HÄ?! ICH KANN EUCH NICHT HÖREN! SCHREIBT LAUTER! BITTE? WARUM ICH SO LAUT MUSIK HÖRE? WEIL MAN DAS HALT SO MACHT! Also zumindest machen die unheimlichen Typen in ihren 3er BMWs das immer…verstehen tue ich das nicht aber ich will ja cool sein. WAD? WAS HAT EINE LAUS DAMIT ZU TUN? ACHSO, IHR FRAGT WAS DA ÜBERHAUPT SO LAUT AUS DEN BOXEN KOMMT? KEINE AHNUNG ABER VIELLEICHT IST ES EINER DER FOLGENDEN FÜNF SPIELESOUNTRACKS, DIE SIND NÄMLICH GANZ GUT UND KRIEGEN VON MIR ENTSPRECHEND EINE HÖREMPFEHLUNG! UND JETZT HÖRT DOCH ENDLICH AUF SO LAUT ZU SCHREIBEN. Das tut doch in den Ohren weh.

(Cover)

Age of Wonders III (2014)

Komponist: Michiel van den Bos (Overlord)
Umfang: 02:02:46 (36 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Nur als Teil des Deluxe Edition DLC (6,99€ auf Steam) erhältlich

Ein Soundtrack zu einem Strategiespiel mit Mittelalter- und Fantasysetting? Was wird einen da wohl erwarten? Ein riesiges Orchester, viel Holz, viel Blech, schwere Trommeln, hier und da etwas Chor und daraus entsteht ein absolut episches und überwältigendes Hörerlebnis, das einem aus dem Stuhl haut. Nicht ganz (auch wenn ich solche Soundtracks auch gut finde). Van den Bos setzt zwar tatsächlich auf ein klassisches Orchester mit den üblichen Elementen und es gibt die (gelungenen) Lieder wie „Triumph Within Reach“ oder „Respawn“, die auch das Blut in Wallung bringen. Aber er versteht es ebenso gekonnt mit wenigen ausgewählten Instrumenten und langsameren Tempo Dramatik auf eine weniger holzhammerartige Weise über mehrere Minuten hinweg zu erzeugen ohne, dass dadurch ein langweiliger Ambient-Soundtrack entsteht. Damit schafft der Komponist ein Werk, dass grundsätzlich anders klingt als beispielsweise ein 08/15-Fantasy-Soundtrack von Dynamedion und kann sich alleine dadurch schon vom Rest abheben. Das Arrangement des Albums ist so gestaltet, dass sich eine angeheme Abwechslung zwischen epischen, dramatischen und lockeren Liedern ergibt, die den Hörer bei der Stange hält und ihm trotzdem Pausen gönnt.

Persönliches Lieblingslied: Track 13 – Battle Macabre [03:02] (Anhören)

Ein gutes Beispiel für eines der langsameren aber nicht weniger spannenden Werken. Über die drei Minuten hinweg wird vor allem durch die Percussions Wellenartig und sehr langsam auf einen Höhepunkt zugearbeitet, der technisch gesehen nie kommt. Total gemein.

(Cover)

Dune 2000 (1998)

Komponist: Frank Klepacki (Command & Conquer)
Umfang: 01:10:40 (17 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Lieder derzeit nicht legal erhältlich

Wundert mich tatsächlich, dass ich von diesem Soundtrack bislang tatsächlich noch nicht geschwärmt habe. Schon Klepackis Werk zu Dune II: Battle for Arrakis lief bei mir stundenlang hoch und runter. Diese durchweg spannungsgeladene SciFi-Midi-Musik, die nicht nur so ganz anders klingt als der eher rockige Soundtrack zu Command & Conquer. Einfach nur genial. Dune 2000 entfaltet bei mir grundsätzlich die gleiche Wirkung, ist jedoch ähnlich wie das dazugehörige Spiel durch die technischen Fortschritte in der Zwischenzeit einfach runder und stimmiger. Die einzelnen thematischen Elemente (hardrockige Harkonnen, klassische Atreides, komische Ordos) kommen viel besser zur Geltung und erhalten mehr epische Breite ohne dabei ihre ganz eigene Identität irgendwo zwischen Orchester- und Elektrosound zu verlieren. Es gibt einfach kein Strategiespiel das auch nur annähernd so klingt wie Westwoods Dune-Trilogie und Dune 2000 trifft bei mir genau den „Sweet Spot“ zwischen der groben Midi-Musik von Dune II und den feingeschliffenen Elektro- und Rocksound von Emperor: Battle For Dune.

Persönliches Lieblingslied: Track 12 – Rise Of Harkonnen [03:37] (Anhören)

Ja, man darf die Harkonnen eigentlich nicht gut finden (und Baron Harkonnen ist auch ein ekelhafter Typ). Aber hey: Sie sind die Bösen und entfalten allein dadurch schon eine gewisse Anziehungskraft und sie haben aus meiner Sicht die stärksten Einheiten im Spiel (habe es bis heute weder in Dune II noch Dune 2000 mit den Atreides oder den Ordos den Sieg davonzutragen). Und das Motiv dieses Tracks gibt ganz klar wieder: Hier kommen wir und mit uns ist nicht zu spaßen.

(Cover)

Hive Jump (2017)

Komponist: Big Giant Circles (There Came An Echo)
Umfang: 01:54:04 (47 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (1,11 US-Dollar)

Jimmy Hinson in Bestform und nach seinem Orchester-Ausflug mit There Came An Echo zurück mit einer vollen Ladung Chiptune. Veteranen werden viele Klänge und Motive sicherlich bekannt vorkommen. Das tut dem Hörerlebnis aber keinen Abbruch – ganz im Gegenteil. Hinson holt für diesen Soundtrack alles raus und vermischt gekonnt Altem mit Neuem. Das Ergebnis sind gewohnt schnelle aber sehr melodische Chiptune-Kracher, die den Hörer zum einen zurückversetzen in die Hochzeit der Arcade-Titel und zum anderen noch lange nach dem letzten Ton im Kopf bleiben. Gleichzeitig sind sie nicht so hart und piepsig wie bei so manch anderem Chiptunewerk, was das Album – wie fast alles von Big Giant Circles – auch für normale Ohren ertragbar macht. Nett: Die zweite Hälfte des Albums besteht aus den gleichen Tracks wie die erste aber in einer loopbaren Variante.

