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Das war also die erste Staffel von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert*. 26 Folgen mit durchschnittlich 45 Minuten Laufzeit. Und um den sinnlosen Vergleich zu bringen: Raumschiff Enterprise – Staffel 1 hatte 29 Folgen mit einem Umfang von jeweils rund 50 Minuten.

Der Ruf der ersten Staffeln mit den Abenteuern von Captain Picard & Crew ist unter Fans definitiv nicht der beste. Und nach den ersten paar Folgen habe ich tatsächlich mit ins gleiche Horn geblasen. Ich hatte unserem Azzkickr sogar geschrieben, dass es hart mit anzusehen ist wie schlecht Deanna Troi und Natasha Yar behandelt werden. Die Doppelfolge zum Einstieg ist trotz John de Lancies Q eine echte Qual. An Gedankengift ist nur nett, dass es quasi eine Fortsetzung von Implosion in der Spirale aus der ursprünglichen Serie ist. Leider sind beide Folgen nicht einmal im Ansatz begeisterungswürdig. Und die 4. Episode, Der Ehrenkodex, ist schlicht lächerlich – und vermutlich heutzutage sogar etwas rassistisch wegen ihrer Darstellung einer klar afrikanisch-inspirierten und auf Ehre basierten Gesellschaft. Und ja, Wesley Crusher ist der nervige Charakter wie wir ihn alle in Erinnerung haben. Übrigens ist er angeblich ein sogenannter “Self-Insert” von Gene Roddenberry. Also eine Personifikation von ihm im Star-Trek-Universum. Das erklärt warum er so viel Aufmerksamkeit bekommt, als “Auserwählter” dargestellt wird und hier und da das Deus Ex Machina sein darf. Trotzdem macht ihn diese Erkenntnis nicht wirklich erträglicher. Die Kombination aus “Kind” und “Besserwisser” ist selten gut, egal wo sie auftritt. Immerhin kommt er weniger häufig vor, als ich es in Erinnerung hatte.

Jetzt am Ende bin ich allerdings wesentlich positiver eingestellt – was mich zugegebenermaßen selbst überrascht hat. Andererseits ist mein letzter Durchgang schon über ein Jahrzehnt her und meine Erwartung zuletzt entsprechend eher vom Internet geprägt gewesen als von der Realität.

Besser als erwartet!

Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert (Promobild)

Ein Teil meiner Positivität ist sicherlich genau diesem Punkt geschuldet: Der lieben Erinnerung. Schon bei der ursprünglichen Sternenreise habe ich gemerkt, dass die ein oder andere Folge allein dadurch besser wurde, weil ich wusste “Das hat Auswirkungen auf später!” und ich so viel stärker mitgefiebert habe. In der ersten Staffel der neuen Abenteuer werden dahingehend sehr viel mehr Grundlagen gelegt, als ich gedacht hatte. So ist Picards erstes Abenteuer auf dem Holodeck, Der große Abschied, zugebenermaßen eine ziemlich holprige Angelegenheit. Aber es ist eben die Basis für viele fantastische Holodeck-Episoden, die noch folgen sollten. Und die erste Episode mit den Ferengi, Der Wächter, sprüht nur so vor 60iger-Jahre-Drehbuch-Flair – was explizit nicht positiv gemeint ist. Und doch habe ich sie nicht gänzlich als negativ im Gehirn abgespeichert. Ihr zweiter Auftritt vier Folgen später in Die Schlacht von Maxia machte sogar bereits eine wesentlich bessere Figur.

Ansonsten hatte ich beispielsweise nicht mehr Erinnerung, dass Datas Bruder Lore sowie die fantastische Lawxana Troi bereits hier ihr Debüt hatten. Gleichzeitig die erste von vielen etwas lockeren, lustigeren Folgen der Serie. Und so dünn der rote Faden mit der Verschwörung bei Starfleet ist und so überraschend grausam er aufgelöst wurde (das hätte ich in einem Splatter-Film erwartet – nicht bei Star Trek) – es war cool zu sehen, dass sie bereits hier mit einer übergreifenden Geschichte experimentiert haben. Und als ich Vincent Schiavelli in Die Waffenhändler erblickte, habe ich in mich hinein gegrinst. Nicht, weil er wie gewohnt sehr amüsant rüberkommt. Sondern, weil ich ihn und seine besondere Art in den Videospielen von Westwood (vor allem Emperor: Battle For Dune) kennen und lieben gelernt habe. Es waren also unterm Strich in der ersten Staffel zwar ein paar Rohrkrepierer/völlig dämliche Geschichten wie Die schwarze Seele dabei aber insgesamt dann doch weniger, als ich erwartet hatte und diese hauptsächlich konzentriert in der ersten Hälfte der Staffel.

Neben den besseren Geschichten (erfreulich wenige Kämpfe gegen Götter, die Picard austragen muss) kommt freilich noch dazu, dass sich in den 30 Jahren, die zwischen Raumschiff Enterprise und dem nächsten Jahrhundert lagen, das Fernsehen stark weiterentwickelt hatte. Das grundlegende Tempo ist höher, die Ansichten und Kamerafahrten interessanter und die Gespräche dynamischer. In der ersten Staffel unterhalten sich mehr Leute während sie gehen als in der gesamten Originalserie, um es mal ganz übertrieben auszudrücken. Dazu kommt, dass die Technik natürlich viel weiter ist. Alles sieht imposanter und cooler aus, die Sets sind größer und ausschweifender und ein fester Bestandteil der Serie. Das lässt die Enterprise-D mehr zu einem Charakter werden als noch das Originalschiff, bei dem es zudem keine richtige Kontinuität gab (Stichwort “der Maschinenraum sieht so aus, wie er für die jeweilige Episode aussehen muss”). Außerdem wird mir als Zuschauer mehr geboten. Darunter mehr vom Inneren der Enterprise sowie mehr (noch vergleichsweise statische) Aufnahmen im Weltraum mit ihr und anderen Raumschiffen. Planetenaufenthalte sind zudem nur noch wenige von der Sorte “Studioset mit bunter Beleuchtung im Hintergrund und Pappmaché-Steinen”. Und die Action ist ebenfalls besser, wenn auch immer noch etwas steif hier und da.

