Star Trek: Deep Space Nine (Paramount-Promobild)

Von einem Raumschiff, das unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen zu finden, hin zu einem (die meiste Zeit) stationären Objekt. Wenn das kein krasser Unterschied ist, dann weiß ich auch nicht. Und das ist nur das Offensichtlichste (abseits des erstmals in Deutschland nicht übersetzten Titels), was Star Trek: Deep Space Nine* von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert* unterscheidet. Wir haben außerdem eine größere Anzahl an Personal, mehr “Aliens” nicht nur unter den Hauptcrew, sondern grundsätzlich auf dem Bildschirm, mehr episoden-übergreifende Geschichten und generell eine wesentlich düstere Atmosphäre als es wir bislang bei den Abenteuern der immer sauber polierten Enterprise gewohnt waren. Ja, der Kontrast zwischen beiden Serien ist bewusst sehr groß. Verwechslungsgefahr faktisch ausgeschlossen auch, wenn Chief Miles O’Brien mit seiner Familie umziehen durfte (er hatte auf der Enterprise eh nichts zu tun) und Worf später ebenfalls den Einsatzort wechselt, um weitere TNG-Fans zum Einschalten zu bewegen.

Das bringt uns dann auch schon zum nächsten Gegensatz: Star Trek: Deep Space Nine konnte weder während noch nach ihrer Laufzeit an den Erfolg der Crew von Picard & Co. anknüpfen. Ich könnte jetzt mega-böse sein und einen Verdacht in den Raum werfen, der irgendwas mit der Farbe “weiß” zu tun hat. Aber das Thema lassen wir hier mal beiseite und schieben es stattdessen darauf, dass der Unterschied zwischen dem eher positiven Ausblick auf die Zukunft in den vorherigen Star-Trek-Serien und diesem stark religiös-behafteten und nicht so rosigen Teil der Galaxis für viele Zuschauer und selbst Trekkies zu groß war. Plus der Fokus auf zusammenhängende Handlungsstränge – wer nicht dran blieb, wurde quasi zurückgelassen.

Die andere Raumstation

Ach, und ein weiterer Faktor für die vergleichsweise schlechten Zuschauerzahlen könnte gewesen sein, dass gerade mal drei Monate später bei der Konkurrenz eine andere Science-Fiction-Serie startete – inkl. einem damals sehr bekannten Schauspieler in der Hauptrolle (Bruce Boxleitner). Die spielte ebenfalls auf einer Raumstation und bot einen genauso wenig auf Hochglanz polierten Blick auf das Universum: J. Michael Straczynskis Babylon 5.

J. Michael Straczynski (ja, man muss ihn immer vollständig ausschreiben!) warf Paramount übrigens vor seine Idee gestohlen zu haben. Er hätte schon 1989 seine Serie an Paramount gepitcht, die aber damals ablehnten. Da jedoch kein Gerichtsverfahren folgte (angeblich, um beide Serien zu schonen), werden wir wohl nie erfahren, was an den Anschuldigungen wirklich dran ist. Aus meiner Sicht halten sich die Ähnlichkeiten zwischen beiden sehr in Grenzen abseits der grundsätzlichen Prämisse und der Tatsache, dass beide erstmals stark auf CGI setzten für ihre Außenaufnahmen. Die waren billiger als das Produzieren und Filmen von Modellen wie es bis zum Ende drüben bei Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert praktiziert wurde. Aber auf Babylon 5 gehen wir vielleicht in Zukunft nochmal genauer ein. Hab‘ sie zwar vor einigen Jahren mal gesehen aber noch nicht alle Filme und die Spin-Off-Serie.

Die Entstehung

Doch zurück zu Star Trek: Deep Space Nine. Captain Picard ließ damals die Kassen bei Paramount ordentlich klingeln. Entsprechend ist es wenig verwunderlich, dass sie die Cashcow “Star Trek” weiter melken wollten. Gleichzeitig waren sie sich bewusst (ein seltener Weitblick im Vorstand!), dass sie nicht ewig mit den Abenteuern der Enterprise-D weiter machen konnten. Zum einen wegen steigender Schauspielergehälter und zum anderen wegen möglichem Burnout bei den Autoren. Also wurden Rick Berman und Michael Piller beauftragt eine weitere Live-Action-Serie zu entwickeln.

Ideen gab es dafür einige. George Takei wünschte sich beispielsweise eine mit seinem Charakter Hikaru Sulu in der Hauptrolle. Das wurde jedoch abgelehnt, weil Paramount im Zeitraum von Picard & Co. bleiben wollte. Ein anderer Gedanke war es sie im klingonischen Imperium anzusiedeln (sehr coole Idee!). Oder auf einem frisch kolonisierten Planeten, quasi “New Frontier”-Style. Beides wurde jedoch aus Budgetgründen verworfen (wie so oft). Stattdessen rückte die Idee sie auf einer der Raumstationen spielen zu lassen in den Fokus, die wir schon öfters in den Filmen und Serien gesehen hatten.

Brandon Tartikoff, damaliger Vorstand bei Paramount, soll schlussendlich auf das finale Konzept gekommen sein. Es war aber keine komplett neuer Einfall, sondern er war inspiriert von den Western aus den 50iger und 60igern. Ganz konkret wohl von Westlich von Santa Fé*, die in einem Ort am Rande zum Wilden Westen spielte. Jetzt war es halt eine Raumstation am Rande der Galaxie (stimmt technisch gesehen nicht, aber passt scho’). Diese Inspirationsquelle kam allerdings nicht von ungefähr, denn Gene Roddenberry hatte bereits Raumschiff Enterprise als “Western im All” an Paramount gepitcht.

