Gar nicht so einfach in Ruhe eine Serie/einen Film zu schauen, wenn bestimmte Katzen wie auf 180 durch das Haus jagen – inkl. der großen Gefahr, dass sie (bewusst oder unbewusst) etwas herunterschmeißen. Ja, ich schaue dich an Maya, du kleiner Wirbelwind. Aber gut: Irgendwie haben wir es am Samstag dann doch geschafft das Finale der folgenden Serie halbwegs in Ruhe zu erleben:

Cover

Orphan Black (2013-2017; 50 Episoden [5 Staffeln] á 45 Minuten, DV) – Schon allein aus technischer und schauspielerischer Sicht ist dieses Canadisch-Amerikanische Werk beeindruckend. Im Verlauf der fünf Staffel schlüpft die Hauptdarstellerin Tatiana Maslany in die Rolle von insgesamt 13 Charakteren (plus ein Voice Over) – fünf davon sind Hauptfiguren, kommen also in fast jeder Folge vor. Und es ist nicht gerade selten, dass sie mehr als nur zweimal auf dem Bildschirm zu sehen ist. Und nicht nur zu sehen: Sie interagiert auch physisch mit sich selbst. Ab Staffel 2 kommt noch Ari Millen dazu, der im Verlauf in die Rolle von sechs Charakteren schlüpft. Will gar nicht wissen wie viel Aufwand das war jede Szene x-Mal zu filmen, um dann am Computer alles zusammenzuflicken. Als Zuschauer merkt man auf jeden Fall überhaupt nichts davon und so soll es ja sein.

Und Hut ab vor Tatiana, die wirklich jede der 13 Rollen einzigartig macht. Ja, sie unterscheiden sich optisch teilweise sehr stark. Aber es ist wirklich das Schauspiel, das beeindruckt. Wenn sie Sarah Manning spielt, ist sie einfach ganz anders als wenn sie in die Haut von Alison Hendrix schlüpft. Sie spricht anders und bewegt sich anders. Richtig genial. Das geht sogar so weit, dass ich mir beim Auftauchen von Krystal Goderitch in Staffel 3 erst mal unsicher war, ob es tatsächlich ein weiterer Klon ist oder doch eine andere Schauspielerin. Schon deshalb lohnt sich ein Blick auf diesen SciFi-Thriller. Die beeindruckende Technik allein hält einen aber natürlich nicht bei der Stange. Also worum geht’s überhaupt?

Die Geschichte

Orphan Black (BBC America-Promobild)

Die zentrale Figur ist die Waise Sarah Manning. Sie ist eine draufgängerische Kleinkriminelle und hat eine junge Tochter, die bei ihrer eigenen Pflegemutter lebt. Als sie nach langer Zeit mal wieder in ihrer Heimatstadt am Bahnhof ankommt, wird sie Zeuge eines Suizids. Sie stiehlt die Tasche des Opfers Elisabeth Childs und stellt fest: Die sieht ja fast genauso aus wie ich. Und was macht man als Kriminelle in solch einer Situation? Nicht nur die Tasche ausräumen, sondern planen alles zu stehlen was die Dame besitzen könnte. Keine gute Idee, denn dadurch schlittert sie geradewegs hinein in eine große Intrige rund ums Klonen, genetische Verbesserungen und religiösem Fanatismus. Hätte sie doch nur die Brieftasche gestohlen…

Sie erfährt, dass sie nicht nur ein Klon ist, sondern ein Klon mit eigenem Kind während die anderen Unfruchtbar sind. Das macht sie für die Wissenschaft natürlich besonders interessant. Also gerät sie widerwillig immer tiefer in die Sache hinein. Zusammen mit den anderen Klonen Alison und Cosima setzt sie deshalb notgedrungen die Suche nach der Wahrheit und ihrem eigenen Ich fort, während gefühlt die ganze Welt gegen sie ist.

Kontraste

Orphan Black (BBC America-Promobild)

Orphan Black ist nichts für Zartbesaitete. Es geht nicht gerade zimperlich zu. Im Verlauf der fünf Staffeln wird viel Blut vergossen und viele sterben brutal. Und auch auf der psychologischen Seite hält sich die Geschichte rund um Moral und Ethik in Bezug auf das menschliche Klonen nicht großartig zurück. Was aber nicht heißt, dass alles total düster und depressiv ist. Es gibt sie, die humorvollen Momente und etwas weniger tragische Nebenstränge, die gleichzeitig den Kontrast zwischen den einzelnen Klonen weiter verstärken. Während Cosima die neugierige, lesbische Wissenschaftlerin ist, kämpft Alison als Mutter von zwei Adoptivkindern mit den alltäglichen Problemen ihres typisch amerikanisch Idyll-Vorstadtlebens.

Anfangs wirken diese parallelen Erzählungen ein wenig fehl am Platz in Bezug auf die Haupthandlung, doch die Autoren schaffen es immer diese Stränge auch wieder zurück zu führen. Es dauert mitunter etwas, führt aber dafür oft zu der ein oder anderen überraschenden Wendung und erhöht die Spannung. Gleichzeitig sind sie eine perfekte Gelegenheit die Charaktere besser kennen zu lernen, damit sie einem noch stärker ans Herz wachsen. Man soll ja bei den fiesen Cliffhängern besonders stark mitfiebern.

