Der Ewige Krieg (Gesamtausgabe)

Was ist schöner als ein Buch zu lesen? Drei Stück hintereinander natürlich! Und was eignet sich da besser als Der Ewige Krieg in der Gesamtausgabe vom Mantikore Verlag. Irgendwie vergleichsweise schwierig an diese Version von Joe Haldemans SciFi-Klassiker heranzukommen. Dabei würde man erwarten, dass sie den Markt damit überschwemmen würden. Schließlich ist es quasi die deutsche „Director’s Cut“-Version.

Enthalten sind neben der ursprünglichen Version von Der ewige Krieg (Haldeman musste 1974 den mittleren Teil zusammenkürzen) auch die direkte Fortsetzung Am Ende des Krieges von 1999 sowie Der ewige Friede von 1997. Das hat zwar nichts mit den beiden anderen Büchern zu tun, passt aber thematisch halbwegs dazu. Alle drei Bücher wurden für diese Veröffentlichung komplett neu durch Verena Hacker übersetzt. Zusätzlich enthält das 800 Seiten starke Hardcover-Gebinde ein Vorwort von Joe Haldeman und ein Interview mit ihm. Und das alles für 29,95 Euro. Da kann man sich definitiv nicht beschweren. Aber viel wichtiger als die Aufmachung ist natürlich der Inhalt.

Der Ewige Krieg (The Forever War, 1974)

In seinem erfolgreichsten Roman verarbeitet Joe Haldeman seine traumatischen Erfahrungen im Vietnamkrieg. Aber anstatt die Handlung einfach in diesen Krieg zu verlegen, spielt das Ganze in der „Zukunft“. In Anführungszeichen deshalb, weil in der Originalfassung die Handlung im Jahr 1997 beginnt. Da war Haldemann dann doch etwas zu optimistisch, dass wir bis dahin bereits den Weltraum kolonisiert haben. Erst in der Neuauflage wurde der Start ins etwas realistischere Jahr 2297 verlegt.

Die Hauptfigur ist William Mandella, der aufgrund eines neuen Wehrpflichtgesetzes in die Armee eingezogen wird. Nach der Entdeckung von Kollapsarsprüngen begegnet die Menschheit schon bald einer fremden Rasse, die sie Taurier taufen. Und was macht Mensch, wenn er etwas fremden begegnet? Es angreifen und ihm den Krieg erklären, was sonst. Kollapsarsprünge erlauben es in Überlichtgeschwindigkeit zwischen zwei kollabierten Sternen hin- und her zu zu reisen, was die notwendige Zeit entsprechend um ein Vielfaches reduziert. Aber wie hat schon Einstein gesagt? Zeit ist relativ. Und hier kommt der Twist des Buchs ins Spiel: Während für die Soldaten auf den Raumschiffen dank der Kollapsarsprünge nur Monate vergehen in denen sie von Schlachtfeld zu Schlachtfeld fliegen und im Kampf gegen den unbekannten Feind ihr Leben verlieren, rinnen auf der Erde Jahrzehnte, Jahrhunderte und Jahrtausende dahin.

Und genau fiese Diskrepanz macht den Reiz dieses Werks aus. Die zugrundeliegende Moral ist wie bei jedem Antikriegsroman, dass Krieg sinnlos ist, Veteranen sich am Ende nicht mehr in der Normalität zurechtfinden und man es einfach sein lassen sollte. Aber es ist selten so eindrucksvoll beschrieben wie hier. Das sind auf der einen Seite die bedrückenden Erzählungen der Schlachten und auf der anderen Seite die Tatsache, dass Mandella nach jedem Feldzug quasi in die Zukunft zurückkehrt. Er sieht sich immer und immer wieder einer völlig veränderten gesellschaftlichen Situation ausgesetzt, die nicht nur seine eigenen Erfahrungen und Glaubensgrundsätze sowie ultimativ seinen Platz im gesamten Universum in Frage zu stellen. Es geht auch weit über den Umstand hinaus, dass er alle die er jemals kannte und liebte verliert ohne an ihrem Leben wirklich teilgenommen zu haben. Nein, wir reden von einem beschleunigten Blick auf die Evolution der Menschheit mit dem er – so viel sei gesagt – nur schwerlich zurechtkommt und quasi nur deshalb wieder in die Armee zurückkehrt. Am Ende des Buchs sind immerhin 881 Realjahre vergangen während er kein Jahrzehnt älter geworden ist.

Beim Christoph meint: Ich hatte das Buch bereits in der alten Übersetzung und vermutlich der gekürzten Form gelesen. Aber obwohl ich mich noch grob daran erinnern konnte worum es geht und was am Ende passieren wird, hat es mich doch wieder mitgerissen. Keine der knapp 220 Seiten ist langweilig. Man fiebert mit Mandella und seinem Trupp in den Übungen und Gefechten mit und man ist gespannt darauf, welche Entwicklung die Menschheit in der Zwischenzeit vollzogen hat. Das Ergebnis ist logischerweise überraschend und – wie es sich für einen Antikriegsroman gehört – entspricht nicht unbedingt immer der Hochglanz-SciFi-Fantasien wie sie z.B. in Star Trek: The Next Generation propagiert wird. Definitiv zu Recht eine vielfach ausgezeichnete Pflichtlektüre, der leider absolut nichts von seiner Aktualität verloren hat. Wundert mich tatsächlich, dass bis heute keine Verfilmung passiert ist (Ridley Scott hatte es mal versucht, wurde aber nichts draus). So kompliziert ist der Stoff aus meiner Sicht dann doch nicht.

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Am Ende des Krieges / Voyagers (Forever Free, 1999)

Achtung: Es folgen Spoiler für das Ende von Der Ewige Krieg.