Staffel 1

(Cover)

Und damit kommen wir endlich zur 1. Staffel* von Star Trek: Deep Space Nine. Die Erstausstrahlung erfolgte am 30. Dezember 1992 – mitten in der Weihnachtspause von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert. Picard hatte gerade seine Folterung (Staffel 6, Folge 11) überstanden und konnte entsprechend einen kurzen Abstecher machen, um den neuen zu begrüßen: Captain Benjamin Sisko. Der hatte frisch das Kommando über eine ehemalige Raumstation der Cardassianer übertragen bekommen. Blöd nur, dass der seine Frau bei der Schlacht mit den Borg bei Wolf 359 verloren hatte und entsprechend auf unseren lieben Captain Picard nicht so gut zu sprechen ist. Nein, wirklich gelöst wird dieser Konflikt zwischen den beiden nie. Aber in der Heldenreise gehört so ein tragisches Erlebnis und die Konfrontation damit halt dazu :smile: . Am Ende des Pilotfilms haben wir auf jeden Fall den neuen Status Quo: Es gibt ein Wurmloch in den Gamma-Quadranten, Deep Space Nine ist direkt daneben und Sisko ist der Auserwählte – allerdings noch ohne Bart.

Der Pilotfilm, Der Abgesandte, ging damals in die Geschichte ein. Jedoch nicht wegen seiner inhaltlichen Qualitäten, sondern weil er 12 Millionen Dollar gekostet hat – das bis dato höchste Budget in dieser Kategorie. Für die gesamte erste Staffel standen hingegen 32-40 Millionen Dollar zu Verfügung (keiner weiß wohl mehr die genaue Zahl). Wenig verwunderlich also, dass sie nur 20 Folgen á 45 Minuten hat im Gegensatz zu den üblichen 26. Wobei Star Trek: Deep Space Nine wohl unterm Strich vergleichsweise sparsam unterwegs war. Zum einen eben durch den Einsatz von CGI (inkl. dem ein oder anderen Szenenrecycling – macht bloß nicht aus “Runabout fliegt ins Wurmloch” ein Trinkspiel). Die Sets waren zwar sehr groß aber dafür ihre Anzahl übersichtlich und sie wurden entsprechend häufig verwendet. Operations, Quarks Bar, ein Abschnitt auf dem Habitatring mit Odos Büro und der Krankenstation sowie ein Korridor mit Luftschleuse, Jefferies-Röhre und einem Quartier – das wars im Großen und Ganzen in Bezug auf Deep Space Nine selbst. Als Zuschauer fällt einem das aber nicht wirklich auf. Zum einen, weil es schlicht und ergreifend Sinn macht. Warum sollte schließlich jeder Korridor anders aussehen. Bei TNG haben wir in den sieben Staffeln die eine Kreuzung auch immer und wieder zu Gesicht bekommen. Zum anderen, weil viel mit Setdesign und unterschiedlichen Kameraperspektiven gearbeitet wird.

Der Inhalt

Fragt ihr einen eingefleischten Trekkie nach seiner Meinung, wird er vermutlich mal wieder sagen, dass die erste Staffel von Star Trek: Deep Space Nine absoluter Mist wäre und ihr sie einfach überspringen solltet. Keine Ahnung, wo dieser Schwachsinn immer herkommt. Fakt ist: Wie schon bei Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert ist sie bei weitem nicht so schlecht, wie sie gerne geredet wird. Im Gegenteil fand ich sie sogar im direkten Vergleich wesentlich besser und unterhaltsamer.

Ja, Schauspieler wie Autoren mussten erst mit den neuen Charakteren und dem neuen Setting warm werden. Das ist doch völlig verständlich und damals hatte man noch die Zeit. Bei den heutigen 6-Episoden-“Staffeln” muss natürlich gleich alles sitzen. Apropos: Odos Makeup ist ebenfalls noch nicht ganz gelungen und variiert beim genaueren Hinsehen teils von Szene zu Szene. Und obwohl die Grundlage für einen roten Faden gelegt wird (die Propheten), sind es doch größtenteils nur “Was kommt heute komisches aus dem Wurmloch?”-Episoden. Diese machen aber unabhängig der sonstigen, inhaltlichen Qualität immerhin fast alle ihren Job: die Hauptcharaktere vorstellen und uns näherbringen. Dazu kommt, dass es a) kein übermäßiges “was haben wir noch an alten Drehbüchern im Schrank” wie Anfangs bei TNG gab, die nicht zur neuen Crew passen und b) die Autoren größtenteils keine Trek-Unerfahrenen waren. Neben Michael Piller hat auch der spätere Showrunner Ira Steven Behr bereits in der 1. Staffel viel mitgemischt.

Eine Auswahl

Star Trek: Deep Space Nine (Promobild)

Die wohl schlechteste Episode der 1. Staffel von Star Trek: Deep Space Nine (und vielleicht der gesamten Serie) dürfte Macht der Phantasie sein. Keine Ahnung, was sich die Autoren dabei gedacht haben. Bescheuerte Charaktere, keinerlei echte Spannung und eine komische Handlung. Die Legende von Dal’Rok ist ebenfalls nichts Herausragendes, wird aber immerhin durch die Kombination aus O’Brien und Bashir gerettet. Die B-Story mit den Kindern hingegen… naja, ihr wisst was meine Meinung zu Kindern in Film und Fernsehen ist. Jake, Nog & Co. bilden da leider keine wirkliche Ausnahme. Und Chula – Das Spiel ist mit das Dümmste, was ich seit Gefährliche Spielsucht (TNG Staffel 5, Folge 6) erleben durfte. Und nein, es hat nicht geholfen, dass der Abstand zwischen beiden Folgen  nicht sonderlich groß war :wink: .

