Sicarius

Balu (2012 – 20.01.2026)

Wer erklärt Katzen eigentlich, dass sie tot sind?

Es hat nicht sollen sein. Gestern Abend haben wir Balu gegen 20 Uhr bei seinem letzten Atemzug begleitet. Nach fast 14 Jahren auf dieser Erde und zehn Jahren in der Casa Lysanda. Vielleicht holt ihn ja seine alte Freundin Nica ab? Oder er spukt noch eine Weile im Haus und Garten rum. Wer weiß?

Wir werden Balu auf jeden Fall vermissen. Seine ruhige, charmante Art, mit der er immer alle um seinen Finger gewickelt hat. Sein nachmittägliches Liegen auf Sicarius’ Schreibtisch. Seine abendlichen Besuche auf seinem Schoß. Sein Schnuffeln unter den Achseln. Es war eine wirklich wunderbare Zeit mit ihm.

Die Erinnerungen an die vielen schönen Momente mit ihm werden für immer in unseren Herzen weiterleben. Für uns war es definitiv ein Glücksfall, dass er Lysanda damals bei Tiere in Not Odenwald e.V. (TINO) angesprochen hatte, auch wenn er sich dann mehr an Sicarius orientiert hat. Aber ja, er hat sich uns ausgesucht und wir haben ihn so gut wie möglich begleitet.

Aber jede Reise endet einmal und mit dem Abschied kommt auch die Trauer. Insbesondere, wenn es so eine schöne Reise war.

Lysanda & Sicarius

Balu und seine Eckenbürste

Was war passiert?

Es sah wirklich alles so gut aus. Balu machte täglich Fortschritte beim Wiedererlangen seiner Bewegungsfähigkeit. Selbst seine Physiotherapeutin war am Montag überrascht darüber, wie schnell es doch geht. Dienstags hob er auch den Kopf noch weiter höher, fraß gut und beteiligte sich, so weit es eben ging, am Geschehen. Leckerlis innerhalb seinen Radius einsammeln inklusive.

Auch gestern Abend schien noch alles ok zu sein. Er fraß noch mit Lysandas Hilfe einiges an Futter, als der Kopf plötzlich nach unten ging. Wir dachten erst, er wäre in seine “Ich-will-jetzt-kein-Futter-mehr”-Haltung gegangen. Aber dann bemerkten wir, dass nichts mehr weiter passierte. Er atmete und schnuffelte mit der Nase. Es waren aber keinerlei Reaktionen mehr vorhanden. Weder auf die Käsewurst noch auf das Leuchten mit der Taschenlampe in die Augen bekamen wir ein richtiges Signal.

Das Ende

Balu wie er leibt und lebte

Wir haben entsprechend den Notdienst kontaktiert und sind zur diensthabenden Tierärztin gefahren. Die Untersuchung dauerte nicht lange. Er zeigte zwar körperliche Reaktionen, aber mehr auch nicht. Wir hatten also die Wahl mit ihm nochmal eine Stunde in die neurologische Abteilung der Kleintierklinik in Gießen zu fahren – mit ungewissem Ausgang. Wobei sich der Notdienst nicht sicher war, ob er es körperlich bis in die Klinik schaffen würde. Oder ihn jetzt gehen zu lassen.

Wir entschieden uns für letzteres.

Was auch immer jetzt passiert war, es war schlimmer als beim letzten Mal und beeinträchtigte offensichtlich nun das Gehirn selbst. Und selbst wenn es sich wieder gebessert hätte, wäre doch die ständige Angst geblieben, dass es wieder passiert. Wir sind wirklich froh, dass wir ihm seit seinem Klinikaufenthalt nochmal fast zwei schöne Wochen Zuhause schenken konnte. Zwei Wochen in denen er (den Umständen entsprechend) nochmal Balu sein konnte. Inklusive Schnurren und Leckerlis. Aber nachdem er langsam aber stetig Gewicht verloren hatte und Arthrose bekam, dann die Bauchspeicheldrüsenentzündung, die Verengung am 2. Halswirbel und jetzt ein kompletter Zusammenbruch, zeigte sein Körper eindeutig, dass er nicht mehr konnte. Und auch wenn wir nicht viel über seine ersten vier Lebensjahre im Schrebergarten wissen, so waren wir jetzt bis zum Schluss bei ihm. Er war zumindest satt und das Schlimmste am Einschläfern dürfte der Picks ins Bein gewesen sein. Insgesamt ist das Ganze sehr friedlich abgelaufen.

