Und hier kommt der Twist des Buchs ins Spiel: Während für die Soldaten auf den Raumschiffen dank der Kollapsarsprünge nur Monate vergehen in denen sie von Schlachtfeld zu Schlachtfeld fliegen und im Kampf gegen den unbekannten Feind ihr Leben verlieren, rinnen auf der Erde Jahrzehnte, Jahrhunderte und Jahrtausende dahin.

Und genau fiese Diskrepanz macht den Reiz dieses Werks aus. Die zugrundeliegende Moral ist wie bei jedem Antikriegsroman, dass Krieg sinnlos ist, Veteranen sich am Ende nicht mehr in der Normalität zurechtfinden und man es einfach sein lassen sollte. Aber es ist selten so eindrucksvoll beschrieben wie hier. Das sind auf der einen Seite die bedrückenden Erzählungen der Schlachten und auf der anderen Seite die Tatsache, dass Mandella nach jedem Feldzug quasi in die Zukunft zurückkehrt. Er sieht sich immer und immer wieder einer völlig veränderten gesellschaftlichen Situation ausgesetzt, die nicht nur seine eigenen Erfahrungen und Glaubensgrundsätze sowie ultimativ seinen Platz im gesamten Universum in Frage zu stellen. Es geht auch weit über den Umstand hinaus, dass er alle die er jemals kannte und liebte verliert ohne an ihrem Leben wirklich teilgenommen zu haben. Nein, wir reden von einem beschleunigten Blick auf die Evolution der Menschheit mit dem er – so viel sei gesagt – nur schwerlich zurechtkommt und quasi nur deshalb wieder in die Armee zurückkehrt. Am Ende des Buchs sind immerhin 881 Realjahre vergangen während er kein Jahrzehnt älter geworden ist.

Beim Christoph meint: Ich hatte das Buch bereits in der alten Übersetzung und vermutlich der gekürzten Form gelesen. Aber obwohl ich mich noch grob daran erinnern konnte worum es geht und was am Ende passieren wird, hat es mich doch wieder mitgerissen. Keine der knapp 220 Seiten ist langweilig. Man fiebert mit Mandella und seinem Trupp in den Übungen und Gefechten mit und man ist gespannt darauf, welche Entwicklung die Menschheit in der Zwischenzeit vollzogen hat. Das Ergebnis ist logischerweise überraschend und – wie es sich für einen Antikriegsroman gehört – entspricht nicht unbedingt immer der Hochglanz-SciFi-Fantasien wie sie z.B. in Star Trek: The Next Generation propagiert wird. Definitiv zu Recht eine vielfach ausgezeichnete Pflichtlektüre, der leider absolut nichts von seiner Aktualität verloren hat. Wundert mich tatsächlich, dass bis heute keine Verfilmung passiert ist (Ridley Scott hatte es mal versucht, wurde aber nichts draus). So kompliziert ist der Stoff aus meiner Sicht dann doch nicht.

(Cover)

Am Ende des Krieges / Voyagers (Forever Free, 1999)

Achtung: Es folgen Spoiler für das Ende von Der Ewige Krieg.

Die Fortsetzung von Der Ewige Krieg setzt fast direkt an das Ende an. Der Krieg ist beendet, die Menschheit besteht nur noch aus einer Reihe von Klonen mit einem Kollektivbewusstsein und die wenigen Veteranen, die sich nicht dem Kollektiv angeschlossen haben wohnen quasi in einem Reservat auf dem Eisplaneten Mittelfinger. Auch Mandella und seine Frau Marygay haben sich dazu entschieden sich hier niederzulassen und eine Familie aufzubauen. Doch sie sind wie viele der Veteranen unzufrieden. Während der Mensch es sich gut gehen lässt und alle Annehmlichkeiten genießt, müssen sie sich als Bauern verdingen, die jahrelangen und sehr harten Winter versuchen zu überleben und sich in Kommunen organisieren. Außerdem ist ihnen klar, dass sie nur noch deshalb existieren, weil sie quasi das „Backup“ für den Mensch sind, falls doch mal was schiefgeht und er einen neuen Genpool braucht. Kein Wunder, dass der Wunsch nach Widerstand wächst.

Doch statt zu versuchen Mittelfinger zu erobern, planen Mandella und Marygay stattdessen zusammen mit 150 anderen Freiwilligen das „Zeitreiseschiff“ (es springt ständig zwischen zwei Kollapsaren hin- und her) zu nutzen (mit dem hatte Marygay am Ende von Der ewige Krieg fast 300 Jahre auf Mandella gewartet), um 40.000 Jahre in die Zukunft zu reisen. Die Hoffnung ist, dass bis dahin der Mensch nicht mehr existiert und wieder alles gut und toll wird.

Gut aber…

Obwohl das Buch nur knapp 200 Seiten lang ist, ist der Einstieg recht langatmig. Es ist nicht sehr spannend zu erfahren wie eine Scheune aufgebaut wird oder mehrere Kapitel darüber zu lesen wie langweilig doch das Leben auf Mittelfinger ist. Das war mir schon direkt am Anfang klar. Aber nach der initialen Hürde nimmt das Buch an Fahrt auf und es ist erneut spannend zu lesen was mit Mandella und seiner Revolte so passiert. Es ist in dem Sinne eine etwas klassischere Erzählung als Der Ewige Krieg aber nicht minder spannend. Abseits der SciFi-Elemente geht es eben hauptsächlich um einen Menschen, der mit seiner Situation unzufrieden ist. Sowas muss nicht zwingend in der Zukunft spielen.  Blöd nur, dass Haldeman aus meiner Sicht das Ende völlig in den Sand gesetzt hat. Das Finale von Mass Effect 3 war dagegen Pulitzer-Preis-verdächtig.

