King of Monsters (Herstellerbild)

Schon Goethe sagte einst „Heut‘ ists selbst zum Kacken zu warm!“ [Zitatquelle benötigt] – und wie recht er hatte. Ich hatte schon gehofft, dass wir dieses Jahr um länger anhaltende Hitze drum herumkommen aber nein, wie ihr sicherlich ebenfalls schon festgestellt habt – zumindest, wenn ihr nicht im Kühlschrank wohnt -, ist es extrem heiß geworden. Da macht selbst das Zocken vor 23 Uhr keinen rechten Spaß. Mit Kopfhörern schon dreimal nicht. Mit was vertreibe ich mir aktuell also so meine Zeit? Na trotzdem mit zocken…echte Gamer hält so ein bisschen Schweiß doch nicht ab. Aber ich hab‘ tatsächlich auch mal wieder allein ein paar Filme geschaut (Lysanda interessiert nicht alles aus meinem Regal). Gleichzeitig verbringe ich weiter einiges an Zeit mit Co-Optimus.

Working

Im Juli waren es am Ende 667 Steckbriefe, die ich angelegt hatte (die Dutzende, die ich korrigiert habe gar nicht mitgezählt) und im August bin ich auch schon bei über 200. Thema im Juli waren die Arcade Archives des japanischen Publishers HAMSTER Corp. Der hat gefühlt von allen mehr oder weniger namhaften Arcade-Entwicklern wie SNK, Taito oder Konami die Lizenzen gekauft und portiert deren Titel schon seit mehreren Jahren auf PS4, XONE, Switch und sogar PC – und trotzdem waren so gut wie keine davon bereits in der Datenbank. Schwach. Dabei sind darunter logischerweise sehr viele Koop-Kreationen. Ich muss allerdings anmerken: Co-Optimus beschäftigt sich ausschließlich mit Werken, die echte Kooperation erlauben (was ich super finde!). Die meisten Rennspiele und Fighter sind dadurch schonmal außen vor. Gibt also durchaus einige Fallstricke bei dem Thema und bei den alten Schinken noch mehr.

Speziell „Abwechselnd“ ist hier ein Stichwort. Sprich Pulstar unterstützt zwar zwei Spieler, die nicht gegeneinander antreten. Sie spielen aber nicht gemeinsam, sondern abwechselnd. Da musste ich echt höllisch aufpassen, zumal die Retro-Community es gefühlt nicht immer so genau nimmt – worüber ich sowohl verwundert als auch enttäuscht bin. Nehmen wir z.B. das sehr coole King of Monsters. Jede gefundene Webseite behauptet, dass die Arcade-Version des Titels nur 1vs1 bietet und die Kampagne nur solo bestritten werden kann. Und das, obwohl es auf YouTube sogar VIDEOS (!) gibt, die eindeutig den Koop-Modus zeigen. Ich versteh’s nicht… aber gut: Auf Co-Optimus ist es jetzt richtig! :smile:

Nachdem ich mit den Arcade Archives jetzt erstmal fertig bin, habe ich den August unter den Switch-Stern gestellt, da hier ebenfalls viele Lücken herrschen. Entsprechend gehe ich tatsächlich schlicht von vorne nach hinten durch den Nintendo Online-Shop. Dabei stoße ich auf so ultimative Klassiker wie Waifu Uncovered (der Name sagt schon alles) Jurassic Excite (schlagt mit einem Hammer auf niedliche Dinosaurier ein) oder das Spiel mit dem besten Namen ev4r Super Mega Space Blaster Special Turbo (ein 08/15-Shoot’em up und eine erweitere Version von Super Mega Space Blaster Special), die selbstverständlich alle ihren Weg in die Datenbank gefunden haben. Nur bei wirklich absolutem Schund (Asset-Swap-Achievement-Farming-Scheißdreck) spiele ich die Zensurbehörde und entscheide mich gegen die Aufnahme in die Datenbank.

Themenwechsel

Nun aber genug zu meinen Abenteuern in der Welt der kooperativen Spiele. Kommen wir stattdessen zu einem der besagten Filme:

(Cover)

Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1922, DV, Berriatúa-Restauration) – Fast genau zehn Jahre ist es her, da habe ich euch an dieser Stelle von Dracula (1931) erzählt und wie enttäuscht ich doch von diesem so viel gelobten Machwerk war. Ja, Bela Lugosis Darstellung war und ist der Prototyp des berühmten Vampirs wie er noch heute in allen Medien dargestellt wird aber die erste offzielle Verfilmung der Vorlage selbst fand ich eher mittelmäßig bis schlecht. Damals erwähnte ich bereits die deutsche Konkurrenz, ließ allerdings unerwähnt, dass ich Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens tatsächlich bis letzte Woche noch nie komplett gesehen hatte. Schlimm, schlimm :wink: .

1922 brachte Friedrich Wilhelm Murnau den viragierten (=die Bilder wurden einfarbig je nach Stimmung und Ort eingefärbt) Horror-Stummfilm mit Max Schreck in der Hauptrolle in die deutschen Kinos. 94 Minuten lang (bei 18 Bildern pro Sekunde) und basierend auf besagtem Roman Dracula von Bram Stoker (1897) – allerdings ohne die Rechte dazu zu haben. Entsprechend wurden Namen und Orte großzügig abgeändert. Aber auch die Geschichte lässt sich eher vom Original inspirieren als es tatsächlich exakt zu verfilmen. Größter Grund ist, dass der Film nur ein sehr kleines Budget hatte. Entsprechend konnte man nicht mit großartig vielen Charakteren und Drehorten arbeiten. Van Helsing beispielsweise fehlt komplett.

Gelobt wurde der Film speziell wegen seiner Bilder. Nur die Innenaufnahmen wurden in einem Studio gedreht. Alles andere ist innerhalb kürzester Zeit (die Dreharbeiten dauerten 2-3 Monate) hauptsächlich an realen (und teils noch heute existierende) Lokationen in (Nord-)Deutschland entstanden. Max Schreck macht hingegen als Nosferatu eine sehr steife Figur (hier im positiven Sinne). Keine Ahnung ob er sich in seiner Aufmachung tatsächlich nicht mehr richtig bewegen konnte aber er ist definitiv sehr surreal und entsprechend passend zum Charakter unterwegs. Allein durch seine Anwesenheit verbreitet er bereits Angst und Schrecken. Ellen hingegen ist die typische Stummfilm-Frau. Sehr übertriebene, ausladende Gestiken auf die selbst Mister Overacting höchstpersönlich Wilhelm Shatner stolz wäre. Aber so war das halt damals.

