Sicarius

Nackte Körper

Hinweis: Zwar durften in der Ausstellung Fotos angefertigt werden, die Verwendung über private, nicht kommerzielle Zwecke hinaus (darunter fällt auch eine redaktionelle Berichterstattung) ist allerdings nur nach Genehmigung möglich. Und selbst die Nutzung offizieller Bilder ist nur unter strengen Auflagen (inkl. Vertragsstrafen) erlaubt. Da mir das ehrlich gesagt zu viel Aufwand/zu heikel ist, verschönern mal wieder unsere Katzen den Text.

[Hier wollte ich eigentlich ein Foto von einem Schwein mit Engelsflügeln einfügen, das an Seilen von der Decke hängt.]

Maya lässt mitunter auch tiefe Einblicke zu.

Ich glaub’ mein Schwein pfeift… äh fliegt. Und trotzdem ist die Welt (noch) nicht untergangen! Scheint also doch keine direkte Korrelation zu geben. Oder künstlich fliegende Schweine zählen nicht. Kann auch sein. Gesehen haben wir es auf jeden Fall bei den Körperwelten im alten Hallenbad (auch im Jugendstil – wie in Darmstadt) in Heidelberg. Unter dem Titel “Anatomie des Glücks” sind dort seit 2017 hauptsächlich menschliche Präparate ausgestellt.

Obwohl es die Körperwelten schon seit 1997 in Deutschland gibt (gestartet in Mannheim) und ich es schon immer interessant fand mir das mal anzuschauen, hat es irgendwie erst jetzt geklappt. Aber besser spät als nie, wie man so schön sagt. Als wir also vor kurzem mal näher an Heidelberg dran waren, haben wir uns endlich mal die Zeit dafür genommen. Haben rund vier Stunden gebraucht, um uns alles anzuschauen und die dazugehörige, ca. zweistündige Audiotour anzuhören.

Denkt denn keiner an die Kinder?!

Mittlerweile ist der ganze Trubel um die Ausstellung ja auch ziemlich verflogen. Kann mich noch gut an die ganze Aufregung – heute würde man Shitstorm sagen – damals erinnern, als Gunther von Hagens und sein Team damit anfingen. Wobei diese ganze Diskussion rund um die Ethik Leichen auszustellen, angebliche Verletzung der Totenruhe und Kram wohl tatsächlich fast ausschließlich in Deutschland stattfand.

Ja, von Hagens nutzte diese Aufregung auch für seine Zwecke und provozierte mitunter bewusst zusätzlich. Ist schließlich eine gute und billige Werbemaßnahme. Die älteren unter uns erinnern sich beispielsweise vielleicht noch an seine öffentliche Obduktion anno 2002. Uiui, war das ein absolutes Unding. Oder als er 2005 mit Tierpräparten anfing (zwei Zoo-Elefanten). Aber die Heftigkeit dieser Aufregung gab es wohl nur in Deutschland und weniger in anderen Ländern. Für mich auch ein Stück weit logisch. Wir haben gefühlt eh so einen Fetisch mit der Totenruhe. Ich sag nur “Friedhofs- und Bestattungsgesetz”, wonach selbst die Urne mit der Asche zwingend auf vorgeschriebenem Grund und Boden unter die Erde muss. Doch das ist ein anderes Thema. Kommen wir stattdessen zurück zu von Hagens:

Entstehungsgeschichte

An der Uniklinik Heidelberg fing er ab 1977 an sich mit der Imprägnierung anatomischer Präparate zu beschäftigen und erfand das Plastinieren. Okay, theoretisch wurde eine ähnliche Methode wohl schon in der Histologie – also Gewerbeforschung – verwendet. Aber er hat es für größere und vollständigere Präparate umgesetzt. Bei diesem Verfahren wird grob gesagt alles Wasser aus den Zellen durch irgendwelche Kunststoffe ersetzt. Das Ergebnis ist nicht nur eine fast unendlich lange Haltbarkeit, sondern auch eine fast vollständige Erhaltung der natürlichen Gegebenheiten wie Oberflächen und Strukturen. Das macht die Sache so cool und interessant. Man sieht wirklich, wie der Mensch tatsächlich innendrin aussieht. Es ist nicht bloß irgendeine Zeichnung oder ein Computermodell.

