“Besser als Tolkien!”, “Ich musste es in einem Rutsch lesen!”, “Wunderbar und gut erzählt.” – bin ich der Einzige, der solche Zitate irgendwelcher mehr oder weniger prominenter Leute auf dem Buchrücken dämlich findet? Bei mir führen die eher dazu, dass ich das Buch nicht kaufe als umgekehrt. Meine Gedanken gehen dann in Richtung: “Wenn ein Werk diese Art von Marketing nötig hat, dann kann es ja nichts taugen”.

So extrem, wie beim folgenden Werk, habe ich es allerdings noch nicht gesehen. Da wurde nicht nur der Buchrücken, sondern auch das Cover sowie die ganze erste Seite (!) vollgepflastert mit Lobpreisungen. Echt bescheuert. Den Kickstarter habe ich damals trotzdem unterstützt, weil der Inhalt interessant klang. Lasst uns also mal schauen, ob die Lobpreisungen recht haben:

(Cover)

Monsters in the Dark: The Making of X-COM: UFO Defense Special Edition* (David L. Craddock; 2021) – Der Unterschied zwischen der normalen Edition des Buchs und der Special Edition besteht in den abgedruckten Interviews ab Seite 155 von 273. Eigentlich sollte es diese Edition nur exklusiv für Unterstützer der Crowdfunding-Kampagne geben. Aber offensichtlich bekommt man sie bei Amazon jetzt doch auch so zu kaufen. Bleiben wir also erstmal bei den Interviews, bevor ich zum eigentlichen Text komme. Stellt sich schließlich die Frage, ob sie den Aufpreis wert sind.

Die Bonusinhalte

Beworben werden diese Interviews vollmundig auf der Buchrückseite mit Aussage wie “Werde Zeuge der Herausforderungen der Entwicklung von X-COM: Apocalypse und “Lerne wie die Tester von MicroProse um X-COMs Release kämpften”. Die Realität ist allerdings eher ernüchternd. Es hat schon seinen Grund, warum Craddock sie nicht im Hauptteil des Buches verwendet hat.

So ist es zwar nett, dass Komponist John Broomhall selbst zu Wort kommen darf, aber er hat das gleiche Problem wie Rob Hubbard in seinem Buch: Er kann sich nur noch wenig an Details erinnern. Entsprechend plätschert das Interview nur vor sich hin. Die übrigen Interviews geben zwar einen kleinen Einblick in den Arbeitsalltag damals bei MicroProse und die Entstehung des Open-Source-Klons OpenXcom. Sie bleiben aber ebenfalls erstaunlich belanglos.

Das Kaufargument

Diese Interviews sind aus meiner Sicht also allesamt den Aufpreis nicht wert. Bleibt noch das zu X-COM: Apocalypse. Mit 44 Seiten ist es immerhin das Längste im Buch. Craddock konnte – wie er selbst zugibt -, aber daraus keinen richtigen Text basteln. Er hatte als Basis faktisch nur ein Gespräch mit Julian Gollop. Andere Personen fand er entweder nicht oder sie wollten nicht mit ihm reden. Ja, Gollop hat als Erfinder der Serie und Lead Designer von UFO: Der unbekannte Gegner und X-COM: Apocalypse natürlich einiges zu erzählen, aber es fehlen dennoch die zusätzlichen Stimmen und weiteren Perspektiven aus dem vorderen Teil des Buches.

Und dass diese zwingend gebraucht werden, sieht man an den Aussagen von Stephen Hand (damals Producer bei MicroProse). Craddock konfrontierte ihn mit Gollops Antworten und hat sie ins Interview eingewoben. Dabei wird ein deutlicher Widerspruch sichtbar. Auf der einen Seite Gollops “Der Publisher ist an allem Schuld”-Darstellung (leichte Übertreibung von mir). Auf der anderen die Sichtweise von MicroProse auf das Entwicklerstudio Mythos. Wobei Hand auch deutlich sagt, dass beide Seiten hier Schuld tragen. X-COM: Apocalypse ist hier entsprechend eher der Aufhänger als das eigentliche Thema der Interviews.

Das eigentliche Buch

UFO: Der unbekannte Gegner (Herstellerbild)

Stellt sich nun die Frage, was man als Käufer der Nicht-Special-Edition bekommt. Die Antwort: 155 Seiten in vergleichsweiser großer Schrift geschriebener Fließtext. Zuerst geht es um Julian Gollop selbst: seine Herkunft, seine Inspirationen und seine Anfänge in der Spieleindustrie. Dabei wird ganz klar ein roter Faden sichtbar, der sich durch sein gesamtes Tun sowohl vor als auch nach seinem ersten großen Hit zieht. Anschließend geht es ins Eingemachte. Also wie wurde UFO: Der unbekannte Gegner zu dem Spiel, das es heute ist und mit welchen Herausforderungen hatten alle Beteiligten zu kämpfen.

Die Detailtiefe ist dabei mitunter nicht so tief, wie man es sich vielleicht als jemand wünschen würde, der die Spieleindustrie etwas besser kennt. Craddock langweilt einen in dem Sinne nicht mit technischen Erklärungen und sowas. Aber es ist völlig ausreichend, um ein wirklich gutes Bild der damaligen Zeit zu bekommen. Da stört mich tatsächlich mehr, dass es nach dem Release des Spiels faktisch aufhört. Es gibt nur wenige Worte über die Folgen und Auswirkungen des Spiels auf die Entwickler, den Publisher und die Spieleindustrie als Ganzes. Stattdessen gibt es hauptsächlich noch Werbung für Phoenix Point, dem geistigen Nachfolger aus Gollops Feder. Da hätte ich mir mehr Einordnung und Kontext gewünscht, um das Ganze besser abzurunden. Hier ist dann tatsächlich die Special Edition im Vorteil, denn im erwähnten Interview zu X-COM: Apocalypse gibt es ein wenig davon.