Fazit

Alles in allem kann ich nach den 26 Folgen entsprechend nur festhalten: Die Zeit verging wie im Fluge und ich habe sie (fast) alle sehr gerne geschaut. Ja, der Einstieg war holprig. Aber die Crew in der ersten Folge unterscheidet sich bereits deutlich von der im Staffelfinale und auch die Qualität der Folgen ist spätestens in der zweiten Hälfte besser als (fast) alles was die Originalserie zu bieten hatte. TOS-Fans, die mich jetzt lynchen wollen, bitte eine Nummer ziehen und geordnet in einer Reihe aufstellen. Danke!

Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert (Promobild)

Vielleicht trübt aber genau das ein wenig mein “objektives” Urteilsvermögen, weil ich zuvor die Originalserie gesehen und somit den direkten Vergleich habe. Trotz Roddenberrys immer noch spürbarer Einflüssen kommt mir der Qualitätsunterschied zwischen beiden Serien möglicherweise so noch größer vor, als er tatsächlich aufgrund der geänderten TV-Umwelt ist. Und ja, ich bin mit dieser Crew aufgewachsen. Das spielt – wie von Azzkickr angemerkt – sicherlich ebenfalls eine entscheidende Rolle. Doch egal was die Gründe sind. Fakt ist: Die erste Staffel von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert ist aus meiner Sicht bei weitem nicht so schlecht, wie gerne behauptet wird. Sie enthält bereits viele Elemente, welche sie zu einer fantastischen Star-Trek-Serie werden ließ und hat mehr solide bis gute Folgen als schlechte. Erwarten uns noch bessere und genialere Staffeln und verliert sie diesen Vergleich? Keine Frage. Was spätestens ab Staffel 4 alles an Registern gezogen wird – da kann die erste Staffel selbst in meiner nur noch diffusen Erinnerung an die späteren Folgen nicht mithalten. Schlechte Fernsehunterhaltung oder gar schlechte Star-Trek-Unterhaltung sieht für mich aber trotzdem ganz anders aus (siehe Raumschiff Enterprise).

Und auch Lysanda hat sie wesentlich besser gefallen als das Original – inkl. viel weniger Situationen, in denen sie etwas an den Handlungen der Personen auf dem Bildschirm auszusetzen hatte. Ja, Captain Picard lässt endlich nicht mehr einfach jeden auf die Brücke und strahlt echte Autorität aus im Gegensatz zu “Ich bin ein emotionaler Haudrauf und habe immer Recht”-Kirk :smile: . Dazu kommt, dass ich hier tatsächlich das Gefühl habe den Abenteuern einer Crew zu folgen. Denn seien wir mal ehrlich: Im Original spielten nur Kirk, Spock und ein bisschen McCoy eine Rolle. Alle anderen waren faktisch Nebenfiguren mit wenig Bildschirmzeit und keinerlei Charakterentwicklung. Hier hatte stattdessen schon jeder seine (mehr oder weniger gelungene) Zeit im Rampenlicht trotz der verständlichen Dominanz von Picard, Riker und Data. Ein weiterer Pluspunkt für die erste Staffel!

Epilog

Jetzt geht es logischerweise weiter mit der 2. Staffel – allerdings nicht direkt. Nach fünf Staffeln und sieben Filmen fordert Lysanda erst einmal eine Anime-Pause. Und zwar werden wir uns die (relativ) frisch erschiene Magia Record: Puella Magi Madoka Magica Side Story* anschauen. Dazu “müssen” wir aber vorher nochmal die Hauptserie Puella Magi Madoka Magica* konsumieren. Ist schon wieder ein paar Tage her, wo wir die verschlungen hatten, deshalb möchten wir unsere Erinnerung auffrischen. Dass es eine richtig gute Serie war, schadet da nicht :smile: . Aber mehr dazu dann vielleicht, wenn wir damit durch sind.

…und damit haben wir das Ende der ursprünglichen Sternenreise erreicht. Die ersten sechs Star-Trek-Filme liegen hinter uns und wir sind endlich bereit für die Abenteuer der Crew der Enterprise-D. Dem Teil von Star Trek mit dem ich aufgewachsen bin. Aber da das ganze Vorhaben “Star Trek Marathon” offensichtlich zu einer Eintragsserie mutiert ist, dürfen ein paar Worte zu den Abenteuern von Kirk & Co. auf der großen Leinwand nicht fehlen. In diesem Sinne:

Basiswissen

Das Anschauungsmaterial

Geschaut haben wir die Blu-ray-Fassungen aus der alten Stardate Collection* mit deutscher Tonspur. Diese Kollektion hat einen entscheidenden Nachteil: Während die Filme zwar optisch auf hohem Niveau daherkommen, handelt es sich ausschließlich um die Kinofassungen mit dem dazugehörigen Originalton. Sprich sie enthält weder Star Trek: Der Film* noch Star Trek II: Der Zorn des Khan* oder Star Trek VI: Das unentdeckte Land* in ihren jeweiligen Director’s Cut-Editionen. Das ist bei Teil 2 und 6 nicht ganz so tragisch. Die Kinoversionen entsprachen nämlich grundsätzlich Regisseur Nicholas Meyers Vision, somit sind die Änderungen übersichtlich (Teil 2, Teil 6). Beim ersten Film sieht die Sache anders aus, denn der Produktion lief damals die Zeit davon. Entsprechend unfertig (Spezialeffekte fehlten, Schnitt war nicht final, etc.) kam das Werk in die Kinos.

Erst 2001 mit der DVD-Veröffentlichung durfte Regisseur Robert Wise nochmal Hand anlegen und den Film nach seiner ursprünglichen Vision überarbeiten/fertigstellen. Zusätzlich wurden beim HD-Transfer fehlende Effekte nachträglich eingefügt und dahingehende Fehler behoben. Da damals aber offensichtlich noch keiner langfristig gedacht hat, war diese Version anfangs nicht für Blu-ray geeignet (die neuen CG-Elemente waren nicht hochaufgelöst genug). Deshalb griff man wieder zur Kinoversion. 2022 kam dann mit The Director’s Edition endlich das Rundum-Sorglos Paket auf den Markt – inkl. einem neu gemastered Sound und Soundtrack (fehlte bei der DVD-Fassung noch) und weiteren inhaltlichen Änderungen im Sinne des Regisseur, der 2005 verstorben ist. Und während ich mich bei Teil 2 und 6 mit den Kinofassungen zufriedengegeben habe, musste ich mir selbstverständlich die neue Fassung von Teil 1 auch noch anschauen. Hätte ich vorher gewusst, dass es diese Version gibt, hätten wir es vermutlich sogar dabei belassen. So haben wir uns tatsächlich Star Trek: Der Film zweimal angetan :smile: .