Sicarius

Balu – Ein Statusupdate

Das Universum hat gefühlt schon einen kleinen Knall. Fehlt nur noch, dass unser Auto explodiert (der Reifen hinten links verliert schon Luft…) oder das Haus abbrennt. NEIN, das war jetzt keine Herausforderung! Lass das, Universum! Wir brauchen beides dringend noch.

Ein Balubrot mit großen Augen

Wir haben auf der Arbeit seit Wochen extrem viel zu tun mit täglichen Überzeiten und keinerlei Ende oder Erholungsphase in Sicht. Privat hatte Lysanda ein größeres Projekt im Dezember, was viel Zeit fraß und unseren Weihnachtsurlaub dominierte. Ende 2025 ist dann der letzte verbliebene Bruder meines Vaters gestorben. Die Beerdigung war aufgrund von Rückstau im Krematorium erst vergangenen Samstag. Und natürlich jetzt die ganze Balu Situation, weshalb wir Zuhause derzeit auch nur noch am Rotieren sind und grad so das Nötigste hinbekommen – inklusive eines deutlichen Schlafdefizit bei mir.

Wenig überraschend ist der heutige Eintrag also wieder ein Balu-Statusupdate. Gibt einfach grad wenig andere Themen in der Casa Lysanda, über die ich Zeit habe zu berichten. Ja, theoretisch noch Star Trek: Discovery, aber das ist mir grad zu viel Aufwand. Doch bei allem Gejammer: Immerhin gibt es in Sachen Balu Positives zu berichten.

Die letzte Woche

Fangen wir aber erstmal mit dem Negativen an: Balu hatte seit vorletztem Wochenende sehr feuchten Kot. Kategorie “Durchfall”, obwohl es kontrolliert aus ihm rauskam. Halt nur sehr flüssig. Gefiel uns gar nicht, schon allein wegen dem damit verbundenen Flüssigkeitsverlust. Wir haben erstmal das Futter auf “nur noch eine Sorte” umgestellt. Um auszuschließen das es davonkommen könnte. Am Ende haben wir ihn am Mittwochvormittag eingepackt und sicherheitshalber zu unserer regulären Tierärztin gefahren. Die Praxis hatte leider an dem Tag nur bis mittags offen. Er konnte deshalb nur rund eine Stunde dableiben. Sind dann entsprechend donnerstags nochmal hin und haben ihn für den Tag abgegeben. Er wurde dort dann mit Infusionen aufgepäppelt, mit Kortison versorgt und – zur Freude von Balu – mit Trockenfutter verwöhnt. Außerdem bekamen wir:

Sein Kot ist mittlerweile etwas besser in der Konsistenz, aber es ist definitiv noch Luft nach oben. Wird hoffentlich bald wieder ganz fest. Bis dahin muss er damit leben, dass wir ihn mindestens einmal am Tag baden müssen. Es kommt schließlich da raus, wo er gerade liegt und wenn wir das nicht mitkriegen (nachts z.B.), dann wälzt er sich mehr oder weniger darin. Das würde bei fester Konsistenz freilich auch passieren. Die Angriffsfläche wäre aber nicht ganz so groß wie ein feuchter Flatscher auf dem Lacken. Und nein, er wälzt sich nicht bewusst darin. Er kann sich halt immer noch nur bedingt davon wegbewegen. Gleichzeitig ist er im Schlaf sehr aktiv. Im Ergebnis haben wir nach dem Aufstehen für ein paar Stunden eine feuchte und nicht so ganz gut auf uns zu sprechende Katze :smile: . Immerhin tun die Nässeschutzunterlagen, was sie sollen. Gab bislang nur 1-2 Vorfälle wo ich auch die darunter liegenden Decken mitwaschen musste.