Achtung: Es folgen Spoiler für das Ende von Am Ende des Krieges

Die Reise mit dem Raumschiff ist kürzer als gedacht und sie kommen schon 24 Jahre später wieder auf Mittelfinger zurück an. Dort stellen sie fest, dass niemand mehr da ist. Sie wurden alle im Affekt ausgelöscht (nur die Klamotten blieben zurück). Nach etwas Wiederaufbauarbeit fliegt dann ein kleiner Trupp zur Erde, um dort nach dem Rechten zu sehen. Sie landen in der Nähe von Disneyland (erster blöder Punkt) und treffen auf eine angeblich uralte Rasse von Formwandlern. Die kommen aber nicht so wirklich zur Geltung, da plötzlich einzelne Personen anfangen einfach so zu explodieren. Dann erscheint eine Art Gott und sagt, dass ihm das alles zu langweilig ist und er deshalb das Experiment eigentlich abbrechen wollte (deshalb der Verschwindibus der Leute). Warum auch immer macht er es dann doch nicht, holt alle wieder zurück und schon geht das Leben wieder weiter. Super…

Spoiler Ende

Beim Christoph meint: Am Ende des Krieges kommt nicht an Der Ewige Krieg ran. Vor allem das Ende versetzt mich immer noch in Weißglut. So total dämlich. Als wäre ihm nichts mehr eingefallen oder er hat gesehen, dass er auf die 200 Seiten zugeht und wollte schnell fertig werden. Keine Ahnung. Und der Anfang ist wie geschrieben auch sehr mühselig, weshalb ich mich etwas zwingen musste weiter zu lesen. Aber sobald die Geschichte an Fahrt aufnimmt ist es erneut spannend und interessant und man fiebert mit. Als eigenständiges Werk absolut nicht von Interesse aber für Fans des Vorgängers ist es ganz nett noch ein paar Stunden mehr Zeit mit Mandella und Marygay verbringen zu können. Als essentielle Lektüre würde ich es jedoch nicht bezeichnen.

(Cover)

Der ewige Friede / Soldierboy (Forever Peace, 1997)

Mit knapp 250 Seiten das Längste der drei Bücher, dreht sich hier alles um Julian Class. Der ist im Jahr 2040 nicht nur Professor an einer Uni, sondern auch Soldat. Aber in der Zukunft kämpfen die Leute natürlich nicht mehr selbst an der Front. Stattdessen kommen sogenannte Soldier und Fly Boys zum Einsatz. Das sind Drohnen zu Lande und in der Luft, die von einem Stützpunkt irgendwo in Amerika aus gesteuert werden. Allerdings nicht mit Joystick und so, wie wir das heute kennen, sondern eher in Richtung AVATAR (vielleicht hatte James Cameron sogar die Idee daher). Sprich im Stützpunkt liegen die Operatoren in Tanks, sind zu einem kollektiven Bewusstsein mit ihren Kameraden zusammengeschlossen und steuern dann aus der Ferne die Roboter auf dem Schlachtfeld. Allerdings ist der Kampf ziemlich einseitig, denn die Aufständischen in der Dritten Welt haben diesem Hightech-Geräten quasi nichts entgegen zu setzen. Ja, der Krieg wirkt erneut ziemlich sinnlos und scheint nur dazu da zu sein die Wirtschaft anzukurbeln. Es ist eben wieder ein Antikriegsroman. Sterben können die Operatoren natürlich trotzdem. Kennen wir ja aus Film und Fernsehen, dass es beispielsweise zu einer Überlastung der Nerven kommt, wenn dem Roboter der Arm gebrochen wird und sowas. Aber auch andere gesundheitliche Probleme können durch die Nutzung der Tanks entstehen (hat ja leider nie etwas nur Vorteile).

Abseits des Krieges arbeitet der „zivilisierte“ Teil der Menschheit hingegen am Jupiter-Projekt. Quasi die Mega-Version des Teilchenbeschleunigers in CERN, der von automatischen Robotern um den Jupiter herum aufgebaut wird und noch genauer die Situation zum Urknall simulieren soll. Allerdings entdecken Julian und ein paar seiner Wissenschaftlerfreunde, dass es eher zu einem erneuten Urknall führen könnte und das Projekt gestoppt gehört. Was wiederrum ein paar Leute (obwohl sie dann ebenfalls tot wären?) ganz gut finden. Es folgt ein Rennen gegen die Zeit und für das Wohl der Menschheit.

Im Prinzip ist Der ewige Friede zwei Roman ein einem. Der eine ist die spannende Erzählung um eine Gruppe von Revoluzzern, die versuchen die Menschheit zu retten und die nächste Evolutionsstufe einzuleiten. Die andere ist die nicht weniger interessante Erzählung von Julian, seiner Freundin Amelia und seinen Kameraden, die mit dem Krieg im Allgemeinen, ihren Taten dort und der ganzen Sache mit dem kollektiven Bewusstsein zurechtkommen müssen.

Beim Christoph meint: Ähnlich wie bei Am Endes des Krieges empfand ich den Einstieg etwas mühsam und ich dachte schon fast, dass ich das Buch nicht zu Ende lesen werde. Mein Gedanke war quasi „Langweilig. Alles schonmal gesehen/gelesen/gehört“. Zum Glück bin ich aber am Ball geblieben, denn nicht nur wartet die Geschichte mit einigen überraschenden Wendungen auf. Es ist sogar das Ende nicht total an den Haaren herbeigezogen (wenngleich etwas überdreht). Sobald die Geschichte an Fahrt aufnimmt ist sie außerdem erneut äußerst spannend zu lesen. Zum einen fand ich es sehr interessant mehr über diese Welt zu erfahren, in denen einige Leute Anschlüsse haben und sich so zu einem Bewusstsein zusammenschließen können. Schließlich hat es sowohl Vor- als auch Nachteile, die Haldeman über seine Charaktere (Amelia hat keinen Anschluss) sehr gut transportiert und greifbar macht. Zum anderen ist es dann wie in einem guten Krimi, wenn die ganze Sache mit „Stoppt Jupiter“ losgeht und sich die Truppe rund um Julian ständig auf der Flucht befindet. Absolute Leseempfehlung!

