Assassin’s Creed Chronicles: India (Herstellerbild)

Irgendwie bin ich was Videospiele angeht weiterhin voll auf dem Ubisoft-Trip. Seit dem damaligen Eintrag habe ich sowohl FarCry 5 (war okay) als auch FarCry: New Dawn (eher meh) erfolgreich mit allen DLCs beendet. Außerdem flimmerte der Abspann zu Assassin’s Creed Chronicles: China über meinen Monitor und jetzt bin ich mit Assassin’s Creed Chronicles: India beschäftigt, vermutlich gefolgt von Assassin’s Creed Chronicles: Russia. Aber zu den Dreien kommt dann in einem der kommenden Einträge mehr.

Da wir aber sowieso schon den ganzen Tag von früh bis spät am Bildschirm sitzen, gönnen wir uns mittlerweile abends auch mal 1-2 Stunden mit Büchern. Unsere Regale quillen nur nicht hoffnungslos über, weil wir entsprechend viele davon haben (14 Stück oder so) und trotzdem kommt ständig was Neues dazu. Allein auf meinem Nachttisch liegen derzeit mehrere Titel. Neu angefangen habe ich beispielsweise Jurassic Park (Michael Crichton). Das habe ich vor Jahren schonmal auf Deutsch gelesen aber den Nachfolger, The Lost World noch nicht. Also dachte ich mir, ich lese beide Bücher mal im englischen Original. Außerdem habe ich mir wie angekündigt Braving Britannia: Volume II geholt und möchte es priorisiert konsumieren. Dann kam aber eine Lieferung aus Amerika mit den letzten beiden Kollektionen des Webcomics Unshelved über das ich an dieser Stelle schon einmal berichtet hatte (und das danach noch auf Farbe geschwenkt ist). Also habe ich davon alle Bände (12) aus dem Schrank geholt und arbeite mich nun durch diese. Ich bin sogar mittlerweile bei den beiden Neuen angekommen.

Nichts Neues also von mir in der Hinsicht. Lysanda hat sich hingegen durch die Tetralogie Die Todesengel von Jim C. Hines (Hugo Award Winner) gelesen und möchte euch heute davon berichten.

Märchen mal anders

(Cover)

Der Vorteil der Public Domain ist, dass jeder mit dem alten Kram machen kann, was er will. Entsprechend viele Neuinterpretationen vor allem der alten Meister wie der Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersen oder Lewis Carroll gibt es auf dem Markt. Jim C. Hines Erzählungen fallen ebenfalls in diese Kategorie. Im Kern sind es Fortsetzungen in denen die weiblichen Charaktere nach ihren Erlebnissen in den Märchen gemeinsam Abenteuer erleben. Im Verlauf der Bücher erfährt man aber auch die „Wahrheit“ darüber, was damals wirklich passiert ist. Der Buchrücken ist hier ausnahmsweise mal korrekt mit der Aussage „Drei Engel für Charlie meets Fantasy“.

Im ersten Buch, Drei Engel für Armand, geht es um Prinzessin Danielle Whiteshore, geborene de Glas, besser bekannt als Aschenputtel. Als eines Tages ihre Stiefschwester ihren Ehegatten (Prinz Armand) mittels Magie entführt, wird sie mit dem Geheimdienst der Königin bekannt gemacht. Diese stellt ihr Talia (Dornröschen) sowie Schnee (Schneewittchen) an ihre Seite um ihren Sohn zu retten. Im zweiten Band, Die fiese Meerjungfrau geht es hingegen um die namensgebende Meerjungfrau aus Hans Christian Andersens Buch. Anders als im romantisierten Original hat sie sich nämlich nicht für das Glück des Prinzen geopfert, sondern wurde aufgrund von Magie und der Abweisung des Prinzen verrückt. Als dann ein diplomatisches Treffen zwischen Menschen und Meervolk außer Kontrolle gerät liegt es an unseren drei Heldinnen das Leben ihrer Königin zu retten.

Der Titel des dritten Bands, Rotkäppchens Rache, verrät hingegen schon alles: Rotkäppchen (jetzt Roudette) ist zu einer gefürchteten Assassine herangewachsen und hat einen neuen Auftrag bekommen: Dornröschen zu töten. Das kann unser Heldentrio logischerweise nicht zulassen. Der Band erzählt Schwerpunktmäßig die Hintergrundgeschichte von Dornröschen und warum sie jetzt eine niemals schlafende Kämpferin ist, die es mit der Attentäterin Roudette durchaus aufnehmen kann. Natürlich wird auch die Geschichte von Rotkäppchen selbst erzählt. Im bislang letzten Teil, Dämon, Dämon an der Wand kommt der Feind hingegen von innen. Schneewittchen, die Expertin für Spiegelmagie im königlichen Geheimdienst, zerbricht aus Versehen ihren eigenen Spiegel. Das Resultat ist ein freigesetzter Dämon der von Schneewittchen Besitz ergreift, das halbe Schloss inklusive Armand verhext, Jakob (Sohn von Danielle) entführt und loszieht in Schnees Heimatland. Die anderen beiden Prinzessinnen machen sich auf den Weg Schnee, Jakob und alle verhexten zu retten. Insgesamt werden sechs Märchen neu Interpretiert. Das wären Aschenputtel, Schneewittchen, Dornröschen, die kleine Meerjungfrau, Rotkäppchen und die Schneekönigin.

Der Stil

(Cover)

Die Bücher richten sich aus Lysandas Sicht eher an junge Erwachsene. Sie sind zwar nicht bierernst und der eine oder andere humorvolle Moment kommt durchaus vor. Aber die drei Heldinnen haben in ihrem Leben definitiv schon einiges (durchaus schlimmes) mitgemacht und es wird schnell klar, dass die Märchen eine extrem stilisierte und beschönigende Sicht der Dinge darstellen. Dabei ist schon in den Originalen nicht unbedingt nur Friede, Freude, Eierkuchen. Jim C. Hines Werke zeigen außerdem, dass das Leben nicht mit der Hochzeit und dem obligatorischen „…und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ endet. Das ist durchaus positiv gemeint. Stattdessen erlebt ihr die Entwicklung von jungen Frauen, die nicht nur neben ihrem Prinzen hübsch aussehen, sondern durch die Hürden, die ihnen das Leben in den Weg stellt ihre eigenen Fähigkeiten entdecken und zu nutzen lernen.

Technisch gesehen ist die Erzählung in jedem Buch in sich abgeschlossen. Aber es macht definitiv mehr Spaß, wenn man sie in chronologischer Reihenfolge liest und so zusammen mit den Heldinnen wächst. Leider ist die Wahrscheinlichkeit eines fünften Buchs eher gering. Inhaltlich lässt der Autor zwar Luft für eine oder sogar mehrere Fortsetzungen – schließlich kann sich der königliche Geheimdienst noch mit vielen weiteren Märchenheldinnen auseinandersetzen. Doch der vierte Band ist bereits vor mittlerweile 10 Jahren erschienen.