Ursprünglich waren die Präparate nur für den internen Gebrauch gedacht. Ihr wisst schon: Schulung, Forschung und sowas. An ein öffentliches Ausstellen dachte keiner. Die Idee kam stattdessen vom japanischen Anatomie-Professor Takeshi Yoro. Erstmals öffentlich zu sehen waren ausgewählte Präparate entsprechend 1995 in Tokio. Und da die Ausstellung so gut ankam, wurden die Körperwelten ins Leben gerufen. Mittlerweile gibt es dazu sowohl einige Dauer- (Berlin, Heidelberg und Guben – dort findet mittlerweile die Plastination statt) als auch Wanderausstellungen. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Das Interesse ist also trotz aller Kritik offensichtlich sehr groß.

Das lebt noch, auch wenn es nicht so aussieht.

Geführte Führung

In Heidelberg angekommen, haben wir unsere Onlinetickets vorgezeigt. Die hatten wir dank eines Coupons für nur 14,50€ pro Stück über Reservix gekauft. Anschließend habe ich mir den Audioguide auf meinem Handy aufgerufen. Das ist einfach nur eine Webseite, die ihr über einen QR-Code erreicht. Kostenloses WLAN steht dafür zur Verfügung. Kopfhörer haben wir keine gesehen, aber da nicht ganz so viel los war, ging es auch bei niedriger Lautstärke ganz gut ohne anderen auf den Keks zu gehen. Inhaltlich war die Audiotour okay, aber nicht so informativ, wie wir gehofft hatten. Gefühlt waren die Texte größtenteils nicht speziell auf die gezeigten Exponate zugeschnitten, sondern allgemeinerer Natur.

Die Ausstellung in Heidelberg ist als Rundgang angelegt und in mehrere Themenbereiche aufgeteilt. Es geht vom Nervensystem über die Bewegungsmuskeln und die inneren Organe bis hin zur Fortpflanzung. Das Beste zum Schluss, könnte man jetzt sagen :wink: . Tatsächlich fand ich den Part am Langweiligsten, weil es gar nicht so viele Stücke dazu zu sehen gab. Den meisten Raum nahm hier eine schwangere Frau inkl. Fötus ein sowie eine lange Vitrine gefüllt mit Reiskörnern. Sie soll symbolisieren wie unwahrscheinlich es war, dass gerade wir als eins von Millionen von Spermien zu einem Menschen wurden.

So viele Leichen!

In jedem Themenbereich der Ausstellung gibt es ein paar größere, quasi komplette Präparate und zusätzlich viele kleinere Stücke. Direkt zu Beginn ist beispielsweise das vollständige Nervensystem in einer Vitrine aufgestellt. Also wirklich nur das Nervensystem selbst. Die einzelnen Fasern mit Gehirn und Rückgrat als Bindeglieder und sonst nichts. Hat was von Horrorfilm, ist aber nicht nur extrem interessant anzusehen, sondern wir haben es auch sofort mit unserem eigenen Körper verglichen. Können wir quasi diese Nerven bei uns finden, die wir da vor uns sehen? Ein Vorgang, den wir in der Ausstellung häufiger gemacht haben. Dieser ungewöhnliche Einblick in den menschlichen Körper lädt förmlich dazu ein die Sachen an sich selbst nachzuvollziehen und sich so selbst ein bisschen besser kennen zu lernen.

Die schwangere Frau (Symbolbild)

Der erste komplett plastinierte Mensch kommt gleich nach dem Nervensystem. Er wird “Hautmann” genannt, steht einfach nur da und betrachtet seine abgezogene Haut in der Hand. Ihr wisst schon: Unser größtes Sinnesorgan. Was bei allen Exponaten dieser Art auffällt: In einigen Bereichen wurde die schneeweise, tote Haut immer drangelassen. Augenbrauen, Nasenspitze, Lippen, Nippel, Bauchnabel, Ohren sind mehr oder weniger vollständig bedeckt. Vermutlich eine rein stilistische Entscheidung und keine Notwendigkeit in Bezug auf den Plastinieren-Prozess. Im Ergebnis wirkt es aber ehrlich gesagt etwas komisch bzw. befremdlich. Und was im Obergeschoss auch auffiel: Es gab nur Männer (und das Schwein) zu sehen. Wunderte mich schon, ob es überhaupt keine Frauenkörper geben würde. Aber die kamen dann im Erdgeschoss.

