Gar nicht so einfach in Ruhe eine Serie/einen Film zu schauen, wenn bestimmte Katzen wie auf 180 durch das Haus jagen – inkl. der großen Gefahr, dass sie (bewusst oder unbewusst) etwas herunterschmeißen. Ja, ich schaue dich an Maya, du kleiner Wirbelwind. Aber gut: Irgendwie haben wir es am Samstag dann doch geschafft das Finale der folgenden Serie halbwegs in Ruhe zu erleben:

Cover

Orphan Black (2013-2017; 50 Episoden [5 Staffeln] á 45 Minuten, DV) – Schon allein aus technischer und schauspielerischer Sicht ist dieses Canadisch-Amerikanische Werk beeindruckend. Im Verlauf der fünf Staffel schlüpft die Hauptdarstellerin Tatiana Maslany in die Rolle von insgesamt 13 Charakteren (plus ein Voice Over) – fünf davon sind Hauptfiguren, kommen also in fast jeder Folge vor. Und es ist nicht gerade selten, dass sie mehr als nur zweimal auf dem Bildschirm zu sehen ist. Und nicht nur zu sehen: Sie interagiert auch physisch mit sich selbst. Ab Staffel 2 kommt noch Ari Millen dazu, der im Verlauf in die Rolle von sechs Charakteren schlüpft. Will gar nicht wissen wie viel Aufwand das war jede Szene x-Mal zu filmen, um dann am Computer alles zusammenzuflicken. Als Zuschauer merkt man auf jeden Fall überhaupt nichts davon und so soll es ja sein.

Und Hut ab vor Tatiana, die wirklich jede der 13 Rollen einzigartig macht. Ja, sie unterscheiden sich optisch teilweise sehr stark. Aber es ist wirklich das Schauspiel, das beeindruckt. Wenn sie Sarah Manning spielt, ist sie einfach ganz anders als wenn sie in die Haut von Alison Hendrix schlüpft. Sie spricht anders und bewegt sich anders. Richtig genial. Das geht sogar so weit, dass ich mir beim Auftauchen von Krystal Goderitch in Staffel 3 erst mal unsicher war, ob es tatsächlich ein weiterer Klon ist oder doch eine andere Schauspielerin. Schon deshalb lohnt sich ein Blick auf diesen SciFi-Thriller. Die beeindruckende Technik allein hält einen aber natürlich nicht bei der Stange. Also worum geht’s überhaupt?

Die Geschichte

Orphan Black (BBC America-Promobild)

Die zentrale Figur ist die Waise Sarah Manning. Sie ist eine draufgängerische Kleinkriminelle und hat eine junge Tochter, die bei ihrer eigenen Pflegemutter lebt. Als sie nach langer Zeit mal wieder in ihrer Heimatstadt am Bahnhof ankommt, wird sie Zeuge eines Suizids. Sie stiehlt die Tasche des Opfers Elisabeth Childs und stellt fest: Die sieht ja fast genauso aus wie ich. Und was macht man als Kriminelle in solch einer Situation? Nicht nur die Tasche ausräumen, sondern planen alles zu stehlen was die Dame besitzen könnte. Keine gute Idee, denn dadurch schlittert sie geradewegs hinein in eine große Intrige rund ums Klonen, genetische Verbesserungen und religiösem Fanatismus. Hätte sie doch nur die Brieftasche gestohlen…

Sie erfährt, dass sie nicht nur ein Klon ist, sondern ein Klon mit eigenem Kind während die anderen Unfruchtbar sind. Das macht sie für die Wissenschaft natürlich besonders interessant. Also gerät sie widerwillig immer tiefer in die Sache hinein. Zusammen mit den anderen Klonen Alison und Cosima setzt sie deshalb notgedrungen die Suche nach der Wahrheit und ihrem eigenen Ich fort, während gefühlt die ganze Welt gegen sie ist.

Kontraste

Orphan Black (BBC America-Promobild)

Orphan Black ist nichts für Zartbesaitete. Es geht nicht gerade zimperlich zu. Im Verlauf der fünf Staffeln wird viel Blut vergossen und viele sterben brutal. Und auch auf der psychologischen Seite hält sich die Geschichte rund um Moral und Ethik in Bezug auf das menschliche Klonen nicht großartig zurück. Was aber nicht heißt, dass alles total düster und depressiv ist. Es gibt sie, die humorvollen Momente und etwas weniger tragische Nebenstränge, die gleichzeitig den Kontrast zwischen den einzelnen Klonen weiter verstärken. Während Cosima die neugierige, lesbische Wissenschaftlerin ist, kämpft Alison als Mutter von zwei Adoptivkindern mit den alltäglichen Problemen ihres typisch amerikanisch Idyll-Vorstadtlebens.