Die Filme

Aber kommen wir doch endlich mal zu den besagten Werken der Originalcrew. Und zwar nicht in der richtigen Reihenfolge, sondern tatsächlich in meinem persönlichen Ranking. Damit ihr auch gleich was zu diskutieren habt in den Kommentaren.

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1. Star Trek VI: Das unentdeckte Land* – Für mich der zweitbeste Star-Trek-Film aller Zeiten (nach Star Trek: Der erste Kontakt) und ein mehr als würdiger Abschluss für die Abenteuer der Originalcrew. Auch, weil das Thema (Friedensgespräche mit den Klingonen) wie die Faust auf das Auge passt. Die alte Garde, welche die Klingonen/Menschen immer nur als Feinde gekannt haben, kommt damit nicht klar und muss abdanken, um die Zukunft zu ermöglichen wie wir sie zu diesem Zeitpunkt schon ein paar Staffeln lang unter dem Kommando von Captain Picard gesehen haben. Dieser Konflikt wird mit überraschend wenig Action ausgetragen, ist aber nicht weniger spannend und interessant, weil er stattdessen von den vielen starken und mitunter sehr emotionalen Charaktermomenten lebt. Einfach ein fantastischer Film, der viel zu schnell zu Ende ist. Muss ich vielleicht doch noch den Director’s Cut kaufen… :smile:

Randnotiz: Zu meiner Schande ist mir tatsächlich erst jetzt aufgefallen, dass der Verteidiger im Gerichtsprozess ein gewisser Colonel Worf ist – gespielt von Michael Dorn. Die Kanon-Erklärung dafür ist, dass es sich um einen Großvater des Worfs aus dem 24. Jahrhundert handelt.

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2. Star Trek II: Der Zorn des Khan* – Was soll man zu diesem Werk sagen, was nicht schon gesagt wurde? Ricardo Montalbán in einer Glanzrolle als Käptain Ahab… äh Khan und ein Kirk in absoluter Höchstform. Ja, so übertrieben der Khan-Schrei ist – ausnahmsweise passt William Shatners Overacting perfekt. Vielleicht gibt es ein paar zu viele Parallelen zu Moby Dick* und das Genesis-Projekt und Kirks Sohn werfen so einige Fragen auf, die ungeklärt bleiben. Aber solche “Kleinigkeiten” vergisst man relativ zügig wieder, wenn der Kampf zwischen Kirk und Khan dann so richtig losgeht. Der Film ist spannend und emotional bis zur letzten Minute. Allein die Sequenz im Mutara-Nebel lässt mich immer wieder an den Rand des Stuhls rutschen. Und selbstverständlich darf ich Spocks heroisches Opfer nicht vergessen. Das ist jedes Mal wieder herzzerreißend. Da können weder Star Trek: Nemesis* noch der billige Abklatsch namens Star Trek Into Darkness* auch nur ansatzweise mithalten.

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3. Star Trek III: Die Suche nach Spock* – Der ungeliebte Stiefsohn unter den Star Trek-Filmen der Originalcrew, wenn man die Fans fragt. Und das trotz der fraglichen Qualitäten der Filme weiter unten auf Platz 5 und 6. Ich finde ihn hingegen durchaus gelungen. Ja, er ist mehr eine Star-Trek-Doppelfolge statt ein imposantes Leinwandabenteuer. Aber es ist richtig genial, dass er direkt und nahtlos an das Ende des zweiten Films ansetzt und uns weitere Einblicke in die Welt der Vulkanier gibt. McCoy als Spock wird von DeForest Kelley super gemeistert und obwohl Spock selbst nicht großartig vorkommt, macht das ikonische Trio Kirk, McCoy und Spock in diesem Film für mich die größte Charakterentwicklung seit Beginn der Serie durch. Die Zerstörung der Enterprise und die anschließende Übernahme eines Bird of Prey tun ihr Übriges, dass ich ihn mit auf das Treppchen stelle.

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4. Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart* – “Der mit den Walen” dürfte vermutlich der bekannteste, ältere Film außerhalb der Trekkie-Szene sein. Und wenn man das Gehirn ausschaltet ist er auch definitiv sehr amüsant und leichtherzig. Aber ein würdiger Abschluss der Spock-Trilogie? Ja, ne nicht wirklich. Ein singender Zylinder, der durch das Weltall fliegt und alles kaputt macht ist für die Originalcrew zwar nichts Neues aber besser wird es dadurch nicht. Dann eine Sternenflotte, die offensichtlich weder Notfallpläne noch Hirn hat, eine Zeitreise mit einem Klingonenschiff (kann jeder im 23. Jahrhundert Zeitreisen machen oder was?!), eine Meeresbiologin, die ohne Auswirkungen mit in die Zukunft genommen wird “weil ja sonst keiner Ahnung hat”… Da kommt man echt aus dem Kopfschütteln nicht heraus. Dass er in meiner Reihenfolge nicht weiter unten steht verdankt der Film definitiv hauptsächlich den Gegenwart-Sequenzen. Darunter Highlights wie Scotty, der einen Computer bedient, einen fluchendem Spock oder Chekov im Verhör. Ach und der Tatsache, dass der Rest noch schlechter ist :smile: .

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5.1 Star Trek: Der Film*- Ja, ich finde die Kinofassung tatsächlich besser als die neue Director’s Edition. Nicht nur, weil sie tatsächlich eine kürzere Laufzeit hat. Langatmig ist er in beiden Varianten und die Geschichte nur leidlich spannend/interessant erzählt. Aber die Kinoversion kann immerhin wie die nicht weniger langatmige Inspirationsquelle (2001: Odyssee im Weltraum*) mit vielen stimmungsvollen Weltallsequenzen aufwarten. War es notwendig gefühlt zehn Minuten lang die Enterprise im Dock zu umfliegen? Nein. War es dank Jerry Goldsmiths tollem Soundtrack trotzdem ein Erlebnis? Definitiv. In der Director’s Edition sind diese Sequenzen nun zwar stark zusammengekürzt aber gleichzeitig mit teilweise echt fragwürdigen Zwischenblenden auf die Crew verschnitten. Das hat den Film für mich weder großartig dynamischer noch besser gemacht. Dass es mehr Interaktionen zwischen Decker und Llia gibt ist zwar auf dem Papier ganz nett, rettet aber trotzdem die Erzählung und vor allem das Ende nicht. So schade, denn die Idee “Menschensonde wird von Aliens modifiziert und bedroht die Erde” bot definitiv einiges an Potential.