Persönliches Lieblingslied: Track 02 – Deployment [04:00] (Anhören)

Ich mag Aufwärmlieder. Ihr wisst schon: Tracks, die so klingen als würde jemand oder etwas auf etwas hinarbeiten, vorbereiten oder ankündigen. Sie bereiten nicht nur den Spieler im Spiel vor, sondern auch den Zuhörer auf das was noch kommt. So wie „Take Off (Scramble)“ aus Wing Commander oder „Intro“ aus TFX. „Deployment“ schlägt für mich in die gleiche Kerbe. Man kann förmlich spüren wie sich der Komponist zurückhält nicht die Bombe platzen zu lassen. Stattdessen wird mehrfach das Tempo wieder rausgenommen, wieder von vorne angefangen und dabei das Grundmotiv leicht verändert. Als Hörer halte ich es vor lauter Anspannung nicht mehr auf dem Stuhl aus.

(Cover)

Neon Chrome (2016)

Komponist: Jonathan Geer (Owlboy)
Umfang: 00:32:23 (11 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (4,99 US-Dollar)

„Neon“ im Namen, das kann ja nur eine Hommage an die Cyberpunk-Musik der 80iger Jahre bedeuten – und ihr habt Recht. Schon die ersten Takte versetzen euch direkt in das Intro eines C-Movies. Netterweise ist aber nicht das gesamte Album so gestaltet. Anders als beispielsweise der Soundtrack zu FarCry 3: Blood Dragon, beschränkt sich Geer auf einen behutsamen Einsatz des Synthesizers und erzeugt die Cyberpunk-Atmosphäre lieber mit moderneren Elektrosounds. Die Tracks auf dem Album schaffen es einen guten Mittelweg zwischen langsamer, atmosphärischer Hackermusik (siehe Uplink) und action-geladenem SciFi-Haudrauf zu gehen ohne völlig auf Spannungsbögen oder gar Dramatik (gehört zu Cyberpunkt ja zwingend dazu) zu verzichten. Und obwohl jeder Track anders klingt als der vorherige, ergibt sich doch ein stimmiges Gesamtbild. Trotz der teils sehr großen Unterschiede fühlt sich nichts am Arrangement unpassend oder falsch an.

Persönliches Lieblingslied: Track 03 – Cybernetic [02:29] (Anhören)

Das Intro hat mich sehr an den Soundtrack von Project I.G.I erinnert. Es ist die Ruhe vor dem Sturm (ja, schon wieder :smile: ). Man weiß, dass etwas passieren wird aber aktuell ist der Protagonist noch im Schatten und am Herumschleichen. Es gibt keine echten Höhepunkte, das Motiv ist sehr einfach gehalten und doch: Es hat seinen Charme und fühlt sich irgendwie gut an.

(Cover)

Spell Team Death Match (2013)

Komponist: Bignic (Corporate Lifestyle Simulator)
Umfang: 00:16:01 (5 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (4 US-Dollar)

16 Minuten Hardcore-Chiptune/Elektronik. Damit lässt sich Bignics Werk wohl am einfachsten beschreiben. Von der ersten Sekunde an geht es massiv zur Sache und der Bass kommt nicht mehr zur Ruhe. Harte und schnelle Beats mit recht einfach gehaltenen Motiven erwarten den Hörer, der vermutlich am Ende des Albums erschöpft in seinem Stuhl zusammensackt, weil sein Herz dringend eine Pause braucht. Es ist Bignic in absoluter Reinform, ohne irgendeinen Schnickschnack. Definitiv nicht jedermanns Sache und nichts, was man vermutlich mehrmals am Stück ertragen kann aber manchmal eben genau das Richtige um mal Frust abzulassen.

Persönliches Lieblingslied: Track 01 – Crimson [01:21] (Anhören)

Technisch gesehen wird über die 81 Sekunden hinweg nur das Motiv aus den ersten Sekunden wiederholt und mit weiteren Tönen überlagt. Aber keine Ahnung warum: Es fixt mich an und bringt mich sofort zum Headbangen. Es macht sofort klar, dass das nachfolgende kein Spaziergang wird und bereitet mich entsprechend perfekt auf den Rest des Albums vor.

 

Und damit entlasse ich euch bis kommenden Montag. Viel Spaß beim Reinhören!

Weihnachten ist die Zeit der Besinnlichkeit und Ruhe – zumindest wird dieses Bild gerne von den Medien propagiert. Und mit Besinnlichkeit und Ruhe verbinde ich durchaus auch sich mal hinzusetzen und ein Buch zu lesen oder Musik zu hören. Womit wir beim heutigen Thema sind: Es wird nämlich mal wieder höchste Zeit euch ein paar hörenswerte Spielesoundtracks zu empfehlen. Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, brauchen wir zwar trotzdem noch 180 Jahre bis wir meine komplette Sammlung (Stand heute) durchhaben. Aber Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist :smile: .

Wie immer gilt: Ich kann nur über die Version des Albums reden, die ich besitze und nicht über diverse Abwandlungen mit ggf. mehr oder weniger Tracks. Vor allem in Zeiten von iTunes ist das echt lästig geworden mit den gefühlt tausend verschiedenen Variationen (wegen bspw. zusätzlichen Exklusivtracks je nach Veröffentlichungsplattform).

Hand of Fate (2015)

Komponist: Jeff van Dyck (Rome: Total War)
Umfang: 00:50:20 (16 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (10 US-Dollar)

In der Welt des Dealers geht es nicht freundlich zu – so viel ist nach dem Anhören dieses Albums eindeutig klar. „Düsternis“ ist der Überbegriff für alle Stücke ohne aber gleich in ein monotones „Gott, ist die Welt schlecht“-Thema zu verfallen. Stattdessen bietet Jeff van Dyck ein durchweg abwechslungsreiches Hörerlebnis sowohl was die Spannungskurve betrifft als auch die verwendeten Instrumente. Schnelle und harte Stücke mit vielen Trommeln wechseln sich ab mit mystischer Streicher-Anspannung und der einen oder anderen Erholungsphase mit der Laute. Alles in allem werdet ihr als Hörer sehr gut in dieses Fantasiereich voller Gefahren und Herausforderungen versetzt und geht an der Seite des Helden seinen Weg zur Erlösung.

Persönliches Lieblingslied: Track 03 – Deal Of The Millennia [03:03] (Anhören)

„Waaaah! Jetzt wird es ernst!“ ist der Gedanke, der mir bei den ersten Takten durch den Kopf schießt. Und genau das will der Komponist damit auch ausdrücken. Das schnelle und in der Tonhöhe wechselnde Gitarrengrundmotiv versprüht eine unglaubliche Dramatik. Das Stück erschreckt und rüttelt auf. Damit passt es voll in mein Beuteschema :smile: .

