Es gibt aktuell nur zwei Bands deren Wirken ich genauer beobachte und wo ich der Veröffentlichung des nächsten Albums tatsächlich sehnsüchtig entgegenfiebere. Bei allen anderen schau ich ab und zu mal so “Pflichtbewusst”-mäßig, ob es seit dem letzten Mal was Neues gab aber dann war’s das auch schon wieder. Und diese zwei Bands sind die Punkrocker von The Offspring und die Symphonic-Metal-Band Beyond the Black.

Erstere sind schon seit Jahrzehnten trotz oder gerade wegen eines eher eisigen Kennenlernens meine absolute Lieblingsband. Fetziger Punk-Rock vom allerfeinsten. Lysanda findet zwar, dass Dexter Holland zu angestrengt-gequetscht und langweilig singt. Zudem versteht sie ihn kaum. Aber was weiß die schon?! Die findet männliche Sänger eh grundsätzlich doof, diese Kunstbanausin! :wink: Die Mannheimer Truppe Beyond the Black gibt es hingegen noch nicht einmal Ansatzweise so lange aber ihre ersten drei Alben waren durchgängig absolute Megabrüller und laufen in unserem Haushalt seit ihrer Entdeckung hoch und runter.

Und da vergangenen Freitag nach neun Jahren Wartezeit endlich die 10. Platte von The Offspring in die Läden gekommen ist, ist aus meiner Sicht heute ein guter Zeitpunkt die aktuellen Alben dieser beiden Bands genauer unter die Lupe zu nehmen. Zumal es bei The Offspring seit meinem Fernstudium schon fast eine Tradition ist, dass ich eine Kritik zur ihren Werken schreibe :smile: .

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Let The Bad Times Roll (The Offspring, 2021) – Neun Jahre…das ist der bislang größte Abstand zwischen zwei The Offspring-Platten. Die Gründe dafür sind vielzählig. So hat Dexter beispielsweise in der Zeit seinen Ph.D. in Molekularbiologie gemacht (jeder braucht ein Hobby), Bassist und Gründungsmitglied Greg Kriesel hat die Band verlassen und natürlich hat auch Corona den Zeitplan durcheinandergebracht. Aber angeblich war die Band in dieser Zeit immer mal wieder zusammen mit dem legendären Produzenten Bob Rock (Metallica, Mötley Crüe), uvm.) im Studio und hat am Album gefeilt. Die erste Single, Coming For You, wurde entsprechend schon Anfang 2015 veröffentlicht.

Herausgekommen sind erneut 12 Lieder aber nur mit einer Spielzeit von 33 Minuten. Also ein ähnlich kurzes Werk wie Splinter anno 2003. Und um es gleich vorwegzunehmen: Nein, es ist trotz oder gerade wegen der langen Entstehungszeit nicht das ultimative Meisterwerk geworden. Es fühlt sich tatsächlich mehr wie ein Best-Of-Album an. Das ist an sich erstmal nicht schlecht. Die Kalifornier haben in ihren 35 Jahren durchaus in Sachen Sound einiges ausprobiert und es ist entsprechend cool, dass quasi für jeden Fan auf diesem abwechslungsreichen Album etwas dabei ist. The Opioid Diaries erinnert mich beispielsweise stark an meinen absoluten Lieblingssong, Way Down The Line (1997) während We Never Have Sex Anymore auch auf dem “Mainstream-Durchbruchs-Album” Americana nicht aufgefallen wäre. So ein krasser Kontrast zwischen depressivem Text und fröhlicher Partymusik…

Es geht auch gleich richtig los mit This Is Not Utopia und Let The Bad Times Roll. Beide Tracks versprühen bis in die Poren den typischen The Offspring-Sound, rocken bis in die Knochen und sprechen einem wie es sich für Punk gehört aus der (dunklen) Seele zu den Themen Trump und Corona. Mein bisheriger Lieblingssong des Albums ist allerdings tatsächlich das wesentlich sanftere Behind Your Walls an Position Nr. 3. Leider muss ich in der zweiten Hälfte des Albums zu oft auf “weiter” drücken. Zwar sind The Offspring mittlerweile durchaus für ihre Spaßlieder bekannt aber die jeweils nur rund eine Minute langen Tracks In The Hall Of The Mountain King und Lullaby sind absolute Platzverschwendung. Die Unplugged-Variante der Ballade Gone Away (1997) hingegen ist grundsätzlich super, wäre mir als Bonus-Track jedoch lieber gewesen. Somit bleibt am Ende der halben Stunde ein äußerst fader Beigeschmack übrig.

Beim Christoph meint: Let The Bad Times Roll bekommt von mir unterm Strich tatsächlich nur 3 von 5 Sics. Würde das Album nur aus den ersten sieben Liedern bestehen, gäbe es mehr und diese Tracks werde ich sicherlich die nächsten Tage und Wochen wie gewohnt hoch- und runterhören. Aber selbst ohne die lange Wartezeit zu berücksichtigen, bin ich schlicht und einfach vom Rest massiv enttäuscht. Das hat für mich was von “uns fiel nichts mehr ein, also klatschen wir irgendwas drauf”. So sehr mich die “Fun”-Tracks auf Days Go By gestört haben: Sie waren nicht annähernd so schlimm wie das hier. Dabei hatten die letzten beiden Alben (Rise and Fall, Rage and Grace ist ein Meisterwerk) doch gezeigt, dass sie es selbst nach all der Zeit grundsätzlich noch draufhaben. Schade.

(Cover)

Hørizøns (Beyond The Black, 2020) – “Kaufhausmusik” stand auf irgendeiner unbedeutenden Metal-Seite unter der absolut vernichtenden Kritik zu diesem Album. Und auch schon als die Videos zu den Single-Auskopplungen im Vorfeld auf YouTube veröffentlicht wurden, hagelte es in den Kommentaren vernichtende Bewertungen. Von wegen “was macht dieser Kuschelrock” auf dem Kanal des Über-Mega-Hardcore-Death-Metal-Verlags Napalm Records. Zum Glück ist Musik Geschmackssache.