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5.2 Star Trek: Der Film – The Director’s Edition* – Im vorherigen Absatz habe ich im Prinzip schon alles geschrieben. Einzig erwähnenswert ist noch, dass die neuen/geänderten Szenen logischerweise neu synchronisiert werden mussten. Zu einem Zeitpunkt, wo die alten Synchronsprecher größtenteils nicht mehr zur Verfügung standen. Und es fällt leider sehr negativ auf, wenn plötzlich von einem Satz auf den anderen eine “falsche” Stimme erklingt. Ein weiterer Pluspunkt quasi für die Kinofassung. Ja, die Effekte sind natürlich wesentlich besser aber ohne den direkten Vergleich wäre es mir ehrlich gesagt vieles nicht aufgefallen. Aber am Ende des Tages gilt: Egal ob Director’s Edition oder Kinofassung – es ist kein guter oder gar sehenswerter Film. Als Pilotfolge für Star Trek: Phase Zwei wäre er vermutlich durchgegangen. Aber angesichts der Konkurrenz durch Krieg der Sterne* (1977) und dem großen Vorbild 2001: Odyssee im Weltraum* (1968) ist es wirklich nur das “Star Trek” im Titel, der den Film daran gehindert hat in die Vergessenheit zu geraten und überhaupt Geld einzuspielen.

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6. Star Trek V: Am Rande des Universums* – Zum Glück ist er mit 107 Minuten auf der kürzeren Seite. Gott ist das ein absolutes Schrottwerk. Dabei ist die Grundidee eines emotionalen Vulkaniers durchaus interessant. Mehr über diese Kultur zu erfahren ist (für mich) immer spannend und auch der Gedanke, dass er einen alten Kult wiederbelebt – die Vulkanier also mal so waren – ist erst einmal nicht so abwegig für einen Star-Trek-Film. Aber die Enterprise stehlen, um ins Innere der Galaxie zu fliegen? Und dort eine Art Gott treffen, der sich als gefangenes Wesen entpuppt, das Sybok ausgenutzt hat? Alter Schwede. Diese Art von Geschichte war schon in der ersten Staffel völliger Schwachsinn und ihr macht einen ganzen Kinofilm draus. *kopfschüttel*
Die Camping-Szenen am Anfang und Ende sind für mich ebenfalls absolut zum Fremdschämen. Aber das liegt vermutlich hauptsächlich an mir, weil ich die amerikanische Faszination mit diesem bekloppten Kinderreim “Row, Row, Row your Boat” absolut nicht nachvollziehen kann.

 

Nun ist es aber wirklich genug von der Original-Crew. Wie eingangs erwähnt geht es jetzt mit Warp 9 ab ins 24. Jahrhundert mit der ersten Staffel von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert*. Mal schauen wie schlimm es wird. An viel erinnern kann ich mich nach elf Jahren (DVD-Release) ehrlich gesagt nicht mehr.

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Das ging fix – andererseits hat die Serie auch nur 22 Folgen mit jeweils 22 Minuten Laufzeit. Insofern war es kein großer Aufwand uns abends mal 2-3 Stück an zu schauen. Die Rede ist von Die Enterprise*, bekannt als Star Trek: The Animated Series (TAS) aus den Jahren 1973/1974. Bis zum Erscheinen von Star Trek: Lower Decks* (2020) war sie die einzige Zeichentrickserie angesiedelt im Star-Trek-Universum. Kann man sich gar nicht vorstellen. Aber im Gegensatz zu Star Wars, wo George Lucas ja den größten Teil seines Lebensunterhalts mit Merchandise verdient hat, hatte es Star Trek scheinbar selbst zu seiner Hochzeit in den 90igern nicht nötig was explizit für Kinder zu produzieren. Mittlerweile denkt man da anders. Und ja, Star Trek: Prodigy scheint in der Hinsicht recht gut geworden zu sein!

Die Ausgangssituation

Doch dazu kommen wir dann irgendwann viel, viel später. Jetzt kehren wir erst einmal zurück in die 70iger. Zur Erinnerung: In den USA lief die letzte Episode von Raumschiff Enterprise* am 3. Juni 1969. Danach war zwar erstmal Sense in Bezug auf neue Inhalte aber die Serie fing an ihre Kreise in der Syndication zu drehen und war dort ein völlig unerwarteter und riesiger Erfolg. Das schlug sich zum einen in der Menge an Fanpost nieder, die sowohl die NBC (ausstrahlender Sender) als auch Paramount (Produktionsfirma) erhielten. Zum anderen zeigte die Buchhaltung, dass es die bislang erfolgreichste Serie für den Sender war und die wichtige Zielgruppe der 18- bis 45-Jährigen voll drauf abfuhr. Das Management fand das nur bedingt lustig, hatten sie doch offensichtlich die ultimative Cash-Cow zu früh getötet. Sie rannten entsprechend zu Gene Roddenberry, um irgendwie weitere Inhalte zu bekommen. Und vermutlich hätte es sogar funktioniert. Es wäre garantiert eine vierte Staffel produziert worden, wenn da nicht ein kleines Detail gewesen wäre: Paramount hatte die Sets und Props der Serie in der Zwischenzeit bereits ausgeräumt (vernichtet, verschenkt oder sie waren schlicht gestohlen worden). Es wurde berechnet, dass es ca. $750.000 (rund $6 Millionen heutzutage) kosten würde alles wieder neu zu bauen. Bei allem Erfolg der Serie: Das war ihnen dann doch zu viel.

Die Enterprise (Paramount-Promobild)

Eine weitere Live-Action-Umsetzung war also erstmal gestorben. Sehr zum Unmut von Roddenberry, der unbedingt eine haben wollte. Es sollte dann noch bis 1979 dauern, bis sein Wunsch zumindest auf der großen Leinwand in Erfüllung ging (Star Trek: Der Film*). NBC wollte hingegen JETZT neue Inhalte egal welcher Art. So trafen sich beide in der Mitte: Eine Zeichentrickserie. Damit konnte Roddenberry Star Trek im Gedächtnis der Zuschauer behalten, immer in der Hoffnung dann doch noch eine zweite Live-Action-Serie zu bekommen und gleichzeitig hatte NBC neues Material. Und obwohl Paramount die Serie nicht produzierte, gehört auch sie rechtlich gesehen vollständig ihnen.

