
Sieht aus wie eine normale und lebendige Katze.
Joa, diesen Plot Twist haben wir definitiv nicht kommen sehen. Da schreib ich frohen Mutes am Sonntagnachmittag den Montagseintrag während Balu auf unserer Kratztonne liegt – und dann stehen wir um ca. 22 Uhr erneut mit ihm beim tierärztlichen Notdienst vor der Tür. So hatten wir uns den Abend nicht vorgestellt…
Von jetzt auf gleich
Wir werden vermutlich nie erfahren, was genau passiert ist. Aber wir saßen im Wohnzimmer während Balu im Arbeitszimmer auf der Kratztonne lag. Als Lysanda mal nach ihm schaute, hob er den Kopf und schaute zurück. Soweit so normal also. Ungefähr eine Stunde später haben wir uns fürs Bett fertig gemacht – dazu gehört allen Parteien noch etwas Futter hinzustellen (den Mädels oben, Jungs im Wohnzimmer und Balu wie geplant im Arbeitszimmer). Lysanda brachte also unsere Mädels nach oben in ihr Schlafgemach und ich ging zu Balu mit seinem Futter. Ich fand ihn in einem niedrigen Karton stehend vor. Es sah so aus, als würde er sein Geschäft machen. Also bin ich hin und wollte ihn aus dem Karton holen. Bei dieser Berührung ist er dann zusammengebrochen. Er konnte seine Vorderbeine nicht mehr bewegen und ist panisch mit den Hinterbeinen und in Bauchlage durch den Raum gerobbt. Ich hab‘ Lysanda gerufen, sie hat ihn eingefangen und zu sich auf den Schoß genommen, um ihn zu beruhigen. Derweil habe ich den Notdienst angerufen.
Nachdem wir wussten, wo wir hinfahren müssen, haben wir Balu eingepackt. Dort angekommen hat die Tierärztin ihn nach Strich und Faden untersucht, konnte aber akut mit den ihr zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln nichts feststellen, was die Probleme verursacht. Zu diesem Zeitpunkt konnte er sich schon gar nicht mehr bewegen. Also nächste Station Tierklinik. In unserem Fall AniCura Frankfurt. Das waren die einzigen in der Umgebung, die ans Telefon gingen. Es erfolgte eine erneute allgemeine Untersuchung sowie ein Röntgenbild, aber es konnte wieder keine Ursache auf die Schnelle gefunden werden. Wir ließen ihn für weitere Untersuchungen vor Ort und waren irgendwann kurz nach Mitternacht wieder Zuhause – mit den Nerven am Ende und ohne Balu.
Was ist los?!
Viel geschlafen haben wir in der Nacht nicht. Unsere Sorge galt Balu. Inklusive auch der Frage, an welchem Zeitpunkt wir “den Stecker ziehen”. Eine Frage sowie die dazugehörigen Folgen, die uns so einige tränenreiche Stunden bescherte im Verlauf der Woche.
Montagsvormittags kamen uns Zweifel, ob Balu in der Tierklinik in Frankfurt wirklich gut aufgehoben ist. Der erste Anruf bei der Empfangsdame am Morgen war inhaltlich dürftig und erfüllte uns nicht gerade mit Zuversicht. Anschließend hab‘ ich dann den Fehler gemacht die Bewertungen der Klinik bei Google zu überfliegen, was meine Begeisterung ebenfalls nicht gerade steigerte. Wo hatten wir unseren Balu nur hingebracht?! Jetzt muss man allerdings berücksichtigen, dass die Menschen häufiger Bewertungen schreiben, wenn sie unzufrieden sind. Eine Freundin empfahl parallel die Klinik für Kleintiere an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Die haben auch eine neurologische Abteilung. Und, dass es was Neurologisches ist, war für mich als Laie zumindest naheliegend. Schließlich konnte er seine Gliedmaßen und seinen Kopf nicht mehr bewegen, es war von jetzt auf gleich passiert und drei Ärzte hatten bisher keine körperliche Ursache gefunden.

