Mass Effect: The Complete Comics (Cover)

Elf Jahre ist es mittlerweile her, seit ich das letzte Mal einen Mass Effect-Titel gestartet habe (damals kam der Extended Cut zu Mass Effect 3 raus). Ja, Mass Effect Andromeda* sowie die Mass Effect Legendary Edition* stehen zwar im (digitalen) Regal aber angefasst habe ich beide bislang noch nicht. “Traue” mich vermutlich aktuell nicht sowas episches anzufangen :smile: . Was ich aber gemacht habe, ist endlich mal die Comic-Ableger von Dark Horse Comics zur Serie zu lesen. Die gibt es seit einiger Zeit gesammelt als Mass Effect: The Complete Comics* in Taschenbuchform.

Letzteres ist etwas… ungünstig, denn es sind insgesamt 800 Seiten. Und ein Taschenbuch im Format 260x170mm mit so viel Umfang ist absolut unhandlich. Da fallen einem die Arme ab, wenn man versucht das z.B. im Bett zu lesen. Aber gut: Irgendwie habe ich es ohne dauerhafte Schäden hinbekommen. Inhaltlich erwarten euch hauptsächlich Geschichten, die vor Mass Effect 2 angesiedelt sind. Ihr wisst schon: Die Suche nach Shephards Leiche und was so eure späteren, potentiellen Crewmitglieder in ihrem vergangenen Leben getrieben haben. Der Shadowbroker, Cerberus und Omega-Station sind die am häufigsten wiederkehrenden Akteure. Das letzte Heft beschäftigt sich hingegen mit der Vorgeschichte von Mass Effect Andromeda.

Der Inhalt

Der Stil der Comics ist typisch Amerikanisch. Wer also schon einmal einen moderneren Superheldencomic von Marvel oder DC gelesen hat, weiß was ihn erwartet. Ich persönlich bin nicht der ganz große Fan davon (mir ist der Stil zu hart und grimmig) aber objektiv betrachtet sind die Zeichnungen detailliert, sprich die Charaktere und ihre Emotionen kommen gut zur Geltung und auch die Action ist ansprechend in Szene gesetzt. Nur selten musste ich genauer hinschauen, um zu verstehen, was eigentlich gerade passiert ist.

Mein größtes Problem mit dem Mammutwerk ist deshalb ein anderes: Es erwartet faktisch, dass ihr im Minimum Mass Effect 2 gespielt habt. Das macht insofern Sinn, dass es sich ja technisch gesehen um Begleitmaterial für Fans handelt. Da mein Durchlauf aber mittlerweile 13 Jahre her ist, fehlen mir dann doch so einige Zusammenhänge. Natürlich ist mir bei den wichtigsten Charakteren wie Miranda, Cerberus oder Liara T’Soni noch ein bisschen was im Kopf. Aber eben nicht so ganz die tiefen Details. Und bei allem anderen wird es noch schwammiger von wegen “sollte ich den kennen”? Und auch dazugehörige Situationen, auf denen die Geschichten aufbauen, sind mir nicht mehr ganz so präsent. Sprich, die Erzählungen haben durchaus das Problem auf eigenen Beinen zu stehen. Zwar braucht es für Blasto: Eternity is Forever nur die Grundkenntnis darüber, was ein Hanar ist, um es lustig zu finden einen als Pseudo-James-Bond zu erleben. Aber, wenn es beispielsweise in Foundation um die Hintergrundgeschichten der Begleiter geht, fehlte mir nach all der Zeit durchaus einiges an Zusammenhang, um wirklich reinzukommen.

Insofern: Für Fans, deren Erinnerung an die Serie noch frisch ist, sicherlich eine geile Sache, um noch tiefer in das Universum einzutauchen. Ich hingegen muss wohl erstmal wieder die Spiele spielen, bevor ich ein abschließendes Urteil über die Comics fällen kann. Ein schlimmes Los, ich weiß…

Jets ‘n’ Guns Gold (Herstellerbild)

35,5 Stunden zeigt mittlerweile mein Spielzeitzähler für Jets’n’Guns Gold auf Steam an und ich habe immer noch nicht alle Achievements (16/22) gesammelt. Aktuell an Durchgang 7 von 10 und erst rund die Hälfte der nötigen Kills für die dazugehörigen Erfolge. Und dass, obwohl der Titel 43 Level hat! Selbst das Achievement für 10.000 Punkte im Tetris-Klon Tetrix habe ich noch nicht erreicht, weil es so bock schwer ist. Motivation weiter zu machen? Schon seit einigen Monaten praktisch nicht mehr vorhanden. Lasst es euch das eine Lehre sein: Macht euch euer Lieblingsspiel nicht dadurch kaputt, dass ihr auf Biegen und Brechen 100% erreichen wollt. Es lohnt sich nicht!