Lysanda meint: Ein Kennzeichnen für ein gutes Buch ist bei mir immer, dass ich es im Anschluss zurück ins Regal stelle statt es direkt weiter zu verkaufen. Bei Jim C. Hines Tetralogie Die Todesengel habe ich mich etwas schwer getan diese Entscheidung zu treffen aber am Ende ging sie zu Gunsten des Autors aus und ich gebe der Reihe gerade so 4 von 5 Sics. Warum ich den ersten Band damals gekauft habe, weiß ich tatsächlich nicht mehr. Der steht schon länger im Regal als der Webmaster neben mir im Bett schläft. Bereut habe ich es wie ihr seht nicht ihn gekauft zu haben. Mit Verwunderung stellte ich an seinem Ende jedoch fest, dass es kein Einzelband war und ich mir daher kurzfristig noch die restlichen Bände besorgen musste. Eigentlich hatte ich ihn aus dem Schrank genommen, um ein nettes, kurzweiliges und vor allem einzelnes Buch zu lesen nachdem ich zuvor den vielteiligen Manga Tsubasa verschlungen hatte. So kanns gehen…

(Cover)

Warum ich trotzdem nur knapp vier Sics vergebe obwohl ich die vier Bände in einem Rutsch gelesen habe (abzüglich der ungeplanten Pause zwischen Band 1 und 2)? Vermutlich ist ein Hauptgrund schlicht, weil keine Figur dabei war mit der ich mich richtig identifizieren konnte. Stattdessen war es einfach „nur“ eine unterm Strich nette und unterhaltsame Erzählung. Wie ein Sommerblockbuster quasi – nur mit einer tiefgründigeren Geschichte. Aber das ist völlig okay und trotzdem eine klare Leseempfehlung. Ab und zu darf es auch mal etwas leichtere Kost sein, die einfach nur unterhält. Und starke Frauen, die spannende Abenteuer erleben, sind nie verkehrt. Zudem mag ich grundsätzlich Neuinterpretationen von Märchen solange sie nicht zu gruselig sogar lieber als die Originale. Die sind mir teilweise einfach viel zu „strange“ und haben für mich ein völlig veraltetes Rollenbild inkl. meist gesichtsloser Charaktere.

Wir haben es endlich geschafft! Eine Reise, die vor vier Jahren begonnen hat, ist zu Ende: 200 Folgen (fünf Staffeln und inkl. der nie eingedeutschten Folge 89), drei Filme und mehrere Specials (mit Fandubs) Sailor Moon – Das Mädchen mit den Zauberkräften (1993-1997) liegen hinter uns. Bitte? Nein, 24 – Staffel 8 und Star Trek: The Original Series – Staffel 3 warten immer noch. Hetz‘ doch nicht schon wieder. Ein Schritt nach dem anderen…

Unnötige Vorgeschichte

Sailor Moon also. Warum hat es vier Jahre gedauert die Serie zu beenden obwohl jede Folge nur ca. 25 Minuten lang ist? Nun, weil ich logischerweise absolut nicht die Zielgruppe dafür bin und sie entsprechend extrem anstrengend anzuschauen fand. Das ist mir vollkommen bewusst. Der Manga ist für Mädchen/junge Frauen im Alter von 12 bis 18 Jahren konzipiert und der Anime für 10- bis 16jährige. Da passe ich als Mitdreißiger nicht ganz so rein.

Benjamin Blümchen, 1989 (Screencap aus der 1. Folge)

Erschwerend kommt vermutlich hinzu, dass Lysanda bereits in ihrer Kindheit und genau im richtigen Alter der Faszination dieser 14-jährigen Schulmädchen verfallen ist und sowohl die Serie als auch die Mangas bereits mehrfach gesehen/gelesen hat. Ich hingegen habe vergleichsweise wenig vor dem Kasten gehockt, von Anime/Manga nie was gehört und kann bis heute mit (westlichem) Zeichentrick-/Animationskram eher wenig anfangen. Ich kann mich nur an eine kurze Benjamin Blümchen-Phase erinnern. „Kurz“ deshalb, weil das Original von 1989-1991 nur 13 Folgen hat. Aber weder bin ich ein echter Fan des Kultelefanten, noch hat mich die Serie dauerhaft geprägt (kann mich an nichts mehr erinnern daraus) – außer vielleicht einem kleinen Trauma im Zusammenhang mit Folge 12, Benjamin Blümchen als Taxifahrer, aber das lag nicht an der Serie, sondern meinen damaligen „Freunden“. Kinder können echt gemein sein.

Behütete Kindheit?

Abseits von Hr. Blümchen und vielleicht noch Meister Eder und sein Pumuckl habe ich meines Wissens (und das ist leider sehr begrenzt was meine Kindheit angeht) nur hin und wieder Samstagsmorgens ein bisschen vor dem Fernseher gehockt und in heutige Klassiker wie Animaniacs (ohne vermutlich auch nur ansatzweise die Witze zu verstehen), Transformers oder Teenage Mutant Hero Turtles reingezappt. Anfangs war ich stattdessen tatsächlich mehr draußen in der Natur unterwegs. Ja, vor 30 Jahren sind Kinder noch freiwillig aus dem Haus gegangen! Zumindest bis meine bis heute bestehende Faszination mit dem Ding namens Personal Computer und den dazugehörigen, virtuellen Unterhaltungsmedien mich übermannt hat. Schließlich schaffte es bereits 1990 ein 486 in unser Haus.

Stunts, One Must Fall 2097 (so viele kaputte Joysticks…), Ports of Call, TIE Fighter, Lands of Lore: The Throne of Chaos, Sam & Max: Hit the Road (auch dort habe ich damals die Witze garantiert noch nicht verstanden) und SimCity 2000 – das sind meine Kindheitserinnerungen. Ach und beim Spielen von DOOM erwischt zu werden. Die Szene habe ich noch im Kopf als wäre es erst gestern passiert :smile: . Ich kämpfte gerade gegen Cacodemons in einem Gang mit Lianen-Texturen (finde auf Anhieb den Levelnamen nicht) als meine Familie völlig überraschend wieder nach Hause kam… Aber nein, keine Spielzeugwerbung oder Superhelden in engen Kostümen die mich in ihren Bann gezogen haben.

Nun aber genug von mir. Ihr habt sicherlich verstanden was ich sagen wollte: Ich habe mir den Anime zu Sailor Moon hauptsächlich aus Liebe zu Lysanda, dem dazugehörigen Bedürfnis an ihren Vorlieben teil zu haben sowie zum Schließen einer Wissenslücke angetan. Klingt hart aber warum sollte ich euch was vorlügen? Ohne Lysanda hätte ich bis zum Ende meines Lebens keine Folge geschaut, das wissen wir alle :smile: . Grundsätzlich bin ich zwar durchaus offen für alten Kram aber auch ich habe scheinbar meine Grenzen.
Anm. v. Lysanda: Ich habe den Webmaster nicht gezwungen die Serie zu schauen. Er hat das aus freiwilligen Stücken getan, nur um das Klarzustellen!

Die Serie

(Cover)

In den fünf Staffeln des Original-Anime folgt ihr Bunny Tsukino (im Original Usagi), die zum Anfang der Serie auf die schwarze und sprechende Katze Luna trifft. Sie offenbart ihr, dass sie keine gewöhnliche 14jährige Schülerin ist, sondern die namensgebende Sailor Moon. Diese kämpft für Liebe und Gerechtigkeit und rettet im Laufe der Serie mehrfach Tokyo (der Schauplatz der Geschichte), die Erde und das ganze Universum. Allein kann sie das aber logischerweise nicht schaffen. Nicht nur, weil die Kraft der Freundschaft ein wichtiges Thema der Erzählung ist, sondern auch, weil sie eine extrem tollpatschige Heulsuse ist. Da kann man sich noch so sehr verwandeln und mit Stäben und Broschen rumfuchteln können: Die zahlreichen Bösewichter besiegt man so nicht. Stattdessen gesellen sich an ihre Seite die inneren Kriegerinnen Merkur, Mars, Jupiter und Venus – jede mit ihren eigenen Stärken und Schwächen. Gemeinsam bilden sie das Sailor-Team. Außerdem gibt es noch den ominösen Tuxedo Mask, der einzige Mann auf Seiten der Guten, der anfangs und (sehr) häufig den Sailor Kriegerinnen aus der Patsche hilft – und natürlich der „Love Interest“ von Sailor Moon wird. Er bleibt aber in der Serie insgesamt ziemlich zweidimensional.

