Star Trek: Deep Space Nine (Paramount-Promobild)

Von einem Raumschiff, das unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen zu finden, hin zu einem (die meiste Zeit) stationären Objekt. Wenn das kein krasser Unterschied ist, dann weiß ich auch nicht. Und das ist nur das Offensichtlichste (abseits des erstmals in Deutschland nicht übersetzten Titels), was Star Trek: Deep Space Nine* von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert* unterscheidet. Wir haben außerdem eine größere Anzahl an Personal, mehr “Aliens” nicht nur unter den Hauptcrew, sondern grundsätzlich auf dem Bildschirm, mehr episoden-übergreifende Geschichten und generell eine wesentlich düstere Atmosphäre als es wir bislang bei den Abenteuern der immer sauber polierten Enterprise gewohnt waren. Ja, der Kontrast zwischen beiden Serien ist bewusst sehr groß. Verwechslungsgefahr faktisch ausgeschlossen auch, wenn Chief Miles O’Brien mit seiner Familie umziehen durfte (er hatte auf der Enterprise eh nichts zu tun) und Worf später ebenfalls den Einsatzort wechselt, um weitere TNG-Fans zum Einschalten zu bewegen.

Das bringt uns dann auch schon zum nächsten Gegensatz: Star Trek: Deep Space Nine konnte weder während noch nach ihrer Laufzeit an den Erfolg der Crew von Picard & Co. anknüpfen. Ich könnte jetzt mega-böse sein und einen Verdacht in den Raum werfen, der irgendwas mit der Farbe “weiß” zu tun hat. Aber das Thema lassen wir hier mal beiseite und schieben es stattdessen darauf, dass der Unterschied zwischen dem eher positiven Ausblick auf die Zukunft in den vorherigen Star-Trek-Serien und diesem stark religiös-behafteten und nicht so rosigen Teil der Galaxis für viele Zuschauer und selbst Trekkies zu groß war. Plus der Fokus auf zusammenhängende Handlungsstränge – wer nicht dran blieb, wurde quasi zurückgelassen.

Die andere Raumstation

Ach, und ein weiterer Faktor für die vergleichsweise schlechten Zuschauerzahlen könnte gewesen sein, dass gerade mal drei Monate später bei der Konkurrenz eine andere Science-Fiction-Serie startete – inkl. einem damals sehr bekannten Schauspieler in der Hauptrolle (Bruce Boxleitner). Die spielte ebenfalls auf einer Raumstation und bot einen genauso wenig auf Hochglanz polierten Blick auf das Universum: J. Michael Straczynskis Babylon 5.

J. Michael Straczynski (ja, man muss ihn immer vollständig ausschreiben!) warf Paramount übrigens vor seine Idee gestohlen zu haben. Er hätte schon 1989 seine Serie an Paramount gepitcht, die aber damals ablehnten. Da jedoch kein Gerichtsverfahren folgte (angeblich, um beide Serien zu schonen), werden wir wohl nie erfahren, was an den Anschuldigungen wirklich dran ist. Aus meiner Sicht halten sich die Ähnlichkeiten zwischen beiden sehr in Grenzen abseits der grundsätzlichen Prämisse und der Tatsache, dass beide erstmals stark auf CGI setzten für ihre Außenaufnahmen. Die waren billiger als das Produzieren und Filmen von Modellen wie es bis zum Ende drüben bei Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert praktiziert wurde. Aber auf Babylon 5 gehen wir vielleicht in Zukunft nochmal genauer ein. Hab‘ sie zwar vor einigen Jahren mal gesehen aber noch nicht alle Filme und die Spin-Off-Serie.

Die Entstehung

Doch zurück zu Star Trek: Deep Space Nine. Captain Picard ließ damals die Kassen bei Paramount ordentlich klingeln. Entsprechend ist es wenig verwunderlich, dass sie die Cashcow “Star Trek” weiter melken wollten. Gleichzeitig waren sie sich bewusst (ein seltener Weitblick im Vorstand!), dass sie nicht ewig mit den Abenteuern der Enterprise-D weiter machen konnten. Zum einen wegen steigender Schauspielergehälter und zum anderen wegen möglichem Burnout bei den Autoren. Also wurden Rick Berman und Michael Piller beauftragt eine weitere Live-Action-Serie zu entwickeln.

Ideen gab es dafür einige. George Takei wünschte sich beispielsweise eine mit seinem Charakter Hikaru Sulu in der Hauptrolle. Das wurde jedoch abgelehnt, weil Paramount im Zeitraum von Picard & Co. bleiben wollte. Ein anderer Gedanke war es sie im klingonischen Imperium anzusiedeln (sehr coole Idee!). Oder auf einem frisch kolonisierten Planeten, quasi “New Frontier”-Style. Beides wurde jedoch aus Budgetgründen verworfen (wie so oft). Stattdessen rückte die Idee sie auf einer der Raumstationen spielen zu lassen in den Fokus, die wir schon öfters in den Filmen und Serien gesehen hatten.

Brandon Tartikoff, damaliger Vorstand bei Paramount, soll schlussendlich auf das finale Konzept gekommen sein. Es war aber keine komplett neuer Einfall, sondern er war inspiriert von den Western aus den 50iger und 60igern. Ganz konkret wohl von Westlich von Santa Fé*, die in einem Ort am Rande zum Wilden Westen spielte. Jetzt war es halt eine Raumstation am Rande der Galaxie (stimmt technisch gesehen nicht, aber passt scho’). Diese Inspirationsquelle kam allerdings nicht von ungefähr, denn Gene Roddenberry hatte bereits Raumschiff Enterprise als “Western im All” an Paramount gepitcht.

Staffel 1

(Cover)

Und damit kommen wir endlich zur 1. Staffel* von Star Trek: Deep Space Nine. Die Erstausstrahlung erfolgte am 30. Dezember 1992 – mitten in der Weihnachtspause von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert. Picard hatte gerade seine Folterung (Staffel 6, Folge 11) überstanden und konnte entsprechend einen kurzen Abstecher machen, um den neuen zu begrüßen: Captain Benjamin Sisko. Der hatte frisch das Kommando über eine ehemalige Raumstation der Cardassianer übertragen bekommen. Blöd nur, dass der seine Frau bei der Schlacht mit den Borg bei Wolf 359 verloren hatte und entsprechend auf unseren lieben Captain Picard nicht so gut zu sprechen ist. Nein, wirklich gelöst wird dieser Konflikt zwischen den beiden nie. Aber in der Heldenreise gehört so ein tragisches Erlebnis und die Konfrontation damit halt dazu :smile: . Am Ende des Pilotfilms haben wir auf jeden Fall den neuen Status Quo: Es gibt ein Wurmloch in den Gamma-Quadranten, Deep Space Nine ist direkt daneben und Sisko ist der Auserwählte – allerdings noch ohne Bart.

Der Pilotfilm, Der Abgesandte, ging damals in die Geschichte ein. Jedoch nicht wegen seiner inhaltlichen Qualitäten, sondern weil er 12 Millionen Dollar gekostet hat – das bis dato höchste Budget in dieser Kategorie. Für die gesamte erste Staffel standen hingegen 32-40 Millionen Dollar zu Verfügung (keiner weiß wohl mehr die genaue Zahl). Wenig verwunderlich also, dass sie nur 20 Folgen á 45 Minuten hat im Gegensatz zu den üblichen 26. Wobei Star Trek: Deep Space Nine wohl unterm Strich vergleichsweise sparsam unterwegs war. Zum einen eben durch den Einsatz von CGI (inkl. dem ein oder anderen Szenenrecycling – macht bloß nicht aus “Runabout fliegt ins Wurmloch” ein Trinkspiel). Die Sets waren zwar sehr groß aber dafür ihre Anzahl übersichtlich und sie wurden entsprechend häufig verwendet. Operations, Quarks Bar, ein Abschnitt auf dem Habitatring mit Odos Büro und der Krankenstation sowie ein Korridor mit Luftschleuse, Jefferies-Röhre und einem Quartier – das wars im Großen und Ganzen in Bezug auf Deep Space Nine selbst. Als Zuschauer fällt einem das aber nicht wirklich auf. Zum einen, weil es schlicht und ergreifend Sinn macht. Warum sollte schließlich jeder Korridor anders aussehen. Bei TNG haben wir in den sieben Staffeln die eine Kreuzung auch immer und wieder zu Gesicht bekommen. Zum anderen, weil viel mit Setdesign und unterschiedlichen Kameraperspektiven gearbeitet wird.