Da passt es ganz gut, dass ich mir während des Winter Sales (an Heiligabend!) endlich mal den Nachfolger, Jets ‘n’ Guns 2, gegönnt habe. Da bin ich nach 12,5 Spielstunden schon mitten im 8. Durchgang und habe 37/40 Achievements freigeschaltet. Ja, es gibt wieder einen “Erreiche Stufe 10”-Erfolg. Und dieses Mal werde ich ihn (legal) freischalten!

Klingt, als würde das Side-Scrolling-Shoot’em up von Rake in Grass mächtig Laune bereiten? Grundsätzlich ja, aber vor allem für Veteranen ist die Antwort etwas komplizierter.

Die Technik

Ich weiß grad gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll. Schließlich will ich den Titel ja nicht absichtlich in total negatives Licht stellen. Aber Rake in Grass macht es mir absolut nicht einfach. Fangen wir vielleicht mit dem offensichtlichsten an: Der Grafik. Jets ‘n’ Guns 2 sieht fantastisch aus. Die Texturen sind scharf und detailliert, die Levels thematisch abwechslungsreich und das Effektgewitter macht richtig was her. Fast schon zu viel in den späteren Levels/Schwierigkeitsstufen, wo so viel auf dem Bildschirm los ist, dass ihr gar nichts mehr seht. Und Gott bewahre, ihr nehmt einen Kumpel dazu. Wenn gleich zwei Flugzeuge aus allen Rohren schießen ist es bei entsprechender Ausrüstung mit der Übersicht komplett dahin. Ja, das Spiel hat (erfreulicherweise) einen lokalen Koop-Modus, der gut funktioniert und definitiv Laune macht.

Jets ‘n’ Guns 2 (Herstellerbild)

Auch was aus den Boxen ertönt passt perfekt zum Bildschirmgeschehen und unterstützt das Effektgewitter gekonnt – mit einem ganz dicken Minuspunkt: Die Musik. Obwohl sie erneut aus der Feder der schwedischen SID-Metalband Machinae Supremacy stammt, ist sie faktisch während des normalen Spielgeschehens nicht zu hören. Es sei denn, man dreht die Lautstärke der Soundeffekte komplett runter oder lässt den Feuerknopf mal los. Da ist beim Soundmixing definitiv irgendetwas in die Hose gegangen. Dabei hat der Soundtrack im ersten Teil sehr viel zum Spielerlebnis beigetragen. Schade.

Aber als Fan der Band habe ich mir natürlich das Album sofort bei Bandcamp geholt – und wurde sehr, sehr enttäuscht. Die meisten Tracks klingen langweilig und 08/15-“Ich schrubb auf der Gitarre” rum. Die bezeichnenden SID-Elemente fehlen häufig. Und die wenigen Highlights wie das Title Theme sind Remixes/verwenden Motive aus dem Soundtrack von Teil 1. Da hatte ich definitiv wesentlich mehr erwartet. Stattdessen habe ich beim Hören des Albums mehr das Gefühl als würde ich entweder Ausschuss- oder “Ich werde nicht gut genug dafür bezahlt”-Liedern lauschen. Absolut kein Vergleich zum phänomenalen Soundtrack von Jets ‘n’ Guns, der nur so vor Kreativität sprühte und den ich heute noch hoch- und runterhöre *klickt auf Megascorcher in seiner Playlist und rockt eine Runde ab*.

Resteverwertung?

“Ausschuss” ist leider ein Punkt, der nicht nur beim Soundtrack zu spüren ist. Auch das restliche Spiel leidet unter dem Problem, dass ich als Fan alles gefühlt schon in besser/kreativer erlebt habe. Sicherlich nicht in so einem schicken Gewandt aber die neuen Ideen halten sich definitiv in Grenzen. Stattdessen erwartet euch in den gerade Mal 13 Leveln (plus 3 geheime Level) im Prinzip ein Best-of aus Teil 1. Ein Flug durch eine SciFi-Stadt, ein Abstecher ins Bierimperium, ein Besuch bei den Insekten, ein Lavaplanet mit obligatorischem Star-Wars-Easter-Egg und sogar das ein nerviges Rennen sind dabei. Viele der Gegner sind darüber hinaus alte Bekannte, die zwar in neuem Glanz erstrahlen aber trotzdem nicht wirklich was Neues zu bieten haben. Da ist es fast schon positiv, dass ein Durchgang so schnell vorüber ist. Denn ja, es sind nicht nur weniger Levels – sie sind auch definitiv kürzer. Ich würde schätzen, dass ihr mit dem ersten Durchgang maximal 3-4 Stunden beschäftigt seid.