Die kleinen Details

So imposant die bestimmt ein Dutzend Ganzkörperplastinate in verschiedenen Posen und “Zerteilungsstadien” allerdings auch sind: Die kleinen, spezialisierten Stücke waren schon fast spannender. Beispielsweise die Blutbahnen im Gehirn oder im Unterarm mal visuell zu sehen. Oder gesunde und kranke Herzen im Vergleich. Beim vergrößerten Herz habe ich mich gefragt, wie sowas überhaupt noch in den Brustkorb passt. Lysanda fand es unter anderem sehr interessant mal das Innere einer Lunge zu sehen. Sie hat schließlich einen Asthmatiker als Ehemann :smile: . Insofern wird einem auf den zwei Stockwerken durchaus einiges an informativer Abwechslung geboten.

Allerdings: Das Thema “Anatomie des Glücks” haben wir bei der ganzen Sache nur hier und da wiedergefunden. So richtig einen gesamtheitlichen, roten Faden konnten wir nicht wirklich entdecken. Mag aber vielleicht an uns liegen und war nicht weiter schlimm. Die Exponate an sich sind schließlich die Stars. Insofern: Klare Empfehlung von uns für die Körperwelten, wenn ihr mal in der Nähe von einer Ausstellung seid. Und da die Ausstellungen alle unterschiedlich sind, überlegen wir nun, ob wir uns auch noch eine andere in Zukunft anschauen werden.

Sicarius

Woinochde Zwonzischfinfazwonzisch

Warim bimmel don di Glogge so damisch vil grod? Is scho widdä Woinochde? Is? No don is jo gud, dess isch scho vo Monade fer ma Fraa oigekoaft hob. Ko Ahnung mer wos, äwä des werdsch wohl gleisch sä, wennsch in de Schroank gugg. Vermudlisch sans widdä irschendwelschä Onnemäh un/odä Mongos. Wos schenggt mer schlisslich sonsd ner Fraa, die olls hod? Wos? Des wos uff ihrer Wischlisd sted? Des is do vil zu unbesernlich! Me muss si scho a weng Gedonke mach ba sonm Geschäng. Do kaaft mer ned irschend en Misd uf Tehmuh.

Wos labberst? Deswäche hädsch ihr a schomol en Mongo gekaaft, denn se scho gehobt hod? Wer hod der denn den Schmodder ins Hern gesetz? Isch hob den nadierlisch bewusst nomma gekoaft! Ihr west scho: Werdonloach un so. Eh Äf Ds san vil zu unsischer. Von wäche folsch gekoaft. *schiddelt de Kopp*

Äwä bevor me jetz Beschehrung mache kenne, mus isch ei nadierlich ah no wos soache:

Boim Chrisdop winscht eich a boar schene Feierdoch!

Di Katz guggt a scho komsch!

Nochdem des jetz geklärdt is, geh isch mo gigge, wos ich moiner liwwe un nedde Fraa gekoaft hob un iwerheifse domid. Isch hof, dess ihr des glasche mochd – un wenns no eier Haasdir san, di er mid Stroicheloinhoide iwerheift.

(Cover)

Es ist schon ein wenig amüsant. Wenn Kinder sonst in Filmen und Serien auftreten, dann finde ich das sehr häufig extrem nervtötend und versaut mir das Erlebnis. Aber bei nuTrek ist es explizit die Kinderanimationsserie gewesen, die mich am meisten von allem gereizt hat. Ja, es war vielleicht sogar der einzige Inhalt, der mich überhaupt interessiert hat. Kein Star Trek: Discovery oder Star Trek: Strange New Worlds und auch kein Star Trek: Lower Decks.

Vor letzterem grauts mir sogar ein wenig. Ich hab‘ in meinem Leben gefühlt genug fragwürdige/unlustige amerikanische Zeichentrickserien im Stile von Family Guy gesehen. Hoffentlich wird meine Erwartungshaltung dahingehend nicht bestätigt…

Und ja, selbst auf Star Trek: Picard herrscht bei mir irgendwie keine Vorfreude. Dabei war die Ausstrahlung der Fanservice-… äh 3. Staffel ja überhaupt erst der Grund, warum der Star-Trek-Marathon in der Casa Lysanda ins Leben gerufen wurde. Ich weiß, ich bin komisch und sollte meine Trekkie-Lizenz zurückgeben :smile: .