Beim Christoph meint: Von mir gibt es 5 von 5 Sics. Die Serie ist eine klare Empfehlung für alle, die es etwas spannungsgeladener mögen. Während die technische und schauspielerische Leistung beeindruckend ist, ist es am Ende die Geschichte, die mich bei der Stange hält. Sie regt nicht nur zum Nachdenken an, sondern ist durchweg abwechslungsreich und spannend erzählt. Man will immer erfahren wie es mit Sarah und ihren Schwestern weitergeht. Welcher Stein wird ihnen wohl als nächstes in den Weg gelegt wird? Welche Klone lernen sie noch kennen? Und so weiter und so fort. Zudem führen am Ende alle Fäden zu einem befriedigenden Finale zusammen. Das ist ja leider auch nicht selbstverständlich.

Lysanda und ich haben die letzten beiden Samstage jeweils einen Katastrophenfilm geschaut. Das war tatsächlich keine Absicht. Es hat sich einfach so ergeben. Warum? Ganz einfach: Ich wollte letzte Woche einen bestimmten Katastrophenfilm endlich mal anschauen und dachte mich an den richtigen Namen zu erinnern. Stellte sich heraus, dass nicht der Gesuchte war. Also haben wir diesen Samstag das Werk geschaut, das ich eigentlich letzte Woche sehen wollte. Ihr fragt warum mir dieser Fehler nicht sofort aufgefallen ist? Nun, weil wir von zwei absolut austauschbaren Katastrophenfilmen von Roland Emmerich reden.

In beiden geht es um Klimaveränderungen, in beiden erkennen Forscher die Gefahr aber vertun sich mit der Einschätzung wann es genau zu Ende sein wird (=es passiert früher als gedacht) und die Hauptfiguren sind jeweils gescheiterte Väter, die im Laufe der Geschichte alles für ihre Familie tun, nur um es wieder gut zu machen. Ich rede von diesen beiden Werken:

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2012 (2009, DV) – 2009 wird festgestellt, dass aufgrund einer ungewöhnlich starken Sonneruption und der dazugehörigen erhöhten Strahlung sich der Erdkern aufheizt. Die Folge ist eine Kettenreaktion, die 2012 zur Verschiebung der tektonischen Platten mit allen dazugehörigen mehr oder weniger lustigen Problemen wie Erdbeben, Tornados und Überschwemmungen führt (deswegen der Titel). Mit der Welt geht es also den Bach runter und wie es sich für einen Katastrophenfilm gehört geht einiges spektakulär und auf beeindruckende Weise kaputt. Ja, es ist völlig überzogen und hier und da hat vor allem in der Mitte des Films0 das CGI-Budget nicht ganz für eine glaubwürdige Darstellung ausgereicht aber passt scho‘ :smile: .

2012 (Columbia Pictures-Promobild)

Mittendrin in Los Angeles ist unser „Held“ Jackson Curtis (John Cusack), ein erfolgloser Schriftsteller, der sein Geld als Fahrer für einen russischen Milliardär verdient und – wie oben erwähnt – ein schlechter Familienvater ist, der sich aus diversen Gründen nie richtig um seine Kinder gekümmert hat. Aber im Angesicht des Unglücks entwickelt er ungeahntes Pflichtbewusstsein und holt mit der Limousine seines Chefs seine Familie (und den neuen Partner seiner Frau) während um ihn herum die Stadt in sich zusammenfällt. Was folgt ist eine Sequenz die gleichzeitig vollkommen bescheuert und doch irgendwie genial ist. Zuerst springen sie buchstäblich mit der Limousine durch die Stadt (über Gräben, durch auseinanderfallende Hochhäuser, etc.) bevor sie zu einem Flughafen gelangen und dann ganz knapp mit einem Flugzeug entkommen während Los Angeles optisch eindrucksvoll ins Meer versinkt (hier ist das ganze CGI-Budget verschwendet worden).

Anschließend geht es auf den Weg nach China, wo die Regierungen der Welt 2009 angefangen hatten Archen zu bauen. Natürlich gibt es den ein oder anderen Rückschlag wie z.B. die Tatsache, dass das Unglück zu früh einbricht und noch nicht alle Archen fertig sind und natürlich ein dramatisches Finale sobald die Überschwemmung einsetzt. Gleichzeitig wird viel mit der Moralkeule geschwungen und vor allem auf die böse (amerikanische) Regierung geschimpft, die sich nicht um die normalen Leute kümmert. Aber am Ende erwartet euch selbstverständlich ein Happy End und alle (überlebenden) zweidimensionalen Charaktere haben etwas dazu gelernt, ihre Schwächen überwunden und sind wie die Erde an sich bereit für einen Neuanfang. *yay*

Beim Christoph meint: Meine Erwartungshaltung an einen Katastrophenfilm ist nicht wirklich hoch. Es muss viel optisch spektakulär kaputt gehen und die Zerstörungsorgien mit einer halbwegs soliden Geschichte verbunden sein. Das ist in 2012 eindeutig gegeben, weshalb es von mir 3 von 5 Sics gibt. Über die rund 2 1/2 Stunden Laufzeit war mir nie langweilig, weil immer irgendetwas los war und imposant kaputt ging. Und obwohl die Charaktere völlig zweidimensional ihre Klischees erfüllten, gab es doch viele nette und auch mal amüsante Momente. Allen voran natürlich Woody Harrelson als der völlig bekloppte Verschwörungstheoretiker Charlie Frost. Muss man den Film gesehen haben? Nein, absolut nicht. Aber in Sachen stupide Abendunterhaltung gibt es definitiv viele Filme, die schlechter sind. Zum Beispiel der hier:

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The Day After Tomorrow (2004, DV) – Die Polkappen schmelzen und in einem nicht näher definierten Jahr führt die dadurch entstehende Abkühlung des Meeres dazu, dass der Golfstrom aufhört zu funktionieren. Die Folge ist klar: Die Welt kühlt dramatisch schnell ab. Eine neue Eiszeit steht bevor. Der Wissenschaftler Jack Hall hat das auch vorhergesagt, ging aber davon aus, dass es noch ein paar hundert Jahre dauert. Die US-Regierung wollte davon natürlich nichts hören. Schließlich würde solche Panikmache ja nur der Wirtschaft schaden. Und selbst als alles anfängt den Bach runter zu gehen (Tornados in Los Angeles! Schnee in Neu-Dehli! Hagelschauer in Tokio!), interessiert es den amerikanischen Vize-Präsident nicht besonders. Ja, der Film ist nicht gerade zurückhaltend in Bezug auf seine „Klimawandel ist böse und die Regierung tut nichts dagegen!“-Message.

