Anfang Januar hatte ich euch von Simulacron-3 erzählt und in einem Nebensatz erwähnt, dass es noch eine zweite Verfilmung des Romans gibt. Passenderweise hatte medimops vor kurzem mal wieder eine Rabattaktion und besagter Film landete im Warenkorb. Am Wochenende war es dann soweit und wir haben uns das Machwerk “angetan”:

(Cover)

The 13th Floor* (1999, DV) – Auf dem Cover steht riesengroß “Roland Emmerich” drauf. Er ist zwar jetzt nicht für die allerbesten Filme bekannt aber ein paar Hits hat er in seinem Leben durchaus hinbekommen und zumindest für seichte Unterhaltung reicht es meistens. Blöd nur, dass es irreführende Werbung ist. Er war nur einer der Produzenten des Films. Im Regiestuhl saß stattdessen Josef Rusnak, der auch das Drehbuch geschrieben hat. Sein Name ist weder auf der Vorder- noch auf der Rückseite der DVD-Hülle zu finden… Schlechte Vorzeichen. Aber gut, worum geht es?

Achtung: Ich nehme keine Rücksicht auf Spoiler. Ist sowieso eher unwahrscheinlich, dass ihr euch das Machwerk irgendwann mal anschauen werdet.

Wir schreiben das Jahr 1999. Die Hauptcharaktere sind Hannon Fuller und Douglas Hall, die einen Simulator gebaut haben. Darin ist eine virtuelle Welt voll mit Identitätseinheiten. Soweit, so stimmig zur Vorlage. Statt die reale Welt zu simulieren, um Marktforschung zu betreiben, hat Fuller jedoch eine Stadt aus dem Jahre 1937 nachgebaut. Warum? Weil vermutlich der Drehbuchautor das Setting spannend fand oder so. Relevant für die eigentliche Geschichte ist es überhaupt nicht. Die Erklärung im Film ist jedoch, dass es Fullers Geburtsjahr wäre. Okay, von mir aus. Fuller – so stellt sich relativ schnell heraus – besucht diese Welt häufig. Hauptsächlich, um sich mit jungen Mädels zu vergnügen. Dazu schlüpft er in die Haut eines gewissen Grierson, der ihm zum Verwechseln ähnlichsieht (und verheiratet ist…).

So Mysteriös!

Der Film beginnt ganz mysteriös damit, dass Fuller einen Brief an Hall schreibt von wegen “ich hab‘ ein Geheimnis entdeckt und man wird mich dafür umbringen”. Er befindet sich gerade in der Simulation und übergibt den Brief anschließend an den Barkeeper im Hotel. Ein total vertrauenswürdiger Kerl, der sich selbstverständlich sofort daran macht ihn zu öffnen und zu lesen. Währenddessen kehrt Fuller in seine Welt zurück, geht in eine Bar (in der er scheinbar vorher noch nie war…) und spricht Hall auf den Anrufbeantworter von wegen “ich hab‘ dir im Computer eine Nachricht überlassen”. Während des Telefonats taucht plötzlich jemand auf und ermordet Fuller. Die Perspektive wechselt nun zu Douglas Hall. Dieser findet blutige Klamotten im Mülleimer seines Badezimmers, kann sich aber an nichts erinnern.

Ein knallharter 08/15-Detektiv befragt Hall (und verdächtigt ihn selbstverständlich insgeheim) als sie in Fullers Apartment plötzlich auf Jane Fuller treffen. Hall kennt Jane nicht, ist aber sofort von dieser Schönheit mächtig angetan und will sie im Prinzip ohne Umwege ins Bett zerren *augenroll*. Es kommt heraus, dass Fuller sein Testament vor zwei Tagen geändert und die Firma an Hall übertragen hat (=klares Motiv. Fall gelöst!). Es folgt ein kleiner Abstecher in dem es um einen Barkepper geht, der den Mord an Fuller gesehen hat – es war Hall (wie überraschend…). Der Detektiv offenbart außerdem, dass Fuller Hall angerufen hat und der geht endlich seinen Anrufbeantworter richtig abhören. Danach entscheidet er sich selbst in die Simulation einzusteigen.

Eine Aktion, die er scheinbar noch nie selbst gemacht hat und total gefährlich und so ist. Er streitet sich sogar mit Programmierer Jason Whitney intensiv darüber ob er ihn jetzt für 90 oder 120 Minuten reinlässt. Und auch dem Zuschauer versucht der Regisseur absolut klar zu machen wie wichtig dieses Zeitlimit ist. Bloß nicht vergessen! Warum es Fuller offensichtlich schon mehrfach ohne Probleme (und vermutlich längere Zeit) gemacht hat? Stellt doch nicht solche Fragen…

Schwer zu ertragen

The 13th Floor (Columbia Pictures Promobild)

Nach einer billigen 80iger Jahre Lasershow schlüpft Hall also in die Rolle von John Ferguson, den Fuller scheinbar nach Halls Ebenbild erschaffen hat und ist total “geflasht” von dem was er erlebt. “Woah, das fühlt sich so real an” etc. Eine total bekloppte Sequenz aber irgendwie muss man ja die Laufzeit in die Länge ziehen. Naja, er landet irgendwie beim Barkeeper, der ihn aber anlügt. Dann spielt das System kurz vor Ablauf der 120 Minuten verrückt und Hall landet wieder in der “realen” Welt. Es folgt so viel unzusammenhängender Schwachsinn, dass ich gar keine Lust habe ihn hier detailliert wieder zu geben. Deswegen nur die wichtigsten Highlights:

  • Hall versucht die Charaktere in der simulierten Welt dazu zu bringen sich an das zu erinnern, was sie während ihrer Kontrolle durch Fuller getan haben und der Barkeeper wird als Briefempfänger identifiziert.
  • Der Barkeeper ist in der Zwischenzeit an die Grenze der virtuellen Welt gefahren, kann mit dieser Erkenntnis nicht umgehen und versucht Hall nun zu töten.
  • Hall entkommt dank Whitney gerade so aus der Simulation. Er hatte nämlich vergessen den Timer zu stellen. Etwas, worauf der Zuschauer ebenfalls sehr häufig und sehr genau hingewiesen wurde während Hall in die Simulation eingestiegen ist. Alter Schwede, für wie dumm kann man sein Publikum eigentlich halten?
  • Der Detektiv stellt fest, dass Jane nicht existiert und Hall findet an einer Supermarktkasse eine Natasha Molinaro, die sich nicht an ihn erinnern kann. Ein paar Minuten später sieht man den Transfer von Jane in Natashas Körper. Wenn der Zuschauer nicht total bekloppt ist, weiß er spätestens jetzt, dass Halls Welt nicht real ist.
  • Hall fährt ebenfalls an das Ende der Welt und findet eine total hippe Rasterdarstellung wieder. Habe ich schon erwähnt, dass ihm gleichen Jahr The Matrix in die Kinos kam?!
  • Anschließend treffen sich Hall und Jane in seinem Apartment, sie enthüllt ihm die ganze Wahrheit und es folgt eine Runde (implizierter) Sex… *noch mehr augenroll*
  • Derweil geht der Programmierer auch mal in die Simulation (warum?!), schlüpft in die Rolle des Barkeepers (der nach ihm empfunden ist) und wird vom Bus überfahren. Whitney ist tot, stattdessen wacht der Barkeeper in der realen Welt auf und ist erstmal mit einer Automatiktür überfordert… Der Simulator macht quasi einen Austausch der Gehirne, deswegen dieses Ergebnis. Ebenfalls ein wichtiger Punkt, der dem Zuschauer mehrfach eingehämmert werden muss!
  • Hall wird erneut von seinem User übernommen (der die ganzen Morde begangen hat) und will auch Jane töten. Jane ist aber pfiffig und stattdessen wird Hall vom Detektiv erschossen.
  • Hall wacht im Jahr 2024 auf, ist wieder total geflasht von dem was er dort sieht (ein paar undeutliche Hochhäuer im Wasser). Lernt kurz den echten Fuller kennen und wenn sie nicht gestorben sind, rummeln Jane und Hall noch heute im Strandhaus…

Beim Christoph meint: 1 von 5 Sics. Ich hab‘ nach den ersten 45 Minuten Lysanda gefragt ob ich den Film nur schlecht finde, weil ich die Vorlage kenne oder ob er wirklich scheiße ist. Sie antwortete “Letzteres”. Aber bevor wir nochmal zum Negativen kommen: Es gibt tatsächlich eine positive Seite von The 13th Floor (da steht übrigens besagter Computer – hat sonst keinerlei Bedeutung). Und zwar fand ich es super, dass der Film versucht hat die Folgen für die Identitätseinheiten näher zu beleuchten. Also was passiert eigentlich, wenn sich jemand in die Simulation einklinkt und einen Körper übernimmt. Was hat das für Auswirkungen auf das Leben dieser Einheit? Fuller beispielsweise hurt fleißig rum, wohingegen sein Charakter Grierson seit 35 Jahren seiner Frau treu ist. Da er aber morgens immer häufiger nach Parfüm riecht, denkt sie natürlich er würde fremd gehen (was technisch gesehen ja stimmt). Das ist eine Seite der Medaille, die mich noch weiter interessiert hätte. Stattdessen zwingt Hall Grierson nur dazu sich irgendwie an die fehlende Zeit zu erinnern und damit war das gesamte Thema sofort wieder erledigt. Schade.

Was bleibt ist ein Machwerk, das mit dem Original nur Stichpunkte gemeinsam hat und selbst als eigenständiger Film aus meiner Sicht nicht funktioniert. Der Film hat zwar ein hohes Tempo (die zwei Stunden waren zügig rum) aber das ergibt sich nicht aus der packenden Geschichte, sondern alleine dadurch, dass Sachen einfach übersprungen werden. Vor allem in der ersten Hälfte passiert zu oft einfach irgendwas aus dem Nichts (z.B. die völlig aufgesetzte Liebesgeschichte mit Jane), wird etwas als gegeben angesehen oder ein Charakter hat plötzlich Informationen, die er gar nicht haben könnt. Hall zweifelt übertrieben gesagt schon innerhalb der ersten fünf Minuten daran was real ist und was nicht – dabei hat er noch überhaupt keine Gründe bekommen daran zu zweifeln?! Da bleibe ich als Zuschauer entweder ahnungslos zurück, weil ich die Vorlage nicht kenne oder – wie in meinem Fall – rege mich nur darüber auf wie unlogisch und bescheuert die Umsetzung ist. Finger weg. Welt am Draht* ist definitiv die um Längen bessere Fassung.

Hattet ihr auch schon einmal das Gefühl, dass die Welt um euch herum nicht echt ist? Dass ihr nur Teil eines Spiels oder anderer Art von virtueller Umgebung seid? Teil der Matrix, wie es vor allem in Verschwörungskreisen so schön heißt – zumindest seit 1999 der gleichnamige Film die Welt eroberte? Euer Tun und Denken von einer fremden Macht gesteuert wird (wahlweise Gott oder Bill Gates)? Ja? Dann seid ihr damit definitiv nicht allein.