Perfekte Rahmenbedingungen

Die Idee eine Zeichentrickserie zu produzieren, war zu diesem Zeitpunkt tatsächlich nicht neu. Schon während der Ausstrahlung der dritten Staffel kam das legendäre Animationsstudio Filmation auf Paramount, NBC und Roddenberry zu mit der Idee eine Spin-off-Serie explizit für eine jüngere Zielgruppe zu produzieren. Und obwohl ein interessanter Pitch dafür existiert, wurde aufgrund der damals angespannten Situation zwischen Paramount und Roddenberry nichts draus. Es dauerte stattdessen noch bis 1973 bis mit einem neuen Konzept (“für alle Altersgruppen geeignet”) dann endlich ein Vertrag unterschrieben wurde und TAS bei Filmation in Produktion ging. Roddenberry hat dabei tatsächlich wenig Hand an die Serie angelegt. Er hatte schlicht keinerlei Interesse an diesem Format. Er wollte wie gesagt ausschließlich eine weitere Live-Action-Umsetzung. Dafür übernahm (aufgrund seiner Empfehlung) Dorothy Catherine Fontana (D. C. Fontana) die Verantwortung über die Drehbücher. Sie hatte bereits bei der Originalserie intensiv mitgewirkt und die ein oder andere progressive Idee (auch gegen den Widerstand von Roddenberry) auf den Fernsehbildschirm gebracht.

Jetzt hatte sie nicht nur freie Hand, sondern sogar noch mehr Möglichkeiten. Warum gab es schließlich so viele Humanoide in der Serie? Ganz einfach, weil das Budget für echte Aliens begrenzt war und die damaligen technischen Voraussetzungen nicht gegeben waren. In einer Animationsserie hat man in der Hinsicht mehr Freiheiten. Das ein oder andere Drehbuch stammt entsprechend auch von der Originalserie, weil sie es in Live-Action nicht hinbekommen haben. Gleichzeitig fand zu der Zeit ein Autorenstreik statt. Sprich es waren plötzlich ganz viele sehr gute Schreiberlinge auf der Suche nach Arbeit und da das Arbeitsverbot der Gewerkschaft nicht für Animationsfilme galt, konnte Fontana so einige bekannte Leute für die Drehbücher gewinnen. Sie selbst schrieb hingegen tatsächlich nur ein einziges Drehbuch für die Serie. Und zwar die Folge Yesteryear. Übrigens der einzige Teil von TAS, den Roddenberry tatsächlich als Kanon ansah (sie zeigt Spocks Jugend)!

Und dann haben sie es auch noch geschafft mit Ausnahme von Pavel Chekov (Walter Koenig war zu teuer) alle Originalschauspieler als Sprecher anzuheuern. Perfekter hätte es nicht sein können und am 8. September 1973 flimmerte die erste Folge über die amerikanischen Bildschirme.

Der Inhalt

Die Enterprise (Paramount-Promobild)

Nach Abschluss der ersten Staffel von Star Trek: Das nächste Jahrhundert* erklärte Roddenberry die Zeichentrickserie als “Nicht-Kanon”. Warum? Schlicht und einfach, weil er eine beleidigte Leberwurst war. Die Serie hatte es nämlich nicht geschafft das erhoffte Live-Action-Revival herbeizuführen und er war auf sie entsprechend nicht gut zu sprechen. Andere Quellen behaupten zwar, es wäre 1988 aufgrund von Lizenzneuverhandlungen passiert. Aber das macht für mich keinen Sinn. Schließlich gehörte und gehört die Serie Paramount. Warum sollte da ein Lizenzstreit zum Ausschließen der Serie führen? Paramount folgte auf jeden Fall Roddenberrys Wunsch und dementsprechend wird die Serie – soweit bekannt – offiziell nicht als Teil des Star-Trek-Universums angesehen obwohl es 2006 aufgrund des DVD-Release der Serie so aussah, als hätte sich heimlich still und leise die offizielle Meinung etwas geändert. Dieser “Nicht-Kanon”-Status war sehr zum Unmut der Autoren und Fans, die sich über diese Regelung aber faktisch bis heute einfach hinwegsetzen. So ist und bleibt beispielweise Robert April der erste Kommandant der ersten Enterprise und “Tiberius” wurde Kirks offizieller Mittelname.

Produziert wurden zwei Staffeln und die zweite bekam sogar einen Emmy für die beste Kinderserie – der bis heute einzige Emmy für eine Star-Trek-Serie im nicht-technischen Bereich! Die erste Staffel hat 16 Episoden und die zweite nur sechs. Die Serie setzt direkt an das Ende der Originalserie an und umfasst die letzten beiden Jahre der fünf Jahre umfassenden Mission des Raumschiffs. Inhaltlich erwartet euch entsprechend das bekannte Format der Hauptserie. Es werden immer noch neue Welten besucht und – dieses Mal in einem höheren Tempo – mehr oder weniger fragwürdige Abenteuer erlebt inkl. den immer noch reichlich vorhandenen Logiklücken. So kann der Transporter plötzlich alte Versionen der gebeamten Personen wiederherstellen? Warum altert dann überhaupt noch jemand? Oder stirbt an Krankheiten? Einfach Sicherungskopie wiederherstellen! Es gibt sogar so einige Rückbezüge auf alte Folgen sowie echte Fortsetzungen wie z.B. More Tribbles, More Troubles, was ich extrem cool finde. Schließlich war es faktisch das erste Anzeichen von echter Kontinuität im Star-Trek-Universum.

Aufgrund der Abwesenheit von Chekov sowie den neuen Möglichkeiten dank des gewählten Mediums, gibt es außerdem ein paar neue Gesichter in der Crew (und Beförderungen für die alte). Als Navigator tritt beispielsweise der Edosianer Arex auf. Lt. Uhura wird hingegen in ihren Pausen – oder, wenn sie mal das Kommando über die Enterprise übernimmt (ja, der erste weibliche Kapitän war sie!) – von M’Ress vertreten, einer Caitianerin. Und auch sonst sind erfreulich häufig “richtige” außerirdische Rassen und wirklich fremde Welten auf dem Bildschirm zu sehen. Meist sind die Aliens trotzdem auf zwei Beinen unterwegs, aber immerhin! Für eine (unvollständige) Auflistung verweise ich auf diese Internetseite.