Fazit

Unterm Strich bekommt Monsters in the Dark: The Making of X-COM: UFO Defense Special Edition von mir grad so 4 von 5 Sics. Für Fans des Spiels, die mehr über die Hintergründe wissen wollen und Leute, die sich für die damalige Spieleindustrie interessieren, gibt es einen wirklich informativen Einblick. Es ist dabei überraschend kurzweilig geschrieben und vermischt gekonnt Zitate mit romanartigem Fließtext statt sich in technischen Details oder großartigen Aufzählungen zu verfangen. Von mir also eine Kaufempfehlung. Einzige Einschränkung: Das Buch steht nur auf Englisch zur Verfügung.

Es ist noch eher selten, dass ich derjenige bin, der Animes oder gar Mangas aussucht. Die Gefahr etwas zu kaufen, das meiner geliebten Lysanda nicht gefällt, ist trotz zehn Jahren Ehe immer noch ziemlich hoch. Aber manchmal lasse ich mich dann doch dazu hinreißen ohne Rücksprache mit ihr etwas mehr bei Anime Planet in den Warenkorb zu packen, als geplant.

Achtung, nutzloses Wissen voraus: Anime Planet ist quasi der Fabrikverkauf von KSM Anime, einem Label von PLAION PICTURES. Das wiederum ist, genauso wie Deep Silver, ein Tochterunternehmen von PLAION. Und wer jetzt denkt: “Deep Silver? Gehörten die nicht zu Koch Media?!” – Bingo! Die haben sich 2022 umbenannt. War scheinbar nach 28 Jahren nicht mehr “in”. Und um den Videospiele-Kreis endgültig zu schließen: Koch Media wurde schon 2018 von THQ Nordic gekauft – heutzutage bekannt als Embracer Group. Die Welt ist klein, ich weiß. Aber immerhin taugt die Anime-Abteilung was.

Doch zurück zu meinem Warenkorb bei Anime Planet: Die heruntergesetzten Komplettboxen von Der Graf von Monte Christo – Gankutsuô* und NANA* fanden beim letzten Einkauf ihren Platz darin. Sie klangen interessant und die Bewertungen auf den einschlägigen Portalen (aniSearch) sind sehr gut. Aber waren sie das auch? Nun, darum sind wir heute hier :wink: :

(Cover)

NANA* (2006-2007; 47 Episoden, DV) – Fangen wir gleich mit der Schattenseite der Serie an: Sie ist unvollständig. Zwar haben die Macher versucht in der letzten Folge zumindest ein bisschen Abschluss reinzubringen. Aber wie leider bei vielen Anime, hört auch diese Geschichte trotzdem einfach mittendrin auf und lässt den Zuschauer unbefriedigt zurück.

In diesem Fall muss ich das Produktionsunternehmen Madhouse allerdings ausnahmsweise ein wenig in Schutz nehmen: Der Manga ist mit seinen 21 Sammelbänden ebenfalls nicht abgeschlossen. Und im Gegensatz zum Anime, gibt es dort einen verdammt großen Cliffhanger, der seit 2009 nicht aufgelöst wurde. Die Mangaka Ai Yazawa erkrankte damals und ist seitdem wohl nicht mehr wirklich in der Lage zu zeichnen. Zwar beteuert sie hin und wieder, dass sie den Manga irgendwann abschließen möchte. Aber es scheint ihr leider nicht möglich zu sein und jemand anderes ihre Gedanken auf die Seiten bringen lassen, ist ebenfalls nicht drin. Das ist extrem schade.

Eine schicksalshafte Begegnung

NANA ist ein Slice-of-Life-Anime/-Manga. Die Hauptfiguren sind Nana “Hachi” Komatsu und Nana Osaki. Ja, sie haben zufällig den gleichen Vornamen. Es ist ebenfalls nur purer Zufall, dass sie sich im Zug nach Tokyo treffen. Beide wollen dort ein neues Leben anfangen. Hachi will nach einem Jahr Fernbeziehung endlich wieder bei ihrem Freund Shoji sein. Nana hingegen… nun, sie ist Sängerin bei der Band Blast. Ihr ehemaliger Freund und Bandkollege Ren wurde von der viel erfolgreicheren Truppe namens Trapnest abgeworben, von der Hachi ein Fan ist. Dazu musste er nach Tokyo ziehen und sie entschied in ihrem Provinznest zurückzubleiben. Reist sie also jetzt nach Tokyo, um ihm nun doch zu folgen, weil sie ihn weiterhin liebt? Oder macht sie sich auf den Weg in der Hoffnung endlich selbst groß rauszukommen und sich so an ihm zu rächen? Spoiler: Ein bisschen was von beidem.

NANA (Madhouse-Promobild)

Auf jeden Fall treffen sich die beiden grundverschiedenen Nanas erstmals in besagtem Zug. Das naive Provinzmädel Hachi, welches gefühlt überall nur das Positive sieht und an die große Liebe glaubt, aber gleichzeitig einer Affäre mit einem älteren Mann nachtrauert und sowieso immer irgendwelche Probleme mit ihrem Liebesleben hat. Nana, die nach außen beinharte Punkrockerin, die im Inneren aber ziemlich einsam und verloren ist. Und natürlich kommt es, wie es kommen muss – sonst gäbe es die Geschichte ja nicht: Obwohl sie sich am Bahnsteig in Tokyo erstmal verlieren, bringt sie das Schicksal zügig dazu gemeinsam eine WG zu gründen.

Fortan lernen sich beide besser kennen, haben Anteil an ihrem jeweiligen Leben und spannen so ein Band zwischen sich, das weit über eine simple Freundschaft hinaus geht. Wir sehen wie Nanas Band Blast sich wiederfindet, wie ihre Beziehung mit Ren weitergeht und erleben zumindest den Anfang der “Battle of the Bands”. Hachi hingegen lässt ihr Elternhaus hinter sich, wird erwachsener, selbstständiger und muss so einige Höhen und Tiefen in der Liebe durchleben – inkl. einer Sache, die ihren weiteren Pfad von jetzt auf gleich komplett verändert.