Kein Wunder, schließlich ist es (vorbildlich) eine reine Damenshow – inkl. einer lesbischen Beziehung. Extrem progressiv für die damalige Zeit und zu progressiv für die deutschen Übersetzer, die alles daran gesetzt haben daraus eine platonische Freundschaft zu machen. Auch der homosexuelle Touch auf Seiten der Bösewichter wurde mehr schlecht als recht versucht zu unterdrücken. Im Ergebnis weiß ich teilweise nicht welcher Charakter jetzt weiblich oder männlich sein soll. Auch, weil der Zeichenstil zusammen mit der deutschen Synchronstimme mitunter nicht übereinander gepasst hat. Dass sich einige von ihnen zudem ins andere Geschlecht verwandeln können ignorieren wir an dieser Stelle mal.

Der Aufbau

Sailor Moon (Screencap aus dem Blu-ray-Trailer)

Im Laufe der Zeit kommen dann noch weitere Sailor-Kriegerinnen dazu. Dabei schreckt die Erzählung nicht einmal vor Zeitsprüngen/-reisen zurück, die aus meiner Sicht mehr Logiklücken erzeugt als sie lösen. Und für mich zudem die wenigen Cliffhanger ad-absurdum führen. Schließlich haben wir ja schon die Zukunft gesehen und wissen, wer überlebt. Lysanda meint allerdings, dass das im Manga besser erklärt ist und mehr Sinn ergeben würde. Wäre zumindest nicht die einzige Abweichung der Serie zum Manga. So ist die komplett erste Hälfte der zweiten Staffel eine Erfindung von Tōei Animation, weil der Manga noch nicht so weit geschrieben war. Das Ende weicht ebenfalls von der Vorlage ab. Es gibt außerdem nicht einmal ansatzweise so viele Monster gegen die das Sailor Team kämpfen muss – womit wir zu meinem eigentlichen Problem der Serie kommen: die Gleichförmigkeit.

Manga-Fans sind etwas gespalten was die ursprüngliche Anime-Serie angeht. Während einige stört, dass die Serie zu sehr von der Vorlage abweicht, findet Lysanda z.B. gut, dass man mehr über die einzelnen Charaktere erfährt. In 200 Folgen passt schließlich mehr rein als in 18 Bände. Ich für meinen Teil finde die Abstände in der die Hauptgeschichte und auch die Charaktere vorankommen aber viel zu groß. Stattdessen wird die Serie erdrückt von ihrem immer gleichen Standardformat inkl. sehr viel Szenen- und Animationsrecycling: Zuerst wird der Schauplatz der heutigen Folge etabliert (z.B. eine Konzerthalle) und man erfährt etwas über die Charaktere. Dann finden sich alle relevanten Personen (gut wie böse) dort ein und es kommt zu einem kurzen Kampf – inkl. den teils mehrminütigen Verwandlungssequenzen der Kriegerinnen (man muss ja Zeit schinden). Dramaturgisch bedingt verlieren die Guten zuerst haushoch, können aber dann doch dank der Hilfe von Anderen/Liebe/Überzeugen/Vertrauen/was auch immer das jeweilige Thema der Folge ist die Oberhand gewinnen. Abschließend zerstört Sailor Moon das Monster des Tages (während der eigentliche Bösewicht entkommt) und alles ist wieder Gut. Erst zum Ende der jeweiligen Staffel nimmt die übergeordnete Geschichte an Fahrt auf und es wird tatsächlich interessant.

Beim Christoph meint: Selbstverständlich ist das „Monster der Tages“-Format nichts Neues. Das gab es schon Jahrzehnte vor Sailor Moon und noch Jahrzehnte danach. Erst der Trend zu kürzeren Staffeln und Binge-Watching hat den Trend zum Eindimensionalen den Gar ausgemacht. Aber es ist schon extrem anstrengend, wenn es wirklich immer und immer wieder der exakt gleiche Folgenaufbau ohne irgendeine Überraschung ist. Hätte die Serie nur 100 Folgen, sie hätte mir vermutlich wesentlich besser gefallen obwohl es mir erstaunlich schwer fiel mich auf das Universum einzulassen. Beispielsweise gibt es so viele Dinge, die offensichtlich sind und trotzdem brauchen alle Beteiligten mehrere Folgen bis sie es erkennen. Wie hatte ich im damaligen Eintrag geschrieben? Superman hat zumindest als Clark Kent eine Brille auf und selbst das ist schon purer Schwachsinn. Hier tragen die Mädels nach ihrer Verwandlung hingegen nur andere Klamotten und schon erkennt sie kein Schwein mehr?! Oder die Oberbösewichter, die über ganze Staffeln hinweg unfähige Handlanger losschicken und ihnen noch eine „letzte Chance“ geben statt einfach direkt selbst Hand anzulegen. Mal ganz abgesehen davon wie logistisch bescheuert es ist (fast) immer nur einzelne Menschen herauszupicken in der Hoffnung, dass sie haben was man sucht.

Sailor Moon R (Screencap aus dem Trailer)

Gleichzeitig kann ich mich irgendwie keiner der Sailor-Kriegerinnen identifizieren oder zumindest mit ihnen mitfühlen. Und das liegt sicherlich nicht ausschließlich daran, dass sie weiblich sind. Ne, Sailor Moon – Das Mädchen mit den Zauberkräften ist definitiv nichts für mich. Vielleicht überzeugt mich der Manga mehr. Die neue Serie, Sailor Moon Crystal, soll ja ebenfalls nicht so der Brüller sein, was man so hört obwohl sie sich näher an der Vorlage orientiert. Mal schauen. Die steht logischerweise auch noch auf dem Programm – sollte sie jemals beendet werden. Der vorletzte Arc soll dieses Jahr als ein Zweiteiler ins Kino kommen. Mal schauen…

Aber um auf einer positiven Note zu enden, kann ich nur noch einmal erwähnen, dass ich einfach nicht die Zielgruppe dieses Anime bin. Das ist völlig okay, denn ich sehe verstehe durchaus warum er jungen Mädchen – vor allem, wenn sie wenige Freunde haben – gefällt. Und ich finde es gut, dass er viele positive Dinge vermittelt. Es ist eben nicht einfach nur eine Werbung für Spielzeug. Stattdessen wird am Ende des Tages eine Geschichte mit interessanten Charakteren erzählt. So glaubt Bunny immer daran, dass selbst der schlimmste Bösewicht etwas Gutes in sich trägt. Freundschaft ist wie erwähnt ein weiteres, großes Thema in vielen Folgen. Und auch Liebe und Vertrauen spielen eine wichtige Rolle, wenngleich Bunnys Eifersucht schon extrem Überzeichnet und Nervig ist… Insofern: Seine Kinder (natürlich Jungen wie Mädchen) mit Sailor Moon aufwachsen zu lassen ist definitiv nicht das Schlechteste, was man tun kann.

Lysanda meint: Auch ich weiß, dass die Serie nicht für mein Alter ist und sie für mich einiges von ihrer Faszination eingebüßt hat. Heutzutage bevorzuge ich definitiv den Manga. Für die passende Altersgruppe empfehle ich sie aber uneingeschränkt. Mir hat sie in meiner Kindheit/Jugend sehr gut gefallen und sie hat mir viele positive Werte vermittelt. Das Geschrei war entsprechend immer groß, wenn ich wegen irgendwelchen Terminen nicht pünktlich um 15 Uhr vor dem Fernseher sitzen durfte :smile: . Zeitnahe Wiederholungen gab es nicht und irgendwann wollte man ja alle Folgen gesehen haben – am besten in der richtigen Reihenfolge. Wir hatten zwar einen Videorekorder aber der hatte seine eigenen Fallstricke. Ihr heutzutage mit euren Festplattenrekordern, Blu-rays und On-Demand-Streamingplattformen habt es gut.