Im mittleren Qualitätsbereich sehe ich z.B. Der Fall Dax. Die Folge soll Erinnerungen an die famose TNG-Episode Wem gehört Data? (Staffel 2, Folge 9) wecken, sie fällt aber irgendwie ziemlich auf die Nase. Das Verhalten von Dax ist selbst unter Betrachtung der Auflösung fragwürdig und die Verhandlung nicht sonderlich spannend in Szene gesetzt. Dabei ist die Fragestellung an sich äußerst interessant (“Ist der aktuelle Trill-Wirt für die Taten seines Symbionten in einem vorherigen Leben verantwortlich?”). Unter Verdacht zeigt hingegen erstmals Odos Rolle auf der Station und wie schnell die Bewohner bereit sind einen wütenden Mob zu bilden. Aber das Ende ist so dermaßen bescheuert, dass es mir den Rest schon ein wenig versauert. Und Die Khon-Ma lebt für mich hauptsächlich von Garak – der beste Star-Trek-Charakter aller Zeiten(tm). Der Rest der Geschichte ist hingegen nur okay.

Absolute Highlights sind hingegen Episoden wie Mulliboks Mond, in der Major Kira mit ihrem Gewissen kämpft (und mit einem herausragendem Brian Keith als Mullibok). Die Meuterei ist zum einen wieder eine gelungene Detektivfolge, sie macht aber auch sehr deutlich wie fragil die Allianz zwischen der Sternenflotte und den Bajoranern ist. Ein Thema, das noch öfters für Konflikte sorgen wird. In Der undurchschaubare Marritza wird dann noch mehr als in den anderen Folgen der 1. Staffel gezeigt, wie viel Hass die Bajoraner gegen über den Cardassianern hegen (durchaus berechtigt). Die Charakterentwicklung von Kira in dieser Episode ist (von “tötet alle sofort und jetzt” hin zu “vielleicht habe ich doch ein paar zu viele Vorurteile”) extrem stark dargestellt und der Schlagabtausch zwischen ihr und Marritza spannend mit anzusehen. Die Nachfolge zeigt hingegen, dass bei allem “am Rande des Universums ist alles Scheiße”-Getue, der Humor nicht auf der Strecke bleiben muss. Die Ferengi-Folgen sind nicht jedermanns Sache, ich weiß. Aber ich finde die Abenteuer von Quark & Co. fast durchweg einfach nur amüsant und irgendwie auf ihre Art und Weise genial.

Und das Wiedersehen mit Q (Q – unerwünscht) und Lwaxana Troi (Persönlichkeiten) soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Beide Folgen bieten vorzügliche Unterhaltung. So stellt Q ziemlich schnell fest, dass Sisko komplett anders ist als Picard und vor allem Lwaxanas Auftritt ist überraschend emotional.

Fazit

Wie geschrieben: Unterm Strich fand ich den Einstieg in die Welt von Star Trek: Deep Space Nine durchaus gelungen. Die Anzahl der Rohrkrepierer ist übersichtlich, stattdessen doch viele gute bis sehr gute Folgen, die mir die Station und ihre interessanten Bewohner näherbringen. Dabei sind die Charaktere natürlich noch nicht alle wirklich gefestigt. Jungspund Dr. Julian Bashier ist beispielsweise hier noch ziemlich hibbelig und unasgewogen unterwegs. Aber auch das hat seinen Charme. Genauso wie die größtenteils noch ungeklärten Verhältnisse zwischen allen, die aber gerade deshalb noch interessanter sind, weil wir die Entwicklung eben als Zuschauer miterleben. Man bekommt nicht einfach nur ein “ist halt so” vorgesetzt, wie damals auf der Enterprise.

Abschließend noch ein Wort zur Technik: Die Serie gibt es bislang (und vermutlich auf absehbare Zeit) nicht auf Blu-ray. Der Grund ist genau die Kosteneinsparung von damals. Die CGI-Sequenzen sind nämlich von zu niedriger Qualität, dass sie komplett neu gemacht werden müssten, was sehr viel Zeit und Geld kosten würde. Und da sich die überarbeiteten Blu-ray-Fassungen von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert wohl schon nicht gerechnet haben, hat Paramount das Thema nicht weiter verfolgt. Wir schauen entsprechend meine alten DVDs in den schicken Hartschalenboxen, die ich mir vor rund 20 Jahren bei der Erstveröffentlichung geholt habe (100 EUR pro Staffel…). Und ja: Es liegen in Bezug auf die audiovisuelle Qualität definitiv Welten zwischen beiden Serien. Aber stören tut es mich ehrlich gesagt überhaupt nicht. Auch nicht beim direkten Wechsel. Schon allein, weil Deep Space Nine sowieso etwas rauer und dreckiger ist. Lysanda sagt hingegen immer “ich seh‘ weiße Punkte” (eine Sehstörung), wenn ich sie auf die schlechte Qualität irgendeines Films oder Serie hinweise. Insofern, passt das schon :smile: .