Kingdom Come: Deliverance? Zum Verfassungszeitpunkt exakt 100 Bruttospielstunden. Am Dienstag kommt der dritte DLC und ich arbeite mich gerade durch den zweiten. Insofern gibt es von der Videospielefront weiterhin nichts Neues zu berichten. Widmen wir uns also erneut der analogen Art von Unterhaltung: Tote Bäume mit komischen Zeichen drauf, die in der richtigen Reihenfolge gelesen entweder eine mehr oder weniger interessante Geschichte erzählen oder mehr oder weniger nützliche Informationen vermitteln. Ist das nicht eine geniale Erfindung? Und heute möchte ich euch diese englischsprachigen Werke vorstellen:

Das Buch

500 Years Later: An Oral History of Final Fantasy VII (Matt Leone, ca. 35 Euro, 240 Seiten) – Über Final Fantasy VII wurden vermutlich schon tausende Bücher und Texte verfasst. Insofern befindet sich das über Kickstarter finanzierte Werk des britischen Verlags Read-Only Memory in guter Gesellschaft. Was hebt es also von der Konkurrenz ab? Nun, der größte Teil der Geschichte wird nicht durch den Autor erzählt, sondern von den Leuten, die mehr oder weniger direkt an der Entwicklung beteiligt waren. Und zwar nicht nur die bekannten Hauptfiguren, sondern auch Personen z.B. aus der Marketing-Abteilung, deren Namen man bislang vielleicht nicht kannte.

Matt Leone hat mit mehr als 30 Leuten Interviews geführt und diese dann thematisch miteinander verbunden. Die Grundstruktur des Buchs folgt der Entstehung bis hin zur Veröffentlichung von Final Fantasy VII und etwas darüber hinaus. Jedes Kapitel wird kurz vom Autor eingeleitet, bevor er vollständig das Wort an die Beteiligten übergibt und die Zitate so sortiert, dass man als Leser (fast) den Eindruck erhält, die Personen wären in einem Raum und würden sich unterhalten. Das stimmt natürlich nicht, ist aber ein wirklich genialer Ansatz, der erstaunlich gut funktioniert.

Wichtig zu erwähnen ist, dass das Buch technisch gesehen nicht neu ist. Stattdessen handelt es sich um eine erweiterte Version der Reportage Final Fantasy 7: An oral history. Diese hatte Matt Leone vor zwei Jahren für Polygon geschrieben. Das Werk ist also prinzipiell auch für Umme erhältlich. Der Unterschied zwischen Buch und Artikel sind neben der schicken physischen Form acht zusätzliche Interviews, die aber separat vorliegen und nicht zusätzlich eingewoben wurden. Außerdem gibt es 16 schwarz-weiß Illustrationen sowie ein Vorwort von Hironobu Sakaguchi, dem „Erfinder“ von Final Fantasy. Mit im Paket sind außerdem ganze drei Lesezeichen. Eins davon fungiert als Dekodierer, um ein Easter Egg im Buch zu entschlüsseln.

Beim Christoph meint: Der Inhalt des Buchs selbst ist interessant und gut aufbereitet. Was mich stört ist die Aufmachung des Werks. Damit meine ich nicht das Format oder die Qualität des Papiers (matt). Daran gibt es nicht auszusetzen. Mein Problem ist, dass die Texte des Autors warum auch immer in einer Schriftgröße für Blinde gedruckt wurden (musste das Buch eine bestimmte Seitenzahl haben?!). Das hat der Verlag zwar bereits bei Britsoft: An Oral History als Stilmittel eingesetzt aber da war es nicht so häufig, störte also weniger. Zusätzlich sind die für das Easter Egg relevanten Seiten sowie die Bonusinhalte mit dunklem Pink auf hellem Pink verfasst – also quasi Augenkrebs. Das trübt den ansonsten wirklich gelungenen Gesamteindruck.

Die Idee die Interviews zu zerstückeln und durch sie die Geschichte zu erzählen ist nicht nur mal was Neues, sie funktioniert auch überraschend gut. Außerdem bin ich mir sicher, dass selbst für Hardcoregans die ein oder andere neue Information enthalten ist, weil eben Leute zu Wort kommen, die sonst eher nicht gefragt werden. Aber das gibt natürlich bereits der Onlineartikel her. Für die paar zusätzlichen, sehr kurzen Interviews allein lohnt sich der Kauf vermutlich nicht. Aber wer sich für Final Fantasy VII interessiert und wie ich gerne was Reales in der Hand/Regal haben möchte, dem kann ich trotz der zwei Probleme bei der optischen Aufmachung das Werk absolut empfehlen.