Anfangs wirken diese parallelen Erzählungen ein wenig fehl am Platz in Bezug auf die Haupthandlung, doch die Autoren schaffen es immer diese Stränge auch wieder zurück zu führen. Es dauert mitunter etwas, führt aber dafür oft zu der ein oder anderen überraschenden Wendung und erhöht die Spannung. Gleichzeitig sind sie eine perfekte Gelegenheit die Charaktere besser kennen zu lernen, damit sie einem noch stärker ans Herz wachsen. Man soll ja bei den fiesen Cliffhängern besonders stark mitfiebern.

Beim Christoph meint: Von mir gibt es 5 von 5 Sics. Die Serie ist eine klare Empfehlung für alle, die es etwas spannungsgeladener mögen. Während die technische und schauspielerische Leistung beeindruckend ist, ist es am Ende die Geschichte, die mich bei der Stange hält. Sie regt nicht nur zum Nachdenken an, sondern ist durchweg abwechslungsreich und spannend erzählt. Man will immer erfahren wie es mit Sarah und ihren Schwestern weitergeht. Welcher Stein wird ihnen wohl als nächstes in den Weg gelegt wird? Welche Klone lernen sie noch kennen? Und so weiter und so fort. Zudem führen am Ende alle Fäden zu einem befriedigenden Finale zusammen. Das ist ja leider auch nicht selbstverständlich.

Lysanda und ich haben die letzten beiden Samstage jeweils einen Katastrophenfilm geschaut. Das war tatsächlich keine Absicht. Es hat sich einfach so ergeben. Warum? Ganz einfach: Ich wollte letzte Woche einen bestimmten Katastrophenfilm endlich mal anschauen und dachte mich an den richtigen Namen zu erinnern. Stellte sich heraus, dass nicht der Gesuchte war. Also haben wir diesen Samstag das Werk geschaut, das ich eigentlich letzte Woche sehen wollte. Ihr fragt warum mir dieser Fehler nicht sofort aufgefallen ist? Nun, weil wir von zwei absolut austauschbaren Katastrophenfilmen von Roland Emmerich reden.

In beiden geht es um Klimaveränderungen, in beiden erkennen Forscher die Gefahr aber vertun sich mit der Einschätzung wann es genau zu Ende sein wird (=es passiert früher als gedacht) und die Hauptfiguren sind jeweils gescheiterte Väter, die im Laufe der Geschichte alles für ihre Familie tun, nur um es wieder gut zu machen. Ich rede von diesen beiden Werken:

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2012 (2009, DV) – 2009 wird festgestellt, dass aufgrund einer ungewöhnlich starken Sonneruption und der dazugehörigen erhöhten Strahlung sich der Erdkern aufheizt. Die Folge ist eine Kettenreaktion, die 2012 zur Verschiebung der tektonischen Platten mit allen dazugehörigen mehr oder weniger lustigen Problemen wie Erdbeben, Tornados und Überschwemmungen führt (deswegen der Titel). Mit der Welt geht es also den Bach runter und wie es sich für einen Katastrophenfilm gehört geht einiges spektakulär und auf beeindruckende Weise kaputt. Ja, es ist völlig überzogen und hier und da hat vor allem in der Mitte des Films0 das CGI-Budget nicht ganz für eine glaubwürdige Darstellung ausgereicht aber passt scho‘ :smile: .

2012 (Columbia Pictures-Promobild)

Mittendrin in Los Angeles ist unser „Held“ Jackson Curtis (John Cusack), ein erfolgloser Schriftsteller, der sein Geld als Fahrer für einen russischen Milliardär verdient und – wie oben erwähnt – ein schlechter Familienvater ist, der sich aus diversen Gründen nie richtig um seine Kinder gekümmert hat. Aber im Angesicht des Unglücks entwickelt er ungeahntes Pflichtbewusstsein und holt mit der Limousine seines Chefs seine Familie (und den neuen Partner seiner Frau) während um ihn herum die Stadt in sich zusammenfällt. Was folgt ist eine Sequenz die gleichzeitig vollkommen bescheuert und doch irgendwie genial ist. Zuerst springen sie buchstäblich mit der Limousine durch die Stadt (über Gräben, durch auseinanderfallende Hochhäuser, etc.) bevor sie zu einem Flughafen gelangen und dann ganz knapp mit einem Flugzeug entkommen während Los Angeles optisch eindrucksvoll ins Meer versinkt (hier ist das ganze CGI-Budget verschwendet worden).