Ein glücklicher und zufriedener Balu

Das neue Jahr ist da und wie erwartet war der Übergang im Vergleich zu anderen Jahren wesentlich angenehmer. Zwar hat irgendein Nachbar ab 23 Uhr gemeint laute Musik draußen anmachen zu müssen aber um Mitternacht blieb zumindest das Böllern aus. Erst so 0:10 Uhr war dann doch mal was zu hören für eine Viertelstunde oder so. Balu war sich dabei zwar etwas unsicher und verschwand auch für 2-3 Minuten unter den Esstisch, kam aber gleich wieder zurück auf die Couch gedackelt. Absolut kein Vergleich zu den Vorjahren wo er sich selbst im Keller noch in die hinterste Ecke verkrochen hat aus Angst vor dem Trubel vor der Haustür. Dabei ist er sicher in unseren vier Wänden im Gegensatz zu vielen anderen, die draußen unterwegs sind. Ersten Berichten zufolge wurden allerdings trotz reduziertem Geböllere in diesem Jahr allein rund 250 Hunde bei TASSO vermisst gemeldet.

Es klingt hart und ich weiß, dass ich mir damit absolut keine Freunde mache aber die ganze Sache ist schlicht und einfach Mist und sollte endlich aufhören! Treffen mit Freunden/Familie/Verwandtschaft und eine gute Zeit haben okay, aber bitte ohne Knaller. Es ist schlecht für die Umwelt, schlecht für den Geldbeutel, schlecht für die Tiere und offensichtlich auch für die Gesundheit des einen oder anderen Menschen, wenn man sich so die Nachrichten anschaut. Wenn jemand unbedingt die bösen Geister vertreiben will (was ich stark bezweifle), daher kommt nämlich dieser Brauch, dann lieber laute Musik anmachen und/oder grölend durch die Straßen laufen. Von mir aus zusätzlich wie die Germanen noch ein Wagenrad anzünden und den Hang hinunterrollen lassen, wenn damit kein Flächenbrand ausgelöst wird. Ein paar öffentliche Feuerwerke gerne. Aber bei Privathaushalten sind wir definitiv die Spaßbremse und für ein dauerhaftes Abschaffen dieser „Tradition“. Und wer nun meint, dass ihm dadurch der ganze Spaß am Leben verboten wird, sollte vielleicht mal die böller-freie Zeit nutzen, um ein wenig über sein Leben nachzudenken…  Wem hingegen sein Geld schwer in der Tasche liegt, sollte es lieber irgendeine “Spenden statt Böllern“-Aktion unterstützen.

Ja, mich macht das Thema äußerst aggressiv! Aber nun genug davon.

Unser Abend

Unser Glücksglas

Wir haben Silvester 2020 zusammen mit den Katzen auf der Couch verbracht. Total unspektakulär, ich weiß. Wir sind einfach nicht die geselligsten Leute und das ist völlig okay, nur falls irgendjemand meint dem widersprechen zu müssen. So ab 22:30 bis 0:30 Uhr lief Sailor Moon über den Bildschirm (noch 12 Folgen…), davor haben wir uns mit unserem Glücksglas beschäftigt. Mit diesem Glas haben wir im Januar 2020 angefangen. Das Glas funktioniert so: Ihr setzt euch jeden Tag hin und schreibt eine positive Sache auf, die an diesem Tag passiert ist/die euch gefreut hat. Anschließend werft ihr den Zettel ins Glas. Am Ende des Jahres schüttet ihr das Glas dann aus, lest die Zettel nochmal durch und erinnert euch zurück an diese Momente. Hintergrund dieser Spielerei ist es zu lernen positiver zu denken bzw. Positivem mehr Bedeutung zuzumessen. Wir Menschen sehen ja leider grundsätzlich erstmal das Negative und das ist es was uns am besten in Erinnerung bleibt. Mit dem Glücksglas soll dieser Kreislauf ein wenig durchbrochen werden indem ihr bewusst an die schönen Seiten des Lebens denkt.

Wir haben es allerdings nicht täglich befüllt, sondern nur einmal die Woche. Das war zumindest für mich schon schwer genug. Auch, weil ich eher dazu neige die kleinen Dinge zu ignorieren und „signifikante“ Ereignisse suche, die positiv waren oder über die ich mich gefreut habe. Das ist logischerweise der falsche Ansatz. Nicht jede Woche passiert schließlich etwas weltbewegendes. Wäre vermutlich sowieso ganz schön stressig. Stattdessen stehen auf den Zetteln meist eher banale Dinge wie ein nettes Gespräch mit dem Partner, ein schönes Essen, etwas Lustiges was die Katzen gemacht haben oder eine Aufgabe, die mir Freude gemacht hat (Stichwort „Excelliste mit 98.000 Zeilen geschafft“). Wiederholungen oder zumindest gleichlautende Sachen sind da mitunter garantiert. So war das Frühjahr nicht nur hier Beim Christoph dominiert von der Tiefbaumaßnahme – im Glas fanden sich ebenfalls einige Zettel mit Bezug darauf. Aber warum auch nicht? Jeder Fortschritt in der jeweiligen Woche hat mich nun einmal gefreut und war eine positive Sache. Entsprechend waren die Kriterien fürs Glücksglas erfüllt. Und was spricht dagegen sich mehrfach über etwas zu freuen? Dank des Glases hatten Lysanda und ich an Silvester nicht nur die grundsätzliche Gelegenheit unser Jahr gemeinsam positiv Revue passieren zu lassen, sondern auch noch die entsprechenden Stichpunkte dazu. Definitiv eine super Sache, die wir 2021 fortsetzen. Die Zettel von 2020 haben wir übrigens nicht weggeworfen, sondern ins Archiv gepackt, um vielleicht in fünf oder zehn Jahren nochmal drauf zu schauen.

Was zu lesen

Nun ist es aber genug von 2020 im Allgemeinen und Silvester im Speziellen. Lassen wir stattdessen mal wieder Lysanda zu Wort kommen und euch zur Abwechslung zwei (abgeschlossene) Mange-Serien vorstellen. Das hatten wir schon länger nicht mehr. Beide haben nicht nur mit CLAMP das gleiche Autorenteam gemeinsam, sie sind auch in Deutschland restlos ausverkauft und nur noch zu Wucherpreisen erhältlich. Aber solltet ihr sie mal irgendwie für einen guten Preis finden, sie sind sie eine klare Leseempfehlung:

(Cover)

Magic Knight Rayearth (CLAMP, 6 Bände, abgeschlossen) – Die Geschichte ist in zwei Teile aufgeteilt. In Band 1-3 geht es um die japanischen Schülerinnen (was auch sonst?) Hikaru, Umi und Fuu, die unfreiwillig nach Cephiro transportiert werden. Ihr Schicksal verlangt es von ihnen zu den titelgebenden Magic Knights mit magischen Kräften zu werden und Cephiro zu retten. Dafür müssen sie Prinzessin Emeraude befreien, die in die Fänge des Priesters Zagato geraten ist. Mit an ihrer Seite ist das Fabelwesen Mokona, der typische Comic-Relief-Sidekick.

Nach dem Ende ihres ersten Abenteuers kehren die drei Mädels in den Bänden 4-6 auf eigenen Wunsch zurück nach Cephiro. Erneut steht die Welt vor dem Untergang, dieses Mal aufgrund von Invasoren aus den Welten Othsam, Chizetha und Faleng. Viele neue Charaktere mit eigenen Wünschen und Zielen kommen dazu, die nicht einfach nur auftauchen um gleich wieder zu gehen. Es klingt wie eine 08/15-Heldengeschichte, ist es aber nicht. Das liegt vor allem daran, dass beide Trilogien jeweils ein überraschendes Ende haben.

Beim Christoph meint: Von mir gibt es für den Manga 5 von 5 Sics. Ich habe ihn vor langer Zeit bei einer Klassenfahrt in Koblenz entdeckt. Es war der zweite Manga, den ich jemals gelesen und gekauft habe (Sailor Moon war – wie sollte es anders sein – der Erste). Mittlerweile habe ich ihn sogar schon zweimal verschenkt, weil ich ihn so super finde. Mir gefällt vor allem, dass die Geschichte zum Nachdenken anregt, dabei noch ungewöhnlich (Stichwort „zweidimensionale Quelle“) und lustig ist. Und nein, Mokona ist nicht der einzige Grund zum Lachen. CLAMP hat stattdessen eine gute Balance aus ernsten Themen und netten Pointen geschafft. Nicht unerwähnt lassen möchte ich den sehr detaillierten und trotzdem dynamischen Zeichenstil, der mich sogar dazu brachte die offiziellen Artbooks zu kaufen.