Fazit

Die Enterprise (Paramount-Promobild)

Mir hat unterm Strich Die Enterprise tatsächlich besser gefallen als der größte Teil der Hauptserie. Ein Grund ist sicherlich, dass 22 Minuten relativ schnell rum sind. Das gibt den Geschichten anständig Tempo und man hat gar nicht so viel Zeit sich über den Blödsinn Gedanken zu machen, der teilweise passiert. Gleichzeitig sind die Geschichten an sich auch etwas action-reicher, ausgefallener und mutiger. Ja, die ein oder andere Zeitreise sowie Besuche von Paralleluniversen gibt es trotzdem. Aber selbst die sind interessanter gestaltet als nur ein “Es ist die Erde im 20. Jahrhundert”. Und M’Ress ist einfach ein cooler Charakter, obwohl sie nicht viel zu tun hat. Aber vermutlich bin ich da als Katzenliebhaber einfach nur etwas voreingenommen :smile: .

Geeignet ist die Serie dennoch nur für beinharte Star-Trek-Fans würde ich sagen. Sie ist faktisch eine echte Fortsetzung der Hauptserie nur mit etwas mehr kreativer Freiheit. Entsprechend schwer ist es vermutlich nicht nur aber vor allem wegen den Rückbezügen sie in einem Vakuum anzusehen. Gleichzeitig bügelt sie zwar ein paar der Schwächen der Serie aus, lässt aber doch vieles beim Alten. Ja, auch einen Kampf gegen einen Gott gibt es wieder. Insofern: Ich fand sie insgesamt unterhaltsam und habe sie gerne geschaut. Zumal sie mir wieder ein paar mir bislang unbekannte Einblicke in das Star-Trek-Universum gegeben hat (wusste beispielsweise gar nicht, dass die erste Enterprise schon eine Art Holodeck hatte!). Aber eine uneingeschränkte Empfehlung sieht definitiv anders aus.

Als nächstes stehen nun die ersten sechs Filme an. Mal schauen was Lysanda speziell zum langwierigen ersten Filmabenteuer sagen wird. Zumal es auch noch die Kinoversion ist…

PS: Lysanda möchte unbedingt, dass ich euch von einer Theorie von ihr erzähle. Und zwar ist sie der Meinung, dass Spock eine Prinzessin ist. Um das zu verstehen, müsst ihr diesen Clip aus Chaos im Netz* kennen. Darin fragen die Disney-Prinzessinnen die kleine Vanellope welche Art von Prinzessin sie ist und stellen entsprechende Fragen, um das herauszufinden. Daraus wurde dann das ein oder andere Meme wie z.B. das hier mit Marvels Loki.

Und die folgenden Fragen aus dem Clip hat Lysanda mit “Ja” beantwortet, weshalb sie zu dem Ergebnis kommt, dass er eine (Disney-)Prinzessin sein muss. Leider kann ich ihrer Logik in diesem Zusammenhang nicht widersprechen. Aber urteilt selbst:

  • Hast du magisches Haar? Das schwarze Ding auf seinem Kopf muss ganz klar magisch sein. Anders kann ich mir nicht erklären, wie es so glatt und flach sein kann.
  • Magische Hände? Wenn der vulkanische Nackengriff nicht magisch ist, dann weiß ich auch nicht.
  • Kannst du mit Tieren reden? Er hat unter anderem mit dem Pizzateig namens Horta geredet. Also ein ganz klares “Ja!”.
  • Wurdest du vergiftet? Mehrmals. Und entweder es hat ihm aufgrund seines Vulkanier-Bluts nichts angehabt oder die ganze Folge ging nur darum ihn zu retten.
  • Verflucht? Ein Fluch kann im Prinzip fast alles sein, entsprechend lässt sich die eine oder andere Situation sicherlich dazu zählen.
  • Entführt oder versklavt? Entführt wird er ständig. Versklavt auch mindestens einmal.
  • Spürtest du je der wahre Liebe Kuss? In mindestens zwei Folgen.
  • Hast du Probleme mit deinem Vater? Die Beziehung zwischen Sarek und seinem Vater als “Problembehaftet” zu bezeichnen ist schon fast eine Untertreibung.
  • Glauben die Leute, dass alle deine Probleme gelöst wurden nur, weil ein großer starker Mann kam? Spock ist größer als Kirk aber das ändert nichts daran, dass er ihn die meiste Zeit retten muss.

…und schon sind vier Wochen Urlaub wieder rum. Während ihr diese Zeilen lest arbeite ich mich vermutlich durch die mehreren hundert E-Mails, die in meinem Postfach auf mich warten (Vertretung? Was ist das?) und stöhne ob der vielen Telefonkonferenzen, die mir vermutlich für diese Woche eingestellt wurden. Aber wie der Urlaub, geht auch dieser Ansturm sicherlich zügig vorüber und die Normalität kehrt zurück.

Haben wir während unserer Freizeit wenigstens alles erledigt, was wir uns vornahmen? Wie immer nicht. Selbst das Buch auf meinem Nachttisch (Das Spiel der Götter 13: Im Sturm des Verderbens*) habe ich nicht geschafft fertig zu lesen, dabei wartet doch bereits DOOM Guy: Life in First Person* (John Romeros langerwartete Autobiographie) auf mich. Immerhin konnten wir eine Sache abhaken: Staffel 3* von Raumschiff Enterprise*

Same ol’, same ol’

(Cover)

Es klingt böse, aber es ist definitiv von Vorteil, dass es mit nur 24 Folgen die kürzeste Staffel (1: 29, 2: 26) der Serie ist. Es ist nicht so, dass die Folgen im Vergleich zu Staffel 1 oder 2 schlechter wären. Es ist eher genau umgekehrt, dass das Niveau nicht wesentlich besser ist. Stattdessen erwartet euch der gleiche Kram wie vorher: Viel zu viele Humanoide, viel zu viele Charaktere aus der irdischen Vergangenheit (inkl. Abraham Lincoln im Weltraum und eine Begegnung mit Methusalem), viel zu viele komische Sachen die am Anfang der Folge direkt auf die Enterprise zufliegen und derer sie nicht ausweichen kann und viel zu viele schwachsinnige Situationen, die mit etwas Kommando-Disziplin (warum darf jeder Besucher überall auf der Enterprise rumlaufen?!) oder der Erinnerung „Wir sind auf einem Raumschiff mit vielen tollen Funktionen” schon nach fünf Minuten geklärt gewesen oder gar nicht erst passiert wären. Und da gefühlt alle immer nur über Spocks Gehirn herziehen: Kurs auf Markus 12 ist für mich die unerträglichste Folge der Serie. Ich verabscheue allerdings die meisten Filme/Folgen in denen nervige Kinder die Hauptrolle spielen…