Hitman 2: Silent Assassin (2002)

Komponist: Jesper Kyd (Assassin’s Creed II
Umfang: 00:64:56 (22 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Amazon (24 Euro inkl. dem Soundtrack für Teil 1)

Mit dem Soundtrack zu Hitman: Codename 47 feierte Jesper Kyd seinen Durchbruch. Wenig verwunderlich, dass er mit diesem Album noch eine große Schippe drauflegte und dieses Mal mit einem großen Orchester plus Chor ins Rennen ging. Schon der Main Title gibt vor wo es langgeht: Theatralisch, episch und ohne Kompromisse – also genau das, was man von einem Schleichspiel eigentlich nicht erwarten würde. Stattdessen setzt Kyd wie schon bei Teil 1 bei der Musikuntermalung voll auf Action und Spannung – zwischendurch vermischt mit etwas lokalen Einflüssen. Bei 47 In St. Petersburg muss man nicht erst den Titel lesen, um zu wissen, dass wir in Russland unterwegs sind. Es ist quasi ein James-Bond-Film zum Anhören. Zwar nicht für ruhige Stunden geeignet aber doch ein erstklassiges Hörerlebnis.

Persönliches Lieblingslied: Track 03 – Action Begins [02:07] (Anhören)

Ich weiß, es wird langsam langweilig. Aber ich mag einfach Stücke, die voller Dramatik sind, die mein Blut in Wallung versetzen, mir Gänsehaut geben und mir das Gefühl geben am Leben zu sein. Das Gegenspiel von Geigen und Blechbläser. Das hohe Tempo durch die Percussion-Einlagen. Es tut sich in diesen zwei Minuten so viel wie bei manchen auf einem ganzen Album.

Remember Me (2013)

Komponist: Olivier Deriviere (Alone in the Dark)
Umfang: 00:49:26 (15 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (4 US-Dollar)

Definitiv ein ungewöhnlicher Sound, den Olivier Deriviere hier gewählt hat. Während grundsätzlich vor allem klassisches Orchester zum Einsatz kommt, verwendet er im Laufe des Albums immer stärker und häufiger elektronische Verzerrung als Stilmittel. Am Höhepunkt des Albums, The Zorn, kommen die armen Geiger und Blechbläser schon fast gar nicht mehr klar zu Geltung bevor mit Hope dann die Erlösung kommt und der Spuk (wie im Spiel) ein Ende hat. Insofern ist es durchaus ein gewöhnungsbedürftiges Album und kein ganz so einfacher Hörgenuss. Aber wenn man sich darauf einlässt und die vermeintlichen Misstöne über sich ergehen lässt erwartet einen wie schon bei Alone in the Dark ein außergewöhnliches und vor allem unterhaltsames Klangerlebnis.

Persönliches Lieblingslied: Track 01 – Nilin The Memory Hunter [03:26] (Anhören)

Am Anfang klingt es noch ganz normal. Die Geigen fangen an und verbreiten Hektik, die Blechbläser fangen an sich einzumischen und die Dramatik zu unterstreichen, dann kommt zaghaft etwas Elektronik dazu bevor die Sängerin undeutlich vor sich hinjammert. Aber irgendwas stimmt nicht. Hier und da klingt es etwas komisch. Hängt die Platte? Hat die MP3 einen Bitfehler? Man weiß es nicht so recht. Aber nein: Das soll so sein und wird im Verlauf des Stücks nur noch schlimmer. Es ist quasi der erste moderate Vorgeschmack auf das, was einen auf diesem Album erwartet.

Shadowgate (2013)

Komponist: Rich Douglas (Lifeless Planet)
Umfang: 00:71:43 (25 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (4 US-Dollar)

Douglas’ Werk verwendet die Grundelemente wie man sie in jedem düsteren Mittelalterfilm oder -spiel findet: Ein Klassik-Orchester mit undeutlichen Chorgesänge (wahrscheinlich auch noch Pseudo-Latein). Aus diesen Zutaten macht er ein vergleichsweise hartes/schroffes und tief bis in den Bauch eindringendes Hörerlebnis, das aber nicht diese martialische Dramatik entwickelt wie beispielsweise der Hau-Drauf-Soundtrack von Warhammer 40.000: Space Marine. Stattdessen bleiben selbst die dramatischen Höhepunkte ungewöhnlich unterschwellig, was das eigene Gefühl der Unsicherheit noch weiter verstärkt. Die extrem schwer und gemächlich klingenden Blechbläser, die oft nur subtil eingesetzt werden aber dann bis unter die Haut gehen sind da nur das i-Tüpfelchen.

Persönliches Lieblingslied: Track 01 – Shadowgate Theme [02:22] (Anhören)

Mystisch und Mittelalterlich. So lässt sich dieser Track wohl am besten umschreiben. Und ja: Auch ein wenig The Elder Scrolls lässt sich heraushören. Der sphärische Chor und die schweren Blechbläser erzeugen eine äußerst unheimliche und dramatische Atmosphäre (passend zum Spiel) bei der man nicht so recht weiß wie einem geschieht. Gänsehautfeeling quasi.

T.F.X (1993)

Komponist: Barry Leitch (Top Gear)
Umfang: 01:18:13 (19 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Lieder derzeit nicht legal erhältlich

Für mich ist der Soundtrack zu Silent Hunter 4: Wolves der Inbegriff von „militärischer Seemusik“. Das Gleiche gilt für diesen Soundtrack, der mir wie kein anderer ein Gefühl vom Fliegen und spannenden Dogfights tausende Meter über dem Boden vermittelt. Ausschließlich mit elektronischen Mitteln hat Barry Leitch (mit Unterstützung von Dean Evans und Keith Tinman) ein Werk geschaffen, dass auf der einen Seite äußerst militärisch/martialisch klingt. Auf der anderen Seite aber doch die gewisse Leichtigkeit und Erhabenheit versprüht, die man vom Fliegen erwartet. Die Kombination und die damit verbundene Dramatik lässt einem sowohl die Brust vor Stolz anschwellen als auch sich vor Spannung mit den Fingernägeln am Stuhl festkrallen. Wem beispielsweise bei Battle Theme nicht das Adrenalin bis zum Anschlag durch die Adern pumpt, der hat was grundlegend falsch gemacht :wink: .

Persönliches Lieblingslied: Track 01 – Intro [04:10] (Anhören)

F22 to Ground Control. Ready for Startup Sequence. Rudders check. Fuel check. Engines check. Powering up Engines. Engines at full capacity. Requesting permission for takeoff.
Ground Control to F22. Permission granted.
So oder so ähnlich stelle ich mir den Anfang des Liedes vor – und dann geht es ab in die Luft. Barry Leitch gibt einem ab der ersten Note das Gefühl in einem Flugzeug zu sitzen und eskaliert gekonnt hoch. Das bringt den Herzschlag auf Tempo und versetzt mich genau in die richtige Stimmung für den Rest des Albums und/oder Spiel.