Aber dieses ganze Geschachere in Washington ist gar nicht so relevant, denn eigentlich geht es um Jack Hall (Dennis Quaid). Als Klimatologe muss er viel um die Welt reisen und konnte entsprechend nicht für seinen Sohn Sam da sein. Der wird übrigens von Jake Gyllenhaal in einer absoluten Fehlbesetzung gespielt. Ich habe keine Ahnung wer sich gedacht hat „Hey, lasst uns die Rolle eines High-School-Schülers mit einem damals 23jährigen besetzen, der aussieht wie 30 und den ganzen Film hindurch einen gelangweilten Gesichtsausdruck hat“ aber ich hoffe er wurde anschließend entlassen.

The Day After Tomorrow (20th Century Fox-Promobild)

Naja, auf jeden Fall ist Sam zusammen mit seiner Schulklasse nach New York gereist bevor die Scheiße den Ventilator getroffen hat und dort nun in der Stadtbibliothek gefangen. Erst kommt die selbst für 2004er Verhältnisse schlechte CGI-Flut, dann gefriert alles (auch die eigentlich trockenen Fliesen… Realismus pur!). Sam und seine Freunde müssen solange überleben bis Jack kommt, um ihn zu retten. Schließlich muss Jack seine jahrelange Vernachlässigung durch eine sinnlose Heldentat wieder gut machen. Übrigens eine Heldentat die – ohne zu viel zu spoilern – aus meiner Sicht überhaupt nicht nötig war und nur Menschenleben gekostet hat. Aber am Ende hat ein Kind mit Krebs überlebt (eine weitere sinnlose B-Story), die eine Hälfte der Erde ist mit Eis bedeckt, Millionen von Menschen tot und Vater und Sohn wiedervereint. Na toll.

Beim Christoph meint: The Day After Tomorrow ist nur knapp 2 Stunden lang, also kürzer als 2012 aber selbst das war schon zu viel. Ich habe mich so dermaßen gelangweilt, dass ich nur 1 von 5 Sics vergeben kann. Es war wohl eine Fügung des Schicksals, dass ich statt zu diesem Film erst zu 2012 gegriffen hatte. Für einen Katastrophenfilm geht zu wenig kaputt und wenn doch mal was kaputt geht, ist es belanglos und sieht selbst für 2004 scheiße aus. Dazwischen zu viele unterinteressantes Gelabbere von zweidimensionalen Charakteren ohne, dass es irgendjemanden wirklich weiterbringt oder ich plötzlich anfange mitzufühlen. Charakterentwicklung gleich null. Wieso der Film bei IMDB besser bewertet ist als 2012 kann ich absolut nicht nachvollziehen. Finger weg.

So viel also dazu und ihr seht: Die Verwechslungsgefahr ist groß. Hätte euch genau so passieren können, dass ihr den einen mit dem anderen verwechselt. Umso interessanter ist es, dass trotzdem die Qualität der Machwerke so weit auseinander geht. Und damit gebe ich ab bis Montag. Henry wartet!

Kingdom Come: Deliverance? Zum Verfassungszeitpunkt exakt 100 Bruttospielstunden. Am Dienstag kommt der dritte DLC und ich arbeite mich gerade durch den zweiten. Insofern gibt es von der Videospielefront weiterhin nichts Neues zu berichten. Widmen wir uns also erneut der analogen Art von Unterhaltung: Tote Bäume mit komischen Zeichen drauf, die in der richtigen Reihenfolge gelesen entweder eine mehr oder weniger interessante Geschichte erzählen oder mehr oder weniger nützliche Informationen vermitteln. Ist das nicht eine geniale Erfindung? Und heute möchte ich euch diese englischsprachigen Werke vorstellen:

Das Buch

500 Years Later: An Oral History of Final Fantasy VII (Matt Leone, ca. 35 Euro, 240 Seiten) – Über Final Fantasy VII wurden vermutlich schon tausende Bücher und Texte verfasst. Insofern befindet sich das über Kickstarter finanzierte Werk des britischen Verlags Read-Only Memory in guter Gesellschaft. Was hebt es also von der Konkurrenz ab? Nun, der größte Teil der Geschichte wird nicht durch den Autor erzählt, sondern von den Leuten, die mehr oder weniger direkt an der Entwicklung beteiligt waren. Und zwar nicht nur die bekannten Hauptfiguren, sondern auch Personen z.B. aus der Marketing-Abteilung, deren Namen man bislang vielleicht nicht kannte.

Matt Leone hat mit mehr als 30 Leuten Interviews geführt und diese dann thematisch miteinander verbunden. Die Grundstruktur des Buchs folgt der Entstehung bis hin zur Veröffentlichung von Final Fantasy VII und etwas darüber hinaus. Jedes Kapitel wird kurz vom Autor eingeleitet, bevor er vollständig das Wort an die Beteiligten übergibt und die Zitate so sortiert, dass man als Leser (fast) den Eindruck erhält, die Personen wären in einem Raum und würden sich unterhalten. Das stimmt natürlich nicht, ist aber ein wirklich genialer Ansatz, der erstaunlich gut funktioniert.

