Sicarius

Aus der Playlist: Breakbeat Heartbeat – Edit

Dass ich mitunter eine Version eines Albums besitze, die es beispielsweise nur als Beilage zu einer Collector’s Edition eines Videospiels gab, ist jetzt nichts Neues. Aber heute stelle ich euch ein Werk vor, dessen einzige Existenzhinweise ein Link auf eine Warez-Seite und ein unvollständiger Eintrag in einer Musikdatenbank sind. Das ist definitiv mal was Neues.

Und nein, ich habe auch keine Ahnung, woher ich überhaupt das Album habe. Auf jeden Fall nicht von irgendeiner fragwürdigen Webseite. Hat es vielleicht unser Hausgeist anno 2018 auf unseren NAS geladen? Ich werde es wohl nie erfahren. Am nächsten kommt ihm inhaltlich auf jeden Fall ihr Album Hold On – es hat auch dasselbe Cover. Also hat die Künstlerin möglicherweise ihr Werk nur leicht neu arrangiert und umbenannt.

Edit (2013)

(Cover)

Band: Breakbeat Heartbeat
Umfang: 00:38:25 (10 Lieder)
Mögliche Bezugsquellen: Hold On auf Bandcamp (Spende)

Die Künstlerin selbst schreibt auf ihrer Bandcamp-Seite, dass sie traurigen Chipbreak produziert, um sich selbst glücklich zu machen. Diese Eigenbeschreibung kann ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen. Edit mag hier und da zwar eine melancholische Note haben, aber einen sonderlich traurigen Klang höre ich nicht. Mir fallen eher Adjektive wie “nachdenklich”, “aufmunternd” oder “gechillt” ein, wenn ich das Album laufen lassen. Der fünfte Track, Hold On, ist sogar ziemlich poppig, und das dritte Lied, Brave, empfinde ich als sehr aufbauend.

Ihre Musik ist ein interessanter Mix aus klassischem Chiptune, also “Computergepiepse”, und eher houseartigen Elementen. Mit echtem Breakbeat hat das Ganze für mich weniger zu tun. Das Album lädt sehr stark zum viben ein, ohne in irgendeiner Form langweilig oder eintönig zu sein. Vielleicht eher unaufdringlich, allerdings auf eine positive Art und Weise. Egal ob beim Schreiben, beim Videoschneiden oder beim Einschlafen – Edit lief die letzten Wochen sehr häufig einfach so nebenbei. Quasi ein Hintergrundsoundtrack, der aber mehr zu bieten hat als das langweilige Gedudel in vielen Open-World-Spielen.

Persönliches Lieblingslied: Track 02 – Delta [04:17]

Vermutlich das treibendste Lied auf der CD. Beim ersten Hören erinnerte es mich an den (wirklich guten) Soundtrack zu Cave Story, nur melodischer und weniger “Videospielfeeling”. Das Grundmotiv ist eingängig und ja, die Percussion-Elemente kommen hier dem klassischen Breakbeat wohl am nächsten. Aber im Widerspruch zum restlichen Album gefällt es mir, glaube ich, gerade deshalb so gut, weil es etwas Tempo hat.

Sicarius

Schau doch mal wieder fern! – Edition 2026

Das Filme-Regal ist grad etwas unordentlich.

Lang, lang ist es her, da habe ich euch die Top 10 meiner absoluten Lieblingsfilme “aller Zeiten” vorgestellt – mit Stand Januar 2013. Seitdem bin ich nicht nur in den Genuss vieler weiterer Werke gekommen. Auch ich und mein Geschmack haben sich einfach verändert. Es wird also mal höchste Zeit die damalige Liste zu aktualisieren.

Das fiel mir übrigens leichter, als ich anfangs dachte. Selbstverständlich ist die Liste der möglichen Kandidaten größer als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Aber am Ende des Tages gibt es dann doch irgendwie nur eine Handvoll von Werken, die einem wirklich im Gedächtnis bleiben. Und umgekehrt fiel es mir auch irgendwie nicht sonderlich schwer den notwendigen Platz auf der alten Liste zu schaffen.