Die Futtersituation

Während er mit den Antibiotika und dem Flora Complex keine Probleme hat, will er das Ibedex allerdings absolut nicht fressen. Und zwar egal wie schmackhaft wir es ihm gemacht haben. Scheint irgendwie sehr komisch zu riechen und alles andere zu überdecken. Glücklicherweise hatten wir uns genau für diesen Fall bereits Mitte Dezember, bevor das alles losging, einen 1.000er Pack PetCaps* von Capsuline gekauft. Das sind leere Kapseln der Größe 3 (also ziemlich klein), die mit Hähnchengeschmack besprüht sind. Dazu noch einen passenden Kapselfüller* und wir konnten das Ibedexpulver verfüllen. Gut, der verlinkte Kapselfüller hat nicht so richtig funktioniert und stattdessen die 100 Kapseln beschädigt. Ging entsprechend wieder zurück. Sie sind jedoch glücklicherweise fest genug zu, dass wir sie in ein Stückchen Käsewurst einpacken können. Dieses “Bescheißerle”, wie es so schön heißt, frisst er dann auch mit Begeisterung. Übrigens scheint der Hähnchengeschmack der Leerkapseln auch nicht so der Brüller zu sein. Ein paar Gelatinekapseln in der gleichen Größe und das in was Leckeres gepackt (Käsewurst, Toppingpulver, etc.) würde es wohl auch tun.

Zusätzlicher Nachteil dieser Medikamenten-Experimentiererei: Katzen sind sehr schnell darin bestimmte Sachen miteinander zu verbinden. D.h. weil wir u.a. mit dem Ibedex so viel kombiniert haben, in der Hoffnung es in ihn reinzubekommen, hat er aktuell absolut keinen Bock auf Nassfutter mit Hühnchen. Und zwar egal von welchem Hersteller. Das wird er in kurzer Zeit wieder vergessen. So ist das nicht. Katzen sind schließlich keine Elefanten :wink: . Aber bis dahin müssen wir ihm andere Futtersorten geben. Aktuell funktioniert es beispielsweise ganz gut mit Pazifikthunfisch von Moments* sowie den Vitaldrinks von MACs und Carny. Wobei er auch da die Hühnerstücke aussortiert.

Die Fortschritte

Die Waschmaschine läuft aktuell täglich

Balu ist also grundsätzlich weiterhin auf unsere ständige Unterstützung angewiesen. Haben wir ehrlich gesagt auch nicht anders erwartet. Bei einem Rückenmarkinfarkt kann es bis zu sechs Monate dauern, bis das Plateau an Verbesserungen erreicht ist. Gleichzeitig macht er aber auch definitiv spürbare Fortschritte. Meinte auch unsere Physiotherapeutin am Dienstag – und da hatte sie ihn nur übers Wochenende + Montag nicht gesehen! Mit Unterstützung kann er mittlerweile sogar ein paar Momente stehen und sitzen. Das mit dem Gleichgewicht ist aber noch so eine Sache. Auf dem Bauch liegen oder Zusammenkringeln wie eine normale Katze geht ebenfalls schon wieder ganz gut. Putzen hingegen ist zwar anstrengend für ihn, klappt aber in kleinen Etappen ebenfalls – inklusive einer braunen Nase als er das scheinbar mal nachts nach einem Malheur probiert hat.

Auch den Kopf kann er schon wieder ein bisschen heben und frisst entsprechend die meiste Zeit nicht mehr in vollständiger Seitenlage. Insofern liegt er zwar weiterhin den ganzen Tag nur auf den Plätzen rum, auf die wir ihn legen. Laufen ist schließlich weiterhin nicht möglich. Aber es sieht mittlerweile häufiger so aus als läge da einfach eine gesunde Katze. Außerdem wird er wehrhafter. Beim Baden versucht er sich beispielsweise zu verdünnisieren. Ist dann zwar mehr ein wegrobben und wir kriegen ihn (noch) relativ einfach wieder eingefangen. Es ist dennoch ein äußerst positiver Fortschritt. Seine Physiotherapeutin meinte schon, dass es sie nicht wundern würde, wenn er heute Abend zur Tür reinlaufen würde. Spoiler: Das wird er leider noch nicht. Wenn es allerdings so weitergeht, wird es mit etwas Glück nicht mehr lange bis dahin dauern.