Schon seit der Antike gibt es Theorien zum sogenannten Makrokosmos. Fast alle Religionen fußen auf dem Gedanken, dass es “da oben” ein oder mehrere Wesen gibt, die unser Leben beeinflussen. Und entsprechend ist das Thema auch in der Unterhaltungsbranche schon immer präsent. In der Gutenberg-Datenbank findet ihr beispielsweise Stanley G. Weinbaums Pygmalions Brille von 1935. Die Kurzgeschichte ist eine der ersten, die sich mit dem Thema “Virtuelle Realität” beschäftigte.

Heute möchte ich euch dahingehend ein Werk von Daniel Francis Galouyes vorstellen. Obwohl die Wachowskis es übrigens nie explizit als Inspiration für ihren Mehrteiler genannt haben, gibt es doch verdächtig viele Parallelen. Damit meine ich nicht das offensichtliche (eine Welt in einer Welt und die dort lebenden Personen wissen von Nichts), sondern vor allem Kleinigkeiten wie z.B. Telefone in der virtuellen Realität, die für den Übergang einer Person aus der realen Welt dienen.

(Cover)

Simulacron-3/Welt am Draht* (1964, 233 Seiten) – In einer nicht näher datierten Zukunft wird die Welt gefühlt hauptsächlich von Marktforschern bevölkert. Sie können euch zu jeder Tages- und Nachtzeit und zu jedem Thema befragen und ihr seid gesetzlich gezwungen mitzumachen. Verweigert ihr die Teilnahme an der Umfrage, gibt es eine Geldstrafe. Keine schöne Vorstellung aber es scheint notwendig, damit die Welt funktioniert oder so und alle haben sich damit abgefunden. Okay, nein natürlich nicht. Bei der TEAG (“Test AG”) haben sie unter der Leitung des Forschers Hannon Fuller einen Simulator gebaut – der namensgebende Simulacron-3. In ihm wurde eine virtuelle Stadt erschaffen, bevölkert von mehreren tausend Charakteren, die der echten Welt zum verwechseln ähnlich sieht. Muss sie ja, schließlich möchte man Daten sammeln, um darauf basierend Entscheidungen in der Realität zu treffen. Eine Ablösung für die Marktforscher quasi, die das nicht so dufte finden. Entsprechend setzen sie alles daran die offizielle Inbetriebnahme zu stoppen.

Die Wissenschaftler können die Geschehnisse in der Welt dabei nicht nur an ihren Bildschirm und über Auswertungen verfolgen, sondern auch selbst darin eintauchen. Dies kann auf verschiedene Arten passieren. Die einfachste ist als Zuschauer in einen Körper zu schlüpfen (=man sieht aus den Augen der Person). Die nächste Stufe ist eine empathische Verbindung aufzunehmen (=ihr spürt Gedanken, Gefühle, etc.). Und die radikalste Variante ist es vollständig als Charakter in die Welt einzutauchen (=die Telefonsituation).

Während Fuller ganz der Forscher ist und den Simulator zur Besserung der Menschheit verwenden möchte, hat der Chef der TEAG eher wirtschaftliche Interessen und möchte das Gerät zum Geldscheffeln und Machtausbau ausbeuten. Entsprechend haben sich die beiden in den Haaren bis eines Tages Fuller plötzlich durch einen Unfall stirbt. Die Geschichte beginnt auf der Party anlässlich der Ernennung seines Nachfolgers, Douglas Hall. Dieser trauert um seinen Kollegen und amüsiert sich eher wenig bis plötzlich der Sicherheitschef von TEAG, Morton Lynch, reinstürmt und unbedingt mit ihm reden möchte. Er faselt etwas davon, dass Fuller ermordet wurde, weil er hinter ein großes Geheimnis gekommen ist. Bevor Lynch jedoch Douglas genaueres erzählen kann, verschwindet dieser einfach – und niemand außer Douglas kann sich plötzlich mehr an ihn erinnern. Es ist der Beginn von Halls Reise hinter den Spiegel. Immer mehr Dinge fallen ihm auf, die irgendwie nicht zusammenpassen. Er fängt an die Realität in Frage zu stellen und zu vermuten, dass er selbst Teil eines Simulators ist. Und – es ist nicht wirklich ein Spoiler – natürlich hat er recht. Außerdem bekommt er plötzlich häufiger Kopfschmerzen und Schwindelanfälle. Was sich dahinter verbirgt verrate ich aber nicht :smile: .

Beim Christoph meint: Von mir gibt es 3 von 5 Sics. Ich wollte ursprünglich vier Sics geben aber im letzten Drittel fällt die Qualität massiv ab. Gefühlt wollte der Autor unbedingt die Sache noch dramatischer werden lassen. Im Ergebnis leidet die Erzählung hingegen am plötzlichen Anstieg von abstrusen Szenarien statt einfach zügig zum Ende zu kommen. Unabhängig davon lässt sich die erste Hälfte des Buches unter dem Begriff “Was ist real?” zusammenfassen, während die zweite unter der Überschrift “Was macht das Wissen nicht real zu sein mit einem?” steht.

Als Leser erlebt man Halls stetigen Abstieg in die absolute Paranoia, die darauffolgende verzweifelte Erkenntnis , dass er Recht hatte und abschließend die Hoffnungslosigkeit, dass das Leben offensichtlich keinen Sinn hat. Bis zu besagtem letztem Drittel eine spannende Erzählung. Und zwar auch dann, wenn man den Twist bereits kennt. Das Interessantere ist zu erfahren wie er es herausfindet und damit umgeht. Und in der heutigen Zeit, in der selbst normale Leute mit Begriffen wie “Sheeple” und “Aufwachen” um sich werfen, ist der Roman vermutlich aktueller denn je – nur vermutlich aus den falschem Gründen.