Ja, die Band hat seit ihrer Neuformierung (es blieb nur die Sängerin übrig) die mit Heart Of The Hurricane eingeschlagene Richtung konsequent fortgesetzt und ist mittlerweile etwas poppiger als auf ihren ersten beiden Alben. Mit der Betonung auf “etwas” und nicht allumfänglich soweit ich es beurteilen kann. Ich vermute übrigens, dass dieser Eindruck ein Stück weit auch dadurch entsteht, weil Jennifer Haben eine hellere und das Lied dominierende Stimme hat (erneut ein großer Dank an den Produzenten, der das zulässt!) im Vergleich zu mancher Konkurrenz auf dem Metal-Markt. Ich verstehe aber eh nicht, was den Fans am unverständlichen Rumgegrölle und sinnlosen, ohrenbetäubenden Geschrubbe mancher Bands gefällt. Außerdem sind die Texte auf Hørizøns gefühlt nicht so extrem depressiv und mit Tod und Verderben durchsetzt. Ja, nennt mich von mir aus ein Weichei aber ab und zu darf’s auch mal was Positiveres sein ohne gleich in schnulzige Liebesballaden umzuschwenken.

Was nicht heißt, dass es keine absoluten Headbanger mit einem gewohnt harten Schlagzeug, schnellen Gitarren und schwerem Bass gäbe. Marching On (trotz des Folk Rock/Elektronik-Einschlags) oder Coming Home kommen mir da beispielsweise in den Sinn. Auch Golden Pariahs, neben dem Duett Wounded Healer mein Lieblingstrack auf dem Album, haut richtig schön rein.

Beim Christoph meint:  5 von 5 Sics gibt es für das Werk und es ist erneut eine klare Hörempfehlung. Die 13 Tracks (55 Minuten) sind aus meiner Sicht wieder alle durchgängig genial geworden. Es ist das mittlerweile 4. Album von Beyond the Black und erneut ist kein einziges Lied dabei, dass ich selbst nach mehrmaligem Hören wegdrücken möchte. Diese Konstanz hat sonst noch keine mir bekannte Band geschafft. Wenn das für “echte” Metalheads unter “Kaufhausmusik” fällt, dann ist das halt so. Aber am Ende des Tages muss es mir gefallen und das tut es uneingeschränkt.

2020 neigt sich mit großen Schritten dem Ende zu. Nächste Woche steht sogar schon der Jahresrückblick an. Ja, technisch gesehen dauert das Jahr dann noch weitere vier Tage und es folgt sogar noch ein Katzenmoment. Die 11 Wörter werden in der Eintragsstatistik aber bereits eingerechnet sein und sonstige Überraschungen erwarte ich keine, die Einfluss auf den Text haben werden. Ich hab‘ einfach vor ein paar Jahren entschieden, dass der Jahresrückblick nicht mehr der erste richtige, sondern der letzte Eintrag des Jahres sein wird. Lebt damit :tongue: .

Kommen wir heute stattdessen noch einmal zu einer Top-Liste. Videospiele waren zwar bereits letzte Woche unser Thema aber Beim Christoph ist ja mittlerweile so viel mehr als nur eine Seite über Videospiele (glaube ich zumindest). Lasst uns also mal über den Tellerrand lunzen, was denn 2020 noch so für mich von Interesse war. Erneut gilt: Ich betrachte nur die “Nutzung” in 2020. Es muss nicht zwingend aus diesem Jahr stammen. Man muss sich ja nicht künstlich limitieren, nur um “Hip” zu sein.

Das In-Extremo-Konzert in Gothic

Bestes Album: In Extremo – Kompass zur Sonne
Die deutsche Mittelalter-Rockband In Extremo habe ich wie vermutlich viele Spieler anno 2001 erstmals kennen und lieben gelernt. Zur Erinnerung: Damals hatten sie im alten Lager in Gothic einen virtuellen Auftritt. Allerdings war gleichzeitig auch das im gleichen Jahr veröffentlichte Album Sünder ohne Zügel das letzte von ihnen, welches aus meiner Sicht gute Lieder enthielt (mit Ausnahme des genialen Duetts Horizont von Mein Rasend Herz) und entsprechend hoch und runter durch die Boxen lief – bis jetzt. Mit Kompass zur Sonne haben die Jungs aber zumindest bei mir seit langem mal wieder den richtigen Nerv getroffen. Den genauen Grund kann ich euch nicht wirklich, schließlich hat sich der grundsätzliche Sound der Band über die Jahre nicht wirklich groß verändert. Es passt einfach.

Bester Baumarkt: Hornbach
Unsere Go-To-Baumärkte in Darmstadt sind Hornbach und Bauhaus. Beide haben grundsätzlich ihre eigenen Vor- und Nachteile. So gibt es unser begehrtes Plexiglas beispielsweise nur im Bauhaus während gefühlt die Beratung in der Schraubenabteilung im Hornbach wesentlich besser ist. Dieses Jahr waren wir jedoch definitiv häufiger im Hornbach. Zum einen, weil wir nicht so viel Plexiglas gebraucht haben (und es irgendwie dank der Pandemie eh dauernd ausverkauft war) und zum anderen, weil es die Fliegennetze von Windhager nur dort gab‘ (inkl. kostenlosem Versand bei Onlinebestellung). Was bleibt mir also anderes übrig als ihn zum besten Baumarkt des Jahres zu machen? :tongue:

Bester Film: John Wick: Kapitel 3
Unterm Strich war der dritte Teil nicht der ganz große Hammer wie die Vorgänger. Vermutlich, weil einfach viel zu viel los ist. Verständlich, da ja die ganze Stadt hinter Wick her ist aber trotzdem wie gesagt gefühlt etwas zu viel des Guten. Ich meckere aber definitiv auf einem extrem hohen Niveau. Für mich ist die Trilogie das Beste, was im Action-Genre in den letzten Jahren auf den Markt gekommen ist. Zumindest kann ich mich an sonst nichts ähnlich Bemerkenswertes erinnern. Reeves ist Wick und Stahelski setzt ihn perfekt (und wahnsinnig realitätsgetreu) in Szene. Es sind zudem die einzigen Filme, die Lysanda und ich seit Beginn unserer Beziehung bereits mehrfach geschaut haben. Wenn das bei dem Überangebot in unseren Regalen kein Kompliment ist, dann weiß ich auch nicht. Ich bin extrem gespannt auf Teil 4 und 5, die sie anscheinend gleichzeitig drehen wollen.