Das Buch

The Heart of Dead Cells: A Visual Making-Of (Benoît Reinier, 25 Euro, 160 Seiten) – Der Verlag Third Editions ist in Frankreich bereits eine feste Größe mit mehreren Dutzend veröffentlichen Büchern vor allem über Videospiele aber auch zu Animes und dergleichen. Seit ihrem ersten Kickstarter in 2016 haben sie im englischen Markt Fuß gefasst und übersetzen langsam aber sicher ihren Produktkatalog. Mit The Heart of Dead Cells: A Visual Making-Of ist nun das erste nicht über Crowdfunding-finanzierte, englischsprachige Buch erschienen. Wie der Name schon sagt geht es um Dead Cells dem im August 2018 erschienen Roguelike-Metroidvania des französischen Entwicklerstudios Motion Twin. Das Spiel kam sowohl bei Kritikern als auch Spielern grundsätzlich gut an. Ich selbst habe es noch nicht gespielt aber da mich Spieleentwicklungsgeschichten grundsätzlich immer interessieren und aufgrund meiner extrem guten Erfahrungen mit Third Editions habe ich mir trotzdem das neue Buch sofort geholt.

Der Autor, Benoît Reinier, ist Journalist beim französischen Spielemagazin Gamekult, hat bereits für Third Editions Bücher geschrieben (u.a. über Diablo und The Witcher, die aber noch nicht auf Englisch übersetzt wurden) und macht noch einige andere Sachen. Vor allem ist er aber ein Dead Cells-Fanboy. Das mag erst einmal übertrieben klingen aber schon im Vorwort gibt er zu, dass er das Gefühl hat viel zu diesem Titel beigetragen zu haben durch seine Streams, durch seine Aktivität im Forum und seinen Vorschlägen an die Entwickler. Wer wäre also besser geeignet ein Buch über dieses Spiel zu schreiben? Nun, um das Fazit vorwegzunehmen: Jeder andere.

Der Inhalt

Wie es sich für ein „Visual Making-Of“ gehört, ist das Buch in einem größeren Format gedruckt, voller großformatiger Bilder und mit vergleichsweise wenig Text – aber wesentlich mehr als in vielen Artbooks, die beispielsweise einer Collector’s Edition beiliegen. Allerdings ungewohnter Weise auf mattem Papier gedruckt, was bei einem sehr bunten Titel wie Dead Cells etwas unglücklich ist, da die Farben dadurch nicht ganz so gut zur Geltung kommen. Zusätzlich fällt auf, dass gar nicht so viele Bilder aus unterschiedlichen Entwicklungsstufen des Spiels enthalten sind, sondern vor allem Screenshots des fertigen Spiels – und diese auch noch von der unspektakulären Sorte (=Held steht gelangweilt in der Landschaft rum). Wenn ich mir die Bilder auf der Steam-Shopseite anschaue und sie mit dem Buch vergleiche könnte man fast denken zwei komplett unterschiedliche Spiele vor sich zu haben. Es gibt sie zwar die Design Studien, Storyboards und freigestellten Charaktersprites aber unterm Strich empfand ich es als zu wenig für ein Buch, dass sich „A Visual Making-Of“ auf das Cover schreibt.

Und auch der Text in einer vergleichsweise großen Schriftart lässt zu wünschen übrig. Man merkt dem Autor zu sehr an, dass er nur einen einzigen Tag Zeit hatte die Entwickler zu besuchen und mit ihnen Interviews zu führen. Den Rest musste er sich z.B. über Blog-Einträge selbst zusammensuchen und verweist sogar auf selbige für tiefergehende Informationen. So bekommt man als Leser allenfalls einen sehr oberflächlichen Eindruck von Motion Twin, Dead Cells und der Entwicklung desselbigen. Und geht es bei so einem Buch nicht eigentlich genau darum?

Beim Christoph meint: Ich war und bin wirklich enttäuscht von The Heart of Dead Cells: A Visual Making-Of. Ja, das liegt sicherlich auch viel an meiner bisherigen Erfahrung mit Büchern von Third Editions. Aber ohne diesen Vertrauensvorschuss hätte ich das Buch nie gekauft. Insofern kann ich diesen Punkt zumindest für mich selbst nicht außer Acht lassen. Doch selbst wenn ich das ignoriere muss ich ganz klar sagen: Das Buch ist absolut kein Vergleich nicht nur zu den restlichen Werken von Third Editions, sondern auch vielen weiteren Making-Of-Büchern in meinem Regal. Als Nicht-Fan des Spiels ist das Buch keine Empfehlung und selbst Dead Cells-Liebhabern empfehle ich über den Kauf ganz genau nachzudenken. Mehr Informationen als ihr bereits im Internet gelesen habt, werdet ihr darin nicht finden und die Auswahl und Qualität der Bilder ist wie gesagt nichts, was einen aus den Socken haut oder gar als „Coffee Table Book“ geeignet wäre. Sehr schade.

Die Umsätze auf dem Buchmarkt sinken seit Jahren. Also nicht nur die der traditionellen Papiermachwerke, sondern tatsächlich der Gesamtmarkt. Gleichzeitig lesen die Menschen technisch gesehen immer mehr. Kaum ist man aufgewacht, wird das Handy angemacht und durch den Facebook-/Twitter-/Instragram-/Was-auch-immer-Feed gescrollt. Auf der Arbeit geht erstmal Outlook auf und es werden fleißig E-Mails gelesen. In der Mittagspause wird die Webseite der bevorzugten (=gleiche Meinung) Nachrichtenagentur aufgerufen. Und so weiter und so fort. Wir sind quasi alle so sehr damit beschäftigt den ganzen Kram zu lesen, um am Ende noch Zeit und Lust zu haben was „Richtiges“ zu lesen. Und nein, ich nehme mich da ganz klar nicht von aus.