Der Inhalt

Fragt ihr einen eingefleischten Trekkie nach seiner Meinung, wird er vermutlich mal wieder sagen, dass die erste Staffel von Star Trek: Deep Space Nine absoluter Mist wäre und ihr sie einfach überspringen solltet. Keine Ahnung, wo dieser Schwachsinn immer herkommt. Fakt ist: Wie schon bei Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert ist sie bei weitem nicht so schlecht, wie sie gerne geredet wird. Im Gegenteil fand ich sie sogar im direkten Vergleich wesentlich besser und unterhaltsamer.

Ja, Schauspieler wie Autoren mussten erst mit den neuen Charakteren und dem neuen Setting warm werden. Das ist doch völlig verständlich und damals hatte man noch die Zeit. Bei den heutigen 6-Episoden-“Staffeln” muss natürlich gleich alles sitzen. Apropos: Odos Makeup ist ebenfalls noch nicht ganz gelungen und variiert beim genaueren Hinsehen teils von Szene zu Szene. Und obwohl die Grundlage für einen roten Faden gelegt wird (die Propheten), sind es doch größtenteils nur “Was kommt heute komisches aus dem Wurmloch?”-Episoden. Diese machen aber unabhängig der sonstigen, inhaltlichen Qualität immerhin fast alle ihren Job: die Hauptcharaktere vorstellen und uns näherbringen. Dazu kommt, dass es a) kein übermäßiges “was haben wir noch an alten Drehbüchern im Schrank” wie Anfangs bei TNG gab, die nicht zur neuen Crew passen und b) die Autoren größtenteils keine Trek-Unerfahrenen waren. Neben Michael Piller hat auch der spätere Showrunner Ira Steven Behr bereits in der 1. Staffel viel mitgemischt.

Eine Auswahl

Star Trek: Deep Space Nine (Promobild)

Die wohl schlechteste Episode der 1. Staffel von Star Trek: Deep Space Nine (und vielleicht der gesamten Serie) dürfte Macht der Phantasie sein. Keine Ahnung, was sich die Autoren dabei gedacht haben. Bescheuerte Charaktere, keinerlei echte Spannung und eine komische Handlung. Die Legende von Dal’Rok ist ebenfalls nichts Herausragendes, wird aber immerhin durch die Kombination aus O’Brien und Bashir gerettet. Die B-Story mit den Kindern hingegen… naja, ihr wisst was meine Meinung zu Kindern in Film und Fernsehen ist. Jake, Nog & Co. bilden da leider keine wirkliche Ausnahme. Und Chula – Das Spiel ist mit das Dümmste, was ich seit Gefährliche Spielsucht (TNG Staffel 5, Folge 6) erleben durfte. Und nein, es hat nicht geholfen, dass der Abstand zwischen beiden Folgen  nicht sonderlich groß war :wink: .

Im mittleren Qualitätsbereich sehe ich z.B. Der Fall Dax. Die Folge soll Erinnerungen an die famose TNG-Episode Wem gehört Data? (Staffel 2, Folge 9) wecken, sie fällt aber irgendwie ziemlich auf die Nase. Das Verhalten von Dax ist selbst unter Betrachtung der Auflösung fragwürdig und die Verhandlung nicht sonderlich spannend in Szene gesetzt. Dabei ist die Fragestellung an sich äußerst interessant (“Ist der aktuelle Trill-Wirt für die Taten seines Symbionten in einem vorherigen Leben verantwortlich?”). Unter Verdacht zeigt hingegen erstmals Odos Rolle auf der Station und wie schnell die Bewohner bereit sind einen wütenden Mob zu bilden. Aber das Ende ist so dermaßen bescheuert, dass es mir den Rest schon ein wenig versauert. Und Die Khon-Ma lebt für mich hauptsächlich von Garak – der beste Star-Trek-Charakter aller Zeiten(tm). Der Rest der Geschichte ist hingegen nur okay.

Absolute Highlights sind hingegen Episoden wie Mulliboks Mond, in der Major Kira mit ihrem Gewissen kämpft (und mit einem herausragendem Brian Keith als Mullibok). Die Meuterei ist zum einen wieder eine gelungene Detektivfolge, sie macht aber auch sehr deutlich wie fragil die Allianz zwischen der Sternenflotte und den Bajoranern ist. Ein Thema, das noch öfters für Konflikte sorgen wird. In Der undurchschaubare Marritza wird dann noch mehr als in den anderen Folgen der 1. Staffel gezeigt, wie viel Hass die Bajoraner gegen über den Cardassianern hegen (durchaus berechtigt). Die Charakterentwicklung von Kira in dieser Episode ist (von “tötet alle sofort und jetzt” hin zu “vielleicht habe ich doch ein paar zu viele Vorurteile”) extrem stark dargestellt und der Schlagabtausch zwischen ihr und Marritza spannend mit anzusehen. Die Nachfolge zeigt hingegen, dass bei allem “am Rande des Universums ist alles Scheiße”-Getue, der Humor nicht auf der Strecke bleiben muss. Die Ferengi-Folgen sind nicht jedermanns Sache, ich weiß. Aber ich finde die Abenteuer von Quark & Co. fast durchweg einfach nur amüsant und irgendwie auf ihre Art und Weise genial.

Und das Wiedersehen mit Q (Q – unerwünscht) und Lwaxana Troi (Persönlichkeiten) soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Beide Folgen bieten vorzügliche Unterhaltung. So stellt Q ziemlich schnell fest, dass Sisko komplett anders ist als Picard und vor allem Lwaxanas Auftritt ist überraschend emotional.

Fazit

Wie geschrieben: Unterm Strich fand ich den Einstieg in die Welt von Star Trek: Deep Space Nine durchaus gelungen. Die Anzahl der Rohrkrepierer ist übersichtlich, stattdessen doch viele gute bis sehr gute Folgen, die mir die Station und ihre interessanten Bewohner näherbringen. Dabei sind die Charaktere natürlich noch nicht alle wirklich gefestigt. Jungspund Dr. Julian Bashier ist beispielsweise hier noch ziemlich hibbelig und unasgewogen unterwegs. Aber auch das hat seinen Charme. Genauso wie die größtenteils noch ungeklärten Verhältnisse zwischen allen, die aber gerade deshalb noch interessanter sind, weil wir die Entwicklung eben als Zuschauer miterleben. Man bekommt nicht einfach nur ein “ist halt so” vorgesetzt, wie damals auf der Enterprise.

Abschließend noch ein Wort zur Technik: Die Serie gibt es bislang (und vermutlich auf absehbare Zeit) nicht auf Blu-ray. Der Grund ist genau die Kosteneinsparung von damals. Die CGI-Sequenzen sind nämlich von zu niedriger Qualität, dass sie komplett neu gemacht werden müssten, was sehr viel Zeit und Geld kosten würde. Und da sich die überarbeiteten Blu-ray-Fassungen von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert wohl schon nicht gerechnet haben, hat Paramount das Thema nicht weiter verfolgt. Wir schauen entsprechend meine alten DVDs in den schicken Hartschalenboxen, die ich mir vor rund 20 Jahren bei der Erstveröffentlichung geholt habe (100 EUR pro Staffel…). Und ja: Es liegen in Bezug auf die audiovisuelle Qualität definitiv Welten zwischen beiden Serien. Aber stören tut es mich ehrlich gesagt überhaupt nicht. Auch nicht beim direkten Wechsel. Schon allein, weil Deep Space Nine sowieso etwas rauer und dreckiger ist. Lysanda sagt hingegen immer “ich seh‘ weiße Punkte” (eine Sehstörung), wenn ich sie auf die schlechte Qualität irgendeines Films oder Serie hinweise. Insofern, passt das schon :smile: .