Bester Baumarkt in der anderen Fahrtrichtung: Globus Baumarkt
Darmstadt hat zwar bereits eine vergleichsweise große Auswahl an Baumärkten, aber in der anderen Himmelsrichtung Richtung Rüsselsheim gibt es selbstverständlich auch noch welche. Darunter einen nahegelegenen toom, in den wir aber nur in wirklichen Notfällen gehen (schlechte Beratung, kleines Sortiment, mäßige Preise) sowie etwas weiter weg einen riesigen Globus inkl. Baumarkt. Kommen wir nicht sehr oft hin, da wir selten in diese Richtung fahren. Aber als wir dieses Jahr mal wieder da waren, waren wir erneut begeistert. Hat doch so einiges im Angebot speziell was Farben angeht, was die Konkurrenz nicht zu bieten hat. Und ja, für Immobilienbesitzer sind Baumärkte echte Highlights. Deswegen gleich zwei Erwähnungen im selben Eintrag :smile: .

Beste Serie: Keine
2020 war kein Fernsehjahr bei uns. Was ich zwar grundsätzlich positiv finde aber wir haben es nicht einmal geschafft nach vier Jahren endlich mal Sailor Moon zu beenden (zum Verfassungszeitpunkt noch 18 Folgen). Entsprechend ist es wenig überraschend, dass wir überhaupt keine einzige Serie neu angefangen geschweige denn fertig geschaut haben. Ich weiß nicht, wie andere das schaffen mit den ständigen Neuveröffentlichungen mit zu halten. Ja, auch die neuen Star Trek-Serien kenne ich immer noch nicht. Ich geh‘ mich ja schon in die Ecke stellen und schämen…

Ist sie nicht hübsch?!

Beste Katze: Maya
Lysanda ist schon ganz gespannt darauf zu erfahren, wie ich diese Wahl begründe. Schließlich ist Maya immer noch unser Problemkind. Sie rotzt weiterhin fleißig alles voll und treibt extrem viel Schabernack. Immerhin macht sie nicht mehr auf die Couch und die Tierarztkosten für sie waren 2020 übersichtlich. Sie hatte sich nur mal einen Magen-Darm-Virus eingefangen und vor ein paar Wochen scheint sie beim nächtlichen Toben etwas unsanft gelandet zu sein (Kralle abgebrochen und kleine Hämatom in der Schulter). Aber ich weiche vom Thema ab: Selbstverständlich sind alle unsere Kind…äh Katzen toll. Maya steht hier nur stellvertretend für alle anderen. Und, weil sie eine extrem hübsche und vornehme Katze ist. Ach und, weil sie mittlerweile so toll “Miau” sagt und nett um Leckerlis fragt. Vielleicht auch, weil sie mir nicht wie Jules oder Balu ständig auf die Pelle rückt und gestreichelt werden will während Pichu meist gar nicht angefasst werden möchte. Sie mag mich außerdem wesentlich mehr als Lyssi. Aber wie gesagt: Ich habe alle unsere Vierbeiner lieb.

Bester Haushalts-Einkauf: Leifheit Zubehör-Set Pegasus
“Bitte? Ein Ding für 7 Euro ist euer absolutes Highlight?!” Selbstverständlich! Das sind doch die besten Sachen: Billig und doch extrem nützlich im Alltag. Und ich möchte definitiv dieses Zubehör für unseren Leifheit-Wäscheständer nicht mehr missen. Ja, es sind technisch gesehen bereits zwei davon dabei. Aber zwei mehr machen zumindest bei uns einen extremen Unterschied. Ich hab‘ einfach viel zu viele Stofftaschentücher und wenn ich die alle auf die Leine – vielleicht sogar mit Wäscheklammern – ziehen müsste, würde ich bekloppt werden. In den Pegasus klemme ich sie einfach rein und kann sie mit einem leichten Zug nach dem Trocknen schnell und einfach wieder runterholen. Einfach ein geiles Teil.

Bester Videospielesoundtrack: The Executioner
Das dazugehörige Spiel hat mich leider massiv enttäuscht. Gab‘ auch seit dieser Zeit kein weiteres Update für den Titel und von Akt 2 ist ebenfalls noch keine Spur in Sicht. Der Soundtrack von Ivan Dinges und Alexey Ozhgibesov hat mich jedoch umgehauen und erklingt bis heute sehr häufig aus meinen Boxen (jetzt gerade wieder). Speziell das Hauptthema, Sweet Torture, berührt mich bis tief hinab in meine Seele. Schon, wenn bei Sekunde 10 das zweite Mal der tiefe Ton aus dem Klavier ertönt (direkt ganz am Anfang kommt er noch nicht zur Geltung), läuft mir jedes Mal eine Gänsehaut über meine Arme. Der Klang der Laute, die gezielt eingesetzten Klaviertöne und der verstörende “Kindergesang” – ein extrem verstörender, depressiver und doch auf seine Art und Weise wahnsinnig faszinierender Track. Echt schade, dass es insgesamt nur sechs Lieder (ca. 19 Minuten) auf dem Album gibt. Hätte sehr gerne noch mehr von den beiden gehört. Aber vielleicht kommt ja irgendwann Akt 2 und damit zusätzliche Musik.

Bestes Buch: Braving Britannia
Trotz der drastischen Reduzierung unseres Fernsehkonsums habe ich es auch 2020 wieder nicht geschafft so viel zu lesen, wie ich gerne möchte. Viel zu viele neue Bücher kamen natürlich trotzdem dazu. Gefühlt unterstütze ich auf Kickstarter schließlich aktuell nichts anderes… Aber gut: Von den Büchern, die ich gelesen habe, gefiel mir das Werk von Wes Locher über die Community von Ultima Online definitiv am besten. Wie ich schon im April schrieb: Ich finde es immer spannend mehr über die Hintergründe eines Spiels und seine Entwicklung zu erfahren. Meist erfolgt es jedoch in Form eines Sach- und Fachbuchs mit wenig Gefühl und Menschlichkeit. Bei diesem Werk ist es anders. Hier zeichnet der Autor stattdessen anhand der persönlichen Geschichten von Leuten, die live dabei waren ein Bild des Spiels. Gibt sogar seit Oktober einen zweiten Band, wie ich bei der Recherche gerade herausgefunden habe. Muss ich gleich mal kaufen.