Der Fernsehfilm

Simulacron-3 wurde seit seiner Veröffentlichung bereits zweimal verfilmt. Von Josef Rusnak kam 1999 (ein paar Monate nach The Matrix – schlechtes Timing) The Thirteenth Floor* in die Kinos. Er soll wohl nicht wirklich gut sein und zudem stark von der Vorlage abweichen. Habe ihn aber noch nicht selbst gesehen. Dafür aber die deutsche Verfilmung:

(Cover)

Welt am Draht* (1973, zweiteiliger Fernsehfilm, DV) – Das Multitalent Rainer Werner Fassbinder (Regisseur, Schauspieler, Drehbuchautor, Komponist, etc.) steckt hinter diesem Machwerk und es hat lange gedauert, bevor es wieder zugänglich wurde. Erst 2010 gab es eine Restaurierung und eine damit einhergehende Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray. Davor kam er nur sehr, sehr selten mal im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Grundsätzlich ist die Geschichte sehr nah an der Vorlage und folgt dieser weite Strecken sogar dialog-genau. Zwar wurden die Namen eingedeutscht – so heißt Douglas Hall z.B. im Film Fred Stiller und Hannon Fuller ist jetzt Henry Vollmer. Aber Leser finden sich sofort zu recht. Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto größer werden allerdings die Abweichungen. Die ganze Sache mit den Meinungsforschern kommt zum Beispiel nur am Rande vor, entsprechend fehlen einige Nebenschauplätze aus dem Buch. Außerdem ist die Welt “normaler”. SciFi-Elemente wie Laserwaffen oder fliegende Auto gibt es nicht – dafür aber ein Tastentelefon, welches erst drei Jahre später auf den deutschen Markt kam. Die größte Änderung dürfte aber der Weg zum Finale sein, den wie oben erwähnt der Autor (aus meiner Sicht) unnötig in die Länge gezogen hat. Fassbinder hingegen hat den ganzen Kram einfach rausgelassen. Und das tut dem Film definitiv sehr gut, denn die Geschichte ist nicht sonderlich action-geladen und für heutige Aufmerksamkeitsspannen eher langatmig erzählt. Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren war entsprechend die richtige Entscheidung.

Beim Christoph meint: Von mir gibt es 4 von 5 Sics. Ich habe tatsächlich zuerst den Zweiteiler gesehen und mir dann aus Interesse das Buch geholt. Nachdem ich nun beides erfahren habe, kann ich festhalten: Ich finde Fassbinders Interpretation besser als das Original. Zwar leidet der ein oder andere Erzählstrang darunter, dass die Detailtiefe fehlt (Stichwort Meinungsforscher und das dazugehörige Finale vor dem Sitz der Firma). Aber unterm Strich profitiert die Geschichte sehr davon, dass das ganze “Fett” weggeschnitten wurde (vor allem das erwähnte letzte Drittel des Buches) und stattdessen ganz und gar Halls bzw. Stillers Reise im Mittelpunkt steht.

Ich finde auch genial, wie Fassbinder und sein Team den Film in Szene gesetzt haben. Trotzdem, dass die offensichtlichen SciFi-Elemente der Vorlage fehlen, wirkt das Werk von Anfang an befremdlich und komisch. Passt logischerweise perfekt zum Thema und lässt auch den Zuschauer sich fragen ob das jetzt real ist oder nicht. Das liegt jedoch weniger am Setdesign, welches zwar hier und da etwas abgefahren ist aber insgesamt doch größtenteils zu den 60iger/70iger Jahre passt. Stattdessen ist es eher die schauspielerische Leistung (im positiven Sinn), die teils befremdlich wirkt sowie die Kameraeinstellungen. Lysanda und ich hatten sogar zuerst die Vermutung, dass Stiller in einer Welt voller Roboter lebt, so unwirklich und apathisch kommt die Beförderungsfeier daher. Sehr coole Sache und definitiv ein Film, den ich Cyberpunk-Fans ans Herz legen kann. Erwartet nur wie gesagt keine beeindruckende Kung-Fu-Schlacht. Es ist ein Charakterfilm, kein Actionstreifen.

(Cover)

Angekündigt und gleich umgesetzt: Sonntagabend flimmerte der Dokumentarfilm Herz des Himmels, Herz der Erde* (2011) über den Bildschirm – und die Enttäuschung ist groß. Wie meinte Lysanda zwischendurch? Wenn wir den zuerst gesehen hätten, hätten wir vermutlich Aware – Reise in das Bewusstsein gar nicht erst in Erwägung gezogen.

Der Inhalt

Die Regisseure Frauke Sandig und Eric Black begleiten einige Maya im mexikanischen Chiapas und dem anliegenden Guatemala. Wie in Aware gibt es keine Kommentare und keine Erzähler. Stattdessen kommen erneut nur die Protagonisten zu Wort unterlegt mit eindringlichen Bildern und säuselnder Musik. Ungefähr die erste Hälfte des Films erfährt der Zuschauer etwas über die Geschichte und die Mythologie der Maya. Dabei kommen vor allem Maya aus den verschiedenen Völkern zu Wort, die versuchen das alte Wissen zu erhalten und weiter einzusetzen.

Die zweite Hälfte beschäftigt sich dann vor allem mit den Ungerechtigkeiten unter denen die heutigen Maya (wie leider gefühlt die meisten indigenen Völker auf der Welt) leiden müssen: Die gezielte Abschlachtung ihrer Eltern und Großeltern während des Guatemaltekischen Bürgerkriegs, die Flucht der Überlebenden nach Mexiko und ihr schweres Leben dort aufgrund der Ausbeutung von Mensch, Tier und Landschaft durch Großkonzerne (billiger Gen-Mais, Goldabbau und so) und noch viel mehr.