Wenn wenigstens die Geschichte ansprechend wäre. Aber nein, diese ist faktisch nicht vorhanden. Erwarteten euch in Teil 1 noch kleine Comic-Seiten mit viel Witz und Charme und einer zusammenhängenden Geschichte rund um einen zeitreisenden Bösewicht, gibt es hier nur ein paar Zeilen Text unten am Bildschirm beim Anklicken eines Levels. Entsprechend habe ich ehrlich gesagt keinen Schimmer was ich warum überhaupt getan habe und wer der Typ war, dessen Schiff ich in einem mehrstufigen Bosskampf zerstört habe. Das verstärkt den Eindruck ungemein, dass hier einfach nur ein paar aus Teil 1 übrig gebliebene Ideen umgesetzt und als eigenständiges Spiel verkauft wurden.

Das Upgrade-System

Jets ‘n’ Guns 2 (Herstellerbild)

Was ebenfalls gestrichen wurde sind mehrere unterschiedliche Schiffe. Stattdessen fliegt ihr von Anfang bis Ende immer die gleiche Mühle und habt nur ein paar Möglichkeiten sie im Design euren Vorstellungen anzupassen. Mich persönlich stört dieser Punkt zwar nicht sonderlich, aber es gefällt nicht jedem. Immerhin habt ihr immer noch sehr viele Möglichkeiten eure Mühle auszustatten. Dazu schaltet ihr im Verlauf des Spiels dutzende verschiedene Ausrüstungsgegenstände frei. Von Waffen aller Art über Waffenmodifikationen und Spezialfähigkeiten hin zu Schiffssystemen ist die Auswahl echt riesig. Und obwohl es natürlich empfehlenswerte Konfigurationen gibt, vor allem auf den höheren Schwierigkeitsgraden, habt ihr doch so einige Freiheiten und es lohnt sich zudem hin und wieder mal zu wechseln.

Blöd nur, dass genau hier die Freiheit eingeschränkt ist. Während ihr zwar wieder die komplette Kohle zurückbekommt, wenn ihr einen Ausrüstungsgegenstand verkauft, sind die Bauteile nicht unendlich oft im Shop verfügbar. Möchtet ihr also für eure drei Frontgeschütze drei automatische Zielhilfen kaufen, dann geht das nicht. Ihr bekommt nämlich nur eine auf einmal. Stattdessen heißt es die nächste Mission kaufen, das Bauteil nochmal kaufen und dann noch eine dritte Mission schaffen, bevor ihr endlich eure Wunschkonfiguration habt. Das ist echt doof gelöst. Und macht euch mitunter auch das Leben unnötig schwer. Meist wollt ihr schließlich wechseln, wenn ihr euch an einem Level die Zähne ausbeißt. Also müsst ihr nochmal alte wiederholen, bevor ihr überhaupt die Chance habt es mit einer neuen Konfiguration nochmal zu probieren. Keine Ahnung, warum es diese Einschränkung gibt.

Der Schwierigkeitsgrad

Apropos Zähne ausbeißen: Die ersten zwei Level des Spiels sind die härtesten im gesamten Spiel. In Star City 17 liegt es vermutlich daran, dass ihr in vergleichsweisen engen Korridoren unterwegs seid. In Skyway Alpha kommt zu diesen Korridoren dann noch ein stark beschleunigtes Scroll-Tempo dazu. Hat man diese beiden Level mal überstanden, ist der Rest des Durchgangs fast schon ein Spaziergang.

Erfreulicherweise anders als noch in Teil 1, wird das Spiel auch tatsächlich bei jedem Durchgang anspruchsvoller. So bekommen Feinde beispielsweise Schilde, es sind zusätzliche Hindernisse im Level vorhanden oder Gegner lassen eine Bombe beim Tod fallen. Je weiter ihr kommt, desto stärker verkommt der Titel aber leider zu einem Bullet-Hell-Shooter (überall sind Geschosse auf dem Bildschirm), bei dem weniger die eigentlichen Feinde als das Drumherum die Gefahr ist. Kombiniert mit den vielen Effekten, die eure aufgemotzten Schießprügel machen, wisst ihr mitunter gar nicht was euch gerade in die Luft gejagt hat. Da lernt man die kurzen Levels und die Möglichkeit vier davon auszulassen dann tatsächlich sehr schnell zu schätzen. Und ja, die Bosse sind im Vergleich ein Witz und meist innerhalb von Sekunden tot, wenn sie nicht in mehrere Phasen aufgeteilt sind. Aber die ersten 2-3 Durchgänge sind völlig okay und machen Laune.