Sieht aus wie eine normale und lebendige Katze.

Joa, diesen Plot Twist haben wir definitiv nicht kommen sehen. Da schreib ich frohen Mutes am Sonntagnachmittag den Montagseintrag während Balu auf unserer Kratztonne liegt – und dann stehen wir um ca. 22 Uhr erneut mit ihm beim tierärztlichen Notdienst vor der Tür. So hatten wir uns den Abend nicht vorgestellt…

Von jetzt auf gleich

Wir werden vermutlich nie erfahren, was genau passiert ist. Aber wir saßen im Wohnzimmer während Balu im Arbeitszimmer auf der Kratztonne lag. Als Lysanda mal nach ihm schaute, hob er den Kopf und schaute zurück. Soweit so normal also. Ungefähr eine Stunde später haben wir uns fürs Bett fertig gemacht – dazu gehört allen Parteien noch etwas Futter hinzustellen (den Mädels oben, Jungs im Wohnzimmer und Balu wie geplant im Arbeitszimmer). Lysanda brachte also unsere Mädels nach oben in ihr Schlafgemach und ich ging zu Balu mit seinem Futter. Ich fand ihn in einem niedrigen Karton stehend vor. Es sah so aus, als würde er sein Geschäft machen. Also bin ich hin und wollte ihn aus dem Karton holen. Bei dieser Berührung ist er dann zusammengebrochen. Er konnte seine Vorderbeine nicht mehr bewegen und ist panisch mit den Hinterbeinen und in Bauchlage durch den Raum gerobbt. Ich hab‘ Lysanda gerufen, sie hat ihn eingefangen und zu sich auf den Schoß genommen, um ihn zu beruhigen. Derweil habe ich den Notdienst angerufen.

Nachdem wir wussten, wo wir hinfahren müssen, haben wir Balu eingepackt. Dort angekommen hat die Tierärztin ihn nach Strich und Faden untersucht, konnte aber akut mit den ihr zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln nichts feststellen, was die Probleme verursacht. Zu diesem Zeitpunkt konnte er sich schon gar nicht mehr bewegen. Also nächste Station Tierklinik. In unserem Fall AniCura Frankfurt. Das waren die einzigen in der Umgebung, die ans Telefon gingen. Es erfolgte eine erneute allgemeine Untersuchung sowie ein Röntgenbild, aber es konnte wieder keine Ursache auf die Schnelle gefunden werden. Wir ließen ihn für weitere Untersuchungen vor Ort und waren irgendwann kurz nach Mitternacht wieder Zuhause – mit den Nerven am Ende und ohne Balu.

Was ist los?!

Viel geschlafen haben wir in der Nacht nicht. Unsere Sorge galt Balu. Inklusive auch der Frage, an welchem Zeitpunkt wir “den Stecker ziehen”. Eine Frage sowie die dazugehörigen Folgen, die uns so einige tränenreiche Stunden bescherte im Verlauf der Woche.
Montagsvormittags kamen uns Zweifel, ob Balu in der Tierklinik in Frankfurt wirklich gut aufgehoben ist. Der erste Anruf bei der Empfangsdame am Morgen war inhaltlich dürftig und erfüllte uns nicht gerade mit Zuversicht. Anschließend hab‘ ich dann den Fehler gemacht die Bewertungen der Klinik bei Google zu überfliegen, was meine Begeisterung ebenfalls nicht gerade steigerte. Wo hatten wir unseren Balu nur hingebracht?! Jetzt muss man allerdings berücksichtigen, dass die Menschen häufiger Bewertungen schreiben, wenn sie unzufrieden sind. Eine Freundin empfahl parallel die Klinik für Kleintiere an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Die haben auch eine neurologische Abteilung. Und, dass es was Neurologisches ist, war für mich als Laie zumindest naheliegend. Schließlich konnte er seine Gliedmaßen und seinen Kopf nicht mehr bewegen, es war von jetzt auf gleich passiert und drei Ärzte hatten bisher keine körperliche Ursache gefunden.