Diese sah 2013 übrigens so aus:

1. Gesprengte Ketten*
2. Rain Man*
3. Das Boot*
4. Armee der Finsternis*
5. M*
6. Blues Brothers*
7. Jackie Brown*
8. TRON: Legacy*
9. Vernetzt*
10. The Crow – Die Krähe*

Und hier zum Vergleich direkt und ohne weitere Umschweife die neue Top 10 meiner absoluten Lieblingsfilme (Stand 2026). Wobei sich tatsächlich weniger geändert hat, als ihr vielleicht erwartet hättet:

1. Die 12 Geschworenen* (12 Angry Men, 1957, Sidney Lumet)

Das ursprüngliche Fernsehspiel von 1954, damals live übertragen, kann man sich übrigens bei YouTube anschauen. Die Qualität der Aufnahme ist gelinde gesagt beschissen, aber das Gezeigte ist immer noch extrem spannend und liefert einen faszinierenden Einblick in das menschliche Verhalten. Das gilt auch uneingeschränkt für die erste Verfilmung aus dem Jahr 1957 mit Henry Fonda. Es gibt nur ein Set, das Geschworenenzimmer, und doch wird es in den 96 Minuten nie langweilig. Dabei zuzusehen wie der Geschworene Nr. 8 nach und nach die anderen davon überzeugt, dass vielleicht doch nicht so alles eindeutig und klar ist, wie sie glauben, ist ein fantastisches Schauspiel.

Am allerwichtigsten ist dabei, dass Nr. 8 nicht irgendwie seinen Charme spielen lässt, oder als der große Macker auftritt. Die anderen also nur auf irgendeine Art überredet. Nein, er hinterfragt einfach nur die Dinge und zeigt so nicht nur die Lücken im Fall auf, sondern auch die Vorurteile, die jeden von uns tagtäglich begleiten und was sie mit uns machen. Einfach der helle Wahnsinn. An diesem Film kann ich mich absolut nicht satt sehen.

Rain Man (MGM-Promobild)

2. Rain Man* (1988, Barry Levinson)

“Nein, Sicarius. Nicht schon wieder den Soundtrack anmachen! Du hast ihn doch wahrlich schon oft genug gehört. *Hans Zimmers Leaving Wallbrook/On The Road ertönt durch die Boxen* Ähm, ja was soll ich sagen? Nimmt mich immer noch jedes Mal emotional sehr mit, dieses Machwerk.

3. Das Boot* (1981, Wolfgang Petersen)

Muss ich wieder die nervenaufreibende Fahrt durch die Meerenge von Gibraltar erwähnen? Nein? Gut. Immer noch einer, wenn nicht sogar der beste Kriegsfilm(miniserie) aller Zeiten. Und wenn ihr ihn immer noch nicht gesehen habt, dann ist euch auch nicht mehr zu helfen. *hmpf*

4. Der große Crash – Margin Call* (Margin Call, 2011, J. C. Chandor)

Es wurden mittlerweile so einige Filme über die Finanzkrise von 2008 gedreht. Keinen davon habe ich so oft gesehen, wie diesen hier. Möglicherweise habe ich sogar überhaupt noch keinen Film so oft gesehen. Schon allein das Meeting der Senior Partner versetzt mich jedes Mal wieder in Ehrfurcht. Diese an Perfektion grenzende Inszenierung, bei der die Machtverteilung im Raum allein durch Präsenz und Worte transportiert wird. Eine fantastische Meisterleistung sowohl des Regisseurs, aber auch von Jeremy Irons als Firmenchef. Ich empfehle dazu übrigens dieses Video von Bezel Media, wenn ihr genauer erfahren wollt, was hier alles passiert. Und das zieht sich durch den gesamten Film hindurch. Ein wirklich beeindruckendes Drama mit einer perfekten Besetzung. Sobald mir auf YouTube ein Clip eingespielt wird, kann ich der Versuchung faktisch nie widerstehen und am Ende ist es 1 Uhr und ich habe schon wieder einen Großteil des Films verschlungen :smile: .

5. John Wick* (2014, Chad Stahelski & David Leitch)

Noch so ein Werk, das ich bereits öfters gesehen habe, als ich öffentlich zugeben wollen würde. Dabei ist es oberflächlich betrachtet so ein simpler Film. Ein paar böse Jungs erschießen bei einem Hauseinbruch einen Hund und der Besitzer, ein ehemaliger Auftragskiller, begibt sich anschließend auf einen brutalen Rachefeldzug. Aber John Wick nimmt sich gleichzeitig so bierernst und ist dabei doch so völlig überdreht, dass am Ende eine geniale Achterbahn entsteht, vollgestopft mit richtig cooler Action und vielen zeitlosen Szenen. Und ja, der erste ist irgendwie immer noch der beste der Reihe.