Nah an der Tränendrüse

Trotz der ein oder anderen witzigen Situation, schwebt über der ganzen Erzählung immer eine leicht… melancholische Stimmung würde ich es nennen. Das liegt zum einen daran, dass wir hier zwei Frauen und ihre Freunde ein Stück weit begleiten, die nicht perfekt, sondern einfach nur normal sind. Wir bekommen die glücklichen Momente zu sehen, die Erfolgsgeschichten und das alltägliche Leben. Wir werden aber auch Zeuge von totalen Abstürzen. Der Blick hinter die Maske quasi, die wir alle tagtäglich aufsetzen.

Die Serie erzeugt zum anderen dadurch ein besonderes Gefühl, wie die Geschichte erzählt wird. Damit meine ich speziell die emotionalen Monologe von Nana und Hachi aus dem Off, vor allem aber nicht nur zu Beginn einer Folge. Diese klingen wie Briefe an die jeweils andere Nana, die zu einem Zeitpunkt geschrieben werden, wo man sich schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Es sind Texte voller Rechtfertigungen, Entschuldigungen, Reue und Selbstgeißelung über verpasste Chancen und Erinnerungen an schöne Momente und gemeinsame Erfahrungen, die sie verändert haben und die sie immer noch im Herzen tragen. Sie geben ein wenig Kontext und liefern einen Blick ins Innere der beiden. Sie werfen aber auch viele Fragen auf und machen so neugierig darauf, wie es weitergeht. Umso schlimmer ist es, dass die Serie einfach aufhört und genau dieser Aspekt niemals aufgeklärt wird.

NANA (Madhouse-Promobild)

Beim Christoph meint: NANA bekommt von mir die vollen 5 von 5 Sics und konkurriert mit Death Parade um den Titel für den besten Anime, den ich bislang gesehen habe. Die Begründung dafür ist das erwähnte Gefühl, das er beim Anschauen erzeugt hat. Die Geschichte der beiden Nanas und vor allem die Art und Weise, wie sie erzählt wird, hat mich überraschend stark berührt.

Mit einer Prise Witz und Charme lässt er mich glaubwürdig am Leben zweier völlig unterschiedlicher Frauen teilhaben, die trotz oder gerade wegen ihrer Unterschiede eine besondere Beziehung zueinander aufbauen. Ihr Schicksal interessiert mich und nimmt mich mit. Dass der Punkrock-Soundtrack grundsätzlich meinen Geschmack trifft, trotz des unverständlichen Faibles von Japanern, englische Begriffe in ihre Songtexte einzubauen, ist da nur das Tüpfelchen auf dem “i”. Zum Reinhören findet ihr hier das reale Musikvideo des (ersten) Titelsongs.

Epilog

So viel zum NANA-Anime. Es ist echt unendlich schade, dass ich jetzt nicht einmal zum Manga greifen kann, um zu erfahren wie es weitergeht. Von Der Graf von Monte Christo – Gankutsuô berichte ich euch heute allerdings nicht mehr. Dazu dann in einem kommenden Eintrag mehr. Nur so viel vorab: Ja, er basiert grundsätzlich auf dem gleichnamigen Abenteuerroman aus dem 19. Jahrhundert, verlagert die Geschichte aber in eine Art umgedrehte Steampunk-Zukunft. Sprich auf der einen Seite nutzt man ultramoderne Raumschiffe aber kommuniziert trotzdem mit handgeschriebenen Briefen. Passend zu diesem Widerspruch hat er einen äußerst ungewöhnlichen visuellen Stil.

Tim Schafers Double Fine Productions hat in den 26 Jahren seit seiner Gründung so einige ungewöhnliche Spiele auf den Markt gebracht. Nicht alle kamen bei jedem gleich gut an. Aber allein der Blick auf die Bewertungen ihrer Spiele auf Steam zeigt schon, dass sie ihre Fans haben – mich eingeschlossen. Spieler quasi, die ihre Kreativität und ihren teils sehr ungewöhnlichen Output zu schätzen wissen. Allerdings sind auch ihnen 2014 zwei richtige Ausrutscher passiert: Hack ‘n’ Slash und Spacebase DF-9.

Gemeinsam haben beide Titel, dass sie aus für alle zugänglich gemachten Prototypen entstanden. Damals machte das Studio noch die sogenannte Amnesia Fortnight. In dem Sinne ein Studio-interner Gamejam, bei dem die Entwickler sich für zwei Wochen eine Pause von der regulären Arbeit gönnten und stattdessen mal was Neues probierten. Und bei den ersten drei Ausgaben wurde eben die Öffentlichkeit mit beteiligt. Nicht nur indem sie für Pitches abstimmten, sondern eben auch das Ergebnis selbst spielen konnten.

Unrühmliches Ende

Leider blieb die finale Version des Programmierspiels Hack ‘n’ Slash hinter den Erwartungen zurück. Für Normalos war es zu undurchdringlich und für Programmierer das geforderte Ergebnis oft zu konfus. Quasi ähnlich wie bei der Mondlogik alter Point ‘n’ Click-Adventures, wo ihr obskure Lösungswege für die Rätsel nachvollziehen musstet, musste man hier wie der Programmierer des Spiels denken, um voran zu kommen. Das Abweichen vom vorgeschriebenen Weg war nur in wenigen Fällen möglich. Sehr schade.

Das Weltraum-Basenbauspiel Spacebase DF-9 (DF-9 = Double Fine) hingegen wurde der erste Early-Access-Titel des Studios. Darin musstet ihr eine Weltraumstation aufbauen und euch um ihre Population kümmern. Das Werk hatte durchaus Potential und machte bereits einige Zeit Laune. Leider blieben die Käufer und damit die Kohle aus, weshalb Double Fine nach einem Jahr ziemlich unzeremoniell den Stecker zog. Es wurde hastig eine Version 1.0 mit wenig Inhalt rausgehauen, die man gerade noch so als spielbar definieren kann und damit das Thema beendet. Aus Entwicklersicht war es verständlich, den Verlusttopf aufzulösen. Für die Spieler aber logischerweise eine ziemliche Sauerei. Und auch ich finde es absolut nicht okay, dass es immer noch verkauft wird.