Ein schockiert dreinblickender Balu

Wir entschieden uns also gegen Mittag mal in Gießen anzurufen und den Fall zu schildern. Nach Rücksprache mit der dortigen Oberärztin kam die Ansage, dass wir ihn vorbeibringen sollen und zwar möglichst zeitnah. Also gleich in Frankfurt angerufen und angekündigt, dass wir jetzt losfahren und Balu abholen. Die Dame am Telefon war logischerweise etwas überrascht, hat unseren Wunsch aber trotzdem berücksichtigt.

Auf zur 2. Klinik

In Frankfurt angekommen, haben wir dann noch ein Gespräch mit der diensthabenden Ärztin geführt und sind mit einem wesentlich besseren Gefühl aus der Klinik rausgegangen. Und das nicht nur, weil sie uns zustimmte, dass er in Gießen besser aufgehoben sein würde. Sie hatten nämlich so einige Untersuchungen schon gemacht und waren mittlerweile an dem Punkt angelangt, dass jetzt bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen sollten. Sprich ein CT oder besser noch ein MRT. Aufgrund eines Vertippers in meiner Telefonnummer, konnten sie mich allerdings nicht erreichen, um das abzustimmen. Wobei ein MRT in Frankfurt eh nicht möglich gewesen wäre.

In Gießen angekommen, folgte wieder eine allgemeine Untersuchung und anschließend die Entscheidung ihn stationär aufzunehmen – nach Unterzeichnung der Kostenübernahme versteht sich. Dienstags durfte dann erstmal die innere Medizin ran. Also Blutwerte, Organfunktionen, Ultraschall und dergleichen. Von der Bauspeicheldrüsenentzündung sprach danach trotz unserer Rückfragen tatsächlich keiner mehr. Stattdessen war sein Befund alles zusammen genommen unauffällig und nichts dahingehend erklärte seinen Zustand. Stattdessen futterte er ihnen nach eigenen Aussagen die Haare vom Kopf, war aufmerksam und umgänglich – er konnte sich halt nur nicht bewegen.

Endlich eine Ursache!

Wir wurden teils mehrfach pro Tag vom Arzt aus Gießen angerufen, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Und das hieß am Mittwoch: In Narkose legen und ein MRT anfertigen (rund 1.200€; Tag 1 seines Aufenthalts hat ca. 1.000€ verschlungen). Eine Narkose ist ja immer ein Risiko. Für eine Katze in Balus Alter (fast 14 Jahre) aber noch mehr. Allerdings stellten wir uns zu diesem Zeitpunkt schon darauf ein, dass wir ihn einschläfern lassen müssen. Ob er also jetzt aus der Narkose nicht mehr aufwacht, oder dann bei uns friedlich einschläft, wäre auch egal.

Doch erstmal zurück zum MRT: Damit gab es endlich eine neue Erkenntnis. Auf der Höhe des 2. Halswirbels ist auf den Bildern klar eine starke Verengung zu erkennen. Da war sie endlich, die Ursache für seine Probleme. Zwei Möglichkeiten kamen nun in Frage: Ein Tumor oder ein Rückenmarksinfarkt. Ohne eine Biopsie lässt sich das nicht feststellen, was jedoch eine erneute Narkose und eine kleine Operation bedeuten würde. Außerdem sprachen ein paar Punkte wie z.B. das plötzliche Auftreten eher für einen Infarkt. Entsprechend kam von der Klinik der Vorschlag ihn nach Hause zu holen und 1-2 Wochen zu beobachten. Abholen wollten wir ihn mittlerweile sowieso. Wir rechneten schließlich fest damit, dass der nächste Schritt die Einschläferung ist und das hätten wir bei seinem Zustand lieber zu Hause gemacht.

Der weiße Klotz durch den die grüne Linie geht – das ist es!

Wir sind also Donnerstagnachmittag wieder nach Gießen und haben ihn eingesackt (nach der Zahlung von fast genau 3.000€). Vor Ort zeigte er schon ein im Vergleich zu Sonntag besseres Bild. Und als wir ihn dann Zuhause aus der Box geholt haben, war er sichtlich erfreut und bewegte sich dabei ebenfalls schon ein wenig. Das Thema Einschläfern war zu diesem Zeitpunkt also erstmal verschoben. Stattdessen ging es jetzt um die Frage, wie kümmern wir uns am besten um ihn. Wie oft und mit was füttern? Urin und Kot ablassen machte er selbstständig, ging aber logischerweise nicht auf dem Katzenklo, sondern nur an Ort und Stelle. Wie gehen wir damit um? Was brauchen wir noch dafür? Dann sollten ihn regelmäßig wenden und ihn zum Bewegen animieren. Dazu auch schnellstmöglich mit einer Physiotherapie anfangen.