Blues Brothers (Universal Pictures-Promobild)

6. Blues Brothers* (The Blues Brothers, 1980, John Landis)

Der Markt an unterhaltsamer Action ist groß (siehe auch Platz 5 dieser Liste). Aber Actionfilme die alles gelungen kombinieren? Also unterhaltsame Action, die richtige Prise Humor, einen richtig guten Soundtrack und vor allem sehr viel Herz? Kenne ich nur wenige und davon kommt einfach weiterhin keiner an Jake und Elwood Blues göttlicher Mission heran.

7. Jackie Brown* (1997, Quentin Tarantino)

Ja, es steht immer noch Tarantinos 3. Werk an dieser Stelle. Sind objektiv betrachtet seine anderen Filme besser (mit Ausnahme von Death Proof – Todsicher vielleicht)? Garantiert. Aber der Vibe des Films, wie man heutzutage so schön sagt, ist für mich einfach weiterhin ungeschlagen. Das Gesamtpaket ist schlicht perfekt.

8. TRON: Legacy* (2010, Joseph Kosinski)

Warum ist dieses Franchise so verflucht? Alles was Disney hätte tun müssen wäre eine direkte Fortsetzung hinterher zu schieben. Aber nein, für mehr als die (wirklich gelungene!) Animationsserie TRON: Der Aufstand reichte es am Ende nicht. Stattdessen jetzt 15 Jahre danach TRON: Ares… Wie gut, dass TRON: Legacy auch heute noch ein wirklich gelungener Film mit einem fantastischen Soundtrack ist. Da kann Disney tun und lassen, was sie wollen: Das können sie uns (noch?) nicht wegnehmen.

9. Der Staatsfeind Nr. 1* (Enemy of the State, 1998, Tony Scott)

Ich hab’ tatsächlich länger überlegt, ob ich nicht lieber Franzis Ford Coppolas‘ Der Dialog* (The Conversation, 1974) an diese Position stecke. Zur Erinnerung: Das ist im Prinzip der Vorgänger im Geiste zu Scotts Überwachungsthriller – ebenfalls mit Gene Hackman. Aber auch, wenn ich meine gemächlichen Filme genauso mag wie ein gutes Actiongewitter, muss ich doch eingestehen, dass in diesem Fall genau diese frenetischere Inszenierung das Pendel zugunsten Der Staatsfeind Nr. 1 ausschlagen lässt. Noch erschreckender ist, dass die heutigen Überwachungsmöglichkeiten das im Film Gezeigte bei weitem übertrifft. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen fesselt er mich jedes Mal wieder an meinen Stuhl, wenn ich ihn einlege.

The Crow (Miramax Film-Promobild)

10. The Crow – Die Krähe* (The Crow, 1994, Alex Proyas)

2013. Was für ein Jahr. Es war der Beginn von Phase 2 des Marvel-Kinouniversums mit Iron Man 3 und Thor – The Dark Kingdom. Was waren wir damals alle noch so voller Hoffnung. Mittlerweile werden wir regelrecht überschwemmt von Superheldenfilmen ohne Inhalt und Seele, stattdessen vollgepackt mit schlechten CGI-Effekten. Entsprechend kommt für mich in Sachen Comicbuchverfilmungen einfach weiterhin nichts an The Crow ran. Ein immer noch optisch wie inhaltlich beeindruckendes und mitreißendes Werk. Bitte? Nein, es gab nie eine Fortsetzung. Wer behauptet denn sowas?

Die Änderungen

So viel also zur neuen Top 10. Aufmerksame Leser werden festgestellt haben, dass ich die vier Filme Gesprengte Ketten, Armee der Finsternis, M und Vernetzt rausgeworfen habe, um für die Neuzugänge Platz zu machen. Für sich betrachtet selbstverständlich immer noch sehr gute Filme, die ihr unbedingt gesehen haben müsst. Aber es fühlte sich einfach nicht mehr richtig an, sie noch in so einer hochkarätig besetzten Liste zu belassen.