Wichtig zu erwähnen ist, dass das Buch technisch gesehen nicht neu ist. Stattdessen handelt es sich um eine erweiterte Version der Reportage Final Fantasy 7: An oral history. Diese hatte Matt Leone vor zwei Jahren für Polygon geschrieben. Das Werk ist also prinzipiell auch für Umme erhältlich. Der Unterschied zwischen Buch und Artikel sind neben der schicken physischen Form acht zusätzliche Interviews, die aber separat vorliegen und nicht zusätzlich eingewoben wurden. Außerdem gibt es 16 schwarz-weiß Illustrationen sowie ein Vorwort von Hironobu Sakaguchi, dem „Erfinder“ von Final Fantasy. Mit im Paket sind außerdem ganze drei Lesezeichen. Eins davon fungiert als Dekodierer, um ein Easter Egg im Buch zu entschlüsseln.

Beim Christoph meint: Der Inhalt des Buchs selbst ist interessant und gut aufbereitet. Was mich stört ist die Aufmachung des Werks. Damit meine ich nicht das Format oder die Qualität des Papiers (matt). Daran gibt es nicht auszusetzen. Mein Problem ist, dass die Texte des Autors warum auch immer in einer Schriftgröße für Blinde gedruckt wurden (musste das Buch eine bestimmte Seitenzahl haben?!). Das hat der Verlag zwar bereits bei Britsoft: An Oral History als Stilmittel eingesetzt aber da war es nicht so häufig, störte also weniger. Zusätzlich sind die für das Easter Egg relevanten Seiten sowie die Bonusinhalte mit dunklem Pink auf hellem Pink verfasst – also quasi Augenkrebs. Das trübt den ansonsten wirklich gelungenen Gesamteindruck.

Die Idee die Interviews zu zerstückeln und durch sie die Geschichte zu erzählen ist nicht nur mal was Neues, sie funktioniert auch überraschend gut. Außerdem bin ich mir sicher, dass selbst für Hardcoregans die ein oder andere neue Information enthalten ist, weil eben Leute zu Wort kommen, die sonst eher nicht gefragt werden. Aber das gibt natürlich bereits der Onlineartikel her. Für die paar zusätzlichen, sehr kurzen Interviews allein lohnt sich der Kauf vermutlich nicht. Aber wer sich für Final Fantasy VII interessiert und wie ich gerne was Reales in der Hand/Regal haben möchte, dem kann ich trotz der zwei Probleme bei der optischen Aufmachung das Werk absolut empfehlen.

Das Buch

The Heart of Dead Cells: A Visual Making-Of (Benoît Reinier, 25 Euro, 160 Seiten) – Der Verlag Third Editions ist in Frankreich bereits eine feste Größe mit mehreren Dutzend veröffentlichen Büchern vor allem über Videospiele aber auch zu Animes und dergleichen. Seit ihrem ersten Kickstarter in 2016 haben sie im englischen Markt Fuß gefasst und übersetzen langsam aber sicher ihren Produktkatalog. Mit The Heart of Dead Cells: A Visual Making-Of ist nun das erste nicht über Crowdfunding-finanzierte, englischsprachige Buch erschienen. Wie der Name schon sagt geht es um Dead Cells dem im August 2018 erschienen Roguelike-Metroidvania des französischen Entwicklerstudios Motion Twin. Das Spiel kam sowohl bei Kritikern als auch Spielern grundsätzlich gut an. Ich selbst habe es noch nicht gespielt aber da mich Spieleentwicklungsgeschichten grundsätzlich immer interessieren und aufgrund meiner extrem guten Erfahrungen mit Third Editions habe ich mir trotzdem das neue Buch sofort geholt.

Der Autor, Benoît Reinier, ist Journalist beim französischen Spielemagazin Gamekult, hat bereits für Third Editions Bücher geschrieben (u.a. über Diablo und The Witcher, die aber noch nicht auf Englisch übersetzt wurden) und macht noch einige andere Sachen. Vor allem ist er aber ein Dead Cells-Fanboy. Das mag erst einmal übertrieben klingen aber schon im Vorwort gibt er zu, dass er das Gefühl hat viel zu diesem Titel beigetragen zu haben durch seine Streams, durch seine Aktivität im Forum und seinen Vorschlägen an die Entwickler. Wer wäre also besser geeignet ein Buch über dieses Spiel zu schreiben? Nun, um das Fazit vorwegzunehmen: Jeder andere.

Der Inhalt

Wie es sich für ein „Visual Making-Of“ gehört, ist das Buch in einem größeren Format gedruckt, voller großformatiger Bilder und mit vergleichsweise wenig Text – aber wesentlich mehr als in vielen Artbooks, die beispielsweise einer Collector’s Edition beiliegen. Allerdings ungewohnter Weise auf mattem Papier gedruckt, was bei einem sehr bunten Titel wie Dead Cells etwas unglücklich ist, da die Farben dadurch nicht ganz so gut zur Geltung kommen. Zusätzlich fällt auf, dass gar nicht so viele Bilder aus unterschiedlichen Entwicklungsstufen des Spiels enthalten sind, sondern vor allem Screenshots des fertigen Spiels – und diese auch noch von der unspektakulären Sorte (=Held steht gelangweilt in der Landschaft rum). Wenn ich mir die Bilder auf der Steam-Shopseite anschaue und sie mit dem Buch vergleiche könnte man fast denken zwei komplett unterschiedliche Spiele vor sich zu haben. Es gibt sie zwar die Design Studien, Storyboards und freigestellten Charaktersprites aber unterm Strich empfand ich es als zu wenig für ein Buch, dass sich „A Visual Making-Of“ auf das Cover schreibt.