 

Ich wünsche wie immer viel Spaß beim Reinhören und freue mich natürlich über eure eigene Meinung zu den vorgestellten Soundtracks. Und selbstverständlich bin ich immer offen für Vorschläge, was ich mir auch noch unbedingt anhören sollte!

Viel Zeit mit einem anderen Menschen zu verbringen bedeutet auch viele neue Sachen kennenzulernen. Gut, es bedeutet auch gleichzeitig ein paar zu verlieren (Spielemusik geht im Auto leider nur noch in sehr moderaten Dosen) aber das ist nicht unser Thema heute. Nein, stattdessen wollte ich euch mal fünf Bands vorstellen, die ich nur dank Lysanda überhaupt erst entdeckt habe und die mir im Großen und Ganzen (ein paar schlechte Lieder gibt es ja immer) auch tatsächlich gefallen. Eine Sache haben sie übrigens alle gemeinsam: Der Lead Singer ist eine Frau.

Beyond the Black (seit 2014 aktiv)

Genre: Symphonic Metal
Studioalben: Songs of Love and Death (2015), Lost in Forever (2016)

Ich gebe offen zu, dass ich Nightwish vermisse. Ja, natürlich gibt es die Band noch aber zumindest für mich kann keine der neuen Sängerinnen auch nur Ansatzweise an Tarja Turunen anknüpfen und damit ist auch der Sound weg, der mir an den Finnen so gut gefallen hat. Es war einfach die perfekte Kombination und ich habe lange nach einem „würdigen“ Ersatz gesucht (nein, Within Temptation ist keiner – die sind einfach nur komisch). Die noch ziemlich junge, deutsche Band Beyond the Black kommt der Sache schon ziemlich nahe und hat auf zwei Alben auch noch einen Kracher nach dem anderen drauf.

Das Paket stimmt hier einfach komplett. Vom gewohnt harten Metal-Sound über die dominante Stimme von Jennifer Haben (Lob an den Mixer!) und die gelungenen Texte – es passt einfach. Zwar ist inhaltlich nichts bahnbrechend Neues dabei (Liebe, Schicksal, Weltuntergang und der ganze Kram ist halt einfach Standard bei sowas). Aber die Lieder gehen unter die Haut, laden von der ersten Note an zum Mitsingen (und Headbangen) ein und man kann sie einfach tagelang hören.

Persönliches Lieblingslied: Lost in Forever – Track 02 – Beautiful Lies (feat. Rick Altzi) [04:08] (Anhören)

Ich kann mir es einfach nicht erklären, aber dieses Lied (ich würde es als Trennungsballade bezeichnen) geht mir sowas von unter die Haut, das hatte ich schon lange nicht mehr. An sich ist es eher sanft und langsam aber mit harten Einschlägen an den richtigen Stellen zur Betonung, der Text ist nicht gerade von der fröhlichen Sorte und der Kontrast zwischen Jennifer und Rick passt einfach perfekt zur Geschichte. Ich glaube, der beste Vergleich ist für mich tatsächlich die Metallica-Ballade Nothing Else Matters. Auch da stehen mir regelmäßig die Haare zu Berge.

 

Florence + The Machine (seit 2007 aktiv)

Genre: Mischung aus Indie, Folk, Rock, Pop und Soul
Studioalben: Between Two Lungs (2009), Ceremonials (2011), How Big, How Blue, How Beautiful (2015)

Diese Band hat einen Sound, den habe zumindest ich sonst noch nirgends gehört. Höchstens noch bei dem Kram, was sich unser lieber Don Quichotte früher so reingezogen hat (der hat teilweise Zeugs gehört…). Irgendwo zwischen elektronischem Blues und fetzigem Folkrock mit einer extremen Brise Sarkasmus und Gesellschaftskritik. Da wird in einem fröhlichen Ton von Gewalt in der Ehe gesungen, Chorähnlich Heimsuchung gerechtfertigt und poppig Fantasy-Geschichten von Königen und Kriegen erzählt.

Das ist es auch, was mich am Ende endgültig von ihnen überzeugt hat. Anfangs war ich vom doch eher ungewöhnlichen Soundmix etwas irritiert und abgestoßen (habe auch tatsächlich gerne „weiter“ gedrückt). Aber nach mehrmaligem Hören und vor allem genauerem Verstehen von dem, was sie da eigentlich sagt, finde ich einen Großteil der Lieder tatsächlich richtig gut bis hin zu abartig genial. Dass alles extrem abwechslungsreich gestaltet ist – nicht nur von Album zu Album, sondern auch von Track zu Track – verstärkt zwar die Einstiegsschwierigkeiten, macht die Band aber umso interessanter. Den „einen“ Klang haben sie insofern gar nicht wirklich.

Persönliches Lieblingslied: Ceremonials (Deluxe Edition) – Track 18 – Bedroom Hymns [03:02] (Anhören)

Sagen wir es, wie es ist: Es ist ein Sexlied zusammengesetzt aus religiöser Symbolik. Also nichts für unseren Don Quichotte. Schon nach den ersten Textzeilen ist klar, dass es hier richtig zur Sache geht und sie großen Spaß daran hat. Aber die Verpackung ist einfach genial. Die Musik ist fröhlich und treibend, ihre Gesang gleicht stellenweise einem Stöhnen und alles arbeitet auf einen Höhepunkt hin – in zweierlei Hinsicht. Noch so ein Lied, dass ich mir den ganzen Tag anhören könnte.

 

Glasperlenspiel (seit 2003 aktiv)

Genre: Elektropop
Studioalben: Beweg dich mit mir (2011), Grenzenlos in diesem Moment (2013), Tag X (2015)

Lieder von und für Mädchen. So kann man die Band wohl heutzutage am einfachsten zusammenfassen. Die Texte sind größtenteils der übliche Liebe-, Freundschaft- und Party-Kram ohne viele Ecken und Kanten. Der Sound ist auch eher Radio-freundlich ausgelegt und hat wenig Biss. Und doch: Carolin Niemczyk hat eine sehr schöne Stimme und so langweilig der Sound auch erst einmal ist, er passt zu den Texten und bietet auch den ein oder anderen Ohrwurm.

Problematisch wird es allerdings, wenn Daniel Grunenberg eine dominante Rolle in den Liedern einnimmt – was auf den neueren CDs anscheinend immer öfters der Fall ist. Er kann aus meiner Sicht absolut nicht singen, passt nicht zu ihrer Stimme und entsprechend doof klingen dann eigentlich richtig gute Songs wie beispielsweise der Radio-Standard-Titel „Geiles Leben“.