Und ja, ich bin mir bewusst, dass mit Gesprengte Ketten auch meine ehemalige Nr. 1 geflogen ist. Das liegt interessanterweise an dem, was ich früher so unterhaltsam am Film fand: Die lockere Art und Weise, wie speziell Steve McQueens Charakter inszeniert ist und so das bierernste Thema auflockerte. Aber heutzutage wirkt diese Lockerheit auf mich stellenweise fast schon unpassend gegenüber dem eigentlichen Thema. So richtig erklären kann ich es nicht. Es ist jedoch der Grund, warum er rausgeflogen ist. Stalag 17* ist objektiv vermutlich der weniger perfekte Film, subjektiv greife ich heute aber lieber zu ihm.

PS: Nein, aus der zweitägigen Watchparty, über die damals in den Kommentaren diskutiert wurde, ist dann doch nichts geworden :sad: .

Sicarius

Die Geschichte eines Strategiespiels

“Besser als Tolkien!”, “Ich musste es in einem Rutsch lesen!”, “Wunderbar und gut erzählt.” – bin ich der Einzige, der solche Zitate irgendwelcher mehr oder weniger prominenter Leute auf dem Buchrücken dämlich findet? Bei mir führen die eher dazu, dass ich das Buch nicht kaufe als umgekehrt. Meine Gedanken gehen dann in Richtung: “Wenn ein Werk diese Art von Marketing nötig hat, dann kann es ja nichts taugen”.

So extrem, wie beim folgenden Werk, habe ich es allerdings noch nicht gesehen. Da wurde nicht nur der Buchrücken, sondern auch das Cover sowie die ganze erste Seite (!) vollgepflastert mit Lobpreisungen. Echt bescheuert. Den Kickstarter habe ich damals trotzdem unterstützt, weil der Inhalt interessant klang. Lasst uns also mal schauen, ob die Lobpreisungen recht haben:

(Cover)

Monsters in the Dark: The Making of X-COM: UFO Defense Special Edition* (David L. Craddock; 2021) – Der Unterschied zwischen der normalen Edition des Buchs und der Special Edition besteht in den abgedruckten Interviews ab Seite 155 von 273. Eigentlich sollte es diese Edition nur exklusiv für Unterstützer der Crowdfunding-Kampagne geben. Aber offensichtlich bekommt man sie bei Amazon jetzt doch auch so zu kaufen. Bleiben wir also erstmal bei den Interviews, bevor ich zum eigentlichen Text komme. Stellt sich schließlich die Frage, ob sie den Aufpreis wert sind.

Die Bonusinhalte

Beworben werden diese Interviews vollmundig auf der Buchrückseite mit Aussage wie “Werde Zeuge der Herausforderungen der Entwicklung von X-COM: Apocalypse“ und “Lerne wie die Tester von MicroProse um X-COMs Release kämpften”. Die Realität ist allerdings eher ernüchternd. Es hat schon seinen Grund, warum Craddock sie nicht im Hauptteil des Buches verwendet hat.

So ist es zwar nett, dass Komponist John Broomhall selbst zu Wort kommen darf, aber er hat das gleiche Problem wie Rob Hubbard in seinem Buch: Er kann sich nur noch wenig an Details erinnern. Entsprechend plätschert das Interview nur vor sich hin. Die übrigen Interviews geben zwar einen kleinen Einblick in den Arbeitsalltag damals bei MicroProse und die Entstehung des Open-Source-Klons OpenXcom. Sie bleiben aber ebenfalls erstaunlich belanglos.

Das Kaufargument

Diese Interviews sind aus meiner Sicht also allesamt den Aufpreis nicht wert. Bleibt noch das zu X-COM: Apocalypse. Mit 44 Seiten ist es immerhin das Längste im Buch. Craddock konnte – wie er selbst zugibt -, aber daraus keinen richtigen Text basteln. Er hatte als Basis faktisch nur ein Gespräch mit Julian Gollop. Andere Personen fand er entweder nicht oder sie wollten nicht mit ihm reden. Ja, Gollop hat als Erfinder der Serie und Lead Designer von UFO: Der unbekannte Gegner und X-COM: Apocalypse natürlich einiges zu erzählen, aber es fehlen dennoch die zusätzlichen Stimmen und weiteren Perspektiven aus dem vorderen Teil des Buches.