Es ist aber nicht alles schlecht. Etwas Gutes ist bei der ganzen Sache nämlich doch herausgekommen – der Soundtrack:

(Cover)

Spacebase DF-9 (2013)

Komponist: Chris Remo (Gone Home, Firewatch)
Umfang: 00:26:44 (8 Lieder)
Mögliche Bezugsquellen: Bandcamp* ($7)

Ich weiß nicht, warum ich diese Assoziation gemacht habe, aber Remos Werk erinnerte mich schon nach den ersten Takten sehr an Stealth Bastard: Tactical Espionage Arsehole. Dabei könnte der Kontrast zwischen beiden Werken gar nicht größer sein. Während Stealth Bastard mit seinem harten Bass und seinem hohen Tempo sofort den Blutdruck steigen lässt, ist Spacebase DF-9 genrebedingt eher ruhige Elektronikmusik. Absolut nicht auf “ich plätschere nur im Hintergrund rum”-Niveau, aber dennoch weit vom äußerst energiegeladenen Werk der beiden Komponisten Ricky Honmong und Samuel Robinson entfernt.

Und dennoch: Der Soundtrack erzeugt ein ähnliches Gefühl. Gleichzeitig wäre er in einem futuristischen Schleichspiel sicherlich ebenfalls gut aufgehoben. Allen Stücken wohnt ein unterschwelliger Zeitdruck inne, der eigentlich im völligen Widerspruch zum eher chilligen Vibe der simplen Motive steht. Egal ob es die sphärischen Klänge in Harmony sind oder die langgezogenen Töne in Exploration, die einen sofort an die Weite des Weltraums denken lassen: Es passt zusammen und ist sowohl für aktives Hören als auch zum “im Hintergrund mitlaufen” geeignet. Aus dem Rahmen fällt nur der finale Track, The Settler. Ein humoristisch angehauchtes Gesangsstück, das nicht ganz mein Fall ist und entsprechend beim Hören übersprungen wird.

Persönliches Lieblingslied: Track 03 – Equilibrium [04:33]

Cacitt wäre mein direkter Vergleich aus dem Album von Stealth Bastard zu diesem Werk. Eine richtige Erklärung habe ich dafür weiterhin nicht :smile: . Das wabernde Grundmotiv lullt mich irgendwie ein und die immer mal wieder eingeworfenen Elemente sorgen dafür, dass die 4 1/2 Minuten nie langweilig werden. Ein angenehm eingängiger Track mit wenig Überraschungen aber zumindest etwas Mystik und eben auch wieder diesem unterschwelligen Zeitdruck.

(Cover)

Dann kommen wir endlich mal zu Star Trek: Lower Decks und damit dem vorerst letzten Star-Trek-Eintrag.

Nachdem es während der Produktion der 1. Staffel von Star Trek: Discovery hinter den Kulissen ziemlich rund gegangen war, übernahm der nicht unumstrittene (um es freundlich auszudrücken) Alex Kurtzman die Rolle des Showrunners für den Rest der Serie. Mitserienerfinder Bryan Fuller hatte das Schiff wegen “kreativen Differenzen” schon früh verlassen. Und seine Nachfolger, Gretchen J. Berg und Aaron Harberts, waren wegen schlechtem Verhalten entlassen worden. Mitte 2018 unterschrieb Kurtzman dann einen Fünf-Jahres-Vertrag mit CBS, um das Star-Trek-Universum breiter aufzustellen. Egal ob Live-Action-Serien (Star Trek: Picard, Star Trek: Strange New Worlds, Star Trek: Starfleet Academy), Miniserien (Star Trek: Short Treks, Star Trek: Very Short Treks, Star Trek: Scouts) oder animierte Serien (Star Trek: Prodigy) – alles war nun für seine Produktionsfirma Secret Hideout möglich. Darunter auch die erste humorvolle Zeichentrickserie in der Geschichte des Franchises: Star Trek: Lower Decks.

Angeheuert für diesen Job wurde Mike McMahan. Seines Zeichens einer der ersten Schreiberlinge von Rick and Morty. Für die vierte Staffel wurde er sogar zum Showrunner befördert – und kündigte noch während der Produktion. So kanns gehen :smile: . Den Job bei Star Trek verdankte er aber vermutlich nur zum Teil seiner bisherigen Arbeit. Es dürfte auch so einiges an Vitamin B mit reingespielt haben. Aaron Baiers, seit 2021 Vizepräsident von Secret Hideout, und er kannten sich nämlich bereits. Sie hatten früher den Twitter-Account @TNG_S8 gemeinsam betrieben. Wie der Name schon andeutet, veröffentlichten sie dort mögliche Geschichten für eine fiktive 8. Staffel von Picards Abenteuer.

McMahan wurde angeblich gefragt, was sein absoluter Traum wäre. Und als Antwort pitchte er eine Serie über “die Leute, die die gelben Patronen in den Replikatoren installieren, damit am Ende eine Banane rauskommt”. Star Trek: Lower Decks ward geboren und flimmerte am Ende von 2020 bis 2024 für fünf Staffeln und 50 Episoden je 25 Minuten über den Fernsehbildschirm. Ja, anders als Star Trek: Prodigy mit 20 Episoden pro Staffel, musste sich die Zeichentrickserie der neuen 10er-Konvention unterwerfen.

Die Serie

Star Trek: Lower Decks (CBS-Promobild)

Wir befinden uns im Jahr 2380 der “richtigen” Zeitlinie – quasi direkt nach den Ereignissen von Star Trek: Nemesis (2379). Und obwohl es formal fünf Staffeln sind, endet Star Trek: Lower Decks bereits 2382. Das ist wiederum ein Jahr vor Star Trek: Prodigy. Wirklich relevant ist das allerdings alles nicht. Der einzig wirklich direkte Bezug zu aktuellen Sachen ist die Tatsache, dass ein gewisser William T. Riker auf der USS Titan seinen Dienst als Captain tut (inkl. Cameo). Alles andere liegt schon mehr oder weniger lange in der Vergangenheit, bevor die Crew der USS Cerritos damit zu tun hat.