Anschließend geht es auf den Weg nach China, wo die Regierungen der Welt 2009 angefangen hatten Archen zu bauen. Natürlich gibt es den ein oder anderen Rückschlag wie z.B. die Tatsache, dass das Unglück zu früh einbricht und noch nicht alle Archen fertig sind und natürlich ein dramatisches Finale sobald die Überschwemmung einsetzt. Gleichzeitig wird viel mit der Moralkeule geschwungen und vor allem auf die böse (amerikanische) Regierung geschimpft, die sich nicht um die normalen Leute kümmert. Aber am Ende erwartet euch selbstverständlich ein Happy End und alle (überlebenden) zweidimensionalen Charaktere haben etwas dazu gelernt, ihre Schwächen überwunden und sind wie die Erde an sich bereit für einen Neuanfang. *yay*

Beim Christoph meint: Meine Erwartungshaltung an einen Katastrophenfilm ist nicht wirklich hoch. Es muss viel optisch spektakulär kaputt gehen und die Zerstörungsorgien mit einer halbwegs soliden Geschichte verbunden sein. Das ist in 2012 eindeutig gegeben, weshalb es von mir 3 von 5 Sics gibt. Über die rund 2 1/2 Stunden Laufzeit war mir nie langweilig, weil immer irgendetwas los war und imposant kaputt ging. Und obwohl die Charaktere völlig zweidimensional ihre Klischees erfüllten, gab es doch viele nette und auch mal amüsante Momente. Allen voran natürlich Woody Harrelson als der völlig bekloppte Verschwörungstheoretiker Charlie Frost. Muss man den Film gesehen haben? Nein, absolut nicht. Aber in Sachen stupide Abendunterhaltung gibt es definitiv viele Filme, die schlechter sind. Zum Beispiel der hier:

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The Day After Tomorrow (2004, DV) – Die Polkappen schmelzen und in einem nicht näher definierten Jahr führt die dadurch entstehende Abkühlung des Meeres dazu, dass der Golfstrom aufhört zu funktionieren. Die Folge ist klar: Die Welt kühlt dramatisch schnell ab. Eine neue Eiszeit steht bevor. Der Wissenschaftler Jack Hall hat das auch vorhergesagt, ging aber davon aus, dass es noch ein paar hundert Jahre dauert. Die US-Regierung wollte davon natürlich nichts hören. Schließlich würde solche Panikmache ja nur der Wirtschaft schaden. Und selbst als alles anfängt den Bach runter zu gehen (Tornados in Los Angeles! Schnee in Neu-Dehli! Hagelschauer in Tokio!), interessiert es den amerikanischen Vize-Präsident nicht besonders. Ja, der Film ist nicht gerade zurückhaltend in Bezug auf seine „Klimawandel ist böse und die Regierung tut nichts dagegen!“-Message.

Aber dieses ganze Geschachere in Washington ist gar nicht so relevant, denn eigentlich geht es um Jack Hall (Dennis Quaid). Als Klimatologe muss er viel um die Welt reisen und konnte entsprechend nicht für seinen Sohn Sam da sein. Der wird übrigens von Jake Gyllenhaal in einer absoluten Fehlbesetzung gespielt. Ich habe keine Ahnung wer sich gedacht hat „Hey, lasst uns die Rolle eines High-School-Schülers mit einem damals 23jährigen besetzen, der aussieht wie 30 und den ganzen Film hindurch einen gelangweilten Gesichtsausdruck hat“ aber ich hoffe er wurde anschließend entlassen.

The Day After Tomorrow (20th Century Fox-Promobild)

Naja, auf jeden Fall ist Sam zusammen mit seiner Schulklasse nach New York gereist bevor die Scheiße den Ventilator getroffen hat und dort nun in der Stadtbibliothek gefangen. Erst kommt die selbst für 2004er Verhältnisse schlechte CGI-Flut, dann gefriert alles (auch die eigentlich trockenen Fliesen… Realismus pur!). Sam und seine Freunde müssen solange überleben bis Jack kommt, um ihn zu retten. Schließlich muss Jack seine jahrelange Vernachlässigung durch eine sinnlose Heldentat wieder gut machen. Übrigens eine Heldentat die – ohne zu viel zu spoilern – aus meiner Sicht überhaupt nicht nötig war und nur Menschenleben gekostet hat. Aber am Ende hat ein Kind mit Krebs überlebt (eine weitere sinnlose B-Story), die eine Hälfte der Erde ist mit Eis bedeckt, Millionen von Menschen tot und Vater und Sohn wiedervereint. Na toll.

Beim Christoph meint: The Day After Tomorrow ist nur knapp 2 Stunden lang, also kürzer als 2012 aber selbst das war schon zu viel. Ich habe mich so dermaßen gelangweilt, dass ich nur 1 von 5 Sics vergeben kann. Es war wohl eine Fügung des Schicksals, dass ich statt zu diesem Film erst zu 2012 gegriffen hatte. Für einen Katastrophenfilm geht zu wenig kaputt und wenn doch mal was kaputt geht, ist es belanglos und sieht selbst für 2004 scheiße aus. Dazwischen zu viele unterinteressantes Gelabbere von zweidimensionalen Charakteren ohne, dass es irgendjemanden wirklich weiterbringt oder ich plötzlich anfange mitzufühlen. Charakterentwicklung gleich null. Wieso der Film bei IMDB besser bewertet ist als 2012 kann ich absolut nicht nachvollziehen. Finger weg.