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Ich geb’s offen zu: Vor dem heutigen Eintrag habe ich mich etwas gedrückt. Wir haben nämlich mittlerweile schon fast die Hälfte von Staffel 7 hinter uns und sind sogar schon mitten in Staffel 2 von Star Trek: Deep Space Nine. Also hätte ich schon längst über die 6. Staffel von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert* berichten können (und Staffel 1 von DS9). Aber bevor wir dazu kommen, sollte ich vielleicht kurz erklären, warum wir auch schon die nächste Serie parallel angefangen haben. Die Begründung ist simpel: Es gibt drei Crossover-Episoden plus ein paar (größtenteils) eher harmlose Querbezüge zwischen beiden Serien. Faktisch nichts Weltbewegendes, denn Rick Berman & Co. hatten Angst ansonsten die Zuschauer zu verschrecken. Eine Angst, die den Machern des Marvel Cinematic Universe echt gut tun würde… doch ich schweife ab.

Da ich es “richtig” machen wollte, haben wir also ab Folge 12 von Staffel 6 parallel mit den Abenteuern von Sisko & Co. angefangen. Und nicht nur das: Ich nutze dafür die absolute Hardcore-Liste vom The Star Trek Chronology Project. Hardcore ist die deshalb, weil sie nicht einfach nur die Episoden irgendwie halbwegs passend zusammenwirft, sondern tatsächlich chronologisch basierend auf der Sternzeit der jeweiligen Folge und anderen Kriterien. Sprich, auch wenn keinerlei Bezug zwischen den Folgen der einzelnen Serien existiert, werden sie trotzdem bunt durcheinandergemischt. Das machen wir jetzt aber wirklich nur für die letzten Staffeln von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert. Eben, weil es tatsächlich ein paar Überschneidungen gibt. Star Trek: Voyager hat hingegen mit Star Trek: Deep Space Nine nicht mehr wirklich was zu tun außer ein paar Sequenzen in der Pilotfolge. Nein, Dr. Bashirs Geheimnis aus Staffel 5 zählt nicht. Das ist der echte Doktor, nicht das Hologramm von der Voyager. Entsprechend schauen wir dann einfach erst die eine Serie fertig und fangen dann die nächste an.

Zu viel Star Trek?

Warum habe ich mich also um den heutigen Eintrag gedrückt? Ist die Qualität der Serie plötzlich so massiv gesunken? Nein, das ist es nicht. Staffel 6 hat technisch gesehen weiterhin ein hohes Niveau. Die Schauspieler sind mittlerweile vollkommen mit ihren Charakteren verbunden, die Autoren haben ebenfalls ihre Routine gefunden und auch in der Präsentation brennt so gut wie nichts an. Gleichzeitig wird dem Zuschauer wieder einiges an inhaltlicher Abwechslung geboten inkl. der üblichen Gesellschaftskritik. Aber trotzdem hat es mich irgendwie nicht wirklich umgehauen. Schlimmer noch – die meisten Folgen habe ich mittlerweile schon wieder vergessen.

Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert (Promobild)

Ein Faktor dahingehend war aus meiner Sicht, dass sich die Staffel irgendwie mehr als die anderen extrem willkürlich zusammengewürfelt anfühlte. Klingt komisch bei einer Serie, wo es an sich keine große Kontinuität gibt. Aber beim Versuch möglichst jedem Charakter mindestens eine Folge zu spendieren, sind die Autoren für meinen Geschmack teilweise zu sehr über das Ziel hinausgeschossen. So ist nicht nur ein sehr buntes Potpourri an Themen entstanden, sondern in vielen Episoden kommt auch gefühlt kein richtiges Gemeinschaftsgefühl auf. Ja, natürlich erfährt der Zuschauer mehr über den jeweiligen Hauptcharakter und es gibt sogar ein paar echte Charakterentwicklungen. Aber die jeweilige Folge dreht sich halt dann nur um Picard, Data oder Worf und 1-2 Nebenpersonen – mitunter nicht einmal aus der restlichen Crew. Und das erzeugte über die gesamte Staffel hinweg eine Art Austauschbarkeit und Zusammenhanglosigkeit. Als würde ich ein Spin-off schauen statt die Abenteuer der neuen Enterprise. Klingt komisch, ich weiß.

Der zweite und vermutlich größere Faktor ist hingegen, dass ich tatsächlich der Crew rund um Captain Picard mittlerweile ein wenig müde bin. Bin mir durchaus bewusst, dass man das gar nicht sagen darf :smile: . Aber vor allem seit wir mit Star Trek: Deep Space Nine angefangen haben, wird mir mal wieder sehr bewusst, wie glattgeschliffen und langweilig viele der Abenteuer der Enterprise eigentlich sind. Erschwerend kommt noch hin, dass wir seit über einem halben Jahr fast nichts anderes schauen. Gibt vermutlich wenige Serien, die man so lange am Stück konsumiert und davon nicht einen kleinen Burnout bekommt. Insofern bin ich über den jetzigen Austausch der Blu-ray mit einer DVD im Laufwerk alle paar Folgen durchaus froh.