Die Fortsetzung von Der Ewige Krieg setzt fast direkt an das Ende an. Der Krieg ist beendet, die Menschheit besteht nur noch aus einer Reihe von Klonen mit einem Kollektivbewusstsein und die wenigen Veteranen, die sich nicht dem Kollektiv angeschlossen haben wohnen quasi in einem Reservat auf dem Eisplaneten Mittelfinger. Auch Mandella und seine Frau Marygay haben sich dazu entschieden sich hier niederzulassen und eine Familie aufzubauen. Doch sie sind wie viele der Veteranen unzufrieden. Während der Mensch es sich gut gehen lässt und alle Annehmlichkeiten genießt, müssen sie sich als Bauern verdingen, die jahrelangen und sehr harten Winter versuchen zu überleben und sich in Kommunen organisieren. Außerdem ist ihnen klar, dass sie nur noch deshalb existieren, weil sie quasi das „Backup“ für den Mensch sind, falls doch mal was schiefgeht und er einen neuen Genpool braucht. Kein Wunder, dass der Wunsch nach Widerstand wächst.

Doch statt zu versuchen Mittelfinger zu erobern, planen Mandella und Marygay stattdessen zusammen mit 150 anderen Freiwilligen das „Zeitreiseschiff“ (es springt ständig zwischen zwei Kollapsaren hin- und her) zu nutzen (mit dem hatte Marygay am Ende von Der ewige Krieg fast 300 Jahre auf Mandella gewartet), um 40.000 Jahre in die Zukunft zu reisen. Die Hoffnung ist, dass bis dahin der Mensch nicht mehr existiert und wieder alles gut und toll wird.

Gut aber…

Obwohl das Buch nur knapp 200 Seiten lang ist, ist der Einstieg recht langatmig. Es ist nicht sehr spannend zu erfahren wie eine Scheune aufgebaut wird oder mehrere Kapitel darüber zu lesen wie langweilig doch das Leben auf Mittelfinger ist. Das war mir schon direkt am Anfang klar. Aber nach der initialen Hürde nimmt das Buch an Fahrt auf und es ist erneut spannend zu lesen was mit Mandella und seiner Revolte so passiert. Es ist in dem Sinne eine etwas klassischere Erzählung als Der Ewige Krieg aber nicht minder spannend. Abseits der SciFi-Elemente geht es eben hauptsächlich um einen Menschen, der mit seiner Situation unzufrieden ist. Sowas muss nicht zwingend in der Zukunft spielen.  Blöd nur, dass Haldeman aus meiner Sicht das Ende völlig in den Sand gesetzt hat. Das Finale von Mass Effect 3 war dagegen Pulitzer-Preis-verdächtig.

Achtung: Es folgen Spoiler für das Ende von Am Ende des Krieges

Die Reise mit dem Raumschiff ist kürzer als gedacht und sie kommen schon 24 Jahre später wieder auf Mittelfinger zurück an. Dort stellen sie fest, dass niemand mehr da ist. Sie wurden alle im Affekt ausgelöscht (nur die Klamotten blieben zurück). Nach etwas Wiederaufbauarbeit fliegt dann ein kleiner Trupp zur Erde, um dort nach dem Rechten zu sehen. Sie landen in der Nähe von Disneyland (erster blöder Punkt) und treffen auf eine angeblich uralte Rasse von Formwandlern. Die kommen aber nicht so wirklich zur Geltung, da plötzlich einzelne Personen anfangen einfach so zu explodieren. Dann erscheint eine Art Gott und sagt, dass ihm das alles zu langweilig ist und er deshalb das Experiment eigentlich abbrechen wollte (deshalb der Verschwindibus der Leute). Warum auch immer macht er es dann doch nicht, holt alle wieder zurück und schon geht das Leben wieder weiter. Super…

Spoiler Ende

Beim Christoph meint: Am Ende des Krieges kommt nicht an Der Ewige Krieg ran. Vor allem das Ende versetzt mich immer noch in Weißglut. So total dämlich. Als wäre ihm nichts mehr eingefallen oder er hat gesehen, dass er auf die 200 Seiten zugeht und wollte schnell fertig werden. Keine Ahnung. Und der Anfang ist wie geschrieben auch sehr mühselig, weshalb ich mich etwas zwingen musste weiter zu lesen. Aber sobald die Geschichte an Fahrt aufnimmt ist es erneut spannend und interessant und man fiebert mit. Als eigenständiges Werk absolut nicht von Interesse aber für Fans des Vorgängers ist es ganz nett noch ein paar Stunden mehr Zeit mit Mandella und Marygay verbringen zu können. Als essentielle Lektüre würde ich es jedoch nicht bezeichnen.

(Cover)

Der ewige Friede / Soldierboy (Forever Peace, 1997)

Mit knapp 250 Seiten das Längste der drei Bücher, dreht sich hier alles um Julian Class. Der ist im Jahr 2040 nicht nur Professor an einer Uni, sondern auch Soldat. Aber in der Zukunft kämpfen die Leute natürlich nicht mehr selbst an der Front. Stattdessen kommen sogenannte Soldier und Fly Boys zum Einsatz. Das sind Drohnen zu Lande und in der Luft, die von einem Stützpunkt irgendwo in Amerika aus gesteuert werden. Allerdings nicht mit Joystick und so, wie wir das heute kennen, sondern eher in Richtung AVATAR (vielleicht hatte James Cameron sogar die Idee daher). Sprich im Stützpunkt liegen die Operatoren in Tanks, sind zu einem kollektiven Bewusstsein mit ihren Kameraden zusammengeschlossen und steuern dann aus der Ferne die Roboter auf dem Schlachtfeld. Allerdings ist der Kampf ziemlich einseitig, denn die Aufständischen in der Dritten Welt haben diesem Hightech-Geräten quasi nichts entgegen zu setzen. Ja, der Krieg wirkt erneut ziemlich sinnlos und scheint nur dazu da zu sein die Wirtschaft anzukurbeln. Es ist eben wieder ein Antikriegsroman. Sterben können die Operatoren natürlich trotzdem. Kennen wir ja aus Film und Fernsehen, dass es beispielsweise zu einer Überlastung der Nerven kommt, wenn dem Roboter der Arm gebrochen wird und sowas. Aber auch andere gesundheitliche Probleme können durch die Nutzung der Tanks entstehen (hat ja leider nie etwas nur Vorteile).