So viel also dazu und ihr seht: Die Verwechslungsgefahr ist groß. Hätte euch genau so passieren können, dass ihr den einen mit dem anderen verwechselt. Umso interessanter ist es, dass trotzdem die Qualität der Machwerke so weit auseinander geht. Und damit gebe ich ab bis Montag. Henry wartet!

Nein, ich habe Sailor Moon immer noch nicht komplett durch (sind ungefähr bei der Hälfte). Ist durchaus anstrengend diese Serie. So wenig Story verpackt in zu viele gleichförmige Episoden. Ja, natürlich ist das Original von 1992 komplett auf die Zielgruppe „Kinder“ ausgerichtet und das verstehe ich auch. Trotzdem ertrage zumindest ich das Ganze nur in kurzzeitigen Dosen. Zum Glück gibt es dort draußen ein schier unglaubliches Angebot an Anime-Serien unterschiedlichster Genres, die man zwischendurch einschieben kann. Darunter diese zwei Machwerke, die wir mittlerweile durchhaben:

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Death Note (2006, Anime-Serie mit 37 Episoden, DV) – Die grundlegende Geschichte dürfte bekannt sein: Es gibt ein Notizbuch. Schreibt man dort einen Namen hinein, stirbt diese Person. Unzählige Filme, Serien und Büchern haben diese Prämisse bereits genutzt und daraus spannende Geschichten gesponnen. Im Falle von Death Note gibt es mehrere solcher Bücher. Sie sind normalerweise im Besitz der Todesgötter (Shinigami) und gelangen nur selten in die Menschenwelt. Aber dem Todesgott Ryuk ist es zu langweilig mit seinen Kumpels im Jenseits Karten zu spielen, also lässt er seines mal wieder fallen. Anschließend wird es vom intelligenten und nicht weniger gelangweilten High-School-Studenten Light Yagami gefunden, der zuerst nicht an seine Wirkung glaubt aber der Neugierde nicht widerstehen kann. Er tötet also mit dem Buch seinen ersten Menschen und es beginnt eine beispielslose Mordserie, die Light damit rechtfertigt eine bessere Welt schaffen zu wollen ohne Kriminalität. Dass dabei die Polizei nicht tatenlos zusehen kann, obwohl es technisch gesehen erst einmal nur verurteilte Bösewichter trifft, dürfte logisch sein. So beginnt ein extrem spannendes Katz- und Mausspiel mit einer Person namens „L“, die Light unbedingt zur Strecke bringen möchte. Ja, ich weiß: Das ist nur die halbe Wahrheit. Aber ich will ja nichts spoilern :smile: .

Death Note (Herstellerbild)

Als Zuschauer weiß man natürlich von Anfang an was Sache ist und wer hinter dem Death Note steckt. Und ehrlich gesagt ist auch der Ausgang der Geschichte vorhersehbar obwohl ich mir sehr gewünscht habe, dass es anders kommt. Dennoch ist es äußerst reizvoll mit anzusehen, wie der Schlagabtausch zwischen Light und L abläuft. Dabei muss ich zugegeben, dass ich beide Hauptfiguren nicht besonders mag. Light ist der eingebildete Fatzke, der sich übermenschlich fühlt und seine Freundinnen schlecht behandelt. L ist ebenso alles andere als ein perfekt in die Gesellschaft integrierter Mensch. Entsprechend war es für mich weniger ein Mitfiebern wer von beiden am Ende gewinnt. Stattdessen lebt für mich die Geschichte vor allem davon zu sehen wie weit Light geht und zu erfahren was das Death Note noch alles kann bzw. welche Einschränkungen es hat (man möchte ja darüber fantasieren was man tun würde, wenn man sowas hätte). Zu sehen wie L und die Polizei vorgeht, um ihn zu schnappen sowie natürlich dem dazugehörigen „Wird er jetzt erwischt?!“ und den überraschenden Wendungen verstärkt zusätzlich den Drang weiter zu schauen. Wobei es von den Wendungen fast schon ein paar zu viele gibt. Der Serie hat einfach alles, was für mich einen guten Krimi ausmacht (siehe u.a. Michael Manns HEAT).