Und dass diese zwingend gebraucht werden, sieht man an den Aussagen von Stephen Hand (damals Producer bei MicroProse). Craddock konfrontierte ihn mit Gollops Antworten und hat sie ins Interview eingewoben. Dabei wird ein deutlicher Widerspruch sichtbar. Auf der einen Seite Gollops “Der Publisher ist an allem Schuld”-Darstellung (leichte Übertreibung von mir). Auf der anderen die Sichtweise von MicroProse auf das Entwicklerstudio Mythos. Wobei Hand auch deutlich sagt, dass beide Seiten hier Schuld tragen. X-COM: Apocalypse ist hier entsprechend eher der Aufhänger als das eigentliche Thema der Interviews.

Das eigentliche Buch

UFO: Der unbekannte Gegner (Herstellerbild)

Stellt sich nun die Frage, was man als Käufer der Nicht-Special-Edition bekommt. Die Antwort: 155 Seiten in vergleichsweiser großer Schrift geschriebener Fließtext. Zuerst geht es um Julian Gollop selbst: seine Herkunft, seine Inspirationen und seine Anfänge in der Spieleindustrie. Dabei wird ganz klar ein roter Faden sichtbar, der sich durch sein gesamtes Tun sowohl vor als auch nach seinem ersten großen Hit zieht. Anschließend geht es ins Eingemachte. Also wie wurde UFO: Der unbekannte Gegner zu dem Spiel, das es heute ist und mit welchen Herausforderungen hatten alle Beteiligten zu kämpfen.

Die Detailtiefe ist dabei mitunter nicht so tief, wie man es sich vielleicht als jemand wünschen würde, der die Spieleindustrie etwas besser kennt. Craddock langweilt einen in dem Sinne nicht mit technischen Erklärungen und sowas. Aber es ist völlig ausreichend, um ein wirklich gutes Bild der damaligen Zeit zu bekommen. Da stört mich tatsächlich mehr, dass es nach dem Release des Spiels faktisch aufhört. Es gibt nur wenige Worte über die Folgen und Auswirkungen des Spiels auf die Entwickler, den Publisher und die Spieleindustrie als Ganzes. Stattdessen gibt es hauptsächlich noch Werbung für Phoenix Point, dem geistigen Nachfolger aus Gollops Feder. Da hätte ich mir mehr Einordnung und Kontext gewünscht, um das Ganze besser abzurunden. Hier ist dann tatsächlich die Special Edition im Vorteil, denn im erwähnten Interview zu X-COM: Apocalypse gibt es ein wenig davon.

Fazit

Unterm Strich bekommt Monsters in the Dark: The Making of X-COM: UFO Defense Special Edition von mir grad so 4 von 5 Sics. Für Fans des Spiels, die mehr über die Hintergründe wissen wollen und Leute, die sich für die damalige Spieleindustrie interessieren, gibt es einen wirklich informativen Einblick. Es ist dabei überraschend kurzweilig geschrieben und vermischt gekonnt Zitate mit romanartigem Fließtext statt sich in technischen Details oder großartigen Aufzählungen zu verfangen. Von mir also eine Kaufempfehlung. Einzige Einschränkung: Das Buch steht nur auf Englisch zur Verfügung.

Sicarius

Ein Anime zum Mitfühlen

Es ist noch eher selten, dass ich derjenige bin, der Animes oder gar Mangas aussucht. Die Gefahr etwas zu kaufen, das meiner geliebten Lysanda nicht gefällt, ist trotz zehn Jahren Ehe immer noch ziemlich hoch. Aber manchmal lasse ich mich dann doch dazu hinreißen ohne Rücksprache mit ihr etwas mehr bei Anime Planet in den Warenkorb zu packen, als geplant.

Achtung, nutzloses Wissen voraus: Anime Planet ist quasi der Fabrikverkauf von KSM Anime, einem Label von PLAION PICTURES. Das wiederum ist, genauso wie Deep Silver, ein Tochterunternehmen von PLAION. Und wer jetzt denkt: “Deep Silver? Gehörten die nicht zu Koch Media?!” – Bingo! Die haben sich 2022 umbenannt. War scheinbar nach 28 Jahren nicht mehr “in”. Und um den Videospiele-Kreis endgültig zu schließen: Koch Media wurde schon 2018 von THQ Nordic gekauft – heutzutage bekannt als Embracer Group. Die Welt ist klein, ich weiß. Aber immerhin taugt die Anime-Abteilung was.