Zusammengefasst kann ich also nur sagen: Auch, wenn der Manga sich an eine jüngere Leserschaft (Mädchen ab 12 Jahren) richtet, lese ich ihn immer noch gerne. Anscheinend bin ich nicht die Einzige, die ihn gut findet, denn er wurde allein in Deutschland schon mehrfach neu aufgelegt und ist trotzdem ständig ausverkauft. Schade, dass es den dazugehörigen Anime nicht einmal mit deutschen Untertiteln gibt.

(Cover)

Tsubasa – RESERVoir CHRoNiCLE (CLAMP, 28 Bände, abgeschlossen) – Ich habe nicht umsonst zuerst Magic Knight Rayearth erwähnt, denn einige Charaktere daraus kommen ebenfalls in Tsubasa vor. Und nicht nur das: CLAMP hat sich bei insgesamt 17 ihrer Manga-Serien wie Clover, RG Vega oder xxxHOLIC bedient, um das Universum von Tsubasa auszuschmücken. Es ist quasi ein riesiges Manga-Crossover. Wobei das doch nicht ganz stimmt, denn es handelt sich im Falle der Charaktere um neue Inkarnationen. Sie haben weder die gleichen Fähigkeiten noch dieselben Eigenschaften. Es sind also nicht tatsächlich die aus den anderen Serien, sie sehen nur so aus.

Stellt sich natürlich die Frage, wie das funktioniert. Ganz einfach: In Tsubasa geht es um Dimensionsreisen. Die Hauptfiguren sind Sakura, die Prinzessin des Clow-Königreichs und Shaolan. Er ist ihr langjähriger Freund und ein Archäologe, der mehr oder weniger offensichtlich etwas zu verbergen hat. Bei einem Besuch von Sakura bei Shaolan werden ihr von einer bösen Macht die Erinnerungen geklaut. Und da Shaolan logischerweise ein netter Typ ist, versucht er ihr dabei zu helfen sie wieder zu erlangen. Hier kommt dann Yuko Ichihara ins Spiel – die Hexe der Dimensionen. Sie sagt ihm, dass er Sakuras Erinnerungen in verschiedenen Dimensionen einsammeln muss, um sie zu retten. Sie haben dort die Form von Federn angenommen. Die Hexe hilft ihm durch diese Dimensionen zu reisen aber nur unter der Bedingung, dass er ihr das Wertvollste in seinem Besitz gibt. Shaolan denkt nicht lange darüber nach und macht sich zusammen mit dem Schwertkämpfer Kurogane, dem Magier Fye de Flourite und der (anfangs) bewusstlosen Prinzessin auf den Weg. Im Laufe der 28 Bände bereist er anschließend zahlreiche andere Welten auf der Suche nach den Federn.

2014, fünf Jahre nach dem Ende von Tsubasa – RESERVoir CHRoNiCLE, erschien eine Nachfolge-Serie mit drei Bänden unter dem Titel Tsubasa World Chronicle – Niraikanai. Sie setzt direkt ans Ende an und stellt erneut Shaolan in den Mittelpunkt, der dieses Mal die namensgebende Welt Niraikanai retten muss.

Die komplette Serie

Beim Christoph meint: Beide Mangas bekommen von mir jeweils 4 von 5 Sics. Das kommt überraschend, da ich nach dem Kauf quasi nicht mehr geschlafen habe, weil ich ihn einfach nicht weglegen konnte. Einzige Begründung für den fehlenden Sic: Das Ende ist doof und total gemein nach 28 Bänden voller Spannung. Und selbst mit der Fortsetzung wird kein besserer Abschluss nachgeliefert. Eigentlich fehlen hier noch weitere Bände, die aber vermutlich nicht erscheinen werden. Zudem hätte ich mir vereinzelt einen längeren Aufenthalt in der ein oder anderen Welt gewünscht, die einfach total interessant war.

Ansonsten konnte ich die ganze Zeit mit den Charakteren mitfiebern trotz der ein oder anderen Komplexität durch die Dimensionsreisen. Ich wollte ständig wissen wie es weitergeht und „gemeinerweise“ (weil so total spannend) klärt sich erst am Schluss beispielsweise auf, warum der Manga so heißt wie er heißt. Die verschiedenen Geschichten der einzelnen Charaktere werden detailliert abgehandelt und alles fügt sich am Ende zusammen. Laut Verlag ist der Manga für Leser ab 12 Jahren geeignet, das finde ich persönlich aber etwas früh. Dafür gibt es zu viele Details und Zusammenhänge, die man sich über die ganzen Bände hinweg merken muss. Selbst ich werde ihn auf jeden Fall nochmal lesen. Nicht nur, weil er mir so gut gefallen hat, sondern eben auch, weil mir sicherlich das eine oder andere Detail entgangen ist.

2020 neigt sich mit großen Schritten dem Ende zu. Nächste Woche steht sogar schon der Jahresrückblick an. Ja, technisch gesehen dauert das Jahr dann noch weitere vier Tage und es folgt sogar noch ein Katzenmoment. Die 11 Wörter werden in der Eintragsstatistik aber bereits eingerechnet sein und sonstige Überraschungen erwarte ich keine, die Einfluss auf den Text haben werden. Ich hab‘ einfach vor ein paar Jahren entschieden, dass der Jahresrückblick nicht mehr der erste richtige, sondern der letzte Eintrag des Jahres sein wird. Lebt damit :tongue: .

Kommen wir heute stattdessen noch einmal zu einer Top-Liste. Videospiele waren zwar bereits letzte Woche unser Thema aber Beim Christoph ist ja mittlerweile so viel mehr als nur eine Seite über Videospiele (glaube ich zumindest). Lasst uns also mal über den Tellerrand lunzen, was denn 2020 noch so für mich von Interesse war. Erneut gilt: Ich betrachte nur die „Nutzung“ in 2020. Es muss nicht zwingend aus diesem Jahr stammen. Man muss sich ja nicht künstlich limitieren, nur um „Hip“ zu sein.

Das In-Extremo-Konzert in Gothic

Bestes Album: In Extremo – Kompass zur Sonne
Die deutsche Mittelalter-Rockband In Extremo habe ich wie vermutlich viele Spieler anno 2001 erstmals kennen und lieben gelernt. Zur Erinnerung: Damals hatten sie im alten Lager in Gothic einen virtuellen Auftritt. Allerdings war gleichzeitig auch das im gleichen Jahr veröffentlichte Album Sünder ohne Zügel das letzte von ihnen, welches aus meiner Sicht gute Lieder enthielt (mit Ausnahme des genialen Duetts Horizont von Mein Rasend Herz) und entsprechend hoch und runter durch die Boxen lief – bis jetzt. Mit Kompass zur Sonne haben die Jungs aber zumindest bei mir seit langem mal wieder den richtigen Nerv getroffen. Den genauen Grund kann ich euch nicht wirklich, schließlich hat sich der grundsätzliche Sound der Band über die Jahre nicht wirklich groß verändert. Es passt einfach.