Beim Christoph meint: So leid es mir tut es sagen zu müssen, aber die 1 1/2 Stunden (erneut nur Originalton mit Untertiteln) zogen sich hin wie Molasse. Das ist weniger dem Inhalt geschuldet. Es war schon interessant mehr über die Maya und ihren Problemen zu erfahren (wobei der Fokus klar auf dem Spirituellen lag). Aber dieser Inhalt wurde viel zu sehr in die Länge gezogen. Was ich in Aware als “Denkpausen” bezeichnet hatte, ist hier eine unendliche Langeweile ohne gefühlten Mehrwert. Und so vorbildlich es ist die Leute einfach reden zu lassen – auch hier wäre Mut zu dem ein oder anderen Schnitt vielleicht vorteilhafter gewesen.

Unser größtes Problem mit dem Werk ist allerdings, dass wir überhaupt keinen Zusammenhang mit Aware sehen. Es mag vielleicht aus Sicht der Filmschaffenden eine Trilogie sein, weil bei allen Werken Frauke Sandig und Eric Black die Zügel in der Hand haben. Aber inhaltlich könnten beide Dokumentationen nicht weiter voneinander entfernt sein. Meine Vorfreude auf das dritte Werk ist entsprechend jetzt sehr gedämpft. Keine Empfehlung.

Die deutsche Medienlandschaft (Symbolbild)

Der Rundfunkbeitrag. Ich bin nicht grundsätzlich dagegen. Ich sehe durchaus einen tieferen Sinn in (leider nur theoretisch) quoten-unabhängigen Sendern und wir nutzen auch den Anteil des Programms, den wir persönlich für wertvoll und zielführend halte (z.B. Nachrichten oder Dokumentationen). Was mir nicht passt ist zum einen die Menge an Sendern (lt. Wikipedia: 21 TV-Sender und 73 Radio-Sender) mit den dazugehörigen Personalstrukturen und zum anderen so einige der finanzierten Programme.

So viel gefühlter Mist, der Geld kostet

Die Menge an Sendern ist natürlich historisch bedingt. Die Alliierten wollten nach dem 2. Weltkrieg sicherstellen, dass sich kein Staatsfernsehen entwickelt (aus Sicht einiger Bevölkerungsteile ohne Erfolg), deshalb hat jedes Bundesland seine eigene Sendeanstalt bekommen. Aber trotzdem könnte man vor allem bei den Radiosendern definitiv mittlerweile mal massiv zusammenfassen. Legt man Sender wie Bayern 3, hr3 oder SWR 3 nebeneinander, dann unterscheiden die sich allerhöchstens in Details. Der Rest ist (vor allem morgens) der gleiche hirnlose Quatsch mit den immer und immer gleichen Liedern und nur einem leichten, wenn auch wichtigen regionalen Touch.

Im Fernsehen hingegen: Warum muss jeder öffentlich-rechtliche Nischensender seine eigene Quiz-Sendung machen? Seine eigene Wissensendung? Seine eigene gelangweilte-Hausfrauen-am-Nachmittag-Info-Sendung? Seine eigene Was-weiß-Ich-Sendung? Da würde ich mir mehr Kooperation inkl. dazugehöriger Reduktion und weniger Konkurrenz wünschen. Beim Tatort (für mich auch eins der fragwürdigen Programme) funktioniert das doch offensichtlich wunderbar (es wird sich bei der Produktion der Folgen abgewechselt). Immerhin scheinen sich die Inhalte des NDR (machen die besten Dokus von allen) mittlerweile bundesweit weiter zu verteilen.

Gleichzeitig fällt durchaus auf, wenn plötzlich irgendein Thema auf allen Kanälen verarbeitet wird. Was die getrennten Berichterstattungen für mich mitunter sogar noch schwachsinniger macht. Zielgruppengerechte Aufbereitung? Dann gerne verschiedene Sendungen zum gleichen Thema. Aber ansonsten? Braucht doch niemand mehrere Sendungen dazu.

Die deutsche Medienlandschaft ist zu gleichförmig. (Symbolbild)

Und dann wäre da noch das Internetprogramm. Namentlich dürfte den meisten vermutlich der Kram von funk auf YouTube schon begegnet sein. Da ist – wie in Radio und Fernsehen – durchaus viel Gutes dabei, keine Frage. Gleichzeitig wird aber auch hier aus meiner Sicht ein Haufen absoluter Mist finanziert, der mir die Hutschnur hochgehen lässt. So viele Ego-Trips von ahnungslosen Leuten, die vermutlich nicht einmal wissen wie man “seriöser Journalismus” schreibt – das geht auf keine Kuhhaut (ich rede z.B. von Y-Kollektiv, STRG_F oder die vielgelobte maILab). Wenn das Zielgruppengerecht sein soll, dann stelle ich mich wohl mit in die Reihe der alten Säcke die über die fragwürdige Qualität der heutigen Jugend klagen. Andererseits: Was will man auch erwarten in einer Zeit, in der Journalisten nicht mehr anständig bezahlt und schon gar nicht ausgebildet werden. Dafür wäre der Rundfunkbeitrag definitiv besser aufgehoben statt die 500. Dokumentation über Hitlers fünften Cousin dritten Grades auf phoenix zu finanzieren. Letzteres machen die privaten Sender zwar ebenfalls gerne, macht die Situation aber eher noch schlimmer als besser.