Abseits des Krieges arbeitet der „zivilisierte“ Teil der Menschheit hingegen am Jupiter-Projekt. Quasi die Mega-Version des Teilchenbeschleunigers in CERN, der von automatischen Robotern um den Jupiter herum aufgebaut wird und noch genauer die Situation zum Urknall simulieren soll. Allerdings entdecken Julian und ein paar seiner Wissenschaftlerfreunde, dass es eher zu einem erneuten Urknall führen könnte und das Projekt gestoppt gehört. Was wiederrum ein paar Leute (obwohl sie dann ebenfalls tot wären?) ganz gut finden. Es folgt ein Rennen gegen die Zeit und für das Wohl der Menschheit.

Im Prinzip ist Der ewige Friede zwei Roman ein einem. Der eine ist die spannende Erzählung um eine Gruppe von Revoluzzern, die versuchen die Menschheit zu retten und die nächste Evolutionsstufe einzuleiten. Die andere ist die nicht weniger interessante Erzählung von Julian, seiner Freundin Amelia und seinen Kameraden, die mit dem Krieg im Allgemeinen, ihren Taten dort und der ganzen Sache mit dem kollektiven Bewusstsein zurechtkommen müssen.

Beim Christoph meint: Ähnlich wie bei Am Endes des Krieges empfand ich den Einstieg etwas mühsam und ich dachte schon fast, dass ich das Buch nicht zu Ende lesen werde. Mein Gedanke war quasi „Langweilig. Alles schonmal gesehen/gelesen/gehört“. Zum Glück bin ich aber am Ball geblieben, denn nicht nur wartet die Geschichte mit einigen überraschenden Wendungen auf. Es ist sogar das Ende nicht total an den Haaren herbeigezogen (wenngleich etwas überdreht). Sobald die Geschichte an Fahrt aufnimmt ist sie außerdem erneut äußerst spannend zu lesen. Zum einen fand ich es sehr interessant mehr über diese Welt zu erfahren, in denen einige Leute Anschlüsse haben und sich so zu einem Bewusstsein zusammenschließen können. Schließlich hat es sowohl Vor- als auch Nachteile, die Haldeman über seine Charaktere (Amelia hat keinen Anschluss) sehr gut transportiert und greifbar macht. Zum anderen ist es dann wie in einem guten Krimi, wenn die ganze Sache mit „Stoppt Jupiter“ losgeht und sich die Truppe rund um Julian ständig auf der Flucht befindet. Absolute Leseempfehlung!

Gar nicht so einfach in Ruhe eine Serie/einen Film zu schauen, wenn bestimmte Katzen wie auf 180 durch das Haus jagen – inkl. der großen Gefahr, dass sie (bewusst oder unbewusst) etwas herunterschmeißen. Ja, ich schaue dich an Maya, du kleiner Wirbelwind. Aber gut: Irgendwie haben wir es am Samstag dann doch geschafft das Finale der folgenden Serie halbwegs in Ruhe zu erleben:

Cover

Orphan Black (2013-2017; 50 Episoden [5 Staffeln] á 45 Minuten, DV) – Schon allein aus technischer und schauspielerischer Sicht ist dieses Kanadisch-Amerikanische Werk beeindruckend. Im Verlauf der fünf Staffel schlüpft die Hauptdarstellerin Tatiana Maslany in die Rolle von insgesamt 13 Charakteren (plus ein Voice Over) – fünf davon sind Hauptfiguren, kommen also in fast jeder Folge vor. Und es ist nicht gerade selten, dass sie mehr als nur zweimal auf dem Bildschirm zu sehen ist. Und nicht nur zu sehen: Sie interagiert auch physisch mit sich selbst. Ab Staffel 2 kommt noch Ari Millen dazu, der im Verlauf in die Rolle von sechs Charakteren schlüpft. Will gar nicht wissen wie viel Aufwand das war jede Szene x-Mal zu filmen, um dann am Computer alles zusammenzuflicken. Als Zuschauer merkt man auf jeden Fall überhaupt nichts davon und so soll es ja sein.

Und Hut ab vor Tatiana, die wirklich jede der 13 Rollen einzigartig macht. Ja, sie unterscheiden sich optisch teilweise sehr stark. Aber es ist wirklich das Schauspiel, das beeindruckt. Wenn sie Sarah Manning spielt, ist sie einfach ganz anders als wenn sie in die Haut von Alison Hendrix schlüpft. Sie spricht anders und bewegt sich anders. Richtig genial. Das geht sogar so weit, dass ich mir beim Auftauchen von Krystal Goderitch in Staffel 3 erst mal unsicher war, ob es tatsächlich ein weiterer Klon ist oder doch eine andere Schauspielerin. Schon deshalb lohnt sich ein Blick auf diesen SciFi-Thriller. Die beeindruckende Technik allein hält einen aber natürlich nicht bei der Stange. Also worum geht’s überhaupt?

Die Geschichte

Orphan Black (BBC America-Promobild)

Die zentrale Figur ist die Waise Sarah Manning. Sie ist eine draufgängerische Kleinkriminelle und hat eine junge Tochter, die bei ihrer eigenen Pflegemutter lebt. Als sie nach langer Zeit mal wieder in ihrer Heimatstadt am Bahnhof ankommt, wird sie Zeuge eines Suizids. Sie stiehlt die Tasche des Opfers Elisabeth Childs und stellt fest: Die sieht ja fast genauso aus wie ich. Und was macht man als Kriminelle in solch einer Situation? Nicht nur die Tasche ausräumen, sondern planen alles zu stehlen was die Dame besitzen könnte. Keine gute Idee, denn dadurch schlittert sie geradewegs hinein in eine große Intrige rund ums Klonen, genetische Verbesserungen und religiösem Fanatismus. Hätte sie doch nur die Brieftasche gestohlen…

Sie erfährt, dass sie nicht nur ein Klon ist, sondern ein Klon mit eigenem Kind während die anderen Unfruchtbar sind. Das macht sie für die Wissenschaft natürlich besonders interessant. Also gerät sie widerwillig immer tiefer in die Sache hinein. Zusammen mit den anderen Klonen Alison und Cosima setzt sie deshalb notgedrungen die Suche nach der Wahrheit und ihrem eigenen Ich fort, während gefühlt die ganze Welt gegen sie ist.