Definitiv keine Band, die ich jemals einfach so für mich entdeckt hätte. Aber für hin und wieder im Auto hören durchaus erfrischend und auch über die schnulzigen Texte kann ich liebend gerne mit Lysanda diskutieren (zu ihrem Leidwesen) :smile: .

Persönliches Lieblingslied: Tag X – Track 01 – Wölfe / Interlude Tag X [05:20] (Anhören)

Inhaltlich würde ich es als Motivationssong bezeichnen (wenn du dein Leben nicht in die Hand nimmst, dann wird das nichts). Aber das ist nicht der Grund, warum es mir gefällt. Stattdessen ist es das Gesamtpaket aus stimmungsmachendem Intro, eingängiger aber stark treibender Melodie und natürlich Carolins Gesang, das daraus für mich einen echten Ohrwurm macht.

 

Adele (seit 2006 aktiv)

Genre: Pop, Soul, Jazz und R&B
Studioalben: 19 (2008), 21 (2011), 25 (2015)

Ja, es hat sicherlich damit zu tun, dass „Hello“ letztes Jahr gefühlt im Dauerlauf im Radio kam und es unzählige Parodien davon auf YouTube gibt. Mir gefällt einfach ihre Stimme sehr gut, die sich über ihre drei Alben hinweg auch deutlich hörbar entwickelt hat. Auf 19 hatte sie noch einen Dialekt und klang höher, heute ist sie etwas sanfter und tiefer geworden. Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen. Ihre Lieder sind eher von der langsameren und tränenreicheren Sorte mit sanfter klassischer Musik im Hintergrund und ihrer Stimme voll im Vordergrund. Entweder man mag sie oder halt nicht, vermute ich.

Persönliches Lieblingslied: 21 – Track 01 – Rolling in the Deep [03:48] (Anhören

Bei diesem Lied bin ich vorgeschädigt, denn als wir letztes Jahr testweise Mal im Chor waren, wurde das gerade einstudiert. Ja, ich habe wirklich ein paar Monate als Tenor gesungen und einen Großteil davon dieses Lied. Mir gefällt an diesem Track sein hohes Tempo, die „Fuck You“-Attitüde des Textes und die eingängige Melodie.

 

Revolution Eve (seit 2012 aktiv)

Genre: Alternative Rock
Studioalben: Arise (EP, 2012), Pandora (2016)

Es steht zwar „Alternative Rock“ drauf aber basierend auf den Texten und dem allgemeinen Sound, würde ich es schon eher in die Punkrock-Ecke schieben. Die Lieder sind jetzt zwar nicht wirklich „Anti-Establishment“ im allgemeinen Sinne und bewegen sich mehr auf der persönlichen Rebellenebene (ich bin nicht wie ihr mich haben wollt). Aber die Sängerin, Diana Nagel, singt die Thematik trotzdem mit einer aggressiven Inbrunst ins Mikrofon, wie man es eben mehr im Punkrock-Bereich kennt. Die Musik ist ganz klar nur unterstützend und entspricht, was jetzt nicht negativ gemeint ist, der Norm. Nicht die beste Band auf der heutigen Liste aber man kann sie sich definitiv auch mehrmals anhören.

Kennengelernt habe ich die deutsche Band als wir uns auf ein (leider dann abgesagtes) Konzert mit Beyond the Black vorbereitet haben. Da waren sie als Vorband angekündigt.

Persönliches Lieblingslied: Pandora – Track 03 – Perfect Bitch [04:00] (Anhören)

Das Lied bringt am besten rüber wofür Revolution Eve aus meiner Sicht steht. Sowohl die Musik als auch der Gesang sind sehr aggressiv und der Text macht noch deutlicher als alle anderen auf dem Album, dass sie absolut nichts gefallen lässt und ihren eigenen Weg geht.

Wie? Es ist schon fast wieder ein Jahr her, dass ich euch fünf hörenswerte Spiele-Soundtracks vorgestellt habe?! Das kann ja nicht angehen! Dabei habe ich doch so viele Lieder auf der Festplatte, dass ich damit auf einer einsamen Insel stranden und trotzdem bis ans Ende meiner Tage durchgängig einen anderen Track hören könnte. Und genau deswegen stelle ich euch heute  vier Alben vor, die nicht unbedingt direkt unter den Begriff „Spielesoundtracks“ fallen aber trotzdem für „echte Gamer“ (unechte müssen wie gewohnt draußen bleiben) hörenswert sind sowie  einen top-aktuellen Soundtrack. Wie immer gilt: Ich kann nur über die Version des Albums reden, die ich besitze und nicht über diverse Abwandlungen mit ggf. mehr oder weniger Tracks.

Spectra (Cover)

Spectra (Cover)

Spectra (2013)

Komponist: Niamh „chipzel“ Houston (Super Hexagon)
Umfang: 00:48:32 (13 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (7 Britische Pfund)

Die Chiptune-Musikern (sie nutzt einen Nintendo Gameboy) Niamh „chipzel“ Houston habe ich durch ihren Soundtrack zu Super Hexagon kennengelernt, der durch seinen heftigen und pumpenden Beat nicht nur während des Spielens das Blut in Wallung brachte, sondern auch außerhalb perfekt Adrenalinfördernd wirkte. Darauf baut sie ganz klar in diesem Album auf, dass ansonsten kein Spiel als Grundlage hat. Das Gameboy-Gepiepse wird gekonnt mit elektronischen Elementen aufgebohrt und ergibt am Ende einen Mix, der mich ganz klar an Soundtracks wie Scott Pilgrim vs. The World: The Game oder Reset Generation erinnert – nur irgendwie noch härter und schneller. Ist natürlich nur etwas für jemanden, der grundsätzlich was mit dieser Art von Musik etwas anfangen kann :smile: .

Persönliches Lieblingslied: Track 08 – Beyond The Cosmos [03:33] (Anhören)

Das vermutlich „sanfteste“ und damit vermutlich auch klassischste Chiptune-Lied auf dem gesamten Album. Aber gerade deswegen finde ich es zum einen angenehm erholsam aber zum anderen auch einfach „nett“. Es hat etwas Leichtes und Befreiendes an sich, was in mir ein schönes Gefühl der Zufriedenheit erzeugt. Und geht es nicht am Ende um das, was Musik beim Anhören mit einem macht?