Die positiven Seiten

Doch ich will selbstverständlich nicht nur jammern. Obwohl mein Gesamteindruck zur Staffel vor allem aus persönlichen Gründen eher negativ ist, habe ich trotzdem ein paar absolute Highlights:

  • Besuch von der alten Enterprise – Die Geschichte rund um die Dyson-Sphäre hat so viele Logiklöcher, da würden alle Flagschiffe der Sternenflotte gleichzeitig reinpassen. Aber das Wiedersehen mit Montgomery Scott ist ungeachtet dessen was Besonderes. Keine Ahnung warum, aber die alte Crew kommt immer dann am besten zur Geltung, wenn sie sich ihrem Alter bewusst wird und damit hadert. Und Scotty hat nach 75 Jahren gefangen im Transporter definitiv mit so einigem zu hadern.
  • Eine Handvoll Datas – Auch bei dieser Folge darf man nicht zu sehr über die Situation nachdenken. Zu viel ergibt mal wieder keinen Sinn. Sowieso ist es jedes Mal wieder komisch, dass die Existenz der Holodecks irgendwie gekonnt ignoriert wird und erst ganz am Ende da mal einer vorbeischaut. Angesichts einer ansonsten sehr amüsanten Episode mit einem Brent Spiner in absoluter Höchstform, ist das aber definitiv zu verschmerzen. Viele zu viele fantastische Szenen, die einen mit einem Schmunzeln zurücklassen.
  • Geheime Mission auf Celtris III Teil 2 – Der Vergleich zu 1984 ist naheliegend. John Hurts dortige Performance ist aber nochmal auf einem ganz anderen Level als Patrick Stewarts Schlagabtausch mit David Warner. Dennoch: Die Verhörszenen sind extrem intensiv. Picards allmählicher Zusammenbruch lässt mich jedes Mal wieder mit fiebern und Gul Madred äußerst manipulative Art ist auf seine verdrehte Weise einfach nur genial.
  • Das Schiff in der Flasche – Endlich wird der Handlungsstrang aus Staffel 2 (!) abgeschlossen. Und was für ein Abschluss! Daniel Davis‘ Professor Moriarty ist ein wundervoller Charakter und das Katz- und Mausspiel so gekonnt inszeniert, dass man selbst als Zuschauer gegen Ende daran zweifelt was jetzt real ist und was nicht. Echt schade, dass es insgesamt nur zwei Folgen zum Thema gab. Das ist sowieso im Nachhinein eine Überraschung für mich: Ich hatte in Erinnerung, dass es mehr Holodeckfolgen mit Data und Picard geben würde. Aber da habe ich mich anscheinend getäuscht.

Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert (Promobild)

  • Das Gesicht des Feindes – Endlich darf Deanna mal was anderes machen als nur spüren, rumheulen oder vergewaltigt werden. Stattdessen wird sie in eine Situation geworfen, die für sie völlig neu ist und ja, sie erstmal völlig überfordert. Aber wie es sich für einen Sternenflottenoffizier gehört, wächst sie in ihre Rolle als romulanische Agentin zügig hinein und liefert eine gelungene Performance ab – sowohl für die Romulaner als auch uns für uns Zuschauer. Eine anfangs (bewusst) konfuse aber insgesamt echt spannende Folge.
  • Gefangen im temporären Fragment – Inhaltlich ist diese Episode jetzt nichts herausragendes. Was sie für mich zum Highlight macht, ist die Optik und die Performance. Die Enterprise gefangen in einem (vermeintlich) ewigen Kampf mit einem romulanischen Warbird. Unsere vier Helden, wie sie sich durch die Umgebungen voller eingefrorener Charaktere bewegen. Definitiv sehr cool inszeniert und mal was ganz anderes was Zeitreisen angeht.

Und selbstverständlich darf Willkommen im Leben nach dem Tode nicht unerwähnt bleiben. Picards Ausflug in die eigene Vergangenheit ist nicht nur nett anzusehen und verrät mehr über den Charakter, auch das Thema an sich finde ich gut umgesetzt. Die Frage “würde ich es anders machen, wenn ich könnte?” beschäftigt uns schließlich immer mal wieder. Umso überraschender ist das Ende. Dass die Folge mittlerweile unangenehme Erinnerungen an Star Trek: Nemesis weckt, ist allerdings sehr schade.

Das Staffelfinale, Angriff der Borg, fand ich hingegen nicht wirklich begeisterungswürdig. Ja, Hugh wieder zu sehen und zu erfahren, welche Folgen Ich bin Hugh auf die Borg hatte, war cool. Aber Lore ist irgendwie in der gesamten Serie ein sehr zweidimensionaler und uninteressanter Charakter und da Data von ihm manipuliert wird, fällt auch der ganze “seine ersten Emotionen”-Strang für mich ziemlich ins Wasser.

Fazit

So viel also zur 6. Staffel von Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert. Wie ich schon zur 5. Staffel geschrieben habe: Wer soweit kommt, schaut auch den Rest noch, egal was kommt :smile: . Aber obwohl ich es ungern zugebe, freue ich mich tatsächlich darauf, wenn es dann jetzt demnächst doch erstmal zu Ende ist. Nächstes mal geht es dann um die 1. Staffel von Star Trek: Deep Space Nine. Spoiler: Ich fand sie erneut besser als ihr Ruf.

PS: Bei Das fehlende Fragment musste ich selbstverständlich ständig an schwarzen Kaffee und Mopedrennen denken. Hab’ Lysanda anschließend auch gleich (sanft) mit Sinnlos im Weltraum bekannt gemacht. Sie schien tatsächlich nicht abgeneigt davon mal alle Folgen zu schauen. Ob sie ihre Worte am Ende bereut? Wir werden es irgendwann erfahren. :wink:

Thomas Bergersen und Nick Phoenix gehen seit Anfang April getrennte Wege. Damit ist nach 18 Jahren Schluss mit Two Steps From Hell. Angefangen haben sie damals damit Musik für Trailer und Werbespots zu komponieren – mit viel Erfolg. Zahlreiche bekannte Franchise wie J. J. Abrams Star Trek, Pirates of the Caribbean oder Harry Potter nutzten ihre Werke, um bombastisch/episch klingende Trailer auf die Leinwand zu zaubern.