Kontraste

Orphan Black (BBC America-Promobild)

Orphan Black ist nichts für Zartbesaitete. Es geht nicht gerade zimperlich zu. Im Verlauf der fünf Staffeln wird viel Blut vergossen und viele sterben brutal. Und auch auf der psychologischen Seite hält sich die Geschichte rund um Moral und Ethik in Bezug auf das menschliche Klonen nicht großartig zurück. Was aber nicht heißt, dass alles total düster und depressiv ist. Es gibt sie, die humorvollen Momente und etwas weniger tragische Nebenstränge, die gleichzeitig den Kontrast zwischen den einzelnen Klonen weiter verstärken. Während Cosima die neugierige, lesbische Wissenschaftlerin ist, kämpft Alison als Mutter von zwei Adoptivkindern mit den alltäglichen Problemen ihres typisch amerikanisch Idyll-Vorstadtlebens.

Anfangs wirken diese parallelen Erzählungen ein wenig fehl am Platz in Bezug auf die Haupthandlung, doch die Autoren schaffen es immer diese Stränge auch wieder zurück zu führen. Es dauert mitunter etwas, führt aber dafür oft zu der ein oder anderen überraschenden Wendung und erhöht die Spannung. Gleichzeitig sind sie eine perfekte Gelegenheit die Charaktere besser kennen zu lernen, damit sie einem noch stärker ans Herz wachsen. Man soll ja bei den fiesen Cliffhängern besonders stark mitfiebern.

Beim Christoph meint: Von mir gibt es 5 von 5 Sics. Die Serie ist eine klare Empfehlung für alle, die es etwas spannungsgeladener mögen. Während die technische und schauspielerische Leistung beeindruckend ist, ist es am Ende die Geschichte, die mich bei der Stange hält. Sie regt nicht nur zum Nachdenken an, sondern ist durchweg abwechslungsreich und spannend erzählt. Man will immer erfahren wie es mit Sarah und ihren Schwestern weitergeht. Welcher Stein wird ihnen wohl als nächstes in den Weg gelegt wird? Welche Klone lernen sie noch kennen? Und so weiter und so fort. Zudem führen am Ende alle Fäden zu einem befriedigenden Finale zusammen. Das ist ja leider auch nicht selbstverständlich.

Lysanda und ich haben die letzten beiden Samstage jeweils einen Katastrophenfilm geschaut. Das war tatsächlich keine Absicht. Es hat sich einfach so ergeben. Warum? Ganz einfach: Ich wollte letzte Woche einen bestimmten Katastrophenfilm endlich mal anschauen und dachte mich an den richtigen Namen zu erinnern. Stellte sich heraus, dass nicht der Gesuchte war. Also haben wir diesen Samstag das Werk geschaut, das ich eigentlich letzte Woche sehen wollte. Ihr fragt warum mir dieser Fehler nicht sofort aufgefallen ist? Nun, weil wir von zwei absolut austauschbaren Katastrophenfilmen von Roland Emmerich reden.

In beiden geht es um Klimaveränderungen, in beiden erkennen Forscher die Gefahr aber vertun sich mit der Einschätzung wann es genau zu Ende sein wird (=es passiert früher als gedacht) und die Hauptfiguren sind jeweils gescheiterte Väter, die im Laufe der Geschichte alles für ihre Familie tun, nur um es wieder gut zu machen. Ich rede von diesen beiden Werken:

(Cover)

2012 (2009, DV) – 2009 wird festgestellt, dass aufgrund einer ungewöhnlich starken Sonneruption und der dazugehörigen erhöhten Strahlung sich der Erdkern aufheizt. Die Folge ist eine Kettenreaktion, die 2012 zur Verschiebung der tektonischen Platten mit allen dazugehörigen mehr oder weniger lustigen Problemen wie Erdbeben, Tornados und Überschwemmungen führt (deswegen der Titel). Mit der Welt geht es also den Bach runter und wie es sich für einen Katastrophenfilm gehört geht einiges spektakulär und auf beeindruckende Weise kaputt. Ja, es ist völlig überzogen und hier und da hat vor allem in der Mitte des Films0 das CGI-Budget nicht ganz für eine glaubwürdige Darstellung ausgereicht aber passt scho‘ :smile: .

2012 (Columbia Pictures-Promobild)

Mittendrin in Los Angeles ist unser „Held“ Jackson Curtis (John Cusack), ein erfolgloser Schriftsteller, der sein Geld als Fahrer für einen russischen Milliardär verdient und – wie oben erwähnt – ein schlechter Familienvater ist, der sich aus diversen Gründen nie richtig um seine Kinder gekümmert hat. Aber im Angesicht des Unglücks entwickelt er ungeahntes Pflichtbewusstsein und holt mit der Limousine seines Chefs seine Familie (und den neuen Partner seiner Frau) während um ihn herum die Stadt in sich zusammenfällt. Was folgt ist eine Sequenz die gleichzeitig vollkommen bescheuert und doch irgendwie genial ist. Zuerst springen sie buchstäblich mit der Limousine durch die Stadt (über Gräben, durch auseinanderfallende Hochhäuser, etc.) bevor sie zu einem Flughafen gelangen und dann ganz knapp mit einem Flugzeug entkommen während Los Angeles optisch eindrucksvoll ins Meer versinkt (hier ist das ganze CGI-Budget verschwendet worden).

Anschließend geht es auf den Weg nach China, wo die Regierungen der Welt 2009 angefangen hatten Archen zu bauen. Natürlich gibt es den ein oder anderen Rückschlag wie z.B. die Tatsache, dass das Unglück zu früh einbricht und noch nicht alle Archen fertig sind und natürlich ein dramatisches Finale sobald die Überschwemmung einsetzt. Gleichzeitig wird viel mit der Moralkeule geschwungen und vor allem auf die böse (amerikanische) Regierung geschimpft, die sich nicht um die normalen Leute kümmert. Aber am Ende erwartet euch selbstverständlich ein Happy End und alle (überlebenden) zweidimensionalen Charaktere haben etwas dazu gelernt, ihre Schwächen überwunden und sind wie die Erde an sich bereit für einen Neuanfang. *yay*