Bester Baumarkt: Hornbach
Unsere Go-To-Baumärkte in Darmstadt sind Hornbach und Bauhaus. Beide haben grundsätzlich ihre eigenen Vor- und Nachteile. So gibt es unser begehrtes Plexiglas beispielsweise nur im Bauhaus während gefühlt die Beratung in der Schraubenabteilung im Hornbach wesentlich besser ist. Dieses Jahr waren wir jedoch definitiv häufiger im Hornbach. Zum einen, weil wir nicht so viel Plexiglas gebraucht haben (und es irgendwie dank der Pandemie eh dauernd ausverkauft war) und zum anderen, weil es die Fliegennetze von Windhager nur dort gab‘ (inkl. kostenlosem Versand bei Onlinebestellung). Was bleibt mir also anderes übrig als ihn zum besten Baumarkt des Jahres zu machen? :tongue:

Bester Film: John Wick: Kapitel 3
Unterm Strich war der dritte Teil nicht der ganz große Hammer wie die Vorgänger. Vermutlich, weil einfach viel zu viel los ist. Verständlich, da ja die ganze Stadt hinter Wick her ist aber trotzdem wie gesagt gefühlt etwas zu viel des Guten. Ich meckere aber definitiv auf einem extrem hohen Niveau. Für mich ist die Trilogie das Beste, was im Action-Genre in den letzten Jahren auf den Markt gekommen ist. Zumindest kann ich mich an sonst nichts ähnlich Bemerkenswertes erinnern. Reeves ist Wick und Stahelski setzt ihn perfekt (und wahnsinnig realitätsgetreu) in Szene. Es sind zudem die einzigen Filme, die Lysanda und ich seit Beginn unserer Beziehung bereits mehrfach geschaut haben. Wenn das bei dem Überangebot in unseren Regalen kein Kompliment ist, dann weiß ich auch nicht. Ich bin extrem gespannt auf Teil 4 und 5, die sie anscheinend gleichzeitig drehen wollen.

Bester Baumarkt in der anderen Fahrtrichtung: Globus Baumarkt
Darmstadt hat zwar bereits eine vergleichsweise große Auswahl an Baumärkten, aber in der anderen Himmelsrichtung Richtung Rüsselsheim gibt es selbstverständlich auch noch welche. Darunter einen nahegelegenen toom, in den wir aber nur in wirklichen Notfällen gehen (schlechte Beratung, kleines Sortiment, mäßige Preise) sowie etwas weiter weg einen riesigen Globus inkl. Baumarkt. Kommen wir nicht sehr oft hin, da wir selten in diese Richtung fahren. Aber als wir dieses Jahr mal wieder da waren, waren wir erneut begeistert. Hat doch so einiges im Angebot speziell was Farben angeht, was die Konkurrenz nicht zu bieten hat. Und ja, für Immobilienbesitzer sind Baumärkte echte Highlights. Deswegen gleich zwei Erwähnungen im selben Eintrag :smile: .

Beste Serie: Keine
2020 war kein Fernsehjahr bei uns. Was ich zwar grundsätzlich positiv finde aber wir haben es nicht einmal geschafft nach vier Jahren endlich mal Sailor Moon zu beenden (zum Verfassungszeitpunkt noch 18 Folgen). Entsprechend ist es wenig überraschend, dass wir überhaupt keine einzige Serie neu angefangen geschweige denn fertig geschaut haben. Ich weiß nicht, wie andere das schaffen mit den ständigen Neuveröffentlichungen mit zu halten. Ja, auch die neuen Star Trek-Serien kenne ich immer noch nicht. Ich geh‘ mich ja schon in die Ecke stellen und schämen…

Ist sie nicht hübsch?!

Beste Katze: Maya
Lysanda ist schon ganz gespannt darauf zu erfahren, wie ich diese Wahl begründe. Schließlich ist Maya immer noch unser Problemkind. Sie rotzt weiterhin fleißig alles voll und treibt extrem viel Schabernack. Immerhin macht sie nicht mehr auf die Couch und die Tierarztkosten für sie waren 2020 übersichtlich. Sie hatte sich nur mal einen Magen-Darm-Virus eingefangen und vor ein paar Wochen scheint sie beim nächtlichen Toben etwas unsanft gelandet zu sein (Kralle abgebrochen und kleine Hämatom in der Schulter). Aber ich weiche vom Thema ab: Selbstverständlich sind alle unsere Kind…äh Katzen toll. Maya steht hier nur stellvertretend für alle anderen. Und, weil sie eine extrem hübsche und vornehme Katze ist. Ach und, weil sie mittlerweile so toll „Miau“ sagt und nett um Leckerlis fragt. Vielleicht auch, weil sie mir nicht wie Jules oder Balu ständig auf die Pelle rückt und gestreichelt werden will während Pichu meist gar nicht angefasst werden möchte. Sie mag mich außerdem wesentlich mehr als Lyssi. Aber wie gesagt: Ich habe alle unsere Vierbeiner lieb.

Bester Haushalts-Einkauf: Leifheit Zubehör-Set Pegasus
„Bitte? Ein Ding für 7 Euro ist euer absolutes Highlight?!“ Selbstverständlich! Das sind doch die besten Sachen: Billig und doch extrem nützlich im Alltag. Und ich möchte definitiv dieses Zubehör für unseren Leifheit-Wäscheständer nicht mehr missen. Ja, es sind technisch gesehen bereits zwei davon dabei. Aber zwei mehr machen zumindest bei uns einen extremen Unterschied. Ich hab‘ einfach viel zu viele Stofftaschentücher und wenn ich die alle auf die Leine – vielleicht sogar mit Wäscheklammern – ziehen müsste, würde ich bekloppt werden. In den Pegasus klemme ich sie einfach rein und kann sie mit einem leichten Zug nach dem Trocknen schnell und einfach wieder runterholen. Einfach ein geiles Teil.

Bester Videospielesoundtrack: The Executioner
Das dazugehörige Spiel hat mich leider massiv enttäuscht. Gab‘ auch seit dieser Zeit kein weiteres Update für den Titel und von Akt 2 ist ebenfalls noch keine Spur in Sicht. Der Soundtrack von Ivan Dinges und Alexey Ozhgibesov hat mich jedoch umgehauen und erklingt bis heute sehr häufig aus meinen Boxen (jetzt gerade wieder). Speziell das Hauptthema, Sweet Torture, berührt mich bis tief hinab in meine Seele. Schon, wenn bei Sekunde 10 das zweite Mal der tiefe Ton aus dem Klavier ertönt (direkt ganz am Anfang kommt er noch nicht zur Geltung), läuft mir jedes Mal eine Gänsehaut über meine Arme. Der Klang der Laute, die gezielt eingesetzten Klaviertöne und der verstörende „Kindergesang“ – ein extrem verstörender, depressiver und doch auf seine Art und Weise wahnsinnig faszinierender Track. Echt schade, dass es insgesamt nur sechs Lieder (ca. 19 Minuten) auf dem Album gibt. Hätte sehr gerne noch mehr von den beiden gehört. Aber vielleicht kommt ja irgendwann Akt 2 und damit zusätzliche Musik.

Bestes Buch: Braving Britannia
Trotz der drastischen Reduzierung unseres Fernsehkonsums habe ich es auch 2020 wieder nicht geschafft so viel zu lesen, wie ich gerne möchte. Viel zu viele neue Bücher kamen natürlich trotzdem dazu. Gefühlt unterstütze ich auf Kickstarter schließlich aktuell nichts anderes… Aber gut: Von den Büchern, die ich gelesen habe, gefiel mir das Werk von Wes Locher über die Community von Ultima Online definitiv am besten. Wie ich schon im April schrieb: Ich finde es immer spannend mehr über die Hintergründe eines Spiels und seine Entwicklung zu erfahren. Meist erfolgt es jedoch in Form eines Sach- und Fachbuchs mit wenig Gefühl und Menschlichkeit. Bei diesem Werk ist es anders. Hier zeichnet der Autor stattdessen anhand der persönlichen Geschichten von Leuten, die live dabei waren ein Bild des Spiels. Gibt sogar seit Oktober einen zweiten Band, wie ich bei der Recherche gerade herausgefunden habe. Muss ich gleich mal kaufen.