Äußerliche Zwänge

Gleichzeitig ist es einfach eine Sauerei, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk z.B. faktisch gezwungen ist einem fragwürdigen Verein wie der FIFA Millionen von Euro (214, um genau zu sein) in den Rachen zu werfen, weil sie nach Medienstaatsvertrag die Deutschland-Spiele zeigen müssen. Das geht mir massiv auf den Zeiger – und zwar zu jeder EM oder WM. Ethisch fragwürdige Fälle wie Katar sind da nur die Spitze des Eisbergs. Ja, Sport im Fernsehen zu zeigen ist gut und richtig – vor allem für den jeweiligen Sport und dessen Athleten. Aber sich dafür ausnehmen lassen zu müssen ist eine Sauerei.

Außerdem stehen die Sendungen, die mit MEINEM Geld produziert wurden, nicht 24/7 zur Verfügung. Die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen sind theoretisch eine echte Goldgrube an gutem Programm aber leider sind sie gezwungen einen Großteil der Inhalte 7-30 Tage nach der Ausstrahlung wieder zu entfernen. Das macht nicht nur den dazugehörigen Diskurs kaputt (es gibt keinen Zugriff mehr auf die Kommentare), es verbannt auch viele gute Inhalte für immer in die Archive. Sie dürfen ja erst wieder bereitgestellt werden, wenn sie erneut ausgestrahlt wurden. Und im Gegensatz zum Internet ist der Platz im Fernsehen nun einmal begrenzt (auch wegen den 10.000 Quiz-Sendungen…).

Und warum dieser Blödsinn? Na, damit die lieben Wettbewerber egal ob Print, Radio oder Fernsehen nicht benachteiligt werden. Schließlich müssen die ihre Produktionen ja unter marktwirtschaftlichen Bedingungen produzieren und kriegen das Geld dafür nicht wie die öffentlich-rechtlichen einfach “in den Arsch geblasen”. Auf dem Papier eine total nachvollziehbare Sache. Für mich als Zuschauer/Hörer/Leser im Ergebnis aber trotzdem der absolut totale Schwachsinn. Da bezahle ich schon für die (meist) höhere Qualität, darf sie aber nicht nutzen, weil es angeblich “marktgefährdend” ist. Na sauber.

Das eigentliche Thema

(Poster)

Mist, jetzt habe ich 1 1/2 Seiten über die Situation im öffentlich-rechtlichen Rundfunk geschimpft. Sollte eigentlich nur eine Einleitung werden. Stattdessen wollte ich euch von der Dokumentation Aware – Reise in das Bewusstsein erzählen, die noch bis 25.10.22 in der ZDF Mediathek (warum braucht jeder Sender seine eigene?!) zur Verfügung steht.

Das Werk der Regisseure Frauke Sandig und Eric Black wurde u.a. finanziert von einigen europäischen öffentlich-rechtlichen Sendern und kommt im Originalton mit dt. Untertiteln daher. Letzteres störte mich nicht sonderlich, da die meisten der Forscherinnen und Forscher Englisch sprechen. Ist aber natürlich trotzdem eine unnötige Hürde für den ein oder anderen Zuschauer.

Inhaltlich geht es – wie der Name schon nahelegt – um das Bewusstseins: Was ist es? Woher kommt es? Wer hat eines? Und so weiter und so fort. Zu Wort kommen sechs Forscherinnen und Forscher: Hirnforscher Christof Koch, buddhistischer Mönch (mit Doktortitel) Matthieu Ricard, Drogenforscher Roland Griffiths, Biologin Monica Gagliano, Philosoph Richard Boothby und Maya-Heilerin Josefa Kirvin Kulix. Ihre Erzählungen bestimmen den Film. Einen Kommentator oder Erzähler gibt es nicht. Geführt wurden die Interviews an verschiedenen Orten, um visuelle Abwechslung reinzubringen. Zusätzlich zeigt Frauke Sandig die Arbeit und das Arbeitsumfeld und erlaubt dem Zuschauer ab und an eine (gefühlt sehr langatmige) Denkpause mit Hilfe von… ja, fast schon psychedelischen Aufnahmen von Meeren, Wäldern und anderen hübschen Landschaften.

Zwei Highlights

Jeder der Wissenschaftler betrachtet das Thema Bewusstsein aus einer völlig anderen Richtung mit sehr interessanten Ergebnissen. Wir fanden besonders die Arbeit von Roland Griffiths und Monica Gagliano extrem spannend. Griffiths nutzt in seinen Studien/Experimenten Psychedelika (=bewusstseinsverändernde Drogen) und schaut sich dabei die Vorgänge im Gehirn seiner Probanden an. Klingt nach einer sehr schrägen Sache aber die Probanden scheinen extrem begeistert davon zu sein. Sie bezeichnen das Erlebnis (eine 6-Stunden-Sitzung in einem MRT) als eins der wichtigsten in ihrem Leben, das ihr Denken mehr oder weniger stark verändert hat. Würde ich definitiv auch gerne mal mitmachen, wenn das so genial ist. Die Forschung findet aber leider (wie so oft) in den USA statt.

Auf Vögel konditionierte Katzen.

Monica Gagliano konzentriert sich hingegen nach einem einschneidenden Erlebnis mit Fischen (sie ist ein absoluter Tierfreund) derzeit auf die biologische Intelligenz von Pflanzen. Dabei hat sie herausgefunden, was jeder liebevolle Gärtner schon immer wusste: Pflanzen haben mehr Gehirn als wir bislang dachten. Schlechte Nachrichten für Vegetarier und Veganer, die ja nichts mit Bewusstsein essen wollen. Die müssen jetzt wohl verhungern. Thematisiert werden im Film dahingehend zwei Experimente, beide mit Erbsen.