So weit, so uninteressant. Sie waren jedoch das erste Produktionsstudio dieser Art, welches seine Werke dann auch auf CD brannte und so erstmals der Öffentlichkeit zugänglich machte (außerhalb von schlechten YouTube-Rips). Invincible* (2010) und Archangel* (2011) waren damals ihre ersten, sehr erfolgreichen Veröffentlichungen. Mit SkyWorld* (2012) erschien dann die erste Platte mit komplett neuer Musik, die nicht ursächlich für Trailer geschrieben worden war. Da sie damit ebenfalls einen großen Erfolg hatten, wurden die Arbeiten für die Film- und Fernsehbranche anschließend immer weniger. Stattdessen brachte das Duo über die Jahre fleißig weitere Alben heraus und veranstaltete sogar Konzerte – bis jetzt. Myth* (2022) ist dann wohl das letzte gemeinsame Album der beiden. Solo-Alben hatten sie schon davor rausgebracht.

Die Konkurrenz

Doch obwohl Two Steps From Hell dem Trailer-Musik-Markt schon vor langer Zeit den Rücken zukehrte, ist der Bedarf immer noch vorhanden. Entsprechend sind andere Firmen in ihre Fußstapfen getreten. Eine davon ist Phantom Power. Das Geniale an denen ist, dass die ihre Musik tatsächlich kostenlos zur Verfügung stellen und man sie sogar in nicht-gewerblichen, nicht-monetarisierten YouTube-Videos verwenden darf (mit Namensnennung und ein paar Links). Nur die darüber hinausgehende Nutzung ist lizenz- und damit kostenpflichtig. Seit ich die kennen gelernt habe flattert entsprechend jetzt immer mal wieder eine E-Mail mit einem WeTransfer-Link in mein Postfach. Der Inhalt ist das jeweils neuste Machwerk inkl. zusätzlichen Mixes und das alles im Audio Interchange File Format (=sehr hohe Qualität). Ihr neustes Album ist das hier:

(Cover)

Rhythm Labs Vol. 2 (2024)

Komponist: Phantom Power
Umfang: 00:41:02 (20 Lieder)
Mögliche Bezugsquellen: WeTransfer (Link funktioniert nur bis Juli 2024; kostenlos)

(Extrem) hartes Schlagzeug und Trommeln verfeinert mit viel Elektronik erwarten den Hörer auf diesem Album – mit einem kleinen Twist. Und zwar ist der Name eines Liedes quasi Programm. Das Motiv von Overcharged klingt beispielsweise wie ein aktiver Taser oder eine elektrische Leitung, die Funken schlägt. In Mechanical Disruption gibt es hingegen harte Pausen und der Rhythmus gleicht einer schwer arbeitenden Maschine, die unnachgiebig ihrer Funktion nachgeht. Und in Seven Samurai ertönen Schwertklingen. “Foley” ist das – neben der durchgängig schweren Klänge – Stichwort. Dank dieser teils eingestreuten, teils nachgeahmten Geräusche ergibt sich ein äußerst interessantes und abwechslungsreiches Hörerlebnis. Dabei sind die Tracks an sich eigentlich ziemlich gleichförmig. So dominierten harte und schwere Klänge (wie ich jetzt schon zum 3. Mal erwähne – aber es ist halt so :smile: ) und man kann durchaus die ein oder andere thematische Wiederholung heraushört. Dennoch ist es ein gelungener Hörgenuss. Allerdings definitiv eine Sammlung, die man eher beim Gewichtheben als vor dem Schlafen gehen hören sollte.

Persönliches Lieblingslied: Track 12 – Abolish [01:53]

Das aus meiner Sicht ungewöhnlichste Lied auf der (virtuellen) CD. Es nutzt sehr viele unterschiedliche Geräusche, die im ersten Moment scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Doch spätestens ab der Hälfte des Stücks dämmert es dem Zuhörer, dass er es hier mit einer Bombe zu tun hat. Ob der Entschärfungsversuch der Dame am Ende zum Erfolg führt, wird nicht deutlich (es ist schließlich Trailer-Musik). Aber das Stück nimmt mich trotzdem jedes Mal wieder mit auf eine sehr hart klingende und emotionale Reise.

Warum sind “alle” (ich hab‘ erst ein paar gesehen) von diesen älteren, total abgefeierten “Kult”-Cyberpunk-Anime so unglaublich fragwürdig und komisch? Ghost in the Shell, Neon Genesis Evangelion und jetzt auch noch Akira*. Ich kann es nur bedingt nachvollziehen, warum der Kram selbst heute noch so hochgejubelt wird. Dabei stehe ich alten Werken ja per se aufgeschlossen gegenüber und versuche die Entstehungszeit mit zu berücksichtigen. Zeigt doch schon meine Film-Top 10 (die sich seitdem glaube ich nicht wirklich geändert hat).