Der Grund dafür liegt in der Prämisse der Serie. Nicht nur sehen wir das Leben von (anfangs) Fähnrichen auf den unteren Decks. Auch das Schiff selbst ist weit von den Frontlinien der Galaxie entfernt. Es kommt zum Einsatz, wenn Picard & Co. den Erstkontakt beendet haben und schon lange wieder abgereist sind. Sie kümmern sich quasi um den langweiligen Papierkram und die undankbaren/wenig prestigeträchtigen Missionen, die sonst keiner machen möchte. Was freilich nicht heißt, dass die Serie langweilig wäre. Selbstverständlich schlittern unsere Charaktere mehr oder weniger unfreiwillig in allerlei Abenteuer hinein.

Dass dabei extrem häufig die Live-Action-Serien referenziert werden oder sogar ganze Handlungsstränge darauf aufbauen, liegt in der Natur der Sache. Inklusive SEHR vieler Gastauftritte. Sogar T‘Pol (Jolene Blalock) konnten sie für sich gewinnen! Aber obwohl Lysanda und ich ja jetzt wirklich (fast) alles gesehen haben: Teilweise sind die Rückbezüge schon extrem nischig und nur für absolute Insider erkennbar. Ich muss allerdings zugeben, dass selbst die offensichtlichen Sachen mitunter an uns vorbei gegangen sind. An Gary Mitchell (ein Charakter aus der Pilotfolge von Raumschiff Enterprise) konnte ich mich beispielsweise echt nicht mehr erinnern. Dabei ist es noch keine drei Jahre her, seit wir die Folge gesehen haben! Die Autoren haben also definitiv ihre Hausaufgaben gemacht.

Der Inhalt

Star Trek: Lower Decks (CBS-Promobild)

Trotz nur einer Handvoll Episoden pro Staffel, folgt Star Trek: Lower Decks tatsächlich mehr dem klassischen Star-Trek-Format. Es gibt zwar die eine übergeordnete Geschichte und eine gewisse Kontinuität, aber die meiste Zeit hat man es doch mit in sich abgeschlossenen Einzel- oder maximal Doppelepisoden zu tun. Allein schon dieser Umstand war ehrlich gesagt eine sehr erfrischende Sache.

Aber auch sonst fühlt sich die Serie traditioneller an als der Rest von NuTrek. Kein Wunder: Das gesamte Team hat sich während der Produktion wohl sehr intensiv mit Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert beschäftigt. Das Setting (noch unveränderte Zeitlinie), die Optik (klar von der Berman-Ära inspiriert), die Charaktere (Ensemble-Cast statt Einzelhelden), die Abenteuer (keine Galaxie-Rettungsmaßnahmen), die Gastauftritte (bekannte und liebgewonnene Charaktere) – man fühlt sich schon irgendwie als wäre man endlich wieder zu Hause angekommen. Das macht die Serie angenehm unterhaltsam.

Nicht lustig?

Allerdings steht auf der Packung von Star Trek: Lower Decks noch das Wort “Komödie”. Und in dieser Hinsicht ist sie in unserem Haushalt vollumfänglich gescheitert. Lysanda fand sie überhaupt nicht lustig. Und ich habe zwar an der ein oder anderen Stelle tatsächlich mal laut gelacht, aber das kann ich an einer Hand abzählen. Für mich dürfte der Hauptgrund der grundsätzliche Stil der Serie sein, der nicht nur optisch bewusst an Die Simpsons, Futurama und Rick & Morty erinnert, sondern auch in Sachen Humor. Also Maschinengewehrdialoge, absurde Situationskomik und eine starke Abhängigkeit von/übermäßige Verwendung der Metaebene. Mit letzterem will man gefühlt intelligent wirken, am Ende erstickt der Witz jedoch gerne unter seinen ganzen Ebenen.

Um das allerdings kurz in den richtigen Kontext zu setzen: Ich bin da vermutlich zu sehr Monty Python, Badesalz & Co. verseucht (danke, Don Quichotte!). Ich fand die anderen genannten Serien sowie ihre vielfach ausgezeichneten Konkurrenten entsprechend ebenfalls nur bedingt amüsant. Unterhaltsam, ja. Zum Schreien? Nein. Zum Glück ist Humor eine subjektive Sache.

Allerdings muss ich (und Lysanda) auch ganz klar sagen, dass die Hauptcharaktere einem häufig wenig Grund zum Lachen gaben:

  • Star Trek: Lower Decks (CBS-Promobild)

    Beckett Mariner, Tochter des Captains, hat gefühlt schon alles erlebt und tritt trotzdem auf der Stelle. In einer Selbstvernichtungsspirale gefangen spielt sie die Rebellin und Regelbrecherin, nur um nicht aufzusteigen. Das war am Anfang noch eine nette Idee, um die Erwartungen zu unterwandern. Aber es fast die ganze Serie hinweg durchzuziehen war irgendwann nur noch anstrengend mit anzusehen.

  • Brad Boimler, der Gegenpol zu Mariner, der im Gegenzug von ihr ständig gemobbt wird. Keine Ahnung, warum wir das im Jahr 2026 noch lustig finden sollen. Uns tat er einfach nur leid. Motiviert, die Werte der Sternenflotte hochzuhalten, alles richtig zu machen und so irgendwann zum Captain aufzusteigen, werden ihm ständig Steine in den Weg gelegt.
  • D’Vana Tendi, die Undercover-Orionerin, hat schon ein bisschen was von Persönlichkeitsstörung. Auf der einen Seite die naive, angehende Wissenschaftlerin und auf der anderen die harte Piratenbraut. Es fühlte sich häufig so an, als hätten sich die Autoren in eine Sackgasse geschrieben und mussten dann Tendis “dunkle” Vergangenheit hervorholen, um den Tag zu retten. Unter dieser Dichotomie litt ihre Glaubwürdigkeit. Aber von den vieren tatsächlich noch der sympathischste Charakter.
  • Der intelligente, aber total naive Ingenieur. Und ja, weder Lysanda noch ich wussten noch seinen Namen: Sam Rutherford. Noch so ein Charakter, der einem die meiste Zeit einfach leid tat und ansonsten gefühlt wenig Profil hat.