Die Geschichte

Nosferatu – Symphonie des Grauens (Promobild)

Der Film erzählt aus Sicht eines Chronisten wie 1838 die Pest nach Wisborg kam. Hauptfigur darin ist Thomas Hutter, Sekretär eines Maklers. Eines Tages beauftragt ihn sein Chef in die Karpaten zu fahren und dem Grafen Orlok ein Haus zu verkaufen. Ein heruntergekommenes Haus, das praktischerweise direkt in der Nähe von Hutters Eigenheim liegt. Aber der Makler verspricht eine hohe Provision und entsprechend macht sich Hutter trotz der Bedenken seiner Frau auf in das fern gelegene Schloss. Schon auf dem Weg dorthin wird dem Zuschauer (Hutter nicht so sehr) klar, dass hier etwas nicht stimmt. Die Besucher des Wirtshauses sind erschrocken als Hutter sein Ziel erwähnt und der Kutscher lehnt die Weiterfahrt kategorisch ab. Als Hutter dann um Mitternacht im Schloss ankommt erwartet ihn Orlok bereits sehnsüchtig und das erste Kennenlernen findet statt. Morgens wacht Hutter dann mit zwei Punkten am Hals auf, denkt sich aber (noch) nichts dabei. In der nächsten Nacht unterschreibt Orlok – nachdem er Hutters schöne Frau gesehen hat – hastig den Kaufvertrag. Diese wiederrum wird Zuhause von Alpträumen geplagt.

Irgendwann kommt Hutter dann doch dank eines Buches über Vampire dem Grafen auf die Schliche und es beginnt ein Wettlauf zurück nach Wisborg. Während der Graf sich zu Schiff auf den Weg macht und die Pest mit sich bringt, reitet Hutter nach Hause. Er ist aber zu spät. Der Graf ist bereits eingezogen und auch in Wisborg breitet sich die Pest aus. Komischerweise hat jedes Pestopfer Bisswunden am Hals. Scheint aber irgendwie niemanden zu stören. Es geht also alles den Bach runter bis Hutters Frau Ellen ebenfalls mal in das Buch reinschaut. Dort steht geschrieben, dass der Vampir nur besiegt werden kann, wenn eine schuldlose Frau ihm freiwillig ihr Blut gibt und er dadurch die Zeit bis zum morgendlichen Hahnenschrei vergisst. Sie opfert sich also, Orlok wird von der Morgensonne getötet und die Pest ist auf einen Schlag weg.

Die Hinterlassenschaft

Wie viele Filme aus der damaligen Zeit – allein von Murnaus vorherigen Werken gelten acht Stück als verschollen -, hatte es auch Nosferatu – Symphonie des Grauens nicht gerade leicht bis in die heutige Zeit zu überleben. Insbesondere, weil Stoker’s Nachlassverwalterin trotz der Veränderungen an der Geschichte nicht untätig blieb und 1925 ein Gericht im daraus folgenden Urheberrechtsstreit entschied, dass alle Kopien des Films zu vernichten wären (andere Zeiten, andere Sitten). Zum Glück waren zu diesem Zeitpunkt bereits Kopien ins Ausland verschifft worden. So hatte man für die Restaurierung zwar nicht das Original aber zumindest Material aus verschiedensten Quellen (z.B. aus Frankreich und Tschechischen) und in unterschiedlichsten Zuständen (sowohl Materialqualität als auch Szenenfolgen und Schnitte). Daraus wurde dann 2005/2006 eine originalgetreue, vollständig digitalisierte und restaurierte Fassung (inkl. allen Zwischentiteln) erstellt. Es gab zwar vorherige Versuche, die sind im Vergleich jedoch ganz klar minderwertiger.

Nosferatu – Symphonie des Grauens (Promobild)

Das Bild ist aber nur die eine Hälfte. Wie damals üblich, wurde der Film live im Kino von einem Orchester vertont. Hans Erdmanns Kompositionen waren jedoch nicht mehr in Gänze und schon gar nicht im Original aufzufinden. Stattdessen haben Musikhistoriker in mühevoller Kleinarbeit aus verschiedensten Quellen (Interviews und sowas) Hinweise gesammelt und dann aus diversen Publikationen und Lehrbüchern die einzelnen Kompositionen zusammengeflickt. Ob es 100% dem Original entspricht werden wir wohl nie erfahren aber es dürfte ihm doch ziemlich nahekommen.

Das Ergebnis ist eine DVD/Blu-ray, die keine Wünsche offen lässt. Das Bild ist astrein, das Orchester in feinstem 5.1 und der Film vermutlich noch nie in so einem guten Zustand zu erleben gewesen. Perfekt!

Beim Christoph meint: Es fällt immer etwas schwer ein Urteil über so uralte Filme zu fällen. Aus heutiger Sicht ist er trotz „nur“ 94 Minuten viel zu langatmig, die schauspielerische Darstellung völlig übertrieben und unnatürlich und von Horror kann überhaupt keine Rede sein. Andererseits wird ihn sicherlich auch niemand schauen, der ihn unter dem Aspekt eines normalen Kino-Blockbusters betrachtet.