Schicke Kunst by Lysanda L’eau

Bestes Katzenklappendesign: Lysanda L‘eau
Unsere lieben Katzen haben es dieses Jahr irgendwie geschafft die äußere Katzenklappe explodieren zu lassen. Ich fand‘ sie eines Tages in zwei Teile zerbrochen wieder. Keine Ahnung was da passiert ist (ist nicht im Blickfeld der Kamera). Wir mussten also Ersatz beischaffen. Leider haben wir nirgends eine Klappe mit den exakten Maßen gefunden. Entweder sie waren kleiner oder größer. So blieb uns am Ende nur übrig mit Hilfe eines beschichteten (=wegen Witterung) Bretts einen Adapter zu bauen. Und statt dieses Brett passend zuzuschneiden, kam Lysandas kreative Ader auf die Idee es zu bemalen bzw. genauer gesagt zu bepunkten. Das Ergebnis sieht extrem genial aus, wenn ich das so sagen darf und ist garantiert einzigartig. Die Katzen wissen es aber glaube ich nicht zu schätzen :smile: .

Beste Schreibware: Neuland No.One Outliner
Ich helfe zwar schon lange nicht mehr bei Frau Mama im Laden mit und war entsprechend auch ewig nicht mehr auf der Paperworld in Frankfurt am Main. Neue Schreibwarenprodukte finde ich aber trotzdem weiterhin sehr interessant und ich weiß einen guten Stift definitiv zu schätzen. Leider habe ich überhaupt keine Verwendung dafür, da ich so gut wie nie male oder schreibe. Glücklicherweise sieht das bei Lysanda anders aus. Entsprechend kommt doch hin und wieder mal was Neues ins Haus. Und dieses Jahr haben wir die Firma neuland im Allgemeinen und ihre Stifte im Speziellen entdeckt. Aus deren Sortiment besonders gefallen hat mir der nachfüllbare, permanente Konturenmarker “Outliner” mit Pinselspitze. Der produziert nicht nur ein schön kräftiges und durchgängiges Schwarz auf dem Papier, es macht auch richtig Spaß es zu tun. Ich würde das Gefühl als “luftig leicht” beschreiben. Richtig geniale Sache. Allerdings nicht für kleine Hände geeignet (relativ dick das Ding) und die Gefahr damit herumzusauen ist extrem hoch.

Bester Partner: Lysanda L’eau
Bitte? Aber es stimmt doch! Also zumindest für mich. Eure Einschätzung wird davon höchstwahrscheinlich abweichen. Das ist auch besser so! Mehr als vier Jahre sind wir nun schon verheiratet und auch, wenn es wie in jeder Beziehung seine Höhen und Tiefen gab, gibt und geben wird: Ich würde es wieder tun. Es war die beste Entscheidung, die ich je in meinem Leben getroffen habe! Irgendwann bekommt ihr die Dame vielleicht auch mal zu Gesicht. Mal schauen :wink: .

 

Bevor ich jedoch noch eine Putzfrau rufen muss, um den ganzen Schleim hier weg zu machen, beenden wir lieber den heutigen Eintrag. Kommende Woche folgt wie eingangs erwähnt der “echte” Jahresrückblick 2020 und bis dahin (und darüber hinaus) dürft ihr gerne eure persönlichen Konsum-Highlights in die Kommentare packen.

Ich war durchaus versucht, die heutige Ausgabe “Pieps-Edition” zu nennen aber ganz so “schlimm” ist die Auswahl dann doch nicht geworden :wink: . Und damit sind wir auch schon mitten im heutigen Thema: Es ist dringend mal wieder an der Zeit euch ein paar Spielesoundtracks aus meinem großen Fundus (über 1.000 Alben) vorzustellen. Kriege schließlich ständig wieder neue rein, weil mittlerweile echt viele Komponisten sie auf Bandcamp & Co. verkaufen, die Entwickler sie kostenlos dazu legen oder sie in diversen Bundles mit drin sind. Komme zwar irgendwie nur noch beim Schreiben der Einträge zum Hören (Lysanda teilt leider meinen Musikgeschmack nicht, weshalb die Autofahrt entfällt) aber immerhin. An einem Eintrag sitze ich durchaus meine 2-3 Stunden dran – teils noch länger. Auch heute wieder, obwohl es in Sachen Text gar nicht so viel ist. Aber Musik zu beschreiben finde ich immer noch extrem schwierig. Ein “klingt halt gut” ist schließlich nicht wirklich ausreichend. Mal schauen, ob ich es heute wieder einigermaßen hinbekommen habe:

(Cover)

BLEED 2 (2017)

Komponist: Jukio Kallio (LUFTRAUSERS)
Umfang: 00:35:25 (19 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (5€)

Hartes Schlagzeug, schnelle E-Gitarre, tiefster Bass und immer mal wieder eine Prise Synthesizer als Melodie eingestreut. Leute mit schwachen Herzen sollten vom Werk des Finnen Jukio Kallio definitiv einen Bogen machen. Magere 15 Sekunden gibt er euch im Intro Zeit auf Touren zu kommen. Ab dann ist Tempo durchweg hoch, die Bässe pumpen durch den Körper und es gibt keinerlei Erholung mehr bis zum Finale. Synthetischer Rock vom Feinsten – aber auf keinen Fall vor dem Einschlafen hören!

Persönliches Lieblingslied: Track 14 – I’ll Show You [02:08] (Anhören)
Gefühlt wird die Hälfte des Liedes nur das Schlagzeug getötet aber mir gefällt das eingängige Thema und das extreme Hochschaukeln bis zur letzten Sekunde. Da klopft das Herz und das Adrenalin pumpt aufs Maximum durch den Körper.

 

(Cover)

Horizon Chase (2016)

Komponist: Barry Leitch (TFX)
Umfang: 00:59:58 (15 Lieder) – plus eine CD voll Remixes
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp ($6)

Das Amerika der 80iger ist wieder lebendig. Im schnellen Cabrio den Highway in Florida entlangrasen, immer der Sonne entgegen. Zumindest wird man in diese Situation versetzt, wenn Barry Leitchs Soundtrack aus den Boxen erklingt. Viel Elektronik, sanft eingestreute E-Gitarren und treibende Tempi dominieren die Soundkulisse und vermitteln ein Gefühl der Freiheit. Dabei wird Abwechslung großgeschrieben. So erinnert Track 04 – Race 2 Bleeding Fingers sehr stark an die Flugsimulation TFX während Track 10 – Race 8 Vyper eher nach Cyberspace und Computer klingt. Und doch passt am Ende doch irgendwie alles zusammen.

Persönliches Lieblingslied: Track 08 – Race 6 JenTay [03:52] (Anhören)
Das Intro hat es mir angetan. Dieser verzerrte Sound, das stete Hochschaukeln bis die Melodie einsetzt und das hohe Tempo. Der Rest des Tracks kann zugegebenermaßen die anfänglichen Versprechungen nicht halten. Aber für mich reichts :wink: .