Wobei die Definition von „Richtig“ natürlich auch je nachdem wen man fragt weit auseinander gehen kann. Für den einen sind Teenie-Romane nicht einmal als Klopapier verwendbar, für den anderen der einzige Grund überhaupt ein Buch in die Hand zu nehmen. Und das ist okay so. Hauptsache wir lesen überhaupt Texte, die mehr als 140 Zeichen haben (ja, ich weiß, dass Twitter das Limit schon vor langem erhöht hat) und unseren Horizont etwas mehr erweitern als der nächste halbgare Angstbericht über irgendwelche politischen Unruhen in Hinter-Timbuktistan, würde ich sagen. Und um euch dabei zu unterstützen, gibt es seit langem mal wieder ein paar Berichte zu Büchern, die ich so gelesen habe. Die Links gehen zu Amazon. Dort könnt ihr auch in die jeweiligen Titel reinschnuppern.

Achtung: Alle besprochenen Bücher liegen derzeit nur auf Englisch vor!

(Cover)

Hardcore Gaming 101 presents: Castlevania (Kurt Kalata, 2014, 6 bzw. 23 Euro, 158 Seiten) – Über 20 Bücher hat der Kopf hinter der Webseite Hardcore Gaming 101, Kurt Kalata, mittlerweile veröffentlicht. Da komme ich gar nicht mit dem Kaufen, geschweige denn mit dem Lesen nach. In diesem Buch geht es, wie der Name schon sagt, um die Castlevania-Serie. Jedes einzelne Spiel vom 8-Bit-Original aus dem Jahre 1986 bis hin zum bislang letzten Titel Castlevania: Lords of Shadow 2 (2014) werden genauso besprochen wie obskure Spin-offs (z.B. Kid Dracula), gelungene Ableger (Castlevania: Order of Shadows für Handys) und mehr oder weniger freche Klone (z.B. Vampire: Master of Darkness). Oder einfacher ausgedrückt: Ihr erfahrt auf „nur“ 158 Seiten alles Wichtige über jeden halbwegs für die Castlevania-Reihe relevanten Titel.

Der Aufbau des Buchs ähnelt stark dem von SEGA Arcade Classics Volume 1, was aber absolut nicht schlecht ist. Umrahmt von zahlreichen Screenshots beschreibt der Autor jedes Spiel so ausführlich wie notwendig. Sprich die einflussreichsten und bekanntesten Titel wie Castlevania: Symphony of the Night werden über mehrere Seiten hinweg abgehandelt während die meisten anderen nur zwei oder drei Seiten spendiert bekommen. Aber ich hatte trotzdem nie das Gefühl, dass ich deswegen etwas verpasst hätte.

Er geht stattdessen bei allen Titeln auf das Spielprinzip und die Geschichte ein, beschreibt die Technik und den Soundtrack und vergleicht auch fleißig alles mit den anderen Vertretern der Serie sowie anderen bekannten Titeln aus der Zeit. Zusätzlich wird jeweils die Historie betrachtet (z.B. wie der Titel bei den Fans ankam) und er beschreibt mehr oder weniger subjektiv die Stärken und Schwächen. Außerdem gibt es vor allem bei den Haupttiteln nette Zusatzinformationen wie Charakterporträts, regionale Unterschiede und derlei Trivia. Das ist sprachlich mitunter nicht ganz so abwechslungsreich, weil eben viele Seiten lang einfach nur Spielmechaniken beschrieben werden. Aber für so ein Nachschlagwerke ist das völlig okay und richtig. Es hat ja nicht den Anspruch die Literaturwelt zu erobern, sondern soll informieren.

Beim Christoph meint: Ich habe abseits der Lords of Shadow-Titel noch kein einziges Castlevania tatsächlich gespielt (ihr wisst schon: Mangels Plattform). Aber nach der Lektüre von Hardcore Gaming 101 presents: Castlevania kann ich nun endlich mitreden. Wer also grundsätzlich ein Interesse an der Serie hat und nach einem Gesamtüberblick über Castlevania sucht, der ist hier definitiv richtig ohne gleich von seitenlangen Wikipedia-Artikeln erschlagen zu werden. Ob für echte Fans der Serie irgendetwas Neues drinsteht wage ich zwar zu bezweifeln aber selbst für sie ist es als kleines Lexikon im Bücherregal sicherlich eine gute Investition.

(Cover)

Terrible Old Games You’ve Probably Never Heard Of (Stuart Ashen, 2015, 5 bzw. 15 Euro, 192 Seiten) – Der Name sagt eigentlich schon alles. Von einem E.T. the Extra-Terrestrial (1982) oder Superman 64 (1999) haben wir schließlich schon alle mal gehört und die kommen in diesem Buch nicht vor. Stattdessen begibt sich der Autor in die tiefsten der tiefsten Abgründe vor allem der 80iger und kramt auf 156 Seiten (aber sehr kleines Buchformat) wirklich den allerletzten Scheiß hervor. Die restlichen Seiten sind Backer-Namen, da das Buch über Unbound finanziert wurde.

Der Titel ist dabei definitiv Programm, denn zumindest ich habe noch von keinem einzigen davon gehört – zu Recht, wenn man sich die Beschreibungen durchliest. Stuart Ashen hat tatsächlich jedes einzelne der 19 besprochenen Spiele selbst gespielt und berichtet ausführlich über das Spielprinzip (oder dessen nicht Vorhandensein) und warum genau dieser Titel es verdient hat im Buch erwähnt zu werden inkl. natürlich zahlreichen Screenshots, damit ihr die Ödnis mancher Werke euch nicht nur vorstellen müsst. Das ist auch definitiv das Gelungene an diesem Machwerk. Da es echte Erfahrungsberichte sind und keine vermeintlich objektiven Spieletests, kann man viel besser mit dem Autor mitfühlen und verstehen, warum das ein so schlechtes Spiel ist. Vor allem aber führt es zu einem flüssigeren und amüsanteren Leseerlebnis.