Ich für meinen Teil fand die Zeitreise im Gegensatz zu Dracula (1931) äußerst gelungen. Nosferatu ist eine richtig cool in Szene gesetzte Figur (allein wie er auf dem Schiff aus dem Sarg hochkommt), die einem selbst heute noch einen kleinen Schauer den Rücken herunterlaufen lässt. Und die Geschichte selbst ist zwar simpel im Aufbau und bietet heutzutage logischerweise keine Überraschungen mehr. Aber trotzdem ist die Sache spannend und bildgewaltig in Szene gesetzt – was auch dem gelungenen Soundtrack zu verdanken ist. Entsprechend kam bei mir trotz der Behäbigkeit kein Bedürfnis auf ihn auf 24 Bilder pro Sekunde zu beschleunigen. Insofern: Unter den üblichen Prämissen, dass es sich bei Nosferatu – Symphonie des Grauens um einen viragierten Stummfilm aus den 20igern handelt, ganz klare „Sollte man mal gesehen haben“-Empfehlung. Aber Achtung: Vorher das Lesen von altdeutscher Schrift üben. Den handgeschriebenen Brief Hutters an seine Frau hab’ selbst ich nicht verstanden… smile:

Es hat sich letztes Jahr bereits abgezeichnet, nun ist es eingetreten: Jules ist die zweite Katze in unserem Haushalt mit Forl. Bemerkt haben wir es, weil er bei den Frischfleischparties (z.B. Hähnchenschenkel auf der Terasse) nur noch mit seinem Essen gespielt hat statt wie die beiden anderen Jungs herzhaft zuzubeißen. Vergangenen Freitag sind wir deshalb mit ihm zum Tierarzt. Das Ergebnis? Zehn Zähne gezogen – Kostenpunkt: knapp 500€ u.a., weil drei Stück nur schwer rausgingen. Ein Stück Wurzel ist auch noch im Gebiss und wird hoffentlich vom Körper aufgelöst. Mal schauen wie lange die restlichen Zähne noch durchhalten, wenn es aber ähnlich schnell geht wie bei Maya wird vermutlich der Rest 2021 folgen.

Er hat die Narkose aber wesentlich besser weggesteckt als Balu oder Maya. Als wir ihn Zuhause aus dem Korb ließen, war er zwar ziemlich müde aber trotzdem sicher auf den Beinen unterwegs und geistig gut bei der Sache. Pichu und Balu mussten natürlich erst einmal den Katzenkorb inspizieren (roch ja jetzt nach Tierarzt) bevor Pichu anschließend Jules ausgiebig geputzt hat. Später schlief er dann friedlich und erschöpft auf meinem Bauch während ich auf der Couch folgendes Werk geschaut habe:

(Cover)

Jodorowsky’s Dune (2013, Dokumentation, EV/FV) – Gleich Vorweg: Es gibt immer noch keine deutsche Version dieses Films und die einzige Region 2-Bluray ist der französische Originalrelease. Ansonsten gibt es meines Wissens nur eine amerikanische Variante, die aber logischerweise auf Region 1 beschränkt ist. Ja, ich hasse es auch, dass es immer noch diese blöden Regionalcodes gibt und sich die Abspielprogramme weiterhin daran halten.

Im Film spricht fast jeder Beteiligte in seiner Landessprache (H.R. Giger ist z.B. auf Deutsch zu hören). Die französische Bluray kommt jedoch ausschließlich mit französischen Untertiteln daher, die zudem leider nicht durchgängig sind. So sind der Produzent und Co-Produzent, die ausschließlich Französisch sprechen, nicht damit versehen. Entsprechend – und das gebe ich offen zu – habe ich so gut wie keinen Schimmer was die z.B. über das Treffen mit Pink Floyd erzählt haben. Der zentrale Charakter – Alejandro Jodorowsky – wechselt hier und da zwischen gebrochenem Englisch und Französisch, ist aber zumindest durchgängig untertitelt. So viel als Vorwarnung :smile: .

Der Inhalt

Jodorowsky’s Dune (Sony Pictures Classics-Promobild)

Wie der Name schon sagt beschäftigt sich die Dokumentation mit Jodorowskys Verfilmung von Der Wüstenplanet an der er ab 1975 arbeitete. Gedreht wurde aber am Ende keine einzige Szene. Stattdessen ging die Lizenz an David Lynch, der 1984 seine von vielen Fans und Kritikern verabscheute Fassung in die Kinos brachte. Alejandro Jodorowsky selbst ist ein chilenischer Künstler. Er ist eher für extrem abgehobene Sachen bekannt und hat speziell in den 60igern und 70igern für Aufsehen gesorgt mit seinen extrem unkonventionellen und absolut nicht jugendfreien Filmen wie El Topo (sein realer Sohn ist im kompletten Film nackt). Oder um es anhand einer seiner Ideen für Dune zu verdeutlichen: Es sollte eine Foltersequenz mit Herzog Leto I. Atreides geben in der der Harkonnenmentat Piter deVries ihm nacheinander mit einer riesigen Schere die Extremitäten abtrennt und anschließend Baron Harkonnen aus Frustration auch noch den Kopf. Und nein, diese Szene passierte so im Buch nicht – wie so viele, die sich Jodorowsky für den Film ausgedacht hatte. Sogar das Ende sollte komplett abweichen und Arrakis als grünen Planeten zeigen, der als der Messiah durch das Universum fliegt und andere Planeten „bekehrt“. Klingt völlig Banane – und ist es auch. Er hatte die Vorlage nicht einmal gelesen, bevor er sich dazu entschied es zu verfilmen. Ob das jetzt gute oder schlechte Voraussetzungen waren, sei mal dahingestellt…

Fakt ist: Es war ein extrem ambitioniertes aber hochkarätig besetztes Projekt (u.a. H.R. Giger für das Design der Harkonnen, Dan O’Bannon für die Spezialeffekte, Salvador Dahli als der Imperator Shaddam IV, Orson Welles als Baron Harkonnen, Soundtrack von Pink Floyd), welches rückblickend vermutlich mit den damaligen Mitteln nicht hätte realisiert werden können. Entsprechend wurde zwar die komplette Vorproduktion abgeschlossen (=ein riesiges Buch voller Storyboards und Konzeptzeichnungen, von dem angeblich nur noch zwei Kopien existieren) aber es fand sich kein Studio, das tatsächlich das Geld investieren wollte (15 Millionen US-Dollar – damals undenkbar). Mal abgesehen davon, dass Jodorowsky sich nicht in das damals übliche 90-Minuten-Korsett zwingen lassen wollte. Wenn der Film am Ende 12 oder 20 Stunden lang sein würde, dann wäre das halt so und die Zuschauer müssten das akzeptieren. Also wurde die Produktion von einem Tag auf den nächsten kurz vor Beginn der Drehaufnahmen eingestellt. Jodorowsky hofft zwar, dass vielleicht nach seinem Tod irgendjemand sein Werk als Animationsfilm realisiert aber aktuell gibt es keine Vorhaben in der Richtung (er ist auch noch nicht tot :wink: ). Stattdessen soll im Dezember eine Wüstenplanet-Adaption von Denis Villeneuve (Blade Runner 2049) in die Kinos kommen. Mal schauen ob die was wird. Ich fand David Lynchs Version zumindest in der 3-Stunden-TV-Version gar nicht so schlecht – von der er sich allerdings distanzierte. Aber ich mag ja auch die Prequel-Bücher von Brian Herbert und Kevin J. Anderson. Insofern gelte ich ja eh nicht als ein echter Wüstenplanet-Fan :tongue: .