 

(Cover)

Reformation 1-3 (2016-2020)

Komponist: Matt Gray (Last Ninja 2: Back With a Vengeance)
Umfang: Teil 1: 04:12:57 (47 Lieder auf 4 CDs), Teil 2: 02:46:53 (25 Lieder auf 2 CDs), Teil 3: 02:17:26 (25 Lieder auf 2 CDs)
Mögliche Bezugsquelle: C64Audio (Teil 1: £11, Teil 2: £17,Teil 3: £25)

Drei Alben (plus das fantastische Reformation Last Ninja 2) an C64-Remixen hat Matt Gray mittlerweile veröffentlicht. Der Kickstarter für das vierte läuft aktuell. Und was soll ich sagen? Matt versteht sein Handwerk. Nicht nur bei seinen eigenen Werken, sondern auch wenn er Titel von anderen Komponisten anfasst, macht er dies mit einem riesigen Respekt vor dem Ursprungswerk. Er bügelt nicht einfach nur irgendeinen Technobeat drüber, sondern baut auf dem Original auf, verändert und modernisiert es behutsam und bringt mit viel Geschick seinen eigenen Touch ein. Das Ergebnis klingt so, wie man das Vorbild in Erinnerung hat obwohl es in der Realität natürlich nur eine Ansammlung von Piepstönen war (leichte Übertreibung).

Persönliches Lieblingslied: Teil 2 – Disc 1 – Track 08 – Ocean Loader 1 [04:30] (Anhören)
Die C64-Lademusik der Ocean-Titel ist legendär und die teils lange Wartezeit auf den Spielstart angenehm versüßt. Auch ich bin ein großer Fan davon, speziell natürlich von Martin Galways erster Fassung. Matts Remix ist aus meiner Sicht dem Original weit überlegen und erklingt entsprechend häufig aus meinen Boxen.

 

(Cover)

Retro City Rampage (2012)

Komponist: virt (Crypt of the Necrodancer), Freaky DNA (Beep) & Norrin Radd (Anomaly)
Umfang: 00:53:46 (35 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp ($8)

Chiptune vom Feinsten. Hier wird gepiepst, was das Zeug hält :wink: . Aber Spaß beiseite: Definitiv ein etwas gewöhnungsbedürftigeres Album. Aber wenn er sich darauf einlässt, erwartet den Zuhörer eine größtenteils schnelle und kompromisslose Ansammlung an Tracks von den Meistern ihres Fachs. Dem Album fehlt es weder an Abwechslung noch an eingängigen Melodien und fetzigen Beats.

Persönliches Lieblingslied: Track 14 – Half Steppin’ [03:07] (Anhören)
Der Titel verrät es bereits: Hier erwartet euch ein etwas bluesiger Sound. Man kann sich förmlich vorstellen wie ein 70iger-Jahre-Typ im Anzug und Fedora locker und lässig pfeifend durch eine Straße läuft. Ein krasser Gegensatz zum restlichen Album und vielleicht gerade deswegen so anziehend.

 

(Cover)

Shuttle Scuttle (2011)

Komponist: Inverse Phase (Super Smash Land)
Umfang: 00:46:50 (17 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp ($2,50)

Inverse Phase‘ Werk ist – was Chiptune-Musik angeht – angenehm melodisch und abwechslungsreich gestaltet. Der zugrundeliegende Beat ist zwar vergleichsweise schnell, wird aber durch die unterschiedlichen Themata gut ausgeglichen. Im Ergebnis erwartet den Zuhörer ein angenehmes Auf und Ab sowohl auf dem Album als auch in den Tracks selbst. Man könnte auch sagen: Der Komponist erzählt eine kleine Geschichte, die aber gefühlt irgendwie nicht zum dazugehörigen Spiel (ein Shoot-‚em-up) passt. Nicht für Chiptune-Einsteiger eine tolle Sache.

Persönliches Lieblingslied: Track 06 – Area 4 – Jupiter [04:50] (Anhören)
Mittleres Tempo, ein eingängiges Grundthema und eine nette Melodie. Aus technischer Sicht ist der Track nichts besonderes und kommt ohne großartige Höhen oder Tiefen aus. Aber manchmal reicht es auch einfach mal nur für ein angenehmes Hörerlebnis zu sorgen. Und das tut dieser Track vorzüglich.

 

Bei Sid Meier’s Civilization: Beyond Earth von Geoff Knorr kann ich zwar nicht das gesamte Album empfehlen – dafür enthält es zu viel langweilige Atmosphären-Musik – aber in den ersten Track, The Seeding, solltet ihr unbedingt mal reinhören. Ein richtiger schöner, epischer Track der auf einen angenehmen Höhepunkt zuarbeitet. Finde ich persönlich wesentlich besser als das mit haufenweise Auszeichnungen überschüttete Baba Yetu von Sid Meier’s Civilization IV. Und für den unwahrscheinlichen Fall, dass ihr den Song tatsächlich noch nicht kennt: Das völlige Kontrastprogramm zu beiden Liedern ist die K-Pop-Single Popstars von K/DA, die Riot für League of Legends in Auftrag gegeben hat. Ich kenne keinen einzigen Charakter aus dem dazugehörigen Musikvideo aber es ist richtig cool gemacht und der Sound ist…nun, angenehm poppig halt :smile: . Guggt ned so. Auch ich darf mal Mainstream gut finden!

In diesem Sinne: Ich wünsche viel Spaß beim Reinhören!

HÄ?! ICH KANN EUCH NICHT HÖREN! SCHREIBT LAUTER! BITTE? WARUM ICH SO LAUT MUSIK HÖRE? WEIL MAN DAS HALT SO MACHT! Also zumindest machen die unheimlichen Typen in ihren 3er BMWs das immer…verstehen tue ich das nicht aber ich will ja cool sein. WAD? WAS HAT EINE LAUS DAMIT ZU TUN? ACHSO, IHR FRAGT WAS DA ÜBERHAUPT SO LAUT AUS DEN BOXEN KOMMT? KEINE AHNUNG ABER VIELLEICHT IST ES EINER DER FOLGENDEN FÜNF SPIELESOUNTRACKS, DIE SIND NÄMLICH GANZ GUT UND KRIEGEN VON MIR ENTSPRECHEND EINE HÖREMPFEHLUNG! UND JETZT HÖRT DOCH ENDLICH AUF SO LAUT ZU SCHREIBEN. Das tut doch in den Ohren weh.