Und auch der Text in einer vergleichsweise großen Schriftart lässt zu wünschen übrig. Man merkt dem Autor zu sehr an, dass er nur einen einzigen Tag Zeit hatte die Entwickler zu besuchen und mit ihnen Interviews zu führen. Den Rest musste er sich z.B. über Blog-Einträge selbst zusammensuchen und verweist sogar auf selbige für tiefergehende Informationen. So bekommt man als Leser allenfalls einen sehr oberflächlichen Eindruck von Motion Twin, Dead Cells und der Entwicklung desselbigen. Und geht es bei so einem Buch nicht eigentlich genau darum?

Beim Christoph meint: Ich war und bin wirklich enttäuscht von The Heart of Dead Cells: A Visual Making-Of. Ja, das liegt sicherlich auch viel an meiner bisherigen Erfahrung mit Büchern von Third Editions. Aber ohne diesen Vertrauensvorschuss hätte ich das Buch nie gekauft. Insofern kann ich diesen Punkt zumindest für mich selbst nicht außer Acht lassen. Doch selbst wenn ich das ignoriere muss ich ganz klar sagen: Das Buch ist absolut kein Vergleich nicht nur zu den restlichen Werken von Third Editions, sondern auch vielen weiteren Making-Of-Büchern in meinem Regal. Als Nicht-Fan des Spiels ist das Buch keine Empfehlung und selbst Dead Cells-Liebhabern empfehle ich über den Kauf ganz genau nachzudenken. Mehr Informationen als ihr bereits im Internet gelesen habt, werdet ihr darin nicht finden und die Auswahl und Qualität der Bilder ist wie gesagt nichts, was einen aus den Socken haut oder gar als „Coffee Table Book“ geeignet wäre. Sehr schade.

HÄ?! ICH KANN EUCH NICHT HÖREN! SCHREIBT LAUTER! BITTE? WARUM ICH SO LAUT MUSIK HÖRE? WEIL MAN DAS HALT SO MACHT! Also zumindest machen die unheimlichen Typen in ihren 3er BMWs das immer…verstehen tue ich das nicht aber ich will ja cool sein. WAD? WAS HAT EINE LAUS DAMIT ZU TUN? ACHSO, IHR FRAGT WAS DA ÜBERHAUPT SO LAUT AUS DEN BOXEN KOMMT? KEINE AHNUNG ABER VIELLEICHT IST ES EINER DER FOLGENDEN FÜNF SPIELESOUNTRACKS, DIE SIND NÄMLICH GANZ GUT UND KRIEGEN VON MIR ENTSPRECHEND EINE HÖREMPFEHLUNG! UND JETZT HÖRT DOCH ENDLICH AUF SO LAUT ZU SCHREIBEN. Das tut doch in den Ohren weh.

(Cover)

Age of Wonders III (2014)

Komponist: Michiel van den Bos (Overlord)
Umfang: 02:02:46 (36 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Nur als Teil des Deluxe Edition DLC (6,99€ auf Steam) erhältlich

Ein Soundtrack zu einem Strategiespiel mit Mittelalter- und Fantasysetting? Was wird einen da wohl erwarten? Ein riesiges Orchester, viel Holz, viel Blech, schwere Trommeln, hier und da etwas Chor und daraus entsteht ein absolut episches und überwältigendes Hörerlebnis, das einem aus dem Stuhl haut. Nicht ganz (auch wenn ich solche Soundtracks auch gut finde). Van den Bos setzt zwar tatsächlich auf ein klassisches Orchester mit den üblichen Elementen und es gibt die (gelungenen) Lieder wie „Triumph Within Reach“ oder „Respawn“, die auch das Blut in Wallung bringen. Aber er versteht es ebenso gekonnt mit wenigen ausgewählten Instrumenten und langsameren Tempo Dramatik auf eine weniger holzhammerartige Weise über mehrere Minuten hinweg zu erzeugen ohne, dass dadurch ein langweiliger Ambient-Soundtrack entsteht. Damit schafft der Komponist ein Werk, dass grundsätzlich anders klingt als beispielsweise ein 08/15-Fantasy-Soundtrack von Dynamedion und kann sich alleine dadurch schon vom Rest abheben. Das Arrangement des Albums ist so gestaltet, dass sich eine angeheme Abwechslung zwischen epischen, dramatischen und lockeren Liedern ergibt, die den Hörer bei der Stange hält und ihm trotzdem Pausen gönnt.

Persönliches Lieblingslied: Track 13 – Battle Macabre [03:02] (Anhören)

Ein gutes Beispiel für eines der langsameren aber nicht weniger spannenden Werken. Über die drei Minuten hinweg wird vor allem durch die Percussions Wellenartig und sehr langsam auf einen Höhepunkt zugearbeitet, der technisch gesehen nie kommt. Total gemein.