Aber nur, weil Jodorowsky’s Dune nie als Film realisiert wurde, hatte es doch seine Einflüsse auf die Pop-Kultur. Jodorowsky selbst hat z.B. zusammen mit Jean Giraud (Moebius) das Script in der Comicreihe Der Incal verarbeitet. Dan O’Bannon und H.R. Giger arbeiteten hingegen zusammen an der Alien-Reihe, wo H.R. Giger so einige seiner Designs für Jodorowskys Werk „recycelt“ hat. Und es gibt noch viele weitere Werke, die sich frei an den Storyboards und Zeichnungen im Riesenwälzer bedienen. Kein Wunder: Jeder Studioboss hat so ein Ding bekommen (was allein das Drucken gekostet hat?), also haben es auch viele Leute gesehen.

Jodorowsky’s Dune (Sony Pictures Classics-Promobild)

Beim Christoph meint: Von mir gibt es für Jodorowsky’s Dune nach reiflicher Überlegung nur 2 von 5 Sics. Selbst, wenn es irgendwann mal eine deutsche Version geben sollte: Die Dokumentation ist ganz klar nur für absolute Hardcore-Dune- und/oder Jodorowsky-Fans geeignet und selbst da gibt es Einschränkungen. Es ist prinzipiell interessant zu sehen welche (abgedrehten) Visionen Jodorowsky für Dune hatte und ich hätte definitiv gerne den dazugehörigen Film erlebet. Stattdessen zu erfahren welche Auswirkungen er trotz einer fehlenden Veröffentlichung auf andere Klassiker hatte ist aber ebenfalls cool.

Doch am Ende sind 90 Minuten dann doch irgendwie viel zu wenig für dieses monumentale Werk. Ich hätte mir z.B. mehr Storyboardanimationen gewünscht, die komplette Szenen des Films zeigen (gibt 2-3 Stück – u.a. besagte Folterszene). Stattdessen kommt größtenteils nur Jodorowsky zu Wort, der böse ausgedrückt mehr darüber erzählt wie er die ganzen Leute dazu überredet hat am Film mitzumachen als über den Film selbst. Ja, es ist seine Idee und seine Vision aber es waren ja durchaus viele anderen Personen mitbeteiligt. Den restlichen Interviewpartner wird stattdessen relativ wenig Zeit eingeräumt und diese oft auch nicht gut genutzt. Auf die Szenen mit H.R. Giger hätte man beispielsweise aus meiner Sicht komplett verzichten sollen, da sie keinen informellen Mehrwert bringen und nur einen alten Mann zeigen, der sich offensichtlich sehr schwer tut noch ein Wort rauszubringen. Dafür konnte er logischerweise nichts aber ich hätte als Filmemacher trotzdem darauf verzichtet ihn so zu zeigen. Da ist die Dokumentation über ihn in den Bonus Features definitiv besser. Da sind auch noch ein paar weitere Interviews u.a. mit dem Regisseur der Dokumentation zu finden.

 

So viel zu diesem doch recht obskuren Machwerk. Ich hab‘ mich lange mit dem Kauf zurückgehalten, eben weil es nicht einmal eine rein englische Version in Europa gibt. Aber es hat mich einfach zu sehr interessiert. Zumal es von Kritikern so extrem hochgelobt wurde. Kann ich nach dem Anschauen nur bedingt nachvollziehen. Bereut ihn mal gesehen zu haben, habe ich zwar nicht. Meine Erwartungen hat er aber definitiv nicht erfüllt. Er hat es aber immerhin geschafft, dass ich jetzt noch stärker angefixt bin mehr über Jodorowsky’s Dune zu erfahren. Muss ich mir wohl als nächstes mal die Comicreihe kaufen.

Ja, ne irgendwie war die gamescom 2019 aus meiner Sicht absolut langweilig trotz Geoff „Ich werde im Alleingang die Spieleindustrie retten“ Keighleys Opening Night. Ja, es gab natürlich ein paar interessante Neuankündigungen wie Everspace 2 oder Ghostrunner und urdeutsche Titel wie Knights of Honor II: Sovereign und Port Royale 4. Aber richtig vom Hocker gehauen hat mich heuer nichts. Also höchstens die Rückkehr von Comanche als Mehrspielershooter. Ich verstehe absolut nicht was in den Köpfen von Publishern vorgeht, um jedes Mal wieder zu solchen bekloppten Entscheidungen zu kommen was alte Marken angeht.

Naja, egal. Ich lasse die gamescom 2019 entsprechend einfach hinter mir (ihr dürft euch in den Kommentaren natürlich gerne darüber auslassen) und bin gespannt darauf, ob die Tokyo Game Show 2019 wieder mehr zu bieten hat. Widmen wir uns heute stattdessen nicht-interaktiver Unterhaltung in Form von Filmen. Dank des Schlemmerblocks gehen Lysanda und ich zumindest zweimal im Jahr ins Kino. Nein, ich werde mir Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers nicht im Kino antun. Ich habe sogar bislang keinen einzigen weiteren Star Wars-Streifen seit Episode VII gesehen (stehen aber im Regal). Ja, ich bin total out-of-touch ich weiß :wink: . Stattdessen haben wir uns in diesem Jahr die folgenden zwei Werke auf der großen Leinwand (und in fast vollständig leeren Kinosälen) angeschaut:

(Plakat)

I AM MOTHER (2019, SciFi-Thriller, DV) – Die Menschheit ist ausgelöscht. Eine Tatsache, die anscheinend vorhergesehen wurde, denn es gibt eine Wiederbesiedelungsanlage (=ein High-Tech-Bunker). Dort befinden sich 63.000 Embryonen und ein Roboter namens „Mutter“. Dessen Aufgabe ist es die Menschheit wieder in die Existenz zurückzuholen. Statt jedoch gleich mehrere Kinder heranzuzüchten (die Geburt dauert nur 24 Stunden), konzentriert er sich erst einmal auf eine Tochter (Clara Rugaard) und versucht sie nach bestem Wissen und Gewissen zu einem guten Menschen zu erziehen.