Doch zurück zu meinem Warenkorb bei Anime Planet: Die heruntergesetzten Komplettboxen von Der Graf von Monte Christo – Gankutsuô* und NANA* fanden beim letzten Einkauf ihren Platz darin. Sie klangen interessant und die Bewertungen auf den einschlägigen Portalen (aniSearch) sind sehr gut. Aber waren sie das auch? Nun, darum sind wir heute hier :wink: :

(Cover)

NANA* (2006-2007; 47 Episoden, DV) – Fangen wir gleich mit der Schattenseite der Serie an: Sie ist unvollständig. Zwar haben die Macher versucht in der letzten Folge zumindest ein bisschen Abschluss reinzubringen. Aber wie leider bei vielen Anime, hört auch diese Geschichte trotzdem einfach mittendrin auf und lässt den Zuschauer unbefriedigt zurück.

In diesem Fall muss ich das Produktionsunternehmen Madhouse allerdings ausnahmsweise ein wenig in Schutz nehmen: Der Manga ist mit seinen 21 Sammelbänden ebenfalls nicht abgeschlossen. Und im Gegensatz zum Anime, gibt es dort einen verdammt großen Cliffhanger, der seit 2009 nicht aufgelöst wurde. Die Mangaka Ai Yazawa erkrankte damals und ist seitdem wohl nicht mehr wirklich in der Lage zu zeichnen. Zwar beteuert sie hin und wieder, dass sie den Manga irgendwann abschließen möchte. Aber es scheint ihr leider nicht möglich zu sein und jemand anderes ihre Gedanken auf die Seiten bringen lassen, ist ebenfalls nicht drin. Das ist extrem schade.

Eine schicksalshafte Begegnung

NANA ist ein Slice-of-Life-Anime/-Manga. Die Hauptfiguren sind Nana “Hachi” Komatsu und Nana Osaki. Ja, sie haben zufällig den gleichen Vornamen. Es ist ebenfalls nur purer Zufall, dass sie sich im Zug nach Tokyo treffen. Beide wollen dort ein neues Leben anfangen. Hachi will nach einem Jahr Fernbeziehung endlich wieder bei ihrem Freund Shoji sein. Nana hingegen… nun, sie ist Sängerin bei der Band Blast. Ihr ehemaliger Freund und Bandkollege Ren wurde von der viel erfolgreicheren Truppe namens Trapnest abgeworben, von der Hachi ein Fan ist. Dazu musste er nach Tokyo ziehen und sie entschied in ihrem Provinznest zurückzubleiben. Reist sie also jetzt nach Tokyo, um ihm nun doch zu folgen, weil sie ihn weiterhin liebt? Oder macht sie sich auf den Weg in der Hoffnung endlich selbst groß rauszukommen und sich so an ihm zu rächen? Spoiler: Ein bisschen was von beidem.

NANA (Madhouse-Promobild)

Auf jeden Fall treffen sich die beiden grundverschiedenen Nanas erstmals in besagtem Zug. Das naive Provinzmädel Hachi, welches gefühlt überall nur das Positive sieht und an die große Liebe glaubt, aber gleichzeitig einer Affäre mit einem älteren Mann nachtrauert und sowieso immer irgendwelche Probleme mit ihrem Liebesleben hat. Nana, die nach außen beinharte Punkrockerin, die im Inneren aber ziemlich einsam und verloren ist. Und natürlich kommt es, wie es kommen muss – sonst gäbe es die Geschichte ja nicht: Obwohl sie sich am Bahnsteig in Tokyo erstmal verlieren, bringt sie das Schicksal zügig dazu gemeinsam eine WG zu gründen.

Fortan lernen sich beide besser kennen, haben Anteil an ihrem jeweiligen Leben und spannen so ein Band zwischen sich, das weit über eine simple Freundschaft hinaus geht. Wir sehen wie Nanas Band Blast sich wiederfindet, wie ihre Beziehung mit Ren weitergeht und erleben zumindest den Anfang der “Battle of the Bands”. Hachi hingegen lässt ihr Elternhaus hinter sich, wird erwachsener, selbstständiger und muss so einige Höhen und Tiefen in der Liebe durchleben – inkl. einer Sache, die ihren weiteren Pfad von jetzt auf gleich komplett verändert.