(Cover)

Dune 2000 (1998)

Komponist: Frank Klepacki (Command & Conquer)
Umfang: 01:10:40 (17 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Lieder derzeit nicht legal erhältlich

Wundert mich tatsächlich, dass ich von diesem Soundtrack bislang tatsächlich noch nicht geschwärmt habe. Schon Klepackis Werk zu Dune II: Battle for Arrakis lief bei mir stundenlang hoch und runter. Diese durchweg spannungsgeladene SciFi-Midi-Musik, die nicht nur so ganz anders klingt als der eher rockige Soundtrack zu Command & Conquer. Einfach nur genial. Dune 2000 entfaltet bei mir grundsätzlich die gleiche Wirkung, ist jedoch ähnlich wie das dazugehörige Spiel durch die technischen Fortschritte in der Zwischenzeit einfach runder und stimmiger. Die einzelnen thematischen Elemente (hardrockige Harkonnen, klassische Atreides, komische Ordos) kommen viel besser zur Geltung und erhalten mehr epische Breite ohne dabei ihre ganz eigene Identität irgendwo zwischen Orchester- und Elektrosound zu verlieren. Es gibt einfach kein Strategiespiel das auch nur annähernd so klingt wie Westwoods Dune-Trilogie und Dune 2000 trifft bei mir genau den „Sweet Spot“ zwischen der groben Midi-Musik von Dune II und den feingeschliffenen Elektro- und Rocksound von Emperor: Battle For Dune.

Persönliches Lieblingslied: Track 12 – Rise Of Harkonnen [03:37] (Anhören)

Ja, man darf die Harkonnen eigentlich nicht gut finden (und Baron Harkonnen ist auch ein ekelhafter Typ). Aber hey: Sie sind die Bösen und entfalten allein dadurch schon eine gewisse Anziehungskraft und sie haben aus meiner Sicht die stärksten Einheiten im Spiel (habe es bis heute weder in Dune II noch Dune 2000 mit den Atreides oder den Ordos den Sieg davonzutragen). Und das Motiv dieses Tracks gibt ganz klar wieder: Hier kommen wir und mit uns ist nicht zu spaßen.

(Cover)

Hive Jump (2017)

Komponist: Big Giant Circles (There Came An Echo)
Umfang: 01:54:04 (47 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (1,11 US-Dollar)

Jimmy Hinson in Bestform und nach seinem Orchester-Ausflug mit There Came An Echo zurück mit einer vollen Ladung Chiptune. Veteranen werden viele Klänge und Motive sicherlich bekannt vorkommen. Das tut dem Hörerlebnis aber keinen Abbruch – ganz im Gegenteil. Hinson holt für diesen Soundtrack alles raus und vermischt gekonnt Altem mit Neuem. Das Ergebnis sind gewohnt schnelle aber sehr melodische Chiptune-Kracher, die den Hörer zum einen zurückversetzen in die Hochzeit der Arcade-Titel und zum anderen noch lange nach dem letzten Ton im Kopf bleiben. Gleichzeitig sind sie nicht so hart und piepsig wie bei so manch anderem Chiptunewerk, was das Album – wie fast alles von Big Giant Circles – auch für normale Ohren ertragbar macht. Nett: Die zweite Hälfte des Albums besteht aus den gleichen Tracks wie die erste aber in einer loopbaren Variante.

Persönliches Lieblingslied: Track 02 – Deployment [04:00] (Anhören)

Ich mag Aufwärmlieder. Ihr wisst schon: Tracks, die so klingen als würde jemand oder etwas auf etwas hinarbeiten, vorbereiten oder ankündigen. Sie bereiten nicht nur den Spieler im Spiel vor, sondern auch den Zuhörer auf das was noch kommt. So wie „Take Off (Scramble)“ aus Wing Commander oder „Intro“ aus TFX. „Deployment“ schlägt für mich in die gleiche Kerbe. Man kann förmlich spüren wie sich der Komponist zurückhält nicht die Bombe platzen zu lassen. Stattdessen wird mehrfach das Tempo wieder rausgenommen, wieder von vorne angefangen und dabei das Grundmotiv leicht verändert. Als Hörer halte ich es vor lauter Anspannung nicht mehr auf dem Stuhl aus.

(Cover)

Neon Chrome (2016)

Komponist: Jonathan Geer (Owlboy)
Umfang: 00:32:23 (11 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (4,99 US-Dollar)

„Neon“ im Namen, das kann ja nur eine Hommage an die Cyberpunk-Musik der 80iger Jahre bedeuten – und ihr habt Recht. Schon die ersten Takte versetzen euch direkt in das Intro eines C-Movies. Netterweise ist aber nicht das gesamte Album so gestaltet. Anders als beispielsweise der Soundtrack zu FarCry 3: Blood Dragon, beschränkt sich Geer auf einen behutsamen Einsatz des Synthesizers und erzeugt die Cyberpunk-Atmosphäre lieber mit moderneren Elektrosounds. Die Tracks auf dem Album schaffen es einen guten Mittelweg zwischen langsamer, atmosphärischer Hackermusik (siehe Uplink) und action-geladenem SciFi-Haudrauf zu gehen ohne völlig auf Spannungsbögen oder gar Dramatik (gehört zu Cyberpunkt ja zwingend dazu) zu verzichten. Und obwohl jeder Track anders klingt als der vorherige, ergibt sich doch ein stimmiges Gesamtbild. Trotz der teils sehr großen Unterschiede fühlt sich nichts am Arrangement unpassend oder falsch an.

Persönliches Lieblingslied: Track 03 – Cybernetic [02:29] (Anhören)

Das Intro hat mich sehr an den Soundtrack von Project I.G.I erinnert. Es ist die Ruhe vor dem Sturm (ja, schon wieder :smile: ). Man weiß, dass etwas passieren wird aber aktuell ist der Protagonist noch im Schatten und am Herumschleichen. Es gibt keine echten Höhepunkte, das Motiv ist sehr einfach gehalten und doch: Es hat seinen Charme und fühlt sich irgendwie gut an.