(Cover)

Age of Wonders III (2014)

Komponist: Michiel van den Bos (Overlord)
Umfang: 02:02:46 (36 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Nur als Teil des Deluxe Edition DLC (6,99€ auf Steam) erhältlich

Ein Soundtrack zu einem Strategiespiel mit Mittelalter- und Fantasysetting? Was wird einen da wohl erwarten? Ein riesiges Orchester, viel Holz, viel Blech, schwere Trommeln, hier und da etwas Chor und daraus entsteht ein absolut episches und überwältigendes Hörerlebnis, das einem aus dem Stuhl haut. Nicht ganz (auch wenn ich solche Soundtracks auch gut finde). Van den Bos setzt zwar tatsächlich auf ein klassisches Orchester mit den üblichen Elementen und es gibt die (gelungenen) Lieder wie “Triumph Within Reach” oder “Respawn”, die auch das Blut in Wallung bringen. Aber er versteht es ebenso gekonnt mit wenigen ausgewählten Instrumenten und langsameren Tempo Dramatik auf eine weniger holzhammerartige Weise über mehrere Minuten hinweg zu erzeugen ohne, dass dadurch ein langweiliger Ambient-Soundtrack entsteht. Damit schafft der Komponist ein Werk, dass grundsätzlich anders klingt als beispielsweise ein 08/15-Fantasy-Soundtrack von Dynamedion und kann sich alleine dadurch schon vom Rest abheben. Das Arrangement des Albums ist so gestaltet, dass sich eine angeheme Abwechslung zwischen epischen, dramatischen und lockeren Liedern ergibt, die den Hörer bei der Stange hält und ihm trotzdem Pausen gönnt.

Persönliches Lieblingslied: Track 13 – Battle Macabre [03:02] (Anhören)

Ein gutes Beispiel für eines der langsameren aber nicht weniger spannenden Werken. Über die drei Minuten hinweg wird vor allem durch die Percussions Wellenartig und sehr langsam auf einen Höhepunkt zugearbeitet, der technisch gesehen nie kommt. Total gemein.

(Cover)

Dune 2000 (1998)

Komponist: Frank Klepacki (Command & Conquer)
Umfang: 01:10:40 (17 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Lieder derzeit nicht legal erhältlich

Wundert mich tatsächlich, dass ich von diesem Soundtrack bislang tatsächlich noch nicht geschwärmt habe. Schon Klepackis Werk zu Dune II: Battle for Arrakis lief bei mir stundenlang hoch und runter. Diese durchweg spannungsgeladene SciFi-Midi-Musik, die nicht nur so ganz anders klingt als der eher rockige Soundtrack zu Command & Conquer. Einfach nur genial. Dune 2000 entfaltet bei mir grundsätzlich die gleiche Wirkung, ist jedoch ähnlich wie das dazugehörige Spiel durch die technischen Fortschritte in der Zwischenzeit einfach runder und stimmiger. Die einzelnen thematischen Elemente (hardrockige Harkonnen, klassische Atreides, komische Ordos) kommen viel besser zur Geltung und erhalten mehr epische Breite ohne dabei ihre ganz eigene Identität irgendwo zwischen Orchester- und Elektrosound zu verlieren. Es gibt einfach kein Strategiespiel das auch nur annähernd so klingt wie Westwoods Dune-Trilogie und Dune 2000 trifft bei mir genau den “Sweet Spot” zwischen der groben Midi-Musik von Dune II und den feingeschliffenen Elektro- und Rocksound von Emperor: Battle For Dune.

Persönliches Lieblingslied: Track 12 – Rise Of Harkonnen [03:37] (Anhören)

Ja, man darf die Harkonnen eigentlich nicht gut finden (und Baron Harkonnen ist auch ein ekelhafter Typ). Aber hey: Sie sind die Bösen und entfalten allein dadurch schon eine gewisse Anziehungskraft und sie haben aus meiner Sicht die stärksten Einheiten im Spiel (habe es bis heute weder in Dune II noch Dune 2000 mit den Atreides oder den Ordos den Sieg davonzutragen). Und das Motiv dieses Tracks gibt ganz klar wieder: Hier kommen wir und mit uns ist nicht zu spaßen.

(Cover)

Hive Jump (2017)

Komponist: Big Giant Circles (There Came An Echo)
Umfang: 01:54:04 (47 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (1,11 US-Dollar)

Jimmy Hinson in Bestform und nach seinem Orchester-Ausflug mit There Came An Echo zurück mit einer vollen Ladung Chiptune. Veteranen werden viele Klänge und Motive sicherlich bekannt vorkommen. Das tut dem Hörerlebnis aber keinen Abbruch – ganz im Gegenteil. Hinson holt für diesen Soundtrack alles raus und vermischt gekonnt Altem mit Neuem. Das Ergebnis sind gewohnt schnelle aber sehr melodische Chiptune-Kracher, die den Hörer zum einen zurückversetzen in die Hochzeit der Arcade-Titel und zum anderen noch lange nach dem letzten Ton im Kopf bleiben. Gleichzeitig sind sie nicht so hart und piepsig wie bei so manch anderem Chiptunewerk, was das Album – wie fast alles von Big Giant Circles – auch für normale Ohren ertragbar macht. Nett: Die zweite Hälfte des Albums besteht aus den gleichen Tracks wie die erste aber in einer loopbaren Variante.

Persönliches Lieblingslied: Track 02 – Deployment [04:00] (Anhören)

Ich mag Aufwärmlieder. Ihr wisst schon: Tracks, die so klingen als würde jemand oder etwas auf etwas hinarbeiten, vorbereiten oder ankündigen. Sie bereiten nicht nur den Spieler im Spiel vor, sondern auch den Zuhörer auf das was noch kommt. So wie “Take Off (Scramble)” aus Wing Commander oder “Intro” aus TFX. “Deployment” schlägt für mich in die gleiche Kerbe. Man kann förmlich spüren wie sich der Komponist zurückhält nicht die Bombe platzen zu lassen. Stattdessen wird mehrfach das Tempo wieder rausgenommen, wieder von vorne angefangen und dabei das Grundmotiv leicht verändert. Als Hörer halte ich es vor lauter Anspannung nicht mehr auf dem Stuhl aus.