Im ersten Versuch sitzt die Pflanze in einem Topf, der sich unten in zwei Bereiche aufteilt. Auf der einen Seite ist Wasser, auf der anderen Seite nicht. Das überraschende Ergebnis: Die Wurzeln der Erbse wachsen nur zum Wasser hin. Sprich die Erbse weiß ganz genau, dass es dort ist. Und zwar, weil sie es hört, wie die nächste Stufe des Experiments zeigte. So wurde das Wasser einfach durch einen Lautsprecher ersetzt, der nur das Geräusch von Wasser abspielte. Und siehe da: Die Wurzeln fanden erneut zielgerichtet ihren Weg.

Der zweite Versuch war die Durchführung des berühmten Experiments Pawlowscher Hund. Zur Erinnerung: Iwan Petrowitsch Pawlow hatte Hunde solange trainiert bis sie den Klang einer Glocke mit Futter in Verbindung brachten. Anschließend reichte schon die Glocke dazu aus, dass der Hund das Sabbern anfing obwohl noch gar kein Futter in Sicht war. Und genau das hat Gagliano mit der Erbse gemacht. Statt einer Glocke nutzte sie einen Ventilator und die Belohnung war blaues Licht, das gleichzeitig anging. Die Pflanze drehte sich anschließend in die Richtung des Lichts. Nach nur drei Tagen (!) Konditionierung blieb das Licht aus und trotzdem hat sich die Pflanze wieder in die bekannte Richtung gedreht, sobald der Ventilator anging. Absolut krass und hätte ich nicht erwartet, obwohl mir bekannt war, dass z.B. die Bäume im Wald miteinander kommunizieren und sich untereinander helfen.

Beim Christoph meint: Es ist schade, dass es keine Synchronisation gibt und die ein oder andere “Pausen”-Sequenz hätte ruhig etwas gekürzt werden können. Aber dennoch eine äußerst interessante und handwerklich gut gemachte Dokumentation. Sie beantwortet keine der Fragen, die gestellt werden. Schlicht und einfach, weil die Wissenschaftler bislang einfach weder eine Antwort haben noch sich überhaupt auf irgendeiner Ebene so richtig über die Grundzüge einig sind. Sie gibt aber einen spannenden Einblick in die verschiedenen Forschungsrichtungen und regt zum Nachdenken und diskutieren an.

Ich gehe zum Beispiel davon aus, dass ein Stein vermutlich ebenfalls ein Bewusstsein hat. Meine Begründung war einfach nur naiv zu sagen, dass bestimmt alles “Natürliche” eines besitzt. Lysanda stellte dann die Gegenfrage was dann bei der Verarbeitung des Steins passiert. Teilt sich sein Bewusstsein in mehrere Teile auf, wenn er zersplittert? Und ab wann ist es etwas nicht mehr natürlich? Ist ein Auto nicht mehr “natürlich”, nur weil die “Inhaltsstoffe” durch uns Menschen verarbeitet wurden? Und wenn ja, was ist mit dem Affen, der einen Stein zuspitzt? Ist der Stein dann ebenfalls nicht mehr natürlich? Alles Fragen, auf die ich logischerweise keine Antwort hatte. Es regte aber definitiv unser beider Gehirnstübchen an :smile: . Und bei den besten Dokumentationen lernt man aus meiner Sicht nicht nur was, sondern denkt auch darüber nach.

Von unserer Seite also eine klare Empfehlung sich das Werk mal anzuschauen. Gut investierte Zeit (und Rundfunkbeiträge). Laut der dazugehörigen Webseite ist es der zweite Film in der “Herz des Himmels, Herz der Erde”-Trilogie. Entsprechend werden wir uns wohl oder übel :wink: mal den gleichnamigen, ersten Film anschauen. Praktischerweise steht er auch gerade in der ZDF Mediathek zur Verfügung (noch bis 23.12.2022). Es steht dem also nichts im Wege. Die dritte Dokumentation ist hingegen noch in der Produktion.

Animal Crossing; New Horizons (Herstellerbild)

Ungefähr vier Monate hat es dieses Mal nur gedauert bis meine Animal Crossing-Sucht tatsächlich schon wieder vorbei war. Technisch gesehen ging es sogar noch etwas schneller, weil ich bereits gegen Ende nur noch aus Pflichtbewusstsein die täglichen Aufgaben erledigt habe und nicht viel mehr auf meiner Insel machte.

Hauptgrund dürfte mein Erfolg auf dem Rübenmarkt gewesen sein – quasi dem ins Spiel integrierten Cheatcode. Als ich ein paar Mal so richtig abgesahnt hatte (“Großer Spike”), mit den gesammelten Millionen alle Kredite bei Tom Nook abbezahlen konnte und trotzdem noch genug Sternis im Bankkonto habe, um mir alles leisten zu können, war die Luft definitiv raus. Ja, ich könnte noch die Museums-Sammlung fertig stellen (bislang nur die Fossilien abgeschlossen) und meine Insel auf fünf Sterne (aktuell bei vier) aufmotzen. Aber als ich aufgrund unserer Dienstreise Mitte August zwei Tage nicht ins Spiel schauen konnte, entschied sich mein Gehirn anschließend, dass es nun genug mit dieser Arbeitsbeschäftigungsmaßnahme ist – und ich stimme ihm natürlich voll zu :smile: .

Gleichzeitig hatte ich damit sogar mal für ein paar Wochen komplett mit dem Spielen aufgehört. Die Luft war schon die Wochen davor aus diversen Gründen irgendwie ziemlich raus. Nach dem Wegfall von Animal Crossing: New Horizons* blieb entsprechend nichts mehr übrig. Diese vollständige Abstinenz wurde tatsächlich erst vergangenen Montag durch 2-3 Level Super Mario 3D World + Bowser’s Fury* und am Samstag mit 1-2 Stunden Metro Exodus* (endlich Gebiet #1 erledigt) durchbrochen.