Beim Christoph meint: In diesem Buch ist kein einziger Titel, den ich jemals spielen werde. Und wenn ich vom jeweiligen Spiel nie erfahren hätte, hätte ich absolut nichts verpasst. Aber es hat trotzdem Spaß gemacht das Werk zu lesen. Was die Vergangenheit angeht, hat man ja doch eher die rosarote Brille auf und vergisst, dass damals wie heute viel Schrott auf den Markt geworfen wurde (damals vielleicht sogar noch mehr). Entsprechend ist es nett auch mal mehr über diese Seite des Videospielemarkts zu erfahren und dank der lustigen Schreibe von Stuart Ashen ist es definitiv weniger öde, als es auf den ersten Blick klingen mag. Objektiv empfehlenswert ist das Buch aber trotzdem vermutlich nur für wirklich retro-interessierte Leser.

(Cover)

Attack of the Flickering Skeletons (Stuart Ashen, 2017, 6 bzw. 15 Euro, 208 Seiten) – Der Nachfolger zu Terrible Old Games You’ve Probably Never Heard Of. Ja, man mag es kaum glauben aber in den 80igern sind mehr als nur 19 extrem schlechte Videospiele erschienen. Entsprechend konnte er ein weiteres Buch mit noch mehr Erfahrungsberichten zu absolutem Mist veröffentlichen. Grundsätzlich erwartet euch der gleiche Aufbau wie im Vorgänger: Zahlreiche Texte zu schlechten Spielen unterbrochen vom ein oder anderen Gastartikel (z.B. vom mittlerweile verstorbenen John Bain aka Total Biscuit). Aber das ist okay, schließlich geht es ja genau darum. Aufgrund des größeren Formats und einer höheren Seitenzahl (197 – Rest wieder Backernamen) ist nicht nur mehr Platz für noch mehr Spieleberichte und Screenshots, sondern auch ein paar Zusatzinfos wie z.B. Vergleiche zu anderen Versionen des jeweiligen Titels oder wie die Magazine damals gewertet haben.

Ansonsten gibt es inhaltlich keine Überraschungen. Ashen schreibt erneut sehr amüsant über seine Erlebnisse mit dem jeweiligen Titel und vermittelt euch damit einen sehr guten Eindruck davon, was ihr (nicht) verpasst habt. Als Leser leide ich mit ihm mit und weiß gleichzeitig am Ende mehr als ich jemals wissen wollte. So macht lesen Spaß.

Beim Christoph meint: Eine gelungene Fortsetzung mit sinnvollen Verbesserungen (=mehr Inhalt) bei Beibehaltung der alten Stärken (=amüsant und kurzweilig geschrieben). Wer den ersten Teil mochte, kommt um den zweiten nicht herum. Alle anderen wird er jedoch erneut nicht interessieren.

So, da mein Mann aktuell wieder mehr spielt komme ich im Gegenzug dazu wieder mehr zu lesen neben dem anschauen von Onlinekongressen zu diversen Themen. Heute möchte ich euch einen Manga vorstellen, den ich zufällig schon vor längerem bei meiner jüngeren Schwester entdeckt habe. Er sprach mich tatsächlich so sehr an das ich ihn mir auf meine Wunschliste für Geschenke setzte und dann auch von meinem Mann bekommen habe (Yay, guter Sicarius).

Cover von Band 1

Momo – Little Devil von Mayu Sakai ist in Deutschland von 2010-2012 als Mangareihe mit 7 Bänden im Verlag Tokyopop erschienen. In Japan kamen die Bände bereits von 2009-2011 auf den Markt. Kosten pro Band waren mal 6,50€ – mittlerweile schwanken diese aber stark. Die Bände sind neu auch kaum zu bekommen. Dafür gibt es nun eine Neuauflage in drei Sammelbänden (2-3 Bände in einem), die euch pro Stück 9,95€ zurücksetzen. Ich bin allerdings kein Fan dieses Formats (anders als mein Mann…). Diese sind einfach zu dick und damit recht schwer um gut in der Hand zu liegen. Zudem hat man so nicht mal die Hälfte der farbigen Cover der Originalbände. Die Preise sind übrigens heutzutage relativ typisch für Mangas in Deutschland. Die Zeiten des früheren Einheitspreises von 9,95 DM pro Band sind vorbei. Und damit meine ich nicht nur die Umrechnung, sondern insgesamt werden die Preise mittlerweile durchaus unterschiedlich festgelegt.

Die Altersempfehlung für diese Serie liegt bei 13-16 Jahren aber auch mir als 30-Jährige hat das Lesen nach wie vor Spaß gemacht. Jeder Band hat knappe 200 Seiten und bietet neben der Hauptstory insgesamt zwei weitere Kurzgeschichten der Autorin, die überhaupt nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben sowie auf den letzten Seiten Fanarts und diverse Randbemerkungen. Typischerweise werden die Bände in japanischer Art von hinten nach vorne gelesen. Ich persönlich habe damit überhaupt keine Probleme und merke den Unterschied gar nicht mehr. Frei nach dem Motto: Wo ist das Cover und da wird losgelesen. Bei den ersten Mangas in Deutschland war das tatsächlich noch nicht so, die wurden beim Import rumgedreht. Mittlerweile macht sich aber kein Publisher mehr diese Arbeit.