(Cover)

Spell Team Death Match (2013)

Komponist: Bignic (Corporate Lifestyle Simulator)
Umfang: 00:16:01 (5 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (4 US-Dollar)

16 Minuten Hardcore-Chiptune/Elektronik. Damit lässt sich Bignics Werk wohl am einfachsten beschreiben. Von der ersten Sekunde an geht es massiv zur Sache und der Bass kommt nicht mehr zur Ruhe. Harte und schnelle Beats mit recht einfach gehaltenen Motiven erwarten den Hörer, der vermutlich am Ende des Albums erschöpft in seinem Stuhl zusammensackt, weil sein Herz dringend eine Pause braucht. Es ist Bignic in absoluter Reinform, ohne irgendeinen Schnickschnack. Definitiv nicht jedermanns Sache und nichts, was man vermutlich mehrmals am Stück ertragen kann aber manchmal eben genau das Richtige um mal Frust abzulassen.

Persönliches Lieblingslied: Track 01 – Crimson [01:21] (Anhören)

Technisch gesehen wird über die 81 Sekunden hinweg nur das Motiv aus den ersten Sekunden wiederholt und mit weiteren Tönen überlagt. Aber keine Ahnung warum: Es fixt mich an und bringt mich sofort zum Headbangen. Es macht sofort klar, dass das nachfolgende kein Spaziergang wird und bereitet mich entsprechend perfekt auf den Rest des Albums vor.

 

Und damit entlasse ich euch bis kommenden Montag. Viel Spaß beim Reinhören!

Die Umsätze auf dem Buchmarkt sinken seit Jahren. Also nicht nur die der traditionellen Papiermachwerke, sondern tatsächlich der Gesamtmarkt. Gleichzeitig lesen die Menschen technisch gesehen immer mehr. Kaum ist man aufgewacht, wird das Handy angemacht und durch den Facebook-/Twitter-/Instragram-/Was-auch-immer-Feed gescrollt. Auf der Arbeit geht erstmal Outlook auf und es werden fleißig E-Mails gelesen. In der Mittagspause wird die Webseite der bevorzugten (=gleiche Meinung) Nachrichtenagentur aufgerufen. Und so weiter und so fort. Wir sind quasi alle so sehr damit beschäftigt den ganzen Kram zu lesen, um am Ende noch Zeit und Lust zu haben was „Richtiges“ zu lesen. Und nein, ich nehme mich da ganz klar nicht von aus.

Wobei die Definition von „Richtig“ natürlich auch je nachdem wen man fragt weit auseinander gehen kann. Für den einen sind Teenie-Romane nicht einmal als Klopapier verwendbar, für den anderen der einzige Grund überhaupt ein Buch in die Hand zu nehmen. Und das ist okay so. Hauptsache wir lesen überhaupt Texte, die mehr als 140 Zeichen haben (ja, ich weiß, dass Twitter das Limit schon vor langem erhöht hat) und unseren Horizont etwas mehr erweitern als der nächste halbgare Angstbericht über irgendwelche politischen Unruhen in Hinter-Timbuktistan, würde ich sagen. Und um euch dabei zu unterstützen, gibt es seit langem mal wieder ein paar Berichte zu Büchern, die ich so gelesen habe. Die Links gehen zu Amazon. Dort könnt ihr auch in die jeweiligen Titel reinschnuppern.

Achtung: Alle besprochenen Bücher liegen derzeit nur auf Englisch vor!

(Cover)

Hardcore Gaming 101 presents: Castlevania (Kurt Kalata, 2014, 6 bzw. 23 Euro, 158 Seiten) – Über 20 Bücher hat der Kopf hinter der Webseite Hardcore Gaming 101, Kurt Kalata, mittlerweile veröffentlicht. Da komme ich gar nicht mit dem Kaufen, geschweige denn mit dem Lesen nach. In diesem Buch geht es, wie der Name schon sagt, um die Castlevania-Serie. Jedes einzelne Spiel vom 8-Bit-Original aus dem Jahre 1986 bis hin zum bislang letzten Titel Castlevania: Lords of Shadow 2 (2014) werden genauso besprochen wie obskure Spin-offs (z.B. Kid Dracula), gelungene Ableger (Castlevania: Order of Shadows für Handys) und mehr oder weniger freche Klone (z.B. Vampire: Master of Darkness). Oder einfacher ausgedrückt: Ihr erfahrt auf „nur“ 158 Seiten alles Wichtige über jeden halbwegs für die Castlevania-Reihe relevanten Titel.

Der Aufbau des Buchs ähnelt stark dem von SEGA Arcade Classics Volume 1, was aber absolut nicht schlecht ist. Umrahmt von zahlreichen Screenshots beschreibt der Autor jedes Spiel so ausführlich wie notwendig. Sprich die einflussreichsten und bekanntesten Titel wie Castlevania: Symphony of the Night werden über mehrere Seiten hinweg abgehandelt während die meisten anderen nur zwei oder drei Seiten spendiert bekommen. Aber ich hatte trotzdem nie das Gefühl, dass ich deswegen etwas verpasst hätte.

Er geht stattdessen bei allen Titeln auf das Spielprinzip und die Geschichte ein, beschreibt die Technik und den Soundtrack und vergleicht auch fleißig alles mit den anderen Vertretern der Serie sowie anderen bekannten Titeln aus der Zeit. Zusätzlich wird jeweils die Historie betrachtet (z.B. wie der Titel bei den Fans ankam) und er beschreibt mehr oder weniger subjektiv die Stärken und Schwächen. Außerdem gibt es vor allem bei den Haupttiteln nette Zusatzinformationen wie Charakterporträts, regionale Unterschiede und derlei Trivia. Das ist sprachlich mitunter nicht ganz so abwechslungsreich, weil eben viele Seiten lang einfach nur Spielmechaniken beschrieben werden. Aber für so ein Nachschlagwerke ist das völlig okay und richtig. Es hat ja nicht den Anspruch die Literaturwelt zu erobern, sondern soll informieren.