Beim Christoph meint: Von mir gibt es 4 von 5 Sics. Den 5. Sic gibt es ausschließlich aus persönlichen Gründen nicht. Zum einen war ich von der ein oder anderen Wendung enttäuscht, weil es aus meiner Sicht die Sache nur unnötig in die Länge gezogen hat und zum anderen hätte ich mir wirklich ein anderes Ende gewünscht (so spannend das tatsächliche Finale auch ist). Ansonsten ist die Serie wirklich erstklassige Krimiunterhaltung und eine absolute Empfehlung für alle, die es etwas spannender und düsterer haben wollen. Ich wüsste nicht, dass ich mich während dem Schauen gelangweilt hätte. Im Gegenteil sind wir durchaus das ein oder andere Mal später ins Bett, weil ich unbedingt die Auflösung des fiesen Cliffhangers noch sehen wollte :smile: .

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Assassination Classroom (2015/2016, Anime-Serie mit 47 Episoden [2 Staffeln], DV) – Eine Klasse voller angeblicher Looser (=Schüler mit schlechten Noten) irgendwo oben auf einem japanischen Berg, abgestempelt von der Schulleitung und verhöhnt von den Mitschülern im Hauptgebäude. Klingt nicht gerade aufmunternd oder gar originell. Aber sie haben einen Auftrag von der japanischen Regierung: Ihr Klassenlehrer ist ein gelbes Tentakelmonster, das angeblich den Mond gesprengt hat (zumindest zur Hälfte). Ihre Aufgabe: Ihn bis zum Ende des Schuljahres zu töten, weil er sonst die Erde zerstört. Gar nicht so einfach, schließlich kann sich das Monster mit Mach 20 bewegen und damit jedem Angriff ausweichen. Anders als bei Death Note beginnt nun aber kein Katz- und Mausspiel. Nein, Koro-Sensei wie sie das Monster nennen, bemüht sich sehr um seine Schüler und möchte, dass sie besser werden – sowohl in der Schule als auch als Menschen. Dieses ganze „Töten“ ist da nur ein weiteres Lehrmittel für ihn, um dieses Ziel zu erreichen.

In der ersten Staffel (22 Episoden) geht es vor allem darum Koro-Sensei und die einzelnen Schüler besser kennen zu lernen (und sie sich). Das funktioniert erstaunlich gut, immerhin reden wir von am Ende 28 Schülern, drei Lehrern und diversen (dreidimensionalen) Bösewichtern. Man kann sich vielleicht nicht alle Namen merken aber am Ende der Serie lässt sich festhalten, dass irgendwie alle mal zum Zug kamen, ihre Folge im Rampenlicht hatten und eine Entwicklung durchmachten. Natürlich gibt es 2-3 Schüler, die besonders herausstechen wie z.B. den intelligenten Strategen oder die begabte Wissenschaftlerin. Aber die Serie nimmt sich tatsächlich die Zeit euch alle nahe zu bringen ohne dabei irgendwie langweilig zu werden oder nach Schema F vorzugehen. Stattdessen hat selbst in der 1. Staffel jede Folge einen Mehrwert. In Staffel 2 wird dann logischerweise das Tempo erhöht. Schließlich kennt man nun die Schüler und das Ende des Schuljahrs naht. Der Fokus verschiebt sich mehr hin zu was und warum Koro-Sensei existiert, wie die ganze Situation zustande gekommen ist und wie alle Beteiligten damit umgehen.

Assassination Classroom (Herstellerbild)

Dabei ist es angenehm, dass sich die Serie nicht zu ernst nimmt. Koro-Sensei ist eben nicht das böse Monster, dass alle vernichten will. Er steht auf große Brüste, mag Süßigkeiten, kriegt zu wenig Gehalt, etc. was eine gewisse Komik in die Sache bringt. Dadurch rückt hin und wieder die eigentlich ernste Lage (die Zerstörung der Erde) in den Hintergrund und es entsteht Luft zum Atmen sowohl für den Zuschauer als auch die Charaktere ohne, dass es gleich zu einer Filler-Episode verkommt.

Beim Christoph meint: Von mir gibt es volle und uneingeschränkte 5 von 5 Sics. Ich habe immer mal wieder vom Assassination Classroom gelesen und in den Buchhandlungen etwas reingeschnuppert, fand aber die Prämisse irgendwie zu abgefahren und wusste entsprechend nicht, ob mir der Manga wirklich gefallen würde. Nachdem ich nun aber die Serie gesehen habe muss ich ganz klar sagen: Das ist der bislang beste Anime, den ich gesehen habe (und die ersten 5 Sics für einen). Er war lustig, spannend, mitreißend und einfach durchweg unterhaltsam. Umso heftiger hat mich das Serienfinale getroffen… Unbedingt Anschauen!