Cover von Band 4

Der Inhalt

In Momo – Little Devil wird die Geschichte von der Highschool-Schülerin Yume Odagiri erzählt. Sie selbst hält sich für nichts Besonderes. Zudem ist ihre familiäre Situation eher schwierig, da ihre Mutter bereits vor Jahren abgehauen ist und ihr Vater sie nun ebenfalls (mal wieder) allein zurückgelassen hat, um den Schuldeneintreibern zu entgehen. Yume begegnet nun an ihrem 16. Geburtstag dem kleinen Mädchen Momo. Das verändert – wie sollte es auch anders sein – ihr Leben von Grund auf. Momo erwählt Yume nämlich zur Repräsentantin der Erde, die ihr sieben Gründe nenne soll, warum die Erde es wert ist nicht zerstört zu werden. Momo selbst bezeichnet sich nämlich als Teufel, der nur deshalb hier ist, weil er genau das vor hat. Einfach nur sieben Gründe runter zu rasseln ist aber nicht die Lösung. Yume soll Momo sieben Mal eine Freude bereiten. Und um die Sache noch ein wenig schwieriger zu gestalten, gibt es auch noch ein Zeitlimit von 2 Jahren – also bis zu Yumes 18. Geburtstags.

Die beiden Hauptcharaktere sind an erster Stelle Yume und dann natürlich Momo. Yume selbst ist ein einfaches Mädchen das sich in der Geschichte immer weiterentwickelt und durchaus zu neuen Erkenntnissen gelangt. Aber auch Momo entwickelt sich stetig weiter und wir erfahren immer mehr über ihre Vergangenheit als Satan. Zudem gibt es durchaus einige weitere Charaktere wie Kanaka (der Sandkastenfreund von Yume) sowie Nanagi und Sanari (Momos Begleiter) – um nur ein paar zu nennen. Auch sie erhalten ausreichend Raum und spielen durchaus entscheidende Rollen nicht nur aber besonders im Finale.

Der Stil

Ein Manga lebt aber nicht nur wie ein gutes Buch von seinen Charakteren, sondern vor allem auch von seinen Bildern, ausgeschriebenen Geräuschen und einer guten Übersetzung. Im Falle von Momo – Little Devil finde ich den Zeichenstil von Mayu Sakai insgesamt sehr gelungen. Ihre Bilder sind sehr fein, detailliert und, anders als bei manchen anderen Autoren, verändert sich der Stil auch bis zum letzten Band nicht. Ihre Werke erinnern an die Manga-Zeichnerin Arina Tanemura (u.a. Kamikaze Kaito Jeanne) was aber durchaus nicht schlecht ist und Vorbilder haben wir schließlich alle. Während ich mir aber bei Fr. Tanemura echt schwer tue noch zu wissen wer nun wer ist, ist bei Sakai die Wiedererkennung der Charaktere kein Problem.

Cover von Band 7

Insgesamt liest sich der Manga flüssig und auch an der Übersetzung gibt es nichts auszusetzen. Zudem wurden bestimmte Ausdrücke berücksichtigt wie das typische „Jawollja“ von Momo. Dafür gibt’s ein Lob an die Übersetzerin Rosa Vollmer.

Beim Christoph meint: Von mir erhält Momo – Little Devil 4 von 5 Sics. Die Zeichnungen und Charaktere sind insgesamt sehr stimmig und die Geschichte durchgehend spannend und es kommt auch zu unerwarteten Wendungen. Yume hat mal mehr mal weniger Mühe Momo eine Freude zu bereiten. Ebenfalls kommt Yumes Leben selbst nicht zu kurz. Besonders der Aspekt mit den Freuden als Gründe, dass die Erde weiter bestehen darf ist sehr interessant und gibt dem Leser viele nachdenklich machende Fragen für sein eigenes Leben mit. Wer von uns achtet z.B. überhaupt noch darauf was einem selbst wirklich Freude bereitet? Nehmen wir das noch wahr oder beschäftigen wir uns nur mit Problemen und den Dingen, die wir nicht haben? Wo liegen überhaupt unserer Prioritäten? Würden wir alles stehen und liegen lassen um die Welt zu retten? Könnten wir das überhaupt? Und dann noch die wohl schwierigste Frage: Wie macht man jemandem überhaupt eine Freude? Muss es immer ein Geschenk sein oder gibt es nicht auch viele andere Möglichkeiten?

Allerdings ist auch hier – wie so häufig in allen Medien – das Finale viel zu kurz. Ich habe die letzten paar Seiten mehrfach durchgesehen und finde das Ende nach wie vor zu sehr angedeutet. Da fiebert man sieben Bände lang mit den Charakteren mit und könnte durchaus einen weiteren Band lesen und dann ein so kurzes Ende. Die zwei Bonusstorys waren ebenfalls eher Mittelmaß. Da hätte mir eine Sidestory oder richtiger Epilog zur Hauptstory oder etwas in der Art doch besser gefallen als zwei aus der Luft gegriffene Kurzgeschichten.

Da mein Mann mich immer mal wieder nötigt auch mal einen Eintrag für euch zu verfassen, mache ich das heute mal – obwohl er technisch gesehen unter meiner Anleitung diese Zeilen tippt. Er kann das einfach viel schneller als ich und ich würde euch sowieso nur die ganze Geschichte verraten :smile: . Aber wer bin ich eigentlich? Nun, ich bin Lysanda L’eau und mit dem Webmaster verheiratet. Ich liebe Katzen, Anime und Mangas sowie Bücher mit starken Frauen als Hauptcharaktere – und genau darum geht es heute. Während euch der Webmaster immer mit Explosionen, Blut und Gedärmen langweilt, stelle ich euch heute mal eine Buch-Trilogie vor, in der es eben nicht nur darum geht (Kämpfe und Tote gibt es da aber auch):

Cover

Das Meer der Seelen (Jodi Meadows; Incarnate-Trilogy; 2012-2014) – Aus religiöser Sicht gibt es verschiedene Ansichten wie es nach dem Tod weitergeht. Während die Christen entweder bis in alle Ewigkeit im Himmel oder in der Hölle schmoren wollen, streben Hindus und Buddhisten der Erleuchtung dank Wiedergeburt entgegen. Aber wie wäre es eigentlich, wenn an der Sache tatsächlich etwas dran wäre und man ständig wiedergeboren werden würde? Und nicht nur einfach wiedergeboren, sondern auch noch mit dem Wissen, was im vorherigen Leben passiert ist? Mit diesen Gedanken spielt Jodi Meadows in ihrer Trilogie Das Meer der Seelen für junge Erwachsene.