Ja, es ist eine lustige Zeichentrickserie. Da dürfen und müssen vielleicht sogar die Charaktere überzeichnet sein. Keine Frage. Aber so dämlich z.B. der fitnessbessene 1. Offizier Jack Ransom auch ist: Er erfüllt seinen Zweck und hatte, wenn nötig, seine normalen Momente. Bei drei von unseren vier Hauptcharakteren hatten wir aber die meiste Zeit eher das Gefühl immer und immer wieder den gleichen Blödsinn auf dem Bildschirm zu sehen. Und Witze werden nicht besser nur, weil man sie wiederholt.

Beim Christoph meint: Star Trek: Lower Decks war definitiv die zweitbeste NuTrek-Serie, die wir konsumiert haben. Platz 1 belegt weiterhin Star Trek: Prodigy. Obwohl wir mit dem Humor nicht ganz so viel anfangen konnten und auch die Charaktere bei uns nicht so gezündet haben, wie es die Autoren es sich vielleicht erhofft hatten: Die Serie war nah an dem dran, was ich persönlich (scheinbar) von Star Trek erwarte. Es war entsprechend (zusammen mit der kurzen Laufzeit) nicht schwer für uns eine Episode an die nächste zu hängen. Trotz der Defizite haben wir gerne die kurzweiligen Abenteuer der USS Cerritos miterlebt.

Für Star-Trek-Fans definitiv ein Muss. Wer allerdings bislang nichts mit Star Trek am Hut hat, wird hier nicht glücklich werden. Es geht aus meiner Sicht zu viel verloren, wenn man nicht das entsprechende Vorwissen hat.

Star Trek: Picard (CBS-Promobild)

Da hat man einen der ikonischsten Charaktere des gesamten Franchises, Jean-Luc Picard, und entschließt sich dazu, ihm nochmal eine eigene Serie zu widmen. Man versucht es auf dem Papier richtig zu machen. Beispielsweise die (vielleicht nicht so zielführenden?) Wünsche von Sir Patrick Stewart zu berücksichtigen, damit er überhaupt an Bord kommt. Also keine Reunion-Show oder sowas. Stattdessen baut man auf sein Alter (sowohl in der Fiktion, als auch der Realität) als zentrales Element. Der müde Admiral, der schon alles gesehen und erlebt hat, immer noch mit dem Tod seines besten Freundes hadert und als altes Relikt irgendwo im Nirgendwo vor sich hinvegetiert, bis plötzlich wieder das Abenteuer ruft. Eine ruhigere und vor allem persönlichere Geschichte also. Zumindest so der Ersteindruck von Star Trek: Picard. Leider geht dann doch irgendwie wieder alles den Bach runter und die ganze Galaxie ist in Gefahr. Und zwar in jeder gottverdammten Staffel. Können die nuTrek-Autoren echt NICHTS anderes?! Reicht es nicht mal einfach nur einen Planeten zu retten?!

Immerhin eine Emotion

Gott, ich bin so wütend. Das kann ich gar nicht richtig in Worte fassen. In der Rick Berman-Ära wurde viel Mist gebaut. Keine Frage. Aber was Kurtzman und seine Crew im Live-Action-Bereich jedes Mal für einen absoluten Schwachsinn auf den Fernseher werfen, ist so unfassbar und offensichtlich am Thema vorbei… das kann nur noch Vorsatz sein.

Verstehen echt nur die Zeichentrick-/Animationsserienmacher, was Gene Roddenberry mit seinem “Western im Weltall” eigentlich bezweckt hat? Uns einen positiven Blick in die Zukunft zu geben. Eine erstrebenswerte Utopie zu zeigen, die sicherlich nicht perfekt ist, aber in der der Grundtenor dennoch ein hoffnungsvoller ist. Und bevor ihr jetzt in die Kommentare springt: Ja, auch ich habe durchaus auf Roddenberrys Vision geschimpft, weil sie künstliche, erzählerische Limits erzeugt hat. Aber die Autoren haben es trotzdem geschafft sowohl seine Vision einer besseren Zukunft als auch die Realität miteinander zu verbinden ohne gleich alles nur noch tiefschwarz darzustellen.

Live-Action-nuTrek zeigt uns hingegen was? Welche “Message” verbreitet es? Aus meiner Sicht keine. Es hat nichts zu sagen. Es ist ein belangloses Abenteuer. Was okay wäre, wenn kein “Star Trek” draufstehen würde. Deswegen muss die Gefahr so existentiell sein. Einfach, um das zu überdecken. Dabei will es möglichst “edgy” sein. Dazu haut es mit hohem Tempo ein paar uninspirierte Actionszenen, vermischt mit pseudo-emotionalen Momenten raus, damit der Zuschauer denkt es wäre eine kohärente Erzählung mit Tiefgang. Und nutzt dabei eine Sprache, die eher nach “so glauben Teenager, dass Erwachsene reden” klingt. Roddenberry- und Berman-Trek war hingegen anspruchsvoller (und in Stil und Sprache von Shakespeare inspiriert). Es hat den Charakteren Raum gegeben. Sie vor moralische Dilemmata gestellt. Ihnen überschaubarere Hindernisse in den Weg gestellt – so bescheuert sie manchmal auch waren. Und vor allem hatte es den Mut für Pausen. Einfach mal Besprechungen gezeigt, die nicht mit Maschinengewehr-Schnitten und ständigen Kamerafahrten “aufgelockert” werden mussten. Außerdem glaubhafte, normale Gespräche zwischen zwei Menschen außerhalb von ständigen Extremsituationen. Das findet man in nuTrek (und vielleicht auch einem Großteil der aktuellen Medienlandschaft?) nur vereinzelt.