Richtig los geht die Geschichte als die Tochter im Teenager-Alter ankommt. Sie fühlt sich einsam und hätte gerne Geschwister, was Mutter ihr jedoch verweigert. Ihre Begründung: Sie fühlt sich noch nicht sicher genug, dass sie das mit der Erziehung richtig macht. Auch nach draußen darf die namenlose Tochter nicht, da dort angeblich immer noch die Seuche kursieren würde, welche für das Ende der Menschheit verantwortlich ist. Also fristet sie weiter ihr trauriges Dasein im Bunker bis eines Tages der Strom ausfällt, weil eine Maus ein Kabel angenagt hat. Tochter fängt sie, Mutter tötet sie ohne mit den nicht-vorhandenen Wimpern zu zucken – die Saat des Misstrauens der Tochter gegenüber der Mutter wurde ausgebracht. Ein paar Tage später klopft es plötzlich an die Luftschleuse. Eine angeschossene Frau (Hilary Swank) bittet um Einlass und Hilfe. Ist also doch nicht alles so dort draußen, wie es Mutter erzählt? Tochters heile Welt bricht endgültig zusammen und sie muss sich entscheiden.

Die Erzählung

I AM MOTHER (Netflix-Promobild)

Die Geschichte wird über die knapp zwei Stunden auf eine sehr minimalistische Art und Weise erzählt. Es gibt faktisch nur drei Personen (Mutter, Tochter, fremde Frau) und der Großteil der Handlung findet in 5-6 Räumen des Bunkers statt. Etwas Aktion gibt es nur im dritten Akt, ansonsten lebt der Film durchweg von den Bildern und den Dialogen. Und trotzdem kommt richtig Spannung auf, man empfindet Mitleid mit der Tochter und rätselt selbst darüber mit was denn nun richtig oder falsch ist.

Und obwohl die schauspielerische Leistung sowohl von Carlar Rugaard und Hilary Swank selbstverständlich sehr gut ist, ist der eigentliche Star von I AM MOTHER ganz klar der Roboter. Es ist immer wieder faszinierend wie viel Emotionen man nur durch ein paar Lampen und etwas Bewegung rüberbringen kann. Übrigens ist der Roboter kein CGI-Element. Es handelt sich stattdessen um einen vom berühmten WETA Workshop entwickelten Anzug in dem der Neuseeländer Luke Hawker steckt. Die weibliche Stimme wurde dann im Nachgang von Rose Byrne eingesprochen.

Beim Christoph meint: Mir hat I AM MOTHER grundsätzlich sehr gut gefallen. Entsprechend gibt es 4 von 5 Sics und eine Schauempfehlung (es waren mit uns nur vier Personen im Saal). Der fünfte Sic bleibt dem Erstlingswerk von Regisseur Granz Sputore aus zwei Gründen verwehrt: Zum einen sind die Szenen außerhalb des physikalischen Bunkersets qualitativ sehr schlecht. Man sieht sehr deutlich, dass sie größtenteils vor Green Screen gedreht wurden und das Budget nicht für sehr gute CGI-Effekte ausreichte. Problem Nr. 2 sind die Logiklücken, die mir ab dem Twist etwas den Spaß verdorben haben. Speziell das große Finale, in das sehr viel CGI-Budget geflossen ist (deswegen fehlte es vermutlich für den Rest des Films), ergibt für mich selbst nach mehreren Tagen immer noch keinen richtigen Sinn.

Aber gut: Über beides kann man natürlich hinwegsehen und den Film trotzdem nicht nur genießen, sondern auch fleißig am Ende darüber diskutieren. Wie es häufig mit eher so „künstlerisch wertvollen“ Werken ist, kann man sehr viel in den Film reininterpretieren und für sich quasi eine „Moral der Geschicht'“ ziehen. Unterm Strich hat uns der Film auf jeden Fall gut unterhalten und ich bin gespannt, was der Herr Regisseur in Zukunft noch so auf die Leinwand bringen wird.

 

Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu

(Plakat)

Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu (Pokémon: Detective Pikachu, 2019, Fantasy-Abenteuer, DV) – Wie gefühlt jedes Kind in der Welt des Pokémon-Franchises wollte Tim Goodman früher ein Pokémon-Trainer werden. Nach dem Tod seiner Mutter und einem Vater, der ihn aus seiner Sicht alleine zurückgelassen hat, gab er diesen Traum jedoch auf und wurde…*trommelwirbel*…Versicherungsvertreter. Wenn das kein beißender Kommentar zur heutigen Gesellschaft ist, dann weiß ich auch nicht :wink: . Naja, auf jeden Fall hat sein Vater einen Autounfall und wird für Tod erklärt. Also fährt er nach Ryme City, um seinen Besitz abzuholen. Und auf was trifft er in der Wohnung seines Vaters? Auf ein sprechendes Pikachu, das aber nur er verstehen kann und an Gedächtnisverlust leidet (und deshalb seine Kräfte nicht mehr einsetzen kann). Und wie es sich für ein unfreiwilliges Filmteam (Tim hasst mittlerweile Pokémon) gehört, rutschen sie sogleich in ein Abenteuer rund um den angeblichen Tod des Vaters, einem entlaufenden Mewtwo und einem lilafarbenen Gas, das Pokémon aggressiv und gewalttätig werden lässt.

Auf dem Weg zur Lösung des Rätsels, lernen sie nicht nur mit Lucy Stevens den notwendigen weiblichen Side-Kick inkl. dem Comedy-Relief-Pokémon Enton kennen. Sie interagieren auch mit vielen Pokémon, gehen jeweils eine absolut vorhersehbare Charakterentwicklung durch, kommen einer Verschwörung auf die Spur und schlittern von einer CGI-Action-Sequenz in die nächste (u.a. ein Kampf zwischen Pikachu und einem Glurak). Typischer Kinderfilm halt. Nicht unbedingt schlecht aber halt nicht das absolute Non-Plus-Ultra. Und mit der Vorlage, dem 3DS-Download-Titel Meisterdetektiv Pikachu, hat das Ganze nur noch rudimentär zu tun aber das ist in diesem Fall sicherlich verschmerzbar.