Um mir aber gleich wieder den Wind aus den Segeln zu nehmen: Selbstverständlich verstehe ich es, wenn jemand heutzutage z.B. mit StarCraft (1998) nichts mehr anfangen kann. Das Echtzeitstrategiegenre hat sich gerade wegen dem Erfolg von Titeln wie diesem weiterentwickelt. Insofern ist es bei den Animes vermutlich einfach ein Fall von “man musste damals live dabei gewesen sein, um es zu verstehen”. Denn ja, alle drei waren definitiv sehr einflussreich. Sonst würde es nicht so viele Bezüge darauf geben und sie bis heute so gefeiert werden. Aber es ist trotzdem irgendwie demotivierend jetzt schon das dritte Kultobjekt endlich mal gesehen zu haben und es nicht einmal ansatzweise gut zu finden. Wie wird das erst, wenn wir zu den Studio Ghibli-Filmen kommen?

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Akira* (1988; DV, 2023er Syncro) – Basierend auf dem Film könnte ich euch echt nicht so recht sagen, worum es eigentlich geht und vor allem, warum es mich als Zuschauer interessieren sollte. Aber mittlerweile habe ich den Wikipedia-Artikel gelesen. Also hier die Grobzusammenfassung:

1988 ist in Tokio irgendwas explodiert (das “was” wird immerhin beantwortet), was aussah wie eine Atombombe und den 3. Weltkrieg auslöste. Im Jahr 2018 ist die Stadt wieder aufgebaut aber in einem erbärmlichen Zustand. Bikergangs und Banden beherrschen die Straßen, es gibt Unruhen und Proteste und hier und da explodiert auch mal eine Bombe ausgelegt von Revolutionären. Unser Protagonist ist ein fragwürdiger, jugendlicher Charakter namens Shōtarō Kaneda. Er ist selbst Anführer einer Bikergang und fährt das ikonische rote Motorrad, das man häufig als Hommage an den Film sieht. Eines Nachts legen sie sich mal wieder mit einer feindlichen Gang an. Dabei überfährt Tetsuo Shima fast ein Kind, das aussieht wie ein alter Sack und wird verletzt. Die Regierung und/oder eine Geheimorganisation sackt ihn mitsamt dem Kind ein und schon werden Kaneda und seine Freunde in etwas größeres mit reingerissen. Und zwar geht es um Menschen, die mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet sind. Am Ende steht die gesamte Stadt erneut vor dem Untergang und nur Kanedas enge Freundschaft zu Tetsuo hilft das Schlimmste zu verhindern. Okay, von mir aus. Ich hätte gerne meine zwei Stunden Lebenszeit wieder oder wie die jungen Leute heute sagen.

Immerhin: Selbst Fans des Films sind sich wohl einig, dass die Erzählung nichts taugt. Es wäre die erste Hälfte des ersten und die letzte Hälfte des letzten (6.) Bandes des Mangas mehr schlecht als recht zusammengemixt. Entsprechend fehlt wohl extrem viel Kontext und Charakterentwicklung. Man muss also mal wieder den Manga lesen, um es zu verstehen. Wie ich sowas liebe :tongue: . Aber in technischer und visueller Hinsicht wäre der Anime wohl damals seiner Zeit weit voraus gewesen. So war nicht nur ein absolutes Dreamteam daran beteiligt. Er verzichtete auch auf die damals übliche Recycling-Technik. Sprich statt nur wenige Teile einer Szene zu animieren und diese dann zu wiederholen, wurde tatsächlich fast alles durchanimiert (inkl. Computerunterstützung). Das macht die Sache auf dem Papier wesentlich flüssiger und detaillierter, in der Realität fand ich so einige Stellen langatmig und komisch… schwammig? Quasi auf der einen Seite Stop-Motion aber dann halt doch nicht, was zu einer Art wabbeligen Effekt führt. Beispielsweise als Tetsuo im Krankenhausbett liegt und die Spielzeuge zu ihm hochklettern.

Dazu kommt, dass alle Charaktere wirken, als wären sie zu lange im Fitnessstudio gewesen. Vor lauter Muskeln können sie deshalb ihre Arme nicht mehr an den Körper anlegen. Vielleicht haben aber auch alle einfach nur breite Schultern oder die Kleidung ist so geschnitten. Egal warum: Es wirkt unfreiwillig komisch. Die Gesichtsausdrücke sind ebenfalls wenig überzeugend und beispielsweise Kaneda eher das buchstäbliche Schlappmaul in vielen Szenen. Wobei man das wiederum auf “typisch Anime” schieben könnte. Einzig Neo-Tokyo an sich macht durchaus was her und lässt verstehen, warum Akira mit zu den Begründern des Cyberpunk-Genres gezählt wird. Interessanterweise ist der Akira-Manga im gleichen Jahr wie Blade Runner* erschienen. Es kann also keiner voneinander abgekupfert haben.

Fazit

Wie ihr seht: Viel abgewinnen konnten Lysanda und ich dem Gezeigten weder in erzählerischer noch in optischer Hinsicht. Und leider fanden wir auch den vielgelobten Soundtrack ziemlich Banane. Vor allem dieses Geklappere mit Stöckchen (ja, ich weiß, dass es sich um ein traditionelles, japanisches Instrument handelt) während der Verfolgungsjagden passte so überhaupt nicht zum Geschehen. Somit bleibt mir am Ende nur zu sagen: 2 von 5 Sics. Ich habe es wie immer nicht bereut ihn mal gesehen zu haben, um mein Allgemeinwissen aufzufrischen. 2-3 Sachen waren außerdem durchaus cool wie z.B. ein Teil der Motorradszenen trotz des Soundtracks. Aber unterm Strich leider wieder einmal ein Werk, das ich irgendwie nicht wirklich zum Pflichtprogramm eines Anima-Neueinsteigers zählen würde. Und ja, ich bin mir bewusst, dass mich v138 dahingehend schon anno 2015 vorgewarnt hatte :smile: .