Zurück zum Thema

(Cover)

Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal zu diesem “alter Mann schreit die Wolken an”-Klischee werden würde. Möglicherweise ist genau das das Problem. Dass ich zu alt geworden bin für Star Trek. Vielleicht bringt nuTrek ja tatsächlich einer neuen Generation gute Werte bei oder bringt sie zumindest dazu den “alten Kram” mal anzuschauen. Ändert aber nichts daran, dass ich als alter Sack trotzdem nur mit dem Kopf schütteln kann und der verschwendeten Lebenszeit hinterher trauere.

*tief ein- und ausatmen* Komm wieder runter, Sicarius… es ist nur eine Fernsehserie. Im Gegensatz zu manchem Trekkie/Trekker/Star-Wars-Fan definiert sie nicht dein Leben und deine Persönlichkeit. Schauen wir uns also Star Trek: Picard mal genauer an:

Rückkehr einer Ikone

Staffel 1 – Data lebt irgendwie und doch nicht

Star Trek: Picard (CBS-Promobild)

Im Jahr 2385 – der Cliffhanger der 2. Staffel von Star Trek: Prodigy – gab es einen schweren Zwischenfall auf den Utopia-Planitia-Flottenwerften auf dem Mars. Die dort arbeitenden Androiden (nicht auf dem Niveau von Data) erhoben sich gegen ihre Auftraggeber, töteten 10.000 Bewohner und zerstörten alle Raumschiffe vor Ort. Parallel leitete Admiral Picard die Rettungsmission der Romulaner, deren Planet Romulus 2087 von einer Supernova vernichtet wird (siehe Stark Trek (2009)). Als Konsequenz auf den Angriff verbietet die Föderation jedwede Art von künstlichen Lebensformen und bricht die – scheinbar ziemlich unbeliebte – Rettungsaktion unter Protest von Picard ab. Wie beides zusammenhängt? Gar nicht. Purer Zufall.

Auf jeden Fall sind wir jetzt im Jahr 2399 und Picard hat sich auf seinen Landsitz in Frankreich zurückgezogen. Geplagt von Data-Träumen und unterstützt von einem Romulanerpärchen, “genießt” er seinen Ruhestand. Eines Tages taucht jedoch ein Mädchen, Dahj, bei ihm auf. Stellt sich heraus, dass sie ohne ihr Wissen ein Android ist. Und zwar nicht nur ein Android, sondern einer basierend auf Data. Wir lernen anschließend, dass so ein Android nicht allein existiert und die Jagd nach ihrem Zwilling beginnt. Der ist auf einem Borgkubus in der neutralen Zone, der unter der Leitung von Romulanern erforscht und ausgeschlachtet wird. Picard holt sich dazu sowohl bislang unbekannte als auch bekannte Unterstützung (Riker, Troi, 7of9). Zum Abschluss geht es auf einen Planeten voller (weiblicher) Data-Abkömmlinge, die einer mysteriösen Maschinenrasse den Zugang zu unserer Galaxie verschaffen möchte. Die Romulaner wissen schon länger davon und haben deshalb den Angriff auf den Mars inszeniert und machen seitdem Jagd auf jedwedes künstliche Leben. Neben einem Soong (wie viele von denen gibt es, die Robotikforschung betreiben?!), ist auch ein Teil des echten Data auf dem Data-Klonplaneten, der bei der Explosion des remanischen Raumschiffs Scimitar nicht zerstört wurde.

Am Ende kann sich Picard also “richtig” von Data verabschieden und so seinen Frieden finden. Die Gefahr von der Maschinenrasse wird gleichzeitig in buchstäblich einer Minute gebannt und die Romulaner in ihre Schranken verwiesen. Daraufhin wird der Bann auf künstliche Lebensformen zurückgenommen. Ende gut, alles gut.

Beim Christoph meint: Die Staffel fängt halbwegs gut an – wenn man vom Intro absieht, das ähnlich wie bei Star Trek: Discovery, minimalistischer Mist ist. Wir alle waren schließlich mit Datas Tod ziemlich unglücklich. Durch Picard also zu versuchen es “wieder gut” zu machen, ist als Prämisse nicht verkehrt. Selbst, dass abseits von B4 Teile von Data überlebt haben und es jemand geschafft hat daraus neue Androiden zu basteln ist okay. Und die Sache mit dem Borgkubus ist eine gute Gelegenheit 7of9 sowohl in Szene zu setzen, als auch ihr Hadern mit ihren zwei Ichs zu thematisieren. Picard und sie sind aber leider die einzigen wirklich guten Charaktere der Serie. Das ist jedoch nicht den Autoren von Star Trek: Picard zu verdanken. Es liegt stattdessen einzig und allein daran, dass wir als altgediente Zuschauer die beiden schon so gut kennen und sie darauf aufbauen. Die Neulinge (und das dazugehörige Raumschiff) sind hingegen ziemlich vergessenswert.

Je weiter die Staffel allerdings voranschreitet, desto schlimmer wird’s. Der ganze Kram mit einer Galaxieuntergangsvision, die töten kann, wenn man sie erlebt (nur nicht eine unserer Protagonistinnen?). Der Romulaner, der mit dem Inhalt seiner Hose denkt. Riker und Troi mit nervigem Kind und einer tragischen Geschichte, die ziemlich unerklärt bleibt. Und dann dieses bescheuerte Finale inkl. dem üblichen Zurückschrecken davor tatsächlich etwas undenkbares zu tun. Ja, da wurde jedwedes Potential, das die Serie zeigte, mit voller Wucht wieder zerstört.