Schicke Kunst by Lysanda L’eau

Bestes Katzenklappendesign: Lysanda L‘eau
Unsere lieben Katzen haben es dieses Jahr irgendwie geschafft die äußere Katzenklappe explodieren zu lassen. Ich fand‘ sie eines Tages in zwei Teile zerbrochen wieder. Keine Ahnung was da passiert ist (ist nicht im Blickfeld der Kamera). Wir mussten also Ersatz beischaffen. Leider haben wir nirgends eine Klappe mit den exakten Maßen gefunden. Entweder sie waren kleiner oder größer. So blieb uns am Ende nur übrig mit Hilfe eines beschichteten (=wegen Witterung) Bretts einen Adapter zu bauen. Und statt dieses Brett passend zuzuschneiden, kam Lysandas kreative Ader auf die Idee es zu bemalen bzw. genauer gesagt zu bepunkten. Das Ergebnis sieht extrem genial aus, wenn ich das so sagen darf und ist garantiert einzigartig. Die Katzen wissen es aber glaube ich nicht zu schätzen :smile: .

Beste Schreibware: Neuland No.One Outliner
Ich helfe zwar schon lange nicht mehr bei Frau Mama im Laden mit und war entsprechend auch ewig nicht mehr auf der Paperworld in Frankfurt am Main. Neue Schreibwarenprodukte finde ich aber trotzdem weiterhin sehr interessant und ich weiß einen guten Stift definitiv zu schätzen. Leider habe ich überhaupt keine Verwendung dafür, da ich so gut wie nie male oder schreibe. Glücklicherweise sieht das bei Lysanda anders aus. Entsprechend kommt doch hin und wieder mal was Neues ins Haus. Und dieses Jahr haben wir die Firma neuland im Allgemeinen und ihre Stifte im Speziellen entdeckt. Aus deren Sortiment besonders gefallen hat mir der nachfüllbare, permanente Konturenmarker „Outliner“ mit Pinselspitze. Der produziert nicht nur ein schön kräftiges und durchgängiges Schwarz auf dem Papier, es macht auch richtig Spaß es zu tun. Ich würde das Gefühl als „luftig leicht” beschreiben. Richtig geniale Sache. Allerdings nicht für kleine Hände geeignet (relativ dick das Ding) und die Gefahr damit herumzusauen ist extrem hoch.

Bester Partner: Lysanda L’eau
Bitte? Aber es stimmt doch! Also zumindest für mich. Eure Einschätzung wird davon höchstwahrscheinlich abweichen. Das ist auch besser so! Mehr als vier Jahre sind wir nun schon verheiratet und auch, wenn es wie in jeder Beziehung seine Höhen und Tiefen gab, gibt und geben wird: Ich würde es wieder tun. Es war die beste Entscheidung, die ich je in meinem Leben getroffen habe! Irgendwann bekommt ihr die Dame vielleicht auch mal zu Gesicht. Mal schauen :wink: .

 

Bevor ich jedoch noch eine Putzfrau rufen muss, um den ganzen Schleim hier weg zu machen, beenden wir lieber den heutigen Eintrag. Kommende Woche folgt wie eingangs erwähnt der „echte“ Jahresrückblick 2020 und bis dahin (und darüber hinaus) dürft ihr gerne eure persönlichen Konsum-Highlights in die Kommentare packen.

King of Monsters (Herstellerbild)

Schon Goethe sagte einst „Heut‘ ists selbst zum Kacken zu warm!“ [Zitatquelle benötigt] – und wie recht er hatte. Ich hatte schon gehofft, dass wir dieses Jahr um länger anhaltende Hitze drum herumkommen aber nein, wie ihr sicherlich ebenfalls schon festgestellt habt – zumindest, wenn ihr nicht im Kühlschrank wohnt -, ist es extrem heiß geworden. Da macht selbst das Zocken vor 23 Uhr keinen rechten Spaß. Mit Kopfhörern schon dreimal nicht. Mit was vertreibe ich mir aktuell also so meine Zeit? Na trotzdem mit zocken…echte Gamer hält so ein bisschen Schweiß doch nicht ab. Aber ich hab‘ tatsächlich auch mal wieder allein ein paar Filme geschaut (Lysanda interessiert nicht alles aus meinem Regal). Gleichzeitig verbringe ich weiter einiges an Zeit mit Co-Optimus.

Working

Im Juli waren es am Ende 667 Steckbriefe, die ich angelegt hatte (die Dutzende, die ich korrigiert habe gar nicht mitgezählt) und im August bin ich auch schon bei über 200. Thema im Juli waren die Arcade Archives des japanischen Publishers HAMSTER Corp. Der hat gefühlt von allen mehr oder weniger namhaften Arcade-Entwicklern wie SNK, Taito oder Konami die Lizenzen gekauft und portiert deren Titel schon seit mehreren Jahren auf PS4, XONE, Switch und sogar PC – und trotzdem waren so gut wie keine davon bereits in der Datenbank. Schwach. Dabei sind darunter logischerweise sehr viele Koop-Kreationen. Ich muss allerdings anmerken: Co-Optimus beschäftigt sich ausschließlich mit Werken, die echte Kooperation erlauben (was ich super finde!). Die meisten Rennspiele und Fighter sind dadurch schonmal außen vor. Gibt also durchaus einige Fallstricke bei dem Thema und bei den alten Schinken noch mehr.

Speziell „Abwechselnd“ ist hier ein Stichwort. Sprich Pulstar unterstützt zwar zwei Spieler, die nicht gegeneinander antreten. Sie spielen aber nicht gemeinsam, sondern abwechselnd. Da musste ich echt höllisch aufpassen, zumal die Retro-Community es gefühlt nicht immer so genau nimmt – worüber ich sowohl verwundert als auch enttäuscht bin. Nehmen wir z.B. das sehr coole King of Monsters. Jede gefundene Webseite behauptet, dass die Arcade-Version des Titels nur 1vs1 bietet und die Kampagne nur solo bestritten werden kann. Und das, obwohl es auf YouTube sogar VIDEOS (!) gibt, die eindeutig den Koop-Modus zeigen. Ich versteh’s nicht… aber gut: Auf Co-Optimus ist es jetzt richtig! :smile:

Nachdem ich mit den Arcade Archives jetzt erstmal fertig bin, habe ich den August unter den Switch-Stern gestellt, da hier ebenfalls viele Lücken herrschen. Entsprechend gehe ich tatsächlich schlicht von vorne nach hinten durch den Nintendo Online-Shop. Dabei stoße ich auf so ultimative Klassiker wie Waifu Uncovered (der Name sagt schon alles) Jurassic Excite (schlagt mit einem Hammer auf niedliche Dinosaurier ein) oder das Spiel mit dem besten Namen ev4r Super Mega Space Blaster Special Turbo (ein 08/15-Shoot’em up und eine erweitere Version von Super Mega Space Blaster Special), die selbstverständlich alle ihren Weg in die Datenbank gefunden haben. Nur bei wirklich absolutem Schund (Asset-Swap-Achievement-Farming-Scheißdreck) spiele ich die Zensurbehörde und entscheide mich gegen die Aufnahme in die Datenbank.

Themenwechsel

Nun aber genug zu meinen Abenteuern in der Welt der kooperativen Spiele. Kommen wir stattdessen zu einem der besagten Filme:

(Cover)

Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1922, DV, Berriatúa-Restauration) – Fast genau zehn Jahre ist es her, da habe ich euch an dieser Stelle von Dracula (1931) erzählt und wie enttäuscht ich doch von diesem so viel gelobten Machwerk war. Ja, Bela Lugosis Darstellung war und ist der Prototyp des berühmten Vampirs wie er noch heute in allen Medien dargestellt wird aber die erste offzielle Verfilmung der Vorlage selbst fand ich eher mittelmäßig bis schlecht. Damals erwähnte ich bereits die deutsche Konkurrenz, ließ allerdings unerwähnt, dass ich Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens tatsächlich bis letzte Woche noch nie komplett gesehen hatte. Schlimm, schlimm :wink: .