Ein schockiert dreinblickender Balu
Wir entschieden uns also gegen Mittag mal in Gießen anzurufen und den Fall zu schildern. Nach Rücksprache mit der dortigen Oberärztin kam die Ansage, dass wir ihn vorbeibringen sollen und zwar möglichst zeitnah. Also gleich in Frankfurt angerufen und angekündigt, dass wir jetzt losfahren und Balu abholen. Die Dame am Telefon war logischerweise etwas überrascht, hat unseren Wunsch aber trotzdem berücksichtigt.
Auf zur 2. Klinik
In Frankfurt angekommen, haben wir dann noch ein Gespräch mit der diensthabenden Ärztin geführt und sind mit einem wesentlich besseren Gefühl aus der Klinik rausgegangen. Und das nicht nur, weil sie uns zustimmte, dass er in Gießen besser aufgehoben sein würde. Sie hatten nämlich so einige Untersuchungen schon gemacht und waren mittlerweile an dem Punkt angelangt, dass jetzt bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen sollten. Sprich ein CT oder besser noch ein MRT. Aufgrund eines Vertippers in meiner Telefonnummer, konnten sie mich allerdings nicht erreichen, um das abzustimmen. Wobei ein MRT in Frankfurt eh nicht möglich gewesen wäre.
In Gießen angekommen, folgte wieder eine allgemeine Untersuchung und anschließend die Entscheidung ihn stationär aufzunehmen – nach Unterzeichnung der Kostenübernahme versteht sich. Dienstags durfte dann erstmal die innere Medizin ran. Also Blutwerte, Organfunktionen, Ultraschall und dergleichen. Von der Bauspeicheldrüsenentzündung sprach danach trotz unserer Rückfragen tatsächlich keiner mehr. Stattdessen war sein Befund alles zusammen genommen unauffällig und nichts dahingehend erklärte seinen Zustand. Stattdessen futterte er ihnen nach eigenen Aussagen die Haare vom Kopf, war aufmerksam und umgänglich – er konnte sich halt nur nicht bewegen.
Endlich eine Ursache!
Wir wurden teils mehrfach pro Tag vom Arzt aus Gießen angerufen, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Und das hieß am Mittwoch: In Narkose legen und ein MRT anfertigen (rund 1.200€; Tag 1 seines Aufenthalts hat ca. 1.000€ verschlungen). Eine Narkose ist ja immer ein Risiko. Für eine Katze in Balus Alter (fast 14 Jahre) aber noch mehr. Allerdings stellten wir uns zu diesem Zeitpunkt schon darauf ein, dass wir ihn einschläfern lassen müssen. Ob er also jetzt aus der Narkose nicht mehr aufwacht, oder dann bei uns friedlich einschläft, wäre auch egal.
Doch erstmal zurück zum MRT: Damit gab es endlich eine neue Erkenntnis. Auf der Höhe des 2. Halswirbels ist auf den Bildern klar eine starke Verengung zu erkennen. Da war sie endlich, die Ursache für seine Probleme. Zwei Möglichkeiten kamen nun in Frage: Ein Tumor oder ein Rückenmarksinfarkt. Ohne eine Biopsie lässt sich das nicht feststellen, was jedoch eine erneute Narkose und eine kleine Operation bedeuten würde. Außerdem sprachen ein paar Punkte wie z.B. das plötzliche Auftreten eher für einen Infarkt. Entsprechend kam von der Klinik der Vorschlag ihn nach Hause zu holen und 1-2 Wochen zu beobachten. Abholen wollten wir ihn mittlerweile sowieso. Wir rechneten schließlich fest damit, dass der nächste Schritt die Einschläferung ist und das hätten wir bei seinem Zustand lieber zu Hause gemacht.

Der weiße Klotz durch den die grüne Linie geht – das ist es!
Wir sind also Donnerstagnachmittag wieder nach Gießen und haben ihn eingesackt (nach der Zahlung von fast genau 3.000€). Vor Ort zeigte er schon ein im Vergleich zu Sonntag besseres Bild. Und als wir ihn dann Zuhause aus der Box geholt haben, war er sichtlich erfreut und bewegte sich dabei ebenfalls schon ein wenig. Das Thema Einschläfern war zu diesem Zeitpunkt also erstmal verschoben. Stattdessen ging es jetzt um die Frage, wie kümmern wir uns am besten um ihn. Wie oft und mit was füttern? Urin und Kot ablassen machte er selbstständig, ging aber logischerweise nicht auf dem Katzenklo, sondern nur an Ort und Stelle. Wie gehen wir damit um? Was brauchen wir noch dafür? Dann sollten ihn regelmäßig wenden und ihn zum Bewegen animieren. Dazu auch schnellstmöglich mit einer Physiotherapie anfangen.