Jets ‘n’ Guns 2 (Herstellerbild)

Beim Christoph meint: Von mir gibt es 3 von 5 Sics. Als Fan von Teil 1 bin ich definitiv enttäuscht von Teil 2. Ja, es sieht geil aus und das Grundprinzip macht definitiv immer noch Spaß. Aber es ist mir unterm Strich schlicht und einfach zu wenig. So sehr mich die 43 Levels in Teil 1 für das Achievement mittlerweile ankotzen: Es wurde einem echt was geboten. Die Levels in Teil 2 sind zwar ebenfalls im Grundsatz gut gemacht. Es fehlt mir jedoch der Charme, der Witz und vor allem die coolen neuen Ideen. Stattdessen erwartet mich das Gleiche wie vor 16 Jahren – nur irgendwie abseits der Grafik schlechter und langweiliger. Insofern ist mein Fazit leider, dass ihr euch lieber Teil 1 kaufen solltet. Da mögen die Texturen nicht so gestochen scharf sein aber in allen anderen Aspekten ist er dem Nachfolger immer noch überlegen. Lasst euch nur nicht von den Achievements verführen!

PS: Tetrix feiert in Teil 2 ebenfalls seine Rückkehr – allerdings in Form von Mortal Tetrix. Statt einem leeren Spielfeld begrüßt euch ein Bild, das ihr nach den üblichen Tetris-Regeln zerstören müsst um ins nächste Level zu gelangen. Gleichzeitig haben eure Tetrominos “Special Moves” drauf – daher das “Mortal” im Name. Beim Ausführen der am Bildschirmrand angezeigten Tastenkombination stürzt sich beispielsweise der Viererblock in die Tiefe und löscht alle Steine aus. Das T führt hingegen einen Luftangriff durch, der alle Blöcke in der ersten Reihe entfernt. Eine sehr coole Umsetzung mit der ich mehr Spaß hatte als ich zugeben möchte :smile: .

Sicarius

Die dritte Gilde

The Guild 3 (Herstellerbild)

Nachdem an World of WarCraft also erst einmal ein Haken ist, kann ich mich nun logischerweise wieder anderen Titeln widmen. Bevor wir aber dazu kommen, bin ich euch noch ein paar Zeilen zu Die Gilde 3* – pardon, The Guild 3 “schuldig”. Das hatte ich seit November auch wie angekündigt noch so einige Stunden gespielt. Es gab sogar überraschenderweise Mitte Dezember noch einmal einen kleinen Patch auf Version 1.0.5, der unter anderem ein paar grafische Verbesserungen mit sich brachte. Hatte ich nicht erwartet.

Die ungeduldige Jugend

Zuerst die positive Seite: Aus technischer Sicht hatte ich keine Probleme. Ja, es sieht aus wie ein Titel von 2016 statt 2022 aber es ist in sich alles sehr (mittelalter-)stimmig und der Wuselfaktor ist ansprechend hoch. Kein Die Siedler-Niveau aber ausreichend, um halbwegs lebendige Städte zu erschaffen. Die Ohren erwartet ebenfalls nichts Überragendes aber zum in Ruhe vor sich hin wirtschaften – und das ist, was ihr 80% der Zeit tut – ist es völlig okay was sowohl an Musik als auch Soundeffekten aus den Boxen dringt. Von Bugs im eigentlichen Sinne kann ich bislang ebenfalls nichts berichten – zumindest sind die unten genannten KI-Probleme aus meiner Sicht keine Bugs, sondern grundlegende Designfehler. Insofern in dieser Hinsicht alles im grünen Bereich. Spielerisch hingegen… nun, da ist meine Begeisterung nicht ganz so groß.