„Katzen und Gesundheit. Gibt es denn nichts interessanters über das der Webmaster zu berichten weiß?“ jammert Besucher A. „Doch!“, antwortet der Webmaster ihm freudestrahlend, „Über (vermutlich?) mittelmäßige Anime, die kein Schwein kennt und auch nie anschauen wird! So wie die folgenden zwei Serien:“

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Wish Upon the Pleiades (2015, Anime-Serie mit 12 Episoden, DV) – Mädchen, die offensichtlich von Sailor Moon inspiriert sind aber statt das Böse zu besiegen auf Autobesen durch den Weltraum fliegen, um Motorfragmente zu sammeln. Klingt komisch? Ist es irgendwie auch. Unser Hauptcharakter ist Subaru, die in der Schule auf vier Mädchen mit magischen Kräften sowie einem komischen blauen Ballknuddeldingsbums namens Pleiadian trifft. Dabei stellt sich zum einen heraus, dass eines der Mädchen ihre alte Kinderfreundin Aoi ist, die sie schon ewig nicht mehr gesehen hat. Und zum anderen, dass auch Subaru magische Kräfte hat und dazu bestimmt ist der Gruppe beizutreten, um die Aufgabe zu erfüllen:

Wish Upon the Pleiades (Gainax-Promobild)

Es fliegt unsichtbar um die Erde herum das Raumschiff von Pleiadian, weil der Antrieb sich in 12 Teile (später 13) aufgespalten hat. Ohne Antrieb, läuft das Raumschiff nicht nur Gefahr irgendwann auf die Erde zu fallen – Pleiadian kommt auch nicht mehr in sein eigenes Sternensystem Plejaden (deswegen der Name) zurück. Und nur die Mädchen mit ihren Motorbesen und ihren magischen Kräften können sie einsammeln. Blöd nur, dass auch ein komischer Junge, der scheinbar auf dem Mond lebt (?) sie auch haben will. Was folgt sind 12 Episoden voller (akkurater) astronomischer Informationen, fünf Mädchen die nicht nur zueinander, sondern auch sich selbst finden und eben komische Hexenbesen, die wie Autos klingen und an der Front Kühlergrills haben. Ach und gleichzeitig gründen sie an ihrer Schule zur Tarnung eine Arbeitsgruppe namens „Cosplay und Astronomie“. Ihr wisst schon: Weil sie durchs Weltraum reisen und sich (Sailor Moon-ähnlich) vor dem Losfliegen verwandeln.

Beim Christoph: Von mir bekommt die Serie solide 3 von 5 Sics. Sie macht nicht viel falsch, ist insgesamt kurzweilig gehalten und gibt trotz der kürze (12 Episoden mit 20 Minuten Laufzeit) allen Charakteren ausreichend Zeit sich weiter zu entwickeln. Sie ist zwar, was ihre moralischen Ansprüche geht teilweise etwas zu sehr auf die Nase („Wir alle verändern uns, dürfen aber keine Angst davor haben und sind trotzdem immer noch die alten“ – oder so ähnlich), was vermutlich an der Zielgruppe liegt (ist halt doch eher an Kinder gerichtet) und die Autohexenbesen haben mich massiv irritiert (schaut euch unbedingt mal auf YouTube einen Clip an oder so). Aber unterm Strich nette und vor allem auch informative Unterhaltung.

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Jormungand (2012, Anime-Serie mit 24 Episoden [2 Staffeln], DV) – Nach dem ganzen Mädchenkram, wollte ich im Anschluss mal was actionreicheres haben. Und das habe ich mit Jormungand eindeutig bekommen. Der Titel der Serie basiert auf dem altnordischen „Jörmundgandr“, hat aber aus meiner Sicht (trotz dem Zitat am Anfang) inhaltlich gar nichts mit der dazugehörigen germanischen Mythologie zu tun. Kann natürlich nicht ausschließen, dass ich etwas übersehen habe…egal.

In der Serie (und im Manga logischerweise) geht es um den Kindersoldaten Jonathan „Jona“ Mar, der extrem schlechte Erfahrungen bei einem Bürgerkrieg in seinem Heimatland gemacht hat und deswegen Waffen im Allgemeinen und Waffenhändler im Speziellen absolut nicht ausstehen kann. Ironischerweise wird er von Koko Hekmatyar als Bodyguard angeheuert – einer der erfolgreichsten Waffenhändlerin der HCLI in Europa und Afrika und muss, um sie zu beschützen, genau: Waffen benutzen – und er weiß auch sehr gut, wie man damit umgeht. Klingt absurd, funktioniert aber sehr gut. Wie sagt einer der Charaktere? Jona ist Kokos Gewissen. Entsprechend interessant ist vor allem Jonas Konflikt mit sich selbst, mit Koko (die ihn liebevoll wie einen kleinen Bruder behandelt) und der ganzen absurden Situation an sich.