Beim Christoph meint: Meine Erwartungshaltung an einen Katastrophenfilm ist nicht wirklich hoch. Es muss viel optisch spektakulär kaputt gehen und die Zerstörungsorgien mit einer halbwegs soliden Geschichte verbunden sein. Das ist in 2012 eindeutig gegeben, weshalb es von mir 3 von 5 Sics gibt. Über die rund 2 1/2 Stunden Laufzeit war mir nie langweilig, weil immer irgendetwas los war und imposant kaputt ging. Und obwohl die Charaktere völlig zweidimensional ihre Klischees erfüllten, gab es doch viele nette und auch mal amüsante Momente. Allen voran natürlich Woody Harrelson als der völlig bekloppte Verschwörungstheoretiker Charlie Frost. Muss man den Film gesehen haben? Nein, absolut nicht. Aber in Sachen stupide Abendunterhaltung gibt es definitiv viele Filme, die schlechter sind. Zum Beispiel der hier:

(Cover)

The Day After Tomorrow (2004, DV) – Die Polkappen schmelzen und in einem nicht näher definierten Jahr führt die dadurch entstehende Abkühlung des Meeres dazu, dass der Golfstrom aufhört zu funktionieren. Die Folge ist klar: Die Welt kühlt dramatisch schnell ab. Eine neue Eiszeit steht bevor. Der Wissenschaftler Jack Hall hat das auch vorhergesagt, ging aber davon aus, dass es noch ein paar hundert Jahre dauert. Die US-Regierung wollte davon natürlich nichts hören. Schließlich würde solche Panikmache ja nur der Wirtschaft schaden. Und selbst als alles anfängt den Bach runter zu gehen (Tornados in Los Angeles! Schnee in Neu-Dehli! Hagelschauer in Tokio!), interessiert es den amerikanischen Vize-Präsident nicht besonders. Ja, der Film ist nicht gerade zurückhaltend in Bezug auf seine „Klimawandel ist böse und die Regierung tut nichts dagegen!“-Message.

Aber dieses ganze Geschachere in Washington ist gar nicht so relevant, denn eigentlich geht es um Jack Hall (Dennis Quaid). Als Klimatologe muss er viel um die Welt reisen und konnte entsprechend nicht für seinen Sohn Sam da sein. Der wird übrigens von Jake Gyllenhaal in einer absoluten Fehlbesetzung gespielt. Ich habe keine Ahnung wer sich gedacht hat „Hey, lasst uns die Rolle eines High-School-Schülers mit einem damals 23jährigen besetzen, der aussieht wie 30 und den ganzen Film hindurch einen gelangweilten Gesichtsausdruck hat“ aber ich hoffe er wurde anschließend entlassen.

The Day After Tomorrow (20th Century Fox-Promobild)

Naja, auf jeden Fall ist Sam zusammen mit seiner Schulklasse nach New York gereist bevor die Scheiße den Ventilator getroffen hat und dort nun in der Stadtbibliothek gefangen. Erst kommt die selbst für 2004er Verhältnisse schlechte CGI-Flut, dann gefriert alles (auch die eigentlich trockenen Fliesen… Realismus pur!). Sam und seine Freunde müssen solange überleben bis Jack kommt, um ihn zu retten. Schließlich muss Jack seine jahrelange Vernachlässigung durch eine sinnlose Heldentat wieder gut machen. Übrigens eine Heldentat die – ohne zu viel zu spoilern – aus meiner Sicht überhaupt nicht nötig war und nur Menschenleben gekostet hat. Aber am Ende hat ein Kind mit Krebs überlebt (eine weitere sinnlose B-Story), die eine Hälfte der Erde ist mit Eis bedeckt, Millionen von Menschen tot und Vater und Sohn wiedervereint. Na toll.

Beim Christoph meint: The Day After Tomorrow ist nur knapp 2 Stunden lang, also kürzer als 2012 aber selbst das war schon zu viel. Ich habe mich so dermaßen gelangweilt, dass ich nur 1 von 5 Sics vergeben kann. Es war wohl eine Fügung des Schicksals, dass ich statt zu diesem Film erst zu 2012 gegriffen hatte. Für einen Katastrophenfilm geht zu wenig kaputt und wenn doch mal was kaputt geht, ist es belanglos und sieht selbst für 2004 scheiße aus. Dazwischen zu viele unterinteressantes Gelabbere von zweidimensionalen Charakteren ohne, dass es irgendjemanden wirklich weiterbringt oder ich plötzlich anfange mitzufühlen. Charakterentwicklung gleich null. Wieso der Film bei IMDB besser bewertet ist als 2012 kann ich absolut nicht nachvollziehen. Finger weg.

So viel also dazu und ihr seht: Die Verwechslungsgefahr ist groß. Hätte euch genau so passieren können, dass ihr den einen mit dem anderen verwechselt. Umso interessanter ist es, dass trotzdem die Qualität der Machwerke so weit auseinander geht. Und damit gebe ich ab bis Montag. Henry wartet!

Kingdom Come: Deliverance? Zum Verfassungszeitpunkt exakt 100 Bruttospielstunden. Am Dienstag kommt der dritte DLC und ich arbeite mich gerade durch den zweiten. Insofern gibt es von der Videospielefront weiterhin nichts Neues zu berichten. Widmen wir uns also erneut der analogen Art von Unterhaltung: Tote Bäume mit komischen Zeichen drauf, die in der richtigen Reihenfolge gelesen entweder eine mehr oder weniger interessante Geschichte erzählen oder mehr oder weniger nützliche Informationen vermitteln. Ist das nicht eine geniale Erfindung? Und heute möchte ich euch diese englischsprachigen Werke vorstellen:

Das Buch

500 Years Later: An Oral History of Final Fantasy VII (Matt Leone, ca. 35 Euro, 240 Seiten) – Über Final Fantasy VII wurden vermutlich schon tausende Bücher und Texte verfasst. Insofern befindet sich das über Kickstarter finanzierte Werk des britischen Verlags Read-Only Memory in guter Gesellschaft. Was hebt es also von der Konkurrenz ab? Nun, der größte Teil der Geschichte wird nicht durch den Autor erzählt, sondern von den Leuten, die mehr oder weniger direkt an der Entwicklung beteiligt waren. Und zwar nicht nur die bekannten Hauptfiguren, sondern auch Personen z.B. aus der Marketing-Abteilung, deren Namen man bislang vielleicht nicht kannte.