 

VGL: Volume One Cover

VGL: Volume One
(Cover)

Volume One (2008)

Komponist: Diverse (eingespielt von Video Games Live)
Umfang: 01:04:08 (15 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Video Games Live (15 US-Dollar)

Wer Video Games Live nicht kennt: Das ist eine Erfindung von Spielekomponist Tommy Tallarico, die durch die ganze Welt zieht (aber ohne festes Orchester – es werden immer Leute vor Ort genommen!) und als erste überhaupt Spielemusik mit klassischem Orchester auf die große Bühne gebracht haben (anno 2005) und auch immer noch tun. Mittlerweile gibt es schon die fünfte CD, die alle zu empfehlen sind. Doch die für mich Beste ist immer noch die erste. Das hat zwei Gründe:

Die Auswahl der Spiele ist (für mich) fast 100% perfekt (Kingdom Hearts, WarCraft, Halo, uvm.) und es sind auch noch Stücke, die man so vermutlich noch nicht gehört hat sowohl was das Arrangement als auch den Orchestereinsatz betrifft. Die neueren CDs leiden etwas darunter, dass mittlerweile jedes Studio sich ein großes Orchester mietet. Entsprechend klingen die Lieder teilweise genauso wie im offiziellen Soundtrack und dafür brauche ich logischerweise Video Games Live nicht – so gut die Medleys von Tallarico & Co. auch arrangiert sind. Live aber unabhängig davon definitiv einen Besuch wert!

Persönliches Lieblingslied: Track 02 – WarCraft Suite [05:05] (Anhören)

Wie das Spiel ist auch die Musik der WarCraft-Spiele stark überzeichnet und kommt am besten zur Geltung, wenn sie mit einer entsprechenden Größe präsentiert wird (siehe auch das nächste Album) und in diesem Medley ist das eindeutig der Fall. Es wird die ganze Bandbreite abgedeckt (schwere Trommeln, durchdringende Blechbläser, mystischer Chor, sanfte Geigen, etc.) und damit ein episches Gesamtwerk geschaffen, das mir an so einigen Stellen echte Gänsehaut bereitet (vor allem im Chorfinale) und einfach nur geil ist. Klingt dämlich, aber ich weiß nicht wie man es anders beschreiben soll.

 

Echoes Of War (Cover)

Echoes Of War
(Cover)

Echoes of War (2008)

Komponist: Diverse (eingespielt vom Eminence Symphony Orchestra)
Umfang: 01:30:10 (15 Lieder auf 2 CDs)
Mögliche Bezugsquelle: Amazon US (für viel zu viel Geld)

Es gibt Dinge, die kommen erst so richtig zur Geltung, wenn sie in die richtigen Hände gelangen. Und im Fall der Musik von Blizzard Entertainment ist es das Eminence Sympohoy Orchestra. Das hat sich hingesetzt und bekannte Stücke bzw. teilweise sogar nur Motive aus der Hauptspielehistorie der Kalifornier genommen (leider kein Stück aus The Lost Vikings mit dabei) und zu richtigen Orchesterwerken aufgebohrt. Das Ergebnis ist buchstäblich einzigartig. So hat man selbst auf den Soundtrack-CDs von Blizzard ihre Musik noch nicht gehört. Wenn beispielsweise auf CD 1 (enthält ausschließlich WarCraft-Stücke – CD 2 StarCraft und Diablo) in Track 6 (The Visions Of The Lich King Overture) Arthas Motiv herausklingt und in seinen dunklen Gegenpart mutiert, dann ist das ein intensiver Gänsehautmoment (siehe auch das vorherige Album), der schwächere Menschen (mich natürlich nicht) buchstäblich zu Tränen rührt.

Das große Orchester mit seinem Chor gibt den Liedern die epische Breite, die sie im Original haben sollten aber entweder mitunter vermissen ließen oder im Vergleich dann doch nicht so intensiv hatten. Ich mag zum Beispiel die meisten Lieder der Blizzard-Spiele gar nicht so wirklich bzw. oft nur in Kombination mit der genialen CGI-Sequenz für die sie geschrieben wurden. Aber auf diesen zwei CDs werden schon allein durch die klar herausdefinierten, bekannten Motive die richtigen Emotionen und Gefühle transportiert – und das mit einer gewaltigen Wucht, die einfach nur gut tut. Warum klingen die World of WarCraft-Soundtracks nicht auch durchgängig so gut?

Persönliches Lieblingslied: CD 1 – Track 01 – Journey To Kalimdor [04:08] (Anhören)

Schon die ersten Takte geben ganz klar die Richtung des gesamten Albums vor: Episch, schwer und doch abwechslungsreich. Schließlich würde man völlig erschlagen werden von 1 1/2 Stunden durchgehend Trommeln und Blechbläsern. Stattdessen gibt es auch die ruhigen Momente, die einen etwas Zeit zum Durchatmen lassen bevor es wieder so richtig kracht und rumst. Somit steht der Einstiegstrack symbolisch für das ganze Album und gefällt mir wegen seiner Dramaturgie auch am Besten.

 

Reformation: Last Ninja 2 (Cover)

Reformation
Last Ninja 2 (Cover)

Reformation Last Ninja 2 (2016)

Komponist: Matt Gray (Dominator 2)
Umfang: 01:24:08 (13 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: C64Audio (15 Britische Pfund)

Ich gebe offen zu: Dieses Album ist der Hauptgrund für den heutigen Eintrag. Ich bin absoluter Fan des Soundtracks zu The Last Ninja 2 (C64), mag aber eigentlich eher selten irgendwelche Remixes, da sie oftmals nicht das Original respektieren (mitunter sogar, wenn der Remix vom selben Komponist kommt!) und stattdessen einfach nur irgendwelchen Technomist drüberrotzen. Matt Gray hat das bei seinem Werk nicht getan. Mal abgesehen davon, dass er sich sehr viel Zeit gelassen hat (der Kickstarter war 2014), hat er sich nicht einfach hingesetzt und gesagt „Okay, ich muss das jetzt alles neu machen und mich dabei total neu erfinden“, sondern hat stattdessen auf seinen Originalen aufgebaut. Sprich das wichtigste und auch charakterisierenste „Gepiepse“ da gelassen, wo es nicht nur hingehört, sondern wo es auch weiterhin völlig passend ist.

Das Ergebnis ist ein Album, das nicht nur dem Originalsoundtrack gerecht wird, sondern ihn tatsächlich sogar übertrifft weil Gray seine Songs behutsam und mit Augenmaß verändert, erweitert und verstärkt hat. Die Lieder klingen quasi nun auch tatsächlich so, wie sich das Original für einen Kenner mit rosarotem Hörgerät im Kopf anhörte.