(Cover)

Neon Chrome (2016)

Komponist: Jonathan Geer (Owlboy)
Umfang: 00:32:23 (11 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (4,99 US-Dollar)

“Neon” im Namen, das kann ja nur eine Hommage an die Cyberpunk-Musik der 80iger Jahre bedeuten – und ihr habt Recht. Schon die ersten Takte versetzen euch direkt in das Intro eines C-Movies. Netterweise ist aber nicht das gesamte Album so gestaltet. Anders als beispielsweise der Soundtrack zu FarCry 3: Blood Dragon, beschränkt sich Geer auf einen behutsamen Einsatz des Synthesizers und erzeugt die Cyberpunk-Atmosphäre lieber mit moderneren Elektrosounds. Die Tracks auf dem Album schaffen es einen guten Mittelweg zwischen langsamer, atmosphärischer Hackermusik (siehe Uplink) und action-geladenem SciFi-Haudrauf zu gehen ohne völlig auf Spannungsbögen oder gar Dramatik (gehört zu Cyberpunkt ja zwingend dazu) zu verzichten. Und obwohl jeder Track anders klingt als der vorherige, ergibt sich doch ein stimmiges Gesamtbild. Trotz der teils sehr großen Unterschiede fühlt sich nichts am Arrangement unpassend oder falsch an.

Persönliches Lieblingslied: Track 03 – Cybernetic [02:29] (Anhören)

Das Intro hat mich sehr an den Soundtrack von Project I.G.I erinnert. Es ist die Ruhe vor dem Sturm (ja, schon wieder :smile: ). Man weiß, dass etwas passieren wird aber aktuell ist der Protagonist noch im Schatten und am Herumschleichen. Es gibt keine echten Höhepunkte, das Motiv ist sehr einfach gehalten und doch: Es hat seinen Charme und fühlt sich irgendwie gut an.

(Cover)

Spell Team Death Match (2013)

Komponist: Bignic (Corporate Lifestyle Simulator)
Umfang: 00:16:01 (5 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (4 US-Dollar)

16 Minuten Hardcore-Chiptune/Elektronik. Damit lässt sich Bignics Werk wohl am einfachsten beschreiben. Von der ersten Sekunde an geht es massiv zur Sache und der Bass kommt nicht mehr zur Ruhe. Harte und schnelle Beats mit recht einfach gehaltenen Motiven erwarten den Hörer, der vermutlich am Ende des Albums erschöpft in seinem Stuhl zusammensackt, weil sein Herz dringend eine Pause braucht. Es ist Bignic in absoluter Reinform, ohne irgendeinen Schnickschnack. Definitiv nicht jedermanns Sache und nichts, was man vermutlich mehrmals am Stück ertragen kann aber manchmal eben genau das Richtige um mal Frust abzulassen.

Persönliches Lieblingslied: Track 01 – Crimson [01:21] (Anhören)

Technisch gesehen wird über die 81 Sekunden hinweg nur das Motiv aus den ersten Sekunden wiederholt und mit weiteren Tönen überlagt. Aber keine Ahnung warum: Es fixt mich an und bringt mich sofort zum Headbangen. Es macht sofort klar, dass das nachfolgende kein Spaziergang wird und bereitet mich entsprechend perfekt auf den Rest des Albums vor.

 

Und damit entlasse ich euch bis kommenden Montag. Viel Spaß beim Reinhören!

Weihnachten ist die Zeit der Besinnlichkeit und Ruhe – zumindest wird dieses Bild gerne von den Medien propagiert. Und mit Besinnlichkeit und Ruhe verbinde ich durchaus auch sich mal hinzusetzen und ein Buch zu lesen oder Musik zu hören. Womit wir beim heutigen Thema sind: Es wird nämlich mal wieder höchste Zeit euch ein paar hörenswerte Spielesoundtracks zu empfehlen. Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, brauchen wir zwar trotzdem noch 180 Jahre bis wir meine komplette Sammlung (Stand heute) durchhaben. Aber Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist :smile: .

Wie immer gilt: Ich kann nur über die Version des Albums reden, die ich besitze und nicht über diverse Abwandlungen mit ggf. mehr oder weniger Tracks. Vor allem in Zeiten von iTunes ist das echt lästig geworden mit den gefühlt tausend verschiedenen Variationen (wegen bspw. zusätzlichen Exklusivtracks je nach Veröffentlichungsplattform).

Hand of Fate (2015)

Komponist: Jeff van Dyck (Rome: Total War)
Umfang: 00:50:20 (16 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (10 US-Dollar)

In der Welt des Dealers geht es nicht freundlich zu – so viel ist nach dem Anhören dieses Albums eindeutig klar. “Düsternis” ist der Überbegriff für alle Stücke ohne aber gleich in ein monotones “Gott, ist die Welt schlecht”-Thema zu verfallen. Stattdessen bietet Jeff van Dyck ein durchweg abwechslungsreiches Hörerlebnis sowohl was die Spannungskurve betrifft als auch die verwendeten Instrumente. Schnelle und harte Stücke mit vielen Trommeln wechseln sich ab mit mystischer Streicher-Anspannung und der einen oder anderen Erholungsphase mit der Laute. Alles in allem werdet ihr als Hörer sehr gut in dieses Fantasiereich voller Gefahren und Herausforderungen versetzt und geht an der Seite des Helden seinen Weg zur Erlösung.

Persönliches Lieblingslied: Track 03 – Deal Of The Millennia [03:03] (Anhören)

“Waaaah! Jetzt wird es ernst!” ist der Gedanke, der mir bei den ersten Takten durch den Kopf schießt. Und genau das will der Komponist damit auch ausdrücken. Das schnelle und in der Tonhöhe wechselnde Gitarrengrundmotiv versprüht eine unglaubliche Dramatik. Das Stück erschreckt und rüttelt auf. Damit passt es voll in mein Beuteschema :smile: .

Hitman 2: Silent Assassin (2002)

Komponist: Jesper Kyd (Assassin’s Creed II
Umfang: 00:64:56 (22 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Amazon (24 Euro inkl. dem Soundtrack für Teil 1)

Mit dem Soundtrack zu Hitman: Codename 47 feierte Jesper Kyd seinen Durchbruch. Wenig verwunderlich, dass er mit diesem Album noch eine große Schippe drauflegte und dieses Mal mit einem großen Orchester plus Chor ins Rennen ging. Schon der Main Title gibt vor wo es langgeht: Theatralisch, episch und ohne Kompromisse – also genau das, was man von einem Schleichspiel eigentlich nicht erwarten würde. Stattdessen setzt Kyd wie schon bei Teil 1 bei der Musikuntermalung voll auf Action und Spannung – zwischendurch vermischt mit etwas lokalen Einflüssen. Bei 47 In St. Petersburg muss man nicht erst den Titel lesen, um zu wissen, dass wir in Russland unterwegs sind. Es ist quasi ein James-Bond-Film zum Anhören. Zwar nicht für ruhige Stunden geeignet aber doch ein erstklassiges Hörerlebnis.