Die Casa Lysanda, ein Pflegeheim
Zeit also unseren Alltag erneut umzustellen und voll in den Pflegebetriebsmodus zu wechseln. Ein paar Einkäufe hatten wir dahingehend bereits mittwochs erledigt. Wir wollten ihn auf jeden Fall nach Hause holen, wenn möglich und ihm noch ein paar schöne Tage in vertrauter Umgebung schenken. Im Einkaufskorb landeten deshalb unter anderem eine kleine, faltbare Transportbox*. Wir hatten schon lange eine größere, die unter anderem nach Balus Zähne ziehen und Lyssis Unfall zum Einsatz kam. Hatten wirklich gute Erfahrung damit gemacht, aber die passt nicht in unser Auto und war jetzt auch ein wenig zu groß für eine Katze, die nur auf der Seite liegen kann. Außerdem wollten wir ihn auch im Haus mitnehmen können. Deswegen die kleinere Variante.
Der nächste Punkt waren Inkontinenzunterlagen. Da griffen wir zu einem 50iger-Pack saugfähiger Einmalunterlagen* aus der Hundeecke. Die Saugfähigkeit und der Umgang damit erschienen uns erstmal als ausreichend. Mit dem Füttern gab und gibt es hingegen keinerlei Probleme. Er ist immer sofort begeistert bei der Sache und robbt sich mittlerweile auch schon in Richtung Teller. Dann ein bisschen Unterstützung, also Futter mit einem Löffel in Richtung Mund schieben, und der Rest passiert von alleine.
Der 2. Einkauf
Die Nacht von Donnerstag auf Freitag klappte auch soweit. Er hatte wie erwartet irgendwann in die Box gekackt und gepinkelt. Also Katze raus und sauber gemacht, Unterlage gewechselt, Katze wieder rein, alles super. Wir haben dann ein paar Tierphysiotherapeuten in der Umgebung angeschrieben und tatsächlich noch mittags einen Termin bei einer bekommen. Hatten wir echt Glück. Die Stunde dort zeigte erneut, dass die Uhr für Balu offensichtlich noch nicht abgelaufen ist. Er reagiert, will mitmachen und konnte in Sachen Bewegung schon wieder mehr als tags zuvor.

Balu lässt es sich bei der Physiotherapie gut gehen.
Anschließend sind wir (ohne Balu) noch zu JYSK gefahren, um am Ende sieben (mehr hatten sie nicht) waschbare Nässeschutzauflagen zu kaufen. Hätte nicht gedacht, dass es sowas in einem Möbelhaus gibt. Aber wenn man drüber nachdenkt, ist es doch naheliegend. Gibt schließlich viele Kinder und ältere Menschen, die Probleme haben. Wir hatten zwar in dem Sinne noch keinen vollen Tag mit Balu hinter uns. Es war aber bereits absehbar, dass wir mit den Einmalunterlagen auf Dauer nur haufenweise Müll produzieren würden und zusätzlich hat er Krallen gegen die die dünnen Matten keine Chance haben. Deswegen wollten wir was Nachhaltigeres. Außerdem haben wir noch ein paar Wolldecken eingepackt, die gerade im Angebot waren. Die wickeln wir in die Nässeschutzauflagen ein und legen das Paket in die Faltbox. Und die vergleichsweise große Menge, damit wir anständig rotieren können. Die Waschmaschine läuft jetzt zwar täglich, aber das Zeug braucht trotzdem Zeit zum Trocknen. Nein, wir schaffen uns jetzt nur für Balu keinen Trockner an. Entsprechend braucht es in der Zwischenzeit Ersatzmaterial. Und die Unterlagen liegen z.B. auch auf dem Spielteppich im Arbeitszimmer oder auf der Couch im Wohnzimmer vorm Fernseher. Dann muss Balu nicht den ganzen Tag nur allein in der Box liegen.