Ich bin jetzt mal so nett und schiebe das nur zum Teil dem Spiel in die Schuhe. Es liegt sicherlich ein Stück weit schlicht auch daran, dass ich mittlerweile vermutlich nicht mehr ganz so die Geduld für so einen vollgepackten Titel habe in den man sich erstmal mehrere dutzend Stunden reinspielen muss bevor man ihn wirklich verstanden hat. Vor allem, wenn das Lernen so trocken verpackt ist. Das Tutorial ist extrem rudimentär, geht über viele Aspekte zu schnell drüber und ist gleichzeitig trotzdem extrem langweilig gestaltet. Stattdessen verlangen die Entwickler im Prinzip von euch die äußerst umfangreiche Hilfe im Spiel durchzuarbeiten. Da wünscht man sich definitiv ein gedrucktes Handbuch zurück. Denn ja, die Bedienung ist selbst nach mehreren Spielstunden immer noch umständlich und kompliziert. Auf der einen Seite zu viele verschachtelte Menüs mit wenig intuitiven Buttons in denen man sich zurechtfinden muss. Auf der anderen Seite ist bei fast jedem Aspekt viel Micromanagement und vor allem Händchenhalten nötig.

Die Wirtschaftssimulation

The Guild 3 (Herstellerbild)

Ja, Händchen halten müsst ihr extrem viel. Das fängt mit euren Produktionsketten an, die sich zwar theoretisch an vielen Punkten automatisieren lassen (mit leichten Abstrichen bei der Effizienz im Vergleich zum selbst jeden Befehl selbst geben) aber die KI ist teilweise so dermaßen dämlich, dass sie euch ohne Beaufsichtigung völlig in den Ruin treiben kann. Das ist mir direkt im Tutorial passiert wo meine Ressourcen von meinen Leuten zwar ins Lagerhaus gepackt aber dann nicht an meine Produktionsstätten ausgeliefert wurden. Bis ich raus hatte wie ich diesen Engpass lösen kann (manuelle Routenerstellung für eure Fuhrwerke) hat es einige Zeit gedauert.

Aber hat man mal seine Produktion am Laufen und ein paar Standardeinstellung vorgenommen, dann funktioniert es alles in allem ganz gut. Es gibt eine (simple) Marktsimulation, die eigenen Mitarbeiter sind ebenfalls Individuen mit ihren eigenen Stärken und Schwächen, die sich mit der Zeit und mit eurer Hilfe weiterentwickeln und man hat vergleichsweise viele Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass die Kohle in die Kassen gespült wird mit entsprechenden Notwendigkeiten sich zu spezialisieren (z.B. Heilberufe oder Schmiedehandwerk). Wobei das Geld verdienen dann auch schon wieder fast zu gut funktioniert, wenn man mal die richtige Kombination von Betrieben gefunden hat.

Denn ja, das Warenkreislaufsystem hat irgendwie auch einen leichten Knacks und favorisiert gefühlt Dienstleistungs- und Ressourcen-sammel-Gewerbe viel zu stark. Wohingegen es weiterverarbeitende Betriebe mitunter schwer haben Profit zu schlagen. Gleichzeitig ist die Preisentwicklung ebenfalls nicht bis zu Ende durchdacht. So erhöht sich zwar der Preis von Waren, wenn ihr diese in großen Mengen einkauft. Aber die Rohstoffe zur Herstellung derselben? Joa, deren Preis ändert sich dadurch nicht. Da fehlt quasi irgendwo eine Verbindung.

Und doch ist es tatsächlich (erwarteterweise?) der Wirtschaftsteil zuammen mit der politischen Komponente (eure Möglichkeiten sind bestimmt von eurem Rang), der mir am meisten Spaß macht.

Die nervige Verwandtschaft

The Guild 3 (Herstellerbild)

Was mir hingegen den Spielspaß völlig versaut ist das Familienmanagment. Ich weiß nicht mehr, ob es in Teil 2 auch schon so schlimm war aber ich muss jedem einzelnen Familienmitglied ständig hinterherrennen. Sie machen so gut wie nichts selbstständig, stattdessen stehen sie nach dem Abarbeiten eines Befehls einfach nur dumm in der Gegend herum. Gleichzeitig kann ich aber auch keine Aufträge aneinanderreihen. Beispielsweise “bewerbe alle diese Betriebe nacheinander”. Nein, ich muss jedes Mal manuell eingreifen – und, dass bei jedem Mitglied (!) meiner Dynastie (bis zu 20 Personen). Dazu kommt, dass ich nur drei Stück gleichzeitig in euer “Team” aufnehmen könnt. Alle anderen könnt ihr nur umständlich aus einem Untermenü heraus aktivieren. Das ist so nervig.