Beim Christoph meint: Ich habe abseits der Lords of Shadow-Titel noch kein einziges Castlevania tatsächlich gespielt (ihr wisst schon: Mangels Plattform). Aber nach der Lektüre von Hardcore Gaming 101 presents: Castlevania kann ich nun endlich mitreden. Wer also grundsätzlich ein Interesse an der Serie hat und nach einem Gesamtüberblick über Castlevania sucht, der ist hier definitiv richtig ohne gleich von seitenlangen Wikipedia-Artikeln erschlagen zu werden. Ob für echte Fans der Serie irgendetwas Neues drinsteht wage ich zwar zu bezweifeln aber selbst für sie ist es als kleines Lexikon im Bücherregal sicherlich eine gute Investition.

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Terrible Old Games You’ve Probably Never Heard Of (Stuart Ashen, 2015, 5 bzw. 15 Euro, 192 Seiten) – Der Name sagt eigentlich schon alles. Von einem E.T. the Extra-Terrestrial (1982) oder Superman 64 (1999) haben wir schließlich schon alle mal gehört und die kommen in diesem Buch nicht vor. Stattdessen begibt sich der Autor in die tiefsten der tiefsten Abgründe vor allem der 80iger und kramt auf 156 Seiten (aber sehr kleines Buchformat) wirklich den allerletzten Scheiß hervor. Die restlichen Seiten sind Backer-Namen, da das Buch über Unbound finanziert wurde.

Der Titel ist dabei definitiv Programm, denn zumindest ich habe noch von keinem einzigen davon gehört – zu Recht, wenn man sich die Beschreibungen durchliest. Stuart Ashen hat tatsächlich jedes einzelne der 19 besprochenen Spiele selbst gespielt und berichtet ausführlich über das Spielprinzip (oder dessen nicht Vorhandensein) und warum genau dieser Titel es verdient hat im Buch erwähnt zu werden inkl. natürlich zahlreichen Screenshots, damit ihr die Ödnis mancher Werke euch nicht nur vorstellen müsst. Das ist auch definitiv das Gelungene an diesem Machwerk. Da es echte Erfahrungsberichte sind und keine vermeintlich objektiven Spieletests, kann man viel besser mit dem Autor mitfühlen und verstehen, warum das ein so schlechtes Spiel ist. Vor allem aber führt es zu einem flüssigeren und amüsanteren Leseerlebnis.

Beim Christoph meint: In diesem Buch ist kein einziger Titel, den ich jemals spielen werde. Und wenn ich vom jeweiligen Spiel nie erfahren hätte, hätte ich absolut nichts verpasst. Aber es hat trotzdem Spaß gemacht das Werk zu lesen. Was die Vergangenheit angeht, hat man ja doch eher die rosarote Brille auf und vergisst, dass damals wie heute viel Schrott auf den Markt geworfen wurde (damals vielleicht sogar noch mehr). Entsprechend ist es nett auch mal mehr über diese Seite des Videospielemarkts zu erfahren und dank der lustigen Schreibe von Stuart Ashen ist es definitiv weniger öde, als es auf den ersten Blick klingen mag. Objektiv empfehlenswert ist das Buch aber trotzdem vermutlich nur für wirklich retro-interessierte Leser.

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Attack of the Flickering Skeletons (Stuart Ashen, 2017, 6 bzw. 15 Euro, 208 Seiten) – Der Nachfolger zu Terrible Old Games You’ve Probably Never Heard Of. Ja, man mag es kaum glauben aber in den 80igern sind mehr als nur 19 extrem schlechte Videospiele erschienen. Entsprechend konnte er ein weiteres Buch mit noch mehr Erfahrungsberichten zu absolutem Mist veröffentlichen. Grundsätzlich erwartet euch der gleiche Aufbau wie im Vorgänger: Zahlreiche Texte zu schlechten Spielen unterbrochen vom ein oder anderen Gastartikel (z.B. vom mittlerweile verstorbenen John Bain aka Total Biscuit). Aber das ist okay, schließlich geht es ja genau darum. Aufgrund des größeren Formats und einer höheren Seitenzahl (197 – Rest wieder Backernamen) ist nicht nur mehr Platz für noch mehr Spieleberichte und Screenshots, sondern auch ein paar Zusatzinfos wie z.B. Vergleiche zu anderen Versionen des jeweiligen Titels oder wie die Magazine damals gewertet haben.

Ansonsten gibt es inhaltlich keine Überraschungen. Ashen schreibt erneut sehr amüsant über seine Erlebnisse mit dem jeweiligen Titel und vermittelt euch damit einen sehr guten Eindruck davon, was ihr (nicht) verpasst habt. Als Leser leide ich mit ihm mit und weiß gleichzeitig am Ende mehr als ich jemals wissen wollte. So macht lesen Spaß.

Beim Christoph meint: Eine gelungene Fortsetzung mit sinnvollen Verbesserungen (=mehr Inhalt) bei Beibehaltung der alten Stärken (=amüsant und kurzweilig geschrieben). Wer den ersten Teil mochte, kommt um den zweiten nicht herum. Alle anderen wird er jedoch erneut nicht interessieren.

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