1922 brachte Friedrich Wilhelm Murnau den viragierten (=die Bilder wurden einfarbig je nach Stimmung und Ort eingefärbt) Horror-Stummfilm mit Max Schreck in der Hauptrolle in die deutschen Kinos. 94 Minuten lang (bei 18 Bildern pro Sekunde) und basierend auf besagtem Roman Dracula von Bram Stoker (1897) – allerdings ohne die Rechte dazu zu haben. Entsprechend wurden Namen und Orte großzügig abgeändert. Aber auch die Geschichte lässt sich eher vom Original inspirieren als es tatsächlich exakt zu verfilmen. Größter Grund ist, dass der Film nur ein sehr kleines Budget hatte. Entsprechend konnte man nicht mit großartig vielen Charakteren und Drehorten arbeiten. Van Helsing beispielsweise fehlt komplett.

Gelobt wurde der Film speziell wegen seiner Bilder. Nur die Innenaufnahmen wurden in einem Studio gedreht. Alles andere ist innerhalb kürzester Zeit (die Dreharbeiten dauerten 2-3 Monate) hauptsächlich an realen (und teils noch heute existierende) Lokationen in (Nord-)Deutschland entstanden. Max Schreck macht hingegen als Nosferatu eine sehr steife Figur (hier im positiven Sinne). Keine Ahnung ob er sich in seiner Aufmachung tatsächlich nicht mehr richtig bewegen konnte aber er ist definitiv sehr surreal und entsprechend passend zum Charakter unterwegs. Allein durch seine Anwesenheit verbreitet er bereits Angst und Schrecken. Ellen hingegen ist die typische Stummfilm-Frau. Sehr übertriebene, ausladende Gestiken auf die selbst Mister Overacting höchstpersönlich Wilhelm Shatner stolz wäre. Aber so war das halt damals.

Die Geschichte

Nosferatu – Symphonie des Grauens (Promobild)

Der Film erzählt aus Sicht eines Chronisten wie 1838 die Pest nach Wisborg kam. Hauptfigur darin ist Thomas Hutter, Sekretär eines Maklers. Eines Tages beauftragt ihn sein Chef in die Karpaten zu fahren und dem Grafen Orlok ein Haus zu verkaufen. Ein heruntergekommenes Haus, das praktischerweise direkt in der Nähe von Hutters Eigenheim liegt. Aber der Makler verspricht eine hohe Provision und entsprechend macht sich Hutter trotz der Bedenken seiner Frau auf in das fern gelegene Schloss. Schon auf dem Weg dorthin wird dem Zuschauer (Hutter nicht so sehr) klar, dass hier etwas nicht stimmt. Die Besucher des Wirtshauses sind erschrocken als Hutter sein Ziel erwähnt und der Kutscher lehnt die Weiterfahrt kategorisch ab. Als Hutter dann um Mitternacht im Schloss ankommt erwartet ihn Orlok bereits sehnsüchtig und das erste Kennenlernen findet statt. Morgens wacht Hutter dann mit zwei Punkten am Hals auf, denkt sich aber (noch) nichts dabei. In der nächsten Nacht unterschreibt Orlok – nachdem er Hutters schöne Frau gesehen hat – hastig den Kaufvertrag. Diese wiederrum wird Zuhause von Alpträumen geplagt.

Irgendwann kommt Hutter dann doch dank eines Buches über Vampire dem Grafen auf die Schliche und es beginnt ein Wettlauf zurück nach Wisborg. Während der Graf sich zu Schiff auf den Weg macht und die Pest mit sich bringt, reitet Hutter nach Hause. Er ist aber zu spät. Der Graf ist bereits eingezogen und auch in Wisborg breitet sich die Pest aus. Komischerweise hat jedes Pestopfer Bisswunden am Hals. Scheint aber irgendwie niemanden zu stören. Es geht also alles den Bach runter bis Hutters Frau Ellen ebenfalls mal in das Buch reinschaut. Dort steht geschrieben, dass der Vampir nur besiegt werden kann, wenn eine schuldlose Frau ihm freiwillig ihr Blut gibt und er dadurch die Zeit bis zum morgendlichen Hahnenschrei vergisst. Sie opfert sich also, Orlok wird von der Morgensonne getötet und die Pest ist auf einen Schlag weg.

Die Hinterlassenschaft

Wie viele Filme aus der damaligen Zeit – allein von Murnaus vorherigen Werken gelten acht Stück als verschollen -, hatte es auch Nosferatu – Symphonie des Grauens nicht gerade leicht bis in die heutige Zeit zu überleben. Insbesondere, weil Stoker’s Nachlassverwalterin trotz der Veränderungen an der Geschichte nicht untätig blieb und 1925 ein Gericht im daraus folgenden Urheberrechtsstreit entschied, dass alle Kopien des Films zu vernichten wären (andere Zeiten, andere Sitten). Zum Glück waren zu diesem Zeitpunkt bereits Kopien ins Ausland verschifft worden. So hatte man für die Restaurierung zwar nicht das Original aber zumindest Material aus verschiedensten Quellen (z.B. aus Frankreich und Tschechischen) und in unterschiedlichsten Zuständen (sowohl Materialqualität als auch Szenenfolgen und Schnitte). Daraus wurde dann 2005/2006 eine originalgetreue, vollständig digitalisierte und restaurierte Fassung (inkl. allen Zwischentiteln) erstellt. Es gab zwar vorherige Versuche, die sind im Vergleich jedoch ganz klar minderwertiger.

Nosferatu – Symphonie des Grauens (Promobild)

Das Bild ist aber nur die eine Hälfte. Wie damals üblich, wurde der Film live im Kino von einem Orchester vertont. Hans Erdmanns Kompositionen waren jedoch nicht mehr in Gänze und schon gar nicht im Original aufzufinden. Stattdessen haben Musikhistoriker in mühevoller Kleinarbeit aus verschiedensten Quellen (Interviews und sowas) Hinweise gesammelt und dann aus diversen Publikationen und Lehrbüchern die einzelnen Kompositionen zusammengeflickt. Ob es 100% dem Original entspricht werden wir wohl nie erfahren aber es dürfte ihm doch ziemlich nahekommen.

Das Ergebnis ist eine DVD/Blu-ray, die keine Wünsche offen lässt. Das Bild ist astrein, das Orchester in feinstem 5.1 und der Film vermutlich noch nie in so einem guten Zustand zu erleben gewesen. Perfekt!

Beim Christoph meint: Es fällt immer etwas schwer ein Urteil über so uralte Filme zu fällen. Aus heutiger Sicht ist er trotz „nur“ 94 Minuten viel zu langatmig, die schauspielerische Darstellung völlig übertrieben und unnatürlich und von Horror kann überhaupt keine Rede sein. Andererseits wird ihn sicherlich auch niemand schauen, der ihn unter dem Aspekt eines normalen Kino-Blockbusters betrachtet.

Ich für meinen Teil fand die Zeitreise im Gegensatz zu Dracula (1931) äußerst gelungen. Nosferatu ist eine richtig cool in Szene gesetzte Figur (allein wie er auf dem Schiff aus dem Sarg hochkommt), die einem selbst heute noch einen kleinen Schauer den Rücken herunterlaufen lässt. Und die Geschichte selbst ist zwar simpel im Aufbau und bietet heutzutage logischerweise keine Überraschungen mehr. Aber trotzdem ist die Sache spannend und bildgewaltig in Szene gesetzt – was auch dem gelungenen Soundtrack zu verdanken ist. Entsprechend kam bei mir trotz der Behäbigkeit kein Bedürfnis auf ihn auf 24 Bilder pro Sekunde zu beschleunigen. Insofern: Unter den üblichen Prämissen, dass es sich bei Nosferatu – Symphonie des Grauens um einen viragierten Stummfilm aus den 20igern handelt, ganz klare „Sollte man mal gesehen haben“-Empfehlung. Aber Achtung: Vorher das Lesen von altdeutscher Schrift üben. Den handgeschriebenen Brief Hutters an seine Frau hab’ selbst ich nicht verstanden… smile:

Nächste Seite »