Pflichtprogramm!

Stattdessen war es also Star Trek: Prodigy, was ich unbedingt sehen wollte und wir entsprechend vorgezogen haben. Das “Warum” kann ich euch nicht einmal so richtig erklären. Vermutlich war es eine Kombination aus “mehr Janeway”, “(technisch gesehen) Teil der regulären Zeitlinie” und dem Eindruck, dass es hier etwas klassischer/normaler zugeht als in den neuen Live-Action-Sachen.

Und um das Fazit vorzugreifen: Es war die absolut richtige Entscheidung sie vorzuziehen. Es ist eine durchweg gelungene und unterhaltsame Star-Trek-Serie – nicht nur für Heranwachsende (sie ist ab 12 Jahren freigegeben), sondern für alle Star-Trek-Interessierten. Ja, in Staffel 2 geht es dann doch wieder um Zeitreisen, das Universum retten und sie trieft nur so vor Fanservice. Aber bis dahin hatte ich die neue Crew schon liebgewonnen und wollte einfach nur mehr von ihren Abenteuern sehen. Ich schließe mich entsprechend Kate Mulgrew an und finde es ebenfalls so dermaßen schade, dass es wohl nie eine 3. Staffel geben wird.

Worum geht’s?

Star Trek: Prodigy (Paramount-Promo-Bild)

Die Geschichte beginnt im Delta Quadranten im Jahr 2383 – fünf Jahre nach der Rückkehr der USS Voyager zur Erde und fünf Jahre vor der Zerstörung von Romulus durch eine Supernova (=Beginn der Kelvin-Zeitlinie). Wir befinden uns auf Tars Lamora, einer Gefängniskolonie auf einem Minenasteroiden. Unter dem wachsamen Auge des Diviners und seines (ultra-bösen) Roboter-Lakaien Drednok schürfen die Insassen nach Chimerium. Und als Zulieferer für Arbeiter dienen die Kazon, die nicht nur “normale” Gefangene vorbeibringen, sondern auch Waisen einsacken und dort abladen. Darunter fünf unserer sieben Hauptcharaktere:

  • Murf – Ein überraschend intelligenter und äußerst sympathischer Schleimwurm, den der Universalübersetzer nicht versteht. Sein Charakter basiert auf einer beiläufigen Beleidigung, die ein gewisser Rondon Wesley Crusher in der TNG-Folge Prüfungen an den Kopf wirft.
  • Rok-Tahk – Sieht optisch aus wie ein Felsen, hat aber einen sehr weichen Kern. Kommt im Gegensatz zu den anderen am Anfang noch am meisten als Kind rüber. Aber sie wächst einem ziemlich schnell ans Herz und entpuppt sich als sehr neugierig und intelligent.
  • Zero – Ein Meduser, der einen speziellen Anzug tragen muss und vom Diviner als Folterinstrument missbraucht wurde. Wie der Rassenname schon andeutet, wird man nämlich verrückt, wenn man seine wahre Gestalt ungefiltert anschaut. Er kann außerdem Gedanken lesen. Nimmt ein wenig die Rolle eines Data ein. Als Wesen ohne Körper beneidet er andere darum fühlen zu können und sowas in der Art. Ist außerdem der Älteste von allen in der Truppe.
  • Jankom Pog – Ein Tellarit. Ihr wisst schon: Die Schweinsgesichter aus Star Trek: Enterprise, die am Ende eins der vier Gründungsmitglieder der Föderation waren. Nicht ganz der hellste im Kopf aber ein vorzüglicher Ingenieur. Und überraschenderweise gibt es nur sehr wenige Momente mit Witzen auf seine Kosten. Das zeigt echt, wie sehr es die Schreiber drauf hatten.
  • Dal R‘El – Was er ist, ist ein relevanter Teil der Geschichte. Deswegen verrate ich es nicht. Vom Charakter her ist er auf jeden Fall der ungestüme Haudrauf, der meint alles besser zu wissen, aber am Ende am meisten von den anderen zu lernen hat. Er ist neben Gwyndala der zentrale Charakter der Serie.