Persönliches Lieblingslied: Track 03 – Action Begins [02:07] (Anhören)

Ich weiß, es wird langsam langweilig. Aber ich mag einfach Stücke, die voller Dramatik sind, die mein Blut in Wallung versetzen, mir Gänsehaut geben und mir das Gefühl geben am Leben zu sein. Das Gegenspiel von Geigen und Blechbläser. Das hohe Tempo durch die Percussion-Einlagen. Es tut sich in diesen zwei Minuten so viel wie bei manchen auf einem ganzen Album.

Remember Me (2013)

Komponist: Olivier Deriviere (Alone in the Dark)
Umfang: 00:49:26 (15 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (4 US-Dollar)

Definitiv ein ungewöhnlicher Sound, den Olivier Deriviere hier gewählt hat. Während grundsätzlich vor allem klassisches Orchester zum Einsatz kommt, verwendet er im Laufe des Albums immer stärker und häufiger elektronische Verzerrung als Stilmittel. Am Höhepunkt des Albums, The Zorn, kommen die armen Geiger und Blechbläser schon fast gar nicht mehr klar zu Geltung bevor mit Hope dann die Erlösung kommt und der Spuk (wie im Spiel) ein Ende hat. Insofern ist es durchaus ein gewöhnungsbedürftiges Album und kein ganz so einfacher Hörgenuss. Aber wenn man sich darauf einlässt und die vermeintlichen Misstöne über sich ergehen lässt erwartet einen wie schon bei Alone in the Dark ein außergewöhnliches und vor allem unterhaltsames Klangerlebnis.

Persönliches Lieblingslied: Track 01 – Nilin The Memory Hunter [03:26] (Anhören)

Am Anfang klingt es noch ganz normal. Die Geigen fangen an und verbreiten Hektik, die Blechbläser fangen an sich einzumischen und die Dramatik zu unterstreichen, dann kommt zaghaft etwas Elektronik dazu bevor die Sängerin undeutlich vor sich hinjammert. Aber irgendwas stimmt nicht. Hier und da klingt es etwas komisch. Hängt die Platte? Hat die MP3 einen Bitfehler? Man weiß es nicht so recht. Aber nein: Das soll so sein und wird im Verlauf des Stücks nur noch schlimmer. Es ist quasi der erste moderate Vorgeschmack auf das, was einen auf diesem Album erwartet.

Shadowgate (2013)

Komponist: Rich Douglas (Lifeless Planet)
Umfang: 00:71:43 (25 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (4 US-Dollar)

Douglas’ Werk verwendet die Grundelemente wie man sie in jedem düsteren Mittelalterfilm oder -spiel findet: Ein Klassik-Orchester mit undeutlichen Chorgesänge (wahrscheinlich auch noch Pseudo-Latein). Aus diesen Zutaten macht er ein vergleichsweise hartes/schroffes und tief bis in den Bauch eindringendes Hörerlebnis, das aber nicht diese martialische Dramatik entwickelt wie beispielsweise der Hau-Drauf-Soundtrack von Warhammer 40.000: Space Marine. Stattdessen bleiben selbst die dramatischen Höhepunkte ungewöhnlich unterschwellig, was das eigene Gefühl der Unsicherheit noch weiter verstärkt. Die extrem schwer und gemächlich klingenden Blechbläser, die oft nur subtil eingesetzt werden aber dann bis unter die Haut gehen sind da nur das i-Tüpfelchen.

Persönliches Lieblingslied: Track 01 – Shadowgate Theme [02:22] (Anhören)

Mystisch und Mittelalterlich. So lässt sich dieser Track wohl am besten umschreiben. Und ja: Auch ein wenig The Elder Scrolls lässt sich heraushören. Der sphärische Chor und die schweren Blechbläser erzeugen eine äußerst unheimliche und dramatische Atmosphäre (passend zum Spiel) bei der man nicht so recht weiß wie einem geschieht. Gänsehautfeeling quasi.

T.F.X (1993)

Komponist: Barry Leitch (Top Gear)
Umfang: 01:18:13 (19 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Lieder derzeit nicht legal erhältlich

Für mich ist der Soundtrack zu Silent Hunter 4: Wolves der Inbegriff von “militärischer Seemusik”. Das Gleiche gilt für diesen Soundtrack, der mir wie kein anderer ein Gefühl vom Fliegen und spannenden Dogfights tausende Meter über dem Boden vermittelt. Ausschließlich mit elektronischen Mitteln hat Barry Leitch (mit Unterstützung von Dean Evans und Keith Tinman) ein Werk geschaffen, dass auf der einen Seite äußerst militärisch/martialisch klingt. Auf der anderen Seite aber doch die gewisse Leichtigkeit und Erhabenheit versprüht, die man vom Fliegen erwartet. Die Kombination und die damit verbundene Dramatik lässt einem sowohl die Brust vor Stolz anschwellen als auch sich vor Spannung mit den Fingernägeln am Stuhl festkrallen. Wem beispielsweise bei Battle Theme nicht das Adrenalin bis zum Anschlag durch die Adern pumpt, der hat was grundlegend falsch gemacht :wink: .

Persönliches Lieblingslied: Track 01 – Intro [04:10] (Anhören)

F22 to Ground Control. Ready for Startup Sequence. Rudders check. Fuel check. Engines check. Powering up Engines. Engines at full capacity. Requesting permission for takeoff.
Ground Control to F22. Permission granted.
So oder so ähnlich stelle ich mir den Anfang des Liedes vor – und dann geht es ab in die Luft. Barry Leitch gibt einem ab der ersten Note das Gefühl in einem Flugzeug zu sitzen und eskaliert gekonnt hoch. Das bringt den Herzschlag auf Tempo und versetzt mich genau in die richtige Stimmung für den Rest des Albums und/oder Spiel.

 

Ich wünsche wie immer viel Spaß beim Reinhören und freue mich natürlich über eure eigene Meinung zu den vorgestellten Soundtracks. Und selbstverständlich bin ich immer offen für Vorschläge, was ich mir auch noch unbedingt anhören sollte!

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