Matt Leone hat mit mehr als 30 Leuten Interviews geführt und diese dann thematisch miteinander verbunden. Die Grundstruktur des Buchs folgt der Entstehung bis hin zur Veröffentlichung von Final Fantasy VII und etwas darüber hinaus. Jedes Kapitel wird kurz vom Autor eingeleitet, bevor er vollständig das Wort an die Beteiligten übergibt und die Zitate so sortiert, dass man als Leser (fast) den Eindruck erhält, die Personen wären in einem Raum und würden sich unterhalten. Das stimmt natürlich nicht, ist aber ein wirklich genialer Ansatz, der erstaunlich gut funktioniert.

Wichtig zu erwähnen ist, dass das Buch technisch gesehen nicht neu ist. Stattdessen handelt es sich um eine erweiterte Version der Reportage Final Fantasy 7: An oral history. Diese hatte Matt Leone vor zwei Jahren für Polygon geschrieben. Das Werk ist also prinzipiell auch für Umme erhältlich. Der Unterschied zwischen Buch und Artikel sind neben der schicken physischen Form acht zusätzliche Interviews, die aber separat vorliegen und nicht zusätzlich eingewoben wurden. Außerdem gibt es 16 schwarz-weiß Illustrationen sowie ein Vorwort von Hironobu Sakaguchi, dem „Erfinder“ von Final Fantasy. Mit im Paket sind außerdem ganze drei Lesezeichen. Eins davon fungiert als Dekodierer, um ein Easter Egg im Buch zu entschlüsseln.

Beim Christoph meint: Der Inhalt des Buchs selbst ist interessant und gut aufbereitet. Was mich stört ist die Aufmachung des Werks. Damit meine ich nicht das Format oder die Qualität des Papiers (matt). Daran gibt es nicht auszusetzen. Mein Problem ist, dass die Texte des Autors warum auch immer in einer Schriftgröße für Blinde gedruckt wurden (musste das Buch eine bestimmte Seitenzahl haben?!). Das hat der Verlag zwar bereits bei Britsoft: An Oral History als Stilmittel eingesetzt aber da war es nicht so häufig, störte also weniger. Zusätzlich sind die für das Easter Egg relevanten Seiten sowie die Bonusinhalte mit dunklem Pink auf hellem Pink verfasst – also quasi Augenkrebs. Das trübt den ansonsten wirklich gelungenen Gesamteindruck.

Die Idee die Interviews zu zerstückeln und durch sie die Geschichte zu erzählen ist nicht nur mal was Neues, sie funktioniert auch überraschend gut. Außerdem bin ich mir sicher, dass selbst für Hardcoregans die ein oder andere neue Information enthalten ist, weil eben Leute zu Wort kommen, die sonst eher nicht gefragt werden. Aber das gibt natürlich bereits der Onlineartikel her. Für die paar zusätzlichen, sehr kurzen Interviews allein lohnt sich der Kauf vermutlich nicht. Aber wer sich für Final Fantasy VII interessiert und wie ich gerne was Reales in der Hand/Regal haben möchte, dem kann ich trotz der zwei Probleme bei der optischen Aufmachung das Werk absolut empfehlen.

Das Buch

The Heart of Dead Cells: A Visual Making-Of (Benoît Reinier, 25 Euro, 160 Seiten) – Der Verlag Third Editions ist in Frankreich bereits eine feste Größe mit mehreren Dutzend veröffentlichen Büchern vor allem über Videospiele aber auch zu Animes und dergleichen. Seit ihrem ersten Kickstarter in 2016 haben sie im englischen Markt Fuß gefasst und übersetzen langsam aber sicher ihren Produktkatalog. Mit The Heart of Dead Cells: A Visual Making-Of ist nun das erste nicht über Crowdfunding-finanzierte, englischsprachige Buch erschienen. Wie der Name schon sagt geht es um Dead Cells dem im August 2018 erschienen Roguelike-Metroidvania des französischen Entwicklerstudios Motion Twin. Das Spiel kam sowohl bei Kritikern als auch Spielern grundsätzlich gut an. Ich selbst habe es noch nicht gespielt aber da mich Spieleentwicklungsgeschichten grundsätzlich immer interessieren und aufgrund meiner extrem guten Erfahrungen mit Third Editions habe ich mir trotzdem das neue Buch sofort geholt.

Der Autor, Benoît Reinier, ist Journalist beim französischen Spielemagazin Gamekult, hat bereits für Third Editions Bücher geschrieben (u.a. über Diablo und The Witcher, die aber noch nicht auf Englisch übersetzt wurden) und macht noch einige andere Sachen. Vor allem ist er aber ein Dead Cells-Fanboy. Das mag erst einmal übertrieben klingen aber schon im Vorwort gibt er zu, dass er das Gefühl hat viel zu diesem Titel beigetragen zu haben durch seine Streams, durch seine Aktivität im Forum und seinen Vorschlägen an die Entwickler. Wer wäre also besser geeignet ein Buch über dieses Spiel zu schreiben? Nun, um das Fazit vorwegzunehmen: Jeder andere.

Der Inhalt

Wie es sich für ein „Visual Making-Of“ gehört, ist das Buch in einem größeren Format gedruckt, voller großformatiger Bilder und mit vergleichsweise wenig Text – aber wesentlich mehr als in vielen Artbooks, die beispielsweise einer Collector’s Edition beiliegen. Allerdings ungewohnter Weise auf mattem Papier gedruckt, was bei einem sehr bunten Titel wie Dead Cells etwas unglücklich ist, da die Farben dadurch nicht ganz so gut zur Geltung kommen. Zusätzlich fällt auf, dass gar nicht so viele Bilder aus unterschiedlichen Entwicklungsstufen des Spiels enthalten sind, sondern vor allem Screenshots des fertigen Spiels – und diese auch noch von der unspektakulären Sorte (=Held steht gelangweilt in der Landschaft rum). Wenn ich mir die Bilder auf der Steam-Shopseite anschaue und sie mit dem Buch vergleiche könnte man fast denken zwei komplett unterschiedliche Spiele vor sich zu haben. Es gibt sie zwar die Design Studien, Storyboards und freigestellten Charaktersprites aber unterm Strich empfand ich es als zu wenig für ein Buch, dass sich „A Visual Making-Of“ auf das Cover schreibt.