Die Casa Lysanda, ein Pflegeheim

Zeit also unseren Alltag erneut umzustellen und voll in den Pflegebetriebsmodus zu wechseln. Ein paar Einkäufe hatten wir dahingehend bereits mittwochs erledigt. Wir wollten ihn auf jeden Fall nach Hause holen, wenn möglich und ihm noch ein paar schöne Tage in vertrauter Umgebung schenken. Im Einkaufskorb landeten deshalb unter anderem eine kleine, faltbare Transportbox*. Wir hatten schon lange eine größere, die unter anderem nach Balus Zähne ziehen und Lyssis Unfall zum Einsatz kam. Hatten wirklich gute Erfahrung damit gemacht, aber die passt nicht in unser Auto und war jetzt auch ein wenig zu groß für eine Katze, die nur auf der Seite liegen kann. Außerdem wollten wir ihn auch im Haus mitnehmen können. Deswegen die kleinere Variante.

Der nächste Punkt waren Inkontinenzunterlagen. Da griffen wir zu einem 50iger-Pack saugfähiger Einmalunterlagen* aus der Hundeecke. Die Saugfähigkeit und der Umgang damit erschienen uns erstmal als ausreichend. Mit dem Füttern gab und gibt es hingegen keinerlei Probleme. Er ist immer sofort begeistert bei der Sache und robbt sich mittlerweile auch schon in Richtung Teller. Dann ein bisschen Unterstützung, also Futter mit einem Löffel in Richtung Mund schieben, und der Rest passiert von alleine.

Der 2. Einkauf

Die Nacht von Donnerstag auf Freitag klappte auch soweit. Er hatte wie erwartet irgendwann in die Box gekackt und gepinkelt. Also Katze raus und sauber gemacht, Unterlage gewechselt, Katze wieder rein, alles super. Wir haben dann ein paar Tierphysiotherapeuten in der Umgebung angeschrieben und tatsächlich noch mittags einen Termin bei einer bekommen. Hatten wir echt Glück. Die Stunde dort zeigte erneut, dass die Uhr für Balu offensichtlich noch nicht abgelaufen ist. Er reagiert, will mitmachen und konnte in Sachen Bewegung schon wieder mehr als tags zuvor.

Balu lässt es sich bei der Physiotherapie gut gehen.

Anschließend sind wir (ohne Balu) noch zu JYSK gefahren, um am Ende sieben (mehr hatten sie nicht) waschbare Nässeschutzauflagen zu kaufen. Hätte nicht gedacht, dass es sowas in einem Möbelhaus gibt. Aber wenn man drüber nachdenkt, ist es doch naheliegend. Gibt schließlich viele Kinder und ältere Menschen, die Probleme haben. Wir hatten zwar in dem Sinne noch keinen vollen Tag mit Balu hinter uns. Es war aber bereits absehbar, dass wir mit den Einmalunterlagen auf Dauer nur haufenweise Müll produzieren würden und zusätzlich hat er Krallen gegen die die dünnen Matten keine Chance haben. Deswegen wollten wir was Nachhaltigeres. Außerdem haben wir noch ein paar Wolldecken eingepackt, die gerade im Angebot waren. Die wickeln wir in die Nässeschutzauflagen ein und legen das Paket in die Faltbox. Und die vergleichsweise große Menge, damit wir anständig rotieren können. Die Waschmaschine läuft jetzt zwar täglich, aber das Zeug braucht trotzdem Zeit zum Trocknen. Nein, wir schaffen uns jetzt nur für Balu keinen Trockner an. Entsprechend braucht es in der Zwischenzeit Ersatzmaterial. Und die Unterlagen liegen z.B. auch auf dem Spielteppich im Arbeitszimmer oder auf der Couch im Wohnzimmer vorm Fernseher. Dann muss Balu nicht den ganzen Tag nur allein in der Box liegen.