(Cover)

Die Versandkosten aus Amerika sind mittlerweile echt total abartig hoch. Mittlerweile bezahlt man den Warenwert oder sogar darüber nur für den Versand – die möglicherweise noch anfallenden Zollgebühren gar nicht erst dazu gerechnet. Deswegen habe ich auch schweren Herzens die Tage meine Unterstützung zum 8-Bit Theater 20th Anniversary Book zurückgezogen. Wenn ihr das Webcomic nicht kennt, dann wird es unbedingt mal Zeit das nachzuholen! Sind doch „nur” 1.225 Seiten. Und Final Fantasy-Wissen ist zwar von Vorteil, aber nicht zwingend erforderlich!

Das Buch ist endlich fertig (die Kampagne war 2021) und der Versand steht kurz bevor. Zum Glück für Autor Brian Clevinger, hat er die Versandkosten damals nicht direkt eingezogen, sondern tut es jetzt erst zu den aktuellen Preisen. Zum Pech für uns 191 internationale Unterstützer, sind die Kosten in den letzten drei Jahren einfach nur explodiert (so viel zur Globalisierung…). Mit den vermutlich zusätzlich anfallenden Zollgebühren hätte ich am Ende fast das Dreifache vom eigentlichen Warenwert bezahlen müssen. Das war mir dann doch zu viel des Guten. Das wusste auch Brian und hat uns anstandslos eine Rückerstattung angeboten – die ich dann in Anspruch genommen habe. Irgendwo habe ich schließlich selbst ich meine Limits.

Eine (seltene) gute Seite

(Cover)

Ich hatte allerdings vor kurzem auch einen Fall, da haben mich die hohen Versandkosten tatsächlich vor einem Fehlkauf gerettet. Und zwar lässt es sich derzeit The Art of Psychonauts 2 für knapp 50 EUR bei iam8bit vorbestellen. Das war ursprünglich Teil der Crowdfunding-Kampagne, aber ich wusste ehrlich gesagt nicht mehr, ob ich es auf meinem Unterstützerlevel bekommen würde. Häufig sind die nur in den wesentlich teureren Stufen enthalten wie z.B. bei EVERSPACE 2.

Nachschauen konnte ich das aber nicht mehr, denn Fig an sich gibt es mittlerweile (die Kampagne war 2016) nicht mehr so wirklich und die entsprechenden Crowdfunding-Seiten und Accounts wurden gelöscht. Also liebäugelte ich mit dem Kauf des Kunstbuchs, wurde aber dann von den abartigen Versandkosten (knapp 40 EUR) abgeschreckt. Zum Glück, wie sich herausstellte, denn einige Zeit später kam eine Mail von Fangamer mit der Ankündigung, dass meine Kopie demnächst verschickt wird. Und mittlerweile ist sie angekommen – sogar ganz ohne zusätzliche Zollgebühren. Und meine Güte hat es das Ding in sich!

Das Kunstbuch

The Art of Psychonauts 2 besteht aus 400 Hochglanz-Seiten im übergroßen Hochformat und Hardcover. Wenn einem das auf den Tisch fällt, dann macht es mächtig „Bumms”! Im Inneren erwarten euch haufenweise Skizzen, Storyboards, Konzeptzeichnungen und Renderbilder. Sortiert nach Charakteren, Levels und dem Rest und begleitet sowohl von Kommentaren der Entwickler als auch informativen Beschreibungen. Zusammengestellt hat das Ganze die Autorin und Moderatorin Ashley Esqueda. Wer die Dokumentaiton Double Fine PsychOdyssey gesehen hat (warum hast du es noch nicht?!), dem wir das ein oder andere bekannt vorkommen. Aber das Buch geht noch weit darüber hinaus. Schließlich konzentriert es sich wirklich ausschließlich auf das Design und das Aussehen des Spiels. Und da blieb doch bisher noch sehr viel unerzählt – und vor allem ungezeigt.

Eine Konzeptzeichnung zu Tastys Sensorium

Ich hab‘ mittlerweile so einige Artbooks und Making-Of-Bücher im Regal stehen. Aber ich muss ganz klar sagen, dass keines davon mit der Qualität dieses dicken Brechers mithalten kann. Ja, selbst The Art of Gothic 3 nicht – eins meiner bisherigen Vorzeigebeispiele. The Art of Psychonauts 2 ist umfangreich, hochwertig verarbeitet und gleichzeitig äußerst informativ. Weil es eben nicht nur viele Bilder enthält, sondern auch sehr viele und vor allem informative Erklärungen dazu. Ich sage es jedes Mal wieder, aber Kunstbücher ohne jedweden Text sind einfach nur langweilige Kataloge, mit denen ich nichts anfangen kann. Insofern ist das Buch also grundsätzlich eine absolute Kaufempfehlung und für Psychonauts-Fans faktisch Pflicht – so hart es klingt :smile: .

Ob es das Werk allerdings wert ist wegen den Versandkosten den doppelten Preis dafür zu bezahlen? Nun, jetzt wo ich es in der Hand halte, bin ich schon echt froh es zu haben. Der Post dafür jedoch so viel Geld in Rachen zu werfen, würde ich weiterhin nicht einsehen. So schade es auch ist. Aber vielleicht landet ja mal eine etwas billigere Kopie bei eBay oder so. Dann unbedingt zuschlagen!

Zum Schluss noch ein paar Highlights aus dem Buch:

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