Meisterdetektiv Pikachu (Warner Bros. Pictures-Promobild)

Beim Christoph meint: Von mir gibt es solide 3 von 5 Sics . Die 90 Minuten waren eine nette Ablenkung und er ist was diese Art von Filmen angeht definitiv vorne mit dabei. Im direkten Vergleich fand ich ihn z.B. besser als den Animationsfilm Zoomania. Aber nochmal sehen muss ich ihn vermutlich nicht. Wie gesagt ist die Geschichte sehr vorhersehbar, die coolen Momente sind übersichtlich und teilweise eher unlogisch (Stichwort Chelterrar-Garten) und der grundsätzliche Anspruch hält sich in Grenzen. Die Kombination aus Live-Action und CGI-Pokémon funktioniert immerhin meistens sehr gut und am Ende des Tages reden wir über einen Film für eine ganz klar jüngere Zielgruppe. Entsprechend ist das schon okay so wie er ist. Dass Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu am Eröffnungswochenende mehr eingespielt hat als Avengers: Endgame finde ich hingegen sehr amüsant.

Lysanda und ihre lahmen Frauenbücher…nene, sowas würde ich nie konsumieren. Bei mir stehen selbstverständlich nur Werke von und für echte Männer im Regal *stellt sich dezent vor seine Comic-Sammlung und die Avalon-Bücher von Marion Zimmer Bradley*. Und eins davon habe ich frisch gelesen:

(Cover)

Game Engine Black Book: Wolfenstein 3D v2.1 (2019, Englisch) – Fabien Sanglard, geboren in Frankreich und mittlerweile bei Google beschäftigt, veröffentlicht auf seiner Webseite seit mittlerweile über 11 Jahren Code Reviews – nicht nur aber vor allem zu den Werken von id Software, da der Source Code dank John Carmarcks Hacker-Ethik schon seit Jahren frei verfügbar ist.

In seinen Code Reviews analysiert er – nun, den Code der die Spiele antreibt und erläutert wie die Programmierer die Action auf den Bildschirm gebracht haben. Im Falle von Wolfenstein 3D hieß das z.B. einen 386 mit DOS mit all den dazugehörigen Limitationen (z.B. nur 640KB konventionellem RAM) dazu zu bringen eine perspektivisch halbwegs korrekte 3D-Welt per Raycasting (wesentlich simpler als Raytracing) zu erzeugen, die am Ende nicht nur mit einstelligen Frames pro Sekunde dargestellt wird. Die älteren unter uns erinnern sich sicherlich noch gut an die Zeiten in denen wir uns mit CONFIG.SYS, AUTOEXEC.BAT, HIMEM.SYS (XMS) und EMM386.EXE (EMS) rumschlagen mussten, um Spiele wie Wing Commander: Privateer oder eben auch Wolfenstein 3D zum Laufen zu bringen.

Das Buch

2017 hat Fabien dann aus seiner Analyse des Source Codes von Wolfenstein 3D ein 315 Seiten langes Buch gebastelt. Darin enthalten ist nicht nur besagte Analyse, in der er anhand vieler Diagramme, Formeln, Ablaufzeichnungen, Screenshots aus einer modifizierten Wolf3D-Engine und Beispiele aus dem Code (in Assembler und Borland C geschrieben) genau erläutert wie alles funktioniert vom Startbildschirm bis zum Soundoutput. Sie kommt erst in Kapitel 4. In Kapitel 2 geht es stattdessen erst einmal darum überhaupt zu verstehen, wie die damalige Situation war. Sprich eine detaillierte Erklärung wie so ein 386 in Sachen CPU, RAM, VGA, Sound, etc. eigentlich funktioniert. Anschließend erfährt der Leser in Kapitel 3 mit welchen Tools id Software Wolfenstein 3D entwickelt hat und welche Dateien überhaupt Teil des Source Codes sind. Er schafft quasi eine Basis, um das Verständnis des Hauptteils des Buchs – das Code Review – zu verbessern.

Verteilt durch das ganze Buch sind Zitate nicht nur aber vor allem von John Carmack. In ihnen wird passend zum aktuellen Abschnitt entweder eine Anekdote zum Besten gegeben oder eine Begründung, warum die beschriebene Funktion so ist wie sie ist.

Beim Christoph meint: Sagen wir wie es ist: Ich habe von Software-Programmierung nur eine absolut rudimentäre Ahnung. Vor Jahrzehnten mal ein bisschen in QBasic rumgemacht und dann in der Berufsschule (auch schon wieder 18 Jahre her) nicht sehr viel mehr mit Microsoft Visual Basic 6.0. Während ich mir also die Funktion der Codeschnipsel mit Borland C zumindest noch grob zusammenreimen kann, verstehe ich die Auszüge in Assemblersprache überhaupt nicht. Das ist nur ein Wust aus wenigen Buchstaben („asm mov cl,bl; asm rep stosw; asm add di,dx; asm dex bh; asm jnz toploop“ Wad?!). Zu behaupten, dass ich das ganze Buch bis ins letzte Detail verstanden habe wäre also eine dreiste Lüge.

Und doch fand ich es extrem interessant zu lesen. So war ich zwar im Detail überfordert (der Abschnitt über Raycasting war echt hefitg für mich als Mathe-N00b) aber es ist aus meiner Sicht trotzdem kein Hardcore-Programmierbuch. Stattdessen schafft es Fabien die meiste Zeit die wichtigsten Informationen auch für nur zumindest Computer-affine verständlich und anschaulich rüber zu bringen. So weiß ich z.B. endlich, was XMS und EMS überhaupt bedeuten oder was eigentlich bei der Kalibrierung eines Joysticks passiert. Und natürlich ist es krass zu erfahren mit welchen Krücken, Tricks und genialen Ideen nicht nur id Software damals arbeiten musste, um selbst einen einzigen Pixel auf den Bildschirm zu bringen.