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Ich geb’s offen zu: Vor dem heutigen Eintrag habe ich mich etwas gedrückt. Wir haben nämlich mittlerweile schon fast die Hälfte von Staffel 7 hinter uns und sind sogar schon mitten in Staffel 2 von Star Trek: Deep Space Nine. Also hätte ich schon längst über die 6. Staffel von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert* berichten können (und Staffel 1 von DS9). Aber bevor wir dazu kommen, sollte ich vielleicht kurz erklären, warum wir auch schon die nächste Serie parallel angefangen haben. Die Begründung ist simpel: Es gibt drei Crossover-Episoden plus ein paar (größtenteils) eher harmlose Querbezüge zwischen beiden Serien. Faktisch nichts Weltbewegendes, denn Rick Berman & Co. hatten Angst ansonsten die Zuschauer zu verschrecken. Eine Angst, die den Machern des Marvel Cinematic Universe echt gut tun würde… doch ich schweife ab.

Da ich es “richtig” machen wollte, haben wir also ab Folge 12 von Staffel 6 parallel mit den Abenteuern von Sisko & Co. angefangen. Und nicht nur das: Ich nutze dafür die absolute Hardcore-Liste vom The Star Trek Chronology Project. Hardcore ist die deshalb, weil sie nicht einfach nur die Episoden irgendwie halbwegs passend zusammenwirft, sondern tatsächlich chronologisch basierend auf der Sternzeit der jeweiligen Folge und anderen Kriterien. Sprich, auch wenn keinerlei Bezug zwischen den Folgen der einzelnen Serien existiert, werden sie trotzdem bunt durcheinandergemischt. Das machen wir jetzt aber wirklich nur für die letzten Staffeln von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert. Eben, weil es tatsächlich ein paar Überschneidungen gibt. Star Trek: Voyager hat hingegen mit Star Trek: Deep Space Nine nicht mehr wirklich was zu tun außer ein paar Sequenzen in der Pilotfolge. Nein, Dr. Bashirs Geheimnis aus Staffel 5 zählt nicht. Das ist der echte Doktor, nicht das Hologramm von der Voyager. Entsprechend schauen wir dann einfach erst die eine Serie fertig und fangen dann die nächste an.

Zu viel Star Trek?

Warum habe ich mich also um den heutigen Eintrag gedrückt? Ist die Qualität der Serie plötzlich so massiv gesunken? Nein, das ist es nicht. Staffel 6 hat technisch gesehen weiterhin ein hohes Niveau. Die Schauspieler sind mittlerweile vollkommen mit ihren Charakteren verbunden, die Autoren haben ebenfalls ihre Routine gefunden und auch in der Präsentation brennt so gut wie nichts an. Gleichzeitig wird dem Zuschauer wieder einiges an inhaltlicher Abwechslung geboten inkl. der üblichen Gesellschaftskritik. Aber trotzdem hat es mich irgendwie nicht wirklich umgehauen. Schlimmer noch – die meisten Folgen habe ich mittlerweile schon wieder vergessen.

Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert (Promobild)

Ein Faktor dahingehend war aus meiner Sicht, dass sich die Staffel irgendwie mehr als die anderen extrem willkürlich zusammengewürfelt anfühlte. Klingt komisch bei einer Serie, wo es an sich keine große Kontinuität gibt. Aber beim Versuch möglichst jedem Charakter mindestens eine Folge zu spendieren, sind die Autoren für meinen Geschmack teilweise zu sehr über das Ziel hinausgeschossen. So ist nicht nur ein sehr buntes Potpourri an Themen entstanden, sondern in vielen Episoden kommt auch gefühlt kein richtiges Gemeinschaftsgefühl auf. Ja, natürlich erfährt der Zuschauer mehr über den jeweiligen Hauptcharakter und es gibt sogar ein paar echte Charakterentwicklungen. Aber die jeweilige Folge dreht sich halt dann nur um Picard, Data oder Worf und 1-2 Nebenpersonen – mitunter nicht einmal aus der restlichen Crew. Und das erzeugte über die gesamte Staffel hinweg eine Art Austauschbarkeit und Zusammenhanglosigkeit. Als würde ich ein Spin-off schauen statt die Abenteuer der neuen Enterprise. Klingt komisch, ich weiß.

Der zweite und vermutlich größere Faktor ist hingegen, dass ich tatsächlich der Crew rund um Captain Picard mittlerweile ein wenig müde bin. Bin mir durchaus bewusst, dass man das gar nicht sagen darf :smile: . Aber vor allem seit wir mit Star Trek: Deep Space Nine angefangen haben, wird mir mal wieder sehr bewusst, wie glattgeschliffen und langweilig viele der Abenteuer der Enterprise eigentlich sind. Erschwerend kommt noch hin, dass wir seit über einem halben Jahr fast nichts anderes schauen. Gibt vermutlich wenige Serien, die man so lange am Stück konsumiert und davon nicht einen kleinen Burnout bekommt. Insofern bin ich über den jetzigen Austausch der Blu-ray mit einer DVD im Laufwerk alle paar Folgen durchaus froh.

Die positiven Seiten

Doch ich will selbstverständlich nicht nur jammern. Obwohl mein Gesamteindruck zur Staffel vor allem aus persönlichen Gründen eher negativ ist, habe ich trotzdem ein paar absolute Highlights:

  • Besuch von der alten Enterprise – Die Geschichte rund um die Dyson-Sphäre hat so viele Logiklöcher, da würden alle Flagschiffe der Sternenflotte gleichzeitig reinpassen. Aber das Wiedersehen mit Montgomery Scott ist ungeachtet dessen was Besonderes. Keine Ahnung warum, aber die alte Crew kommt immer dann am besten zur Geltung, wenn sie sich ihrem Alter bewusst wird und damit hadert. Und Scotty hat nach 75 Jahren gefangen im Transporter definitiv mit so einigem zu hadern.
  • Eine Handvoll Datas – Auch bei dieser Folge darf man nicht zu sehr über die Situation nachdenken. Zu viel ergibt mal wieder keinen Sinn. Sowieso ist es jedes Mal wieder komisch, dass die Existenz der Holodecks irgendwie gekonnt ignoriert wird und erst ganz am Ende da mal einer vorbeischaut. Angesichts einer ansonsten sehr amüsanten Episode mit einem Brent Spiner in absoluter Höchstform, ist das aber definitiv zu verschmerzen. Viele zu viele fantastische Szenen, die einen mit einem Schmunzeln zurücklassen.
  • Geheime Mission auf Celtris III Teil 2 – Der Vergleich zu 1984 ist naheliegend. John Hurts dortige Performance ist aber nochmal auf einem ganz anderen Level als Patrick Stewarts Schlagabtausch mit David Warner. Dennoch: Die Verhörszenen sind extrem intensiv. Picards allmählicher Zusammenbruch lässt mich jedes Mal wieder mit fiebern und Gul Madred äußerst manipulative Art ist auf seine verdrehte Weise einfach nur genial.
  • Das Schiff in der Flasche – Endlich wird der Handlungsstrang aus Staffel 2 (!) abgeschlossen. Und was für ein Abschluss! Daniel Davis‘ Professor Moriarty ist ein wundervoller Charakter und das Katz- und Mausspiel so gekonnt inszeniert, dass man selbst als Zuschauer gegen Ende daran zweifelt was jetzt real ist und was nicht. Echt schade, dass es insgesamt nur zwei Folgen zum Thema gab. Das ist sowieso im Nachhinein eine Überraschung für mich: Ich hatte in Erinnerung, dass es mehr Holodeckfolgen mit Data und Picard geben würde. Aber da habe ich mich anscheinend getäuscht.

Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert (Promobild)

  • Das Gesicht des Feindes – Endlich darf Deanna mal was anderes machen als nur spüren, rumheulen oder vergewaltigt werden. Stattdessen wird sie in eine Situation geworfen, die für sie völlig neu ist und ja, sie erstmal völlig überfordert. Aber wie es sich für einen Sternenflottenoffizier gehört, wächst sie in ihre Rolle als romulanische Agentin zügig hinein und liefert eine gelungene Performance ab – sowohl für die Romulaner als auch uns für uns Zuschauer. Eine anfangs (bewusst) konfuse aber insgesamt echt spannende Folge.
  • Gefangen im temporären Fragment – Inhaltlich ist diese Episode jetzt nichts herausragendes. Was sie für mich zum Highlight macht, ist die Optik und die Performance. Die Enterprise gefangen in einem (vermeintlich) ewigen Kampf mit einem romulanischen Warbird. Unsere vier Helden, wie sie sich durch die Umgebungen voller eingefrorener Charaktere bewegen. Definitiv sehr cool inszeniert und mal was ganz anderes was Zeitreisen angeht.

Und selbstverständlich darf Willkommen im Leben nach dem Tode nicht unerwähnt bleiben. Picards Ausflug in die eigene Vergangenheit ist nicht nur nett anzusehen und verrät mehr über den Charakter, auch das Thema an sich finde ich gut umgesetzt. Die Frage “würde ich es anders machen, wenn ich könnte?” beschäftigt uns schließlich immer mal wieder. Umso überraschender ist das Ende. Dass die Folge mittlerweile unangenehme Erinnerungen an Star Trek: Nemesis weckt, ist allerdings sehr schade.

Das Staffelfinale, Angriff der Borg, fand ich hingegen nicht wirklich begeisterungswürdig. Ja, Hugh wieder zu sehen und zu erfahren, welche Folgen Ich bin Hugh auf die Borg hatte, war cool. Aber Lore ist irgendwie in der gesamten Serie ein sehr zweidimensionaler und uninteressanter Charakter und da Data von ihm manipuliert wird, fällt auch der ganze “seine ersten Emotionen”-Strang für mich ziemlich ins Wasser.

Fazit

So viel also zur 6. Staffel von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert. Wie ich schon zur 5. Staffel geschrieben habe: Wer soweit kommt, schaut auch den Rest noch, egal was kommt :smile: . Aber obwohl ich es ungern zugebe, freue ich mich tatsächlich darauf, wenn es dann jetzt demnächst doch erstmal zu Ende ist. Nächstes mal geht es dann um die 1. Staffel von Star Trek: Deep Space Nine. Spoiler: Ich fand sie erneut besser als ihr Ruf.

PS: Bei Das fehlende Fragment musste ich selbstverständlich ständig an schwarzen Kaffee und Mopedrennen denken. Hab’ Lysanda anschließend auch gleich (sanft) mit Sinnlos im Weltraum bekannt gemacht. Sie schien tatsächlich nicht abgeneigt davon mal alle Folgen zu schauen. Ob sie ihre Worte am Ende bereut? Wir werden es irgendwann erfahren. :wink:

(Cover)

The Road to Deep Space Nine™ wäre eine Möglichkeit die fünfte Staffel von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert* auf den ersten Blick zusammenzufassen. Schließlich wird direkt in der 3. Folge Fähnrich Ro Laren eingeführt, eine Bajoranerin.

Sie sollte ursprünglich auch einer der Hauptcharaktere von Star Trek: Deep Space Nine werden. Ihre Position übernahm jedoch schlussendlich Kira Nerys (Nana Visitor), weil Schauspielerin Michelle Forbes keine Lust hatte sich zum damaligen Zeitpunkt an eine so lange Serie zu binden. Allerdings dreht sich abseits der Einführungsfolge nur sehr wenig in der Staffel um Bajoraner und Cardassianer. Insofern ist die Verknüpfung mit der Spin-off-Serie nur sehr schwach. Und selbst ihrer anderen Funktion, Unruhe auf der Enterprise zu stiften (eine Idee, die Roddenberry NIEMALS zugelassen hätte!), wird sie nur bedingt gerecht. Sie kommt nämlich nur in sechs der 26 Episoden vor. Das ist durchaus schade, denn sie ist ein interessanter Charakter und Michelle macht ihr Sache definitiv sehr gut.

Tatsächlich ist die fünfte Staffel am Ende mehr ein Sammelsurium an verschiedenen Themen. Es wird direkt am Anfang der neue Status Quo im klingonischen Reich etabliert, der Romulaner-Faden wird mit einer äußerst gelungenen Doppelfolge zu einem vorläufigen Abschluss gebracht, es werden wieder einige wichtige gesellschaftliche Themen betrachtet und jeder Hauptcharakter (inkl. Wesley Crusher) bekommt seine Zeit im Rampenlicht – allerdings mit einer (verständlicherweise) starken Gewichtung auf den Star der Serie: Captain Jean-Luc Picard.

Eine Glanzleistung

Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert (Promobild)

Die zwei wichtigsten Picard-Folgen der Staffel, wenn nicht sogar der ganzen Serie, bilden passenderweise auch Anfang und Ende. Darmok und Das zweite Leben sind zwei äußerst fantastische Episoden in denen Sir Patrick Stewarts schauspielerische Qualitäten sehr gut zur Geltung kommen und die mal wieder das Prädikat “Durch und Durch Star Trek” verdienen. Lysanda wusste das allerdings nur bedingt zu schätzen.

Fangen wir mit Darmok an. Zur Erinnerung: Die Enterprise trifft sich mit einer Rasse namens “Kinder von Tamar” mit der es bislang nicht möglich war richtig zu kommunizieren. Der Universalübersetzer versteht zwar die Worte, aber sie ergeben keinen Sinn. Picard wird gegen seinen Willen zusammen mit dem anderen Kapitän auf die Oberfläche eines Planeten gebeamt, wo ein böses Monster haust. Am Ende haben alle Beteiligten das Rätsel um die Sprache der Tamarianer entschlüsselt und eine neue Ära der Freundschaft kann beginnen. Lysandas Problem damit ist die Frage, wie so eine vollständig auf Methapern basierende Sprache überhaupt funktionieren kann. Schließlich ist sie an extrem viele Voraussetzungen gebunden, die beim Gegenüber vorhanden sein müssen. Wer/was sind Romeo und Julia? Wer/was ist ein Balkon? Was ist auf diesem Balkon passiert? Welcher Teil dieses Ereignisses ist für den aktuellen Kontext relevant? Fehlt nur ein Glied in dieser Kette, ist faktisch keinerlei Kommunikation mehr möglich. Und da die Erfahrung zeigt, dass sich selbst zwischen zwei nebeneinanderliegenden Dörfern unterschiedliches Vokabular bildet, wie soll das dann auf einem ganzen Planeten mit situativen Erzählungen funktionieren? Pauken die in der Schule die ganze Zeit nur Geschichte?

Freilich ist das nicht das Kern-Thema der Folge, sondern nur der Aufhänger. Insofern kann man über solche Fragen einfach hinwegsehen. Aber Lysanda hat sie sehr beschäftigt :smile: .

Ein weiteres Trauma

In Das zweite Leben… nun, erlebt wie der Titel schon sagt unser lieber Picard ein anderes Leben. Und zwar schießt ihm eine fremde Sonde Erinnerungen an ein längst ausgelöschtes Volk in den Kopf, die er nun durchlebt. Obwohl es in der Realität nur 20 Minuten dauert, ist es für ihn absolut real. Entsprechend fügt er sich irgendwann der Erkenntnis, dass er nicht auf die Enterprise zurückkommt und baut sich stattdessen ein neues Leben auf diesem fremden Planeten auf mit Familie und Kindern – bis am Ende eben rauskommt, dass es nur eine Nachricht einer fremden Rasse war. Er bleibt also in der letzten Szene allein zurück in seinem Quartier mit einer Flöte als Erinnerungsstück. Oder besser gesagt: Mit einem weiteren, massiven Trauma, das möglicherweise schlimmer ist als von den Borg assimiliert worden zu sein. Schließlich hat er ein ganzes und offensichtlich sehr glückliches Leben erfahren, das sich nun nicht nur als falsch herausstellt. Er hat auch alle verloren, die er dort sehr real kennen und lieben gelernt hat. Stattdessen ist er zurück in der echten Welt – völlig einsam und allein.