Ansonsten war noch auffällig, dass es häufig sehr emotional wurde – im negativen Sinne. Keine Ahnung ob die Streitigkeiten am Set in die Scripts übertragen wurden aber selbst Spock kommt vergleichsweise häufig als absolutes Arschloch rüber. Gut, kann ich nach dem ganzen Mobbing durch McCoy & Co. verstehen – A-Typisch für den Charakter ist es dennoch. Auf der anderen Seite der Medaille sind wieder haufenweise Frauen vorhanden, die nicht nur Kirk das Gehirn verdrehen und gefühlt alle kennen sich von der Sternenflottenakademie (gab es da nur einen Jahrgang?!). Nene. Bei manchen dieser Drehbücher fragt man sich schon, wie die auf so einen Blödsinn gekommen sind.

Positive Seiten

Aber ich will nicht alles schlecht reden. Ein paar Lichtblicke gab es schließlich auch in der dritten Staffel. Beispielsweise fand ich super, dass sie versucht haben mehr mit den Bildschirmen (z.B. dem Hauptbildschirm auf der Brücke) zu arbeiten. Sprich statt nur die Aussicht zu zeigen wurden mal Diagramme oder (animierte) Flugrouten eingeblendet. Außerdem haben sich so einige Folgen mit wichtigen Themen beschäftigt – nicht immer erfolgreich (siehe die Hippies in Die Reise nach Eden). Doch beispielsweise Bele jagt Lokai und Die Wolkenstadt stellen (leider nicht nur für damalige Verhältnisse) gelungene Gesellschaftskritik da und geben perfekt Roddenberrys Hoffnung auf eine friedliche, idealere Zukunft wieder. Ach und (Spoiler!) Kirk in Die unsichtbare Falle als Romulaner getarnt war selbstverständlich ebenfalls ein Highlight :smile: .

Fazit

Star Trek: The Original Series – Season 3 (Paramount-Promobild)

Hatte ich durch das Überspringen der dritten Staffel von Raumschiff Enterprise damals beim DVD-Release was verpasst? Nein, auf keinen Fall. Ich verstehe jetzt den ein oder anderen Zusammenhang besser (z.B. Memory Alpha oder die Bilder von Bele und Lokai, die man häufig sieht). Doch unterm Strich empfanden Lysanda und ich es als ziemlich vergessliche Fernsehunterhaltung. Und das meine ich leider tatsächlich wörtlich. Ohne das Nachschlagen im Deutschen StarTrek-Index beim Schreiben dieses Eintrags, hätte ich vermutlich keine einzige Folge mehr zusammenbekommen. Insofern: Für Fans der ersten beiden Staffeln sicherlich ein Pflichtprogramm, denn sie bekommen mehr von dem, was sie haben wollen. Alle anderen können die 20 Stunden jedoch getrost in anderes investieren.

Eine Aussage, die Rückblickend ehrlicherweise auf die gesamte Serie passt. Ja, es gibt ein paar Folgen die sollte man als Star-Trek-Fan mal gesehen haben. Aber alle 79? Der Verlust hält sich in Grenzen, wenn man sich diese Sternenreise erspart. Dafür ist dank der fast vollständigen Eigenständigkeit (inkl. dem ein oder anderen dasurch entstehenden Widerspruch) der Folgen dann doch zu wenig Charakterentwicklung vorhanden und es wird zu wenig Kohärentes über das 23. Jahrhundert an sich und die Enterprise im Speziellen vermittelt. Selbst die drei großen – Spock, McCoy und Kirk – und ihre Beziehung zueinander lernt man nur absolut oberflächlich kennen. Das haben die Filme definitiv wesentlich besser hinbekommen. Mehr als einmal hat mich Lysanda sogar gefragt, ob sich die Serie eigentlich an Erwachsene oder eher an Jugendliche/Kinder richtete, weil es so dämlich wurde.

Einen Vorteil könnte es aber vielleicht dann doch haben, dass wir die drei Staffeln vollständig geschaut haben: Star Trek: Strange New Worlds* scheint extrem viel TOS-Fanservice zu betreiben mit vielen Rückbezügen und ähnlichen Szenen. Dauert jedoch noch einige Zeit, bis wir uns dieser Serie widmen werden. Jetzt kommt erstmal die vierte Staffel mit Crew des Raumschiffs U.S.S. Enterprise NCC-1701 dran: Die Enterprise*. Ich bin tatsächlich gespannt darauf. Allein die Entstehungsgeschichte dieser Zeichentrickserie ist schon sehr interessant. Dazu dann in einem kommenden Eintrag mehr.

(Cover)

Staffel 2* von Raumschiff Enterprise* liegt hinter uns. Und es war definitiv ein spürbarer Unterschied zur 1. Staffel. Schon während der ersten Folge ist mir aufgefallen, dass alles plötzlich irgendwie dynamischer wirkt. Zum einen in Bezug auf die Kamera, die nicht mehr durchgängig nur an einem Platz verharrt, sondern sich auch mal bewegt. Zum anderen das Zusammenspiel der Charaktere. In Staffel 1 hat gefühlt 90% der Zeit nur Captain Kirk den Mund aufgemacht und eine Persönlichkeit gezeigt. Jetzt endlich dürfen andere Charaktere wie Spock, McCoy oder Chekov (jetzt neu dabei – inkl. dem Dauergag “alles wurde in Russland erfunden”) ebenfalls mal miteinander agieren und natürlichere Unterhaltungen führen. Gut, einiges davon fällt leider immer noch in die Kategorie “Lasst uns ein bisschen Spock mobben” aber man kann ja nicht alles haben.

Eine Zeitreise gefällig?