Das Alles hat natürlich für mich keinerlei praktischen Nutzen aber hey: Cool zu wissen ist es trotzdem. Wer also grundsätzlich an so etwas interessiert ist: Unbedingt reinschauen. Netterweise (die ausgedruckte Variante ist mit knapp 50 Euro nicht ganz billig) gibt es beide Game Engine Black Books (das zweite ist zu DOOM) auf seiner Homepage kostenlos zum Download. Die Einstiegshürde ist also sehr gering.

 

Letzte Woche kamen aber nicht nur die Game Engine Black Book-Bücher rein – auch eine IndieGoGo-Kampagne wurde endlich erfolgreich abgeschlossen:

(Cover)

What We Left Behind: Looking Back at Star Trek: Deep Space Nine (2019, EV) – Es ist schade aber Star Trek: Deep Space Nine hat irgendwie bis heute nicht die Anerkennung ähnlich wie Star Trek: The Original Series oder Star Trek: The Next Generation erhalten. Kein Wunder, dass wir nie einen Kinofilm bekommen haben. Konnte man auch daran sehen, dass die Lizenzinhaber zum 25. Jubiläum im vergangenen Jahr exakt gar nichts gemacht haben (soweit ich das mitbekommen habe). Immerhin gab es sieben Staffeln und ein zufriedenstellendes Finale. Vermutlich würde die Serie heute direkt nach der ersten Staffel abgesetzt werden…

Naja, egal. Ich fand und finde, dass Star Trek: Deep Space Nine eine fantastische Serie ist und sinnvoll das Star Trek-Universum über die fast schon langweilig blankgeputzte Föderation hinaus erweitert hat. Entsprechend habe ich (und 9.256 andere) nicht lange überlegt als Ira Steven Behr (einer der bekanntesten Showrunner von DS9) 2017 Geld für eine Dokumentation anlässlich zum 25. Geburtstag gesammelt hat. Und mit einem Jahr Verspätung ist sie nun zumindest in den Händen der Unterstützer.

Der Inhalt

Legen wir gleich mal die harten Fakten auf den Tisch: Auf der „Haben“-Seite stehen als aller erstes 20 Minuten Star Trek: Deep Space Nine in HD. Anders als TOS und TNG, nutzte DS9 bereits sehr intensiv CGI, weshalb die Serie genauso wie Star Trek: Voyager bis heute nicht das HD-„Treatment“ erhalten hat. Es ist Paramount schlicht zu teuer und zu aufwendig. Das letzte Stretch Goal der Crowdfunding-Kamapgne war aber genau das: Ein HD-Remaster der in der Dokumentation verwendeten Szenen inkl. der dafür notwendigen Überarbeitung der Original-CGI-Assets (darunter natürlich die Defiant). So gut sah DS9 noch nie aus.

Zweiter Punkt auf der Haben-Seite: Ein Teil der Dokumentation besteht aus Aufnahmen aus dem „Writers Room“. Ira Steven Behr hat einen Teil der Originalautoren der Serie für einen Tag in einen Raum gesperrt und sie damit beauftragt die erste Folge für die – leider nur fiktive – achte Staffel zu schreiben. Das Ergebnis bekommt der Zuschauer in animierter Form zu sehen aber natürlich stark zusammengekürzt. Es ist also leider nicht als Bonus eine 45 Minuten lange Folge enthalten. Auch deshalb nicht, weil die Schreiberlinge natürlich in nur einem Tag nicht komplett fertig wurden.

Und der dritte große Pluspunkt? Natürlich das Herz der Dokumentation: Die zahlreichen Interviews mit den Schauspielern und der Crew, die fleißig Geschichten und Anekdoten zur Serie von sich geben. Dass da viele Emotionen hochkommen, dürfte klar sein :wink: . Allerdings hat die Sache zwei Haken:

Das Negative

What We Left Behind (What We Left Behind Productions Promobild)

Avery Brooks, Captain Benjamin Sisko himself, hat am Projekt nicht teilgenommen. Von ihm gibt es entsprechend nur Ausschnitte aus ganz alten Interviews zu sehen. Immerhin wird dieser Umstand dem Zuschauer nicht verheimlicht. Im Gegenteil ist die Dokumentation nicht nur hier sehr offen und ehrlich. Auch die Gestaltung der Interviews ist nicht so stringent, wie man es sonst gewohnt ist. Stattdessen bekommt man wirklich das Gefühl, dass es einfach nur ein Gespräch unter Freunden über vergangene Zeiten ist mit entsprechenden Unterbrechungen und Themenwechseln. Schon allein deshalb ist sie um längen besser und informativer als alles was auf dem DVD-Release enthalten ist.

Noch schlimmer als das Fehlen von Avery Brooks ist aber ganz klar, dass die Dokumentation nur 116 Minuten lang ist. Ursprünglich waren sogar nur 60 Minuten geplant. Zum Glück ist daraus nichts geworden. Für eine Serie, die sowohl von offizieller als auch von Seiten der Fans keine wirklich große Beachtung erhalten hat, sind selbst knapp zwei Stunden schlichtweg zu wenig. So viel bleibt unausgesprochen, viel zu wenig beleuchtet und zu sehr wünschte ich mir am Ende, dass es nicht schon vorbei wäre. Ich hoffe entsprechend, dass da in den Bonus Features noch so einiges schlummert.

Beim Christoph meint: Speziell Azzkickr und Maverick haben hiermit den Befehl sich die Dokumentation anzuschauen, sobald sie auch für Normalsterbliche außerhalb von Amerika verfügbar ist. An eine deutsche Synchronisation glaube ich zwar nicht, aber deutsche Untertitel gibt es jetzt schon. Von mir aus können wir mit meiner Blu-ray einen Filmabend machen oder so :smile: . Aber das Werk ist ein absolutes Must-See für Fans und bekommt von mir gnadenlose 5 von 5 Sics. Zu 90% ,weil es mir beim Anschauen warm ums Herz wurde und zu 10%, weil es eine gut gemacht Dokumentation ist, die Star Trek: Deep Space Nine gebührend feiert. Mehr gibt es dazu aus meiner Sicht nicht zu sagen. Höchstens, dass ich jetzt unglaubliche Lust habe mal wieder Star Trek: Deep Space Nine von Anfang an zu schauen. Wird langsam Zeit, dass ich meinen Star-Trek-Marathon mit Lysanda beginne (sie kennt nur ein paar einzelne Folgen hauptsächlich von Star Trek: Voyager.