Aufgeteilt auf die drei Bücher Nur ein Leben (Incarnate), Nur eine Liebe (Asunder) und Nur eine Nacht (Infinite) mit jeweils knapp 400 Seiten, erlebt ihr die Geschichte von Ana. Sie ist die erste neue Seele in der Welt von Range seit 5.000 Jahren und dürfte eigentlich nicht existieren. In Range gibt es nämlich exakt eine Millionen Menschenseelen, die immer und immer wieder geboren werden. Mal als Mann, mal als Frau und immer mit dem Wissen, was vorher passiert ist. Entsprechend ist Ana nicht nur eine abnormale Erscheinung, für ihre Existenz musste auch eine andere Seele für immer sterben. Das macht sie nicht gerade zu einem Freund der Bewohner und fängt ihr die Bezeichnung als Seelenlose ein.

Der Inhalt

Cover

In Nur ein Leben lernen wir die achtzehnjährige Ana kennen. Sie lebt außerhalb der Hauptstadt bei ihrer Mutter und wird von dieser nicht nur sehr schlecht behandelt, sie macht sich auch nicht die Mühe ihr irgendetwas beizubringen. In einer Welt, wo Menschen mit 5.000 Jahre altem Wissen herumlaufen, definitiv ein eher ungünstiger Ausgangspunkt. Also bringt sich Ana selbst das Lesen und einiges anderes bei und macht sich anschließend auf zur Stadt Heart. Sie möchte mehr darüber erfahren, warum sie existiert, ob sie ebenfalls wiedergeboren wird und warum für sie die Seele Ciana für immer verschwand. Wie so oft, ist dieser Weg nicht ganz so geradeaus, wie es sich anhört. Stattdessen kommt sie uralten Geheimnissen auf die Spur und gerät – wie könnte es anders sein – in Gefahr.

Im zweiten Buch, Nur eine Liebe, nimmt die Angst der Menschen vor ihrem endgültigen Tod aufgrund der Ereignisse weiter zu, was auch Ana als Außenseiterin noch stärker zu spüren bekommt. Dennoch setzt sie ihre Suche nach der Wahrheit fort und entdeckt immer mehr darüber, was eigentlich vor sich geht. Sie erfährt, warum überhaupt immer und immer wieder dieselben Seelen geboren werden und welchen Preis die Wiedergeburt hat. Im dritten Band, Nur eine Nacht, lüftet sie die letzten Geheimnisse mit weitreichenden Folgen für Range.

Der Stil

Jodi Meadows Fantasy-Werk liest sich erfreulich flüssig und kommt ohne die ausschweifenden Landschaftsbeschreibungen eines Wolfgang Hohlbeins daher. Ihr folgt Ana aus der Sicht eines neutralen Beobachters durch die Welt von Heart und erfahrt sehr viel über sie, lernt aber auch die zahlreichen Charaktere kennen, die ihr auf ihrem Weg begegnen. Vor allem ihre Beziehung zu Sam nimmt einiges an Raum ein und könnte teilweise etwas flotter vorankommen. Dafür überschlägt sich die Geschichte in anderen Bereichen mitunter und ein Ereignis jagt das nächste. Zusammen mit den zahlreichen Geheimnissen rund um die Stadt Heart, macht es das schwer die Bücher aus der Hand zu legen.

Die Trilogie fühlt sich mehr wie ein großes Buch an als drei einzelne, was auch daran liegt, dass Fr. Meadows euch nicht für Vergesslich hält. Während andere Autoren die Ereignisse aus dem jeweils vorherigen Band gerne noch einmal äußerst detailliert ausbreiten, beschränkt sie sich auf kurze Erwähnungen in Dialogen zwischen den Charakteren.

Cover

Beim Christoph meint: Von mir erhält Das Meer der Seelen 4 von 5 Sics und die Bücher dürfen ihren Platz im Regal behalten. Ich habe die drei Bücher in drei Wochen buchstäblich verschlungen und dafür auch mal andere Dinge hintenangestellt. Wiedergeburt ist für mich ein spannendes Thema und das war es auch, was mich überhaupt erst zu den Büchern hingezogen hat. Entsprechend interessiert war ich daran zu erfahren wie die Welt von Range funktioniert und wie deren Bewohner damit umgehen. Wird es beispielsweise nicht irgendwann langweilig? Und wie ist es jeden inklusive vermutlich aller seiner intimsten Geheimnisse seit einer Ewigkeit zu kennen?

Aber auch die anderen von der Autorin angesprochenen Aspekte wie Ausgrenzung, falsches Selbstbild und einfach mal Dinge in Frage stellen haben mich zum Nachdenken angeregt. Anas Werdegang von der Ausgestoßenen hin zur alles entscheidenden Figur ist für mich außerdem nachvollziehbar und ich konnte gut mit ihr mitfühlen.

Der fünfte Sic bleibt der Trilogie verwehrt, weil die Beziehung von Ana und Sam trotz des Raums, den sie einnimmt, nicht richtig in die Gänge kommt. Und weil das Ende (wie so oft) für mich nicht vollständig befriedigend war. Die Geschichte ist zwar grundsätzlich abgeschlossen, ich hätte aber dennoch gerne erfahren, wie es nach den tiefgreifenden Veränderungen für Ana weitergeht. Trotz dieser beiden Makel kann ich die Bücher uneingeschränkt empfehlen.

Nächste Seite »