Nah an der Tränendrüse

Trotz der ein oder anderen witzigen Situation, schwebt über der ganzen Erzählung immer eine leicht… melancholische Stimmung würde ich es nennen. Das liegt zum einen daran, dass wir hier zwei Frauen und ihre Freunde ein Stück weit begleiten, die nicht perfekt, sondern einfach nur normal sind. Wir bekommen die glücklichen Momente zu sehen, die Erfolgsgeschichten und das alltägliche Leben. Wir werden aber auch Zeuge von totalen Abstürzen. Der Blick hinter die Maske quasi, die wir alle tagtäglich aufsetzen.

Die Serie erzeugt zum anderen dadurch ein besonderes Gefühl, wie die Geschichte erzählt wird. Damit meine ich speziell die emotionalen Monologe von Nana und Hachi aus dem Off, vor allem aber nicht nur zu Beginn einer Folge. Diese klingen wie Briefe an die jeweils andere Nana, die zu einem Zeitpunkt geschrieben werden, wo man sich schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Es sind Texte voller Rechtfertigungen, Entschuldigungen, Reue und Selbstgeißelung über verpasste Chancen und Erinnerungen an schöne Momente und gemeinsame Erfahrungen, die sie verändert haben und die sie immer noch im Herzen tragen. Sie geben ein wenig Kontext und liefern einen Blick ins Innere der beiden. Sie werfen aber auch viele Fragen auf und machen so neugierig darauf, wie es weitergeht. Umso schlimmer ist es, dass die Serie einfach aufhört und genau dieser Aspekt niemals aufgeklärt wird.

NANA (Madhouse-Promobild)

Beim Christoph meint: NANA bekommt von mir die vollen 5 von 5 Sics und konkurriert mit Death Parade um den Titel für den besten Anime, den ich bislang gesehen habe. Die Begründung dafür ist das erwähnte Gefühl, das er beim Anschauen erzeugt hat. Die Geschichte der beiden Nanas und vor allem die Art und Weise, wie sie erzählt wird, hat mich überraschend stark berührt.

Mit einer Prise Witz und Charme lässt er mich glaubwürdig am Leben zweier völlig unterschiedlicher Frauen teilhaben, die trotz oder gerade wegen ihrer Unterschiede eine besondere Beziehung zueinander aufbauen. Ihr Schicksal interessiert mich und nimmt mich mit. Dass der Punkrock-Soundtrack grundsätzlich meinen Geschmack trifft, trotz des unverständlichen Faibles von Japanern, englische Begriffe in ihre Songtexte einzubauen, ist da nur das Tüpfelchen auf dem “i”. Zum Reinhören findet ihr hier das reale Musikvideo des (ersten) Titelsongs.

Epilog

So viel zum NANA-Anime. Es ist echt unendlich schade, dass ich jetzt nicht einmal zum Manga greifen kann, um zu erfahren wie es weitergeht. Von Der Graf von Monte Christo – Gankutsuô berichte ich euch heute allerdings nicht mehr. Dazu dann in einem kommenden Eintrag mehr. Nur so viel vorab: Ja, er basiert grundsätzlich auf dem gleichnamigen Abenteuerroman aus dem 19. Jahrhundert, verlagert die Geschichte aber in eine Art umgedrehte Steampunk-Zukunft. Sprich auf der einen Seite nutzt man ultramoderne Raumschiffe aber kommuniziert trotzdem mit handgeschriebenen Briefen. Passend zu diesem Widerspruch hat er einen äußerst ungewöhnlichen visuellen Stil.

Sicarius

Aus der Playlist: Spacebase DF-9

Tim Schafers Double Fine Productions hat in den 26 Jahren seit seiner Gründung so einige ungewöhnliche Spiele auf den Markt gebracht. Nicht alle kamen bei jedem gleich gut an. Aber allein der Blick auf die Bewertungen ihrer Spiele auf Steam zeigt schon, dass sie ihre Fans haben – mich eingeschlossen. Spieler quasi, die ihre Kreativität und ihren teils sehr ungewöhnlichen Output zu schätzen wissen. Allerdings sind auch ihnen 2014 zwei richtige Ausrutscher passiert: Hack ‘n’ Slash und Spacebase DF-9.

Gemeinsam haben beide Titel, dass sie aus für alle zugänglich gemachten Prototypen entstanden. Damals machte das Studio noch die sogenannte Amnesia Fortnight. In dem Sinne ein Studio-interner Gamejam, bei dem die Entwickler sich für zwei Wochen eine Pause von der regulären Arbeit gönnten und stattdessen mal was Neues probierten. Und bei den ersten drei Ausgaben wurde eben die Öffentlichkeit mit beteiligt. Nicht nur indem sie für Pitches abstimmten, sondern eben auch das Ergebnis selbst spielen konnten.