Jormungand (White Fox-Promobild)

Die erste Staffel besteht hauptsächlich aus dem Kennenlernen der Charaktere (Koko hat einen Bruder und noch viele weitere Bodyguards) sowie dem zeigen, was Koko und ihre Leute so im Waffenhändlergeschäft erleben (mit vereinzelten Doppelfolgen) und natürlich was Jona darüber denkt. Erst in Staffel 2, Untertitel Perfect Order, geht es ausschließlich um das namensgebende Jormungand und damit die übergeordnete Geschichte. Dabei wird sehr viel geschossen, viele Leute sterben (mehr oder weniger detailliert) und grundsätzlich allerlei Kriegsgerät stark zelebriert (am Ende wisst ihr fast mehr über Waffen als ein CoD-Spieler). Es gibt aber auch den ein oder anderen lustigen Moment, nur falls ihr gerade total abgeschreckt seid :smile: .

Beim Christoph: Von mir gibt es 4 von 5 Sics, auch wenn mich Lysanda deswegen etwas komisch anschauen wird :smile: . Mich hat die Serie nicht nur gut unterhalten, sie hat auch definitiv meine Erwartungen übertroffen. Die Gewalt ist zwar hier und da etwas unnötig detailliert und so manches hochtrabende Zitat der Charaktere wirkt deplatziert (wieder die Sache mit Moral), Koko und Jona habe ich trotzdem ziemlich schnell ins Herz geschlossen. Koko, weil trotz ihrer Arbeit und ihrer klar psychopatischen Tendenzen hinter der grinsenden Fassade ein Mensch mit Herz steckt. Und Jona wegen seinem inneren Konflikt. Sein Ringen mit der Situation, sein widersprüchliches Verhalten (er hasst Waffen und benutzt sie doch – und das auch noch extrem gut) – das ist alles sehr gut herausgearbeitet und führt vor allem in der zweiten Staffel zu einer herzzerreißenden Szene.

 

Und damit gebe ich ab bis Montag!

Es kann mir doch keiner erzählen, dass er tatsächlich bei der Menge an Serien, die mittlerweile jedes Frühjahr und jeden Herbst veröffentlicht werden noch mithalten kann. Binge-Watching sowie Staffeln mit „nur“ 6-12 Folgen (dafür zusammenhängend und 45-60min lang) hin oder her: Das ist selbst für Singles doch schon lange nicht mehr machbar. Da kann die Qualität noch so gut sein – ich werde nie im Leben die Zeit haben das meiste davon anzuschauen. Ja, 24 Staffel 8 habe ich auch immer noch nicht erledigt :smile: . Und wenn selbst für die bahnbrechenden Shows keine Zeit mehr bleibt, ist für die Geheimtipps erst recht keine Luft vorhanden. Ich weiß: Luxusprobleme und so. Schade ist es trotzdem.

Reden wir also heute mal über (aus meiner Sicht) so einen Serien-Geheimtipp, den ich nur dank Lysanda kennengelernt und den wir nun endlich zu Ende geschaut haben:

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Warehouse 13 (2009-2014; 64 Episoden [5 Staffeln], EV) – Die Prämisse ist, wie so oft, ziemlich simpel: In South Dakota steht ein riesiges, sich automatisch endlos erweiterndes Lagerhaus. Darin werden Artefakte mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten gesammelt. Meistens sind diese Fähigkeiten zwar auf den ersten Blick toll – wer will etwa nicht fliegen können -, haben aber eigentlich immer auch irgendwelche Nachteile und/oder können für böse Zwecke missbraucht werden (beispielsweise eine Schallplatte, die alle Zuhörer ins Koma versetzt). Wenn ihr also mal eine Legende, Mythos oder fantastische Geschichte gehört habt, in der ein Gegenstand von Relevanz war, dann könnt ihr stark davon ausgehen, dass es keine Geschichte war, sondern Realität und sich dieser Gegenstand nun im Lagerhaus befindet. Zum Beispiel der namensgebende Spiegel aus Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln oder Pandoras Box.

Das erste Lagerhaus wurde übrigens von Alexander dem Großen gegründet, um die Artefakte zu sammeln, die er auf seinen Eroberungsstreifzügen gefunden hat. Seitdem wurde das Lagerhaus immer wieder dorthin verlagert, wo derzeit die stärkste Macht herrscht (= größtmöglicher Schutz). Im aktuellen Fall (Lagerhaus Nr. 13) eben die USA (es ist halt eine amerikanische Serie, was will man machen :smile: ). Gesammelt und bewacht werden diese Artefakte von Geheimagenten, von denen aber offiziell niemand etwas weiß und auch nichts wissen darf.