Die anderen zwei

Anfangs unfreiwillig Teil der Crew wird hingegen Gwyndala, die Tochter des Diviners. Sie ist wie ihr Vater eine Vau N’Akat und träumt davon eines Tages ihren Heimatplaneten Solum zu sehen. Dal und die anderen kidnappen sie quasi, als sie die USS Protostar finden und von Tars Lamora flüchten. Aber sie wechselt recht schnell die Seiten als sie erfährt, was eigentlich los ist.

Die Protostar ist das hochmoderne Föderationsschiff, das der Diviner so verzweifelt sucht. Seine Besonderheit steckt im Namen: Es hat einen Protostar-Antrieb. Dabei handelt es um einen kleinen Stern im Maschinenraum, dessen Energie angezapft wird. Damit kann das Schiff viertausend Lichtjahre in ein paar Minuten hinter sich bringen. Ja, erst der Sporenantrieb bei Star Trek: Discovery, jetzt sowas. Irgendwie hatten die Autoren keinen Bock auf lange Reisen und wollten lieber schnell zur Action :smile: . Wenig verwunderlich, dass die Protostar entsprechend ein wenig im Universum rumspringt (u.a. in den Gamma-Quadranten).

Aber wie ist die Protostar überhaupt im Delta-Quadranten gelandet? Nun, diese Frage ist Teil der Geschichte, denn selbst das Notfallhologramm an Bord weiß es nicht mehr. Und nein, es handelt sich nicht um den Doktor. Stattdessen ist es eine virtuelle Captain Janeway, die unserer jungen Crew mit Rat und Tat zur Seite steht und ihnen die Ideale der Sternenflotte und Föderation näherbringt. Das macht sie so gut, dass sich die Jungs, Mädels und undefinierten Lebensformen zum Ziel setzen in den Alpha-Quadranten zu gelangen. Die echte Janeway, bekanntlich zum Admiral befördert, spielt aber später ebenfalls eine Rolle.

Die 2. Staffel

Star Trek: Prodigy (Paramount-Promo-Bild)

Und das ist im Prinzip die 1. Staffel: Eine Gruppe von größtenteils Jugendlichen finden sich auf einem hochtechnisierten Raumschiff mit einem weisen Hologramm wieder. Sie müssen lernen sich einander zu vertrauen, als Crew zusammen zu wachsen und sich den Herausforderungen zu stellen, die sie so erwarten. Und ja, selbstverständlich gibt es so einige Überraschungen. Am Ende müssen sie sogar die ganze Sternenflotte retten.

Es ist dabei kein wirklicher Spoiler: Sie schaffen es. Als Belohnung werden sie auf der Erde willkommen geheißen und in die Sternenflottenakademie aufgenommen. Alle bis auf eine: Gwyndala macht sich auf den Weg zu ihrem Heimatplaneten, um den Erstkontakt herzustellen. Gleichzeitig ist eine Frage immer noch ungelöst: Was ist mit der Protostar passiert? Wieso ist sie auf Tars Lamora gelandet. Und wo ist ihr eigentlicher Captain? Fragen über Fragen, aus der sich in der 2. Staffel eine wilde Zeitreise ergibt mit zeitfressenden Aliens, dem Wiedersehen mit alten Bekannten (Chakotay, der Doktor, Beverly und Wesley Crusher, usw.) und ganz viele Möglichkeiten für unsere junge Crew sich zu beweisen und weiter als (Nicht-)Humanoid zu wachsen. Ach und natürlich muss dieses Mal das gesamte Universum gerettet werden. Eine Eskalation ist halt immer irgendwie notwendig…

Super Unterhaltung!

Beide Staffeln haben jeweils 20 Episoden á 24 Minuten und diese vergehen wie im Fluge. Echten Leerlauf gibt es quasi gar nicht. Selbst hinter Folgen, die auf den ersten Blick wie “der Planet der Woche” wirken, steckt fast immer mehr und die dortigen Abenteuer zahlen auf den eigentlichen Handlungsstrang ein. So lernt man stattdessen relativ zügig die Crew kennen und lieben. Also außer Del. Ich verstehe seine Rolle, aber er kommt noch am ehesten an mein verhasstes “nerviges Kind”-Klischee ran. Jeder bekommt seinen Moment im Rampenlicht, gleichzeitig sieht man aber auch einfach alle gemeinsam zusammenarbeiten und echte Freundschaften entstehen.