Staffel 2 – COVID-19 schlägt zu

Star Trek: Picard (CBS-Promobild)

“Star Trek” klingt irgendwie nach Weltraum und so. Warum also nicht eine ganze Staffel auf der Erde im 21. Jahrhundert verbringen? Okay, 2-3 Folgen spielen im 24. Jahrhundert bzw. in einer alternativen Zeitlinie, in der das terranische Imperium die ganze Galaxie versklavt hat (inkl. der Borg). Es handelt sich allerdings explizit NICHT um das Spiegeluniversum! Nur, damit das klar ist. Aber die meiste Zeit sind wir im Jahr 2024. Und wer ist schuld? Q natürlich. Angeblich im Sterben liegend, will er Picard nochmal so richtig auf den Prüfstand stellen. Das hat zwar mit dem Jahr 2024 wenig zu tun, sondern es geht um das Schicksal seiner Mutter und den dazugehörigen Vorwürfen, die Picard sich macht. Aber wenn das Budget fehlt und man zusätzlich pandemiebedingten Einschränkungen unterliegt, macht man halt das Beste draus. Dazu gehört auch eine Borgkönigin mitzuschleppen, die logischerweise nichts Gutes im Schilde führt. Aber durch eine Verschmelzung mit Dr. Jurati (eine der Neuen) entsteht schlussendlich eine gute Variante der Borg. Yippie!

Picard hingegen lernt was Neues über sich selbst, besteht dadurch Qs Prüfung und er und seine Crew kehren zurück in ihre richtige Zeit. Dort treffen sie auf die gutmütige Borgkönigin und arbeiten gemeinsam daran einen Weltraumfurz davon abzuhalten die Galaxie zu zerstören. Wobei das “gemeinsam” daraus besteht ein halbes Dutzend Sternenflottenschiffe mit einem monströses Borgschiff zu verbinden, um ein Schild aufzubauen. Das war sowas von unbeschreiblich enttäuschend…

Beim Christoph meint: Was für eine lahme und absolut langweilige Staffel. Die Prämisse ist total doof. Das Setting zum Einschlafen. Der Charakter Q wird total verschwendet und hat nicht einmal Ansatzweise den Biss und Charme aus der Serie. Picards Erforschung seiner Vergangenheit wird unnötig in die Länge gezogen. Und die “Rahmenhandlung” mit dem Borgschiff, das plötzlich auftaucht, ist so dermaßen künstlich, da ist im Vergleich ein Tamagotchi ein echtes Haustier. Ach und es kommt auch noch ein Soong plus künstlich erschaffene Lebensform drin vor. Was für eine Verschwendung von Zeit und Geld.

Staffel 3 – Die volle Nostalgiebreitseite

Star Trek: Picard (CBS-Promobild)

Dr. Beverly Crusher, seit 20 Jahren verschollen, sendet einen Notruf an Picard. Er macht sich zusammen mit Riker auf die Suche. Dazu stehlen sie indirekt die U.S.S Titan auf der 7of9 als 1. Offizier dient. Sie finden Beverly mit ihrem Sohn (=Picards Sohn) sowie eine ziemlich verrückte Kopfgeldjägerin mit einem Superschiff. Im Laufe der Staffel kommt heraus, dass eine auf Rache sinnende Fraktion der Wechselbälger die Föderation unterwandert hat und sie zerstören will. Wobei am Ende die alte Borgkönigin (von der neuen ist keine Rede mehr) die eigentlichen Fäden in der Hand hat. Die hat es auf Picards Sohn abgesehen, der warum auch immer Borg-DNA in sich trägt und dadurch andere Personen übernehmen kann (was?!).

Naja, Picard sammelt nach und nach die alte Crew ein (inkl. dem echten Data). Stiehlt mit ihr die alte Enterprise-D (technisch gesehen nur die Hälfte) und zerstört abermals die Borg, um den Tag zu retten. Ach und am Ende bekommt 7of9 ihr eigenes Kommando. Nämlich über die Enterprise-J. Eine selten dämliche Entscheidung. Also nicht, dass sie Captain wird. Nein, dass die Autoren die U.S.S Titan umbenennen. Welchen Sinn und Zweck hatte das?! :roll:

Beim Christoph meint: Nun also doch. Obwohl es Sir Patrick Stewart nicht wollte, entschied man sich für die 3. Staffel die alte TNG-Mannschaft aus der Versenkung zu holen. Und ja, diese Staffel fühlt sich sofort ganz anders an. Viele Weltraumszenen, viel Zeit auf echten Sternenflottenschiffen, klassischere Kämpfe, bessere Musik (=weil aus den Filmen “geklaut”) und Charaktere, die wir kennen und von Leuten verkörpert werden, die es draufhaben. Es ist auch ohne Nostalgiebrille das Star Trek, was ich eigentlich erwartet habe.

Blöd nur, dass die Geschichte an sich wieder nicht funktioniert. Zum Teil, weil zu viel Kontext fehlt (was ist bei den Wechselbälgern passiert? Warum arbeiten sie mit den Borg zusammen?). Zum Teil, weil sie echt an den Haaren herbeigezogen ist (die ganze Sache mit Picards Sohn und seinen Fähigkeiten). Und zum Teil die Kopfgeldjägerin als Hauptantagonistin, die in jeder Hinsicht einfach nur bekloppt ist. Es gilt wie beim Rest von nuTrek: Etwas mehr Zurückhaltung hätte der ansonsten wirklich überraschend guten Staffel gut getan.

Gesamtfazit

Was bleibt also am Ende von Star Trek: Picard? Nun, tatsächlich erstmal ein kleiner Wermutstropfen. Die 3. Staffel war trotz all ihrer vielen großen Probleme ein echter Lichtblick am ansonsten düsteren nuTrek-Himmel. Ein Schritt in die richtige Richtung quasi. Ich bin aber dennoch nicht traurig, dass sie zu Ende ist. Zu schlecht waren die vorherigen Staffeln, zu alt und müde ist Sir Patrick Stewart mittlerweile und zu sehr war auch in der 3. Staffel sichtbar, dass die Macher nur wenig Ahnung von Star Trek haben. Insofern: Als TNG-Fan sollte man die letzte Staffel durchaus gesehen haben – weitere Vorkenntnisse sind keine erforderlich. Aber der Rest der Serie ist unterm Strich in Teilen vielleicht sogar schlechter als Star Trek: Discovery. Mein bislang ziemlich vernichtendes Urteil über Live-Action-nuTrek hat sich entsprechend nicht verändert.

Und damit bleibt nur noch der Eintrag zu Star Trek: Lower Decks übrig.

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