Persönliches Lieblingslied: Track 02 – Central Park Main Theme [07:50]

In diesem Fall bin ich eindeutig vorgeschädigt, denn der Track ist auch mein absoluter Liebling im Original. Der Remix hat im Vergleich nun eindeutig mehr „rums“ bekommen und klingt stellenweise auch asiatischer (was sicherlich schon damals die eigentliche Absicht war – Ninjas halt). Gleichzeitig ist trotzdem noch so viel von damals enthalten, dass meine Füße sofort wieder mitwippen. Das Stück hat einfach alles. Es klingt auf der einen Seite locker und leicht und ist doch voller Spannung und Tempo. Perfekt.

 

Battlefield 1 (Cover)

Battlefield 1
(Cover)

Battlefield 1 (2016)

Komponist: Johan Söderqvist & Patrik Andrén
Umfang: 01:08:27 (25 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Amazon (9,99 Euro)

Die letzten Soundtracks der Battlefield-Reihe haben mir nicht wirklich gefallen. Zu viel irgendwie unharmonische Elektronikklänge für meinen Geschmack. Doch da sich die Serie dieses Mal wieder auf die Vergangenheit zurückbesinnt, durften auch die Komponisten zurück zum klassischen Klang. Bislang ausschließlich für Film und Fernsehen aktiv, bringen die beiden das Orchester und damit auch die Epik zurück in den Battlefield-Klang – zumindest zu einem Teil, denn der erste Weltkrieg war bekanntermaßen kein Zuckerschlecken und diese Dramatik ist auch im Soundtrack zu hören (vor allem durch die eingestreuten, sehr melancholischen Choreinlagen).

Vermutlich auch deshalb verzichten sie – geschickter Weise, muss man sagen – darauf bereits im Hauptthema das bekannte Motiv zu bringen. Doch das macht den Einstieg keineswegs schlechter und führt im Gegenteil dazu, dass man umso mehr vom Stuhl hochspringt, wenn es dann nach 10 Sekunden im 15. Lied plötzlich in all seiner Stärke und Wucht aus den Boxen dröhnt. „Endlich wieder Zuhause“ schießt es da einem durch den Kopf.

Persönliches Lieblingslied: Track 17 – Flight School [03:07] (Anhören)

Ich mag viele Dinge an Musik (Geigen, Dramatik, Härte, etc.) aber vor allem mag ich clevere Komponisten, die es schaffen ein bekanntes Motiv geschickt neu zu formieren. Nachdem sie also kurz zuvor endlich das Originalmotiv wieder hervorgeholt haben, nehmen sie es in diesem Track und machen daraus ein äußert erhabenes und antreibendes Werk, das zwar nie seinen Höhepunkt erreicht aber doch ein wollig kribbeliges Gefühl erzeugt.

 

Und damit seid ihr schon wieder gut 5-6 Stunden beschäftigt. Anschließend erwarte ich nicht nur eure Meinung zu den ausgewählten Alben in den Kommentaren, sondern gerne auch weitere Empfehlungen. Müssen auch nicht zwingend in diese Richtung gehen. Ihr wisst ja: Ich bin prinzipiell offen für alles. Ob es mir am Ende gefällt ist natürlich ein anderes Thema :smile: .

Ich mag nicht mehr dazu zu kommen so viele Spiele zu spielen. Aber mein Interesse an Spielesoundtracks hat sich dadurch nicht gemindert. Ich höre sie weiterhin gerne und viel. Und da der letzte Eintrag dieser Art auch schon wieder einige Monate auf dem Buckel hat, wird es mal wieder Zeit euch fünf Empfehlungen aus meiner äußerst umfangreichen Sammlung vorzustellen. Und zwar beschäftigen wir uns heute mit den nachfolgenden Werken:

Crypt Of The Necrodancer (Cover)

Crypt Of The
Necrodancer (Cover)

Crypt of the Necrodancer (2015)

Komponist: Danny Baranowsky (The Binding of Isaac)
Umfang: 01:56:21 (42 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (10 US-Dollar)

Gleich vorweg: Dieser Soundtrack ist ein buchstäblich zweischneidiges Schwert. Die Tracks 28 bis 42 sind Wiederholungen von 15 anderen Liedern des Albums – allerdings mit einem Twist. Der nennt sich „Shopkeeper“ und ist ein Tenorsänger, der stark verzerrt wird. Das klingt so dermaßen schrecklich, dass ich die Stücke schon gar nicht mehr auf den USB-Stick kopiere. Der Rest ist aber glücklicherweise ein gelungenes Electronic-Dance-Album (passend zum Genre des Spiels quasi) vermixt mit einigen Chiptune-Elementen. Nur hier und da werden zur Abwechslung ein paar Rockelemente eingestreut. Das Ergebnis ist unterhaltsam und bringt die Beine in Schwingung.

Persönliches Lieblingslied: Track 02 – Rhythmortis (Lobby) [02:29] (Anhören)

Im Vergleich zum Rest des Albums eher „Lowkey“, wie man so schön sagt, sprich weniger nervenaufreibend und stattdessen eingängig mit einem soliden Grundmotiv. Mir gefällt an diesem Stück besonders der makabre Unterton (aufgrund der Thematik des Spiels), der den ansonsten definitiv eher fröhlichen Sound angenehm verzerrt und zu einem interessanten Hörerlebnis formt.

 

Divnity: Dragon Commander (Cover)

Divnity: Dragon
Commander (Cover)

Divinity: Dragon Commander (2013)

Komponist: Kirill Pokrovsky (Divinity II: Ego Draconis)
Umfang: 00:52:21 (21 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Steam (45 Euro – als Teil der Imperial Edition)

Beim Intro glaubt man zuerst an einen episch-militärischen Fantasy-Orchestersoundtrack geraten zu sein. Wäre ja auch ein Stück weit passend zur Thematik des Spiels. Doch auch wenn es definitiv weitere solche Lieder auf dem Album gibt, weicht Pokrovsky wie gewohnt sehr oft von den eingetretenen Pfaden ab und versucht euch etwas Neues zu bieten. Der Komponist greift dabei sehr oft zu einer interessanten und eher ungewöhnlichen Auswahl an Instrumenten und Musikstilen und erschafft durch ihre Kombination etwas, was man so vermutlich noch nie gehört hat. Für mich sind die klaren Highlights aber die reinen Klavierstücke, in denen Pokrovsky sein musikalisches Können wie schon in den anderen Divinity-Scores besonders gut zur Schau stellt.