Soweit so gut am Freitagabend. Wir hatten alles, was wir Zuhause brauchten.
Ein sehr dreckiger Balu
Als ich Samstagmorgen zu Balus Faltbox gegangen bin, erwartete mich ein unschöner Anblick. Er hatte, was zu erwarten war, wieder gekotet. Soweit, so normal. Dadurch, dass er allerdings mittlerweile so bewegungsfreudig geworden ist – wir müssen ihn nicht einmal mehr wenden, das macht er von selbst -, hat er sich jedoch buchstäblich in seiner Scheiße gesuhlt gehabt. Da half auch kein Waschlappen mehr das sauber zu machen. Ich musste ihn ins Waschbecken legen und gründlich säubern.
Der Gedanke, dass mich dieser Anblick jetzt jeden Tag erwarten würde, stimmte mich nicht gerade fröhlich. Ja, den ganzen Kram kann man waschen. Aber, dass sich Balu die halbe Nacht darin wälzt ist jetzt nicht unbedingt schön. Außerdem muffte jetzt auch die Transportbox. Nach etwas Recherche folgte also eine weitere Einkaufstour. Zum einen nochmal eine Faltbox. Damit wir hier ebenfalls einen Ersatz haben während die andere gewaschen wird. Im Onlineshop* von Fressnapf ist es zwar nicht zu finden, aber vor Ort gab es dort außerdem ein neutrales von Trixie*. Balu soll schließlich jetzt nicht nach Zitrone stinken oder sowas. Da er sich so massiv eingesaut hatte und er sich ja nicht selbst putzen kann, wollte ich sicherstellen, dass er tatsächlich sauber ist. Da war mir Wasser einfach nicht genug. Wir haben ihn entsprechend dann Zuhause erstmal gebadet. War sicherlich nicht darüber begeistert, aber wir haben es versucht ihm so angenehm wie möglich zu machen und es trotzdem zügig hinter uns zu bringen.

Balu mit Windel
Und das dritte Produkt, was in unserem Einkaufwagen landete, waren waschbare Windeln*. Auch wieder für Hunde gedacht, war die Idee damit eben die Nacht bzw. längere Abwesenheiten von uns zu überbrücken. Immer in der Hoffnung, dass er sich so weniger dreckig macht als ohne. Die Windeln haben einen Klettverschluss und ein Loch für den Schwanz, sind also relativ einfach zu bedienen. Funktioniert hat es ehrlicherweise bislang nicht. Er hat sie jedes Mal erfolgreich ausgezogen und dann doch einfach in die Box gemacht. Immerhin in der Nacht Samstag auf Sonntag sich nicht darin gewälzt.
Der aktuelle Status
Morgen hat er seine 2. Physiotherapiestunde und am Donnerstag sprechen wir wieder mit der Tierklinik in Gießen. Dafür sollen wir ihnen ein paar Videos zuschicken, damit sie sehen wie er sich macht. Aktuell sind wir tatsächlich äußerst optimistisch, dass es zum einen kein Tumor ist. Und zum anderen, dass es wieder halbwegs was mit ihm wird. Zwar machen wir uns keine Illusionen, dass er jemals wieder komplett der Alte sein wird. Aber von alleine durch die Gegend laufen, Leckerlis fangen, aufs Klo gehen und so? Absolut realistisch angesichts der Fortschritte, die er bereits in dieser kurzen Zeit gemacht hat.
Er ist munter, geistig voll anwesend, dreht sich fleißig und liegt sogar mitunter mal kurzzeitig auf dem Bauch. Man sieht Bewegung in seinen Pfötchen und ab und zu sogar im ganzen Bein und robbt sogar ein bisschen durch die Gegend. Während ich diese Zeilen geschrieben habe hat er sich beispielsweise in mehreren Etappen vom Spielteppich zu mir an den Bürostuhl geschoben – rückwärts! Wir unterstützen ihn dabei wo es geht inklusive Massageeinheiten, Bewegung der Gelenke und ärgern seine Nerven mit Massagebällen, Bürsten & Co., wie von der Physiotherapeutin empfohlen.
Drückt ihm also die Daumen und ich halte euch auf dem Laufenden.