Und diese Erkenntnis hat Lysanda absolut nicht begeistert. Nachvollziehbar, wie ich finde. Zwar wollten die Schreiberlinge sicherlich die Sache eher positiv verkaufen (“Eine ganze Rasse lebt in seinen Erinnerungen weiter”). Aber ja, die traurige Realität ist, dass sie damit Picard keinen wirklichen Gefallen getan haben. Leider bekommen wir als Zuschauer die möglichen Auswirkungen nie wirklich zu sehen. Beispielsweise wäre ja zu erwarten, dass Picard seine Einstellung gegenüber Kindern nun ändern würde. Oder aktiver versucht einen Partner zu suchen. Aufmerksame Beobachter werden jedoch nur die Flöte und Picards neu entdeckte Musikalität in der ein oder anderen Folge der 6. und 7. Staffel als Rückbezug auf dieses Ereignis erkennen.

Die Kontroverse

Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert (Promobild)

Vielen Amerikanern, die damals live dabei waren, blieb die 5. Staffel jedoch wegen einer anderen Folge in Erinnerung: Verbotene Liebe. Geschrieben von Jeri Taylor, ist sie faktisch das Produkt einer Petition. Star Trek hat sich ja von Anfang an nicht davor gescheut auch mal riskante gesellschaftliche Themen zu behandeln und mit Tabus zu brechen. Allein die Existenz von Lieutenant Nyota Uhura war ja schon vielen Vollidioten ein Dorn im Auge. Doch mit dem Thema “Homosexualität” hatte sich Star Trek bis zu dieser Folge tatsächlich noch nicht weiter beschäftigt. Es gab nur die eine kurze Szene zwischen dem weiblichen Odan und Dr. Beverly Crusher in Staffel 4 – die ebenfalls schon einen kleinen Aufschrei verursachte. *kopfschüttel*

Doch der Druck aus der LGBT-Community wuchs sich endlich mit dem Thema zu beschäftigen. Rick Berman und Michael Piller überlegten deshalb wohl schon länger, wie sie sich der Sache nähern könnten. Eine Idee war es beispielsweise eine Folge mit Parallelen zur AIDS-Pandemie zu schreiben. Daraus wurde jedoch nichts (vermutlich besser so). Stattdessen stürzte sich nach eigenen Aussagen Jeri Taylor freudig auf die Herausforderung. Das Ergebnis ist Verbotene Liebe. Eine aus damaliger Sicht sicherlich fortschrittlich Episode – wobei besagte LGBT-Community dennoch nicht vollumfänglich begeistert war. Und ich muss ehrlich zugeben: Ich stimme ihnen zu.

Die Folge

Die Crew der Enterprise arbeitet mit dem Volk der J’naii (gespielt von Frauen, in neutralen/männlicheren Klamotten) zusammen, um ein im Nullraum verloren gegangenes Shuttle zu finden. Das Besondere? Sie sind androgyn, also geschlechtslos. Riker lernt im Verlauf der Folge Soren näher kennen und verliebt sich. Sie (=neutrale Form) fühlt sich zu Männern hingezogen, was logischerweise ein absolutes No-Go in ihrer Rasse ist. J’naii, die geschlechterspezifische Tendenzen haben, werden entsprechend nach der Entdeckung einer psychologischen Gehirnwäsche unterzogen. Es kommt zum Kuss, sie wird erwischt und Riker will sie retten.

Die Folge funktioniert für Lysanda und mich nicht so recht. Angefangen mit der Entscheidung die J’naii durch Frauen spielen zu lassen. Das nimmt dem “verbotenen” Kuss sehr viel an Schärfe und kommt an Kirks skandalösem Knutscher mit Uhura nicht einmal ansatzweise heran. Außerdem ist es grundsätzlich dämlich die J’naii als Geschlechtslose darzustellen. Das Verbrechen ist es damit quasi Hetero zu sein. Das funktioniert selbst als Metapher nicht wirklich, finde ich und spielt eher noch in die Hände derjenigen, die andere Weltbild ablehnen. Gleichzeitig wird das eigentliche Thema mit allen Mitteln und Wegen umgegangen. Schwerfällig Umschreibungen werden genutzt, statt deutlicher auszusprechen um was es geht. Und dann ist da noch die Wahl des Crewmitglieds: Riker, der ultimative Frauenheld, verliebt sich so intensiv in Soren? Das kann ich ihm einfach nicht abnehmen. Ehrlicherweise fällt mir jedoch auch kein passender Ersatzcharakter ein und ich verstehe, warum es jemand von der Hauptcrew sein musste. Aber das macht es nicht besser.

Unterm Strich also ein netter Versuch und es hat gereicht, um damals die Gemüter zu erregen (wobei dafür ja leider nicht viel nötig ist…). Aber in Sachen Tabubruch trotzdem für Star Trek äußerst schwach und keine wirkliche Glanzleistung. Dabei war Gene Roddenberry einem schwulen Charakter gegenüber wohl absolut nicht abgeneigt. Der bremsende Faktor war dahingehend angeblich ein anderer: Rick Berman, dem eine gewisse Schwulenfeindlichkeit nachgesagt wird. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Seine Antworten in diversen Interviews (z.B. diesem), warum es nie einen schwulen Charakter in all den Serien gab, ist jedoch nicht gerade befriedigend.

Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert (Promobild)

Der Rest

Und der Rest der fünften Staffel? Nun, größtenteils Star Trek auf hohem Niveau mit vielen guten und auch ikonischen Folgen. Die Zeitschleife in Déjà Vu beispielsweise oder Mission ohne Gedächtnis, in der auch mal Worf kurz Kapitän spielen darf. Der auslösende Unfall in Die Operation ist hingegen zwar dämlich und, dass die Aktivierung der Ersatzorgane am Ende so lange dauert, hat definitiv nur dramaturgische Gründe. Aber der Rest der Folge ist gelungen und behandelt mit der ethische Frage “Wie weit darf Forschung gehen?” sowie Worfs Umgang (=weil Klingone) mit der Behinderung mal wieder interessante Aspekte. Das künstliche Paradies bringt hingegen die oberste Direktive (keine Einmischung in fremde Welten!) ins Schwanken. Eine Prämisse, die häufig in guten Folgen resultiert.

Zu den nicht ganz so gelungenen Folgen würde ich hingegen Die imaginäre Freundin (Ein Energiewesen UND auch noch Kinder…), Geistige Gewalt (schon wieder unsere arme Deanna Troi, die leiden muss) und Der einzige Überlebende (hatte ich schon erwähnt, dass ich es nicht so mit Kindern habe?) zählen.

Fazit

Alles in allem also wieder eine äußerst gelungene Staffel sowohl was den Unterhaltungswert als auch den Inhalt angeht. Mehr gibt es gar nicht zu sagen. Schon allein, weil jemand, der schon so lange durchgehalten hat, jetzt eh bis zum Ende weiter dabei bleiben wird. Dementsprechend heißt es jetzt erstmal noch 12 Folgen mit Picard und dann geht es los mit Star Trek: Deep Space Nine. Im Fernsehen liefen damals beide Serien ab diesem Zeitpunkt parallel und schon die Doppelfolge Der Moment der Erkenntnis zahlt direkt drauf ein. Müssen wir entsprechend wohl erstmal beide Serien gleichzeitig schauen. Schweres Schicksal, ich weiß :tongue: .

PS: Kamins Sohn wurde in Das zweite Leben von Patrick Stewart realen Sohn verkörpert.
PPS: Eine Theorie besagt, dass die Ereignisse in Ich bin Hugh zur Entstehung der Borgkönigin führten. Das passt aber nicht so recht mit der in Star Trek: Voyager etablierten Zeitleiste zusammen. Als Seven of Nine assimiliert wurde, gab es die Königin nämlich schon.