In der 2. Staffel wird die Erzählung zwar mitunter ziemlich absurd (auch oder gerade wegen der Rückkehr von Wesley). Und wie in den “normalen” Star-Trek-Serien wird gerne mal vergessen, dass wir hier von einer Welt reden, in der man Beamen kann, mächtige Computer hat und so. Aber gestört hat es mich zu keiner Zeit. Stattdessen habe ich einfach nur den wilden Ritt genossen – der zwar abgeschlossen wird, aber einen weiteren Cliffhanger konnten sich die Autoren dann doch nicht verkneifen. Habe ich schon erwähnt, dass das Fehlen einer 3. Staffel doof ist? Die Serie wurde noch während der Post-Produktion von Staffel 2 gecancelt und an Netflix verkauft. Fans hatten zwar die Hoffnung, dass die eine 3. Staffel machen. Netflix ließ die Lizenz aber einfach verfallen. Fand ich jetzt nicht ganz unerwartet, da Netflix nicht gerade dafür bekannt ist mehr als zwei Staffeln von Serien zu produzieren. Aber hoffen kann man ja immer.

Entwicklung

Star Trek: Prodigy (Paramount-Promo-Bild)

Schaut man sich allerdings die Köpfe hinter dieser CG-Animationsserie an, verwundert die Qualität nicht mehr ganz so stark. Als ich das erste Mal das Intro von Star Trek: Prodigy gesehen habe, habe ich mich zwar über die lange Liste der ausführenden Produzenten gewundert. Normalerweise kein gutes Zeichen, wenn so viele Leute da erwähnt werden müssen. Aber größtenteils verantwortlich für die Serie waren die Hageman-Brüder (Kevin und Dan) und das sind im (Kinder-)Animationsbereich absolute Profis. Ninjago: Meister des Spinjitz, Guillermo del Toros Trolljäger: Geschichten aus Arcadia, The LEGO Movie, The LEGO Ninjago Movie – sie hatten schon vor Star Trek: Prodigy ihre (Autoren- und Produzenten)Finger in so einigen erfolgreichen Serien und Filmen dieser Machart. Insofern hat Alex Kurtzman, der aktuelle Kopf von Star Trek, eine richtig gute Wahl getroffen.

Ich kann zum Abschluss also nur nochmal wiederholen: Die Serie ist eine absolute Empfehlung für jedes Alter (ab 12 Jahren). Überraschend gelungene Charaktere, die eine mitreißende Geschichten erleben und ein guter Mix aus Fanservice und Zugänglichkeit, angesiedelt im richtigen Universum und zur richtigen Sternzeit :wink: – für mich definitiv hinter Star Trek: Deep Space Nine und Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert die drittbeste Star-Trek-Serie, die ich bislang gesehen habe. Und ja, das ist mein voller Ernst. Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich das hier und heute schreiben würde. Aber es stimmt einfach.

Sicarius

Ein Brief aus der Vergangenheit

Es trug sich einst zu, dass mein Vater den Zugang zum Keller in unserem Elternhaus erneuerte. Dafür musste er die alte Außentreppe durch eine neue ersetzen. Also begann er mit dem Abtragen der alten Treppe. Dabei stieß er auf ein intaktes Einmachglas, das in die Treppe eingelassen war. Darin enthalten: Ein kurzer Brief aus dem Jahr 1934 und diese Reichsbanknote über 1000 Mark.

Die 1000 Mark-Note aus dem Jahr 1910

Vom Brief habe ich damals scheinbar kein Foto gemacht. Keine Ahnung, ob er und die Banknote mittlerweile noch existieren oder bei irgendeiner Renovierung doch mal im Müll gelandet sind. Sentimentale Werte sind nicht so ein großes Thema in unserer Familie.

Der Brief selbst war handschriftlich verfasst. Autorin war eine meiner Tanten väterlicherseits, zum Verfassungszeitpunkt noch ein Kind. Inhaltlich ist er weder sonderlich lang, noch tiefgründig. Aber es ist trotzdem ein nettes Zeitzeugnis, wenn auch ein etwas schwer Lesbares. Nicht nur, weil die Jahre ihm zugesetzt hatten (bspw. war ein Riss in der Mitte). Sondern auch, weil er in Sütterlinschrift verfasst war.