Gar nicht so einfach in Ruhe eine Serie/einen Film zu schauen, wenn bestimmte Katzen wie auf 180 durch das Haus jagen – inkl. der großen Gefahr, dass sie (bewusst oder unbewusst) etwas herunterschmeißen. Ja, ich schaue dich an Maya, du kleiner Wirbelwind. Aber gut: Irgendwie haben wir es am Samstag dann doch geschafft das Finale der folgenden Serie halbwegs in Ruhe zu erleben:

Cover

Orphan Black (2013-2017; 50 Episoden [5 Staffeln] á 45 Minuten, DV) – Schon allein aus technischer und schauspielerischer Sicht ist dieses Kanadisch-Amerikanische Werk beeindruckend. Im Verlauf der fünf Staffel schlüpft die Hauptdarstellerin Tatiana Maslany in die Rolle von insgesamt 13 Charakteren (plus ein Voice Over) – fünf davon sind Hauptfiguren, kommen also in fast jeder Folge vor. Und es ist nicht gerade selten, dass sie mehr als nur zweimal auf dem Bildschirm zu sehen ist. Und nicht nur zu sehen: Sie interagiert auch physisch mit sich selbst. Ab Staffel 2 kommt noch Ari Millen dazu, der im Verlauf in die Rolle von sechs Charakteren schlüpft. Will gar nicht wissen wie viel Aufwand das war jede Szene x-Mal zu filmen, um dann am Computer alles zusammenzuflicken. Als Zuschauer merkt man auf jeden Fall überhaupt nichts davon und so soll es ja sein.

Und Hut ab vor Tatiana, die wirklich jede der 13 Rollen einzigartig macht. Ja, sie unterscheiden sich optisch teilweise sehr stark. Aber es ist wirklich das Schauspiel, das beeindruckt. Wenn sie Sarah Manning spielt, ist sie einfach ganz anders als wenn sie in die Haut von Alison Hendrix schlüpft. Sie spricht anders und bewegt sich anders. Richtig genial. Das geht sogar so weit, dass ich mir beim Auftauchen von Krystal Goderitch in Staffel 3 erst mal unsicher war, ob es tatsächlich ein weiterer Klon ist oder doch eine andere Schauspielerin. Schon deshalb lohnt sich ein Blick auf diesen SciFi-Thriller. Die beeindruckende Technik allein hält einen aber natürlich nicht bei der Stange. Also worum geht’s überhaupt?

Die Geschichte

Orphan Black (BBC America-Promobild)

Die zentrale Figur ist die Waise Sarah Manning. Sie ist eine draufgängerische Kleinkriminelle und hat eine junge Tochter, die bei ihrer eigenen Pflegemutter lebt. Als sie nach langer Zeit mal wieder in ihrer Heimatstadt am Bahnhof ankommt, wird sie Zeuge eines Suizids. Sie stiehlt die Tasche des Opfers Elisabeth Childs und stellt fest: Die sieht ja fast genauso aus wie ich. Und was macht man als Kriminelle in solch einer Situation? Nicht nur die Tasche ausräumen, sondern planen alles zu stehlen was die Dame besitzen könnte. Keine gute Idee, denn dadurch schlittert sie geradewegs hinein in eine große Intrige rund ums Klonen, genetische Verbesserungen und religiösem Fanatismus. Hätte sie doch nur die Brieftasche gestohlen…

Sie erfährt, dass sie nicht nur ein Klon ist, sondern ein Klon mit eigenem Kind während die anderen Unfruchtbar sind. Das macht sie für die Wissenschaft natürlich besonders interessant. Also gerät sie widerwillig immer tiefer in die Sache hinein. Zusammen mit den anderen Klonen Alison und Cosima setzt sie deshalb notgedrungen die Suche nach der Wahrheit und ihrem eigenen Ich fort, während gefühlt die ganze Welt gegen sie ist.

Kontraste

Orphan Black (BBC America-Promobild)

Orphan Black ist nichts für Zartbesaitete. Es geht nicht gerade zimperlich zu. Im Verlauf der fünf Staffeln wird viel Blut vergossen und viele sterben brutal. Und auch auf der psychologischen Seite hält sich die Geschichte rund um Moral und Ethik in Bezug auf das menschliche Klonen nicht großartig zurück. Was aber nicht heißt, dass alles total düster und depressiv ist. Es gibt sie, die humorvollen Momente und etwas weniger tragische Nebenstränge, die gleichzeitig den Kontrast zwischen den einzelnen Klonen weiter verstärken. Während Cosima die neugierige, lesbische Wissenschaftlerin ist, kämpft Alison als Mutter von zwei Adoptivkindern mit den alltäglichen Problemen ihres typisch amerikanisch Idyll-Vorstadtlebens.

Anfangs wirken diese parallelen Erzählungen ein wenig fehl am Platz in Bezug auf die Haupthandlung, doch die Autoren schaffen es immer diese Stränge auch wieder zurück zu führen. Es dauert mitunter etwas, führt aber dafür oft zu der ein oder anderen überraschenden Wendung und erhöht die Spannung. Gleichzeitig sind sie eine perfekte Gelegenheit die Charaktere besser kennen zu lernen, damit sie einem noch stärker ans Herz wachsen. Man soll ja bei den fiesen Cliffhängern besonders stark mitfiebern.

Beim Christoph meint: Von mir gibt es 5 von 5 Sics. Die Serie ist eine klare Empfehlung für alle, die es etwas spannungsgeladener mögen. Während die technische und schauspielerische Leistung beeindruckend ist, ist es am Ende die Geschichte, die mich bei der Stange hält. Sie regt nicht nur zum Nachdenken an, sondern ist durchweg abwechslungsreich und spannend erzählt. Man will immer erfahren wie es mit Sarah und ihren Schwestern weitergeht. Welcher Stein wird ihnen wohl als nächstes in den Weg gelegt wird? Welche Klone lernen sie noch kennen? Und so weiter und so fort. Zudem führen am Ende alle Fäden zu einem befriedigenden Finale zusammen. Das ist ja leider auch nicht selbstverständlich.

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