(Cover)

Familie. Das ist das große Grundthema der vierten Staffel von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert*. Wir erfahren mehr privates von unseren Charakteren, sehen mehr Emotionen von ihnen, Wesley existiert nach der ersten Handvoll Folgen faktisch nicht mehr (immerhin war Die letzte Mission ein halbwegs würdiger Abschluss für ihn) und gleichzeitig werden speziell die Stränge “Romulaner” und “Klingonen” mit großen Schritten vorangetrieben – inkl. einem wirklich fulminanten Finale mit Der Kampf um das klingonische Reich Teil I. Definitiv eine der besten Episoden der gesamten Serie. Passenderweise die 100. Folge. Und direkt nach Drehschluss begann die Produktion von Star Trek VI: Das unentdeckte Land. Man könnte fast meinen Drehbuchautor Ronald D. Moore (Episode) hätte sich mit Nicholas Meyer (Film) vorher abgesprochen. Die ursprüngliche Idee für den Film stammt allerdings von Leonard Nimoy und Gene Roddenberry hasste das Drehbuch. Hatte ich schon erwähnt, dass der Typ komisch rüberkommt? Ja? Okay.

Das Personalkarussell

Aber wir sind ja nicht hier, um schon wieder über den besten Star-Trek-Film der Originalcrew zu reden. Kommen wir stattdessen zurück zur vierten Staffel mit Captain Picard. Hinter den Kulissen fand erneut ein Personalumbau statt aber nach den äußerst turbulenten ersten drei Staffeln kehrte nun trotzdem so etwas wie Normalität ein. Statt euch aber mit einer Aufzählung von Namen zu langweilen, mit denen ihr vermutlich eh nichts anfangen könnt, nur die Wichtigsten: Ira Steven Behr verließ wie erwähnt das Autorenteam schon wieder und tauchte erst 1995 drüben bei Star Trek: Deep Space Nine erneut auf. Jeri Taylor hingegen übernahm als Supervising Producer und schrieb auch ein paar Episoden. Sie war die dritte im Bunde, die zusammen mit Rick Berman und Michael Piller später Star Trek: Voyager aus der Taufe hob.

Außerdem stieß Brannon Braga (hier noch als eine Art Azubi) dazu und wurde umgehend von Michael Piller unter seine Fittiche genommen. Zwei Filme (Nr. 7 und 8 – in Zusammenarbeit mit Ronald D. Moore) und 108 Star-Trek-Episoden (Raumschiffe Enterprise – Das nächste Jahrhundert, Star Trek: Voyager und Star Trek: Enterprise) gingen am Ende auf sein Konto. Ach, und es war die letzte Staffel bei der formal noch Gene Roddenberry beteiligt war. Tatsächlich hatte er zu diesem Zeitpunkt schon so gut wie nichts mehr zu sagen. Er starb ein paar Monate nach Ende der Ausstrahlung dieser Staffel.

Außerdem erwähnenswert ist, dass Patrick Stewart das erste von fünf Mal auf dem Regiestuhl Platz nahm. Und zwar in der vorletzten Folge der Staffel, Datas erste Liebe. Leider konnte er hier sein Können mal so gar nicht zur Schau stellen. Trotz der interessanten Thematik (ein Crewmitglied verliebt sich in Data), ist es eine überraschend humorlose und langweilige Folge und die Auflösung des B-Plots (die Enterprise fliegt durch einen Nebel voller Subraumlöcher) klang auf dem Papier besser als die tatsächliche Umsetzung.

Der Inhalt

Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert (Promobild)

Meine leichte Enttäuschung über den Staffeleinstieg mit Angriffsziel Erde hatte ich ja schon kundgetan. Aber es war absolut die richtige Entscheidung als nächstes eine Folge wie Familienbegegnung zu bringen. Nach den Strapazen der Doppelfolge tut sowohl den Charakteren als auch dem Zuschauer die Erholung gut. So sehen wir erstmals Picards Heimat in Frankreich und lernen Worfs Pflegeeltern kennen. Doch es versteht sich von selbst, dass ich trotzdem was auszusetzen habe. Und zwar war mir eine Folge ehrlich gesagt zu wenig. Da kommt wieder meine Beschwerde über den “husch-husch”-Abschluss der Doppelfolge hoch. Picard hat ein höchst traumatisches Erlebnis hinter sich und alles, was es braucht, ist es seinen Bruder in den Matsch zu schupsen und alles ist wieder gut? Ja, ne das war irgendwie mal wieder verschenktes Potential. Ein Satz, der mir im weiteren Verlauf der Serie leider noch öfters über die Lippen kommen wird. Denn obwohl die restlichen Staffeln grundsätzlich auf einem hohen Niveau operieren, macht es genau das noch frustrierender, wenn (aus Zuschauersicht) offensichtliche Chancen nicht genutzt werden und einfach verpuffen.

Was freilich nicht bedeutet, dass es keine Kontinuität gäbe. In Der ungleiche Bruder lernen wir beispielsweise endlich Datas Erschaffer, Dr. Noonien Soong, kennen. Dort gibt es auch ein Wiedersehen mit Lore und das Thema “Emotionschip” kommt auf den Tisch. Ein Punkt, der uns erst so richtig in Star Trek VII: Treffen der Generationen* beschäftigen wird. Worfs Entehrung ist ebenfalls in vielen Folgen der Staffel ein Thema und wie in der Einleitung erwähnt, erreicht endlich die am Ende von Staffel 2 gesäte Romulaner-Saat ihre Reife mit einer Enthüllung, die es absolut in sich hat. Faktisch war damit der Konflikt rund um die Föderation, Klingonen und Romulaner die erste staffelübergreifende Geschichte in einer Star-Trek-Serie. Richtig coole Sache.

Außerdem lernen wir Worfs Sohn Alexander kennen und Chief Miles O’Brien ist nicht nur präsenter, als er es bislang in der gesamten Serie war. Er heiratet (eine äußerst fantastische und humorvolle Folge!) auch und legt somit eine weitere Grundlage für viele wichtige Momente, die noch kommen werden. Und wir lernen unseren ersten Trill kennen auch, wenn Star Trek: Deep Space Nine später noch ein paar Änderungen an der Rasse vornahm (Jadzia Dax hat z.B. keine Probleme mit dem Beamen), die dieser Folge widersprechen. Unsere erste Begegnung mit den Cardassianern entspricht da schon eher dem, wovon wir noch mehr sehen werden.

Bevor ich aber wieder in Versuchung komme fast alle Folgen der Staffel einzeln aufzulisten, weil sie fast alle gelungen sind, nur noch drei absolute Highlights:

  • Die Auflösung – Wusstet ihr, dass die Folge Der Schleudertag von der Kultkinderserie Die Dinos* in den USA in der gleichen Woche (Freitags – Star Trek kam Montags) ausgestrahlt wurde? Interessantes Detail, ich weiß. Gehe aber dann doch von einem reinen Zufall aus. Zur Erinnerung: Bei den Dinos feierte Ethyl ihren 72. Geburtstag und das ist der Tag an dem Dinos von der Klippe in den Tod gestürzt werden. Bei Star Trek sind es nur 60 Lebensjahre bis die Bewohner von Kaelon II die Auflösung feiern. Das Grundthema ist in beiden Serien das gleiche: Ist das tatsächlich richtig, was da passiert? Wobei Star Trek zum einen kein richtiges Happy End bietet und zum anderen (logischerweise) trotz Lwaxana Trois Beteiligung erwachsener damit umgeht indem die Autoren unter anderem die zusätzliche Frage stellen, ob man sich als Außenstehender in diese Angelegenheit einmischen darf.
  • Das Standgericht – Die Folge ist in der Ausführung nicht ganz so gelungen, wie sie es hätte sein können. Picards Widerstand kommt mir dafür irgendwie zu schnell und wirkt zu extrem. Aber es ist trotzdem eine starke und wichtige Episode, die leider bis heute Gültigkeit besitzt. Lysanda war allerdings vom faktisch offenen Ende enttäuscht. Ich fand es gut, dass hier kein Happy End oder sowas erzwungen wurde. Es passt sogar perfekt zum Thema, dass nur diese eine Situation irgendwie aufgelöst wurde aber das Problem damit nicht aus der Welt geschafft ist. Aber Lysanda hätte sich zumindest irgendeine sichtbare Bestrafung für Admiral Nora Satie gewünscht.
  • Die Begegnung im Weltraum – Dass Geordi einfach kein Glück in der Liebe hat, wurde ja schon öfters thematisiert. Aber die Folge behandelt trotzdem ein interessantes und heute dank der Influencer- und Streaming-Kultur noch realeres Problem: Die Idolisierung von Menschen und dass diese imaginäre Erwartungshaltung niemals von ihnen erfüllt werden kann. Die eigentliche aber reichlich unspannende Handlung rund um das Weltraumbaby gerät dabei völlig in den Hintergrund.