Warehouse 13 (SyFy-Promobild)

Warehouse 13 beginnt mit der Rekrutierung von zwei solcher Agenten (Myka Bering und Pete Lattimer). Beide sind ehemalige CIA-Agenten mit speziellen Fähigkeiten. Myka hat eine hohe, logische Auffassungsgabe und Pete ein starkes Bauchgefühl. Mit ihnen taucht ihr als Zuschauer nun fünf Staffeln lang ab in eine „Welt voller endloser Wunder“, in der wie immer nicht immer alles ganz so rund läuft man aber das Beste daraus macht, um die Welt zu schützen. Artie (quasi Hausmeister des Warehouse), Leena (spirituelle Logistikern) und Mrs. Frederic (Chefin) sind die erfahrenen Warehouse-Mitglieder, die sie auf ihrem Weg begleiten. Außerdem kommen im Laufe der Staffeln noch drei weitere Agenten (und ein Hund) dazu.

Aufbau

Der grundlegende Aufbau der Serie ist das „Artefakt der Woche“-Prinzip. Artie hat mal wieder irgendwo einen Ping von irgendwoher bekommen, wo komische Sachen passieren und natürlich steckt irgendein Artefakt (meist von einer berühmten Persönlichkeit produziert) dahinter. Aber wie es sich heutzutage gehört, gibt es auch jeweils eine staffelübergreifende Geschichte und viel Charakterentwicklung (wesentlich mehr als beispielsweise in NCIS). Ein wirklich guter Mix, der super funktioniert und mich definitiv bei Laune gehalten hat. Man ist als Zuschauer quasi erst Neugierig darüber was heute das Artefakt so ist, bleibt weil einem die Charaktere ans Herz wachsen und möchte dann unbedingt wissen was das große Böse im Hintergrund ist. Es hilft, dass sich weder die Charaktere noch die Serie insgesamt total bierernst nehmen. Es ist ernst und spannend (inkl. viel Action), wenn es sein muss aber es gibt auch die lockeren Momente, in denen rumgealbert wird (sowie komische Weihnachtsfolgen). Und auch wenn die fünfte Staffel nur sechs Folgen hat: Die Serie wird tatsächlich soweit abgeschlossen. Also keine Angst, dass es mal wieder so ein Geheimtipp ist, der mittendrin einfach aufhört.

Warehouse 13 (SyFy-Promobild)

Gestört hat mich persönlich an der Serie nur die Qualität der CG-Effekte. Ja, es ist eine TV-Serie und damit das Budget eher übersichtlich (vor allem wenn man wegen den Artefakten so viele Effekte braucht). Aber wenn schon ein digitales Objekt die zentrale Hauptrolle spielt (besagtes Lagerhaus), dann sollte man doch zumindest da ein paar Euro mehr investieren. Und auch sonst gab es so einige Szenen, die etwas komisch aussahen. Klar: Das ist nichts Kriegsentscheidendes und die meisten werden es nicht einmal so stark bemerken wie ich. Ein bisschen hat es meinen Genuss aber dann doch gestört. Gebe ich offen zu. Immerhin gab es als Ausgleich haufenweise Gastauftritte von bekannten Star Trek-Gesichtern (Brent Spiner, Jeri Ryan, Kate Mulgrew, Rene Auberjonois, etc.). Muss wohl einfach so sein bei SciFi-Serien :smile: .

Beim Christoph meint: Mir hat die Serie sehr, sehr gut gefallen. Entsprechend gibt es trotz mittelmäßiger Computergrafiken und der extremen Auto-Werbung in den letzten Staffeln (Claudia fährt einen Toyota Prius und man erfährt öfters, dass dieser Bing als Suchmaschine im OSD benutzt) die vollen 5 von 5 Sics. Ich hätte sehr gerne noch 2-3 Staffeln mit Myka, Claudia, Artie & Co. geschaut. Material hätte es auch noch genug gegeben, um es weiter spannend zu machen (das ist der Vorteil von Artefakten). Der Vergleich mit Akte X und Indiana Jones passt da wirklich sehr gut auch was den Mix aus Bierernst und Lustig angeht. Außerdem lernt man auch gleich noch ein wenig was über diverse reale Geschichte, Legenden und Mythen. Quasi auch noch lehrreich das Ganze :smile: .

Solltet ihr also mal zwischen Game of Thrones und den gefühlt 10.000 Marvel-Netflix-Serien mal 2.688 Minuten Zeit haben, dann schaut euch unbedingt mal Warehouse 13 an. Ich kann es wirklich nur empfehlen. Wer einen kostenlosen Einblick haben möchte, der kann sich Warehouse 13: Grand Designs anschauen. Das ist quasi eine von Toyota gesponserte Folge, die als Webserie veröffentlicht wurde, technisch gesehen wohl irgendwo in Staffel 4 angesiedelt ist aber abseits der enthaltenen Charaktere keine Spoiler enthält und keine Auswirkungen auf die Hauptserie hat.

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