Mal schauen ob ich so langsam wieder zurück in den “Groove” finde. Wäre zwar grundsätzlich nicht schlimm, wenn nicht – gibt ja sonst noch genug zu tun (Lesen, Filme/Serien, am/im Haus arbeiten, etc.). Aber mit dem Kaufen von Spielen habe ich in der Zeit nicht aufgehört. Landete weiterhin (fast) jedes Bundle von Fanatical und Humble Bundle in meinem Warenkorb plus dem ein oder anderen zu verlockendem Angebot auf Steam (~60 neue Einträge seit 15.08.). Und damit muss ich doch mehr machen als nur einen Eintrag in einer ewig langen Excel-Tabelle vornehmen, oder? *verzweifelt* ODER?! :sad: Bin wohl doch nur noch ein Hobby-Buchhalter…

Radikaler Themenwechsel

Apropos Filme/Serien: Nach dem (wahnsinnig traurigen) Finale von The Big C musste natürlich was Neues her für das (unregelmäßige) abendliche “auf der Couch herumlümmeln”. Und statt zum Ausgleich nach etwas Fröhlichem wie einem Anime oder einer Komödie zu greifen, habe ich Chernobyl* eingelegt – die fünfteilige Miniserie von 2019.

Das Unglück von 1986 fasziniert mich schon seit… ja, mittlerweile Jahrzehnten. Meine Vermutung ist, dass es mit der Lektüre von Gudrun Pausewangs Jugendroman-Klassiker Die Wolke* von 1987 begonnen hat. Sie hatte das Werk direkt als Reaktion auf das Desaster in Tschernobyl verfasst und ihn sogar in der Nähe meiner alten Heimat angesiedelt (ein Super-GAU im AKW Grafenrheinfeld). Auch wenn ich viele der darin enthaltenen Anti-AKW-Ansichten heute nicht mehr ganz so unterschreiben würde: Die Geschichte an sich ist immer noch krass. Aber nichts ist bekanntlicher krasser als die Realität und diese wird in Craig Mazins Serie so unverblümt dargestellt wie selten.

Eine beklemmendes Werk

(Cover)

Wie der Name Chernobyl schon andeutet, geht es um die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Die Serie erzählt relativ realitätsgetreu “Highlights” des Unglücks und seinen Folgen hauptsächlich aus der Perspektive von Walerie Legassow (Wissenschaftler und Mitglied der Tschernobyl-Kommission) und Boris Schtscherbina (Leiter der Tschernobyl-Kommission). Ein besonderer Fokus liegt logischerweise auf den Momenten direkt vor und nach der Reaktorexplosion. Die ganze letzte Folge ist beispielsweise nichts anderes als eine genaue Rekonstruktion der Ereignisse umrahmt von einer Gerichtsverhandlung (an der Legassow in der Realität nicht teilnahm). Aber auch andere wichtige Momente werden zumindest kurz gezeigt: Das Säubern der Zone durch die Liquidatoren (mit Fokus auf das Kraftwerkdach und der Tierwelt), der Einsatz der drei Taucher (retteten damals Eurasien vor der ultimativen Katastrophe), der Bau eines Schachts unter dem Kraftwerk durch Minenarbeiter und noch einiges mehr. Dazwischen haufenweise Lug und Betrug durch alle Beteiligten, nur um zu gefallen, nicht schlecht da zu stehen und/oder nicht erschossen zu werden. Mit der entsprechenden Konsequenz, dass am Ende alles nur schlimmer wurde. Wenn ich mir die Welt so anschaue, haben wir uns in der Hinsicht bis heute nicht geändert – im Kleinen wie im Großen…

Beim Christoph meint: Die Serie bekommt von mir uneingeschränkte 5 von 5 Sics. Mein einziger echter Kritikpunkt ist, dass sie viel zu kurz ist. So viele interessante Ereignisse, die trotz fünf Stunden Zeit, wenn überhaupt nur gestreift werden. Ansonsten haben Drehbuchautor Craig Mazin und Regisseur Johan Renck wirklich fantastische Arbeit geleistet und das Unglück für den Zuschauer greifbar und verständlich auf den Bildschirm gebracht. Das führt zwar zu der ein oder anderen historisch nicht ganz so korrekten Situation (wie besagter Monolog von Legassow im Gericht), aber im Sinne der besseren Erzählung ist das absolut verschmerzbar. Im Ergebnis erwartet den Zuschauer ein bedrückendes aber bildgewaltiges Werk über ein einschneidendes Ereignis, das das Leben vieler Millionen Menschen dauerhaft verändert hat. Nicht nur eine klare Empfehlung, sondern aus meiner Sicht sogar ein absolutes Pflichtprogramm.

Weiterführende Lektüre

Wer sich nach dem Genuss der Serie noch tiefer in die Materie einarbeiten will, dem lege ich Chernobyl 01:23:40* von Andrew Leatherbarrow ans Herz. Es ist die – zumindest soweit mir bekannt – detaillierteste, akkurateste und selbst für “Normalos” verständliche Erklärung des Desasters und seinen Folgen. Und wenn ihr dann noch nicht genug habt, dann lest Voices of Chernobyl*. Wie der Name schon andeutet, kommen darin haufenweise Zeitzeugen zu Wort und erzählen ihre Sicht der Ereignisse. Beide Werke stehen soweit ich weiß nur auf Englisch zur Verfügung.

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