Und Gott bewahre, wenn ein Familienmitglied einen Dialog führen muss. Seht ihr nicht rechtzeitig das kleine Symbol am oberen Bildschirmrand, könnt ihr nicht schnell genug reagieren und das Gespräch ist schon vorüber. Statt mir als Spieler die Möglichkeit zu geben direkt beim Erteilen des Befehls zu sagen, was zu tun ist, muss ich umständlich abwarten bis mein Manne vor Ort ist. Und selbst, wenn es einen Button gibt, ist teilweise trotzdem noch ein Dialog zu führen. So kann ich direkt sagen “Lass uns in einer Kirche heiraten” und einer der zukünftigen Eheleute rennt dann fleißig zur Kirche. Aber dort muss ich mit dem Pfarrer reden und erneut “Ich möchte heiraten” auswählen. Für was?! Für den Fall, dass ich mich in den letzten zwanzig Sekunden umentschieden habe? Und dann muss ich nach dem Bestätigen auch noch warten bis mein zukünftiger Partner zur Kirche gelaufen ist. Denn der ist in der Zwischenzeit wieder seinem Tagewerk nachgegangen. Nene… Und jetzt multipliziert das Ganze auf fast mehr zwei Dutzend Familienmitglieder. Da hat man teilweise gar keine Zeit mehr nach seinen Geschäften zu schauen.

Dabei ist es grundsätzlich schon sehr cool wie viele Möglichkeiten man hat auch im kleine  einzugreifen. Welche Person der anderen Dynastie bezirzt man? Wen besteche ich? Wie bringe ich die Leute suf mekne Seite? Und spästens sobald man das erste Amt inne hat geht es so richtig los mit den politischen Intrigen. Wem tut man was Gutes, um am Ende selbst davon zu profitieren? Und so weiter. Nur wäre mir es echt lieber gewesen das in schicken Menüs zu erledigen statt umständlich meine Mannen einzeln durch die Gegend zu schicken und ständig neue Befehle erteilen zu müssen. Ich kann nur erneut betonen wie viel Zeit man mit diesem langwierigen Mikromanagment verbringt statt Spaß zu haben…

The Guild 3 (Herstellerbild)

Beim Christoph meint: Ja, Die Gilde 3 hat definitiv viele Problemecken. Das lässt sich nicht leugnen. Es wäre allerdings unfair von mir nicht zu erwähnen, dass mir die Stunden beim Spielen trotzdem irgendwie durch die Finger geronnen sind (bin ich immer noch mit meiner allerersten Dynastie beschäftigt). So sehr mir das Familienmanagement auf den Geist geht – das Setting, der Wuselfaktor und die Wirtschaftssimulation lassen mich weitermachen. Diese funktioniert im Großen und Ganzen und bereitet einige Stunden Laune. Es ist unbestreitbar ein cooles Gefühl sich von einem kleinen Ein-Mann-Betrieb zu einem Wirtschaftsimperium hochzuarbeiten und den perfekten Produktionskreislauf aufzubauen. Zu sehen, wie sich die Kassen füllen und sich noch weiter auszubreiten inkl. dem politischen Geschacher, das dazu mitunter notwendig ist. Der grundsätzliche Reiz der Serie ist also auch im dritten Teil wieder vorhanden. Leider ist es verpackt in eine Bedienung, die fast schon einem Paradox-Strategietitel würdig ist und trotz dieser vermeintlichen Komplexität: Je länger man sich mit dem Titel beschäftigt, desto deutlicher werden die Unzulänglichkeiten der Simulation sichtbar.

Insofern ist es schwierig den Titel zu empfehlen. Mir ist nicht wirklich etwas vergleichbares auf dem Markt bekannt gleichzeitig ist das Produkt definitiv eher Mittelmaß. Es ist vieles (Wirtschaftssimulation, Aufbauspiel, Rollenspiel), macht aber nichts davon richtig gut und doch triggert es irgendwo in meinem deutschen Gehirn erfolgreich ein paar Punkte. Wie viele andere Tester würde ich entsprechend sagen, dass es hauptsächlich für Fans der Serie interessant ist. Und selbst die haben haufenweise zu meckern :smile: .

Ich persönlich hingegen? Nun, ich habe Die Gilde 3 noch nicht ganz den Rücken zugekehrt. Zumindest einmal möchte ich schließlich nach all der Arbeit dann doch mal auf dem Thron sitzen (das ist die Siegbedingung meines Spiels). Aber aktuell glaube ich nicht, dass ich mehr als diese Runde bis zum Ende durchziehen werde. Dafür warten zu viele andere, bessere Spiele auf mich.

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