Und auch der Text in einer vergleichsweise großen Schriftart lässt zu wünschen übrig. Man merkt dem Autor zu sehr an, dass er nur einen einzigen Tag Zeit hatte die Entwickler zu besuchen und mit ihnen Interviews zu führen. Den Rest musste er sich z.B. über Blog-Einträge selbst zusammensuchen und verweist sogar auf selbige für tiefergehende Informationen. So bekommt man als Leser allenfalls einen sehr oberflächlichen Eindruck von Motion Twin, Dead Cells und der Entwicklung desselbigen. Und geht es bei so einem Buch nicht eigentlich genau darum?

Beim Christoph meint: Ich war und bin wirklich enttäuscht von The Heart of Dead Cells: A Visual Making-Of. Ja, das liegt sicherlich auch viel an meiner bisherigen Erfahrung mit Büchern von Third Editions. Aber ohne diesen Vertrauensvorschuss hätte ich das Buch nie gekauft. Insofern kann ich diesen Punkt zumindest für mich selbst nicht außer Acht lassen. Doch selbst wenn ich das ignoriere muss ich ganz klar sagen: Das Buch ist absolut kein Vergleich nicht nur zu den restlichen Werken von Third Editions, sondern auch vielen weiteren Making-Of-Büchern in meinem Regal. Als Nicht-Fan des Spiels ist das Buch keine Empfehlung und selbst Dead Cells-Liebhabern empfehle ich über den Kauf ganz genau nachzudenken. Mehr Informationen als ihr bereits im Internet gelesen habt, werdet ihr darin nicht finden und die Auswahl und Qualität der Bilder ist wie gesagt nichts, was einen aus den Socken haut oder gar als „Coffee Table Book“ geeignet wäre. Sehr schade.

HÄ?! ICH KANN EUCH NICHT HÖREN! SCHREIBT LAUTER! BITTE? WARUM ICH SO LAUT MUSIK HÖRE? WEIL MAN DAS HALT SO MACHT! Also zumindest machen die unheimlichen Typen in ihren 3er BMWs das immer…verstehen tue ich das nicht aber ich will ja cool sein. WAD? WAS HAT EINE LAUS DAMIT ZU TUN? ACHSO, IHR FRAGT WAS DA ÜBERHAUPT SO LAUT AUS DEN BOXEN KOMMT? KEINE AHNUNG ABER VIELLEICHT IST ES EINER DER FOLGENDEN FÜNF SPIELESOUNTRACKS, DIE SIND NÄMLICH GANZ GUT UND KRIEGEN VON MIR ENTSPRECHEND EINE HÖREMPFEHLUNG! UND JETZT HÖRT DOCH ENDLICH AUF SO LAUT ZU SCHREIBEN. Das tut doch in den Ohren weh.

(Cover)

Age of Wonders III (2014)

Komponist: Michiel van den Bos (Overlord)
Umfang: 02:02:46 (36 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Nur als Teil des Deluxe Edition DLC (6,99€ auf Steam) erhältlich

Ein Soundtrack zu einem Strategiespiel mit Mittelalter- und Fantasysetting? Was wird einen da wohl erwarten? Ein riesiges Orchester, viel Holz, viel Blech, schwere Trommeln, hier und da etwas Chor und daraus entsteht ein absolut episches und überwältigendes Hörerlebnis, das einem aus dem Stuhl haut. Nicht ganz (auch wenn ich solche Soundtracks auch gut finde). Van den Bos setzt zwar tatsächlich auf ein klassisches Orchester mit den üblichen Elementen und es gibt die (gelungenen) Lieder wie „Triumph Within Reach“ oder „Respawn“, die auch das Blut in Wallung bringen. Aber er versteht es ebenso gekonnt mit wenigen ausgewählten Instrumenten und langsameren Tempo Dramatik auf eine weniger holzhammerartige Weise über mehrere Minuten hinweg zu erzeugen ohne, dass dadurch ein langweiliger Ambient-Soundtrack entsteht. Damit schafft der Komponist ein Werk, dass grundsätzlich anders klingt als beispielsweise ein 08/15-Fantasy-Soundtrack von Dynamedion und kann sich alleine dadurch schon vom Rest abheben. Das Arrangement des Albums ist so gestaltet, dass sich eine angeheme Abwechslung zwischen epischen, dramatischen und lockeren Liedern ergibt, die den Hörer bei der Stange hält und ihm trotzdem Pausen gönnt.

Persönliches Lieblingslied: Track 13 – Battle Macabre [03:02] (Anhören)

Ein gutes Beispiel für eines der langsameren aber nicht weniger spannenden Werken. Über die drei Minuten hinweg wird vor allem durch die Percussions Wellenartig und sehr langsam auf einen Höhepunkt zugearbeitet, der technisch gesehen nie kommt. Total gemein.

(Cover)

Dune 2000 (1998)

Komponist: Frank Klepacki (Command & Conquer)
Umfang: 01:10:40 (17 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Lieder derzeit nicht legal erhältlich

Wundert mich tatsächlich, dass ich von diesem Soundtrack bislang tatsächlich noch nicht geschwärmt habe. Schon Klepackis Werk zu Dune II: Battle for Arrakis lief bei mir stundenlang hoch und runter. Diese durchweg spannungsgeladene SciFi-Midi-Musik, die nicht nur so ganz anders klingt als der eher rockige Soundtrack zu Command & Conquer. Einfach nur genial. Dune 2000 entfaltet bei mir grundsätzlich die gleiche Wirkung, ist jedoch ähnlich wie das dazugehörige Spiel durch die technischen Fortschritte in der Zwischenzeit einfach runder und stimmiger. Die einzelnen thematischen Elemente (hardrockige Harkonnen, klassische Atreides, komische Ordos) kommen viel besser zur Geltung und erhalten mehr epische Breite ohne dabei ihre ganz eigene Identität irgendwo zwischen Orchester- und Elektrosound zu verlieren. Es gibt einfach kein Strategiespiel das auch nur annähernd so klingt wie Westwoods Dune-Trilogie und Dune 2000 trifft bei mir genau den „Sweet Spot“ zwischen der groben Midi-Musik von Dune II und den feingeschliffenen Elektro- und Rocksound von Emperor: Battle For Dune.