Persönliches Lieblingslied: Track 06 – The Board Is Set [02:00] (Anhören)

Schon als klassisches Klavierstück fängt mich dieses Lied sofort ein. Wie so oft, ist das Grundmotiv äußerst simpel und wird nur sanft variiert. Aber nicht nur aufgrund seines vergleichsweise langsamen Tempos geht es mir unter die Haut und erzeugt in mir ein leichtes Gefühl der Anspannung. Auch die leichte Dissonanz trägt ihren Teil dazu bei. So richtig Fahrt nimmt das Stück aber erst auf, wenn nach rund einer Minute die restlichen Instrumente einsetzen und dem Motiv eine spürbare Weite geben ohne großartig an Tempo oder Zusammensetzung etwas zu verändern.

 

Little Inferno (Cover)

Little Inferno (Cover)

Little Inferno (2012)

Komponist: Kyle Gabler (World of Goo)
Umfang: 00:22:56 (22 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Entwicklerwebseite (kostenlos)

Schon World of Goo ist ein Score, der sich trotz seiner düsteren Momente am einfachsten als „nett“ und „schön“ zusammenfassen lässt. Little Inferno ist da nicht viel anders, auch wenn der Grundtenor aller Lieder wesentlich trauriger ist im Vergleich. Nur hier und da lässt der Komponist der Hoffnung etwas Raum und verdrängt die Melancholie ein wenig, die durch den äußerst dezenten Einsatz der wenigen und meist klassischen Instrumente (analoge Gitarre, Xylophon, Trommel) erzeugt wird, nur um euch sogleich wieder einen Dämpfer zu versetzen. Definitiv ein Album, dass sich (wie das Spiel) eher für einen verregneten Tag eignet und je nach Stimmung im Zuhörer völlig andere Gefühle erzeugt. Nur eins ist sicher: Sobald Track 20 aus den Boxen ertönt, dürfte vor Erleichterung selbst beim Härtesten der Härtesten das Herz erweichen und eine Träne die Wange herunterkullern.

Persönliches Lieblingslied: Track 20 – Over The Smokestacks, Over The City [01:17] (Anhören)

Nach 20 Minuten voller Traurigkeit, in der jeder Funken Hoffnung im Keim erstickt wurde, endlich die Erlösung. Es geht aufwärts! Eine volle Minute lang. Langsam, zaghaft und mit sehr viel Vorsicht bewegt sich die Musik auf einen Höhepunkt zu – der aber dann doch nicht kommt. Stattdessen endet das Lied abrupt auf eine Art und Weise, die einem ins Herz sticht und fassungslos zurücklässt. Es ist fast so, als wolle der Komponist noch ein letztes Mal klarmachen, dass Fröhlichkeit zumindest auf dieser CD keinen Platz hat.

 

Stealth Inc 2 (Cover)

Stealth Inc 2 (Cover)

Stealth Inc 2: A Game of Clones (2014)

Komponist: Ricky Honmong (Stealth Bastard: Tactical Espionage Arsehole)
Umfang: 02:59:42 (47 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (7 US-Dollar)

Den Soundtrack zu Teil 1 hatte ich euch das letzte Mal ans Herz gelegt. Und er gehört definitiv immer noch zu meinen absoluten Dauerbrennern egal ob im Auto, auf der Arbeit oder daheim. Entsprechend skeptisch stand ich dem Nachfolgewerk gegenüber. Aber nach einigen Durchläufen bin ich auch mit diesem erneut fast vollständig elektronischen Album endlich so richtig warm geworden. Wie beim ersten Teil, ist das Grundmotiv „Schleichen“. Das heißt jedoch nicht, dass alles nur sanft und gemächlich daherkommt. Im Gegenteil sind selbst die langsamen Stücke klanglich hart. Anders als im vorherigen Album sind die Lieder jedoch durchaus etwas atmosphärischer angelegt und geben euch auch mal eine Pause. War im ersten Teil euer Adrenalinspiegel von Anfang bis Ende auf einem Dauerhoch, seid ihr zwar auch hier dauerangespannt aber eben nicht bis zur Zerreißgrenze. Das macht ihn entweder einfacher verdaubar (für „Normalos“) oder etwas gewöhnungsbedürftiger (Für Fans des Originals). Ein gelungenes Album ist es trotzdem.

Persönliches Lieblingslied: Track 05 – Attenz [03:29] (Anhören)

Dieses Lied ist aus meiner Sicht das Äquivalent zu Cut Throat aus dem ersten Album. Langsam, eingängig und ohne besondere Höhepunkte. Dafür aber knallhart (vor allem dank des Basses) und unerbitterlich. Da fühl ich mich definitiv gleich wie ein Agent, der durch feindliches Gebiet schleicht und den Tod hinter jeder Ecke vermutet.

 

There Came An Echo (Cover)

There Came An Echo
(Cover)

There Came An Echo (2015)

Komponist: Big Giant Circles (Extreme Roadtrip 2)
Umfang: 01:13:25 (21 Lieder)
Mögliche Bezugsquelle: Bandcamp (7 US-Dollar)

Jimmy Hinson ist den meisten mehr für seine fantastischen Chiptune-Alben Impostor Nostalgia und The Glory Days bekannt. Dass der Herr auch den ein oder anderen Spielesoundtrack produziert hat, geht da ein wenig unter. There Came An Echo unterscheidet sich jedoch massiv von seinen bisherigen Werken und entspricht eher dem, was ich als klassischen Score bezeichne. Zwar greift er auch hier stark auf Elektronik zurück, schließlich reden wir von einem SciFi-Titel, doch es ist definitiv kein Chiptune zu hören. Stattdessen bestimmen Orchester-Elemente und sphärischer Gesang gemixt mit futuristische Tönen und etwas E-Gitarre das abwechslungsreiche und etwas erhabene Klangbild.

Persönliches Lieblingslied: Track 12 – Waiting For Fire [04:00] (Anhören)

Schon das Grundmotiv, so simpel es auch ist, zieht mich tief in dieses sanftere Werk hinein. Es hat etwas Leichtes, ja fast schon Befreiendes an sich. Sobald dann auch noch die zwischen traurig und hoffnungsvoll hin und her schwingende Geige einsetzt, hat es mich endgültig in seinen Bann gezogen. Die Wiederholung des Motivs in den zaghaften Toneinlagen verstärkt zusätzlich das schummrige Gefühl beim Anhören.

 

Ich wünsche wie immer viel Spaß beim Reinhören und freue mich natürlich über eure eigene Meinung zu den vorgestellten Soundtracks. Musik ist schließlich immer ein äußerst subjektives Erlebnis. Was mir gefällt, kann bei euch Blutungen in den Ohren auslösen (hoffentlich nicht!). Und selbstverständlich bin ich immer offen für Vorschläge, was ich mir auch noch unbedingt anhören sollte!

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