Glücklicherweise lebte die Autorin zum Zeitpunkt des Fundes noch. Wirklich daran erinnern den Brief geschrieben zu haben konnte sie sich zwar nicht mehr, aber ihre Handschrift entziffern ging noch. Entsprechend konnten wir ihn fast vollständig transkribieren. Und genau über dieses Transkript bin ich gerade mal wieder auf unserem NAS gestolpert. Da dachte ich mir: Warum sollte es da einfach nur versauern? Vielleicht findet ihn noch jemand interessant. Deswegen findet ihr ihn im Anschluss unkommentiert zum Lesen.

Die Formatierung ist möglichst nah am Original und es wurde nichts korrigiert. Kursive Texte, die in Klammern stehen, deuten auf Stellen hin, die wir nicht mehr entschlüsseln konnten.

Der Brief

Gunzenbach, den 31. Mai 1934
an Fronleichnam

Ich will es versuchen die jetzige Zeit der Nachwelt zu überliefern. Damit sie später sehen wie es im dritten Reich ausgesehen hat. Um das zu können will ich am Anfang beginnen. Am 1. August 1914 trat der große Weltkrieg ein an dem auch der Erblasser dieses Hauses teilnahm und somit die Schrecken des Krieges erlebte aber Gott sei Dank wieder Heil nach Hause gekommen ist. Im Herbst 1918 wurde endlich ein Ende mit dem blutigen Krieg gemacht. Nach dem Ende des Krieges setzte die Revolution ein bei der die Monarchie gestürzt wurde und das Reich eine Räterepublik. Die Zeit ihrer Regierung dauerte bis zum Jahre 1933. Hierauf begann das dritte Reich zu existieren und Adolf Hitler wurde unter Reichspräsident v. Hindenburg Reichskanzler. Nach der gegenwärtigen politischen Lage wird es über kurz oder lang zum Kriege kommen. Die Getreidepreise 1 Ztr. Weizen 10M, ein Ztr. Roggen 8M, Hafer und Gerste 7,50 M – 8 M, Raps 15 M, ein Ztr. Kartoffeln 2 M, Butter 1,20 M, Eier 7-8 Pf., Milch 14 Pf., 1l Bier 32 Pf., 1l Apfelwein 20 Pf., (unleserlich), Schlachtvieh pro Ztr. Lebendgewicht 20-35 Pf., Holz (unleserliche Artangabe?) pro Steer 5-30 Mark, (vermutlich Schnitt?)holz pro m 5-10 M.

Das Haus wurde erbaut im Jhr. 1934 von Eduard Hofmann Schmiedemeister und Landwirt und Thekla Hofmann geborene Hartmann, Rappach. Kinder sind vorhanden

1. Engelbert Hofmann 2. Anna Hofmann 3. Franz Hofmann
4. Maria Hofmann verheiratet jetzt zu Rothengrund mit Alfons Wissel
5. Elisabeth Hofmann und 6. Agnes Hofmann gestorben im Jhr. 1923. Und dann noch eine ledige Tante namens Maria Hofmann.
Gott segne dieses Haus und sämtliche Nachkommen die (vorhanden sind?)

den 31. Mai 1934.
Geschrieben von Elisabeth Hofmann
im Auftrag ihres Vaters
Eigenhändig unterschrieben und wahr was hier geschrieben ist.
Eduard Hofmann

 

Landwirt und Schmiedemeister
Beim bayr. Kgl. Inft. Rgmt. 2 Jahre gedient
Vom Kriegsbeginn 8. Landwehr Inf. R. von Anfang bis Ende.

Anmerkung: Der rechte Flügel wurde schon im Jahre 1923 errichtet. In einer Zeit wo durch die Folgen des Krieges und durch die immer entwerteten Mark Inflationsjahr. Für den beigelegten Billionenschein erhielt man in der Inflation nicht einen Ziegel.
Wer das Haus wieder baut, kann das Geld dazu benutzen! Das alte Haus das dann auf Distanz (unleserlich) Platz (unleserlich) und (unleserlich – vermutlich Dimensionsangaben zum Grundstück/Haus) gebaut.

Nächste Seite »