Persönliches Lieblingslied: Track 12 – Rise Of Harkonnen [03:37] (Anhören)

Ja, man darf die Harkonnen eigentlich nicht gut finden (und Baron Harkonnen ist auch ein ekelhafter Typ). Aber hey: Sie sind die Bösen und entfalten allein dadurch schon eine gewisse Anziehungskraft und sie haben aus meiner Sicht die stärksten Einheiten im Spiel (habe es bis heute weder in Dune II noch Dune 2000 mit den Atreides oder den Ordos den Sieg davonzutragen). Und das Motiv dieses Tracks gibt ganz klar wieder: Hier kommen wir und mit uns ist nicht zu spaßen.

(Cover)

Hive Jump (2017)

Komponist: Big Giant Circles (There Came An Echo)
Umfang: 01:54:04 (47 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (1,11 US-Dollar)

Jimmy Hinson in Bestform und nach seinem Orchester-Ausflug mit There Came An Echo zurück mit einer vollen Ladung Chiptune. Veteranen werden viele Klänge und Motive sicherlich bekannt vorkommen. Das tut dem Hörerlebnis aber keinen Abbruch – ganz im Gegenteil. Hinson holt für diesen Soundtrack alles raus und vermischt gekonnt Altem mit Neuem. Das Ergebnis sind gewohnt schnelle aber sehr melodische Chiptune-Kracher, die den Hörer zum einen zurückversetzen in die Hochzeit der Arcade-Titel und zum anderen noch lange nach dem letzten Ton im Kopf bleiben. Gleichzeitig sind sie nicht so hart und piepsig wie bei so manch anderem Chiptunewerk, was das Album – wie fast alles von Big Giant Circles – auch für normale Ohren ertragbar macht. Nett: Die zweite Hälfte des Albums besteht aus den gleichen Tracks wie die erste aber in einer loopbaren Variante.

Persönliches Lieblingslied: Track 02 – Deployment [04:00] (Anhören)

Ich mag Aufwärmlieder. Ihr wisst schon: Tracks, die so klingen als würde jemand oder etwas auf etwas hinarbeiten, vorbereiten oder ankündigen. Sie bereiten nicht nur den Spieler im Spiel vor, sondern auch den Zuhörer auf das was noch kommt. So wie „Take Off (Scramble)“ aus Wing Commander oder „Intro“ aus TFX. „Deployment“ schlägt für mich in die gleiche Kerbe. Man kann förmlich spüren wie sich der Komponist zurückhält nicht die Bombe platzen zu lassen. Stattdessen wird mehrfach das Tempo wieder rausgenommen, wieder von vorne angefangen und dabei das Grundmotiv leicht verändert. Als Hörer halte ich es vor lauter Anspannung nicht mehr auf dem Stuhl aus.

(Cover)

Neon Chrome (2016)

Komponist: Jonathan Geer (Owlboy)
Umfang: 00:32:23 (11 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (4,99 US-Dollar)

„Neon“ im Namen, das kann ja nur eine Hommage an die Cyberpunk-Musik der 80iger Jahre bedeuten – und ihr habt Recht. Schon die ersten Takte versetzen euch direkt in das Intro eines C-Movies. Netterweise ist aber nicht das gesamte Album so gestaltet. Anders als beispielsweise der Soundtrack zu FarCry 3: Blood Dragon, beschränkt sich Geer auf einen behutsamen Einsatz des Synthesizers und erzeugt die Cyberpunk-Atmosphäre lieber mit moderneren Elektrosounds. Die Tracks auf dem Album schaffen es einen guten Mittelweg zwischen langsamer, atmosphärischer Hackermusik (siehe Uplink) und action-geladenem SciFi-Haudrauf zu gehen ohne völlig auf Spannungsbögen oder gar Dramatik (gehört zu Cyberpunkt ja zwingend dazu) zu verzichten. Und obwohl jeder Track anders klingt als der vorherige, ergibt sich doch ein stimmiges Gesamtbild. Trotz der teils sehr großen Unterschiede fühlt sich nichts am Arrangement unpassend oder falsch an.

Persönliches Lieblingslied: Track 03 – Cybernetic [02:29] (Anhören)

Das Intro hat mich sehr an den Soundtrack von Project I.G.I erinnert. Es ist die Ruhe vor dem Sturm (ja, schon wieder :smile: ). Man weiß, dass etwas passieren wird aber aktuell ist der Protagonist noch im Schatten und am Herumschleichen. Es gibt keine echten Höhepunkte, das Motiv ist sehr einfach gehalten und doch: Es hat seinen Charme und fühlt sich irgendwie gut an.

(Cover)

Spell Team Death Match (2013)

Komponist: Bignic (Corporate Lifestyle Simulator)
Umfang: 00:16:01 (5 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (4 US-Dollar)

16 Minuten Hardcore-Chiptune/Elektronik. Damit lässt sich Bignics Werk wohl am einfachsten beschreiben. Von der ersten Sekunde an geht es massiv zur Sache und der Bass kommt nicht mehr zur Ruhe. Harte und schnelle Beats mit recht einfach gehaltenen Motiven erwarten den Hörer, der vermutlich am Ende des Albums erschöpft in seinem Stuhl zusammensackt, weil sein Herz dringend eine Pause braucht. Es ist Bignic in absoluter Reinform, ohne irgendeinen Schnickschnack. Definitiv nicht jedermanns Sache und nichts, was man vermutlich mehrmals am Stück ertragen kann aber manchmal eben genau das Richtige um mal Frust abzulassen.

Persönliches Lieblingslied: Track 01 – Crimson [01:21] (Anhören)

Technisch gesehen wird über die 81 Sekunden hinweg nur das Motiv aus den ersten Sekunden wiederholt und mit weiteren Tönen überlagt. Aber keine Ahnung warum: Es fixt mich an und bringt mich sofort zum Headbangen. Es macht sofort klar, dass das nachfolgende kein Spaziergang wird und bereitet mich entsprechend perfekt auf den Rest des Albums vor.

 

Und damit entlasse ich euch bis kommenden Montag. Viel Spaß beim Reinhören!

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