Und so weiter und so fort. Die vierte Staffel ist wirklich durchgängig sehr gut gelungen und hat meist nur Abzüge in der B-Note. Wenn ihr mir die Pistole auf die Brust setzt, dann würde ich höchstens Augen in der Dunkelheit als unterdurchschnittlich bezeichnen. Aber das auch nur, weil ich Trois Albtraum-Sequenz echt total bescheuert finde.

Fazit

Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert (Promobild)

Mehr fällt mir zur vierten Staffel tatsächlich nicht mehr ein. Wie gesagt: Staffel 3 hat das Niveau der Serie signifikant gesteigert und ab jetzt wird es konsequent gehalten. Ja, es könnte hier und da wie immer etwas besser sein (Stichwort “Verpasste Chancen”) aber gute Unterhaltung und vorzügliches Star Trek ist es auf jeden Fall.

Vielleicht abschließend noch eine Sache: Ich habe bislang noch kein einziges Mal die Technik erwähnt. Wir schauen schließlich die Remastered-Fassungen auf Blu-ray. Ich habe sie jedoch aus einem bestimmten Grund bislang nicht angesprochen: Ich habe schlicht nichts zu sagen. Zum einen, weil es anders als bei den Blu-rays von Raumschiff Enterprise keine Umschaltefunktion gibt. Ich habe also gar keinen Schimmer mehr, wie das Original überhaupt aussah (hab die Specials noch nicht geschaut – die interessieren Lysanda nicht). Aber zum anderen auch genau dies: Es fällt absolut nicht auf, dass irgendwas getan wurde. Die verbesserten Effekte fügen sich buchstäblich nahtlos ein und die Serie an sich ist so gestochen scharf und klar – man könnte meinen, sie wäre gerade erst produziert worden. Würdet ihr mir also sagen, dass wir eigentlich das Original von 1987 schauen – ich würde es euch glatt glauben. Einzig auffällig ist, dass die Qualität der deutschen Tonspur hier und da schwankt. Sprecherwechsel gab es zwar meines Wissens nicht aber die ein oder andere Folge klingt trotzdem irgendwie komisch.

Jetzt geht es logischerweise weiter mit der fünften Staffel – allerdings doch mit einer kurzen Anime-Pause davor. Ich bin nämlich auf die Serie Undefeated Bahamut Chronicles* gestoßen. Sie hat nur 12 Episoden (á 23 Minuten) und die deutsche Synchronisation lässt ziemlich zu wünschen übrig (“erzwungen cool/hip” würde ich es nennen) aber sie scheint ganz nett zu sein. Bitte? Ich würde sie nur schauen, weil dort junge Mädchen mit großen Brüsten vorkommen, die in Mechs kämpfen? Ääähhh… ich muss dann mal weg.

PS: Die Odan-Folge führte damals zu einem kleinen Aufschrei, da am Ende ja der neue Trill-Wirt weiblich ist und somit eine lesbische Beziehung zwischen Crusher und Odan impliziert wird. Allein dieser Gedanke gefiel (wie so oft) ein paar Vollspacken nicht.

(Cover)

Neue Uniformen (höherer Schwarzanteil, um die Gesichter mehr zu betonen – und zumindest die Männer bekamen Zweiteiler statt Strampelanzüge), neues Intro (die Enterprise kommt nicht mehr aus unserem Sonnensystem, sondern aus der Milchstraße – quasi, um zu zeigen, wie weit entfernt von der Erde die Crew tätig ist) und die Rückkehr von Gates McFadden als Dr. Beverly Crusher. Die 3. Staffel Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert* macht von der 1. Szene an klar: Es hat sich was signifikant geändert. Und im Verlauf der wieder 26. Folgen wird mehr als deutlich, dass es hin zum Besseren war. Das war jedoch nur möglich, weil auch im Hintergrund nicht alles beim Alten blieb, sondern der erste größere Personalumbau der Serie stattfand. Der zweite kam dann bei der nächsten Staffel.

Das Szepter wird abgegeben

Der wohl wichtigste Faktor: Gene Roddenberry war gesundheitlich auf dem absteigenden Ast. Ich weiß, dass klingt total scheiße und man soll ja nur Gutes über Verstorbene reden und so. Aber zumindest in Bezug auf Star Trek ist aus meiner persönlichen Zuschauersicht heraus die Realität schlicht und einfach, dass Gene seiner eigenen Kreation von Anfang an im Weg stand. Sicherlich hat er damit immer gute Absichten verfolgt, so ist es nicht. Aber gute Geschichten und damit unterhaltsames Fernsehen lässt sich mit den vielen Einschränkungen, die er auferlegte, nur schwerlich realisieren. Hardcore-Fans von Raumschiff Enterprise dürfen wie immer eine Nummer ziehen und sich in einer geordneten Schlange aufstellen, um mir die Meinung zu geigen.

Und das beste Beispiel dafür, dass ich (und viele andere) mit dieser Ansicht irgendwie Recht haben, ist der massive Qualitätssprung zwischen Staffel 2 und Staffel 3 von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert. Es ist die erste Staffel bei der Rick Berman, nach dem Rausschmiss von Maurice Hurley, vollständig die Zügel in die Hand nahm. Ab diesem Zeitpunkt bestimmte faktisch er die Entwicklung des nächsten Jahrzehnts von Star Trek (mit hier und da etwas Unterstützung) – größtenteils erfolgreich, würde ich sagen. Freilich war Berman nicht perfekt und hat in seiner Zeit ebenfalls so einige fragwürdige Entscheidungen getroffen und Fortschritt verhindert. Über die erste reden wir aber erst in Staffel 5. Ich weiß, ich bin gemein… :tongue:

Eine andere Personalentscheidung, die signifikanten und äußerst positiven Einfluss auf die weitere Entwicklung des Franchises haben würde, war die Einstellung von Michael Piller als oberster Schreiberling. Außerdem erwähnenswert, obwohl er es bei Picards Crew nur eine Staffel aushielt (“Es gab zu viele Regeln und Vorgaben, die meine Kreativität einschränkten.”): Ira Steven Behr, über den wir dann bei Star Trek: Deep Space Nine mehr erfahren werden. Und auch Drehbuchautor Ronald D. Moores Star-Trek-Karriere begann mit der dritten Staffel von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert. Außerdem wurde die ein oder andere Beförderung ausgesprochen. Aber keine Angst, wenn euch all die Namen nichts sagen: Relevant ist am Ende des Tages nur, dass dank ihnen (und einigen anderen) in Verbindung mit dem Wegfallen sehr vieler einschränkender Regelungen, die Drehbücher sowie die Produktionsqualität der Serie signifikant besser wurden.

Die Schauspieler

Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert (Screencap)

Doch nicht nur hinter den Kulissen rumorte es, auch die Leute vor der Kamera waren an den Änderungen beteiligt. Schließlich sind sie mittlerweile schon in ihre Rollen reingewachsen. Allen voran Aushängeschild der Serie Sir Patrick Stewart, dem besonders viel Gehör geschenkt wurde. Wäre schließlich fatal gewesen, wenn der Kapitän plötzlich den Hut nehmen würde. Seine Forderungen für Staffel 3 waren angeblich folgende: Neue Uniformen, mehr Action (vor allem für seinen Charakter) und die Rückkehr von Beverly Crusher (inkl. der dazugehörigen Entlassung von Diana Muldaur). Und was soll ich sagen? Alle drei seiner Wünsche wurden vollumfänglich erfüllt und machten Staffel 3 faktisch zu den Abenteuern von Picard. Was ich aber definitiv nicht negativ meine! Mehr Action gab es vorher wohl nicht, weil Roddenberry absolut dagegen war. Scheinbar hat ihn Kirk so versaut, dass er keinen kämpfenden Kapitän mehr haben wollte. Keine Ahnung. Wie gesagt: Von außen betrachtet wirkt der Mann echt in vielerlei Hinsicht sehr komisch…

Außerdem trat Jonathan Frakes in dieser Staffel erstmals hinter die Kamera. Er saß für die 16. Folge, Datas Nachkomme, auf dem Regiestuhl – und hat offensichtlich Gefallen an der Tätigkeit gefunden. Mit großem Erfolg würde ich sagen. Freilich ist ein Regisseur ein Stück weit nur so gut wie das Drehbuch, das er verfilmen soll. Aber unter Frakes sind über die Jahre viele gute Star-Trek-Folgen und -Filme entstanden. Und er war dahingehend ein Vorbild für die anderen Crewmitglieder, die sich dann mitunter auch mal raustrauten und so neue Talente entdeckten. Der fleißigste war dahingehend bislang LeVar Burton, der 28 Folgen über vier Serien hinweg Regie geführt hat. Gefolgt von Frakes, der für 22 Folgen in fünf Serien sowie zwei Kinofilme im Stuhl Platz nahm. Hier gibt es die vollständige Liste zum Thema, falls es euch interessiert.