Inhaltlich geht es grundsätzlich ebenfalls aufwärts, was dazu führt, dass die 26 Folgen bei weitem erträglicher sind als noch Staffel 1. Aber kommen wir zuerst zum negativen: Es gibt sie immer noch, die vielen unlogischen Entscheidungen und Geschichten, die nur passieren können, weil der Autor mal wieder vergessen hat, dass es ein Raumschiff aus dem 23. Jahrhundert ist. Die Tatsache, dass es überall nur Humanoide gibt, die “zufälligerweise” auch noch in irgendeiner Epoche (Römer, Nazi-Deutschland, Amerika der 20iger und 60iger, etc.) der Erdgeschichte stecken, ist ebenfalls unausweichlich – schließlich ist nichts einfacher zum Geldsparen als die vorhandenen Sets auf dem Paramount-Gelände zu nutzen. Und wenn es mal nicht passt, wird es einfach passend gemacht indem man irgendeinen Grund für eine Zeitreise erfindet.

Star Trek: The Original Series – Season 2 (Paramount-Promobild)

Das ist vor allem in der letzten Folge, Ein Planet, genannt Erde so ein absoluter Schwachsinn. In quasi zwei Sätzen wird direkt im Intro erwähnt, dass man plötzlich gezielt in die Vergangenheit reisen kann. Das kommt NIE wieder in der gesamten Geschichte von Star Trek auf diese Art und Weise vor… und dann wird es auch noch für einen völlig schwachsinnigen Grund gemacht. Naja, immerhin hat die Folge eine hübsche schwarze Katze (die hoffentlich während der Dreharbeiten nicht zu sehr gequält wurde).

Ein Kritikpunkt an der deutschen Sprachausgabe ist hingegen die Aussprache der ein oder anderen Rasse. Speziell Klingonen (“Klingon” – aber auf Deutsch gesagt)) und Romulaner (ich kanns nicht mal aufschreiben, wie komisch die Synchronsprecher es aussprechen aber es geht in Richtung “Remulade”) klingen völlig bescheuert. Da waren die Regieanweisungen wohl damals noch nicht auf dem höchsten Niveau.

Spannung, Humor und tolle Charaktere

Auf der positiven Seite steht neben der neuen Dynamik (und etwas mehr Humor), dass hier noch viel mehr Grundlagen für später gelegt werden als noch in der 1. Staffel. Wir erfahren erstmals vom Paarungszyklus der Vulkanier (Weltraumfieber), lernen in Reise nach Babel Spocks Eltern kennen, Ein Parallel-Universum gibt en ersten Einblick in das Spiegeluniversum voller Bösewichte und die erste Direktive (misch dich nicht in andere Völker ein) – dir hier noch nicht so heißt – spielt eine größere Rolle (wird aber trotzdem laufend missachtet). Und selbstverständlich darf die Kultfolge Kennen Sie Tribbles? nicht unerwähnt bleiben. Übrigens eine coole Sache auf der Blu-ray: Neben der eigentlichen Folge sind auch alle Tribble-Folgen aus den anderen Serien mit auf der Scheibe drauf. Haben wir uns an der Stelle zwar nicht angeschaut, da wir ja noch regulär dort hinkommen. Fand ich aber eine super Idee.

Und selbst ziemlich blödsinnige Folgen wie Epigonen oder Der Wolf im Schafspelz versprühen irgendwie mehr Charme als vergleichbares in der 1. Staffel. Vermutlich, weil alle Beteiligten dazu gelernt haben. Ebenfalls positiv: Es ist mehr los im Weltraum. Mehr Szenen der Enterprise und anderen Schiffen (oder UFOs), die in der Remastered-Fassung freilich noch besser zur Geltung kommen als im Original.

Da war noch was

Star Trek: The Original Series – Season 2 (Paramount-Promobild)

Zwei weitere Sachen, die mir in der zweiten Staffel aufgefallen sind: Sie haben ein Set (vermutlich von einem Western, der auf dem Paramount-Gelände gedreht wurde) gut ein halbes Dutzend Mal in unterschiedlichen Folgen wiederverwendet. Es wird zwar versucht es durch eine andere Kameraeinstellung zu kaschieren. Aber mir ist immer wieder aufgefallen von wegen “den Pfeiler kenne ich doch” oder “die exakt gleiche Tür war schon in der anderen Folge”. Ist an sich natürlich nichts Schlimmes. Fand es nur amüsant.

Die zweite auffällige Sache ist, dass größtenteils nur Humanoide vorkamen sowie ein stärkerer Fokus auf Computer. Das war in der ersten Staffel anders. Da wurde mehr versucht wirklich außerirdisches zu zeigen. Ja, der Erfolg hielt sich in Grenzen (beispielsweise das “Pizzamonster” aus Horta rettet ihre Kinder). Ich kann deshalb die Änderung nachvollziehen und weiß den dadurch entstandenen Qualitätssprung bei den Geschichten in der zweiten Staffel zu schätzen. Schade ist es aber trotzdem. Schließlich befinden wir uns doch in den unendlichen Weiten des Weltalls und an Orten, die angeblich noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat – was total gelogen ist, denn in vielen Folgen war schon einmal ein anderes Raumschiff vor der Enterprise da und hat alles verbockt :smile: .

Fazit

Alles in allem fällt es mir tatsächlich leichter einem Star-Trek-Fan die zweite Staffel von Raumschiff Enterprise ans Herz zu legen als noch die erste. Es ist freilich weiterhin 60iger-Jahre-SciFi mit einem begrenzten Budget (jeder Kampf ist mit dem gleichen Musikstück hinterlegt…) und Shatner-Overacting. Aber der Anteil der guten oder zumindest interessanten Folgen (=man erfährt mehr über das Universum und/oder es wird später wieder aufgegriffen) ist ganz klar höher als noch bei Staffel 1.

Bleibt noch die 3. Staffel übrig, bevor wir zu den Filmen kommen. Die ist selbst für mich Neuland aber die erste Hürde haben wir bereits genommen: Spocks Gehirn. Und was soll ich sagen? Ja, sie ist völlig und absolut bescheuert. Von der Prämisse bis hin zur Umsetzung ist sie total absurd und einfach nur schlecht. Und dann wird die Geschichte nur zum Teil aufgelöst (Was passiert jetzt mit den beiden Völkern?! Warum war ein Herrscher notwendig? Was ist mit dem vorherigen passiert?). Das kann man allerdings auch von der ein oder anderen Folge der 1. Staffel behaupten. Insofern muss ich ganz klar sagen: Meine “Furcht” vor diesem Machwerk war mehr als unbegründet. Da hat mich der Ruf im Internet zu sehr beeinflusst. Muss man sie gesehen haben? Höchstens um sich tot zu lachen. Aber man kann den Anblick überleben. Und mit der Folge aus dem Weg: Schauen wir mal, was der Rest der Serie noch so bringt.

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