Unrühmliches Ende

Leider blieb die finale Version des Programmierspiels Hack ‘n’ Slash hinter den Erwartungen zurück. Für Normalos war es zu undurchdringlich und für Programmierer das geforderte Ergebnis oft zu konfus. Quasi ähnlich wie bei der Mondlogik alter Point ‘n’ Click-Adventures, wo ihr obskure Lösungswege für die Rätsel nachvollziehen musstet, musste man hier wie der Programmierer des Spiels denken, um voran zu kommen. Das Abweichen vom vorgeschriebenen Weg war nur in wenigen Fällen möglich. Sehr schade.

Das Weltraum-Basenbauspiel Spacebase DF-9 (DF-9 = Double Fine) hingegen wurde der erste Early-Access-Titel des Studios. Darin musstet ihr eine Weltraumstation aufbauen und euch um ihre Population kümmern. Das Werk hatte durchaus Potential und machte bereits einige Zeit Laune. Leider blieben die Käufer und damit die Kohle aus, weshalb Double Fine nach einem Jahr ziemlich unzeremoniell den Stecker zog. Es wurde hastig eine Version 1.0 mit wenig Inhalt rausgehauen, die man gerade noch so als spielbar definieren kann und damit das Thema beendet. Aus Entwicklersicht war es verständlich, den Verlusttopf aufzulösen. Für die Spieler aber logischerweise eine ziemliche Sauerei. Und auch ich finde es absolut nicht okay, dass es immer noch verkauft wird.

Es ist aber nicht alles schlecht. Etwas Gutes ist bei der ganzen Sache nämlich doch herausgekommen – der Soundtrack:

(Cover)

Spacebase DF-9 (2013)

Komponist: Chris Remo (Gone Home, Firewatch)
Umfang: 00:26:44 (8 Lieder)
Mögliche Bezugsquellen: Bandcamp ($7)

Ich weiß nicht, warum ich diese Assoziation gemacht habe, aber Remos Werk erinnerte mich schon nach den ersten Takten sehr an Stealth Bastard: Tactical Espionage Arsehole. Dabei könnte der Kontrast zwischen beiden Werken gar nicht größer sein. Während Stealth Bastard mit seinem harten Bass und seinem hohen Tempo sofort den Blutdruck steigen lässt, ist Spacebase DF-9 genrebedingt eher ruhige Elektronikmusik. Absolut nicht auf “ich plätschere nur im Hintergrund rum”-Niveau, aber dennoch weit vom äußerst energiegeladenen Werk der beiden Komponisten Ricky Honmong und Samuel Robinson entfernt.

Und dennoch: Der Soundtrack erzeugt ein ähnliches Gefühl. Gleichzeitig wäre er in einem futuristischen Schleichspiel sicherlich ebenfalls gut aufgehoben. Allen Stücken wohnt ein unterschwelliger Zeitdruck inne, der eigentlich im völligen Widerspruch zum eher chilligen Vibe der simplen Motive steht. Egal ob es die sphärischen Klänge in Harmony sind oder die langgezogenen Töne in Exploration, die einen sofort an die Weite des Weltraums denken lassen: Es passt zusammen und ist sowohl für aktives Hören als auch zum “im Hintergrund mitlaufen” geeignet. Aus dem Rahmen fällt nur der finale Track, The Settler. Ein humoristisch angehauchtes Gesangsstück, das nicht ganz mein Fall ist und entsprechend beim Hören übersprungen wird.

Persönliches Lieblingslied: Track 03 – Equilibrium [04:33]

Cacitt wäre mein direkter Vergleich aus dem Album von Stealth Bastard zu diesem Werk. Eine richtige Erklärung habe ich dafür weiterhin nicht :smile: . Das wabernde Grundmotiv lullt mich irgendwie ein und die immer mal wieder eingeworfenen Elemente sorgen dafür, dass die 4 1/2 Minuten nie langweilig werden. Ein angenehm eingängiger Track mit wenig Überraschungen aber zumindest etwas Mystik und eben auch wieder diesem unterschwelligen Zeitdruck.

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