Soweit so gut am Freitagabend. Wir hatten alles, was wir Zuhause brauchten.

Ein sehr dreckiger Balu

Als ich Samstagmorgen zu Balus Faltbox gegangen bin, erwartete mich ein unschöner Anblick. Er hatte, was zu erwarten war, wieder gekotet. Soweit, so normal. Dadurch, dass er allerdings mittlerweile so bewegungsfreudig geworden ist – wir müssen ihn nicht einmal mehr wenden, das macht er von selbst -, hat er sich jedoch buchstäblich in seiner Scheiße gesuhlt gehabt. Da half auch kein Waschlappen mehr das sauber zu machen. Ich musste ihn ins Waschbecken legen und gründlich säubern.

Der Gedanke, dass mich dieser Anblick jetzt jeden Tag erwarten würde, stimmte mich nicht gerade fröhlich. Ja, den ganzen Kram kann man waschen. Aber, dass sich Balu die halbe Nacht darin wälzt ist jetzt nicht unbedingt schön. Außerdem muffte jetzt auch die Transportbox. Nach etwas Recherche folgte also eine weitere Einkaufstour. Zum einen nochmal eine Faltbox. Damit wir hier ebenfalls einen Ersatz haben während die andere gewaschen wird. Im Onlineshop* von Fressnapf ist es zwar nicht zu finden, aber vor Ort gab es dort außerdem ein neutrales von Trixie*. Balu soll schließlich jetzt nicht nach Zitrone stinken oder sowas. Da er sich so massiv eingesaut hatte und er sich ja nicht selbst putzen kann, wollte ich sicherstellen, dass er tatsächlich sauber ist. Da war mir Wasser einfach nicht genug. Wir haben ihn entsprechend dann Zuhause erstmal gebadet. War sicherlich nicht darüber begeistert, aber wir haben es versucht ihm so angenehm wie möglich zu machen und es trotzdem zügig hinter uns zu bringen.

Balu mit Windel

Und das dritte Produkt, was in unserem Einkaufwagen landete, waren waschbare Windeln*. Auch wieder für Hunde gedacht, war die Idee damit eben die Nacht bzw. längere Abwesenheiten von uns zu überbrücken. Immer in der Hoffnung, dass er sich so weniger dreckig macht als ohne. Die Windeln haben einen Klettverschluss und ein Loch für den Schwanz, sind also relativ einfach zu bedienen. Funktioniert hat es ehrlicherweise bislang nicht. Er hat sie jedes Mal erfolgreich ausgezogen und dann doch einfach in die Box gemacht. Immerhin in der Nacht Samstag auf Sonntag sich nicht darin gewälzt.

Der aktuelle Status

Morgen hat er seine 2. Physiotherapiestunde und am Donnerstag sprechen wir wieder mit der Tierklinik in Gießen. Dafür sollen wir ihnen ein paar Videos zuschicken, damit sie sehen wie er sich macht. Aktuell sind wir tatsächlich äußerst optimistisch, dass es zum einen kein Tumor ist. Und zum anderen, dass es wieder halbwegs was mit ihm wird. Zwar machen wir uns keine Illusionen, dass er jemals wieder komplett der Alte sein wird. Aber von alleine durch die Gegend laufen, Leckerlis fangen, aufs Klo gehen und so? Absolut realistisch angesichts der Fortschritte, die er bereits in dieser kurzen Zeit gemacht hat.

Er ist munter, geistig voll anwesend, dreht sich fleißig und liegt sogar mitunter mal kurzzeitig auf dem Bauch. Man sieht Bewegung in seinen Pfötchen und ab und zu sogar im ganzen Bein und robbt sogar ein bisschen durch die Gegend. Während ich diese Zeilen geschrieben habe hat er sich beispielsweise in mehreren Etappen vom Spielteppich zu mir an den Bürostuhl geschoben – rückwärts! Wir unterstützen ihn dabei wo es geht inklusive Massageeinheiten, Bewegung der Gelenke und ärgern seine Nerven mit Massagebällen, Bürsten & Co., wie von der Physiotherapeutin empfohlen.

Drückt ihm also die Daumen und ich halte euch auf dem Laufenden.

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