Etwas Geschimpfe

Jetzt habe ich anderthalb Seiten um das Drumherum geredet. Kommen wir also endlich mal zum eigentlichen Inhalt der dritten Staffel. Und damit ich ihn gleich aus dem Weg habe, hier mein größter Negativpunkt nicht nur dieser Staffel: Die massive Abneigung gegen Doppelfolgen, die damals immer noch im Fernsehen vorherrschte und/oder der Zwang einschneidende Änderungen in den letzten Minuten einer Folge sofort wieder zurückzudrehen. Bestes Beispiel ist für mich genau Frakes Regiedebüt, Datas Nachkomme. Gerade als es wirklich anfängt interessant und spannend zu werden (Lal soll von der Sternenflotte eingesackt werden und bekommt plötzlich Emotionen) wird auf die Uhr geschaut (oder der Drehbuchautor hat Panik bekommen, weil er sich in eine Sackgasse geschrieben hat) und diese ruckzuck wieder zurückgedreht. Und zwar auf eine irgendwie ziemlich dämliche Art und Weise (die angedeutete, misslungene Operation).

Ja, Datas Tochter am Leben zu erhalten wäre sicherlich ein ziemlich schwieriger Spagat gewesen. Entsprechend war ihr Tod unausweichlich. Aber sie hatte bis dahin dennoch noch einiges an Potential, das man total bekloppt abgewürgt hat. Zum einen in Bezug auf die am Ende unbeantwortete Frage nach ihrer Erziehung und vermutlich auch ihrem Bürgerstatus. Zum anderen das Thema mit den plötzlich aufkommenden Emotionen und wie sie ggf. damit lernt umzugehen sowie was das mit Data gemacht hätte. Noch einmal Q ist ein zweites Beispiel für eine Folge, die aus meiner Sicht stark unter dem “45 Minuten inkl. Werbung – mehr nicht!”-Mantra gelitten hat. Das ging mir einfach alles viel zu schnell. Und obwohl es technisch gesehen schon Staffel 4 ist: Angriffsziel Erde, die Auflösung des Finales der 3. Staffel, ist am Ende ebenfalls viel zu “zack-zack alles wieder gut”. Warum wurde beispielsweise plötzlich die Selbstzerstörung des Borg-Kubus aktiviert? Und wieso ist dann Picard von einer Sekunde auf die andere wieder 100% der Alte? Da hätte ich mir entweder noch eine weitere Folge oder zumindest einen kleinen Zeitsprung um z.B. 1-2 Monate gewünscht, um es etwas glaubwürdiger zu machen.

Ach und die Wesley-Folgen wie der Staffeleinstieg Die Macht der Naniten versprühen erneut nur wenig Charme. Kein Wunder, dass Will Wheaton am Ende der Staffel darum bat aus der Serie geschrieben zu werden.

Die guten Seiten

Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert (Screencap)

War Staffel 2 noch ein Mix aus Höhen und (sehr tiefen) Tiefen, hat Staffel 3 aus meiner Sicht keine grottig-schlechte Folge. Ja, die Geburt von Jesus (Wer ist John?) oder das Energiewesen mit Mutterinstinkten (Mutterliebe) sind jetzt nicht die absoluten Höhepunkte aber selbst sie werfen interessante Fragen auf und sind alles in allem gute Unterhaltung. Gleichzeitig gibt es sehr viele wirklich fantastische Episoden, die mitunter sogar den Grundstein für den ein oder anderen roten Faden legen.

So hat Data in Die Macht des Paragraphen seinen ersten diplomatischen Einsatz, der ihn an die Grenzen seines Maschinendenken bringt. Die Romulaner sind endlich präsenter wie z.B. in Auf schmalem Grat. In Die Sünden des Vaters findet Worfs Entehrung statt, die noch bis tief in Star Trek: Deep Space Nine Folgen haben wird und uns nicht nur erstmals den (noch namenlosen) klingonischen Heimatplaneten zeigt, sondern auch mehr von ihrer Kultur. Die alte Enterprise produziert zwar einige Logiklücken (Zeitreisen halt…) ist aber dennoch eine inhaltlich wie optisch gelungene Folge mit entscheidenden Auswirkungen. Und Botschafter Sarek zeigt uns nicht nur wieder eine neue und sehr interessante Seite der Vulkanier, sie bricht auch endlich Roddenberrys Tabu Anteile der ursprünglichen Serie nicht aufzugreifen. Und natürlich darf das Staffelfinale, In den Händen der Borg, nicht unerwähnt bleiben. Es ist zwar nicht so gut, wie ich es in Erinnerung hatte. Vor allem, weil die Borg damals noch etwas anders und langweiliger waren. Aber das schadet dem Unterhaltungswert nur wenig.

Das Drehbuch dafür stammte übrigens von besagtem Michael Piller, der sich seinen Angaben zufolge bewusst in eine massive Sackgasse geschrieben hatte. Deswegen war sie so überraschend und der Cliffhanger so fulminant. Er wusste vor Produktionsbeginn der 4. Staffel angeblich nicht, wie er den aufgelöst bekommt. Und ehrlich gesagt: Ganz gelungen ist es ihm auch nicht. Angriffsziel Erde ist zwar insgesamt eine sehr gute Folge aber den Versprechungen des Staffelfinales wird sie aus meiner Sicht nicht ganz gerecht.

Fazit

In meinem Eintrag zur zweiten Staffel war ich mir noch nicht so sicher, ob die dritte Staffel vollständig würde überzeugen können. Meine Erinnerungen waren zu schwach daran. Jetzt kann ich nur festhalten: Die Bedenken waren völlig unbegründet. Lysanda und ich wurden vorzüglich unterhalten. Ich hätte die Aufzählung der guten, sehenswerten und einflussreichen Folgen im vorherigen Absatz entsprechend noch beliebig fortsetzen können, denn die dritte Staffel ist mit Abzügen in der B-Note durchgängig sehr gute Fernsehunterhaltung, ohne dabei den Kern von Star Trek zu vergessen.

Es werden wieder so einige interessante gesellschaftlich relevante Themen behandelt, alle Charaktere kommen zur Geltung und machen mehr oder weniger Fortschritte, es gibt auch mal lustige Momente/Folgen und der Zuschauer lernt gefühlt in den 26 Folgen sehr viel mehr von diesem Universum kennen als in der gesamten Originalserie. Nur, um mir mal wieder ein paar Feinde zu machen… Das mit der Charakterentwicklung ist übrigens ebenfalls Michael Piller zu verdanken, der zwei Vorgaben für jede Folge machte: “every episode is going to be about a character’s growth. And every episode has to be about something.”. Manchmal braucht es halt nur Leute, die die richtigen Ansagen machen.

Und während ich diese Zeilen schreibe, haben wir schon die erste Blu-ray von Staffel 4 hinter uns. Keine Anime-Pause dieses Mal (und vermutlich bis zum Ende der Serie). Stattdessen bin ich jetzt wirklich endgültig wieder total angefixt und will MEHR UND ZWAR JETZT!!!!!1111elfelf

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